Der Narziss Peer Gynt

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Geisteswissenschaft
Brigitte Fochler
Der Narziss Peer Gynt
Eine psychoanalytische Betrachtung von Ibsens Gedicht
und seine dramaturgische Umsetzung durch die Claus
Peymann-Inszenierung am Wiener Burgtheater
Magisterarbeit
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Copyright © 2006 Diplomica Verlag GmbH
ISBN: 9783836607391
http://www.diplom.de/e-book/229056/der-narziss-peer-gynt
Brigitte Fochler
Der Narziss Peer Gynt
Eine psychoanalytische Betrachtung von Ibsens Gedicht und seine dramaturgische Umsetzung durch die Claus Peymann-Inszenierung am Wiener
Burgtheater
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Magisterarbeit
ISBN: 978-3-8366-0739-1
Brigitte Fochler
Der Narziss Peer Gynt
Eine psychoanalytische Betrachtung von Ibsens
Gedicht und seine dramaturgische Umsetzung
durch die Claus Peymann-Inszenierung am
Wiener Burgtheater
Diplom.de
Brigitte Fochler
Der Narziss Peer Gynt
Eine psychoanalytische Betrachtung von Ibsens Gedicht und seine dramaturgische
Umsetzung durch die Claus Peymann-Inszenierung am Wiener Burgtheater
ISBN: 978-3-8366-0739-1
Druck Diplomica® Verlag GmbH, Hamburg, 2008
Zugl. Universität Wien, Wien, Österreich, Magisterarbeit, 2006
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http://www.diplom.de, Hamburg 2008
Printed in Germany
Leben ist – Krieg mit Trollen in den Gewölben des Herzens und des Hirns.
Dichten – Gerichtstag halten über sich selbst.1
Henrik Ibsen, Et Vers
1
Oberholzer. In: Ibsen, Dramen, 1973, S.795
1
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS .................................................................................................1
1. VORWORT......................................................................................................................3
2. EINE KURZE INHALTSANGABE VON PEER GYNT .............................................7
3. DIE BIOGRAFIE VON HENRIK IBSEN BIS ZUR ENTSTEHUNG VON
PEER GYNT .....................................................................................................................9
3.1. FRÜHE KINDHEIT .........................................................................................................9
3.2. LEHRE IN GRIMSTAD ..................................................................................................12
3.3. IBSENS ABKEHR VON SEINER FAMILIE .......................................................................13
3.4. THEATERERFAHRUNGEN ............................................................................................15
3.4.1. Bergen................................................................................................................15
3.4.2 Christiania ..........................................................................................................17
3.5. ITALIEN ......................................................................................................................18
3.5.1. Persönlichkeitsveränderung ..............................................................................19
3.6. DIE ENTSTEHUNG VON PEER GYNT ............................................................................21
4. IBSEN UND PEER GYNT.............................................................................................25
4.1. PEER GYNT ALS MASKE DES DICHTERS .....................................................................25
4.2. IBSEN, WIE ER SICH SELBST SAH .................................................................................31
4.2.1. Ästhetik...............................................................................................................35
5. EINE PSYCHOANALYTISCHE SICHT AUF PEER GYNT. EIN
DRAMATISCHES GEDICHT.......................................................................................37
5.1. DER STURZ IN DEN SPIEGELSEE .................................................................................38
5.2. DER NARZISS PEER GYNT ..........................................................................................40
5.3. DIE SELBSTFINDUNG DES DICHTERS DURCH PEER GYNT ............................................52
5.3.1. Ironie als Mittel der Selbstreflexion ..................................................................58
6. VOM LESEDRAMA ZUM BÜHNENSTÜCK...........................................................61
6.1. DAS „LESESTÜCK“: KRITIKEN UND INTERPRETATIONEN ...........................................61
2
6.2. MIT EDVARD GRIEGS MUSIK ZUR URAUFFÜHRUNG ..................................................64
6.3. DEUTSCHE ÜBERSETZUNGEN .....................................................................................66
6.4. DIE DRAMENSTRUKTUR .............................................................................................68
7. DIE PEYMANN-INSZENIERUNG VON PEER GYNT AM WIENER
BURGTHEATER, 1993/94 ...........................................................................................73
7.1. PEER GYNT: REGIE CLAUS PEYMANN. DIE „SCHLÜSSELINSZENIERUNG“ IN
PEYMANNS BURGTHEATERDIREKTION ....................................................................73
7.1.1. Die Ära Peymann ...............................................................................................73
7.1.2 Peer Gynt: Regie Claus Peymann.......................................................................75
7.2. TEXTÄNDERUNGEN ....................................................................................................81
7.3. BÜHNENBILD, REQUISITE, VERSATZSTÜCKE, KOSTÜME............................................84
7.4. MUSIK ........................................................................................................................95
7.5. DIE SCHAUSPIELERINNEN ..........................................................................................96
8. SCHLUSSWORT.........................................................................................................101
9. BIBLIOGRAFIE..........................................................................................................107
10. DANKSAGUNGEN ...................................................................................................113
3
1. VORWORT
Peer Gynt hat in Henrik Ibsens Schaffen einen besonderen Stellenwert. Das dramatische
Gedicht wird in der Sekundärliteratur immer wieder als „Übergangswerk“ bezeichnet. Die
Dramaturgie ist nur schwer einzuordnen. Es gibt vergleichsweise sehr wenig
Sekundärliteratur, vor allem Sekundärliteratur neueren Datums ist kaum zu finden. Dies
ist erstaunlich, da es sich bei Peer Gynt um ein „Schlüsselwerk“ handelt, weil es als
Vorläufer für das moderne Theater gesehen wird. Es ist, wie Ruprecht Volz schreibt, weit
seiner Zeit voraus und nimmt Elemente des Symbolismus, des Expressionismus und des
absurden Theaters vorweg.2
Doch auch in Ibsens Schaffen ist Peer Gynt ein „Schlüsselwerk“. Es ist ein
Übergangswerk von den historischen Dramen Ibsens zu seinen analytischen
Gesellschaftsdramen, ein Übergangswerk von der Romantik zum Naturalismus. Auch
Ibsens Persönlichkeit hat sich zu der Zeit, als er Peer Gynt schrieb, verändert. Die
psychologische Dimension, die sich 100 Jahre nach Ibsens Tod daraus ergibt, mag der
Grund sein, warum es so wenig neuere Sekundärliteratur dazu gibt und Peer Gynt noch
immer als ein Stück gilt, das schwierig zu inszenieren ist.
Dies liegt sicher auch an dem zahllosen Szenenwechsel, der Hauptgrund dafür ist aber,
dass die Interpretation des Stückes so schwierig ist. Schon Ibsen selbst hatte Zweifel, ob
das Drama außerhalb Norwegens verstanden werden würde. Ibsen hat als Grundlage für
Peer Gynt eine märchenhafte Gestalt aus den „Norwegischen Feen- und Volksmärchen“
verwendet. Es herrschte die Meinung, dass man, um Peer Gynt verstehen zu können, mit
den Sagen und Mythen Norwegens vertraut sein müsste und auch die politischen und
historischen Hintergründe kennen müsste.
Eine andere Interpretation, die teilweise heute noch vertreten wird, ist, dass es sich bei
Peer Gynt um den „norwegischen Faust“ handelt. Das ist für mich nicht nachvollziehbar,
da Goethes Faust nach dem Absoluten sucht, nach dem Sinn des Lebens, hingegen sucht
Peer „nur“ nach sich selbst. Ibsen hat in ironischer Weise einige Passagen aus Goethes
Faust einfließen lassen und die Frauen sind Schlüsselfiguren in beider Leben, dies könnte
eine Erklärung für diese Interpretation sein.
2
vgl. Volz, Ruprecht. In: Peer Gynt, Reclam, 2004, S.156
4
Der Fokus dieser Arbeit liegt nicht auf den oben genannten Interpretationen, sondern auf
der psychologischen Dimension dieses Werkes, die sich einerseits aus den Parallelen von
Ibsens und Peers Leben, andererseits aus Ibsens Persönlichkeitsveränderung3 ergibt. Diese
Sichtweise wurde in der Literatur bisher kaum behandelt.
Die Idee zu dieser Diplomarbeit entstand nach der Wiener Festwochenaufführung von
Peer Gynt, einem Gastspiel des Berliner Ensembles, unter der Regie von Peter Zadek im
Juni 2004. Diese Aufführung rief mir die faszinierende Peymann-Inszenierung ins
Gedächtnis, die ich acht Jahre zuvor im Juni 1996 am Wiener Burgtheater gesehen hatte.
Im Wintersemester 2004/05 besuchte ich eine Vorlesung über Henrik Ibsen am Institut für
Skandinavistik, gelesen von Sven Hakon Rossel. Das Thema wurde für mich konkret, als
ich in dieser Vorlesung erfuhr, dass genau zu jener Zeit, als Henrik Ibsen Peer Gynt
schrieb, Ibsen nicht nur sein Äußeres verändert hat, auch seine Handschrift veränderte sich.
Diese Persönlichkeitsveränderung, kombiniert mit der Tatsache, dass Peer Gynt das
Übergangswerk in Ibsens Schaffen ist, mit dem er letztlich zu seiner Identität als Dichter
fand, hat mein Interesse geweckt.
Die Grundidee dieser Arbeit ist es, die psychologische Komponente des Werkes zu
beleuchten und im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsveränderung, die Henrik Ibsen
während und vor der Entstehung von Peer Gynt durchlief, zu diskutieren. Daraus ergeben
sich folgende Fragen:
•
Wie steht der Text von Peer Gynt mit Ibsens Leben und der zu dieser Zeit, als er
das Werk schrieb, stattfindenden Persönlichkeitsveränderung, in Zusammenhang?
•
Ist Peer die Maske des Dichters Ibsen?
•
Wer ist dieser Peer Gynt, wie kann man seine Persönlichkeit, aus heutiger Sicht,
psychologisch gesehen, einordnen?
•
Warum ist die Dramenstruktur so schwer einzuordnen, warum wird Peer Gynt als
Übergangswerk bezeichnet?
•
Wie hat Claus Peymann in seiner Inszenierung die psychologische Dimension des
Stückes umgesetzt?
3
Der Begriff Persönlichkeitsveränderung, der sich durch die ganze Arbeit zieht, beinhaltet den langen
Prozess, den Ibsen bis zum Schaffen von Peer Gynt durchlief und der durch die Veränderung seines Äußeren
und seiner Handschrift einen Höhepunkt fand. Keinesfalls ist damit eine Persönlichkeitsveränderung im
Sinne einer Persönlichkeitsstörung gemeint.
5
All diesen Fragen werde ich in dieser Arbeit nachgehen, um ähnlich, wie der Ibsen-Biograf
Robert Ferguson in seinem Vorwort schreibt, „[...] einen Blick auf einen der berühmtesten
Schriftsteller der Welt zu bieten, um wenigstens eine Teillösung zu finden, was mit dem
Mann geschah, der Peer Gynt schrieb“4.
Dem Hauptteil der Arbeit wird eine kurze Inhaltsangabe des Stücks vorangestellt.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Fragen beginnt mit Ibsens Biografie und seinen
Briefen, um den Weg zu zeigen, den der Mann ging, dessen Stücke heute noch auf allen
Bühnen der Welt (in China ist er der meistgespielte europäische Dramatiker) aufgeführt
werden.
Ich werde der Frage nachgehen, wieweit Ibsens Biografie in das Stück einfließt, um dann
im nächsten Kapitel die Parallelen aufzuzeigen. Dann werde ich die Frage behandeln, ob
man Peer Gynt als Maske des Dichters sehen kann. Von Interesse wird sein, wie Ibsen
sich selbst sah, und was unter Ibsens Ästhetik zu verstehen ist.
Im nächsten Kapitel werde ich mich der Frage widmen, welche Persönlichkeit Peer Gynt
ist. An dieser Stelle möchte ich einen Brief von Ibsen zitieren, den er an seinen Verleger
Frederik Hegel am 31. Mai 1880 schrieb: Er schreibt, dass er ein kleines Buch
beabsichtige, in dem er darlegt, unter welchen Umständen seine jeweiligen Stücke
entstanden sind, und schreibt weiter: Auf eine Auslegung meiner Bücher würde ich mich
natürlich ganz und gar nicht einlassen. Es ist besser, wenn Publikum und Kritik sich auf
diesem Gebiet nach eigenem Belieben herumtummeln dürfen – wenigstens bis auf
weiteres. Aber ich möchte ganz einfach von den Umständen und Verhältnissen berichten,
unter deren Einfluß ich gedichtet habe – alles natürlich mit der äußersten Diskretion und
so, daß ein weiter Spielraum für Mutmaßungen aller Art bleibt.5
Diesen Spielraum werde ich, mit aller zu Gebote stehenden Vorsicht, benutzen um nach
heutigen psychoanalytischen Erkenntnissen zu zeigen, dass Peer Gynt ein Narziss ist, der
sich auf einem schmalen Grat zwischen gesundem und krankem Narzissmus bewegt.
4
Ferguson, 1998. S.12
Ibsen, Sämtliche Werke, 1905, 10. Band, Briefe. S. 289
5
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