Sanftes Schalten für lange Lebensdauer

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Das speziell für Sanftanlaufgeräte entwickelte Thyristormodul SEMiSTART bietet einen um die Hälfte geringeren thermischen
Widerstand als herkömmliche Bauelemente und ist dabei sehr kompakt
Thyristormodul machts möglich Sanftes
Schalten für lange Lebensdauer
Halbleiter für Sanftanlaufgeräte müssen extrem robust und zuverlässig sein. Robust wegen hoher
Temperaturschwankungen des Chips, zuverlässig wegen Lastwechseln. Wenn beide Kriterien erfüllt
sind, ist eine lange Lebensdauer des Sanftanlaufgeräts garantiert.
D
as speziell für Sanftanlaufgeräte
entwickelte antiparallele Thyristormodul SEMiSTART bietet einen
um die Hälfte geringeren thermischen inneren Widerstand als herkömmliche Bauelemente in modularer Bauform durch
eine beidseitige Kühlung der Thyristorchips. Ausserdem wird das kompakte Modul mit der bewährten Druckkontakttechnologie aufgebaut. Das Modul ist somit
die optimale und zuverlässige Lösung für
hohe Anlaufströme, die während des
Startvorganges bei Asynchronmotoren
fliessen.
Autoren:
Ralf Herrmann und Norbert Schäfer
Produktmanager bei Semikron
Info: Semikron AG
Schiffliweg 1, 8700 Küsnacht-Goldbach
Tel. 044 914 13 33, Fax 044 914 13 30
[email protected]
www.semikron.com
Drei Motorstartarten
kommen in der Praxis vor
Drei Arten des Motorstarts haben in
der Praxis Anwendung gefunden. In der
Antriebstechnik wird hauptsächlich die
Drehstrom-Asynchronmaschine als Antriebsmotor eingesetzt. Die Vorteile dieses
Motors liegen auf der Hand:
◆ robuste Bauform
◆ wartungsarm
◆ kosteneffektiv
Direktstart braucht hohen
Anlaufstrom
Mit dem Direktstart einer DrehstromAsynchronmaschine sind ein sehr hohes
Anlaufdrehmoment und ein sehr hoher
Anlaufstrom verbunden. Das hohe Anlaufdrehmoment kann zu mechanischen
Schäden führen, beispielsweise kann das
Förderband, das durch die DrehstromAsynchronmaschine angetrieben wird,
zerreissen.
Der hohe Anlaufstrom kann zu Spannungseinbrüchen im Netz führen. Je grösser die Antriebsmaschine dabei ist, desto
stärker sind natürlich diese Merkmale ausgeprägt. Diesen unerwünschten Merkmalen kann man entgegenwirken, indem die
Spannungsversorgung des Asynchronmotors während der Startphase geregelt wird.
So kann der Anlaufstrom und folglich auch
das Anlaufmoment begrenzt werden.
Stern-Dreieck-Start
ist eine einfache Lösung
Eine einfache Lösung ist die Stern-Dreieck-Schaltung. Dabei werden die Ankerwicklungen des Motors während des
Hochlaufs zuerst in Sternschaltung verschaltet, nach dem Hochlauf werden die
Wicklungen dann im sogenannten Dreieck verschaltet. Dadurch beträgt die Spannung an den einzelnen Ankerwicklungen
während des Hochlaufs den √3-fachen
kleineren Wert. Diese Schaltung wird in
polyscope 9/07
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electronics
Vorteile der SEMiSTART-Module
L1
L2
◆ Kompaktes, platzsparendes Design
◆ Besserer
Wärmeübergangswiderstand
zwischen Halbleiterchip und Kühlkörper
aufgrund weniger Wärmeübergangswiderstände
◆ Sehr hohe Zuverlässigkeit durch reine
Druckkontakttechnologie – keine Lotschicht vorhanden
◆ Kühlkörper muss nicht dimensioniert werden
◆ Einfache Montage – keine besondere
Spannvorrichtung notwendig
der Regel durch einen mechanischen
Schalter oder mittels einer Schützschaltung realisiert. Da es aber nur zwei Schaltstufen gibt (Stern und Dreieck), kann aber
weniger von «Regeln» die Rede sein. Ausserdem ist diese Lösung nicht wartungsarm, da die Kontakte der mechanischen
Schalter durch Funkenbildung verschleissen und erneuert werden müssen.
Sanftstart dank Spannungsregelung
Um die Spannungsversorgung des
Asynchronmotors während der Startphase
regeln zu können, ist ein Sanftanlaufgerät,
auch Softstarter genannt, notwendig. Die
Spannungsregelung wird mit Halbleitern
(Thyristoren) realisiert. Zwischen den Motorwicklungen und dem Netz werden zwei
antiparallel verschaltete Thyristoren in
Reihe geschaltet. Die Spannung an den
Motorwicklungen wird dann mittels
Phasenanschnittsteuerung während des
Hochlaufs geregelt. Je nachdem, wann die
Thyristoren gezündet werden (Zündwinkel h), kann somit das Anlaufmoment und
der Anlaufstrom auf den gewünschten
Wert eingestellt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass zusätzlich auch die Anlaufzeit
geregelt werden kann.
Der Strom, der durch die Halbleiter
fliesst, erzeugt in den Halbleitern eine Verlustleistung. Diese Verlustleistung erwärmt
L3
PE
SEMiSTART
Prinzipschaltbild eines
Sanftanlaufgeräts
die Halbleiter. Deshalb müssen die Halbleiter gekühlt werden. Damit nach dem
Hochlauf der Anlage nicht weiterhin Verlustleistung in den Halbleitern produziert
wird, werden diese durch einen mechanischen Schalter (Bypass) überbrückt. Da
der Bypassschalter keine grossen Leistungen schaltet, kann dieser entsprechend
klein ausgelegt werden. Auch die Kontakte des Bypasses «brennen» nicht ab.
Da die Anlage bereits hochgefahren wurde, ist kein grosser Spannungsabfall vorhanden, den die Kontakte des Bypassschalters schalten müssen. Lediglich der
Spannungsabfall, der sich aus dem mechanischen Aufbau ergibt, und der Spannungsabfall an den gezündeten Thyristoren ist noch vorhanden. Somit wird keine
grosse Leistung geschaltet. Ein Sanftanlaufgerät ist deshalb wartungsarm.
Hohe Anforderungen an den
Halbleiter
Um ein Sanftanlaufgerät möglichst
kompakt, kostenoptimiert und trotzdem
zuverlässig zu bauen, sind hohe Anforderungen an den Halbleitern gestellt. Der Anlaufstrom während der Startphase der Anlage beträgt trotz Sanftanlaufgeräts immer
noch ein Vielfaches des Nennstroms (3- bis
5-fach). Bei grossen Anlagen beträgt der
Anlaufspitzenstrom oft mehrere 1000 Ampere. Die verwendeten
Halbleiter
Motorstrom
müssen deshalb in
1 Direktstart
der Lage sein, die1
sen hohen Anlauf2 Sanftanlauf
1
strom während der
Startphase zu führen. Gleichzeitig soll
aber das Sanftanlaufgerät möglichst
kompakt und kos2
tenoptimiert sein.
Deshalb müssen die
I
verwendeten Halbleiter inklusive der
zugehörigen Kühn
Drehzahl
lung möglichst klein
sein.
Verlauf des Motorstroms im Vergleich Sanftanlauf – Direktstart
N
N
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Bypass
M 3~
Aus Kostengründen werden in der Praxis deshalb Thyristorenbauelemente eingesetzt, deren Nennstrom deutlich niedriger ist als der hohe Anlaufstrom der
Anlage. Deshalb erwärmen sich die Chips
der verwendeten Thyristorbauelemente
während der kurzen Startphase stark, z.B.
von TStart = 40°C auf THochlauf = 130°C. Daraus ergibt sich eine Temperaturdifferenz
des Chips von 90 K. Wenn eine Anlage
dreimal pro Stunde eingeschaltet wird,
und das an 8 Stunden pro Tag, an 365 Tagen pro Jahr, ergeben sich 87 600 Lastwechsel nach 10 Jahren. Diese Thyristoren
müssen dennoch Jahrzehnte lang diesen
Überlaststrom während der Startphase
führen können.
Für Sanftanlaufgerätehersteller war es
bisher schwer, optimal geeignete Halbleiter für ihre Geräte auf dem Markt zu finden. Das antiparallele Thyristormodul
SEMiSTART wurde aufgrund der genannten Anforderungen entwickelt.
Aufbau und Verbindungstechnik
der Thyristormodule
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten,
einen Siliziumchip in einem Bauelement
einzubauen und zu kontaktieren. Oft wird
der Siliziumchip in vielen Modulen beidseitig (anoden- und kathodenseitig) gelötet, das Modul wird aber nur einseitig gekühlt. Die entstehende Wärme wird nur
einseitig über die Grundplatte zum Kühlkörper abgeführt. Besonders problematisch sind dabei die unterschiedlichen
Temperaturausdehnungskoeffizienten der
einzelnen Komponenten, die in einem
Thyristorbauelement verwendet werden.
Bei gelöteten Modulen haben Silizium
(Thyristorchip), Lot und das Kupfer
(Hauptanschlüsse) unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten.
Aufgrund dieser unterschiedlichen Koeffizienten ermüdet das Lot, das den Chip
mit dem Kupferanschluss verbindet, während der Lebensdauer durch den Lastwechselbetrieb. Es findet eine Delaminierung
der Lotschicht statt, d.h., die Lotschicht
bekommt feine Haarrisse. Die Ermüdung
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der Lotschicht führt zu einer Erhöhung des
thermischen Widerstandes. Dies wiederum
führt zu einer Erhöhung der Chiptemperatur bis zum Ausfall des Chips. Dies ist
ein typisches Ausfallbild bei gelöteten
Modulen.
gehalten. In der
Praxis hat sich gezeigt, dass gerade
bei grösseren LeisLotschichten
tungen (Nennströme > 200 A) die
Lastwechselfestigkeit von druckkontaktierten Bauelementen deutlich
besser ist aufgrund
der fehlenden Lotverbindungen.
Aus diesem Grund empfiehlt Semikron
für den Einsatz von Sanftanlaufgeräten
mit grösseren Nennströmen druckkontaktierte Bauelemente. Diese Druckkontakttechnologie kommt auch beim SEMiSTART
zum Einsatz.
Der Chip wird nicht gelötet
Sanftes Einschalten mit SEMiSTART
Silizium-Chip
Isolation
Kupfer-Grundplatte
Darstellung des Lötkontaktmodulprinzips
Im Gegensatz zu gelöteten Modulen
wird beim Druckkontakt der Chip zwischen den Hauptanschlüssen nur mittels
«Anpressdruck» kontaktiert. Der Chip
wird nicht gelötet, sondern nur durch einen sehr hohen Anpressdruck von mehreren kN zwischen den Hauptanschlüssen
Ein SEMiSTART-Modul besteht aus
zwei antiparallel verschalteten Thyristoren, die bereits zwischen Kühlkörpern
montiert worden sind. Die Kühlkörper
dienen gleichzeitig als elektrische Hauptanschlüsse. Die Modulreihe ist speziell
für Sanftanlaufgeräte entwickelt worden. Das Kontaktierungsprinzip
des Chips basiert
Schrauben
auf
Druckkontakttechnologie.
Bei dem Modul
werden zwei Thyristorchips,
die
antiparallel verChips
schaltet
sind,
zwischen
zwei
Kühlkörpern «gedrückt». Es befinden sich keine
Kühlkörper
Lotschichten in
dieser AufbauundVerbindungsDas Druckkontaktprinzip beim SEMiSTART-Modul
technik. Deshalb sind die Schaltmodule
sehr lastwechselfest und haben somit
eine lange Lebensdauer.
Die Kühlkörper des Moduls sind optimal auf die Chipgrösse und auf das Einsatzgebiet für Sanftanlaufgeräte dimensioniert worden. Dadurch wird eine sehr
kompakte Bauform erreicht. Im Gegensatz zu den anderen herkömmlichen
Bauelementen ist der gesamte Wärmeübergangswiderstand zwischen Thyristorchip und Kühlkörper deutlich geringer.
Da die Chips direkt zwischen zwei Kühlkörpern gedrückt und beidseitig gekühlt
werden, sind nur wenige geringe Wärmeübergangswiderstände vorhanden.
Aus diesem Grund wird eine deutlich
kleinere Bauform realisiert als bei vergleichbaren Stromstärken.
Der Montageaufwand eines SEMiSTART-Moduls ist sehr gering. Es werden
keine besonderen Spannvorichtungen benötigt wie bei der Montage von Scheibenthyristoren. Es wird auch keine Wärmeleitpaste benötigt wie bei der Montage
von Modulen. Natürlich können diese
Bauteile auch in anderen Anwendungen,
z.B. Schutzschaltungen, eingesetzt werden.
Breites Typenspektrum
Es gibt drei unterschiedliche Baugrössen und insgesamt fünf verschiedene
Stromklassen. Der Strombereich geht von
500 bis 3000 A für eine max. Bestromungszeit (Hochlaufzeit) von 20 s. Die
verwendeten Thyristoren haben eine max.
Sperrspannung von 1800 V.
Der Markt der Sanftanlaufgeräte wird
in den nächsten Jahren wachsen, da die
Vorteile gegenüber den «alten» Lösungen
offensichtlich sind. Die Systeme sind wartungsarm, zuverlässig, energiesparend
und erlauben ein Regeln des Anlaufmoments und der Anlaufzeit.
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