Mastitis in Milchviehbetrieben

Werbung
Mastitis
Diagnostik und Therapie
Dr. Michael Kreher
Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
Schillerstr. 6
04924 Bad Liebenwerda
http://www.tierarzt-ee.de
Tel.: 0172-6464001
1.) Bedeutung
200,- pro Fall, Spitze des Eisberges
Kg Milk 50
E. coli
Milk
loss
p rofi les
20
S. aureus
40
30
50
S. uberis
20
0
50 100 150 200
Days in Milk
2.) Ursachen
- Faktorenerkrankung
- nichtinfektiös:
- Milchleistung
- Fütterung
- Stressoren
- Melktechnik
- Hygiene (Score)
- traumatisch/toxisch
- infektiös:
- Erreger
Bakt., selten Pilze, sehr selten Algen
- umweltassoziiert
- kuhassoziiert

Kalk-Stroh-Matratze:
 Erstbesatz: 1 Teil Stoh : 1,5 Teile Wasser : 6 Teile Kalk
 Nachstreuen wöchentlich: 1 Teil Stroh : 1 Teil Wasser : 3 Teile Kalk (in
dieser Reihenfolge), Verbrauch: 1500g/d/Platz
 Nachkalken täglich
 Zusätzlich möglich: pro 4 t dieser Mischung 100kg Brandkalk dazu, Cave
Handschuhe und Brille
 Strohqualität: möglichst kurz und aufgespleißt, damit der Kalk mit dem
Strohhalm eine Verbindung eingehen kann, das geht auf der äußeren
Glasurschicht oft schlecht oder nur mit Wasser; im Gemisch soll man kein
goldenes Stroh mehr erkennen, alles muss nach Kalk aussehen, wichtig ist
das Wasser, damit der Kalk an dem Stroh haftet, zu trockenes Gemisch (oder
lange liegen gelassenes) birgt die Gefahr des Abbröselns des Kalkes in der
Matte, was zur starken Verfestigung der Liegebox führen kann
 Str. uberis > pH 9,2, Lüftung
3.) Krankheitsentstehung
500 l Blut/l Milch
Intervet
Gram-positive coca
Staphylococcus spp. Streptococcus spp.
(bunches or clusters) (chains of streptococci from broth culture)
4.) Einzeltiererkennung
- Milchcharakter, Flocken, Farbe, Geruch,
- Euterfarbe, Wärme, Lymphknoten
- Schalmtest (CMT)
- Elektr. Leitfähigkeit steigt, Blutzucker sinkt
- Leistungsrückgang
- Festigkeit des Gewebes
- LKV
- Bakteriologische Untersuchung
Zellen in der Milch
Abwehrzellen 98%
Gewebszellen
 Makrophagen (60%)
 Epithelzellen
2%
 Polymorphkernige
neutrophile Granulozyten
(10%)
 Lymphozyten (28%)
Reinhold, VetkomB
5.) Herdendiagnostik - Leistungsparameter
-
Laktationstage
< 180 Tage
-
Zellzahlen Tank
< 150000
-
Millionäre
<4%
-
Kühe ZZ < 100000
> 65 %
-
Kühe ZZ < 150000
> 80 %
-
Kühe ZZ > 250000
< 10 %
-
Erkrankungsinzidenz
<4%
-
Rezidive
< 20%
-
Erkrankungsrate Kühe<60d pp (% Kuhkalbungen)
< 25%
-
Erkrankungsrate Färsen< 60d pp (% Färsenkalbungen)
< 15 %
-
Neuerkrankungsrate in Trockenstehzeit/Hochträchtigkeit laut ZZ <15%
6.) Milchproben und Erreger
1. Einmalhandschuhe tragen
2. Zitze trocken reinigen, mehrmals Vormelken
3. Reinigen der Zitzenkuppen mit
einem mit 70%-igem Brennspiritus
getränkten Wattebausch (vom Probenehmer
entfernte Zitzen zuerst desinfizieren)
4. Proberöhrchen waagerecht unter die
Zitze halten und zügig vollmelken
(dem Probenentnehmer zugewandte
Seite zuerst nehmen, Achtung
Deckel)
5. Seltene Erreger ohne Borsäure, nicht
frieren
www.tierarzt-ee.de
Wann und wie oft?
- Bei allen neuen klinischen Mastitiden
- Nach der Kalbung, besonders bei Färsen
- Vor dem Trockenstellen
- Bei allen Millionären 1x monatlich
- Bei Therapieresistenten
LKV Waldsieversdorf
Diagnostik
- Landeslabor/Privatlabor
- 3M Petrifilm
- Speed Mam color
- Mastitislabor im Betrieb
Diagnostik im Betrieb
Erlaubnispflicht
 Infektionsschutzgesetz
 Antrag beim Landesamt für Umwelt und
Verbraucherschutz/Landesdirektion
Sachsen, Leipzig
 Wöchentliche Durchführung und
Kontrolle durch Tierarzt
 Hygieneplan, Reinigungs- und
Desinfektionsplan
 Entsorgung
Kuhassoziiert:
- Galt (Str. agal.), Str. dysgal.
- Aureus (Staph. aureus)
- Mykoplasmen
Übertragung im Melkstand,
Reservoire: chron. kranke Tiere,
hohe ZZ Sammelmilch,
viel subklinische,
wenig klinische Mastitiden,
Melkstandarbeit, Hygiene,
Therapie: Identifikation, Selektion,
Übertragung beim Melken verhindern
Umweltassoziiert:
- Coli (E.coli)
- Str. uberis (Sc+)
- Klebsiellen, Enterobacter
- Pyogenes
- Hefen
viele klinische,
wenig subklinische,
ZZ Tank normal,
Reservoire: Umwelt, Liegeflächen, Haut, Einstreu, Kot,
Begleitfaktoren: Azidose, Fütterung, Immunität, Öffnung Zitzenkanal,
Trockenstehzeit und Kalbung,
Boehringer
Staphylococcus aureus:
-
-
-
-
kuhassoziiert, subklinisch
Reservoire: alte kranke, oft Multiresistenz,
Infektion über Monate bis Jahre, Erreger sitzt im Gewebe und
kapselt sich ab, Erregerausscheidung gering bis mittel,
mind. 5 Tage behandeln, vorzugsweise in Muskel (systemisch)
Sanierung schwierig (kranke identifizieren über laufende
Beprobung-cave intermittierende Ausscheidung, separieren in
eigene Gruppe, Therapie in Trockenstehphase und selektieren,
niemals in gesunde Gruppe zurück),
Therapie ist eigentlich nur in dem 1. Lakt.monat (dann sofort ic
und im) oder zum Trockenstellen sinnvoll (Orbenin extra), keine
Therapie bei alten Tieren und hoch in Laktation, weil
Heilungsraten schlecht,
Heilungsrate sinkt bei chron. Fällen, mehreren Vierteln, besonders
hintere Viertel,
„Einmal Aureus – immer Aureus“
bis 5% der Herde akzeptiert
Streptococcus agalactiae/dysgalactiae
- Str. agalactiae „Gelber Galt“
- kuhassoziiert, gut therapierbar mit ic Therapie, sofort
behandeln, auch subklinische Fälle;
- sitzt in den Milchgängen, massive Ausscheidung, daher
seuchenhaft, muss sofort therapiert werden, am besten als
Blitztherapie aller Tiere (mind. aller Galttiere gleichzeitig),
aber auch parenterale Therapie funktioniert gut (wenn Gefahr
der Verschleppung bei ic Applikation).
- Penicillin Mittel der Wahl
Escherichia coli:
-
Erreger im Kot, Schwänze, feuchte Liegestellen, späte Trockenstehphase
-
deutliche Sekretveränderung, wässrig-blutig
-
Erregerausscheidung gering, sind nur an der Kuh oder oberflächlich im
Gewebe, daher kurz oder nicht zu therapieren
-
Toxine bekämpfen, besser systemisch als ic, kurzzeit TrimSulf/Coba/Enro/Advocid,
-
ausmelken mehrmals, Schmerzmittel, Entzündungshemmer, 3l hypertone
NaCl, Drench, Oxytocin (Oxytocin steigert die Abwehrzellen, setzt Ca frei,
senkt Östrogenwirkung),
-
wenn nach Oxytocin keine Milchabgabe erfolgt, dann ist das Viertel i.d.R.
nicht zu retten,
-
typisch: Milchprobe hat schwimmende Phase (Fibrinflocken, die hochsteigen),
oft bernsteinfarben, werden nicht immer nachgewiesen, weil mehr die Toxine
wirken
-
Zw. 30 und 300d pp hängen Colimastitis und Hypocalzämie zusammen
-
Colitypisierung mit PCR zur Diagnostik sinnvoll
-
Heilungsrate abhängig von Zeit!!!
-
Klebsiellen (in feuchter Späne, Sand)
Streptococcus uberis (SC+)
- Strohkeim, Hautkeim, kuh- und umweltass.,
- sehr schnelle und starke Vermehrung und Ausscheidung,
daher gut nachweisbar,
- kein Oxytocin, weil Keimvermehrung unterstützt,
- nicht häufig ausmelken, weil damit die Vermehrungsrate
steigt,
- macht genauso akute Mastitis wie Coli (Fieber, SchwellungKnoten gut tastbar, Sekretveränderung),
- mind. 5 Tage behandeln, ic ist gut (Ubrolexin/Pen G),
- typisch: Milchprobe hat Sedimentphase,
- Therapie subklinischer in Trockenstehphase, wie bei aureus.
- Kalk-Stroh-Matratze
- Trockenstellen mit Benestermycin oder Mastitar forte
KNS (Koagulase Negative Staphylococcen)
- Hautkeim, Stroh
- sind nur oberflächlich im Gewebe, eher in Milchgängen,
daher kurz oder nicht zu therapieren,
- oft als Kontaminanten bei Probenentnahme, Hinweis, wenn
viele b.v.,
- können aber auch klinische Mastitis machen, daher bei
Mastitis therapieren, bei Befund zum TS oder pp nicht
therapieren,
 Prototheken: im Oberflächenwasser, im Feldfutter,
Vermehrung bei schlechter Hygiene, Therapie zwecklos
 Hefen: oft nach antibiotischer Therapie, Th:
Ausmelktherapie mittel der Wahl, oft zwecklos
 Nocardien: im Erdboden, Therapie zwecklos, Zoonose
 Mycoplasmen: schwer nachweisbar, kuhassoziiert und in
Lungen bei Kälbern, Urogenitalsystem, M.bovis
hochansteckend, seuchenhaft, Ganzherdenuntersuchung
wichtig, weil schnelle Ausbreitung, Dreistriche,
Therapie zwecklos, Diagnostik ohne Borsäure, nicht
eingefroren
 Atypische Mykobakterien: Milchabfall, Therapie
zwecklos, Erreger reichern sich in Tiefstreu an,
 Pseudomonas
Kein Ergebnis aus BU - Mögliche Ursachen:
• Probentransport und Konservierung korrekt?
• Nur ein Untersuchungsverfahren angewählt?
• Intermittierende Erregerausscheidung (für einige Gattungen bekannt)
• Äußerst geringe Erregerausscheidung
• Bakterientoxine wirken (noch)
• Antibiotische Behandlung („supprimiert“ Keimwachstum im Labor)
• Unspezifische Mastitis (Technopathie)
Statistik Erregernachweise in Milchproben 2012 LKV
Brandenburg
Nachweishäufigkeit in Prozenten:
KNS
Sc+
Bakteriell verunreinigt
S. aureus
E. coli
ScGalt
Coliforme Keime
A. Pyogenes
29 %
24 %
21 %
9%
6%
5%
3%
2%
1%
Alle anderen wie Pasteurella oder Pseudomonas unter 1 %.
7.) Therapiegrundsätze
-
Sofort behandeln
-
Hygiene bei Eingabe in Zitze
-
Richtiges Medikament (Resistogramm)
-
Richtige Applikation (vorher ausmelken, trockene Zitze, danach
dippen)
-
Therapiedauer (Leitlinien Antibiotika)
-
Häufigkeit der Gabe
-
Dokumentation der Befunde
-
Kontrolle der Behandlungserfolges
Vetriclox/Wedeclox
Masteet
Peracef
Erytrotil
Gentafromm
Tylosel 200
Masticuran
Baytril
Cobactan
Der moderne Weg
-
Bei leichten und mittleren Fällen:
Milchprobenentnahme am 1. Tag und Behandlung mit
Schmerzmittel/Entzündungshemmer
-
wenn kein Wachstum – kein Antibiotikum
-
Gram + nach Antibiogramm behandeln
-
Gram – (Coli) nur mit Antibiotikum, wenn Fieber oder
Allgemeinstörungen
Evidenzbasierte Mastitistherapie nach Mansion-de Vries et al. 2013
(bessere Ausheilungsraten, Senkung der Medikamentenkosten)
Euterbehandlungsplan MVA …… Nov. 2014
Sinnfällige Veränderungen des Milchcharakters: Flocken, Wasser, Blut, keine Milch,
oder Wärme, Rötung, Schwellung, derbes Gewebe, Geruch
Untersuchung und Milchprobenentnahme:
Schalmtest aller Viertel mit Schweregrad,
Durchtasten, Dokumentation der betroffenen Viertel,
Fieber messen, Milchprobenentnahme und Kultur ansetzen
Fieber > 39,5°C ,
mehrere Viertel krank
oder
derbes heißes Euter
< 39,5°C,
geringe
Veränderungen
1. Tag
……. i.c., ……. 20ml i.m.
…… 20ml i.m., Drench
Eutersalbe
…….. 20ml i.m.
Milchprobenuntersuchung durch den Tierarzt, Absprache der Behandlung
2. Tag
Kein Wachstum
Keine Therapie
KNS
Nur bei
zunehmender
Erkrankung
3 Tage ….. i.c.
St. aureus
5 Tage
……. i.c.
Str. uberis
Str. dysgal.
Probe
verunreinigt
5 Tage
……… i.c.,
2 Tage ……..
spritzen
3 Tage
……. i.c.
3 Tage
…….. i.c.
E. coli
……..
20ml i.m.
……..
20ml i.m.
Rezidivierende Mastitis
 Def.: Mastitis nach einer darauf folgenden symptomfreien
Periode (Zeit unbestimmt)
 Gleiches Viertel, gleicher Erreger???
 Literatur von Rezidiven zw. 10 und 40%
 Risiko für Rezidiv besonders nach einer Therapie besonders
hoch und nimmt mit zunehmendem Abstand ab
 Meisten Rezidive zw. 3 und 30 Tagen
 Von allen Rezidiven sind ca. 40% echte Rezidive (gleicher
Erreger) und 60% Neuerkrankungen (anderer Erreger)
 Biofilmbildende Erreger: Aureus, Uberis, KNS, Schutz vor
Phagozytose und vor Antibiotika
 Kosten so hoch wie 1. Infektion, aber Abgangsrate steigt
erheblich
Vielen Dank!
Herunterladen