Rabenvögel PDF OLIs Tierlexikon

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Rabenvögel | Tierlexikon für Kinder - Archiv | SWR Kindernetz OLI's Wilde Welt
Rabenvögel
Corvidae
Rabenvögel haben in den verschiedenen Kulturen einen ganz
unterschiedlichen Ruf: Bei einigen Völkern gelten sie als
Unglücksboten, bei anderen als Boten der Götter.
Aussehen
Gemeinsam ist allen Rabenvögeln der kräftige Schnabel.
Aber das ist auch schon fast alles, denn die verschiedenen Arten
unterscheiden sich ziemlich stark voneinander.
Die größten Raben sind die Kolkraben (Corvus corax). Sie haben ein
tiefschwarzes, blau schillerndes Gefieder und werden bis zu 64 Zentimeter
groß und 1250 Gramm schwer.
Ihr Schwanz ist im Flug keilförmig, der Schnabel sehr kräftig.
Rabenkrähen (Corvus corone corone) sind deutlich kleiner als Kolkraben.
Sie werden aber immerhin noch 47 Zentimeter groß und zwischen 460
und 800 Gramm schwer. Ihr Gefieder ist ebenfalls schwarz, schillert aber
nicht so stark.
Saatkrähen (Corvus frugilegus) werden etwa
46 Zentimeter groß und wiegen 360 bis 670
Gramm, sind also etwa so groß wie
Rabenkrähen.
Ihr Gefieder ist schwarz und schillert blau und ihr Schnabel ist verglichen
mit dem der Rabenkrähen schlanker und länger. Außerdem ist die
Schnabelwurzel weißlich und trägt keine Federn.
Deutlich kleiner ist die Dohle (Corvus monedula). Sie wird nur 33
Zentimeter groß und bis zu 230 Gramm schwer, ist also etwa so groß wie
eine Taube und grauschwarz gefärbt.
Vor allem an Hinterkopf, Nacken und den Ohren sind Dohlen grau. Der
Rücken ist schwarz mit einem blauen Schimmer, die Bauchseite
grauschwarz.
Doch längst nicht alle Rabenvögel sind
schwarz. Der beste Beweis sind unsere bunt und schillernd gefärbten
Eichelhäher (Garrulus glandarius). Sie werden 34 Zentimeter groß, aber
nur 170 Gramm schwer.
Ihr Gefieder ist rötlichbraun, die Flügel sind Schwarz- weiß gezeichnet und
blau-schwarz gebändert. Der helle Kopf ist schwarz gestichelt.
Auffällig ist auch die schwarzweiß gefärbte
Elster (Pica pica) mit ihrem langen Schwanz. Schnabel, Kopf, Rücken und
Schwanz sind schwarz, Schulter und Bauch weiß.
Die Flügeldecken schillern bläulich, die Schwanzfedern grünlich.
Elstern werde bis zu 46 Zentimeter groß und 210 Gramm schwer.
Heimat
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Rabenvögel gibt es auf der ganzen Welt, außer in Neuseeland und in der Antarktis. In Neuseeland
wurden sie jedoch von europäischen Siedlern eingeführt.
Kolkraben haben das größte Verbreitungsgebiet aller Rabenvögel. Sie
kommen in Europa, Asien, Nordafrika, Nordamerika und Grönland vor.
Weil sie früher stark gejagt wurden, findet man sie heute bei uns fast nur
noch in Schleswig-Holstein und in den Alpen.
Doch seit sie geschützt werden, haben sie sich auch in anderen Gebieten
wieder verbreitet.
Rabenkrähen kommen von West- und Mitteleuropa bis nach Asien und
Japan vor.
Dohlen leben in Europa, Westasien und Nordwestafrika, Eichelhäher sind
in Europa, Asien und Nordwestafrika zu Hause.
Ebenso die Elstern; sie kommen aber aber auch in Nordamerika vor.
Lebensraum
Kolkraben sind in den verschiedensten Lebensräumen zu Hause: In
Gebirgen, an felsigen Küsten, in der Tundra, in Laub- und Nadelwäldern
sowie in Busch-Steppen und wüstenartigen Regionen. In den Alpen leben
sie bis in 2400 Meter Höhe.
Rabenkrähen leben in Moorlandschaften, an Küsten in Wäldern, Parks und
auch in Städten.
Saatkrähen bevorzugen Waldränder und Lichtungen, leben heute aber
auch in Kulturlandschaften und Städten.
Dohlen fühlen sich in Parks, Laubwäldern, aber auch in Ruinen wohl und
Eichelhäher sind in Wäldern bis in 1600 Metern Höhe zu Hause. Heute
wandern sie aber immer öfter in Städte und brüten in Parks und großen
Gärten.
Elstern leben in Auwäldern, Gärten, Parks und im Gebirge bis in 1700
Meter Höhe.
Rassen und Arten
Rabenvögel werden in sieben Gruppen eingeteilt: Häher, Elstern,
Wüstenhäher, Tannenhäher, Alpenkrähen/Alpendohlen, afrikanische
Piapias und Raben. Insgesamt gibt es etwa 110 verschiedene Arten
weltweit.
Von manchen Arten gibt es auch mehrere Rassen.
So sind die Rabenkrähen die mittel- und westeuropäische Rasse der
Aaskrähe und kommen bis etwa zur Elbe vor.
Die östliche Rasse der Aaskrähe wird Nebelkrähe genannt. Sie ist grau gefärbt und lebt von Nord- und
Osteuropa bis nach Asien.
Bei uns überschneiden sich die Verbreitungsgebiete beider Rassen; es gibt auch Mischlinge.
Lebenserwartung
Kolkraben werden 20 Jahre alt, Rabenkrähen 19 Jahre, Saatkrähen mindestens 20 Jahre, Dohlen über
20 Jahre, Eichelhäher 17 Jahre und Elstern 15 Jahre.
Alltag
Rabenvögel gelten als die intelligentesten Vögel und wurden deshalb sehr
gründlich von Biologen erforscht. Sie sind sehr gesellige und soziale Tiere.
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Trotzdem sind sie oft unbeliebt, weil sie sich angeblich zu stark
vermehren und sogar Lämmer töten sollen oder sich von Eiern und
Jungvögeln anderer Vogelarten ernähren.
Doch viele dieser Vorurteile sind falsch, und
in Wirklichkeit sind Rabenvögel sehr nützliche
Tiere. Und selbst wenn sich Elstern, Eichelhäher oder Dohlen im Sommer
an dem einen oder anderen Vogelnest vergreifen - die Gefahr, dass sie
andere Vogelarten ausrotten, besteht nicht.
Und "Mörder" sind sie schon gar nicht: Sie tauchen nur an Plätzen, an
denen tote Tiere liegen auf, um das Aas zu fressen. So spielen sie eine
wichtige Rolle im Naturhaushalt.
Ebensowenig stimmt, dass sich Rabenvögel massenhaft vermehren.
Durch ihr Verhalten sieht es oft nur so aus, als gäbe es sehr viel mehr
dieser Tiere: So bauen Elstern zum Beispiel mehrere Nester, brüten aber
nur in einem.
Andere Vögel profitieren davon, weil sie in die fertigen Nester einziehen
können und selber keine bauen müssen.
Saatkrähen kommen in der kalten Jahreszeit aus ihren Brutgebieten zu uns, um zu überwintern und tun
sich dann zu großen Schwärmen zusammen.
Andere treffen sich abends an Massen-Schlafplätzen, um im Schutz der
Gruppe zu übernachten. Rabenvögel, die kein Brutrevier haben, ziehen in
Gruppen umher und fallen vor allem durch den Lärm auf, den sie machen.
Wie intelligent Rabenvögel sind, kann man daran sehen, dass Dohlen
oder Krähen zum Beispiel Kastanien aus großer Höhe herabfallen lassen,
damit die Schale aufplatzt und sie an die Frucht kommen. Elstern können
sich sogar im Spiegel selbst erkennen.
Weil Rabenvögel so schlau sind, lernen sie auch rasch, wo sie in neuen
Lebensräumen wie zum Beispiel in Städten Futter finden können: Sie
durchsuchen Abfallhalden, Komposthaufen oder Abfalleimer.
Außerdem jagen sie anderen Vögeln die Beute ab und verstecken
Nahrungsreste, um sie später wieder hervorzuholen.
Rabenvögel sind geschickte Flieger.
Kolkraben sind sogar richtige Flugkünstler
und kreisen oft gemeinsam in großer Höhe. Bei der Balz zeigen sie
Flugkunststücke: Sie drehen sich auf den Rücken, drehen Loopings oder
lassen sich im Sturzflug fallen.
Während die Kolkraben eher allein in Paaren leben, leben die Paare der
Saatkrähen, Rabenkrähen und Dohlen gern gesellig in Gruppen, im Winter
oft auch in großen Schwärmen.
Freunde und Feinde
Der größte Feind der Rabenvögel war und ist der Mensch, der die schönen Tiere durch Jagd und
Zerstörung des Lebensraums bedroht.
Nachwuchs
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Rabenvögel leben in Dauer-Ehe und sind sehr gute Eltern.
Sowohl Weibchen als auch Männchen versorgen die Jungen, beschützen
sie vor Gefahren und vertreiben Greifvögel, die den kleinen gefährlich
werden können.
Der Begriff "Rabenmutter" oder "Rabenvater", der verwendet wird, wenn
menschliche Eltern ihre Kinder schlecht behandeln, ist also völlig falsch.
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Die Balz der Kolkraben zum Beispiel beginnt im Spätwinter. Sie bauen ein
großes Nest aus Ästen, Lehm und Moos, das sie an sicheren Plätzen in
Nischen an steilen Felswänden oder in hohen Bäumen errichten.
Zwischen Februar und Mai werden drei bis sechs Eier 20 bis 21 Tage lang
bebrütet.
Während das Weibchen allein brütet, wird es vom Männchen mit Futter
versorgt. Später füttern beide Eltern die Jungen mit Insekten und kleinen Fleischbrocken. Nach 40
Tagen werden die kleinen Raben flügge.
Junge Kolkraben sind erst mit etwa zwei Jahren erwachsen. Bis dahin ziehen sie in größeren Trupps
gemeinsam umher.
Die meisten Rabenvögel legen wie die Kolkraben etwa drei bis sechs Eier
und ziehen ihre Jungen gemeinsam auf.
Mit etwa einem Jahr wird der Nachwuchs geschlechtsreif, aber sie
pflanzen sich erst im Alter von zwei bis fünf Jahren fort, wenn sie einen
Partner gefunden und ein Revier besetzt haben.
Kolkraben und Rabenkrähen brüten nicht in Kolonien, sondern lieber allein
in hohen Baumkronen.
Dohlen brüten dagegen gerne in Kolonien von über 100 Tieren und bauen ihre Nester in Baumhöhlen
und Felswänden.
Auch die Saatkrähen suchen zum Brüten die Gesellschaft und den Schutz ihrer Artgenossen und
brüten in Gruppen.
Sprache
Wenn man Rabenvögel krächzen hört, mag man es ja kaum glauben: Aber sie gehören zu den
Singvögeln. Das liegt daran, dass sie einen ebenso gebauten Stimmapparat haben wie die übrigen
Singvögel.
Kolkraben lassen ein tiefes »kraa« oder »krock« hören, manchmal auch
»wärr« oder ein schnarrendes »rrrr«. Rabenkrähen rufen »Kräh«, »kjaah«
oder »konk«. Der Ruf der Saatkrähen klingt wie »krah« oder »kro«. Dohlen
lassen ein klangvolles, helles »kiack« oder »kja« hören. Bekannt sind die
lauten, kreischenden Rufe der Eichelhäher, die wie »ga-hi« oder »rrätsch«
klingen. Elstern rufen »tscharrr-ackackack« oder»jäck-jäck«.
Außerdem können Rabenvögel einen schwatzenden Gesang von sich
geben. Viele Rabenvögel, vor allem Dohlen, können auch menschliche Stimmen und Laute
nachahmen.
Ernährung
Rabenvögel haben einen abwechslungsreichen Speiseplan. Sie leben
sowohl von pflanzlicher, als auch von tierischer Nahrung.
Im Sommer fressen sie vor allem Schnecken, Muscheln, Regenwürmer,
Insekten und manchmal kleine Säugetiere oder Vogeleier und Küken.
Im Winter müssen sie sich mit Beeren, Samen und Aas begnügen.
Manchmal jagen sie auch anderen Vögeln die Beute ab.
Eichelhäher ernähren sich im Herbst von Eicheln und Bucheckern, die sie
als Wintervorrat auch vergraben.
Da sie einen Teil ihrer Vorräte regelmäßig vergessen, tragen sie zur
Verbreitung dieser Bäume bei, denn die Eicheln und Bucheckern beginnen
in ihren Verstecken zu keimen.
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Im Sommer fressen Rabenvögel vor allem Insekten, plündern aber auch die Nester anderer Singvögel.
Haltung
Dohlen und andere Rabenvögel können sehr zahm werden. Da sie alle unter Schutz stehen, dürfen sie
aber nicht der Natur entnommen und als Haustiere gehalten werden.
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© Südw estrundfunk 2016
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