Allgemeines zum römischen Militär

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Allgemeines zum römischen Militär
Im Prinzip war jeder freie Mann bis auf wenige Ausnahmen zum Kriegsdienst verpflichtet, obwohl diese Pflicht
in der römischen Kaiserzeit kaum eingefordert wurde. Zu welcher Truppengattung man ausgewählt wurde, war
weniger eine Frage der Tauglichkeit, sondern wurde mehr durch den rechtlichen Status bestimmt. Um in einer der
rund 30 Legionen dienen zu dürfen, mußte man römischer Bürger sein (civis Romanus). Freigeborene römische
Untertanen (peregrini) dienten in den Hilfstruppen (auxilia) oder in den verschiedenen Flotten (classes).
Freigelassene wurden in der Regel nur für die classes oder die militärisch organisierte Feuerwehr Roms (vigiles)
rekrutiert. In der ranghöchsten Truppeneinheit, der Praetorianergarde (cohortes praetoriae), dienten bis zum Jahr
193 nur römische Bürger, die aus Italien und aus ausgewählten Veteranenkolonien in den Provinzen (etwa
Makedonien) stammten. Erst ab 193 konnten auch römische Bürger aus anderen Gebieten in die
Praetorianergarde eintreten, wobei sie meistens bereits einige Jahre Dienst in einer anderen Einheit (Legion)
abgeleistet hatten. Seit dieser Zeit kommt die Masse der Praetorianer aus dem Grenzprovinzen an Rhein und
Donau.
Legionen
Grundelement der rund 30 römischen Legionen mit einer Personalstärke von jeweils 5500-6000 Mann war die
centuria mit etwa 80-90 Soldaten, die von einem Berufsoffizier, dem centurio, kommandiert wurde. Der centurio
wurde von drei Unteroffizieren unterstützt, dem Feldwebel oder Stellvertreter (optio), dem Feldzeichenträger
(signifer), der auch den Schriftverkehr der centuria erledigte, und der Ordonnanz (tesserarius).
Jeweils 2 centuriae ergaben einen Manipel (manipulus), drei Manipel formierten eine cohors. Während die
cohortes II - X rund 500 Mann stark waren, war die cohors I rund 1000 Mann stark, da in ihr viele
Spezialsoldaten zusammengezogen waren. Die 5 centuriones der cohors I (primi ordines) mit dem ersten centurio
der Legion (primus pilus) repräsentierten hinsichtlich Erfahrung und Einfluß die Spitze der Legion. Diesen
Berufssoldaten und - offizieren standen die Stabsoffiziere gegenüber. Kommandeur der legio war ein
senatorischer legatus legionis, der der Gruppe der gewesenen Praetoren (praetorius) angehörte, ihn unterstützten
6 tribuni militum, von denen einer Senator, die übrigen equites Romani waren [Unterscheidung nach der Breite
des Purpurstreifens an der Kleidung als tribunus laticlavus bzw. angusticlavus]. Die Legionen in Ägypten wurden
an Stelle des legatus legionis von einem nichsenatorischen Lagerpräfekten (praefectus castrorum) kommandiert,
da Senatoren diese Provinz nicht betreten durften. Seit Septimius Severus (193-211) erhielten auch Legionen
außerhalb Ägyptens nichtsenatorische Kommandeure, so wurden die drei neuen legiones Parthicae I-III jeweils
von einem praefectus legionis aus dem Ritterstand kommandiert.
Nach einer ehrenhaften Entlassung (missio honesta) hatte der veteranus Anspruch auf eine Entschädigung.
Während dies in der frühen Kaiserzeit oft die Ansiedlung in einer colonia und die Übergabe von Ackerland
bedeutete (missio agraria), wurde dies später durch eine Geldsumme in Höhe von etwa 12 Jahressoldzahlungen
ersetzt.
Hilfstruppen
Dies sind Soldaten, die ursprünglich von Verbündeten oder Untertanenvölkern dem römischen Staat zur
Verfügung gestellt wurden. Während dies ursprünglich nicht mehr als von Fall zu Fall mobilisierte
Stammesaufgebote oder Soldaten einer Stadt waren, die unter dem Kommando einheimischer Offiziere standen,
erfolgte bald eine Regulierung. Die Soldaten wurden zwar in der ersten Phase noch bei bestimmten Völkern
ausgehoben, erhielten aber dann römische centuriones und einen eques Romanus als Kommandeur, der den Titel
tribunus oder praefectus (cohortis/alae) trug.
Um zu enge Kontakte zwischen den Soldaten und der einheimischen Bevölkerung zu erschweren, wurden diese
Hilfstruppen meistens außerhalb ihres Rekrutierungsgebietes eingesetzt. Wenn die ursprüngliche Mannschaft
gestorben oder aus dem Dienst ausgeschieden war, wurden die dann notwendigen Ersatzmannschaften aber nur in
Ausnahmefällen aus der Heimat nachgeführt (vor allem bei den orientalischen Spezialtruppen), sondern man
ergänzte die notwendigen Soldaten aus dem jeweiligen Einsatzgebiet (lokale Rekrutierung).
Je nach Waffengattung bezeichnet man die Einheit als eine cohors (Infanterie) oder eine ala (Kavallerie). Das
Ursprungsgebiet der Truppe wird durch eine Nationalitätsangabe im Titel geliefert: also cohors V Gallorum = 5.
Kohorte der Gallier, cohors IV Raetorum = 4. Kohorte der Raeter. Bei den Kavallerieeinheiten finden wir neben
dem Herkunftstyp auch die Benennung nach dem ersten Kommandeur oder nach dem Kaiser, der die Einheit
erstmals aufstellte: ala Indiana = Reiterregiment des Indus, ala I Flavia = 1. Reiterregiment, das unter den
Flaviern aufgestellt wurde.
Kohorten und Alen haben in der Regel rund 500 Soldaten, in Ausnahmefällen auch 1000 Mann (cohors bzw.
ala milliaria). Militärische Besonderheiten wie Bogenschützen (sagittaria) oder gemischte Einheit aus Infanterie
und Kavallerie (equitata) werden beim Namen angemerkt. Kommandiert werden diese Auxiliareinheiten in der
Regel von praefecti bzw. tribuni aus dem Ritterstand.
Hinsichtlich der Dienstlänge und der Besoldung sind Auxiliarsoldaten gegenüber den Legionären benachteiligt.
An Stelle einer Dienstprämie am Ende ihrer Dienstzeit steht die Möglichkeit, ins römische Bürgerrecht
aufgenommen zu werden.
Flotten
Flottendienst, ob als Ruderer, Seemann oder Seesoldat, galt als weniger angesehen wie der Dienst in einer
Heereseinheit. Daher finden sich bei den Flotten oftmals Soldaten aus Regionen, die kaum Rekruten für das Heer
abstellten, wie etwa Aegyptus. Hinsichtlich der Dienstbedingungen gelten in etwa dieselben Regeln wie bei den
Auxiliatruppen.
Neben den beiden großen Reichsflotten (classes praetoriae) in Misenum und Ravenna (Misenatis, Ravennatis),
die von einem hochrangigen ritterlichen praefectus classis kommandiert wurden, gibt ee eine Reihe von
regionalen Flotten, wie classis Britannica, classis Germanica usw.
Hauptstädtische Einheiten
Nach ihrer Rangfolge gehören zu dieser Gruppe die folgenden Einheiten
Praetorianergarde / Gardereiter (cohortes praetoriae / equites singulares Augusti)
Stadtkohorten (cohortes urbanae)
Feuerwehr (cohortes vigilum)
Die cohortes praetoriae standen unter dem Kommando des praefectus praetorio. Die einzelne cohors wurde von
einem tribunus cohortis befehligt. Die Praetorianer übernahmen neben dem Schutz und der Begleitung des
Herrschers auch vielfältige Polizeiaufgaben innerhalb Italiens bzw. stellten viele Soldaten für Sonderaufgaben
innerhalb Roms ab. Ein entlassener Praetorianer konnte reaktiviert werden (evocatus) und hatte dann die
Möglichkeit, als centurio bei einer legio seine Karriere fortzusetzen.
Die equites singulares Augusti sind die berittene Leibwache des Herrschers. Die entsprechenden Soldaten
haben zuvor bereits einige Dienstjahre bei einer regulären Kavallerie-Einheit absolviert, bevor sie dann zur
Garde überführt werden.
Die cohortes urbanae unterstehen nominell dem Kommando des praefectus urbi und werden als Einzeleinheit
ebenfalls von tribuni kommandiert. Zwei cohortes urbanae waren außerhalb Roms, in Karthago bzw. in
Lugudunum, stationiert, da sich dort wichtige Reichskassen befanden.
Die 7 cohortes vigilum unter dem praefectus vigilum stellen ein Zwischending zwischen Feuerwehr und
Polizeitruppe dar. Sie sind dezentral auf Rom verteilt und übernehmen die Brandbekämpfung, daneben aber auch
die Bewachung von brandgefährdeten Gebäuden. Deswegen stellten sie auch regelmäßig ein Kommando
(vexillatio) für die Speicher in Ostia/Portus ab. Da ihre Soldaten meistens der Gruppe der liberti angehören,
nehmem sie rangmäßig die letzte Stelle ein.
Sondereinheiten
Aus bestehenden Einheiten konnten zu jeder Zeit Sondereinheiten etwa für Bauzwecke, aber auch für Feldzüge
herausgezogen werden, die nach der Fahne (vexillum), die sie in einem solchen Fall führten, vexillatio genannt
wurden. Je mehr vor allem die Legionen in ihren Stationierungsgebieten immobilisiert wurden, desto größer
wurde die Rolle der vexillationes, die oft viele Jahre als selbständige Einheiten operierten.
Da sich Legionen und Hilfstruppen in Ausrüstung und Rekrutierung immer mehr einander annäherten, entstand
ein neuer Typus an Einheit, der numerus, in dem sowohl Sondertruppen als auch Hilfstruppen bzw. Verbündete
organisiert waren, die noch stärker ihre nationalen Traditionen in der Kriegführung bewahrt hatten. Typisch sind
etwa die numeri arabischer Verbündeter, die als Bogenschützen zum Einsatz kamen.
Römisches Militär in Afrika
In der hohen Kaiserzeit sind in Nordafrika drei Armeen stationiert, die den entsprechenden Provinzen (Africa
proconsularis bzw. Numidia, Mauretania Caesariensis, Mauretania Tingitana) zugeordnet sind und von dem
jeweiligen Provinzstatthalter kommandiert werden. Eine Sonderreglung besteht für Africa proconsularis, wo seit
Kaiser Caligula (37-41) neben dem proconsul Africae ein eigener senatorischer Militärkommandant existiert, der
dem Kaiser direkt unterstellt ist. Dieser ist identisch mit dem legatus legionis III Augustae, der auch eine zivile
Verwaltungskompetenz für die Grenzregion der Provinz besitzt. Diese spezielle Regelung wurde erst im J.
197/98 durch die Einrichtung einer gesonderten Provinz Numidia beseitigt, in der der Legionskommandeur in
Personalunion auch Statthalter der Provinz war.
Africa proconsularis
Kommandeur: Legatus Augusti legionis III Augustae bzw. seit 197/98 legatus Augusti pro praetore provinciae
Numidiae.
Mauretania Caesariensis,
Kommandeur: Procurator Augusti provinciae Mauretaniae Caesariensis
Mauretania Tingitana
Kommandeur: Procurator Augusti provinciae Mauretaniae Tingitanae
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