Teil 2

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Einführung in die Labormethoden
(Mineralogie u. Petrologie)
Teil II: Chemielabor
Röntgenmethoden
Spektroskopie
Rasterelektronenmikroskopie
Dienstag, 14. Dezember 2010
Einführung in die Labormethoden
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Chemielabor
Im chemischen Labor befinden sich eine Reihe wichtiger Einrichtungen:
- Waagen
- Trockenschränke: zum Trocknen von Proben, Glasgefäßen usw.
- Öfen: für Versuche, Erzeugung von Schmelzen, Farbveränderungen bei
Mineralen/Edelsteinen, häufig für die Bestimmung des „Glühverlusts“ (s.u.)
- Anlagen zur Erzeugung von destilliertem und de-ionisiertem Wasser
- Arbeitsplätze mit und ohne Abzug;
- Grundausstattung and Geräten, Gefäßen und auch Chemikalien
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Chemielabor - Glühverlust
Der „Glühverlust“ ist jener Gewichtsverlust (in Gew%), der beim Glühen der
Probe im Ofen (1000°C, an Luft) dadurch entsteht, dass in Mineralen
gebundenes „Kristallwasser“, aber auch das CO2 aus Karbonaten, der
Schwefel aus Sulfiden etc. ausgetrieben wird.
Bei den meisten Gesteinen ist es entweder H2O oder CO2, das verschwindet
– daher kann man aus diesem Gewichtsverlust auf den ursprünglichen
Gehalt zurückrechnen.
Voraussetzung ist, dass die Probe zuvor einige Stunden im Trockenschrank
von der anhaftenden Feuchtigkeit befreit worden ist
Die Angabe des Glühverlusts bei einer Gesamtgesteinsanalyse
(Hauptelemente) ist Standard.
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Die Hauptelementbestimmung geologischer Proben erfolgt an
Schmelztabletten. Es stehen drei verschiedene Eichungen zur Verfügung,
je nach Matrix für granitische (> 60% SiO2), basaltische bis ultramafische
und karbonatische Gesteine. Für die Schmelztablettenherstellung benötigt
man einen Zeitaufwand von ca. 15 min. Feingemahlene Probe und
Schmelzmittel (Lithiumtetraborat) werden in einem Verhältnis von 1 + 6
eingewogen, in Platintiegeln aufgeschmolzen und mit Hilfe einer
Platinschale zu Schmelzlingen gegossen. Dazu steht dem Labor ein
vollautomatischer Induktionsofen (PERL'X2), sowie ein Gebläsebrenner
(NUTECH) zur Verfügung.
Die Spurenelementbestimmung erfolgt an Pulverpresslingen. Dazu
werden 6g der Probe mit einigen Tropfen Harz und Härter (SCANDIA)
versetzt, in einem Achatmörser homogenisiert und in einer
Pressvorrichtung zu Tabletten gepresst und anschließend getrocknet. Der
Zeitaufwand für die Herstellung einer Pulvertablette beträgt ca.10 min.
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Routinemäßig werden folgende Elemente gemessen:
Hauptelemente: Si, Al, Ti, Fe, Mn, Mg, Ca, Na, K, P, (Cr, Ni)
Spurenelemente: Sc, V, Cr, Co, Ni, Cu, Zn, Ga, Rb Sr, Y, Zr, Nb, Ba
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Chemielabor - Schweretrennung
Jedes Mineral hat eine
bestimmte Dichte, oder auch
einen möglichen Dichtebereich,
wenn es ein Mischkristall ist.
Man kann mit schweren
Lösungen verschiedener
Dichte arbeiten, um die jeweils
leichtere oder schwerere
Fraktion eines Gesteinspulvers
abzutrennen und damit sein
gewünschtes Mineral zu
separieren.
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Einige Minerale und
ihre Dichte (g/cm3)
Quarz: 2,65
Kalifeldspat: 2,53
Muskovit: 2,78 - 2,88
Olivin: ca. 3,3
Granat: 3,4 – 4,6
Apatit: ca. 3,2
Zirkon: 4,67
Rutil: 4,2
Calcit: 2,6 – 2,8
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Chemielabor - Schweretrennung
Die wichtigste Anwendung nach einer Schweretrennung ist die
Altersdatierung von Mineralen und die detaillierte Untersuchung
von Einschlüssen in Mineralen
Wichtigste Minerale:
Zirkon: ZrSiO4
Apatit: Ca5(PO4)3(OH,F)
Granat: (Fe,Mg,Ca,Mn)3Al2[SiO4]3
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Chemielabor - Schweretrennung
Wie bei fast allen Methoden liegt die Schwierigkeit nicht im Prinzip, sondern in
der praktischen Handhabung.
Punkt 1: schwere Flüssigkeiten sind meist a) giftig und b) teuer; Man hantiert
daher immer sehr vorsichtig und nur unter dem eingeschalteten Abzug im
Chemielabor. Gebrauchte Flüssigkeit wird gereinigt und recycelt.
Punkt 2: Die einzelnen Schwereflüssigkeiten sind verschieden viskos (je
viskoser, um so lästiger in der Handhabung) und unterschiedlich recycelbar.
Punkt 3: Je feiner die Korngrößenfraktion, um so mehr spielt die Oberfläche
eine Rolle: Oberflächeneffekte können das Zusammenklumpen von Teilchen
bewirken; ummantelte schwere Teilchen können evtl. nicht mehr absinken, die
Schwermineralfraktion ist stark durch leichtes Material verunreinigt oder gar
nicht mehr vorhanden (alles bleibt oben) etc.
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Röntgenpulverdiffraktometrie
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Effekt:
Bestrahlt man Kristalle mit (monochromatischem - bestimmte
Wellenlänge) Röntgenlicht, so erhält man Reflexe, die
charakteristisch für die Natur des jeweiligen Kristallgitters sind.
Anwendung:
Identifizierung von Mineralien
Bestimmung von Polymorphen (gleicher Chemismus, andere
Struktur)
Bestimmung sehr feinkörniger Minerale (etwa Tonminerale), die
mit andern Routinemethoden nicht mehr bestimmbar sind.
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Röntgenbeugung (X-ray diffraction):
Trifft Röntgenlicht auf einen Kristall, so werden die Atome,
und zwar genauer die Elektronen der Atomhülle zur
Mitschwingung angeregt, d.h. jedes Atom wird zu einem
selbständigen Schwingungszentrum, das nach allen
Richtungen Strahlen aussendet, deren Wellenlänge gleich
der Wellenlänge der einfallenden Primärstrahlung ist
(„elastische Streuung“).
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Schema
Bragg‘sche Gleichung
nλ = 2 × d × sin θ
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Röntgenpulverdiffraktometrie
Beugung monochromatischer Röntgenstrahlen am
Kristallgitter
Identifizierung von Mineralien anhand ihres
charakteristischen Beugungsspektrum
Bestimmung von Ordnungsgraden in Mineralgittern ( ->
Diagenesegrad und ~Bedingungen)
Bestimmung von Mineralmodifikationen
Bestimmung sehr feinkörniger Minerale (Tonminerale)
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Beispiel
500
Lin (Counts)
400
300
200
100
0
16
20
30
40
50
60
2-Theta - Scale
lassnig - File: kreide.RAW - Type: 2Th/Th locked - Start: 5.000 ° - End: 60.000 °- Step: 0.100 ° - St ep t
gregor - File: carbonat.RAW - Type: 2Th/Th locked - Start: 5.000 °- End: 60.000 ° - Step: 0.100 ° - S te
C:\DIFFDAT1\arogonit.RAW - File: arogonit.RAW - Type: 2Th/Th locked - Start: 15.000 ° - End: 45.000
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75-2230 (C) - Aragonite - Ca(CO3) - WL: 1.54056
83-1762 (C) - Calcite - from Iceland - Ca(CO3) - WL: 1.54056
41-0586 (*) - Ankerite - Ca(Fe,Mg)(CO3)2 - WL: 1.54056
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Elektronenstrahlmikroanalyse
Die Mikrosonde kombiniert
zwei wichtige Funktionen, die
sie nach dem
Polarisationsmikroskop zum
bedeutendsten Instrument in
der Petrologie macht:
Elektronenmikroskopie ist
höher auflösend als das
Lichtmikroskop und ermöglicht
chemische Punktanalytik im
µm-Bereich!
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Emissionen
Beim Auftreffen auf die
Probe erzeugen der
Strahl eine Vielzahl von
Effekten
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Elektronenstrahlmikroanalyse
Hochauflösende
Mikroskopie
Charakteristische
Röntgenstrahlung
Art Atome
Menge Atome
Kathodolumineszenz
Kristallidentifikation
Kristalldefekte
Kristallgenerationen
Kristallverheilung
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BSE-Bilder
Rückgestreute Elektronen
(back scattered electrons):
Die Rückstreuung nimmt
mit der Ordnungszahl des
Elements zu. Der gerasterte
Elektronenstrahl ergibt ein
Bild in Grautönen, deren
Helligkeit von der mittleren
Ordnungszahl bestimmt ist:
Man kann Mineralphasen
unterscheiden, feinste
Texturen beobachten und
mineralinterne chemische
Zonierungen erkennen.
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SE-, BSE-Bilder
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Details
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Spektroskopische Methoden
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Raman-Spektroskopie
Streuung
Elastisch
Inelastisch
Raman-Streuung
Inelastische Streuung von
Lichtteilchen (Photonen)
an Molekülen
Frequenzverschiebung
von 1011-1013 Hz
(sichtbares Licht ca. 1014
Hz)
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1928 dokumentiert Raman die
inelastische Streuung, 1931 Nobelpreis
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Der Raman Effekt
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Schema
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Aufspaltung des gestreuten Lichtes
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Mikro-Raman-Spektroskop (LabRam Fa.
Jobin-Yvon)
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Vorteile
Zerstörungsfrei
Qualitativ („fingerprint“)
(semi-)quantitativ
Festkörper, Flüssigkeiten, Gase
Einfache Probenpräparation
Räumliche Auflösung ca. 1 µm3
Tiefenanalysen (durchsichtige Medien)
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Vorteile (Fortsetzung)
Analyse durch transparente Medien (Glas,
Wasser, Plastik)
Geringer Atmosphäreneinfluss
Kein Pillenpressen, Auflösen etc.
Verschiedenste physikalische
Eigenschaften
Kristallgrößen, Phasenübergänge,
Polymorphien, Konzentrationsverhältnisse etc.
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Nachteile Raman-Spektroskopie
Nur Molekülverbindungen und Kristalle
(z.B. Na+, Cl- nicht Raman-aktiv)
H2O
Orientierungsabhängigkeit
Fluoreszenz
Undurchsichtige Proben
Absorption, Aufheizung
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http://www.thebritishmuseum.ac.uk/science/baslehead/sr-basle-p4.html
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Anwendungen Festkörper
Elemente
Silikate
Oxide
Sulfide
Karbonate
Salzhydrate
Gashydrate
(Clathrate)
Eis
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Graphit, Diamant
And, Ky, Sil,…
Fe1-xOx, TiO2,…
Py, Markasit,…
Ar, Cc, Dol,…
Hydrohalit, Antarcticit,…
CO2-H2O, CH4-H2O,…
H2O, CO2
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LRS 3600m Tiefe
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Atomabsorptionsspektroskopie (AAS)
Definition:
Atomabsorptionsspektroskopie ist die
Messung einer Absorption (Aufnahme)
von optischer Strahlung durch Atome im
Gaszustand
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Kirchhoff & Bunsen Versuch
P...Prisma
S...Schirm
D: Natriumlinie: Unterbrechung
im sonst kontinuierlichen Spektrum
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Emission (Aussenden) – Absorption
(Aufnehmen)
Emission:
Flamme atomisiert Probe
Thermische Anhebung auf angeregten Zustand
Rückkehr Grundzustand - Emission
Intensität ~ Konzentration der Atome
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(Anregung)
Atomemission
Abgabe von Lichtenergie
Zerfall
Lichtemission instabiler Atome – Emissionsspektrum wird erzeugt
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Linienspektren
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Zweistrahl-AAS
5 Komponenten:
Lichtquelle, die das Spektrum des interessierenden Elementes emittiert
Absorptionszelle, Probenkammer, in der Atome erzeugt werden
Monochromator für die Lichtaufspaltung
Detektor, der die Lichintensität misst und das Signal verstärkt
Elektronische Verarbeitung und Ausgabe
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Perkin-Elmer AAS
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Nachweisgrenzen
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