Kortison…Fluch oder Segen? - Jucken und Brennen im Intimbereich

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Kortison…Fluch oder Segen?
Im Vorstand haben wir bemerkt und diskutiert, dass Kortison und die Anwendung von
kortisonhaltigen lokalen Therapeutika Unsicherheit und Ängste produziert.
Kortison ist ein Wirkstoff, der in der Therapie von Lichen sclerosus nicht wegzudenken ist.
denn oft ist eine stark wirksame Salbe oder Creme mit Kortison der Rettungshalm, wenn es
darum geht, die Entzündung zu dämmen und dem Juckreiz und dem Schmerz Einhalt zu
gebieten. Jedoch schafft die Anwendung von Kortison oftmals auch grosse Verunsicherung
bei den Betroffenen.
Wir möchten Aufklärung schaffen und stellen hier ein paar Fakten über Kortison zusammen:
Was ist Kortison denn überhaupt?
Der Name Kortison (oder Cortison) kommt aus dem Lateinischen und enthält das Wort
„cortex“= „Rinde“.
Die Bezeichnung wurde für den ersten Wirkstoff dieser Form vergeben, der in der
NebennierenRINDE des Menschen gefunden wurde.
Dabei handelt es sich um eine inaktive Vorstufe des Glukokortikosteroids Cortisol.
Grundsätzlich ist Cortisol ein Stresshormon, das beispielsweise auch beim Sport
ausgeschüttet wird, es hat verschiedene Wirkungen und greift z.B. in den Zucker- und
Mineralhaushalt des Körpers ein.
Glukokortikosteroid-Präparate, kurz Kortison, haben eine entzündungshemmende Wirkung.
Umgangssprachlich bezeichnet man Medikamente mit Kortisolwirkung in der Regel als
„Kortison“.
In der Therapie von Lichen sclerosus nutzen wir die entzündungshemmende Wirkung des
Wirkstoffes, um lokal die Symptome zu mildern.
Bei den lokal (topisch) anwendbaren Kortison-Therapeutika gibt es verschiedene Klassen:
1 Wirkstärke Klasse I – schwach wirksam
2 Klasse II – mittelstark wirksam
3 Klasse III – stark wirksam
4 Klasse IV – sehr stark wirksam
(wobei beachtete werden muss, dass diese Terminologie nicht in allen Ländern gleich
gehandhabt wird, manchmal wird Klasse I als stark und Klasse IV als schwach bezeichnet)
Beispiele:
Betamethason dipropionat / valerat (z.B. in Betnovate, Betnelan) und Mometasonfuroat
(z.B. in Elocom, Ecural) gehören zu der Stufe 3 (stark wirksam), Clobetasolpropionat (z.B. in
Dermovate, Dermoxin oder Clobegalen) gehören zu der Stufe 4 (sehr stark wirksam).
Was ist der Unterschied von topisch (lokal) und systemisch?
In der Therapie von LS benötigen wir in der Regel sogenannte topische (lokal und äusserlich)
angewendete Kortison-Therapeutika, die hauptsächlich in der Haut wirken. Dies sind
Lotionen (wenig fettig), Cremes (etwas fettig), Salben (sehr fettig) usw., die den Wirkstoff
transportieren und ins Gewebe (die Haut) bringen. Wenn sehr stark wirksame
Kortisoncremes / -salben auf grössere Flächen über längere Zeit aufgetragen werden,
können sie wie die systemisch wirksamen Kortisonpräparate einen „systemischen“ Effekt
haben, d.h. auch im Körper wirken und auch Nebenwirkungen haben.
Systemisch angewendetes Kortison wird via Tabletten oder Supensionen über den Magen
oder Infusionen direkt ins Blut verabreicht und gelangt somit in den ganzen Körper.
Was für Nebenwirkungen von lokal angewendetem Kortison sind bekannt?
Bei sachgemässer Anwendung haben lokal aufgetragene Kortisoncremes oder –salben wenig
unerwünschte Nebenwirkungen.
Für kurze Zeit angewandt treten üblicherweise keine Nebenwirkungen auf, wobei die
verschiedenen Körperstellen unterschiedlich stark auf Kortison reagieren. Z.B. sollte im
Gesicht kein sehr starkes Kortison angewandt werden, am Körper hingegen sehen wir
weniger Nebenwirkungen.
Kurze Anwendung bedeutet ungefähr 1-2 Wochen, lang mehrere Monate bis Jahre.
Bei der Kortisonanwendung ist es immer wichtig, die Behandlung regelmässig zu
unterbrechen, um Nebenwirkungen zu vermeiden; die Haut erholt sich in diesen Phasen.
Daher empfehlen viele Dermatologen die Intervall-Behandlung, d.h. z.B. 2 Tage behandeln
und dann wieder ein paar Tage Pause, wie es auch für die Dauerbehandlung des LS
empfohlen wird. Die einleitende Behandlung des LS mit einem starken Kortison über 3
Monate führt nur selten zu Nebenwirkungen (z.B. vielleicht Kindern), dies äussert sich dann
in Rötung und Verdünnung der Haut, dies bildet sich jedoch nach Absetzen des Kortisons
üblicherweise zurück.
Bei langer Anwendung (Monate / Jahre) kann es gelegentlich zu örtlichen bakteriellen
Infektionen oder Pilzbefall kommen, diese sind jedoch üblicherweise gut zu behandeln.
Wichtig zu Wissen:
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LS führt unbehandelt viel schneller zu Gewebeschwund, welchen viele befürchten, als
der durch Kortison verursachte Gewebeverlust. Sprich ein unbehandelter oder
unausreichend behandelter LS ist in jedem Fall schädlicher für das Gewebe.
Ausserdem ist die von LS betroffene Schleimhaut in der Intimregion dem Kortison
gegenüber viel toleranter, als normale gesunde Haut.
Kortisonsalben sollen nur dünn und gezielt , z.B. mit Hilfe eines Spiegels auftragen
werden (siehe von uns bereitgestelltes Applikationsbild)
Als Anhaltspunkt gilt: eine Tube mit 30 Gramm sollte 12 Wochen reichen (eine
Fingerspitze pro Applikation)
Regionen, die nicht jucken und schmerzen, jedoch gerötet sind, sollten ebenfalls
mitbehandelt werden und benötigen auch Pflegesubstanzen (Rückfettung)! Die
Rötung ist ein Entzündungszeichen und wenn diese Region ausgelassen wird, nur weil
sie sich nicht meldet (juckt), kann das Folgen haben. Dies ist wieder ein Plädoyer für
das Auftragen mit dem Spiegel!
Achtung das Kortisonpräparat darf nicht in die Scheide!
Alle grün hinterlegten Bereiche eincremen. Nie in den roten Bereich! Wer auch im Bereich
um den Anus von LS betroffen ist, muss den Anus auch in die Behandlung und Erhaltung mit
einschliessen.
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