Ernährung

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Ernährung
Autor: Thomas Petrasch
Die Entwicklungsgeschichte des Menschen zeigt, dass er von Natur aus Gemischtköstler (Omnivore)
mit überwiegender pflanzlicher Komponente ist. Schon der anatomische Aufbau beweist dies. So
gleicht der menschliche Dickdarm in seiner Länge dem eines Pflanzenfressers, und unser Gebiss
lässt auf einen Früchte- und Wurzelesser schließen.
Reine Pflanzenfresser, wie z. B. Meerschweinchen, Kaninchen oder Affen, sind nicht in der Lage das
Vitamin C selbst zu produzieren. Für sie ist es in der Regel auch nicht nötig, da sie über die Nahrung
genug dieses Vitamins aufnehmen. Der Mensch gehört ebenfalls in diese Kategorie, da auch ihm die
Fähigkeit zur Synthese von Vitamin C fehlt.
Fleischfresser besitzen in der Regel ein Enzym, das Harnsäure abbaut, so dass dieses Eiweiß-Abbauprodukt ausgeschieden werden kann. Bei Menschen mit einer Störung des Harnsäurestoffwechsels lagern sich diese Endprodukte im Körper (d. h. in den Gelenken) ab, was zu Gichtknötchen führt.
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts entsprach die menschliche Ernährungsweise mehr oder weniger der seit Jahrtausenden üblichen. Seitdem hat sich jedoch die Art der Nahrungsaufnahme grundlegend geändert. Auch das Maß an körperlicher Aktivität hat sich bei sehr vielen Menschen stark verringert. So wurde früher bei körperlich schwerer Arbeit eine vorwiegend pflanzliche, wenig oder überhaupt nicht verarbeitete, ballaststoffreiche Kost verzehrt. Unsere heutige Ernährung stellt bei vorwiegend sitzender Tätigkeit praktisch das genaue Gegenteil dar: überwiegend tierisch, oft zerkocht und
ballaststoffarm. Trotz der hohen Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers ist der Zeitraum
200 Jahren zu kurz, als dass sich der menschliche Organismus auf diese gravierenden Änderungen
einstellen könnte. Die Folge davon sind eine steigende Anzahl von Menschen, die unter gesundheitlichen Störungen (z. B. Karies, Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes) aufgrund
einer unangepassten Ernährung leiden.
Die in heutigen Zeit mehrheitlich praktizierte Ernährungsweise löst jedoch nicht nur individuelle gesundheitliche Probleme aus, sondern führt auch zu negativen Einflüssen in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und Dritte Welt. Um hier Änderungen herbeizuführen, bedarf es einer veränderten
nachhaltigen Lebensweise, die die ökologischen Zusammenhänge berücksichtigt. Eine Ernährungsform, die Aspekte aus Gesundheit, Umweltschutz und Gesellschaft beachtet, ist die Vollwerternährung. Deren Ziel ist eine optimale Versorgung des Körpers mit allen essenziellen Stoffen, so dass eine optimale Basis für Gesundheit und Widerstandsfähigkeit geschaffen wird. Dies ermöglicht die beste
Voraussetzung für eine gute körperliche und geistige Entwicklung. Vollwerternährung schont gleichzeitig die begrenzten Energie- bzw. Rohstoffreserven und steht im Einklang mit den Erfordernissen
der Welternährung.
Vollwerternährung unterscheidet sich von der üblichen Mischkost durch ihre Naturbelassenheit, d. h.
unnötige Be- und Verarbeitung werden vermieden. Bei Vollwerternährung werden vorwiegend Vollkornprodukte, Gemüse und Obst der Saison, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte, naturbelassene Fette (Butter; kaltgepresste, unraffinierte Öle) und Kräuter verzehrt. Vollkornprodukte
sind Brot, Brötchen, Kuchen, Nudeln und Mehle, die aus Vollgetreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer,
Hirse, Reis, Mais, Grünkern, Dinkel, Buchweizen) hergestellt werden. Pflanzliche Lebensmittel werden
zwar bevorzugt, mäßige Mengen von Eiern, Fisch und Fleisch dürfen jedoch im Speiseplan enthalten
sein. Es empfehlen sich ein bis zwei Fleischmahlzeiten, eine Fischmahlzeit und ein bis zwei Eier pro
Woche. Vollwerternährung zeichnet sich durch einen guten Geschmack und einen hohen Sättigungswert aus. Sie ist leicht anwendbar, da Kalorien- und Inhaltstabellen wegfallen. Weitgehend gemieden
werden sollten Industriezucker und Weißmehle sowie alle Produkte daraus, z. B. Limonaden. Als Getränke werden Mineralwasser und ungesüßte Frucht- und Kräutertees empfohlen.
Die Gründe für einen reduzierten Fleischverzehr im Rahmen einer Vollwerternährung werden durch
die nachfolgende Argumente deutlich.
1. Bei der Fleischerzeugung entstehen starke Veredlungsverluste. Zur Produktion einer Kilokalorie, die in Form von Rindfleisch verzehrt wird, müssen zehn Kilokalorien in Form von Weizen
aufgewandt werden. Bei Schweinefleisch liegt dieses Verhältnis bei 1:3, bei Hühnerfleisch bei
1:12. Ein großer Teil des Getreides (Weizen zu ca. 70 Prozent) sowie der Futtermittel (z. B.
Soja aus der Dritten Welt) werden in der Tiermast eingesetzt. Die Lebensmittelversorgung der
gesamten Weltbevölkerung könnte erheblich verbessert werden, wenn diese Veredlungsverluste verringert würden.
2. Massentierhaltung bedeutet Umweltbelastung durch Gülle und steigert den Tierarzneimitteleinsatz.
3. Innereien enthalten viele Schadstoffe, da die Tiere am Ende der Nahrungskette stehen.
4. Fleisch enthält meist viel Fett, gesättigte Fettsäuren und Purine, die die Ursache für viele
Wohlstandskrankheiten sind.
5. Der hohe Fleischkonsum belastet durch das übermäßig aufgenommene Eiweiß unseren Körper, besonders die Nieren.
6. 35 Prozent unserer Kochsalzzufuhr stammt aus tierischen Produkten, vor allem aus der Wurst.
7. Fleisch enthält so gut wie keine Ballaststoffe.
8. Tierisches Eiweiß ist im Kostenvergleich sehr viel teurer als pflanzliches.
Alle Käufer von Nahrungsmitteln können die Umwelt durch die „Macht des Einkaufskorbes“ mitgestalten. Im Jahr 1981 war in einem Artikel von „Brot für die Welt“ zu lesen: „Der Verbraucher ist eine
Macht. Viele Verbraucher sind eine große Macht. Durch die Änderung von Essgewohnheiten (z. B.
weniger Fleisch, mehr Getreide und Gemüse), die gezielte Kaufverweigerung bei bestimmten Produkten, der bewusste Kauf anderer Produkte, das alles wird auf dem Markt spürbar durch sich verändernde Bilanzen. Bilanzen sind aber empfindliche Instrumente, an denen Wirtschaftsführer und Politiker Daten für ihre Entscheidungen ablesen.“ Da sich seitdem die Zahl derjenigen Verbraucher, die
sich gesundheits- und umweltgerechter ernähren, erhöht hat, konnten die Anbauflächen des deutschen Ökolandbaus stark erweitert werden. Auch große Einzelhandelskonzerne haben die Zeichen
der Zeit erkannt und bieten verstärkt Bioprodukte sowie Landmarkt-Produkte regionaler Hersteller an.
Literaturhinweis:
„Vollwert-Ernährung“ von Karl von Koerber / Thomas Männle / Claus Leitzmann, Haug Verlag
Interessante Internet-Adressen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (http://www.dge.de/)
Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (http://www.aid.de/)
Alles über Lebensmittel (http://www.was-wir-essen.de/)
Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (http://www.aoel.org/)
Institut für Ernährungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen
(http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb09/institute/ernaehrungswissenschaft)
Brot für die Welt (http://www.brot-fuer-die-welt.de/)
Beratungsbüro für ErnährungsÖkologie (http://www.bfeoe.de/)
Rat für nachhaltige Entwicklung (http://www.nachhaltigkeitsrat.de/)
Sozial-ökologische Forschung (http://www.sozial-oekologische-forschung.org/)
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (http://www.wbgu.de/)
Mareg Projektbüro (http://www.markt-region.de/)
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