Anforderungen der Hygiene bei der Dialyse aus ärztlicher Sicht

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Dialyse: Kernprobleme der Hygiene
Anforderungen der Hygiene bei der Dialyse
aus ärztlicher Sicht
PD Dr. Matthias Girndt
Klinik für Innere Medizin IV
Universitätsklinikum des Saarlandes
Dialyse: Kernprobleme der Hygiene
• Behandlung der Patienten in Zentren
– Räumliche Nähe
– Keimspektrum
– Personal betreut mehrere Patienten
• Großlumige Gefäßzugänge
– Keiminvasion
– Blutspritzer
Schutzziele in der Dialyse
• Vermeidung nosokomialer Infektionen
– Virale Hepatitis
– Multiresistente Erreger
– Bakterielle Infektionen
• Schutz des Personals
• Immuninkompetenz der Patienten
Virale Hepatitis historisch
Virale Hepatitis heute
1%
2,4%
• Hepatitis B Prävalenz in deutschen Dialysezentren 1980: 12,4 %
Quelle: Bericht Quasi Niere 2005/6
1
Hepatitis an der Dialyse: nur noch ein
historisches Problem?
Hepatitis an der Dialyse: nur noch ein
historisches Problem?
Land
Hepatitis B
Hepatitis C
Land
Hepatitis B
Hepatitis C
USA
0,9%
8,4%
USA
0,9%
8,4%
Deutschland
1,2%
3,7%
Deutschland
1,2%
3,7%
Spanien
2,2%
17,0%
Spanien
2,2%
17,0%
Italien
5,1%
30,0%
Italien
5,1%
30,0%
Südfrankreich
7,2%
23,6%
Südfrankreich
7,2%
23,6%
Taiwan
8,2%
34,1%
Taiwan
8,2%
34,1%
Brasilien
12,0%
46,7%
Brasilien
12,0%
46,7%
Rumänien
17,0%
75,0%
Rumänien
17,0%
75,0%
Übertragungswege virale Hepatitis
Unterschiede HBV / HCV
• Übertragung durch Blut!
• Transmission durch Personal oder Geräte
–
–
–
–
–
•
•
Hände, Hände, Hände!
Blutdruckmanschetten
Stauschläuche
Klemmen
Oberfläche der Dialysemaschine
•
•
•
3er-Regel der Infektionsgefahr:
Bei Nadelstichverletzung ist das
Risiko, eine Infektion zu
erleiden:
HBV 30%
HCV 3%
HIV
0,3%
Außerdem: hohe Umweltresistenz von HBV
0.5
ai
94
-N
ai
94
ov
95
0.0
M
• Intervention: Personal-Schulung
Allgemeinmaßnahmen
1.0
ov
92
-M
• Bestimmung der Inzidenz
noskomialer HCV Infektionen in
18-Monats-Zeiträumen
ov
92
• 963 Patienten
Schulungen
1.5
N
Häufige hygienische Händedesinfektion
Unsterile Handschuhe, neu für jeden Patienten
Abwaschen der Maschinen nach jeder Schicht
Vermeidung gemeinsamer Gerätschaften
Vorsicht bei Multidose-Medikamenten
Inzidenz (%) über 18 Monate
–
–
–
–
–
• 15 belgische Dialysezentren
ai
91
-N
• Hygienische Allgemeinmaßnahmen
Was erreichen die Allgemeinmaßnahmen?
M
Schutzmaßnahmen an der Dialyse
Periode
Jadoul et al., Kidney Int 1998; 53:1022
2
Spezielle Schutzmaßnahmen
Die separate Dialysemaschine
Hauptrisiko:
Äußere Oberflächen
Spritzkontamination
• Jährliches Screening auf HBV, HCV, (HIV)
• Impfung aller Hepatitis B negativen Dialysepatienten
• Behandlung infizierter Patienten an separaten Maschinen
• Räumliche Trennung der HBV-infizierten Patienten
Infektion durch das Innere der
Dialysemaschine?
HCV
55 nm
HBV
42 nm
Porengröße
Dialysemembran
7 nm
HIV
105 nm
Ursachen für Ausbrüche der letzten Zeit
Nosokomiale Ausbrüche Hepatitis C
Prävalenz
Jahr
Land
hoch
1992
Slovenien
Infizierte
8
Seme
Erstautor
hoch
1993
Griechenland
5
Katsoulidou
hoch
1994
Frankreich
4
Halfon
hoch
1994
Türkei
9
Abacioglu
hoch
1995
Frankreich
11
Izopet
hoch
2000
Japan
11
Kokubo
hoch
2002
Spanien
6
Gonzalez
hoch
2004
Norditalien
4
Kondili
niedrig
1991
Belgien
25
Stuyver
niedrig
1997
Frankreich
4
Le Pogam
niedrig
2001
Frankreich
22
Savey
Schwachstelle Blutgasanalysator
• Nichteinhaltung der hygienischen Allgemeinmaßnahmen
• Hygienische „Schwachpunkte“
– Gerätereinigung
– Blutgasanalysatoren
– Abfallentsorgung
– Multidose-Medikamente
– Unzuverlässige Patienten
Pat. Zimmer #1
Pat. Zimmer #2
Pat. Zimmer #3
Infektion
3
Abfall-Entsorgung
• Dezentrale Verpackung von
Schlauchsystemen und
Filtern in dichte Behältnisse
Schutzmaßnahmen bei besonderen Erregern
Räuml. Trennung
eigene Maschine
Schutzkittel + MundNasenschutz
HBV
ja
ja
ja
HCV
nein
ja
nein
HIV
nein
ja
nein
MRSA/VRE
ja/zonal
nein
ja
andere MRE
nein
nein
ja
Noroviren
ja
nein
ja
C. difficile
ja
nein
ja
„Zonale“ Isolierung von Dialysepatienten
•
•
•
•
•
Dialysekatheter-Verschluß
Bereichsabgrenzung, z.B. spanische Wand
Betreten mit Überkittel, Mundschutz, Handschuhen
Einhalten der RKI-Empfehlungen* außer Raumseparierung
Nur ambulante/teilstationäre Patienten
Freier Gebrauch von Taxi/ÖPNV
* Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am RKI: Empfehlung zur Prävention
und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in Krankenhäusern und anderen
medizinischen Einrichtungen. Bundesgesundheitsbl 1999; 42:954-958.
Katheter-Verschlußlösungen
Zusammenfassung
• Hygienische Allgemeinmaßnahmen als Basis aller
Infektionsvermeidung
• Randomisiert doppelblinde
Studie:
• 143 Pat. Heparin 5000 U/ml,
148 Citrat 30%
• 98 getunnelte und 193
ungetunnelte Katheter
–
–
–
–
Händedesinfektion
Handschuhe / Wechsel für jeden Patienten
Gemeinsame Gerätschaften vermeiden
Adäquater Umgang mit Einmalmaterial / Mutidose-Medikamenten
• Zusatzmaßnahmen bei besonderen Erregern
– Virale Hepatitis, HIV, MRSA, VRE, Noroviren, Cl. difficile
Marcel et al., JASN 2005; 16:2769
4
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