Erstmalige umfassende Darstellung der Zusammenhänge zwischen

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Medienkonferenz vom Dienstag, 22. Mai 2007 in Bern
Erstmalige umfassende Darstellung der Zusammenhänge zwischen Landschaft und
Gesundheit!
Landschaft tut gut. Diese landläufige Feststellung wurde nun erstmals systematisch untersucht. Das
Projekt „Paysage à votre santé“ der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) und der Ärztinnen und
Ärzte für Umweltschutz (AefU) hat das Ziel, diesem Zusammenhang auf die Schliche zu kommen und
Vorschläge zur gesundheitsfördernden Landschaftsgestaltung auszuarbeiten. Die Studie wurde
erarbeitet vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, Abteilung Gesundheitsforschung unter Prof. Thomas Abel. Erstmals wurde nun die wichtige Funktion von Natur und Landschaft in der Förderung der Gesundheit bestätigt. Damit eröffnet sich ein neues Forschungsfeld und
erhöht die Bedeutung des Schutzes und der Aufwertung unserer urbanen und ländlichen Landschaften.
Programm
1. Macht eine intakte reizvolle Landschaft gesund? Zum Hintergrund der Studie,
Raimund Rodewald, Geschäftsleiter SL, Rita Moll, Geschäftsleiterin AefU
2. Präsentation der Studie „Landschaft und Gesundheit – Das Potential einer Verbindung zweier Konzepte“,
Prof. Thomas Abel, Andrea Abraham und Kathrin Sommerhalder, Institut für Sozial- und Präventivmedizin,
Abteilung Gesundheitsforschung, Uni Bern
3. Konsequenzen der Ergebnisse für die Praxis und weiteres Vorgehen, Raimund Rodewald, SL
Der gesundheitsfördernden Wirkung von Landschaft ist künftig mehr Gewicht beizumessen
Foto: Peter Bolliger (bestellen per e-mail <[email protected]>)
«Erstmalige umfassende Darstellung der Zusammenhänge zwischen Landschaft und Gesundheit!»
Medienkonferenz vom 22. Mai 2007 in Bern:
Macht eine intakte reizvolle Landschaft gesund? Zum Hintergrund der Studie
(Raimund Rodewald, Dr. phil. Biol., Geschäftsleiter SL)
«Landschaft tut gut.» Die Bedeutung intakter Landschaften und Freiräume (inner- und
ausserhalb von Siedlungen) auf Körper, Geist und Seele des Menschen wird in Vorträgen oder
Artikeln häufig aufgegriffen. Leider gibt es aber nur sehr wenig konkrete Indizien über einen
nachweislichen Effekt. Mit dem neuen Projekt «Paysage à votre santé» haben die SL und die
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (Aefu) erstmals diesen Zusammenhang
Landschaft/Gesundheit auch wissenschaftlich aufzuzeigen versucht. Der fachliche Input hierzu
liefert das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern (Prof. Thomas Abel).
Diese Kenntnisse sollen im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeiten zu einer breiten Diskussion
anregen und Behörden, Institutionen und Privatpersonen sensibilisieren. Mit Anreizprojekten
soll eine gezielte Aufwertung der Landschaft vor dem Hintergrund der positiven Wirkungen für
die Gesundheit angestrebt werden können.
Die hochwertige Siedlungsentwicklung, die auch mit öffentlich zugänglichen Naturflächen im
urbanen Raum nicht geizt, und der Landschaftsschutz werden damit auch aus der Sicht der
Förderung der Gesundheit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen. Ein weiterer Forschungsbedarf wird ausgewiesen.
Gesundheit als Begriff wird heute deutlich weitergefasst als die Negativdefinition der Abwesenheit von
Krankheit. Gemäss Definition der WHO (1998) ist die Gesundheit ein dynamischer Zustand des
kompletten physischen, mentalen, spirituellen und sozialen Wohlbefindens und besteht nicht nur aus
der Absenz von Krankheit oder Schwäche.
Unterschiedlich sind die Kenntnisse über die direkten und indirekten Auswirkungen des Zustandes
unserer Umwelt auf die Gesundheit des Menschen. Während über die gesundheitlichen Folgen von
Luft-, Wasser-, Boden-, Lärm- und NIS-Belastung einiges bekannt ist, verblieb die Frage der Folgen
eines Verlustes von Raumqualitäten auf die Gesundheit eher im Vagen. Bekannt sind die Wirkungen
gesunder Ernährung (naturverträglich produzierte Lebensmittel) und der aktiven Erholung (Stichwort
Bewegung im Freien) auf das Wohlbefinden des Menschen. Derartige Wirkungen lassen sich teilweise
auch monetarisieren.
Schwieriger scheint die Beantwortung der Frage nach dem Einfluss einer Landschaft (intakt/reizvoll
oder trivialisiert) auf die Entwicklung der sozialen Kompetenz und generell der Bedeutung eines
Naturraumes oder einer ästhetisch reizvollen Landschaft auf das Wohlbefinden.
Eine holländische Studie von 2004 gab erste Hinweise über eine feststellbare Wirkung intakter oder
zerstörter Natur auf das Wohlbefinden des Menschen (Health Council of the Netherlands and Dutch
Advisory Council for Research on Spatial Planning, Nature and the Environment. Nature and Health.
The influence of nature on social, psychological and physical well-being. The Hague: Health Council of
the Netherlands and RMNO, 2004; publication no. 2004/09E; RMNO publication nr A02ae.). In dieser
Studie wird verwiesen auf die zunehmende Nachfrage nach „Nature for people“, vor allem in und um
Medienkonferenz vom 22.5.2007: Referat R. Rodewald
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die Städte herum. Dieser „Import“ von Erholungsräumen in unsere Städte zeigt sich auch in der
Schweiz (Zürcher Riviera, Erholungsort Bundesplatz Bern u.a.). dennoch ist in den aktuellen
Gesundheitsprogrammen und –politiken nur wenig Aufmerksamkeit für den entsprechenden Nutzen
von Natur im Zusammenhang mit Wohlbefinden zu spüren. Trotzdem entstehen mehr und mehr
Initiativen im Gesundheitsbereich für die Wertschätzung des heilenden Effektes von Natur („healing
gardens“, Wellnessfarmen u.a.).
Es stellten sich daher für uns und mit dem Fokus auf den deutsch- und französischsprachigen Raum
folgende Hauptfragen:
1)
2)
3)
4)
Welche nutzbringende Wirkung hat die Natur und Landschaft auf das menschliche Wohlbefinden?
Welche Bedeutung hat die Verlusterfahrung oder der Erfahrungsverlust in Bezug auf das
seelisch-geistige, ja gar körperliche Wohlbefinden des Individuums?
Welche gesundheitsrelevanten und identitätsstiftenden Wirkungen können generell die gesunde
Produktion von Lebensmitteln, die Naturerholung (Kontemplation bis Sport) und der erleichtere
Zugang zu solchen Produkten resp. Räumen entfalten?
Welches sind die Konsequenzen für die Raumgestaltung, die sich aus der Gesundheitsförderung ableiten lässt?
Das Projekt «Paysage à votre santé»
Das Projekt der SL und der AefU beabsichtigt, (a) die Frage der Wirkungen von Landschaften und
Siedlungen (die gemäss der holistischen Landschaftsdefinition auch zur Landschaft zu rechnen sind)
auf Körper und Psyche des Menschen aufgrund einer umfassenden Literaturrecherche zu
beschreiben, (b)Kriterien für eine möglichst gesunde Landschafts- und Siedlungsqualität zu erstellen,
und (c) Projekte und weitere Anreize für eine Bewusstwerdung und Verbesserung der räumlichen
Qualität gestützt auf Kriterien und Zielwerte zu lancieren. Das Projekt wird finanziell unterstützt von
BAFU und BAG. Die wissenschaftliche Recherchearbeit wurde im Auftrag der beiden Verbände vom
Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, Abteilung Gesundheitsforschung, Prof.
Thomas Abel) durchgeführt.
Konsequenzen der Ergebnisse für die Praxis und weiteres Vorgehen
Die Studie belegt erstmals, dass die Anwesenheit in der Natur, die hochwertige Siedlungsqualität und
eine erholsame, immissionsarme und bewegungsfreundliche Umgebung einen günstigen Einfluss auf
unsere Gesundheit haben. Damit erhalten der Natur- und Landschaftsschutz sowie die Frage einer
Siedlungsentwicklung, die auch auf innerurbane Freiräume achtet, eine völlig neue Betrachtungsweise
und Bedeutung. In unserer materiell geprägten Lebenswelt erhält somit die Landschaft als erlebbarer
Aussenraum eine zentrale Bedeutung für unsere physische und psychische Gesundheit und das
Wohlbefinden. Aus diesem Grund setzte das BAFU mit dem Thema „Gesundheit“ eine ihrer vier
zentralen Schwerpunkte für die Zukunft.
In einer Expertengruppe werden nun die Schlussfolgerungen aus dieser Studie gezogen und Kriterien
und Überlegungen für eine künftige auch dem Gesundheitsaspekt Rechnung zu tragende Raumentwicklung erarbeitet.
Konkret liegt folgendes nahe:
• Sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Gesundheits-, Umwelt- und Raumplanungsbereichen auf nationaler und lokaler Ebene mit dem Ziel, Gesundheitsförderung in die
Landschaftsplanung zu integrieren resp. Landschaftsräume als Interventionsbereiche in
Gesundheitsförderungsprogramme aufzunehmen.
• Kriterien entwickeln für eine gesundheitsfördernde Raumgestaltung.
• Öffentlichkeit auf das Thema Raumgestaltung unter gesundheitsfördernden Gesichtspunkten
sensibilisieren
• Zusätzliche Forschungsarbeit.
Bern, 22. Mai 2007
Das Potential von Landschaftsräumen als Gesundheitsressource eröffnet neue
Wege in der Gesundheitsförderung
Vorbeugen ist besser als heilen – zu diesem zentralen Anliegen ärztlicher Tätigkeit gehört
die Vermeidung und Verminderung von schädigenden Umwelteinflüssen. Seit ihrer
Gründung vor 20 Jahren befassen sich die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz mit
umweltbedingten Gefahren für die Gesundheit, wie Luftverschmutzung, Lärm oder
Klimaerwärmung, und tragen zur Verbesserung der Situation für die menschliche Gesundheit
bei. In Ergänzung dieses risikoorientierten Ansatzes haben wir mit dem Pilotprojekt „Leben in
Bewegung“ die Verbindung von Gesundheitsförderung und Umweltschonung aufgegriffen
und tägliche, regelmässige Bewegung mit umweltschonender Mobilität im Alltag kombiniert.
Eine weitere Möglichkeit zur Ergänzung unseres Einsatzes sahen wir in der Überprüfung der
ursprünglich noch etwas vagen Vorstellung, dass sich Landschaften mit bestimmten
Qualitäten (innerhalb und ausserhalb von Siedlungen) positiv auf das Wohlbefinden der
Menschen auswirken können und in dieser Eigenschaft das Potential besitzen, die
Gesundheitsressourcen zu stärken.
Mit dem von der Stiftung für Landschaftsschutz und den Ärztinnen und Ärzten für
Umweltschutz gemeinsam ins Leben gerufene Projekt „Paysage à votre santé“ sollte in
einem ersten Schritt diese Hypothese geprüft werden. Das Institut für Sozial- und
Präventivmedizin der Universität Bern hat in unserem Auftrag und mit Unterstützung des
Bundesamtes für Gesundheit die Verbindung der zwei Konzepte „Gesundheit“ und
„Landschaft“ in einer Literaturstudie untersucht und Erstaunliches zutage gefördert.
Das Potential von Landschaftsräumen als Gesundheitsressource im Hinblick nicht nur auf
die physische sondern auch die psychische Gesundheit und im Hinblick auf soziale Aspekte
eröffnet neue Wege in der Gesundheitsförderung. Damit verbunden ist die hohe Gewichtung
des Schutzes und der Aufwertung unserer Landschaften und der Umwelt.
Für die Umsetzung dieser Ziele bedarf es gewiss noch grosser Anstrengung und der
Zusammenarbeit vieler Institutionen und der Politik. Daran werden die Stiftung für
Landschaftsschutz und die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz gemeinsam arbeiten.
Rita Moll, Geschäftsleiterin Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz, PF 111,4013 Basel, 061 322 49 49, [email protected], www.aefu.ch
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Abteilung für Gesundheitsforschung
Bern, 22. Mai 2007
Medienmitteilung
Erstmalige umfassende Darstellung der Zusammenhänge zwischen
Landschaft und Gesundheit
Der gesundheitsfördernden Wirkung von Landschaft ist künftig mehr Gewicht
beizumessen
Die Abteilung für Gesundheitsforschung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern hat erstmalig unter der Leitung von Prof. Thomas Abel eine breite Übersichtsstudie zu den
Zusammenhängen von Landschaft und Gesundheit erstellt. Eingebettet in das Projekt „Paysage à votre
santé“ der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) und der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
(AefU) zeigt diese Studie, dass sich Landschaft umfassender auf Gesundheit auswirkt als bislang angenommen: Der Zugang zu Grünräumen, bewegungsfreundliche Städte, soziale Treffpunkte im Freien,
Waldkindergärten u.a.m. wirken günstig auf die physische, psychische und soziale Gesundheit der Bevölkerung.
Komplexe Beziehung zwischen Landschaft und Gesundheit
Die Beziehungen zwischen Landschaft und Gesundheit sind komplex und überaus vielfältig. Viele wissenschaftliche Studien berücksichtigen jedoch bisher nur einzelne Aspekte und verbinden Landschaft
und Gesundheit folglich nur ansatzweise miteinander. Die Abteilung für Gesundheitsforschung des
ISPM hat nun ein konzeptuelles Modell entwickelt, um die vielschichtigen Wirkungszusammenhänge
von Landschaft und Gesundheit sichtbar zu machen.
Gesundheit wird dabei umfassend definiert als psychisches, physisches und soziales Wohlbefinden.
Landschaft beeinflusst durch ihre verschiedenen Bedeutungsaspekte – als geografischer, ökologischer
und soziokultureller Raum – diese drei Dimensionen von Gesundheit.
Wie Landschaft die Gesundheit fördert
Naturbelassene sowie gestaltete Landschaften wirken auf Gesundheit: Grünräume, Stadtparks, Gewässer, Wälder, Stadtquartiere etc. prägen die physische, psychische und soziale Gesundheit von Kindern
und Erwachsenen.
♣ Physische Gesundheit
Umgebungen, die von der Bevölkerung als attraktiv wahrgenommen werden und gut zugänglich sind,
wirken sich positiv auf die Ausübung körperlicher Aktivität aus. So bewegen sich Stadtbewohnerinnen
und Stadtbewohner, die in der Nähe von Stadtparks wohnen, häufiger als Menschen, die über keinen
Zugang zu Naherholungsräumen verfügen.
♣ Psychische Gesundheit
Natur wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit der Menschen aus: Die Anwesenheit von Bäumen, Wiesen, Feldern etc. steigert die Konzentrationsfähigkeit, fördert positive Gefühle und reduziert
Frustration, Ärger, Kriminalität und Stress.
♣ Soziale Gesundheit
Grüne Aussenräume tragen in hohem Masse dazu bei, dass sich Menschen in ihrer Umgebung sozial
engagieren und sich sozial integriert und wohl fühlen. Diese Wirkung zeigt sich sowohl im urbanen
Raum z.B. anhand von öffentlichen Plätzen als soziale Treffpunkte, als auch in nicht-urbanen Grünräumen in Form von kollektiver Naturerfahrung, was zu Gefühlen des Zusammenseins und der Gemeinschaft führt.
♣ Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Landschaften und im Speziellen natürliche, vegetationsreiche Landschaften prägen und fördern die
kognitive, motorische, soziale und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Wenn Kinder
die Möglichkeit haben, draussen in einer sicheren Umgebung mit anderen Kindern zu spielen, kann dies
zu einer gesunden Entwicklung der Bewegung, Koordination und der Sozialkompetenz beitragen. Des
Weiteren kann eine vegetationsreiche Wohnumgebung die Konzentrationsfähigkeit fördern.
Der gesundheitsfördernden Wirkung von Landschaft ist künftig mehr Gewicht beizumessen
Die Studienergebnisse rechtfertigen die Forderung, dem Gesundheitspotential von Landschaft künftig
mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse könnte Raumplanung
zukünftig Landschaft als eine Gesundheitsdeterminante stärker berücksichtigen. Gesundheitsfördernde
Massnahmen sollten zudem Landschaft als förderliche oder einschränkende Bedingung für das gesundheitliche Handeln in der Bevölkerung beachten. Um die heute erkennbaren Gesundheitspotentiale
der Landschaftsgestaltung besser zu nutzen, bedarf es vermehrt interdisziplinärer Forschungen und
intersektoraler Kooperationen.
Auskünfte:
Universität Bern, Institut für Sozial- und Präventivmedizin ISPM, Abteilung für Gesundheitsforschung
Kathrin Sommerhalder Tel.: 031 631 35 05 Mail: [email protected]
Andrea Abraham
Tel.: 031 631 35 05 Mail: [email protected]
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