Schuetzeichel 1..864 - und Religionssoziologie

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Claudia Wild: "Schützeichel"/24.10.2007/Seite 161
Thomas Luckmann
Bernt Schnettler
1. Wissenssoziologie: Thomas Luckmann (geb. 1927) hat zusammen mit Peter L. Berger die
Wissenssoziologie auf eine vollkommen neue Basis gestellt. Ihr zuerst 1966 veröffentlichtes
Buch The social construction of reality (dt. 1969) stellt einen markanten Wendepunkt in der wissenssoziologischen Theorieentwicklung dar. Es führt die Wissenssoziologie heraus aus ihrer bis
dato bestehenden Verengung auf Ideologiekritik und Weltanschauungsanalyse und formt sie zu
einer allgemeinen Gesellschaftstheorie um, in deren Zentrum nun nicht mehr vornehmlich die
Analyse von intellektuellen Sonderwissensbeständen und die Ideengeschichte stehen. Im Mittelpunkt steht nun vielmehr die Frage, wie das, was den Gesellschaftsmitgliedern als Wirklichkeit
entgegentritt selbst das Produkt sozialer Konstruktionen ist. Damit rückt die Frage nach dem
Alltagswissen und nach den Strukturen des Wissens in der Welt des Alltags an zentrale Stelle.
Die Prozesse der Externalisierung, Objektivierung und Internalisierung von Wirklichkeit
markieren die Konturen dieses Theorieprogramms. Zugespitzt lautet die zentrale Fragestellung
der Gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit: Wenn alle menschliche Erfahrung im subjektiven Erleben gründet, wie kann aus subjektiven Wirklichkeiten eine dem Menschen gegenüberstehende objektive Realität entstehen? »Wie ist es möglich, daß subjektiv gemeinter Sinn zu
objektiver Faktizität wird? [...] Wie ist es möglich, daß menschliches Handeln (Weber) eine Welt
von Sachen [Durkheim] hervorbringt?« (1969: 20). Die Autoren setzen damit das von Alfred
Schütz (Schütz 1932; Schütz/Luckmann 2003) [? Alfred Schütz] begonnene Programm einer
phänomenologisch und anthropologisch begründeten allgemeinen Sozialtheorie konsequent
fort. Diese zielte auf die Herausarbeitung der universal-anthropologischen Strukturen der
Lebenswelt [? Phänomenologisch fundierte Wissenssoziologie].
Der Luckmannsche Theorieansatz beinhaltet allerdings wesentliche Akzentverschiebungen
gegenüber dem noch sehr viel deutlicher sozialphilosophisch ausgerichteten Begründungsansatz
von Alfred Schütz (vgl. Knoblauch/Schnettler 2004). Dies wird besonders deutlich an der kategorischen Trennung, mit der Luckmann Konstitutions- und Konstruktionsanalyse voneinander
unterscheidet: Die mit den Methoden der Phänomenologie durchgeführten Bewusstseinsanalysen dienen dazu, die allgemein menschlichen Strukturen der Orientierung in der Welt aufzudecken. Als Proto-Soziologie stellen sie aber keine soziologische Analyse im eigentlichen Sinne dar;
sie dienen vielmehr der Klärung jener universal-anthropologischen Vorbedingungen, unter
denen die konkreten Handelnden ihre jeweilige historische Wirklichkeit hervorbringen, die der
Gegenstand soziologischer Konstruktion ist.
Luckmann verwendet die Begriffe ›Konstitution‹ und ›Konstruktion‹ (Luckmann 2003) analog zur Trennung zwischen Protosoziologie und Soziologie. Mithilfe der phänomenologischen
Konstitutionsanalyse werden allgemeine Fragen untersucht, beispielsweise danach, wie die ›Gegenstände‹, Ereignisse und Erlebnisse der alltäglichen Lebenswelt dem Einzelnen konkret entgegentreten oder welchen Anteil das Bewusstsein an der Erfahrung hat und ob es sich dabei um
einen gemeinsamen Erfahrungsstil handelt. Dies mündet als Umsetzung der ausführlichen Konstitutionsanalysen in der umfassenden Beschreibung einer universellen Matrix allgemein
menschlicher Orientierungen in der Welt: den Strukturen der Lebenswelt.
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Thomas Luckmann
In den zuerst 1979 und 1984 erschienenen Strukturen der Lebenswelt (Schütz/Luckmann
2003) entfaltet sich diese Konstitutionsanalyse in Form einer ›Protosoziologie‹ (Luckmann
1991), welche als Einlösung des von Schütz beabsichtigten Programms einer philosophischen
Begründung der Sozialwissenschaften verstanden werden muss (Endreß 2006). In der auf Husserl zurückgehenden Fassung ist Lebenswelt kein Modebegriff, sondern die Bezeichnung eines
anspruchsvollen Forschungsprogramms (Luckmann 2002c). Sie ist nicht dem sozialen System
gegenübergesetzt wie bei Habermas. Vielmehr bildet die Lebenswelt den umgreifenden Sinnhorizont für die ›mannigfachen Wirklichkeiten‹ (Schütz 1971), weshalb sie das ›Insgesamt von
Sinnwelten‹ (Honer 1999: 64) darstellt.
Aus phänomenologischen Analysen lassen sich jedoch umstandslos keine Aussagen zur Struktur konkreter historischer Sozialwelten ableiten. Diese können nur jeweils als Ergebnisse empirischer Untersuchungen gewonnen werden. Mit der Gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit wird dazu die wissenssoziologische Theoriebasis gelegt. Dabei weist der soziale
Konstruktivismus Luckmanns sehr eigene Züge auf, die ihn nicht nur von ähnlich klingenden
Ansätzen wie dem radikalen Konstruktivismus der Systemtheorie oder dem angelsächsischen
sozialen Konstruktionismus (Burr 1995) unterscheiden, sondern ihn sogar in eine deutliche
Opposition zu diesen setzen. Denn die Grundthese der Sozialen Konstruktion lautet, dass die
Wirklichkeit aus den handelnden Akten der Gesellschaftsmitglieder hervorgeht, sich verfestigt
und zu stabilen Strukturen gerinnt, die wiederum anschließendes Handeln determinieren – und
zwar auf eine angebbare, systematische Weise, die alles andere als voraussetzungslos ist und auch
keinesfalls die Wirklichkeit als eine reine Konstruktion des (individuellen) Bewusstseins begreift.
Ganz im Gegenteil: Berger und Luckmann rekonstruieren die Faktoren der gesellschaftlichen
Konstruktion als dialektischen Prozess von ›Externalisierung‹, ›Objektivierung‹ und ›Internalisierung‹. Wesentlich ist dabei, dass sie ihre Theorie – sehr viel deutlicher als Schütz – an der soziologischen Theorie ausrichten. Während bei Schütz anfänglich Bergsons Lebensphilosophie und
von Mises’ ökonomische Grenznutzentheorie sowie später Husserls transzendentale Phänomenologie eine wichtige Rolle spielen, beziehen sich Berger und Luckmann explizit auf die
Wissenssoziologie und binden diese in die grundlegenden Fragen der soziologischen Klassiker
von Durkheim über Weber bis zu Parsons ein.
Konstitution und Konstruktion sind also terminologisch auseinander zu halten (Luckmann
1999), obwohl freilich beide auf ihre Weise an der sozialen Praxis beteiligt sind. Die phänomenologische, protosoziologische Analyse zielt auf die Konstitution invarianter Strukturen der
Lebenswelt durch Bewusstseinsakte. Demgegenüber bezieht sich die auf ihr ›aufbauende‹ soziologische Analyse auf die Konstruktion von individuellen und gesellschaftlichen Wissensbeständen und von sozialen Institutionen durch soziales Handeln. Anthropologische Bedingungen
und Bewusstseinsleistungen bilden den konstitutionslogischen Rahmen, innerhalb dessen die
gesellschaftliche Konstruktion erfolgen kann: Denn was immer Menschen zusammen tun, sie
tun es in den – sozial und kulturell durchaus variablen – Grenzen ihres Leibes und den Strukturen des menschlichen Bewusstseins.
2. Handlungstheorie: Wesentlich ist, dass die Wirklichkeit im Handeln hergestellt wird. Damit
rückt die Theorie des sozialen Handelns in den Kern der Theorieanlage (Luckmann 1992). Aber
wenngleich sie eine grundlegende Stellung in seinem Werk einnimmt, käme es gleichwohl einem
Missverständnis gleich, Luckmanns Theorieansatz auf Mikrosoziologie verkürzen zu wollen. Zu
übersehen ist nämlich nicht, dass die Handlungstheorie zwar an der Interaktionssituation
ansetzt, über die Scharnierstelle der Institutionalisierung aber konsequent einen Erklärungsansatz für den Prozess der Genese sozialer Ordnung insgesamt liefert. Es muss deshalb eigens
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hervorgehoben werden, dass die Theorie ihren Ausgang zwar in den Handlungen nimmt, aber
auf eine Gesellschaftstheorie zielt (Pawlowski/Schmitz 2003: 60) – in einer Art und Weise, die
den Einfluss von Durkheim und Gehlen sehr deutlich werden lässt. Damit findet sich schon bei
Luckmann eine systematische Verknüpfung von Handlungs- und Strukturtheorie, deren Ähnlichkeit mit der späteren Vorstellung der ›strukturierenden Struktur‹ bei Giddens und Bourdieu
unübersehbar ist.
Die Luckmannsche Handlungstheorie knüpft an eine Tradition an, die schon mit Aristoteles’
Entdeckung der Wahlfreiheit und Zurechnungsfähigkeit des Handelns beginnt. Sie setzt sich
fort mit dem Problem der Verträglichkeit von Handlungsfreiheit und Determinismus, welches
die Stoiker und Augustinus diskutierten, und reicht über Machiavelli, Hobbes, den Utilitarismus, bis hin zu Pareto und Mead. Vor allem aber sind es Weber und wiederum Schütz, deren
Ansätze am deutlichsten von Luckmann aufgenommen werden: Ausgehend von deren Bestimmung versteht Luckmann Handeln als eine besondere Form des Verhaltens (Weber 1984
[1921]). Phänomenologisch zeichnet sich Handeln durch seine Ausrichtung auf einen Zukunftsentwurf aus; sozial ist es, insofern dessen Entwurf auf einen ›anderen‹ gerichtet ist. Soziales Handeln kann sich dabei auf eine Reihe unterschiedlicher Arten von ›anderen‹ beziehen – auf Mitmenschen, Vormenschen, Zeitgenossen, hoch individualisierte Einzelne oder aber anonyme
soziale Typen (vgl. Schütz 1932: 198 ff.; Schütz/Luckmann 1979: 87 ff.).
Mit beiden Vorgängern teilt Luckmann auch den methodologischen Individualismus und
lehnt den Begriff des ›kollektiven Akteurs‹ oder des ›Kollektivhandelns‹ strikt ab. Ebensowenig
folgt er den Verengungen anderer Handlungstheorien, Handeln auf den Sonderfall der Rationalität zu reduzieren. Bei Weber war die Aufdeckung der Sinnstrukturen des Handelns allerdings
nur unzureichend erfolgt und lediglich postuliert worden. Deshalb kritisierte Schütz vollkommen zu Recht (Schütz 1991 [1932]: 24 ff.), dass dieser Grundbegriff der ›sinnverstehenden
Soziologie‹ bei Weber unterbestimmt geblieben war (ausf. hierzu: Eberle 1999). Schütz präzisierte den Sinnbegriff mithilfe phänomenologischer Konstitutionsanalysen. Den spezifischen
Sinn von Handlungen versteht er als eine Form der ›Intentionalität‹, die sich durch eine besondere Zeitstruktur auszeichnet, nämlich einen Entwurf ›modi futuri exacti‹. Mit Handlungen soll
etwas erreicht werden, was zuvor entworfen wurde. Selbstverständlich werden nicht alle Handlungen immer wieder vorentworfen, denn sie können aufgrund der Fähigkeiten des Bewusstseins
zur Sedimentierung und Routinisierung (vgl. weiter unten) habitualisiert werden. Der Entwurfscharakter wird somit nur bei jenen Handlungen klar bestimmbar, die unabdingbar in weiten
Teilen neu – oder stets wieder neu – entworfen werden müssen.
Luckmann nimmt diese Grundzüge der Handlungstheorie seines Lehrers Schütz auf, führt sie
mit der genauen begrifflichen Analyse des Institutionalisierungsvorgangs und der Legitimierung
aber über dessen Ansatz hinaus und arbeitet sie zu einer umfassenden Theorie der Genese sozialer
Ordnung aus: Mit Schütz geht Luckmann davon aus, dass alle Wirklichkeit durch und in unseren
Handlungen konstruiert wird: »Zweifelsohne ist Handeln die Grundform des gesellschaftlichen
Daseins des Menschen [...] Gesellschaft ist und war immer – von den Anfängen der Menschheit
bis zum heutigen Tag – ein konkreter Handlungszusammenhang von Mitmenschen.« (1992: 4).
Terminologisch unterscheidet er wie schon Schütz zwischen der ›Handlung‹ (als abgeschlossenem
Ergebnis des Handelns) und dem ›Handeln‹ (als aktuellem Vollzug). Er differenziert außerdem
zwischen drei Hauptformen des Handelns, die er als ›Denken‹, ›Wirken‹ und ›Arbeit‹ bezeichnet
(vgl. 1992: 40–47): Während Denken ein auf das Bewusstsein beschränktes Handeln meint (beispielsweise Kopfrechnen), ist Wirken dadurch gekennzeichnet, dass diese Art der Tätigkeit in die
Umwelt eingreift (sprechen, Äpfel pflücken, sich prügeln, etc.). Arbeit ist schließlich jenes Wirken, welches eine ›beachtliche Umweltveränderung zum Ziel hat‹ und ›bei dem der Eingriff in die
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gemeinsame Umwelt der Handelnden schon in den wechselseitig aufeinander ausgerichteten Entwürfen angelegt ist‹ (etwa: für andere Pfade in den Schnee stapfen).
Ferner ist zwischen ›mittelbarem‹ und ›unmittelbarem‹ sowie ›einseitigem‹ und ›wechselseitigem‹ Handeln (1992: 110–124) zu unterscheiden. Luckmann betont, dass unter den vier möglichen Kombinationen dem unmittelbar wechselseitigen Handeln aufgrund seiner sozialen
Ursprünglichkeit eine prominente Stellung zukommt. Denn dieser Typus sozialen Handelns
von Angesicht zu Angesicht bildet das Fundament aller historischen Gesellschaften: »Die Handelnden stehen sich sozusagen im Original gegenüber: Sie können sich sehen, hören, berühren,
sprechen, geschlechtlich miteinander verkehren, töten, zusammen arbeiten« (2002d: 108). Erst
die gesellschaftliche Ausdifferenzierung des Wissensvorrates sowie die Verfügbarkeit von Kommunikationsmedien kann in spezifischen Gesellschaften im Zusammenhang mit der Orientierung an hochgradig anonymisierten Typen zu einer Verlagerung des Gewichts von unmittelbaren
zu mittelbaren Interaktionen führen, wie dies etwa in der modernen Industriegesellschaft der
Fall ist (Luckmann 1984).
3. Genese sozialer Ordnung: Interaktion, Institutionalisierung und Legitimierung: Handeln
in der Gesellschaft orientiert sich folglich nicht allein an solitären Entwürfen, sondern verläuft
primär in Prozessen wechselseitigen sozialen Handelns (›Interaktion‹). Grundlegend ist die schon
bei Schütz angelegte Einsicht, dass die »sinngebenden Akte nicht ausschließlich in der Bewußtseinssphäre des Subjekts zu suchen« sind (Srubar 1991: 172). Im unmittelbaren wechselseitigen
sozialen Handeln wird sozialer Sinn erzeugt, werden Muster und Regelmäßigkeiten der Interaktion und deren Deutung hervorgebracht, ausgehandelt und durchgesetzt, aufrechterhalten
oder verändert. Diese verdichten und verfestigen sich in wiederholten Versuchen zusehends,
überwinden auf diese Weise ihre ursprüngliche Partikularität und Subjektivität und gerinnen
schließlich zu erwartbaren, objektivierten Bestandteilen der Wirklichkeit. Sie werden zu sozialen
Institutionen – zu »Gestalten eigenen Gewichts« (Gehlen 1964: 71).
Soziale Institutionen bilden sich dort aus, wo Akteure regelmäßig einem sich wiederholenden
sozialen Problem begegnen und dieses routinemäßig lösen müssen; wo es also typischer Lösungen für ebenso typische gemeinsame Handlungsprobleme bedarf. In jedem Falle trifft dies für
die Art und Weise zu, in der Menschen zusammen leben, arbeiten und kommunizieren, ebenso
aber für Fragen der Ausbreitung, der Stabilisierung und der Begrenzung politischer Macht, und
selbstverständlich auch für Erfahrungen mit dem Außeralltäglichen. Die regelmäßige Wiederholung von Deutungsmustern und die ebenso regelmäßige Koordination davon abgeleiteter und
sich darauf beziehender Handlungen treibt den Institutionalisierungsprozess voran, entlastet die
Akteure von der Aufgabe, Lösungen und ›Antworten‹ stets neu zu entwickeln und macht sie füreinander in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Fühlen, Denken und Handeln zugänglich und damit
einschätzbar.
Institutionen stellen also das ›objektivierte‹ Ergebnis früherer Handlungsketten dar. Wie aber
entstehen sie? Und wie wird ihre ›Existenz‹, sind sie einmal entstanden, gesichert? Luckmanns
Theorie der Institutionsgenese (2002d) schließt eine zwischen soziologischen Handlungs- und
Strukturtheorien oft klaffende Lücke. Jenseits des soziologischen Allgemeinplatzes, Institutionen
entstünden im Handeln und einmal entstanden, steuerten sie ihrerseits vermittels verinnerlichter
›Normen‹ und äußerer ›Zwänge‹ das Handeln ihrer Mitglieder, zeigt Luckmann detailliert die
einzelnen Schritte auf, bei denen aus Handlungen festgefügte ›Strukturen‹ hervorgehen:
Der erste wesentliche Schritt vom Handeln zur Institution stellt die bereits in der Wiederholung des Handelns zugrunde gelegte Tendenz zur Routinisierung dar. Luckmann knüpft hier
an die von Arnold Gehlen hervorgehobene Entlastungsfunktion von Handlungsroutinen an
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(1964: 22 ff.): Ein Großteil unser täglichen Verrichtungen beruht auf Handlungsroutinen, die
uns der Notwendigkeit entheben, unsere gesamten Handlungsvollzüge mit höchster Bewusstseinsspannung auszuüben. Routinen (elementare Körpertechniken wie Gehen, Zähneputzen,
ebenso wie fortgeschrittene ›Kulturtechniken‹, etwa Schreiben, Autofahren oder Klavierspielen)
werden im Alltag gleichsam ›automatisch‹ und mit geringerer Anstrengung vollzogen. Sie gehen
jedoch zurück auf die explizit und häufig mühsam gelernte Koordination einzelner, mit hohem
Bewusstseins- und Lernaufwand eingeübter ›echter‹ Handlungen (beobachtbar ebenso beim
Erlernen des aufrechten Ganges wie beim Einstudieren eines Musikstückes).
Grundsätzlich kann jegliche Handlung routinisiert werden (beispielsweise bestimmte individuelle Handlungsabfolgen, die unser morgendliches Aufstehen begleiten). Für die Institutionalisierung gesellschaftlichen Handels sind diese aber weniger relevant. »Institutionalisiert werden nur
bestimmte Formen gesellschaftlichen Handelns: regelmäßig wiederkehrendes wechselseitiges
Wirken [...] bzw. genauer: regelmäßig wiederkehrende wechselseitige – und selbstverständlich
gesellschaftliche – Arbeit« (Luckmann 2002d: 111).
Es sind vor allem zwei Aspekte, welche die Institutionalisierung gesellschaftlicher Arbeit fördern: nämlich die intersubjektive Wichtigkeit und die Geschichtlichkeit. Auf einer ersten Stufe lenken solche Institutionen bereits die Handlungsvollzüge der Beteiligten, indem sie eine bestimmte, einmal gegebene Lösungsmöglichkeit in eine Selbstverständlichkeit überführen, und dadurch
eine primäre Form sozialer Kontrolle darstellen. Allerdings handelt es sich noch nicht um Institutionen im vollen Sinne, weshalb Luckmann sie als ›Proto-Institutionen‹ bezeichnet.
Der Institutionalisierungsprozess gelangt auf eine zweite Ebene, wenn einmal gefundene ›institutionalisierte‹ Handlungsvollzüge tradiert, das heißt an eine ›Folgegeneration‹ weitergegeben
werden müssen. Diese Stufe zeichnet sich durch den Einbezug eines Dritten aus und wird institutionelle Ordnung genannt. Das Problem ist offensichtlich: Treten Neue hinzu, so reichen Verweise auf die bloße Üblichkeit einer gefundenen Lösung oft nicht aus. Eingespielte Gewohnheiten sind Außenstehenden nicht per se plausibel, was die Notwendigkeit von ›Legitimierungen‹
nach sich zieht. Zu sozialen Institutionen im vollen Sinne werden gemeinsame Typisierungen
und Habitualisierungen also erst, wenn sie tradiert und legitimiert werden (Berger/Luckmann
1969: Kap II.2; Luckmann 2001). Erst deren Weitergabe an Dritte – ihre soziale ›Vererbung‹ –
löst sie von konkreten Akteuren und von historisch einzigartigen Umständen ab und überträgt
sie auf typische Situationen, worauf sich ihre Objektivität schließlich begründet. (Die fundamentale strukturelle Veränderung ›sozialer Kreise‹ durch das Hinzukommen des Dritten hat in ähnlicher Weise schon Simmel (1968 [1908]) hervorgehoben. Zur Soziologie des Dritten vgl.
ebenso Fischer (2000) und Lindemann (2006).) Denn waren die gefundenen institutionalisierten Interaktionsvollzüge den ursprünglichen Beteiligten (den ›Institutionsschöpfern‹) unmittelbar einsichtig (›so machen wir das‹), so bedarf es gegenüber den ›Nachkommen‹ expliziter Legitimierungen (›so-und-nicht-anders macht man das‹).
Mit Legitimierungen entstehen aber nun Sinngebilde, die sich von der unmittelbaren Vollzugswirklichkeit des Handelns zunehmend ablösen, ja sogar in ein diametrales Verhältnis zu dieser treten können. Legitimationen ähneln also durchaus dem, was Pareto ›Derivationen‹ nennt.
Ebenso knüpft Luckmann hier implizit an die ideologiekritische Linie der Wissenssoziologie an,
wenngleich der Begriff der Legitimierung zum einen den Prozesscharakter der Sinnschöpfung
hervorhebt und zum anderen die Wertneutralität betont. Inwiefern nämlich Legitimationen die
tatsächlichen Ursachen, Funktionen oder Ziele einer bestimmten institutionalisierten Praxis
widerspiegeln oder nicht, ist keine apriorisch, sondern nur empirisch lösbare Frage.
Im Einzelnen lassen sich vier Legitimierungsstufen unterscheiden. Sie dienen dazu, »Bedeutungen, die ungleichartigen Institutionen schon anhaften, zu Sinnhaftigkeiten zu integrieren«
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(Berger/Luckmann 1969: 99): Auf der ersten, vortheoretischen Ebene handelt es sich dabei um
die Begriffe selbst, in die als sprachliche Objektivationen fundamentale legitimierende Erklärungen gleichsam eingeschrieben sind (wie etwa die Bezeichnung ›Bruder‹ bereits im Ansatz das
diesem gegenüber angemessene Verhalten impliziert). Auf der zweiten Ebene finden sich ›theoretische Postulate in rudimentärer Form‹, bei denen in pragmatischer Weise explizite Verhaltensmaßregeln formuliert werden, etwa in Form von normativen kommunikativen Gattungen wie
Sprichwörtern, Lebensweisheiten oder Legenden (›unter Brüdern gibt es keinen Streit‹). Auf der
dritten Stufe finden sich ›ausformulierte Legitimationstheorien‹ (etwa ein praktischer Kodex ›brüderlichen‹ Verhaltens im Sport), die mit wachsendem Umfang und zunehmender Komplexität
die Ausbildung eines Expertenstandes nach sich ziehen können. Ist aber die Rolle solch ›hauptamtlicher Legitimatoren‹ erst einmal etabliert, so tendiert deren Theoretisieren leicht dazu, über
die Praxis hinauszugreifen und eine gewisse Autonomie zu erlangen. Das kann in die Formulierung umfassender ›Theorien‹ münden (die ›Idee der Brüderlichkeit‹), welche die Einzelgebiete
praktischen Handelns transzendieren und auf eine erschöpfende Sinndeutung zielen. Solch ›Symbolische Sinnwelten‹ sind schließlich dadurch charakterisiert, dass sie als übergreifende Weltdeutung (als Kosmologie, ›Heiliger Baldachin‹) alle einzelnen Sinnbereiche menschlicher Existenz
integrieren und einen außeralltäglichen, die Alltagserfahrung übersteigenden Verweisungscharakter tragen. Auch sie sind selbstverständlich Produkte gesellschaftlicher Objektivationen. Vermittels ihrer allumfassenden Sinndeutung kommt der symbolischen Sinnwelt jedoch eine besondere Rolle im Ensemble der verschiedenen Legitimierungsstufen zu: »Sie setzt Ordnung
beziehungsweise Recht« als ›höchstmögliche Integrationsebene für alle widersprüchlichen Sinnhaftigkeiten‹ (Berger/Luckmann 1969: 104).
Hier schließt die für die Luckmannsche Wissenssoziologie ebenso zentrale Religionssoziologie
(Luckmann 1991) an, auf deren Entfaltung und die an sie erfolgten Anschlüsse (vgl. WohlrabSahr 2003) hier nicht eingegangen werden kann (vgl. dazu aber Knoblauch 1999: 109 ff.,
Schnettler 2004: 21 ff.)
4. Wissenssoziologische Anschlüsse – Sozialität des Wissens, Wissensverteilung und die Rolle
der Kommunikation: In der mit den Legitimierungen implizierten Ablösung der Kommunikationsebene von der Ebene der Handlung ist bereits eine Wende angelegt, die von Luckmann später konsequent vollzogen wird (Luckmann 2002a). Die Untersuchung der Rolle zunächst der
sprachlichen, später auch der nichtsprachlichen Kommunikation rückt in den Mittelpunkt seines empirischen wie theoretischen Interesses (Luckmann 1979) und mündet in einer eigenständigen Theorie kommunikativer Gattungen als Grundformen der gesellschaftlichen Vermittlung
von Wissen (Luckmann 1986).
Diese Auffassung der Gesellschaftlichkeit des Wissens und seiner handlungsorientierenden
Funktion verbindet Thomas Luckmann nicht nur mit Weber und Schütz. Sie bringt vielmehr
einen erfahrungswissenschaftlichen Konsens zum Ausdruck, den Luckmann mit so unterschiedlichen Theoretikern wie Durkheim, Mauss und Halbwachs [? Durkheim und die École sociologique], Scheler [? Max Scheler], Mannheim [? Karl Mannheim], A. Weber und Merton
[? Soziologie des wissenschaftlichen Wissens] teilt: Die subjektiven und die gesellschaftlichen
Wissensbestände sind sozial produziert und determiniert, sie sind sozial vermittelt und verteilt –
und sie sind die unhintergehbaren Voraussetzungen jeglichen menschlichen Handelns (vgl. zur
›Sozialität‹ des Wissens ausf. Knoblauch 2005b: 341 ff.).
Wie aber wird individuelles Handeln durch gesellschaftliches Wissen geformt? Was sind die
wissensabhängigen Voraussetzungen menschlichen Handelns? Während ›Sinn‹ auf einer ersten
Ebene vom einzelnen Bewusstsein erzeugt wird, bezeichnet ›Wissen‹ die in einer Gesellschaft
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sozial objektivierten und deshalb legitimen Sinndeutungen. Phänomenologisch betrachtet ist
Wissens nichts anderes als sedimentierte Erfahrung. Soziologisch ist Wissen aber das, was in
einer bestimmten Gesellschaft als Wissen gilt, und damit ist unauflöslich mit der Kommunikation verbunden. Unterschieden werden müssen dabei verschiedene Wissensformen: Gesellschaftliches Wissen erstreckt sich von ›einfachen‹ körperlichen Fertigkeiten, wie etwa die Art zu essen
oder zu gehen, bis hin zu hoch komplexen Formen theoretischen Sonderwissens. Eine Bedingung gilt dabei stets: Wissen muss subjektiv erworben werden – sei es durch eigene Erfahrung
oder über den Umweg der ›sozialen Ableitung‹ aus jenem Sinnreservoir, das dem Subjekt als
etwas historisch Vorgegebenes und sozial Auferlegtes – als »soziohistorisches Apriori« (1980a:
127) – entgegentritt.
Luckmann (2002b) fragt nach eben diesem Strukturzusammenhang von subjektivem und
gesellschaftlichem Wissensvorrat und richtet seine Argumentation auf eine analytische Differenzierung verschiedener Ebenen der ›Determination‹ individuellen Handelns. Bereits biologisch
bedingte Unterschiede des Geschlechts und des Alters führen zu einer ungleichen Wissensverteilung: Frauen wissen etwa besser über die Menstruation, Alte besser über Krankheiten Bescheid.
Zu weiteren Differenzierungen kommt es, wenn die Gemeinschaften Bestände an Sonderwissen
ausgliedern und auf Experten (wie Priester oder Schamanen, Schmiede oder Ärzte) verteilen
(zur Struktur des Expertenwissens vgl. Schütz 1972, Sprondel 1979, sowie Hitzler/Honer/
Maeder 1994). Je komplexer und ausdifferenzierter sich die Sozialwelten darstellen, umso mehr
gewinnt der gesamtgesellschaftliche Wissensvorrat an Volumen, während sich zugleich das Ausmaß und die Qualität intersubjektiv geteilten Wissens verringert. Die soziologisch bedeutsamste
Ebene der gesellschaftlichen Wissensverteilung ist deshalb die Sozialstruktur: Über sie wird
Allgemeinwissen von Spezialwissen getrennt, wird der Zugang zu Prozessen der Wissensaneignung geregelt und systematisch auf typische Gesellschaftsmitglieder beschränkt. Dergestalt
erweist sich die sozialstrukturelle Differenzierung von klassen-, schicht- und milieuspezifischen
Wissensvarianten – dessen, was Pierre Bourdieu die soziale Verteilung des ›symbolischen Kapitals‹ nennt – als ein generatives und dabei zugleich stabilisierendes Moment im System sozialer
Ungleichheiten.
Legitimierungen sind folglich umso erforderlicher, je größer das Ausmaß der inneren funktionalen Differenzierung einer institutionellen Ordnung ist, was dazu führt, dass der Bereich des
geteilten Wissensvorrats der Mitglieder abnimmt. Denn im Zuge der internen funktionalen Differenzierung der Institutionen kommt es zur Ausbildung von spezifischen Mitgliedsrollen. Dieser Prozess führt es mit sich, dass der ursprünglich homogene und gleichverteilte Wissensvorrat
der in die institutionelle Ordnung Involvierten sich in Teil- und Spezialwissen aufsplittert. Für
komplexe institutionelle Ordnungen ist die primäre Vermittlung des Sinns der Ordnung wesentlich, da sie eine wichtige Funktion für die Integration ihrer Mitglieder ausübt, und zwar umso
stärker, je weiter ihre Mitgliedsrollen und die damit verbundenen Wissensvorräte differenziert
sind. Den sekundären Legitimationen kommt hingegen eine besondere Rolle für das Verständnis
der ›Rationalität‹ von Institutionen zu. Denn die vermeintliche Rationalität der Institution darf
nicht verwechselt werden mit ihrer ›inneren Logik‹: »Die Logik steckt nicht in den Institutionen
und ihrer äußeren Funktionalität, sondern in der Art, in der über sie reflektiert wird« (Berger/
Luckmann 1969: 68). Hier liegt ein Ansatz, der unmittelbar zu einer sozialkonstruktivistischen
Organisationsforschung und -theorie führt, denn »Organisationen können als historische Ausprägungen institutioneller Ordnungen angesehen werden« (Knoblauch 1997: 11). »Wie alle Institutionen basieren deswegen auch Organisationen auf einem Unterfutter primärer Legitimationen,
die in einem engen Zusammenhang mit den pragmatischen Anforderungen der Institutionen
selber stehen«, zu denen etwa Zielformulierungen, die Darstellungspraktiken einer ›Corporate
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Identity‹, besondere Mythen, Geschichten und Zeremonien oder die ›Unternehmensphilosophie‹, also ganz allgemein die zur ›Organisationskultur‹ zählenden Elemente gehören.
Wenngleich aber Handeln und Wissen immer sozial determiniert sind, bleiben sie doch stets
rückgebunden an die Subjektivität. Damit wendet sich Luckmann nicht nur gegen positivistische und materialistische Wissenstheorien. Seine Sozialtheorie vermeidet damit den Soziologismus vieler anderer Theorieansätze, die einer phänomenologischen Begründung der Sozialwissenschaft kritisch gegenüberstehen und die These vertreten, dass weder das Subjekt noch
menschliche Akteure überhaupt konstitutiv für die Soziologie seien. Durch drei aktuelle Debatten wird die Luckmannsche Wissenssoziologie gegenwärtig herausgefordert: Zum einen ist argumentiert worden, dass eine soziologische Definition des Handlungsbegriffs auf das subjektive
Kriterium der Intentionalität verzichten könne. So plädieren Rammert/Schulz-Schaeffer (2002)
für einen ›gradualisierten‹ Handlungsbegriff und Schulz-Schaeffer (2005), der sich eingehend
auch mit den Annahmen der phänomenologisch begründeten Handlungstheorie auseinander
setzt, reduziert Handlungen auf Zuschreibung und auf das ›beobachtbare Prozessieren von Selektivität‹, was letztlich Handeln auf Wirken begrenzt und Denken als Form des Handels nicht mit
berücksichtigen kann – obwohl diese Form des Handelns nicht nur unter wissenssoziologischer
sondern auch unter kulturgeschichtlicher Betrachtung höchst relevant ist, insofern es für weite
Teile gravierender Veränderungen sozialer Wirklichkeiten ursächlich verantwortlich zeichnet.
Eine zweite Auseinandersetzung mit dem sozialkonstruktivistischen Ansatz ergibt sich aus der
Debatte um die Postsozialität. Wie Luckmann hervorhebt, sind die Grenzen der Sozialwelt kein
Bestandteil der universalen Strukturen der Lebenswelt, sondern Folge sozialer Konstruktionen
und damit von Gesellschaft zu Gesellschaft variabel (Luckmann 1980). Beispiele aus der Kulturanthropologie zeigen, dass diese Anderen dabei keineswegs menschliche Subjekte sein müssen.
Unter bestimmten Bedingungen mag man auch mit Yamswurzeln, Ahnen, Haustieren oder Softwareagenten ›interagieren‹, sofern diese in der gegebenen Kultur als anerkannte Handlungspartner gelten. Ebenso wie die ›universale Projektion‹, die dem frühkindlichen Animismus gleicht,
der erst im Verlauf der Interaktionsgeschichte kulturell eingeschränkt wird, so sind es keine konstitutiven (also phänomenologisch-universalen) Elemente, sondern die jeweiligen sozialen (also
historisch wandelbaren) Konstruktionen, die festlegen, wer als Gegenüber in Frage kommt und
entlang welcher – verschiebbaren – Linie die Unterscheidung zwischen Unähnlichen und Nichtdazugehörigen, Exkludierten verläuft. Es wäre allerdings ein theoretischer Kurzschluss, diese
Konstrukte erster Ordnung umwegslos in eine Theorie der Postsozialität zu überführen (Knoblauch/Schnettler 2004). Die Vorzüge des wissenssoziologischen Ansatzes von Thomas Luckmann zeigen sich schließlich anhand einer dritten aktuellen Auseinandersetzung. Wie Stegmaier
eindrücklich (2006) zeigen kann, lassen sich die Herausforderungen der Wissenssoziologie durch
die Thesen der aktuellen Hirnforschung mit einer phänomenologisch begründeten Handlungsund Wissenstheorie durchaus beantworten. Und damit ist die an Luckmann anschließende Wissenssoziologie keineswegs erschöpft.
Literatur
Berger, Peter L. und Thomas Luckmann (1969): Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit.
Frankfurt am Main: Fischer.
Burr, Vivien (1995): An Introduction to Social Constructionism. London: Routledge.
Eberle, Thomas S. (1999): Sinnadäquanz und Kausaladäquanz bei Max Weber und Alfred Schütz. In:
Ronald Hitzler et al (Hg.): Hermeneutische Wissenssoziologie. Standpunkte zur Theorie der Interpretation. Konstanz: UVK, S. 97–119.
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Endreß, Martin (2002): Formation und Transformation sozialer Wirklichkeit. Eine Untersuchung zur phänomenologisch begründeten Soziologie und Sozialtheorie. Universität Tübingen: unveröff. Habilitationsschrift.
Endreß, Martin (2006): Alfred Schütz. Konstanz: UVK.
Fischer, Joachim (2000): Der Dritte. Zur Anthropologie der Intersubjektivität. In: Wolfgang Eßbach (Hg.):
wir/ihr/sie. Identität und Alterität in Theorie und Methode. Würzburg: Ergon, S. 103–138.
Gehlen, Arnold (1964): Urmensch und Spätkultur. Philosophische Ergebnisse und Aussagen. Wiesbaden:
Athenaion.
Hitzler, Ronald/Honer, Anne/Maeder, Christoph (Hg.) (1994): Expertenwissen. Die institutionalisierte
Kompetenz zur Konstruktion von Wirklichkeit. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Honer, Anne (1999): Bausteine zu einer lebensweltorientierten Wissenssoziologie. In: Ronald Hitzler u. a.
(Hg.): Hermeneutische Wissenssoziologie. Standpunkte zur Theorie der Interpretation. Konstanz:
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