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Dem Marxismus auf der Spur ...
Was ist Dialektik?
Wie MarxistInnen Ereignisse Analysieren.
von Pablo Hörtner
Für Petra und Georg
Dank an Trollinchen und Pablitrollo für ihre Hilfe!
Ist der süß!
*kicher*
Dia...was?
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.
Karl Marx: 11. Feuerbachthese
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Was ist Dialektik? - Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Was ist Dialektik?...................................................................................................................................................................
1. Einleitung....................................................................................................................................................................2
1.1 Kritisches Denken...............................................................................................................................................3
2. Formallogik und Dialektik..........................................................................................................................................4
2.1 Elemente der Dialektik........................................................................................................................................5
3. Dialektik des Kapitals.................................................................................................................................................6
3.1 Verschleiern der Ausbeutung..............................................................................................................................6
3.2 Abstrakte Arbeit..................................................................................................................................................6
3.3 Wissenschaft als Waffe.......................................................................................................................................7
4. Die Antike...................................................................................................................................................................8
5. Die Neuzeit.................................................................................................................................................................9
6. Materialismus und Idealismus..................................................................................................................................10
6.1 Leib vs. Seele....................................................................................................................................................10
6.2 Quellen des Marxismus.....................................................................................................................................10
7. Historischer Materialismus.......................................................................................................................................12
7.1 Entwicklung der Gesellschaft............................................................................................................................13
7.2 Revolutionäre Philosophie................................................................................................................................14
8. Konkrete Wahrheiten................................................................................................................................................16
8.1 Hegelsche Mystifizierungen..............................................................................................................................16
8.2 Hegelianismus und Marxismus.........................................................................................................................17
8.3 Kategorien bei Hegel.........................................................................................................................................18
9. Bewusstseinsstufen bei Hegel...................................................................................................................................19
10. Rolle der Arbeit.......................................................................................................................................................20
11. Dialektik der Natur..................................................................................................................................................21
12. Dialektische Aufhebung..........................................................................................................................................22
13. Lesetipps und Literaturnachweis:...........................................................................................................................23
13.1 Sozialistische Klassiker...................................................................................................................................23
13.2 Marx / Engels CD-ROM.................................................................................................................................24
13.3 Ressourcen im Internet....................................................................................................................................24
13.4 Sekundärliteratur.............................................................................................................................................24
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Was ist Dialektik? - Was ist Dialektik?
Trollinchen, was ist Dialektik?
Hm, in einem Satz? Schwierig! Ähm ... Dialektik
ist ein Begriff aus der Philosophie ... Also ...
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Seite 2
Was ist Dialektik? - Einleitung
1.
Einleitung
„Die Elemente der dialektischen Logik können von jeder und jedem
gelernt werden, die bzw. der dazu entschlossen ist, sie zu lernen.“
George Novack: Logik des Marxismus, Lektion IX
... warte mal, vielleicht kann ich
dir ja an einem Beispiel besser
erklären, was Dialektik bedeutet.
Hui, jetzt bin ich aber gespannt!
Trollinchen: Du, P-Trollo, der Himmel ist blau, gell?
Pablitrollo: Ja, klar. Das weiß doch jedes Kind!
Trollinchen: Aber überleg mal ... Wie ist denn der Himmel in der Nacht?
Pablitrollo: Na schwarz – und voller Sterne natürlich!
Trollinchen: Und bei Gewitter?
Pablitrollo: Hm, grau und hässlich ...
Trollinchen: Und ...
Pablitrollo: Und beim Sonnenuntergang – da ist der Himmel rot, gelb, orange ... und manchmal richtig pink, so cool
wie deine Haarfarbe. Und wenn es regnet gibt’s danach oft einen bunten Regenbogen.
Trollinchen: Genau, mein Kleiner! Super! Also ist der Himmel nicht nur blau, oder?
Pablitrollo: Ja, das stimmt. Der Himmel mag jetzt zwar blau sein, aber das kann sich in kurzer Zeit schon ändern.
Trollinchen: Siehst du, P-Trollo, und das ist Dialektik – anders denken ...
Pablitrollo: Wow, danke! Ich glaub, jetzt hab ich's verstanden.
1.1
Die Kunst des Streitens
Dialektik, so heißt in der Antike die Kunst des Streitgesprächs, die Kunst des gegeneinander Argumentierens, während
die Logik die Kunst des folgerichtigen Argumentierens ist. Daher gelten Krieg und Hass in der Antike oft als Symbol
der Dialektik, Friede und Liebe (Eintracht) hingegen als Symbole der Logik. Dialektik ist eine Form des kritischen
Denkens (oder besser, der kritischen Erfahrung bzw. Erkenntnis), in der die Dinge in ihrer Widersprüchlichkeit gefasst
werden.
Was zählt, ist also nich der Ist-Zustand, sondern die Veränderung der Dinge, ihr Werden und Vergehen. Wir könnten
auch sagen, Dialektik ist der Versuch, die Welt und jedes Einzelding im zeitlichen Ablauf, d.h. in ihrer Bewegung zu
begreifen. Manchmal müssen wir dazu auch über unseren Horizont hinausblicken, uns neuen Dingen öffnen,
Bereitschaft zeigen, die Welt anders zu sehen, als wir es vielleicht gewohnt sind. Der Himmel ist nicht blau und aus.
Das mag banal klingen, ist aber unter Umständen wichtiger, als wir denken ...
Der Begriff Dialektik kommt – ebenso wie Dialekt (Mundart) – vom griechischen Wort für besprechen, sich
unterhalten: dialegein. In der Antike bezeichnet dialektike techne zunächst die philosophische Gesprächskunst (im
Unterschied zur politischen Rhetorik). Eine Diskussion soll durch ständiges Hinterfragen der Argumente auf eine
höhere Ebene gebracht werden. Bereits die vorsokratischen Naturphilosophen waren in dieser Kunst des Diskutierens
sehr bewandert. Dialektik ist also eine Form der Argumentation bzw. der Interpretation der Wirklichkeit.
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Was ist Dialektik? - Einleitung
Der altgriechische Philosoph Sokrates (469-399 v. u. Z.) bezeichnet diese Form der Gesprächsführung als Mäeutik, zu
deutsch Hebammenmethode – da seine Mutter Hebamme ist. Heute ist häufiger von der sokratischen Methode die Rede.
Sokrates selbst täuscht vor, der Unwissende zu sein („Ich weiß, dass ich nicht weiß. Doch manche wissen nichteinmal
das.“), um den Gesprächspartner zur Einsicht (seines Nichtwissens) zu führen. Er erleichtert also durch gezielte Fragen,
den sokratischen Fragen, den Erkenntnisprozess seiner SchülerInnen: Dialektik als kritische Wahrheitsgewinnung.
1.2
Kritisches Denken
Heute verstehen wir unter dem Begriff Dialektik die Auffassung, dass sich alle Dinge in ständiger Bewegung befinden
und in Beziehung zueinander stehen. Häufig ist auch von der Lehre des Gesamtzusammenhangs oder den
Bewegungsgesetzen von Natur, Gesellschaft und Denken die Rede. Wenn wer sagt, dass etwas undialektisch ist, so
meint sie/er damit wahrscheinlich, dass eine Argumentation einseitig, unausgewogen ist. Die Dialektik ist somit –
sowohl in der antiken Philosophie, als auch im Marxismus – eine Methode des kritischen Erkenntnisgewinns.
Unser schulisches Wissen ist geprägt von starren Lehrsätzen, wie sie etwa aus der Mathematik bekannt sind. Zum
Beispiel: A kann nicht B sein, doch A ist immer gleich A. Anders gesprochen: 1 Kilogramm kann niemals 900 Gramm
entsprechen, doch ein Kilo Zucker ist immer gleich ein Kilo Zucker. Dass dies Verkürzungen sind, die für den gesunden
Menschenverstand von Nutzen sein können, aber nur innerhalb bestimmter Grenzen Gültigkeit haben, werden wir
weiter unten sehen. Während die exakte Menge z.B. beim Einkaufen oder Kochen egal ist, können etwa in der Chemie
bereits kleinste Abweichungen das Ergebnis stark verfälschen und somit für die Forschung verheerende Folgen haben.
Im Alltag ist es nicht nur sinnvoll, wenn wir abstrahieren, d.h. vom konkreten auf ein Allgemeines schließen, diese
Fähigkeit unseres Gehirns ist sogar lebensnotwendig. Es ist nur schwer vorstellbar, wie ein Kind, das immer nur den
konkreten Esstisch daheim mit all seinen Details vor Augen hat, und nicht von diesem auf den allgemeinen Begriff
Tisch schließen kann, jemals richtig sprechen lernen soll. Solch ein Mensch wird sich wohl insgesamt mit dem Erlernen
von fremden Sprachen, mehr noch aber mit Mathematik, Kunst etc. extrem schwer tun. Eine Abstraktion der Realität ist
also Teil des Lernens und somit ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Mensch und Tier.
Wir sehen und spüren immer nur konkrete Gegenstände, wie z.B. den einen konkreten Esstisch bei uns zu Hause im
Wohnzimmer, den Küchentisch, oder den Schreibtisch im Arbeitszimmer. Der menschliche Verstand sucht und findet
aber im Konkreten (Besonderen) ein übergreifendes Abstraktum (Allgemeines). Wir vergleichen die Eigenschaften
diverser Gegenstände und formen aus den sie verbindenden gemeinsamen Eigenschaften gleichsam einen Überbegriff.
Nicht nur der Mensch, auch unsere Sprache und Schrift, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik wären ohne diese
Fähigkeit zur Abstraktion nicht möglich. Was unwesentlich erscheint, kann vernachlässigt werden und was allen
gemeinsam ist, wird verallgemeinert. Diese Form des Denkens ist so tief in uns verwurzelt, dass wir häufig gar nimmer
wissen, warum z.B. ein althergebrachter Begriff nun genau so definiert wird und nicht anders. Die etwas naive
(kindliche) Erklärung „Ein Tisch ist eine Platte mit vier Beinen.“ wird von den meisten von uns so akzeptiert werden.
Warum der Prototyp (Begriff) eines Tisches nun gerade so beschrieben wird, werden viele als kulturell bedingt ansehen.
Wenn wir nun aber hergehen und sagen, dass Obst das Abstraktum von Birnen, Äpfeln, Bananen usw. und Gemüse das
Abstraktum von Kohl, Tomaten, Zucchini usw. ist, und uns anschließend fragen, warum das jetzt so ist, wird es schon
etwas schwieriger. „Das ist halt so!“, werden einige antworten. Andere wiederum zählen z.B. die Tomate zum Obst und
nicht zum Gemüse. Und wie sieht es mit unserem Tisch aus? Kann dieser nicht auch ein Sessel oder gar ein Bett sein?
Oder kann nicht umgekehrt ein Sessel oder Bett auch als Tisch dienen? Natürlich kann, aber diese Fälle erscheinen
unserem Denken dann als Ausnahmen von der Regel. Solche abgeschlossenen Systeme ohne Wechselwirkung, wie wir
sie aus der Schule und der Wissenschaft kennen, sind typisch für unser Denken. Ein Wechsel von Kategorien – wie
beispielsweise im Fall von Obst und Gemüse – erfolgt nur sehr langsam, oft über Generationen, und ist für die meisten
WissenschaftlerInnen meist schwer zu akzeptieren. Doch was wär so schlimm daran, wenn eine Tomate ein Obst wär?
„So hoch die Naturwissenschaft der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts über dem griechischen Altertum stand
an Kenntnis und selbst an Sichtung des Stoffs, so tief stand sie unter ihm in der ideellen Bewältigung desselben, in der
allgemeinen Naturanschauung. (...) Vergessen wir nicht, dass diese veraltete Naturanschauung, obwohl an allen Ecken
und Enden durchlöchert durch den Fortschritt der Wissenschaft, die ganze erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts
beherrscht hat und noch jetzt, der Hauptsache nach, auf allen Schulen gelehrt wird.“
(Friedrich Engels: Einleitung zur Dialektik der Natur, 1875/1876; MEW 20, S. 315 f.)
Umso schwieriger fällt eine Einführung in die Dialektik, da wir durch Erziehung, Schule und Ausbildung Ansichten
eingetrichtert bekommen, die weit entfernt von dem sind, was im Folgenden behauptet wird. Es geht hier um Ansichten,
die den Menschen über mehrere Hundert Jahre eingeimpft wurden. Für die kritische, die dialektische Erfahrung ist
nichts so, wie es im ersten Augenblick, d.h. bei oberflächlicher Betrachtung scheint.
Das althergebrachte Wissen in einer so kurzen Einführung zur Dialektik über Board zu werfen, um quasi wieder bei
Null anzufangen, scheint uns auf so wenig Platz nicht möglich – und auch nicht erstrebenswert. Wer mehr zum Thema
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Was ist Dialektik? - Einleitung
wissen möchte, sei also jetzt schon auf die Lesetipps im Anhang verwiesen, denn nichts kann (und soll) das Lesen der
Klassiker des Sozialismus ersetzen. Außerdem sind Diskussionen in der Gruppe eine gute Schulung. Um einen ersten
Blick in die sozialistischen Klassiker und ihre Sprache zu gewähren, und so einen Vorgeschmack und eine Motivation
zu deren Lektüre zu bieten, ist der Text reichlich mit Zitaten gespickt.
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Was ist Dialektik? - Formallogik und Dialektik
2.
Formallogik und Dialektik
Die gängige Geschichtsschreibung beschreibt nur abgeschlossene historische Momente. Selten wird die
Menschheitsgeschichte in ihrer Gesamtheit betrachtet. Ebenso verhält es sich mit den modernen Natur- und
Sozialwissenschaften. In der Regel machen die WissenschaftlerInnen lediglich Momentaufnahmen zum Gegenstand
ihrer Untersuchung. Sie betrachten Ereignisse in Natur und Gesellschaft isoliert, außerhalb ihres Zusammenhangs, also
losgelöst voneinander (kontextunabhängig). Die Welt Ihnen erscheint ihnen als ruhend bzw. bewegungslos, statisch.
Oft fühlen wir uns jedoch selber dazu verleitet, bestimmte Gesetze, wie wir sie aus der Physik, Biologie oder
Mathematik kennen, auf völlig andere Gebiete auszuweiten, wo ihr Gültigkeitsbereich bzw. ihre Kompetenz eigentlich
längst zu Ende ist – wie beispielsweise das der Politik oder Soziologie. Diese Denkart wird als Reduktionismus
bezeichnet: Die Beschreibung komplexer Prozesse durch einfache wissenschaftliche Gesetze, wie beispielsweise beim
Biologismus (z.B. gewisse Strömungen in der Genetik oder Verhaltensforschung), beim Physikalismus (z.B. der
Mensch als Maschine) oder beim Sozialdarwinismus (Rassismus).
Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) bezeichnen diese abstrakte Auffassung der Natur und der
Welt als metaphysisches Denken. Die philosophische Grundlage dieser Ideologie ist die formale (oder scholastische)
Logik bzw. Formallogik, von Immanuel Kant (1724-1804) auch reine Vernunft genannt (im Unterschied zur Ethik, der
praktischen Vernunft). Heute würden wir einfach bloß analytisches Denken dazu sagen, oder aber auch Positivismus
(nur „positive“ Fakten sind real).
Marx und Engels stellen dieser Form des Denkens, der „engstirnigen“ Formallogik mit ihren abgeschlossenen
Systemen, die Dialektik gegenüber. Ihrer Auffassung nach sind alle Ereignisse nur in ihrer konkreten Wechselwirkung
zueinander zu begreifen. Alle Dinge befinden sich in ständigem Wandel: Aus alt wird neu; Gegensätze gehen in
einander über; (scheinbare) Widersprüche lösen sich plötzlich auf. Gleichzeitig bleiben Grundeigenschaften des Alten
im Neuen enthalten (Affirmation bzw. Bestätigung). Einen solchen Übergang von einem Pol zum anderen bezeichnen
wir in Anlehnung an den deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) als Negation der
Negation bzw. doppelte Negation (Verneinung bzw. „Gegensatz“).
Solch ein Wandel vollzieht sich aber nicht graduell, stetig wie in der Formallogik, sondern plötzlich, in Sprüngen.
Durch quantitative Veränderung (also nach Menge, Anzahl oder Ausmaß) bzw. Anhäufung – auch Akkumulation
genannt – entsteht an einem kritischen Punkt eine neue Qualität (Eigenschaft, Beschaffenheit). Manchmal wird ein
deratiger Vorgang bzw. Prozess auch als Punktualismus bezeichnet. Grundlegendes Unterscheidunsgsmerkmal
zwischen Dialektik und Formallogik sind somit das Prinzip der Statik – Stillstand bzw. langsame, graduelle
Entwicklung – einerseits und jenes der Dynamik – ständige, alles umfassende Bewegung – andererseits.
2.1
Gesetze der Dialektik
Engels nennt a) den Übergang von Quantität zu Qualität (sprunghafte Entwicklung), b) die gegenseitige Durchdringung
der Gegensätze, und c) die Negation der Negation in seiner posthum (nach seinem Tod, im Jahr 1925) erschienen
„Dialektik der Natur“ die Grundgesetze der Dialektik.
1.
das Gesetz des Umschlagens von Quantität in Qualität und umgekehrt;
2.
das Gesetz von der Durchdringung der Gegensätze;
3.
das Gesetz von der Negation der Negation.
Alternativ können diese Grundgesetze der Dialektik auch bezeichnet werden als 1. das Gesetz von den Grenzen und der
Gültigkeit der formalen Logik – dem rein quantitativen Denken –, 2. das Gesetz von der ständigen Bewegung der
Materie und 3. das Gesetz von der tendenziellen Entwicklung der Materie in Spiralen, nachdem Engels den Wechsel
von alt und neu als spiralenförmige Entwicklung beschreibt.
Oft wird darüber disktutiert, ob diese Gesetze einen Sinn machen bzw. was sie für uns aussagen. Selbst MarxistInnen
bezeichnen diese Gesetze der Dialektik als fragwürdig und meinen, dass diese in der Praxis wenig bedeutend sind. Dazu
muss eingeräumt werden, dass es sich hier um Notizen von Engels handelt, die lange nach seinem Tod veröffentlicht
wurden, nachdem er nimmer die Gelegenheit dazu hatte, sein Werk zu Lebzeiten zu vollenden. Marx und Engels
versuchen nicht einfach, starre Gesetze schematisch auf Ereignisse zu übertragen, um künstlich einen „dialektischen
Prozess“ vorzuweisen. Das war eher die Methode der Stalinisten und zuvor von Teilen der Sozialdemokratie.
Marx und Engels nutzen die dialektische Methode, um Gesetzmäßigkeiten in der Gesellschaft bzw. in der Natur
herauszufiltern. Dabei beschäftigen sie sich meist recht genau mit ihren Untersuchungsgegenständen, was einem
oberflächlichen „Hineintragen der Dialektik von außen“ wiederspricht. Die von Engels aufgestellten Gesetze dienen
hier eher dem Verständnis, sind quasi eine Brücke zum „gesunden Menschenverstand“ der Formallogik.
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Seite 6
Was ist Dialektik? - Formallogik und Dialektik
Engels erklärt im ersten Abschnitt (Philosophie) des Anti-Dühring die Negation der Negation wie folgt:
„Nehmen wir ein Gerstenkorn. Billionen solcher Gerstenkörner werden vermahlen, verkocht und verbraut, und dann
verzehrt. Aber findet solch ein Gerstenkorn die für es normalen Bedingungen vor, fällt es auf günstigen Boden, so geht
unter dem Einfluss der Wärme und der Feuchtigkeit eine eigene Veränderung mit ihm vor, es keimt; das Korn vergeht
als solches, wird negiert, an seine Stelle tritt die aus ihm entstandene Pflanze, die Negation des Korns. Aber was ist der
normale Lebenslauf dieser Pflanze? Sie wächst, blüht, wird befruchtet und produziert schließlich wieder
Gerstenkörner, und sobald diese gereift, stirbt der Halm ab, wird seinerseits negiert. Als Resultat dieser Negation der
Negation haben wir wieder das anfängliche Gerstenkorn, aber nicht einfach, sondern in zehn-, zwanzig-, dreißigfacher
Anzahl. Getreidearten verändern sich äußerst langsam, und so bleibt sich die Gerste von heute ziemlich gleich mit der
von vor hundert Jahren.“
(F. Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, 1877/78; MEW 20, S. 126)
Weiter unten (MEW 20, S. 131 f.) heißt es zur Nützlichkeit solcher Gesetze und Kategorien:
„Es versteht sich von selbst, dass ich über den besonderen Entwicklungsprozess, den z.B. das Gerstenkorn von der
Keimung bis zum Absterben der fruchttragenden Pflanze durchmacht, gar nichts sage, wenn ich sage, es ist Negation
der Negation. Denn da die Integralrechnung ebenfalls Negation der Negation ist, würde ich mit der entgegengesetzten
Behauptung nur den Unsinn behaupten, der Lebensprozess eines Gerstenhalms sei Integralrechnung oder meinetwegen
auch Sozialismus. Das ist es aber, was die Metaphysiker der Dialektik fortwährend in die Schuhe schieben. Wenn ich
von all diesen Prozessen sage, sie sind Negation der Negation, so fasse ich sie allesamt unter dies eine
Bewegungsgesetz zusammen, und lasse ebendeswegen die Besonderheiten jedes einzelnen Spezialprozesses unbeachtet.
Die Dialektik ist aber weiter nichts als die Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen
der Natur, der Menschengesellschaft und des Denkens.“
2.2
Elemente der Dialektik
Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin (1870-1924), fasst die Dialektik 1914 in seinen philosophischen Heften
zusammen. Es handelt sich hier um eine Sammlung von Notizbüchern aus den Jahren 1895-1916. Während Lenin das
Kapitel „Der absolute Geist“ aus Hegels „Wissenschaft der Logik“ (Buch III, Abschnitt 3, Kapitel 3) liest, verfasst er
seinen Konspekt, in welchem er schreibt:
„1) Die Bestimmung des Begriffes aus ihm selbst [das Ding selbst soll in seinen Beziehungen und in seiner Entwicklung
betrachtet werden];
2) das Widersprechende im Ding selbst (das Andere seiner selbst), die widersprechenden Kräfte und Tendenzen in
jedweder Erscheinung;
3) die Vereinigung von Analyse und Synthese.“
Anders als im Idealismus Hegels, der das Sein, die Welt aus der Idee, dem Denken ableitet, bestimmt im historischen
Materialismus von Marx und Engels das (gesellschaftliche) Sein unser Bewusstsein. Die materialistische Auffassung
der Natur und der Geschichte bilden gemeinsam mit der dialektischen Methode die Grundpfeiler der marxistischen
Philosophie. Für den Idealismus hingegen ist das wirkliche Sein lediglich eine Erscheinung des Denkens. So kommt es,
dass für Hegel das Wesen der Dinge, ihr Inhalt, die Idee, also unsere Vorstellung von den Dingen ist, während die
Realität zur Form verkommt.
Weiter schreibt Lenin über die Elemente der Dialektik:
„Man kann sich diese Elemente detaillierter wohl so vorstellen:
1. Die Objektivität der Betrachtung (nicht Beispiele, nicht Abschweifungen, sondern das Ding-an-sich selbst).
2. Die ganze Totalität der mannigfaltigen Beziehungen dieses Dinges zu den anderen.
3. Die Entwicklung dieses Dinges (resp. der Erscheinung), seine eigene Bewegung, sein eigenes Leben.
4. Die innerlich widersprechenden Tendenzen (und Seiten) in diesem Ding.
5. Das Ding (die Erscheinung etc.) als Summe und Einheit der Gegensätze.
6. Kampf resp. Entfaltung dieser Gegensätze, der widersprechenden Bestrebungen etc.
7. Vereinigung von Analyse und Synthese — das Zerlegen in einzelne Teile und die Gesamtheit, die Summierung dieser
Teile.
8. Die Beziehungen jedes Dinges (jeder Erscheinung etc.) sind nicht nur mannigfaltig, sondern allgemein, universell.
Jedes Ding (Erscheinung, Prozess etc.) ist mit jedem verbunden.
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Was ist Dialektik? - Formallogik und Dialektik
9. Nicht nur Einheit der Gegensätze, sondern Übergänge jeder Bestimmung, Qualität, Eigenheit, Seite, Eigenschaft in
jede andere [in ihren Gegensatz?].
10. Unendlicher Prozess der Erschließung neuer Seiten, Beziehungen etc.
11. Unendlicher Prozess der Vertiefung der Erkenntnis des Dinges, der Erscheinungen, Prozesse usw. durch den
Menschen, von den Erscheinungen zum Wesen und vom weniger tiefen zum tiefsten Wesen.
12. Vom Nebeneinander zur Kausalität, und von der einen Form des Zusammenhangs und der wechselseitigen
Abhängigkeit zu einer anderen, tieferen, allgemeineren.
13. Die Wiederholung bestimmter Züge, Eigenschaften etc. eines niederen Stadiums in einem höheren und
14. die scheinbare Rückkehr zum Alten (Negation der Negation).
15. Kampf des Inhalts mit der Form und umgekehrt. Abwerfen der Form, Umgestaltung des Inhalts.
16. Übergang der Quantität in die Qualität und vice versa („umgekehrt“) (15 und 16 sind Beispiele von 9).
Die Dialektik kann nur als die Lehre von der Einheit der Gegensätze bestimmt werden. Damit wird der Kern der
Dialektik erfasst sein, aber das muss erläutert und weiterentwickelt werden.“
(W.I. Lenin: Aus dem philosophischen Nachlass; Lenin Werke 38, S. 21 ff.)
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Was ist Dialektik? - Dialektik des Kapitals
3.
Dialektik des Kapitals
Trollinchen erklärt: Also, Pablitrollo, ich versuch's mal mit noch einem Beispiel. Diesmal wird’s
allerdings etwas komplizierter ... *lächel* Nun, in der modernen kapitalistischen Gesellschaft gibt es –
etwas vereinfacht gesagt – zwei große Gruppen, die sich gegenüberstehen: Die Armen und die Reichen.
3.1
Verschleiern der Ausbeutung
Während die reichen Kapitalisten von der Ungleichheit in der Gesellschaft profitieren, leiden die besitzlosen
ArbeiterInnen und armen BäuerInnen immer stärker unter dem Joch der Ausbeutung und werden von Tag zu Tag noch
ärmer. Die Kapitalisten gehen nun her und versuchen mit ihren Phrasen von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit,
diesen „Systemfehler“ zu vertuschen. Für sie haben angeblich alle dieselben Chancen. Die Reichen hatten einfach nur
mehr Glück (oder Geschick) im Leben, während die Armen halt Pech hatten – bzw. vom „gerechten“ Gott der
Kapitalisten weniger begünstigt worden sind.
Die unterdrückten Schichten der Gesellschaft sehen dieses Verhältnis von arm und reich naturgemäß etwas anders –
wobei die bürgerliche Ideologie, insbesondere die Religion, ihr Übriges dazu beigetragen hat, dass auch heute noch
viele Menschen an den Mythos „vom Tellerwäscher zum Millionär“ glauben.
In seinem Werk Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie (1867) versucht Karl Marx, die wahren Hintergründe für
die soziale Ungleichheit der modernen Gesellschaft zu finden. Seine Analyse der herrschenden kapitalistischen
Verhältnisse ist insofern historisch, als Marx die Produktionsweise des Kapitalismus in ihrer (zeitlichen) Entwicklung
fasst. Er stellt diese Entwicklung in einen Gesammtzusammenhang, nämlich in den (historischen) Kontext der
Klassengesellschaft – d.h. der Spaltung der Gesellschaft in Sklavenhalter und Sklaven, Großgrundbesitzer
(Lehnsherren) und leibeigene KleinbäuerInnen (Frone), Kapitalisten (Bourgeois) und ArbeiterInnen (ProletarierInnen),
kurz in Herren und Knechte, Ausbeuter und Ausgebeutete, Unterdrücker und Unterdrückte.
Marx geht also zunächst dialektisch vor, indem er die konkreten Umstände konkreter Individuen von ihrer sozialen
Geschichte, also der Veränderung in der Gesellschaft herleitet. Etwas weniger verständlich würden heute einige
vielleicht sagen: Auf eine diachrone, d.h. mehrer Generationen umfassende Beschreibung folgt die synchrone, unsere
Gegenwart betreffende Beschreibung. Der Kapitalismus wird quasi in die Geschichte aller Klassengesellschaft
eingebettet. Er ist ein besonderer Teil von ihr, auf den Marx in Das Kapital unsere volle Aufmerksamkeit lenken will.
Gleichzeitig argumentiert Marx im Kapital bei seiner Darstellung der Genese (Entstehung) der Waren- und Geldform
streng logisch – aus A folg B folgt C usw. Er abstrahiert von den konkreten (gesellschaftlichen bzw. historischen)
Erscheinungsformen die „reine Substanz“ der Ware bzw. des Geldes: Die so genannte abstrakte Arbeit.
3.2
Abstrakte Arbeit
„Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so
bleibt das an ihr, dass sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist, (...) produktive Verausgabung von
menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw. und in diesem Sinn menschliche Arbeit. (...) Der Wert der Ware aber
stellte menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. (...)
Wenn also mit Bezug auf den Gebrauchswert die in der Ware enthaltene Arbeit nur qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf
die Wertgröße nur quantitativ. (...) Dort handelt es sich um das Wie und Was der Arbeit, hier um ihr Wieviel, ihre
Zeitdauer.“
(K. Marx, Kapital I. MEW 23, 58 – 60.)
„Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeit im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft
gleicher menschlicher Arbeit oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andererseits
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckmäßiger Form, und in dieser Eigenschaft konkreter
nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte (...)“
(K. Marx, Kapital I. MEW 23, 61.)
Indem Marx aufzeigt, wie durch die Ausbeutng menschlicher Arbeitskraft der enorme Reichtum im Kapitalismus
angehäuft werden konnte, weist er zugleich einen Ausweg aus dem Dileamma der Ausbeutung des Menschen durch den
Menschen auf. Langsam wird klar, weshalb es Sinn macht, sich mit philosophischen Fragen zu beschäftigen, auch wenn
diese auf den ersten Blick etwas abstrakt scheinen mögen. Der Marxismus ist keine abgehobene Wissenschaft, sondern
ein Mittel zum Zweck, eine wesentliche Stütze im Kampf für eine sozialistische Gesellschaftsveränderung.
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Was ist Dialektik? - Dialektik des Kapitals
3.3
Wissenschaft als Waffe
Wir sehen hier also, wie Marx sogar die formale Logik – sich ihrer Grenzen wohlbewusst – für die soziale Befreiung
des Menschen, quasi als ein Werkzeug der Revolution nutzt, während die Ideologen des Kapitals die Formallogik
lediglich dazu einsetzen, die Beständigkeit bzw. Nichtveränderlichkeit der Welt zu prädigen. Armut und Reichtum sind
für sie eine Frage des Zufalls, bestenfalls eine Folge von persönlichem Eifer (Hinduismus, Protestantismus) oder
biologischer Veranlagung (Sozialdarwinismus).
Für die Herrschenden ist die Aufgabe von Philosophie und Wissenschaft im Endstadium des Kapitalismus also nicht
das Aufdecken sondern vielmehr das Verschleiern der Funktionsweise des modernen Kapitalismus und seiner
Ausbeutungsmechanismen. So wie sich die Produktivkräfte in der Phase des Todeskampfes des Kapitalismus im Zuge
seines Verfaulungsprozesses in Destruktivkräfte verwandelt haben, so kann auch die Wissenschaft in den falschen
Händen verheerende Folgen haben.
Wir müssen uns nur anschauen, was mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Albert Einstein, einem
entschiedenen Kriegsgegner und Sozialisten, passiert ist. Die von ihm postulierte Umwandelbarkeit von Masse zu
Energie fand durch die Nukleartechnik eine militärische, also zerstörerische Nutzung. Zwar half Einstein selbst nicht
beim Bau der Atombombe, doch seine Unterschrift zu einem Schreiben vom 2. August 1939 an US-Präsident Franklin
D. Roosevelt, in dem dieser davor gewarnt wird, dass die Nazis an der Entwicklung einer Atombombe arbeiten, war der
Startschuss zum so genannten Manhattan Project.
Einstein selbst erkannte diesen „Beitrag“ zum Kampf gegen den Nazionalsozialismus im Nachhinein als Fehler, denn er
half dem US-Imperialismus bei einem der schrecklichsten Verbrechen der Geschichte. Dieser Antifaschismus im Dienst
des Kapitals hatte dramatische Konsequenzen für die gesammte Menschheit. Bei den Atombombenabwürfen auf
Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 (kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges) starben insgesamt ca.
265.000 Menschen; bis zu 100.000 weitere an Folgeschäden in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten.
Marx verwirft die Errungenschaften der Wissenschaft – darunter fällt auch die formale Logik – nicht einfach, sondern
stellt sie in den Dienst der sozialistischen Revolution. Seine Faszination für die Erkenntnisse der modernen
Wissenschaften zeigt sich bei Marx unter anderem auch darin, dass er Das Kapital dem Begründer der
Evolutionstheorie, Charles Darwin, widmet, von dessen Werk Von der Entstehung der Arten (1859) Marx und Engels
sehr begeistert sind, weil es sich stark mit ihrer materialistischen Weltanschauung deckt. In den Händen des
revolutionären Proletariats wird nicht nur die dialektische Methode sondern die Wissenschaft insgesamt eine Waffe im
Kampf gegen den Kapitalismus und für eine andere Welt, eine Welt frei von Ausbeutung, Gewalt und Unterdrückung.
Zum Abschluss sei festgehalten: Es ist also nicht prinzipiell falsch, sich der formalen Logik als wissenschaftlicher
Methode zu bedienen. Entscheidend ist es jedoch, zu erkennen, wo die Grenzen einer Analyse liegen und zu genau zu
bedenken, was wir vernachlässigen können und was nicht. Grenzen erkennen bedeutet in diesem Fall auch, die Dinge
nicht abgeschieden von einander zu betrachten, sondern stets in einen größeren Kontext zu stellen. Insofern können wir
– sehr allgemein gesprochen – sagen: Es gibt keine immerwährenden, allgemeingültigen Sätze oder Entscheidungen.
Sich zu solchen verleiten lassen, bedeutet, den Gesamtzusammenhang aus den Augen zu verlieren. Nichts ist von
ewiger Beständigkeit, außer die alles umfassende Veränderung der Natur, die immerwährende Bewegung der Materie.
Wichtige Erkenntnisse der Dialektik wären somit:
●
Alles verändert sich.
●
Jede Entwicklung erfolgt durch und auf Grund von Widersprüchen.
●
Alle Dinge hängen miteinander zusammen; der Kontext ist entscheidend.
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Seite 10
Was ist Dialektik? - Die Antike
4.
Die Antike
Die vorsokratischen Philosophen, insbesondere die ionischen Naturphilosophen, vertraten bei ihren Überlegungen zur
Frage nach dem „Sein hinter dem Sein“, dem Urgrund des Seins (griech. arche) spontan dialektische und
materialistische Positionen. Letztere wurden später unter dem Begriff Hylozoismus zusammengefasst, von griechisch
hyle Stoff, Materie (ursprünglich: Wald, Holz, Bauholz) und zoe Leben. Dies ist der Beginn der abendländischen
Philosophie.
Bereits der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos (6./5. Jh. v. u. Z.) weiß: „In dieselben Flüsse steigen wir hinab
und nicht hinab, wir sind es und sind es nicht, denn in denselben Strom vermag man nicht zweimal zu steigen.“ Etwas
ist also und gleichzeitig ist es nicht. Diese Formel wurde vom Sophisten Hippias von Elis (Ende 5. Jh. v. u. Z.) und
später von Platon (427-347 v. u. Z.) in seinem Kratylos (402a) zusammengefasst in dem Satz: „Alles fließt und nichts
steht!“ (panta chôrei kai ouden menei.)
Sokrates: Ich glaube zu sehen, dass Heraklit gar alte Weisheit vorbringt, offenbar dasselbe von Kronos und Rhea, was
auch Homer schon gesagt hat.
Hermogenes: Wie meinst du das?
Sokrates: Heraklit sagt doch: »Alles fließt fort, nichts bleibt am Ort.« Und indem er das Seiende einem strömenden
Flusse vergleicht, sagt er, dass »man nicht zweimal in denselben Fluss steigen könne«.
Hermogenes: So ist es.
Das Eine, der Fluss, ist ständiger Veränderung unterworfen. Der Widerstreit der Gegensätze schafft Ordnung (Kosmos)
und Einheit. Eben diese Einheit und die Durchdringung der Gegensätze steht im Zentrum von Heraklits Denken. „Aus
Allem Eins und aus Einem Alles.“ Seine naïve Dialektik begreift das Weltall als etwas ewiges, weder von Göttern noch
Menschen gemacht – noch durch einen Urknall entstanden. Zugleich hat das Eine im Wandel des Werdenden bestand.
Mit Recht kann Hegel hier sagen, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Wir meinen immer, denselben Fluss
zu sehen, doch im Inneren findet ständig eine Veränderung statt.
Diese Widersprüchlichkeit oder Bipolarität ist nach Heraklit allen Dingen eigen:
„Aus dem einen allwaltenden göttlichen Urfeuer, welches reine Vernunft, Logos, ist, geht durch Zwiespalt und Kampf
die Vielheit der Dinge hervor: Der Kampf ist das Recht der Welt, der König und Vater der Dinge; Eintracht und Friede
führt sie wieder zur Einheit des Urfeuers zurück. In diesem ewigen Auf und Ab, ewigem Werden und Vergehen,
Vergehen und Werden, wird aus Einem alles und aus allem Eines.
Alles fliesst, wir können nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn neue und immer neue Wasser strömen ihm zu,
es ist immer derselbe Fluss und doch immer ein anderer. So ist Gott Tag und Nacht, Sommer und Winter, Krieg und
Frieden, Sättigung und Hunger, gut ist schlecht und schlecht ist gut, in allem ist Gegensätzliches vereint, alles wirkt
gegensätzlich, alles strebt vom Gegensatz zum Gegensatz und ist doch verborgene Harmonie, und diese unsichtbare
Harmonie ist besser als die sichtbare. Gegensätzlichkeit, Krieg ist aller (Dinge) Vater, aller (Dinge) König, und die
einen erweist er als Götter, die anderen als Menschen, die einen als Sklaven, die anderen als Freie.„
Materialistische Positionen vertreten auch andere Naturphilosophen der Antike, so z.B. die Vorsokratiker Thales von
Milet (um 624-546 v. u. Z.), Parmenides von Elea (6.-5. Jh. v. u. Z.) und Anaxagoras (499-428 v. u. Z.) sowie die
Atomisten Leukipp (5. Jh. v. u. Z.), Demokrit (460- 371 v. u. Z.), Epikur (um 341-270 v. u. Z.) und Lukrez (ca. 98-55 v.
u. Z.). Letztere erwecken beim jungen Marx großes Interesse, so stellt seine Dissertation „Differenz der demokritischen
und epikureischen Naturphilosophie“ einen wichtigen Beitrag zum Bruch mit Hegel dar. Zuvor, während seiner
Studienzeit, schreibt Marx seine „Hefte zur epikureischen, stoischen und skeptischen Philosophie“.
Unter den Dialektikern der Antike verdienen neben Heraklit insbesondere seine Gegenspieler Xenophanes von
Kolophon (ca. 570-470 v. u. Z.), sein mutmaßlicher Schüler Parmenides sowie Zenon der Ältere (ca. 490-430 v. u. Z.)
eine kurze Erwähnung. Sie werden schon in der Antike zur Schule der Eleaten zusammengefasst, obwohl Xenophanes
mit ihnen wahrscheinlich nicht direkt in Verbindung stand. Die Eleaten halten jegliches Werden für Schein, alle
Veränderung ist nichts als Illussion. Am bekanntesten ist hier wohl Zenons Paradoxon (Trugschluss) von Achilles und
der Schildkröte.
Aber auch die antike fernöstliche Philosophie vertrat spontan dialektische und materialistische Positionen. Das Buch
der Wandlungen (I Ging) enthält bereits eine Art System der Dialektik – wenn auch in mystisch verklärter Form. Das
Tao te King, das Buch vom Weg (Tao) und seiner Kraft, beschreibt die Veränderung des Lebens ähnlich
naturphilosophisch wie Heraklit, wobei die Existenz seines vermeintlichen Autors, Lao Tses, stark umstritten ist.
Nichtsdestotrotz ist das Studium des Taoismus von nicht zu unterschätzendem Wert. Vor der Phase der Mystifizierung
des Buddhismus und seiner Erhebung zur Religion (ähnlich wie beim Taoismus) enthielt auch dieser Elemente
dialektischen und materialistischen Denkens. Generell wird dieses „dialektische Erbe“ heute leider stark vernachlässigt.
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Seite 11
Was ist Dialektik? - Die Neuzeit
5.
Die Neuzeit
Die Errungenschaften der antiken Philosophie – der Vorsokratiker – werden im „dunklen Mittelalter“ (Patristik und
Scholastik) verschüttet und geraten in Vergessenheit. Die katholische Kirche prädigt die absolute Unveränderlichkeit
der Natur. Auf Grund ihres enormen Einflusses in der Gesellschaft sind die Folgen fatal. Wissenschaftliche Forschung
und philosophisches Denken stagnieren bzw. erleiden einen Tiefpunkt. Mit der Entwicklung des städtischen Bürgertums
schließlich kommt es in der Neuzeit zu neuen technischen Errungenschaften. Dadurch gewinnt die Wissenschaft
zunehmend wieder an Bedeutung.
Dennoch überwiegt innerhalb der bürgerlichen Ideologie auch während der Aufklärung weiterhin die Idee des
Stillstands. Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) prädigt, wir würden in der besten aller Welten leben, womit er
jegliche gesellschaftliche Veränderung ausschließt. Immanuel Kant (1724-1804) wiederum meint, es könne keine
Veränderung im Bewusstsein geben. Diese statischen Auffassungen stehen aber in krassem Gegensatz zu den
Erfahrungen der Neuzeit.
●
1492: Christoph Kolumbus (1451-1506) „entdeckt“ die Neue Welt und zeigt indirekt, dass die Erde keine
Scheibe ist
●
1543: Nikolaus Kopernikus (1473-1543) verwirft das geozentrische Weltbild des Claudius Ptolemäus
(100-175) und verkündet öffentlich, dass die Erde und die Planeten sich um die Sonne drehen.
●
1592: Der italienische Naturphilosoph Giordano Bruno (1548-1600) bestätigt das heliozentrische Weltbild und
wird deshalb von der katholischen Inquisition verhaftet und 1600 in Rom verbrannt.
●
1609: Galileo Galilei (1564-1642) belegt durch seine Beobachtungen mit einem Fernrohr, dass sich das
Weltall in Bewegung befindet, nachdem er zuvor in Vorlesungen die (statische) aristotelische Astronomie und
Naturphilosophie (und deren Anhänger, die Peripatetiker) angreift.
●
1609: Johannes Kepler (1571-1630) erbringt mit dem 1. Keplerschen Gesetz den mathematischen Beweis
dafür, dass sich die Erde – ebenso wie der Mars und die anderen Planeten – elipsenförmig um die Sonne dreht.
●
1631: Der Atomist Pierre Gassendi (1592-1655) kritisiert die Ansichten des Aristoteles (384-322 v. u. Z.)
bestätigt als Astronom Berechnungen Keplers. Ihm gelingt die erste Beobachtung eines Merkurtransits, der
von Kepler vorausberechnet worden war.
All diese Entdeckungen verschärfen die Krise der katholischen Kirche während der protestantischen Reformation. Die
Suche nach einer brauchbaren Methodik, eingebettet in ein dynamisches, bewegtes (im Unterschied zum statischen,
unbewegten) Weltbild, welches den Erfahrungen der Neuzeit entspricht, nimmt zu. Es kommt im Barock unter anderem
zu einer Renaissance des antiken Atomismus (Leukipp und Demokrit, beide 5. Jh. v. u. Z.) bei den Empiristen und im
französischen Materialismus.
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Seite 12
Was ist Dialektik? - Materialismus und Idealismus
6.
Materialismus und Idealismus
„Die große Grundlage aller, speziell neueren Philosophie ist die nach dem Verhältnis von Denken und Sein. (...) Je
nachdem diese Frage so oder so beantwortet wurde, spalten sich die Philosophen in zwei große Lager. Diejenigen, die
die Ursprünglichkeit des Geistes gegenüber der Natur behaupteten, also in letzter Instanz eine Weltschöpfung
irgendeiner Art annahmen (...), bildeten das Lager des Idealismus. Die anderen, die die Natur als das Ursprüngliche
ansahen, gehören zu den verschiedenen Schulen des Materialismus.“
(F. Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie)
Der Ausgangspunkt desMaterialismus in der Philosophie ist die Annahme, dass die reale Welt unabhängig von unserem
Denken existiert. Der Materialismus sucht nach einer Erklärung für alle Phänomene, unsere Existenz und die Existenz
des Universums mit eingeschlossen; und zwar nicht im Übernatürlichen, sondern in den Gesetzen der Natur selbst.
Das Problem sowohl beim englischen Empirismus (z.B. Thomas Hobbes, 1588-1679) als auch beim französischen
Materialismus (z.B. Julien Offray de La Mettrie, 1707-1751) liegt nun in der Entwicklung einer stark mechanischen
Abbild- bzw. Widerspiegelungstheorie, in der die Menschen lediglich Maschinen sind.
Dieses Bild entspringt der Faszination für die neuen Entdeckungen, die rasche technische Entwicklung und die
Zunahme maschineller Produktion. Somit sind diese Philosophen Kinder ihrer Zeit. Hier ist klar die Handschrift Isaac
Newtons (1643-1727) bzw. seiner klassischen Mechanik zu erkennen. Die Erkenntnis ist rein passiv begründet. Die
menschliche Praxis spielt im mechanistischen Weltbild ebensowenig eine Rolle wie die bewusste Reflexion.
Das Denken und unsere Wahrnehmungen sind somit ein unverzerrtes Abbild dessen, was ist. Gleichzeitig wird die
Geschichte als ewiger Kreislauf betrachtet, was eine Weiterentwicklung der Gesellschaft und auch des menschlichen
Erkenntnishorizonts letzten Endes (zumindest in der Theorie) unmöglich macht.
6.1
Leib vs. Seele
Demgegenüber steht der so genannte Idealismus. Während im Materialismus oder Physikalismus lediglich
physikalische oder materielle Objekte und Wirkungen (das Stoffliche) real sind, gelten im Idealismus oder
Phänomenalismus nur geistige Vorgänge (Ideen bzw. Gedanken) als real. Die Außenwelt ist ein Abbild dessen, was wir
denken. Gewissermaßen wird hier die Idee eines Gottes über die Hintertür wieder in die Philosophie eingeführt. In der
Philosophie wird dieser Gegensatz Leib-Seele-Problem genannt.
Dem strengen Kausalitätsprinzip des mechanischen Materialismus, demzufolge jede Ursache exakt eine Wirkung
hervorruft („Auf A folgt B, und nur B.“), stellt der Idealismus die so genannte Teleologie entgegen, die Idee, dass jeder
Prozess auf ein bestimmtes (göttliches) Ziel ausgerichtet sei. Sowohl im mechanistischen als auch im teleologischen
Determinismus ist das Schicksal der Menschen bereits klar vorbestimmt.
René Descartes (1596-1650) versucht, diese beiden philosophischen Traditionen in seinem Dualismus von res extensa
(Körperlichem) und res cogitans (Gedanklichem) auszusöhnen, doch verfällt er schließlich selbst in einen Idealismus
(ontologischer Gottesbeweis) und übernimmt vom Vulgärmaterialismus die Idee des Menschen als Maschine bzw.
Automaten. Während Kant und Leibniz die Ansichten Descartes kritisieren, wird er von Hegel ausdrücklich gelobt.
„Daneben gibt es aber noch eine Reihe anderer Philosophen, die die Möglichkeit einer Erkenntnis der Welt oder doch
einer erschöpfenden Erkenntnis bestreiten. Zu ihnen gehören unter den neueren Hume und Kant, und sie haben eine
sehr bedeutende Rolle in der philosophischen Entwicklung gespielt.“
(F. Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie)
Weder Materialismus noch Idealismus schaffen es konsequent, aus dem starren Denken der aristotelischen Formallogik
auszubrechen. Die Materialisten behalten mit ihrer Theorie des ewigen Kreislaufes die einseitige Anschauung aufrecht,
nach der ein Objekt als etwas fixes gesehen wird, anstatt es als Verhältnis bzw. Vorgang (Werden und Vergehen) zu
betrachten. Hier hat der deutsche Idealismus dem Vulgärmaterialismus etwas voraus, da er die Entwicklung in den
Vordergrund stellt und somit großen Anteil an der Wiederentdeckung und Weiterentwicklung der Dialektik der
Vorsokratiker und des Aristoteles hat. Von diesem übernimmt er auch viele Begriffe (wie Substanz, Wesen, Akzidens,
Form und Stoff).
6.2
Quellen des Marxismus
Wichtige Materialisten der Neuzeit sind die Empiristen Francis Bacon, Thomas Hobbes, John Locke und David Hume,
die Enzyklopädisten Denis Diderot, Claude Adrien Helvétius und Paul Heinrich Dietrich von Holbach, die so genannten
Mechanisten Julien Offray de La Mettrie und Pierre-Simon Laplace sowie Ludwig Feuerbach.
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Seite 13
Was ist Dialektik? - Materialismus und Idealismus
Als Begründer des Idealismus wird allgemeinhin Platon mit seinem Höhlengleichnis gesehen. Weiters zählen die
Rationalisten René Descartes, Blaise Pascal, Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Wolff und Baruch Spinoza zu den
Idealisten. Der Rationalismus vertritt die Theorie, dass die Vernunft die einzige Quelle des Wissens ist, und ist damit
der Gegenpol zum Empirismus, der Ansicht, dass die Wahrnehmung die Quelle allen Wissens ist.
Weitere wichtige Idealisten sind der irische Theologe George Berkeley, der meint, dass die Existenz der Dinge in ihren
Wahrgenommenwerden besteht (esse est percipi), sowie der Vollender der Aufklärung Immanuel Kant mit seiner
Transzendentalphilosophie, der nach eigener Auffassung eine Kopernikanische Wende in der Philosophie einleitet. Zum
so genannten deutschen Idealismus zählen Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher, Friedrich Wilhelm Joseph
Schelling, Arthur Schopenhauer und Georg W. F. Hegel, dessen System den Höhepunkt des Idealismus darstellt.
Das Hauptproblem des Hegelschen Idealismus ist sein Mystizismus, begründet im spekulativen bzw. metaphysischen
Denken des Idealismus insgesamt. Hierzu schreibt Marx in der „Deutschen Ideologie“:
„Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die
Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Menschen. Die Phrasen vom
Bewusstsein hören auf, wirkliches Wissen muss an ihre Stelle treten. Die selbständige Philosophie verliert mit der
Darstellung der Wirklichkeit ihr Existenzmedium.“
(K. Marx: Die deutsche Ideologie, I. Feuerbach; MEW 3, S.27)
In seinem Artikel „Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus“ von 1913, dem 30. Todestag von Karl Marx,
fasst Lenin die historischen Quellen, aus denen der Marxismus entstanden ist – den französischen Materialismus und
die Hegelsche Dialektik auf dem Gebiet der Philosophie, die klassische politische Ökonomie Englands und den
utopischen Sozialismus –, und ihre Inhalte mit folgenden Worten zusammen:
„Die ganze Genialität Marx’ besteht gerade darin, dass er auf die Fragen Antworten gegeben hat, die das
fortgeschrittene Denken der Menschheit bereits gestellt hatte. Seine Lehre entstand als direkte und unmittelbare
Fortsetzung der Lehren der größten Vertreter der Philosophie, der politischen Ökonomie und des Sozialismus. (...) Sie
ist die rechtmäßige Erbin des Besten, was die Menschheit im 19. Jahrhundert in Gestalt der deutschen Philosophie, der
englischen Ökonomie und des französischen Sozialismus hervorgebracht hat. Auf diese drei Quellen und gleichzeitige
Bestandteile des Marxismus wollen wir denn auch kurz eingehen. (...)
Marx und Engels verfochten mit aller Entschiedenheit den philosophischen Materialismus und legten zu wiederholten
Malen dar, wie grundfalsch jede Abweichung von dieser Grundlage ist. Am klarsten und ausführlichsten sind ihre
Anschauungen in Engels’ Werken Ludwig Feuerbach und Anti-Dühring niedergelegt, die – wie das Kommunistische
Manifest – Handbücher jedes klassenbewussten Arbeiters sind. (...)
Nachdem Marx erkannt hatte, dass die ökonomische Struktur die Basis ist, worauf sich der politische Überbau erhebt,
wandte er seine Aufmerksamkeit vor allem dem Studium dieser ökonomischen Struktur zu. Das Hauptwerk von Marx –
Das Kapital – ist der Erforschung der ökonomischen Struktur der modernen, d.h. der kapitalistischen Gesellschaft
gewidmet.
Die vormarxsche klassische politische Ökonomie entstand in England, dem entwickeltsten kapitalistischen Land. Adam
Smith und David Ricardo, die die ökonomische Struktur untersuchten, legten den Grundstein der Arbeitswerttheorie.
Marx setzte ihr Werk fort. Er begründete diese Theorie exakt und entwickelte sie folgerichtig. Er zeigte, dass der Wert
einer jeden Ware durch die Menge der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit bestimmt wird, die zur Produktion der
Ware erforderlich ist. (...)
Als der Feudalismus gestürzt und die „freie„ kapitalistische Gesellschaft zur Welt gekommen war, zeigte es sich
sogleich, dass diese Freiheit ein neues System der Unterdrückung und Ausbeutung der Werktätigen bedeutet. Alsbald
kamen verschiedene sozialistische Lehren auf, als Widerspiegelung dieser Unterdrückung und als Protest gegen sie.
Doch der ursprüngliche Sozialismus war ein utopischer Sozialismus. Er kritisierte die kapitalistische Gesellschaft,
verurteilte und verfluchte sie, träumte von ihrer Vernichtung, phantasierte von einer besseren Ordnung und suchte die
Reichen von der Unsittlichkeit der Ausbeutung zu überzeugen.
Der utopische Sozialismus war jedoch nicht imstande, einen wirklichen Ausweg zu zeigen. Er vermochte weder das
Wesen der kapitalistischen Lohnsklaverei zu erklären noch die Gesetze der Entwicklung des Kapitalismus zu entdecken,
noch jene gesellschaftliche Kraft zu finden, die fähig ist, Schöpfer einer neuen Gesellschaft zu werden. (...)
(W.I. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus; Lenin, Werke.19, S.3-9)
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Seite 14
Was ist Dialektik? - Historischer Materialismus
7.
Historischer Materialismus
Der Junghegelianer Ludwig Feuerbach (1804-1872) schließlich unterzieht die idealistische Dialektik Hegels einer
materialistischen Kritik. Seine religionskritischen Werke haben großen Einfluss auf Marx und Engels. Feuerbach wird
somit oft als das notwendige Zwischenglied bezeichnet, ohne das auch die Marxsche Umstülpung und damit Aufhebung
Hegels nicht möglich gewesen wäre. Was jedoch bei allen vorhergegangenen philosophischen Schulen fehlt,
bemängelte Marx in seinen posthum (1888) veröffentlichten Thesen über Feuerbach: Das Konzept der menschlichen
Praxis! Bei Hegel ist die Arbeit zwar vorhanden, wird aber auf die abstrakte geistige Arbeit reduziert. Erst der
Marxismus rückt den aktiven, selbstbestimmten Menschen wieder ins Zentrum der Philosophie.
Im Folgenden die 5. und 6. der Marxschen Thesen über Feuerbach:
5. Feuerbach, mit dem abstrakten Denken nicht zufrieden, will die Anschauung; aber er fasst die Sinnlichkeit nicht als
praktische menschlich-sinnliche Tätigkeit.
6. Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem
einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen
Verhältnisse. (...)
Gleichzeitig wird Feuerbach in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripte von Marx sehr gelobt:
„Feuerbach ist der einzige, der ein ernsthaftes, ein kritisches Verhältnis zur Hegelschen Dialektik hat und wahrhafte
Entdeckungen auf diesem Gebiete gemacht hat, überhaupt der wahre Überwinder der alten Philosophie ist. Die Größe
der Leistung und die geräuschlose Einfachheit, womit F[euerbach] sie der Welt gibt, stehn in einem wunderlichen
Gegensatz zu dem umgekehrten Verhältnis.
Feuerbachs große Tat ist:
1.
der Beweis, dass die Philosophie nichts anderes ist als die in Gedanken gebrachte und denkend ausgeführte
Religion; eine andere Form und Daseinsweise der Entfremdung des menschlichen Wesens; also ebenfalls zu
verurteilen ist;
2.
die Gründung des wahren Materialismus und der reellen Wissenschaft, indem Feuerbach das gesellschaftliche
Verhältnis „des Menschen zum Menschen„ ebenso zum Grundprinzip der Theorie macht;
3.
indem er der Negation der Negation, die das absolut Positive zu sein behauptet, das auf sich selbst ruhende
und positiv auf sich selbst begründete Positive entgegenstellt.
Feuerbach erklärt die Hegelsche Dialektik – (und begründet dadurch den Ausgang vom Positiven, vom SinnlichGewissen) – folgendermaßen:
Hegel geht aus von der Entfremdung (logisch: dem Unendlichen, abstrakt Allgemeinen) der Substanz, der absoluten
und fixierten Abstraktion. – D.h. populär ausgedrückt, er geht von der Religion und Theologie aus.
Zweitens: Er hebt das Unendliche auf, setzt das Wirkliche, Sinnliche, Reale, Endliche, Besondere (Philosophie,
Aufhebung der Religion und Theologie).
Drittens: Er hebt das Positive wieder auf, stellt die Abstraktion, das Unendliche, wieder her. Wiederherstellung der
Religion und Theologie.
Feuerbach fasst also die Negation der Negation nur als Widerspruch der Philosophie mit sich selbst auf, als die
Philosophie, welche die Theologie (Transzendenz etc.) bejaht, nachdem sie dieselbe verneint hat, also im Gegensatz zu
sich selbst bejaht.
Die Position oder Selbstbejahung und Selbstbestätigung, die in der Negation der Negation liegt, wird für eine ihrer
selbst noch nicht sichere, darum mit ihrem Gegensatz behaftete, an sich selbst zweifelnde und darum des Beweises
bedürftige, also nicht durch ihr Dasein sich selbst beweisende, als nicht eingestandene Position gefasst und darum ihr
direkt und unvermittelt die sinnlich gewisse, auf sich selbst gegründete Position entgegengestellt. [Am unteren Rand
der Manuskriptseite steht ohne Verweis die Bemerkung: Feuerbach fasst noch die Negation der Negation, den
konkreten Begriff als das sich im Denken überbietende und als Denken unmittelbar Anschauung, Natur, Wirklichkeit
sein wollende Denken.]
Aber indem Hegel die Negation der Negation – der positiven Beziehung nach, die in ihr liegt, als das wahrhaft und
einzig Positive, der negativen Beziehung nach, die in ihr liegt, als den einzig wahren Akt und Selbstbetätigungsakt alles
Seins – aufgefasst hat, hat er nur den abstrakten, logischen, spekulativen Ausdruck für die Bewegung der Geschichte
gefunden, die noch nicht wirkliche Geschichte des Menschen als eines vorausgesetzten Subjekts, sondern erst
Erzeugungsakt, Entstehungsgeschichte des Menschen ist. – Sowohl die abstrakte Form werden wir erklären, als den
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Was ist Dialektik? - Historischer Materialismus
Unterschied, den diese Bewegung bei Hegel im Gegensatz zur modernen Kritik zu demselben Prozess in Feuerbachs
Wesen des Christentums hat oder vielmehr die kritische Gestalt dieser bei Hegel noch unkritischen Bewegung. – Ein
Blick auf das Hegelsche System. Man muss beginnen mit der Hegelschen Phänomenologie, der wahren Geburtsstätte
und dem Geheimnis der Hegelschen Philosophie. –“
(Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte; MEW Ergänzungsband, 1. Teil, S. 569 f.)
Obwohl Marx und Engels mit der idealistischen Dialektik Hegels brechen, bleiben Hegels Arbeiten, vor allem die
„ Wissenschaft der Logik“ (kurz Logik genannt) und die „Phänomenologie des Geistes“ zentrale Werke für das
Verständnis der marxistischen Philosophie. Lenin geht sogar soweit, zu behaupten:
„Aphorismus: Man kann das ‚Kapital’ von Marx und besonders das I. Kapitel nicht vollständig begreifen, ohne die
ganze Logik von Hegel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem halben Jahrhundert nicht ein
Marxist Marx begriffen!“
(W.I. Lenin: Philosophische Hefte; Lenin Werke 38, S. 170)
7.1
Entwicklung der Gesellschaft
Marx und Engels leben in einer Epoche des gesellschaftlichen Umbruchs. Die Erfindung der Dampfmaschine, der
Spinnmaschine und des mechanische Webstuhls hatten enorme Auswirkungen auf ihre Zeit. Die wissenschaftlichen
Erkenntnisse dieser Periode sind von enormer Bedeutung für die rasante technische Entwicklung des Kapitalismus und
seiner industriellen Produktion. Gleichzeitig wird verstärkt in die Forschung investiert, was wiederum die Wissenschaft
und die industrielle Entwicklung des Kapitalismus vorantreibt. Marx und Engels erkennen das Wechselverhältnis von
Wissenschaft und Kapitalismus. Somit erhalten sie ein neues Bild der Philosophiegeschichte.
„Die Philosophen wurden aber in dieser langen Periode von Descartes bis Hegel und von Hobbes bis Feuerbach
keineswegs, wie sie glaubten, allein durch die Kraft des reinen Gedankens vorangetrieben. Im Gegenteil. Was sie in
Wahrheit vorantrieb, das war namentlich der gewaltige und immer schneller voranstürmende Fortschritt der
Naturwissenschaft und der Industrie. Bei den Materialisten zeigte sich dies schon auf der Oberfläche, aber auch die
idealistischen Systeme erfüllten sich mehr und mehr mit materialistischem Inhalt und suchten den Gegensatz von Geist
und Materie pantheistisch zu versöhnen; so dass schließlich das Hegelsche System nur einen nach Methode und Inhalt
idealistisch auf den Kopf gestellten Materialismus repräsentiert.“
(F. Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie)
Die Geschichte wird also nicht von „großen Köpfen„ gemacht und sie entsteht auch nicht aus Konflikten zwischen
Ideen und „Werten„ (auch Überbau genannt). Diese sind selbst nur Ausdruck einer allgemeineren (gesellschaftlichen)
Entwicklung. Gleichzeitig ist der Marxismus kein Determinismus. Weder ist alles, was wir tun, mit unserer Geburt
einprogrammiert bzw. vorbestimmt, noch werden wir allein von den gesellschaftlichen Umständen, die uns umgeben,
geprägt. Es ist ein dynamisches Wechselspiel – eine dialektische Beziehung zwischen den beiden –, das die
menschliche Gesellschaft und die Individuen in ihr entwickelt. Marx fasst diese Anschauung im Vorwort zu seinem
Buch „Zur Kritik der Politischen Ökonomie„ kurz und allgemeinverständlich zusammen.
„Das allgemeine Resultat, das sich mir ergab und, einmal gewonnen, meinen Studien zum Leitfaden diente, kann kurz
so formuliert werden: In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige,
von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer
materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische
Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher
bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt
den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr
Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer
Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen
Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb
deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in
Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen
Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher
Umwälzungen muss man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden
Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen
oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewusst werden und ihn
ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann
man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewusstsein beurteilen, sondern muss vielmehr dies Bewußtsein aus
den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen
Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären.„
(Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie; MEW 13, S. 8 f.)
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Was ist Dialektik? - Historischer Materialismus
7.2
Revolutionäre Philosophie
Marx und Engels sind Zeugen von Kriegen, Revolutionen und Arbeitskämpfen. Beide nehmen bereits als Jugendliche
an politischen Aktivitäten teil und knüpfen bald Kontakte zur ArbeiterInnenbewegung (Owenisten und Chartisten in
England, Bund der Gerechten in Deutschland). Ihre Erfahrung beweist ihnen, dass die Menschen ihre Geschichte selber
machen. Jeder ist seines Glückes Schmied – soweit wie die äußeren, materiellen Umstände dies zulassen. Ihre
Parteinahme für die ArbeiterInnenschaft als revolutionäres Subjekt ist ein zentrales Element der marxistischen
Philosophie. Beide spielen ihr ganzes Leben lang eine führende Rolle in der Entwicklung der sozialistischen Parteien in
Europa sowie der I. und II. Internationale. In der 3. Feuerbachthese schreibt Marx:
„Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergisst, dass die Umstände von
den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muss. Sie muss daher die Gesellschaft in zwei Teile von denen der eine über ihr erhaben ist - sondieren.
Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur
als revolutionäre Praxis gefasst und rationell verstanden werden.“
Die Begründer des Marxismus, oder, wie sie ihn zu nennen pflegen, des wissenschaftlichen Sozialismus, leben also in
einer sehr bewegten Zeit. Es ist wohl kein Zufall, dass das dialektische Denken gerade während dieser Epoche wieder in
Mode gerät. Marx und Engels sind ebenso Kinder ihrer Zeit wie alle PhilosophInnen vor ihnen, doch sie wollen ein
aktiver Teil der Veränderungen ihrer Zeit sein.
Von den PhilosophInnen fordern sie nun, dass sie die Welt nicht nur (von außen) interpretieren, sondern sich an
revolutionären Gesellschaftsveränderungen beteiligen (vgl. 11. Feuerbachthese). Die Philosophie wird somit zum
revolutionären Instrument, zur Waffe. Die industrielle Revolution ist für Marx und Engels zugleich eine
wissenschaftliche Revolution, eine Revolution des Denkens und des Handelns der Menschen.
„(...) kaum kennt die Weltgeschichte ein Ereignis, welches in dem kurzen Zeitraum weniger Menschenalter so
außerordentliche Veränderungen hervorgebracht, so gewaltsam in die Schicksale der gebildeten Völker eingegriffen
hat und noch eingreifen wird, als die industrielle Revolution, in welche unsere Zeit begriffen ist.“
(F. Engels: Die Lage der arbeitenden Klassen in England, 1845)
Somit ist die menschliche Erkenntnis für Marx und Engels durch die Produktionsverhältnisse einer Zeit (dem so
genannten Unterbau) bestimmt. Die Wissenschaft steht nicht einfach abseits der herrschenden Ideologie, sondern ist
selbst ein Teil von ihr. Sie kritisieren die Auffassung Kants, nach der die Menschen das Wesen der Dinge, das so
genannte Ding-An-Sich nicht erkennen könnten, sondern auf die göttliche Eingebung vertrauen müssten.
Mit ihrer Ansicht, dass die Menschen ihr Schicksal selbst bestimmen können, sobald sie eine bewusste Vorstellung
ihrer Rolle in der Gesellschaft haben, kritisieren Marx und Engels den Positivismus des mechanischen Materialismus.
In Abgrenzung zu diesem bezeichnet Engels ihre Philosophie später als historischen Materialismus, der die Dinge nicht
als starre Gebilde begreift, sondern in ihrer vollen Widersprüchlichkeit und Veränderung, als Prozesse unter die Lupe
nimmt. Motor dieser Bewegung ist die „praktisch-kritische“ Tätigkeit der Menschen selbst (der BeobachterInnen), die
Grundlage aller kritischen Erkenntnis oder Reflexion. Wird diese „Subjektivität“ ignoriert, begnen den
WissenschaftlerInnen ihre Objekte als statisch.
So schreibt Engels 1892 in seiner Einleitung zur englischen Ausgabe der „Entwicklung des Sozialismus von der Utopie
zur Wissenschaft“ (MEW 22):
„Diese Schrift vertritt das, was wir den "historischen Materialismus" nennen, und das Wort Materialismus ist für die
Ohren der ungeheuren Mehrzahl britischer Leser ein schriller Misston. "Agnostizismus" ginge noch an, aber
Materialismus - rein unmöglich. Und doch ist die Urheimat alles modernen Materialismus, vom siebzehnten
Jahrhundert an, nirgendswo anders als in – England. (...)
Jedenfalls scheint eines sicher: Selbst wenn ich ein Agnostiker wäre, könnte ich die in diesem Büchlein skizzierte
Geschichtsauffassung nicht bezeichnen als "historischen Agnostizismus". Religiöse Leute würden mich auslachen, und
die Agnostiker würden mich entrüstet fragen, ob ich sie verhöhnen will. Und so hoffe ich, dass auch die britische
"Respektabilität", die man auf deutsch Philisterium heißt, nicht gar zu entsetzt sein wird, wenn ich im Englischen, wie
in so vielen andern Sprachen, den Ausdruck "historischer Materialismus" anwende zur Bezeichnung derjenigen
Auffassung des Weltgeschichtsverlaufs, die die schließliche Ursache und die entscheidende Bewegungskraft aller
wichtigen geschichtlichen Ereignisse sieht in der ökonomischen Entwicklung der Gesellschaft, in den Veränderungen
der Produktions- und Austauschweise, in der daraus entspringenden Spaltung der Gesellschaft in verschiedne Klassen
und in den Kämpfen dieser Klassen unter sich.“
Diese Worte von Engels aus dem Jahr 1892 decken sich im wesentlichen mit dem, was Marx und er bereits vier
Jahrzehnte zuvor, nämlich zwischen 1843 und 1844, in der Deutschen Ideologie geschrieben haben, einer guten
Zusammenfassung des historischen Materialismus:
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Seite 17
Was ist Dialektik? - Historischer Materialismus
„Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp., aber die wirklichen, wirkenden Menschen, wie sie
bedingt sind durch eine bestimmte Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechenden Verkehrs bis
zu seinen weitesten Formationen hinaus. Das Bewusstsein kann nie etwas Anderes sein als das bewusste Sein, und das
Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß. (...) Ganz im Gegensatz zur deutschen Philosophie, welche vom
Himmel auf die Erde herabsteigt, wird hier von der Erde zum Himmel gestiegen. (..). Auch die Nebelbildungen im
Gehirn des Menschen sind notwendige Sublimate ihres materiellen, empirisch konstatierbaen und an materielle
Voraussetzungen geknüpften Lebensprozesses.“
(K. Marx: Die deutsche Ideologie, I. Feuerbach; MEW 3, S.27)
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Seite 18
Was ist Dialektik? - Konkrete Wahrheiten
8.
Konkrete Wahrheiten
„Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, dass der Gegenstand,
die Wirklichkeit, Sinnlichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefasst wird; nicht aber als
sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher (wird) die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem
Materialismus vom dem Idealismus - der natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt - entwickelt.
Feuerbach will sinnliche - von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedene Objekte: aber er fasst die menschliche
Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im "Wesen des Christenthums" nur das
theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig-jüdischen
Erscheinungsform gefasst und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der "revolutionären", der "praktischkritischen" Tätigkeit.“
(Karl Marx: 1. Feuerbachthese, 1845)
In der Marxschen Dialektik ist unser Verhältnis zur Natur durch den Gebrauch bestimmt (konstituiert). Ein Rind ist für
uns ein Nahrungsmittel, weil wir es essen; für die Hindus ist es heilig. Gleichzeitig würden wir einen Seestern oder
einen Leguan in Europa nicht unbedingt als Nahrungsmittel betrachten. Was für uns ein Sessel ist, kann für wen anderes
ein Tisch sein; ein Becher kann für eine Mathematikerin ein Zylinder sein usf. Die Definition eines Begriffs hängt also
von unserem Standpunkt ab. Die Dialektik kennt somit – anders als die formale Logik – keine fixen Kategorien. So sind
hohe Löhne für die Herrschenden etwas wünschenswertes. Für die Ausgebeuteten jedoch stellt sich die Lage genau
umgekehrt dar.
Abhängig von unserem jeweiligen Standpunkt konzentriert sich unsere Wahrnehmung also auf unterschiedliche
Aspekte einer Sache. Erst, wenn wir uns dieser Tatsache bewusst werden, sind wir zu einer bewussten kritischen oder
dialektischen Erfahrung wirklich fähig. Indem wir verschiedene Seiten eines Dings oder eines Vorgangs betrachten,
indem wir dieses Ding verinnerlichen und zu einem Ganzen zusammenführen, lösen wir es aus seiner Isolierung. Wir
vollziehen eine so genannte Totalisierung oder Synthetisierung.
Synthese bedeutet hier soviel wie Einheit. Hegel selbst spricht sich vehement gegen den Begriff der Synthese aus, weil
es ja darum geht, dass wir erkennen, dass zwei Dinge oder Aspekte zusammenfallen, die in Wirklichkeit längst
zusammengehören. Oft ist daneben auch noch von These und Antithese die Rede, bzw. von Spruch und Widerspruch
oder von Rede und Gegenrede. Das wird dann die dialektische Triade oder der dialektische Dreischritt genannt. Wir
werden sehen, dass das von Fichte stammende Modell von These-Antithese-Synthese nicht viel mit der Dialektik
Hegels zu tun hat, sondern eine starke Vereinfachung, einen Rückschritt von dieser, darstellt.
Sobald wir uns selbst als reflektives Moment dieser Erfahrung betrachten, sobald wir erkennen, dass ein solches
Denken ohne das reflektierende Individuum, ohne das eingreifende Ich, gar nicht erst möglich ist, holen wir das Ding
aus der Isolierung der „reinen Vernunft“. Aus einem ursprünglich passivem, äußerlichen Verhältnis wir ein bewusstes,
dialektisches Verhältnis, eine kritische Reflexion (aktives Erkennen). Wir erkennen uns selbst als Teil einer Beziehung.
8.1
Hegelsche Mystifizierungen
Hegel spricht hier nach idealistischer Sitte vom Ding-für-sich und dem Gesetz der Kraft, was Marx zu Recht kritisiert,
das der Grund aller Dinge (die dialektische Bewegung) selbst keinen Grund besitzt. Für Marx ist diese Kraft daher
nichts weiter als das Aufeinanderprallen der Atome oder die Bewegung der Teilchen, Energie genannt. Engels bringt
diese materialistische Grundeinstellung in der bereits zitierten Einleitung zur englischen Ausgabe der „Entwicklung des
Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ (MEW 22) prägnant auf den Punkt:
„Materie und Energie [sind] ebenso unerschaffbar wie unzerstörbar; für uns ist das Denken eine Form der Energie,
eine Funktion des Gehirns.“
Das Ding-für-sich wird bei Hegel von der inneren Kraft beherrscht und liegt im Bereich der Innerlichkeit oder
Interiorität. Es handelt sich hierbei um den (bewegten) Bereich dialektischer Beziehungen, in dem Bedingungen im
Zuge einer Praxis verinnerlicht werden, um später rückentäußert zu werden. Ebendieser Bereich dialektischer,
qualitativer Beziehungen ist Gegenstand der dialektischen Vernunft, welche die analytische Vernunft in sich integriert.
Von der inneren unterscheidet Hegel die äußere Kraft. Sie ist im trägen (inerten) Bereich der rein quantitativen
Beziehungen beheimatet, in der Philosophie auch Äußerlichkeit oder Exteriortät genannt. Die Bedingungen sind hier
einander äußerlich, weil sie von keinem handelnden Individuum verinnerlicht werden, es handelt sich hier also um eine
reine Abstraktion, quasi eine „entmenschte Natur“. Hier befindet sich das so genannte Ding-für-andere. Dieser Bereich
undialektischer Beziehungen ist Gegenstand der analytischen Vernunft.
Die ruhende Substanz, das Wesen der Dinge, heißt im deutschen Idealismus Ding-an-sich. Während das An-sich-Sein
oder Ding-an-sich bei Kant noch unergründlich scheint, ist es bei Hegel bereits einer höheren Erkenntnis zugänglich.
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Seite 19
Was ist Dialektik? - Konkrete Wahrheiten
Das An-sich ist laut Hegel mit sich identisch, es ist also die Selbständigkeit und Immanenz (das Innewohnen, Anhaften;
Ggs.: Transzendenz), die (göttliche) Idee einer Sache.Sein Zweck ist die Entdeckung der Kraft als dem UnbedingtAllgemeinen.
Der wissenschaftliche Sozialismus jedoch anerkennt nur zwei immerwährende, einer jeden Sache innewohnende
Tatsachen oder Wesentlichkeiten (Naturen): Die Materie und ihre Bewegung. Außerdem kann etwas nur dadurch
existieren bzw. bestimmt werden, dass es von etwas anderem unterschieden, oder – in der Sprache der Philosophie –
negiert wird, also durch Anschauung. Schon Baruch Spinoza schreibt: „Jede Bestimmung ist Negation.“
Das Ansich ist nach Marx ein paradoxes Konstrukt, die logische Konsequenz der Mystifizierungen des Idealismus. Ihm
zu Folge kann nur über das Fürandere auf das Ansich geschlossen werden. Er schreibt:
„Ein Wesen, welches seine Natur nicht außer sich hat, ist kein natürliches Wesen, nimmt nicht teil am Wesen der Natur.
Ein Wesen, welches keinen Gegenstand außer sich hat, ist kein gegenständliches Wesen. Ein Wesen, welches nicht
selbst Gegenstand für ein drittes Wesen ist, hat kein Wesen zu seinem Gegenstand, d.h. verhält sich nicht
gegenständlich, sein Sein ist kein gegenständliches.
Ein ungegenständliches Wesen ist ein Unwesen, setzt ein Wesen, welches weder selbst Gegenstand ist noch einen
Gegenstand hat. Ein solches Wesen wäre erstens das einzige Wesen, es existierte kein Wesen außer ihm, es existierte
einsam und allein. Denn sobald es Gegenstände außer mir gibt, sobald ich nicht allein bin, bin ich ein anderes, eine
andere Wirklichkeit als der Gegenstand außer mir. Für diesen dritten Gegenstand bin ich also eine andere Wirklichkeit
als er, d.h. sein Gegenstand. Ein Wesen, welches nicht Gegenstand eines anderen Wesens ist, unterstellt also, dass kein
gegenständliches Wesen existiert. Sobald ich einen Gegenstand habe, hat dieser Gegenstand mich zum Gegenstand.
Aber ein ungegenständliches Wesen ist ein unwirkliches, unsinnliches, nun gedachtes, d.h. nun eingebildetes Wesen, ein
Wesen der Abstraktion. Sinnlich sein, d.h. wirklich sein, ist Gegenstand des Sinns sein, sinnlicher Gegenstand sein, also
sinnliche Gegenstände außer sich haben, Gegenstände seinen Sinnlichkeit haben. Sinnlich sein ist leidend sein.“
(K. Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, S. XXVI f.; MEW Ergänzungsband, Teil 1)
8.2
Hegelianismus und Marxismus
„Das Große an der Hegelschen Phänomenologie und ihrem Endresultate – der Dialektik der Negativität als dem
bewegenden und erzeugenden Prinzip – ist also einmal, dass Hegel die Selbsterzeugung des Menschen als einen
Prozess fasst, die Vergegenständlichung als Entgegenständlichung, als Entäußerung und als Aufhebung dieser
Entäußerung; dass er also das Wesen der Arbeit fasst und den gegenständlichen Menschen, wahren, weil wirklichen
Menschen, als Resultat seiner eigenen Arbeit begreift. Das wirkliche, tätige Verhalten des Menschen zu sich als
Gattungswesen oder die Betätigung seinen als eines wirklichen Gattungswesens, d.h. als menschlichen Wesens, ist nun
möglich dadurch, dass er wirklich alle seine Gattungskräfte – was wieder nur durch das Gesamtwirken der Menschen
möglich ist, nur als Resultat der Geschichte – herausschafft, sich zu ihnen als Gegenständen verhält, was zunächst
wieder nun in der Form der Entfremdung möglich ist.“
Dieser Text stammt aus den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten (MEW Ergänzungsband, 1. Teil, S. 574).
Marx zeigt hier auf, was Hegel für die Entwicklung der Philosophie (und des Marxismus) geleistet hat. Gleich darauf
kritisiert er aber die „Einseitigkeit und die Grenze Hegels“, sein Konzept der Arbeit, welches im Schlusskapitel der
Phänomenologie des Geistes am klarsten zum Ausdruck kommt. „Die Arbeit, welche Hegel allein kennt und anerkennt,
ist die abstrakt geistige.“, schreibt Marx weiter. Während bei Hegel das Bewusstsein das Wesen aller Dinge (oder
Ding-an-sich) durch dialektische Reflexion als Selbstbewusstsein erkennt, gibt es bei Marx nur ein Grundprinzip oder
Wesen, das Werden – ausgedrückt in der menschlichen Praxis.
„Die Hauptsache ist, dass der Gegenstand des Bewusstseins nichts anderes als das Selbstbewusstsein oder dass der
Gegenstand nur das vergegenständlichte Selbstbewusstsein, das Selbstbewusstsein als Gegenstand ist. (Setzen des
Menschen = Selbstbewusstsein.)
Es gilt daher, den Gegenstand des Bewusstseins zu überwinden. Die Gegenständlichkeit als solche gilt für ein
entfremdetes, dem menschlichen Wesen, dem Selbstbewusstsein nicht entsprechendes Verhältnis des Menschen. Die
Wiederaneignung des als fremd, unter der Bestimmung der Entfremdung erzeugten gegenständlichen Wesens des
Menschen, hat also nicht nun die Bedeutung, die Entfremdung, sondern die Gegenständlichkeit aufzuheben, d.h. also
der Mensch gilt als ein nicht-gegenständliches, spiritualistisches Wesen.
Im folgenden spottet Marx über die idealistische Auffassung der Zweiteilung der Welt (Körper/Geist) und ihre
„dialektische Auflösung“ bei Hegel:
„Alle Entfremdung des menschlichen Wesens ist daher nichts als Entfremdung des Selbstbewusstseins. Die
Entfremdung des Selbstbewusstseins gilt nicht als Ausdruck, im Wissen und Denken sich abspiegelnder Ausdruck der
wirklichen Entfremdung des menschlichen Wesens. Die wirkliche, als real erscheinende Entfremdung vielmehr ist
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Seite 20
Was ist Dialektik? - Konkrete Wahrheiten
ihrem innersten verborgenen – und erst durch die Philosophie ans Licht gebrachten – Wesen nach nichts anderes als
die Erscheinung von der Entfremdung des wirklichen menschlichen Wesens, des Selbstbewusstseins. Die Wissenschaft,
welche dies begreift, heißt daher Phänomenologie. Alle Wiederaneignung des entfremdeten gegenständlichen Wesens
erscheint daher als eine Einverleibung in das Selbstbewusstsein; der sich seines Wesens bemächtigende Mensch ist nur
das der gegenständlichen Wesen sich bemächtigende Selbstbewusstsein. Die Rückkehr des Gegenstandes in das Selbst
ist daher die Wiederaneignung des Gegenstandes.“
8.3
Kategorien bei Hegel
Kommen wir nun noch zu den philosophischen Kategorien und den Bewusstseinsstufen bei Hegel, um unser
Verständnis für diese wichtige Quelle weiter zu vertiefen. Wie wir bereits gesehen haben, ist Hegel selbst recht
inkonsequent in seinem Denken. Obwohl er als der Meister der Dialektik gilt, hatte er selbst oft ein recht statisches Bild
von den Dingen, so auch von den philosophischen Begiffen. Trotzki schreibt dazu 1935 in seinen posthum (1986)
erschienen Notizbüchern:
„Das Prinzip des Übergangs von Quantität in Qualität hat universelle Bedeutung, insofern als wir das ganze
Universum – ohne irgendwelche Ausnahme – als Produkt von Bildung und Umbildung und nicht einer bewussten
Schöpfung betrachten.
Hegel selbst hat zweifellos dem Gesetz des Übergangs von Quantität in Qualität nicht die herausragende Bedeutung
gegeben, welche ihm nach allem Recht zusteht. Hegel stützte sich auf die Kant-Laplace-Theorie, aber er kannte weder
Darwinismus noch Marxismus. In der Tat reicht es, sich daran zu erinnern, dass der Dialektiker Hegel den preußischen
Staat als Verkörperung der absoluten Idee betrachten konnte.
Leute, die in absoluten und unveränderlichen Kategorien denken, die sich also die Welt als Gesamtheit
unveränderlichen Qualitäten vorstellen, nannte Engels nach dem Vorbild Hegels Metaphysiker.
„Metaphysisches“ Denken existiert in mehr oder weniger reiner Form vielleicht nur bei Wilden. Bei zivilisierten
Völkern herrscht Eklektizismus [eine Art geistiger Gemischtwarenladen] vor. Die Gesetze der „Evolution“, des
„Fortschritts“ werden im allgemeinen anerkannt, aber unabhängig von ihnen werden ein paar absolute Kategorien
anerkannt – im Bereich der Wirtschaft (Privateigentum), Politik (Demokratie, Patriotismus), Moral (der kategorische
Imperativ).“
(Leo Trotzki: Über dialektischen Materialismus)
Nach Hegel existieren folgende drei Formen der quantitativen Veränderung (Negation):
1.
Vernichtung (einfache Negation)
2.
Aufhebung als Aufbewahrung (Affirmation)
3.
Aufhebung als Erhebung (zu etwas Höherem)
Gleichzeitig verwendet Hegel den Begriff aufheben in der Bedeutung von 1. sich unterscheiden (negare), 2. erhalten
(conservare), 3. erheben (elevare). Mögliche Eigenschaften (Seiten, Aspekte) eines Vorgangs bzw. eines Dings (was
vom Blickpunkt der Dialektik aus dasselbe ist) bezeichnet Hegel als positive (Position) und ausschließende (eine Sache
unterscheidende, differenzierende) als negative Qualitäten. Hier trifft er zur näheren Begriffsbestimmung die Einteilung
in Dieses (bestimmter Gegenstand), Hier (Raum) und Jetzt (Zeit). Hegel spricht in diesem Zusammenhang auch von
Verzeitlichung (Temporalisation) und Verdinglichung (Reifikation). Gemeinsame (Einheit) und unterschiedliche
(Vielfalt) Eigenschaften können gleichzeitig trennendes wie verbindendes Element sein.
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Seite 21
Was ist Dialektik? - Bewusstseinsstufen bei Hegel
9.
Bewusstseinsstufen bei Hegel
Im folgenden werden wir sehen, was es mit den drei Elementen des Aufhebens – negare, elevare, conservare – bei
Hegel genau auf sich hat. Das Anderssein (Negation) gegenüber dem Ansich, ohne dass sich das Ansich dabei falsch,
also fremd wird (Entfremdung, Alienation), ist das Für-andere-Sein, die Erscheinung der Dinge. Die Erhaltung ist bei
Hegel die Position (Selbstjahung) bzw. Positivität im Gegensatz zur Negation oder Negativität. Das Füranderesein ist
somit die erste oder einfache Negation bzw. Negativität des Ansichseins.
Wie wir bereits gesehen haben, versteht Hegel alle dialektischen Prozesse als Entwicklungen des Denkens. Das
Füranderesein entspricht dabei der ersten Hegelschen Erkenntnis- oder Bewusstseinsstufe: Der sinnlichen Gewissheit, in
der ein Gegenstand bloß passiv aufgenommen oder rezipiert wird. Sie ist die reichste Erkenntnis, da sie über
unendlichen Reichtum verfügt (wenig Differenzierung), zugleich aber ist sie die ärmste, weil sie reine, d.h. bloße
Sinneswahrnehmung ist. Sie liegt im Bereich der reinen Äußerlichkeit oder Exteriortät. Dieses Stadium ist vergleichbar
mit den Sensationes beim Empiristen John Lock bzw. den Impressiones seines Kollegen David Hume.
Als nächstes folgt die doppelte Negation bzw. die Negation der ersten Negation, das Für-sich-sein. Das Fürsichsein ist
die Affirmation des Ansich. Als Einheit oder Vollständigkeit (Totalität) von Wesen und Erscheinung ist das Fürsichsein
laut Hegel der Begriff der Dinge. Als aktive Wahrnehmung fasst es die Dinge als Allgemeines (abstrakt) auf. Das ist das
Stadium, in welchem wir uns aus dem Bereich der Exteriortät bzw. Entäußerung heraus in die Interiorität bzw.
Verinnerung hineinbegeben. Diese dialektische Reflexion heißt auch Totalisierung.
Es folgt der Schritt der Rückentäußerung. In der spekulativen Dialektik Hegels ist die Entäußerung des menschlichen
Denkens von der Natur – wie bereits erwähnt – die Entfremdung, die Negation des Geistes. Die Negation der Negation,
die Aufhebung dieser Entäußerung, wird bei Hegel als die wirkliche Äußerung des menschlichen Denkens gefasst. Die
Entfremdung durch die Arbeit und die gleichzeitig „befreiende“, weil schaffende Rolle der Arbeit wird bei Hegel wie
gesagt verkannt.
Die Hegelsche Entwicklung des Bewusstseins basiert also auf der Idee, dass das Bewusstsein sich im Anderen erkennt
und das Andere in sich erkennt. Das Wissen um dieses eigene Wissen oder Bewusstsein von sich tritt bei Hegel als
Selbstbewusstsein in Erscheinung. Sein Werkzeug ist die Begierde. Aufgabe des Selbstbewusstseins ist es nun, sich im
Anderen wiederzufinden, um das innere Gleichgewicht wiederherzustellen, welches es verlor, nachdem es sich seiner
Schwächen und seiner Ungewissheit bewusst geworden war.
Dazwischen kommt es zu einer Phase von Ohnmacht und Übermut, die Hegel bezeichnenderweise mit Knecht- und
Herrschaft tituliert, was den jungen Marx bei seinen gesellschaftspolitischen Studien stark beeinflusst hat und den
gesamten Charakter des revolutionären Materialismus bzw. kritischen Kommunismus oder wissenschaftlichen
Sozialismus.
Am Ende einer Unmenge von dialektischen Prozessen kommt es zum An-und-für-sich-Sein. Bei Hegel selbst ist das
Anundfürsich jedoch nur selten aufzufinden. Es tritt bei ihm zumeist als geistige Substanz auf, bzw. als die „Totalität
von Natur und Wirklichkeit“, d.h. als absolute Idee. Wie alle anderen Stufen eines dialektischen Prozesses müsste auch
diese Stufe wieder Ausgangspunkt für einen neuen – höheren – dialektischen Prozess sein. Da diese absolute Idee aber
nichts weiter ist der Schöpfer selbst, muss die Bewegung hier bei Hegel wohl ihr Ende nehmen.
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Seite 22
Was ist Dialektik? - Rolle der Arbeit
10.
Rolle der Arbeit
„Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache - das sind die beiden wesentlichsten Antriebe, unter deren Einfluss
das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommenere eines Menschen allmählich
übergegangen ist. (...) Die Rückwirkung des Gehirns und seiner dienstbaren Sinne, des sich mehr und mehr klärenden
Bewusstseins, Abstraktions- und Schlussvermögens auf Arbeit und Sprache gab beiden immer neuen Anstoß zur
Weiterbildung.“
(F. Engels: Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen)
Wie wir bereits gesehen haben, wird die Rolle der menschlichen Praxis von der gesamten Vormarxschen Philosophie
mehr oder minder völlig ausgeklammert. Leider hat sich daran auch heute nicht viel geändert. In der Soziologie ist
heute oft von Habitus die Rede. Dieser Begriff bezeichnet im wesentlichen die Bräuche und Gewohnheiten der
Menschen und ist im Gegensatz zur Praxis von Trägheit bestimmt.
Habitus ist die lateinische Übersetzung des griechischen Wortes Hexis, welches bei Aristoteles a) die Art zu Denken
und b) situationsgebundenes Verhalten bezeichnet. Nicht zufällig verbannt der französische Philosoph Jean-Paul Sartre
(1905-1980) die Hexis in den inerten, d.h. trägen Bereich der Äußerlichkeit, während er die Praxis an die Innerlichkeit
knüpft. Wie Engels ausführt, hat die Arbeit einen wesentlichen Anteil an der Menschwerdung des Tiers. Ohne Arbeit,
ohne menschliche Tätigkeit, gibt es also kein Denken, keine Reflexion – und auch keine Dialektik.
Das die menschliche Arbeit – und ihre revolutionäre, gesellschaftsverändernde Rolle – von der Philosophie im
Allgemeinen ignoriert wird, ist kein Zufall. Für uns ist der Marxismus der ideologische Ausdruck der Kämpfe der
modernen LohnarbeiterInnenschaft gegen die Kapitalistenklasse. Er ist zugleich die Verallgemeinerung bzw. Lehre
vergangener Kämpfe, als auch Anleitung für künftige Kämpfe.
Marx hat die Schriften der Geschichtsschreiber der französischen Restauration (1830er/40er), genauer gesagt eines
Thierre, Guizot und Mignet studiert. Ausgehend von der Großen Französischen Revolution von 1789 (bis 1794)
betonen sie die Kämpfe des dritten Standes gegen die Aristokratie und den Klerus. Ihr Historizismus ist grundlegend für
das neue bürgerliche Selbstbewusstsein. Obwohl sie die Bedeutung von Kämpfen zwischen den Klassen entdecken,
sind die Geschichtsschreiber der Restauration zutiefst konservativ. Um die eigene Macht zu stützen, behaupten sie nun,
dass es keine weiteren Klassenkämpfe geben kann.
Wie wir sehen, ist die Dynamik die Ideologie der aufstrebenden Klassen, während die Statik, der Stillstand, die
Ideologie der Herrschenden ist, welche mit aller Macht ihre Herrschaft verteidigen und jeglicher gesellschaftliche
Veränderung somit vorerst mit großer Skepsis gegenüber stehen. Marx und Engels hingegen verfolgen mit ihrer
Philosophie das Ziel eines unabhängigen proletarischen Klassenstandpunkts. Ihm Zentrum ihres Lebens und Denkens
steht die sozialistische Revolution. So kann Marx zurecht in seiner 8. Feuerbachthese behaupten:
„Der Standpunkt des alten Materialismus ist die bürgerliche Gesellschaft; der Standpunkt des neuen die menschliche
Gesellschaft, oder die gesellschaftliche Menschheit.“
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Seite 23
Was ist Dialektik? - Dialektik der Natur
11.
Dialektik der Natur
Da das Ansichsein für Hegel die ursprüngliche Form der Realität ist, die sich aus sich selbst heraus ihren Gegensatz und
damit ihr Fürsichsein heraustreibt, versteht Sartre (der sich selbst als Marxist bezeichnete eine Zeit mit der IV.
Internationale sympathisierte) das Ansichsein als die Faktizität, sprich die Tatsächlichkeit, Gegebenheit (Ggs.: Logizität
– logische Beschaffenheit), des nichtmenschlichen Seienden, im Gegensatz zum Fürsichsein des Menschen (vgl.
Abschnitt Hegelsche Mystifizierungen).
Angeregt durch die Lektüre des Marxisten Henri Lefèbvre (1901-1991) sowie des Strukturalisten Louis Althusser
(1918-1990) publiziert Sartre 1960 in Anschluss an seinen 1957 für eine polnische Zeitung verfassten Artikel
„Marxismus und Existenzialismus“ sein Werk „Kritik der dialektischen Vernunft. Theorie der gesellschaftlichen
Praxis“, in dem er versucht, Grenzen und Geltungsbereich der Dialektik abzustecken. Sartre kritisiert hier vor allem das
Konzept einer „entmenschten“ Dialektik der Natur.
„Wir kennen nur eine einzige Wissenschaft, die Wissenschaft der Geschichte. Die Geschichte kann von zwei Seiten aus
betrachtet, in die Geschichte der Natur und die Geschichte der Menschen aufgeteilt werden. Beide Seiten sind indes
nicht zu trennen; solange Menschen existieren, bedingen sich Geschichte der Natur und Geschichte der Menschen
gegenseitig. Die Geschichte der Natur, die so genannte Naturwissenschaft, geht uns hier nicht an; auf die Geschichte
der Menschen werden wir indes einzugehen haben, da fast die ganze Ideologie sich entweder auf eine verdrehte
Auffassung dieser Geschichte oder auf eine gänzliche Abstraktion von ihr reduziert. Die Ideologie selbst ist nur eine
der Seiten dieser Geschichte.“
http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_anm.htm
„Es ist also die Geschichte der Natur wie der menschlichen Gesellschaft, aus der die Gesetze der Dialektik abstrahiert
werden. Sie sind eben nichts andres als die allgemeinsten Gesetze dieser beiden Phasen der geschichtlichen
Entwicklung sowie des Denkens selbst.“
http://www.mlwerke.de/me/me20/me20_348.htm
[fehlt: Mensch und Natur; moderne Wissenschaft]
Bestätigung der Dialektik in der Natur:
●
Spezielle Relativitätstheorie: Dialektische Beziehung von Materie und Bewegung (Energie)
●
Allgemeine Relativitätstheorie: Dialektische Beziehung von Raum und Zeit
●
Quantenphysik bzw. Quantenmechanik: Welle-Teilchen-Dualismus
„Es ist es selbst und etwas anderes zur selben Zeit.“
●
Chaosforschung bzw. Theorie komplexer Systeme oder Komplexitätstheorie:
Unvorhersehbare/„chaotische„ Bewegung => „anhaltende Instabilität„
„Kleine Änderungen führen später – an einem bestimmten Punkt – zu größeren Änderungen.„
●
Evolutionstheorie: Sprünge/Punktualismus => Stephen J. Gould
Interessant hiezu sind die Artikel Leo Trotzkis zum Thema. Sie sind hier vor allem deshalb angeführt, weil wir sie auch
in der alten englischsprachigen Schulungsreihe „Marxist Study Guide“ sowie in Militant Education (Militant Labour)
als zentrales Schulungsmaterial aufgelistet bzw. abgedruckt haben. Es handelt sich hierbei erstens um Radioaktivität
und Materialismus (1923); auf englisch in der Artikelreihe Radio, Science, Technique and Society als Kapitel „A
Triumph of Dialectical Materialism“ erschienen. Der zweite Artikel ist eine Rede aus dem Jahr 1925 – Mendelejew und
der Marxismus –; auf englisch erschienen in der Aufsatzserie „Dialectical Materialism and Science“. Die englischen
Titel sind hier lediglich zur Orientierung angegeben. Weiters ist Trotzkis ABC der materialistischen Dialektik zu
empfehlen, welches in „Verteidigung des Marxismus“ abgedruckt wurde, sowie die Auszüge aus Trotzkis Notizbüchern
von 1933-35: Über dialektischen Materialismus.
[fehlt: Platz für Gott? Blinder Wissenschaftsglaube => vgl. Urknalltheorie]
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Seite 24
Was ist Dialektik? - Dialektische Aufhebung
12.
Dialektische Aufhebung
(Aus: Wikipedia, der freien Enzyklopädie)
Die dialektische Aufhebung ist ein zentraler Begriff der Philosophie G. W. F. Hegels. Er bezeichnet den Vorgang der
Überwindung eines Widerspruchs, wobei die positiven, wertvollen Elemente erhalten und fortgeführt werden und die
negativen entfallen.
Hegel sah in dem deutschen Wort Aufhebung den spekulativen Geist der Sprache, der in der Lage ist, gegensätzliche
Bedeutungen in einem Wort zu vereinen. Er stellte die drei Momente der dialektischen Aufhebung folgendermaßen dar:
1.
Die Beendigung, Überwindung einer Entwicklungsstufe (Negation).
2.
Das Erhalten ihrer zukunftsträchtigen Seiten (Aufbewahrung).
3.
Die Integration dieser Seiten in die höhere Stufe der Entwicklung, wodurch sie eine neue Funktion erlangen
(Erhöhung).
Karl Marx fordert in seinen Frühschriften die Aufhebung der Philosophie durch deren Verwirklichung und die
Verwirklichung der Philosophie durch deren Aufhebung.
„In der ursprünglichen Identität (These) wird zuerst ein Unterschied gesetzt. Diese Trennung zwischen Einem und
seinem Anderen (Antithese) ist eine verstandesmäßige Reflexionsleistung. Während der einfache Verstand an diesen
Trennungen festzuhalten pflegt (Isolierung, Festwerden der Gegensätze), muss dann die höhere Vernunft die neue,
höhere Einheit der Gegensätze finden. Festgewordene Gegensätze in der Bewegung aufzuheben ist die Aufgabe der
Reflexion der Reflexion.“
Annettes Philosophenstübchen: Dialektik
http://www.thur.de/philo/as141.htm
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Seite 25
Was ist Dialektik? - Lesetipps und Literaturnachweis:
13.
13.1
Lesetipps und Literaturnachweis:
Sozialistische Klassiker
Karl Marx: Hefte zur epikureischen, stoischen und skeptischen Philosophie, 1839 (MEW 40)
http://www.mlwerke.de/me/me40/me40_013.htm
Karl Marx: Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie, 1841 (MEW 40)
Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844 (MEW 1. Ergänzungsband)
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1844/oek-phil/index.htm
Karl Marx: Thesen über Feuerbach, 1845 (MEW 3)
http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_005.htm
Karl Marx / Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, 1845-1846 (MEW 3)
http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_009.htm
Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus, 1847 (MEW 4)
http://www.slp.at/index.php/artikel+M545aa0a88fb/
Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie, 1859 (MEW 13)
http://www.mlwerke.de/me/me13/me13_003.htm
F. Engels: Dialektik der Natur, 1873-1883 (MEW 20)
http://www.mlwerke.de/me/me20/me20_305.htm
F. Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, 1876-78 (MEW 20)
http://www.mlwerke.de/me/me20/me20_001.htm
F. Engels: Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, 1876 (MEW 20)
http://www.mlwerke.de/me/me20/me20_444.htm
F. Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, 1882 (MEW 19)
http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_177.htm
F. Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, 1886 (MEW 21)
http://www.mlwerke.de/me/me21/me21_259.htm
W.I. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, 1913 (LW 19)
http://www.slp.at/index.php/artikel+M5d966c437f0/
Leo Trotzki: Radioaktivität und Materialismus (1923)
http://marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1926/xx/radioaktiv.htm
Leo Trotzki: Radio, Science, Technique and Society
http://marxists.org/archive/trotsky/1926/03/science.htm
Leo Trotzki: Mendelejew und der Marxismus (1925)
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1921/09/mendelejew.htm
Leo Trotzki: Dialectical Materialism and Science
http://marxists.org/archive/trotsky/1925/09/science.htm
Leo Trotzki: Über dialektischen Materialismus. Auszüge aus Trotzkis Notizbüchern von 1933-35
http://marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1935/notiz/diamat.htm
Leo Trotzki: Das ABC der materialistischen Dialektik (Aus: Verteidigung des Marxismus)
http://www.slp.at/index.php/artikel+M5221a020244/
N. Bucharin / E. Preobraschensky: Das ABC des Kommunismus
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/bucharin/1920/abc/index.htm
Franz Mehring: Karl Marx - Geschichte seines Lebens (Personenregister)
http://www.mlwerke.de/fm/fm03/reg/fm03_r_a.htm
George Novack (1905-1992) Logik des Marxismus, 1942).
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Was ist Dialektik? - Lesetipps und Literaturnachweis:
13.2
Marx / Engels CD-ROM
Digitale Bibliothek 11 - Karl Marx & Friedrich Engels: Ausgewählte Werke
http://www.uni-muenster.de/PhilSem/bib/datenbanken/marxengels.html
Website des Anbieters der CD-ROM - Euro 45,00 (DIRECTMEDIA Publishing GmbH)
http://www.digitale-bibliothek.de/scripts/ts.dll?s=4&id=2444B8B1&mp=/art/4011/&sc=band11.htm
Derselbe Inhalt zum Download - Euro 39,90 (Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)
http://www.zenodot.net/shop/product_info.php?info=p10_Marx--Engels--Ausgew-hlte-Werke.html
Rezension zur Marx-Engels CD-ROM
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensio/digital/cdrom/datenban/bemi0999.htm
13.3
Ressourcen im Internet
Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) im Internet
http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/mega/de/Blanko.2005-01-21.9986935591
Karl Marx / Friedrich Engels Archiv am International Institute of Social History in Amsterdam
http://www.iisg.nl/archives/en/files/m/10760604full.php
Wikibooks: Karl Marx
http://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Marx,_Karl
Wikipedia: Zeittafel zur Philosophiegeschichte
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeittafel_zur_Philosophiegeschichte
Wikipedia: Kategorie Dialektik
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Dialektik
Microsoft Encarta: Karl Marx
http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761555305/Marx_Karl_Heinrich.html
13.4
Sekundärliteratur
Christian Thies: Grundkurs/Ringvorlesung „Einführung in die Philosophie“
http://www.uni-rostock.de/fakult/philfak/fkw/iph/thies/19.Jahrhundert.html
Philipp Mikschl: Karl Marx' Dissertation „Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie“
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/phf/24128.html
Nelli Schulz: Karl Marx: Die deutsche Ideologie
http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/74037.html
Frank Richter, Philosophieren in der DDR
http://www.thur.de/philo/gast/richter/philosophie.htm
Grundfrage der Philosophie, Materialismus, Idealismus
http://www.razyboard.com/system/morethread-grundfragederphilosophiematerialismusidealismusf_blumenthal-1312614-3187594-0.html
Philosophie ohne Ende oder „Ultima Philosophia“
http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/wiss/heidegg/heideg_1.htm
Henri Lefèbvre: Der dialektische Materialismus (1939), Frankfurt a. Main 1971
Jean-Paul Sartre: Die Existenz geht der Essenz voraus
http://www.muenster.org/august/philosophie/projekte/9899112/illustrationen.html
Jean-Paul Sartre: Fragen der Methode [Marxismus und Existenzialismus] (1960, dt.1964). Vincent von Wroblewsky
(Hrsg.): Sartre Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Reinbek bei Hamburg, 1999 (rororo 22466).
Wolf Göhring: Wie kommen wir zu einer Tasse Kaffe?
http://coforum.de/?702
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