Sind Obst- und Gemüseverzehr sowie

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DONALD-News
Sind Obst- und Gemüseverzehr
sowie Kochsalzkonsum
im Jugendalter von Bedeutung
für den späteren Blutdruck?
Ein erhöhter Blutdruck zählt weltweit zu
den bedeutsamsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre und renale Erkrankungen.
Der Blutdruck im Kindesalter zeigt bereits
einen deutlichen Zusammenhang zum später auftretenden Bluthochdruck; vor allem
in der Adoleszenz ist der altersabhängige
Blutdruckanstieg besonders ausgeprägt.
Zahlreiche Interventions- und Beobachtungsstudien konnten zeigen, dass eine
erhöhte Obst- und Gemüsezufuhr sowie
eine Reduktion des Salzkonsums zu einer
deutlichen Blutdrucksenkung im Erwachsenenalter führen können. Es wird angenommen, dass diese Ernährungsfaktoren
möglicherweise auch für die kurz- und
langfristige Blutdruckentwicklung von
Kindern und Jugendlichen eine Rolle
spielen.
Auf Grundlage der DOrtmund Nutritional
and Anthropometric Longitudinally Designed Study (DONALD-Studie) wurde
nun untersucht, welche Zusammenhänge
zwischen den üblichen Verzehrsmengen
an Kochsalz sowie Obst und Gemüse in
der Adoleszenz und dem Blutdruck im jungen Erwachsenenalter bestehen und ob
sich bei der gleichzeitigen Berücksichtigung beider Ernährungsgrößen diese Zusammenhänge möglicherweise abschwächen.
In die Analyse wurden Daten von 206 DONALD-Teilnehmern (98 Frauen, 108 Männer) eingeschlossen, für die neben einer
Messung des systolischen und diastolischen Blutdrucks im jungen Erwachsenenalter (18–25 Jahre) 3 plausible 3-TageWiege-Ernährungsprotokolle, 3 Sammlungen des 24-Stunden-Harns sowie 3
Blutdruckmessungen im Alter zwischen
11 und 16 Jahren vorlagen. Die Obst- und
Gemüsezufuhr in der Adoleszenz wurde
einerseits anhand der Ernährungszufuhrdaten direkt berechnet und andererseits
Biomarker-basiert durch die Höhe der
24-Stunden-Ausscheidungen von Kalium,
Oxalat und Hippursäure bestimmt. Die
Kochsalzzufuhr wurde aus dem arithmetischen Mittel der Ausscheidungen von Natrium und Chlorid im 24-Stunden-Harn
berechnet.
In multivariablen Regressionsanalysen
zeigte sich auch nach Adjustierung für sozioökonomische, frühkindliche und Ernährungsfaktoren (einschließlich der verzehrten Obst- und Gemüsemenge) ein
prospektiver Zusammenhang zwischen
Kochsalzzufuhr und systolischem Blutdruck bei den männlichen Studienteilnehmern (Pfür Trend ⫽ 0,01), wobei diejenigen
jungen Männer mit der höchsten Kochsalzzufuhr (4. Quartil) im Jugendalter im
Mittel einen 7,5 mmHg höheren systolischen Blutdruck als diejenigen mit der
niedrigsten Zufuhr (1. Quartil) aufwiesen
(Abb. 1).
Bei Frauen fand sich kein entsprechender
Zusammenhang. Eine höhere Obst- und
Gemüsezufuhr in der Adoleszenz war hingegen – auch nach Berücksichtigung der
Kochsalzzufuhr – mit niedrigeren systolischen Blutdruckwerten bei jungen Frauen
assoziiert (Pfür Trend ⫽ 0,02), während diese
Ernährungsgröße bei den männlichen Teilnehmern keinen Einfluss zeigte. Die untersuchten Biomarker des Obst- und Gemüseverzehrs bestätigten diese Zusammenhänge weitestgehend.
Für den diastolischen Blutdruck im jungen
Erwachsenenalter fand sich bei beiden
Geschlechtern kein konsistenter Zusammenhang zur Ernährung im Jugendalter. Die beobachteten Zusammenhänge
zwischen Ernährung in der Adoleszenz
und dem späteren Blutdruck wurden
durch zusätzliche Berücksichtigung des
BMI im Erwachsenenalter nur wenig verändert.
Die E r g e b n i s s e unserer Analysen legen nahe, dass die Ernährung in der Adoleszenz bereits bei jungen gesunden Er585
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Systolischer Blutdruck (mmHg)
132
130
P für Trend 5 0,01
128
126
124
122
120
118
116
114
112
110
Q1
Q2
Q3
Q4
Mediane Kochsalzzufuhr (g/d) in Quartilen der NaCl-Exkretion
4,8
6,2
7,2
8,3
wachsenen mit vergleichsweise niedrigem Blutdruckniveau einen Einfluss auf
die Höhe des systolischen Blutdrucks haben könnte. Möglicherweise haben der
Obst- und Gemüseverzehr sowie die Salzzufuhr bei adoleszenten Mädchen und
Jungen jedoch eine unterschiedlich starke
Bedeutung für die langfristige Blutdruckentwicklung. Ob die im DONALD-Studienkollektiv gefundenen geschlechtsspezifischen Assoziationen auch in anderen Populationen bestätigt werden können, bleibt
abzuwarten.
Gefördert teilweise aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Bundesanstalt
für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Förderkennzeichen 2811HS007.
586
Abb. 1
Systolischer Blutdruck
(mmHg) im jungen
Erwachsenenalter in
Quartilen der Natriumchlorid(NaCl)-Exkretion
im 24-Stunden-Harn
in der Adoleszenz
(n ⫽108 Männer). Werte
sind Mittelwerte und 95%Konfidenzintervalle
adjustiert für Erwachsenenalter, mittleren systolischen
Blutdruck in der
Adoleszenz, standardisierte
Energiezufuhr, Zufuhr von
gesättigten Fettsäuren und
Obst- und Gemüse,
Größen-SDS, mütterliche
Schulbildung, mütterlichen
Blutdruck; modifiziert nach
(1)
Literatur
1. Krupp D, et al. Prospective relevance of fruit and
vegetable consumption and salt intake during adolescence for blood pressure in young adulthood. Eur J
Nutr 2014; Epub ahead of print.
Dr. DANIKA KRUPP und
Prof. Dr. THOMAS REMER
DONALD-Studie am
Forschungsinstitut für Kinderernährung
Universität Bonn
Heinstück 11
44225 Dortmund
[email protected]
pädiat. prax. 83, 585–586 (2014/2015)
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