Religiosität und psychische Gesundheit bei Patienten mit

Werbung
Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Psychologie und Pädagogik
Lehrstuhl für Klinische Psychologie
Religiosität und psychische Gesundheit bei
Patienten mit Panikstörung
Einfluss der Gefühle gegenüber Gott auf Symptombelastung und
Lebenszufriedenheit von Patienten mit Panikstörung im stationären
psychosomatischen Setting
Masterarbeit
Vorgelegt von Annja M. Stegherr
am
13.08.2013
Gutachter: Prof. Dr. Markos Maragkos
Danksagung
Danksagung
Herzlichen Dank …
… an Herrn Dr. Tischinger und Herrn Strom von der Adula Klinik für die
freundliche Zusammenarbeit und die Bereitstellung der Daten, welche diese Arbeit ermöglicht haben.
… an Herrn Prof. Dr. Maragkos für die unterstützende Betreuung, die gute Erreichbarkeit und hilfreichen Vorschläge.
… an meine Eltern Angelika und Michael sowie meine Schwester Julia, die
mein Studium stets unterstützt und mit viel Interesse begleitet haben.
… an meine Freundinnen Imke, Sarah und Hanna für die interessanten Gespräche und guten Ideen.
… an meinen Freund Sidney für seine Anteilnahme und liebevolle Begleitung.
2
Zusammenfassung
Zusammenfassung
Zielsetzung: Die vorliegende Arbeit sollte zur Aufklärung des Einflusses von Religiosität, und insbesondere der Art der Gefühle gegenüber Gott, auf die psychische Gesundheit und den Therapieerfolg von Personen mit Panikstörung beitragen.
Methode: Untersucht wurden 110 Patienten mit Panikstörung (76 Frauen, durchschnittlich 40 Jahre alt), welche sich in mindestens vierwöchiger stationärer Behandlung in
einer psychosomatischen Klinik befanden, in deren Konzept Religiosität verankert ist.
Die Hypothesen wurden hauptsächlich varianzanalytisch untersucht; Religiosität wurde
anhand der Zentralitätsskala (Huber, 2003) operationalisiert.
Ergebnisse: Negative Gefühle gegenüber Gott wirkten sich ungünstig auf die psychische Gesundheit von Panikpatienten aus, während positive Gefühle ohne Einfluss blieben. Religiosität beeinflusste die allgemeine Symptombelastung dieser Patienten positiv, niedrigreligiöse Personen mit einem negativen Gottesbild waren am stärksten belastet. Es zeigten sich keine Einflüsse auf den Therapieerfolg.
Schlussfolgerungen: In einer religiös orientierten Psychotherapie von Panikstörungen
sollte nach einem negativen Gottesbild gefragt werden, welches besonders bei niedrigreligiösen Personen bearbeitet werden muss.
Aims: The present study aimed at clarifying the influences of religiosity and specifically the type of feelings towards god on mental health and the outcome of psychotherapy
in patients with panic disorder.
Methods: Subjects were 110 patients with panic disorder (76 women, mean age 40
years), which took part in at least four weeks of inpatient therapy in a psychosomatic
hospital with religious orientation. The hypotheses were mainly tested using analyses of
variances; religiosity was measured using Huber’s (2003) centrality scale.
Results: Negative emotions towards god influenced the mental health of patients with
panic disorder in a detrimental way, while positive emotions stayed without influence.
Religiosity reduced the general symptom pressure of these patients; unreligious persons
with a negative god image reported the highest distress. No influences on therapy outcomes could be found.
Conclusion: Religiously oriented therapy of patients with panic disorder should address
negative god images and work on modifying these, especially in nonreligios persons.
3
<<Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Danksagung ...................................................................................................................... 2
Zusammenfassung ...........................................................................................................3
Tabellenverzeichnis .........................................................................................................8
Abbildungsverzeichnis ..................................................................................................10
1.
Einleitung ................................................................................................................ 11
2.
Theorie..................................................................................................................... 12
2.1.
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott .................................................... 12
2.1.1.
Definition von Religiosität ......................................................................12
2.1.1.1.
2.1.2.
Messung von Religiosität.........................................................................15
2.1.2.1.
Konzeption zur Messung von Religiosität nach Huber ................ 16
2.1.2.2.
Kritik an Religionspsychologischer Forschung ............................. 19
2.1.3.
2.2.
Abgrenzung des Konstruktes .......................................................... 13
Gefühle gegenüber Gott ..........................................................................20
2.1.3.1.
Entstehung des Gottesbildes und entsprechender Gefühle ..........20
2.1.3.2.
Einflüsse des Gottesbildes ................................................................ 21
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit ........ 22
2.2.1.
Religiosität als Ressource ........................................................................23
2.2.1.1.
Lebenszufriedenheit .........................................................................23
2.2.1.2.
Angststärke ....................................................................................... 24
2.2.1.3.
Psychische Belastung........................................................................25
2.2.2.
Religiosität als Risikofaktor....................................................................25
2.2.2.1.
Lebenszufriedenheit .........................................................................26
2.2.2.2.
Angststärke ....................................................................................... 26
2.2.2.3.
Psychische Belastung........................................................................26
2.2.3. Mögliche Ursachen des Zusammenhangs zwischen Religiosität und
psychischer Gesundheit ......................................................................................... 27
2.2.3.1.
Soziale Unterstützung durch die religiöse Gemeinschaft .............27
2.2.3.2.
Kognitive Orientierung an einem Sinn der Welt........................... 28
2.2.3.3.
Verhaltensregulierung und Sozialisierungskontrolle ................... 28
2.2.3.4.
Idee vom göttlichen Handeln als liebend und eingreifend ...........29
2.2.3.5.
Religiöse Werte ................................................................................. 29
4
<<Inhaltsverzeichnis
2.2.3.6.
2.2.4.
Weitere Faktoren..............................................................................30
Religiosität bei Personen mit Angststörungen ......................................30
2.2.4.1.
Beschreibung von Angststörungen ................................................. 30
2.2.4.2.
Forschungslage zur Wirkung von Religiosität bei Personen mit
Angststörungen ...................................................................................................34
2.2.4.3.
2.2.5.
3.
Vermutete Einflussfaktoren ............................................................ 36
Einbezug von Religiosität in die Psychotherapie ..................................37
Hypothesen und Fragestellungen ..........................................................................39
3.1. Erster Hypothesenblock: Einflüsse auf die Psychische Gesundheit zu
Beginn der Therapie ................................................................................................. 39
3.2. Zweiter Hypothesen – und Fragestellungsblock: Einflüsse auf den
Therapieerfolg ........................................................................................................... 40
4.
Methode ................................................................................................................... 42
4.1.
Untersuchungsdesign und Durchführung der Untersuchung ................... 42
4.2.
Untersuchungssetting in der Psychosomatischen Adula Klinik ................ 42
4.2.1.
Das Bad Herrenalber Klinikkonzept ..................................................... 43
4.2.1.1.
Therapeutische Gemeinschaft ......................................................... 43
4.2.1.2.
Therapeutische Vereinbarungen .................................................... 43
4.2.1.3.
Bonding-Psychotherapie ..................................................................43
4.2.1.4.
Spirituelles Angebot .........................................................................44
4.2.2.
Angebote für Patienten mit Angststörungen.........................................45
4.3.
Selektion der Studienteilnehmer .................................................................. 45
4.4.
Beschreibung der Stichprobe ........................................................................ 45
4.5.
Erhebungsinstrumente .................................................................................. 48
4.5.1.
Fragebogen zur Erhebung der Religiosität ...........................................48
4.5.1.1.
Halbstrukturiertes klinisches Interview zur Erhebung der
spirituellen Anamnese (SPIR) ...........................................................................48
4.5.1.2.
Religiositäts-Struktur-Test (R-S-T) ................................................ 49
4.5.1.3.
Klinikspezifische Fragen .................................................................51
4.5.2.
Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R) ........................................51
4.5.3.
ICD-10-Symptomrating (ISR) ................................................................ 52
4.5.4. Basisdokumentation für stationäre Psychotherapie und
Psychosomatik (Psy-BaDo-PTM)..........................................................................53
4.6.
Statistische Datenanalyse .............................................................................. 53
5
<<Inhaltsverzeichnis
4.6.1.
5.
6.
Operationalisierung der Hypothesen und Fragestellungen ................. 54
4.6.1.1.
Gruppenbildung ...............................................................................54
4.6.1.2.
Gruppenunterschiede.......................................................................55
4.6.1.3.
Erster Hypothesenblock ..................................................................57
4.6.1.4.
Zweiter Hypothesen- und Fragestellungsblock ............................. 60
Ergebnisse ...............................................................................................................61
5.1.
Deskriptive Statistiken .................................................................................. 61
5.2.
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen ................. 61
5.2.1.
Erster Hypothesenblock ..........................................................................61
5.2.2.
Zweiter Hypothesen- und Fragestellungsblock ....................................65
Diskussion ...............................................................................................................70
6.1. Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und
Fragestellungen ......................................................................................................... 70
6.1.1.
Erster Hypothesenblock ..........................................................................70
6.1.1.1.
Zentralität der Religiosität .............................................................. 70
6.1.1.2.
Positive Gefühle gegenüber Gott .................................................... 74
6.1.1.3.
Negative Gefühle gegenüber Gott ................................................... 75
6.1.1.4.
Stärkere Auswirkungen der Gefühle gegenüber Gott auf die
psychische Gesundheit bei stärkerer Religiosität ............................................76
6.1.2.
Zweiter Hypothesen- und Fragestellungsblock ....................................77
6.1.2.1.
Wirksamkeit der Therapie an einer psychosomatischen Klinik
mit religiösem Angebot ...................................................................................... 77
6.2.
6.1.2.2.
Einflüsse auf den Therapieerfolg .................................................... 77
6.1.2.3.
Negative Gefühle gegenüber Gott bei niedriger Religiosität ........78
Stärken und Limitationen der Studie .......................................................... 81
6.2.1.
Operationalisierung der Konstrukte ..................................................... 81
6.2.2.
Zusammensetzung der Stichprobe ......................................................... 82
6.2.2.1.
Unterschiede der untersuchten Gruppen .......................................83
6.3.
Zukünftige Forschung ................................................................................... 85
6.4.
Schlussfolgerungen und Implikationen für die Praxis ............................... 86
Abschließende Erklärung ............................................................................................. 88
Literaturverzeichnis ......................................................................................................89
Anhang A – Abkürzungsverzeichnis .........................................................................104
6
<<Inhaltsverzeichnis
Anhang B – Die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker .........................................105
Anhang C – „Fragebogen zur Erhebung der spirituellen Überzeugungen und
Bedürfnisse unserer Patienten“ .................................................................................. 106
Anhang D – FPI-R Fragebogen - Lebenszufriedenheitsskala .................................110
Anhang E – Fragebogen des ICD-10-Symptomratings ............................................111
Anhang F – Deskriptive Statistiken innerhalb der untersuchten Subgruppen .....114
Anhang G – Unterschiede der untersuchten Subgruppen in Bezug auf
soziodemographische und klinische Variablen ......................................................... 116
Anhang H – Kolmogorov-Smirnov-Tests auf Normalverteilung in den
untersuchten Gruppen ................................................................................................ 117
Anhang I – Berechnungen zur Überprüfung der H3 in der Gruppe der
hochreligiösen Personen .............................................................................................. 118
7
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1. Deskriptive Statistiken – demographische und klinische Daten ................... 46
Tabelle 2. Deskriptive Statistiken – Therapierelevante Daten ....................................... 47
Tabelle 3. Deskriptive Statistiken – Daten bezüglich der Religiosität ........................... 47
Tabelle 4. Items des R-S-T ............................................................................................. 50
Tabelle 5. Im R-S-T (Huber, 2003) erfasste Gefühle gegenüber Gott ........................... 51
Tabelle 6. Effektstärkerichtlinien nach Cohen (1988, zitiert nach Bühner & Ziegler,
2009) ............................................................................................................................... 54
Tabelle 7. Gruppeneinteilung nach Gottesbild ............................................................... 55
Tabelle 8. t-Tests zum Einfluss von Geschlecht............................................................. 57
Tabelle 9. Bivariate Korrelationen nach Pearson zum Einfluss von Alter ..................... 57
Tabelle 10. Deskriptive Statistiken................................................................................. 61
Tabelle 11. Partialkorrelationen der Religiositätsmaße mit Maßen psychischer
Gesundheit, kontrolliert für Alter ................................................................................... 62
Tabelle 12. t-Tests zur Überprüfung von Gruppenunterschieden in Bezug auf Zentralität
der Religiosität und Gottesbild ....................................................................................... 62
Tabelle 13. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Lebenszufriedenheit .... 63
Tabelle 14. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Angststärke .................. 63
Tabelle 15. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV ISR-Globalwert............ 64
Tabelle 16. Vierfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung zur AV
Lebenszufriedenheit........................................................................................................ 66
Tabelle 17. Cut-off-Werte nach K Tritt et al. (2010) in Bezug auf die
Symptombelastung ......................................................................................................... 66
Tabelle 18. Vierfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung zur AV Angststärke
........................................................................................................................................ 67
Tabelle 19. Vierfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung zur AV ISRGlobalwert ...................................................................................................................... 69
Tabelle 20. Fragen zur Lebenszufriedenheit aus dem FPR-R (Fahrenberg et al., 2001)
...................................................................................................................................... 110
Tabelle 21. Deskriptive Statistiken der AVs in den Zentralitäts-Gruppen ................... 114
Tabelle 22. Deskriptive Statistiken der AVs in den Gottesbild-Gruppen .................... 115
Tabelle 23. Demographische und klinische Daten der als UV untersuchten Gruppen:
einfaktorielle Varianzanalysen ..................................................................................... 116
Tabelle 24. Demographische und klinische Daten der als UV untersuchten Gruppen:
Kreuztabellen ................................................................................................................ 116
Tabelle 25. Kolmogorov-Smirnov-Tests für zu beiden Messzeitpunkten erhobene
Variablen ...................................................................................................................... 117
Tabelle 26. Kolmogorov-Smirnov-Tests für zum ersten Messzeitpunkten erhobene
Variablen ...................................................................................................................... 117
Tabelle 27. Korrelation der Religiositätsmaße untereinander ...................................... 118
8
Tabelle 28. Partialkorrelationen der Religiositätsmaße mit Maßen psychischer
Gesundheit, kontrolliert für Alter, in der Gruppe der hochreligiösen Personen........... 118
Tabelle 29. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Lebenszufriedenheit in
der Gruppe der hochreligiösen Personen ...................................................................... 118
Tabelle 30. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Angststärke in der Gruppe
der hochreligiösen Personen ......................................................................................... 118
Tabelle 31. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV ISR-Globalwert in der
Gruppe der hochreligiösen Personen ............................................................................ 119
9
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. Dimensionen des R-S-T im Modell der Religiosität von Huber (2008b, S. 4) . 18
Abb. 2. Modell zum Einfluss der Gottesbeziehung auf die psychische Gesundheit nach
Murken (1998, S. 159) .................................................................................................... 29
Abb. 3. Wahl der Klinik ................................................................................................. 48
Abb. 4. Gewünschter Umgang mit Religiosität in der Therapie .................................... 48
Abb. 5. Verteilung der Lebenszufriedenheit .................................................................. 59
Abb. 6. Lebenszufriedenheit in Abhängigkeit des Gottesbildes .................................... 65
Abb. 7. Angststärke in Abhängigkeit des Gottesbildes .................................................. 65
Abb. 8. ISR-Globalwert in Abhängigkeit des Gottesbildes............................................ 68
Abb. 9. Interaktion zwischen Gottesbild und Religiosität in Bezug auf den ISRGlobalwert über die zwei Messzeitpunkte hinweg ......................................................... 68
Abb. 10. ISR-Globalwert in Abhängigkeit der Zentralität der Religiosität.................... 68
10
Einleitung
1. Einleitung
„Religion comes from the Latin word religare … re means back and ligare means to
bind, bind together. […] Health, religion and healing all have a common theme: […]
putting the person, both mind and body, back into order and balance.”
(Koenig et al., 2012, S. 605)
In Deutschland beschreiben sich 70% der Personen als religiös (Unterrainer, 2010).
Aufgrund der weiten Verbreitung von Religion und der Wichtigkeit, die diese im Leben
vieler hat, ist es notwendig, genauer zu untersuchen, wie stark der von Keonig et al.
(2012) beschriebene Zusammenhang zwischen Religion und Psyche wirklich ist.
Seit den 80er Jahren steigt die Anzahl der Publikationen zur Bedeutung von Religiosität
und Spiritualität für die Gesundheit kontinuierlich an (Utsch & Klein, 2011). Religionspsychologische Forschung bestätigt jedoch nicht eindeutig, was in der Bibel steht: „der
Glaube durch ihn hat diesem gegeben diese Gesundheit vor euren Augen“ (Apg. 3:16,
Luther-Bibel, 2004). Religiosität kann sowohl salutogene als auch pathogene Wirkungen auf unterschiedliche Aspekte der psychischen Gesundheit entfalten (Bergin, 1983).
Während Religiosität für manche Menschen als Ressource zur Weiterentwicklung und
Konfliktbewältigung dient, kann sie, je nach Integration in die persönliche Lebensgeschichte, für andere auch die Gefahr einer neurotischen Verstrickung oder Wachstumshemmung darstellen (Utsch, 2005). So können spirituelle Glaubensüberzeugungen und
Praktiken insbesondere ängstlichen Personen ein Gefühl der Kontrolle und des Selbstvertrauens wiedergeben, sie können aber auch Angst verursachen (Koenig, 2010).
Welche Aspekte von Religiosität sind förderlich für die psychische Gesundheit, welche
hinderlich? Macht es einen Unterschied, ob psychische Gesundheit in Bezug auf Belastung oder Wohlbefinden untersucht wird? Kann z.B. eine positive Beziehung zu Gott im
Sinne eines Gefühls der Geborgenheit oder des Vertrauens gegenüber Gott dabei helfen,
Ängste abzubauen? Werden Ängste andererseits durch negative Gefühle gegenüber
Gott, wie Schuld oder Scham, geschürt?
Als Beitrag zur Aufklärung dieser Fragen wurden Patienten mit Panikstörung untersucht, welche in Behandlung an einer psychosomatischer Klinik waren, in deren Konzept religiöse Werte verankert sind. Zur Überprüfung der Art der Einflüsse wurden die
Patienten vor und nach der Behandlung befragt.
11
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
2. Theorie
In der theoretischen Betrachtung zu Beginn dieser Arbeit soll zuerst die Konzeptualisierung und Messung von Religiostät beschrieben werden. Die verschiedenartigen Einflüsse von Religiosität, dem Gottesbild und den Gefühlen gegenüber Gott auf die psychische Gesundheit werden beschrieben und mögliche Ursachen dargelegt. Des Weiteren
wird der Fokus auf Personen mit Angststörungen gelegt und die Rolle von Religiostät in
der Therapie beleuchtet.
2.1. Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
Nach Darstellung einiger verschiedener Ansätze zur Definition, Abgrenzung und Messung von Religiosität, soll auf Forschung zu Gottesbildern und Gefühlen gegenüber
Gott eingegangen werden.
2.1.1. Definition von Religiosität
Hill et al. (2000) betonten, dass der lateinische Wortstamm religio, eine Bindung zwischen der Menschheit und einer übernatürlichen Macht beschreibt. Koenig, King, und
Carson (2012) beschrieben Religion als multidimensionales Konstrukt, welches ein System von Glaubensüberzeugungen, Symbolen, Bräuchen, Zeremonien und Ritualen zur
Herstellung der Nähe zum Transzendenten beinhaltet. Hill und Kollegen (2002) sahen
den Bezug auf das Heilige als elementar in der Definition der Religiosität an. Es wird
als letzte Wahrheit oder göttliches Wesen sowie als Person, Objekt, Prinzip oder
Konzept, welches das Selbst transzendieren kann, beschrieben. Viele Menschen
verpflichten sich den Prinzipien des Heiligen und richten ihr Leben danach aus. Im
religiösen Kontext werden kirchliche Autorität, heilige Schriften und Traditionen
genutzt, um Gläubigen eine Deutung der Realität und Anleitung zu vorbildlicher
Lebensführung zu übermitteln (ebd.). In einer Gemeinschaft von Menschen mit gemeinsamen Überzeugungen etablieren sich über die Zeit bestimmte Traditionen der Glaubensausübung (als Gemeinde oder allein) sowie Regeln für soziale Verhaltensweisen
und Vorstellungen zu einem Leben nach dem Tod (Koenig et al., 2012).
12
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
„Religion ist also die Haltung eines Menschen, der die Gegebenheiten seines
Lebens und seiner Welt, zumindest teilweise, auf eine transzendente Wirklichkeit bezieht. Seine persönliche Religiosität ist dabei in die Glaubens- und Formenwelt einer bestimmten Religion und Religionsgemeinschaft eingebunden,
deren Mythen, Riten und Vorstellungen er teilt.“ (Murken, 1998, S. 40).
Der Begriff Religion beinhaltet daher sowohl persönliche als auch in einer Glaubensgemeinschaft institutionalisierte Deutungs- und Wertsysteme (Utsch & Klein, 2011).
Es wurden viele Versuche unternommen, die Komplexität des Konstrukts zu untergliedern. So fand z.B. Krause (1993) die folgenden Dimensionen: Religiosität in der Organisation (Gottesdienstbesuch, Religionszugehörigkeit), subjektive Religiosität (Bedeutung der Religion im Leben) und religiöse Glaubensüberzeugungen (bezüglich der Religion und der Beziehung zu Gott). Auch wurden Dimensionen der Religionsausübung,
wie religiöse Mitgliedschaft, persönliche Erfahrungen oder Verpflichtungen, Ritualoder Gottesdienstbesuch, Gebet oder Schriftlektüre, unterschieden (Koenig et al., 2012).
Es gibt unterschiedliche Befunde zur Entstehung von Religiosität. Utsch (2005) sieht
Religion als ein von Kultur, Bildung und Geschlecht unabhängiges, menschliches
Grundbedürfnis. Rizzuto (1991) beschrieb die Entstehung religiöser Erfahrungen als die
subjektive und private Zuschreibung einer religiösen Bedeutung für Verhaltensweisen,
Ereignisse und psychische Vorgänge. Die Religiosität von Eltern wirkt auf die ihrer
Kinder (Power & McKinney, 2012), wobei eine sichere Bindung zu den Eltern als Voraussetzung für die religiöse Sozialisation dargestellt wird (Reinert & Edwards, 2009).
2.1.1.1.Abgrenzung des Konstruktes
Es ist wichtig, Religiosität von Spiritualität abzugrenzen, da die Konstrukte in der Forschung oft gemeinsam auftreten (s. z.B. Koenig et al., 2012). Der Begriff Spiritualität
hat (besonders in psychologischen Datenbanken) erst in den letzten Jahren eine ähnliche
Verbreitung wie Religiosität genossen (Utsch & Klein, 2011). Seit einem viertel Jahrhundert steigt das Interesse an Spiritualität, während gleichzeitig viele Menschen ihr
Vertrauen in die Religion verlieren. Die Konzeptualisierungen von Religion haben sich
im Zuge dessen von einem relativ weiten und viele Elemente umfassenden Ansatz, unter den Spiritualität sowie individuelle und institutionalisierte Glaubensüberzeugungen
oder Praktiken subsumiert werden konnten, zu weniger inklusiven und engeren Definitionen gewandelt. Diese beschrieben Religiosität als durch religiöse Institutionen for13
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
mell strukturiert und mit vorgeschriebenen Theologien und Ritualen identifiziert
(Zinnbauer et al., 1997).
Auch Spiritualität ist ein multidimensionales Konstrukt, welches kognitive Aspekte, wie
Sinnsuche und Glaubens- oder Wertvorstellungen sowie emotionale Aspekte, wie Gefühle der Hoffnung und Verbundenheit, enthält (Richard, 2004). Breite Glaubensüberzeugungen und Praktiken sollen die Beziehungserfahrung mit heiligen oder übermenschlichen Realitäten ermöglichen (Rizzuto, 2005). Murken (1998) beschrieb den
Transzendenzbezug als sehr persönlich und unabhängig von einem Normen- und Traditionssystem. Die von Zinnbauer und Kollegen (1997) befragten Personen definierten
Spiritualität eher in persönlicher, erfahrungsorientierter Weise, während ihre Definitionen von Religiosität zudem an Institutionen und Organisationen gebundene Glaubensüberzeugungen und Praktiken (wie Gottesdienstbesuch oder Hingabe an das Glaubenssystem einer Kirche) enthielten.
Es gibt verschiedene Meinungen über den Grad an Unterschiedlichkeit zwischen Religiosität und Spiritualität. Die Konstrukte werden in der Literatur teilweise synonym
verwendet (Koenig et al., 2012), als überlappend angesehen (Hill & Pargament, 2003)
oder gegenübergestellt (Zinnbauer et al., 1997).
Viele Autoren vertreten die Meinung, dass keine Unterscheidung zwischen Religiosität
und Spiritualität nötig ist (Kendler et al., 2003). Multivariate Vergleiche der Konstrukte
Religiosität,
Spiritualität
und
Persönlichkeit
zeigten
starke
Zusammenhänge
(Henningsgaard & Arnau, 2008). Selbsteinschätzungen von Spiritualität und Religiosität korrelierten schwach aber bedeutsam und 74% der von Zinnbauer und Kollegen
(1997) befragten Personen bezeichneten sich als sowohl spirituell als auch religiös. Hill
und Kollegen (2000) beschrieben, dass es schwierig sei, Spiritualität ohne Religiosität
zu betrachten, da sie eine zentrale und essentielle Funktion der Religion sei. Die Ausübung einer Form der Spiritualität, die von einer umschriebenen Gruppe unterstützt und
validiert wird, könne als religiös gesehen werden. Im Gegensatz dazu könnten auch traditionell als religiös erachtete Glaubensüberzeugungen und Praktiken als spirituell aufgefasst werden, wenn sie auf das Heilige ausgerichtet seien (ebd.).
Richard (2004) definierte Spiritualität als subjektiv erlebten Sinnhorizont, der im Rahmen traditioneller Religion oder außerhalb bestehen kann. Spiritualität wurde auch bei
Koenig und Kollegen (2012) als breiteres Konstrukt als Religion gesehen, weil es indi-
14
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
viduell definiert werde und zusätzlich den säkularen Humanismus mit einbeziehe. Wenn
zur Gewährleistung der wissenschaftlichen Untersuchbarkeit die Einflüsse von psychischer Gesundheit, positiven Persönlichkeitseigenschaften und nichtreligiösen Überzeugungen von Spiritualitätsmaßen entfernt würden, bliebe die Religion. Die Begriffe werden von den Autoren aus diesem Grunde synonym verwendet (ebd.).
Es gibt auch einige Stimmen für ein Verständnis von Religiosität als die Spiritualität
umfassend. Ursprünglich wurden Personen als spirituell charakterisiert, die so tiefreligiös waren, dass ihre ganze Lebensgestaltung auf ihrer Spiritualität beruhte (Koenig et al.,
2012). Als begonnen wurde, Spiritualität von Religiosität zu unterscheiden, wurden ihr
manche, einst zur Definition von Religiosität genutzten, Merkmale zugeschrieben (Hill
et al., 2000). Zinnbauer und Kollegen (1997) schlugen vor, Religiosität trotz dessen als
breites Konzept, welches auch die neuerdings der Spiritualität zugeordnete subjektive
und persönliche Seite enthält, weiter zu untersuchen. Somit könne an eine Forschungstradition angeknüpft werden und eine Polarisierung zwischen „guter“ Spiritualität und
„böser“ Religion vermieden werden. In der vorliegenden Arbeit wurden dementsprechend Forschungsergebnisse zu Spiritualität berücksichtigt, da diese als ein Teil der
Religiosität aufgefasst wird.
Da in der vorliegenden Arbeit der Einfluss von Religiosität auf die psychische Gesundheit betrachtet werden soll, ist an dieser Stelle auch eine Abgrenzung zu Wahn sinnvoll.
Während Wahn durch psychopathologische Auffälligkeiten, wie Singularität, Vereinsamung, Unkorrigierbarkeit, Vertrauensverlust und bedrohliche Inhalte, gekennzeichnet
ist, zeichnet sich Glauben durch eine Gruppenverankerung, Gemeinschaft, das Zulassen
von Zweifeln, Vertrauen, transzendentem Inhalt und weitere psychopathologische Unauffälligkeit aus. Was früher als Wahnerkrankung diagnostiziert wurde, kann inzwischen der wertneutralen Kategorie „religiöses oder spirituelles Problem“ zugeordnet
werden. Existentielle und weltanschauliche Konflikte und Orientierungssuche werden
somit inzwischen als zu begleitende Krise ernst genommen (Utsch, 2005).
2.1.2. Messung von Religiosität
Es gibt bereits über hundert verschiedene psychometrische Messinstrumente zur Erfassung verschiedener Dimensionen der Religiosität, unter denen sich noch kein Standard
herausgebildet hat. Hall, Meador, und Koenig (2008) geben einen ausführlichen Über-
15
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
blick über verschiedene Arten der Messung, auf den sich Folgendes bezieht. Eine Übersicht deutschsprachiger Fragebögen zur Messung von Religiosität gibt Utsch (2008).
Gottesdienstbesuch und Teilnahme an organisierten religiösen Aktivitäten wird häufig
anhand eines Items gemessen (z.B. Leondari & Gialamas, 2009). Zusammenhänge mit
anderen Variablen erscheinen hierbei deutlicher als bei multidimensionalen Messungen
von Religiosität. Einflussfaktoren, wie soziale Unterstützung oder krankheitsbedingte
Immobilität, bleiben so allerdings verschleiert.
Fragen zu privater Religiosität konzentrieren sich oft auf die Häufigkeit von Gebet (z.B.
Nelson, 2002), Meditation oder Auseinandersetzung mit heiligen Schriften. Die inkonsistenteren Zusammenhänge zu psychischer Gesundheit könnten auf deren möglicherweise auf Krisenzeiten beschränkten Einsatz zurückzuführen sein. Auch werden globale
Selbsteinschätzungen der eigenen Religiosität eingesetzt.
Multidimensionale Skalen bestehen oft aus vielen Items. Hall und Kollegen (2008) hoben den Spiritual Beliefs Inventory (SBI-15R) von Holland et al. (1998) als für die zukünftige Forschung besonders nützliches Instrument hervor. Die vier Dimensionen lauten: religiöse Praxis und Rituale, Beziehung zu einem höheren Wesen, soziale Unterstützung durch eine Gemeinde und Sinnfindung in einer existentiellen Perspektive.
Funktionelle Maße, welche zur Messung möglicher Auswirkungen von Religiosität (wie
Bindung, Motivation oder sozialer Interaktion) auf die psychische Gesundheit entwickelt wurden, sind enger definiert und ermöglichen eine Implementierung eines bestimmten religiösen Einflussfaktors in der Psychotherapie.
2.1.2.1.Konzeption zur Messung von Religiosität nach Huber
In der vorliegenden Studie wird Religiosität, im Sinne der Präsenz religiöser Semantik
im Leben einer Person, anhand des Konzeptes der Zentralität der Religiosität in der
Persönlichkeit nach Huber (2003) operationalisiert. Dieses umfasst fünf Kerndimensionen religiösen Erlebens und Verhaltens. Hierbei wird der motivationale Status der psychologischen Religiositätsdefinition Allports (s.u.) über die multidimensionale Struktur
der soziologischen Religiositätsdefinition Glocks (s.u.) erfasst (Huber, 2004). Die theoretischen Grundlagen dieser Methode sollen im Folgenden genauer dargestellt werden.
Das Konzept der religiösen Orientierung von Allport und Ross (1967) beinhaltet eine
extrinsische Orientierung, welche als Nutzung von Religion zur Befriedigung von au-
16
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
ßerhalb derer liegenden Interessen, wie Sicherheit, Trost, Gesellschaft, Status und
Selbstrechtfertigung, beschrieben wird. Die intrinsische Orientierung charakterisiert im
Gegensatz dazu Menschen, deren Hauptmotivation in der Religion liegt und die diese
leben. Andere Bedürfnisse verlören demgegenüber an Bedeutung, der Glaube werde
internalisiert und befolgt. Die anhand der Religious Orientation Scale messbaren Orientierungen (ebd.) genießen weite Verbreitung in religionspsychologischer Forschung
(Hall et al., 2008). Batson und Ventis (1982) fügten eine weitere Dimension der Religiosität hinzu: die ehrliche Auseinandersetzung bzw. ein Ringen mit existentiellen Fragen
in all ihrer Komplexität, konzeptualisiert als religiöse Suche.
Glock operationalisierte die innere Struktur religiösen Erlebens und Verhaltens in seiner
Vielfalt und legte dabei Wert auf die Multidimensionalität des Konstrukts. Die erfassten
Dimensionen, welche möglichst für alle großen Religionen gelten sollen, lauten: Ideologie, Erfahrung, Intellekt, Ritual und Gebet. Auf der anderen Seite werden auch deren
Konsequenzen im Alltag erfragt (Stark & Glock, 1968, zitiert nach Huber, 2004). Das
gesamte religiöse Konstrukt System werde bei Ausführung einer der genannten Dimensionen aktiviert. Je öfter diese Aktivierung stattfinde, umso zentraler werde die Rolle
des Konstrukt Systems in der Persönlichkeit verankert (Huber, 2004).
Huber (2008b) postulierte infolgedessen die voneinander unabhängigen Kerndimensionen der Religiosität: Intellekt, Ideologie (Glaube), öffentliche Praxis, private Praxis,
Erfahrung und Konsequenzen im Alltag. Diese konnten in allen großen religiösen Kulturen nachgewiesen werden. Die Kerndimensionen werden anhand religiöser Inhalte
operationalisiert, wobei zwischen allgemeiner Intensität und spezifischen Themen unterschieden wird (s. Abb. 1).
Die Strukturierung anderer Inhalte sowie die Organisation des Erlebens und Verhaltens
unterscheiden sich laut Huber (2008b) zwischen Personen, die ein theistisches und denen, die ein pantheistisches Transzendenzkonstrukt haben. Erstere sähen die Transzendenz als Gegenüber, welches im Gebet ansprechbar und in lebendigen Interaktionen
erfahrbar sei, so dass die Beziehung eine dialogische Struktur bekomme. Das Transzendenzkonstrukt Letzterer zeichne sich hingegen durch ein alles durchdringendes Prinzip
aus, welches in kontemplativen Praktiken vergegenwärtigt und als innere Kraft erfahren
werden könne. Die Beziehung habe hier eine partizipative Struktur (ebd.). Während
17
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
Religiosität eher den theistischen Bezug zu Gott habe, enthalte Spiritualität mehr nichttheistische Transzendenzbezüge (Zwingmann, Klein, & Höfling, 2011).
Abb. 1. Dimensionen des R-S-T im Modell der Religiosität von Huber (2008b, S. 4)
Huber (2008b) unterschied drei Personengruppen. Bei hochreligiösen Personen nehme
das religiöse Konstrukt System eine zentrale Position in der Persönlichkeit ein und beeinflusse andere psychische Systeme, so dass auch nichtreligiöse Themenfelder religiös
beleuchtet würden und das Erleben und Verhalten hierdurch stärker geprägt werde. Persönliche religiöse Konstrukt Systeme wiesen einen hohen inneren Differenzierungsgrad
auf, so dass religiöse Inhalte facettenreich wahrgenommen würden. Religiöses Erleben
und Verhalten sei bei diesen Personen reichhaltiger. Es bestünden teilweise Überschneidungen einer intrinsischen religiösen Orientierung (s.o.). Bei Vorhandensein ei18
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
nes persönlichen religiösen Konstrukt Systems mit einer untergeordneten Position in der
Persönlichkeit und einem schwachen Einfluss auf Erleben und Verhalten, sprach Huber
von religiösen Personen. Es könne ein geringerer innerer Differenzierungsgrad beobachtet werden, so dass religiöses Erleben und Verhalten relativ facettenarm sei. Es
bestünden Parallelen zum Konzept der extrinsischen religiösen Orientierung (s.o.). Huber bezeichnete Personen als nicht religiös, für deren Leben religiöse Inhalte und Praktiken kaum von Bedeutung sind. Falls überhaupt ein persönliches religiöses Konstrukt
System bestehe, werde es sehr selten aktiviert und sei folglich instabil. Religiöse Inhalte
seien kaum relevant oder differenziert.
Zur Beurteilung der Differenziertheit des religiösen Konstrukt Systems wird die kognitive Repräsentation religiöser Gefühle untersucht, wobei zwischen Gefühlen mit positiver psychologischer Valenz, wie Geborgenheit, Gefühlen mit negativer psychologischer
Valenz, wie Zorn, und Gefühlen mit kathartischem Charakter, wie Befreiung von
Schuld unterschieden wird. Da hochreligiöse Personen hinter diesen Gefühlen auch theologische Problematiken wahrnehmen und differenzieren würden, zeigten sich niedrigere Interkorrelationen der Gefühlsskalen als bei religiösen und nichtreligiösen Personen.
Huber beschrieb einen qualitativen Sprung zwischen diesen Personengruppen, indem
bestimmte religiös ausgelöste Dynamiken ausschließlich bei Hochreligiösen vorkämen,
so dass eine dialektische Betrachtungsweise vorgeschlagen wird (ebd.)
2.1.2.2.Kritik an Religionspsychologischer Forschung
Religionspsychologische Forschung wird in Bezug auf einige Punkte kritisiert. So beschrieben Koenig et al. (2012), dass Religiosität oft an leicht verfügbaren Stichproben
(Studenten mit noch unreifem Glauben oder psychiatrischen Patienten) erhoben werde
und die zum größten Teil durchgeführten Querschnittstudien keine kausale Interpretation zuließen, während Langzeitstudien fehlten.
Die widersprüchlichen Befunde werden zum Teil dem Fehlen einer universell akzeptierten Definition von Religiosität und der schlechten oder variierenden Operationalisierung
des Konstrukts zugeschrieben. In vielen Studien würden unveröffentlichte Messinstrumente ohne Angabe psychometrischer Eigenschaften verwendet oder komplexe Konstrukte mit wenigen Fragen erhoben (Shreve-Neiger & Edelstein, 2004). Auch Grom
(2004) beschrieb die Unmöglichkeit des Vergleiches der mit unterschiedlichen Maßen
erhobenen Religiosität und psychischen Gesundheit.
19
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
Aufgrund des Auftretens religiöser Phänomene vor einem bestimmen kulturellen und
historischen Hintergrund und der Unterschiede in Werten, Lebensgefühl und Sinnorientierung zwischen USA und Europa können die in den USA durchgeführten religionspsychologischen Studien nur bedingt auf europäische Phänomene übertragen werden.
Auch würden diese Studien oft von meinungsgebenden religiösen Stiftungen in Auftrag
gegeben (Utsch, 2005). Während anhand des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung (2008, zitiert nach Unterrainer, 2010) in Deutschland bei 18% der Personen Religiosität als zentral für Erleben und Verhalten gefunden wurde, war dies in USA bei 62%
der Personen der Fall. Aufgrund der Fülle amerikanischer religionspsychologischer Forschung werden die zum Teil sehr aufschlussreichen Ergebnisse im Folgenden dargestellt, doch werden die beschriebenen Unterschiede bei der Interpretation der Ergebnisse
nicht außer Acht gelassen.
2.1.3. Gefühle gegenüber Gott
Die Gefühle Gott gegenüber hängen mit dem Bild zusammen, das eine Person sich von
Gott macht. Das Gottesbild wird von Thomas, Moriarty, Davis, und Anderson (2011)
als emotionales Erleben Gottes beschrieben, welches beziehungsorientiert ist und im
Gegensatz zum kognitiven, theologischen Gotteskonzept gesehen werden kann. Braam,
Mooi, Jonker, van Tilburg, und Deeg (2008) beschrieben, dass mit Gottesbild häufig die
Objektbeziehung zu Gott bezeichnet wird. Zu dieser Beziehung gehören laut Schwab
und Petersen (1990) die internalisierte Repräsentation von Gott, die Selbstrepräsentation
und deren affektive Verbindung. Da Menschen Gott weder beschreiben, noch sich ein
Bild von ihm machen können, und gleichzeitig die Repräsentation eines omnipotenten
perfekten Wesens besteht, löst er laut Lipner (2004) ambivalente Gefühle zwischen Bewunderung, Angst und Ehrfurcht aus. Im Folgenden sollen verschiedene Forschungsergebnisse in Zusammenhang mit Gottesbild und Gottesbeziehung dargestellt werden,
welche als relevant bezüglich der Gefühle gegenüber Gott bezeichnet werden können.
2.1.3.1.Entstehung des Gottesbildes und entsprechender Gefühle
Gottesbilder sind kontextabhängige, affektgeladene mental-neuronale Repräsentationen,
welche durch implizite Gedanken, Erinnerungen und Beziehungswissen beeinflusst
werden (Davis, Moriarty, & Mauch, 2013). Rizzuto (1991) beschrieb, dass bei der Ausbildung basaler Selbst- und Objektrepräsentationen in der Kindheit die Repräsentation
eines persönlichen, lebendigen Gottes entstehe, welchem menschliche Attribute wie
20
Religiosität und Gefühle gegenüber Gott
Wohlwollen, Zorn oder Geduld zugeschrieben würden. Bei einer Wahrnehmung von
Gott als beschützend und liebevoll würden Gefühle wie Vertrauen und Freude empfinden, bei der eines wütenden Verfolgers hingegen Angst und Vermeidung. Der Ursprung
der mit der Gottesrepräsentation verknüpften Gefühle liege daher in menschlichen Begegnungen, der affektiven Reaktion hierauf sowie deren Interpretation (ebd.). Utsch
(2005) beschrieb den Einfluss einer strengen Erziehung auf dunkle, belastende Gottesbilder sowie auf negative Gefühle gegenüber Gott, wie Angst, Ärger oder Wut. Zellner
(1995) setzt sein Augenmerk auf die Bedeutung innerhalb einer Kultur durch signifikante Personen vermittelten Gebete, Riten, Kunst, Musik und religiöse Geschichten für die
Prägung des Gottesbildes.
2.1.3.2.Einflüsse des Gottesbildes
Ein freundliches, nachsichtiges und liebevolles Gottesbild fördert das körperliche und
psychische Wohlbefinden (Utsch, 2005). Bei hochreligiösen Personen mit Angststörungen hing psychische Krankheit invers mit einem positiven Gottesbild zusammen
(Unterrainer, 2010). Die Wahrnehmung eines liebevollen Gottes war sogar ein negativer
Prädiktor für Angst und Panik (Bradshaw, Ellison, & Flannelly, 2008). Bei Krebspatienten hing ein positives Gottesbild mit geringerer Psychopathologie und psychischer Belastung (Bradshaw et al., 2008; Gall, Miguez de Renart, & Boonstra, 2000) sowie mehr
Sinn- und Zweckerleben (Stroope, Draper, & Whitehead, 2013) zusammen. Auch ein
als engagiert wahrgenommener Gott hing mit Wohlbefinden sowie verminderter psychischer Belastung zusammen (Schreiber, 2011). Deutsche Forschung zeigte für Personen,
die die Vorstellung eines lenkenden, Geborgenheit und Nähe oder Liebe gebenden Gottes hegen, Zusammenhänge zu Selbstreflexion, stabiler Emotionalität, Lebensbejahung
(Murken, 1998) und Lebenszufriedenheit (Schwab & Petersen, 1990).
Ein strenges, strafendes, herrschendes Gottesbild löst Gefühle der Angst und Schuld
(Murken, 1998), der Furcht vor Strafe und Scham aus (Zellner, 1995). Besonders nach
traumatischen oder belastenden Ereignissen werde Gott als fern oder strafend wahrgenommen, was zu Gefühlen der Enttäuschung oder Wut führen könne (Ellison & Lee,
2010). Es konnte ein Einfluss des Gottesbildes auf Depression, Angst und interpersonelle Empfindlichkeit gefunden werden, welcher durch Schamgefühl mediiert wurde (Kim,
2010). Ein positiver Zusammenhang zwischen Psychopathologie und Häufigkeit des
21
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
Gebetes bestand besonders stark für Personen, die Gott als fern und nicht liebevoll sahen (Bradshaw et al., 2008).
In einer deutschen Untersuchung von Unterrainer (2010) wirkten sich positives oder
negatives Gottesbilder mit zunehmender Zentralität stärker auf die psychische Gesundheit aus. Während in der Gruppe der Nichtreligiösen kein Zusammenhang bestand, war
in der Gruppe der Religiösen psychische Belastung mit negativer Gottesbeziehung assoziiert. In der Gruppe der Hochreligiösen zeigte sich daneben auch ein inverser Zusammenhang zu positiven Gottesbildern. Bei religiösen, psychisch kranken Menschen
stellt eine negative Beziehung zu Gott also einen Vulnerabilitätsfaktor dar.
Murken (1998) sieht die Berücksichtigung auch der negativen Emotionen und Kognitionen in der Forschung zu Religiosität als fundamental an. Die Bedeutsamkeit dieser
Unterscheidung zeige sich daran, dass sich bei allgemeiner Betrachtung von Religiosität
religiöse Menschen weder in Bezug auf psychische Gesundheit, wahrgenommene soziale Unterstützung noch des Selbstkonzeptes von nichtreligiösen unterscheiden. Die negative Beziehung zu Gott konnte jedoch bei Frauen einen Beitrag zur Aufklärung psychischer Gesundheit leisten.
Es gibt Psychotherapieverfahren zur Veränderung des Gottesbildes. Die 26 Teilnehmer
einer amerikanischen, achtwöchigen ambulanten und manualisierten Psychotherapie
berichteten über eine Reduktion der Wahrnehmung eines fernen, missbilligenden und
unnachsichtigen Gottes und einer vermehrten Wahrnehmung eines unterstützenden,
intimeren und akzeptierenden Gottes. Bindungsangst und –Vermeidung konnten reduziert werden (Thomas et al., 2011).
2.2. Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
In einer Metaanalyse von Hackney und Sanders (2003) führten unterschiedliche Definitionen von Religiosität zu unterschiedlichen Stärken und Richtungen der Zusammenhänge mit psychischer Gesundheit. In Reviews werden positive, negative oder fehlende
Zusammenhänge mit psychischer Gesundheit gefunden. Eine Metaanalyse von Bergin
(1983) fand in fünf Studien einen positiven Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Religiosität. 23 Studien zeigten hingegen keinen und zwei einen negativen
Zusammenhang.
22
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
In Anlehnung an die von Hackney und Sanders (2003) beschriebenen, in der Forschung
zu Religiosität eingesetzten, Maße psychischer Gesundheit, wird im Folgenden die
Symptomschwere als negativer Aspekt und die Lebenszufriedenheit als positiver Aspekt
psychischer Gesundheit verstanden. In der folgenden Beschreibung werden, entsprechend den in der vorliegenden Studie untersuchten Maßen psychischer Gesundheit, Ergebnisse zu Lebenszufriedenheit, umschriebenen psychischen Störungen sowie
Symptomstärken berücksichtigt. Im Gegensatz zum breiten Konstrukt der psychischen
Gesundheit schlagen Shreve-Neiger und Edelstein (2004) die Untersuchung von Angst
als verbreiteten und häufigen Index psychischer Gesundheit vor. Auf diese wird ein
besonderes Augenmerk gelegt.
2.2.1. Religiosität als Ressource
Dem Review von Koenig und Kollegen (2012) zufolge, sprechen qualitativ höherwertigere Studien eher für einen positiven Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit.
2.2.1.1.Lebenszufriedenheit
Lebenszufriedenheit bezieht sich auf die langfristige kognitive Bewertung der Lebensqualität. Der momentane Zustand wird hierbei mit dem erwünschten Zielzustand verglichen. Dabei spielt die Zufriedenheit in verschiedenen Bereichen eine Rolle, wie z.B.
Ehe, Familie, Beruf, Lebensstandard, Freizeit, Freundschaften und Wohnort (George,
1981). Sawatzky, Ratner, und Chiu (2005) beschrieben Lebenszufriedenheit als subjektives Phänomen, welches auf Wahrnehmungen und Erfahrungen einer Person in Bezug
auf das Leben als Ganzem beruht. Lebenszufriedenheit wird neben positivem und negativem Affekt als ein Aspekt des Wohlbefindens verstanden.
In einer Metaanalyse über sechs Studien wiesen religiöse Personen eine höhere Lebenszufriedenheit auf. Hierbei wurden allerdings nur Studien mit älteren Personen berücksichtigt (Harris, 2002). Eine Metaanalyse über mehr als 50 Studien von Sawatzky et al.
(2005) fand eine moderate Effektstärke der mittleren Korrelation von r = .34 zwischen
Spiritualität und Lebenszufriedenheit. Religiosität sagt Lebenszufriedenheit vorher
(Moreno-Weinert, 2013). Dementsprechend war bei Macaskill (2012) auch Spiritualität
ein Indikator für höhere Lebenszufriedenheit. Geringe Spiritualitätswerte werden als
Vulnerabilitätsfaktor für eine geringe Lebenszufriedenheit beschrieben (Ballew,
23
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
Hannum, Gaines, Marx, & Parrish, 2012; Mazanec, Daly, Douglas, & Lipson, 2010).
Koenig und Kollegen fanden 2012 in ihrem Review, dass religiöse Personen oft Eigenschaften, wie soziale Unterstützung, interne Kontrollüberzeugung, Sinnerleben und Optimismus aufweisen, welche die Lebenszufriedenheit erhöhen.
Lebenszufriedenheit hängt mit verschiedenen Erscheinungsformen von Religiosität positiv zusammen. Es lassen sich u.a. Zusammenhänge finden mit Intrinsischer Religiosität (Salsman, Brown, Brechting, & Carlson, 2005), starken religiösen Glaubensüberzeugungen (Ellison, 1991), religiösem Lebenssinn (Krause, 2003) sowie zu Häufigkeit des
Gebets (Nelson, 2002) und des Gottesdienstbesuches (Greene & Yoon, 2004; Leondari
& Gialamas, 2009). Auch bezüglich der für die Gefühle gegenüber Gott bedeutsamen
Variablen Stärke der Beziehung zu Gott (Hatcher, 2001), Art der Bindung zu Gott
(Kirkpatrick & Shaver, 1992) und spirituellem Coping, welches Gott als Partner mit
einbezieht (Oler, 1998), lassen sich Ergebnisse berichten.
2.2.1.2.Angststärke
Ein Review über 299 Studien zeigte bei 57% der qualitativ hochwertigen Studien einen
signifikanten, inversen Zusammenhang zwischen Angst und Religiosität / Spiritualität
oder eine Angstverminderung durch religiöse / spirituelle Interventionen. 71% der experimentellen Studien stellen eine Verminderung der Angst durch religiöse / spirituelle
Interventionen dar (Koenig et al., 2012).
Männliche Oberschüler empfanden umso weniger Angst, je höher ihr religiöses, existentielles Wohlbefinden und ihre intrinsische religiöse Orientierung war (Davis, Kerr, &
Kurpius, 2003). Religiöses Engagement wirkt positiv auf Angstbewältigung und
Selbstwert (Sujoldžić, Peternel, Kulenović, & Terzić, 2006). Ein in mehreren Studien
untersuchter Faktor stellt Gottesdienstbesuch dar. Für Frauen, die mehr als einmal monatlich in die Kirche gehen, konnten verminderte Angstwerte festgestellt werden
(Hertsgaard & Light, 1984). Petersen und Roy (1985) fanden Gottesdienstbesuch als
signifikanten Prädiktor zur Erklärung verminderter Angst. Die Häufigkeit des Gottesdienstbesuches und der Glaube an ein Leben nach dem Tod hingen negativ mit Angstgefühlen und positiv mit Gefühlen der Ruhe zusammen (Ellison, Burdette, & Hill,
2009). In einer experimentellen Studie fand Wiegand (2005) einen schwachen Einfluss
des Gebetes auf die Angstreduktion bei einer kognitiven Aufgabe.
24
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
Ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer sowie
physischer Gesundheit konnte in verschiedenen Kulturen nachgewiesen werden. In
Kuwait bestand ein negativer Zusammenhang zwischen Religiosität und Angst, bei
Amerikanern konnte Angst eine geringere Religiosität vorhersagen (Abdel-Khalek &
Lester, 2007). Auch konnten bei muslimische Studenten religiöse Glaubensüberzeugungen geringere Angstwerte vorhersagen (Vasegh & Mohammadi, 2007). In einer experimentellen Studie zeigte sich, dass spirituelle Meditation im Vergleich zu weltlicher Meditation oder Entspannungsübungen Angst reduzieren, die Stimmung verbessern kann
(Wachholtz & Pargament, 2005).
2.2.1.3.Psychische Belastung
Gottesdienstbesuch ist mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit des Auftretens von affektiven, substanzbedingten und Angststörungen assoziiert (Baetz, Bowen, Jones, &
Koru-Sengul, 2006). Der inverse Zusammenhang zwischen dem Auftreten körperlicher
und psychischer Krankheit mit religiöser Praxis sowie die hierdurch verbesserte Anpassung und verminderte Sterblichkeit zeigten moderate Effekte (George, Larson, Koenig,
& McCullough, 2000). 61% der von Koenig und Kollegen (2012) untersuchten 413 beschriebenen Studien zeigten niedrigere Raten von Depressivität oder eine schnellere
Besserung dieser bei religiösen Menschen. Greening und Stoppelbein (2002) fanden,
dass Suizidalität durch eine religiöse Erziehung abgeschwächt werden kann. Die Metaanalyse von Yonker, Schnabelrauch, und DeHaan (2012) stellte einen inversen Zusammenhang zwischen Religiosität und Depression dar. Auch in Bezug auf die körperliche Gesundheit wurden salutogene Effekte von Religiosität festgestellt, z.B. in der
Reduktion von Risikoverhalten in Bezug auf bestimmte Krankheiten sowie gesundheitsförderlichem Verhalten (Koenig et al., 2012), einer schnelleren Genesung nach Operationen (Contrada et al., 2004) oder einer geringeren Sterblichkeit (George et al., 2000).
2.2.2. Religiosität als Risikofaktor
Es gibt auch Studien, die einen Zusammenhang zwischen Religiosität und geringerem
Wohlbefinden, bzw. einer höheren Belastung nachweisen. Bei den gemessenen religiösen Einflussfaktoren handelt es sich jedoch häufig um Maße einer konflikthaften Auseinandersetzung mit Religion.
25
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
2.2.2.1.Lebenszufriedenheit
Negative Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit haben Unzufriedenheit mit der
Religion (Oler, 1998) und extrinsische Religiosität (Horton, 1999; Salsman et al., 2005).
Kein Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit ergab sich hingegen auch in manchen
Studien zu intrinsischer Religiosität (Oler, 1998) und Glaube, Gottesdienstbesuch und
Wichtigkeit der Religion (Nelson, 2002). Roh (2011) konnte Lebenszufriedenheit aufgrund keiner der religiösen / spirituellen Variablen vorhersagen.
2.2.2.2.Angststärke
Ewa 10% der von Koenig und Kollegen (2012) untersuchten Studien beschrieben einen
positiven Zusammenhang zwischen Religiosität / Spiritualität und Angst. Bei Querschnittstudien kann nicht festgestellt werden, was als kausal zu sehen ist. Es scheint, als
würden sich Personen in schwierigen Zeiten eher der Religion zuwenden. Andererseits
könnte es auch sein, dass soziale Angst Menschen daran hindert, sich in gruppenbezogene religiöse Aktivitäten einzubringen (ebd.).
Bradshaw und Kollegen (2008) fanden die Häufigkeit des Gebets als positiven Prädiktor
für Angst und Panik. Bei Krebspatientinnen konnte gezeigt werden, dass spirituelles
Ringen (das Gefühl von Gott bestraft, von ihm oder der religiösen Gemeinde verlassen
worden zu sein und das Gefühl von Gottes Ohnmacht) gegenüber Frauen, die dies nicht
aufwiesen, zu bedeutsam erhöhten Angstwerten führte (Boscaglia, Clarke, Jobling, &
Quinn (2005) zitiert nach Koenig (2010).
Eine Interventionsstudie fand, dass seelsorgerliche Behandlung bei Suchtpatienten im
Gegensatz zur gewöhnlichen Behandlung eine geringere Reduktion der Angst- und Depressionswerte bewirkte. Seelsorge hatte zu keinem Zeitpunkt einen Einfluss auf spirituelle Praxis oder Symptomreduktion (Miller, Forcehimes, O'Leary, & LaNoue, 2008).
2.2.2.3.Psychische Belastung
Die drei Arten religiösen Ringens, nämlich eine belastete Beziehung zu Gott, negative
soziale Erfahrungen in religiösen Settings und chronisches religiöses Zweifeln, standen
jeweils in starkem und robustem Zusammenhang mit psychischer Belastung (Ellison &
Lee, 2010). Personen, die durch ihre Religiosität belastet waren, hatten unabhängig von
deren Stärke durch Gefühle der Entfremdung von Gott oder religiös bezogene interper-
26
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
sonelle Konflikte größere Probleme mit Depression und Suizidalität. Religiöse Angst
und Schuld hingen mit Suizidalität zusammen (Exline, Yali, & Sanderson, 2000).
2.2.3. Mögliche Ursachen des Zusammenhangs zwischen Religiosität und
psychischer Gesundheit
In der Forschung besteht Uneinigkeit darüber, welche Dimensionen der Religiosität am
meisten Wirkung auf die psychische Gesundheit haben, welche Maße am ehesten von
Religiosität beeinflusst werden und welche dahinterliegenden Mechanismen diese Zusammenhänge beeinflussen. Kaiser (2007) beschrieb die im Folgenden näher zu erläuternden Einflussfaktoren.
2.2.3.1.Soziale Unterstützung durch die religiöse Gemeinschaft
Ellison, Boardman, Williams, und Jackson (2001) beschrieben, dass sich die sozialen
Ressourcen der religiösen Gemeinschaft, wie emotionale Unterstützung oder Teilen von
Werten und Interessen, positiv auswirken. In religiösen Gemeinschaften können interpersonelle Fähigkeiten vermittelt werden (Hathaway & Pargament, 1992). Soziale Beziehungen in und das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe können gegen Gefühle der Einsamkeit und Machtlosigkeit schützen (Koenig, Ford, George,
Blazer, & Meador, 1993). Gottesdienstbesuch erwies sich in einer Langzeitstudie als
bedeutsamer Prädiktor der psychischen Gesundheit von Frauen mittleren Alters (King,
Cummings, & Whetstone, 2005). Bei Ellison, Boardman, Williams, und Jackson (2001)
zeigten sich in Bezug auf Belastung und (in stärkerem Maße) auf Wohlbefinden
salutogene Effekte religiöser Beteiligung, besonders des Gottesdienstbesuches (ebd.).
Levin und Chatters (1998) erklärten die von ihnen bei drei groß angelegten Studien gefundenen, ähnlichen Ergebnisse damit, dass sich Menschen, deren Gesundheitszustand
schlecht ist, eher subjektiven Formen der Religion zuwenden, weil ihnen Möglichkeiten
der organisationalen Teilnahme verwehrt bleiben.
In einer Metaanalyse von Hackney und Sanders (2003) zeigten sich für institutionelle
Religiosität nur schwache und die einzigen negativen Zusammenhänge mit psychischer
Gesundheit, bei Ideologie waren diese hingegen stärker und bei persönlicher Hingabe
am stärksten. Je internalisierter die Motive der Religionszugehörigkeit, umso positiver
die Zusammenhänge (ebd.). Kaiser (2007) beschrieb negative Einflüsse der religiösen
Gemeinschaft, wenn sozialer Druck und soziale Ausgrenzung bei abgelehnten Formen
27
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
der Lebensführung entsteht. Religiosität kann auch zu sozialer Isolation führen, wenn
Beziehungen oder berufliche Verpflichtungen aus religiösen Gründen vernachlässigt
werden (Koenig et al., 2012).
2.2.3.2.Kognitive Orientierung an einem Sinn der Welt
Entsprechend Dörr (2004) kann das Wissen um eine von Gott geschaffene und beeinflusste Weltordnung zu Gelassenheit führen. Koenig et al. (2012) beschrieben, dass eine
positive Weltsicht, z.B. im Sinne eines Lebens nach dem Tod oder des wertvollen
menschlichen Lebens, Menschen helfe sich zu orientieren und Lebensereignisse zu bewerten. Negative Situationen wirkten weniger bedrohlich, wenn der Glaube vorherrsche, dass schwierige Zeiten zu etwas gut seien und Gott sich um den Menschen kümmere. Ellison et al. (2001) beschrieben Kontrollüberzeugung, Bedeutung, Vorhersagbarkeit und Kohärenzsinn durch Inhalte der Religion (Ellison et al., 2001).
Religiosität kann auf kognitiver Ebene auch negativ wirken. Kaiser (2007) beschrieb als
mögliche Ursachen kognitive Rigidität, indem Glaubenssätzen bedingungslos übernommen würden und strenge moralische Richtlinien, das Ausleben sowohl bestimmter
positiver (wie Vergnügen oder Genuss) als auch negativer Emotionen (wie Aggression
oder Trauer) verhindern. Koenig und Kollegen (2012) nennen des Weiteren Selbstgerechtigkeit und die Verurteilung anderer.
Gartner, Larson, und Allen (1991) schildern indessen Verhaltensmaße der Religiosität
als stärker mit psychischer Gesundheit assoziiert als Einstellungsmaße.
2.2.3.3.Verhaltensregulierung und Sozialisierungskontrolle
Gesundes und risikoarmes Verhalten zeigt sich laut Kaiser (2007) stärker bei religiösen
Personen. Entscheidungen der Lebensführung durch religiöse Normen, Angst vor göttlicher Strafe oder Sanktionen der religiösen Gemeinschaft sowie verminderter Kontakt zu
ungesunden Aktivitäten oder Netzwerken führten dazu, dass diese Personen weniger
Stressoren ausgesetzt sind (Ellison et al., 2001).
28
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
2.2.3.4.Idee vom göttlichen Handeln als liebend und eingreifend
Entsprechend den in Kapitel 2.1.3.2. dargestellten Zusammenhängen beschrieb auch
Kaiser (2007) Einflüsse des Gottesbildes auf Emotionen und die psychische Gesundheit.
Murken verdeutlichte diese Zusammenhänge grafisch (s. Abb. 2).
Abb. 2. Modell zum Einfluss der Gottesbeziehung auf die psychische Gesundheit nach Murken
(1998, S. 159)
2.2.3.5.Religiöse Werte
Nach Grom (2004) wirkt das Religiöse Werte- und Normensystem ähnlich der kognitiven Umstrukturierung auf Emotionsregulation und Verhalten. Kaiser (2007) nannte
Werte, wie Altruismus, Verzicht, soziales Engagement und Annahme von Leid, als positive Einflussfaktoren. Koenig und Kollegen (2012) sahen als Verbindung dieser zur
psychischen Verfassung die daraus entstehenden stabilen Beziehungen. Religion wird
auch als Ressource zur prosozialen Entwicklung Jugendlicher beschrieben (Furrow,
King, & White, 2004; Saroglou, Pichon, Trompette, Verschueren, & Dernelle, 2005).
Die Idealisierung religiöser Werte kann andererseits Selbstabwertung, Ertragen von
Belastung oder Aggression und Verleugnung eigener Bedürfnisse bewirken (Kaiser,
2007).
29
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
2.2.3.6.Weitere Faktoren
Aspekte von Spiritualität und Religiosität mediieren den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und psychischer Gesundheit. Je nach Persönlichkeit kann sich Religiosität
positiv auswirken oder nicht (Löckenhoff, Ironson, O'Cleirigh, & Costa, 2009).
Auch scheint die Genetik einen Einfluss auf religiöse Werte und Interessen sowie religiösen Fundamentalismus zu üben, in stärkerem Maße bei Erwachsenen als bei Jugendlichen (Waller, Kojetin, Bouchard, Lykken, & Tellegen, 1990).
Religiöses Coping bezeichnet kognitive oder verhaltensbasierte Strategien, die zur Bewältigung belastender Ereignisse eingesetzt werden und aus der Religiostät einer Person
hervorgehen (Tix & Frazier, 1998). Dieses steht in robustem Zusammenhang zu verschiedenen Faktoren der psychischen Gesundheit (Harrison, Koenig, Hays, EmeAkwari, & Pargament, 2001). Einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen
Arten und das Auftretens religiösen Copings wie auch dessen Einfluss auf psychische
und physische Gesundheit sowie Gesundheitsverhalten geben Harrison et al. (2001).
2.2.4. Religiosität bei Personen mit Angststörungen
Religiosität wirkt bei Menschen mit einer psychischen Störung anders als bei gesunden
Vergleichspersonen. In einer Studie von Pfeifer und Waelty (1999) empfanden Personen mit einer Angststörung mehr Unterstützung durch den Glauben, während gesunde
Personen eher dem Ausspruch „Religion kann krank machen“ zustimmten. Eine psychische Störung wurde jedoch häufig als Hindernis im Ausdruck des Glaubens empfunden.
Um die Einflüsse von Religiosität auf die psychische Gesundheit bei Angststörungen
näher zu untersuchen, wird in der vorliegenden Arbeit der Fokus auf mit einer Panikstörung belastete Personen gelegt.
2.2.4.1.Beschreibung von Angststörungen
Payk (2010) beschrieb Angst als einen mehr oder weniger intensiven, unangenehmen
Gefühlszustand der Beunruhigung, Bedrohung oder Hilflosigkeit, welcher in Erwartung
oder Wahrnehmung vermeintlicher oder tatsächlicher Gefahr auftritt und von vegetativen und hormonellen Stressreaktionen begleitet wird. Die angeborene, genetisch weitergegebene Angstreaktion dient der Sicherung von Flucht- oder Kampfreaktionen, welche Überlebenswichtig sein können (Payk, 2010). In einem gemäßigten Ausmaß kann
30
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
Angst hilfreich zur Lösung von Aufgaben sein. Tritt sie indessen über längere Zeit oder
besonders stark auf, kann es zu einer psychischen Störung kommen. Diese ist dadurch
charakterisiert, dass Angstgefühle auch ohne direkte physische oder emotionale Bedrohung vorhanden sind und sich ein Vermeidungsverhalten zur Angstreduktion aufbaut
(Koening et al, 2012). Die Angst kann von der betroffenen Person nicht mehr kontrolliert werden und führt zu Beeinträchtigungen im Alltag sowie deutlichem Leiden
(Hoyer & Margraf, 2003).
Die Entstehung von Angststörungen wird als multifaktoriell beschrieben. Besteht eine
genetische, somatische, psychische oder soziale Prädisposition (z.B. ein ängstlichvermeidender Bindungsstil (Warren, Huston, Egeland, & Sroufe, 1997)), kann eine
Angststörung durch psychische, somatische oder soziale Stressoren (z.B. Missbrauchserlebnisse (Kaiser, 2007)) ausgelöst werden. Falsche Reaktionen auf die Angst oder
dauerhaft stressende Lebensumstände wirken als aufrechterhaltende Bedingungen. Erlernte Ängste sind sehr löschungsresistent und generalisiert, wobei meist verschiedene
Lernmechanismen zusammenwirken (Hoyer & Margraf, 2003). Entsprechend zeigte
sich an über 2000 Zwillingspaaren ein Zusammenhang zwischen Genetik und Vulnerabilität für Angststörungen. Die Ausbildung des Störungsbildes hing von bestimmten
Umweltfaktoren ab (Kendler, Heath, Martin, & Eaves, 1987).
Die Punktprävalenz von Angststörungen liegt bei Werten zwischen 10 und 20 %. Die
meisten Störungen treten erstmals im jungen Erwachsenenalter auf und kommen bei
Frauen häufiger vor als bei Männern (Hoyer & Margraf, 2003). Sowohl bei Lebenszeitals auch bei Ein-Jahres-Prävalenz fallen die Werte der Angststörungen gegenüber denen
der affektiven Störungen deutlich höher aus (Regier, Rae, Narrow, Kaelber, &
Schatzberg, 1998). Angststörungen weisen eine hohe Komorbidität untereinander wie
auch zu affektiven Störungen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen auf
(Eaton, Kessler, Wittchen, & Magee, 1994; Regier et al., 1998).
Panikstörung
In der vorliegenden Arbeit werden Patienten mit der Diagnose F 41.0 – Panikstörung
ohne Agoraphobie – der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen (ICD-10;
World Health Organization, 1989) betrachtet.
Kriterien für diese Diagnose sind laut ICD-10 das wiederholte Auftreten von Angstbzw. Panikattacken, welche plötzlich beginnen und von betroffenen Personen nicht vor31
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
hergesehen werden können, weil sie unabhängig von bestimmten Situationen oder Umständen auftreten. Symptome sind meist Schwindel, Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungs- und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation, Derealisation). Sekundär treten bei fast allen Betroffenen Ängste die Kontrolle zu verlieren, wahnsinnig zu werden
oder zu sterben auf (Dilling, Mombour, & Schmidt, 2005). Körperliche Symptome wie
Kribbeln in den Händen, Hitze- und Kältegefühle führen dazu, dass viele Betroffene
vermuten, einen Herzinfarkt zu erleiden (Koenig et al., 2012). Ein Anfall dauert in der
Regel nur einige Minuten, kann aber auch deutlich länger anhalten. Die ansteigende
Angst in Kombination mit den vegetativen Symptomen führt häufig zu einem fluchtartigen Verlassen des Ortes, ähnliche Orte oder Situationen werden in Zukunft durch die
betreffende Person aus Angst vor einer erneuten Attacke möglicherweise vermieden
(Dilling et al., 2005). Panikstörungen treten folglich häufig in Kombination mit Agoraphobie (Angst vor Menschenmengen, Orten oder Situationen, von denen eine sofortige
Flucht an einen sicheren Ort schwierig sein könnte (Dilling et al., 2005)) auf (Koenig et
al., 2012).
Die Eindeutigkeit der Diagnose ist nur gesichert, wenn innerhalb eines Monats einige
vegetative Angstanfälle ohne Beschränkung auf bekannte oder vorhersehbare Situationen und ohne objektive Gefahr auftreten und wenn zwischen diesen weitgehend angstfreie Episoden berichtet werden. Nicht erfüllt ist die Diagnose, wenn Panikattacken in
Reaktion auf einen phobischen Reiz oder in Zusammenhang mit depressiven Episoden
auftreten (Dilling et al., 2005).
Es gibt verschiedene Ansätze zur Erklärung der Entstehung von Panikstörungen. Biochemische, organische Ursachen werden z.B. in experimentellen Studien beschrieben,
welche Panikattacken durch Substanzen auslösen (Goetz, Klein, & Gorman, 1996). Saß,
Wittchen, und Zaudig (1998) zeigten eine familiäre Häufung auf. Dem gegenüber steht
die psychologische Theorie von Clark (1986), der zufolge Panik durch eine
katastrophisierende Fehlinterpretation körperlicher Empfindungen entstehe (Ehlers,
1993). Die von Wittchen und Hoyer (2006) beschriebenen Risikofaktoren für die Entstehung einer Panikstörung umfassen beide Sichtweisen. Die Autoren nennen z.B. eine
erhöhte Noradrenalinaktivität, Angstsensitivität (Wahrnehmung von Angst als schädigend), verzerrende Informationsverarbeitung (selektive Aufmerksamkeit, katastrophisierende Interpretation und bessere Erinnerung bedrohlicher Reize), Trennungsangst
32
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
sowie Verlust- und Krankheitserfahrung in der Kindheit (ebd.). Auch wird weibliches
Geschlecht und niedriger Bildungsstatus (Eaton et al., 1994) sowie das Zusammenleben
mit ängstlichen Personen (Schmidt-Traub, 2000) beschrieben.
Beispielhaft für ein Ätiologiemodell der Panikstörung, welches kognitive, psychophysiologische und lerntheoretische Aspekte umfasst, soll das Modell von Schmidt-Traub
(2000) vorgestellt werden. Demnach entsteht ein initialer Panikanfall als somatisches
Ereignis nach psychischer und physischer Erschöpfung (nach einem Konflikt, erhöhter
Arbeitsbelastungen, einem Verlust (Rachman, 2000)). Die Panik wirkt als Stressor
traumatisierend und führt zu einer erhöhten interozeptiven Wahrnehmung. Gepaart mit
kognitiven Prozessen wie Fehlattributionen und Aufmerksamkeitsverschiebungen führt
dies zu einer Verknüpfung von vasomotorischen Symptomen (Schwindel, Herzrasen,
usw.), dem Panikgefühl und der Angstsituation (z.B. Autofahren) oder Teilen davon
(Gerüche, Geräusche). Angstauslösende physiologische Empfindungen und Situationsmerkale werden generalisiert, sodass immer mehr Situationen vermieden werden, weil
Panikgefühle und Vermeidungsverhalten sich gegenseitig verstärken (ebd.).
Von ca. 8000 Personen zwischen 15 und 54 Jahren berichteten 15% das Auftreten einer
Panikattacke im Laufe des Lebens und 3% im letzten Monat. Bei etwa 1% konnte die
Diagnose einer Panikstörung nach DSM-III-R in den Monaten vor der Befragung gestellt werden. (Eaton et al., 1994). Regier et al. (1998) berichteten anhand einer ca.
20000 Personen umfassenden, querschnittlich und prospektiv ausgelegten Untersuchung
1.6% Lebenszeit- und 1.3% Ein-Jahres-Prävalenz der Panikstörung. Diese stehen 14.6%
Lebenszeit- und 12.6% Ein-Jahres -Prävalenz der Angststörungen allgemein gegenüber
(Regier et al., 1998). Personen mit einer Panikstörung ohne Agoraphobie weisen meist
ein stark therapiesuchendes Verhalten auf, deswegen wird diese Störung in der Praxis
häufig vorgefunden (Hoyer & Margraf, 2003).
Das Alter der Ersterkrankung liegt im Durchschnitt bei 26 Jahren (Hoyer & Margraf,
2003). Der typische Verlauf ist chronisch aber schwankend, so dass Jahre der Remission zwischen Krankheitsphasen liegen können (Saß et al., 1998). Die Panikstörung tritt
oft in Kombination mit Depressionen, Substanzmissbrauch und anderen Angststörungen
auf. Eheliche und berufliche Funktionsstörungen sowie ein erhöhter Bedarf an Medikamenten und intensivmedizinischer Betreuung gehen mit der Panikstörung einher
(Hirschfeld, 1996).
33
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
2.2.4.2.Forschungslage zur Wirkung von Religiosität bei Personen mit
Angststörungen
Im Folgenden werden Beispiele für den Zusammenhang von Angststörungen, und ggf.
Panikstörungen, mit Religiosität aus der Literatur berichtet. Bedauerlicherweise ist die
Forschungslage zur Panikstörung in Zusammenhang mit Religiosität trotz des häufigen
Auftretens der Störung (s.o.) nicht sehr umfangreich.
Religiosität und verminderte Angst
Eine Hauptfunktion von Religiosität ist laut Soenke, Landau, und Greenberg (2013),
Angst abzuschwächen. Methoden seien hierbei z.B. die Bereitstellung einer Bindungsstruktur und Hoffnung. Der Grund der Angst liege in dem Bewusstsein der Sterblichkeit
des Menschen. Religion biete hierbei Möglichkeiten, das Leben als wertvoll und nach
dem Tod andauernd zu betrachten. Utsch (2005) beschrieb Religiosität sogar als evolutionär aus Gründen der Angstreduktion entstanden, um „…ein Gefühl von Sicherheit
und Geborgenheit angesichts der stets ungewissen Zukunft zu vermitteln“ (S. 118).
Bei Patienten mit Angststörungen korrelierte religiöse Hingabe mit Lebenszufriedenheit
(Pfeifer & Waelty, 1995). Besonders bei jungen Erwachsenen scheint Religiosität eine
wichtige Ressource zu sein. Während bei älteren Erwachsenen kein Zusammenhang
gefunden wurde, lag bei jungen Personen ohne Religionszugehörigkeit die Häufigkeit
einer Angststörung mit 20% am höchsten (Koenig, Ford, et al., 1993).
In einigen Interventionsstudien wurde ein positiver Einfluss von Religiosität festgestellt.
So fanden Azhar, Varma, und Dharap (1994), dass Personen mit einer Angststörung bei
einer religiösen schneller als bei einer anderen unterstützenden Psychotherapie eine Reduktion der Angstsymptomatik aufwiesen. Eine Intervention mit sechs einstündigen
Gebeten wöchentlich erwirkte eine Verringerung der Angststörung bei den Testpersonen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die über einen Monat bestehen blieb
(Boelens, Reeves, Replogle, & Koenig, 2009). In einer Studie über Panikstörungen
konnte bei über 56 Patienten, welche mit kognitiver Verhaltenstherapie in der Gruppe
behandelt wurden, eine allgemeine Symptomverbesserung und geringerer wahrgenommener Stress nach einem Jahr durch die persönliche Wichtigkeit von Religion vorhergesagt werden (Bowen, Baetz, & D'Arcy, 2006).
34
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
Fehlender Zusammenhang zwischen Religiosität und Angst
Der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Gottesdienstbesuches und einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit eines aktuellen oder vergangenen Auftretens einer Panikstörung war in einer Studie über 37000 kanadische Personen älter 15 Jahre besonders im
Vergleich zu affektiven Störungen schwach und verschwand nach der BonferroniKorrektur (Baetz et al., 2006). Auch Koenig und Kollegen fanden nach Kontrolle des
sozioökonomischen Status keine Assoziation zwischen Lebenszeitprävalenz von Panikstörungen und Gottesdienstbesuch (Koenig, Ford, et al., 1993). In einer Interventionsstudie führte eine zusätzliche religiös-soziokulturelle Psychotherapie zu einer bedeutsam schnelleren Reduktion von Angst und depressiven Symptomen als die Standardtherapie bei Personen mit Generalisierter Angststörung oder Major Depression. Dieser Unterschied verschwand indes nach sechs Monaten (Razali, Hasanah, Aminah, & Subramaniam, 1998).
Studien zu Religiosität und erhöhter Angst
Es gibt auch Studien, die einen Zusammenhang zwischen Religiosität und erhöhten
Angst- oder Panikwerten nachweisen. Wie in Kapitel 2.2.2. beschrieben, liegt dem häufig eine konfliktbeladene Religiosität zugrunde. So erwies sich spirituelles Ringen (als
Form negativen religiösen Copings) als bedeutsam mit Angststörungen assoziiert, wobei sich der Zusammenhang stärker für Personen mit einer kurz zurückliegenden Erkrankung zeigte (McConnell, Pargament, Ellison, & Flannelly, 2006). Personen mit
Panikstörungen zeigten stärkere negative religiöse Konflikte als Personen mit anderen
psychischen Störungen oder ohne Symptome (Trenholm, Trent, & Compton, 1998; s.
auch Higgins, Pollard, & Merkel, 1992).
In einer groß angelegten Studie wurden ca. 2600 Zwillinge in Bezug auf Religiosität mit
internalisierenden und externalisierenden Störungen untersucht. Bei Patienten mit einer
Panikstörung führte eine erhöhte allgemeine Religiosität zu einem größeren Risiko
(Kendler et al., 2003). Spirituelle Wertvorstellungen hingen entsprechend einer Studie
von Baetz et al. (2006) mit der Wahrscheinlichkeit eines früheren Auftretens von Panikstörungen zusammen (jedoch nicht mit der Lebenszeitprävalenz), was im Sinne einer
spirituellen Suche gedeutet wird, indem das Auftreten einer Angststörung zur Ausbildung spiritueller Werte beigetragen habe.
35
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
2.2.4.3.Vermutete Einflussfaktoren
Es gibt verschiedene Theorien über das Zustandekommen der dargestellten Zusammenhänge. Über die in Kapitel 2.2.3. genannten Einflussfaktoren hinaus, werden an dieser
Stelle Einflüsse beschrieben, die spezifisch auf Angst zutreffen.
Rosmarin, Pargament, und Mahoney (2009) fanden bei 565 jüdischen Personen Gottvertrauen als bedeutsamen Prädiktor für geringere Angst und mehr Glück, während globale Religiosität nicht mit psychischer Gesundheit zusammenhing. Für Misstrauen zu
Gott waren die Ergebnisse gegenteilig, dies hängt laut den Autoren mit spirituellem
Ringen zusammen.
Koenig, Ford, et al. (1993) zeigten, dass die interpersonelle Dimension der religiösen
Einbindung (Gottesdienstbesuch) einen positiven (schwächer bei Kontrolle sozialer Unterstützung) und die personale (Gebet, Bibellesen, religiöse Fernsehsendungen) einen
negativen Einfluss auf Angststörungen hat. Diese Ergebnisse konnten an über tausend
Senioren bestätigt werden (Koenig, George, Blazer, & Pritchett, 1993). Auch ShreveNeiger und Edelstein (2004) fanden in ihrem Review, dass verdeckte und persönliche
Verhaltensweisen mit vermehrter Angst verbunden sind, während offenkundige interpersonelle Verhaltensweisen mit verminderter Angst zusammenhängen. Bradshaw und
Kollegen (2008) deuteten diesen Effekt so, dass Personen, die Belastungen ausgesetzt
sind, sich eher dem Gebet zuwenden.
Religiöse Überzeugungen sind laut einer experimentellen Studie von Inzlicht,
McGregor, Hirsh, und Nash (2009) mit einer reduzierten Aktivität des anterioren
zingulären Kortex assoziiert, welcher das Empfinden von Angst steuert und für die
Selbstregulation wichtig ist. Die Autoren beschrieben, dass religiöse Überzeugung ein
Bezugssystem für das eigene Verhalten in der Umwelt darstelle, welches Angst und
Unsicherheit bezüglich des eigenen Fehlverhaltens abschwächen könne.
Baker und Gorsuch (1982) deuteten die unterschiedlichen Forschungsergebnisse zu positiven und negativen Zusammenhängen zwischen Religion und Angststörungen als der
Missachtung des Unterschiedes zwischen intrinsischer und extrinsischer Religiosität
geschuldet. Bei Betrachtung intrinsisch religiöser Personen sei dieser positiv, bei extrinsischen negativ (ebd.). Über viele Studien hinweg hatte intrinsische Religiosität einen
positiven und extrinsische einen negativen Einfluss auf Angst (Shreve-Neiger &
Edelstein, 2004).
36
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
2.2.5. Einbezug von Religiosität in die Psychotherapie
Die Zahl spiritueller Beratung- und Therapieangebote wächst, welche Sinn gebend anhand eines klar definierten Weltbildes arbeiten (Utsch, 2005). Die am häufigsten angewandten Interventionen sind privates Gebet für Patienten, Lehre spiritueller oder religiöser Konzepte, Förderung von Vergebung und Zitate aus religiösen Schriften (Smith,
Bartz, & Richards, 2007). Dies geschieht innerhalb eines religiösen Bezugssystems,
wobei neben psychologischen auch spirituelle Ziele verfolgt und Erfolgsmaße wie spirituelles Wohlbefinden berücksichtigt werden können (Worthington, Hook, Davis, &
McDaniel, 2011).
Während der Einbezug von Religion in die Psychotherapie bei Patienten mit Manie oder
Schizophrenie kontraindiziert ist (Kaiser, 2007), befanden sie Studien bei Angststörungen und Depressionen als hilfreich (Azhar et al., 1994; Propst, Ostrom, Watkins, Dean,
& Mashburn, 1992). Teilweise verschwindet der Unterschied zwischen spirituellen- und
Standardinterventionen im Therapieerfolg bei katamnestischen Erhebungen (Razali et
al., 1998). Oder es wird sogar ein schlechterer Effekt spiritueller Interventionen (hier
Seelsorge) festgestellt (Miller et al., 2008).
Über fünf Studien hinweg zeigte sich kein Wirksamkeitsunterschied zwischen religiös
ausgerichteter und standardmäßiger psychotherapeutischer Beratung bei gleich häufiger
Anwendung und randomisierter Patientenzuweisung, wobei die Effektstärke gering war
(McCullough, 1999). Eine neuere Metaanalyse fand an über 31 Studien eine durchschnittliche Effektstärke von .56 für spirituell orientierte Psychotherapieverfahren
(Smith et al., 2007). Eine Metaanalyse über 21 Studien aus 20 Jahren Forschung fand an
fast 3000 überwiegend christlichen Personen aller Altersstufen und ethnischen Gruppen,
dass die Effektstärken von Psychotherapieverfahren, welche spirituelle Elemente berücksichtigen, im Verhältnis für spirituelle Personen über denen von Verfahren liegen,
die dies nicht tun (Rembert, 2000). McCullough (1999) schlägt dementsprechend vor,
dass religiöse Patienten eher aus Präferenz als aus Wirksamkeitsgründen religiöse Angebote in Anspruch nehmen können. Religiöse Personen erwiesen sich nämlich zu Beginn einer Therapie eher motiviert, ihre Probleme religiös zu bewältigen als weniger
religiöse (Allemand & Znoj, 2004).
Allemand und Znoj (2004) fanden trotz vergleichbarer Belastungsreduktion nach der
Therapie einen höheren Zusammenhang zwischen Religiosität und Wohlbefinden. Au-
37
Zusammenhang zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit
ßerdem nahm die passive Kontrolle signifikant zu, was die Autoren positiv als Loslassen deuten. Die Autoren postulieren, dass die Berücksichtigung religiöser Bedürfnisse
den Heilungsprozess zumindest subjektiv unterstützt und fördert. Positive Effekte auf
spirituelles Wohlbefinden bei symptomatischen Therapieerfolgen konnten im Vergleich
zur Standardtherapie konnte in einem deutschen Klinikvergleich für die religiös orientierte Therapie nachgewiesen werden (Schowalter, Richard, Murken, Senst, & Rüddel,
2003). Auch metaanalytisch (46 Studien, mit mehr als 3000 Personen) zeigten sich positive Effekte auf spirituelles Wohlbefinden und eine Vergleichbarkeit mit Standardtherapien in Bezug auf Symptomreduktion (Worthington et al., 2011).
Als Grund für die genannten Zusammenhänge wird z.B. die Befriedigung basaler Bedürfnisse durch die Religion genannt (Ljubičić, Peitl, Vitezić, Peitl, & Grbac, 2007).
Smith et al. (2007) beschrieben, dass Klienten besonders profitieren würden, wenn sie
lernten, ihre Glaubensüberzeugungen auf Probleme der psychischen Gesundheit oder
des Wohlbefindens anzuwenden.
38
Erster Hypothesenblock: Einflüsse auf die Psychische Gesundheit zu Beginn der
Therapie
3. Hypothesen und Fragestellungen
Alle Hypothesen und Fragestellungen beziehen sich auf Patienten mit einer Panikstörung, welche stationär in einer psychosomatischen Klinik behandelt wurden. Die Hypothesen des ersten Blocks beziehen sich dabei nur auf Ergebnisse des ersten Messzeitpunktes, die des Zweiten auf Veränderungen über den Zeitraum der Therapie hinweg.
3.1. Erster Hypothesenblock: Einflüsse auf die Psychische Gesundheit zu Beginn der Therapie
Basierend auf den Ergebnissen von Tix und Frazier (1998), welche konsistente Zusammenhänge zwischen religiösem Coping und positiven Maßen der Anpassung, wie Lebenszufriedenheit, zeigten, während ein präventiver Einfluss auf negative, symptombasierte Maße der Belastung schwieriger nachzuweisen war, sollen auch hier diese beiden
Aspekte psychischer Gesundheit als Ausgangsvariablen untersucht werden.
In Bezug auf den Einfluss von Religiosität auf die psychische Gesundheit sollte überprüft werden, ob der von Huber (2008b) beschriebene qualitative Sprung zwischen
hoch- und mittel- / niedrigreligiösen Personen auch in Bezug auf die zu untersuchenden
Maße psychischer Gesundheit bestehen, und ob in Anlehnung an das Review von Koenig und Kollegen (2012) förderliche Einflüsse von Religiosität auf diese gefunden werden können. Die Vermutungen zu den positiven Einflüssen positiver Gefühle Gott gegenüber basieren auf Studien wie der von Schreiber (2001), die zu den negativen Einflüssen negativer Gefühle Gott gegenüber auf Ergebnissen von z.B. Bradshaw und Kollegen (2005). In Anlehnung an Unterrainer (2010) wird angenommen, dass sich diese
Effekte mit zunehmender Zentralität umso deutlicher zeigen.
H1:
Die Zentralität der Religiosität in der Persönlichkeit einer Person hängt mit der
von dieser berichteten Lebenszufriedenheit, Angststärke und allgemeinen Symptombelastung zusammen.
a) Es gibt bedeutsame Unterschiede zwischen hochreligiösen und mittel- bis
nichtreligiösen Patienten in Bezug auf die untersuchten Maße psychischer
Gesundheit.
39
Zweiter Hypothesen – und Fragestellungsblock: Einflüsse auf den Therapieerfolg
b) Je stärker die Zentralität der Religiosität in der Persönlichkeit einer Person,
umso niedriger sollte ihre allgemeine Symptombelastung und Angststärke
und umso höher ihre Lebenszufriedenheit sein.
H2:
Die Häufigkeit der von einer Person gegenüber Gott empfundenen positiven und
negativen Gefühle hängen mit der von dieser berichteten Lebenszufriedenheit,
Angststärke und allgemeinen Symptombelastung zusammen.
a) Je häufiger eine Person positive und je seltener sie negative Gefühle gegenüber Gott beschreibt, umso niedriger sollte ihre allgemeine Symptombelastung und Angststärke und umso höher ihre Lebenszufriedenheit sein.
b) Je häufiger eine Person negative und je seltener sie positive Gefühle gegenüber Gott beschreibt, umso höher sollte ihre allgemeine Symptombelastung
und Angststärke und umso niedriger ihre Lebenszufriedenheit sein.
H3:
Es wird vermutet, dass sich bei hochreligiösen Personen die in H2 vermuteten
Einflüsse positiver und negativer Gefühle Gott gegenüber auf Lebenszufriedenheit, Angststärke und allgemeiner Symptombelastung stärker manifestieren.
3.2. Zweiter Hypothesen – und Fragestellungsblock: Einflüsse auf
den Therapieerfolg
In Bezugnahme auf die Metaanalyse von Worthington et al. (2011), welche einen zu
anderen Therapieverfahren vergleichbaren Effekt spirituell ausgerichteter Therapieangebote auf die Symptomreduktion fanden, wird die folgende Hypothese aufgestellt.
H4:
Patienten sollten am Ende der Therapie in einer psychosomatischen Klinik, in
deren Klinikkonzept ein spirituelles Angebot verankert ist, gegenüber dem Beginn dieser, eine signifikante Verminderung ihrer Angststärke und ihrer allgemeinen Symptombelastung sowie eine erhöhte Lebenszufriedenheit zeigen.
F1:
Wirkt sich die Zentralität der Religiosität in ähnlicher Weise auf den Therapieerfolg aus, wie in H1 für die psychische Gesundheit zu Beginn der Therapie für
vermutet?
a) Profitieren Personen im Sinne einer verminderten Angststärke und allgemeinen Symptombelastung sowie einer erhöhten Lebenszufriedenheit umso
40
Zweiter Hypothesen – und Fragestellungsblock: Einflüsse auf den Therapieerfolg
mehr von einer spirituell ausgerichteten Therapie, je zentraler die Religiosität in ihrer Persönlichkeit verankert ist?
F2:
Wirken sich die Gefühle Gott gegenüber in ähnlicher Weise auf den Therapieerfolg aus, wie in H2 für die psychische Gesundheit zu Beginn der Therapie vermutet?
a) Profitieren Patienten, die häufig positive und selten negative Gefühle gegenüber Gott haben, in besonderem Maße im Sinne einer verminderten Angststärke und allgemeiner Symptombelastung sowie einer erhöhten Lebenszufriedenheit von dieser Therapie?
b) Profitieren Patienten, die häufig negative und selten positive Gefühle gegenüber Gott haben, in geringerem Maße im Sinne einer verminderten Angststärke und allgemeiner Symptombelastung sowie einer erhöhten Lebenszufriedenheit von dieser Therapie?
41
Untersuchungssetting in der Psychosomatischen Adula Klinik
4. Methode
Um die Methodik der vorliegenden Arbeit zu beschrieben, soll zuerst das Design der
Untersuchung und das Therapieangebot der psychosomatischen Klinik dargelegt werden. Die Stichprobe wird, auch in ihrer Selektion, beschrieben. Es folgen die verwendeten Erhebungsinstrumente und die statistische Datenanalyse, wobei beschrieben wird,
wie die Hypothesen und Fragestellungen operationalisiert wurden.
4.1. Untersuchungsdesign und Durchführung der Untersuchung
In der vorliegenden Arbeit wurde ein nicht-experimentelles Prä-Post-Design angewendet. Eine Testbatterie zur störungsspezifischen Diagnostik sowie der Erfassung von Persönlichkeitseigenschaften diente der Datenerhebung. Einige Fragebögen wurden den
Patienten nur zu Beginn ihres Klinikaufenthaltes vorgelegt (z.B. der klinikspezifische
Spiritualitätsfragebogen), einige wurden als Prä-Post-Messung jeweils zu Beginn und
am Ende des Aufenthaltes ausgefüllt (z.B. ISR, FPI-R und Psy-BaDo-PTM). Des Weiteren wurde die von den Patienten subjektiv empfundene Veränderung durch den Klinikaufenthalt am Ende der Therapie erfasst. Das Ausfüllen der Fragebögen erfolgte
computergestützt und (bis auf das Testverfahren des FPI-Rs) mit Hilfe des WienerTestsystems (WTS). Dieses ermöglicht eine hohe Objektivität durch standardisierte Instruktionen und eine starke Präzision durch Darbietung der Fragen nacheinander, wodurch Lücken im Datensatz vermieden werden. Die Patienten benötigten etwa eine
Stunde für das Bearbeiten der Testbatterie. Die Erhebung erfolgte standardmäßig an
allen Patienten der Adula Klinik über einen Zeitraum von 3 Jahren hinweg, so dass die
Berechnungsgrundlage eine Stichprobe von fast 2000 Personen bildet.
4.2. Untersuchungssetting in der Psychosomatischen Adula Klinik
Als staatlich anerkannte Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie wird die
Behandlung in der im Jahre 1989 gegründeten Adula Klinik in Oberstdorf für Patienten
aus dem Akut- und Rehabilitationsbereich durch gesetzliche und private Krankenkassen
übernommen. Es werden etwa 125 Patienten mit folgenden Störungen behandelt:
Angsterkrankungen, Depressionen (auch Burn-Out), Essstörungen, stoffliche und nichtstoffliche Suchtkrankheiten, somatoforme Störungen, posttraumatische Belastungsstörungen und Persönlichkeitsstörungen (Dr. Reisach Kliniken, 2013). Das Klinikkonzept
sieht eine Aufenthaltsdauer von durchschnittlich acht Wochen, höchstens jedoch 16
42
Untersuchungssetting in der Psychosomatischen Adula Klinik
Wochen, vor (Lechler & Meier, 2007). Vor dem Hintergrund der Humanistischen Therapie wird an der Adula Klinik integrativ gearbeitet. Therapiemethoden wie Tiefenpsychologisch fundierte-, Kognitiv-behaviorale-, Schemafokussierte-, Systemische- und
Körpertherapie kommen zur Anwendung (Dr. Reisach Kliniken, 2013).
4.2.1. Das Bad Herrenalber Klinikkonzept
Da das Klinikkonzept der Adula Klinik an das der Bad Herrenalber Klink angelehnt ist,
soll dieses nun mit seinen vier Grundpfeilern genauer beschrieben werden.
4.2.1.1.Therapeutische Gemeinschaft
Zentral im Bad Herrenalber Modell ist die Lehr- und Lerngemeinschaft, in der Unterschiede zwischen Therapeuten, Ärzten und Patienten verschwinden sollen. Eine geschützte und wohlwollende Atmosphäre mit Ehrfurcht vor der Würde des anderen soll
zur Genesung beitragen. Die Therapie wird als Lebensschule verstanden, in der heilsame Beziehungserfahrungen gemacht, zerstörerischen Selbstanteile verwandelt und
krankmachende Haltungen losgelassen werden können, um eine neue Identität zu erlangen (Lechler & Meier, 2007).
4.2.1.2.Therapeutische Vereinbarungen
Die Regeln für das Zusammenleben beinhalten das Fasten von allem, was der Ablenkung von der Auseinandersetzung mit sich selbst dient, wie elektronische Geräte, Lektüre, Autofahren, oder der Konsum stimmungsverändernder Substanzen. Auch soll der
Kontakt nach außen eingestellt und Pärchenbildung innerhalb vermieden werden. Da
das Brechen dieser Regeln laut den Autoren einen Hilferuf darstellt, werden anhand
ritualisierter Kommunikationsmuster Mitpatienten mit ihren schädlichen Verhaltensweisen konfrontiert, ein Patensystem hilft hierbei (Lechler & Meier, 2007).
4.2.1.3.Bonding-Psychotherapie
Bei entsprechender Indikation und dem Wunsch des Patienten wird in der Adula Klinik
Bonding-Therapie durchgeführt (Dr. Reisach Kliniken, 2013). Bonding kann als physische Nähe gepaart mit emotionaler Offenheit definiert werden (Renard, 1995). Unter
Anleitung ausgebildeter Therapeuten wird Patienten, bei denen dieses Bedürfnis vernachlässigt wurde, die Möglichkeit gegeben, Nähe in gegenseitigem Halten zu erleben
43
Untersuchungssetting in der Psychosomatischen Adula Klinik
(Dr. Reisach Kliniken, 2013). Das oft nicht äußerbare Bedürfnis könne somit wiederentdeckt, ausgedrückt und gestillt werden (Lechler & Meier, 2007).
4.2.1.4.Spirituelles Angebot
Religiosität und Spiritualität sind im therapeutischen Konzept der Adula Klinik verwurzelt. Die humanistische Ausrichtung der Klinik sowie die dort angebotenen anonymen
Selbsthilfegruppen beziehen sich jeweils auf eine größere Macht. Die Genesung wird
demnach neben anderen Faktoren im Zusammenhang mit einer spirituellen Sinnsuche
verstanden. Auf der Basis eines konfessionsübergreifenden Spiritualitätsverständnisses
wird diese therapeutisch begleitet. Es gibt das Angebot seelsorgerischer Begleitung. Des
Weiteren wird die Teilnahme an ökumenischen Gottesdiensten, Bibliodrama, Ritualarbeit (bei Trennungen, Trauerfällen, Vergebung und Versöhnung) sowie die Arbeit mit
religiösen Themen in der Therapie angeboten (Dr. Reisach Kliniken, 2013). Das Konzept der für die Arbeit in der Klinik bedeutsamen anonymen Selbsthilfegruppen soll im
Folgenden genauer beschrieben werden.
Das 12-Schritte-Programm
Die Anonymen Alkoholiker (AA) sind eine Gemeinschaft von Menschen, die ihren Alkoholismus als Krankheit akzeptieren und abstinent leben wollen. Die 12 Schritte des
Programms sind in Anhang B dargestellt. Neben Kontakt zu und Hilfeleistungen gegenüber anderen abstinenten Alkoholikern sind entscheidende Komponenten des Erfolges
Demut und Vertrauen auf eine höhere Macht (Alcoholics Anonymous, 1984). Die AA
sind keine religiöse Organisation, welche ein bestimmtes Glaubenssystem vorgibt,
vielmehr erfolgt die Sinnsuche individuell (Alcoholics Anonymous, 1972). Teilnehmer
werden aber angehalten, eine bewusste Beziehung zu Gott oder einer höheren Macht zu
pflegen, um Abstinenz erreichen zu können (Clark, 1994 zitiert nach Blanco, 2003).
Eine Verstärkung spiritueller Praxis durch die AA hängt bei deren Mitgliedern mit einem besseren Umgang mit Alkohol zusammen. Die Teilnahme bei den AA erhöht die
Spiritualität / Religiosität, in besonderem Maße bei Personen, die zuvor wenig spirituell
/ religiös waren. Bei diesen Personen kann von einem spirituellen Erwachen gesprochen
werden (Kelly, Stout, Magill, Tonigan, & Pagano, 2011). Ein Erlebnis spirituellen Erwachens war bei von Zinsmeyer (2010) untersuchten AA gefolgt von Abstinenz, einem
44
Beschreibung der Stichprobe
Wandel in Einstellungen, Beziehungen und Lebensentscheidungen sowie einem Gefühl
von Friede, Akzeptanz und Ruhe.
4.2.2. Angebote für Patienten mit Angststörungen
Angstpatienten sollen sich im Laufe der Therapie ihren Ängsten stellen. Dazu ist es
wichtig, Angstgefühle und ihre körperlichen Anzeichen wahrzunehmen, zu akzeptieren
und die Vermeidung dieser zu unterbinden. Neues Vertrauen und Zuversicht sollen im
Rahmen der Geborgenheit bietenden Gemeinschaft erlangt werden, um diese Ziele realisieren zu können (Dr. Reisach Kliniken, 2013).
4.3. Selektion der Studienteilnehmer
Zur Überprüfung der oben beschrieben Hypothesen wurden aus den insgesamt 1980
Patienten, die in den Jahren zwischen 2008 und 2011 die Klinik besucht haben, alle Patienten ausgewählt, denen die Diagnose Panikstörung (F41.0) als erste (N = 23), zweite
(N = 71) oder dritte (N = 26) Diagnose zugewiesen wurde. Bei Diagnosen ab der vierten
Stelle wird davon ausgegangen, dass sie gegenüber den ersten drei deutlich in den Hintergrund treten und keinen großen Einfluss üben.
Es wurden hieraus diejenigen ausgeschlossen (N = 10 Patienten), die weniger als 28
Tage in der Klinik verbracht haben, da nach Schmitz-Buhl, Kriebel, und Paar (1999)
eine stationäre Behandlung mindestens vier Wochen andauern sollte, um wirksam werden zu können.
4.4. Beschreibung der Stichprobe
Deskriptive Statistiken der Stichprobe der Patienten mit einer Panikstörung können Tabelle 1 entnommen werden. Es handelte sich um 76 (69%) Frauen und 34 (31%) Männer, welche zwischen 19 und 66 Jahre alt waren (M = 40.45; SD =11.87). Der Überwiegende Teil der Patienten (68%) waren ledig, oder getrennt / in Scheidung lebend. Jeweils etwa ein Drittel hatten Realschul- oder Oberschulabschluss.
45
Beschreibung der Stichprobe
Tabelle 1. Deskriptive Statistiken – demographische und klinische Daten
Häufigkeit
Prozent
Familienstand
Ledig
Verheiratet
Geschieden / getrennt
Verwitwet
44
25
21
2
40.0
22.7
28.2
2.8
Schulabschluss
Ohne Abschluss / Volksschule
Noch in der Schule
Hauptschulabschluss
Mittlere Reife
Abitur
9
3
6
39
37
8.9
2.7
7.3
35.5
33.6
Berufsabschluss
Ohne Abschluss
Noch in Berufsausbildung
Lehre abgeschlossen
Fachschule abgeschlossen
Meister
Fachhochschul/Universitätsabschluss
5
8
45
16
3
17
4.5
7.8
44.1
15.7
2.7
15.5
Beruf
Selbstständig
Angestellt
Arbeiter
Beamter
Rentner
Hausfrau
Arbeitslos
In Ausbildung
10
51
3
7
5
2
25
7
9.1
46.4
2.7
6.4
4.5
1.8
22.7
6.4
Pharmakobehandlung
vor Aufnahme
Nein
Ja, bis zu 3 Monate lang
Ja, 3-6 Monate lang
Ja, 6-12 Monate lang
Ja, mehr als ein Jahr lang
48
15
4
11
24
43.6
13.6
3.6
10.0
21.8
Medikation:
Anxiolytika
Neu angesetzt
Aufrecht erhalten
Reduziert
Abgesetzt
Vorübergehend verordnet
unmediziert
7
1
1
3
1
1
6.4
0.9
0.9
2.7
0.9
0.9
Anzahl ambulanter
Psychotherapien
Keine
Bis zu 5 Std.
6-25 Std.
26-160 Std.
161-300 Std.
> 300 Std.
10
14
24
40
11
3
9.1
12.7
21.8
36.4
10.0
2.7
46
Beschreibung der Stichprobe
Wie in Tabelle 2 dargestellt, hatten Patienten mit einer Panikstörung durchschnittlich
4.15 Diagnosen (SD = 1.72) und eine Behandlungsdauer von 57.66 Tagen (SD = 15.44).
Tabelle 2. Deskriptive Statistiken – Therapierelevante Daten
Behandlungsdauer in Tagen
Anzahl stationärer Vorbehandlungen
Dauer stationärer Vorbehandlungen
Anzahl ambulanter Vorbehandlungen
Anzahl der Diagnosen
M
SD
57.66
.89
5.04
3.36
4.15
15.44
1.54
8.84
1.23
1.72
Min.
Max
28
0
0
1
2
98
8
40
6
10
Die Religionszugehörigkeit war bei etwa einem Drittel jeweils katholisch und evangelisch, 17% gehörten keiner Konfession an (s. Tab. 3). Für 21% der Patienten war das
religiöse Angebot ziemlich wichtig für die Wahl der Klinik (s. Abb. 3). 46% der Patienten wünschte sich, dass Therapeuten religiöse Themen aktiv ansprechen (s. Abb. 4).
Tabelle 3. Deskriptive Statistiken – Daten bezüglich der Religiosität
Häufigkeit
Prozent
Religionszugehörigkeit Keine
Katholisch
Evangelisch
Freikirchlich
Andere christliche Kirche
Jüdisch
Muslimisch
Buddhistisch
Andere
19
37
36
3
3
1
2
5
4
17.3
33.6
32.7
2.7
2.7
0.9
1.8
4.5
3.6
Wichtigkeit der spirituellen / religiösen
Gemeinschaft
Außerordentlich wichtig
Ganz wichtig
Ziemlich wichtig
Etwas wichtig
Kaum wichtig
Nicht relevant
Keine Zugehörigkeit zu einer
Gemeinschaft
6
5
11
19
7
10
52
5.5
4.5
10.0
17.3
6.4
9.1
47.3
Besuchte Meetings
des 12-SchritteProgramms
Keins
Bis 3
4-10
11-50
51-100
> 100
76
14
7
4
2
7
69.1
12.7
6.4
3.6
1.8
6.4
47
Erhebungsinstrumente
Abb. 3. Wahl der Klinik
Abb. 4. Gewünschter Umgang mit Religiosität
in der Therapie
4.5. Erhebungsinstrumente
Von allen erhobenen Fragebögen werden die beschrieben, welche den Berechnungen
zur Untersuchung der in Kapitel 3 beschriebenen Hypothesen zugrunde lagen.
4.5.1. Fragebogen zur Erhebung der Religiosität
Der an der Adula Klinik eigens entwickelte Fragebogen zur Erfassung der spirituellen
Überzeugungen und Bedürfnisse ihrer Patienten kann dem Anhang C entnommen werden. Dieser setzt sich, neben fünf klinikspezifischen Fragen bezüglich des 12-SchritteProgramms, aus Elementen des R-S-T (Huber, 2004) und des zur Erhebung der religiösen Anamnese von Weber und Frick (2002) entwickelten halbstrukturierten klinischen
Interviews (SPIR) zusammen.
4.5.1.1.Halbstrukturiertes klinisches Interview zur Erhebung der spirituellen Anamnese (SPIR)
Das SPIR wurde von Mitarbeitern einer onkologischen Abteilung in München in Anlehnung an den englischsprachigen Leitfaden FICA zur Erfassung der spirituellen Geschichte von Puchalski und Romer (2000) mit den Dimensionen Faith / Beliefs,
Importance and influence, Community und Address entwickelt (Hauf, 2009). Es wurde
in einer Studie von Frick, Riedner, Fegg, Hauf, und Borasio (2006) sowohl von Patienten als auch von Ärzten als hilfreich und nicht belastend bewertet. Das Akronym SPIR
48
Erhebungsinstrumente
steht für die folgenden vier Dimensionen, welche in Form von vier offenen Fragen jeweils mit Unterfragen erhoben werden (Weber & Frick, 2002):
S pirituelle und Glaubensüberzeugungen
P latz und Einfluss, den diese Überzeugungen im Leben des Patienten einnehmen
I ntegration in eine spirituelle, religiöse, kirchliche Gemeinschaft / Gruppe
R olle des Arztes: Wie soll dieser mit spirituellen Erwartungen / Problemen des Patienten umgehen?
Im Fragebogen der Adula Klinik werden die Fragen der letzten beiden Dimensionen
dieses Interviews verwendet. Die Zugehörigkeit zu einer spirituellen / religiösen Gemeinschaft (dichotomes ja-nein Item) und die Wichtigkeit dieser (zu beantworten auf
einer sechsstufigen Antwortskala zwischen außerordentlich wichtig und nicht relevant)
dienen der Erfassung der I-Dimension. Der gewünschte Umgang mit religiösen Themen
durch den Therapeuten (Antwortmöglichkeiten: nicht berücksichtigen, aktiv ansprechen, nur wenn von Dir gewünscht darauf eingehen, Seelsorge einschalten und weiß
nicht) zur Erfassung der R-Dimension.
4.5.1.2.Religiositäts-Struktur-Test (R-S-T)
Der in über einhundert Forschungsprojekten bewährte Religiositäts-Struktur-Test (R-ST) wurde 2003 von Huber entwickelt. Bei gleichgewichteter Messung der in Tabelle 4
dargestellten Kerndimensionen des religiösen Erlebens und Verhaltens lässt sich die
Zentralitätsskala der Religiosität (Z-Skala) bilden (Huber, 2008b).
Es gibt verschiedene Versionen der Z-Skala, in den ersten beiden werden jeweils zwei
oder drei Indikatoren zur Erfassung der Intensitäten der Kerndimensionen verwendet,
was zu insgesamt 10 bzw. 15 Items führt. Die Reliabilitäten beider Versionen liegen
etwa bei Cronbachs α = .90, so dass die 10-Item Version zuverlässig angewandt werden
kann. Die dritte Version der Z-Skala enthält sieben Items, wobei jeweils ein Item die
ersten drei Kerndimensionen abfragt und die Dimensionen private religiöse Praxis und
religiöse Erfahrung jeweils mit zwei Items in Bezug auf theistische und pantheistische
Basissemantiken abgefragt werden. Diese Skala weist ebenfalls sehr gute Kennwerte
auf (Huber, 2008b) und wird deshalb in der vorliegenden Studie verwendet.
Hierbei wurden die in Tabelle 4 aufgeführten Fragen, bis auf die Glaubens-Dimension
(fünfstufige Skala zwischen gar nicht und sehr), auf einer fünfstufigen Skala mit den
49
Erhebungsinstrumente
Extremausprägungen nie und sehr oft beantwortet. Reliabilität, Validität und Ökonomie
des Messinstrumentes wurden überprüft und bestätigt (α schwankt zwischen .89 und
.94) (Huber, 2008a). Bei der vorliegenden Stichprobe ist die interne Konsistenz der
Zentralitätsskala als sehr gut (Cronbachs α =.93) zu bezeichnen. (die Beschreibung dieser Berechnung ist Kapitel 4.6. zu entnehmen).
Tabelle 4. Items des R-S-T
Dimension
Item
Intellekt
Glaube
Wie oft denkst Du über religiöse Themen nach?
Wie stark glaubst Du daran, dass es „Gott“ oder etwas
„Göttliches“ gibt?
Wie oft nimmst Du an Gottesdiensten teil?
Wie oft betest Du?
Wie oft meditierst Du?
Wie oft erlebst Du Situationen, in denen Du das Gefühl
hast, dass „Gott“ oder etwas „Göttliches“ in Dein Leben
eingreift?
Wie oft erlebst Du Situationen, in denen Du das Gefühl
hast, mit Allem Eins zu sein?
Öffentliche Praxis
Private Praxis
Erfahrung
Gottesdienst
Gebet
Meditation
Du-Erfahrung
All-Erfahrung
Wie von Huber (2008a) vorgeschlagen, wurde neben dieser durch die Z-Skala erfassten
persönlichen Relevanz, die emotionale Valenz der Religiosität anhand des R-S-TInventars zu religiösen Gefühlen getestet. Die Frage „Wie oft erlebst Du Situationen, in
denen Du folgende Gefühle in Bezug auf ´Gott´ oder etwas ´Göttliches´ hast?“ wurde
dabei pro in Tabelle 5 dargestelltem Gefühl anhand einer fünfstufigen Antwortskala
zwischen nie und sehr oft beantwortet. Obwohl nur die Häufigkeit und nicht die Intensität der Gefühle gegenüber Gott erfragt wurde, wird davon ausgegangen, dass diese zusammen hängen und in gewissem Maße auf die Intensität geschlossen werden kann. Die
Skala positive Gefühle gegenüber Gott weist in der dargestellten Untersuchung eine
sehr gute (α =.93) Reliabilität auf, die der Skala negative Gefühle gegenüber Gott eine
gute (α =.89.).
50
Erhebungsinstrumente
Tabelle 5. Im R-S-T (Huber, 2003) erfasste Gefühle gegenüber Gott
Skala
Item
Positive Gefühle
Vertrauen
Ehrfurcht
Freude
Geborgenheit
Glück
Hoffnung
Dankbarkeit
Verehrung
Befreiung von Schuld
Negative Gefühle
Furcht (Schrecken)
Schuldgefühl
Ärger
Scham
Zorn
Versagen
Angst
4.5.1.3.Klinikspezifische Fragen
Es wurden fünf klinikspezifische Fragen bezüglich der Erfahrung mit und der persönlichen Bedeutung von spirituellen Therapieangeboten entwickelt. Dabei wurde zuerst in
einem dichotomen Item abgefragt, ob der Patient schon einmal an einem Meeting des
12-Schritte-Programms teilgenommen habe. Wenn dies mit ja beantwortet wird, sollte
die Anzahl der besuchten Meetings auf fünf Stufen von bis zu 3 bis mehr als 100 abgeschätzt werden. Die weiteren drei Fragen sollten jeweils in Bezug auf ihre Relevanz
bewertet werden, wobei zwischen sechs Antwortstufen von außerordentlich wichtig bis
nicht relevant gewählt werden konnte. Hierbei sollten die persönliche Wichtigkeit der
Meetings sowie die Wichtigkeit des religiösen / spirituellen Angebotes und des 12Schritte-Programms für die Wahl der Klinik eingeschätzt werden.
4.5.2. Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI-R)
Der FPI-R ist eine Revision des von Fahrenberg, Hampel, und Selg (1984) entwickelten
FPI und dient der Erhebung von Persönlichkeitsmerkmalen und der klinischen Diagnostik. Der Fragebogen besteht aus 138 dichotomen Items, welche mit stimmt oder stimmt
nicht zu beantworten sind und in 12 Skalen à 12 Items (bzw. 14 bei den Sekundärfaktoren) zusammengefasst werden können. Diese haben nicht den Anspruch die gesamte
Persönlichkeit abzubilden, sondern beziehen sich auf einige robuste Dimensionen der
51
Erhebungsinstrumente
Persönlichkeit wie Emotionalität oder Beanspruchung. Die Validität wird als ausreichend bezeichnet, die befriedigenden Reliabilitäten der verschiedenen Skalen betragen
zwischen α = .73 und .83 (Fahrenberg, Hampel, & Selg, 2001). Die Fragen der Lebenszufriedenheitsskala, welche hier als Berechnungsgrundlage verwendet wird, können
Tabelle 20 des Anhangs D entnommen werden. Ein Beispiel lautet: „Alles in allem bin
ich ausgesprochen zufrieden mit meinen bisherigen Leben“.
4.5.3. ICD-10-Symptomrating (ISR)
Zur Erfassung der allgemeinen Symptombelastung der untersuchten Patienten wurde die
Gesamtskala des in Anhang C dargestellten ICD-10-Symptomratings (ISR; Tritt et al.,
2008) verwendet, die Angstskala dieses Fragebogens diente der Erfassung der Angststärke.
Das ISR ist ein Selbsteinschätzungsmaß, welches auf dem Konzept des ICD-10 (World
Health Organization, 1989) beruht, wonach psychische Störungen anhand bestimmter
Symptome klassifiziert werden. Der Fragebogen dient der Feststellung der Stärke der
Störung. Die 29 Fragen können zu sechs syndromalen Skalen zusammengefasst werden:
Depression, Angst, Zwang, Somatoforme Störungen, Essstörungen und eine Zusatzskala, welche 12 weitere Symptome (wie Konzentrationsstörungen oder Suizidalität) erfasst. Die Skalen werden jeweils durch drei bis vier Items abgebildet (die Angstskala
durch vier), welche auf einer fünfstufigen Antwortskala zwischen 0 (trifft nicht zu) und
4 (trifft extrem zu) beantwortet werden. Die subjektive, symptomatische Gesamtbelastung wird anhand eines Globalwertes gemessen (Tritt et al., 2008). Zur Berechnung
dessen wird der Summenscore aus den Mittelwerten aller Skalen durch die Anzahl der
Skalen geteilt, wobei die Zusatzskala aufgrund ihres großen Umfangs doppelt gewichtet
wird (Schäfer, 2010).
Der Fragebogen hat eine Retest-Reliabilität von α = .70 bis .94 der einzelnen Skalen, so
dass symptomatische Veränderungen konsistent abgebildet werden und eine Verlaufsmessung möglich ist (Fischer, Schirmer, Tritt, Klapp, & Fliege, 2011). Von Fischer et
al. (2009, zitiert nach Tritt, v. Heymann et al., 2010) wird eine hohe interne Konsistenz
(α = .92 des ISR-Globalwerts und α = .78 bis .86 der Syndromskalen) des Fragebogens
berichtet. In der hier untersuchten Stichprobe zeigte sich für die Messung zu Beginn der
Therapie eine fragwürdige (α =.61), zum Ende eine gute (α =.81) Reliabilität.
52
Statistische Datenanalyse
Die konvergente Validität des ISR wurde anhand des Vergleichs mit der häufig eingesetzten Symptom-Checkliste-90-R (SCL-90-R; Franke, 2002) als zufriedenstellend befunden (r = .84 zwischen ISR-Globalwert und Global Severity Index der SCL-90-R; r =
.71 zwischen der Angstskala des ISR und der Ängstlichkeitsskala der SCL-90-R). Das
Instrument wird bereits in über 20 Kliniken angewandt und ist auch aufgrund seiner
Kürze beliebt (Fischer et al., 2011).
4.5.4. Basisdokumentation für stationäre Psychotherapie und Psychosomatik (Psy-BaDo-PTM)
Zur besseren Erfassung der Charakteristika der Stichprobe, die der hier beschriebenen
Untersuchung zu Grunde liegt, wurden die Angaben aus der Basisdokumentation PsyBaDo-PTM (von Heymann & Tritt, 2013) herangezogen.
Der Fragekatalog wird auf der einen Seite vom Patienten, auf der anderen vom behandelnden Therapeuten und Arzt ausgefüllt, so dass ein umfassendes Bild erzeugt wird.
Soziodemografische Daten, wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Schul- und Berufsabschluss sowie klinische Angaben zur Vorbehandlung (Anzahl und Dauer stationärer und
ambulanter Therapien) werden vom Patienten, klinische Diagnosen vom Behandler zu
Beginn der Therapie angegeben. Zum Ende der Therapie wird die Veränderungseinschätzung des Patienten erfragt und vom Therapeuten Angaben bezüglich Medikation
(Pharmakobehandlung vor Aufnahme, Medikation mit Anxiolytika) und Behandlungsdauer gemacht (ebd.). Die Antwortkategorien können Tabelle 2 entnommen werden.
Die 1995 entwickelte Basisdokumentation wird seit 1996 standardmäßig in psychosomatischen Kliniken eingesetzt und wird seitdem gut von den Anwendern akzeptiert
(Senst et al., 2000).
4.6. Statistische Datenanalyse
Die Berechnungen wurden anhand des Statistik-Programmes IBM SPSS Statistics 20
durchgeführt. Als Signifikanzniveau wurde.05 festgelegt.
Für die zu den einzelnen Skalen berichteten Maße der internen Konsistenz wurde anhand der Interkorrelationen der Items Cronbachs Alpha berechnet, woraus auf die Reliabilität (Zuverlässigkeit der Messung) geschlossen werden kann (Schermelleh-Engel
& Werner, 2012). Die Richtlinien zur Interpretation beschreiben eine sehr gute Reliabi-
53
Statistische Datenanalyse
lität ab α = .9, eine gute ab .8, eine akzeptable ab .7 und eine fragwürdige ab .6 (Weise,
1975 zitiert nach Bortz & Döring, 2006).
Wie oben begründet, liegt der zu beschreibenden Studie ein theistisches Zentralitätskonzept zu Grunde, welches anhand der dritten Version der Z-Skala berechnet werden
kann. Dabei wird bei privater Praxis Gebet (statt Meditation) und bei Erfahrung DuErfahrung (statt All-Erfahrung) verwendet (Huber, 2008a).
Als Interpretationsgrundlage der Effektstärken wurden die von Cohen (1988, zitiert
nach Bühner & Ziegler, 2009) eingeführten und in Tabelle 6 dargestellten Richtlinien
herangezogen. Eine Teststärke (1-β) von über .80 bedeutet, dass der Effekt anhand der
Stichprobe statistisch abgesichert werden konnte (Bühner & Ziegler, 2009). Teststärken
wurden post-hoc mit G*Power (Faul, Erdfelder, Lang, & Buchner, 2007) berechnet.
Tabelle 6. Effektstärkerichtlinien nach Cohen (1988, zitiert nach Bühner & Ziegler, 2009)
Korrelation: r
Klein
Moderat
Stark
Varianzanalyse: ƞ²
.10
.30
.50
.01
.06
.14
t-Test: Cohnes d
.20
.50
.80
4.6.1. Operationalisierung der Hypothesen und Fragestellungen
Im Folgenden sollen die zur Überprüfung der Hypothesen und Fragestellungen geplanten Berechnungen dargestellt werden. Die Erläuterungen zu den Rechenarten sowie den
hierfür zu prüfenden Voraussetzungen basieren auf Bühner und Ziegler (2009).
4.6.1.1.Gruppenbildung
Für einige Berechnungen war es sinnvoll, Personen in Bezug auf die Zentralität der Religiosität in ihrer Persönlichkeit sowie die Häufigkeit der verschiedenartigen Gefühle
gegenüber Gott in Gruppen einzuteilen.
Zentralität
Die Patienten mit Panikstörung wurden anhand des Summenscores theistischer Zentralität in hoch-, mittel- und niedrig religiös unterteilt. Diese Unterteilung erfolgte anhand
der 33.3 Perzentile (2.80 und 3.60) so dass drei annähernd gleich große Gruppen gebildet wurden (niedrig religiös: N = 31, mittel religiös: N = 40 hoch religiös: N = 39). Dieses Vorgehen wurde gewählt, da nur 2% aller Patienten in die Kategorie der hochreligi54
Statistische Datenanalyse
ösen, wie sie von Huber (2004) vorgeschlagen wurde (hochreligiös: Werte ab 4, mittelreligiös: 3 und niedrigreligiös: Werte bis 2), zugeordnet werden konnten.
Gottesbild
Die Untersuchung der Einflüsse allein der positiven oder negativen Emotionen sollte
durch die Einteilung von Personen in Gruppen je nach Gottesbild ermöglicht werden.
Personen, die eine hohe Ausprägung auf dem dichotomen Item der positiven Gefühle
Gott gegenüber (beim Median 2.78 geteilt), und gleichzeitig eine niedrige Ausprägung
des Items mit negativen Gefühlen (beim Median 1.86 geteilt) hatten, erhielten auf der
neu gebildeten dichotomen Variablen positives Gottesbild einen hohen Wert (N = 25;
kein positives Gottesbild: N = 83). Analog hierzu erhielten Personen mit vielen negativen und wenig positiven Gefühlen zu Gott einen hohen Wert im negativen Gottesbild
(N = 26; kein negatives Gottesbild: N = 78). Tabelle 7 soll dies verdeutlichen. Es wird
hierbei, aufgrund der in Kapitel 2.1.3.1. dargestellten Zusammenhänge, von der Art der
gegenüber Gott empfundenen Gefühle auf das kognitive Gottesbild geschlossen. Es sei
betont, dass Letzteres in der vorliegenden Arbeit nicht erhoben wurde.
Tabelle 7. Gruppeneinteilung nach Gottesbild
Gefühle gegenüber Gott
Positiv
Negativ
Hoch
Niedrig
Hoch
Niedrig Negatives Gottesbild
Positives Gottesbild
-
4.6.1.2.Gruppenunterschiede
Vor der Durchführung der Rechnungen wurde auf Gruppenunterschiede bezüglich soziodemographischer, klinischer und auf Religiosität bezogener Merkmale untersucht,
um etwaige systematischen Effekte bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen zu können. Die Ergebnistabellen dieser Berechnungen sind Anhang G dargestellt.
Die Voraussetzungen dieser wurden entsprechend den im Rahmen der Operationalisierung der Hypothesen dargestellten Ausführungen geprüft und waren gegeben.
Unterschiede der Religiositätsgruppen
Die Gruppen der hoch-, mittel- und niedrigreligiösen Personen unterscheiden sich in
einfaktoriellen Varianzanalysen im Alter (F(2,107) = 11.86, p < .01, ƞ² = .18) und der
55
Statistische Datenanalyse
Anzahl stationärer Vorbehandlungen (F(2,94) = 4.56, p = .01, ƞ² = .09). Die Bonferroni
Post-Hoc-Tests zeigten, dass niedrigreligiöse Personen mehr stationäre Vorbehandlungen aufwiesen als hochreligiöse (p = .01) und älter waren als hochreligiöse (p < .01).
Auch waren mittelreligiöse älter als hochreligiöse (p < .01). Bei der Anzahl stationärer
Vorbehandlung zeigte der Levene-Test inhomogene Varianzen auf (F(2,94) = 7.08, p <
.01). Es bestanden keine Unterschiede in Bezug auf die Anzahl der Diagnosen und weitere Maße bezüglich der Vorbehandlung (s. Tab. 23).
Bei der Untersuchung von Kreuztabellen der Chi-Quadrat Test nach Pearson konnten
keine signifikanten Ergebnisse für Geschlecht (ϕ = .16, ns), Schulabschluss oder
Pharmakobehandlung vor Aufnahme gefunden werden (s. Tab. 24). Die Gruppen unterschieden sich bedeutsam im Familienstand (Cramer-V = .29, p = .03). Von den ledigen
Personen waren 23 hoch- und 21 mittel- oder niedrigreligiös, bei verheirateten Personen
war eine Person hoch-, 10 waren mittel- bis niedrigreligiös.
Anhand von t-Tests konnte zwar kein Unterschied zwischen der Gruppe der hochreligiösen und der der mittel- bis nichtreligiösen in negativen Gefühle gegenüber Gott beobachtet werden (t(108) = -1.86, ns), mittel- und niedrigreligiöse Personen (M = 3.22, SD
= .61) empfanden jedoch signifikant häufiger positive Gefühlen zu Gott als hochreligiöse (M = 2.00, SD = .67) (t(108) = -9.68, p < .01; d = 1.92; 1-β = 1.00).
Unterschiede der Gottesbildgruppen
Wie aus Tabelle 8 ersichtlich wird, zeigten t-Tests einen signifikanten Unterschied zwischen Männern (N = 34, M = 2.54, SD = .88) und Frauen (N = 76, M = 2.90, SD = .84)
in der Häufigkeit des Empfindens positiver Gefühle gegenüber Gott (t(108) = -2.02, p =
.046, d = .42, 1-β = .64). Zur Vermeidung einer Alpha-Inflation durch die Testung der
zusammenhängenden Konstrukte Zentralität der Religiosität und Gefühle gegenüber
Gott wurde eine Bonferroni-Korrektur durchgeführt. Es resultierte ein Signifikanzniveau von .017, wodurch der Unterschied seine Bedeutsamkeit verlor.
Einfaktorielle Varianzanalysen zeigten hierbei einen bedeutsamen Unterschied der
Gruppe mit einem negativen Gottesbild (M = 2.04, SD = 1.99, N = 26) zu der ohne dieses (M = 2.58, SD = 1.06, N = 78) in Bezug auf das Alter (F(1,102) = 5.15, p = .03, ƞ² =
.05). Es bestanden keine weiteren Unterschiede in Bezug auf die oben beschriebenen
Merkmale (s. Tab. 23) ebenso wenig in den Kreuztabellen (Geschlecht: ϕ = -.10, ns,
weitere Variablen s. Tab. 24).
56
Statistische Datenanalyse
Es konnten keine Unterschiede zwischen Personen mit oder ohne positives Gottesbild
gefunden werden. Wie Tabellen 23 und 24 zu entnehmen ist, blieben die einfaktoriellen
Varianzanalysen und die Kreuztabellen alle unbedeutsam (Geschlecht: ϕ = -.12, ns).
Weitere Alters- und Geschlechtseffekte
Der Gruppenunterschied zwischen Männern (N = 34, M = 1.60, SD = .64) und Frauen
(N = 76, M = 1.38, SD = .50) im ISR-Globalwert wurde knapp nicht signifikant (t(108)
= 1.95, p = .053, d = .38, 1-β = .58). Für Lebenszufriedenheit war die Normalverteilungs-Voraussetzung verletzt (K-S-z = 1.94, p < .01), der t-Test ist dennoch dem
nonparametrischen U-Test vorzuziehen (Bühner & Ziegler, 2009).
Tabelle 8. t-Tests zum Einfluss von Geschlecht
Lebenszufriedenheit
Angstskala
ISR-Globalwert
Positive Gefühle gegenüber Gott
Negative Gefühle gegenüber Gott
Zentralität der Religiosität
df
t
p
108
108
108
108
108
108
-0.79
1.01
1.95
-2.02
0.32
1.41
.43
.32
.05
.05
.75
.16
Signifikante Einflüsse des Alters zeigten sich, wie in Tabelle 9 dargestellt, für Lebenszufriedenheit (r = .24, p = .01, 1-β = .82) positive Gefühle gegenüber Gott (r = .37, p <
.01, 1-β = .99) und Zentralität der Religiosität (r = -.42, p < .01, 1-β = 1.00).
Tabelle 9. Bivariate Korrelationen nach Pearson zum Einfluss von Alter
Alter
Lebenszufriedenheit
Angststärke
ISR-Globalwert
Positive Gefühle gegenüber Gott
Negative Gefühle gegenüber Gott
Zentralität der Religiosität
.24*
-.05
-.15
.37**
.14
-.42**
Anmerkungen: * = Die Korrelation ist auf dem Niveau von.05 signifikant,
** = Die Korrelation ist auf dem Niveau von.01 signifikant
4.6.1.3.Erster Hypothesenblock
Um zu überprüfen, ob Lebenszufriedenheit und Symptombelastung von Patienten zu
Beginn der Therapie mit der Zentralität der Religiosität in der Persönlichkeit (H1) so-
57
Statistische Datenanalyse
wie der Häufigkeit der gegenüber Gott empfundenen positiven und negativen Gefühle
(H2) zusammenhängt, wurden aufgrund des Intervallskalenniveaus der Variablen
bivariate (Produkt-Moment-) Korrelationen nach Pearson gerechnet. Teststärken wurden post-hoc anhand von G*Power berechnet. Aufgrund der in Kapitel 4.6.1.2. dargestellten Zusammenhänge zwischen Alter und Lebenszufriedenheit, positiven Gefühlen
zu Gott und Zentralität der Religiosität, wird Alter in der korrelativen Hypothesentestung anhand einer Partialkorrelation statistisch kontrolliert, indem dessen Einfluss
auspartialisiert wird.
Die Voraussetzungen für die Korrelation des Fehlens von Ausreißerwerten und der Linearität wurden mittels Inspektion der Streudiagramme geprüft. Der KolmogorovSmirnov-Test wurde für Lebenszufriedenheit signifikant (K-S-z = 1.94, p < .01), für alle
anderen Variablen blieb er unbedeutsam (alle Subgruppen können in den Tabellen 25
und 26 des Anhangs H eingesehen werden). Hieraus kann allerdings nicht mit Sicherheit auf bivariate Normalverteilungen geschlossen werden.
Um zu prüfen, ob es bedeutsame Unterschiede zwischen hochreligiösen und mittel- bis
nichtreligiösen Patienten in den Mittelwerten der Variablen Lebenszufriedenheit, Ängstlichkeit und allgemeiner Symptombelastung zu Beginn der Therapie gab (H1.a), wurden t-Tests für unabhängige Stichproben gerechnet. Als Maß der Effektstärke wurde bei
allen t-Tetst jeweils Cohens d berechnet. Mit G*Power wurde anhand dieser post-hoc
die Teststärke berechnet.
Die Voraussetzungen Intervallskalenniveau und Unabhängigkeit der Messwerte lagen
vor. Varianzhomogenität wurde mittels Levene-Tests geprüft, welcher unbedeutsam
blieb. Die Prüfung auf Normalverteilung der abhängigen Variablen in den verschiedenen Gruppen mittels Kolmogorov-Smirnov-Tests blieb unbedeutsam (s. Tab. 25 & 26).
Um die Hypothesen H1.b (Zentralität der Religiosität in der Persönlichkeit vermindern
die Symptombelastung und erhöhen die Lebenszufriedenheit), H2.a (positive Gefühle
gegenüber
Gott
vermindern
die
Symptombelastung
und
erhöhen
die
Le-
benszufriedenheit) und H2.b (negative Gefühle gegenüber Gott erhöhen die
Symptombelastung und vermindern die Lebenszufriedenheit) zu überprüfen, wurden
univariate, dreifaktorielle Varianzanalysen gerechnet.
58
Statistische Datenanalyse
Die dichotomen Variablen des Gottesbildes und die Gruppen der Zentralität wurden als
unabhängige Variablen (UV) auf die jeweilige abhängige Variable (AV) Lebenszufriedenheit, Angststärke und allgemeine Symptombelastung untersucht. Die Voraussetzung
intervallskalierter abhängiger Variablen und Homogenität der Gruppenvarianzen waren
gegeben (nicht signifikante Leven-Tests). Die Normalverteilungshypothese musste einzig für Lebenszufriedenheit in den Gruppen
der Personen ohne positives (K-S-z = 1.94,
p < .01) und ohne negatives (K-S-z = 1.70, p
< .01) Gottesbild verworfen werden. Die
visuelle Inspektion des Graphen (s. Abb. 5)
zeigte, dass ein großer Teil der Personen im
niedrigen Wertebereich antwortete. Aufgrund der Robustheit des Verfahrens kann
die Varianzanalyse dennoch durchgeführt
Abb. 5. Verteilung der Lebenszufriedenheit
werden.
Zur Überprüfung der Effektstärke wurde jeweils ƞ² berechnet, welches erklärt, wie viel
von einer Gesamtvariation durch einen Effekt erklärt wird. Das später im Rahmen der
Varianzanalysen mit Messwiederholung angegebene partielle ƞ² (ƞ²p) zeigt im Gegensatz dazu die Größe des Anteils der Effektvariation an der Summe aus dieser und der
Fehlervariation an. Bei mehr als einer UV fällt ƞ²p folglich größer aus als ƞ².
Zur Überprüfung der Art der Unterschiede der Zentralitätsgruppen wurden BonferroniPost-Hoc-Tests herangezogen.
Die H3 (stärkere Manifestation der in H2 vermuteten Einflüsse in der Gruppe der hochreligiösen) wurde überprüft, indem die zu H2 durchgeführten Rechnungen an der Gruppe der hochreligiösen erneut durchgeführt und die Effektstärkemaße (r bzw. ƞ²) verglichen wurden. Die Prüfung der Voraussetzungen für Korrelationen und Varianzanalysen
in der Gruppe der hochreligiösen erfolgte analog zur oben beschriebenen. Diese können
bis auf die Varianzhomogenität der Angststärke als gegeben erachtet werden. Für Angst
wurde der Levene-Test signifikant (F(2, 34) = 4.60, p = .02). Aufgrund der Robustheit
des Verfahrens kann die Varianzanalyse dennoch durchgeführt werden.
59
Statistische Datenanalyse
4.6.1.4.Zweiter Hypothesen- und Fragestellungsblock
Die H4 (Verbesserung der psychischen Gesundheit im Laufe der Therapie und Einflüsse von Religiosität und Gottesbild auf den Therapieerfolg), wurde anhand von drei
vierfaktoriellen Varianzanalysen mit Messwiederholung (zwischen betweeen- und
within-subject gemischtes Design) untersucht. Hiermit kann eine Veränderung der AV
über die Zeit und ein Einfluss der Gruppenvariablen auf diese Variation abgebildet werden. Die drei AV waren hierbei Lebenszufriedenheit, Angststärke und allgemeine
Symptombelastung. Als UV wurden die kategorialen Variablen zu Gottesbildern und
Zentralitätsstufen sowie der Zeitfaktor einbezogen. Zur Überprüfung der Unterhypothesen und -Fragestellungen wurden für Zentralität Bonferroni-Post-Hoc Tests gerechnet.
Bei der Überprüfung der Voraussetzungen zeigte sich zum ersten Messzeitpunkt, wie
oben beschrieben, eine Verletzung der Normalverteilung für Lebenszufriedenheit in
zwei Gruppen. Die weiteren Voraussetzungen (Intervallskalenniveau der AV, Homogenität der Gruppenvarianzen) können als erfüllt erachtet werden. Personen mit fehlenden
Werten wurden nicht berücksichtig, um für die Balanciertheit des Designs zu sorgen.
Wie in Kapitel 4.6.1.3 beschrieben, wurde zur Interpretation der Effektstärke das ƞ²p
herangezogen, da hier nur die Unterschiede innerhalb von Personen interessieren. Es
muss allerdings beachtet werden, dass hierfür keine Richtlinien vorliegen.
Um die Fragestellungen F1 (Einfluss der Zentralität auf den Therapieerfolg) und F2
(Einfluss des Gottesbildes auf den Therapieerfolg) zu untersuchen, wurden die Interaktionen zwischen negativen und positiven Gottesbild sowie der Zentralitätsstufen mit
dem Zeitfaktor in den beschriebenen Varianzanalysen mit Messwiederholung untersucht.
60
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
5. Ergebnisse
Die aus den Berechnungen zur Überprüfung der Hypothesen und Fragestellungen resultierenden Ergebnisse sollen im Folgenden, aufgeteilt nach deskriptiven und hypothesenrelevanten Ergebnissen, dargestellt werden.
5.1. Deskriptive Statistiken
Die Kennwerte der als UV untersuchten Religiositätsmaße sowie der als AV untersuchten Maße psychischer Gesundheit sind in Tabelle 10 dargestellt. Werte für die einzelnen
untersuchten Gruppen sind den Tabellen 21 und 22 in Anhang F zu entnehmen.
Tabelle 10. Deskriptive Statistiken
MZP
Variablenart
Variable
N
M
SD
1
UV
Positive Gefühle gegenüber Gott
Negative Gefühle gegenüber Gott
Zentralität
110
110
110
2.79
1.97
3.22
0.86
0.79
0.82
AV
Lebenszufriedenheit
Angststärke
ISR-Globalwert
110
110
110
2.75
2.49
1.45
2.27
1.00
0.55
AV
Lebenszufriedenheit
Angststärke
ISR-Globalwert
106
107
107
4.47
1.40
0.76
3.06
0.91
0.53
2
Anmerkung: MZP = Messzeitpunkt
5.2. Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Die Ergebnisse der Berechnungen erscheinen im Folgenden den Hypothesenblocks zugeordnet, innerhalb dieser hingegen nach Rechenart sortiert.
5.2.1. Erster Hypothesenblock
Die Ergebnisse der Prüfung der H1 und H2 lassen sich Tabelle 11 entnehmen. Negative
Gefühle Gott gegenüber hingen hochsignifikant positiv mit Maßen der Belastung zusammen (Angstskala: r = .30, p = .002, 1-β = .949; ISR-Globalwert: r = .39, p < .001, 1β = .997). Mit Lebenszufriedenheit zeigte sich ein hochsignifikanter inverser Zusammenhang von r = -.30 (p = .002, 1-β = .949). Weder mit positiven Gefühlen Gott gegenüber noch mit Zentralität der Religiosität zeigten sich bedeutsame Korrelationen.
61
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Tabelle 11. Partialkorrelationen der Religiositätsmaße mit Maßen psychischer Gesundheit, kontrolliert für Alter
Lebenszufriedenheit
Angstskala
ISR-Globalwert
Theistische
Zentralität
Negative Gefühle
Gott gegenüber
Positive Gefühle
Gott gegenüber
.13
-.16
-.13
-.30**
.30**
.39**
.04
.01
-.01
Anmerkung: ** = p <.01
Die t-Tests zur Überprüfung der H1.a zeigten keine bedeutsamen Unterschiede zwischen der Gruppe der hochreligiösen und der der mittel- / nichtreligiösen (zusammengefasst) bezüglich Lebenszufriedenheit, Angststärke und Symptombelastung (s. Tab. 12).
Tabelle 12. t-Tests zur Überprüfung von Gruppenunterschieden in Bezug auf Zentralität der
Religiosität und Gottesbild
Lebenszufriedenheit
Angstskala
ISR-Globalwert
df
t
p
108
108
108
.05
-.31
-.02
.96
.76
.96
Die zur weiteren Untersuchung der H1.b und H2.a-b pro AV berechneten
dreifaktoriellen univariaten Varianzanalysen werden im Folgenden dargestellt.
In der Varianzanalyse, welche die Einflüsse auf Lebenszufriedenheit prüfte (s. Tab. 13),
zeigte sich ein Haupteffekt des negativen Gottesbildes (F(1,93) = 7.06, p = .009, ƞ² =
.03, 1-β = .75). 3% der Messwertunterschiede der Lebenszufriedenheit wurden demnach
durch das negative Gottesbild erklärt. Der Mittelwert der Lebenszufriedenheit lag bei
Personen mit einem negativen Gottesbild höher als bei Personen, bei denen dies nicht
der Fall war.
62
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Tabelle 13. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Lebenszufriedenheit
Quelle der Varianz
df
F
p
Korrigiertes Modell
Konstanter Term
neg. GB
pos. GB
Zentralität
neg. GB * pos. GB
neg. GB * Zentralität
pos. GB * Zentralität
neg. GB * pos. GB * Zentralität
Fehler
8
1
1
1
2
0
2
2
0
93
1.79
54.33
7.06
1.08
1.53
.09
.00
.01
.30
.22
0.65
0.28
.53
.76
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
In der Varianzanalyse, welche die Angststärke als abhängige Variable abbildet, konnten
weder Haupteffekte noch Interaktionen beobachtet werden (s. Tab. 14).
Tabelle 14. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Angststärke
Quelle der Varianz
df
F
p
Korrigiertes Modell
Konstanter Term
neg. GB
pos. GB
Zentralität
neg. GB * pos. GB
neg. GB * Zentralität
pos. GB * Zentralität
neg. GB * pos. GB * Zentralität
Fehler
8
1
1
1
2
0
2
2
0
93
1.47
276.89
1.54
2.01
1.55
.18
.00
.22
.16
.22
0.01
0.16
.99
.85
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
Auf den ISR-Globalwert (s. Tab. 15) zeigten sich Haupteffekte des negativen Gottesbildes (F(1,93) = 12.45, p = .001, ƞ² = .01, 1-β = .94) und der Zentralität der Religiosität
(F(1,93) = 4.83, p = .011, ƞ² = .01, 1-β = .79). Die Messwertunterschiede im ISRGlobalwert wurden demnach jeweils zu 1% durch ein negatives Gottesbild und die
Zentralität der Religiosität erklärt.
In den nach Bonferroni adjustierten Post-Hoc-Tests wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Zentralitätsstufen sichtbar. Die Gruppe der Personen mit einem
negativen Gottesbild wies eine bedeutsam höhere allgemeine Symptombelastung auf als
die ohne. Für die Zentralitätsstufen ergab sich ein höherer Mittelwert des ISR-Global-
63
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
werts bei niedrigreligiösen Personen (M = 1.55, SD = .44, N = 28), als bei hochreligiösen (M = 1.41, SD = .46, N = 35) und mittelreligiösen (M = 1.33, SD = .56, N = 36).
Tabelle 15. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV ISR-Globalwert
Quelle der Varianz
df
F
p
Korrigiertes Modell
Konstanter Term
neg. GB
pos. GB
Zentralität
neg. GB * pos. GB
neg. GB * Zentralität
pos. GB * Zentralität
neg. GB * pos. GB * Zentralität
Fehler
8
1
1
1
2
0
2
2
0
93
2.77
387.32
12.45
.94
4.83
.01
.00
.00
.33
.01
2.37
0.11
.09
.89
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
Die zur Überprüfung der H3 in der Gruppe der hochreligiösen Personen durchgeführten
Berechnungen können Tabelle 27 bis 31 des Anhangs I entnommen werden. Die für den
Vergleich relevanten Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt.
Zuerst soll angemerkt werden, dass Zentralität der Religiosität negativ mit positiven
Gefühlen gegenüber Gott zusammenhing (r = -.75, p < .001, 1-β = 1.00), die Korrelation zwischen Zentralität und negativen Gefühlen gegenüber Gott war hingegen nicht
bedeutsam (r = -.17, ns).
In der Gruppe der hochreligiösen Personen hingen negative Gefühle Gott gegenüber
bedeutsam positiv mit Maßen der Belastung zusammen (Angstskala: r = .33, p = .042,
1-β = .69; ISR-Globalwert: r = .47, p = .003, 1-β = .95). Mit Lebenszufriedenheit zeigte
sich ein signifikanter inverser Zusammenhang von r = -.33 (p = .046, 1-β = .69). Die
Korrelationen waren etwas höher als in den Berechnungen für alle Religiositätsgruppen
(Lebenszufriedenheit: r = -.33 im Ggs. zu .30; Angststärke: r = .33 im Ggs. zu .30; allgemeine Symptombelastung: r = .47 im Ggs. zu .39). Die Ergebnisse waren im Vergleich zu den Berechnungen an allen Personen nicht alle hochsignifikant.
Weder in Bezug auf Lebenszufriedenheit noch auf Angststärke zeigte sich in der Gruppe der hochreligiösen ein varianzanalytischer Haupteffekt der Gottesbilder. Auf die allgemeine Symptombelastung hatte hingegen das negative Gottesbild einen Effekt
64
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
(F(2,34) = 4.65, p = .016, ƞ² = .017, 1-β = .75). Dieser war im Vergleich zu dem Effekt
in der gesamten Stichprobe der Panikpatienten größer (ƞ² = .017 im Ggs. zu ƞ² = .014).
5.2.2. Zweiter Hypothesen- und Fragestellungsblock
In den zur Untersuchung der H4 sowie F1 und F2 durchgeführten vierfaktoriellen Varianzanalysen mit Messwiederholung (gemischtes Design), zeigte sich bei der Untersuchung von Lebenszufriedenheit (s. Tab. 16) als Ausgangsvariable auf Ebene der Innersubjektfaktoren die Zeit als ein signifikanter Einflussfaktor auf die Lebenszufriedenheit
(F(1,90) = 18.79, p < .001, ƞ²p = .17, 1-β = .99). Die Messwiederholung erklärte demnach 17% der Unterschiede in der Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit. Auf
Ebene der Zwischensubjekteffekte trug das negative Gottesbild (F(1,90) = 8.76, p =
.004, ƞ²p = .09, 1-β = .83) als Haupteffekt bedeutsam zur Varianzaufklärung (9%) der
Lebenszufriedenheit über die zwei Messzeitpunkte hinweg bei (s. Abb. 6).
Abb. 7. Angststärke in Abhängigkeit des Gottesbildes
Abb. 6. Lebenszufriedenheit in Abhängigkeit
des Gottesbildes
65
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Tabelle 16. Vierfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung zur AV Lebenszufriedenheit
Quelle der Varianz
df
F
p
Zwischensubjektfaktoren
neg. GB
pos. GB
Zentralität
neg. GB * pos. GB
neg. GB * Zentralität
pos. GB * Zentralität
neg. GB * pos. GB * Zentralität
Fehler
1
1
2
0
2
2
0
90
8.76
0.27
1.35
.00
.61
.27
0.08
0.13
.93
.88
Innersubjektfaktoren
Zeit
Zeit * neg. GB
Zeit * pos. GB
Zeit * Zentralität
Zeit * neg. GB * pos. GB
Zeit * neg. GB * Zentralität
Zeit * pos. GB * Zentralität
Zeit * neg. GB * pos. GB* Zentralität
Fehler
1
1
1
2
0
2
2
0
90
18.79
0.56
0.99
0.03
.00
.46
.32
.97
1.13
0.87
.33
.42
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
Bei der Untersuchung von Einflüssen auf die Werte der Angstskala (s. Tab 18). zeigte
sich auf Ebene der Innersubjektfaktoren die Zeit als signifikanter Einflussfaktor auf die
Angststärke (F(1,90) = 42.03, p < .001, ƞ²p = .32, 1-β = 1.00). Unterschiede in der
Selbsteinschätzung der Angststärke wurden insofern zu 32% durch die Messwiederholung erklärt. Auf Ebene der Zwischensubjekteffekte trug das negative Gottesbild
(F(1,90) = 5.04, p = .027, ƞ²p = .05, 1-β = .60) über die zwei Messzeitpunkte hinweg
bedeutsam zu 5% zur Varianzaufklärung der Angststärke bei (s. Abb. 7).
Wie Tabelle 17 entnommen werden kann, verringerte sich die Angststärke der Untersuchten Personen durch die Therapie von einer mittleren auf eine geringe Belastung.
Tabelle 17. Cut-off-Werte nach K Tritt et al. (2010) in Bezug auf die Symptombelastung
Skala
Verdacht auf
Gering
Mittel
Schwer
Angststäke
Gesamtskala
0.75
0.5
1.0
0.6
2.0
0.9
3.0
1.7
66
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Tabelle 18. Vierfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung zur AV Angststärke
Quelle der Varianz
df
F
p
Zwischensubjektfaktoren
neg. GB
pos. GB
Zentralität
neg. GB * pos. GB
neg. GB * Zentralität
pos. GB * Zentralität
neg. GB * pos. GB * Zentralität
Fehler
1
1
2
0
2
2
0
90
5.04
0.67
2.68
.03
.42
.07
0.35
0.92
.70
.40
Innersubjektfaktoren
Zeit
Zeit * neg. GB
Zeit * pos. GB
Zeit * Zentralität
Zeit * neg. GB * pos. GB
Zeit * neg. GB * Zentralität
Zeit * pos. GB * Zentralität
Zeit * neg. GB * pos. GB* Zentralität
Fehler
1
1
1
2
0
2
2
0
90
42.04
1.09
2.14
0.11
.00
.30
.15
.89
1.26
0.58
.29
.56
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
Als der ISR-Globalwert als abhängige Variable eingefügt wurde (s. Tab. 19), zeigte sich
auf Ebene der Innersubjektfaktoren die Zeit als signifikanter Einflussfaktor auf die allgemeine Symptomstärke (F(1,90) = 58.62, p <.001, ƞ²p = .39, 1-β = 1.00). Die Messwiederholung erklärte 39% der Unterschiede in der Selbsteinschätzung der allgemeinen
Symptombelastung. Auf Ebene der Zwischensubjekteffekte waren das negative Gottesbild (F(1,90) = 26.87, p <.001, ƞ²p = .23, 1-β = .99) und die Zentralität (F(2,90) = 10.68,
p < .001, ƞ²p = .19, 1-β = .99) bedeutsame Einflussfaktoren (23% bzw. 19% Aufklärung
der Varianz der allgemeinen Symptombelastung über die zwei Messzeitpunkte hinweg,
s. Abb.8 und 10).
67
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Abb. 10. ISR-Globalwert in Abhängigkeit
der Zentralität der Religiosität
Abb. 8. ISR-Globalwert in Abhängigkeit des
Gottesbildes
Eine Interaktion wurde sichtbar (s. Abb.
9) zwischen Zentralität und negativem
Gottesbild (F(2,90) = 6.33, p = .003, ƞ²p =
.12, 1-β = .89). In den nach Bonferroni
adjustierten Post-Hoc Tests wurden die
Unterschiede zwischen den Zentralitätsstufen nicht signifikant. Niedrigreligiöse
Personen wiesen eine gegenüber religiösen um .24 marginal signifikant (p =
Abb. 9. Interaktion zwischen Gottesbild und
Religiosität in Bezug auf den ISR-Globalwert
über die zwei Messzeitpunkte hinweg
.077) erhöhte allgemeine Symptombelastung auf.
Bei dieser Interaktion handelte es sich zwischen niedrig- und mittelreligiösen Personen
um eine ordinale Interaktion, indem die höhere Symptombelastung niedrigreligiöser
Personen mit einem negativen Gottesbild gegenüber niedrigreligiösen Personen ohne
negatives Gottesbild zu den mittelreligiösen Personen hin stärker abnahm. Zwischen
mittel- und hochreligiösen Personen wurde die Interaktion hybrid. Während der Belastungswert hochreligiöser Personen mit einem negativen Gottesbild gegenüber mittelreligiösen Personen anstieg, sank dieser bei Personen ohne negatives Gottesbild gegenüber mittelreligiösen Personen weiter ab.
Während sich die Symptomreduktion bei Personen ohne negatives Gottesbild kaum
zwischen den Zentralitätsgruppen unterschieden (.56 hochreligiöse bzw. .68 niedrig- /
mittelreligiöse), fiel diese bei Personen mit einem negativen Gottesbild bei niedrigreli68
Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
giösen deutlich geringer (.15) aus als bei hoch- und mittelreligiösen Personen (.75 bzw.
.73). Bei Betrachtung der in Tabelle 17 dargestellten Cut-off-Werte, deuten die Werte
vor der Therapie in allen Gruppen, bis auf niedrigreligiöse Personen mit einem negativen Gottesbild (schwer belastet) eine mittlere Symptombelastung an, welche nach der
Therapie in allen Gruppen bis auf die besagte (weiterhin schwer belastet) auf eine geringe Symptombelastung sank.
Tabelle 19. Vierfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung zur AV ISR-Globalwert
Quelle der Varianz
df
F
p
Zwischensubjektfaktoren
neg. GB
pos. GB
Zentralität
neg. GB * pos. GB
neg. GB * Zentralität
pos. GB * Zentralität
neg. GB * pos. GB * Zentralität
neg. GB
1
1
2
0
2
2
0
1
26.78
0.08
10.68
.00
.78
.00
6.33
0.33
.003
.72
26.78
.00
Innersubjektfaktoren
Zeit
Zeit * neg. GB
Zeit * pos. GB
Zeit * Zentralität
Zeit * neg. GB * pos. GB
Zeit * neg. GB * Zentralität
Zeit * pos. GB * Zentralität
Zeit * neg. GB * pos. GB * Zentralität
Fehler innerhalb der Gruppen
1
1
1
2
0
2
2
0
90
58.62
1.81
2.38
0.81
.00
.18
.13
.45
1.05
0.03
.36
.97
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
69
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
6. Diskussion
Die Einflüsse von Religiosität und Gefühlen gegenüber Gott auf Symptombelastung
und Lebenszufriedenheit wurden an einer Stichprobe von Patienten mit Panikstörung,
welche stationär in einer psychosomatischen Klinik mit spirituellem Therapieangebot
behandelt wurden, anhand eines Langzeit-Designs untersucht.
6.1. Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und
Fragestellungen
Wie im Folgenden beschrieben werden soll, erhielten die aufgestellten Hypothesen nur
bedingt Unterstützung. Es zeigten sich jedoch über die Beantwortung der Hypothesen
und Fragestellungen hinaus interessante Ergebnisse.
6.1.1. Erster Hypothesenblock
Der erste Hypothesenblock bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen Religiosität
bzw. Gefühlen Gott gegenüber und psychischer Gesundheit bei Patienten mit Panikstörung zu Beginn der Therapie.
6.1.1.1.Zentralität der Religiosität
Der vermutete Zusammenhang zwischen Zentralität der Religiosität und psychischer
Gesundheit von Patienten mit einer Panikstörung zu Beginn der Therapie konnte in der
hier durchgeführten Studie nicht gefunden werden. Ebenso wenig gab es Unterschiede
der hochreligiösen und mittel- bis nichtreligiösen Gruppe. Ein Effekt von Zentralität der
Religiosität auf die allgemeine Symptombelastung zeigte sich in schwachem Ausmaß
(1% Varianzaufklärung). Hierbei fällt auf, dass mittelreligiöse Personen die niedrigste
Symptombelastung aufwiesen. Die Teststärke reichte aber nicht aus, um den Effekt statistisch abzusichern. Die H1 erfährt lediglich in Punkt b) geringe Unterstützung.
Wie in Kapitel 2.1.1. beschrieben, sind die Forschungsergebnisse zu Religiosität und
psychischer Gesundheit sehr widersprüchlich. Beispielhaft sollen Studien beschrieben
werden, in deren Kontext die fehlenden Zusammenhänge der vorliegenden Arbeit eingeordnet werden können. In 23 von 30 durch Bergin (1983) metaanalytisch untersuchten Studien zeigte sich kein Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Religiosität. Nuval (2010) konnte keinen Einfluss der Religiosität auf das Auftreten von
Panikattacken finden. In einem Review von Payne, Bergin, Bielema, und Jenkins (1991)
70
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
wurden kaum Belege für einen präventiven Einfluss der Religiosität auf klinische Diagnosen psychischer Störungen wie der Panikstörung gefunden.
Möglich wäre, dass ein salutogener Einfluss von Religiosität auf eine Reduktion von
Angstsymptomen schwierig nachweisbar ist, da religiöse Personen, wie später erläutert
wird, weniger positive Gefühle Gott gegenüber (wie Geborgenheit, Vertrauen) berichten. Diese wären besonders zur Angstreduktion hilfreich (s. z.B. Rosmarin et al., 2009).
Auch die in der Forschung zu Religiosität und Wohlbefinden beschriebenen stärkeren
Zusammenhänge zwischen Religiosität und positiven im Vergleich zu negativen Maßen
psychischer Gesundheit (z.B. Tix & Frazier, 1998) konnten durch die vorliegende Arbeit nicht bestätigt werden.
Entsprechend den in Kapitel 2.1.1.1. dargestellten Studien zur Verbesserung der psychischen Gesundheit durch Religiosität (z.B. George et al., 2000), zeigte sich in der vorliegenden Arbeit eine geringere allgemeine Symptomstärke mittel- und hochreligiöser im
Vergleich zu nichtreligiösen Personen. Dies kann als Hinweis gesehen werden, dass die
Abwesenheit von Religiosität psychopathologische Symptome begünstigt. Als Ursache
könnte das Fehlen der in Kapitel 2.1.1.3. beschriebenen Gründe für salutogene Effekte
von Religiosität, wie die soziale Unterstützung durch eine religiöse Gemeinde oder die
kognitive Orientierung an einem Sinn der Welt, genannt werden.
Operationalisierung von Religiosität
In der Metaanalyse von Hackney und Sanders (2003) zeigte sich über 34 Studien hinweg eine schwach positive Korrelation zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit, unabhängig von den verwendeten Maßen. Ob ein positiver, ein negativer oder kein
Zusammenhang zwischen Religiostät und psychischer Gesundheit gefunden werden
kann, hängt laut den Autoren von der Definition dieser ab. Murken (1998) beschrieb,
dass sich die Operationalisierungen von Religiosität so stark unterscheiden, dass die
Ergebnisse oft nicht vergleichbar sind. Eine Vereinheitlichung der Konzeptualisierung
des Konstruktes und der Operationalisierung von Religiosität wären wünschenswert.
Studien mit ähnlichen Operationalisierungen von Religiosität wie in der vorliegenden
Arbeit fanden ebenfalls höchstens schwache Zusammenhänge zu Maßen psychischer
Gesundheit (s. Unterrainer, 2010; Leondari & Gialamas, 2009).
71
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
Die fehlenden Zusammenhänge der vorliegenden Arbeit könnten u.a. durch die Messung von Religiosität anhand des Religiositäts-Struktur-Tests (R-S-T) bedingt sein. Dieser erfasst Aspekte von Religiosität, welche bei hoher Ausprägung positive, in bestimmten Fällen hingegen auch negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben
können, wenn sie religiöses Ringen und eine verstrickte Beziehung zu Gott anzeigen.
Aus diesem Blickwinkel könnte es vorteilhafter sein, eine mäßige Religiosität aufzuweisen.
Besonders hervorzuheben ist aus diesem so gesehen die Frage des R-S-T „Wie häufig
denken Sie über religiöse Themen nach?“. Wie in Kapitel 2.1.2.1. beschrieben, schlugen
Batson und Ventis (1982) religiöses Ringen als eine Dimension der Religiosität vor,
welche mit einer hohen Komplexität des Denkens zusammenhänge. Krause, IngersollDayton, Ellison, und Wulff (1999) beschrieben Zweifeln als Ursache für negative Konsequenzen religiöser Einbindung. Personen, die auf die oben genannte Frage hoch geantwortet haben, könnten sich folglich in einer positiven, aber auch in einer verstrickten
Art mit Gott auseinandersetzen.
Auch wird im R-S-T nach der Häufigkeit des Betens und des Gottesdienstbesuches gefragt, nicht jedoch nach der wahrgenommenen sozialen Unterstützung durch die Kirchengemeinde oder den Inhalten des Gebetes. Ellison und Lee (2010) zeigten negative
soziale Erfahrungen in religiösen Settings und chronisches religiöses Zweifeln als Formen religiösen Ringens in starkem und robustem Zusammenhang mit psychischer Belastung. Pargament et al. (2003) beschrieben die maladaptive religiöse Copingstrategie
against the wind, welche sich durch interpersonellen religiösen Konflikt, Konflikt mit
Kirchendogmen, Wut auf Gott und religiöse Zweifel auszeichnet. Diese Copingstrategie
stand in besonders deutlichem Zusammenhang zu schlechterer psychischer Gesundheit
(ebd.). Im Umgang mit Krisen ist religiöses Coping und deren Form laut Kaiser (2007)
aussagekräftiger für deren Ausgang als die religiöse Orientierung. Bei Personen, die
Gott als fern und nicht liebevoll sehen, hängt die Häufigkeit des Gebetes mit deren
Psychopathologie zusammen (Bradshaw et al., 2008). Auch in Bezug auf Lebenszufriedenheit wurden inverse Zusammenhänge mit der Häufigkeit des Gebets gefunden
(Ellison et al., 2001). Leondari und Gialamas (2009) vermuteten in Bezug auf den von
ihnen gefundenen Zusammenhang zwischen Angst und der Häufigkeit des Gebets
entsprechend des stressor response Modells von Ellison und Levin (1998), dass Perso-
72
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
nen, die Belastungen ausgesetzt sind, ihre religiöse Aktivität im Sinne eines positiven
Umgangs erhöhen. Auch die religiöse Aktivität kann folglich positive oder negative
Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben.
Die R-S-T-Frage „Wie oft erlebst Du Situationen, in denen Du das Gefühl hast, dass
´Gott´ oder etwas ´Göttliches´ in Dein Leben eingreift?“ kann im positiven Sinn als
Hinweis auf ein haltgebendes Gottesbild gedeutet werden. Ritter und Wolf (2005) bezeichneten Glaube als Anteilnahme an der Stabilität Gottes, der bei der Wiedererlangung von Kontrolle und Selbstbestimmung hilft. Andererseits könnten hier auch Personen, die ein kontrollierendes Gottesbild haben, hoch Antworten. Dies könnte in Zusammenhang mit dem negativen und passiven religiösen Copingstil deferring Coping
gesehen werden, im Rahmen dessen Gottes Allmacht Eigeninitiative überflüssig macht.
(Pargament et al., 1988). Negative Einflüsse von Religion auf die psychische Gesundheit entstehen laut Kaiser (2007) bei einem Ohnmachts- oder Fremdbestimmungsgefühle schaffenden Glauben an die Allmacht Gottes. Auch Pargament et al. (2000) fanden,
dass eine Umbewertung der Macht und Strafe Gottes negative Anpassung vorhersagt.
Kulturelle Unterschiede
Ein Großteil der in Kapitel 2.1.1.1. dargestellten Studien, welche Religiosität als Ressource für die psychische Gesundheit beschrieben, stammt aus den USA. Forschungsarbeiten aus Deutschland (z.B. Murken, 1998) zeigen oft keine Zusammenhänge zwischen
Religiosität und psychischer Gesundheit.
Auch in Bezug auf das dieser Arbeit zu Grunde liegende Maß der Zentralität der Religiosität zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen den USA und Deutschland (s.
Unterrainer, 2010). Hauf (2009) beschrieb, dass in den USA Wechsel zwischen kleineren und unterschiedlich ausgerichteten Gemeinden üblich seien, so dass ein individuell
passendes und unterstützendes religiöses Umfeld gefunden werden könne. In Deutschland fühlten sich hingegen 90% der religiösen Personen den zwei großen Volkskirchen
zugehörig. Ein Konfessionswechsel sei unüblich und die zuständige Gemeinde werde
durch den Wohnort bestimmt. Aus diesem Grund vermutet der Autor in Deutschland
geringere Einflüsse der Religiosität auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität als in
den USA. Die Forschungslage erlaube jedoch noch keine fundierten Aussagen hierzu
(ebd.). Auch Utsch (2008) beschrieb, dass Religion in Europa, ganz im Gegensatz zu
73
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
den USA, als Privatsache deklariert werde und im öffentlichen Leben nur noch eine
marginale Rolle spiele.
Charakteristika der Panikstörung
Die durch Trenholm et al., (1998) und Higgins et al. (1992) beschriebenen stärkeren
negativen religiösen Konflikte von Personen mit Panikstörungen im Vergleich zu Personen mit anderen psychischen Störungen oder keinen Symptomen, könnten den Nachweis positiver religiöser Einflüsse an der hier untersuchten Stichprobe erschweren.
Baetz et al. (2006) erklärten die fehlenden Zusammenhänge zwischen Religiosität und
dem Auftreten von Panikstörungen mit dem frühen Alter des Erstauftretens der Panikstörung im Vergleich zur Depression. Im Kindes- oder Jugendalter seien Gewohnheiten
des Gottesdienstbesuches noch nicht individuell etabliert.
6.1.1.2.Positive Gefühle gegenüber Gott
In der durchgeführten Studie konnte kein Zusammenhang zwischen positiven Gefühlen
Gott gegenüber und den untersuchten Maßen psychischer Gesundheit gefunden werden.
Auch macht es keinen Unterschied in Bezug auf die psychische Gesundheit, ob eine
Person der Gruppe mit oder der ohne ein positives Gottesbild zugeordnet werden kann.
Demzufolge kann die H2.a) verworfen werden.
Dies steht im Gegensatz zu den von Schreiber (2011) gefundenen Zusammenhängen
zwischen einem als engagiert wahrgenommenem Gott und Wohlbefinden sowie einer
verminderten psychischen Belastung. Ebenso widerspricht dieses Ergebnis der von
Bradshaw und Kollegen (2008) gefundenen Vorhersage geringerer Angst durch ein liebevolles Gottesbild. Auch Unterrainer (2010) fand bei hochreligiösen Personen mit
Angsterkrankungen einen inversen Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit
und einem positiven Gottesbild. Murken (1998) fand dagegen in Bezug auf Angst und
das Selbstwertgefühl nur Auswirkungen eines negativen Gottesbildes, während sich
eine positive Gottesbeziehung nicht merklich hierauf auswirkte.
Als positive Gefühle Gott gegenüber wurden in dieser Arbeit auch Ehrfurcht, Verehrung
und Befreiung von Schuld erfasst, welche für ein belastetes Gottesbild sprechen könnten. Das Bild eines übermächtigen Gottes, dem der Mensch hilflos ausgeliefert ist und
auf dessen Gnade er im Angesicht seiner eigenen Unzulänglichkeit hoffen muss, könnte
74
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
hier folglich konfundierend wirken. Murken (1998) beschrieb eine Wahrnehmung eines
herrschenden Gottes als schädigend für die psychische Gesundheit.
Einflüsse eines positiven Gottesbildes könnten außerdem aufgrund der in Kapitel
6.1.1.1. beschriebenen starken negativen religiösen Konflikte von Personen mit Panikstörungen an der untersuchten Stichprobe in geringerem Maße vorhanden sein.
6.1.1.3.Negative Gefühle gegenüber Gott
Negative Gefühle gegenüber Gott hingen stark bedeutsam positiv mit der Angststärke
(kleiner Effekt) und der allgemeinen Symptombelastung (mittlerer Effekt) sowie invers
mit der Lebenszufriedenheit (mittlerer Effekt) zusammen. Die Effekte konnten anhand
der Stichprobe ausreichend statistisch abgesichert werden. Dies kann als Bestätigung
der H2 und der eben erwähnten Studie von Murken (1998) gesehen werden, welcher
diese als Vulnerabilitätsfaktor für die psychische Gesundheit beschrieb.
Es zeigte sich ein kleiner Effekt des negativen Gottesbildes auf die Lebenszufriedenheit
und die allgemeine Symptombelastung. Personen mit einem negativen Gottesbild, also
Personen, die häufig negative und selten positive Gefühle gegenüber Gott empfinden,
weisen eine geringere Lebenszufriedenheit und eine höhere allgemeine Symptombelastung auf als Personen, bei denen dies nicht der Fall ist. Die H2.b) kann also in zwei von
drei Maßen gestützt werden. Dies kann in Zusammenhang mit der oben beschriebenen
Studie von Ellison und Lee (2010) gesehen werden, welche einen starken Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und einer belasteten Beziehung zu Gott zeigte.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass der Effekte auf Lebenszufriedenheit (3% Varianzaufklärung) anhand der Stichprobe nicht statistisch abgesichert
werden konnte. Außerdem die war Verteilung der Lebenszufriedenheit zu Beginn der
Therapie rechtsschief. Das Antworten eines Großteils der Personen im niedrigen Wertebereich kann mit der Situation der hohen Symptombelastung und dem Antritt eines stationären Klinikaufenthaltes aus Mangel an anderen Lösungen liegen.
Ob Gott als liebevoll und fürsorglich oder verurteilend und mächtig gesehen wird, hängt
von der Wahrnehmung der eigenen Eltern und, in Bezug auf positive Eigenschaften,
auch von der Selbstwahrnehmung ab (Dickie, Ajega, Kobylak, & Nixon, 2006). Personen mit einer Panikstörung könnten aufgrund eines negativen Selbstbildes weniger posi-
75
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
tive Eigenschaften mit Gott verbinden, was die Häufigkeit negativer Gefühle gegenüber
Gott erhöhen könnte.
6.1.1.4.Stärkere Auswirkungen der Gefühle gegenüber Gott auf die psychische Gesundheit bei stärkerer Religiosität
In H3 war aufgrund der von Unterrainer (2010) beschriebenen Ergebnisse vermutetet
worden, dass sich Einflüsse der Gottesbilder auf die psychische Gesundheit bei hochreligiösen Personen verstärkt manifestieren müssten. Dies konnte lediglich in Bezug auf
die allgemeine Symotombelastung und in geringem Ausmaß festgestellt werden.
Der Effekt des Zusammenhangs zwischen negativen Gefühlen Gott gegenüber und der
allgemeinen Symptombelastung lag bei hochreligiösen Personen knapp an der Grenze,
als stark bezeichnet werden zu können. Alle anderen bedeutsamen Zusammenhänge in
beiden Stichproben lagen im mittleren Bereich. Aufgrund der kleinen Stichprobe der
hochreligiösen Patienten mit einer Panikstörung konnten die Effekte hier statistisch
nicht ausreichend abgesichert werden.
In Bezug auf Lebenszufriedenheit und Angststärke waren die Einflüsse eines negativen
Gottesbildes bei hochreligiösen Patienten unbedeutsam. Die Effektstärke dieses Einflusses auf die allgemeine Symptombelastung lag knapp über der in der allgemeinen Stichprobe beobachtbaren. Varianzanalytisch zeigten sich keine Interaktionen, welche für
einen Einfluss der Stärke der Religiosität auf die Wirkung negativer Gottesbilder bezüglich der psychischen Gesundheit gesprochen hätten.
Positive Gefühle Gott gegenüber hatten bei hochreligiösen Personen ebenso wenig Einfluss, wie in der Stichprobe aller Panikpatienten. Wie in Kapitel 6.2.2.1 beschrieben,
könnte der stark negative Zusammenhang zwischen positiven Gefühlen gegenüber Gott
mit Zentralität der Religiosität den Nachweis etwaiger salutogener Einflüsse einer positiven Beziehung zu Gott, wie sie z.B. von Kaiser (2007) beschrieben wurden, in der
Gruppe der hochreligiösen Personen erschweren.
Diese Ergebnisse können entgegen der vermuteten Richtung eher in Zusammenhang mit
einer Studie von Kirkpatrick und Shaver (1992) gesehen werden, welche berichtet, dass
die Zusammenhänge zwischen Angst, Depression, somatischen und psychosomatischen
Symptomen oder genereller Lebenszufriedenheit und der Bindung zu Gott konsistent
waren, während sie sich nicht in Bezug auf allgemeine Religiositätsmaße zeigten.
76
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
6.1.2. Zweiter Hypothesen- und Fragestellungsblock
Der zweite Hypothesen- und Fragestellungsblock bezieht sich auf den Therapieerfolg
von Patienten mit einer Panikstörung sowie den Einfluss von Religiosität bzw. Gefühlen
Gott gegenüber auf diesen.
6.1.2.1.Wirksamkeit der Therapie an einer psychosomatischen Klinik
mit religiösem Angebot
Dass Patienten am Ende der Therapie in einer psychosomatischen Klinik, in deren Klinikkonzept ein spirituelles Angebot verankert ist, gegenüber dem Beginn dieser eine
signifikante Verminderung ihrer Angststärke und ihrer allgemeinen Symptombelastung
sowie eine erhöhte Lebenszufriedenheit zeigen, konnte varianzanalytisch bestätigt werden. Der Zeitfaktor erklärte hierbei etwa ein Sechstel der Unterschiede in der Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit und jeweils etwa ein Drittel in Angststärke und allgemeiner Symptombelastung.
Die Zeitspanne, in der Patienten mit einer Panikstörung an Therapien in der psychosomatischen Klinik teilgenommen haben, hat folglich, wie in H4 vermutet, bedeutsam zur
Erhöhung der Lebenszufriedenheit und Symptomreduktion beigetragen. Dies kann in
Zusammenhang zu der Metaanalyse von Worthington et al. (2011) gesehen werden,
welche eine vergleichbare Wirksamkeit religiös orientierter Therapieangebote zu Standardtherapien zeigte.
6.1.2.2.Einflüsse auf den Therapieerfolg
Die fehlenden Interaktionen zwischen Religiosität oder Gottesbildern mit dem Zeitfaktor zeigen an, dass diese keinen Einfluss auf den Therapieerfolg von Patienten mit Panikstörung in haben, womit sich alle Fragestellungen mit nein beantworten lassen. Dies
entspricht den Ergebnissen von 50% der von Koenig und Kollegen (2012) untersuchten
prospektiven Studien (nach 2001 publiziert), welche keinen Effekt der Angstreduktion
durch Religiosität zu Beginn der Studie fanden.
Dem steht gegenüber, dass Therapeuten Spiritualität als einen von vier Wirkfaktoren für
den Therapieerfolg nennen (Bell-Tolliver, 2005). Über die Hälfte der bei Hofmann
(2009) 1700 bundesweit befragten Psychologischen Psychotherapeuten berichteten,
dass sich ihre spirituelle / religiöse Einstellung in mittlerem bis hohem Maße auf ihre
therapeutische Praxis auswirke. Laut Einschätzung der befragten Therapeuten themati-
77
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
sieren 22% ihrer Klienten spirituelle oder religiöse Themen oder Probleme im Laufe der
Therapie. In der hier untersuchten Stichprobe wünschten sich sogar 46% der Patienten
von ihrem Therapeuten, religiöse / spirituelle Themen aktiv anzusprechen.
Smith (2001) beschrieb, dass spirituelles Wachstum während der Therapie wichtiger für
den Therapieerfolg ist, als die Religiosität zu Beginn der Therapie. Religiosität wurde
allerdings in der vorliegenden Arbeit nicht zum Ende der Therapie gemessen. Eine Erfassung von Veränderungen der Zentralität der Religiosität sowie der Häufigkeit der
unterschiedlichen Gefühle gegenüber Gott durch das spirituelle Angebot der Adula Klinik wäre sehr aufschlussreich.
Des Weiteren ist kritisch anzumerken, dass nicht erfasst wurde, welche Patienten welche spirituellen Angebote der Adula Klinik wahrgenommen haben. Die Ergebnisse
können nur bedingt im Vergleich zu Studien gesehen werden, welche Einflüsse auf Therapieangebote mit bestimmten religiösen Interventionen im Verhältnis zu einer Kontrollgruppe untersuchen. Koenig et al. (2012) fanden in Bezug auf die Angstreduktion
bei fast 90% der experimentellen Studien signifikante Verbesserungen durch eine religiöse / spirituelle Intervention. Aufschlussreich wäre, welche religiösen Angebote außer
den Selbsthilfegruppen wahrgenommen wurden. Worthington und Kollegen (2011)
schlossen Studien zu dem 12-Schritte-Programm aus ihrer Metaanalyse zu Religiosität
und Spiritualität in der Psychotherapie aus. Wie in Kapitel 4.2.1.4. beschrieben, basiert
dieses Programm auf dem Glauben an eine höhere Macht, sieht die Religiosität des einzelnen allerdings als Privatsache an (Alcoholics Anonymous, 1972) und kann deshalb
an sich nicht als religiöse Intervention klassifiziert werden.
6.1.2.3.Negative Gefühle gegenüber Gott bei niedriger Religiosität
In den Varianzanalysen mit Messwiederholung zeigten sich darüber hinaus für die Beantwortung des ersten Hypothesenblocks interessante Ergebnisse, welche an dieser Stelle beschrieben werden sollen.
Ein negatives Gottesbild hatte über die zwei Messzeitpunkte hinweg betrachtet einen
negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit, und zwar in Bezug auf Lebenszufriedenheit (9% Varianzaufklärung), Angststärke (53% Varianzaufklärung) und allgemeiner
Symptombelastung (23% Varianzaufklärung). Hierbei handelt es sich größtenteils um
starke Effekte (bis auf einen mittleren Effekt bei Lebenszufriedenheit). Der in Bezug
78
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
auf H2.b nicht gefundene Einfluss auf die Angststärke kann über die zwei Messzeitpunkte hinweg letzten Endes beobachtet werden, was in Zusammenhang mit der Forschungsarbeit von Kim (2010) gesehen wird, in der das Gottesbild über den Einfluss
negativer Gefühle Angst erhöhte. Moser (2003) beschreibt aus seiner therapeutischen
Erfahrung heraus das Gottesbild des strafenden Richtergottes als in der angstgetriebenen
Persönlichkeit verwurzelt. Dieser Effekt konnte jedoch anhand der Stichprobe nicht
ausreichend gesichert werden.
Des Weiteren zeigte sich ein Effekt der Zentralität der Religiosität auf die allgemeine
Symptombelastung über den Zeitraum der Therapie hinweg (19% Varianzaufklärung),
welcher dem in der Diskussion zu H1.b) beschriebenen Ergebnis entspricht. Eine Interaktion zwischen diesem Effekt und dem eines negativen Gottesbildes zeigte sich ebenfalls in der Wirkung auf die allgemeine Symptombelastung, welche 12% der Varianz
erklärte. Bei Personen mit einem negativen Gottesbild war die allgemeine Symptombelastung niedrigreligiöser Personen zu beiden Messzeitpunkten höher als die der hochund mittelreligiöser Personen, wobei hochreligiöse gegenüber mittelreligiösen Personen
leicht erhöhte Werte aufwiesen. Bei Personen ohne negatives Gottesbild stiegen die
Symptomstärken zu beiden Messzeitpunkten von hoch- zu niedrigreligiösen Personen
kontinuierlich an. Die Symptomreduktion der niedrigreligiösen Personen mit negativem
Gottesbild fiel deutlich geringer aus als in den anderen Gruppen, hier verminderte sich
nicht, wie bei allen anderen Personen, die Symptomschwere von mittel auf schwach,
diese Personen blieben stark belastet.
Im Gegensatz hierzu fand Unterrainer (2010) heraus, dass bei psychisch kranken Menschen die religiös sind, eine negative Beziehung zu Gott einen Vulnerabilitätsfaktor
darstellt. Dass bei einer hohen Wichtigkeit der Religion negative Gefühle gegenüber
Gott eine stärkere Wirkung entfalten können, scheint intuitiv nachvollziehbar. Ein negatives Gottesbild, welches ohne die positiven Effekte der Religion, wie z.B. Gemeinschaft oder Vertrauen und Trost im Glauben vorherrscht, scheint hingegen verschiedene
psychopathologische Symptome zu begünstigen. Personen, die durch ihre Religiosität
im Sinne einer Entfremdung von Gott, religiöser Angst und Scham, oder dem Glauben,
eine unverzeihliche Sünde begangen zu haben, belastet sind, haben größere Probleme
mit Depression und Suizidalität, unabhängig von der Stärke ihrer Religiosität oder dem
durch diese entstehenden Trost (Exline et al., 2000). Murken (1998) beschrieb, dass
79
Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen und Fragestellungen
eine Gottesvorstellung auch bei nicht Gläubigen vorhanden sei, diese müsste somit auch
bei diesen Personen Gefühle verursachen.
Es stellt sich die Frage, was niedrigreligiöse Personen charakterisiert, die häufig negative Gefühle gegenüber Gott haben. Liegt eine streng religiöse Erzeihung vor, von der
sich eine Person irgendwann frei machen wollte? Gab es Enttäuschungsmomente oder
Vertrauensbrüche mit Gemeindemitgliedern, Klerikern oder Gott selbst? Zinnbauer und
Kollegen (1997) stellten fest, dass Personen, die sich der Spiritualität zuwenden, eher
die Erfahrung von Verletzung durch Geistliche gemacht haben. Diese Personen antworten auf Maße der theistischen Zentralität wahrscheinlich eher niedrig. Um dies abzuklären, sollte zukünftige Forschung nach der Glaubensgeschichte einer Person fragen.
Während hochreligiöse Personen religiöses Coping eher problemorientiert nutzen, wirkt
es bei wenig religiösen vielmehr maladaptiv oder vermeidend (Krägeloh, Chai,
Shepherd, & Billington, 2012). Maladaptives religiöses Coping im Sinne des Ausmaßes, in dem Personen wütend auf Gott sind und sich durch ihn bestraft fühlen, aus Verzweiflung um Gnade bitten oder sich von Gott und Mitgliedern der Gemeinde verlassen
fühlen, fanden auch Pargament, Tarakeshwar, Ellison, und Wulff (2001) bei niedrigreligiösen Personen. Negatives religiöses Coping kann Angst und Sorge erhöhen (Harrison
et al., 2001) und Wohlbefinden vermindern (Winter et al., 2009). Religiöses Coping
könnte folglich ein hinter den gefundenen Zusammenhängen stehender Faktor sein und
sollte bei der Untersuchung von Patienten mit einer Panikstörung mit erfasst werden, da
diese Personen bedeutsam häufiger mit belastenden Lebensereignissen zu kämpfen haben, als gesunde Personen (Batinić, Trajković, Duisin, & Nikolić-Balkoski, 2009).
Freud betonte vehement die neurotischen Aspekte von Religion (s. z.B. Freud, 1927).
Auch taucht in der Literatur zu Religiosität und psychischer Gesundheit häufig der von
Schätzing (1955, zitiert nach Grom, 2004) eingeführte Begriff der ekklesiogenen, durch
ein feindseliges kirchliches Umfeld verursachten, Neurose auf. Dieser widerspricht
multifaktoriellen Entstehungsmodellen psychischer Störungen und fand deshalb nie
Einzug in deren wissenschaftliche Klassifikation (Grom, 2004). Kaiser (2007) postuliert, dass Religion per se nicht neurotisierend sei, krankhaftes Denken und Verhalten
könne jedoch sehr wohl durch eine Wechselwirkung zwischen Religion und bestimmten
Persönlichkeitscharakteristika unter bestimmten Bedingungen entstehen. Eine dieser
Bedingungen scheint das Empfinden negativer Gefühle gegenüber Gott zu sein.
80
Stärken und Limitationen der Studie
Es ist jedoch zu beachten, dass Huber (2008b) die Interpretation von Interkorrelationen
religiöser Gefühle in der Gruppe der nichtreligiösen Personen als schwierig beschrieb,
da es sein könnte, dass diese zufällig antworten, da sie keine Meinung dazu haben.
Unterrainer (2010) fand heraus, dass bei wenig religiösen Personen die Skala zur Erfassung der Qualität der Gottesbeziehung von Huber (2003) schlecht differenziert. Die
Trennschärfe der Skalen nehme mit der Zentralität zu.
6.2. Stärken und Limitationen der Studie
Aufgrund des großen Datensatzes von 1989 Personen war es möglich, eine Personengruppe zu untersuchen, die unter einer spezifischen Störung leidet, was wiederrum die
Vergleichbarkeit der Ergebnisse erhöht. Ellison und Levin (1998) forderten, dass einzelne Störungen in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Religiosität und Belastung
untersucht werden, da sich die Effekte über verschiedene Störungen hinweg deutlich
unterscheiden könnten. Wie in Kapitel 2.2.2.2. ersichtlich wird, ist die Forschungslage
zum Einfluss von Religiosität und Gefühlen zu Gott bei Patienten mit einer Panikstörung bisher sehr lückenhaft.
6.2.1. Operationalisierung der Konstrukte
Die Operationalisierung von Religiosität wird kontrovers diskutiert. Obwohl der relativ
kurze R-S-T gute Kennwerte aufweist (Huber, 2008b), wäre eine ausführlichere Erfassung der Religiosität, welche Aspekte wie religiöses Coping oder Ringen sowie die
Glaubensgeschichte miterfasst, aufschlussreich. Wie in Kapitel 2.1.1.1. beschrieben,
sind die Konzepte Spiritualität und Religiosität schwer voneinander abzugrenzen. Die
vorgenommene Einteilung von theistischen Zentralitätsitems zur Messung von Religiosität und pantheistischen für Spiritualität kann kritisiert werden. Z.B. wird Meditation,
welche hier der Spiritualität zugeordnet wurde, auch von religiösen Personen praktiziert.
Um die Einflüsse auf die Gefühle Gott gegenüber genauer untersuchen zu können, hätte
auch das Gottesbild erfragt werden müssen. Die Beziehung zu Gott hängt neben den
Gefühlen auch von kognitiven Konzepten ab (Schwab & Petersen, 1990). Diese Zusammenhänge wurden aufgrund früherer Forschung (s. Kapitel 2.1.3.) angenommen,
allerdings nicht erneut überprüft. Von einem häufigen Erleben positiver und einem
gleichzeitigen seltenen Erleben negativer Gefühle gegenüber Gott wurde auf ein positi-
81
Stärken und Limitationen der Studie
ves (analog für ein negatives) Gottesbild geschlossen, was vor diesem Hintergrund
durchaus kritisiert werden kann.
Psychische Gesundheit ist, ebenso wie Religiosität, ein komplexer und schwer zu operationalisierender Begriff. Es gibt verschiedenen Meinungen zur Erforschung von Religiosität und Angst. Shreve-Neiger und Edelstein (2004) untersuchten, entgegen dem hier
angewandten Ansatz, nur allgemeine Maße der Angst (mit Einbezug von Sorge, Furcht,
Unsicherheit und Verzweiflung), weil ihrer Meinung nach der Einbezug spezifischer
Angststörungen die Vergleichbarkeit hindern würde. Sie plädierten für die Untersuchung von Personen, welche die Kriterien einer Angststörung nicht erfüllen.
Die Veränderung der Lebenszufriedenheit wurde hier anhand eines Maßes der Persönlichkeit gemessen, dessen Konzeption auf überdauernde Merkmale ausgerichtet ist.
Fahrenberg et al. (2001) beschrieben, dass eine Veränderungsmessung mit diesem Instrument ausschließlich bei Testwiederholungen über größere Abstände (mehrere Monate, Jahre) hinweg Sinn macht.
Die Reliabilität des ISR war zum ersten Messzeitpunkt fragwürdig. Auch wenn diese
zum zweiten Messzeitpunkt als gut bezeichnet werden kann und sich hier ähnliche Ergebnisse zu denen des ersten Messzeitpunktes zeigten, sollten diese nicht unkritisch
interpretiert werden.
6.2.2. Zusammensetzung der Stichprobe
Da die Stichprobe auf drei Dimensionen in Gruppen eingeteilt wurde, wäre eine größere
Stichprobe wünschenswert gewesen, um die jeweiligen Zellhäufigkeiten zu erhöhen.
Auch war die Geschlechterverteilung sehr ungleich. Dies kann am untersuchten Störungsbild liegen, da Frauen laut Davis, Matthews, und Twamley (1999) eher unter
Angststörungen leiden als Männer.
Die Diagnosen wurden lediglich mittels des klinischen Urteils der verantwortlichen
Therapeuten gestellt, es wurden keine störungsspezifischen Fragebögen eingesetzt.
Auch wurden Personen in die Stichprobe eingeschlossen, die die Panikstörung bis zur
dritten Diagnose zugewiesen bekamen. Somit könnte es sein, dass bei manchen Patienten eine ganz andere Störung im Vordergrund der Behandlung stand.
Die Ergebnisse dieser klinischen Stichprobe sind nicht ohne Weiteres generalisierbar.
Klinische Stichproben unterscheiden sich von nichtklinischen in verschiedenen Aspek-
82
Stärken und Limitationen der Studie
ten wie sozialer Benachteiligung oder familiärer Belastung (Dew et al., 2010), die sich
auf gefundene Zusammenhänge auswirken könnten.
Obwohl der Großteil der untersuchten Stichprobe (71%) der christlichen Religion angehörte, enthielt diese auch eine jüdische, zwei muslimische und fünf buddhistische Personen. Der R-S-T ist zwar auf die interkulturelle Testung von Religiosität ausgerichtet
(Huber, 2008a), es wurde jedoch nicht die weltanschauliche Übereinstimmung zwischen
Patient und Therapeut untersucht. Utsch (2005) beschrieb diese als positiven Einfluss
auf den Erfolg einer Therapie.
6.2.2.1.Unterschiede der untersuchten Gruppen
Es zeigten sich Gruppenunterschiede zwischen Personen mit und ohne positivem bzw.
negativem Gottesbild sowie zwischen den Zentralitätsgruppen bezüglich der im Folgenden dargestellten Maße. In Kapitel 6.3. wird beschrieben, wie weiter untersucht werden
kann, ob es sich hierbei um systematische Effekte handelt.
Alter
Die Zentralität der Religiosität hängt invers mit dem Alter zusammen. Hierbei handelt
es sich um einen mittleren Effekt. Varianzanalytisch zeigte sich zudem, dass sich die
Religiositätsgruppen nach Alter unterscheiden. Auch erwiesen sich Personen mit einem
negativen Gottesbild als jünger als die ohne. Umgekehrt hing Alter bedeutsam positiv
mit positiven Gefühlen Gott gegenüber zusammen (mittlerer Effekt). Aus diesem Grund
wurde Alter in den korrelativen Untersuchungen auspartialisiert.
Im Gegensatz hierzu steht die in einigen Studien beschriebene Zunahme von
Religiosität im Alter (s. z.B. Unterrainer (2010); Wink und Dillon (2002)). Eine Studie
von Winter et al. (2009) konnte an einer schweizerischen Stichprobe zeigen, dass auch
negatives Coping zu Wachstum nach Belastungen führen kann. Vermutlich weisen
ältere Personen deshalb niedrigere Werte in Zentralität der Religiosität auf und
berichten ein positiveres Gottesbild als jüngere, weil sie diese Phase des spirituellen
Wachstums bereits durchlebt haben. Wulff (1993) beschrieb den Prozess der religiösen
Entwicklung als sehr komplex und durch verschiedenste Faktoren beeinflusst. Religiöse
Reife könne sich auch durch die Zurückweisung traditionell religiöser Praktiken oder
Ansichten äußern.
83
Stärken und Limitationen der Studie
Die Möglichkeit der Identifikation mit der Religion wird als besonders wichtig für Personen jüngeren Alters beschrieben (Koenig, Ford, et al., 1993). Die Entwicklung der
Religiosität Heranwachsender steht in Zusammenhang zur Religiosität ihrer Eltern
(Power & McKinney, 2012). Rizzuto (1991) beschrieb, dass die Wandlung von Gottesrepräsentationen mit interpersonellen Beziehungen zusammenhänge. Als Folgerung
wird vermutet, dass bei Vermittlung eines ungünstigen Gottesbildes und strengen religiösen Richtlinien, diese von Heranwachsenden zunächst übernommen werden, bevor im
Laufe des Ablöseprozesses von den Eltern auch die Beziehung zu Gott einer Wandlung
unterzogen wird.
Der hochbedeutsame, positive Zusammenhang zwischen Alter und Lebenszufriedenheit
kann als klein bis mittel bezeichnet werden. Eggers (2000) fand, dass Personen mittleren Alters aktuelle Lebenszufriedenheit und Hoffnung auf die Zukunft beschrieben,
ältere Personen hingegen allgemeine Lebenszufriedenheit und Lebenshunger.
Familienstand
Des Weiteren zeigten sich Unterschiede zwischen den Religiositätsgruppen in Bezug
auf den Familienstand der Patienten. Unter den ledigen Personen gab es mehr hochreligiöse als mittel- bis niedrigreligiöse Personen, unter den verheirateten war es umgekehrt. Kirkpatrick (2005) beschrieb Parallelen zwischen romantischen Beziehungen und
der wahrgenommenen Beziehung zu Gott. Eine ängstliche Beziehung zu Gott konnte in
Zusammenhang mit ängstlichen romantischen Beziehungen gebracht werden (Francis,
Gibson, & Robbins, 2001). Da die Zusammenhänge zwischen Religiosität und Bindung
zu Gott, wie auch durch die Ergebnisse vorliegender Arbeit deutlich wird, noch nicht
geklärt sind, sollten diese Einflüsse theoretisch und empirisch weiter untersucht werden.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen Angststörungen und Beziehungsproblemen
(Zaider, Heimberg, & Iida, 2010). Personen mit einer Panikstörung sind weniger häufig
verheiratet (Eaton et al., 1994). Auch in der untersuchten Stichprobe waren 68% der
Patienten ledig oder in Trennung lebend. Der Untersuchung von Einflüssen des Beziehungsstils sollte demnach besser eine unbelastete Stichprobe zu Grunde gelegt werden.
84
Zukünftige Forschung
Anzahl stationärer Vorbehandlung
Mit einer mittleren Effektstärke konnte varianzanalytisch gezeigt werden, dass sich die
Religiositätsgruppen bezüglich der Anzahl ihrer stationären Vorbehandlung unterschieden. Hochreligiöse Personen hatten weniger häufig eine Klinik besucht, als niedrigreligiöse. Koenig und Kollegen (2012) beschrieben, dass hochreligiöse Personen teilweise
zögern, psychotherapeutische oder psychopharmakologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa weil sie auf religiöse Rituale oder kirchliche Seelsorge vertrauen oder ihren
Glauben als ausreichende Heilungsquelle betrachten.
Gefühle gegenüber Gott
Es zeigte sich ein überraschender Unterschied zwischen den Zentralitätsgruppen, indem
hochreligiöse Personen bedeutsam seltener positive Gefühle gegenüber Gott empfanden
als mittel- bis nichtreligiöse (Effekt- und Teststärke sind hierbei als hoch zu bewerten).
Dies steht im Gegensatz zu Huber (2008b), welcher beschrieb, dass hochreligiöse Personen besonders im Bereich der positiven religiös bezogenen Emotionen ein reichhaltigeres Erleben und Verhalten aufweisen als die anderen Gruppen.
Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass Personen, die aufgrund ihrer Erziehung ein
negatives Bild eines kontrollierenden, strafenden Gottes haben (s. Kapitel 6.2.1.), durch
hieraus entstehende Gefühle der Angst, Schuld oder Scham in einer verstrickten Art an
die Religion gebunden bleiben. Hochreligiöse Personen ringen möglicherweise wirklich
mehr, wie in Kapitel 6.1.2.1.1. vermutet, mit Gott und der Religion, als sie durch positive Emotionen, wie z.B. Friede und Freude belohnt werden.
6.3. Zukünftige Forschung
Ellison und Levin (1998) argumentieren, dass zur Untersuchung der komplexen Zusammenhänge zwischen Religiosität und psychischer Gesundheit mehr als zwei Messzeitpunkte notwendig sind.
Wie in Kapitel 6.1.2.1.1. beschrieben, sollte auch religiöses Coping miterfasst werden,
da dieses entsprechend Pargament und Kollegen (2000) über Maße globaler Religiosität
hinaus zur psychischen Anpassung beiträgt. Zur Erhöhung der Vergleichbarkeit der
Ergebnisse sollten aus dem in Kapitel 6.1.4.2. beschriebenen Grund, die Anzahl der
Mediationen, der Gottesdienstbesuche und der Seelsorgegespräche sowie die Einbindung in die Selbsthilfegruppen nach dem 12-Schritte-Programm miterfasst werden, da
85
Schlussfolgerungen und Implikationen für die Praxis
eine Kontrolle dieser Interventionen aufgrund der individuellen Bedürfnisse und Präferenzen unethisch wäre. Wie ebenfalls in diesem Kapitel vorgeschlagen, sollte die Religiostät zu beiden Messzeitpunkten erfasst werden. Dies würde auch eine genauere Untersuchung der Veränderungen der Religiosität im Laufe der Therapie ermöglichen. Wie
in Kapitel 6.1.2.3. dargestellt, kann es aufschlussreich sein, die Glaubensgeschichte einer Person mit zu erfassen. Auch sollte zukünftiger Forschung genauer beleuchten, ob
sich Unterschiede in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Religiosität, psychischer
Gesundheit, und Therapieerfolg ergeben, je nachdem, welcher Religion eine Person
angehört und ob diese mit der des Therapeuten übereinstimmt.
Zur Messung der Lebenszufriedenheit sollte ein Fragebogen verwendet werden, welcher
eigens zur Messung dieser konzipiert wurde und des Weiteren für die Verlaufsmessung
geeignet ist, wie der Fragebogen zur temporalen Lebenszufriedenheit (FTL) (Trautwein,
2004). Zur Abklärung von Paniksymptomen sollte zusätzlich zum klinischen Urteil eine
Fragebogendiagnostik, z.B. anhand der Panik- und Agoraphobieskala (PAS) von
Bandelow (1997) eingesetzt werden.
Zur allgemeineren Betrachtung, welche Einflüsse auf den Zusammenhang zwischen
Religiosität und Gefühlen Gott gegenüber mit der psychischen Gesundheit wirken (z.B.
Alter, Beziehungsstil, Copingmechanismen, hilfesuchende Verhalten), wird ein regressionsanalytischer Ansatz für sinnvoll gehalten. In der untersuchten Stichprobe waren
wichtige Voraussetzungen (Homoskedastizität, keine Multikollinealität und sehr hohe
Reliabilitäten) hierfür nicht gegeben, weswegen das Vorhaben einer multiplen, hierarchischen Regression nicht realisiert werden konnte.
6.4. Schlussfolgerungen und Implikationen für die Praxis
Kaiser (2007) fordert eine religiöse Anamnese zu Beginn der Therapie, in der Aspekte,
wie Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, religiöse Praktiken, Überzeugungen,
Erfahrungen und Copingmechanismen Platz haben. Auch sollte erfragt werden, ob die
psychische Störung eine religiöse Symptomatik beinhaltet, eine negative Religiosität die
Therapie behindern könnte, oder eine positive Religiosität als Ressource vorliegt.
Es sollten die Aspekte von Spiritualität in die Therapie integriert werden, welche am
förderlichsten für die psychische Gesundheit sind. Metaanalytisch wurden hierbei zur
Angstreduktion und besseren Anpassung besonders persönliche Hingabe und die Bezie-
86
Schlussfolgerungen und Implikationen für die Praxis
hung zu Gott in den Vordergrund gestellt (Hackney & Sanders, 2003). Auch Murken
(1998) plädiert für die Thematisierung emotionaler und kognitiver Aspekte der Gottesbeziehung in die Therapie. Es sei wichtig, die Ursprünge negativer Gottesbilder aufzuklären und neue Erfahrungen zu ermöglichen. Ein Beispiel für eine solche Therapie ist
die in Kapitel 2.1.3.2. dargestellte Methode von Thomas et al. (2011). Die Ergebnisse
der vorliegenden Arbeit machen deutlich, dass das Gottesbild auch bei niedrigreligiösen
Personen thematisiert werden sollte.
Eine Berücksichtigung von Religiosität in der Psychotherapie ist infolgedessen, nicht
zuletzt auf Grund des Wunsches vieler Patienten, trotz der widersprüchlichen Befunde
sinnvoll. Hierbei sollte individuell entschieden werden, ob dieses Thema vertieft behandelt wird, etwa in der Wandlung schädigender Gottesbilder.
87
Abschließende Erklärung
Abschließende Erklärung
Hiermit erkläre ich, dass die vorliegende Masterarbeit ausschließlich von mir selbst und
ohne fremde Hilfe angefertigt wurde, dass keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt wurden, dass die verwendeten Quellen im Literaturverzeichnis vollständig
aufgeführt sind und wörtliche sowie sinngemäße Zitate hieraus als solche mit Angabe
der Quelle gekennzeichnet sind.
Annja Manuela Stegherr
München, 13. August 2013
88
Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis
Abdel-Khalek, A. M., & Lester, D. (2007). Religiosity, health, and psychopathology in two
cultures: Kuwait and USA. Mental Health, Religion & Culture, 10(5), 537-550.
Alcoholics Anonymous (1972). A Brief Guide to Alcoholics Anonymous. Eingesehen am
01.07.2013, Verfügbar unter http://www.aa.org/pdf/products/p-42_abriefguidetoaa.pdf
Alcoholics Anonymous (1984). This is A.A. - An Introduction to the A.A Recovery Program.
Eingesehen am 1.07.2013, Verfügbar unter http://www.aa.org/pdf/products/p1_thisisaa1.pdf
Allemand, M., & Znoj, H. (2004). Religiosität – eine wohlbefindensfördernde Ressource? In
Zwingmann, C. & Moosbrugger, H. (Hrsg.), Religiositat-Messverhalten Und Studien Zu
Gesundheit Und Lebensbewaltigung: Neue Beitrage Zur Religionspsychologie (240260): Waxmann Verlag GmbH.
Allport, G. W., & Ross, J. M. (1967). Personal religious orientation and prejudice. Journal of
personality and social psychology, 5(4), 432.
Azhar, M. Z., Varma, S. L., & Dharap, A. S. (1994). Religious psychotherapy in anxiety
disorder patients. Acta Psychiatrica Scandinavica, 90(1), 1-3.
Baetz, M., Bowen, R., Jones, G., & Koru-Sengul, T. (2006). How spiritual values and worship
attendance relate to psychiatric disorders in the Canadian population. The Canadian
Journal of Psychiatry / La Revue canadienne de psychiatrie, 51(10), 654-661.
Baker, M., & Gorsuch, R. (1982). Trait anxiety and intrinsic–extrinsic religiousness. Journal for
the Scientific Study of Religion, 21(2), 119-122.
Ballew, S. H., Hannum, S. M., Gaines, J. M., Marx, K. A., & Parrish, J. M. (2012). The role of
spiritual experiences and activities in the relationship between chronic illness and
psychological well-being. Journal of Religion and Health, 51(4), 1386-1396.
Bandelow, B. (1997). Panik-und Agoraphobie-Skala: Hogrefe, Verlag für Psychologie.
Batinić, B., Trajković, G., Duisin, D., & Nikolić-Balkoski, G. (2009). Life events and social
support in a 1-year preceding panic disorder. Psychiatria Danubina, 21(1), 33-40.
Batson, C. D., & Ventis, W. L. (1982). The religious experience: A social-psychological
perspective. New York, Oxford: Oxford University Press
Bell-Tolliver, L. (2005). African American therapists' perceptions of working with African
American families from a perspective of strength. (65), ProQuest Information &
Learning, US. Verfügbar unter
89
Literaturverzeichnis
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2005-99011091&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Bergin, A. E. (1983). Religiosity and mental health: A critical reevaluation and meta-analysis.
Professional Psychology: Research and Practice, 14(2), 170-184.
Boelens, P. A., Reeves, R. R., Replogle, W. H., & Koenig, H. G. (2009). A randomized trial of
the effect of prayer on depression and anxiety. International Journal of Psychiatry in
Medicine, 39(4), 377-392.
Bortz, J., & Döring, N. (2006). Forschungsmethoden und evaluation: für human-und
sozialwissenschaftler: Springer DE.
Bowen, R., Baetz, M., & D'arcy, C. (2006). Self-rated importance of religion predicts one-year
outcome of patients with panic disorder. Depression and Anxiety, 23(5), 266-273.
Braam, A. W., Mooi, B., Jonker, J. S., Van Tilburg, W., & Deeg, D. J. H. (2008). God image
and Five-Factor Model personality characteristics in later life: A study among
inhabitants of Sassenheim in The Netherlands. Mental Health, Religion & Culture,
11(6), 547-559.
Bradshaw, M., Ellison, C. G., & Flannelly, K. J. (2008). Prayer, God imagery, and symptoms of
psychopathology. Journal for the Scientific Study of Religion, 47(4), 644-659.
Bühner, M., & Ziegler, M. (2009). Statistik für Psychologen und Sozialwissenschaftler: Pearson
Deutschland GmbH.
Clark, D. M. (1986). A cognitive approach to panic. Behaviour Research and Therapy, 24(4),
461-470.
Contrada, R. J., Goyal, T. M., Cather, C., Rafalson, L., Idler, E. L., & Krause, T. J. (2004).
Psychosocial Factors in Outcomes of Heart Surgery: The Impact of Religious
Involvement and Depressive Symptoms. Health Psychology, 23(3), 227-238.
Davis, E. B., Moriarty, G. L., & Mauch, J. C. (2013). God images and god concepts:
Definitions, development, and dynamics. Psychology of Religion and Spirituality, 5(1),
51-60.
Davis, M. C., Matthews, K. A., & Twamley, E. W. (1999). Is life more difficult on Mars or
Venus? A meta-analytic review of sex differences in major and minor life events.
Annals of Behavioral Medicine, 21(1), 83-97.
Davis, T. L., Kerr, B. A., & Kurpius, S. E. R. (2003). Meaning, Purpose, And Religiosity In AtRisk Youth: The Relationship Between Anxiety And Spirituality. Journal of
Psychology and Theology, 31(4), 356-365.
90
Literaturverzeichnis
Dew, R., Daniel, S., Goldston, D., Mccall, W., Kuchibhatla, M., Schleifer, C., . . . Koenig, H.
(2010). A prospective study of religion/spirituality and depressive symptoms among
adolescent psychiatric patients. Journal of Affective Disorders, 120(1), 149-157.
Dickie, J. R., Ajega, L. V., Kobylak, J. R., & Nixon, K. M. (2006). Mother, Father, and Self:
Sources of Young Adults' God Concepts. Journal for the Scientific Study of Religion,
45(1), 57-71.
Dilling, H., Mombour, W., & Schmidt, M. H. (2005). Internationale Klassifikation psychischer
Störungen - ICD-10, Kapitel V (F); klinisch-diagnostische Leitlinien (5. Aufl.). Bern:
Huber.
Dörr, A. (2004). Religiöses Coping als Ressource bei der Bewältigung von Life Events.
Religiositat-Messverhalten Und Studien Zu Gesundheit Und Lebensbewaltigung: Neue
Beitrage Zur Religionspsychologie (261 - 275 ): Waxmann Verlag GmbH.
Dr. Reisach Kliniken (2013). Die Adula Klinik. Eingesehen am 01.07.2013, Verfügbar unter
http://www.dr-reisach-kliniken.de/adula-klinik.html
Eaton, W. W., Kessler, R. C., Wittchen, H. U., & Magee, W. J. (1994). Panic and panic disorder
in the United States. The American Journal of Psychiatry, 151(3), 413-420.
Eggers, S. J. (2000). Spirituality in mid-life and late adulthood. (61), ProQuest Information &
Learning, US. - EBSCOhost psyh Datenbank.
Ehlers, A. (1993). Interoception and panic disorder. Advances in Behaviour Research &
Therapy, 15(1), 3-21.
Ellison, C. G. (1991). Religious involvement and subjective well-being. Journal of Health and
Social Behavior, 32(1), 80-99.
Ellison, C. G., Boardman, J. D., Williams, D. R., & Jackson, J. S. (2001). Religious
involvement, stress, and mental health: Findings from the 1995 Detroit Area Study.
Social Forces, 80(1), 215-249.
Ellison, C. G., Burdette, A. M., & Hill, T. D. (2009). Blessed assurance: Religion, anxiety, and
tranquility among US adults. Social Science Research, 38(3), 656-667.
Ellison, C. G., & Lee, J. (2010). Spiritual struggles and psychological distress: Is there a dark
side of religion? Social Indicators Research, 98(3), 501-517.
Ellison, C. G., & Levin, J. S. (1998). The religion-health connection: Evidence, theory, and
future directions. Health Education & Behavior, 25(6), 700-720.
Exline, J. J., Yali, A. M., & Sanderson, W. C. (2000). Guilt, discord, and alienation: The role of
religious strain in depression and suicidality. Journal of Clinical Psychology, 56(12),
1481-1496.
91
Literaturverzeichnis
Fahrenberg, J., Hampel, R., & Selg, H. (1984). Das Freiburger Persönlichkeitsinventar FPI
[Freiburger Personality Inventory] Hogrefe: Göttingen.
Fahrenberg, J., Hampel, R., & Selg, H. (2001). FPI-R - Das Freiburger Preönlichkeitsinventar Manual (7. überarb. & neu norm. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
Faul, F., Erdfelder, E., Lang, A.-G., & Buchner, A. (2007). G*Power 3: A flexible statistical
power analysis program for the social, behavioral, and biomedical sciences. Behavior
Research Methods(39), 175-191.
Fischer, H. F., Schirmer, N., Tritt, K., Klapp, B. F., & Fliege, H. (2011). Retest-reliabilität und
änderungssensitivitat des ICD-10-Symptom-Rating (ISR) in verschiedenen stichproben.
Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie, 61(3-4), 162-169.
Francis, L. J., Gibson, H. M., & Robbins, M. (2001). God images and self-worth among
adolescents in Scotland. Mental Health, Religion & Culture, 4(2), 103-108.
Franke, G. H. (2002). SCL-90-R: Beltz-Test-GmbH.
Freud, S. (1927). Die Zukunft einer Illusion. GW, 14, 325-380.
Frick, E., Riedner, C., Fegg, M., Hauf, S., & Borasio, G. (2006). A clinical interview assessing
cancer patients’ spiritual needs and preferences. European Journal of Cancer Care,
15(3), 238-243.
Furrow, J. L., King, P. E., & White, K. (2004). Religion and Positive Youth Development:
Identity, Meaning, and Prosocial Concerns. Applied Developmental Science, 8(1), 1726.
Gall, T. L., Miguez De Renart, R. M., & Boonstra, B. (2000). Religious resources in long-term
adjustment to breast cancer. Journal of Psychosocial Oncology, 18(2), 21-37.
Gartner, J., Larson, D. B., & Allen, G. D. (1991). Religious commitment and mental health: A
review of the empirical literature. Journal of Psychology and Theology, 19(1), 6-25.
George, L. K. (1981). Subjective Well-Being: Conceptual and. Annual Review of Gerontology
and Geriatrics, 2 (1981). 2, 345.
George, L. K., Larson, D. B., Koenig, H. G., & Mccullough, M. E. (2000). Spirituality and
health: What we know, what we need to know. Journal of Social and Clinical
Psychology, 19(1), 102-116.
Goetz, R. R., Klein, D. F., & Gorman, J. M. (1996). Symptoms essential to the experience of
sodium lactate-induced panic. Neuropsychopharmacology, 14(5), 355-366.
Greene, K. V., & Yoon, B. J. (2004). Religiosity, Economics and Life Satisfaction. Review of
Social Economy, 62(2), 245-261.
92
Literaturverzeichnis
Greening, L., & Stoppelbein, L. (2002). Religiosity, attributional style, and social support as
psychosocial buffers for African American and White adolescents' perceived risk for
suicide. Suicide and Life-Threatening Behavior, 32(4), 404-417.
Grom, B. (2004). Religiosität – psychische Gesundheit – subjektives Wohlbefinden: Ein
Forschungsüberblick In Zwingmann, C. & Moosbrugger, H. (Hrsg.), ReligiositatMessverhalten Und Studien Zu Gesundheit Und Lebensbewaltigung: Neue Beitrage Zur
Religionspsychologie (187-214): Waxmann Verlag GmbH.
Hackney, C. H., & Sanders, G. S. (2003). Religiosity and mental health: A meta-analysis of
recent studies. Journal for the Scientific Study of Religion, 42(1), 43-55.
Hall, D. E., Meador, K. G., & Koenig, H. G. (2008). Measuring religiousness in health research:
Review and critique. Journal of Religion and Health, 47(2), 134-163.
Harris, S. J. (2002). Religiosity and psychological well-being among older adults: A metaanalysis. (63), ProQuest Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2002-95024055&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Harrison, M. O., Koenig, H. G., Hays, J. C., Eme-Akwari, A. G., & Pargament, K. I. (2001).
The epidemiology of religious coping: A review of recent literature. International
Review of Psychiatry, 13(2), 86-93.
Hatcher, C. A. (2001). African-American individuals' perceived relationships with God and
psychological well-being. (62), ProQuest Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2001-95014033&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Hathaway, W. L., & Pargament, K. I. (1992). The Religious Dimensions of Coping:
Implications for Prevention and Promotion. In Pargament, K. I., Maton, K. I. & Hess,
R. (Hrsg.), Religion and prevention in mental health: Research, vision, and action (129154): Haworth Press New York.
Hauf, S. (2009). Das halbstrukturierte, klinische Interview „SPIR “zur Erfassung spiritueller
Überzeugungen und Bedürfnisse von Patienten mit Krebserkrankung. LudwigMaximilians-Universität München. Verfügbar unter http://edoc.ub.unimuenchen.de/10263/1/Hauf_Stephan.pdf - Google Scholar Datenbank.
Henningsgaard, J. M., & Arnau, R. C. (2008). Relationships between religiosity, spirituality,
and personality: A multivariate analysis. Personality and Individual Differences, 45(8),
703-708.
Hertsgaard, D., & Light, H. K. (1984). Anxiety, depression, and hostility in rural women.
Psychological Reports, 55(2), 673-674.
Higgins, N. C., Pollard, C. A., & Merkel, W. T. (1992). Relationship between religion-related
factors and obsessive compulsive disorder. Current Psychology: A Journal for Diverse
Perspectives on Diverse Psychological Issues, 11(1), 79-85.
93
Literaturverzeichnis
Hill, P. C., & Pargament, K. I. (2003). Advances in the conceptualization and measurement of
religion and spirituality: Implications for physical and mental health research. American
Psychologist, 58(1), 64-74.
Hill, P. C., Pargament, K. I., Hood, R. W., Jr., Mccullough, M. E., Swyers, J. P., Larson, D. B.,
& Zinnbauer, B. J. (2000). Conceptualizing religion and spirituality: Points of
commonality, points of departure. Journal for the Theory of Social Behaviour, 30(1),
51-77.
Hirschfeld, R. M. A. (1996). Panic disorder: Diagnosis, epidemiology, and clinical course.
Journal of Clinical Psychiatry, 57(Suppl 10), 3-8.
Hofmann, L. I. (2009). Spiritualität und Religiosität in der psychotherapeutischen Praxis. Eine
bundesweite Befragung von Psychologischen Psychotherapeuten., Carl von Ossietzky
Universität Oldenburg, Oldenburg. Holland, J. C., Kash, K. M., Passik, S., Gronert, M. K., Sison, A., Lederberg, M., . . . Fox, B.
(1998). A brief spiritual beliefs inventory for use in quality of life research in lifethreatening illness. Psycho-Oncology, 7(6), 460-469.
Horton, T. G. (1999). The relationship between extrinsic religiosity, intrinsic religiosity, and
spiritual maturity to life satisfaction and coping resources. (60), ProQuest Information
& Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=1999-95016104&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Hoyer, J., & Margraf, J. (2003). Angstdiagnostik - Grundlagen und Testverfahren. Berlin [u.a.]:
Springer.
Huber, S. (2003). Zentralität und Inhalt: Ein neues multidimensionales Messmodell der
Religiosität. Opladen: Leske & Budrich.
Huber, S. (2004). Zentralität und multidimensionale Struktur der Religiosität: Eine Synthese der
theoretischen Ansätze von Allport und Glock zur Messung der Religiosität. In
Zwingmann, C. & Moosbrugger, H. (Hrsg.), Religiositat-Messverhalten Und Studien Zu
Gesundheit Und Lebensbewaltigung: Neue Beitrage Zur Religionspsychologie (79102): Waxmann Verlag Gmbh.
Huber, S. (2008a). Der Religiositäts-Struktur-Test (RST). Kernkonzepte und
Anwendungsperspektiven. Prävention. Zeitschrift für Gesundheitsförderung, 31(2), 3839.
Huber, S. (2008b). Kerndimensionen, Zentralität und Inhalt. Ein interdisziplinäres Modell der
Religiosität. Journal für Psychologie, 16(3).
Inzlicht, M., Mcgregor, I., Hirsh, J. B., & Nash, K. (2009). Neural markers of religious
conviction. Psychological Science, 20(3), 385-392.
94
Literaturverzeichnis
Kaiser, P. (2007). Religion in der Psychiatrie: eine (un) bewusste Verdrängung? : Vamp; R
Unipress Gmbh.
Kelly, J. F., Stout, R. L., Magill, M., Tonigan, J. S., & Pagano, M. E. (2011). Spirituality in
recovery: A lagged mediational analysis of Alcoholics Anonymous’ principal
theoretical mechanism of behavior change. Alcoholism: Clinical and Experimental
Research, 35(3), 454-463.
Kendler, K. S., Heath, A. C., Martin, N. G., & Eaves, L. J. (1987). Symptoms of anxiety and
symptoms of depression: Same genes, different environments? Archives of General
Psychiatry, 44(5), 451-457.
Kendler, K. S., Liu, X.-Q., Gardner, C. O., Mccullough, M. E., Larson, D., & Prescott, C. A.
(2003). Dimensions of religiosity and their relationship to lifetime psychiatric and
substance use disorders. The American Journal of Psychiatry, 160(3), 496-503.
Kim, H. (2010). God image, shame, and psychological adjustment among college students: A
Korean-U.S. cross cultural study. (70), ProQuest Information & Learning, US.
Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2010-99060523&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
King, D. E., Cummings, D., & Whetstone, L. (2005). Attendance at religious services and
subsequent mental health in midlife women. International Journal of Psychiatry in
Medicine, 35(3), 287-297.
Kirkpatrick, L. A. (2005). Attachment, evolution, and the psychology of religion. New York,
NY US: Guilford Press.
Kirkpatrick, L. A., & Shaver, P. R. (1992). An attachment-theoretical approach to romantic love
and religious belief. Personality and Social Psychology Bulletin, 18(3), 266-275.
Koenig, H. G. (2010). Spirituality and mental health. International Journal of Applied
Psychoanalytic Studies, 7(2), 116-122.
Koenig, H. G., Ford, S. M., George, L. K., Blazer, D. G., & Meador, K. G. (1993). Religion and
anxiety disorder: An examination and comparison of associations in young, middleaged, and elderly adults. Journal of Anxiety Disorders, 7(4), 321-342.
Koenig, H. G., George, L. K., Blazer, D. G., & Pritchett, J. T. (1993). The relationship between
religion and anxiety in a sample of community-dwelling older adults. Journal of
Geriatric Psychiatry, 26(1), 65-93.
Koenig, H. G., King, D., & Carson, V. B. (2012). Handbook of religion and health. New York:
Oxford University Press.
Krägeloh, C. U., Chai, P. P. M., Shepherd, D., & Billington, R. (2012). How religious coping is
used relative to other coping strategies depends on the individual’s level of religiosity
and spirituality. Journal of Religion and Health, 51(4), 1137-1151.
95
Literaturverzeichnis
Krause, N. (1993). Measuring religiosity in later life. Research on Aging, 15(2), 170-197.
Krause, N. (2003). Religious meaning and subjective well-being in late life. The Journals of
Gerontology: Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 58B(3), S160S170.
Krause, N., Ingersoll-Dayton, B., Ellison, C. G., & Wulff, K. M. (1999). Aging, religious doubt,
and psychological well-being. The Gerontologist, 39(5), 525-533.
Lechler, W. H., & Meier, A. (2007). Das Bad Herrenalber Modell: Eine Lehr-LernGemeinschaft (A Teaching-Learning-Community) Als Psychosomatisches Klinik-Konz.
Leondari, A., & Gialamas, V. (2009). Religiosity and psychological well-being. International
Journal of Psychology, 44(4), 241-248.
Levin, J. S., & Chatters, L. M. (1998). Religion, health, and psychological well-being in older
adults: Findings from three national surveys. Journal of Aging and Health, 10(4), 504531.
Lipner, A. (2004). Unconscious ambivalence towards God in psychoanalysis and in Judaism.
(65), ProQuest Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2004-99020230&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Ljubičić, Ð., Peitl, M. V., Vitezić, D., Peitl, V., & Grbac, J. (2007). Psychopharmacotherapy
and spirituality. Psychiatria Danubina, 19(3), 216-221.
Löckenhoff, C. E., Ironson, G. H., O'cleirigh, C., & Costa, P. T., Jr. (2009). Five-factor model
personality traits, spirituality religiousness, and mental health among people living with
HIV. Journal of Personality, 77(5), 1411-1436.
Luther-Bibel, D. (2004). Originalausgabe 1545 und revidierte Fassung 1912. CD-ROM. Berlin:
Directmedia.
Macaskill, A. (2012). A feasibility study of psychological strengths and well-being assessment
in individuals living with recurrent depression. The Journal of Positive Psychology,
7(5), 372-386.
Mazanec, S. R., Daly, B. J., Douglas, S. L., & Lipson, A. R. (2010). The relationship between
optimism and quality of life in newly diagnosed cancer patients. Cancer Nursing, 33(3),
235-243.
Mcconnell, K. M., Pargament, K. I., Ellison, C. G., & Flannelly, K. J. (2006). Examining the
Links Between Spiritual Struggles and Symptoms of Psychopathology in a National
Sample. Journal of Clinical Psychology, 62(12), 1469-1484.
Mccullough, M. E. (1999). Research on religion-accomodative counseling: Review and metaanalysis. Journal of Counseling Psychology, 46(1), 92-98.
96
Literaturverzeichnis
Miller, W. R., Forcehimes, A., O'leary, M. J., & Lanoue, M. D. (2008). Spiritual direction in
addiction treatment: Two clinical trials. Journal of Substance Abuse Treatment, 35(4),
434-442.
Moreno-Weinert, I. (2013). The influence of religiosity on psychological well being and life
satisfaction in an elderly population. (73), ProQuest Information & Learning, US.
Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2013-99040110&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Moser, T. (2003). Von der Gottesvergiftung zu einem erträglichen Gott: Psychoanalystische
Überlegungen zur Religion. Stuttgart: Kreuz-Verlag.
Murken, S. (1998). Gottesbeziehung und psychische Gesundheit: Waxmann.
Nelson, S. A. (2002). The relationship between life satisfaction and intrinsic religiosity, prayer
frequency, religious belief, importance, and church attendance in Christians. (63),
ProQuest Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2002-95018249&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Nuval, J. A. (2010). The relationship of depression with intrinsic and extrinsic components of
religiosity in the older adult female. (71), ProQuest Information & Learning, US.
Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2010-99240509&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Oler, G. A. (1998). Religious coping and psychological adjustment among African-American
Christians. (58), ProQuest Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=1998-95010064&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Pargament, K. I., Kennell, J., Hathaway, W., Grevengoed, N., Newman, J., & Jones, W. (1988).
Religion and the problem-solving process: Three styles of coping. Journal for the
Scientific Study of Religion, 27(1), 90-104.
Pargament, K. I., Koenig, H. G., & Perez, L. M. (2000). The many methods of religious coping:
Development and initial validation of the RCOPE. Journal of Clinical Psychology,
56(4), 519-543.
Pargament, K. I., Tarakeshwar, N., Ellison, C. G., & Wulff, K. M. (2001). Religious coping
among the religious: The relationships between religious coping and well-being in a
national sample of Presbyterian clergy, elders, and members. Journal for the Scientific
Study of Religion, 40(3), 497-513.
Pargament, K. I., Zinnbauer, B. J., Scott, A. B., Butter, E. M., Zerowin, J., & Stanik, P. (2003).
Red Flags and Religious Coping: Identifying Some Religious Warning Signs Among
People in Crisis. Journal of Clinical Psychology, 59(12), 1335-1348.
97
Literaturverzeichnis
Payk, T. R. (2010). Psychopathologie - vom Symptom zur Diagnose (3., überarb. Aufl.). Berlin
[u.a.]: Springer.
Payne, I. R., Bergin, A. E., Bielema, K. A., & Jenkins, P. H. (1991). Review of religion and
mental health: Prevention and the enhancement of psychosocial functioning. Prevention
in Human Services, 9(2), 11-40.
Petersen, L. R., & Roy, A. (1985). Religiosity, anxiety, and meaning and purpose: Religion's
consequences for psychological well-being. Review of Religious Research, 49-62.
Pfeifer, S., & Waelty, U. (1995). Psychopathology and religious commitment: A controlled
study. Psychopathology, 28(2), 70-77.
Pfeifer, S., & Waelty, U. (1999). Anxiety, depression, and religiosity—a controlled clinical
study. Mental Health, Religion & Culture, 2(1), 35-45.
Power, L., & Mckinney, C. (2012). Emerging Adult Perceptions of Parental Religiosity and
Parenting Practices: Relationships With Emerging Adult Religiosity and Psychological
Adjustment. Psychology of Religion and Spirituality.
Propst, L. R., Ostrom, R., Watkins, P., Dean, T., & Mashburn, D. (1992). Comparative efficacy
of religious and nonreligious cognitive-behavioral therapy for the treatment of clinical
depression in religious individuals. Journal of Consulting and Clinical Psychology,
60(1), 94-103.
Psychologische Diagnostik mit dem Wiener Testsystem (WTS). Eingesehen am 07.08.2013,
Verfügbar unter http://www.schuhfried.at/wiener-testsystem-wts/
Psychosomatik, I. F. Q. I. D. P. U. (2010). ISR Fragebogen. Eingesehen am 06.08.2013,
Verfügbar unter http://www.iqp-online.de/index.php?page=download
Puchalski, C., & Romer, A. L. (2000). Taking a Spiritual History Allows Clinicians to
Understand Patients More Fully (3): Mary Ann Liebert, Inc.
Rachman, S. (2000). Angst - Diagnose, Klassifikation und Therapie. Bern [u.a.]: Huber.
Razali, S. M., Hasanah, C. I., Aminah, K., & Subramaniam, M. (1998). Religious-sociocultural
psychotherapy in patients with anxiety and depression. Australian and New Zealand
Journal of Psychiatry, 32(6), 867-872.
Regier, D. A., Rae, D. S., Narrow, W. E., Kaelber, C. T., & Schatzberg, A. F. (1998).
Prevalence of anxiety disorders and their comorbidity with mood and addictive
disorders. The British Journal of Psychiatry, 173(Suppl 34), 24-28.
Reinert, D. F., & Edwards, C. E. (2009). Attachment theory, childhood mistreatment, and
religiosity. Psychology of Religion and Spirituality, 1(1), 25-34.
98
Literaturverzeichnis
Rembert, L. J. (2000). An meta-analysis of therapeutic outcomes when spirituality is integrated
into therapy with individuals who are spiritual, expanded from 1980--1999. (61),
ProQuest Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2000-95024162&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Renard, A. M. (1995). The experience of healing from deprivation of bonding. (56), ProQuest
Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=1995-95013132&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Richard, M. (2004). Religiosität als psychische Bindung: Die Struktur „innerer Arbeitsmodelle“
von Gottesbeziehung In Zwingmann, C. & Moosbrugger, H. (Hrsg.), ReligiositatMessverhalten Und Studien Zu Gesundheit Und Lebensbewaltigung: Neue Beitrage Zur
Religionspsychologie (131-155): Waxmann Verlag GmbH.
Ritter, W. H., & Wolf, B. (2005). Heilung-Energie-Geist: Heilung zwischen Wissenschaft,
Religion und Geschäft (26. Ausg.): Ruprecht Gmbh & Company.
Rizzuto, A.-M. (1991). Religious development: A psychoanalytic point of view. New Directions
for Child Development, 52, 47-60.
Rizzuto, A.-M. (2005). Psychoanalytic considerations about spiritually oriented psychotherapy.
In Sperry, L. & Shafranske, E. P. (Hrsg.), Spiritually oriented psychotherapy. (31-50).
Washington, DC US: American Psychological Association.
Roh, S. (2011). The impact of religion, spirituality, and social support on depression and life
satisfaction among Korean immigrant older adults. (72), ProQuest Information &
Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2011-99150385&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Rosmarin, D. H., Pargament, K. I., & Mahoney, A. (2009). The role of religiousness in anxiety,
depression, and happiness in a Jewish community sample: A preliminary investigation.
Mental Health, Religion & Culture, 12(2), 97-113.
Salsman, J. M., Brown, T. L., Brechting, E. H., & Carlson, C. R. (2005). The Link Between
Religion and Spirituality and Psychological Adjustment: The Mediating Role of
Optimism and Social Support. Personality and Social Psychology Bulletin, 31(4), 522535.
Saroglou, V., Pichon, I., Trompette, L., Verschueren, M., & Dernelle, R. (2005). Prosocial
Behavior and Religion: New Evidence Based on Projective Measures and Peer Ratings.
Journal for the Scientific Study of Religion, 44(3), 323-348.
Saß, H., Wittchen, H.-U., & Zaudig, M. (1998). Diagnostisches und statistisches Manual
psychischer Störungen - DSM-IV ; übersetzt nach der vierten Auflage des Diagnostic
and statistical manual of mental disorders der American Psychiatric Association (2.,
verb. Aufl.). Göttingen [u.a.]: Hogrefe, Verl. für Psychologie.
99
Literaturverzeichnis
Sawatzky, R., Ratner, P. A., & Chiu, L. (2005). A meta-analysis of the relationship between
spirituality and quality of life. Social Indicators Research, 72(2), 153-188.
Schäfer, S. (2010). ISR-ICD-10-Symptom-Rating - Anleitung für die Auswertung. Eingesehen
am 22.07.2013, Verfügbar unter
http://www.sabineschaefer.com/fileadmin/user_upload/Lizenzfreie_Testverfahren/ISR_
Anleitung_2010-10-13.pdf
Schermelleh-Engel, K., & Werner, D.-P. C. S. (2012). Methoden der Reliabilitätsbestimmung.
In Moosbrugger, H. & Kelava, A. (Hrsg.), Testtheorie und Fragebogenkonstruktion
(119-141): Springer.
Schmidt-Traub, S. (2000). Panikstörung und Angoraphobie (2., überarb. u. erw. Aufl.).
Göttingen: Hogrefe.
Schmitz-Buhl, S. M., Kriebel, R., & Paar, H. G. (1999). Zeitintensive Therapie:
Zusammenhänge zwischen Therapiedauer, Therapiemotivation, Beschwerdestärke und
Behandlungserfolg in der stationären psychosomatischen Rehabilitation. Praxis
Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation(45), 21-27.
Schowalter, M., Richard, M., Murken, S., Senst, R., & Rüddel, H. (2003). Die Integration von
Religiosität in die psychotherapeutische Behandlung bei religiösen Patienten-ein
Klinikvergleich. Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie,
51(4), 361-368.
Schreiber, J. A. (2011). Image of God: Effect on coping and psychospiritual outcomes in early
breast cancer survivors. Oncology Nursing Forum, 38(3), 293-301.
Schwab, R., & Petersen, K. U. (1990). Religiousness: Its relation to loneliness, neuroticism and
subjective well-being. Journal for the Scientific Study of Religion, 29(3), 335-345.
Senst, R., Kloß, R., Oberbillig, R., Schowalter, M., Kielmann, S., & Heuft, G. (2000).
Erfahrung mit der Basis-und Ergebnisdokumentation Psy-BaDo. Psychotherapeut,
45(5), 308-314.
Shreve-Neiger, A. K., & Edelstein, B. A. (2004). Religion and anxiety: A critical review of the
literature. Clinical Psychology Review, 24(4), 379-397.
Smith, F. T. (2001). Intrinsic religiosity, religious affiliation, and spiritual well-being as
predictors of treatment outcome among women with eating disorders. (62), ProQuest
Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2001-95020253&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Smith, T. B., Bartz, J., & Richards, P. S. (2007). Outcomes of religious and spiritual adaptations
to psychotherapy: A meta-analytic review. Psychotherapy Research, 17(6), 643-655.
Soenke, M., Landau, M. J., & Greenberg, J. (2013). Sacred armor: Religion's role as a buffer
against the anxieties of life and the fear of death. In Pargament, K. I., Exline, J. J. &
100
Literaturverzeichnis
Jones, J. W. (Hrsg.), APA handbook of psychology, religion, and spirituality (Vol 1):
Context, theory, and research. (105-122). Washington, DC US: American
Psychological Association.
Stroope, S., Draper, S., & Whitehead, A. L. (2013). Images of a loving God and sense of
meaning in life. Social Indicators Research, 111(1), 25-44.
Sujoldžić, A., Peternel, L., Kulenović, T., & Terzić, R. (2006). Social Determinants of Health–
A Comparative Study of Bosnian Adolescents in Different Cultural Contexts.
Collegium antropologicum, 30(4), 703-711.
Thomas, M. J., Moriarty, G. L., Davis, E. B., & Anderson, E. L. (2011). The effects of a
manualized group-psychotherapy intervention on client God images and attachment to
God: A pilot study. Journal of Psychology and Theology, 39(1), 44-58.
Tix, A. P., & Frazier, P. A. (1998). The use of religious coping during stressful life events: Main
effects, moderation, and mediation. Journal of Consulting and Clinical Psychology,
66(2), 411-422.
Trautwein, U. (2004). Die temporalen Facetten der Lebenszufriedenheit: Eine deutsche
Adaptation der Skala von Pavot, Diener und Suh (1998). Diagnostica, 50(4), 182-192.
Trenholm, P., Trent, J., & Compton, W. C. (1998). Negative religious conflict as a predictor of
panic disorder. Journal of Clinical Psychology, 54(1), 59-65.
Tritt, K., V. Heymann, F., Zaudig, M., Söllner, W., Klapp, B. F., Loew, T., & Bühner, M.
(2010). Der Fragebogen ICD-10-Symptorating (ISR) - Kurzdarstellung der Normierung.
IQP - Institut für Qualitätsentwicklung in der Psychotherapie und Psychosomatik.
Tritt, K., Von Heymann, F., Zaudig, M., Loew, T., Söllner, W., Fischer, H. F., & Bühner, M.
(2010). Das ICD-10-Symptom-Rating (ISR): Zusammenhänge mit der SCL-90-R.
Zeitschrift für klinische Diagnostik und Evaluation, 3, 22-37.
Tritt, K., Von Heymann, F., Zaudig, M., Zacharias, I., Sollner, W., & Loew, T. (2008).
Entwicklung des Fragebogens" ICD-10-Symptom-Rating"(ISR). Zeitschrift für
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 54(4), 409.
Unterrainer, H.-F. (2010). Seelenfinsternis?: Struktur und Inhalt der Gottesbeziehung im
klinisch-psychiatrischen Feld (524): Waxmann Verlag GmbH.
Utsch, M. (2005). Religiöse Fragen in der Psychotherapie - Psychologische Zugänge zu
Reliogiosität und Spiritualität: Kohlhammer.
Utsch, M. (2008). Religion in der modernen Gesellschaft. Erkenntnisse soziographischer
Religionsforschung und aktuelle Desiderate. Eingesehen am 16.07.2013, Verfügbar
unter http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-5609F4951973750E/bst/Utsch_Religionsmonitor061211.pdf
101
Literaturverzeichnis
Utsch, M., & Klein, C. (2011). Religion, Religiosität, Sprirtualität. Bestimmungsversuche für
komplexe Begriffe. In Klein, C., Berth, H. & Balck, F. (Hrsg.), Gesundheit - Religion Spiritualität. Konzepte, Befunde und Erklärungsansätze (25-47). Weinheim &
München: Juventa verlag.
Vasegh, S., & Mohammadi, M.-R. (2007). Religiosity, anxiety, and depression among a sample
of Iranian medical students. International Journal of Psychiatry in Medicine, 37(2),
213-227.
Von Heymann, F., & Tritt, K. (2013). Psy-BaDo-PTM Version 4.11 Glossar. Institut für
Qualitätsentwicklung in der Psychotherapie und Psychosomatik.
Wachholtz, A. B., & Pargament, K. I. (2005). Is spirituality a critical ingredient of meditation?
Comparing the effects of spiritual meditation, secular meditation, and relaxation on
spiritual, psychological, cardiac, and pain outcomes. Journal of Behavioral Medicine,
28(4), 369-384.
Waller, N. G., Kojetin, B. A., Bouchard, T. J., Lykken, D. T., & Tellegen, A. (1990). Genetic
and environmental influences on religious interests, attitudes, and values: A study of
twins reared apart and together. Psychological Science, 1(2), 138-142.
Warren, S. L., Huston, L., Egeland, B., & Sroufe, L. A. (1997). Child and adolescent anxiety
disorders and early attachment. Journal of the American Academy of Child &
Adolescent Psychiatry, 36(5), 637-644.
Weber, S., & Frick, E. (2002). Zur Bedeutung der Spiritualität von Patienten und Betreuern in
der Onkologie. Manual Psychoonkologie. München, Zuckschwerdt, 106-109.
Wiegand, K. E. K. (2005). The effects of prayer on anxiety and performance. (66), ProQuest
Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2005-99018036&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Wink, P., & Dillon, M. (2002). Spiritual development across the adult life course: Findings
from a longitudinal study. Journal of Adult Development, 9(1), 79-94.
Winter, U., Hauri, D., Huber, S., Jenewein, J., Schnyder, U., & Kraemer, B. (2009). The
psychological outcome of religious coping with stressful life events in a Swiss sample
of church attendees. Psychotherapy and Psychosomatics, 78(4), 240-247.
Wittchen, H.-U., & Hoyer, J. (2006). Klinische Psychologie und Psychotherapie: Springer
Medizin Verlag Heidelberg.
World-Health-Organization. (1989). ICD-10: International statistical classification of diseases
and related health problems: tenth revision: World Health Organization.
Worthington, E. L., Jr., Hook, J. N., Davis, D. E., & Mcdaniel, M. A. (2011). Religion and
spirituality. Journal of Clinical Psychology, 67(2), 204-214.
102
Literaturverzeichnis
Wulff, D. M. (1993). On the origins and goals of religious development. International Journal
for the Psychology of Religion, 3(3), 181-186.
Yonker, J. E., Schnabelrauch, C. A., & Dehaan, L. G. (2012). The relationship between
spirituality and religiosity on psychological outcomes in adolescents and emerging
adults: A meta-analytic review. Journal of Adolescence, 35(2), 299-314.
Zaider, T. I., Heimberg, R. G., & Iida, M. (2010). Anxiety disorders and intimate relationships:
A study of daily processes in couples. Journal of Abnormal Psychology, 119(1), 163173.
Zellner, L. (1995). Gottestherapie: Befreiung von dunklen Gottesbildern: Kösel.
Zinnbauer, B. J., Pargament, K. I., Cole, B., Rye, M. S., Butter, E. M., Belavich, T. G., . . .
Kadar, J. L. (1997). Religion and spirituality: Unfuzzying the fuzzy. Journal for the
Scientific Study of Religion, 36(4), 549-564.
Zinsmeyer, M. C. (2010). A study of the spiritual awakening experiences of 12 individuals
participating in the 12-step program of alcoholics anonymous. (70), ProQuest
Information & Learning, US. Verfügbar unter
http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&db=psyh&AN=2010-99040330&site=ehost-live - EBSCOhost psyh Datenbank.
Zwingmann, C., Klein, C., & Höfling, V. (2011). Messung von Religiosität/Sprirtualität im
Rahmen der Gesunheitsforschung. Ein Überblick über deutschsprachige
Fragebogenskalen. In Klein, C., Berth, H. & Balck, F. (Hrsg.), Gesundheit - Religion Spiritualität. Konzepte, Befunde und Erklärungsansätze (65-93). Weinheim und
München: Juventa Verlag.
103
Literaturverzeichnis
Anhang A – Abkürzungsverzeichnis
1-β
Abb.
AV
α
bzw.
ca.
d
df
ebd.
η²
η²p
F
ggf.
Ggs.
H
M
K-S-z
Max.
Min.
N
ns
p
ϕ
r
s.
s.o.
s.u.
S.
SD
t
Tab.
u.a.
usw.
UV
z.B.
Teststärke
Abbildung
abhängige(n) Variable(n)
Reliabilitätsmaß Cronbachs α
beziehungsweise
circa
Effektstärkemaß Cohen’s d
degrees of freedom (Freiheitsgrade)
ebenda
Effektstärkemaß Eta²
Effektstärkemaß partielles Eta²
F-Wert einer F-Verteilung
gegebenenfalls
Gegensatz
Hypothese
Mittelwert
Prüfgröße des Kolmogorov-Smirnov-Tests
Maximum
Minimum
Anzahl der Fälle
nicht signifikant
Signifikanzwert
Phi-Koeffizient
Korrelationskoeffizient
siehe
siehe oben
siehe unten
Seite
Standardabweichung
t-Wert einer t-Verteilung
Tabelle
unter anderem
und so weiter
unabhängige(n) Variable(n)
zum Beispiel
104
Anhang B – Die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker
Anhang B – Die 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker
1. Schritt:
Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und
unser Leben nicht mehr meistern konnten.
2. Schritt:
Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns
unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
3. Schritt:
Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge
Gottes - wie wir Ihn verstanden - anzuvertrauen.
4. Schritt:
Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
5. Schritt:
Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber
unverhüllt unsere Fehler zu.
6. Schritt:
Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu
lassen.
7. Schritt:
Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
8. Schritt:
Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt
hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
9. Schritt:
Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut - wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
10. Schritt:
Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
11. Schritt:
Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu
Gott - wie wir Ihn verstanden - zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn
auszuführen.
12. Schritt:
Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und
unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.
(Anonyme Alkoholiker, 2013)
105
Anhang C – „Fragebogen zur Erhebung der spirituellen Überzeugungen und
Bedürfnisse unserer Patienten“
Anhang C – „Fragebogen zur Erhebung der spirituellen
Überzeugungen und Bedürfnisse unserer Patienten“
1. Name, Vorname
2. Geburtsdatum (6-stellig)
3. Geschlecht:
1= w. 2= m.
4. Höchster erreichter Schulabschluss
5. Religionszugehörigkeit
1.: ohne Abschluss
2: Hauptschule
3. Mittlere Reife
4. Abitur
5. Hochschule
0: keine
1: katholisch
2: evangelisch Lk
3: freikirchlich
4: andere christliche Kirche
5: jüdisch
6: muslimisch
7: buddhistisch
8: andere
6. Familienstand
7. Beruf
1: verheiratet
2: geschieden/getrennt
3: verwitwet
4: ledig,
1: selbständig
2: Angestellt
3: Arbeiter
4: Beamter
5: Rentner
6: Hausfrau
7: arbeitslos
Bitte geh bei diesen und allen weiteren Fragen von Deiner persönlichen Vorstellung von „Gott“ oder „Göttlichem“ aus.
8. Wie stark glaubst Du daran, dass es „Gott“ oder etwas „Göttliches“ gibt?
1: gar nicht
2: wenig
3: mittel
4: ziemlich
5: sehr
6: weiß nicht
106
Anhang C – „Fragebogen zur Erhebung der spirituellen Überzeugungen und
Bedürfnisse unserer Patienten“
9. Wie oft kommen die folgenden Ereignisse oder Situationen bei Dir vor?
a) Wie oft betest Du?
b) Wie oft meditierst Du?
c) Wie oft nimmst Du an Gottesdiensten teil?
d) Wie oft denkst Du über religiöse Themen nach?
e) Wie oft erlebst Du Situationen, in denen Du das Gefühl hast,
dass „Gott“ oder etwas „Göttliches“ in Dein Leben eingreift?
f) Wie oft erlebst Du Situationen, in denen Du das Gefühl hast,
mit Allem Eins zu sein?
1: nie
2: selten
3: gelegentlich
4: oft
5: sehr oft
10. Wie oft erlebst Du Situationen, in denen Du folgende Gefühle in Bezug auf
„Gott“ oder etwas „Göttliches“ hast:
a) Vertrauen
b) Ehrfurcht
c) Furcht (Schrecken)
d) Freude
e) Schuldgefühl
f) Geborgenheit
g) Ärger
h) Glück
i) Scham
j) Hoffnung
k) Zorn
l) Dankbarkeit
m) Versagen
n) Verehrung
o) Angst
p) Befreiung von Schuld
1: nie
2: selten
3: gelegentlich
4: oft
5: sehr oft
107
Anhang C – „Fragebogen zur Erhebung der spirituellen Überzeugungen und
Bedürfnisse unserer Patienten“
11. Zugehörigkeit zu einer spirituellen/religiösen Gemeinschaft (Gemeinde, Kirche, spirituelle Gruppe)
ja
nein
12. Wenn ja, wie wichtig ist diese Gemeinschaft für Dich
1: außerordentlich wichtig
2: ganz wichtig
3: ziemlich wichtig
4: etwas wichtig
5: kaum wichtig
6: nicht relevant
13. Hast Du schon mal Meetings nach dem 12-Schritte-Programm besucht?
ja
nein
14. Wenn ja, wie viele?
1: -3
2: 4-10
3: 11-50
4: 51-100
5: >100
15. Wenn ja, wie wichtig sind Dir die Meetings?
1: außerordentlich wichtig
2: ganz wichtig
3: ziemlich wichtig
4: etwas wichtig
5: kaum wichtig
6: gar nicht wichtig
108
Anhang C – „Fragebogen zur Erhebung der spirituellen Überzeugungen und
Bedürfnisse unserer Patienten“
16. Für die Auswahl der Klinik war religiöses/spirituelles Angebot der Klinik von
Bedeutung
1: außerordentlich wichtig
2: ganz wichtig
3: ziemlich wichtig
4: etwas wichtig
5: kaum wichtig
6: nicht relevant
17. Für die Auswahl der Klinik war im Speziellen das 12-Schritte-Programm von
Bedeutung
1: außerordentlich wichtig
2: ganz wichtig
3: ziemlich wichtig
4: etwas wichtig
5: kaum wichtig
6: nicht relevant
18. Wie soll nach Deiner Meinung Dein Therapeut mit spirituellen Themen in der
Therapie umgehen?
1: nicht berücksichtigen
2: aktiv ansprechen
3: nur wenn von Dir gewünscht darauf eingehen
4: Seelsorge einschalten
5: weiß nicht
Anmerkung: farbliche Kennzeichnung der Fragen:
aus dem R-S-T (Huber, 2003)
aus dem SPIR (Weber & Frick, 2002)
Klinikspezifische Fragen
109
Anhang D – FPI-R Fragebogen - Lebenszufriedenheitsskala
Anhang D – FPI-R Fragebogen - Lebenszufriedenheitsskala
Tabelle 20. Fragen zur Lebenszufriedenheit aus dem FPR-R (Fahrenberg et al., 2001)
3
23
29
58
88
94
100
112
119
128
131
138
Ich habe (hatte) einen Beruf, der mich voll befriedigt
Ich lebe mit mir selbst in Frieden und ohne innere Konflikte
Wenn ich noch einmal geboren würde, dann würde ich nicht
anders leben wollen
In meinem bisherigen Leben habe ich kaum das verwirklichen
können, was in mir steckt
Ich bin immer guter Laune
Oft habe ich alles gründlich satt
Ich bin selten in bedrückter, unglücklicher Stimmung
Ich grüble viel über mein bisheriges Leben nach (invers)
Ich bin mit meinen gegenwärtigen Lebensbedingungen oft
unzufrieden
Alles in allem bin ich ausgesprochen zufrieden mit meinem
bisherigen Leben
Meine Partnerbeziehung (Ehe) ist gut
Meistens blicke ich voller Zuversicht in die Zukunft
stimmt
stimmt
nicht
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
O
Anmerkungen:
Die Fragen 58, 94, 112, 119 werden invers kodiert.
Die antwortenden Personen werden gebeten zu beachten, dass sie auch bei persönlichen
Fragen so antworten, wie es auf sie persönlich zutrifft, ohne darauf zu achten, was den
besten Eindruck machen würde. Es wird darauf hingewiesen, dass die Daten vertraulich
gehandhabt werden. Die Personen werden außerdem aufgefordert, nicht lange über einen Satz nachzudenken, sondern die Antwort zu geben, die ihnen unmittelbar in den
Sinn kommt. Auch wenn keine der Antworten passe, solle die Antwort angekreuzt werden, die noch am ehesten zutreffe.
(Fahrenberg et al., 2001)
110
Anhang E – Fragebogen des ICD-10-Symptomratings
Anhang E – Fragebogen des ICD-10-Symptomratings
111
Anhang E – Fragebogen des ICD-10-Symptomratings
112
Anhang E – Fragebogen des ICD-10-Symptomratings
(Psychosomatik, 2010)
113
Anhang F – Deskriptive Statistiken innerhalb der untersuchten Subgruppen
Anhang F – Deskriptive Statistiken innerhalb der untersuchten Subgruppen
Tabelle 21. Deskriptive Statistiken der AVs in den Zentralitäts-Gruppen
Messzeitpunkt
AV
Zentralität der Re- N
ligiosität
M
SD
1
Lebenszufriedenheit
nicht religiös
mittel religiös
sehr religiös
28
36
35
2.29
3.19
2.57
2.03
2.49
2.20
Gesamt
99
2.72
2.28
nicht religiös
mittel religiös
sehr religiös
28
36
35
2.82
2.26
2.40
.99
1.10
0.95
Gesamt
99
2.47
1.03
nicht religiös
mittel religiös
sehr religiös
28
36
35
1.55
1.33
1.41
0.66
0.56
0.46
Gesamt
99
1.42
0.56
nicht religiös
mittel religiös
sehr religiös
28
36
35
4.04
4.94
4.71
2.86
3.13
3.20
Gesamt
99
4.61
3.07
nicht religiös
mittel religiös
sehr religiös
28
36
35
1.57
1.22
1.36
0.98
0.89
0.79
Gesamt
99
1.37
0.89
nicht religiös
mittel religiös
sehr religiös
sehr religiös
28
36
35
99
.91
.65
.67
.73
0.66
0.47
0.42
0.52
Angststärke
ISR-Globalwert
2
Lebenszufriedenheit
Angststärke
ISR-Globalwert
114
Anhang F – Deskriptive Statistiken innerhalb der untersuchten Subgruppen
Tabelle 22. Deskriptive Statistiken der AVs in den Gottesbild-Gruppen
Messzeitpunkt
AV
Gottesbild
N
M
SD
1
Lebenszufriedenheit
positiv
negativ
24
25
3.38
1.64
2.41
1.60
Angststärke
positiv
negativ
24
25
2.17
2.72
1.12
0.92
ISR-Globalwert
positiv
negativ
24
25
1.26
1.68
0.51
0.55
Lebenszufriedenheit
positiv
negativ
24
25
5.04
3.16
3.01
3.15
Angststärke
positiv
negativ
24
25
1.30
1.65
0.90
1.06
ISR-Globalwert
positiv
negativ
24
25
0.71
0.99
0.52
0.67
2
115
Anhang G – Unterschiede der untersuchten Subgruppen in Bezug auf
soziodemographische und klinische Variablen
Anhang G – Unterschiede der untersuchten Subgruppen in
Bezug auf soziodemographische und klinische Variablen
Tabelle 23. Demographische und klinische Daten der als UV untersuchten Gruppen:
einfaktorielle Varianzanalysen
Gruppeneinteilung
Variablen
df
F
p
Zentralität
Altersklassen
Anzahl der Diagnosen
Anzahl ambulanter Psychotherapien
Anzahl stationärer Vorbehandlungen
Behandlungsdauer in Tagen
2, 107
2, 107
2, 99
2, 94
2, 107
11.86
0.48
0.21
4.56
0.12
.00
.61
.81
.01
.89
Negatives
Gottesbild
Altersklassen
Anzahl der Diagnosen
Anzahl ambulanter Psychotherapien
Anzahl stationärer Vorbehandlungen
Behandlungsdauer in Tagen
1, 102
1, 102
1, 95
1, 90
1, 102
5.15
1.24
0.38
3.16
1.04
.03
.27
.54
.08
.31
Positives
Gottesbild
Altersklassen
Anzahl der Diagnosen
Anzahl ambulanter Psychotherapien
Anzahl stationärer Vorbehandlungen
Behandlungsdauer in Tagen
1, 106
1, 106
1, 98
1, 93
1, 106
1.05
1.22
0.20
0.02
0.00
.31
.27
.66
.89
.96
Tabelle 24. Demographische und klinische Daten der als UV untersuchten Gruppen: Kreuztabellen
Gruppeneinteilung
Variablen
Cramer`s V
p
Zentralität
Schulabschluss
Familenstand
Pharmakobehandlung vor Aufnahme
12.40
0.29
0.32
.58
.03
.24
Negatives
Gottesbild
Schulabschluss
Familenstand
Pharmakobehandlung vor Aufnahme
0.33
0.25
0.13
.15
.18
.26
Positives
Gottesbild
Schulabschluss
Familenstand
Pharmakobehandlung vor Aufnahme
0.30
0.12
0.24
.25
.83
.21
116
Anhang H – Kolmogorov-Smirnov-Tests auf Normalverteilung in den untersuchten
Gruppen
Anhang H – Kolmogorov-Smirnov-Tests auf Normalverteilung in den untersuchten Gruppen
Tabelle 25. Kolmogorov-Smirnov-Tests für zu beiden Messzeitpunkten erhobene Variablen
MZP
Gruppe
Lebenszufriedenheit
Angststärke
ISR-Globalwert
K-S-z
p
K-S-z
p
K-S-z
p
1
Gesamt
Neg. GB
Kein neg. GB
Pos. GB
Kein pos. GB
Nicht religiös
Mittel religiös
Hoch religiös
1.94
1.10
1.70
1.07
1.94
1.27
1.25
1.02
.00
.18
.00
.21
.00
.08
.05
.25
1.00
0.96
0.92
0.58
1.13
0.86
0.79
0.93
.27
.31
.51
.90
.15
.45
.56
.35
0.53
0.60
0.44
0.39
0.54
0.59
0.40
0.63
.94
.87
.99
1.00
.93
.87
1.00
.82
2
Gesamt
Neg. GB
Kein neg. GB
Pos. GB
Kein pos. GB
Nicht religiös
Mittel religiös
Hoch religiös
1.24
1.01
0.82
0.57
1.12
0.87
0.77
0.88
.09
.25
.51
1.00
.16
.44
.60
.42
1.25
0.71
1.10
0.85
1.18
0.79
0.83
0.89
.09
.69
.19
.47
.12
.55
.50
.41
1.10
0.96
1.25
0.89
0.86
0.96
0.95
0.62
.18
.31
.09
.42
.45
.32
.33
.83
Anmerkungen: K-S-z = Prüfgröße des Kolmogorov-Smirnov-Tests, MZP = Messzeitpunkt,
neg.= negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild
Tabelle 26. Kolmogorov-Smirnov-Tests für zum ersten Messzeitpunkten erhobene Variablen
Negative Gefühle gegenüber
Gott
Positive Gefühle gegenüber
Gott
Zentralität der Religiosität
K-S-z
p
K-S-z
p
K-S-z
p
0.74
.65
0.96
.32
1.12
.11
Anmerkungen: K-S-z = Prüfgröße des Kolmogorov-Smirnov-Tests, MZP = Messzeitpunkt,
neg.= negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild
117
Anhang I – Berechnungen zur Überprüfung der H3 in der Gruppe der hochreligiösen
Personen
Anhang I – Berechnungen zur Überprüfung der H3 in der
Gruppe der hochreligiösen Personen
Tabelle 27. Korrelation der Religiositätsmaße untereinander
Theistische Zentralität
Negative Gefühle Gott gegenüber
Positive Gefühle Gott gegenüber
Theistische
Zentralität
Negative Gefühle
Gott gegenüber
Positive Gefühle
Gott gegenüber
1
-.17
-.75**
-.17
1
.11
-.75**
.11
1
Anmerkung: ** = p <.01
Tabelle 28. Partialkorrelationen der Religiositätsmaße mit Maßen psychischer Gesundheit, kontrolliert für Alter, in der Gruppe der hochreligiösen Personen
Lebenszufriedenheit
Angstskala
ISR-Globalwert
Negative Gefühle Gott gegenüber
Positive Gefühle Gott gegenüber
-.33*
.33*
.47**
-.10
.12
.11
Anmerkung: ** = p <.01
Tabelle 29. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Lebenszufriedenheit in der Gruppe der hochreligiösen Personen
Quelle der Varianz
df
F
p
Korrigiertes Modell
Konstanter Term
neg. GB
pos. GB
neg. GB* pos. GB
Fehler
2
1
1
1
0
34
1.56
30.32
1.65
0.62
-
.23
.00
.21
.44
-
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
Tabelle 30. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV Angststärke in der Gruppe der
hochreligiösen Personen
Quelle der Varianz
df
F
p
Korrigiertes Modell
Konstanter Term
neg. GB
pos. GB
neg. GB* pos. GB
Fehler
2
1
1
1
0
34
1.11
93.30
1.28
0.36
-
.34
.00
.27
.55
-
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
118
Anhang I – Berechnungen zur Überprüfung der H3 in der Gruppe der hochreligiösen
Personen
Tabelle 31. Dreifaktorielle univariate Varianzanalyse zur AV ISR-Globalwert in der Gruppe der
hochreligiösen Personen
Quelle der Varianz
df
F
p
Korrigiertes Modell
Konstanter Term
neg. GB
pos. GB
neg. GB* pos. GB
Fehler
2
1
1
1
0
34
4.65
152.99
7.74
0.03
-
.02
.00
.01
.16
-
Anmerkungen: neg. = negatives; pos. = positives; GB = Gottesbild; * = Interaktion
119
Herunterladen