Anpassung, Darmstadt, Juni 2010

Werbung
Landesamt für Natur,
Umwelt und Verbraucherschutz
Nordrhein-Westfalen
Anpassung an den Klimawandel Eine Strategie für NRW
Dr. Barbara Köllner
Christina Seidenstücker
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz
Nordrhein-Westfalen
Autorenname, Fachbereich
Begriffserklärung
• Wetter = Zustand der unteren Atmosphäre zu einem bestimmten
Zeitpunkt an einem bestimmten Ort
• Klima = statistische Größe; mittlerer Zustand der Atmosphäre
(eines Ortes/einer Region)
• Treibhauseffekt: „Wärmestau“ in der unteren Atmosphäre
verursacht durch die enthaltenen Treibhausgase
• Natürlicher Klimawandel: gab es schon immer; Ursachen:
Milankovich-Zyklen, Kontinentalverschiebung, Änderung der
Sonneneinstrahlung und Vulkanausbrüche
• Anthropogener Klimawandel: Verstärkung des natürlichen
Treibhauseffekts durch rapide Zunahme der Konzentrationen von
Treibhausgasen in der Atmosphäre verursacht durch den
Menschen
Klimaschutz - Klimafolgen Klimaanpassung
• Klimaschutz:
- Maßnahmen, die der globalen Erwärmung entgegen
wirken
 Reduzierung treibhauswirksamer Gase
• Klimafolgen:
- Reaktionen der Umwelt auf den Klimawandel
• Klimaanpassung:
- Maßnahmen, die Klimafolgen abmildern können
 Vermeidung von Schäden für Mensch und Umwelt
 Nutzen von Chancen
Herausforderung Klimawandel
• Nur die drastische Reduktion von THG kann den Klimawandel
und seine Folgen in erträglichem Rahmen halten
• Selbst bei sofortigen Stopp aller Treibhausgasemissionen
wird sich das Klima ändern
• International wird das sog. 2°C-Ziel angestrebt
• Selbst wenn es gelingt, dieses Ziel zu erreichen, wird der
Klimawandel Folgen haben
• Daher gilt: Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des
Klimawandels gehören zu einer verantwortungsvollen
Klimapolitik
Der Klimawandel ist in
NRW angekommen
Der Klimawandel ist in NRW angekommen
– nicht drastisch aber stetig
- Anstieg der Durchschnittstemperaturen: seit Beginn
des Jahrhunderts um ca.1,1°C, im Winter um 1,5 °C.
Abnahme der Frosttage, Zunahme der Sommertage
- Zunahme Gesamtniederschläge: durchschnittlich fällt
heute ca. 15% mehr Niederschlag als vor 100 Jahren,
Zunahme v.a. im Winterhalbjahr, starke regionale
Unterschiede.
- Zunahme Extremniederschläge (leichter Trend): Tage
mit Starkregen haben zugenommen
Der Klimawandel ist in NRW
angekommen
Trend Temperatur, NRW Mittel
2,0
Abweichung vom Mittelwert 1901-2008
dekadisches gleitendes Mittel
linearer Trend 1901-2008
1,0
0,5
-1,0
-1,5
-2,0
2000
1990
1980
1970
1960
1950
1940
1930
1920
-0,5
1910
0,0
1900
Abweichung vom Mittelwert in °C
1,5
Wo wir stehen:
das Klima ändert sich –
das hat Folgen
Wo wir stehen:
das Klima ändert sich – das hat Folgen
• Verlängerung der Vegetationsperiode um bis zu 14 Tage
Verschiebung von Anbauzonen, Fruchtfolgen u. landw. Management
Tag im
Jahr
150
140
130
120
110
100
90
80
70
1975
Daten: DWD
Beginn der Apfelblüte in Nordrhein-Westfalen
1978-2008
linearer Trend
Messwerte
Mittelwert Refernzperiode (1961 - 1990)
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
Wo wir stehen:
das Klima ändert sich – das hat Folgen
• Erhöhung der Wassertemperatur im Rhein
Verlust an Kühlkapazität z.B. für Kraftwerke
30,0
Temperatur [°C]
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0
mittlere Wassertemperatur
maximale Wassertemperatur
0,0
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
Wo wir stehen:
das Klima ändert sich – das hat Folgen
• Ausbreitung Wärme liebender Arten, Zuzug von Neophyten
Biodiversitätsmonitoring NRW / Ökologische Flächenstichprobe (ÖFS)
Bestandsentwicklung von Brutvogelarten
Basisjahr 2002: Index 100
120
115
114,9
Index
110
105,4
105
103,7
100
95
90
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
Klimage winne r
Klimav e rlie re r
Blässhuhn
Buntspecht
Eisvogel
Gartenbaumläufer
Girlitz
Grünspecht
Haubentaucher
Hausrotschwanz
Jagdfasan
Kernbeiß er
Kleiber
Mehlschwalbe
Mönchsgrasmücke
Pirol
Schleiereule
Steinkauz
Teichhuhn
Turteltaube
Wachtel
Waldkauz
Waldohreule
Wasseramsel
Zaunkönig
Zilpzalp
Alpenbirkenzeisig
Erlenzeisig
Feldschwirl
Fichtenkreuzschnabel
Fitis
Gelbspötter
Grauspecht
Haubenmeise
Kiebitz
Klappergrasmücke
Kleinspecht
Nachtigall
Reiherente
Schwarzspecht
Sommergoldhähnchen
Sumpfrohrsänger
Tannenmeise
Trauerschnäpper
Wacholderdrossel
Waldbaumläufer
Waldlaubsänger
Waldschnepfe
Weidenmeise
Wiesenpieper
Wintergoldhähnchen
Jahre
Klimagewinner (n=24)
Klimaverlierer (n=25)
Klimaneutrale (n=51)
Gewichtetes geometrisches Mittel der Artenindices
LA NUV NRW
König / Sant ora
M ärz 2009
Das Klima in
Nordrhein-Westfalen
- womit können/müssen wir
rechnen?
Klimaprojektionen
• Mathematische Modelle berechnen die wahrscheinliche
Entwicklung des zukünftigen Klimas
 Projektionen sind keine Vorhersagen, es können lediglich
Tendenzen abgeschätzt werden
• Für NRW stehen vier Modelle zur Verfügung
• Grundlage: Annahmen zu Treibhausgasemissionen bis 2100
• Neben den Vorgängen in der Atmosphäre werden die
globalen Wechselwirkungen mit der Wasseroberfläche
berücksichtigt
Das Klima in
Nordrhein-Westfalen
Womit können/müssen wir wahrscheinlich rechnen?
• Langfristig steigt die mittlere Jahrestemperatur um ca. 2°C
• Die Sommer werden trockener
• Sommertage werden häufiger: Häufigere und v.a. längere
Hitzeperioden
• Die Winterhalbjahre werden feuchter
• Starkregenereignisse nehmen evt. zu
• Frosttage werden seltener
ab 2030 ist mit einer starken Zunahme der Auswirkungen zu
rechnen
Jahresmitteltemperatur
Nordrhein-Westfalen (WettReg Szenario A1B)
1971-2000
2071-2100
Sommertage Nordrhein-Westfalen
(WettReg Szenario A1B)
1971-2000
2071-2100
Sommertag: max. Tagestemperatur > 25°C
Anpassung an den Klimawandel:
Was heißt das?
Angesichts der Auswirkungen des
Klimawandels vorausschauend handeln, um
die Anfälligkeiten von Mensch und Umwelt
zu verringern und neue Chancen zu nutzen
(Anpassungsstrategie NRW, Hrsg.: MUNLV)
Warum ist NRW anfällig?
- hohe Bevölkerungsdichte
- dicht bebaute und versiegelte Ballungszentren
- teure Infrastruktur
- ausgeprägte Industrielandschaft
- umfangreiche Land- und Forstwirtschaft
- vielfältige Natur
Anpassungsstrategie NRW –
Ziele
• Veröffentlicht im April 2009
• Sowohl sektorale als auch
regionale Betrachtung
• 8 Handlungsfelder
• Ziele
–
–
–
–
Problembewusstsein stärken
Wissen erweitern
Handlungsoptionen anbieten
Maßnahmen initiieren
http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/klimawandel/service/publikationen/index.php
Mögliche Folgen für die Natur
• Verlagerung der Klimazonen nach Norden oder „in die Höhe“
– Arealverschiebungen, Verhaltensänderungen,
gebietsfremde Arten etc.
 Es entstehen neue Lebensgemeinschaften mit neuer
Artenkombination
 Verlierer sind die Spezialisten
 Schätzung: zwischen 5 bis 30 % der Arten könnten
aussterben (Klimawandel ist dabei zusätzlicher
Belastungsfaktor)
Mögliche Folgen für den Wasserbereich
Anpassungsmaßnahmen im
Naturschutz
• Verringerung vorhandener Stressfaktoren für Arten und
Lebensräume
• Schutz insbesondere von Feuchtlebensräumen
• Aufbau eines Biotopverbunds
• Biodiversitätsmonitoring
Mögliche Folgen für den Wasserbereich
Mögliche Folgen für den
Wasserbereich
• Mehr Niederschläge im Winter
– Überschwemmungen (v. a. Siedlungsbereiche)
• Weniger Niederschläge im Sommer
– Schiffbarkeit von Wasserstrassen, Bewässerung
landwirtschaftlicher Kulturen, Konzentration von
Schadstoffen
• Höhere Temperaturen im Gewässer
– Stoffkreisläufe geändert, Kühlkapazität reduziert,
Wasserqualität beeinträchtigt
Anpassungsmaßnahmen im
Wasserbereich
•
•
•
•
Dimensionierung von Hochwasserschutzanlagen
Überprüfung der Hochwasser-Risikogebiete
Wassersparende Technologien in Kraftwerken
Sicherung von Abwasserbeseitigung, bspw.
Dimensionierung von Kanalisation und
Speicherbecken
• Optimierung von Wärmelastplänen
• Talsperrenmanagement
Mögliche Folgen für die Städte
• häufigere und v.a. längere Hitzeperioden
=> Problematik Hitzeinseln
=> Anstieg Hitze-Mortalität und -Morbidität
• zunehmende Starkregenereignisse
=> häufigere Flusshochwässer
=> ggf. Anstieg der mittleren Grundwasserstände
=> Schäden an Gebäuden und Infrastruktur
Anpassung in den Städten
• Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung
• Kühlung in Gebäuden, insb. in Alten- und Pflegeheimen
• Freiraumplanung: Grünflächen, Frischluftschneisen,
Wasserflächen, Versickerungsbereiche
• Vermeidung/Minimierung von Hitzeinseln
• Begrünung: Dächer und Fassaden,
Straßenzüge
• Identifikation von gefährdeten Bereiche bei
Starkniederschlägen
• Festsetzung von Bebauungsgrenzen
Fazit
• Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des
Klimawandels sind wichtig
• Das Klima in NRW weist geländebedingt starke regionale
Unterschiede auf.
• Regionen haben eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von
Maßnahmen zur Anpassung, Vernetzung aller Akteure ist
essentiell
• Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels muss in alle
Politik- und Gesellschaftsbereiche integriert werden
• Wenn rechtzeitig entsprechende Maßnahmen
zur Anpassung umgesetzt werden, sind die Folgen des
Klimawandels in NRW voraussichtlich beherrschbar
„Alle Menschen sind klug –
die einen vorher, die anderen nachher.“
Voltaire, französischer Autor (1694 - 1778)
Danke für Ihre
Aufmerksamkeit!
Herunterladen