Chronik des Dorfes Lübnitz

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Chronik des Dorfes
Lübnitz
Von den Slaven
…
… bis zur
Wende.
Für Günther Herrmann
Dorfimpressionen
Schwienemarkt
in
Belz
Hiete je Millewoche, Schwienemarkt in Belz, de Bure treckt all an sein jroten Pelz.
Knechte, det Utmessen nich vorjäeten, wai sin nich weller doa tum Millachäeten!
Spannt det Pärd vorn Vadeckwoan, det joat los. Mutter, wo blißte denn hiete bloß!
Von wieten hierschte all det Jejaxe, männiche bringen äere Pölke met de Hunnewoan –
Taxe.
An olle Rienecke joat et nur vabai: „Sind deine Ferkel auch seuchenfrei?“
En Jroschen for`t Stick hat däe Herr Rat kassiert, un de Lüle ofte siehre blamiert.
Kiekt bloß häe, sin unse Farken nich scheen, so wärn si feiljebodn ant Hingerbeen.
Jefeilscht un jehandelt ward firchterlich, un doch wärd man sich eenich, det jlobste nich.
Däe Schwienemarkt is nu vabei, injekooft wärd jetzt noch allerlei.
Bai Anton Jäjersch wärd utjeschpannt, een poar Wörschtjen jejäten – wäe koam ja vant land.
Mutter, näm Häeringe met noa Huus, moal wat ännert als Schwienefleesch un Plummus.
Holztoffeln van Fricken mieten wäe noch hoaln, un miene Knobelbecher bai Jeorjinos, vant
Besoaln.
Van Lebings Mottenkugeln un jurre Seepe – die is for alle, un for de Rökerkammer noch
eene Musefalle.
Kleene Weichert mutt ick noch besüken un noa miene Zinsen kieken, bäi London – Jäjern de
Hoare
schniedn, och noch´n Kopp met Pomade inriebm.
Jetzt joan wäe noch tu Bräkows all zwee, doa wärd denn utjeriemt mien Portmanai.
Köpe mäe een näien Zelinder for den ollen, finf Jenerationen hät nu däe all jeholln.
Tu Wiehnachten kreien de Dienstboadn, wat wiste moaken, Lienehemdn,
wullne Ungerröcke un parchene Belleloaken.
Inne Kiste Zigarrn noch, van Kräpel – Jäjern up de Ecken, eene jleich ruthoaln, tum int Muul
rinstecken.
Allet wärd nu upjeloan un trap, trap noa Huus jefoarn. Nu lopt uns olle Barfuß noch örn
Wech, däeräedt
immer recht lule, un manichmoal ok frech.Schwiene fullern un vaköpen, det isset wat mäe
jefällt, denn wärd et och nich alle, dat scheene, liewe Jeld.
Zeittafel
10. Jh.
13.Jh.
27.07.1314
1426
1455
Bis 1467
1467
1467 – 1601
1601 – 1928
1496
1555
1575
1640
1676
1682
1758
Lübnitz
Besiedlung des Ortes durch Slawen
Neugründung des Ortes durch deutsche Siedler
Ersterwähnung von Lübnitz in einer Urkunde
Wüstung
Wüstung
Im Besitz des sächsischen Kurfürsten und seiner Erbmannen
Wüstung, benachbarte Dorfstellen Bossdorf und Herzberg bleiben
dauerhaft unbewohnt
Rittergut im Besitz der Familie von Ziegsar
Rittergut im Besitz der Familie von Lochow
5 Höfe zahlen Türkensteuer
12 Besitzer im Dorf
2 Erbherren, 5 Hüfner, 3 Gärtner (ohne Landbesitz)
Rittergut als abgebrannt bezeugt (wahrscheinlich 1636), alle
Bauerngüter eingegangen
6 Höfe bewohnt
noch 6 Höfe wüst
1 Schulze, 5 Hüfner, 8 Kossäten
1777
1813
1815
1815
1817
1837
1858
1891
1895
1900
1925
1931
1928
1939
1946
1960
1964
1964
1971
1973
12 Häuser gehören der Herrschaft, erbaut auf Rittergrund und -boden;
6 Hüfner, 10 Kossäten
Teilweise Zerstörung des Dorfes durch die Kolbenschlacht von
Hagelberg
Lübnitz wird preußisch und gehört zum Kreis Zauch-Belzig
5 Hüfner, 6 Kossäten, 1 Prediger, 1 Förster,
219 Einwohner
237 Einwohner, 2 Rittergüter, 28 Wohnhäuser
Im Dorfbesitz: 898 Morgen Land, 144 Bewohner
Rittergut: 2262 Morgen Land, 111 Einwohner
Mühle und Ziegelei erwähnt
Das Dorf 114 Einwohner, das Rittergut 80 Einwohner
Das Dorf 226 ha, 26 Häuser; Rittergut 639 ha, 10 Häuser
217 Einwohner
45 Wohnhäuser mit 48 Haushaltung
Der Gutsbezirk wird aufgelöst und zum größten Teil mit der Gemeinde
vereinigt
199 Einwohner
Das Rittergut wird enteignet und in VEG umgewandelt
LPG I mit 30 Mitgliedern und 155 ha Land
LPG III mit 12 Mitgliedern und 84 ha Land
Zusammenschluss beider LPG zu Typ III
235 Einwohner
250 Einwohner
1. LPG, VEG Schmerwitz - Betriebsteil Lübnitz
Der
Beginn
Das slawische Einsiedeln der
Gebiete zwischen Elbe und Oder begann nach 700 und erfolgte in kurzen Intervallen. Die
verschieden slawischen Gruppen kamen aus der Gegend des heutigen Polen und Böhmen.
Später fanden sie sich zu größeren Verbänden wie den Obodriten, Wilzen oder Sorben
zusammen. Vereinzelt trafen sie auf germanische Ureinwohner vom Stamme der Semnonen,
einem Teilstamm der Sueben, die mit der Völkerwanderung nach Südwesten gezogen und
nur einzelne Siedlungsinseln östlich der Elbe hinterlassen hatten.
» Am Anfang war der Weiher. Obwohl eher klein, bot er Mensch und Vieh genügend
Trinkwasser und ausreichend nass für die Äcker. Der Boden war karg und übersät von
Steinen, Überbleibsel der letzten Eiszeit. Durch die Bearbeitung mit dem hölzernen
Hakenpflug und anderen einfachen Geräten, ernährte er die Gemeinschaft. Die Handvoll
Häuser umgab ein dichter Mischwald. «
So könnte es gewesen sein, als die ersten Einwohner des späteren Dorfes Lübnitz dieses
Stück Land urbar und zu ihrem Lebensmittelpunkt machten.
Es waren Slawen, wahrscheinlich sorbischer Herkunft. Sie bauten ihre Grubenhäuser am
Küsterteich, östlich der jetzigen Kirche. Ihre Nahrung bestand vornehmlich aus Hafer,
seltener aus Hirsebrei. Ergänzt wurde die karge Kost durch Fisch und im November, nach
dem Schlachten, durch das Fleisch der Kühe, weniger Schwein.
Die Siedlung lag im Einzugsbereich des slawischen Adelshofes und später der slawischen
Burg in Belzig und diente zum Teil der Versorgung und Dienstpflicht. Allgemein gehörte das
Gebiet zum Gau Ploni und das wiederum zum Hevellergebiet mit seinem Fürstensitz in
Brandenburg.
Auf diese ethnischen Wurzeln wird auch der Ortsnamen zurückgeführt, der folgende
Deutungen erlaubt:
• Slawischer Personenname Luban, Lubnici, Lubgost, wurde sehr häufig für
Ortsnamen im slawischen Raum verwendet, in Bedeutung „Dorf oder Leute eines
Lub`n“
• Bildung mit adjektivischen Stamm „ljub“ –nica als lieblich, lieb
• Im Urslawischen bedeutet „ljub“ Baumrinde, Borke, Bast
• Vom slawischen Wort für Linde
• Nach der slawischen Liebesgöttin Luba in Bedeutung als „Lubas Dorf“, nach einer
Überlieferung lag ihr Heiligtum nördlich des Dorfes
Die Namensforschung favorisiert die 1. Möglichkeit.
Text der Urkunde vom 27. Juli 1314
In
Nomine domini Amen. Quum omnia facta hominum per diuturnam successionem
temporis euanescunt, vtili compertum est cautela et necassarie procuratum vt super
donacionibus proprietatum instrumenta conficiantur auctentica, Quibus, cum oportunum
fuerit, questio tollatur dubii et mera veritas comprobetur. Proinde nos Johannes, die gracia
prepositus lytzkensis, totumque capiulum eiusdem ecclesie Notum esse volumes
tampresentibus, quam futuris, Quod de vnanimi consensus indicto ad hoc capitulo
vendidimus et donauimus fratribus Kalendarum, ad quorum consecratum nos pertinemus, ad
altare in honore Beati Johannis Ewangeliste et Sancti Nicolai confecratum in nostra ecclesia,
vbi fingulis diebus missa dicetur pro salute viuorum et desunctorum, tria talenta denariorum
in lytzka datiuorum. Qui dabuntur in locis et terminis infrascriptis, Scilicet et duabus vineis,
sitis iuxta opidum litzka, Quarum vna vocatur domini camerarii et alia domini Geronis des
wluen, de Qualibet in festo Beati Martini X solidi, et in eodem opido de tribus curiis, Quarum
due site sunt iuxta cimiterium et vna, que dicitur Crutgarde, que in festo beati Nicolai I
talentum erogabunt, videlicet de duabus curiis IIII solidos et de ea, que dicitur crutgarde, VI
solidos, item festo Beati Johannis baptiste in decitz villa X solidi et in villa Quast X solidi
dabuntur, eo modo et iure, quo possidemus et recepimus, dicto altari perpetuo
appropriantes. Qui quidem denarii decano fratrum Kalendarum in temporibus prenotatis
prensententur et ab eodem decano tingulis ebdomadibus domimis nostris dictum altare
offciantibus dicti denarii diuidentur ita, ut anno finite numerous denariorum finiatur: Et si in
vna ebdomada dediceret, quod denarius dictos non daret aut forte non haberet, tunc in
viviniori termino cum sepedictos denarius procurare poterit, tam neglectos, quam tunc
dandos ministrabit. Vt autem nostre vendicionis et donacionis actio Impertetuum stabilis
perseueret, presens scriptum Sigillo nostro nostrique capituli fecimus roborari. Acta sunt
hec presentibus hiis Domino hinrico, plebano in lubenitz, decano fratrum Kalendarum,
et magistro vlrico, decano collegii Sancti Bartolomei in Cerwist, et magistro Henrico,
canonico ibidem, et domino Johanne, plebano sancti nicolai ibidem, et aliis quam
pluribus fidedignis. Datum in monte lytzka, anno domini M CCC XIIII, sexto Kalendas
Augusti.
Quelle: Capitale No. 53 f. 12 – 13 des Königl. Prov. Archives zu Magdeburg
Ersterwähnung des Ortes Lübnitz am 27. Juli 1314
Das Dorf Lübnitz hat seine erste
Erwähnung in einer Urkunde, ausgestellt in Leitzkau.
Leitzkau als Mutterkloster der späteren Klostergründung Brandenburg, war ein
Ausgangspunkt der ostelbischen Christianisierung, die allgemein in Magdeburg ihren Anfang
genommen und teilweise auch über die Gründung Jerichow als Mutterkloster für Havelberg,
durchgesetzt wurde. Neben dem Probst des Klosters Leitzkau sind die Kalendabrüder als
zweite Vertragspartei erwähnt. Diese Brüderschaft fand sich im 14. Jh. und bestand bis zur
Reformation. Manche Vereinigungen bildeten sich nur aus Mönchen, manche hatten auch
Laien in ihren Reihen. Im Laufe der Jahre kamen die Kalendabrüder teilweise zu reichem
Besitz, den es auch über größere Entfernungen zu verbinden galt. Ihre Zusammenkünfte
fanden an einem festen Tag im Monat, fast ausschließlich am Monatsbeginn, statt und
dienten folgenden Zwecken: abhalten von Gottesdiensten, gemeinsames Speisen und
Totengedenken. Für diese Dienste wurde sie entsprechend bezahlt. Das ist auch der Inhalt
der vorliegenden Urkunde. In ihr vermacht der Probstnamens Johannes gegen Dienste am
Altar der Klosterkirche von Leitzkau, festgelegte Einkünfte der Selbigen an die Brüderschaft.
Als Zeugen seitens der Kalendabrüder wird u.a. Heinrich, Pfarrer aus Lübnitz und
gleichzeitig Dekan der Brüder benannt. Damit tritt Lübnitz aus dem Dunkel der Geschichte
und erhält eine Zukunft.
Schloss Leitzkau
Das zweite Lübnitz
Das 10. bis 12. Jahrhundert war
geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen dem fränkischen Reich und den
verschiedenen slawischen Stämmen und Fürstentümern, die sich den Eroberungsversuchen
widersetzten. Mit Einnahme der slawischen Burg Brandenburg im Winter 928/929 durch
König Heinrich I., geriet auch das Gebiet des späteren Flämings unter deutschen Einfluss. In
Belzig wurde ein Burgwardium mit deutscher Besatzung errichtet, Teil einer Kette dieser
Verteidigungsanlagen in der Region. Den jeweiligen Festen wurden die umliegenden
Ortschaften zugeteilt und gemeinsam bildeten sie ein Burgward. Zusammen mit der
einsetzenden Christianisierung und Bildung von Markgrafschaften in den Grenzlagen,
ergaben diese Maßnahmen den Grundstein für beginnende Ostexpansion des fränkischen
Reiches. Nachdem erfolgreichen Slawenaufstand von 983, gingen die Gebiete zw. Elbe und
Oder zunächst wieder verloren. Jeder deutsche Herrscher und viele deutsche Adlige ließen
jedoch nicht in ihren Bemühungen nach, das Land wieder zurück zu gewinnen. Albrecht der
Bär, aus dem Hause der Askanier, eroberte nach und nach das Gebiet der Mark
Brandenburg und unterzeichnete ab 1157 alle Urkunden mit dem Titel des „Markgrafen von
Brandenburg“. Damit war die slawische Eigenständigkeit jenseits der Elbe endgültig beendet.
Model eines deutschen Dorfes 13. Jhd.
Auf Initiative Albrecht des Bären und Bischof Wichmann von Magdeburg kamen Siedler aus
Flandern und anderen Regionen westlich der Elbe in die fast leere Mark Brandenburg. Von
der Obrigkeit bestellte Locatoren organisierten die planmäßigen Dorfgründungen vor Ort und
erhielten dafür zu einem 4Hufe und wurden die Schulzen im Ort. In dieser Region gaben die
Flamen und ihr spezielles Recht das „jus Flamingorum“ der Gegend ihren Namen.
» Endlich waren sie angekommen. Der Weg war lang und mühevoll gewesen. Ihre Heimat,
vielleicht Westphalen oder der Niederrhein, hatten sie verlassen müssen. Die dortige Erde
konnte nicht mehr alle Menschen ernähren. Dazu kamen die Unwetter der letzten Jahre.
Weit im Osten des Reiches gab es fruchtbares, unbestelltes Land, ein gesichertes Leben für
alle Wagemutigen. So wurde es erzählt. «
Das heutige Lübnitz ist eine Gründung aus dieser Zeit. Der slawische Ort wurde um Straßen
bzw. Gassen unregelmäßig erweitert und die ursprünglich hölzerne Dorfkirche abseits des
alten Dorfkerns errichtet
Die einfachen Häuser aus Lehm bestanden aus einem Raum und wurden mit den Tieren
geteilt. In den kleinen Gärten wuchs Kohl, Rüben, Lauch und Linsen. Auf den Äckern stand
Gerste und Roggen für Brei und Brot. Bier, Keimärmer als Wasser, wurde mit wildem Hopfen
versetzt.
Feldarbeit bei Lübnitz
Sächsische Zugehörigkeit
Durch Heirat gehörte die Gegend ab 1198 zum Kurfürstentum Sachsen, genauer zum
Landkreis Wittenberg. 1485 teilten das Wettiner Brüderpaar Kurfürst Ernst und Herzog Albert
III. das sächsische Herrschaftsgebiet in die Ernestinische Linie als Kurfürstentum Sachsen
und die Albertinische Linie mit dem Herzogtum Sachsen. Belzig fiel zum Kurfürstentum.
Langsam wuchs das Dorf. „hinrico, plebano in lubenitz“ – „Heinrich, Pfarrer in Lübnitz“ wird in
einer Urkunde 1314 in Leitzkau als Zeuge aufgeführt. Es ist die offizielle Ersterwähnung. In
dieser Zeit hatte der Schulze von Belzig die Gerichtsbarkeit für einen Teil des Dorfes inne.
Von 1419 – 1467 fiel der Ort wüst. Im 15. Jh. wurden etliche Dorfgründungen aufgegeben.
Dafür gab es verschiedene Gründe, u.a. das Auslaugen des Bodens aufgrund starker
Übernutzung, beständiger Wassermangel, sinkende Nachfrage an Agrarprodukten,
abnehmende Bevölkerung durch Krankheiten, kriegerischen Auseinandersetzungen. Ein Teil
der Dörfer wurde später wieder neu besiedelt, wie Lübnitz, einige blieben aber auf Dauer
unbewohnt, wie Bossdorf undHerzberg, Dorfstellen in der Nachbarschaft. Sie überdauerten
die Zeit in überlieferten Flurnamen.
Bis 1467 war das Dorf im Besitz des sächsischen Kürfürsten und seiner Lehnmannen. Um
1500 wird ein erster Rittergutsbesitzer genannt. 1496 zahlen 5 Höfe die Türkensteuer. Bis
1555 hat sich die Anzahl auf 12 Höfe erhöht.1575 werden 2 Erbherren, 5 Hüfner (Bauern mit
Hof und Acker) und 3 Gärtner (ohne Landbesitz) aufgeführt. 1601 kaufte die Adelsfamilie von
Lochow das Gut und blieben die Besitzer bis zur endgültigen Enteignung 1945.
Der 30. Jährige Krieg verschonte auch Lübnitz nicht. Wahrscheinlich 1636 wurde das Dorf
fast komplett zerstört und fast alle Einwohner starben. Erst zum Ende des 17. Jh. erholte
sich der Ort langsam von diesem Schrecken.
1732 wird die Bockwindmühle am dem Mühlenberg durch die Familie von Lochow erbaut.
Von Anbeginn betrieb sie die Müllerfamilie Herrmann betrieben und mahlte bis 1938 Roggen
und Weizen. Ein Teil wurde zu Brot gebacken und in der Belziger Umgebung verkauft. Sie
wurde nach längerem Verfall 1962 abgerissen. 1758 sind wieder ein Schulze, 5 Hüfner und
8 Kossäten erwähnt.
1708 vernichtete ein Großfeuer u.a. 24 Wohnstellen, die Pfarrei und die Schule. Den 7
jährigen Krieg (1756 – 1763) überstand des Dorf unbeschadet. Auf kurfürstliche Anweisung
wurde ein Friedensfest zusammen mit Hagelberg und Klein Glien gefeiert. 1763 wird eine
neue Dorfschule gebaut. 1777 hat sich der Ort auf 6 Hüfner, 10 Kossäten und 12 Häuser auf
Rittergutsboden ( sie wurden an Tagelöhner, Handwerker vermietet)
Am 27.08 1813 wüteten in Lübnitz den gesamten Tag hindurch Kampfhandlungen. Die
Einwohner waren in den Wald geflohen und fanden bei ihrer Wiederkehr geplünderte und
teilweise zerstörte Häuser vor.
Auszug nördliches Kurfürstentum Sachen und Zaucher Kreis ( Königreich Preußen)
1772.
Geschichte des Gutshofes
Hörst Du der Sensen hellen Klang
Wie er das Feld durchzieht?
Sag, offenbart in dem Gesang
Sich nicht des Dankes Lied?
Inmitten sanfter Wogen steht
Der Schnitter thatbereit;
Sein ernster Blick wird zum Gebet
Ob all der Herrlichkeit.
Die nerv`ge Faust am Sensenschaft
Fällt Halm um Halm sein Stahl,
Damit des Kornes Wunderkraft
Bereite uns das Mahl.
Was einst gesät die ems`ge Hand,
Ließ Gott zu seiner Ehr`
Gedeihen über`s ganze Land
Gleich einem güld`nen Meer.
A
ls erster Besitzer des amtssässigen Rittergutes ist Heinrich Sehle genannt. Es ist aber
anzunehmen, dass es das Gut schon vorher gab. Zwischen 1560 und 1601 ist die Familie
von Ziegsar der Besitzer. 1601 kauft Hans Jürgen von Lochow, auch Hans Georg der Ältere
genannt, das Gut von den Gläubigern des verschuldeten Sigmund von Ziegsar. Die
Adelsfamilie wird bis 1945 ( teilweise Auflösung des Gutsbezirkes 1928) die Besitzerin
bleiben.
FAMILIE VON LOCHOW
Familienhochzeit um 1871
Die Familie wanderte wahrscheinlich um 926 aus dem sächsisch/deutschen Reichsgebiet
in das Havelgebiet ein. Zentrum war der Ort Lochow, nordöstlich von Rathenow. Dieser
Besitz ging 983 wieder verloren. Laut einer Überlieferung kam es danach zur Neugründung
der Siedlung Lochau in der Nähe von Wittenberg. Dieser Ortsname wurde auch
namensgebend für die Familie. Heute heißt die Stadt Annaburg.
Das Haus Lübnitz stammt von Sigmund von Lochow (1463 – 1499)ab. Er hatte mehrere
Söhne, einer davon war Arnd. Durch die enge Freundschaft mit Ludwig II von Lochow, Enkel
von Arndt II, erreichte Hans Jürgen das Recht des Agnaten auf Lübnitz.
1601 kaufte er den Lehnsbesitz. Damit verbunden waren folgende Rechte: 1. Patronatsrecht
über die Pfarre und Mutterkirche Lübnitz sowie über die Filialkirchen Hagelberg und Klein
Glien, 2. Ober-und Untergerichtsbarkeit. Zwischen 1640 und 1650 teilten seine Söhne Hans
Georg II, Arend Ludwig und August Cuno den Besitz gleichmäßig auf. Es entstanden der
„obere Hof“, der „untere Hof“ und der „Ludwigshof“ ( der spätere Pfarrhof).
Die Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs machten auch vor den Gütern nicht halt. Der
Ludwigshof brannte vollständig ab. Alle seine Bauerngüter gingen wüst. Die Erben von
Arend Ludwig lebten in größter Armut.
Ebenso erging es August Cuno. Laut Steuerangabe seiner Witwe von 1671 war auch sein
Gut, der „obere Hof“ vollständig unbewohnt und nicht bewirtschaftet. Sein taxierter Wert
betrug zu 1/3 im Vergleich zur Vorkriegszeit. Die folgenden Gutsherren förderten die
Wirtschaftskraft u.a. durch Ankauf von Wiesen bei Lütte und Dippmannsdorf sowie Acker
und Gehölz bei Papendorf.
Ab
1736
waren
der
„Ludwigshof“ und der „oberer Hof“ dauerhaft in Personalunion wieder verbunden.
Dem „unteren Hof“ war nach 1648 ein Kossätenhof geblieben. Im 18. Jh. wirtschaftet
August Haubold den Hof runter. Erst unter seinen Erben erholt sich die Gutsherrschaft
wieder. Weitere Schäden an Wirtschaftsgebäuden und Gutshaus, hinterlässt der Tag der
Kolbenschlacht. 13 Kanonenkugeln treffen das Wohnhaus. Es wurde geplündert und diente
wie andere Häuser des Dorfes nach dem Gefecht als Lazarett. Um das Geld zu retten, hatte
ein Familienmitglied die Geldbörse vor der Flucht in den Wald in eine Jauchepfütze geworfen
und sie später vollständig wiedererlangt. Unter Carl Heinrich wurde auch der „untere Hof“
den anderen angegliedert so dass ab 1827 alle Teile wieder vereint waren. Im 19. Jh.
verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Gutes zusehends. Ein Grund war die
ungünstige Verkehrslage abseits der Bahnstrecken. Carl II. Heinrich Ferdinand setzte
verschiedene bauliche Veränderungen um, z.B. die Verlegung der Schäferei nach einer
Brandstiftung vom „oberen“ zum „unteren Hof“. Die Brandstelle wurde zum Vergrößern des
entlegenen Gartens genutzt. Er ließ teilweise das Wohnhaus abreißen und an dieser Stelle
das Gutshaus in seiner heutigen Substanz bauen.
Kunz I. Carl Conrad brachte das Gut nochmals zum Blühen und dies in mehrfacher Hinsicht.
Er vergrößerte den Besitz um Viehställe und andere Gebäude, war erfolgreich in der
Pflanzenzucht und schuf den Gutspark. Dort ist er auch begraben. In Vormundschaft für ihre
Kinder übernahm seine Witwe Editha von Lochow, geb. Brösigke das Gut. Nach außen
vertrat ihr Schwiegersohn Herr Dr. Friedheim das Anwesen. 1924 begann die Elektrifizierung
zunächst des Gutes und später des Dorfes. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren, wurde
der Gutsbezirk 1928 aufgelöst und mit der Gemeinde Lübnitz vereinigt. Das Rittergut
verblieb im Eigentum der Familie von Lochow.
1945 wurde das Gut im Zuge der Bodenreform enteignet und in Volkseigentum gegeben.
Editha von Lochow wohnte bis zu ihrem Tod 1955 nach Fürsprache der Einwohner in einem
kleinen Haus im Dorf.
Gartenansicht des Gutshauses
Der
Gutspark
Der Gutspark kann auf
eine
wechselvolle Geschichte und Nutzung zurückblicken. Angelegt wurde er durch Kunz Karl
Konrad von Lochow (1864 – 1922) nach 1897. Am östlichen Rand wurde er auf seinem
Wunsch hin auch begraben. Die der Anlage beträgt ca. 3ha. Der am Südrand befindliche
Brunnen ist älter. Auf der Messtischblatt von 1842 ist seine Lage und die dazugehörige
Flurbezeichnung „Brunnenfeld“, verzeichnet. Der Windmotor, dort aufgestellt durch Kunz K.
K. von Lochow diente der Wasserversorgung der Gutswirtschaft und des Wohnhaueses.
Prägende Elemente der Parkanlage sind die Felsengrotte, zwei Teichmulden, verbunden
durch eine Bogenbrücke und verschieden große Findlinge. Ein Stein in Form eines Tisches
hat sein Vorbild im Wiesenburger Park. Von dem erhaltenden ursprünglichen Baum-und
Pflanzenbestand sind z.B. Weißzeder, Roteichen, Lebensbäume, Falscher Jasmin zu
nennen. Hainbuchen bilden Alleen und Kreuzungspunkte in der Gestaltung. Im Frühjahr
bedeckt ein weißer Teppich von Anemonen den noch kargen Boden. Im Sommer stehen die
Rhododendren in voller Blüte. Nach 1945 wurde der Park zunächst für Dorffeste,
einschließlich eines hölzernen Pavillions über dem gemauerten Wasserbecken, genutzt. Bis
in die 50. Jahren diente er der Mast von Schweinen und der Haltung von Pferden deren
Ställe am Parkrand standen. In den nächsten Jahrzehnten verwilderte er zusehends und fiel
in einen fast in Vergessenheit. Mit Beginn der 90 Jahre erwachte neues Leben in ihm. Am
22.02. 1994 wurde er in die Liste der Denkmale des Landkreises Potsdam-Mittelmark
eingetragen. Seit dem hat sich viel getan.
Rhododendren
Gutspark
Der
im
30jährige
Krieg
Der 30.jährige Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz und endete 1648 in
Münster und Osnabrück durch den Westfälischen Frieden. Dem Kriegsbeginn gingen schon
vorher lange schwelende zwischenstaatliche Konflikte voraus. Auch dem Friede folgten noch
Jahre des Kampfes und der Unruhe in Europa. Ein ganzer Kontinent war in Jahrzehnte
langer Aufruhr. Die Klärung der Religionsfrage war dabei eher zweitrangig. Sie diente als
moralische Rechtfertigung aller
Beteiligten. Vordergründing war das Austragen
verschiedenster politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Konflikte innerhalb der
europäischen Mächte, z.B. die Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien, die
Vorherrschaft
Schwedens
im
Ostseeraum,
der
Hegemonieanspruch
der
österreichisch/spanischen Habsburger gegenüber den französischen Bourbonen. Das
Heilige Römische Reich Deutscher Nation war dabei das Hauptaufmarschgebiet und
Austragungsort der Auseinandersetzungen.
In diesem Krieg wechselte
Kursachsen, obwohl seit der Reformation evangelisch, mehrmals die Seiten. Weniger
religiöse sondern grundsätzlich politische und wirtschaftliche Interessen gaben vor, ob der
sächsische Kurfürst für die katholische Liga oder die protestantische Union kämpfte. Zum
Kriegsende hatte sich die Bevölkerungsanzahl Kursachsens im Vergleich zum Beginn des
17.Jh. um die Hälfte verringert.
» Frieden. Endlich Frieden. 30 lange Jahre hatte der Krieg gewütet. Das Dorf existierte bis
auf wenige Gehöfte nicht mehr. Die Überlebenden vegetierten in tiefster Armut. Das Vieh
gestohlen, die Äcker verwüstet, die Höfe geplündert. Es sollte mehrere Jahre vergehen, ehe
das Leben wieder nach Lübnitz zurückkehren sollte. «
1640 waren nachweislich alle Rittergüter abgebrannt und alle Bauerngüter eingegangen. Die
Rittersitze von Arend Ludwig (Ludwigshof) und der „Untere Hof“ waren komplett zerstört und
blieben auf Jahre nicht bewirtschaftet. Die Verwüstung könnte sich schon 1636, im
Zusammenhang mit der Zerstörung Belzigs durch schwedische Truppen, ereignet haben.
Erst 1676 sind wieder 6 Höfe bewohnt. Auch 6 Jahre später sind noch 6 Gehöfte wüst.
Insgesamt hatte sich die Steuerleistung in gesamten Kursachsen 1648 im Vergleich zu 1618
um 15% vermindert.
Die
Napoleonische
Zeit
1792 trat Kursachsen der Reichsarmee im Kampf gegen die frz. Armee bei. Grundsätzlich
bemühte man sich um Neutralität und trat jedoch in wechselnde Koalitionen mit Preußen
und Österreich. Im Kampf gegen das napoleonische Heer stellte Sachsen zunächst
Soldatenverbände für die Reichsarmee. 1806 verbündete sich Sachsen mit Preußen. Die
militärische Niederlagen von Saalfeld, Jena und Auerstedt im selben Jahr, ließen diese
Koalition schnell scheitern. Als Reaktion besetzte Napoleon Sachsen und zog in Dresden
ein. Er diktierte dem Kurfürsten Friedrich August III. den Friedensvertrag von Posen, damit
verbunden waren u.a. der Beitritt zum Rheinbund, die Erhebung des Landes zum Königreich
Sachsen und Gebietsgewinne in preußischen und polnischen Territorien. Das besetzte
Gebiet wurde in Arrondissements unterteilt. Das 3. Arrondissements bildet der Kurkreis u.a.
mit Belzig und Umgebung mit Wittenberg als Verwaltungssitz. Der nunmehrige König
Friedrich August I. wird als Verbündeter an der Seite Frankreichs bis zur Völkerschlacht in
Leipzig bleiben. Sächsische Soldaten kämpften jetzt in der napoleonischen Armee.
1813 trägt die antinapoleonische Koalition den Krieg auf sächsischen Boden.
Flächendeckende Verheerungen und große Not sind die Folge. In der Völkerschlacht von
Leipzig tritt Sachsen zunächst auf französischer Seite in die Kampfhandlungen ein. Am 2.
Tag laufen die sächs. Soldaten zur alliierten Armee über. König August wird gefangen
genommen und bleibt bis 1815 in Berlin interniert. Sachsen wird ein Teil des GeneralGouverments der Hohen verbündeten Mächte. an den letzten Jahren des Befreiungskrieges
wird ein sächsisches freiwilligen Heer teilnehmen. Nach Abschluss des Wiener Kongresses
hat Sachsen 58% seines Territoriums und 42% seiner Bevölkerung, darunter auch den
Kurkreis Wittenberg an Preußen verloren. Damit enden 600 Jahre sächsische Zugehörigkeit.
» Wieder musste das Dorf aufgebaut werden. Viele Häuser waren durch Feuer und
Kugelhagel zerstört. Kaum nährte sich das Leben wieder der Normalität , erschütterte die
Nachricht: „ Wir gehören jetzt zu Preußen“, den Alltag der Einwohner. Wie sollte es
weitergehen? Was würde sich ändern? Erst mit den Jahren konnten die Menschen erfahren,
dass die großen und kleinen Freuden und Sorgen die gleichen geblieben waren, ob in
Sachsen oder Preußen. «
Die Kolbenschlacht von Hagelberg 1813
Ausgangsposition in den vorherigen Tagen
Die Divisionen des General von Hirschfeld bestanden fast ausschließlich aus Männern der
Landwehr. Die Landwehrexistierten erst seit kurzem, war unausgebildet und
kampfunerfahren.
Am 25.08. übernahm von Hirschfeld zusätzlich den Oberbefehl über die Landwehrdivision
des Oberleutnants v. Marwitz. Hinzu kam die Verstärkung durch das Kosakenregiment
Rebrejew. Von Hirschfeld lagerte zu dieser Zeit bei Brandenburg und erhielt den Befehl,
Kontakt mit der russischen Kosakeneinheit des General Tschernychev aufzunehmen, die um
Beelitz, Treuenbrietzen, Belzig… operierte.
Der franz. General Girard erhielt zeitgleich nahe Brück die Nachricht über die franz.
Niederlage in der Schlacht bei Großbeeren und traf zudem auf russische Kosaken. Noch in
der Nacht zum 27.08. trat er den Rückzug nach Lübnitz an und errichtete dort ein Biwak.
Der Tag des 27.08.1813 –Der Tag der Schlacht
Vormittag
Girard zog mit 4 Batallionen und einigen Kanonen gegen die in Belzig stehenden
Kosaken, vertrieb diese und fühlte sich so sicher, dass er keine Vorposten hinterließ sondern
nur einige Feldwachen vor der Stadt. Er selbst blieb in Belzig
Gefechtsverlauf gegen
12.00 Uhr Preußen / Kosaken am Mittagstisch.
Franzosen
Inzwischen hatte von Hirschfeld die Nachricht über den frz. Biwak in Lübnitz erhalten und
unternahm einen Erkundungsritt von Görzke kommend bis Steindorf. Dort berichteten
Einheimische, dass der Wald nicht von den Franzosen besetzt sei. Förster Schinski aus
Arensnest führte daraufhin die preußischen Truppen durch den Forst bis Lübnitz. Dafür
erhielt er später vom Zaren einen Ehrenhirschfänger.
Nachmittag
Gegen 13 Uhr begann der Marsch durch den Steindorfer Wald. Eine Stunde später standen
die preußischen Truppen am Waldrand, nördlich von Lübnitz. Die Franzosen waren
ahnungslos. Sie waren nur auf einen eventuellen Angriff aus Richtung Belzig vorbereitet.
In dieser Situation trafen die Verbündeten auf ein feindliche Reiterabteilung. Entgegen eines
Befehls griffen Teile der Landwehr die Abteilung an und verfolgte sie bis zum Dorf. Dort
trafen sie auf franz. Widerstand und mussten ungeordnet den Rückzug antreten. Zwei
anderen Batallione der Landwehr besetzten derweil die Höhe südlich von Steindorf und
eröffneten das Feuer zum Dorf hin. Eine französische Batterie, südlich der Lübnitzer
Windmühle, erwiderte den Angriff. Die durch den ungewohnten Kugelhagel verstörten
Männer der Landwehr stoppten daraufhin eigenmächtig den Vormarsch. Soldaten anderer
Abteilungen schlossen sich ihnen an.
Inzwischen hatte ein
Reserve-Infanterie-Regiment, unterstützt durch russische Geschütze, das Feuer auf das Dorf
eröffnet. Die Franzosen erwiderten den Beschuss. Das bisher feuchte und diesige Wetter
ging langsam in einen Dauerregen über. Nach und nach drangen die preußischeBatallione in
Verfolgung der zurückweichenden französischen Truppen in Lübnitz ein, durchquerten es
zügig gen Hagelberg. Am Triftberg konnte inzwischen General Girard seine Truppen neu
aufstellen. Gleichzeitig trafen in Lübnitz eine weitere russischen Batterie und ein
Kavallerieregiment ein.
Gefechtsverlauf zwischen 12.00 Uhr und 16.00
Uhr.
Später Nachmittag
Die 7 preußischen Batallione des rechten Flügels hatten sich in die Gegenden um den
Triftberg, am Ortsrand von Hagelberg bzw. der Windmühlenhöhe verteilt. Die 8 Batallione
des linken Flügels befanden sich gegenüber dem Hüttenberg, vor dem Belziger Busch.
Weitere Batallione marschierten auf Hagelberg und Lübnitz.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Franzosen aus Lübnitz, Hagelberg und Klein Glien vertrieben
worden. Derweil hatte der Dauerregen das Schießpulver so durchnässt, dass immer mehr
Gewehre versagten.
Nach langen und blutigen Auseinandersetzungen am Triftberg, gingen die Franzosen zu
einem massiven Gegenangriff über. Die unerfahrene Landwehr floh Richtung
Birkenwäldchen und Belziger Busch. Dabei rissen sie andere Truppenkontingente mit.
Hagelberg war danach wieder frz. besetzt.
Danach eroberten sie auch Klein Glien, den neuen und alten Windmühlenberg. Dabei
verhinderte das nasse Pulver schlimmeres beim Feuern auf die flüchtenden Männer.
Oberstleutnant von der Marwitz gelang es, die entmutigten Landwehrsoldaten wieder zu
ordnen. Mit der Auffuhr einer russischen Batterie stabilisierte sich die Situation endgültig. Am
Spitzberg wurde sich neu geordnet.
Von Grützdorf
erfolgte der preußischen Gegenangriff. Hagelberg wurde eingenommen. Die Franzosen
räumten den Ort. Beide preußischen Batterien verschanzten sich hinter einer Gartenmauer
im südöstlich Teil des Dorfes. Noch einmal gelang die feindliche Einnahme Hagelbergs und
Klein Gliens. Die Preußen zogen sich auf den Belziger Busch zurück. Die Situation änderte
sich mit dem Eintritt der zwei Kosakenregimenter des General Tschernychev. Sie kamen von
Grützdorf und zersprengten die franz. Husaren.
Gefechtsverlauf zwischen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr
Frühabend
Ein Teil der französische Batallione wurden vor dem Petersberg durch die Verbündeten
gefangen genommen. Nach diesem Erfolg ging von der Marwitz gegen Hagelberg vor. Girard
kämpfte von nun an nur noch für einen geordneten Rückzug. Die Landwehr aus dem
Lübnitzer Birkenwäldchen und weitere Batallione schlossen sich dem Vormarsch an. In
Hagelberg kam es zu erbitterten Kämpfen zwischen der Landwehr und den verbliebenen
Franzosen. Geschont wurden nur die Deutschen der Rheinbundtruppe. An der Gartenmauer
tobte die Auseinandersetzung am heftigsten. Weil die Gewehre inzwischen nicht mehr zum
Schießen taugten, drehten die Männer der Landwehr aus dem Oderbruch ihre Waffen um
und gebrauchten sie wie Dreschflegel. Bald taten es ihnen die anderen nach. Es war ein
furchtbares schlagen und dreschen, ein Toddreschen.
Nur wenige Franzosen konnten die Mauer (9,42 cm) überklettern. Nach und nach drangen
alle verbündeten Truppen in das Dorf ein. Während dieses Gefechtes wurde
General Girard schwer verwundet. Damit waren die franz. Soldaten führungslos und
versuchten nach Wiesenburg, teilweise über Schlamau zu fliehen. Von dort wollten sie sich
nach Coswig und Wittenberg durchschlagen. Die Verfolgung übernahmen an Stelle der
erschöpften Landwehr die russischen Kosaken unter General Tschernychev.
Alte Ansicht des Gutshauses von Hagelberg
Nachgang
Von den 9890 Soldaten des General Girard verloren 3000 ihr Leben und 3300 kamen in
Gefangenschaft. Die Armee der Verbündeten an Stärke ca. 11300 hatte einen Verlust von
1759 Mann zu verzeichnen.
Die meisten Verwundeten, auch Franzosen, wurden von ansässigen Bauern zunächst zur
Sammelstelle nach Klein Glien und tags darauf über Belzig nach Potsdam und Berlin
gebracht. Die an den Verwundungen Verstorbenen, wurden zusammen mit den Gefallenen
von Großbeeren und Dennewitz auf dem dafür geschaffenen Friedhof an der Hasenheide
bestattet.
Die in und um Hagelberg Gefallenen wurden am Ort getrennt begraben. Die Flurnamen
Franzosen-bzw. Deutsche Hecke, erzählen davon noch heute. Überliefert ist die kleine
Begebenheit, dass eine Sau sich mit ihren Ferkeln unter dem Stroh auf dem Gutshof in
Lübnitz versteckt hielt und erst nach Einstellung der Kämpfe wieder hervorkam. In den
darauffolgenden Tagen kehrten auch die Einwohner von Lübnitz, Hagelberg und Klein Glien,
die in die Wälder geflohen waren, in ihre teilweise zerstörten Häuser zurück. Einige mussten
französische Verwundete aufnehmen, die diese Lazarettzeit nicht überlebten. Sie wurden
unmittelbar auf den jeweiligen Grundstücken begraben. Daneben zogen die Einheimischen
auch über das Schlachtfeld und nahmen mit, was sie an brauchbaren fanden.
Nachtrag
Obwohl der franz. Verlust an Menschen höher war als bei der Schlacht von Großbeeren,
wurde die militärische Bedeutung zunächst eher gering eingeschätzt. Erst mit der
Emanzipation des Bürgertums ab 2. Hälfte des 19.Jh., gewann die Kolbenschlacht von
Hagelberg an Bekanntheit. Hier hatte zum ersten Mal die preußische Landwehr eine
feindliche Auseinandersetzung bestritten und dabei den Sieg erkämpft. Seitdem wuchs
langsam die Anerkennung der bürgerlichen Armeeangehörigen durch die angestammten
adligen Offiziere.
Erinnerung
1848 wurde für ein Denkmal gesammelt, welches ein Jahr später auf dem alten Mühlenberg,
jetzt Borussiaberg, aufgestellt wurde. Es zeigt die überlebensgroße Borussia aus Sandstein,
aufgestellt auf einen Sockel. Im selben Jahr besuchte König Friedrich Wilhelm IV. am 27.8.
das Denkmal. Nach 1871 flankierten zwei im deutsch-französischen Krieg erbeuteten
Geschütze die Borussia. Zeitgleich entsteht das „Lied vom Hagelberg“. 1913 wurde zur 100
Jahrfeier ein Schauspiel in 3 Akten aufgeführt.
1946 wurde die Borussia zerschlagen und die Geschütze mit unbekannten Ziel
abtransportiert. Seitdem steht ein vom Schlachtfeld stammender Findling auf dem Sockel .
Seit 1988 ergänzt das Denkmal die neu gegossene Bronzetafel mit dem Bildnis des General
von Hirschfeld. 1955 wurde ein schlichtes Denkmal aus Feldsteinen auf dem Kienberg
errichtet.
Borussia Denkmal
Feldsteindenkmal auf dem Kienberg
Preußische Zugehörigkeit
Ab
1815 gehörte Lübnitz zum Landkreis Zauch-Belzig, Königreich Preußen. Die
preußische Zugehörigkeit brachte verschiedene Veränderungen in der Administration, im
Kirchenrecht und Heeresorganisation. Ein Teil davon betraf auch die einfachen Menschen.
Eine der wichtigsten Neuerungen
waren Ablöse und Separation, als
eine
Phase
der
europäischen
Bauernbefreiung
Separation
Die Separation oder Flurbereinigung
brachte einen bedeutenden Umbruch
in
der
deutschsprachigen
Agrarwirtschaft.
Das
über
die
Jahrhunderte
von
den
Dorfbewohnern gemeinsam genutzte
Land, wurde in einzelnen Parzellen
aufgeteilt
und
häufig
per
Losentscheid
privatisiert.
Dabei
blieben Konflikte natürlich nicht aus.
Streitpunkte waren u.a. die Größe
der Fläche, Bodenqualität und die
damit
einhergehend
gerechte
Verteilung der Ackerflächen. Der
Beginn des Seperationsgedanken lag
in Preußen unter Friedrich II. (1712 –
1786). Durchsetzten konnte er sich
allerdings
erst
in
der
nachnapoleonischen Zeit. Mitunter
dauerte die Durchführung
der
Flurbereinigung in einzelnen Dörfern
mehrere Jahre.
Auszug Karte 1842
Ablöse
Verschiedene Gesetze und Edikte hatten die Aufhebung traditioneller grundherrschaftlicher
Rechte zum Ziel. Sämtliche Zehntabgaben, Dienstpflichte, sonstige Naturalabgaben konnten
ersetzt und Bauern die Möglichkeit erhalten, Eigentümer ihres Hofes und Landfläche zu
werden. Das geschah durch Abgabe an Land (teilweise ein Drittel bis zur Hälfte der Fläche)
oder durch Abzahlen des Vielfachen des Leistungswertes. Den Gutsherrschaften standen
diesen Ablösemöglichkeiten als rechtmäßige Entschädigungsforderungen zu. Auch die
Begrenzung der Flächenabtretungen auf bestimmte Hofgrößen, konnte eine teilweise
Verelendung und erneute Abhängigkeit der Landbevölkerung nicht verhindern. Dagegen kam
es in manchen preußischen Gebieten zu erheblichen Landzuwächsen seitens der
Gutbetriebe.
„Rezeß über die Ablösung des der Pfarre zu Lübnitz von den Rittergütern Lübnitzobern und
unteren Teils gehörigen Ackerländereien auf der Feldmark Lübnitz zustehenden NaturalFruchtzehnts“
Zeitraum: 1852 – 1878
Verhandelt: Belzig, den 06.02.1862
Ablösung
des
Fruchtzehnt
Rittergutsbesitzer Carl Heinrich Ferdinand von Lochow, Besitzer der Rittergüter oberen und
unteren Teils, löst Fruchtzehnt ab
Als Entschädigung gewährt er:
•
•
Oberen Teils
Unteren Teils
50 Scheffel 8,54 Metzen
59 Scheffel 1,46 Metzen
110 Scheffel
Die 110 Scheffel werden nicht natural abgeführt, sondern in Geld.
Beispiel für den Ablösungsprozeß in Lübnitz
„ Receß über die Ablösung der Gersten –Pacht zu welcher das Hüfnergut des Johann
Friedrich Haagen zu Dahnsdorf dem Rittergut Lübnitz oberen Teils verpflichtet war“ 1844
Auszug aus den Prozessakten
Der zwischen dem Leutnant Karl Heinrich Leopold von Lochow, als Besitzer des Ritterguts
Lübnitz oberen Teils, einerseits, und dem Hüfner Johann Friedrich Haagen zu Dahnsdorf
andererseits, über die Kapital bewirkte Ablösung einer vom Rittergut zugestandenen
Kornabgabe, unter dem 1. September und 6. Oktober 1843 abgeschlossene wie folgt
lautende Rezess. Die Hüfner Haagen zu Dahnsdorf prozessierte am 14. April 1839 auf
Ablösung der von seinem Hüfnergute an das Rittergut Lübnitz oberen Teils alljährlich
abzuführenden Getreidepacht von 18 Scheffel Gerste, bei der Königlichen General
Kommission in Berlin, welche Behörde den unterzeichneten Kommissarius zu Belzig die
Bearbeitung dieser Angelegenheit übertrug.
Das Geschäft ist mit Übereinkunft unter den Interessenten nämlich:
• Dem Königlich Preußischen Leutnant Herrn Karl Heinrich Leopold von Lochow, als
Besitzer des berechtigten Ritterguts Lübnitz oberen Teils, /:Voll II 257 im
Hypothekenbuche des Königlichen Kammergerichts eingetragen:/
• Dem Hüfner Johann Friedrich Haagen zu Dahnsdorf als Besitzer des zinspflichtigen,
im Hypothekenbriefe des Land und Stadtgerichts zu Belzig über Dahnsdorf, Vol I Nr.
14
209
einetragenenHüfnerguts,
andererseits,
der
nachstehende
Ablösunsrezesswohlbeächtig verabredet und geschlossen
§1 Bisherige Leistungen als Gegenstand der Ablösung
Das Hüfnergut des Johann Friedrich Haagen zu Dahnsdorf hatte bisher an das Rittergut
Lübnitz oberen Teils alljährlich und genau am 30. November zu entrichten „Achtzehn
Scheffel Pachtmaaß Gerste“
Der Verpflichtete erhielt aber als Gegenleistung bei Ablieferung dieser Gerstenpacht auf dem
gebackenen Obst, Brot und Butter, auch Brandwein und Bier. Die Leistung und
Gegenleistung sind Gegenstand der Ablösung und dieses Rezesses.
§2 Art und Grundsatz der Ablösung
Die Ablösung geschieht durch Kapitalzahlung, zu deren Ermittlung die gesetzlichen
Bestimmungen in Anwendung gebracht werden; nämlich das Pachtmaaß auf Berliner Maaß ,
dann die Gerste auf Roggen reduziert, ferner die Roggenrente mittels des jetzigen
Durchschnittsmarktpreises der Stadt Potsdam, in Geldrente verwandelt, davon den Betrag
für die Speisung in Abzug gebracht und der Verbleib als Kapital erhoben. Das eigentliche
und wirkliche Resultat ist aber durch die erfolgte vergleichsweise Einigung über ein
pauschales „Ablösungskapital“ festgestellt worden.
§3 Betrag des Ablösungskapitals
Nach den in vorherigen Paragraphen angedeuteten Grundsätzen betragen die 18 Scheffel
Pachtmaaß = 15 Scheffel und 3 Metzen Gerste Berliner Maaß, dieser aber 11 Scheffel und 6
½ Metzen Berliner Maaß Roggen. Rente, welche eine jährliche Geldrente war = 16 Thaler
und 1 Silbergroschen ergaben, war beiderseits als wichtig anerkannt worden. Dafür ist nun,
wie schon oben erwähnt, beim Wegfall der im §1 verzeichneten bisherigen Leistungen und
Gegenleistungen ein Pausch Ablösungskapital verglichen worden von:
Dreihundertneunundachtzig Thalern
Belzig, den 6. Oktober 1843
Karl Heinrich Leopold von Lochow
Verhandelt : Belzig, den 1. September 1843
In der Dahnsdorf Lübnitzer Getreidepacht Ablösungssache gestellte sich im heutigen Termin
der Hüfner Johann Friedrich Haagen aus Dahnsdorf persönlich bekannt.
Demselben wurde der beiliegende Ablösungsrezess bestehend aus 6§§ langsam und
deutlich vorgelesen. Er bekannte sich überall zu dem Inhalte desselben und war zur
Vollziehung bereit, ungeachtet ihm nach Vorschrift der Gesetze eröffnet wurde, dass durch
die Vollziehung dieses Rezesses das ganze Verfahren dargestellt abgeschlossen worden ist,
dass
Güter
weder
Einwendungen
gegen
Inhalt
desselben
noch
sonst
Entschädigungsansprüche oder An-und Nachforderungen auf Rechte, welche ihm
hinsichtlich dieser Regulierung etwa zugestanden hätten, dabei übergangen oder ungeachtet
geblieben wären, gehört oder berücksichtigt werden könnten.
Der Rezess wurde nach seiner Bestätigung durch die Königliche Generalskommission zur
Berichtigung der Hypothekenbriefe an die Gerichte verschickt. Er erklärte diesmal alles
verstanden zu haben und unterschrieb hierauf den Rezess und das ihm vorgelegte Protokoll
eigenhändig.
Friedrich Haagen
Pachtbuch von Johann Gottfriedt Herrmann
Mühlen-Pacht
18 Taler vor des [für das] Ende [ Land ] bei der Mühle [Mülle] entrichtet Martine 1737
A.F.H. v. Lochow
6 Scheffel Roggen [ Rocken ] entrichtet auf den Maria- Termin 1737
6 Scheffel Roggen auf den Michaelis- Termin 1737 entrichtet
A.F.H. v. Lochow
6 Scheffel Roggen entrichtet Maria Verkündigung 1738
A.F.H. v. Lochow
Auszug des Lageplans über abgebrannte Gebäude von 1838 ( Zumeist Wohnhaus, Scheune, Stall je
Grundstück)
Bodenreform
1945 beschlossen die alliierten Kontrollmächte, Großgrundbesitzer mit einem Flächenbesitz
über 100ha bzw. 150 ha zu enteignen. Eine Stütze und Ursache der Machtnahme durch den
Nationalsozialismus war die intensive Förderung und finanzielle Unterstützung
einflussreicher Landinhaber. Deren Einfluss sollte durch die Bodenreform zukünftig
vermindert werden. Abhängig von den vorherrschenden Gesellschaftssystemen erfolgte die
Reform in den einzelnen Besatzungszonen unterschiedlich. In den sowjet. Gebieten wurden
ca. 2,2 Mill. ha Land an 560000 Landlose, Handwerker, Landarbeiter verteilt. Dafür wurde
das enteignete Land in jeweilige lokale Bodenfonds übertragen, aus denen dann die
Neuverteilung vorgenommen wurde. Jeder Neubauer erhielt eine Parzelle von 5 ha Größe.
1 Mill. ha Land ging in Volkseigentum über. 1948 war die Reform abgeschlossen. In der 4
Jahre zuvor gegründeten DDR, fiel auf der 2. Parteikonferenz der SED der Entschluss zur
Gründung von Genossenschaften. Der Grundstein für die LPG war gelegt.
Bestätigung des Wohnrechts von Editha von Lochow
Zunächst gab es 3 Typen :
Typ I: Der Boden wurde in die Gemeinschaft eingebracht
Typ II: Boden und eigene Maschinen wurden eingebracht
Typ III: Der gesamte Betrieb mit Tierbestand, Maschinen, Gebäuden wurden eingebracht
Hinzu kamen noch die Bareinzahlungen, der sogenannte Inventarbeitrag.
Zeitgleich zur Bodenreform entstanden in der sowjetischen Zone die MAS (MaschinenAusleih-Station). Sie stellten den Kleinbauern die nötigen Maschinen zur Verfügung. Mit
Gründung der LPG wandelte sich die MAS zur MTS (Maschinen-Traktoren-Station). Sie
waren vertraglich mit den LPG verbunden und besaßen neben landwirtschaftlichen
Maschinen auch Traktoren und Traktoristen. Im Laufe der 60er Jahre, gingen die Maschinen
und der Fuhrpark komplett auf die LPG über. Aus den MTS wurde 1964 die KFL
(Kreisbetrieb für Landtechnik), deren Aufgabe die Reparatur und Ausbildung an Fachkräften
war.
Urkunde über
Landerhalt
1950 entstand aus dem Zusammenschluss von ZVdgB ( Zentralvereinigung der
gegenseitigen Bauernhilfe) und dem Zentralverband d. landwirtschaftlichen Genossenschaft
die VdgB. Sie diente zunächst der Unterstützung der Agrarentwicklung in der DDR z.B.
durch Ausgabe von Saatgut, Dünger… Ab den 70er Jahren war eine zusätzliche
Hauptaufgabe die Verbesserung der Arbeits-u. Lebensbedingungen in den Dörfern und die
Organisation der Urlaubs-u. Freizeitgestaltung der in der Landwirtschaft tätigen. Im Rahmen
der Bodenreform entstanden Agrarbetriebe im Volkseigentum. Zunächst Staats-oder
Provinzialgut, ab 1949 dann als Volksgut bzw. Volkseigensgut (VEG) bezeichnet. Anders als
in den LPG, hatten die Angestellten keine Anteile an ihren Betrieb. Ab den 60. Jahren
erfolgte auch hier die Trennung in VEG (P) – Pflanze und VEG(T)- Tiere.
» Alles war verändert. Den Krieg hatte das Dorf unbeschadet überstanden. Trotzdem war
kaum noch etwas wie früher. Die Gutsherrschaft war enteignet. Der Gutshof wurde Volksgut.
Für die Familien, die das Dorf die nächste Zeit verließen, folgten in den kommenden Jahren
neue Einwohner, denen die nach und nach entstehenden landwirtschaftlichen Betriebe eine
Arbeit boten. Das Dorfbild wandelte sich, es wurde modernisiert und neu gebaut. Die
Gemeinschaft bildete sich um, fand sich neu. «
In Lübnitz wurden 1946 644,63 ha (241,24 ha Acker, 17,24 ha Wiese, 375,75ha Wald, 9ha
Ödland, 1,4ha Gewässer)enteignet und in VEG umgewandelt. Verschiedene Familien
erhielten im Backsteingebäude auf dem Gutsgelände Wohnungen mit einem kleinen Garten.
Auf dem Guthofwurden der Stall für die Pferde eingerichtete, Martin Müller werden immer im
Gedenken dafür stehen. In anderen Ställen wurden Milchkühe, Jungrinder und Kälber
gehalten. Am Parkrand standen für die ersten Jahre Schweinekoben und Pferdeställe. Es
gab die Schmiede und den Maschinenschuppen. Im Gutshaus wurde ebenerdig das Büro
für den Brigadier und den Büroleiter eingerichtet. Ebenso gab es einen Versammlungsraum,
der auch als Essensausgabe und Kinosaal diente. Der erste Stock wurde ebenfalls zu
Wohnungen umgebaut. In einem anderen Raum fand ab den 60. Jahren die wöchentliche
Arztsprechstunde statt.
1954/1955 wurde die Schweinemast an der heutigen Weitzgrunder Allee gebaut. Für die
dortigen Arbeiter entstanden Einfamilienhäuser entlang der Straße. Der erste Dorfkonsum
wurde an bekannter Stelle errichtet.
Zum Teil bewirtschaftete das VEG (P) Schmerwitz auch Flächen der LPG Lübnitz und
beschäftigte Delegierte der LPG. Über das Jahr sah man die einheimischen Familien auf
einem zugeteilten Ackerstück Arbeiten wie das Rübenverziehen oder Steinelesen ausführen.
Damit ist manches Kind großgeworden.
LPG Bäuerin
1960 entstand die LPG III mit 30 Mitgliedern und 155ha Land; LPG I mit 12 Mitgliedern und
84ha Land; nach 1964 schlossen sich beide zur LPG III zusammen. Zunächst standen die
Tiere der Genossenschaft in verschiedenen Ställen im Ort. Später wurden die Ställe zuerst
für Kühe dann für Bullenkälber und Jungbullen an der Weitzgrunder Allee gebaut.
1973 gab es in Lübnitz 1 LPG und 1 Betriebsteil des VEG Schmerwitz. Zwischen dem VIII.
und IX. Parteitag der SED (1971 – 1976) wurden im Ort folgende Arbeiten geleistet.
• 7 Hausfassaden erneuert
• 4 Wohnungen renoviert und Bäder eingerichtet
• Dorfstr. u. Weitzgrunderstr. mit einer Bitumdecke überzogen, BDS Potsdam und VEG
„Hoher Fläming“
• Werkstatt Lübnitz in Eigenleistung der Aufenthaltsraum geschaffen
• Um-und Ausbau 7 Wohnungen
• Von 19 betriebseigene Wohnungen wurden von der VEG Schmerwitz neue
Vorgartenzäune gestrichen
• Bau des Konsumgebäude 1982 – 1983,
42 Bürger leisten 2475 Std.; VEG (P) 700 Std. = 10.000 M; VEG (T) mit 15.000 M;
Beschluss April 1982, Baubeginn 26.6.82, Eröffnung 27.10.83
Der Anfang der LPG und VEG war nicht einfach und verlief nicht ohne Probleme. Es
fehlte an Ställen und ausreichend Ackerflächen. In manchen Familien waren der
Mann und die Söhne im Krieg geblieben. Die Frauen standen mit der Wirtschaft
alleine da. Anderen fiel es schwer, die Eigenständigkeit aufzugeben und den
Tierbestand einzubringen. Dafür erhielten die Beschäftigten erstmals festen Lohn
später eine Rente und geregelte Arbeitszeiten. Die Arbeit in der LPG und VEG
waren ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens. Durch die Küche in Schmerwitz
wurde z.B. die Versorgung der Rentner sichergestellt. Jeden Tag brachte der Fahrer
das Essen in Essensträgern für die Rentner und in Kübeln für die Beschäftigten
nach Lübnitz. Es wurden Fahrten und Feiern organisiert. Über die Jahre fanden auch
Familien aus anderen Gegenden z.B. aus Sachsen—Anhalt, Mecklenburg und
Kasachstan in Lübnitz eine Heimat.
Schweinehaltung am Parkrand
Tierställe am Parkrand
Kolonnenpflügen ca. 1935 – 3. Gespannführer Paul Grebe
Gutshofschmiede
Gutshofwerkstatt
Gutshof
Im Gutshaus
Die Kirche St. Nikolaus
Nach langer Reise
Wie Schiffe im weiten Roggenmeer,
so ankern hier Kirchen alt und schwer.
Um Bordwände ragen
Von Wetter zerschlagen,
Von Blitzen zuschanden
geschwärzt und gebrannt
und neu auferstanden
aus märkischem Sand
und Holz dann statt Stein,
wenn Krieg darüber ging,
das Dach Feuer fing
im Nachschlachtenschein.
Und festgezurrt wieder an Pollen der Mark,
nach langer
Armada mit Kreuzen, Altären und Sarg.
Fast Tausendjahrreise.
Armada mit Kreuzen, Altären und Sarg.
Vergessen zuletzt in zu gottlosen Zeiten
Versinken sie leise,
jetzt ganz leer,
die Kirchen des Flämings, die wehrhaften, breiten,
wie Schiffe im weiten Roggenmeer.
Roger Loewig
Bild Roger Loewig
Die
Kirche
unseres
Dorfes ist ein
geschichtliches
und
architektonisches
Kleinod, nicht nur im
Fläming sondern
im
gesamten
Land
Brandenburg. Die
wissenschaftliche
Auswertung des
hölzernen
Bestandteils
des
nördlichen
Chorfensters ergab die
Bauzeit zwischen
1200 und 1220. Damit ist
das Gotteshaus
die
derzeitig
älteste
bekannte Kirche
des
Landes.
Dem
Steinbau ging ein
Holzvorgänger
voraus.
Zum Bau der
jetzigen Kirche verwandte man Feldsteine der Umgebung. Würde man die Gesteinsarten
bestimmen, käme man auf ca. 21 verschiedene Zusammensetzungen, skandinavischer
Herkunft. Aus dieser Zeit hat sich
ein
Stück
Pergamenthaut
erhalten.
Sie
diente
als
Fensterbespannung.
Der
Glockengiebel aus
dieser
Bauphase
war
eine
Seltenheit und nur
an besonderen Orten zu finden.
Durch
die
Jahrhunderte
prägten
die
einzelnen baulichen
Veränderungen
die
heutige
Ansicht.
Nennenswert ist die figürliche
Malerei
an
den
Fenster aus dem 17. Jh. und die
Rocaille –Malerei an
der Patronatsloge aus dem 18.Jh..
Bis in die Mitte des
19.Jh. lag der Friedhof an der
Kirche.
Die
ehemalige Sakristei
war seit
Ansicht 50er Jahre
der Reformation die Grablege für
die Angehörigen der
Familie von Lochow.
Mit Carl
Heinrich
von
Lochow
wurde
die
Gruft
geschlossen
und
der Friedhof aufgelassen. Nach
einem
Regierungsaufruf von 1917 wurde
die Glocke für den
Einsatz
im
1.
Weltkrieg
eingeschmolzen. Ihr
folgte eine Stahlglocke. In den
nächsten
Jahrzenten verfiel die Kirche
zunehmend. 2007
bildete sich der „Freundeskreis der
Lübnitzer
Kirche“
und rettete mit viel Enthusiasmus, Tatkraft und dem unermüdlichen Sammeln des
notwendigen Geldes, die Kirche vor dem Zerfall. Für die Gestaltung der neuen Außentür, die
800 Jahre alte Originaltür bleibt als Innentür erhalten, konnte der Verein Prof. Karl Henning
Seemann als Künstler gewinnen. Seine Arbeiten findet man in mehr als 20 Städten u.a.
Aachen, Celle und Wismar. Einer
der Höhepunkte in
der Kirchengeschichte war der
Guss
und
die
Weihung der neuen Glocke. Ein
prächtig
geschmückter
Kutschwagen
brachte
die
Nikolausglocke unter großem
Anteil des Dorfes
ihrer
neuen
Bestimmung
entgegen. Seitdem
ruft ihr warmer Klang die
Menschen
zu
Gebet und Gedenken.
Nikolausglocke
Zeittafel
Anfang 13.J.
14.Jh.
Ende 15.Jh.
1575
1601
1603
1636
17.18.Jh.
1771/7
1813
1817
1852
1917
Um 1920
1945
1967 – 1988
2007 – 2010
2009
2011
Bau der Feldsteinkirche, bestehend aus Langhaus mit Glockengiebel,
quadratisch
eingezogenen
Chor und halbrunder Apsis sowie Sakristei (zeitnaher Anbau)
Bau des Westquerturms durch Einbau der östlichen Turmwand in den Saal,
dabei Verkürzung des Saals und Zusetzung zweier romanischer Fenster
Unter Herrschaft derer v. Ziegsar vermutlich Wiederinstandsetzung der
Kirche
Zum Inventar zählen ein silberner Kelch, ein Messgewand, zwei Glocken
Familie von Lochow wird Kirchenpatron
Stiftung eines kunstvollen Kirchenfensterns mit zwei auf Glas gemalten
Lochow´schen Wappen durch den Halberstädter Domherren Ludwig von
Lochow und dem brandenburgischen Domprobst Ludwig dem Jüngeren
von Lochow
Schweden verwüsten Lübnitz,
Die Kirche erhält eine neue Kanzel und eine schmale Westempore; später
Erweiterung zur Hufeisenempore und Bau der Patronatsloge
Neubau der Turmspitze. Der Neubau eines hölzernen Tonnengewölbe im
Saal zwingt zur Erhöhung des Langhauses. Barockzeitlich sind auch die
vergrößerten Fensteröffnungen.
Kirche dient nach der Kolbenschlacht als Lazarett
Sophia Sidonia Magdalena Friederika von Lochow vermacht
testamentarisch 100 Taler zum Kauf einer neuen Glocke
Carl Heinrich von Lochow wird als letzter in der Familiengruft begraben
Die Kirchenglocke wird eingeschmolzen
Editha von Lochow stiftet eine Stahlglocke
Auflösung des Patronatsverhältnisses durch die Enteignung im Zuge der
Bodenreform. Beginn des langsamen Verfalls der Kirche
Verschiedene Sanierungs-und Umbaumaßnahmen
Umfassende Sanierung der Kirche
Bronzenes Kunstwerk schmückt die Eingangstür der Kirche
Die Nikolausglocke wird gegossen und in den neunen Glockenstuhl
eingehängt
Kirche früher
Fotographie um 1926
Kirche heute
Kircheninnenraum mit Patronatsloge Kirchenschlüssel
Alter Friedhof hinter der Kirche
Schulzeit in Lübnitz
Gewidmet Frau Ursula Leipnitz
Artikel der Volksstimme 1953
Was soll aus unseren Kindern werden?
„Die Losung unserer
demokratischen Schule für das Jahr 1953 lautet:“…Wir lernen und lehren für den Frieden
und zum Aufbau des Sozialismus“. Diese Losung wird aber an unserer Schule in Lübnitz auf
tönernen Füßen stehen, wenn der Unterricht in dieser Form wie er nach den
Weihnachtsferien durchgeführt wird, weiter von Statten geht. Ungefähr 10 Tage fand gar kein
Unterricht statt, veranlasst durch den ständigen Lehrerwechsel. In 4 Wochen 4 neue Lehrer,
das bedeutet jede Woche ein Rückschlag für die Kinder. Stunden-Ist und Stunden-Soll
entsprechen in fast allen vier Klassen nicht dem Lehrplan. Dadurch gehen unsere Kinder
viele Stunden verloren, die sie grade in den Landschulen nötig braucht.“
Auszug aus den Schulakten
Ab dem 6.Jh. sind Bemühungen um eine einheitliche Schulordnung überliefert. Unter Karl
dem Großen (9.Jh.) wurde die erste allgemeine Schulpflicht für alle Kinder erlassen. Außer
den Domschulen überdauerte aber nichts die damalige Zeit. In Sachsen fiel der Aufbau eines
kontinuierlichen Schulwesens mit der endgültigen Durchsetzung des Christentums ab dem
14. Jh. zusammen. Zu diesem Zweck wurden verstärkt Kirchen und Klöster gebaut. Zur
Ausbildung des notwendigen Klerus entstanden parallel angegliederte Lehranstalten. Als
älteste sächsische Schule gilt die 1183 gegründete Domschule von Meißen. Es folgten unter
anderem 1212 die Schule St. Thomas zu Leipzig und um 1300 die Kreuzschule in Dresden.
Insgesamt ist festzustellen, dass sich alle Lehreinrichtungen dieser Zeit in den Städten
befanden. Von Schulen auf dem Land ist nichts bekannt. im Mittelpunkt der Ausbildung stand
das Erlernen der jeweiligen Ordens-und Klosterregeln, Gesang und nur beiläufig Lesen und
Schreiben. Weiterführendes Wissen konnte man nur auf höheren Schulen und Universitäten
erlangen. Neben dem Schulleiter (immer ein Kleriker) gab es den eigentlichen Lehrer (meist
nur auf Zeit eingestellt), den Kantor und manchmal zwei Gehilfen. Mit dem Humanismus (16.
Jh.), begann sich der schulische Inhalt zu wandeln. Ziel war jetzt die Vermittlung von Bildung
und die Verbesserung der Qualität an den Schulen. Wegweisend dafür die 1502 gegründete
Universität zu Wittenberg, an der Martin Luther und Philipp Melanchton lehrten. Die
Weigerung der Universität Leipzig, humanistische Lehrkräfte aufzunehmen führte dazu, dass
sich zahlreiche humanistische Schulrektoren sich in anderen sächsischen Städten
verdingten und ihr Gedankengut im Land verbreiteten. Ziel der Neuordnung des
Schulwesens war seine Verstaatlichung und einheitliche Lehrpläne. Dafür wurde ein
Visitationsbüchlein erstellt und auf den 1524 einsetzenden Visitationsreisen verteilt. Eine
solche Reise führte Luther auch 1530 in diese Gegend. Ein Aufenthalt in Lübnitz ist nicht
überliefert. Dieses Visitationsbüchlein gilt als die erste offizielle Schulordnung Sachsens.
Bis ins 16. Jh. war Latein die Schulsprache. Mit zunehmender Bedeutung der Städte und des
Handels wurde der geübte Gebrauch der deutschen Sprache immer wichtiger. Obwohl
Sachsen dieser modernen Entwicklung ablehnend gegenüberstand, entstanden ab Mitte des
16. Jh. erste deutschsprachige Knabenschulen. Der Zustand dieser sogenannten
„Winkelschulen“ und seiner Lehrer war dürftig. Die Lehrer waren weder pädagogisch
ausgebildet noch auf ihre Eignung überprüft. Der soziale Status war sehr niedrig, ebenso die
Bildung und der Lohn. Viele Lehrer waren noch auf andere Arbeiten, z.B. als Nachtwächter
oder Viehhirte angewiesen. Als Lehrmittel dienten die Bibel und das Gesangsbuch.
Schulbücher waren unbekannt. Bis ins 20. Jh. hinein fand der Unterricht nur winters statt. Im
Sommer wurden die Kinder als Arbeitskräfte auf den Feldern gebraucht. Die Lehrerwohnung
befand sich fast ausschließlich im Schulgebäude und teilweise diente das Wohnzimmer als
Klassenzimmer. Trotz dieser ersten Schritte in Richtung einer Volksbildung wurde die
allgemeine Schulpflicht seitens der Regierungen in Preußen 1717 und in Sachsen sogar
erst 1835 für Mädchen und Jungen, im Alter von 6 bis 12 Jahren, eingeführt.
» Der Lehrer hat Schuld. Egal ob eine 5 in Mathe oder ein misslungener Aufsatz in Deutsch.
Das war die unerschütterliche Auffassung meines Vaters zu diesem Thema. Meine Mutter
betrachtete solche Angelegenheiten immer etwas differenzierter. Deshalb beichtete ich alle
schlechten Noten lieber erst mal Vater Herrmann. «
In Lübnitz gab es schon ungewöhnlich früh im 17. oder 18. Jh. ein Schulgebäude. Dieses
brannte bei einem Großfeuer 1708 nieder. 1763 wurde ein neues erbaut. Es ist
anzunehmen, dass der Standort, damals wie heute, beibehalten wurde. Vielleicht bestand
der Neubau aus dem üblichen Komplex aus Schulgebäude mit Lehrerwohnung,
Wirtschaftsgebäuden, Hof und Hausgarten. Aufgrund der geringen Besoldung war der Lehrer
auf Selbstversorgung, festgelegte Naturabgaben von Dorf/Gutsherrschaft wie Holz zum
Heizen und teilweise Nebendienste angewiesen.
In der Lübnitzer Schule lernten Kinder aus Lübnitz, Hagelberg, Klein Glien und Weitzgrund.
Zwischen 1800 und 1804 wurde abermals ein neues Lehrgebäude errichtet. Der
Klassenraum hatte eine Größe von 50 m2 mit einer Glasfensterfront von 8m verteilt auf 3
Wände. Im Laufe der Zeit wurden diese Fenster undicht und zugig. Der große alte Ofen
schaffte es nicht, die Klasse im Winter ausreichend zu beheizen. Temperaturen um die 5° C
waren nicht ungewöhnliches.
Bauplan
Schulhaus
1800
Aus diesem Grund verbot der
Kreisarzt in späterer Zeit den Unterricht im Winter. Die Lehrerwohnung wurde nach langer
Vernachlässigung unbewohnbar. Schon 1919 erhielt das Dorf 3600 M Baugeld zum Bau
einer Latrine und Sicherung der Lehrerräumlichkeiten. Trotzdem war ein Neubau
unumgänglich. 1937 beantragte der Schulvorstand zusätzliches Geld in Höhe von 3000 M
und bekam die Bewilligung.
Nach 1945 lernten die Grundschulklassen in der Schule. In jeweils einem Klassenzimmer
wurden die Kinder der 1. und3. Klasse sowie in einem anderen der 2. und 4. Klasse durch
einen Lehrer unterrichtet. Hinter dem Haus befand sich der Schulgarten. Der Sport fand im
Park statt. Während einer großen Kartoffelkäferplage sammelten die Kinder in der
Unterrichtszeit die Schädlinge von den Pflanzen. Biologie zum Anfassen. Die Schule
existierte bis zum Ende der 60. Jahre. Alle späteren Schülergenerationen fuhren nach
Belzig. Das ehemalige Schulgebäude fand in den folgenden Jahrzehnten seine Nutzung u.a.
als Gemeindebüro, Bibliothek und Wohnhaus.
Aufnahme - Anfang 20. Jahrhundert
Unzählige Kinder lernten in der Schule von Lübnitz. Sie war nichts Besonderes, klein und
verwinkelt, aber fragt man ehemalige Schüler besteht noch eine tiefe Verbindung zu dieser
Zeit. Es wird erzählt von langen Wegen durch den Wald von Weitzgrund (im Winter per
Pferdeschlitten), nicht ausgeführten Hausaufgaben und von schlechten Noten. Aber daran
war sowieso der Lehrer schuld, immer.
Klassenraum um 1900 ( Schulmuseum Reckahn)
Stolzes Schulkind 1966
Letzte Schulklasse um 1967
Glossar
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Agnaten
Bezeichnet im römischen Recht einen männlichen Blutsverwandten, der in
ununterbrochener männlicher Linie und ehelich legimitiert von einem Ahnenherr
abstammt. Agnation spielt im Erbrecht des Adels eine bedeutende Rolle.
Allmende
Gemeinschaftsbesitz des Dorfes, z.B. an Wald, Wiesen- und Ackerflächen.
Hektar
Flächenmaß in der Landwirtschaft. 1 ha (Hektar) = 10000 m2.
Huf
Flächenmaß in der Landwirtschaft. 1 Huf = 30 Morgen. 1 Huf = 7,5 ha( Hektar).
Hüfner
Hüfner waren Bauern die mehrere Hufe Land bewirtschafteten und eine eigene
Hofstelle besaßen. Damit verbunden war das Eigentumsrecht an Land und Hof und
das Nutzungsrecht an der Allmende des Dorfes. Der Grundbesitz konnte von 30 bis
100 Morgen betragen.
Kossät(en)
Kossäten wohnten in einer Kate verbunden mit sehr kleinen Landbesitz, der nicht
zum Grunderwerb reichte. Die Bewohner arbeiteten zusätzlich als Handwerker oder
Tagelöhner auf einem Bauern-oder Herrenhof. Zusätzlich mussten die Kossäten als
Gegenleistung für Haus und Grundstück dem Grundherren sowohl Abgaben in Bar
und Naturalien, z.B. Feldfrüchte, als auch Hand-und Spanndienste leisten.
Metzen
Hohlmaß für Getreide und Salz. Das Fassungsvermögen des Behältnisses war
gebietsabhängig und wurde in Liter angegeben. Die Preußische Metze fasste 3,455
Liter. 1 Metze ergab 1/16 Scheffel.
Morgen
Flächenmaß in der Landwirtschaft. Regional unterschiedliche Abmessungen. Ein
preußischer Morgen betrug 2553,22 m2. 1 ha (Hektar) = 4 Morgen.
Scheffel
Hohlmaß für Schüttgut wie Getreide, Erbsen, Samen. Die Größe des verwendeten
Gefäßes war regional unterschiedlich. Die Volumenangabe erfolgte in Liter. Das
Berliner Scheffel betrug 54,962 Liter. 16 Metzen ergaben einen Scheffel.
Visitationen
Besuch eines Befugten des Aufsichtsgremiums zum Zweck der Bestandsaufnahme
und Normenkontrolle
Wüstung
Verlassene Siedlung, die durch Baureste, Flurnamen oder Überlieferungen in der
Gegenwart präsent bleibt.
Zehnt
Zehntprozentige Abgabe in Form von Naturalien und Geld an weltliche und kirchliche
Grundherren.
Quellenangabe
Schwienemarkt
in
Belzig
Verfasser unbekannt
Der
Beginn
„Die Entstehung der Mark Brandenburg“ L. Partenheimer (2007); Buch 2 zum Jubiläum
Belzigs 1997 J. Herrmann(1997);
Urkunde
Domarchiv
Brandenburg;
Internet
Ehemalige Kneipe / jetzt Wohnhaus
Zweite
Lübnitz
Wikipedia; Archäologisches Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster Brandenburg;
„Durch den Hohen Fläming bei Belzig“ K. Nägler/W. Kuhlmey(1926);
Sächsische
Zugehörigkeit
„Geschichte Sachsens“ R. Gross(2001); Wikipedia; Landeshauptarchiv Potsdam
Geschichte
von
Lochows
„Geschichte des Geschlechts von Lochow“ C. von Lochow(1940)/J. von Lochow(1997);
Landeshauptarchiv Potsdam; „Durch den Hohen Fläming bei Belzig“ K.Nägler / W.Kuhlmey;
Gutspark
„Geschichte des Geschlechts von Lochow“ C. von Lochow (1940)/J. von Lochow (1997);
Artikel I. Dieckmann;
30.j.Krieg
Wikipedia; Landeshauptarchiv Potsdam; Archäologisches Landesmuseum im Paulikloster
Brandenburg;
Napoleon
Wikipedia; “ Kleine Geschichte der Befreiungskriege 1813-1815“ Heft 22 F. Bauer (2008);
Burgmuseum Bad Belzig; „Durch den Hohen
Fläming bei Belzig“ K. Nägler/W.
Kuhlmey(1926);
Preußische
Landeshauptarchiv Potsdam; Wikipedia;
Zugehörigkeit
Kreuzung Dorfstr. / Hagelbergerstr.
Bodenreform
Wikipedia; Unterlagen E. Flechner; Unterlagen I. Dieckmann; Landeshauptarchiv Potsdam;
Märkische Allgemeine Zeitung;
Kirche
Unterlagen R. Bulitz; Freundeskreis der Lübnitzer Kirche; Unterlagen I. Dieckmann; „Durch
den Hohen Fläming bei Belzig“ K. Nägler/W. Kuhlmey(1926);
Schule
Märkische Allgemeine Zeitung; Wikipedia; Landeshauptarchiv Potsdam; „Museumsführer
Reckahn“ o. Beckmann/M. Ahlert
Lübnitz um 1960
Mühlenberg um 1960
Impressum
Text:
Illustration:
Lektorat:
A. Herrmann
M. Biniok
K. Dabruck
Danksagung
Diese Chronik ist nicht das Ergebnis einer einzelnen Arbeit sondern ein gemeinschaftliches
Werk. Deshalb bedanke ich mich bei Frau Arnold und Frau Cieleck für ihre unschätzbare
Vorarbeit. Herrn Flechner für einen schönen und erkenntnisreichen Nachmittag. Frau
Dieckmann für einen Hefter voller Informationen und Überraschungen. Frau Schneider,
Leiterin der Bibliothek Bad Belzig für ihre Geduld und Hilfe. Herrn Schmöhl, Leiter des
Burgmuseums, für seine Zeit und Hintergrundwissen. Frau Graz und Frau Biniok für den
stets gefüllten Teller am Esstischen. Herrn Buliz für den Kirchenschlüssel und das „Klemm
Dir nicht die Finger“. Ein Dank den Mitarbeitern des Archäologischen Landesmuseums im
Paulikloster in Brandenburg, des Brandenburgischen Landeshauptarchives Potsdam, des
Domarchives in Brandenburg, des Landesarchives in Wernigerode und des Schulmuseums
Reckahn für ihre Unterstützung.
Es heißt, der Erfolg hat viele Väter – Frauen nicht minder. Mein besonderer Dank gilt Frau
Madlen Biniok für ihre bewunderungswerte Arbeit am Computer und Frau Karin Dabruck für
das unermüdliche Korrigieren mancher verworrener Zeilen.
Mein Interesse an der Ortshistorie verdanke ich neben meinem Vater auch meinem Onkel
Joachim Herrmann. Obwohl in der Welt zuhause, blieb er ein Leben lang in Lübnitz
verwurzelt und beheimatet.
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