handbuch erkennen verwenden pflegen

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H A N D B U C H
WASSER
PFLANZEN
Jörg BAUMHAUER
Carsten SCHMIDT
Klaus VAN DE WEYER
ERKENNEN
VERWENDEN
PFLEGEN
PATZER VERLAG
Berlin-Hannover
Inhalt
1
2
Vorwort
Grundlagen
7
9
5
Reinigungsleistung
von Wasserpflanzen
36
5.1
Sumpfpflanzen
36
5.2
Untergetauchte Pflanzen
36
5.3
Schwimmblattpflanzen
37
Verwendung und anthropogener Nutzen
38
2.1
Begriffe/Definitionen
2.2
Unterschiedliche Gewässertypen
und Standortfaktoren
2.3
Nährstoffe und Trophie
10
6
2.4
pH-Wert
13
6.1
Wasserpflanzen in der Mythologie
38
2.5
Wasserhärte
13
6.2
Wasserpflanzen als Heilpflanzen
39
2.6
Makrophyten und Salz (Salinität)
15
6.3
2.7
Wasserbewegung
16
Wasser- und Sumpfpflanzen in der
Ernährung
42
2.8
Lichtangebot
17
6.4
2.9
Substrate
17
Wasser- und Sumpfpflanzen als
Bau- oder Hilfsstoffe
43
2.10
Füllwasser
18
2.11
Wuchsformen der Makrophyten
19
7
Pflanzenauswahl in der Praxis
45
2.12
Wuchsverhalten/Konkurrenz
22
7.1
Kultivierung und Pflanzenqualitäten
45
2.13
Epiphyten
23
7.2
2.14
Reproduktion
25
Versand und Umgang mit der Pflanze
auf der Baustelle
45
2.15
Fische
25
7.3
Vorgehen bei der Pflanzenauswahl
45
Natürliche Gewässer als Vorbilder
26
8
Pflanzenmatrix mit Anmerkungen
47
Pflanzengesellschaften als Vorbild für
die Planung künstlicher Gewässer
Anmerkungen zu der Pflanzenmatrix
47
26
Wasserpflanzen und
Umweltbedingungen
Pflanzenbeschreibungen
57
26
Wasserpflanzen in natürlichen
Flachseen
9.1
Vorbemerkungen
57
27
9.2
Emerse Pflanzen
57
9.3
Submerse Pflanzen und
Schwimmblattpflanzen
103
Musterpflanzenlisten
128
3
3.1
3.1.1
3.1.2
9
9
8.1
9
3.1.3
Exkurs: Schilf
28
3.2
Funktionen von Wasser- und
Sumpfpflanzen
30
3.3
Wasserpflanzen und ihre Lebensräume
30
10
3.4
Neophyten
31
10.1
Vorbemerkungen
128
3.5
Geschützte Arten (FFH Anhang-Arten)
33
10.2
Oligo- /mesotroph, weich – mittelhart
128
10.3
Oligo- /mesotroph, mittelhart – hart
129
10.4
Oligo- /eutroph, mittelhart – hart
129
10.5
Eu- /hypertroph
130
4
Beispielhafte Gewässer und
deren Eigenschaften
34
5
Inhalt
10.6
Fließendes Wasser
(Fließgeschwindigkeit 0,15–1,0 m/s)
11.9.2 Mangelerscheinungen
138
130
11.9.3 Tierische Schädlinge
139
10.7
Schattiger Standort
130
11.9.4 Schnecken
141
10.8
Bodenkörper, schnell durchströmt,
nährstoffarm
11.9.5 Wasservögel
141
131
11.10 Winterhärte
141
11
Pflege
132
12
Literatur
142
11.1
Allgemeines
132
12.1
11.2
Algen
133
Allgemeine Literatur
(Limnologie, Schwimmteiche)
142
12.2
Bestimmumgsschlüssel
142
Spezielle Literatur
142
11.3
Chemische
Wasserparameter/Wasseranalysen
134
12.3
11.4
Düngung
135
12.3.1 Nährstoffe/Trophie
142
11.5
Sedimente
135
11.6
Verringerung der Einträge
136
12.3.2 Naturschutz,
Wasser-Rahmen-Richtlinie
143
11.7
Pflanzenschnitt
136
12.3.3 Makrophyten
143
11.7.1 Ufer-/Flachwasserpflanzen
136
12.3.4 Schilf
144
11.7.2 Untergetauchte Pflanzen
137
12.3.5 Anthropogener Nutzen
144
11.7.3 Schwimmblattpflanzen
137
11.8
138
12.3.6 Beschreibung der Sumpf- und
Wasserpflanzen
145
12.3.7 Fischbesatz
145
12.3.8 Literatur Epiphyten
145
12.3.9 Internetquellen
145
11.9
Pflege der Pflanzenbestände
Pflanzenschädlinge/
Pflanzenkrankheiten und
Gegenmaßnahmen
11.9.1 Allgemeines
6
138
138
1
Vorwort
Schon wieder ein neues Wasserpflanzenbuch? Es
gibt doch schon genug davon am Büchermarkt,
wird sich der ein oder andere Leser dieses Vorwortes denken. Und da stimmen wir, die Autoren
ihm zu. Es gibt viele Bücher über Wasserpflanzen, die für die unterschiedlichsten Zielgruppen
geschrieben wurden. Die Zielgruppe, an die sich
dieses Buch richtet, ist der Verwender von Wasserpflanzen. Das sind Garten- und Landschaftsbauer, Planer von künstlichen und natürlichen
Gewässern und private Bauherrn, die sich den
Traum vom Teich oder Schwimmteich erfüllen
möchten. Für uns, die Autoren, sind Gewässer
nur mit Wasserpflanzen vollständig. Und doch
sind Wasserpflanzen sehr viel mehr als nur
schmückendes Beiwerk zum Gestalten von
Gewässern. Sie dienen als Baustoffe, Nahrungsund Arzneimittel, haben teilweise sehr spezifische Anforderungen an ihre Lebensbereiche und
sind andererseits so anpassungsfähig, dass sich
die Verwender oftmals fragen: Wieso wächst die
Wasserpflanze hier? Eigentlich sind ihre Ansprüche an Wasserqualität und Standort doch völlig
anders! An diesem Punkt soll dieses Buch Hilfestellung geben. Es gewährt einen Einblick über
die Verwendung von Wasserpflanzen in künstlichen Gewässern, zeigt Grenzen und Möglichkeiten auf und unterstützt den Verwender bei der
Auswahl von Pflanzen für sein Gewässer. Einbezogen sind auch die Sumpfpflanzen, die eine
starke Bindung an Gewässer aufweisen und für
die vorliegende Fragestellung sehr wichtig sind.
In der Wissenschaft werden die Wasser- und
Sumpfpflanzen als Makrophyten bezeichnet.
Wir haben uns als Autoren mit den unterschiedlichsten Verfahren zur Auswahl von Wasser- und
Sumpfpflanzen zur Bepflanzung von Gewässern
auseinandergesetzt und diese zum Teil kritisch
hinterfragt. Denn viele Wasser- und Sumpfpflanzen lassen sich nur schwerlich durch starre Raster und Muster zu „der“ Bepflanzungsliste auswählen. Dem Leser möchten wir durch die entsprechenden Hintergrundinformationen die Auswahl an Wasser- und Sumpfpflanzen erleichtern
und zusätzlich durch eine detaillierte Beschreibung der Pflanzung eine Kontrolle der gelieferten
Pflanzen ermöglichen. Denn oft unterscheiden
sich Arten einer Gattung nur in Details, haben
jedoch gänzlich andere Standortansprüche. Das
Buch ist also kein Bildband über die Schönheit
der Wasser- und Sumpfpflanzen, sondern ein
praktischer Ratgeber für die Auswahl von
Makrophyten für künstliche Gewässer. In Hinblick auf eine bessere Lesbarkeit des Buches
wurde im Text weitgehend auf Literaturzitate
verzichtet. Im Literaturverzeichnis finden sich
viele Hinweise für die unterschiedlichen Themen,
die in diesem Buch behandelt werden.
März 2014
Jörg Baumhauer
Carsten Schmidt
Dr. Klaus van de Weyer
7
4
Beispielhafte Gewässer und
deren Eigenschaften
Neu angelegter Badeteich mit beginnender Pflanzenentwicklung.
Foto: Carsten Schmidt
Die Matrix (Gewässermatrix) gibt einen Überblick
über klassische, im Garten- und Landschaftsbau
gebaute Gewässer. Den Gewässern sind typische
Eigenschaften zugeordnet, die dem Planer und
Ausführenden helfen soll, das geplante Bauvor-
Pflanzenfilter einer Naturbadeanlage.
34
Foto: Carsten Schmidt
Pflanzenzone nach natürlichem Vorbild mit Ufer- und UnterwasserFoto: Carsten Schmidt
bepflanzung.
haben entsprechend einzustufen und eine passende Pflanzenauswahl zu finden.
Da nahezu alle Gewässer eine große Bandbreite
an Bauweisen aufweisen, sind die Darstellungen
exemplarisch zu verstehen und können projektbezogen variieren.
Die Gewichtung der einzelnen Faktoren mit –/0/+
sind Anhaltspunkte für die Relevanz der Parameter für die exemplarisch gewählten Gewässertypen.
„Minus“ = keine Relevanz
„Null“
= kann relevant sein, muss aber nicht
„Plus“
= ein bedeutender Parameter, der
unbedingt zu beachten ist bzw. dem
große Wichtigkeit zukommt.
Die Unterwasserbepflanzung ist für den technischen Schwimmteich nicht relevant, jedoch für
die Funktion eines Pflanzenbeckens wichtig und
unbedingt zu berücksichtigen.
Abweichende Bedeutungen sind in der Tabelle
dargestellt (Kopfzeile).
Beispielhafte Gewässer und deren Eigenschaften
4
Schwimmblattpflanzen/Seerosen
Unterwasserpflanzen
Röhrichtbepflanzung
Artenvielfalt
Blühaspekt
Technikeinsatz
Relevanz der Pflanze zur
Wasseraufbereitung
Wasserbewegung (– = keine/kaum
Wasserbewegung, + = hohe Fließ-/
Strömungsgeschwindigkeit)
Trophie
(– = nährstoffarm, + = nährstoffreich)
Pflanzzone vorhanden
Kosten Unterhalt (– = geringer Kostenaufwand, + = hoher Kostenaufwand)
Kosten Herstellung (– = geringer Kostenaufwand, + = hoher Kostenaufwand)
Beispielhafte Gewässer und deren Eigenschaften
Schwimmteich technisch,
Naturpool
–
–
0
–
0
+
0
0/+
–/0
0
+
+
Schwimmteich naturnah
+
+
+
+
+
0
+
–/0
–/0 (+)
+
0
+
Ohne/mit wenig Technik, Pflanze
dient auch der Wasseraufbereitung
Gartenteich,
ohne Umwälzung
+
+
+
+
+
–
+
–
0/+
+
–
0
Biotop, mit Pflanzen,
ohne Fischbesatz
Gartenteich,
wenig Umwälzung
+
+
+
+
+
0
0
–/+
0/+
0/+
0
0
Biotop mit Wasserspiel oder
kleinem Skimmer, ohne Fische
Fischteich
0
0
+
0
0
+
0
0/+
+/++
–/0
+
+
Zierteich mit leichtem Fischbesatz,
Filteranlage vorhanden
0/+
–
0
0
0
+
–
+
+/++
–/0
+
+
Teich mit hohem Fischbesatz und
intensiver Filterung/Umwälzung
Pflanzenbecken ohne
Wasserbewegung, 1 m Tiefe
+
+
–
0
0
0
+
–
–/+
+
0
0
Zierbecken mit Pflanzen, ohne
Technik
Architektonisches Becken,
bis 50 cm Tiefe
0
0
0
0
0
0
0
–/+
–/+
0
0
0
Gestaltungsbecken, ohne effektive
Filtertechnik
Technisches Becken
–
–
0
0
0
+
–
+
–/+
–
+
+
Gestaltungsbecken, Aufbereitung
technisch, keine nennenswerte
Biologie
Bachlauf
–
–/0
0/+
0
0/+
0/+
–/0
+
–/0
0
0
0/+
Fließgeschwindigkeit
< 1 m/Sekunde
Durchströmter Bodenfilter
–
–
–/+
–/0
–/0
+
0
0/+
0/+
–/+
0
0/+
Zwangsdurchströmter Substratkörper, fallweise mit Bepflanzung,
z. B. Pflanzenkläranlage
0/+
0/+
+
+
+
–/0
0
–/0
–/0
0/+
0
0/+
Moorgewässer unterschiedlicher
Ausprägung
Gewässer/Gestaltung
Koiteich
Moorgewässer
Anmerkungen/Hinweise
Aufbereitung vorwiegend durch
Technikeinsatz/Filter/Bodenfilter,
Pflanze fallweise vorhanden
35
5
Reinigungsleistung von Wasserpflanzen
Den einzelnen Pflanzen/Pflanzengruppen kommen unterschiedliche Funktionen hinsichtlich der
Wasseraufbereitung und ihres jeweiligen Nutzens
für das Gewässer zu. Für Gewässer, in denen die
Wasserreinigung durch die Bepflanzung erfolgen
soll, sind die jeweiligen Anforderungen der einzelnen Pflanzen zu berücksichtigen und in der
Planung umzusetzen. Der Übersicht halber
erfolgt die Unterteilung im Folgenden in Helophyten, untergetauchte Pflanzen und Schwimmblattpflanzen, die aus Sicht der Autoren auch
den größten Praxisbezug hat. Die einzelnen aufgeführten Punkte sind teilweise gattungs-/artabhängig unterschiedlich relevant.
5.1 Sumpfpflanzen
· Eine gut ausgeprägte Helophytenbepflanzung
·
·
·
·
(Sumpfpflanzen) sorgt für eine Verringerung
der Einträge von außen (eingewehtes Laub)
und ein optisch ansprechendes, naturnahes
Erscheinungsbild einer Teichanlage.
Die Nährstoffaufnahme erfolgt über die Wurzel,
was zu einem Nährstoffverbrauch in der Flachwasserzone führt.
Durch das Aerenchym der Pflanzen (Luft führendes Gewebe) wird Sauerstoff in den Bodenkörper eingebracht und Faulgase können entweichen. Daher stellt diese Pflanzengruppe
einen Gasaustausch zwischen Wasser und Luft
sicher, was gerade im Winter, bei zugefrorener
Wasserfläche relevant ist.
Verdunstung
Lebensraum: Zahlreiche Insekten, Amphibien
und andere Lebewesen finden in der Bepflanzung der Ufer- und Flachwasserbereiche ihren
Lebensraum und den Raum zur Laichablage und
Vermehrung (Kröten, Frösche, Libellen usw).
5.2 Untergetauchte Pflanzen
· Untergetaucht lebende Pflanzen weisen oftmals
Uferbereich eines künstlich angelegten Gewässers einige Monate
Foto: Carsten Schmidt
nach der Bepflanzung.
36
eine hohe Photosyntheserate und damit eine
hohe Sauerstoffproduktion auf. Sie sorgen für
eine gute Sauerstoffversorgung des Wasserkörpers.
· Durch einen hohen Nährstoffverbrauch stellen
die untergetauchten Pflanzen unmittelbare Konkurrenten zu den Algen dar. Eine Nährstoffaufnahme kann sowohl über die Wurzel als auch
über Blätter/Stängel erfolgen. Dies ist arten-,
aber auch situationsabhängig. Je nach Nährstoffangebot, Konkurrenz und Jahreszeit können einzelne Pflanzenarten auch kurzfristig den
R e i n i g u n g s l e i s t u n g v o n Was s e r p f l a n z e n
Potamogeton lucens und Characeen – eine wirkungsvolle Kombination
Foto: Carsten Schmidt
für Nährstoffverbrauch und Sauerstoffproduktion.
Weg der Nährstoffaufnahme umstellen und
anpassen.
· Gerade in durchströmten Zonen findet sich
innerhalb der Makrophytenbestände eine deutlich größere Zooplanktondichte als im Freiwasser (bis zur dreifachen Individuendichte).
· Eine übermäßige UV-Bestrahlung kann die
untergetauchten Pflanzen in ihrem Wachstum
hemmen. Sie sorgt dafür, dass die Photosyntheserate deutlich zurückgeht oder gar ausbleibt
(Photosynthesehemmung). Zur Ansiedlung sind
daher Wassertiefen in den Pflanzbereichen von
> 80 cm ratsam.
· Für eine gesunde Pflanzenentwicklung sind
feinkörnige Substrate erforderlich. Eine Wurzelbildung in groben Kieskörnungen (8 bis 16 mm,
16 bis 32 mm) ist nicht möglich oder deutlich
eingeschränkt.
Characeen rasen
5
Foto: Carsten Schmidt
bevorzugt diese beschatteten Bereiche als seinen Lebensraum und zieht sich dorthin zurück.
· Für viele Teichbesitzer gehört die Blüte der
Seerose zu einem Teich zwingend dazu. Oft liegen die Blüten der Schwimmblattpflanzen über
dem Wasserspiegel.
· Neben Schwimmblättern weisen viele Arten der
Schwimmblattpflanzen auch Unterwasserblätter
auf. Jahreszeitlich bedingt kommen den unterschiedlichen Blättern angepasste Funktionen zu
(Photosynthese, Nährstoffaufnahme aus dem
Wasser, Atmung).
5.3 Schwimmblattpflanzen
· Schwimmblattpflanzen wie Seerosen, Seekannen oder Laichkrautarten sorgen mit ihren
Blättern für eine Beschattung der Wasserfläche
und damit für Bereiche mit verminderter UVBestrahlung. Dies ist in Zonen/Lagen mit starker Sonneneinstrahlung von besonderer Bedeutung (exponierte Lagen, Mittelmeerraum,
warme Klimazonen usw.) Das Zooplankton
Persicaria amphibia, eine ansprechende und robuste Pflanze, die
Foto: Carsten Schmidt
Schwimmblätter ausbildet.
37
6
Verwendung und anthropogener Nutzen
„Die Bachbunge ist von warmer Natur und wer
daraus ein Mus kocht unter Beigabe von Fett
oder Öl, und sie so isst, der erleichtert seinen
Bauch durch Abführen wie mit einem Trank. Und
auch unterdrückt sie die Gicht.“
Hildegard von Bingen.
Dieser Ausspruch einer großen Pflanzenheilkundlerin und Klosterfrau macht deutlich, wie
groß das Wissen schon in früher Zeit um die Wirkung von Pflanzen für unsere Gesellschaft war.
Und ist. In der Ernährung, Heilkunde und
Mythologie spielen Pflanzen seit Jahrtausenden
in allen menschlichen Kulturen eine große Rolle.
Besonders wichtig sind ihre Inhaltsstoffe, die
eine große Rolle in der Medizin spielten und
noch heute spielen. Heute erleben viele dieser
Pflanzen eine Renaissance. Nicht nur durch die
traditionelle chinesische Medizin und den Trend
zur ganzheitlichen Medizin und Homöopathie.
Schon allein deshalb, weil man in ihnen neue,
hochwirksame Substanzen entdeckt hat. Es entbrennt weltweit ein regelrechter Patentkrieg um
Pflanzeninhaltsstoffe und ihre Vermarktung. In
Deutschland werden zurzeit ca. nur rund 75 Arzneipflanzen angebaut, die ca. 10 % des innerdeutschen Bedarfs decken. Die restlichen 90 %
decken Importe ab.
Auch einige Wasser- und Sumpfpflanzen haben
einen anthropogenen Nutzen. Sie dienen als Zeigerpflanzen zur Beurteilung von Wasser- oder
Bodenqualitäten, denn sie reagieren als hochspezialisierte Pflanzen sehr empfindlich auf Veränderungen des Standorts. Erkennbar sind diese
Reaktionen an Veränderungen im typischen
Habitus, der Blühfreude, der Blattfarbe und der
gesteigerten Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.
Die Wasser- und Sumpfpflanzen fungieren als
38
Heil- und Gewürzpflanzen oder als Baustoff. Die
folgenden Kapitel widmen sich diesen vielfältigen
Funktionen der Wasserpflanzen.
6.1 Wasserpflanzen in der Mythologie
Pflanzen spielten als Symbole in der Mythologie
stets eine große Rolle. Selbst in Höhlenmalereien
sind Pflanzen als Zauberkräuter abgebildet. Auch
einigen Sumpf- und Wasserpflanzen wiesen
unsere Vorfahren sagenhafte Kräfte zu. Wie z. B.
das Himmelsschlüsselchen (Primula veris), das
den Verstorbenen das Tor in den Himmel aufschließen sollte. Anderseits sollte es aber auch
die eigene Schönheit (der Frauen) erhalten,
sofern „frau“ es ständig trug, und ungewollte
Besucher fern halten. Bis heute ist allerdings der
keltische Brauch bekannt, Himmelschüsselchen
als Frühlingsboten zu betrachten. Oder der Frau-
Die Guttationstropfen auf den Blättern des Frauenmantels
(Alchemilla mollis) sollten nach Meinung der Weisen zum Stein der
Foto: Jörg Baumhauer
Weisen führen.
Verwendung und anthropogener Nutzen
Das Himmelsschlüsselchen (Primula veris )
sollte den Verstorbenen den Weg in den HimFoto: Jörg Baumhauer
mel erleichtern.
Der Seerose (Nymphaea ) sprach man vielfältige Eigenschaften zu, von Antiaphrodisakum bis Mittel gegen Schwindelgefühle.
6
Die stark riechenden Rhizome der Pestwurz
(Petasites officinalis ) sollten die Pest vertreiFoto: Jörg Baumhauer
ben können.
Foto: Jörg Baumhauer
enmantel (Alchemilla mollis), auch Gewittergras
genannt: Kränze aus Frauenmantel an Fenstern,
Türen oder auf dem Dach sollten vor Blitzeinschlag schützen und die Alchimisten im Mittelalter glaubten mit Hilfe der Guttationstropfen auf
den Blättern des Frauenmantels den Stein der
Weisen zu finden. Einigen Pflanzen wurden
wahre Wunderkräfte zu gedacht. So sollten die
stark riechenden Wurzeln der Pestwurz (Petasites officinalis) die Pest vertreiben. Die richtige
Verwendung der Kukuckslichtnelke (Lychnis floscuculi) sollte einen wichtigen Hinweis auf den
nächsten Lebens- und Liebespartner geben, galt
aber in manchen Gegenden auch als Synonym
für den Teufel oder eine Hexe. Selbst dem Inbegriff für Wasserpflanzen, der Seerose (Nymphaea
alba), kam als große Bedeutung in der Kirche zu.
Extrakte aus den Blüten sollten gegen unkeusche
Gedanken helfen und dienten in Klöstern lange
Zeit als Antiaphrodisiakum, um bei Nonnen und
Mönchen den Sexualtrieb zu hemmen. Zurück
zuführen ist das wohl auf eine Quelle bei Plinius,
einem römischen Gelehrten. Die Ernte der Blüten
war eine gefährliche Sache, denn laut den Überlieferungen warteten zwischen den Seerosen die
Nixen, um unbedachte Sammler in die Tiefe zu
ziehen. In Wahrheit war es wohl so, dass die
wenigsten Menschen schwimmen konnten und
sich bei der Ernte in den langen Stängeln verhakten und ertranken. Andere Quellen berichten,
dass ein Rhizom, an die Wand gehängt, gegen
einen Schwindel durch bloßes Betrachten helfen
soll.
Schon die Sumerer und Ägypter nutzten den Kalmus (Acorus calamus) als Räucherwerk. Die
Cree-Indianer ebenso wie die slawischen Völker
sahen im Kalmus einen Glücksbringer und ein
Stimulans, oft als Aphrodisiaka. Der Grund ist
wahrscheinlich das Beta-Asaron, dem laut
RÄTSCH, (1988), eine berauschende Wirkung
zukommt.
6.2 Wasserpflanzen als Heilpflanzen
Die Wirkung von Heil- und Gewürzpflanzen
basiert auf unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Eine
medizinische Wirkung ist nicht immer wissenschaftlich nachgewiesen. Daher sei explizit in
diesem Zusammenhang erwähnt, dass die folgenden Erläuterungen nur einen Überblick geben
können. Bewusst haben wir auf Rezepte oder
Hinweise zur Produktion von Tee, Tinkturen oder
Ähnlichem verzichtet. Wer sich darin versuchen
möchte, wende sich an Arzt, Apotheker oder
Heilpraktiker, die das entsprechende Hintergrundwissen dafür haben.
39
9
Pflanzenbeschreibungen
G a t t u n g : Nymphaea
Nymphaea alba
G a t t u n g : Nymphaea
Art:
N. alba
Deutscher Name:
Weiße Seerose
Erkennungsmerkmale:
· Blüte weiß
· Schwimmblätter am Rand völlig glatt, häufig
länger als breit
· Blattstiel rundlich
· keine Unterwasserblätter ausbildend
· Seitennerven der Schwimmblätter bis weit
unterhalb des Blattrandes miteinander verbunden (vgl. Nuphar lutea).
Verwechslungsmöglichkeiten:
· Sorten und Züchtungen von Nymphaea
· Nuphar lutea: Gelb
Seitennerven der Schwimmblätter nicht oder
nur sehr nahe am Blattrand miteinander verbunden.
Anmerkungen/Besonderheiten:
· in Deutschland weit verbreitet
· Im Handel existieren zahlreiche Hybriden.
G a t t u n g : Nymphoides
Art:
N. peltata
Deutscher Name:
Seekanne
116
Erkennungsmerkmale:
· kleine, seerosenähnliche Blätter. Mit den Seerosen nicht verwandt
· Schwimmblätter kreisrund, 3 bis10 cm groß,
nicht gelappt oder efeuartig
· Blüte gelb, am Rand fransig bewimpert.
Verwechslungsmöglichkeiten:
Hydrocharis morsus-ranae (Wasserschweber,
wurzelt nicht im Sediment und hat weiße Blüten).
Anmerkungen/Besonderheiten:
am Naturstandort gefährdet.
G a t t u n g : Persicaria
Art:
P. amphibia
Deutscher Name:
Wasserknöterich
Alter Name:
Polygonum amphibium
Erkennungsmerkmale:
· Schwimmblätter fiedernervig, Hauptseitennerven gehen in Abständen nacheinander vom
Mittelnerv ab. Schwimmblätter oval bis lanzettlich, bis 7 cm breit.
· Blätter am Rand schwach behaart
· Blüten weiß-rosa
· Blätter schmecken nicht nach Pfeffer (Blätter
von P. hydropiper schmecken nach Pfeffer,
Verwechslungsmöglichkeit)
· Blätter wechselständig, Spross unverzweigt
Pflanzenbeschreibungen
9
G a t t u n g : Nymphoides
Nymphoides peltata
G a t t u n g : Persicaria
Persicaria amphibia
· Emerse Form: 30 bis 75 cm hoch und bogigaufsteigend wachsend. Blätter kurz gestielt
(1 cm) oder sitzend.
Verwechslungsmöglichkeiten:
· Persicaria hydropiper
· Potamogeton natans und andere P.–Arten:
Schwimmblätter sind hierbei nicht fiedernervig,
sondern parallel- oder bogennervig (Hauptseitennerven gehen bereits alle am Blattgrund von
der Mittelrippe ab), Blüten grün-braun.
Anmerkungen/Besonderheiten:
gut zu verwendende Pflanze für mittlere Wassertiefen.
117
11
Pflege
11.1 Allgemeines
Im Zuge der Sukzession haben Gewässer die
Tendenz zur Verlandung. Es sammelt sich immer
mehr organische Substanz und Biomasse an, die
Produktion der Pflanzen und Algen nimmt zu
und die freie Wasserfläche wächst immer weiter
zu. Diese Entwicklung würde auch ein künstlich
angelegter Teich durchlaufen, sie ist aber von
dessen Planer und Besitzer meist nicht
gewünscht. Die Hauptaufgabe einer Gewässerpflege besteht darin, den voranschreitenden Prozess der Eutrophierung zu unterbrechen und das
Gewässer in einem nährstoffarmen Zustand zu
halten.
Zu unterscheiden sind hierbei die Vorgänge von
Nährstoffeintrag – Nährstofffestlegung – Nährstoffentzug.
Der Nährstoffeintrag erfolgt im Wesentlichen
durch:
· Füllwasser/Nachfüllwasser
· Oberflächenwasser
· nährstoffhaltige Baumaterialien, Kiese, Steine
· Badegäste
· Laub, Blütenstaub
· atmosphärische Einträge
· abgestorbene organische Masse innerhalb des
Gewässers (Produkte der Mineralisierung)
· Bau-/Planungsfehler (Randausbildung, Filterkonzeption, Bepflanzung usw.).
Die Nährstofffestlegung wird erreicht durch die
Bildung von Biomasse innerhalb des Gewässers:
· Wachstum von Pflanzen
· Wachstum von Algen
· Produktion von Biofilm, oftmals gezielt in Filterkörpern
· Sedimentation.
Entzogen werden die festgelegten Nährstoffe
durch entsprechende Pflegemaßnahmen:
132
Bildung fädiger Grünalgen als Folge eines Nährstoffüberschusses.
Foto: Carsten Schmidt
· Pflanzenschnitt
· Entfernen von Algen
· Absaugen von Sedimenten
· Verringerung des Eintrages von außen (Laubschutznetz, Skimmerbetrieb, Kescher u. Ä.)
· Entfernen von aufgewachsenem Biofilm, zum
Beispiel durch Rückspülung von Filterkörpern.
Es sei hier darauf hingewiesen, dass eine fachgerechte Planung und Bauausführung den Grundstein für ein nährstoffarmes und pflegeleichtes
Gewässer darstellt. Hierzu gehören Überlegungen zur Platzierung der Anlage, einer fachge-
Pflege
11
rechten Teichrandausbildung und eine ausreichende Berücksichtigung der Vorgaben zu Füllwasser, Baumaterialien, Sediment, Pflanzenverwendung und Filtertechnik.
11.2 Algen
Algen gehören zu den unliebsamen Bewohnern
des Teiches und sind oftmals Anlass für Streitigkeiten zwischen Bauherr und Planer/Ausführungsbetrieb.
Zunächst sei erwähnt, dass auch Algen zu einem
biologisch aufbereiteten Gewässer dazugehören.
Sie erfüllen wesentliche Aufgaben wie Sauerstoffproduktion und Nährstoffverbrauch.
Die vielen tausend existenten Algenarten lassen
sich nur von Experten sicher bestimmen und
unterscheiden. Schwebealgen sind zu dem Phytoplankton zählende, pflanzliche Kleinstlebewesen,
die ein Gewässer trüben oder einfärben. Ursächlich für beispielsweise eine Grünfärbung eines
Teiches sind die Schwebealgen.
Hiervon zu unterscheiden sind fädige Algen. Dies
sind mehrzellige, fädige Strukturen, die oft auf
Substrat- oder Steinoberflächen aufwachsen. Die
Länge der einzelnen Algenfäden ist ebenso unterschiedlich wie die Konsistenz der Algen. Bei
erhöhtem Nährstoffangebot bilden sich zähe,
griffige Algenstrukturen, die sich problemlos
durch Abfischen entfernen lassen (z. B. Cladophora). In eher oligotrophen – mesotrophen Verhältnissen finden sich fädige Algenarten, die eher
als „Wolken“ wahrzunehmen sind (z. B. Mougeotia). Diese lassen sich nicht von Hand oder mit
einem Kescher entfernen, da ihre Konsistenz
schleimig ist.
Unter den Algen finden sich Spezialisten für
nahezu alle biologischen Nischen. Selbst bei
extremer Nährstofflimitierung finden sich Algenarten, die diesen Lebensraum besiedeln.
Entscheidend ist das Maß der Algenbildung und
deren Quantifizierung. Hierzu gibt es bislang
keine standardisierte und objektive Bewertungsmethode.
Algen können bei übermäßiger Entwicklung das
Wachstum der Wasserpflanzen beeinträchtigen.
Fädige Algen in oligo-mesotrophen Verhältnissen. Foto: Carsten Schmidt
Sedimentauflagen am Boden des Teiches stellen ein Nährstoffdepot
Foto: Carsten Schmidt
dar.
Eine Trübung durch Phytoplankton verhindert
das Eindringen von UV-Licht in den Wasserkörper und somit die Entwicklung von Pflanzenbeständen in größeren Wassertiefen (Seerosen,
untergetauchte Pflanzen). Fädige Algen können
sich flächig auf den Pflanzen/Pflanzenteppichen
ansiedeln und somit ebenfalls deren Entwicklung
schädigen.
Das Absammeln/Abfischen von fädigen Grünalgen ist eine effektive Art, Nährstoffe aus dem
Wasser zu bekommen. Hierbei ist gerade bei neu
angelegten Teichen mit entsprechender Sorgfalt
vorzugehen, damit nicht auch die jungen Wasserpflanzen mit entfernt werden.
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