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09. Februar 2017
Malaria: Wirkstoff SC83288 im Tiermodell erfolgreich
Bei der schweren, von Plasmodium falciparum verursachten Malaria kommt es zu gefährlichen Durchblutungsstörungen
und neurologischen Komplikationen. Wird der Betroffene nicht sofort behandelt, führt die Erkrankung unweigerlich zum
Tod. Die derzeit gebräuchlichen Medikamente, Artesunat und Chinin, haben zum einen unerwünschte Nebenwirkungen, zum
anderen werden immer mehr Plasmodien resistent gegen diese Wirkstoffe. Wissenschaftler haben eine neue Substanz
entwickelt, die schwere Malaria in humanisierten Mäusen heilen konnte.
„Die Notwendigkeit für neue Medikamente zur Behandlung der schweren Malaria ist groß“, betont auch Prof. Dr.
Michael Lanzer, DZIF-Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg. Mit seinem Team konnte er in einem
DZIF-Projekt einen ersten vielversprechenden Kandidaten entwickeln: SC83288 hat die gewünschten
Eigenschaften und konnte bereits in humanisierten Mäusen erfolgreich gegen schwere Malaria eingesetzt werden.
Ausgangspunkt der Entwicklung waren Benzamidin-Derivate, die in der Tiermedizin gegen verschiedene Parasiten
wirksam waren, sich aber aufgrund schwerer Nebenwirkungen nicht durchsetzen konnten. Die Wissenschaftler
versuchten nun, diese Ausgangssubstanzen so zu verändern, dass sie für eine Anwendung gegen schwere
Malaria geeignet sind. Sie modifizierten die Substanz chemisch in einer Weise, dass sie verträglicher wurde, ohne
ihre Wirkung gegen die Parasiten einzubüßen. „Die neue chemische Struktur ist sehr gut verträglich, wird schnell
im Körper abgebaut und was entscheidend ist: sie kann im Tiermodell die Erreger der schweren Malaria in kurzer
Zeit abtöten“, erklärt Lanzer.
Für ihre Versuche setzten die Wissenschaftler Mäuse ein, die humane Blutzellen haben und mit einer schweren
Malaria infiziert sind. In diesem Modellsystem wirkte SC83288 gegen die späten Stadien der Malaria, die sich in
den Blutzellen befinden und dort die schweren Folgeschäden hervorrufen. Detaillierte präklinische Studien von
Pharmakokinetik und Toxikologie zeigten durchweg positive Ergebnisse für die Substanz, die intravenös
verabreicht werden soll. „Wir sind jetzt dabei, die regulatorische Präklinik durchzuführen und hoffen dann,
voraussichtlich 2018, klinische Studien auf den Weg zu bringen“, so Lanzer.
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
Literatur:
Pegoraro S, Duffey M, Otto TD et al.
Nat Commun. 2017 Jan 31;8:14193. doi: 10.1038/ncomms14193.
SC83288 is a clinical development candidate for the treatment of severe malaria.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28139658
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