10 Kinetik allgemeiner Systeme - WWW-Docs for B-TU

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10 Kinetik allgemeiner Systeme
Durch Freischneiden der einzelnen Körper und Aufstellen von Impuls- und Drallsatz gelingt
es grundsätzlich, die Bewegungsgleichungen eines Systems zu finden. Manchmal ist es
jedoch zweckmäßiger, das System in seiner Gesamtheit zu betrachten.
Schneidet man aus einem abgeschlossenen Massenpunktsystem einen einzelnen Massenpunkt heraus, so wirken auf diesen einerseits äußere Kräfte durch Wechselwirkungen oder
Bindungen mit Elementen außerhalb des Systems, andererseits Kräfte durch Wechselwirkungen oder Bindungen mit anderen Massenpunkten des Systems. Die Axiome der Mechanik besagen, dass sich die inneren Kräfte jeweils paarweise in ihrer Wirkung aufheben
(actio=reactio), d.h. sie haben nach außen weder eine Kraft- noch eine Momentenwirkung.
Beim Aufsummieren der Impulssätze für die einzelnen Massenpunkte heben sich daher die
inneren Kräfte vollständig heraus, so dass nur die resultierende äußere Kraft Einfluss auf
die Änderung des Gesamtimpulses eines Systems hat. In gleicher Weise heben sich innere
Momente heraus, weshalb sich die Änderung des Gesamtdralls eines System lediglich aus
dem äußeren resultierenden Moment ergibt. Die Änderung des Gesamtimpulses lässt sich
als Gesamtmasse multipliziert mit der Beschleunigung des Gesamtschwerpunkts formulieren, woraus der Schwerpunktsatz (oder auch Massenzentrumsatz) folgt.
Integriert man Impuls- und Drallsatz über ein vorgegebenes Zeitintervall, ergeben sich daraus Impuls- und Drallbilanz für das abgeschlossene System. Dies wird sich bei Stoßaufgaben als vorteilhaft erweisen, wo man den exakten Zeitverlauf der Stoßkräfte nicht kennt.
Beim nichtabgeschlossenen System verändert sich die Gesamtmasse durch Zu- oder Abströmen von Masse. Mit dem Massenstrom verknüpft ist ein Impulsstrom, der den Impuls
des verbleibenden Systems verändert und damit zu einer Kraftwirkung führt. Bei der Rakete
wird Masse mit hoher Geschwindigkeit nach hinten ausgestoßen und führt auf eine Schubkraft, bei einer Schöpfkelle muss die aufgenommene Masse auf die Geschwindigkeit der
Schöpfkelle beschleunigt werden und verzögert sie dadurch.
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10 Kinetik allgemeiner Systeme
10.1 Impuls- und Drallsatz für abgeschlossene Systeme
Abgeschlossenes Massenpunktsystem
abgeschlossenes
System
Ein System heißt abgeschlossen, wenn keine
Masse über die Systemgrenze tritt.
³
F j(a)
Auf
jeden Massenpunkt³ m j wirken äußere Kräfte
³
F j(a) und innere Kräfte F jk(i). Letztere haben nach
außen keine resultierende Kraft- und Momentenwirkung:
³ (i)
³ (i)
mj
F jk ) F kj + 0
³ (i)
³
³
F jk ) r k
rj
³ (i)
³
Fkj + 0
³ (a)
m jr j + Fj )
³
rj
mk
³
rk
ȍ Fjk
³ (i)
O
k0j
Impulssatz für ein abgeschlossenes System
Impulssätze für einzelne Massenpunkte:
..
³
..
³
³
..
³
³
³
m 1r³1 + F1(a)
³
(i)
(i)
) F 12
) F 13
) AAA
³
³
(i)
m 2r 2 + F2(a) ) F 21
(i)
) F 23
) AAA
³
(i)
(i)
m 3r³3 + F3(a) ) F 31
) F 32
AAA
) AAA
Summation über das Gesamtsystem
→ innere Kräfte heben sich auf
→ Gesamtimpuls wird nur durch äußere Kräfte verändert
³ (a)
d³
p+F
dt
³
resultierende äußere Kraft F (a) +
ȍ Fj(a):
³
j
Gesamtimpuls des Systems
ȍ mjrj
p + ȍ m jr Cj
Z Massenpunktsystem
³
p
+
.
³
Z Mehrkörpersystem
³
.
³
Z Kontinuum
rj
F jk
F kj(i)
³
Für jeden Massenpunkt gilt der Impulssatz
..
³
.
³
³ (i)
³
³
p+
ŕ rdm
dm
.
³
³
r
O
.
³
r
10 Kinetik allgemeiner Systeme
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³ (a)
d³
p+F
dt
Massenmittelpunkt
³
1
r C :+ m
m jr³j mit m +
ȍ
³
F (a)
ȍ mj
j
j
C
..
³
³ (a)
mr C + F
Schwerpunktsatz: Der Massenmittelpunkt C eines
abgeschlossenen Systems bewegt sich so, als seien die gesamte Masse und alle äußeren
Kräfte in ihm vereinigt
³
rC
abgeschlossenes
System
O
Drallsatz für ein abgeschlossenes System
³
Der Drall eines Massenpunkts ist definiert als Impulsmoment L Oj + ³
rj
³
³
pj +
rj
.
³
.
m jr³j.
³
Durch Multiplikation der Impulssätze mit ³
r j ergeben sich die Drallsätze L Oj + M Oj:
..
³
³
m 1r³1 + ³
r1
F 1(a)
³
m 2r³2 + ³
r2
F 2(a) ) ³
r2
(i)
F 21
³
m 3r³3 + ³
r3
F 3(a) ) ³
r3
³
(i)
F 31
)³
r3
r1
r2
r3
AAA
..
..
³
³
)³
r1
³
³
³
(i)
F 12
)³
r1
(i)
F 13
) AAA
)³
r2
(i)
F 23
) AAA
³
³
(i)
F 32
) AAA
Summation über das Gesamtsystem
→ innere Momente heben sich auf
→ Gesamtdrall wird nur durch äußere Momente verändert
³
³ (a)
dL
+ MO
O
dt
³ (a)
resultierendes äußeres Moment M O +
ȍ rj
³
³
F j(a)
j
Gesamtdrall des Systems
Z Mehrkörpersystem
ȍ rj mjrj
L + ȍ I Cjw j ) r Cj
Z Kontinuum
L+
Z Massenpunktsystem
³
³
³
³
³
L+
³
ŕr
³
.
³
³
.
³
rdm
³
.
m jr³Cj
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10 Kinetik allgemeiner Systeme
10.2 Impuls- und Drallbilanz für abgeschlossene Systeme
Impulsbilanz
³ (a)
d³
p+F
dt
Integration über Bewegung
³
³
p2 + p1 )
ŕ
t2
F (a)
³ (a)
F (a) (t)
F dt
t1
Kraftstoß
t1
³ (a)
Sonderfall: F
³
+0
å
³
p2 + ³
p 1 Impulserhaltung
Drallbilanz
³
³ (a)
dL
+ MO
O
dt
Integration über Bewegung
³
³
L O2 + L O1 )
ŕ
t2
³ (a)
M O dt
t1
Momentenstoß
³ (a)
³
Sonderfall: M O + 0 å
³
³
L O2 + L O1 Drallerhaltung
t2
t
10 Kinetik allgemeiner Systeme
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10.3 Impulssatz für nichtabgeschlossene Systeme
³*
v abs
.*
System mit Massenausstoß m u 0
Massenbilanz für K
³ (a)
F
m(t ) dt) * m(t)
dt
(m * dm* ) * m
+
dt
*
.
dm
+*
+ * m* t 0
dt
.
m+
³ (a)
F
v
(t)
³ (a)
³
³ (a)
m dv + F
dt
³
v ) dv³
³
v ) dv³
*
m * dm
K(t)
Bahn von K
*
* m* ³
v rel
.
dm
v rel
K(t ) dt)
m
p(t ) dt) + ³
p(t) ) F dt
(t ) dt)
³
Impulsbilanz für Gesamtsystem
³
*
³*
Raketengleichung
Ausstoßgeschwindigkeit relativ*zur Rakete
.
Massenausstoß pro Zeit m*+ dm
dt
³
. * ³*
Schubkraft S + * m v rel
äußere resultierende Kraft (ohne Schub)
Beschleunigung der Rakete
aktuelle Masse m(t) der Rakete
Beispiel: Raketenstart
v
v
m(t)
m(t)
m(t)g(z)
m(t)g(z)
z
.*
m
v*
rel
S + m* v *
rel
.
x
*
mv + * mg ) m* v rel
.
.
oder
.
mv + * mg ) S
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10 Kinetik allgemeiner Systeme
³ (a)
F
.)
System mit Massenaufnahme m u 0
(t ) dt)
³
Massenbilanz für K
v
)
³)
dm
m(t ) dt) * m(t)
dt
(m ) dm) ) * m
+
dt
)
.)
dm
+
+m u0
dt
³ (a)
F
³)
v abs
(t)
m
v ) dv³
m ) dm
K(t ) dt)
v rel
.
m+
³
)
³
v
K(t)
Bahn von K
Impulsbilanz für Gesamtsystem
³ (a)
³
³
p(t ) dt) + p(t) ) F dt
³
³ (a)
m dv + F
dt
)
) m) ³
v rel
.
)
)
Aufnahmegeschwindigkeit relativ zur Schöpfkelle ³
v rel + ³
v abs * ³
v
)
.)
dm
Massenaufnahme pro Zeit m +
dt
³
. ) ³)
Druckkraft D + m v rel
Beispiel: Schöpfkelle
³
³)
v abs + 0
F (a)
v)
rel + v
v
F (a)
m)
v
D + m) v )
rel
.
m(t)
mv + F (a) * m) v
.
.
m(t)
oder
.
mv + F (a) * D
.
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