Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt, Tibetische

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Sowa Rigpa –
Die Heilkunst vom Dach der Welt
Tibetische Ernährungs- und Verhaltenslehre zur
Gesundheitsförderung und Prävention im Westen
Diplomarbeit zur
Dipl. Naturheilpraktikerin Tibetische Medizin
an der
Paramed Akademie AG
Bildungszentrum für Ganzheitsmedizin, Baar
www.paramed.ch
vorgelegt von
Marianna Neidhart
Furkastrasse 17
8203 Schaffhausen
[email protected]
Baar, August 2015
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Eigenständigkeitserklärung
Hiermit bestätige ich, die vorliegende Arbeit selbstständig unter Nutzung keiner
anderen als der angegebenen Hilfsmittel verfasst zu haben.
_____________________________
Schaffhausen, August 2015
Autorin:
Fachexpertin:
Marianna Neidhart
Brigitte Ingold, Fachbereichsleiterin Lehrgang TIBMED
Copyright Diplomarbeit Paramed
Diese
Diplomarbeit
ist
als
Abschluss
der
Ausbildung
zum
Dipl.
Naturheilpraktiker/in Tibetische Medizin persönlich verfasst. Veröffentlicht im
September 2015.
Das Recht, diese Diplomarbeit zu kopieren, auf das Netz zu setzen, liegt bei der
Verfasserin und der Paramed. Ein gedrucktes Exemplar liegt zur Ansicht in der
Bibliothek der Paramed auf.
Veröffentlichung: Eine Veröffentlichung oder jegliche Verwendung von Inhalten
bedarf einer schriftlichen Einverständniserklärung der Autorin.
Alle gewählten Bezeichnungen gelten sinngemäss für beide Geschlechter.
Marianna Neidhart
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Inhaltsverzeichnis
Eigenständigkeitserklärung .................................................................................. 2
1.
Zusammenfassung ........................................................................................ 5
2.
Einleitung ..................................................................................................... 5
2.1.
Einführung in die tibetische Medizin ............................................................. 5
2.1.1.
Grundlagen der tibetischen Medizin .......................................................... 5
2.1.2.
Herzstück der tibetischen Medizin ............................................................. 6
2.1.3.
Ursache aller Krankheiten aus tibetischer Sicht .......................................... 7
2.1.4.
Haupttext der medizinischen Überlieferung: Das rGyud-bzhi ........................ 7
2.2.
Fragestellung und Hypothese ...................................................................... 8
2.3.
Zielsetzung ............................................................................................... 8
2.4.
Begründung .............................................................................................. 8
2.5.
Eingrenzung ............................................................................................. 9
2.6.
Methodik .................................................................................................. 9
2.7.
Erklärung des Ablaufs ................................................................................ 9
3.
Tib. Ernährungs- und Verhaltenslehre zur Gesundheitsförderung und Prävention ..10
3.1.
Einführung ..............................................................................................10
3.2.
Die individuelle Konstitution: Basis für die Therapie ......................................11
3.3.
Tibetische Ernährungslehre ........................................................................12
3.3.1.
Allgemeine Empfehlungen zur Ernährung .................................................12
3.3.2.
Die Verdauungshitze: Voraussetzung für ein gesundes und langes Leben .....13
3.3.3.
Geschmacksrichtungen und ihre heilende Wirkung ....................................14
3.3.4.
Wirkungsweise von Nahrungsmitteln........................................................16
3.3.5.
Unverträgliche Kombinationen von Nahrungsmitteln ..................................19
3.4.
Tibetische Verhaltenslehre .........................................................................19
3.4.1.
Allgemeine Verhaltensregeln ...................................................................20
3.4.2.
Verhalten gemäss der individuellen Konstitution ........................................20
3.4.3.
Lu Jong – Tibetisches Heilyoga nach Tulku Lobsang ...................................21
3.4.4.
Wirkungsweise von Lu Jong ....................................................................21
3.4.5.
Lu-Jong-Übungen und ihre spezifischen Wirkungen....................................22
3.5.
4.
Gesundheit aus tibetischer Sicht ................................................................23
Ergebnis .....................................................................................................24
4.1.
Gegenüberstellung: Tibetische Medizin – Westliche Medizin ...........................24
4.2.
Therapieansatz gemäss der individuellen Konstitution ...................................25
5.
Diskussion ...................................................................................................29
5.1.
Interpretation der Ergebnisse ....................................................................29
5.2.
Bezugnahme auf die Fragestellung / Hypothese ...........................................30
5.2.1.
Adaption an den Westen ........................................................................30
5.2.2.
Compliance ..........................................................................................31
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5.2.3.
Gesunde westliche Ernährung aus tibetischer Sicht ....................................32
5.2.4.
Beantwortung der Frage / Begründung der Hypothese ...............................34
5.3.
Reflexion zur Zielerreichung ......................................................................35
5.4.
Schlussfolgerung ......................................................................................35
Literatur- und Quellenverzeichnis ...........................................................................36
Literaturverzeichnis............................................................................................36
Zeitungsartikel ..................................................................................................36
Internet ............................................................................................................36
Quellennachweis der Abbildungen ........................................................................37
Lehrgänge / mündlicher Unterricht .......................................................................37
Zitate ...............................................................................................................37
Glossar tibetische Ausdrücke ...............................................................................37
Anhänge / Vorlagen ..............................................................................................38
Anhang 1: Der Medizinbaum ..............................................................................38
Anhang 2: Übersicht Fünf-Elemente-Lehre ...........................................................39
Anhang 3: Körperenergien / Konstitutionstypen ....................................................40
Anhang 4: Konstitutionstypen-Bestimmung ..........................................................41
Anhang 5: Beispiele zu den Grundregeln der tibetischen Ernährungslehre ................42
Anhang 6: Konkrete Beispiele zur Stärkung der Verdauungshitze ............................43
Anhang 7: Übersicht Geschmacksrichtungen, Wirkkraft und Vorkommen .................44
Anhang 8: Übersicht Wirkkräfte und Vorkommen in Nahrungsmitteln ......................45
Anhang 9: Die verschiedenen Handlungen und Vollkommenheiten ..........................46
Anhang 10: Ernährung und Verhalten als Krankheitsursache / Therapieansatz ..........49
Anhang 11: Die Lu Jong-Übungen ........................................................................50
Anhang 12: Handouts - Therapievorschläge gemäss der individuellen Konstitution .....55
Marianna Neidhart
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
1. Zusammenfassung
Das Besondere und Faszinierende an der Traditionellen Tibetischen Medizin (TTM)
ist die ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen. Sie entspricht einem
psychosomatischen Menschbild, wo die körperliche Ebene wie auch die geistige
Ebene betrachtet und behandelt werden. Die Grundlage der TTM bildet die Lehre
der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Die fünf Elemente sind
in allen Phänomenen angelegt. Im Menschen manifestieren sie sich in Form der
sogenannten drei Körperenergien Lung, Tripa und Peken. In harmonischem
Gleichgewicht der fünf Elemente sind auch die Körperenergien ausgeglichen und
der Mensch erfährt Gesundheit. Ein Ungleichgewicht führt längerfristig zu
Krankheit. Die Geisteshaltung hat eine entscheidend wichtige Bedeutung für die
Gesundheit, denn Gedanken und Handlungen beeinflussen das Gleichgewicht der
Körperenergien ebenso wie die Ernährung und das Verhalten. Ziel der tibetischen
Medizin ist es, dieses Gleichgewicht durch „sanfte“ Heilmethoden zu erhalten
oder wiederherzustellen.
Fokus und Stärke der Tibetischen Medizin liegt grundsätzlich in der Prävention,
d.h., wie durch die eigene Lebensführung Krankheiten vorgebeugt werden kann.
Dabei hat die gesunde Ernährungs- und Verhaltensweise einen hohen
Stellenwert. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der äusserst spannenden
Thematik
der
tibetischen
Ernährungsund
Verhaltenslehre
zur
Gesundheitsförderung und Prävention im Westen. Aus tibetischer Sicht sieht die
gesunde Ernährungs- und Verhaltensweise für jeden Menschen unterschiedlich
aus. So werden in Bezug auf die Ernährung nicht vorrangig gesunde und
ungesunde Nahrungsmittel unterschieden, sondern Nahrungsmittel, die zu einem
Menschen passen oder nicht. Dieser Ansatz gilt auch beim Verhalten. Die TTM
beschreibt wertvolle, individuelle Therapieansätze für ein gesundes und langes
Leben, die auch für den Westen eine Bereicherung darstellen.
2. Einleitung
2.1. Einführung in die tibetische Medizin
2.1.1. Grundlagen der tibetischen Medizin
Sowa Rigpa heisst übersetzt „Das Wissen vom Heilen“ und beschreibt die
einzigartige Heilkunst der tibetischen Medizin. Sie zählt zu den ältesten noch
praktizierten Heil-Traditionen der Welt. Die TTM ist untrennbar mit der
buddhistischen Philosophie verbunden. Im Zentrum steht das Mitgefühl
gegenüber allen Lebewesen, unabhängig ihrer Herkunft, ihrer Art und
Denkweise. Dieser Gedanke prägt das ganze Medizinsystem Tibets. Doch, um es
gleich vorweg zu nehmen, muss man nicht Buddhist sein, damit einem die
Traditionelle Tibetische Medizin hilft.1
Die enge Beziehung des Menschen zum Universum bildet die Grundlage der
tibetischen Medizin. Die fünf Elemente (tib. Byungba) sind dabei die
Grundbausteine aller Phänomene wie Pflanzen, Tiere, Menschen, Nahrung, der
Erde sowie des Universums. Der Mikrokosmos wie auch der Makrokosmos, alles
1
www.tibetmedizin.org/pdf/Eine-kurze-Reise-durch-das-komplexe-System-derTibetischen.pdf, Abruf 03.06.2015.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Sein besteht aus denselben fünf Elementen (Erde, Wasser, Feuer, Wind und
Raum). Durch diese steht der Mensch in steter Wechselbeziehung mit dem
Universum und ist mit ihm verbunden. Jedes der fünf Elemente definiert sich
über bestimmte Eigenschaften. Die Elemente prägen im Menschen alle Prozesse
auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene: Jeder Gedanke, jede Emotion,
jedes gesprochene Wort und überhaupt jeder Vorgang im Körper und im Geist
hat Einfluss auf das Gleichgewicht der Elemente untereinander. Sind die
Elemente in unserem Körper in harmonischer Balance, dann sind wir gesund,
sind sie über längere Zeit in Disharmonie, werden wir krank.2
Basis der tibetischen Medizin ist die Lehre von drei Körperenergien. Diese
Körperenergien sind in allen Lebewesen angelegt und machen das Leben erst
möglich.
Jeder
Mensch
kommt
mit
bestimmten
Grundeigenschaften
(Grundkonstitution) zur Welt, die unseren Körper, unseren Geist und damit auch
die Körperenergien prägen. Die tibetische Medizin spricht in diesem
Zusammenhang von den drei Körperenergien Lung (Wind), Tripa (Feuer), Peken
(Schleim), die wie jedes Phänomen von den fünf Elementen gebildet werden. Das
vorherrschende Element der Körperenergie Lung ist der Wind, von Tripa ist es
das Feuer und in der Körperenergie Peken manifestieren sich hauptsächlich die
Elemente Erde und Wasser.3 Auch in diesem Zusammenhang gilt, dass unsere
Gedanken und Handlungen bzw. unsere Lebensweise das Gleichgewicht der
Körperenergien beeinflussen. Ziel der tibetischen Medizin ist es, dieses
Gleichgewicht durch „sanfte“ Heilmethoden zu erhalten oder wiederherzustellen.4
2.1.2. Herzstück der tibetischen Medizin
Das Herzstück der tibetischen Medizin fundiert auf der buddhistischen
Psychologie, wonach der Mensch ganzheitlich, als Kombination von Körper, Geist
und Seele5, betrachtet und behandelt wird. Das harmonische Zusammenspiel
dieser drei Ebenen ist die Grundlage für unser Wohlbefinden. In der Diagnostik
wie auch im Therapieansatz werden die subtilen Wechselwirkungen zwischen den
dreien mit in Betracht gezogen. So bilden Körper und Geist eine Einheit und
können nicht isoliert gesehen werden. Jede körperliche Aktivität hat ihren
Ursprung im Geist. Darum beeinflusst unsere geistige Grundeinstellung in
direkter Weise unseren Körper und entscheidet vorrangig über Gesundheit oder
Krankheit. Diese Betrachtungsweise entspricht einem psychosomatischen
Menschenbild. Und umgekehrt hat auch der Körper einen Einfluss auf den Geist.
So kann gemäss LOBSANG der Körper als Fahrzeug für die geistige
Weiterentwicklung genutzt werden.6
2
DUNKENBERGER T., Zeitschrift happinez Nr. 8, 2013, S. 110.
www.padma.ch/tibetische-medizin/grundlagen, Abruf 30.03.2015.
4
EMCHI D., Zeitschrift Heilsames Tun, Nr. 6, 22.03.2013.
5
Das Wort „Seele“ existiert in der TTM nicht. Die Bedeutung ist annähernd in einer
subtilen Form des Geists enthalten. Wenn aus tibetischer Sicht von Geist gesprochen
wird, ist im weitesten Sinne auch die Bedeutung von Seele miteingeschlossen.
6
LOBSANG T., Lu Jong Teacher-Lehrgang, 6. – 9.02.2015.
3
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
2.1.3. Ursache aller Krankheiten aus tibetischer Sicht
Die Hauptursache aller Krankheiten liegt nach tibetischem Verständnis einzig und
allein in der Unwissenheit (tib. Marigpa) und ist entsprechend im Geist
begründet. Die Unwissenheit hält jeden Menschen im Rad der Wiedergeburt (tib.
Samsara) gefangen. Um diesen Zusammenhang zu illustrieren, findet sich im
Haupttext der medizinischen Literatur Tibets, dem rGyud-bzhi, die Metapher
eines Vogels: „So hoch er in den Himmel fliegt, niemals wird er sich von seinem
Schatten trennen können. Genauso ist es allen fühlenden Wesen, obwohl sie in
Gesundheit und Harmonie leben, unmöglich, ohne Krankheit zu sein, da sie mit
Marigpa gezeichnet sind.“7
Aus dieser Unwissenheit entsteht die langfristige Ursache von Krankheit, nämlich
die drei Geistesgifte (tib. Dug-sum) Begierde (tib. Dodchangs), Zorn (tib.
Zhesdang) und die Verblendung (tib. Timug). Die Geistesgifte sind wiederum für
die Entwicklung der kurzfristigen Krankheitsursachen verantwortlich. Es sind dies
die drei Körperenergien Lung, Tripa und Peken. Diese drei Energien können
durch die vier Faktoren Ernährung, Verhalten, Jahreszeit und „böse Geister“
(sinngemäss „böse Gedanken“8) aus dem Gleichgewicht gebracht werden.9
2.1.4. Haupttext der medizinischen Überlieferung: Das rGyud-bzhi
Haupttext der medizinischen Literatur Tibets ist die Überlieferung „Wurzeltantra
und Tantra der Erklärungen“, das tibetisch rGyud-bzhi (gesprochen: Güschi)
genannt wird. Es dient als Grundlagenwerk der tibetischen Medizin und
berücksichtigt alle Aspekte von Krankheiten, Diagnostik und Therapie.
Gesundheit und Krankheit werden im rGyud-bzi anhand einer Konstitutionslehre
beschrieben und in Form eines Baums, dem sogenannten Medizinbaum,10 mit
Wurzeln, Hauptstämmen, Zweigen und Blättern dargestellt. CLIFFORD beschreibt
den Medizinbaum als Baum der Krankheit und Gesundheit. Das komplexe System
der tibetischen Medizin wird dabei prägnant auch illustriert überliefert.
Illustrationen zur Unterrichtung (tib. Thangkas) sind die ursprünglich wichtigste
Lehrmethode für das Studium der tibetischen Medizin.11
Der Medizinbaum zeigt drei Wurzeln auf. Die erste Wurzel beschreibt die
Anordnung der Körperbestandteile, die zweite die Diagnose und die dritte Wurzel
bezieht sich auf die therapeutischen Massnahmen. Bei diesen Massnahmen liegt
der Schwerpunkt bei der Ernährung, dem Verhalten, den Medikamenten und
begleitenden Therapien. Im Weiteren weist der Medizinbaum zwei Stämme auf.
Der Linke Stamm stellt den gesunden Körper und Geist im Zustand des
Gleichgewichts dar. Der rechte Stamm zeigt die pathologischen Aspekte auf, d.h.
Körper und Geist in dynamischem Ungleichgewicht.12
7
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 170.
TSÜLTRIN T., Unterricht Paramed, Lehrgang Naturheilpraktiker Tibetische Medizin,
2013 - 2015.
9
EMCHI D., Praxis-Prospekt Traditionelle Tibetische Medizin.
10
Vgl. Anhang 1: Der Medizinbaum, Grosformat.
11
CLIFFORD T., Tibetische Heilkunst, 1989, S. 138 – 139.
12
PLOBERGER F., Grundlagen der Tibetischen Medizin, 2012, S. 100.
8
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Abb. 2: Thangka Medizinbaum,
gesunder und kranker Stamm.
Abb. 3: Medizinbaum, Ausschnitt
gesunder Stamm links.
2.2. Fragestellung und Hypothese
Fragestellung: Ist es möglich, die Ernährungs- und Verhaltenslehre der TTM zur
Gesundheitsförderung und Prävention im Westen umzusetzen?
Hypothese: Ich behaupte, dass die TTM in Bezug auf Ernährung und Verhalten im
Westen umgesetzt und adaptiert werden kann.
2.3. Zielsetzung
Ziel der Arbeit ist es, die Grundlagen und das Verständnis der tibetischen
Ernährungs- und Verhaltenslehre zur Gesundheitsförderung und Prävention zu
erarbeiten. Dies ergibt ein Konzept zur Umsetzung im Westen, auf dessen Basis
sich in der Therapietätigkeit praxisnahe und fundierte Therapievorschläge im
Sinne der Ernährungs- und Verhaltensberatung ableiten lassen.
2.4. Begründung
Fokus und Stärke der Tibetischen Medizin liegt grundsätzlich in der Prävention
(Gesunderhaltung), d.h., wie durch richtige Ernährung und angemessenes
Verhalten Krankheiten vorgebeugt werden kann. Die TTM verfügt über wertvolle
Therapiemöglichkeiten, die auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Die
ideale Ernährung aus Sicht der TTM wird entsprechend der Grundkonstitution
eines jeden Menschen abgestimmt. Auf allen Ebenen steht die Gesunderhaltung
und Gesundwerdung im Vordergrund. Zentrale Aspekte sind diesbezüglich die
Ernährungsberatung und Beratung zur Lebensführung (Lifestyle).13 Neben
13
www.ostwestmedizin.de/ausbildung/tibetische-medizin/, Abruf 30.03.2015.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
allgemeinen Hinweisen zur Verhaltensweise fokussiere ich mich bei dieser Arbeit
auf das Tibetische Heilyoga, das Lu Jong. Dieses hat als unmittelbares Ziel, die
Gesundheit zu verbessern und zu erhalten. Die Übungen lassen sich individuell
nach Konstitution und Beschwerden zusammenstellen. Durch regelmässiges
Praktizieren von Lu Jong wird die Widerstandfähigkeit gegen Krankheiten und das
Wohlbefinden verbessert.14
2.5. Eingrenzung
Die Erarbeitung der Grundlagen der TTM beschränkt sich auf diejenigen Aspekte,
welche für die ausgewählte Thematik der Arbeit von Wichtigkeit sind. Der Fokus
liegt auf der Ernährung und dem Verhalten. Im rGyud-bzhi ist die
Ernährungslehre umfassend auf Basis der TTM erläutert, weshalb ich es als
Grundlage für die Ausrichtung verwende. Ich nehme jedoch hauptsächlich
diejenigen Nahrungsmittel auf, die bei uns im Westen erhältlich sind und vor
unserem kulturellen Hintergrund auf Akzeptanz stossen. Bezüglich Verhalten
befasst sich die Arbeit mit allgemeinen und spezifischen Verhaltensregeln sowie
dem Lu Jong und seinen Übungen. Eine detaillierte Beschreibung des Ablaufs
jeder Übung ist im Rahmen des vorgegebenen Umfangs allerdings nicht möglich.
Die theoretischen und praktischen Grundlagen aus dem Lehrgang zum
Naturheilpraktiker Tibetische Medizin werden als bekannt vorausgesetzt. Dies
betrifft insbesondere die Physiologie, wo die Grundprinzipien bzw. das
grundlegende Verständnis sowie die Zusammenhänge erläutert werden. Sie
dienen als Grundlage der Ernährungslehre. Eine dezidierte Theoriebetrachtung
wird dort vorgenommen, wo sie für diese Arbeit relevant ist. Ich fokussiere mich
auf die Grundregeln der gesunden Ernährungs- und Verhaltensweise sowie auf
das in diesem Zusammenhang grundlegende Verständnis der TTM. Weitere
Grundregeln, z.B. Einflüsse gemäss der Jahreszeit oder gemäss dem Alter
werden im Rahmen dieser Arbeit nicht beleuchtet, denn auch dies würde den
Rahmen sprengen.
2.6. Methodik
Voraussetzung für die praktische Umsetzung ist das Verständnis der Grundregeln
der gesunden Ernährung und dem Verhalten aus der TTM. Dieses erarbeite ich in
Form einer Projektarbeit. Die Datengewinnung erfolgt aufgrund der im
Literaturverzeichnis aufgeführten Literatur.
2.7. Erklärung des Ablaufs
Das Konzept zur praktischen Umsetzung der tibetischen Ernährungs- und
Verhaltenslehre erarbeite ich mittels Literaturrecherche.
14
LOBSANG T., Unterweisungen Lu Jong Teacher-Lehrgang, 6. – 9.02.2015.
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3. Tib. Ernährungs- und Verhaltenslehre
zur Gesundheitsförderung und Prävention
Die tibetische Ernährungs- und Verhaltenslehre geht von einer ganzheitlichen
(holistischen) Betrachtungsweise des Menschen und einem ebensolchen
Heilansatz aus. Deshalb ist es essentiell, vorgängig das Verständnis für diesen
Ansatz zu erarbeiten. Dies erfolgt in der Einführung dieses Kapitels. Für die
Grundregeln der Ernährungs- und Verhaltensweise werden anschliessend die für
vorliegende Arbeit relevanten Themen behandelt. Die Grundprinzipien der
tibetischen Ernährungslehre werden im rGhyud-bzi15 konzis erläutert und können
an dieser Stelle nicht vertieft betrachtet werden.
3.1. Einführung
Grundlage der tibetischen Ernährungs- und Verhaltenslehre ist die Lehre der drei
Körperenergien Lung, Tripa, Peken. Sie basieren – wie die gesamte tibetische
Medizintheorie – auf der Fünf-Elemente-Lehre.16 Danach wird jeder Mensch mit
einer Grundkonstitution geboren, die aus den drei Körperenergien (Anm. auch
Körpersäfte) besteht. Die Kombination oder der Anteil der drei Körperenergien ist
bei jedem Menschen von Geburt an individuell angelegt. Die Körperenergien sind
für die Entwicklung, die allgemeine Funktion des Körpers sowie die Bewahrung
unseres Lebens verantwortlich und zeigen sich auf allen Ebenen unseres Seins;
auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene. Sie machen den individuellen
Konstitutionstyp aus.17
Sind die Körperenergien, und damit auch die fünf Elemente, im Gleichgewicht,
erfährt der Mensch Gesundheit und ist auf allen Ebenen im Einklang mit seiner
angeborenen Grundkonstitution. Das Verständnis von Gesundheit begrenzt sich
entsprechend nicht allein auf den Körper, sondern bezieht darüber hinaus auch
Geist und Seele mit ein. Geraten unsere Körperenergien aus dem Gleichgewicht,
z.B. durch unpassende Ernährung, falsches Verhalten oder vergiftende Gedanken
(Geistesgifte),
entsteht
Disharmonie
und
Unwohlsein.
Bleibt
dieses
Ungleichgewicht über längere Zeit bestehen, zeigen sich entsprechende
Symptome bzw. Störungen und wir werden krank. So betrachtet die TTM den
Menschen als Ganzes; einerseits die physische Ebene, wo es vor allem um
Ernährung, Stoffwechselprobleme, Bewegung oder Schleim (Anm. Bezug zu
Peken) geht und andererseits die geistige Ebene, mit der Geisteshaltung des
Menschen. Hier spielen die Geistesgifte Begierde, Zorn und die Verblendung eine
wichtige Rolle. Im Krankheits- wie auch im Gesundheitsprozess ist es wichtig,
beide Aspekte zu berücksichtigen und auszurichten, da sie sich wechselseitig
beeinflussen.18 Vor diesem Hintergrund erklärt sich die tibetische Sichtweise,
wonach jede Krankheit als Ungleichgewicht der Energien betrachtet wird. Der
Therapieansatz basiert auf eben dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise und
bezieht den Körper wie auch den Geist mit ein.
Die Wichtigkeit von Ernährung und Verhalten als Therapieansatz erklärt sich
anhand der Rangfolge der Behandlungsmethoden; die Therapie beginnt aus
15
16
17
18
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 145 und S. 257.
Vgl. Anhang 2: Übersicht Fünf-Elemente-Lehre.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
health-lifestyle.ch/2013/01/01/das-heilwissen-vom-dach-der-welt/, Abruf 01.06.2015.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
tibetischer Sicht generell mit der richtigen Ernährungsweise sowie der
angemessenen Verhaltensweise. Erst wenn diese Therapie nicht ausreicht, wird
das Verabreichen von Medikamenten empfohlen und als nächsten Schritt die
äusseren Anwendungen, wie z.B. die tibetische Massage. Als zusätzliche
Möglichkeit gilt daneben die spirituelle Einflussnahme, die allerdings durch einen
Lama und nicht durch einen Arzt durchgeführt wird.19
3.2. Die individuelle Konstitution: Basis für die Therapie
Die fünf Elemente treten im Menschen als die drei Körperenergien Lung, Tripa
und Peken in Erscheinung. Die drei Körperenergien spielen nach tibetischer
Auffassung eine entscheidende Rolle im Gesundheits- wie auch im
Krankheitsprozess. LOBSANG bezeichnet diese Energien als Körpersäfte oder
Vitalstoffe des Körpers. Damit bringt er allein schon durch die Bezeichnung zum
Ausdruck, dass dahinter eine positive, vitale Kraft steht. So repräsentiert jede
Körperenergie ein bestimmtes Energie-Prinzip, das sich auf psychischer und
physischer Ebene manifestiert. Die Körperenergien sind zusammen für die
Aufrechterhaltung der grundlegenden Körperfunktionen verantwortlich. Sie
stehen in Wechselwirkung und sind voneinander abhängig. Einerseits werden sie
durch äussere Ursachen, wie z.B. die Ernährung, das Verhalten oder das Klima
beeinflusst, andererseits auch durch unsere Geisteshaltung.20
Die Körperenergie Lung zeigt sich im Körper in Form von Bewegung. Ihr werden
die Eigenschaften rau, leicht, kühl, feucht, hart und beweglich zugeordnet. Zur
Tripa-Energie gehört die Körperwärme und Kraft der Transformation. Ihre
Qualitäten sind ölig, scharf, heiss, leicht, übelriechend, reinigend sowie feucht.
Die Peken-Energie zeigt sich in Form von Flüssigkeit und fester Materie bzw. von
Stabilität. Ihre Qualitäten sind ölig, kühl, schwer, stumpf, weich, fest und klebrig.
Die drei Körperenergien sind eng miteinander verbunden und erst ihr
Gleichgewicht sichert die Funktion der sieben körperlichen Bestandteile des
menschlichen Organismus. Die sieben körperlichen Bestandteile,21 ein Begriff aus
der tibetischen Medizin, können mit Stufen der Gewebetransformation verglichen
werden. Ihr geordnetes Zusammenwirken ist die Voraussetzung von Gesundheit
und höchster Lebensenergie (tib. Dang).22
Durch die Körperenergien ist es möglich, dass die grobstoffliche körperliche
Ebene mit der subtilen geistigen Ebene verbunden wird. Jeder Körperenergie
wird eines der drei Geistesgifte zugeordnet. Lung steht mit dem Geistesgift
Begierde oder Anhaftung, Tripa mit Wut oder Hass und Peken mit Unwissenheit
in Verbindung. Eine Körperenergie wird verstärkt, wenn das entsprechende
Geistesgift vorhanden ist. Wir erkennen die Wechselwirkung von Körper und
Geist, wenn wir beim Auftreten eines Geistesgiftes die Reaktion in unserem
Körper beobachten. So steigt zum Beispiel durch aufkommende Begierde die
Körperenergie Lung an, was sich mit Beschwerden im unteren Teil des Körpers
zeigt, wo Lung hauptsächlich lokalisiert ist. Kommt Wut in uns auf, verspüren wir
oft Hitze oder Verspannung im Magen. Dies lässt sich damit erklären, dass Wut
die Körperenergie Tripa ansteigen lässt und dadurch Gallensaft provoziert wird.
19
20
21
22
DUNKENBERGER T., Das tibetische Heilbuch, 2012, S. 182.
LOBSANG T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 73.
Vgl. Kapitel 3.3.2 Verdauungshitze: Voraussetzung für gesundes und langes Leben.
www.tibetmedizin.org/pdf/Eine-kurze-Reise-durch-das-komplexe-System-derTibetischen.pdf, Abruf 03.06.2015.
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Wenn das Gefühl von Unwissenheit – in diesem Zusammenhang im Sinne von
Verwirrtheit - in Erscheinung tritt, zeigen sich Symptome im Kopf. Die
Körperenergie Peken wird verstärkt und durch ihren Schleim empfinden wir
unseren Geist als schwerfällig.23
Das Zusammenwirken der drei Körperenergien auf allen Ebenen bestimmt die
individuelle Konstitution des Menschen und somit den Konstitutionstyp.24 Eine
Liste zur groben Bestimmung des Konstitutionstyps ist dieser Arbeit angehängt.25
Auf der Website der Firma Padma findet sich zudem eine ausführliche
Konstitutionstypen-Bestimmung26 mit einfacher und unmittelbarer Auswertung.
Die Kenntnis der individuellen Konstitution ist der Schlüssel für das Verständnis
von Erkrankungen und zugleich Basis für Vorsorgemassnahmen zur
Gesunderhaltung. Entsprechend ist dies Voraussetzung für das Abstimmen des
Therapiekonzepts.
3.3. Tibetische Ernährungslehre
Auf Basis der TTM ergeben sich für jeden Menschen aufgrund seiner individuellen
Konstitution und dem Gleichgewicht der drei Körperenergien auch individuelle
Ernährungsempfehlungen.
Grundsätzlich
geht
es
bei
der
tibetischen
Ernährungslehre um die Aspekte der Geschmacksrichtungen und der Qualitäten
oder Wirkkräfte der Nahrungsmittel, die sich auf die Körperenergien auswirken.
Es wird deshalb grossen Wert auf die richtige Ernährung entsprechend dem
individuellen Konstitutionstyp gelegt. In der TTM gibt es nicht die eine Diät, die
für jedermann gesund ist und alle Probleme lösen kann. Die Ernährung wird viel
differenzierter betrachtet; was sie für einen Einfluss auf die Körperenergie, die
Konstitution, die Verdauung und den Zustand eines Menschen hat.27 So gesehen
geht es auch nicht vorrangig darum, ob ein Nahrungsmittel gesund oder nicht
gesund ist, sondern darum, ob das Nahrungsmittel zu einem Menschen passt. Ein
weiterer
zentraler
Aspekt
der
Ernährungslehre
ist
die
sogenannte
Verdauungshitze (tib. Mae drod). Sie bildet die Basis für den eigentlichen
Verdauungsprozess, den Metabolismus, und bezieht sich insbesondere auf die
verdauende Tripa-Energie (Anm.: verdauendes Tripa). Die hier erwähnten drei
Aspekte werden in diesem Kapitel, im Anschluss an die allgemeinen
Ernährungsempfehlungen, vertieft betrachtet.
3.3.1. Allgemeine Empfehlungen zur Ernährung
Unsere Lebensenergie wird durch verschiedene Quellen gespeist. Eine davon ist
die richtige Ernährung. Ganz grundsätzlich ist es gemäss HOBERT von grosser
Bedeutung, dass die Nahrungsmittel naturbelassen, also möglichst frisch,
ballaststoffreich und ausgewogen in der Zusammenstellung sind. Eine gute
Qualität an Ölen und Fetten, möglichst auf pflanzlicher Basis, z.B. Oliven- oder
Distelöle, sind ebenso wichtig wie die Art und Weise der Nahrungsaufnahme.
Wenn die Nahrung achtsam, bewusst und dankbar gegessen wird, kann mehr
Energie aus ihr aufgenommen werden.28 Die Grundregeln der tibetischen
23
24
25
26
27
28
Lobsang T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 74.
Vgl. Anhang 3, Körperenergien / Konstitutionstypen.
Vgl. Anhang 4, Konstitutionstypen-Bestimmung.
www.padma.ch/tibetische-medizin/typentest/Abruf 03.06.2015.
RHYNER H.H., Das neue Ayurveda Praxis-Handbuch, 2004, S. 269.
HOBERT I, Die Praxis der Traditionellen Tibetischen Medizin, 2006, S. 35 und S. 269.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Ernährungslehre29 sind einfach, bewirken aber in ihrer Umsetzung bereits eine
erhebliche Verbesserung des Wohlbefindens. Als Beispiel sei hier die Grundregel
zur korrekten Nahrungsmenge erwähnt; die Hälfte des Magens sollte mit fester
Nahrung gefüllt werden, ein Viertel mit Flüssigkeit und ein Viertel sollte leer
bleiben. Weitere Grundregeln mit Beispielen dazu finden sich im Anhang.30
3.3.2. Die Verdauungshitze:
Voraussetzung für ein gesundes und langes Leben
Die fünf Elemente der äusseren Welt werden mit der Nahrung in unserem Körper
aufgenommen und mit Hilfe der Körperenergien Lung, Tripa und Peken verdaut
und umgewandelt. Sie dienen der Bildung und Erhaltung des Körpers. Wenn die
Nahrung den Magen und den Magenausgang passiert hat, entsteht die
sogenannte Nahrungsessenz. Diese wird im weiteren Verdauungsprozess in reine
und unreine Teile getrennt.31 Die reinen Teile werden im rGyud-bzhi als die
sieben körperlichen Bestandteile beschrieben, die im Verdauungsprozess
heranreifen, den Körper bilden und aufrechterhalten. Diese sind entsprechend
der Reihenfolge ihrer Bildung: Nahrungsessenz, die aus der Nahrung gewonnen
wird, Blut, Muskelgewebe, Fettgewebe, Knochen, Knochenmark und reproduktive
Flüssigkeiten, d.h. Zeugungsflüssigkeiten. Als die unreinen Anteile werden die
drei Ausscheidungen (tib. Drima) Stuhl, Urin und Schweiss beschrieben.32
Die Verdauungshitze (tib. Mae drod), oder anders ausgedrückt das
Verdauungsfeuer, bildet die Grundlage des gesamten Verdauungsprozesses. Sie
bezieht sich insbesondere auf die Tripa-Energie. DUNKENBERGER erklärt die
Verdauungshitze als metabolische Hitze, welche die Basis für den eigentlichen
Verdauungsprozess und die gesamte Wärme-Regulation des Körpers bildet.33 Sie
unterstützt die Erhaltung der Gesundheit, fördert Energie und Fleiss, gesundes
Aussehen und ein langes Leben. Zudem stellt sie den Körperenergien, den
körperlichen Bestandteilen sowie den Ausscheidungen die notwendige Hitze zur
Verfügung. Sie liegt zwischen dem Magen, der Vorverdauungszone, und dem
Dickdarm, der Nachverdauungszone. Ist die Verdauungshitze stark, bewegt sich
das verdaute Material nach unten und die Nahrung wird optimal verstoffwechselt,
d.h. der Körper erhält die notwendigen Nährstoffe und die Energie aus der
Nahrung. Ist das Gleichgewicht der Körperenergien gestört, resultiert eine
geschwächte Verdauungshitze. Die Nahrung kann nicht optimal verdaut werden
und wird unverdaut ausgeschieden; der Körper kann keine Kraft aus der Nahrung
schöpfen.34
Voraussetzung für eine starke Verdauungshitze ist wiederum das Gleichgewicht
der drei Körperenergien. Dominiert die Körperenergie Lung, wirkt sich dies auf
die Verdauungshitze aus, indem sie instabil und unregelmässig wird. Ein
Übermass an Tripa beschleunigt die Verdauungshitze und macht diese überaktiv,
was zu Durchfall führt. Auf die Dauer werden dadurch die körperlichen
Bestandteile verbrannt und der Körper wird aufgezehrt. Gemäss DUNKENBERGER ist
bei den meisten Menschen die Verdauungshitze zu schwach und zu langsam, was
für ein Übermass an Peken-Energie typisch ist. Als Folge davon funktioniert die
29
30
31
32
33
34
Dunkenberger T., Das tibetische Heilbuch, 2012, ab S. 101.
Vgl. Anhang 5: Beispiele zu den Grundregeln der tibetischen Ernährungslehre.
Vogel S., Tibetische Medizin, 2007, S. 232.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 146.
DUNKENBERGER T., Das tibetische Heilbuch, 2012, S. 51.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 147.
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Bildung der sieben körperlichen Bestandteile nicht optimal und Nahrungsanteile
werden im Fettgewebe abgelagert.35
Wie wichtig die Verdauungshitze mit einem gut funktionierenden Stoffwechsel für
unsere Gesundheit ist, zeigt das folgende Zitat aus dem rGyud-bzi auf: „Wird die
Hitze des Verdauungstraktes durch eine geeignete Nahrungsaufnahme und
richtiges Verhalten geschützt, werden Gesundheit und ein langes Leben
sichergestellt.“36 Vor diesem Hintergrund lässt sich erklären, dass die TTM
unzählige Empfehlungen zur Erhaltung und Aktivierung der Verdauungshitze
abgibt. Diese betreffen die Ernährung, aber auch das Verhalten, z.B. mit
Selbsthilfemassnahmen wie dem Lu Jong, wo spezifische Übungen die
Körperwärme erhöhen und die Verdauungshitze stärken. Was dies nun in der
praktischen Umsetzung heisst, zeigen konkrete Beispiele im Anhang.37
3.3.3. Geschmacksrichtungen und ihre heilende Wirkung
Auch wenn die tibetische Ernährungslehre ein komplexes System darstellt, findet
sich über die Geschmacksrichtungen ein einfacher Zugang zu ihr. Jeder Mensch
ist in der Lage, die Geschmacksrichtungen in seiner Nahrung zu bestimmen. Er
muss weder tibetischer Arzt, noch Wissenschaftler sein, sondern lediglich
Vertrauen in seine Sinneswahrnehmung haben. Unser Geschmackssinn ist sehr
präzise und ein feines Instrumentarium, das uns jederzeit verrät, welche
Geschmacksrichtungen in unserer Nahrung vorhanden sind. Es mag sein, dass
unser Geschmackssinn leicht verkümmert ist. Dann ist es sinnvoll, wenn wir ihm
wieder mehr Beachtung schenken und z.B. unsere Nahrung nicht einfach
schlucken, sondern bewusst kosten und geniessen. Die Nahrung sollte durch
passende Nahrungsmittel zusammengestellt sein und zudem auch unsere Sinne
erfreuen.38
In der tibetischen Diätetik wie auch in der Pharmakologie spielt der Geschmack
von Nahrungsmitteln und Heilmitteln eine entscheidende Rolle. Es werden sechs
Geschmacksrichtungen unterschieden, namentlich süss, sauer, salzig, bitter,
scharf und zusammenziehend (herb). Jede Geschmacksrichtung ergibt sich aus
der Kombination der fünf Elemente. Grundsätzlich werden je zwei Elemente,
ausgenommen der Raum, von einer Geschmacksrichtung vereint. Der Raum
durchdringt alle anderen vier Elemente und ist in allen enthalten. Die Bildung der
Geschmacksrichtungen geschieht in folgender Weise:
Geschmacksrichtungen
Elemente
süss
Erde + Wasser
sauer
Erde + Feuer
salzig
Feuer + Wasser
scharf
Feuer + Wind
bitter
Wind + Wasser
zusammenziehend (herb)
Wind + Erde
Abb. 4: Bildung der Geschmacksrichtungen durch die Elemente.
Jedes der fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum definiert sich über
bestimmte Eigenschaften,39 die sich in den drei Körperenergien, in den
Nahrungsmitteln,
den
Heilmitteln
und
Pflanzen
wiederfinden.
Die
35
36
37
38
39
DUNKENBERGER T., Das tibetische Heilbuch, 2012, S. 52 und S. 105.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 147.
Vgl. Anhang 6: Konkrete Beispiele zur Stärkung der Verdauungshitze.
RHYNER H.H., Rosenberg K., Das grosse Ayurveda Ernährungsbuch, S. 28.
Vgl. Anhang 2: Übersicht Fünf-Elemente-Lehre.
Marianna Neidhart
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Geschmacksrichtungen manifestieren sich über die drei Körperenergien und
haben auf diese einen entscheidenden Einfluss. Entsprechend lässt sich mit Hilfe
der Geschmacksrichtungen die jeweils passende Ernährung und passenden
Heilmittel zusammenstellen.40 Eine Störung des Gleichgewichts der fünf Elemente
im Körper führt zu einer Störung des Gleichgewichts der drei Körperenergien und
längerfristig zu Krankheit. Ein Ungleichgewicht lässt sich durch Nahrung mit den
fehlenden
Geschmacksrichtungen
ausgleichen.
So
können
die
sechs
Geschmacksrichtungen den menschlichen Organismus stärken, wenn sie passend
zur Konstitution gewählt werden, und die Körperenergien ausgleichen.
Unpassend zusammengestellte Geschmacksrichtungen können andernfalls den
Körper schwächen, indem sie das Ungleichgewicht verstärken.
Gemäss der tibetischen Medizin ist der Geschmack seinem Wesen nach das, was
die Zunge wahrnimmt und bezieht sich auf den Geschmacksinn. Er wird dem
sogenannt schmeckenden Peken zugeordnet, das ist eine Unterart der PekenEnergie. Damit der Geschmack wahrgenommen werden kann, muss die Zunge
feucht sein, d.h. das Wasserelement in ausreichendem Mass vorhanden sein.
Eine trockene Zunge kann eine Geschmacksrichtung nur schlecht ausmachen.
Betrachten wir nun als Beispiel den süssen Geschmack. Im rGyud-bzhi wird er so
beschrieben, dass er sich der Zunge anschmiegt und man nach mehr verlangt,
da er so angenehm ist.41 Jede Geschmacksrichtung hat eine therapeutische
Wirkung. Nahrungsmittel mit süssem Geschmack sind nahrhaft und helfen beim
Aufbau der Körperkraft, der Körpergewebe (sieben körperliche Bestandteile).
Ausserdem fördern sie die Verjüngung und führen zu einem langen Leben. Wird
er im Übermass konsumiert, vermehrt er Peken und das Fettgewebe, schwächt
die
Verdauungshitze
und
verursacht
Fettleibigkeit.42
Die
tibetische
Ernährungslehre versteht unter „süss“ nicht einfach Schokolade, sondern
grundsätzlich alle natürlichen Substanzen, die Zucker bzw. Stärke enthalten, z.B.
Getreide, Fleisch, Milchprodukte, Leinsamen, Sesam, Pflanzenöle, Nüsse, Fette,
Datteln, Feigen, süsse Früchte, Süsskartoffeln oder Karotten.43
So hat jede Geschmacksrichtung eine charakteristische Wesensart, eine
therapeutische oder, im Übermass konsumiert, eine krankheitsfördernde
Wirkung. Diese Aspekte mit Beispielen an Nahrungsmitteln sind für alle
Geschmacksrichtungen im Anhang44 aufgeführt. Die ideale Ernährung richtet sich
aus Sicht der tibetischen Medizin nach der Grundkonstitution des Menschen.
Wenn
keine
Störung
vorliegt
sollten
möglichst
viele
verschiedene
Geschmacksrichtungen gegessen werden, d.h. nicht nur süss und salzig, sondern
auch sauer, scharf, bitter und zusammenziehend. Liegt eine Störung vor, lässt
sich aus therapeutischer Sicht sagen, dass für die Körperenergie Lung süsse,
saure, salzige und mässig scharfe Nahrungsmittel vorteilhaft, hingegen bittere
und zusammenziehende unvorteilhaft sind. Für einen Tripa-Typ sind bitter, süss
und zusammenziehend förderlich und scharf, sauer, salzig sollten gemieden
werden. Ein Peken-Typ sollte scharf, sauer, mässig salzig bevorzugen und süss,
bitter, zusammenziehend meiden. Vor diesem Hintergrund erklärt sich, dass ein
aus westlicher Sicht gesundes Nahrungsmittel je nach Geschmacksrichtung für
40
41
42
43
44
HOMMEL H.R., (Er-)Leben ohne Ende? Die Freiheit des Willens, 2008, S. 212.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 258.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 262.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
Vgl. Anhang 7: Übersicht Geschmacksrichtungen, Wirkkraft und Vorkommen.
Marianna Neidhart
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
den einen Konstitutionstyp empfehlenswert und für den anderen nicht
empfehlenswert ist. Grüner Blattsalat z.B. ist überwiegend bitter, eignet sich also
sehr gut für einen Tripa-Typ, bekommt aber einem Lung-Typ im Übermass
schlecht. Eine Übersicht mit den Geschmacksrichtungen und ihre heilende
Wirkung auf die Körperenergien findet sich im Anhang.45
Um den Begriff „Gesundheit aus tibetischer Sicht“ zu verstehen, ist es wichtig,
einen weiteren Aspekt des Geschmacks anzuschauen, nämlich den Geschmack
nach erfolgter Verdauung. Während des Verdauungsprozesses wird aus der
Nahrung im Magen, Dünndarm und in Teilen des Dickdarms die Nahrungsessenz
gewonnen. Aus ihr reifen die körperlichen Bestandteile. Während dieses
Prozesses verändert sich auch ihr Geschmack und entsprechend die
Zusammensetzung der darin enthaltenen Elemente. Dieser Geschmack wird als
Geschmack nach erfolgter Verdauung oder postdigestiver Geschmack (tib. Zhu
rjes) bezeichnet. Der Geschmack nach erfolgter Verdauung von süsser und
salziger Nahrung ist süss und von saurer Nahrung ist er sauer. Von den
restlichen Geschmacksrichtungen bitter, scharf, zusammenziehend ist der postdigestive Geschmack bitter.46 Im Überblick sieht dies wie folgt aus:
Geschmack vor der
Verdauung
Geschmack nach Verdauung /
post-digestiver Geschmack =
Geschmack der Nahrungsessenz
Süss
Sauer
Bitter
Kuriert körperliche
Energie
Süss und salzig
Lung + Tripa
Sauer
Lung + Peken
Bitter, scharf und
Peken + Tripa
zusammenziehend (herb)
Abb. 5: Umwandlung der Geschmacksrichtungen während des Verdauungsprozesses.
mehrt
Peken
Tripa
Lung
Die Abbildung 5 lässt sich in der Weise interpretieren, dass z.B. der postdigestive
Geschmack bitter die Nahrungsessenz bitter werden lässt, Peken- und TripaEnergien kuriert und die Lung-Energie erhöht. Es ist wichtig für einen
Therapeuten, die Funktionsweise des gesunden Körpers zu verstehen, wie der
Körper die Nahrung verwertet. Erst wenn der gesunde Zustand erkannt wird,
kann der Therapieansatz abgeleitet werden. Je nachdem, wie viel Nahrung von
einer Geschmacksrichtung gegessen wird, beeinflusst dies die Nahrungsessenz.
Zu viel süsse und salzige Nahrung lässt die Nahrungsessenz süss werden,
vermehrt Peken und somit Schleim. Zu wenig an Süssem und Salzigen ist für den
Körper ebenso abträglich, weil zu wenig Schleim (Anm. zersetzendes Peken,
Unterart von Peken) produziert wird und für eine gut funktionierende Verdauung
fehlt.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich der entscheidende Einfluss, den unser Essen
auf unsere Gesundheit hat; eine ausgewogene und gute Qualität der
Nahrungsessenz, entsprechend dem Konstitutionstyp, ist die Basis für die
Umwandlung in gesunde körperliche Bestandteile bzw. in gesundes
Körpergewebe und Lebensenergie.47
3.3.4. Wirkungsweise von Nahrungsmitteln
Die tibetische Ernährungslehre ist sehr vielfältig und lässt sich mit den
Geschmacksrichtungen allein nicht erklären. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist
die Wirkung der Nahrungsmittel auf unseren Körper. Hier unterscheidet sich das
45
46
47
Vgl. Anhang 7: Übersicht Geschmacksrichtungen, Wirkkraft und Vorkommen.
DUNKENBERGER T., Das tibetische Heilbuch, 2012, S. 52 und S. 121.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
tibetische Verständnis wesentlich von unserem westlichen. Für die Entwicklung
von Gesundheit und Vitalität ist gemäss der TTM eine wirksame
Zusammenstellung der Nahrung in geeignete Geschmacksrichtungen und
Wirkungen – neben der Verhaltensweise – eine wichtige Voraussetzung.48
Die Wirkung wird hauptsächlich anhand der sogenannten Wirkkräfte (tib. Nuspa)
beschrieben. Mit der Wirkkraft ist einerseits die Kraft gemeint, die ein
Nahrungsmittel aufweist und andererseits das Ergebnis, was es mit der
Einnahme im Menschen zu bewirken vermag. Im rGyud-bzhi werden die
Wirkkräfte kurz als „die Kräfte“ bezeichnet, da sie eine aussergewöhnliche
therapeutische Wirksamkeit haben.49 Es werden acht grundsätzliche Wirkkräfte
unterschieden, die sich von den Geschmacksrichtungen ableiten lassen; schwer,
ölig, kühl, stumpf, leicht, rau, heiss, und scharf. Nehmen wir z.B. die Wirkkraft
„heiss“, um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen. „Heiss“ kann bedeuten,
dass ein Nahrungsmittel heisse Komponenten hat, gleichzeitig kann es aber auch
„erhitzend“ in seiner Wirkung sein.50 Jedes Nahrungsmittel weist je nach
vorherrschender Geschmacksrichtung gewisse Wirkkräfte mit charakteristischen
Eigenschaften auf. Eine Übersicht über die Wirkkräfte und ihr natürliches
Vorkommen in den Nahrungsmitteln findet sich im Anhang.51
Die Zuordnung der Wirkkräfte zu den Geschmacksrichtungen erfolgt aufgrund
der Elemente-Anteile, welche mittels einer ausgeklügelten Berechnungsmethode
erfolgt. Wir beschränken uns dabei auf das Resultat und betrachten dies konkret
anhand der nachfolgenden Tabelle. Dazu nehmen wir als Beispiel die
Geschmacksrichtung süss. Von süss lassen sich grundsätzlich die Wirkkräfte
schwer, kühl, ölig und stumpf ableiten. Auf diese Weise lassen sich auch von den
weiteren Geschmacksrichtungen die Wirkkräfte ableiten.
Geschmacksrichtung
Wirkkräfte
süss
Schwer, kühl, ölig, stumpf
sauer
Leicht, heiss, ölig, rau
scharf
Leicht, heiss, rau , scharf
salzig
Schwer, heiss, ölig, scharf
bitter
Leicht, stumpf, rau
zusammenziehend
Schwer, kühl, stumpf
Abb. 6: Ableitung der Wirkkräfte von den Geschmacksrichtungen.
Die acht Wirkkräfte werden im Weiteren aufgrund ihrer gegensätzlichen
Eigenschaften in vier Gegensatzpaare eingeteilt, nämlich: Heiss – kühl, schwer –
leicht, ölig – rau und stumpf – scharf. Erinnern wir uns an die Körperenergien,
welche die gleichen elementaren Eigenschaften aufweisen wie die Wirkkräfte. Die
Körperenergie Lung hat z.B. Eigenschaften wie rau, leicht, kühl. In diesem
Zusammenhang lässt sich nun die therapeutische Wirkung der Wirkkräfte
erklären und ableiten: Ein Nahrungsmittel mit den gleichen Eigenschaften wie die
entsprechende Körperenergie, wird diese erhöhen und ein Ungleichgewicht
verstärken. Ein Nahrungsmittel mit entgegengesetzter Wirkung sorgt für die
Linderung einer übermässig vorhandenen Energie. Für einen Lung-Typ sind also
raue, leichte und kühle Nahrungsmittel eher zu meiden, die entgegengesetzten
Wirkkräfte ölig, schwer und warm zu empfehlen. Ein Tripa-Typ sollte ölige,
scharfe und heisse Wirkkräfte möglichst reduzieren und raue, stumpfe und kühle
48
49
50
51
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 99.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 268.
DUNKENBERGER T., Das tibetische Heilbuch, 2012, S. 52 und S. 123.
Vgl. Anhang 8: Übersicht Wirkkräfte und Vorkommen in Nahrungsmitteln.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
vorziehen. Für die Peken Konstitution gilt ölig, kühl, schwer und stumpf als
ungeeignet, hingegen rau, heiss, leicht sowie scharf als geeignet. Vor diesem
Hintergrund lässt sich nun die Therapie ableiten. Die Wirkkräfte werden dazu in
Kombination mit den Geschmacksrichtungen und den postdigestiven
Geschmacksrichtungen entsprechend dem Übermass einer Körperenergie
abgestimmt.52
Die Wirkkräfte werden zudem in zwei Qualitäten, in eine „kühlende“ und in eine
„wärmende“ Qualität, eingeteilt. Die TTM spricht in diesem Zusammenhang von
Stärken (tib. Stobs). Nahrungsmittel mit kühlender Qualität vermindern die
Tripa-Energie und vermehren die Peken- und Lung-Energie. Nahrungsmittel mit
wärmender Qualität haben eine positive Wirkung auf die Peken- und LungEnergie und erhöhen die Tripa-Energie.53 Es ist wichtig in der Therapie, diesen
Zusammenhang zu verstehen. Werden nämlich gleichzeitig Substanzen mit
wärmender und kühlender Qualität eingenommen, so kann sich ihre
therapeutische Wirkung aufheben und der Heilungsprozess nicht eingeleitet
werden. Um eine Kälte-Krankheit zu heilen, werden Nahrungsmittel und auch
Medikamente mit wärmender Qualität und umgekehrt werden zur Heilung von
Hitze-Krankheiten Nahrungsmittel mit kühlender Qualität gewählt. KälteKrankheiten sind z.B. Erkältung, Husten, Verdauungsschwäche, chronische
Gastritis,
Nierenschwäche
durch
zu
viel
Kälte,
Prostata-Probleme,
Blasenschwäche sowie Arthrose ohne Entzündung. Beispiele für HitzeKrankheiten sind Fieber, Grippe, Durchfall, Blasenentzündung, Leberentzündung,
Hepatitis, entzündliche Arthrose, Darmentzündung (Colitis ulcerosa) sowie
Konjunktivitis.54
Die Qualität wird nun anhand des Wassers55 weiter veranschaulicht. Das Wasser
hat in der tibetischen Ernährungslehre einen hohen Stellenwert und wird im
Heilungsprozess dezidiert betrachtet, z.B. wann es empfehlenswert ist, warmes
oder kaltes Wasser zu trinken oder in Bezug auf die Einnahme von Mahlzeiten, ob
es vor, während oder nach einer Mahlzeit konsumiert werden soll. Es versteht
sich von selbst, dass eine ausreichende Zufuhr von Wasser lebenswichtig ist.
Grundsätzlich sollte abgekochtes, warmes Wasser getrunken werden, da es die
Verdauungshitze stärkt und Kältekrankheiten vorbeugt. Nur bei einem Übermass
an Tripa-Energie – mit heisser Eigenschaft - sollte das Wasser kalt sein. Doch
nun zurück zur Wirkungsweise des Wassers. Das Wasser in seiner ursprünglichen
Form ist aus tibetischer Sicht süss und hat eine kühlende Qualität. Egal ob das
Wasser abgekocht und erwärmt getrunken wird, seine ursprünglich kühle
Qualität bleibt erhalten. Deshalb ist es z.B. bei einem Peken-Typ, der bereits die
kühle Eigenschaft aufweist, sinnvoll, wenn die tägliche Flüssigkeitszufuhr nicht
allein durch warmes Wasser abgedeckt wird. Empfehlenswert sind hier neben
reinem Wasser auch Kräuter- und Gewürztees, die in ihrer Wirkung wärmend
sind, z.B. Ingwer, Wegwarte, Kalmus, Enzianwurzel oder Löwenzahnwurzel.56
52
53
54
55
56
DUNKENBERGER T., Das tibetische Heilbuch, 2012, S. 125.
VOGEL S., Tibetische Medizin, 2007, S. 86.
Lobsang T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 319.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
DUNKENBERGER T., Unterricht Modul Vernetzung 2015.
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3.3.5. Unverträgliche Kombinationen von Nahrungsmitteln
Im rGyud-bzhi werden im Kapitel 17 „Diätetische Einschränkungen“ empfohlen,
um die Aufnahme von Nahrungsmitteln richtig zu steuern und die Gesundheit zu
schützen. In diesem Zusammenhang interessieren vor allem die unverträglichen
Kombinationen von Nahrungsmitteln. Werden sie eingenommen, ist gemäss
PLOBERGER die Wirkung ähnlich wie von zusammengemischten Giften.57 In der
Kombination entsteht eine neue, schädliche Wirkung, die keines der
Nahrungsmittel, wenn sie getrennt konsumiert werden, aufweist.58 Durch ihre
Aufnahme belasten sie den gesamten Organismus und schwächen insbesondere
die Verdauungshitze. Zudem führen sie zu vielfältigen Störungen und zu einem
Ungleichgewicht der Körperenergien. Die unverträglichen Kombinationen sind im
Anhang59 im Zusammenhang mit der Verdauungshitze detailliert aufgeführt.
Danach zeigt sich, dass grundsätzlich zwei unterschiedliche tierische
Nahrungsmittel (Proteine) schlecht zusammenpassen, z.B. Fleisch und Milch,
Fisch und Ei, Huhn und Joghurt. Im Weiteren gilt z.B. die Kombination von Milch
mit Obst bzw. Früchten als schädlich. Die einzelnen Nahrungsmittel können sehr
wohl über den Tag verteilt gegessen, aber während einer Mahlzeit nicht
kombiniert werden.
Im Zusammenhang mit den unverträglichen Kombinationen erwähnt das rGyudbzhi Personen, die nicht von ihrer schädlichen Wirkung betroffen werden. Es sind
jene, die regelmässig Sport betreiben und (häufig) ölige Nahrung zu sich
nehmen. Auch Menschen mit einer starken Verdauungshitze, die sich „in der
Blüte ihrer Jugend befinden“ und einen kräftigen Körper haben, werden nicht
angegriffen oder wenn man die Einnahme der Nahrungsmittel gewohnt ist.60
3.4. Tibetische Verhaltenslehre
Die tibetische Verhaltenslehre ist eingebettet in die buddhistische Philosophie der
Lebensführung. Sie basiert auf den Werten von Mitgefühl und Achtsamkeit im
Hier und Jetzt und gegenüber allen Lebewesen. Diese erfordern eine
entsprechende Ausrichtung der Geisteshaltung. Meditation, Atemübungen und
Yoga sind u.a. Methoden, den Geist zu schulen und den Menschen in seine Mitte
zu bringen.61 Nachfolgend werden dazu Verhaltensweisen empfohlen, die im
Anhang62 detailliert beschrieben sind. Es betrifft dies die zehn heilsamen und
unheilsamen Handlungen sowie die sechs Vollkommenheiten.
Aus buddhistischer Sicht gilt es vorab, sich den zehn unheilsamen Handlungen
von Körper, Rede und Geist zu enthalten. Das Leiden der Menschen resultiert aus
eben diesen zehn unheilsamen Handlungen. Gemäss GYAMTSO63 entstehen diese
durch fehlende Wachheit und Klarheit im Geist. Aus buddhistischer Sicht ist es
möglich, dass alle Lebewesen das Leiden überwinden und andauerndes inneres
Glück erfahren können. Der Weg dazu ist das Praktizieren der zehn heilsamen
Handlungen von Körper, Rede und Geist, der sechs Vollkommenheiten (tib.
Paramitas) sowie das Entwickeln von Mitgefühl gegenüber allen Lebewesen.
57
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 249 ff.
Rhyner H.H., Das neue Ayurveda Praxis Handbuch, 2004, S. 277.
59
Vgl. Anhang 6: Konkrete Beispiele zur Stärkung der Verdauungshitze.
60
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 251.
61
BIN SAIF S.B., BEN SAIF W.B., KNOLL S., Tibetische Medizin für den Westen, 2010, S. 71.
62
Vgl. Anhang 9: Die verschiedenen Handlungen und Vollkommenheiten.
63
GYAMTSO K., KÖLLIKER S., Tibetische Medizin, 2007, S. 135.
58
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3.4.1. Allgemeine Verhaltensregeln
Die ethischen Werte des tibetischen Buddhismus finden sich weitgehend wieder
in den Verhaltensregeln für Gesundheit und Wohlbefinden. Die angemessene
Verhaltensweise sowie die richtige Ernährungsweise sind die wichtigsten
Faktoren für ein gesundes und langes Leben. Sie können Krankheiten im Sinne
der Prävention vorbeugen oder die Wirkung einer Krankheit mildern.64 Im rGyudbzhi sind die Kapitel 13 – 15 speziell dem Verhalten gewidmet. Gemäss GYAMTSO
werden die allgemeinen Ratschläge zur Verhaltensweise als die „dreizehn
richtigen Handlungen“65 überliefert. Sie dienen der Prävention und dazu,
schädliche Einflüsse von Körper und Geist fernzuhalten.66 Es werden hier zwei
Beispiele herausgegriffen: Zum einen heisst es, sich den krankheitsfördernden
Umständen bewusst zu sein, diese sind z.B. falsche Ernährung, falsches
Verhalten sowie unangemessene Handlungen von Körper, Rede und Geist. Zum
anderen betrifft es die angemessene Bewegung. Sie fördert die Leichtigkeit des
Körpers, den Fettabbau sowie ein attraktives Aussehen. Zudem wird dadurch die
Verdauungshitze unterstützt, die Muskeln gefestigt und die körperliche und
mentale Leistungsfähigkeit unterstützt. Auch wird auf die Wichtigkeit von einem
sorgfältig erstellten Trainingsplan hingewiesen. Dabei müssen Kondition, das
Alter, allfällige Krankheiten sowie die Jahreszeit berücksichtigt werden.
Im Weiteren beschreibt die TTM im Kapitel 15 des rGyud-bzhis das „Verhalten bei
bestimmten Gelegenheiten“.67 Es heisst, dass der natürliche Drang bzw. die
biologischen Bedürfnisse des Körpers, beachtet werden sollten. Hunger, Durst,
Erbrechen, Gähnen, Niessen, Atmen, Schlaf, Halsschleim ausspucken, Weinen,
Stuhlgang, Flatulenz, Urinieren und Ejakulieren sollten weder unterdrückt noch
übermässig erzwungen werden, weil dies zu allen möglichen Beschwerden68 und
vor allem zu einer Erhöhung der Körperenergie Lung führt. Deshalb werden diese
Verhaltensregeln zur Vermeidung von Krankheiten wärmstens empfohlen.
3.4.2. Verhalten gemäss der individuellen Konstitution
Es wurde einführend erläutert, dass die drei unmittelbaren Ursachen von
Krankheiten die drei Körperenergien Lung, Tripa und Peken sind und durch die
vier Faktoren Ernährung, Verhalten, Klima (Jahreszeit) sowie „böse Geister“ aus
dem Gleichgewicht gebracht werden können. So haben unsere Ernährung und
unser Verhalten eine direkte Einwirkung auf unsere Körperenergien und können
Krankheiten auslösen. Durch die der Konstitution angepasste richtige
Ernährungs- und Verhaltensweise lässt sich krankheitsvorbeugend im Sinne der
Prävention sowie der Gesundheitsförderung eingreifen. Die TTM beschreibt dazu
für jeden Konstitutionstyp dezidiert die auslösenden Bedingungen oder Faktoren
von Krankheiten. Hier liegt der Therapieansatz darin, durch eine angepasste
Lebensweise die auslösenden Krankheits-Faktoren69 zu reduzieren.
64
65
66
67
68
69
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 99.
Vgl. Anhang 9: Die verschiedenen Handlungen und Vollkommenheiten.
GYAMTSO K., KÖLLIKER S., Tibetische Medizin, 2007, S. 130 ff.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 226 ff.
Vgl. Anhang 9: Die verschiedenen Handlungen und Vollkommenheiten / Verhalten bei
bestimmten Gelegenheiten.
Vgl. Anhang 10: Ernährung und Verhalten als Krankheitsursache / Therapieansatz.
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3.4.3. Lu Jong – Tibetisches Heilyoga nach Tulku Lobsang
Lu Jong ist eine uralte Bewegungs-Praxis mit Wurzeln in der TTM. Seinen
Ursprung hat das Lu Jong etwa vor 8000 Jahren in Tibet. Die Lu Jong-Praxis ist
wertvoll, da ihre Übungen auf alle Bereiche des Wohlbefindens einwirken.
Gemäss LOBSANG70 führen sie zu physischer Gesundheit, erhöhen die Energie und
führen dazu, sich glücklicher zu fühlen. „Lu“ bedeutet in der tibetischen Sprache
Körper und „Jong“ bedeutet Training oder Transformation. Lu Jong vereint
Übungen aus der Bön-Kultur und der Tantrayana-Tradition. Das Bön war die
vorherrschende Kultur in Tibet, bevor sich der Buddhismus im Land verbreitete.
Das Tantrayana ist eines der drei Hauptpfade der buddhistischen Lehre und
bezieht sich auf den tibetischen Buddhismus. Die Körperübungen wurden
entwickelt, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Sie lösen Blockaden auf
körperlicher, geistiger und energetischer Ebene. Dies ermöglicht es, den
Heilungsprozess zu unterstützen und negative Emotionen zu transformieren.
3.4.4. Wirkungsweise von Lu Jong
Im Tantrayana wird der Körper als Fahrzeug zur Entwicklung und Transformation
betrachtet, d.h. als Mittel, um mit dem Geist zu arbeiten. LOBSANG beschreibt,
dass der Körper genutzt und trainiert werden kann, sich in einem Zustand von
Reinheit zu befinden und gleichzeitig ist dies die Vorbereitung für höhere,
subtilere Praktiken. Tantrayana wird auch Vajrayana oder das diamantene
Fahrzeug genannt. Durch seine Methoden ist es möglich, Körper, Rede und Geist
zu transformieren, damit sie stark, klar und unzerstörbar wie ein Diamant
werden.71
Durch das Praktizieren von Lu Jong wird gleichzeitig mit dem Körper, dem Geist
und der Energie gearbeitet. Die subtilen Körperkanäle werden trainiert und die
Bewusstheit gefördert. Dabei werden negative Emotionen umgewandelt und der
reine Aspekt, die Tugend hervorgebracht.72 Die tibetische Medizin geht davon
aus, dass Krankheiten die Folge eines Ungleichgewichts der Elemente und damit
der Körperenergien sind. Durch die Kombination von Haltung, Bewegung und
rhythmischer Atmung der Lu-Jong-Übungen wird die Wirbelsäule auf sanfte
Weise unterstützt und die feinstofflichen Kanäle des Körpers werden geöffnet.
Dies bringt die Elemente und die Körperenergien ins Gleichgewicht und die
Lebensenergie (tib. La) kann ungehindert fliessen. So werden die körperliche
Gesundheit, mentale Klarheit und Vitalität verbessert.
Die Wirbelsäule ist das Energiezentrum bzw. der Lebenskanal des Körpers.
Deshalb ist der Fokus von Lu Jong auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule
gerichtet. Sie verbindet alle Körperteile und Organe. Jedes Organ ist energetisch
mit einem Punkt der Wirbelsäule verbunden. Der Ursprung für die Krankheit
eines Organs ist gemäss LOBSANG eine Blockade am Wirbel, mit dem das Organ in
Verbindung steht. Mit dem Lu Jong werden Bewegungen ausgeführt, die durch
die gesamte Wirbelsäule ziehen und dadurch kommt es zu einer sanften Massage
aller Wirbelkörper. Dies stärkt die Organe und stellt ihre Versorgung sicher. So
ist eine gesunde Wirbelsäule eine wichtige Stütze für den gesamten Körper,
ermöglicht eine aufrechte und schöne Körperhaltung sowie einen ungehinderten
Energiefluss.73
70
71
72
73
LOBSANG T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 12.
tulkulobsang.org/de/tibetisches-wissen/tantrayana, Abruf 24.07.15.
tulkulobsang.org/de/teachings/lu-jong, Abruf 21.06.15.
lujong.org/lujong/how-lujong/, Abruf 27.07.15.
Marianna Neidhart
Seite 21 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Lu-Jong-Praxis ist die Atmung. Der Atem
ist Lebensenergie und bildet die Brücke zwischen Körper und Geist. Eine subtilere
Art des Atems – die Windenergie – fliesst in den Körperkanälen. Die Übungen
öffnen und schliessen die Kanäle und lösen Blockaden. Dadurch kann sich die
Windenergie harmonisch durch die Kanäle bewegen und Körper und Geist sind in
ausgeglichener Einheit. Dies macht den Geist klar und eine vollständige
Erfahrung von Liebe und Mitgefühl möglich, wie dies LOBSANG74 unterweist.
Deshalb werden die Körperbewegungen mit einer spezifisch abgestimmten
bewussten Atmung kombiniert. Zudem folgt nach jeder einzelnen Übung eine
spezielle Atemübung, um den Wind der Abfallstoffe auszuatmen.
3.4.5. Lu-Jong-Übungen und ihre spezifischen Wirkungen
Es wurde dargelegt, dass die Lu-Jong-Übungen vielfältige positive Auswirkungen
auf die körperliche, mentale und energetische Gesundheit haben. Gemäss
LOBSANG schenken sie ausserdem ein jugendliches Aussehen und verlängern die
Lebensdauer. Nachfolgend werden vier Gruppen von Lu-Jong-Übungen sowie
zwei Nebenübungen
und ihre Wirkungen im Überblick betrachtet.75 Eine
detaillierte Aufstellung der Übungen mit ihren spezifischen Wirkungen findet sich
im Anhang.76 Die Übungen sind zwar einfach zu erlernen, sollten aber korrekt
ausgeführt und deshalb bei einem Lehrer erlernt werden. Die vier Gruppen sind:
74
75
76

Die Fünf-Elemente-Übungen
Sie balancieren die fünf Elemente im Körper aus. Jedes Element hat eine
ausgleichende Wirkung auf ein oder zwei Energiezentren (Chakren). Auf
energetischer Ebene helfen die Übungen, negative Emotionen oder
Geistesgifte wie z.B. Geiz, Hass oder Eifersucht loszulassen und ihre reine
Qualität von Grosszügigkeit, Mitgefühl und Liebe zu kultivieren. Dadurch
ergibt sich ein emotionales Gleichgewicht.

Die Übungen der fünf Körperteile
Sie verbessern die Beweglichkeit des gesamten Bewegungsapparats,
insbesondere des Kopfs und der Gelenke. Sie lösen Blockaden und dehnen
und kräftigen die Muskeln. Der Körper wird flexibler. Spezifische
Indikationen sind rheumatische Gelenks- und Weichteilerkrankungen,
Rücken-, Kopf- und Nackenschmerzen.

Die Übungen der fünf Vitalorgane
Sie verbessern die Organfunktion von Niere, Herz, Lunge, Milz und Leber.
Indem
Blockaden
aufgelöst
werden,
können
Blut,
Sauerstoff,
lebenswichtige Nährstoffe und feinstoffliche Energie ungehindert fliessen.

Die Übungen für die sechs Befindlichkeiten
Die Übungen sind speziell auf häufige Beschwerden, welche die
Befindlichkeit beeinträchtigen, ausgerichtet, z.B. Verdauungsstörungen,
Tumoren,
Wasseransammlungen,
Kältekrankheiten,
Inkontinenz,
Erschöpfung und Depression. Zudem stärken sie die Sinneswahrnehmung.

Die zwei Nebenübungen
Sie helfen bei Schlaflosigkeit und grosser Müdigkeit.
Lobsang T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 14.
www.lujong.org/lujong/movements/, Abruf 23.06.15.
Vgl. Anhang 11: Die Lu-Jong-Übungen.
Marianna Neidhart
Seite 22 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Die Lu Jong-Übungen stehen in enger Verbindung mit TULKU LOBSANG. Er ist ein
hoch angesehener buddhistischer Meister und anerkannter Arzt der tibetischen
Medizin. Nach jahrelangem Studium mit Meistern aller vier Hauptschulen stellte
er die Bewegungen in einer klaren Praxisabfolge zusammen. Er hat
Modifikationen vorgenommen, um die Übungen den westlichen Bedürfnissen
anzupassen. Auf diese Weise hat er ein umfassendes Programm von
Köperbewegungen geschaffen, um die physische, mentale und energetische
Ebene ins Gleichgewicht zu bringen.
3.5. Gesundheit aus tibetischer Sicht
Vor dem Hintergrund der tibetischen Ernährungs- und Verhaltenslehre lässt sich
nun der Begriff von Gesundheit und entsprechend der Gesundheitsförderung aus
tibetischer Sicht ableiten und erklären. Die richtige Ernährung sowie
angemessenes Verhalten sind Voraussetzungen für Gesundheit. Wir haben
eingangs gesehen, dass der Medizinbaum mit seinen zwei Stämmen den
gesunden und den kranken Körper darstellt. Der gesunde Stamm liefert uns die
Erklärung, was Gesundheit bedeutet, indem er den gesunden Körper und Geist
im Zustand des Gleichgewichts darstellt. Es geht dabei um die drei Aspekte
(Zweige) der Körperenergien, der sieben körperlichen Bestandteile und der drei
Ausscheidungen. Im Zustand ihres Gleichgewichts erfährt der Mensch
Gesundheit, im Ungleichgewicht verursachen sie Krankheiten. Der Medizinbaum
illustriert anhand von 25 Blättern die Funktion von Körper und Geist und was ein
gesunder Organismus macht; die harmonische Regulation der drei
Körperenergien Lung, Tripa, Peken, mit je 5 Unterarten (15 Blätter), der sieben
körperlichen Bestandteile (7 Blätter), sowie der drei Ausscheidungen Stuhl, Urin,
Schweiss (3 Blätter).
Die Betrachtung der Ernährungslehre hat die Wichtigkeit einer wirksamen
Zusammenstellung der Nahrung durch passende Geschmacksrichtungen und
Wirkungen (Wirkkräfte) aufgezeigt. Einen ebenso hohen Stellenwert hat eine
angemessene Verhaltensweise, wie dies dargelegt worden ist. Als konkrete
Selbsthilfemassnahme sei hier das Lu Jong erwähnt. Durch eine geeignete
Nahrungsaufnahme sowie das richtige Verhalten wird zudem die Verdauungshitze
geschützt, was Gesundheit und ein langes Leben sicherstellt.77
All diese Punkte zusammengefasst finden sich in der konzisen Definition von
Gesundheit im rGyud-bzhi wieder. Der Wichtigkeit halber wird sie hier wörtlich
wiedergegeben: „Wenn ihr (25 Komponenten) ausgewogenes Verhältnis durch
eine wirksame Zusammenstellung der Nahrung in geeignete Geschmacksrichtungen und Wirkungen sowie richtige Verhaltensweisen insgesamt diese drei
(Geschmacksrichtungen, Wirkungen, richtige Verhaltensweise) sichergestellt
wird, sorgen diese fünfundzwanzig verschiedenen Komponenten (15
Körperenergien, 7 körperliche Bestandteile, 3 Ausscheidungen) für die
Entwicklung von Gesundheit und Vitalität. Im Ungleichgewicht schaden sie dem
Körper.“78
77
78
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 147.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 99.
Marianna Neidhart
Seite 23 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
4. Ergebnis
4.1. Gegenüberstellung: Tibetische Medizin –
Westliche Medizin
Die Grundlage der TTM bildet das Naturgesetz der Fünf-Elemente-Lehre. Sind die
Elemente in unserem Körper in harmonischer Balance, dann sind wir gesund.
Jeder Therapieform zur Gesundheitsförderung und Prävention oder zur Heilung
von Krankheiten liegt dieses Naturgesetz zugrunde und hat entsprechend ein
harmonisches Gleichgewicht der fünf Elemente zum Ziel. Im Weiteren haben wir
gesehen, dass die tibetische Medizin den Menschen als Ganzes behandelt. Körper
und Geist bilden eine Einheit und können nicht isoliert betrachtet werden. Unsere
geistige Grundeinstellung bzw. unsere Gedanken haben einen direkten Einfluss
auf unseren Körper und sind entscheidend für Gesundheit oder Krankheit. Dieses
ganzheitliche, psychosomatische Menschenbild ist der Ansatz für die Therapie.
Die tibetische Medizin geht den Ursachen für eine Störung auf den Grund und
behandelt nicht nur die Symptome. Das sind grundlegende Unterschiede im
Vergleich zur westlichen Medizin.
Die tibetische Ernährungs- und Verhaltensweise gibt unzählige Empfehlungen für
ein gesundes und langes Leben ab. Dabei wird eine gesunde und angemessene
Lebensführung bereits im Sinne der Prävention empfohlen und nicht erst, wenn
eine Krankheit aufgetreten ist. Dem Patienten wird Eigenverantwortung für seine
Gesundheit zugesprochen, indem er aktiv in den Gesundungsprozess
miteinbezogen wird. Eine gesunde Ernährung aus Sicht der tibetischen Medizin
richtet sich nach dem Konstitutionstyp eines jeden Menschen und muss
individuell abgestimmt werden. So gesehen gibt es die eine gesunde Ernährung
nicht. In Bezug auf die Ernährung finden wir einen weiteren wesentlichen
Unterschied. Die westliche Medizin betrachtet ein Nahrungsmittel vor allem
aufgrund seiner einzelnen Bestandteile, ihrer quantitativen und chemischen
Zusammensetzung, z.B. Vitamine, Nährstoffe, Cholesterin. Aus tibetischer Sicht
hingegen wird ein Nahrungsmittel anhand eines energetischen Systems und
seiner Wirkungsweise auf den Organismus betrachtet.79 Man könnte in diesem
Zusammenhang auch von Impulsen sprechen, die der Körper über das
Nahrungsmittel erhält.80
Auch die moderne westliche Medizin hat zum Ziel, die Gesundheit zu
unterstützen. Im Vergleich zur tibetischen Medizin gibt es grundlegende
Unterschiede in Bezug auf die eigentliche Bedeutung von Gesundheit und
Krankheit. Der Körper wird unterschiedlich betrachtet; der Geist und die Energie
bleiben in der westlichen Medizin in der Regel ausgeschlossen. Daraus ergeben
sich in der Diagnostik wie auch in der Therapie differente Methoden und Ansätze.
Die westliche Medizin ist hochspezialisiert und kennt für jedes Organ und
Körperteil Spezialisten von Ärzten, die sich auf ein einzelnes Fachgebiet
fokussieren. Charakteristisch für die Behandlung ist das Verabreichen von
Medikamenten, durch welche die Symptome behandelt werden, sowie häufige
Operationen. Gemäss LOBSANG wird in der westlichen Medizin der Körper als eine
Maschine betrachtet, indem er auf mikroskopischer Ebene von Zellen und
chemischen Reaktionen analysiert und entsprechend behandelt wird. Die TTM
79
80
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
ZAPOTOCZKY K., WINTGEN-SAMHABER I., (Hrsg.), Fernöstliche Heilkunst:
Mode/Trend/Hilfe?, 2007, Autorin Emchi D., S. 91.
Marianna Neidhart
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
hingegen sieht den Körper als ein Ökosystem, indem sich Körper und Geist
wechselseitig beeinflussen. Er wird demzufolge nicht losgelöst, sondern in
harmonischem Zusammenspiel mit dem Geist betrachtet. Dieses ganzheitliche
Menschenbild ist der westlichen eher Medizin fremd.81
Die Stärke der westlichen Medizin liegt in der Akutmedizin und Chirurgie. Sie hat
einen hohen Wissensstand in der Behandlung von Traumata, Notfallsituationen
und lebensbedrohlichen Zuständen. In diesen Bereichen ist die westliche Medizin
unübertroffen. Die grosse Stärke der TTM liegt in der Prävention, bei der
Behandlung von chronischen, psychosomatischen Krankheiten und bei allen
Leiden des Bewegungsapparats.82
4.2. Therapieansatz gemäss der individuellen
Konstitution
Es werden grundsätzlich die drei Körperenergien Lung, Tripa, Peken
unterschieden. Jede Körperenergie hat spezifische Aufgaben im Körper. Damit
die körperlichen Abläufe überhaupt funktionieren, besitzt jeder Mensch Anteile
von allen drei Körperenergien. Bei der Bestimmung des Konstitutionstyps geht es
darum, die vorherrschende Körperenergie auszumachen. Diese definiert die
Anfälligkeit eines Menschen für bestimmte Krankheiten. Je nach Kombination und
Dominanz
der
Körperenergien
ergeben
sich
sieben
unterschiedliche
Konstitutions-Typen.



Drei Typen mit einer vorherrschenden Körperenergie: Lung, Tripa oder
Peken.
Drei Typen ergeben sich aus der Kombination von zwei Körperenergien:
Lung-Tripa, Peken-Tripa oder Peken-Lung.
Ein Typ, bei dem alle drei Körperenergien gleichmässig vorhanden sind:
Lung-Tripa-Peken.83
Die meisten Menschen weisen die Mischform von zwei verschiedenen
Körperenergien auf. Auch wenn dem so ist, wird in der Therapie empfohlen, die
vorherrschende Körperenergie der beiden zu bestimmen und dem Patienten
einen Therapieplan für diese Körperenergie abzugeben. Auf dem Therapieplan
kann der Therapeut gewisse Punkte ergänzen und streichen und so die weiter
vorkommende Energie mitberücksichtigen. Damit wird die Therapie-Empfehlung
für den Patienten überschaulicher und nicht unnötig kompliziert.84
Bei der Therapie ist es wichtig, dass zuerst untersucht wird, ob die Störung des
Patienten eine konstitutionelle, gemäss seiner Grundkonstitution, oder eine
nicht-konstitutionelle ist. Die Grundkonstitution ist von Geburt an bis zum letzten
Atemzug die gleiche und steht für das natürliche Gleichgewicht.85 Dieses kann im
Laufe des Lebens durch verschiedene äussere Faktoren, wie z.B. die Ernährungsund Verhaltensweise, beeinflusst und gestört werden. Bei einer nichtkonstitutionellen Störung müssen in einem ersten Schritt die Symptome der
Krankheit behandelt und deren Entwicklung beobachtet werden. Dabei wird eine
81
82
83
84
85
LOBSANG T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 94.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 156.
Rhyner H.H., Das neue Ayurveda Praxis Handbuch, 2004, S. 285.
RHYNER H.H., Rosenberg K., Das grosse Ayurveda Ernährungsbuch, S. 12.
Marianna Neidhart
Seite 25 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
allfällige Verschlimmerung des Konstitutionstyps in Kauf genommen. Erst wenn
die nicht-konstitutionelle Störung behandelt ist, wird in einem zweiten Schritt die
Grundkonstitution wieder ins Gleichgewicht gebracht.86
Nachdem das Ungleichgewicht der Körperenergien festgestellt worden ist, kann
die Therapie ausgerichtet und ausgleichende Massnahmen empfohlen werden.
Als Grundregel bei der Umsetzung gilt bei jedem Konstitutionstyp, die Intensität
und die Dauer der Therapie je nach Symptomen, Krankheitsaktivität,
Kombination der Körperenergien sowie des Alters auszurichten.87
Damit kommen wir zu den konkreten Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen.
Eine Übersicht dazu findet sich in der Abbildung 7 „Therapieansatz: Verhalten
und Ernährung gemäss der Konstitution“, Seite 27. Die Abbildung 7 wird nun
anhand des Lung-Konstitutions-Typs erläutert. Der Therapieansatz gemäss der
TTM liegt darin, v.a. die auslösenden Faktoren bzw. Krankheitsbedingungen
zu meiden oder zu reduzieren. Für den Lung-Typen sind diese (Abb. 7,
Krankheitsbedingungen, Spalte Lung): Zu viele Nahrungsmittel mit bitterem
Geschmack, leichten, rauen Eigenschaften, Erschöpfung durch übermässige
sexuelle Aktivität, zu langes Fasten, zu wenig Schlaf, schwere körperliche Arbeit;
anstrengende körperliche und verbale, Tätigkeiten mit leerem Magen, starke
Blutungen, Erbrechen, Durchfall, Aufenthalt in kaltem Wind, langes Weinen,
seelische Anstrengung; Sorgen Ängste, Kummer, Schock, übermässige mentale
oder verbale Betätigung, zu lange Aufnahme nähstoffarmer Nahrung,
Zurückhalten der körperlichen Bedürfnisse sowie unregelmässiges Leben.88
Bezüglich Ernährung gilt (Abb. 7, Ernährung, Spalte Lung, Nein), dass bittere,
leichte und raue Nahrungsmittel die Störung verschlimmern, z.B. grüne
Blattsalate, Schweinefleisch, Kaffee. Sie sollten gemieden oder nur mässig
konsumiert werden. Empfohlen (Abb. 7, Spalte Lung, Ja) sind v.a. warme, süsse,
leicht ölige, nahrhafte und im Weiteren salzige und saure Nahrungsmittel.
Gemäss DUNKENBERGER sind dies: Sesamöl, Fleischsuppe aus Knochenmark,
Lammfleisch, Melasse, roher Rohrzucker, Kandis, Honig, Muskat, Safran,
Gewürznelken, kalt gepresste Öle, Butter, besser noch Ghee (eingesottene
Butter), Süssholz, mässig Knoblauch, etwas Rotwein oder Bier.
Bei einer Lung-Störung ist auch beim Verhalten wichtig (Abb. 7, Verhalten,
Spalte Lung, Nein), die Krankheitsbedingungen wie bereits erwähnt zu meiden.
Hier werden Beispiele an Krankheitsbedingungen aufgeführt, die für die westliche
Verhaltensweise besonders relevant sind: Wenig Schlaf, übermässige geistige
Aktivität, Stress, Nervosität, übermässige sportliche Aktivität sowie der
Aufenthalt in kalter und windiger Umgebung. Empfohlen (Abb. 7, Verhalten,
Spalte Lung, Ja) wird eine ruhige und wärmende Verhaltensweise, ausreichend
Schlaf, Ruhe, Stille (Meditation), Entspannung (Musik), freundschaftliche
Kontakte pflegen, Ruhe beim Essen und regelmässige Mahlzeiten.89
86
87
88
89
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 177 ff.
DUNKENBERGER T., Tibetische Heilmassage und Moxabustion, 2014, S. 31,
DUNKENBERGER T., Das Tibetische Heilbuch, 2012, S. 128 ff, S. 183 ff-
Marianna Neidhart
Seite 26 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Verhalten und Ernährung gemäss der Konstitution
Krankheitsbedingungen
Auslösende
Faktoren
Gemäss dem
rGyud-bzhi S.
177 ff.
Therapieansatz:
auslösende
Faktoren
meiden, d.h.
entsprechend
der Konstitution:
Ernährung: nein
Verhalten: nein
Lung
Tripa
Peken
 Zu viel Nahrungsmittel mit
bitterem Geschmack,
leichten, rauen Eigensch.
 Erschöpfung durch übermässige
sexuelle Aktivität
 zu langes Fasten
 zu wenig Schlaf
 schwere körperliche Arbeit:
anstrengende körperliche und
verbale (zu viel reden),
Tätigkeiten mit leerem Magen
 starke Blutungen, Erbrechen
Durchfall
 Aufenthalt in kaltem Wind,
Reizklima z.B. in Bergen
 langes Weinen
 Seelische Anstrengung: Sorgen
Ängste, Kummer, Schock
 übermässige mentale oder
verbale Betätigung
 zu lange Aufnahme nähstoffarmer Nahrung (lange Zeit)
 Zurückhalten der körperlichen
Bedürfnisse
 Unregelmässiges Leben
 zu viel Nahrungsmittel mit
scharfem Geschmack,
scharfen, heißen und
öligen (tierische Proteine)
Eigenschaften
 ein Zuviel der Emotionen
Wut und Zorn (Aggressionen)
 Schlafen während des Tages
an heissen Tagen,
 zu heisse Umgebung
 die Aufnahme anstrengender
Arbeiten unmittelbar nach
einer Ruhepause
 schwere körperliche Arbeit:
das Tragen schwerer Lasten,
Graben in hartem Boden unter
grosser Anstrengung /
Lasten schleppen, gebückte
Haltung
 Wettkampf: unerbitterliches
Kämpfen
 exzessive Tätigkeiten im
Beruf, Freizeit Sport
 zu viel Fleisch, Butter,
Melasse (Süßigkeiten),
Alkohol
Nein
Ja
scharf
Bitter
Sauer
Süss
salzig
Zusammenz.
 zu viel Nahrungsmittel von
kalter Natur, mit bitterem,
süßen Geschmack,
schweren, kühlen und
öligen Eigenschaften
 das Ruhen nach dem Essen
(Tagesschlaf)
 Aufnahme von frischen, rohen
oder verdorbenen Weizenoder Hülsenfruchtgerichten,
das Essen von Ziegenfleisch
 zu viel Fett, Butter, Knoblauch
oder anderen rohe
Nahrungsmitteln
 frische Ziegenmilch, Joghurt
und Molke
 kaltes Wasser oder Tee
 übermässiges Essen bevor die
letzte Mahlzeit verdaut ist.
 Mangel an Bewegung
 Feuchte und kalte
Umgebung: schlafen an
feuchtem Orten Abkühlung
durch Verbleib im kaltem
Wasser /Kleidung
Nein
Süss
Bitter
Zusammenz.
Ja
Scharf
Sauer
Salzig
Ölig
Scharf
heiss
Rau
Stumpf
Kühl
Fettes,
frittiertes
Essen, stark
gewürzte
Speisen
Frisches, auch
rohes Gemüse
Kühlendes
Obst
Ölig
Kühl
schwer
Stumpf
Zu viel Fette,
Öle, kaltes,
rohes Essen
Rau
Heiss
leicht
scharf
Erwärmend,
scharf, leicht
Gewürztes,
Warmes
Fett, Butter,
Knoblauch,
Käse, Milch,
Joghurt,
Ziegenmilch
Heisses
Wasser+
Honig
Ernährung.
Geschmacksrichtung,
S. 262
Nein
Bitter
zusammenz.
Wirkkräfte
S. 153
Rau
Leicht
Kühl
Generell
Keine Rohkost,
kalte Mahlzeiten
Nahrungsmittel
(Auswahl)
Grüne
Blattsalate
(bitter),
Schweinefleisch,
Kaffee
Verhalten
Nein =
Auslösende
Faktoren,
westliche
Terminologie:
Schwerpunkte
Nein
Zu wenig Schlaf
Geistige
Aktivität:
intensives
Denken, Stress:
Nervosität,
Wind und Kälte,
übermässig
Sport
Umgebung
Wind + Kälte
Lu Jong
Ja
Süss
Sauer
Salzig
Scharf
Ölig
Schwer
warm
Glatt
Warmes,
gekochtes
Essen
Fleisch,
genügend
fett
Sesamöl,
Fleischsuppe,
Fleisch,
Lamm,
Melasse,
Muskat,
Safran,
Nelken,
Butter, Ghee
Ja
Ausreichend
Schlaf, Ruhe,
Stille
(Meditation),
Entspannung
(Musik),
freundschaftl.
Kontakte
mässig, Ruhe
beim Essen,
Regelmässigkeit,
Warme
Umgebung
Warme
Umgebung
sonnig, warm
Basis:
5-ElementeÜbungen,
weitere
gemäss
spezifischer
Indikation
Butter
Melasse
Alkohol,
Fleisch
Nein
Schwere
körperl.
Arbeit, Stress,
Schlafen in
Sonne,
Emotionen
Zorn,
Aggressionen,
übermässige
Nahrungszufuhr,
übermässig
Sport
Ja
Kühle
Umgebung,
Aufenthalt im
Schatten,
Ruhe, Stille
Nein
Zuviel
Nahrung,
Schlafen,
Essen,
Trinken,
Aufenthalt in
kaltem und
feuchtem
Gebiet,
Mangel an
Aufgaben
(träger Geist)
Ja
Warmhalten,
körperliche
und geistige
Bewegung
Starke Hitze
Kühle Umgeb.,
klare Tage,
leichter Wind
Basis:
5-ElementeÜbungen,
weitere
gemäss
spezifischer
Indikation
Kalt und
feucht,
neblig, Regen
Warm und
trocken
Basis:
5-ElementeÜbungen,
weitere
gemäss
spezifischer
Indikation
Abb. 7: Übersicht Therapieansatz Verhalten und Ernährung gemäss der Konstitution.
Marianna Neidhart
Seite 27 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Bei den Lu-Jong-Übungen werden hier – wie bei allen Konstitutionstypen –
grundsätzlich die Übungen der Fünf Elemente empfohlen. Sie balancieren die
Elemente im Körper aus, und damit auch die Körperenergien, und helfen, die
Geistesgifte in den reinen Aspekt umzuwandeln. Dies ist die Basis für
Wohlbefinden und Entwicklung. Weitere spezifische Übungen werden anhand der
Symptome und Krankheitsbilder individuell zusammengestellt, wie diese im
Anhang90 aufgeführt sind.
Für die Zuordnung von weiteren Nahrungsmitteln entsprechend der Konstitution
sei hier ergänzend erwähnt, dass DUNKENBERGER dazu eine wertvolle Übersicht im
Sinne eines Nachschlagewerks91 erstellt hat. Darin werden die Nahrungsmittel
gemäss der TTM zugeordnet und können entsprechend der Konstitution
ausgewählt werden. Im Anhang92 findet sich eine Übersicht der Therapieansätze
für eine Lung-, Tripa- und Peken-Störung. Die Übersicht kann bei entsprechender
Beratung und individueller Anpassung im Sinne eines Handouts dem Patienten
abgegeben werden.
90
91
92
Anhang 11: Die Lu Jong-Übungen.
DUNKENBERGER T., Das Tibetische Heilbuch, 2012, S. 128 ff, S. 183 ff.
Vgl. Anhang 12: Handout Therapievorschläge gemäss der Konstitution.
Marianna Neidhart
Seite 28 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
5. Diskussion
Die enge Beziehung des Menschen zum Universum ist die Grundlage der TTM.
Die fünf Elemente bilden dabei die Grundbausteine der Natur. Über diese fünf
Elemente ist der Mensch verbunden mit seiner Umwelt. Sie prägen alle Prozesse
auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene. Im Einklang mit den Gesetzen
der Natur sind die Elemente in unserem Körper in harmonischer Balance und wir
sind gesund. Das Erkennen dieses Naturgesetzes ist die Voraussetzung für das
Verständnis der TTM und liegt jedem Therapieansatz zugrunde.
5.1. Interpretation der Ergebnisse
Die TTM betrachtet und behandelt den Menschen als Ganzes, d. h. als
Kombination von Körper, Geist und Seele. Ihr harmonisches Zusammenspiel ist
die Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden. Dieses ganzheitliche
Menschenbild ist zugleich auch der Hauptunterschied zwischen der TTM und der
westlichen Medizin und für mich persönlich das Besondere an der tibetischen
Medizin. Das Verständnis von Gesundheit und Krankheit begrenzt sich aus
tibetischer Sicht nicht allein auf den Körper, sondern bezieht darüber hinaus auch
Geist und Seele mit ein. Gemäss der TTM wird demzufolge der Mensch und nicht
die Krankheit behandelt.
Der Begriff von Gesundheit wird gemäss der TTM übersichtlich anhand des
Medizinbaums93 illustriert. Der linke Stamm stellt den gesunden Körper und
gesunden Geist im Zustand des Gleichgewichts dar. Das ist Gesundheit aus
tibetischer Sicht: Körper und Geist im Zustand des Gleichgewichts. Der
Medizinbaum zeigt anhand von 25 Komponenten (Blätter) die Funktion von
Körper und Geist auf und was ein gesunder Organismus macht; es betrifft die
harmonische Regulation der drei Körperenergien Lung, Tripa und Peken (mit je
fünf Unterarten, total 15), der sieben körperlichen Bestandteile und der drei
Ausscheidungen. Im Zustand ihres Gleichgewichts sind wir gesund, andernfalls
erfahren wir Krankheit. Die Voraussetzungen, dieses Gleichgewicht zu erreichen,
betreffen die Ernährungs- und Verhaltensweise. Sinngemäss lässt sich der Begriff
Gesundheit aus der Überlieferung im rGyud-bzhi wie folgt zusammenfassen:
Wenn das ausgewogene Verhältnis der 25 Komponenten durch eine wirksame
Zusammenstellung der Nahrung in geeignete Geschmacksrichtungen und
Wirkungen sowie die richtige Verhaltensweise sichergestellt wird, sorgen diese 25
Komponenten für die Entwicklung von Gesundheit und Vitalität. Im
Ungleichgewicht schaden sie dem Körper.94
Symbolisch wird dies anhand des Medizinbaums durch zwei Blüten dargestellt.
Die erste Blüte bedeutet Freiheit von Krankheit (Gesundheit), die zweite Blüte
steht für langes Leben. Sie erblühen bei einem gereinigten Geist durch ethische
Lebensführung und heilsames Verhalten. Dadurch reifen die drei Früchte
spirituelle Entwicklung, Reichtum und Glück.95
93
94
95
Vgl. Anhang 1: Der Medizinbaum.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 99.
EMCHI D., Zeitschrift Heilsames Tun, 2013, S. 5.
Marianna Neidhart
Seite 29 von 57
Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
5.2. Bezugnahme auf die Fragestellung / Hypothese
5.2.1. Adaption an den Westen
Ganz grundsätzlich ist zu bedenken, dass das Grundlagenwerk der TTM, das
rGyud-bzi, bereits im 11. Jahrhundert von Yuthok Yonten Gonpo dem Jüngeren96
niedergeschrieben wurde. Bei einer sinnvollen Umsetzung gilt es, mit Respekt die
Essenz der Lehre aufzunehmen und mit gesundem Menschenverstand
Anpassungen an die moderne westliche Zivilisation vorzunehmen, sei es in Bezug
auf die Ernährungs- als auch auf die Verhaltenslehre.
Betrachten wir nun zuerst die Umsetzung der Ernährungslehre: Es wurde
dargelegt, dass die tibetische Medizin die Nahrung aufgrund eines energetischen
Systems
betrachtet.
Entscheidend
dabei
ist
die
Kenntnis
der
Geschmacksrichtungen. Ein einfaches „Instrument“, die Geschmacksrichtungen
zu bestimmen, steht uns jederzeit zur Verfügung, es ist die Zunge mit ihrem
Geschmacksinn. Über die Sinneswahrnehmung lässt sich der Geschmack der
Nahrungsmittel ausmachen und daraus die Wirkkräfte ableiten. Das gilt für
Nahrungsmittel des Tibets genauso wie für Nahrungsmittel des Westens. Über
die Geschmacksrichtungen lassen sich demzufolge unsere westlichen
Nahrungsmittel dem tibetischen Prinzip zuordnen. Dadurch wird es möglich,
unsere regionalen Produkte für die Umsetzung der tibetischen Ernährungslehre
einzusetzen. Das ist für mich persönlich ein entscheidender Punkt für eine
sinnvolle Umsetzung im Westen, weil regionale Produkte saisonal und frisch
erhältlich sind. Nicht zuletzt ist es auch ökologischer, wenn Produkte aus der
direkten Umgebung verwendet werden können.
Auch wenn unser Geschmacksinn nicht ganz so geschärft ist, um jede einzelne
Geschmacksrichtung auszumachen, ist das kein Hindernis, um die tibetische
Ernährungslehre umzusetzen. Für viele westliche Nahrungsmittel steht bereits
eine Übersicht mit ihrer Zuordnung entsprechend der TTM zur Verfügung, z.B.
diejenige von DUNKENBERGER.97 Die tibetische Ernährungslehre entstammt
derjenigen des Ayurveda. Die beiden Lehren sind in weiten Teilen identisch. Im
Ayurveda finden wir eine Vielfalt an weiteren westlichen Nahrungsmitteln, die
aufgrund von Geschmack und Wirkkraft bereits zugeordnet wurden. Hier
verweise ich auf RHYNER.98 Das macht die Umsetzung bei uns im Westen einfach.
Es gilt vorab, den Konstitutionstyp zu bestimmen. Daraus lässt sich individuell
ableiten, welche Geschmacksrichtungen und Wirkkräfte für die Gesundheit
grundsätzlich zuträglich und welche abträglich sind. Der Einfachheit halber sind
es für einen Patienten vor allem die Geschmacksrichtungen, die er für die
praktische Umsetzung kennen sollte. Diese kann er jederzeit mit seiner Zunge
selber feststellen und sich so einfach im Ernährungsalltag orientieren. Für einen
Therapeuten hingegen ist es beim Erstellen eines Ernährungsplans wichtig, dass
er sowohl die Geschmacksrichtungen als auch die Wirkkräfte miteinbezieht. Die
Umsetzung der tibetischen Verhaltenslehre im Westen ist aus meiner Sicht
ebenfalls einfach. Dazu braucht es lediglich die Kenntnis des eigenen
Konstitutionstyps mit den entsprechenden Zu- und Abträglichkeiten sowie die
Bereitschaft, etwas verändern zu wollen.
96
97
98
www.padma.ch/tibetische-medizin/geschichte/urspruenge/ Abruf 12.017.15.
DUNKENBERGER T., Das Tibetische Heilbuch, 2012, S. 128 ff..
RHYNER H.H., Das neue Ayurveda Praxis Handbuch, 2004, S. 301.
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5.2.2. Compliance
Aus den Erkenntnissen der tibetischen Ernährungs- und Verhaltenslehre ergibt
sich der Therapieansatz gemäss der individuellen Konstitution. Es wurden dazu
drei vereinfachte Handouts99 zur Abgabe an den Patienten erstellt, je eines für
den Lung-, eines für den Tripa- und eines für den Peken-Typ. Damit erhält der
Patient ein Instrument, um die Therapie im Alltag umzusetzen. Beim Erstellen
des Handouts war es mir wichtig, dass die Empfehlungen für den Patienten
anwendungsfreundlich erscheinen und die Botschaft leicht vermittelt wird.
Natürlich wissen wir, dass es mehr als drei Konstitutionstypen gibt. Der
Einfachheit halber – v.a. für den Patienten – habe ich mich auf drei Richtlinien
beschränkt. Für Mischtypen kann in der Therapie das Handout individuell
angepasst werden.
Ziel einer jeden Therapie ist es, die Körperenergien ins Gleichgewicht zu bringen,
dies durch Empfehlungen zur richtigen Ernährung und zu angemessenem
Verhalten. Dazu gehört auch die positive Ausrichtung der Gedanken. Der
Schlüssel für den Therapieansatz ist die Kenntnis der Konstitution des Patienten.
Diese muss zu Beginn bestimmt werden. Der Therapieansatz aus tibetischer
Sicht beginnt immer mit der „sanftesten“ Methode, mit der Änderung von
Ernährung und Verhalten.
Bei der Umsetzung der Ernährungs- und Verhaltenslehre100 gelten folgende
Grundregeln:




Es gilt bei jedem Konstitutionstyp, die Intensität und die Dauer der
Therapie je nach Symptom, Krankheitsaktivität, Kombination der
Körperenergien sowie des Alters auszurichten.
Zuallererst muss bei einem Patienten die Grundkonstitution bestimmt
werden. Erst danach kann entschieden werden, ob eine Störung bzw. ein
Krankheitsbild konstitutionell entsprechend der Grundkonstitution oder
nicht-konstitutionell bedingt ist.
Es werden Empfehlungen zur Ernährungs- und Verhaltensweise
entsprechend der Störung bzw. der Krankheit abgegeben: Bei einer
konstitutionell bedingten Störung sind dies Empfehlungen gemäss der
Konstitution. Bei einer nicht-konstitutionellen Störung müssen als erstes
die Symptome der Krankheit behandelt und dann der weitere Verlauf
beobachtet werden. Im zweiten Schritt wird die Konstitution wieder ins
Gleichgewicht gebracht.
In Verantwortung und Verpflichtung als Therapeut muss im Zweifelsfall die
schulmedizinische Abklärung einer Diagnose in die Wege geleitet werden.
Eine empfohlene Therapie, mag sie noch so gut sein, kann nur greifen, wenn sie
vom Patienten umgesetzt wird. Voraussetzung für eine gute Compliance, d.h. die
Einhaltung bzw. Befolgung der Regeln durch den Patienten, und somit für den
praktischen Erfolg, ist die Motivation des Patienten. Das setzt Vertrauen in den
Therapeuten voraus und ebenso fundierte Kenntnisse, Überzeugung und
Mitgefühl des Therapeuten.101 Auch ist es in diesem Zusammenhang wichtig, den
Patienten nicht zu überfordern und idealerweise in kleinen Schritten mit
überschaubaren Abständen vorzugehen. Wenn es vom Krankheitsbild her
99
Vgl. Anhang 12: Handout Therapievorschläge gemäss der Konstitution.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
101
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 347.
100
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
vertretbar ist, kann eine Therapie mit dem Weglassen von ungünstigen Faktoren
begonnen werden. In der praktischen Umsetzung würde das heissen, eine
„Nein“-Liste für den Patienten zu erstellen und nicht gleich Ernährung und
Verhalten komplett umzustellen.102 Diese Form der Therapie eignet sich bei
einem Patienten, der z.B. eine leichte Lung-Störung, jedoch eine andere
Grundkonstitution als Lung hat. Selbstverständlich ist dies bei einer starken
Störung nicht möglich. So verlangt z.B. ein Lung-Konstitutionstyp mit einer
zusätzlichen Lung-Störung eine strikte Einhaltung der Therapieempfehlung.
Neben all den Empfehlungen der Ernährungs- und Verhaltenslehre ist es aus
meiner Sicht wichtig, einen weiteren Aspekt zu gewichten: Ernährung,
angemessenes Verhalten und damit auch die Bewegung sollten vor allem Freude
machen. Ein liebevoll zubereitetes Essen in angenehmer Gesellschaft und schön
präsentiert, nährt nicht nur den Magen, sondern auch die Seele. Aussehen,
Geruch und Geschmack der Nahrung sollten die Sinne erfreuen. Durch
Bewusstheit und Dankbarkeit beim Essen kann jeder Mensch selber
wahrnehmen, welche Nahrung für seinen Körper gesund und bekömmlich ist und
welche nicht. Zudem wird dadurch der Geist ruhig und zufrieden.
Auch für die Verhaltensweise gilt es, den Sinn für den Körper zu wecken. Durch
bewusste Atmung und Bewegung im Alltag, sei es beim Spazieren, beim Kochen
oder bei den Yoga-Übungen, bringen wir unseren Geist zur Ruhe, unseren Körper
in seine Mitte und stärken unseren Körpersinn. Sicher braucht es für die tägliche
Yoga-Praxis Disziplin. Wenn wir aber erfahren, wie gut sich dabei unser Körper
fühlt, ergibt sich die Motivation von selbst. Durch das Üben werden wir auch
sensibler dafür, was unserem Körper gut tut und was nicht. So zeigt uns
regelmässiges Training z.B. genau, ob die Ernährung des Vortrags uns dienlich
war oder uns behindert beim Üben. Gemäss LOBSANG kann der Körper als
Fahrzeug des Geists betrachtet werden. Sinngemäss übersetzt heisst es in seinen
Unterweisungen: Wenn wir lernen, wie wir unseren Körper nutzen können, dann
sind wir in der Lage, alles zu verändern, auch den Geist.103 Vor diesem
Hintergrund erscheinen die Empfehlungen zur Ernährungs- und Verhaltensweise
nicht als strikte Richtlinien, sondern als Leitgedanken für eine ganzheitliche und
gesunde Lebensweise.
5.2.3. Gesunde westliche Ernährung aus tibetischer Sicht
Auf Basis der TTM ergeben sich für jeden Menschen entsprechend seiner
individuellen
Konstitution
auch
individuelle
Ernährungsund
Verhaltensempfehlungen. Die Nahrung mit ihren Geschmacksrichtungen und
Wirkkräften sowie das Verhalten haben eine direkte Einwirkung auf unsere
Körperenergien. Aus diesem Grund wird grossen Wert auf die richtige
Ernährungs- und Verhaltensweise entsprechend der Konstitution gelegt. Die
absolut gesunde Ernährung gibt es aus tibetischer Sicht nicht. Sie wird viel
differenzierter anhand eines energetischen Systems und den Einfluss auf die
Körperenergien betrachtet. Daraus lässt sich erklären, dass ein Nahrungsmittel
nicht einfach als gesund oder nicht gesund eingestuft werden kann, wie das bei
uns im Westen der Fall ist. Relevant ist in diesem Zusammenhang, ob es zu
einem Menschen, d.h. zu seinem Konstitutionstyp passt oder nicht.
102
103
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
LOBSANG T., Lu Jong Teacher-Lehrgang, 6. – 9.02.2015.
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Nehmen wir als Beispiel die Rohkost. Aus westlicher Sicht ist sie gesund. Sicher
hat rohes Gemüse mehr Vitamine und Mineralstoffe als gekochtes. Wenn nun die
Verdauungshitze schwach ist, wie z.B. bei einer Peken-Konstitution, dann können
diese Vitamine und weitere Inhaltsstoffe vom Organismus gar nicht richtig
aufgenommen werden. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Gemüse zu kochen.
Es ist unbestritten, dass dabei ein Teil der Inhaltsstoffe verloren gehen, jedoch
wird die gekochte Nahrung mit den verbleibenden Vitaminen und Mineralstoffen
vom Organismus besser absorbiert. So gesehen ist es wichtiger, wie viele
Nährstoffe der Körper aufnehmen kann, als das Nahrungsmittel aufgrund seiner
Inhaltsstoffe zu analysieren.104 Für eine Tripa-Konstitution mit einer starken
Verdauungshitze ist Rohkost hingegen sehr bekömmlich und empfehlenswert.
Betrachten wir nun unser beliebtes Birchermüesli mit Früchten, das aus
westlicher Sicht sehr gesund ist. Wir haben gesehen, dass die Kombination von
Milch und Obst unverträglich ist, weshalb das Birchermüesli aus tibetischer Sicht
nicht empfehlenswert ist. Damit die Umsetzung der tibetischen Ernährungslehre
für einen Schweizer nicht am Birchermüesli scheitert, würde ich empfehlen, das
Müesli anstelle von Milch mit Wasser, Fruchtsaft, Mandelmilch oder Reismilch
zuzubereiten, je nach persönlichem Geschmack.
„Gemüse ist gesund“, diese pauschale Denkweise ist bei uns im Westen
verbreitet. Wir haben bereits bei der Rohkost gesehen, dass die TTM dazu eine
differenziertere Betrachtungsweise kennt. Sicher ist es auch aus tibetischer Sicht
wichtig, dass wir ausreichend Gemüse essen. Es gilt dabei, neben der
Konstitution, auch den Anteil, den Gemüse bei den Mahlzeiten ausmacht, zu
beachten. Bei einer Lung-Konstitution z.B. wird Gemüse grundsätzlich
empfohlen. Eine Ernährungsweise, die aber hauptsächlich aus Gemüse besteht,
verschlimmert den Zustand eines Lung-Typs, weil sie zu leicht ist. Deshalb sollte
bei der Zubereitung Butter, Ghee (ähnlich eingesottener Butter) oder Pflanzenöle
beigegeben und die Mahlzeit mit einem ausreichenden Anteil von Kohlenhydraten
in Form von Getreide ergänzt werden, z.B. Weizen, Dinkel oder Hartweizen
(Pasta).
In diesem Zusammenhang ist es grundsätzlich wichtig, die Grundnahrungsmittel
zu kennen. Diese sind als erstes die Kohlenhydrate, in Form von Getreide, dann
Proteine aus tierischen Produkten oder Hülsenfrüchten und zuletzt hochwertige
Fette wie pflanzliche Öle oder Ghee. Gemüse und auch Obst sind keine
Grundnahrungsmittel. Es ist unbestritten, dass sie einen äusserst wertvollen
Bestandteil unserer Ernährung bilden und deshalb täglich gegessen werden
sollten. Die wichtigsten Grundnahrungsmittel sind aber die Kohlenhydrate, denn
sie liefern gemäss RHYNER den Brennstoff für unsere Zellen.105 Obwohl dieser
Grundsatz im Westen theoretisch bekannt ist, wird er in der Praxis nicht gelebt.
Aus meiner persönlichen Sicht hängt dies mit dem unsäglichen Kalorienzählen
zusammen, das bei uns sehr verbreitet ist. Den Begriff „Kalorie“ kennt die TTM
übrigens nicht, denn sie betrachtet ein Nahrungsmittel nicht losgelöst vom
Menschen, der es isst, sondern differenziert aufgrund dessen, was es im Körper
des Menschen bewirkt.
Im Westen gibt es unzählige Diäten, die gesund sein oder gesund machen
sollen. Auch den Begriff „Diät“, wie er im Westen verwendet wird, kennt die
104
105
RHYNER H.H., Das neue Ayurveda Praxis Handbuch, 2004, S. 270.
RHYNER H.H., Rosenberg K., Das grosse Ayurveda Ernährungsbuch, S. 64.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
tibetische Medizin nicht, weil die Ernährung zur Gesundheitsförderung eben
individuell auf den Konstitutionstyp abgestimmt werden muss. Zudem wird die
Meinung, dass Fasten gesund ist, gemäss der TTM aus einem anderen
Blickwinkel betrachtet. So ist z.B. für eine Lung-Konstitution das Fasten sogar
schädlich, weil dadurch die Lung-Energie erhöht wird. Für eine PekenKonstitution hingegen ist angemessenes Fasten empfehlenswert. Viele Menschen
versteifen sich im Westen auf Diäten, in der Meinung, sich damit gesund zu
ernähren. Dies kann bis zu Besessenheit und krankhafter Neurose ausarten. So
wundert es nicht, dass bei uns ein neues Krankheitsbild auftritt, nämlich die
Orthorexia nervosa.106 Der Begriff bezieht sich auf eine Essstörung und bedeutet
Besessen sein von gesunder Ernährung. Im Vergleich dazu empfiehlt die TTM ein
gesundes Mittelmass, indem massvoll auch Gelüsten nachgegeben wird. Wenn
wir lernen, auf unseren Körper zu hören, zeigt er uns in natürlichem Verlangen
oder Gelüsten, was er braucht, um eine Störung auszugleichen. Die einzige
Einschränkung dabei ist, das Mittelmass im Auge zu behalten und
Nahrungsmittel, die Gelüste erwecken, zusätzlich zur Grundnahrung und nicht als
Hauptbestandteil zu essen.107
5.2.4. Beantwortung der Frage / Begründung der Hypothese
Es wurde dargelegt, dass die tibetische Medizin zum Ziel hat, das Gleichgewicht
der Körperenergien durch „sanfte“ Heilmethoden zu erhalten oder
wiederherzustellen. Die Ausrichtung einer jeden Therapie basiert auf dem
Naturgesetz der Fünf-Elemente-Lehre. Dieses hat universellen Charakter108 und
gilt im Osten genauso wie im Westen, auf der ganzen Erde wie im gesamten
Universum. Es liegt jedem Therapieansatz der TTM zugrunde. Indem dieses
Naturgesetz verstanden und respektiert wird, ist es möglich, die tibetische
Ernährungs- und Verhaltenslehre zur Gesundheitsförderung und Prävention im
Westen umzusetzen. Es gilt dabei - neben den Aspekten der Kapitel „Adaption an
den Westen“ und „Compliance“ - die örtlichen Gegebenheiten des Therapieorts
mit seinen spezifischen Ernährungs- und Verhaltensweisen miteinzubeziehen.
Auch im rGyud-bzhi finden wir im Kapitel 27 „Allgemeine therapeutische
Grundlagen“ die Basis dafür, dass bei einer Therapie der Wohnort berücksichtigt
werden muss.109 Und gemäss ZASUHIN heisst es in seinen mündlichen
Unterweisungen: „Behandle so, wie es an diesem Ort üblich ist.“110 Die TTM
kennt folglich keine geographischen Grenzen. Vielmehr ist sie eine Art der
Betrachtung und keine Methode, die immer gleich angewendet wird. Das Ziel der
tibetischen Medizin ist es, den Menschen mit Methoden zu helfen, die diesen
verständlich sind.
Die Fragestellung, ob es möglich ist, die Ernährungs- und Verhaltenslehre der
TTM zur Gesundheitsförderung und Prävention im Westen umzusetzen, lässt sich
nun aufgrund der dezidierten Analyse und Erkenntnisse eindeutig mit „Ja“
beantworten. Dies im Bewusstsein, dass die TTM in Tibet anders aussieht als im
Westen. In meiner Hypothese behaupte ich, dass die TTM in Bezug auf
Ernährung und Verhalten im Westen umgesetzt und adaptiert werden kann. Mit
den eben aufgeführten Darlegungen ist gleichzeitig auch meine Hypothese
vollumfänglich begründet und bleibt keine blosse Behauptung.
106
107
108
109
110
www.sprechzimmer.ch/sprechzimmer/Krankheitsbilder/Orthorexia_nervosa.php, Abruf
29.06.15.
MARIC S., Unterricht Modul Diätetik, 2014.
HOBERT I, Die Praxis der Traditionellen Tibetischen Medizin, 2006, S. 244.
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 329.
ZASUHIN A., Unterricht Praktikum, Paramed, Baar, 06. – 11.07.15.
Marianna Neidhart
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
5.3. Reflexion zur Zielerreichung
Ich bin der Meinung, dass ich mein Ziel erreicht habe und es hier vorliegt,
nämlich ein Konzept zur Umsetzung der tibetischen Ernährungs- und
Verhaltenslehre im Westen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich durch das
Schreiben meiner Arbeit viel gelernt habe und mein Wissen der tibetischen
Ernährungs- und Verhaltenslehre vertiefen konnte. Auch denke ich, dass es mir
gelungen ist, die zum Teil komplexen Themen zusammenhängend darzulegen
und wichtige Sachverhalte übersichtlich aufzuzeigen. Es war mir ein Anliegen,
dass ich mich immer wieder am Grundlagenwerk der TTM, dem rGyud-bzi,
orientiert habe, dies in Respekt vor der einzigartigen Überlieferung und um die
Essenz der Lehre in ihrer reinen und ursprünglichen Form aufzunehmen. Zu
Beginn der Arbeit war geplant, die Grundprinzipien und Grundregeln der
Ernährungslehre komplett zu beleuchten. Nachdem ich die formellen Vorgaben
studiert hatte, reifte zugleich die Erkenntnis, dass eine abschliessende
Betrachtung der Thematik im Rahmen des vorgegebenen Umfangs nicht möglich
würde. Aus diesem Grund habe ich den thematischen Rahmen enger gesteckt
und mich auf die grundlegenden Aspekte entsprechend der Relevanz beim
Therapieansatz fokussiert. Um diese im Kontext praxisgerecht erläutern zu
können, war es dennoch erforderlich, den Hauptteil auszuweiten. Mein eigenes
Vorgehen reflektierend, kann ich sagen, dass ich die Arbeit wieder in der gleichen
Weise angehen würde: Zuerst wähle ich ein Thema, das mich fasziniert und gehe
dann Schritt für Schritt weiter.
5.4. Schlussfolgerung
Die ganzheitliche Sichtweise mit dem psychosomatischen Menschenbild bildet die
wichtigste geistige Grundlage der TTM.111 Auf allen Ebenen steht die
Gesunderhaltung und Gesundwerdung im Vordergrund. Ihre Stärke liegt
grundsätzlich in der Prävention. Der Patient wird in Eigenverantwortung aktiv in
den Gesundungsprozess miteinbezogen, z.B. durch die Ernährungsberatung und
die Beratung zur Verhaltensweise. Der hohe Stellenwert der Prävention und das
Einbeziehen des Patienten sind für mich persönlich wichtige Ansätze in der
Therapietätigkeit. Die TTM hat eine entscheidende Bedeutung bei der Behandlung
von chronischen und subtilen Krankheiten, die mit der westlichen Diagnostik und
Therapie nicht erfasst werden können. Die westliche Medizin hingegen hat ihre
Stärke in der Behandlung von akuten Krankheiten und Situationen. Das Wissen
der TTM bereichert die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten der westlichen
Medizin. Darüber hinaus eröffnet sie einen tieferen Einblick in die
Zusammenhänge von Krankheit und Gesundheit sowie von Krankheits- und
Heilungsprozessen.112 Im Bewusstsein beider Medizin-Systeme lassen sich diese
erfolgreich in ein modernes Gesundheitskonzept integrieren.113 Auf dem Titelblatt
wird diese Schlussfolgerung bildlich dargestellt. Der Medizin-Buddha steht für die
heilende Energie der TTM, die Apfelblüte für unsere westliche Kultur. Das Bild114
vereint symbolisch die östliche mit der westlichen Kultur.
111
112
113
114
ZAPOTOCZKY K., WINTGEN-SAMHABER I., (Hrsg.), Fernöstliche Heilkunst:
Mode/Trend/Hilfe?, 2007, Autorin Emchi D., S. 99.
www.ostwestmedizin.de/ausbildung/tibetische-medizin/, Abruf 04.07.15.
LOBSANG T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 94.
Abb. 1: Titelblatt; Medizin-Buddha mit Apfelblüte.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Literatur- und Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
BIN SAIF SATHYA B., BEN SAIF WOLFGANG B., KNOLL SABINE, Tibetische
Medizin für den Westen, Springer Verlag, Wien/A, 2010.
CLIFFORD TERRY, Tibetische Heilkunst, O.W. Barth Verlag, München/D, 1989
DUNKENBERGER THOMAS, Das tibetische Heilbuch, Windpferd Verlag,
Oberstdorf/D, 2012.
DUNKENBERGER THOMAS, Tibetische Heilmassage und Moxabustion, Bacoba
Verlag, Schiedberg/A, 2014.
GYAMTSO KHENRAB, KÖLLIKER STEPHAN, Tibetische Medizin, München/D, 2007.
HOBERT INGFRIED, Die Praxis der Traditionellen Tibetischen Medizin, O.W. Barth
Verlag, Frankfurt/D, 2006.
HOMMEL Hubertus R., (Er-)Leben ohne Ende? Die Freiheit des Willens, Grin
Verlag, München/D 2008.
LOBSANG TULKU, Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, Nangten
Menlang Intern., Wien/A, 2014.
LOBSANG TULKU, Lu Jong. Die älteste tibetische Bewegungslehre zur Heilung
von Körper und Geist, O.W. Barth Verlag, München/D, 2011.
PLOBERGER FLORIAN, Grundlagen der Tibetischen Medizin, Bacoba Verlag,
Schiedberg/A, 2012.
PLOBERGER FLORIAN, Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen aus „Die vier
Tantra der Tibetischen Medizin“, Bacopa Verlag, Schiedlberg/A, 2008.
RHYNER HANS HEINRICH, Das neue Ayurveda Praxis-Handbuch, Urania-Verlag,
Neuhausen/CH, 2004.
RHYNER HANS HEINRICH, ROSENBERG KERSTIN, Das grosse Ayurveda
Ernährungsbuch, AGM Urania-Verlag, Neuhausen/CH, 2007.
VOGEL SIBILLE, Tibetische Medizin, Nawo Verlag, Rümlang/CH, 2007.
ZAPOTOCZKY KLAUS, WINTGEN-SAMHABER IRMGARD, (Hrsg.), Fernöstliche
Heilkunst: Mode/Trend/Hilfe?, Bacoba Verlag, Schiedberg/A, 2007.
Zeitungsartikel
EMCHIE DÖNCKIE, Zeitschrift Heilsames Tun, Netzwerk „Heilsames Tun“, 2013.
DUNKENBERGER THOMAS, Zeitschrift Happinez Nr. 8/13, Interview, 2013.
Internet
Health-Lifestyle: http://health-lifestyle.ch/2013/01/01/das-heilwissen-vom-dachder-welt, Abruf 01.06.15 (Anm. Interview mit Emchi Dönckie).
Lobsang T.: http://tulkulobsang.org/de/teachings/lu-jong, Abruf 21.06.15,
http://tulkulobsang.org/de/tibetisches-wissen/tantrayana, Abruf 24.07.15.
Lu Jong: http://www.lujong.org/lujong/movements/, Abruf 23.06.15,
http://www.lujong.org/lujong/how-lujong/, Abruf 27.07.15.
Ost-West-Medizin: http://www.ostwestmedizin.de/ausbildung/tibetischemedizin/Abruf 04.07.15.
Padma: http://www.padma.ch/tibetische-medizin/typentest/Abruf 03.06.15 /
http://www.padma.ch/tibetische-medizin/geschichte/urspruenge/ Abruf
12.07.15.
Sprechzimmer: http://www.sprechzimmer.ch/sprechzimmer/
Krankheitsbilder/Orthorexia_nervosa.php, Abruf 29.06.15.
Tibet-Medizin: http://www.tibetmedizin.org/pdf/Eine-kurze-Reise-durch-daskomplexe-System-der-Tibetischen.pdf, Abruf 03.06.15.
Marianna Neidhart
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Quellennachweis der Abbildungen
Abb. 1: Titelblatt; Medizin-Buddha mit Apfelblüte, © Marianna Neidhart.
Abb. 2 + 3: Der Medizinbaum: Gesunder und kranker Stamm, © Marianna
Neidhart, mit freundlicher Genehmigung der Besitzerin des Thangkas,
med. pract. Ch. Müller, Netzwerk Heilsames Tun, Schaffhausen.
Abb. 4: Bildung der Geschmacksrichtungen durch die Elemente.
Abb. 5: Umwandlung der Geschmacksrichtungen während des
Verdauungsprozesses.
Abb. 6: Ableitung der Wirkkräfte von den Geschmacksrichtungen.
Abb. 7: Therapieansatz Verhalten und Ernährung gemäss der Konstitution.
Abb. 8: Handout / Nahrungsmittel und Verhaltensweise für eine Lung-Störung.
Abb. 9 – 32: Lu Jong-Übungen: sämtliche Abbildungen © Marianna Neidhart.
Lehrgänge / mündlicher Unterricht
DUNKENBERGER THOMAS, Modul Vernetzung, Paramed, Baar, 20.02. –
07.03.15.*
KUNSANG LAMA, Modul Tibetisch Buddhistische Philosophie, Paramed, Baar,
2013-2015.*
LOBSANG TULKU, Lu Jong-Teacher Lehrgang, Plochingen/D, 06. – 08.02.15.*
MARIC SONJA, Modul Diätetik, Paramed, Baar, 10. – 12.10.14 und 07. –
09.11.14.*
KNEISL MARIA ANNA, Modul Tibetische Psychologie, Mandala-Kurs, Paramed,
Baar, 23.11.13.
TSÜLTRIN TSERIM, Lehrgang Naturheilpraktiker Tibetische Medizin, Paramed,
Baar, 2013 - 2015.*
ZASUHIN ALEKSEJ, Praktikum, Paramed, Baar, 06. – 11.07.15.*
* Eigene Notizen gemäss Unterricht.
Zitate
Zitate wurden in den Fussnoten aufgenommen und auf die Quellen im
Literaturverzeichnis verwiesen.
Glossar tibetische Ausdrücke
Byungba
Dang
Dodchangs
Drima
Dug sum
Jong
Lu
Lung Ro Sel
Mae drod
Marigpa
Nuspa
Nyepas
Paramitas
rGyud-bzhi
Samsara
Stobs
Timug
Zhesdang
Marianna Neidhart
Fünf Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum
Höchste Lebensenergie
Begierde
Die drei Ausscheidungen (Stuhl, Urin, Schweiss)
Geistesgifte
Training, Transformation
Körper
Atemtechnik des Lu Jong
Verdauungshitze
grosse Unwissenheit im Sinne von: Verblendung / Ignoranz,
Wirkkräfte
Körperenergien: Lung (Wind), Tripa (Feuer), Peken (Schleim)
Sechs Vollkommenheiten
Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen
Rad der Wiedergeburt
Stärken / Qualitäten
kleine Unwissenheit im Sinne von: Anhaftung, Engstirnigkeit
Zorn
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Anhänge / Vorlagen
Anhang 1: Der Medizinbaum
Abb. 2: Thangka Medizinbaum, gesunder und kranker Stamm (Grossformat).
Marianna Neidhart
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Anhang 2: Übersicht Fünf-Elemente-Lehre
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf im Rahmen einer Therapie abgegeben.
Marianna Neidhart
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Anhang 3: Körperenergien / Konstitutionstypen115
Körperenergien
Lung
Tripa
Peken
Arten
 Lebenserhaltendes
Lung: Scheitel
 Aufsteigendes Lung:
Hals
 Durchdringendes
Lung: Herz
 Feuerbegleitendes
Lung: über Nabel
 Abwärts treibendes
Lung: unter Nabel
 Regulierung von
Atmung, Gedanken
 Handlungen (mit
Körper, Rede und
Geist), Sprechen,
Muskelbewegung
 Harmonische
Zirkulation:
Blutkreislauf
 Ausscheiden der
Abfallprodukte
 Schärfung aller
Sinnesorgane
 Ausgewogenes Lung
erhält den Körper in
seiner Gesundheit
 Träger des
Bewusstseins
 (Anm. Verbindung
Körper – Geist)
rau (trocken)
leicht
kühl
subtil
hart (austrocknend)
beweglich
 Verdauendes Tripa:
Dünndarm
 Farbe regul. Tripa: Leber
 Verwirklichendes Tripa:
Herz
 Sehend machendes Tripa:
Auge
 Farbe der Haut klärendes
Tripa: Haut
 Unterstützendes Peken:
Brustkorb
 Zersetzendes Peken:
Magen
 Schmecken machendes
Peken: Zunge
 Zufriedenstellendes
Peken: Kopf/Gehirn
 Verbindendes Peken:
Gelenke
 Verleiht Körper und Geist
Festigkeit
 Verhilft zu Schlaf
 Hält die Gelenke
zusammen
 Unterstützt körperliche
und mentale Toleranz
 Schmiert die Gelenke und
macht den Körper
geschmeidig.
Funktion
Zuständigkeit
Charakteristische
Merkmale
(Eigenschaften des
Körpers)
Konstitutionstypen
115
 Harmonisierung von
Hunger- und Durstgefühl
 Verbesserung der
Verdauung, ganzer
Stoffwechsel
 Erzeugung von
Körperhitze
 Glanz der Haut,
Ausstrahlungskraft
 Stärkung von Mut,
Entschlossenheit und
Intelligenz (Stolz)
ölig
scharf (schnell)
heiss
leicht
übelriechend
reinigend, abführend
feucht
ölig (fest)
kühl (langsam)
schwer
stumpf (langsam)
weich, glatt
fest
klebrig
Lung-Typ
Tripa-Typ
Peken-Typ
 Gebeugte Haltung
 Dünner, bzw. zarter
Körper
 Bläulich gefärbte Haut
 Gesprächig
 Gelenke machen bei
Bewegung knackende
Geräusche
 Leichter Schlaf
 Sie singen, lachen und
streiten gerne
 Lieben Bogenschiessen
 Bevorzugte Nahrung:
süss, sauer, bitter und
scharf
 Vergleich Lung-Typ mit
Tierwelt: Geier,
Krähen und Füchse
 Übermässig Hunger und
Durst
 Haare und Haut gelblich,
Haare schütter (Hitze
verbrennt),
Haut heiss und ölig,
Pigmentflecken
 Intelligent und stolz
 Schwitzen leicht →
schlechter Körpergeruch
 Moderater Reichtum
 Mittelgrosse Statur
(athletisch, muskulös)
 Bevorzugte Nahrung:
süss, bitter,
zusammenziehend, kühle
Wirkung
 Vergleich Tripa-Typ zu
Tierwelt: Tiger, Affen,
böse Geister (aggressiv)
 Kühle Körpertemperatur
(Erde + Wasser)
 Gelenke nicht gut sichtbar
 Übergewichtig
 Hellhäutig
 Aufrechte Körperhaltung
 Können Hunger, Durst,
seelische Qualen und
extreme klimatische
Verhältnisse hervorragend
aushalten
 Schöner Körperbau
 Geniessen Reichtum,
tiefen Schlaf
 Tolerant, grosszügig und
edelmütig
 Bevorzugte Nahrung:
scharf, sauer,
zusammenziehend, raue
Qualität
 Vergleich zur Tierwelt:
Löwen und Elefanten
(Geduld, Toleranz)
PLOBERGER F., Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen, 2012, S. 150 ff., S. 156 ff.
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Anhang 4: Konstitutionstypen-Bestimmung116
Konstitutionstypen
Bestimmung
Lung-Typ
Tripa-Typ
Peken-Typ
Alter
Über 60 Jahre
15-60 Jahre
Bis 13 Jahre
Grösse
W. > 180 cm
M. > 185 cm, gross
160-180 cm
170-185 cm, mittelgross
Bis 160 cm
Bis 170 cm, gedrungen
Statur
Schlank, fein gegliedert
u.U. gebeugte Haltung
Athletisch, muskulös
Gedrungen,
Neigung zu Übergewicht
Wohnort
(ungünstig)
Reizklima
Bergig-kühl
zügig, windig
Heiss
trocken
Feucht
nass
Schlaf
Leichter Schlaf, Neigung
zu Schlaflosigkeit
Evtl. Schlaflosigkeit
Tiefer Schlaf, viel
Probleme beim Aufwachen
Gemüt
Neigt zu Sorgen und
Ängsten
Aggressiv, schnell wütend
gleichgültig
Spontan
Ungeduldig
Sehr geduldig
Rede
Gesprächig
Hitzig
Sprache
Hoch, dünn
Klare Stimme
Unaufmerksam (schwaches
Gedächtnis)
Angenehm, sonor
Haut
Dünn, trocken, rissig,
rau, kalt
Feucht, warm,
Pigmentflecken
Feucht, kalt, weich
Schweiss
Wenig Neigung,
ohne Geruch
Starke Neigung,
stark riechend
Mittelmässige Neigung,
wenig Geruch
Aktivität
Sehr aktiv, schnell
Sicher, langsam
Furcht vor/
mag
Wind, Kälte,
mag Wärme
Sexualität
Lust sehr unterschiedlich
Hobbys
Künstlerische Tätigkeit,
Tanzen
Zielstrebig, motiviert,
dynamisch
Hitze, Sonne,
mag kühle, schattige
Umgebung
Leidenschaftlich, sehr
dominant
Wettkampf, Jagd
Bevorzugte
Nahrung
Bevorzugte Nahrung:
süss, sauer, bitter und
scharf
Bevorzugte (ideale)
Nahrung: süss, bitter,
zusammenziehend, kühle
Wirkung
Bevorzugte Nahrung: scharf,
sauer, zusammenziehend,
raue Qualität
Vergleich Tierwelt
Geier, Krähen und
Füchse
Tiger, Affen, böse Geister
(aggressiv)
Elefanten (Geduld, Toleranz)
Verhaltensweise
116
Kalte Feuchtigkeit,
mag Wärme
Eher weniger Lust, aber
ausdauernd
Faulenzen, Lesen,
Spaziergänge
DUNKENBERGER T., Das Tibetische Heilbuch, 2012, S. 32 ff.
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Anhang 5: Beispiele zu den Grundregeln der tibetischen
Ernährungslehre
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf
im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Anhang 6: Konkrete Beispiele zur Stärkung der
Verdauungshitze
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf
im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Anhang 7: Übersicht Geschmacksrichtungen, Wirkkraft und Vorkommen
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Anhang 8: Übersicht Wirkkräfte und Vorkommen in
Nahrungsmitteln
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf
im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Anhang 9: Die verschiedenen Handlungen und
Vollkommenheiten
Die 10 unheilsamen Handlungen (Untugenden)
Vom



Körper:
Töten
Stehlen
sexuelles Fehlverhalten
Von der Rede:
 Lügen
 Verleumden
 verletzende Rede
 sinnlose Rede
Vom



Geist:
Begierde
Böswilligkeit
Ignoranz / falsche Sichtweise
Die 10 heilsamen Handlungen (Tugenden)
Vom



Körper:
Leben schützen
Freigebigkeit
ethisches sexuelles Verhalten
Von der Rede:
 Wahrheit sprechen
 Vermitteln
 vertrauenswürdig, ehrlich sprechen
 sinnvolles Reden
Vom



Geist:
Entwickeln von Zufriedenheit
Liebe und Mitgefühl
richtige Sichtweise
Die 6 Vollkommenheiten (Paramitas)117






117
Grosszügigkeit
ethisches Verhalten
Geduld
freudige Anstrengung (Fleiss)
meditative Sammlung
Weisheitsgewahrsein
KUNSANG L., Unterricht Paramed Modul Tibetisch Buddhistische Philosophie, 20132015.
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Die „dreizehn richtigen Handlungen“ für ein gesundes
und langes Leben
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf
im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Verhalten bei bestimmten Gelegenheiten
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf
im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Anhang 10: Ernährung und Verhalten als
Krankheitsursache / Therapieansatz
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf
im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Sowa Rigpa – Die Heilkunst vom Dach der Welt
Anhang 11: Die Lu Jong-Übungen118
Die Übungen der fünf Elemente
Nangmo Chu Tung
Wie die Wildgans
Wasser trinkt
Element

Raum
Körperlicher Nutzen

Nützlich bei allen Krankheiten,
einschliesslich Wind-, Galle-, Schleim- und
Blutkrankheiten
Psychischer Nutzen

Geistesgift: Geist

Gegenmittel: Grosszügigkeit

Reine Qualität: Gelassenheit
Energetischer Nutzen

Öffnet Nabel- und Herzchakra
Drogmo Sur Dung
Wie sich der Yak die
Schulter reibt
Element

Erde
Körperlicher Nutzen

Nützlich bei neuen Hitzekrankheiten
Psychischer Nutzen

Geistesgift: Stolz

Gegenmittel: Hingabe

Reine Qualität: innere Ruhe
Energetischer Nutzen

Öffnet das Nabelchakra
Kyangmo Nyel Tab
Wie sich das Wildpferd
schlafen legt
Element

Wind
Körperlicher Nutzen

Nützlich bei Galle- und
Schleimkrankheiten
Psychischer Nutzen

Geistesgift: Eifersucht

Gegenmittel: Wertschätzung, Freude

Reine Qualität: Liebe
Energetischer Nutzen

Öffnet das Herzchakra
Trayi Lung Zin
Wie sich der Falke im
Wind dreht
Element

Feuer
Körperlicher Nutzen:

Alte, unreife Hitzekrankheiten
Psychischer Nutzen

Geistesgift: Wut/Hass

Gegenmittel: Geduld

Reine Qualität: Mitgefühl
Energetischer Nutzen

Öffnet das Nabelchakra
Ling Shi Ta Dril
Wie sich ein neuer
Berg zwischen vier
Kontinenten erhebt
Element

Wasser
Körperlicher Nutzen

Nützliche bei Kälte- und
Schleimkrankheiten
Psychischer Nutzen

Geistesgift: Anhaftung

Gegenmittel: Altruismus

Reine Qualität: Selbstlosigkeit
Energetischer Nutzen

Öffnet das Herzchakra
Abb. 9 – 13 (von oben nach unten).
118
LOBSANG T., Handbuch für Lu Jong Lehrer Tibetan Healing Yoga, 2014, S. 201 ff.
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Die Übungen der fünf Körperteile
Go Yugpa
Den Kopf bewegen
Nutzen

Nützlich bei Kopf- und Nackenproblemen
sowie Kopfschmerzen.

Richtet die Knochen des Kopfes und des
Nackens aus.
Dscha Gö der Zin
Wie der Geier greift
Nutzen

Nützlich für die Gelenke der Hände,
Handgelenke, Ellbogen und Schultern.

Gegen Schmerzen, Schwellungen und
Gefühlsstörungen in diesen Bereichen.

Nützlich bei rheumatischen
Erkrankungen und Arthritis.
Ling Thanze
Ein Dreieck bilden
Nutzen

Nützlich für den oberen Teil des Körpers,
für Probleme im oberen Rücken und in
den Schultern.

Nützlich für Atemprobleme, Asthma,
Husten, Katarrh und Verschleimung der
Atemwege.

Hilft, das Gefühl von Leichtigkeit und
allgemeine Stärke zu steigern.

Hilft bei Appetitlosigkeit.
Dorje Rangkhor
Das drehende Vajra
Nutzen

Nützlich für den unteren Rücken,
insbesondere für den 13. und 14.
Wirbel.
Ngamong Dortab
Wie das Kamel
aufsteht
Nutzen

Nützlich für den unteren Teil des
Körpers und die Gelenke der Hüfte und
Beine.

Nützlich für Arthritis und Arthrose.

Nützlich bei rheumatischen
Erkrankungen, Gelenkschmerzen,
Schwellungen und Gefühlsstörungen in
diesen Bereichen.
Abb. 14 – 18 (von oben nach unten).
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Die Übungen der fünf Vitalorgane
Gegmo Gyewa
Schönheit zeigen
Nutzen

Nützlich für die Nieren.

Nützlich für das Öffnen der Hüften.
Drug Kyang Wa
Den Faden spinnen
Nutzen

Nützlich für das Herz und die
Lebenskanäle (die Hauptadern, welche
im Herzen ihren Ursprung haben).

Nützlich für die Linderung von
Schmerzen in der Brust, im oberen
Rücken und in den Schultern.
Lingbu Bupa
Die Flöte spielen
Nutzen

Nützlich für die Lungen
Rirab La Charwa
Den Berg umarmen
Nutzen

Nützlich für die Milz (Immunsystem ↑)
Luru Dupa
Den Knoten binden
Nutzen

Nützlich für die Leber (Entgiftung).

Hilfreich für die Lungen.

Hilfreich bei Durchfall.
Abb. 19 - 23 (von oben nach unten).
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Die Übungen der sechs Befindlichkeiten
Gyatso Trigpa
Den Ozean bewegen
Nutzen

Nützlich für alle Verdauungskrankheiten.

Nützlich bei Problemen in Zusammenhang
mit Entzündungen, z.B. Arthritis, Rheuma
und Blutkrankheiten.

Hilfreich bei Menschen mit Untergewicht,
Blasen, Wassereinlagerungen,
Hautproblemen.
Sala Nenpa
Sich zum Himmel aufrichten
Nutzen

Nützlich bei Tumoren.

Hilfreich bei Inkontinenz, Durchfall und
Prostata-Problemen.
Baldro
Wie der Frosch läuft
Nutzen

Nützlich für eine Verringerung von
Wassereinlagerungen, besonders in den
Beinen und Knien.
Dschön Sching Dupa
Zwei ineinander
verschlungene Bäume
Nutzen





Chumig
Die Wasserquelle
Nutzen

Nützlich für die Stärkung der Augen und
andere Sinnesorgane.

Reduziert Falten und verjüngt.

Hilfreich bei Kröpfen (Schilddrüse).

Erhöht die Empfindung des Geschmacks.
Norbu Lenpa
Das Wunsch erfüllende
Juwel erhalten
Nutzen

Nützlich bei Depressionen.

Lindert Traurigkeit und Wut.

Verbessert die Stimmung umgehend.
Nützlich bei Kältekrankheiten.
Erhöht niedrige Temperatur in den Nieren.
Erhöht die Körpertemperatur.
Steigert die Energie.
Erhöht die Glückseligkeit.
Abb. 24 - 29 (von oben nach unten).
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Zwei ergänzende Übungen
Nyi Ma Kug Pa
Nicht schlafen können
Nutzen

Hilft dabei, einzuschlafen.
Kale Ka Pa
Nicht wach bleiben
können
Nutzen

Hilfreich, die Wachheit und die
Wachsamkeit zu erhöhen.
Abb. 30 - 31 (von oben nach unten)
Atemübung: Nach jeder einzelnen Übung
Lung Ro Sel
Den Wind der
Abfallstoffe ausatmen
Nutzen

Zur Reinigung: Stauungen des
Windes, Verunreinigungen und
negative Emotionen werden
ausgeatmet.
Abb. 32
Die Atemtechnik des Lung Ro Sel wird nach jeder einzelnen Übung durchgeführt, um den Wind der Abfallstoffe
auszuatmen. Das bewusste Ausatmen nach den Übungen ist von grosser Bedeutung. Damit können alle
Störungen und Stauungen des Windes in den Körperzonen, alle Verunreinigungen und damit auch die negativen
Emotionen hinausfliessen. Wenn wir dies nicht ausreichend tun, verbleiben die verunreinigten Energien in
unserem Körper. Mit der Ausatmung wird ein spezieller Klang im Halschakra gehalten, wodurch die Wirkung
verstärkt wird.
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Anhang 12: Handouts - Therapievorschläge gemäss der individuellen Konstitution
Nahrungsmittel und Verhaltensweise für ein Übermass an Lung
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Nahrungsmittel und Verhaltensweise für ein Übermass an Tripa
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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Nahrungsmittel und Verhaltensweise für ein Übermass an Peken
Diese Übersicht macht eine individuelle Beratung erforderlich und wird bei Bedarf im Rahmen einer Therapie abgegeben.
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