Zwischen Labor und Klinik: Die integrierte Aufgabenstellung 1 des arts-microbioloog Nederlandse Vereniging voor Medische Microbiologie 2 (NVMM), 2012 1V ergleichbar mit dem deutschen Arzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Die Aufgaben entsprechen denen eines Arztes für Klinische Mikrobiologie, Virologie und Krankenhaushygiene. Im folgenden Text wird die niederländische Bezeichnung beibehalten. In der Pluralform wird ausschließlich das Wort „arts“ dekliniert (d.h. artsen-microbioloog) 2 N iederländische Gesellschaft für Medizinische Mikrobiologie. Das ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Medizinischen Mikrobiologie und Infektionsprävention/Krankenhaushygiene, die Vertretung der Berufsgruppe und verantwortlich für die Weiterbildung sowie Schaffung von Standards zur Qualitätssicherung 1 2 Zusammenfassung Die medizinisch-mikrobiologische Versorgung in den Niederlanden ist von hoher Qualität. Das ist auch der integrierten Aufgabenstellung des „ArtsMicrobioloog“ zu verdanken. Er ist im Krankenhaus anwesend und hat Zugang zu einem Krankenhauslabor, das er leitet. Als mitbehandelnder Arzt in der Klinik hat er einen schnellen Zugriff auf ein diagnostisches Arsenal, das ihn bei der effektiven und effizienten Durchführung eines Großteils seiner Tätigkeiten, z. B. seiner klinisch-beratenden Aufgaben, unterstützt. Immer häufiger wird der „Arts-Microbioloog“ in Anspruch genommen, unter anderem aufgrund der erhöhten Komplexität der Behandlungsmethoden und der wachsenden Resistenzproblematik. Das Gegenteil ist auch der Fall: Weil der „Arts-Microbioloog“ im Krankenhaus anwesend ist und somit Kenntnisse über die Situation in der Klinik hat, kann er seine Aufgaben im Labor effektiver und effizienter wahrnehmen. Diese integrierte Aufgabenstellung garantiert Qualität und Sicherheit. Der „Arts-Microbioloog“ erfüllt damit eine wichtige Brückenfunktion zwischen Klinik und Labor. Verschiedene Aktivitäten, die davon profitieren, sind u. a. Diagnostik und deren Rationalisierung, Präventivdiagnostik, Infektionsprävention, Ausbruch-Management, Surveillance, regionale Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst („GGD“), Antibiotika-Beratung und Antibiotic Stewardship3. Dies Letztere umfasst alle auf die Verhütung und Kontrolle von Antibiotikaresistenzen gerichteten Aktivitäten. Dies ist von großer Bedeutung, weil Krankenhäuser in der ganzen Welt zunehmend mit (Ausbrüchen von) Antibiotika-resistenten Bakterien konfrontiert werden. Diese integrierte Aufgabenstellung garantiert Qualität und Sicherheit Die Resistenzsituation in den Niederlanden ist dank der integrierten Aufgabenstellung des „Arts-Microbioloog“ und der vielen Vorteile, die diese mit sich bringt, sicher international gesehen einigermaßen unter Kontrolle. Die heutige Zeit erfordert Maßnahmen, die Kosteneffizienz fördern. Die Kapazitätsvergrößerung (Anm: z.B. mittels zunehmender Zentralisierung) von medizinischmikrobiologischen Laboratorien ist eine davon. Eine solche Maßnahme erfordert in diesem Zusammenhang besondere Vorsicht. Um die klinische Rolle und Lenkungsfunktion des „Arts-Microbioloog“ optimal erfüllen zu können, ist Sorgfalt bei der (Re-)Organisation der medizinisch-mikrobiologischen Versorgung erforderlich. Bei der Vergabe der Diagnostik sollten die folgenden Punkte gewährleistet sein. Zunächst muss der „ArtsMicrobioloog“ das Labor leiten und eng mit dem Stand der Dinge dort befasst sein. Nur dann ist garantiert, dass alle Labortätigkeiten gut auf Entwicklungen (wie z. B. Ausbrüche) im Krankenhaus und in der Region ausgerichtet werden. Zweitens ist es von großer Bedeutung, dass der „ArtsMicrobioloog“ im Krankenhaus vor Ort anwesend ist. So kann er seine Tätigkeiten in der Klinik sofort mit den neuesten Informationen aus dem Labor abstimmen. Dies garantiert den Überblick und somit die solide Zusammenarbeit und schnelle Abstimmung. Für „Artsen-Microbioloog“, die keinem Krankenhaus angegliedert sind, gilt dasselbe. Sie können nur effizient und effektiv arbeiten, wenn sie intensiv an dem Labor und an Einrichtungen beteiligt sind, für die sie arbeiten, wie Pflegeheime und Organisationen für ambulante Versorgung. Wenn dies im Fall von Outsourcing an unabhängige Laboratorien nicht gewährleistet ist, bedroht dies die integrierte Aufgabenstellung, die für die Qualität der medizinisch-mikrobiologischen Versorgung in den Niederlanden so wichtig ist. Der Patient leidet dann am meisten darunter. Der „Arts-Microbioloog“ arbeitet nicht nur für das Krankenhaus, sondern auch für das öffentliche Gesundheitswesen und die medizinische Grundversorgung. Ein stark integriertes landesweites Netzwerk, das auch durch die regionale Zusammenarbeit gestaltet wird, ist für schnelle wirksame Maßnahmen bei Infektionsausbrüchen und der Ausbreitung von resistenten oder nicht resistenten Bakterien äußerst wichtig. Alle Beteiligten arbeiten hart an dieser Zusammenarbeit. Diese ist auch effektiv wegen der regionalen Einbettung von „ArtsenMicrobioloog“ und ihren Laboratorien vor Ort. Darüber hinaus arbeiten „Artsen-Microbioloog“ gemeinsam intensiv an strategische Maßnahmen wie Leitlinien, Audits und Visitationen, um die Qualität und Professionalität der Versorgung zu sichern und zu erhöhen. Auch diese Aktivitäten gedeihen dank der integrierten Aufgabenstellung des „Arts-Microbioloog“. 3 Inhalt Darstellung der Problematik: Chancen und Risiken 1. M it einem Bein im Labor: Sinnvolle und qualitativ gute Labordiagnostik 1.1 Sinnvolle Diagnostik 1.2 Die Ergebnisse 1.3 Epidemiologie 1.4 Surveillance 5 7 2. Mit einem Bein im Krankenhaus: Nahe am Patienten und behandelnden Arzt 10 2.1 Ergebnis Labordiagnostik 2.2 Die Antibiotika-Beratung 2.3 Der Arzt für Infektiologie und der „Arts-Microbioloog“ 2.4 Die Meldepflicht Infektionskrankheiten 2.5 D ie Rolle des „Arts-Microbioloog“ im öffentlichen Gesundheitswesen 3. Strategie des „Arts-Microbioloog“: Infektionsprävention und Antibiotic Stewardship 3.1 Infektionsprävention 3.2 Ausbruch-Management 3.3 Das Ausbruch-Management-Protokoll 3.4 Die Kommission für Infektionsprävention 3.5 Antibiotic Stewardship 4 14 4. Sicherung der Qualität und Sicherheit 4.1 Visitationen und Audits 4.2 CCKL-Auditierung und –Akkreditierung 4.3 Der Qualitätssicherungsplan 4.4 Qualitätsvisitation der Infektionsprävention in Krankenhäusern 4.5 Die Ausbildungsvisitation Medizinische Mikrobiologie 4.6 Leitlinien 4.7 Multidisziplinäre Entwicklung von Leitlinien 18 Schlusswort Liste der Abkürzungen Impressum Literaturverzeichnis 21 22 22 23 Anhang: Das Fachgebiet Medizinische Mikrobiologie 24 Darstellung der Problematik: Chancen und Risiken Eine gute medizinisch-mikrobiologische Versorgung ist wie Wasser aus dem Hahn: selbstverständlich, so scheint es. Aber diese Selbstverständlichkeit ist nur Schein. Wenn sie abhandenkommt, hat dies erhebliche Auswirkungen. Dann fehlen nicht nur eine sinnvolle und sorgfältige Diagnostik, sondern auch die Mitbehandlung, die Strategie und die Versorgung in Bezug auf Infektionsprävention und die kontinuierliche Überwachung der Antibiotika-Strategie. Dies sind nur einige der wichtigen Aufgaben, die der „Arts-Microbioloog“ durchführt. Diese sind auch so miteinander verknüpft, dass sie nicht getrennt voneinander durchzuführen sind. Sie sind Bestandteil der integrierten Aufgabenstellung des „Arts-Microbioloog“. Ohne Diagnostik gibt es keine Infektionsprävention und ohne medizinisch-mikrobiologische Konsultation gibt es keine Überwachung der Antibiotika-Strategie. Der „ArtsMicrobioloog“ hat wie kein anderer den Gesamtüberblick über den gesamten Bereich der Bekämpfung der Infektionskrankheiten, vom einzelnen Patienten bis zu den landesweiten Entwicklungen von Infektionsausbrüchen und dergleichen. Ein Krankenhaus ohne „Arts-Microbioloog“ ist nicht handlungsunfähig, aber undenkbar Der „Arts-Microbioloog“ steht mit einem Bein im Labor und mit dem anderen Bein in der Klinik. Als mitbehandelnder Arzt ist der „Arts-Microbioloog“ der feste Ansprechpartner für viele klinische Disziplinen. Er verfügt über profunde Kenntnisse der Gast-WirtWechselwirkungen und nutzt diese in der Patientenversorgung, während er auf der anderen Seite umfassende Kenntnisse der Labortätigkeiten hat, die erforderlich sind, um Krankheitserreger zu erkennen und in vitro die Wirksamkeit von antimikrobiellen Arzneimitteln zu untersuchen. Der „Arts-Microbioloog“ schlägt eine Brücke zwischen Labor und Klinik, indem er als mitbehandelnder Arzt aktiv an der Prävention und Erkennung von Infektionskrankheiten beteiligt ist. Die Aufsichtsbehörde für die Gesundheitsversorgung (Inspectie voor Gezondheidszorg: IGZ) hat festgestellt: Diese Brückenfunktion ist unverzichtbar für eine sichere Patientenversorgung (IGZ 2008). Ein „ArtsMicrobioloog“ ohne Labor ist handlungsunfähig und dies hat schwerwiegende Folgen für die Qualität der medizinisch-mikrobiologischen Versorgung in den Niederlanden. Ein Krankenhaus ohne „Arts-Microbioloog“ ist nicht handlungsunfähig, aber undenkbar. Die Niederländische Gesellschaft für Medizinische Mikrobiologie (Nederlandse Vereniging voor Medische Microbiologie, NVMM) gibt mit dieser Veröffentlichung einen Überblick über die integrierte Aufgabenstellung des „Arts-Microbioloog“ und die vielen Vorteile dieser Integration. Wir sind der Auffassung, dass es nicht genügend Einblick in den Beruf und das Fachgebiet gibt, insbesondere in der Art und Weise, in der die Aktivitäten des „ArtsMicrobioloog“ in verschiedenen Bereichen zwangsläufig miteinander verbunden sind. Wir möchten hier demonstrieren, dass diese Kohärenz wichtig ist für die Qualität und Effektivität der Gesundheitsversorgung in den Niederlanden, wenn es um die Bekämpfung von Infektionskrankheiten geht. Obwohl die integrierte Aufgabenstellung für die öffentliche Gesundheit in weitestem Sinne von großer Bedeutung ist, legen wir hier den Schwerpunkt auf zwei der jüngsten Entwicklungen: den Ruf nach manchmal extremen Zentralisierung in Großlabors der Labordiagnostik, durch die eine Integration der Aufgabenstellung gefährdet wird, und die besorgniserregende Zunahme von Antibiotikaresistenzen. In dem Bericht von KPMG Plexus „Business Case Eerstelijnsdiagnostiek“ (KPMG Plexus 2010) wird behauptet, dass die Labordiagnostik in einer Handvoll großer Labo- 5 ratorien gebündelt werden könnte und sollte. Abgesehen von der Frage, ob Mega-Laboratorien kosteneffektiv sind (siehe z. B. School 2012), kann eine solche Zentralisierung katastrophale Folgen für die medizinischmikrobiologische Versorgung haben. Der „Arts-Microbioloog“ wird dann in bestimmten Fällen entweder im Krankenhaus oder im Labor tätig sein und dadurch weder einen Überblick über noch einen Einfluss auf beide stark miteinander verflochtenen Bereiche haben, in denen er seinen Beruf ausübt. In Deutschland sind die Folgen einer radikalen Kapazitätsvergrößerung und somit der Wegfall des „Arts-Microbioloog“ als Dreh- und Angelpunkt zwischen Labor und Klinik zu beobachten. Diagnostik wird dort auf Preisbasis eingekauft. Dies bedeutet, dass die Bakteriologie an Labor 1, die Parasitologie an Labor 2 und die Virologie an Labor 3 vergeben nicht nur häufiger auftreten, sondern auch schneller zu Infektionen führen als im Falle von Infektionen durch sensible Bakterien. Die größte Auswirkung auf die gesamte Gesundheitsbelastung wird somit durch die Verringerung der Anzahl der Antibiotika-resistenten Krankheitserreger erzielt. Dies ist beispielsweise durch die Einschränkung des Einsatzes von Antibiotika zu verwirklichen oder dadurch dass auf Antibiotika-resistente Bakterien ausgerichtete Infektionspräventions-massnahmen wie frühzeitiger Nachweis und Isolierungsmaßnahmen, verbessert werden. Der „Arts-Microbioloog“ spielt eine zentrale Rolle in der Verhütung und Bekämpfung von (multi-)resistenten Bakterien mit Hilfe von (Präventiv-)Diagnostik, Entscheidungsfindung, klinische Konsultationen und Überwachung der Antibiotika-Strategie (Antibiotic Stewardship). Der „Arts-Microbioloog“ spielt eine zentrale Rolle bei der Verhütung und Bekämpfung von (multi-)resistenten Bakterien werden. Dies kann zu einem gefährlichen Mangel an Überblick führen, insbesondere, wenn der „Arts-Microbioloog“ nicht mehr in der Klinik anwesend ist. Infektionsausbrüche wie die von EHEC-O104 oder Klebsiella pneumoniae-ESBL werden dadurch nicht frühzeitig festgestellt und geraten außer Kontrolle. Auch anderswo in Europa ist man skeptisch, was die Pläne für große zentralisierte „Off-site Microbiological Laboratories“ und ihrer Fähigkeit betrifft, bei Infektionsausbrüchen schnell einzugreifen (Humphreys 2010). Kurze Kommunikationswege im Bereich der Infektionskrankheiten sind wichtig, damit der „Arts-Microbioloog“ optimal funktionieren kann. Die Auflösung dieser kurzen Wege aufgrund einer unreflektierten Form der Zentralisierung in Großlabors ist insbesondere im Licht der folgenden Entwicklung besorgniserregend. In Krankenhäusern gibt es zunehmend Ausbrüche von Antibiotika-resistenten Bakterien, welche oft durch fakultativ pathogene Mikroorganismen verursacht werden: Mikroorganismen, die eine akute Gesundheitsgefährdung darstellen, vor allem für Patienten mit einer verminderten Widerstandsfähigkeit. Dies ist somit ein wachsendes Problem in einer alternden Gesellschaft. Die Häufigkeit der im Krankenhaus erworbenen Blutstrominfektionen, die sogenannten nosokomialen Bakteriämien, verursacht durch Antibiotika-resistente Krankheitserreger, hat in der letzten Dekade rasant zugenommen: ein Anstieg von 26 % pro Jahr, verglichen mit einem jährlichen Anstieg von 3 % der Antibiotikasensiblen Mikroorganismen (Ammerlaan 2010). Das ist ein Zeichen dafür, dass diese resistenten Bakterien 6 Die Durchsetzung und Stärkung dieses Beitrags ist eine wichtige Voraussetzung für die Fortsetzung der sehr erfolgreichen niederländischen Strategien gegen die Einschränkung der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Die NVMM ist eine sehr aktive Gesellschaft, auch wenn es um Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung geht und somit Triebfeder hierfür. Wir nutzen diese Gelegenheit nicht nur, um einen Überblick über den komplexen und dynamischen Bereich zu vermitteln, den die Medizinische Mikrobiologie darstellt. Mit Wissen um Kompetenz kommt die Einsicht und deshalb sprechen wir auch geeignete Empfehlungen aus. Eine gute medizinisch-mikrobiologische Versorgung ist nicht selbstverständlich, aber wie Wasser zum Leben von entscheidender Bedeutung. 1. Mit einem Bein im Labor: Sinnvolle und qualitativ gute Labordiagnostik Die Hauptaufgabe des medizinisch-mikrobiologischen Laboratoriums ist der Nachweis von Krankheitserregern bei Patienten mit Infektionen und der Nachweis von Mikroorganismen, die Infektionspräventionsmaßnahmen erfordern. Mikroorganismen werden identifiziert, typisiert und es wird die Sensibilität gegenüber antimikrobiellen Mitteln festgestellt. Die Diagnostik muss in einem dafür gut ausgestatteten und durch CCKL oder RvA akkreditierten Labor erfolgen. Die Akkreditierung bietet u. a. Garantien für die Qualität der Diagnostik: Die Techniken werden mit validierten Laborgeräten und durch qualifiziertes Personal korrekt und schnell durchgeführt. Damit wird das Risiko von falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen minimiert. Die Durchführung einer qualitativ hochwertigen Labordiagnostik ist ein wichtiger technischer Bestandteil des Weges, die zwischen dem Eingang der Diagnostikanfrage und dem Ausdruck der Ergebnisse liegt. Die technologische Entwicklung in der medizinischmikrobiologischen Labordiagnostik verläuft schnell. Das ist eine gute Sache. Aber nicht alles, was möglich ist, ist klinisch sinnvoll oder kosteneffizient. Es ist die Aufgabe des „Arts-Microbioloog“, mit seinen fundierten Technologiekenntnissen die richtigen Entscheidungen zu treffen, nicht nur in Hinblick auf die Interessen des Patienten, sondern auch in Hinblick auf die Kosten. 1.1 Sinnvolle Diagnostik Der Mehrwert des „Arts-Microbioloog“ liegt zugleich in der Phase, die den diagnostischen Tätigkeiten vorangeht. Der „Arts-Microbioloog“ muss zunächst dafür sorgen, dass das für die Diagnostik vorgelegte Patientenmaterial geeignet ist, indem er eine gute Beziehung zu den Einsendern unterhält und sie informiert. So muss der Einsender wissen, ob bei einer bestimmten Fragestellung Sputum oder Speichel eingesandt werden muss und ob statt eines Hautabstrichs eine Punktion vorzunehmen ist. Auch hat er Kenntnis von den Möglichkeiten, die eine Schnelldiagnostik für eine gezielte Behandlung von Infektionskrankheiten bereitstellt. Zweitens sollte die Fragestellung eindeutig sein, sodass weder Zeit noch Material für die Untersuchung vergeudet werden, die der Einsender nicht beabsichtigt hat. Um Missverständnisse zu vermeiden, ist u. a. eine einheitliche Sprache wichtig (Thijsen 2011). Es muss klar sein, was mit bestimmten Begriffen gemeint ist, sodass jeder , der in den Prozess einbezogen ist, diese Begriffe gleich auslegt. Drittens kann es auch sein, dass Diagnostik angefordert wird, die für die Beantwortung der Fra- gen überhaupt nicht sinnvoll ist. Dies kommt häufiger vor. Der „Arts-Microbioloog“ hat hier eine Torwächterfunktion: Er verhindert, dass für irrelevante Aktivitäten Zeit, Geld und Energie verschwendet werden. Schließlich ist der „Arts-Microbioloog“ auch dafür verantwortlich, die Folgediagnostik zu initiieren, wenn dazu aufgrund seiner beruflichen Beurteilung Anlass besteht. Ein unzureichender Respons bei einer Infektion der Herzklappe kann z. B. auf eine Abszessbildung hinweisen. Das Vorkommen von Streptococcus bovis kann auf einen Tumor im Dickdarm hinweisen. Es ist diese Art von Erkenntnissen, die verloren geht, wenn sie durch modifizierte Bedingungen nicht zu den Einsendern gelangt, mit all seinen Konsequenzen. 1.2 Die Ergebnisse Die relevanten Ergebnisse werden von dem „ArtsMicrobioloog“ interpretiert und gehen dem Einsender, begleitet von einer Stellungnahme oder nicht, wieder zu. Als Facharzt weiß er wie kein anderer, wann eine Stellungnahme einen entscheidenden Mehrwert hat, wenn z. B. eine Bakterie im Blut vorgefunden wird. Auch Angaben dazu, welche Art von Antibiotikum zu welchem Zeitpunkt eingesetzt werden soll, sind ein Beispiel für eine wichtige klinische Konsultation. Es ist wichtig, dass der „Arts-Microbioloog“ als letztendlich Verantwortlicher das Labor so organisieren kann, dass dem Einsender möglichst schnell klinisch relevante Daten gemeldet werden. Je kürzer die Reaktionszeit, desto größer die Auswirkung der Diagnostik auf die Behandlung. Auf der Grundlage guter klinischer Informationen kann der „Arts-Microbioloog“ dem Einsender auch vorläufige Ergebnisse mitteilen. Die Labordiagnostik führt auch zu Ergebnissen, die nicht relevant sind. Weil in den angebotenen Materialien beinahe immer Mikroorganismen nachgewiesen werden können, die zur normalen Haut- oder Darmflora gehören, kann der „Arts-Microbioloog“ sich bewusst dafür entscheiden, das Vorkommen von mehreren Mikroorganismen aus Fäzes oder Rachen nicht zu melden. Die Ausarbeitung der Informationen über alle ungefährlichen Bakterien und einzusetzenden Antibiotika würden 7 die Kosten unnötig in die Höhe treiben. Und noch wichtiger: Es würde zu Unrecht den Eindruck erwecken, dass dies von großer Bedeutung ist. Selbstredend ist die Ausarbeitung von dem klinischen Bild des einzelnen Patienten abhängig. Bei Patienten mit einer schlechten Abwehr, z. B. Leukämie-Patienten, die sich einer Chemo-Therapie unterzogen haben, kön- zwei Möglichkeiten unterscheidet. Diesen Unterschied macht er durch eine (Geno-)Typisierung der ursächlichen Mikroorganismen: Durch eine Genotypisierung, einer DNA-Analyse der Bakterie, können Bakterien, die gleich zu sein scheinen, dies aber möglicherweise nicht sind, weiter charakterisiert werden. Der „Arts-Microbioloog“ berücksichtigt bei diesem Prozess auch die nen von Natur aus vorhandene Bakterien eine Gefahr darstellen. Der „Arts-Microbioloog“ ist mit seinen professionellen Erkenntnissen daher ein unentbehrlicher Berater, wenn es um die Durchführung von Labordiagnostik und die Interpretation der Ergebnisse geht. finanziellen Konsequenzen, wie die eventuell unnötige vorübergehende Schließung von Abteilungen. 1.3 Epidemiologie Neben Diagnostik auf Anfrage von Einsendern wird im Labor auch Präventivdiagnostik durchgeführt. Regelmäßig findet ein Anstieg von bestimmten resistenten oder nichtresistenten Mikroorganismen statt: Es ist mehr als die übliche Anzahl von Patienten mit einer bestimmten Bakterie infiziert. Zunächst muss im Labor festgestellt werden, ob einzelne Infektionsfälle vorliegen oder ob es sich um die Verbreitung ein und desselben Stamms handelt. In diesem letzten Fall sind Isoliermaßnahmen angezeigt und es muss untersucht werden, wie die Verbreitung erfolgt ist und wie dieser Einhalt geboten werden kann. Handelt es sich jedoch um einzelne Infektionsfälle, sind keine oder andere Maßnahmen erforderlich. Es ist von großer Bedeutung, dass der „Arts-Microbioloog“ wegen der potentiell großen Gesundheitsrisiken für die infizierten Patienten und für die Personen, die noch nicht infiziert sind, zwischen diesen 8 Bei Infektionsausbrüchen muss ein Labor in der Lage sein, eine sprunghaft gestiegene Menge von diagnostischem Material zu verarbeiten oder zügig eine neue Diagnostik entwickeln und implementieren zu können. Hier kann man z. B. an die rezente VREB-Problematik in einigen niederländischen Krankenhäusern denken. Als letztendlich verantwortlicher Leiter und inhaltlicher Sachverständiger kann der „Arts-Microbioloog“ dafür sorgen, dass sich das Labor flexibel auf solche Ereignisse einstellen kann, die häufig große finanzielle und mediale Konsequenzen für das Krankenhaus haben. Epidemiologische Informationen werden u. a. durch eine vorbeugende Detektion einer mikrobiellen Kolonisation von Risikopatienten erlangt. Das heißt, dass bei Patienten mit einem höheren Infektionsrisiko vorbeugend Blutkulturen angelegt werden, um zu sehen, was genau vorliegt. Eine anti-mikrobielle Therapie kann auf diese Weise auf das bei einem bestimmten Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt vorliegende Arten- und Sensibilitätsmuster abgestimmt werden. Häufig ist es erforderlich, wiederholte Analysen vorzunehmen, weil sich die Anzahl der Arten der Mikroorganismen während des Infektionsverlaufs sowie auch ihre Sensibilität ändern können. Der „Arts-Microbioloog“ hat aufgrund seiner Stellung im Krankenhaus einen ausgezeichneten Überblick über die Patientenpopulation und darauf, welche Infektionsart regelmäßig oder sporadisch vorkommt. Dadurch befindet sich der „Arts-Microbioloog“ in der einzigartigen Lage, einen Infektionsausbruch schnell feststellen zu können. Die niederländische medizinisch-mikrobiologische Forschung schneidet gut ab Eine der Aufgaben des „Arts-Microbioloog“ ist die Durchführung wissenschaftlicher Forschung. Medizinische Mikrobiologie ist ein typisches Wissensgebiet mit rasanten Entwicklungen. Daher hat die NVMM nicht nur „Artsen-Microbioloog“ als Mitglieder, sondern auch Forscher. Dies erleichtert weitestgehend den Wissensaustausch zwischen Wissenschaftlern und Klinikern. Wenn wir uns sowohl die Menge der wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf dem Fachgebiet der medizinischen Mikrobiologie als auch die Häufigkeit der Erwähnung dieser Veröffentlichungen durch andere Wissenschaftler weltweit ansehen (durch Berechnung des sogenannten h-Index), stehen die Niederlande weltweit auf einem geteilten dritten/vierten Platz. Nur die Vereinigten Staaten und Großbritannien leisten mehr (Kroes 2009). Dies bedeutet, dass die niederländische medizinisch-mikrobiologische Forschung aus internationaler Sicht von sehr hohem Niveau ist. 1.4 Surveillance Seit 2008 werden Daten in Bezug auf klinisch und epidemiologisch relevante Mikroorganismen, die eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen, in ISIS-AR (Infektionskrankheiten-Surveillance-Informationssystem – Antibiotikaresistenz) gesammelt. Das System konzentriert sich spezifisch auf Mikroorganismen, die wegen der Entwicklung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen bedrohlich sind. Über die interaktive Website ISIS-web (www.isis-web.nl) sind diese Daten auf verschiedenen Ebenen für die Öffentlichkeit, den Fachmann und die beteiligten Laboratorien einzusehen. Die Daten sind außerdem auf Landesebene, je nach Art des Krankenhauses, je nach Abteilungstyp usw. einsehbar. ISIS-web ist eine gemeinsame Initiative der NVMM und der Cib-RIVM (Zentrum zur Bekämpfung von 5 An ISIS-web5 beteiligte Laboratorien erhalten monatlich ein Feedback hinsichtlich der festgestellten besonderen Resistenzmuster Infektionskrankheiten/staatliches Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt) und ist Eigentum der NVMM. Derzeit sind 25 medizinisch-mikrobiologische Laboratorien angeschlossen. Die teilnehmenden Laboratorien haben Zugang zu dem geschlossenen Teil von ISIS-web und können hier ihre Daten anonym mit den Daten der anderen Teilnehmer vergleichen. In den letzten Jahren wurden ISIS-AR und ISIS-web nicht nur wichtige Surveillance-Systeme. Sie bilden auch ein Portal für die Situation von Antibiotikaresistenzen in den Niederlanden. Teilnehmende Laboratorien erhalten monatlich hinsichtlich der entdeckten besonderen Resistenzmuster ein Feedback. Sollten beispielsweise Carbapenemase-resistente Enterobacterieae (CRE) unbemerkt bleiben (gegen alle gängigen Antibiotika resistente Bakterien), gibt ISISAR/ISIS-web sofort eine Warnung heraus. Auch wird nach der Richtigkeit dieser Feststellung gefragt und nach eventuellen Bestätigungstests, sollten diese nicht vorgenommen worden sein. In Kürze werden Standardberichte verfügbar sein, in denen ein Überblick über die wichtigsten Resistenzen hinsichtlich der relevanten Kriterien (Art des Krankenhauses, Patientenmix und Abteilung) gegeben wird. Die beteiligten Krankenhäuser können auf diese Weise sofort sehen, ob es in ihrem Krankenhaus ein Resistenzproblem gibt. Wie wir zuvor lesen konnten, sind die Aktivitäten des „Arts-Microbioloog“ im Labor nicht isoliert. Seine Aufgaben im Labor kann er effizient und effektiv ausführen, weil er Kenntnis davon hat, was sich im Krankenhaus abspielt. Auf der Grundlage dieser Informationen kann er außerdem Einfluss auf das Labor ausüben, sodass sich das Labor den Wünschen des Krankenhauses flexibel anpasst. Wenn diese Informationen verloren gehen oder durch veränderte Umstände nicht mehr vollständig sind, beeinträchtigt dies direkt die Qualität der Arbeiten im Labor und somit die Qualität der medizinisch-mikrobiologischen Versorgung in den Niederlanden. Niederländisches Resistenzüberwachungssystem 9 2. Mit einem Bein im Krankenhaus: Nahe am Patienten und behandelndem Arzt In den letzten 30 Jahren ist die Bedeutung der klinisch beratenden Funktion des „Arts-Microbioloog“ stark gestiegen. Dies ist auf einige Entwicklungen zurückzuführen. Erstens ist das diagnostische Arsenal der medizinischen Mikrobiologie (insbesondere der Molekulardiagnostik) stark gewachsen. Zweitens hat sich die Komplexität der infektiologischen Problematik sehr vergrößert. Dies ist die Folge moderner und intensiver Behandlungstechniken wie Knochenmarktransplantationen, Herztransplantationen und die Behandlung mit immunmodulierenden Substanzen (z. B. anti-TNF). Bei diesen Patienten sind die Abwehrkräfte dermaßen vermindert, dass sie durch ihre eigenen natürlich vorkommenden Mikroorganismen erkranken und in Ermangelung eines gut funktionierenden Immunsystems nicht die normalen Symptome entwickeln. Und drittens sind wie gesagt die bakteriellen (Multi-)Resistenzen gegen Antibiotika gestiegen (SWAB 2011). Wegen dieser Entwicklungen besteht bei dem behandelnden Arzt des Patienten ein zunehmender Bedarf an Beratung durch den „Arts-Microbioloog“ in Sachen Diagnostik und Behandlung. In einem großen Krankenhaus wird ein „Arts-Microbioloog“ Dutzende Male täglich telefonisch oder während einer Abteilungsvisite konsultiert. Außerdem regt der „Arts-Microbio- 10 loog“ selbst auch viele Konsultationen an, wenn dafür auf der Grundlage bestimmter Laborergebnisse ein Anlass besteht. 2.1 Ergebnis der Labordiagnostik Ergebnisse der Laboruntersuchungen werden dem Einsender bekanntgegeben, häufig begleitet von einer therapeutischen Empfehlung. In Abschnitt 1.1 sind wir bereits auf diese Materie eingegangen. Wir möchten noch das Folgende ergänzen. Diese Konsultationen werden in nahezu allen Krankenhäusern digital festgehalten, sodass sie von Kollegen herangezogen werden können. Sie müssten vorzugsweise auch in dem elektronischen Patientendossier (EPD) für behandelnde Spezialisten einsehbar sein. Dieses Fehlen lässt nämlich die Fachärzte über die gewünschte Behandlung von Patienten im Unklaren, insbesondere deshalb, weil Empfehlungen des „Arts-Microbioloog“ zunächst häufig auf vorläufigen Zwischenergebnissen basieren. 2.2 Die Antibiotika-Beratung In einem allgemeinen Krankenhaus werden an durchschnittlich 30 % der aufgenommenen Patienten an einem willkürlichen Tag Antibiotika verabreicht. Dies geschieht beispielsweise, um eine Infektion zu verhindern, um eine nachgewiesene Infektion zu bekämpfen oder um einer möglichen Infektion Einhalt zu gebieten, die noch nicht nachgewiesen wurde, deren Symptome aber schon aufgetreten sind. Es ist die Aufgabe des „Arts-Microbioloog“, diesen Prozess zu überwachen. Er verwendet hierfür Laborinformationen, u. a. über den einzelnen Patienten, den Patientenmix in seinem spezifischen Krankenhaus und Informationen über die Kleinraumepidemiologie der Mikroorgansimen im eigenen Krankenhaus. Die Risiken, die Patienten im Krankenhaus bedrohen, sind sehr unterschiedlich, ebenso wie die Art und Weise, wie sich Infektionen manifestieren und ausbreiten. Diese Vielfalt der Risiken hat mit den Prioritäten der Versorgung und der Art der Abteilung zu tun. Es gibt große Unterschiede z. B. zwischen einer Intensivstation, einem Krebs- und Transplantationszentrum und der Abteilung Pädiatrie. Der „Arts-Microbioloog“ verfügt aufgrund seiner Spezialisierung über diese Kenntnisse und hat außerdem direkten Zugang zum Labor und wird von diesem unterstützt. Es ist wichtig, im Hinblick auf die Entwicklung der Resistenz-problematik ständig den Finger am Puls zu haben. Letzteres hängt sowohl vom Typ des anfälligen Patienten als auch von dem lokalen Einsatz von Antibiotika ab. Eine rechtzeitige Intervention in (geltenden) Behandlungsabläufen bei neu auftauchenden Bakterienarten und bei Insensibilität gegenüber den üblichen Mitteln kann Leben retten und verhindert eine Ausbreitung im Krankenhaus. Auch ist es die Aufgabe des „Arts-Microbioloog“, einzugreifen, wenn unnötigerweise Mittel verschrieben werden oder wenn Mittel gerade als Reserve aufzubewahren sind. Um dies erreichen zu können, wird die Überzeugungskraft aufgrund der bewährten Kompetenz und Persönlichkeit sowie des Vertrauens der anderen Fachärzte benötigt. Der „Arts-Microbioloog“ muss daher unter dem Personal im Krankenhaus eine bekannte Persönlichkeit sein. 2.3 DDer Arzt für Infektiologie und der „Arts-Microbioloog“ Ärzte für Infektiologie sind in Innerer Medizin ausgebildet. Sie nähern sich ihren Patienten in der Regel auf eine klassische symptom- und organorientierte Weise. Ihr Fokus liegt auf der klinischen Erkennung von spezifischen Infektionen, die durch verschiedene Mikroorganismen (z. B. Varizella, HBV und HIV) verursacht wurden. Ärzte für Infektiologie wenden dabei die Diagnostik des medizinisch-mikrobiologischen Laboratoriums als unentbehrlichen Bestandteil einer breiten Palette von diagnostischen Informationen an (Klinische Chemie, Ra- diologie, Pathologie), um zu einer Diagnose zu gelangen und einen Behandlungsplan zu erstellen. Die Diagnostik orientiert sich an den direkten (durch Mikroskopie und Blutkultur) oder indirekten (durch die Molekularbiologie oder Serologie) Nachweisen von spezifischen Mikroorganismen in Serum, Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Wenn eine Therapie verfügbar ist, konzentriert sich diese auf den nachgewiesenen Mikroorganismus. Die Vorbeugung von Infektionskrankheiten durch den Arzt für Infektiologie liegt gewöhnlich auf dem Gebiet der Immunisierung. Der Arzt für Infektiologie und der „Arts-Microbioloog“ ergänzen sich gut in der Klinik, vor allem, wenn es um Patienten mit komplizierten medizinischen Problemen geht. In diesen Fällen wird der Arzt für Infektiologie nicht nur das Labor konsultieren, sondern auch den „Arts-Microbioloog“ in seiner beratenden Funktion, z. B. wenn es sich um eine Resistenz und deren zugrunde liegenden Mechanismen oder um die Beratung über Alternativtherapien handelt. Der „Arts-Microbioloog“ muss unter dem Personal im Krankenhaus eine bekannte Persönlichkeit sein 2.4 Die Meldepflicht bei Infektionskrankheiten Die Meldepflicht bei Infektionskrankheiten ist in dem niederländischen Gesetz zur öffentlichen Gesundheit (WPG) festgelegt. Behandelnde Ärzte, Leiter von Einrichtungen, in denen sich anfällige Personen aufhalten, und Laborleiter müssen den niederländischen Gesundheitsämtern (GGD) 42 verschiedene Infektionskrankheiten melden, die die anonymisierten Daten an das Zentrum zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten (Cib) bei dem staatlichen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (Rijksinstitut voor Volksgezondheid en Milieu: RIVM) weiterleiten. Der GGD benutzt die Informationen, um Maßnahmen zur Bekämpfung ergreifen zu können und um die Quelle (z. B. eine durch Lebensmittel bedingte Infektion) ebenso wie die Menschen, die mit einer kranken oder infizierten Person Kontakt hatten, ausfindig zu machen. Außerdem können Medikamente und Hygieneberatung auf der Grundlage dieser Informationen vorbeugend verordnet werden. Auch zusätzliche Diagnostik kann angefordert werden. Das RIVM verwendet die Informationen für die Überwachung (Surveillance) und für die Beurteilung der Wirksamkeit von Impfungen. In besonderen Fällen, wenn die Möglichkeit besteht, dass sich die Krankheit 11 W Q-Fieber: Wirksame Gegenmaßnahme durch die Medizinische Mikrobiologie Um Pfingsten 2007 gingen die ersten Meldungen über eine Erkrankungswelle ein, die sich später als Q-Fieber herausstellte. Das war der Anfang der bisher weltweit größten Q-Fieber-Epidemie. Viele Krankheitsfälle und leider auch Tote waren die Folge. Was war dabei die Rolle des „Arts-Microbioloog“? Kurz vor dem Pfingstwochenende meldete ein „Arts-Microbioloog“, entsprechend der Meldepflicht für Infektionskrankheiten, dem GGD, dass zwei Personen aus derselben Familie mit einer schweren Atemwegsinfektion im Krankenhaus aufgenommen worden waren. Daraufhin wurde im medizinisch-mikrobiologischen Labor festgestellt, welcher Krankheitserreger für diese Infektion verantwortlich war und in welchem Stadium sich die Krankheit der Patienten befand. Bei dieser Epidemie mussten außerdem durch den enormen Anstieg der Anzahl der Diagnostikanfragen der Personaleinsatz und die tägliche Routine stark angepasst werden. Durch die NVMM und das RIVM wurde die Arbeitsgruppe „Diagnostik Q-Fieber“ gegründet, in der zwischen den „Artsen-Microbioloog“ eine Übereinstimmung über die diagnostischen Möglichkeiten und Einschränkungen, die Auslegung und die Meldepflicht von akutem Q-Fieber erzielt wurde. Die Zusammenarbeit mit den Ärzten für Infektionskrankheiten des GGD war für die Weiterbildung aller Beteiligten und für die Aufzeichnung der Krankheitsfälle dringend erforderlich. Bei der Q-Fieber-Epidemie hat sich die Bedeutung des „Arts-Microbioloog“ im öffentlichen Gesundheitswesen daher sehr deutlich gezeigt. international ausbreitet, benachrichtigt das RIVM die World Health Organization (WHO). Der „Arts-Microbioloog“ ist der Erste, der eine Infektionskrankheit wahrnimmt, und der Erste, der in der Lage ist, Zusammenhänge zwischen mehreren Fällen herzustellen. Wenn er jedoch nicht an der Klinik tätig ist , ein mögliches Szenario, hat er wenig oder keine Kenntnisse von dem klinischen Bild, das zu dem betreffenden Muster gehört. Es besteht dann eine Wissenslücke. Und ebenso beunruhigend: Es fehlt dann die Infrastruktur, um Signale der betreffenden Infektionskrankheiten zu untersuchen. Eine gute Infrastruktur ist eine Infrastruktur, die durch Konsistenz gekennzeichnet ist: Die verschiedenen Laboratorien nehmen auf der Grundlage derselben Kriterien eine Meldung vor. Nur dann entsteht ein vollständiges und zuverlässiges Bild der Ausbrüche. Dafür ist also eine strikte Abstimmung unverzichtbar. 2.5 Die Rolle des „Arts-Microbioloog“ im öffentlichen Gesundheitswesen Die Arbeit der „Artsen-Microbioloog“ und der medizinischmikrobiologischen Laboratorien ist ein wesentlicher Pfeiler in der Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Durch Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit (ungefähr seit 1999) ist die Einsicht gewachsen, dass die Gefahr von Infektionskrankheiten unterschätzt wird und dass eine Form der Lenkung erforderlich ist, die sicherstellt, dass eine landesweit flächendeckende Vernetzung von mikrobiologischer Expertise verfügbar ist und bleibt. Die Bedeutung eines solchen Netzwerks für eine erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten wird allseits hervorgehoben, durch die Gesundheitsbehörden in den 12 Empfehlungen des „Eindverslag versterking infrastructuur infectieziektebestrijding en technische hygiënezorg“ (2004), durch die NVMM in dem Vermerk „Verbetering samenwerking MM-lab, de GGD en het Cib“ (2004), durch das Cib in dem „Strategisch beleidsplan 2005-2009“ (2005) und durch die Aufsichtsbehörde für das Gesundheitswesen (IGZ) in dem Bericht „Revitalisering Streeklaboratoria“ (1997). Die Niederlande haben sich, z. B. im Gegensatz zu England, wo staatlich finanzierte Public Health Laboratoria im Einsatz sind, dafür entschieden, für die Bekämpfung der Infektionskrankheiten medizinisch-mikrobiologische Laboratorien und „Artsen-Microbioloog“ einzusetzen, die im Gesundheitswesen tätig sind. An die Stelle der alten regionalen Laboratorien, in denen Diagnostik des öffentlichen Gesundheitsdienstes (OGZ) durch den Staat (RIVM) finanziert wurde, sind nun bestehende mikrobiologische Laboratorien (MML) mit einer OGZ-Funktion getreten: die sogenannten OGZ-Laboratorien. Diese OGZ-MML haben Vereinbarungen mit Gesundheitsämtern (GGD), die ein Budget verwalten, in dem die Bekämpfung der Infektionskrankheiten, auch bei Infektionsausbrüchen, geregelt wird. Die „Artsen-Microbioloog“ spielen bei dieser Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle. Sie registrieren im Labor einen auffälligen Anstieg bestimmter Infektionskrankheiten und können auf deren Grundlage die Ärzte für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim GGD warnen und gegebenenfalls auch landesweit bei dem Cib/ RIVM Alarm schlagen. Beispiele dafür sind Legionellen. Bei einem lokalen Ausbruch von Kindbettfieber oder einer Salmonellen-Epidemie – diese Infektionen werden im Labor festgestellt - erfolgt nach der Meldung eine Quellenund Kontaktermittlung durch die GGD. Manchmal ist eine Koordination auf landesweiter Ebene notwendig: wie bei Wenn die Grunddiagnostik durch die Vergabe an große Fusionslaboratorien zu einer Fragmentierung führt, beeinträchtigt das den Überblick. Wenn die Grunddiagnostik durch die Vergabe an große Fusionslaboratorien zu einer Fragmentierung führt, beeinträchtigt das den Überblick. Wenn dieses Netzwerk wegfällt, fallen „ArtsenMicrobioloog“ weg und wird ein Infektionsausbruch nicht frühzeitig erfasst und kann außer Kontrolle geraten. der Einfuhr der Schweinegrippe (Influenza-Virus A H1N1), dem Q-Fieber-Ausbruch oder dem Ausbruch von EHEC O104 in Deutschland, bei dem kontaminierte Lebensmittel als Infektionsquelle angegeben wurden. Die Tatsache, dass solche Ausbrüche in den Niederlanden relativ frühzeitig registriert und bekämpft werden können, hängt mit der Organisation und der lokalen sowie regionalen Einbettung von „Artsen-Microbioloog“ und ihrem MML zusammen. Der Überblick in der Region, der sich durch die Vernetzung in einen landesweiten Überblick ausdehnt, ist der Struktur zu verdanken, mit der einzelne OGZ-Laboratorien das diagnostische Gesamtpaket für einen GGD betreuen. Wenn der „Arts-Microbioloog“ als Spinne in diesem Netz zwischen Hausärzten, Ärzten des Gesundheitsamtes und klinisch arbeitenden Fachärzten wegfällt, kann ein Infektionsausbruch wie z. B. EHEC-O104 oder Klebsiella pneumoniaeESBL nicht frühzeitig registriert werden. Dies war möglicherweise auch der Fall bei dem großen EHEC-O104- Ausbruch oder ESBL-Ausbrüchen im benachbarten Deutschland, wo Mikrobiologen weitgehend in Großlaboratorien konzentriert sind, sodass ein frühzeitiger direkter Kontakt mit der Primärversorgung und dem Krankenhaus abhandengekommen ist (Tersmette 2012). In dem letzten Kapitel haben wir betont, dass der „Arts-Microbioloog“ seine Aufgaben im Labor effektiv und effizient durchführen kann, weil er weiß, was sich in der Klinik abspielt. Wie aus diesem Kapitel hervorgeht, gilt das Gegenteil ebenfalls: Seine Aufgaben im Krankenhaus kann er effizient und effektiv durchführen, weil er davon Kenntnis hat, was sich im Labor abspielt. Ein „Arts-Microbioloog“ in der Klinik ist Unterstützer und mitbehandelnder Arzt. Er hat direkten Zugang zu Informationen und (diagnostischen) Hilfsmitteln aus dem Labor, die für die Qualität der Arbeit des „Arts-Microbioloog“ in der Klinik und im öffentlichen Gesundheitswesen ein starkes Fundament bieten. Dies gilt im Übrigen auch für „Artsen-Microbioloog“, die Grunddiagnostik durchführen, wie z. B. Hausärzte. Für diese Anfragen gilt, dass eine Zusammenarbeit, nicht vorrangig mit der Klinik, sondern in einem regionalen Netzwerk von großer Bedeutung ist. Wenn die Diagnostik durch die Vergabe an große Fusionslaboratorien fragmentiert wird, beeinträchtigt dies den Überblick. Auch geht die Entwicklung dahin, dass Patienten in der Region häufig von der Wohnung in Behandlungseinrichtungen verlegt werden. Es wird dann um ein Vielfaches schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, in der regionalen Pflegekette einen Überblick über die Behandlung von Patienten zu behalten, die z. B. mit resistenten Bakterien kolonisiert/infiziert sind. Auch hier sind kurze Kommunikationswege und eine intensive Zusammenarbeit von großer Bedeutung. 13 3. Strategie des „Arts-Microbioloog“: Infektionsprävention und Antibiotic Stewardship Neben medizinisch-mikrobiologischer Diagnostik und Mitbehandlung ist eine wachsende Aufgabe des „Arts-Microbioloog“ in der medizinisch-mikrobiologischen Strategie im Krankenhaus zu finden. 3.1 Infektionsprävention Infektionsprävention ist ein untrennbarer Bestandteil der medizinischen Mikrobiologie. 2012 wurde in ungefähr 50 % der Krankenhäuser die Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Infektionsprävention integriert. Hier ist ein Arzt oft praktisch (evtl. delegiert), aber letztendlich immer medizinisch für die Infektionspräventionsstrategie verantwortlich. In den Krankenhäusern, in denen die Abteilungen derzeit getrennt sind, wird in der Regel gut zusammengearbeitet. Auch dort ist letztendlich der „ArtsMicrobioloog“ medizinisch verantwortlich. Eine schnelle und fortwährende Verfügbarkeit von mikrobiologischen Daten über (resistente) Mikroorganismen, sowohl auf Patienten- als auch auf Einrichtungsebene, sind eine unabdingbare Voraussetzung für die ordnungsgemäße Umsetzung einer Infektionspräventionsstrategie. Dasselbe gilt für umfassende Kenntnisse der Diagnostik und Epidemiologie von diversen Krankheitserregern. Dies erfordert die Integration und eindeutige Koordinierung des medizinischmikrobiologischen Laboratoriums und der Abteilung Infektionsprävention durch den „Arts-Microbioloog“. Nur dann steht eine direkte Rückkopplung von diagnostischen und medizinischen Daten zur Verfügung, sodass wichtige zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden können. Zusätzlich kann damit die Surveillance von Krankenhausinfektionen optimiert und teilweise automatisiert werden. Durch die integrierte Organisation des Laboratoriums und der Abteilung Infektionsprävention nutzen die Einrichtungen die vorhandenen Kenntnisse und Möglichkeiten auf dem Gebiet der Infektionsprävention am optimalsten. 3.2 Ausbruch-Management Bei (potentiellen) Epidemien kann es notwendig sein, Isolierungsmaßnahmen zu treffen. Dies geschieht z. B. bei Diarrhö durch Norovirus und Clostridium, bei Atemwegsinfektionen durch den Influenza-Virus und bei einer Verbreitung von schwer zu behandelnden resistenten Mikroorganismen, wie MRSA, Carbapenemase- oder ESBL-produzierenden Bakterien. Jeder Infektionsausbruch erfordert eine eigene Vorgehensweise, die u. a. von den bakteriologischen und epidemiologischen Eigenschaften des verursachenden Mikroorganismus abhängt. Bei dem sogenannten AusbruchManagement besteht der Zweck darin, eine Verbreitung des 14 Infektionsprävention führt zu Erfolgen Auch für die Infektionsprävention gilt sicher, dass man Aufwand betreiben muss, wenn man Erfolge erzielen will. Ein Beispiel: In Rotterdam wurde registriert, dass es sich bei 5 % der Infektionen nach Herzoperationen um eine Staphylococcus aureus-Infektion handelte. Dies ist eine sehr ernste Komplikation, die eine hohe Sterblichkeitsrate und eine Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes um Wochen bis Monate zur Folge hat. Die „Artsen-Microbioloog“ fragten sich, woher diese Infektionen kamen: Lag es an mangelnder Hygiene, durch die sich eine Infektion ausbreitete? Untersuchungen ergaben, dass dies nicht der Fall war: Die verschiedenen Patienten hatten nämlich häufig Infektionen mit verschiedenen Stämmen von S.aureus. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Patienten mit ihrem eigenen Bakterium infiziert wurden. S.aureus befindet sich nämlich bei 20 – 30 % aller Menschen in der Nase, ohne dass dies zu großen Beschwerden führt. Dies ändert sich, wenn sie stationär aufgenommen werden, vor allem wenn dabei wie bei einer Operation die Haut durchtrennt wird. Das Risiko einer Infektion bei Trägern steigt dann sehr stark an. Wozu führen nun diese Beobachtungen und Folgeuntersuchung letztendlich? Eine große Studie mehrerer Krankenhäuser zeigte, dass 62 % der späteren Infektionen im Krankenhaus vermieden werden konnten, wenn Patienten vor der Operation mit einer kostengünstigen antimikrobiellen Nasensalbe und Seife behandelt wurden (Bode et al, 2010). Dies führte zu einer starken Reduzierung der Krankhauskosten (Van Rijen et al, 2012). In einem großen peripheren Krankenhaus, das sich an dieser Studie beteiligte, wurde berechnet, dass die Einsparung dieser Maßnahmen allein schon etwa gleich hoch wie das Budget der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie dieses Krankenhauses war. Also ein großer Nutzen durch eine Beobachtung, die nur gemacht werden konnte, weil die betreffenden „ArtsenMicrobioloog“ nahe am Patienten im Krankenhaus anwesend waren. betreffenden Mikroorganismus zu verhindern. Dies geschieht durch eine Intensivierung der bereits vorhandenen und eine Bekanntmachung neuer Infektionspräventionsmaßnahmen. Beispiele dafür sind: Hervorhebung der richtigen Durchführung von Handhygiene und anderen notwendigen Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Schürzen, Mund-, NasenSchutz), die isolierte Pflege von Patienten, die Durchführung von Kontaktuntersuchungen unter Mitpatienten oder Mitarbeitern, die Begrenzung der Aufnahmekapazität für neue Patienten, die Verlagerung der Pflege und die Einführung einer antibiotischen Therapie oder gerade die Einschränkung des Einsatzes von Antibiotika. Ausbruch-Management wird von der Abteilung Infektionsprävention als Bestandteil der Abteilung Medizinische Mikrobiologie initiiert und koordiniert, wo auch die Hilfsmittel wie Screening-Techniken und Typisierungssysteme vorhanden sind. Die Zusammenarbeit mit und der Zugang zum Labor, aber auch der Einfluss auf die interne Labororganisation sind von großer Bedeutung, vor allem wenn es um die Suche nach Trägern geht, die keine Symptome haben. 3.3 Das Ausbruch-Management-Protokoll Die Position des „Arts-Microbioloog“ und des Infektionspräventionsexperten (der Krankenhaushygieniker) muss in der Krankenhausorganisation verankert sein, sodass bei Infektionsausbrüchen genügend Autorität vorhanden ist, um weitreichende Maßnahmen durchführen zu können. Es ist deshalb auch wichtig, dass es innerhalb der Organisation ein von der Kommission für Infektionsprävention erstelltes Ausbruch-Management-Protokoll gibt, das vom medizinischen Stab und dem Vorstand gebilligt wurde. Durch die Erstellung, Genehmigung und Umsetzung eines eindeutigen Ausbruch-Management-Protokolls wird die Position des „Arts-Microbioloog“ und der Hygienefachkraft für die Krankenhausorganisation verständlich. In diesen Protokollen müssen neben dem Vorgehen gegen einen beginnenden Infektionsausbruch (wie Zusammenstellung eines sogenannten Ausbruch-Teams) zugleich die Verantwortlichkeiten und Befugnisse des „Arts-Microbioloog“ und der Hygienefachkraft näher beschrieben werden. Dabei ist auch dem Status einer Stellungnahme der Hygienefachkraft und/oder des „Arts-Microbioloog“ Aufmerksamkeit zu schenken. Der Ansatz dabei ist, dass eine Stellungnahme verbindlich ist und dass ein Streitfall hinsichtlich der Stellungnahme dem Vorstand zu unterbreiten ist. Stellungnahmen müssen auch immer dokumentiert werden. 3.4 Die Kommission für Infektionsprävention Die Kommission für Infektionsprävention berät den Vorstand hinsichtlich der Infektionspräventionsstrategie, die in der Einrichtung durchzuführen ist. Neben der Ausarbeitung und Umsetzung von Infektionspräventions- maßnahmen ist dieser Kommission auch die Mitwirkung bei der Prüfung und Bewertung und gegebenenfalls Anpassung der geltenden Infektionspräventionsstrategie vorbehalten. Angesichts der Vielfalt mikrobiologischer und damit zusammenhängender Themen innerhalb der Infektionspräventionsstrategie spielt der „ArtsMicrobioloog“ mit dem Schwerpunkt Infektionsprävention eine wichtige Rolle. Wir befürworten einen „ArtsMicrobioloog“ als Vorsitzenden dieser Kommission. Er hat das richtige Profil, diese Aufgabe optimal erfüllen zu können. Ein „Arts-Microbioloog“ als Vorsitzender stellt sicher, dass den richtigen Interessen optimal gedient wird und dass andere Prioritäten, wie kurzfristige Kosteneinsparung, nicht den Vorzug erhalten. Der Vorsitzende der Kommission für Infektionsprävention muss neutrale Entscheidungen treffen können. Außerdem muss er engen Kontakt mit der Hygienefachkraft haben und inhaltlich Kenntnis von dem Infektionspräventionsfach haben. Damit wird gewährleistet, dass auch fachinhaltliches Wissen bei der Gestaltung einer rationalen Infektionspräventionsstrategie herangezogen wird. Dies sorgt auch dafür, dass die Kommission für Infektionsprävention eine wichtige Position innerhalb der Krankenhausorganisation und innerhalb des medizinischen Stabes einnimmt, sodass ihr Engagement hinsichtlich der Infektionsprävention gefördert werden kann. Die Aufgaben und die Vorgehensweise der Kommission für Infektionsprävention ebenso wie die Art und Weise, wie und wem gegenüber sie Rechenschaft ablegt (externe Untersuchungskommission MSZ, 2012), müssen in einer Regelung festgelegt werden. 3.5 Antibiotic Stewardship Weltweit steigt die Resistenz gegen die gängigen antimikrobiellen Mittel kontinuierlich an. Es steht ebenfalls fest, dass die Resistenzprozentsätze, insbesondere von gramnegativen Bakterien, in den Niederlanden in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, sowohl im Primär- als auch Sekundärsegment (SWAB 2011). Die landesweite Zunahme von ESBL-produzierenden gramnegativen Bakterien, Infektionsausbrüchen mit Carbapenem-resistenten Klebsiella-Stämmen und VaR geben dabei Anlass zur Sorge. Diese resistenten Mikroorganismen stellen eine große Bedrohung für die Patientensicherheit dar. Gleichzeitig nimmt die Entwicklung neuer Mittel bereits seit Jahren ab und werden die Behandlungsmöglichkeiten immer geringer. In manchen Fällen sind Reserveantibiotika aus der CarbapenemGruppe und das toxische Colistin jetzt die einzig Option, wenn Infektionen mit diesen Stämmen bekämpft werden müssen. Dies ist bei Weitem nicht ideal. Colistin ist z. B. potentiell schädlich für die Nieren und auch dagegen werden bereits Resistenzen beobachtet. Und je häufiger Carbapeneme eingesetzt werden, desto größer ist das Risiko, dass die Resistenz zunimmt und diese daher unbrauchbar werden. „If you 15 use it, you lose it“ (Levy 2002). Diese Entwicklungen rechtfertigen einen strengen Kurs, um zu verhindern, dass Patienten künftig nicht mehr behandelt werden können. Die zu treffenden Maßnahmen müssen unter anderem beinhalten, dass viel deutlichere Anforderungen an die Begründung bei der Verschreibung eines Antibiotikums an einen Patienten gestellt werden. Und auch, dass die Verschreibung bestimmter Antibiotika-Klassen einer ausgewählten Gruppe von Profis vorbehalten werden muss. Schließlich ist es erforderlich, eine ausreichende Diagnostik durchzuführen, um schnell zwischen Breitspektrum- und Schmalspektrum-Antibiotika wechseln bzw. eine Infektion ausschließen und eine antimikrobielle Therapie stoppen zu können. Je schmaler behan- MRSA: search en destroy Die sehr erfolgreiche Search-and-destroy-Strategie hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass in den Niederlanden viel weniger MRSA-Ausbrüche als in den meisten anderen europäischen Ländern aufgetreten sind. MRSA-Bakterien sind gefährlich, denn sie sind gegen die gängigen Antibiotika resistent. In den Niederlanden wird jeder Patient, der MRSA haben kann (beispielsweise durch einen Krankenhausbesuch im Ausland) bei der Aufnahme in Isolation versorgt. Auch werden Abstrichuntersuchungen durchgeführt. Der Patient bleibt isoliert, bis der „Arts-Microbioloog“ herausgefunden hat, ob der Patient MRSA hat. Wenn kein MRSA nachgewiesen wurde, kann die Isolation aufgehoben werden. Im Falle einer nachgewiesenen Infektion folgt eine Dekolonisierung, wenn dies sinnvoll ist. Die Isolation bleibt in jedem Fall aufrechterhalten. Auch ist zu überprüfen, mit wem der Patient Kontakt hatte, z. B. mit Mitpatienten, Fachärzten und Pflegepersonal. Sie können nämlich MRSA-positiv sein. Die Personen, die mit MRSA infiziert sind, werden mit Dekontaminationsmitteln deswegen behandelt. Wenn die MRSA-Bakterie zu einer Infektion führt, werden Antibiotika verabreicht, die noch wirksam sind. Der „Arts-Microbioloog“ spielt eine wichtige Rolle bei diesen Aktivitäten, die Teil des Antibiotic Stewardship sind. delt wird, desto mehr nicht-pathogene Bakterien überleben. Dies ist nützlich, weil nicht-pathogene Bakterien eine Kolonisationsresistenz verursachen. Sie besetzen die Stellen, an denen sonst schädliche Mikroorganismen gedeihen können. Bei einer unnötig breiten Behandlung sterben die nicht-pathogenen (Anm: nicht-für den Menschen schädliche) Bakterien und werden die resistenten Krankheitserreger begünstigt. Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass für einen erfolgreichen Einsatz von Antibiotika die Weiterbildung 16 und die Veröffentlichung von Leitlinien allein nicht ausreichend wirksam sind. Ein mindestens ebenso wichtiger Faktor ist die kontinuierliche Überwachung der Antibiotika-Strategie, wie zuvor beschrieben: das sogenannte Antibiotic Stewardship. Dessen Umsetzung liegt in den Händen des „Arts-Microbioloog“, des Arztes für Infektionskrankheiten und des Krankenhausapothekers. Sie bringen jeweils ihre eigenen Kompetenzen ein und müssen als Team (Antibiotika-Team oder A-Team) fungieren. Insbesondere die Einrichtung von A-Teams ist dringend erforderlich und wird von der Stiftung Arbeitsgruppe Antibiotika-Strategie (SWAB 2012) empfohlen. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass bestehende Leitlinien nicht ausreichend eingehalten werden, weder im Bereich der Antibiotikum-Auswahl noch im Bereich der Diagnostik und in der Strukturierung von Therapie. Ohne eine konsequente Strategie fehlt die Handhabe, schnell und effektiv tätig zu werden Antibiotic Stewardship umfasst auch eine kontinuierliche Aufmerksamkeit in Zeiten, in denen keine Infektion vorliegt. Eine nosokomiale Verbreitung von Mikroorganismen ist z. B. ein Schwerpunkt in Hinblick auf Infektionsprävention, aber auch im Hinblick auf Antibiotic Stewardship. Je mehr Patienten von Einrichtung zu Einrichtung verlegt werden, desto größer ist die Möglichkeit, dass sich (multi-) resistente Bakterien innerhalb und zwischen klinischer und öffentlicher Einrichtung verbreiten. Ohne eine konsequente Strategie fehlt die Handhabe, schnell und effektiv tätig zu werden. Aber was ist die Strategie wert, wenn sie nicht auf fundiertem Fachwissen basiert? Infektionsprävention, Antibiotic Stewardship und das Auftreten von A-Teams: Es ist klar, dies sind komplexe Strategiebereiche und die Qualität der Strategie ist weitgehend abhängig von medizinischem Fachwissen. Der „Arts-Microbioloog“ in der Klinik mit dem diagnostischen Arsenal in seinem Labor kann dieses notwendige Wissen liefern und direkt in die Strategie integrieren. Er ist in der Lage, Entwicklungen schnell zu registrieren und kann daher auch die Effektivität der Strategie kontinuierlich überprüfen. Kurzgesagt ist es seiner integrierten Aufgabenstellung zu verdanken, dass der „Arts-Microbioloog“ in der Lage ist, einen derart wichtigen Beitrag zur medizinisch-mikrobiologischen Strategie zu leisten. Prozentsatz MRSA Aus: ecdc.europa.eu. EARS-Net. Die Daten stammen aus TESSy, The European Surveillance System. Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass die Schaffung und die Veröffentlichung von Leitlinien unzureichend wirksam sind. Es ist zumindest ebenso wichtig, die Antibiotikastrategie kontinuierlich zu überwachen. 17 4. Gewährleistung von Qualität und Sicherheit Die Gesellschaft verlangt zunehmend nach Transparenz in der Qualität der medizinischen Versorgung. Die Patienten, Versicherer und Behörden wünschen messbare Qualität. Die Verantwortung für die Entwicklung dieser Qualitätsmessungen, einschließlich der Sicherung und Transparenz, obliegt den Fachexperten. Die NVMM ist daher mit der Entwicklung einer integrierten Qualitätsstrategie befasst. Deren Grundlagen sind dem Bericht zur Qualitätsstrategie (NVMM 2012) zu entnehmen. Das Ziel ist, eine Qualitätsstrategie zu gestalten, die nicht nur die Qualität der medizinischen Praxis fördert, sondern auch für einen effizienten Umgang mit den Mitteln sorgt, gerechtfertigtes Vertrauen bei den betroffenen externen Parteien erweckt und außerdem die Forderung nach Transparenz erfüllt. Nachfolgend sind die wichtigsten Qualitätsinstrumente beschrieben. Eine vollständige Auflistung ist dem Bericht zu entnehmen. 4.1 Visitationen und Audits Mit Visitationen und Audits werden die Qualität einer Fachgruppe, Partnerschaft, Ausbildung oder eines Laboratoriums anhand von Interviews und Stichproben bewertet. Visitation ist ein Verfahren, bei dem Angehörige des Berufsstandes eine kollegiale Überprüfung durchführen. Beispiele dafür sind die Ausbildungsund Qualitätsvisitationen. Die Qualitätsvisitation konzentriert sich auf die Qualität der Berufsausübung der „Artsen-Microbioloog“. Der Zweck ist die Förderung der Qualität der von dem Facharzt (der Fachgruppe oder Partnerschaft) zu erbringenden Versorgung. Die Berufsvisitation ist interkollegial und wird daher von „Peers“6 durchgeführt. Innerhalb der NVMM wird die Berufsvisitation von „ArtsenMicrobioloog“ durchgeführt und von der Allgemeinen Visitationskommission (AVC) verwaltet. Seit 1994 ist die Visitation Praxis und, obwohl dies nicht vorgeschrieben ist, sind im Jahre 2012 alle in den Niederlanden tätigen „Artsen-Microbioloog“ in dem fünfjährigen Berufsvisitationszyklus aufgenommen. Für die Berufsvisitation werden Fragebögen des KISZ (Qualitätsinventarisierung und –erfassung von Versorgungsprozessen) der Publikation „Model kwaliteitsnormen ten behoeve van beroepsvisitatie medisch microbiologie“7 und des „Beroepsprofiel Berufskollegen Muster Qualitätsnormen für die Berufsvisitation Medizinische Mikrobiologie 8 Berufsprofil „Arts-Microbioloog“ 9 Niederländische Fachärztekammer 6 7 18 Arts-Microbioloog“8 benutzt. Das Muster und die Fragebögen werden von der Beratungskommission Qualitätsvisitation der Orde van Medisch Specialisten9 der initiierten neuen Entwicklung angepasst. Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus dem Bericht der Qualitätsvisitation NVMM werden mit Beschluss der allgemeinen Mitgliederversammlung vom Herbst 2010 auch dem medizinischen Stab und dem Vorstand der betreffenden Einrichtung übersandt. Ein Audit kann sowohl intern als auch extern durchgeführt werden. Dies ist ein Untersuchungsverfahren, mit dem die Konformität mit der Norm untersucht wird. Ein Audit kann zu einer Akkreditierung oder Zertifizierung, wie z. B. der CCKL-Akkreditierung, führen. 4.2 CCKL-Auditierung und -Akkreditierung Die Koordinationskommission zur Förderung der Qualitätskontrolle der Laboruntersuchung auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung (CCKL) wurde 1989 als Dachorganisation für die Akkreditierung von medizinischen Laboratorien gegründet. Dies geschah auf Anregung von Vertretern aus den relevanten Berufsständen. Die CCKL-Praxisrichtlinie, auf deren Grundlage akkreditiert wird, hat international hohe Anerkennung erzielt. Dies war die Grundlage für die internationale ISO 15189-Richtlinie für medizinische Laboratorien. Die CCKL wurde 2008 in Hinblick auf eine weitere Professionalisierung und internationale Anerkennung der Akkreditierung von medizinischen Laboratorien in den Niederlanden in den Akkreditierungsrat (RvA) aufgenommen. Im Jahre 2012 wurden in den Niederlanden 63 medizinisch-mikrobiologische Laboratorien akkreditiert und deren Konformität mit der CCKL-Praxisrichtlinie (4. Ausgabe) festgestellt. Das sind ungefähr 85 % der Gesamtanzahl der medizinisch-mikrobiologischen Laboratorien in den Niederlanden. Es wird erwartet, dass dieser Prozentsatz 2012 weiter auf 91 % ansteigt. Man kann die Schlussfolgerung ziehen, dass die Entwicklung der Norm und die Akkreditierung erfolgreich sind und, obwohl nicht vorgeschrieben, von den medizinischen Laboratorien begrüßt wurden. Da die CCKL Bestandteil des RvA geworden ist, wird an der weiteren Professionalisierung und dem Anschluss an die aktuelle internationale ISO 15189-Norm für medizinische Laboratorien gearbeitet. Die NVMM ist daher gemeinsam mit den Kollegen aus verwandten Fachgebieten, wie Klinische Chemie, Pathologie und Immunologie, mit dem RvA über die weitere Integration der CCKL in die Akkreditierungspraxis im Gespräch. 4.3 Der Qualitätskontrollplan Eine CCKL-Akkreditierung für das medizinisch-mikrobiologische Labor hängt u. a. von der Gründlichkeit des Qualitätskontrollplans ab. Das Labor muss seinen Qualitätskontrollplan auf der Grundlage einer Risikoanalyse von Fehlern entwickeln, wobei das Risiko von Fehlern und ihre Auswirkungen gewichtet werden müssen. Diese Risikoanalyse erfolgt für das gesamte diagnostische Verfahren, d. h. für die präanalytische Phase, die analytische Phase und die postanalytische Phase. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Risiko für den Patienten. In Abhängigkeit von dem Ergebnis der Risikoanalyse ist ein spezifisches Kontrollprogramm zusammenzustellen. Die Risikoanalyse und damit auch das Qualitätskontrollprogramm sind kontextabhängig. Ein „Arts-Microbioloog“ ist mit seiner spezifischen Ausbildung bestens gerüstet, diese Risikoanalyse vorzunehmen. Er kann schließlich den gesamten Prozess überblicken, hat Zugang zu allen relevanten Informationen und kann mit den beteiligten Parteien eine gesicherte Abwägung vornehmen. 4.4 Qualitätsvisitation Infektionsprävention in Krankenhäusern Im Jahre 2008 haben die Berufsverbände VHIG (Gesellschaft für Hygiene und Infektionsprävention im Gesundheitswesen) und die NVMM die „Qualitätsrichtlinie für Infektionsprävention in Krankenhäusern“ (KRIZ) verfasst. Die Richtlinie basiert auf der ISO 9001:2000-Serie und ebenfalls auf der davon abgeleiteten Richtlinie für das Gesundheitswesen: die NPR-CEN/TS 15224:2005. Ergänzend wurden die geltenden Normen u. a. aus der NIAZ (Niederländisches Institut für Akkreditierung im Gesundheitswesen), Qualitätsnorm für Versorgungseinrichtungen, angewandt. Die KRIZ ist eine Ergänzung zu den oben genannten Leitlinien, weniger generisch und vollständig auf Infektionsprävention konzentriert. Es ist ein Test zur Beurteilung der Qualität, etwas, was für die Infektionsprävention in den Krankenhäusern in Anbetracht des realen Abbruchrisikos bei der schlechten Die Qualität des einzelnen Facharztes hängt unter anderem von der Ausbildung ab, die er absolviert hat Ausführung einer Infektionsprävention enorm wichtig ist (externe Untersuchungskommission MSZ 2012, IGZ 2012). Die KRIZ durchleuchtet die gesamte Abteilung: die Verwirklichung und Verbreitung der Strategie, die Informationsflüsse, die Führung, den PDCA-Kreis, die internen und klinischen Abteilungsaudits und die Festlegung des Arbeitsbereichs und der Verantwortlichkeiten sowie die Information über deren Abgrenzung. Die Richtlinie dient beiden Berufsständen als Leitfaden, um die Qualitätssicherung und kontinuierliche Verbesserung der Qualität innerhalb der Infektionspräventionsabteilungen zu erreichen. Zu diesem Zweck werden die folgenden Themen in der Richtlinie beschrieben: Handlungsrahmen und Ziele, Organisationsstruktur und Arbeitsbereich, Aufgaben, Befugnisse und Verantwortlichkeiten und Qualitätskontrolle, -management und –überwachung. Mittels einer regelmäßigen externen KRIZ-Visitation wird bewertet, ob eine Infektionspräventionsabteilung diese Qualitätsleitlinien erfüllt. 4.5 Die Ausbildungsvisitation Medizinische Mikrobiologie Die Qualität der Versorgung ist sehr von den Kenntnissen und Fähigkeiten des einzelnen Facharztes abhängig. Die Qualität des einzelnen Facharztes hängt u. a. von der Qualität der Ausbildung ab, die er absolviert hat. Diese Qualität muss selbstverständlich gewährleistet sein. Ausbilder, Schulungs- und Bildungseinrichtungen 19 werden von der Fachärzte-Registrierungskommission (MSRC) anerkannt, wenn sie die von der Zentralkommission für medizinische Fachrichtungen (CCMS) festgelegten Anforderungen erfüllen. Bevor die Anerkennung erteilt werden kann, werden der Ausbilder und die Schulungseinrichtung überprüft. Das Concilium Microbiologicum Medicum der NVMM – die Kommission, deren Schwerpunktbereich die Ausbildungen sind – beaufsichtigt im Auftrag der MSRC die Erfüllung der Anforderungen, die durch das CCMS an die Ausbildung(en) und die Bildungseinrichtung(en) gestellt werden. Die Ausbildungsvisitationen werden nach einem festgelegten Format, dem Visitationswegweiser MSRC, von Mitgliedern des Conciliums mit Sitz im Visitationsplenarausschuss und einem Assistenzarzt in der Ausbildung durchgeführt. Der Visitationsbericht wird dem MSRC zugesandt, der über die (Fortsetzung der) Ausbildungsanerkennung entscheidet. Die Visitationen wurden in letzter Zeit professionalisierter und strenger. Diese Entwicklungen werden von der MSRC und dem Ausbildungsrat der OMS kontrolliert. 4.6 Leitlinien Medizinische Praxis muss den Anforderungen der Qualität der Versorgung entsprechen. Diese Anforderungen werden in Leitlinien beschrieben und durch wissenschaftliche Literatur gesichert. Die Anforderungen und Empfehlungen können wiederum in Indikatoren ausgedrückt werden, mit denen die Qualität der Versorgung auch messbar wird. Die NVMM und ihre Mitglieder sind aktiv an der Entwicklung dieser Leitlinien beteiligt. Die NVMM unterscheidet zwei Arten, die einen offiziellen Status innerhalb der NVMM haben: Leitlinien, die von der NVMM selbst angeregt und entwickelt wurden, und Leitlinien, die unter Mitwirkung der NVMM festgelegt wurden: die interdisziplinäre Leitlinien. Der erste Typus wurde auf Anregung der beteiligten NVMM-Mitglieder erstellt und entspricht den Bedürfnissen der Fachleute in der Medizinischen Mikrobiologie. Innerhalb der NVMM gibt es keine Agenda für die Entwicklung von Leitlinien. Das Verfahren für die Entwicklung, Zulassung und Verwaltung von Leitlinien innerhalb der NVMM ist aber formell festgelegt. NVMM-Leitlinien werden auf der Website der NVMM veröffentlicht. 4.7 Multidisziplinäre Entwicklung von Leitlinien Als unterstützende Spezialdisziplin, sowohl im Primär- als auch Sekundärsegment, wird sehr häufig von anderen Fachbereichen nach einer Teilnahme an der multidisziplinären Entwicklung von Leitlinien gefragt. Das Motto 20 lautet, diese Nachfragen zu unterstützen. Das bedeutet, dass viele unserer Mitglieder als Vertreter unseres Berufsstandes an der Entwicklung von Leitlinien für die medizinische Praxis beteiligt sind. Auf der Website von NVMM ist eine Auflistung der Leitlinien zu finden, die unter Mitwirkung der NVMM entwickelt wurden. Die Leitlinien, die eine besondere Stellung einnehmen, wurden von der Arbeitsgruppe Infektionsprävention (WIP), der SWAB und dem landesweiten Zentrum für Infektionskrankheiten (LCI) entwickelt. Die NVMM und ihre Mitglieder beteiligen sich intensiv an diesen Organisationen und nehmen direkt an der Auflistung, Entwicklung und Verwaltung der zugehörigen Leitlinien teil. Die Mehrheit der multidisziplinären Leitlinien wird auf der Website der Fachärzte veröffentlicht (www.kwaliteitskoepel.nl). Die Qualitätsstrategie, so wie wir sie entworfen haben und an der immer noch mit aller Macht gearbeitet wird, wurde durch eine intensive Zusammenarbeit und die daraus hervorgehende Synergie realisiert. Diese Aktivitäten konzentrieren sich immer auf einen Wissensaustausch, der bei Weitem nicht unverbindlich ist: Das letztendliche Ziel ist, die medizinisch-mikrobiologische Versorgung in den Niederlanden integral zu verbessern. Durch das anhaltende staatliche Plädoyer für den freien Wettbewerb steht dieser Wissensaustausch unter Druck. Alle Aktivitäten, die von „Artsen-Microbioloog“ einzeln und von der NVMM als Ganzes unternommen werden, sind wegen einer gewissen Freiheit möglich, wenn es sich um Zeitmanagement handelt. Wenn die Daumenschrauben des freien Wettbewerbs angezogen werden und es dem „Arts-Microbioloog“ nur noch ermöglicht wird, Aktivitäten zu entfalten, die kurzfristig wirtschaftlichen Gewinn abwerfen, wird der Wissensaustausch ernsthaft darunter leiden, wenn nicht sogar vollständig stagnieren. Da der Wissensaustausch einer der Pfeiler der hohen Qualität der medizinisch-mikrobiologischen Versorgung in den Niederlanden ist, wäre das Ergebnis ein sehr labiles Gleichgewicht mit all seinen unvermeidlichen Konsequenzen. Der Austausch von Wissen innerhalb der medizinischen Mikrobiologie ist natürlich auch fachinhaltlich wichtig, sei es auch nur, weil Mikrobiologen mit lebenden Organismen zu tun haben. Sie verändern sich kontinuierlich. Die Resistenzmechanismen, die Mikrobiologen jetzt vorfinden, waren vor fünf Jahren noch völlig unbekannt. Dies erfordert die ständige Forschung und laufende Aufmerksamkeit aller kooperierenden Parteien. Schlusswort Wir haben viel zu dem Fachgebiet der Medizinischen Mikrobiologie und der Arbeit des „Arts-Microbioloog“ gesagt, zu seiner besonderen Stellung zwischen Labor und Klinik und seiner Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, vor allem, wenn es um Infektionsprävention und das Vorgehen gegen Antibiotika-resistente Bakterien geht. Aber eins haben wir bisher vergessen zu erwähnen: Wir sind stolz auf unseren Beruf und die Qualität des Fachgebiets in den Niederlanden. Die Medizinische Mikrobiologie ist eine faszinierende Spezialdisziplin. Sie ist unvergleichbar dynamisch: eine Widerspiegelung der hohen Evolutionsgeschwindigkeit von Mikroorganismen, der schnellen weltweiten Verbreitung von neuen Krankheitserregern und der technischen Entwicklungen innerhalb unseres Fachbereichs. Unsere Fachdisziplin hat zwei Gesichter: Einerseits ist da die technischwissenschaftliche Arbeit: die Forschung und die Diagnostik, die wir in hervorragenden Laboratorien mit einer breiten Palette an hochwertiger Apparatur durchführen. Aber wir sind auch Ärzte. Als mitbehandelnde Ärzte sind wir an der Gesundheit des einzelnen Patienten interessiert. Wir bemühen uns, zu heilen, Leiden zu lindern. Wir nutzen unsere Kenntnisse und Fähigkeiten, um Infektionen zu bekämpfen, um Komplikationen, die die Arbeit des hauptbehandelnden Arztes erschweren, zu beseitigen bzw. auf ein Minimum zu reduzieren. In unserer Zusammenarbeit liegt unsere Stärke. Ob dies tatsächlich zu Kosteneinsparungen führt, ist umstritten. Aber in jedem Fall trägt es nicht, soviel mag klar sein, zur Qualität der medizinisch-mikrobiologischen Versorgung in den Niederlanden bei. Warum? Weil an der derzeitigen Struktur der Berufspraxis des „Arts-Microbioloog“ gerüttelt wird. Diese integrierte Aufgabenstellung, die vor allem in den Niederlanden und Skandinavien bestimmend ist, wird als goldener Standard aufgefasst. Warum: Das haben wir Ihnen gerade aufgezeigt. Dieser hohe Standard führte u. a. dazu, dass die niederländischen Weiterbildungsanforderungen für „ArtsenMicrobioloog“ auf EU-Ebene übernommen wurden (Van Keulen 2009). Eine unbesonnene und zu ausgeprägte Effizienzschlacht würde einen großen Verlust für das niederländische Gesundheitswesen bedeuten. In unserer Zusammenarbeit liegt unsere Stärke Aufgrund der starken Zunahme von multiresistenten Mikroorganismen wird diese intensive Zusammenarbeit in den kommenden Jahren sicher noch wichtiger werden. Die aktuelle Wirtschaftslage erfordert einen kritischen Blick auf die Finanzen. Das ist unvermeidlich. Es ist längst nicht immer unvernünftig, nach Möglichkeiten zu suchen, kosteneffizient(er) zu arbeiten. Freier Wettbewerb ist das Zauberwort dieser Zeit. Wettbewerb im Gesundheitswesen soll der Qualität der Versorgung zugutekommen. Ob dieser freie Wettbewerb auch zu dem gewünschten Ergebnis führt, ist Gegenstand der Diskussionen. Natürlich geht es hier nicht um Wettbewerbsdruck. Der Beste sein zu wollen ist kein Ziel an sich und soll es auch nicht werden. Es geht um das Streben nach Gesundheit und Patientensicherheit, nach einer Maximierung der Risikokontrolle und Minimierung der negativen Konsequenzen. Es geht um Professionalisierung und Verbesserung sowie Sicherung der Qualität der medizinischmikrobiologischen Versorgung. Denn in einer Sache sollten wir uns einig sein: Nichts ist selbstverständlich. Die NVMM ist sich dessen sehr wohl bewusst. Die Auslagerung von Labordiagnostik und die Schaffung von Mega-Laboratorien durch Fusionen sind zwei Maßnahmen, die in Angriff genommen und vorgeschlagen werden. 21 Liste der Abkürzungen AVC CCKL CCMS CRE Clb DIP EHEC ESBL EPD GGD HBV HIV IGZ ISIS-AR KISZ KRIZ LCI Algemene Visitatie Commissie Coordinate Commissie ter bevordering van de Kwaliteitsbeheersing van het Laboratoriumonderzoek op het gebied van de Gezondheidszorg Centraal College Medische Specialismen Carbapenemase-Resistente Enterobacteriaceae Centrum voor Infectieziektebestrijding Deskundige InfectiePreventie EnteroHemorragische Escherichia coli Extended Spectrum Beta-Lactamase Elektronisch PatientenDossier Gemeentelijke GezondheidsDienst Hepatitis-B Virus Human Immunodeficiency Virus Inspectie voor de GezondheidsZorg Infectieziekten Surveillance Informatie Systeem-Antibiotica Resistentie Kwaliteitslnventarisatie en Signalering van Zorgprocessen KwaliteitsRichtlijn voor Infectieziektepreventie in Ziekenhuizen Landelijke Coordinatie Infectieziektebestrijding MML MMM MRS A MSRC NIAZ NVMM OMS OGZ PDCA RIVM RvA SWAB TNF VHIG VRE WHO WIP WPG Impressum Herausgeber: NVMM Erscheinungsjahr: 2012 Textbearbeitung: Joep Smaling Gestaltung: Insight design | Celina Koekenbier Titelbild und Foto S. 10: mit Dank an PAMM Fotos S. 2, 8, 24: Ivar Pel Übersetzung finanziert durch das deutsch-niederländische Euregio-Projekt EurSafety Health-net (www.eursafety.eu). Das Projekt wird finanziell unterstützt durch die EU, die undesländer NRW und Nieder-sachsen sowie die niederländischen Grenzprovinzen. 22 Medisch Microbiologisch Laboratorium Medisch Moleculair Microbioloog Methicillin-Resistente Staphylococcus aureus Medisch Specialisten Registratie Commissie Nederlands Instituut voor Accreditatie in de Zorg Nederlandse Vereniging voor Medische Microbiologie Orde van Medisch Specialisten Openbare GezondheidsZorg Plan Do Check Act (-cirkel) Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu Raad voor Accreditatie Stichting Werkgroep Antibiotica Beleid Tumor Necrosis Factor Vereniging voor Hygiène en Infectepreventie in de Gezondheidszorg Vancomycine-Resistente Enterococcus World Health Organization Werkgroep InfectiePrevente Wet Publieke Gezondheid Literaturverzeichnis Ammerlaan, H.S.M. (2010). ‘The clinical impact of methicillin-resistant Staphylococcus aureus on morbidity, mortality, and burden of disease’. Proefschrift Universiteit Utrecht. 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Beschrieben werden die erforderlichen Mindestvoraussetzungen für die Berufsausübung des „Arts-Microbioloog“ nach dem professionellen Standard. Diese sind: 1. Labordiagnostik, 2. Interkollegiale Beratung, 3. Labormanagement, 4. Gestaltung und Entwicklung von Protokollen und Leitlinien, 5. Epidemiologie von Infektionskrankheiten und Krankenhaushygiene, 6. Öffentliches Gesundheitswesen, 7. Schulung, Bildung und Fortbildung und 8. Forschung. „Artsen-Microbioloog“ in den Niederlanden Derzeit sind 252 „Artsen-Microbioloog“ Mitglied der NVMM. Das sind nahezu alle „Artsen-Microbioloog“ in den Niederlanden. Davon sind 40 % in einem allgemeinen Krankenhaus, 31 % in einer Universitätsklinik, 19 % in einem regionalen Labor und 10 % in einer andersgearteten Einrichtung. Die Mehrheit (70 %) der „Artsen-Microbioloog“ arbeitet in einem Beschäftigungsverhältnis. 24 Ausbildung Im Verlauf des Medizinstudiums wird die Medizinische Mikrobiologie nur ziemlich kurz abgehandelt. Nach Beendigung des Studiums kann man sich seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts für das Spezialfach Medizinische Mikrobiologie entscheiden. Die Ausbildungsdauer beträgt fünf Jahre. Die Anforderungen, die an diese Ausbildung gestellt werden, sind in dem „Beschluss Medizinische Mikrobiologie“ (CCMS 2010) festgehalten. In diesem Beschluss sind das Ausbildungsschema und weitere Bestimmungen hinsichtlich der Anerkennung der Ausbildung festgelegt. Der „Ausbildungsplan Medizinische Mikrobiologie“ wurde 2010 überarbeitet und beinhaltet u. a. die Kompetenzen des „Arts-Microbioloog“ (NVMM 2010). Es gibt ungefähr 80 Assistenzärztinnen/-ärzte in der Medizinischen Mikrobiologie. Die Abteilung Medizinische Mikrobiologie Neben den „Artsen-Microbioloog“ können in einer Abteilung Medizinische Mikrobiologie tätig sein: Chemielaboranten an. Der „Arts-Microbioloog“ ist der di1. Medizinischer Fachmikrobiologe (MMM – Medisch Moleculair rekte Vorgesetzte und trägt letztlich die Verantwortung. Microbioloog) 4. Qualitätsbeauftragter Technologische Entwicklungen sind rasant. Neue Techniken müssen validiert werden, um in der Routinediagnostik eingesetzt werden zu können. Der MMM leitet die Molekulardiagnostik und initiiert und implementiert neue Diagnostik. Er kann die Untersuchungsergebnisse in die Diagnostikentwicklung umsetzen. Next Generation Sequencing, Massenspektroskopie und Nanotechnologie bieten neue Möglichkeiten, die der MMM in Absprache mit dem „Arts-Microbioloog“ im medizinisch-mikrobiologischen Labor in die Praxis umsetzen kann. Der MMM ist ein Postdoktorand der medizinisch-molekularen Mikrobiologie, der außerdem die zweijährige Ausbildung zum MMM erfolgreich abgeschlossen hat. Die Ausbildung zum MMM wurde von der NVMM initiiert. Das Berufsprofil und die Ausbildungsanforderungen wurden 2007 definiert (Ausbildung zum MMM, 2007). Am 1. Juni 2012 gab es 32 MMM und 4 MMM in der Ausbildung. Zu dem Aufgabenbereich des MMM gehören u. a. die Entwicklung, Implementierung und Unterstützung der molekular-mikrobiologischen Diagnostik, die innerhalb des Aufgabenbereichs des Laboratoriums durchgeführt wird. Auch die molekulare Epidemiologie von Krankheitserregern und die weitere Charakterisierung und Typisierung für die Krankenhaushygiene und die Prävention von Infektionskrankheiten gehören dazu. Die direkte Verantwortung für die durchgeführte Untersuchung und Diagnostik liegt ebenso wie die Berichterstattung und Interpretation der labortechnischen Aspekte der obengenannten Aktivitäten beim MMM. Die endgültige Verantwortung für die Forschung, die klinische Anwendbarkeit der molekularen Techniken und die Interpretation der Diagnostik hinsichtlich der klinischen Relevanz und Beratung liegt in den Händen des Leiters des medizinisch-mikrobiologischen Laboratoriums, des „Arts-Microbioloog“. 2. Molekularbiologe Molekulardiagnostik und in geringerem Maße die Forschung in einem medizinisch-mikrobiologischen Labor kann auch von einem Molekularbiologen durchgeführt werden, der nicht die Zusatzausbildung zum MMM absolviert hat. In Laboratorien, die CCKL oder ISO 15189 akkreditiert sind oder sich im Vorfeld einer CCKL- oder ISO 15189 – Akkreditierung befinden, ist ein Qualitätsbeauftragter anwesend (in nahezu 90 % der MML). Ein Qualitätsbeauftragter ist in der Regel ein Chemielaborant mit Hochschulausbildung, der eine zusätzliche Ausbildung (kursorisch) hinsichtlich des Qualitätssystems absolviert hat. Dafür gibt es keine spezifische Ausbildung, was aber z. B. für die Hygienefachkraft wohl der Fall ist. Die Hauptaufgabe eines Qualitätsbeauftragten ist die Überwachung und Koordinierung des Qualitätssystems. Er ist Wissensquelle für das Labor hinsichtlich des Betriebs eines Qualitätssystems, verwaltet Qualitätsdokumente, koordiniert und überwacht den PDCA-Zyklus11 und erkennt Abweichungen und Mängel im Qualitätssystem. Der Leiter des Laboratoriums trägt letztlich die Verantwortung für das Qualitätssystem. 5. Hygienefachkraft (DIP – Deskundige Infectiepreventie) In den Krankenhäusern, in denen die Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Infektionsprävention zu einer Abteilung zusammengefasst wurde, fallen die Fachkräfte für Infektionsprävention funktional und inhaltlich unter den „Arts-Microbioloog“. Auch in anderen Organisationsformen arbeiten die DIP wegen der zusammenhängenden und überlappenden Wissens- und Fachgebiete intensiv mit dem „Arts-Microbioloog“ zusammen. Die Abteilung Infektionsprävention überwacht die Situation hinsichtlich der Infektionsprävention, Krankenhausinfektionen und Resistenzproblematik innerhalb des Krankenhauses, indem sie diese erfasst, bewertet und darüber berichtet. Die Abteilung ist für die aktive Strategie hinsichtlich der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention verantwortlich. Sie setzt die Anforderungen um, die dem Krankenhaus auf diesem Gebiet auferlegt wurden, und unterstützt dabei den Vorstand. Die Aktivitäten reichen von der Beratung und Ausarbeitung sowie Umsetzung der Strategie in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern bis zur Regelung von Schulung, Ausbildung und Fortbildung auf dem Gebiet der Infektionsprävention für Mitarbeiter innerhalb des Krankenhauses. 3. Chemielaborant Die Labordiagnostik wird von einer Anzahl von Chemielaboranten durchgeführt. Abhängig von der Größe eines MML sind diese auf der Grundlage der Subspezialisierung (wie z. B. Bakteriologie oder Molekularbiologie) unterteilt. Der Leitende Chemielaborant leitet die 25 Nederlandse Vereniging voor Medische Microbiologie (NVMM), 2012 26