Wann muss ich mir Sorgen machen?

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Informationen für ELTERN
Wann muss ich mir Sorgen machen?
Ein Ratgeber von Kinderärzten für Eltern
von Kindern mit Atemwegsinfektionen
Ihre Kinder- und Jugendarztpraxis:
Eine Initiative der Universitätskinderklinik Homburg
mit freundlicher Unterstützung durch:
Pädiatrisch
Infektiologisches
Netzwerk Saar
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IN HA LT
Vorwort3
Symptome: Wie kommt es eigentlich zu Atemwegsinfektionen?
5
Fieber6
Fieberkrämpfe8
Husten9
Krupp-Husten12
Halsschmerzen14
Ohrenschmerzen17
Schnupfen und Erkältung
20
Allgemeine Pflegehinweise für das kranke Kind zu Hause
22
Hygiene-Tipps – Wie lässt sich eine Ansteckung vermeiden?
24
Ärztliche Hilfe und Warnzeichen für Komplikationen: Wann sollten und wann müssen Sie zum Arzt gehen?
25
Allgemeine Informationen zu Antibiotika
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Zusammenfassung31
Autoren: Annabelle Wagner, Evi Staß, Elisabeth Friedel, Prof. Dr. med. Norbert Graf, Carola Ilschner,
Dr. med. Hagen Reichert, Prof. Dr. med. Johannes Liese und Prof. Dr. med. Arne Simon
Korrespondierender Autor: Prof. Dr. med. Arne Simon, Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Universitätsklinikum des Saarlandes. E-mail: Arne.Simon@uks.eu
Dieser Ratgeber basiert auf einer britischen Broschüre erarbeitet von Dr. Nick Francis,
Cochrane Institute of Primary Care & Public Health, Cardiff University School of Medicine, U.K.
http://www.whenshouldiworry.com/
Illustrationen: Frank Robyn-Fuhrmeister, www.robyn-fuhrmeister.de; Satz und Redaktion: Carola Ilschner
Verlag: mhp-Verlag GmbH, Wiesbaden, www.mhp-verlag.de; Printed in Germany. 1. Auflage 1. 11. 2015
© 2015, Prof. Dr. med. Arne Simon, Homburg
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B
Liebe Eltern!
E
„… Lina ist mitten in der Nacht mit Fieber aufgewacht, hat erbrochen und
fürchterlich gehustet. Das war ziemlich
beängstigend!“
SE
PR
O
Kommen Ihnen die Sorgen um Lina bekannt vor? Wenn ein Kind
krank wird und es sich schlecht fühlt, machen sich die Eltern Sorgen. Das ist sehr verständlich. Es ist nicht so leicht, die Symptome
richtig einzuschätzen und zu wissen, was zu tun ist.
LE
Dieser Ratgeber ist für Sie als Eltern gedacht. Es geht hier vor allem um Atemwegsinfektionen, die bei Säuglingen und Kleinkindern
(bis zum Schulalter) sehr häufig auftreten, auch wenn die Kinder
ansonsten ganz gesund sind. Wer gut informiert ist, ist auch sicherer im Umgang mit einer Krankheit und muss sich weniger Sorgen
machen.
Die Ratschläge dieser Broschüre gelten nicht für Kinder mit
anhaltenden Grunderkrankungen wie Asthma, Herz- oder Nierenproblemen oder wenn Ihr Kind jünger als 6 Monate ist. Babys, die jünger als 6 Monate sind, können ganz anders auf Infektionen reagieren und haben ein höheres Risiko für einen komplizierten Verlauf.
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A U F BA U D IESES RATG EBERS
Dieser Ratgeber ist wie folgt aufgebaut:
SE
PR
O
B
E
>W
ie kommt es eigentlich zu Atemwegsinfektionen?
> Beschreibung wichtiger Symptome
Fieber, Fieberkrämpfe, Halsweh, Husten, Krupp-Husten,
Ohrenschmerzen, Erkältung und Schnupfen
– Wie können die Symptome aussehen?
– Wie lange dauern sie?
– Was können Sie selbst tun?
– Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
– Helfen Antibiotika?
> Übersichten
– Allgemeine Pflegehinweise bei Erkältungssymptomen
– Hygiene-Tipps zur Vermeidung von Ansteckung
– Zeichen für eine ernsthaftere Erkrankung, die einen Arztbesuch
LE
erfordern
– Vorbereitung für einen Arztbesuch
– Allgemeine Informationen zu Antibiotika
Den Arztbesuch vorbereiten
Bitte überlegen Sie vor dem Besuch bei Ihrem Arzt1 möglichst genau, was
Ihnen bei der akuten Erkrankung Ihres Kindes am meisten Sorgen macht,
was Sie von Ihrem Kinder- und Jugendarzt erwarten und wofür Sie seine Hilfe und seinen Rat benötigen (siehe Checkliste auf Seite 26). Das hilft
dem Arzt, Sie besser zu verstehen und Ihnen und Ihrem Kind besser zu helfen.
Gehen Sie immer zum Arzt, wenn Ihr Kind sehr krank oder beeinträchtigt wirkt oder jünger als 2 Jahre ist.
1
4
Gemeint sind immer beide Geschlechter: Ärztin oder Arzt
SY M PTOM E
Wie kommt es eigentlich zu Atemwegsinfektionen?
SE
PR
O
B
E
Krankheitszeichen (Symptome) wie Husten und Schnupfen sind in der Regel Zeichen einer Infektionskrankheit im Bereich der Atemwege. Infektionen können durch eine Vielzahl von Krankheitserregern verursacht werden. Bei Atemwegsinfektionen im Säuglings- und Kleinkindalter handelt
es sich bei den auslösenden Krankheitserregern vor allem um Viren, seltener um Bakterien. Viren sind meist noch kleiner als Bakterien und haben
keinen eigenen Stoffwechsel.
LE
Eintrittspforten für Krankheitserreger in unseren Körper sind oft die
Schleimhäute im Bereich des Munds, der Augen oder der Nase. Die Krankheitserreger können dorthin über unsere Hände gelangen oder auch über
die Luft, über Hustentröpfchen oder durch engen Kontakt, viel seltener
über Lebensmittel oder durch Wasser. Nicht jeder, der Krankheitserreger
zum Beispiel auf den Schleimhäuten der Atemwege trägt, fühlt sich krank
und hat Symptome. Daher können Menschen „ansteckend“ sein, d. h. Infektionserreger übertragen, ohne selbst Symptome zu haben.
Die meisten Krankheitszeichen, die in diesem Ratgeber beschrieben sind,
werden von Viren verursacht. Sie werden bevorzugt mit dem Niesen und
Husten über kleine Tröpfchen bis zu einem Abstand von 2 Metern übertragen. Sie können aber auch auf unseren Händen überleben. Daher ist eine
Übertragung über die Hände ebenfalls möglich.
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F IEB ER
Was ist Fieber?
 Fieber ist eine Körpertemperatur über 38,5 °C. Am besten messen Sie mit
SE
PR
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B
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einem digitalen Thermometer im Po. Alternativen sind das Messen im Mund,
im Ohr oder unter der Achsel. Diese Methoden sind aber nicht so zuverlässig.
Schreiben Sie bitte die Uhrzeit der Messung und die Temperatur auf.
Fieber ist eine normale Abwehrreaktion des Körpers, die dazu beiträgt, eine
Infektion zu bekämpfen. Fieber schadet Ihrem Kind nicht, wenn es genug
trinkt und der Allgemeinzustand des Kindes gut ist.
Hohes Fieber (z. B. über 40 °C) kann ein Zeichen für eine ernste Infektion
sein, das muss aber nicht so sein.
Wie lange kann es dauern?
Das Fieber kann ein oder mehrere Tage dauern.
Was können Sie tun?
LE
Das können Sie tun, damit sich Ihr Kind besser fühlt (siehe auch Seite 22):
> Bettruhe.
> Wenn Ihrem Kind heiß ist: Überbekleidung ausziehen, nicht oder nur
leicht zudecken.
> Wenn das Fieber noch unter 39 °C ist und das Kind es möchte:
Kurz baden. Die Wassertemperatur soll für das Kind angenehm sein.
> Wenn es das Kind angenehm findet: Kühl-Pads in ein Tuch wickeln
und in die Leiste legen.
> Wenn Ihr Kind bei Fieber fröstelt, zittert oder friert: Warm zudecken.
> Wenn das Fieber über 39 °C ansteigt und das Kind sehr matt oder
unruhig ist, können Sie das Fieber mit Ibuprofen oder mit Paracetamol
senken (zu den Warnzeichen für eine möglicherweise bedrohliche Infektion siehe Seite 27–29).
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F IEB ER
Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
SE
PR
O
B
E
Informieren Sie den Arzt oder gehen Sie zum Arzt, wenn
> das Fieber über 39 °C länger als 24 Stunden andauert,
> das Fieber 40 °C oder höher ist,
> zusätzlich Krankheitszeichen auftreten wie auf Seite 27–29 beschrieben,
> Ihnen Ihr Kind (unabhängig von der Höhe des Fiebers) stark beeinträchtigt oder wesensverändert vorkommt.
> Informieren Sie den Notarzt, wenn zusätzlich Nackensteifigkeit auftritt
(siehe Warnzeichen Seite 27–29).
LE
Fieber-Checkbox
über 39 °C
– Arzt informieren:
Fieber über 39 °C länger als 24 Stunden,
Fieber über 40 °C,
zusätzliche Symptome oder starkes
Krankheitsgefühl/Mattigkeit,
über 40 °C + Nackensteife: Notarzt
38,5 – 39 °C
– Temperatur regelmäßig messen, Bettruhe
38,0 – 38,5 °C
37,5 – 38,0 °C
– Erhöhte Temperatur: ggf. Bettruhe
– Normaltemperatur
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FIEBERKR ÄMPFE
Was sind Fieberkrämpfe?
 Manchmal bekommen kleinere Kinder bei Temperaturerhöhung einen
O
B
E
Fieberkrampf. Das Kind ist während des Krampfes vorübergehend nicht ansprechbar. Es können Muskelzuckungen oder Krämpfe in Armen und Beinen
auftreten. Der Fieberkrampf kann sehr beängstigend für Eltern sein, doch er
ist normalerweise nichts Schlimmes.
Fieberkrämpfe lassen sich durch die Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol
nicht verhindern.
SE
PR
Wie lange kann ein Fieberkrampf dauern?
Normalerweise ist ein Fieberkrampf nach weniger als 5 Minuten vorbei.
Was können Sie tun?
LE
> Bleiben Sie ruhig. Die meisten Fieberkrämpfe schaden nicht.
> Halten Sie das Kind außer Reichweite von Gegenständen,
durch die es sich verletzen könnte.
> Legen Sie das Kind auf die Seite (stabile Seitenlage).
„… Marie hatte über 39 °C Fieber und hat
auf gar nichts mehr reagiert. Die Arme
und Beine haben so komisch gezuckt. Ich
hatte solche Angst!“
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Wann sollten Sie zum Arzt
gehen?
Wenn Ihr Kind noch nie einen
Fieberkrampf hatte, rufen Sie am
besten sofort einen Notarzt über
die Telefonnummer 112.
HU STEN
Was ist Husten?
 Husten ist ein Schutzreflex der Atemwege. Durch das Husten werden
B
E
Krankheitserreger oder Fremdstoffe aus dem Körper hinaus befördert. Husten
tritt besonders häufig bei einer Erkältung mit Fließschnupfen auf. Möglich
sind auch Husten bei Grippe, bei Bronchitis („Erkältung der Bronchien“), bei
einer Lungenentzündung oder bei Asthma.
SE
PR
O
„… Mein Tom hat immer so ein rasselndes Geräusch
beim Husten. Ist das gefährlich?“
Erkältungsbedingter Husten
>E
rkältungsbedingter Husten wird meist nachts schlimmer, weil der
Schleim aus der Nase in den Rachen läuft und dann abgehustet wird.
> Bei kleinen Kindern gibt es bei Erkältungen häufig „quietschende oder
LE
rasselnde Geräusche in der Brust“ oder Hustenanfälle (manchmal mit
anschließendem Erbrechen).
> Ebenso treten bei kleinen Kindern „blubbernde“ und laute Atemgeräusche oft schon auf, wenn sie etwas Schleim in den oberen Atemwegen
haben.
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HU STEN
Husten bei Bronchitis („tiefsitzender Husten“)
 Bronchitis ist eine Entzündung der Bronchialschleimhäute. Sie wird
SE
PR
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B
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überwiegend von Viren ausgelöst.
Der „tiefsitzende Husten aus der Brust“ ist zu Anfang der Infektion oft ein
trockener Reizhusten und später ein produktiver (feuchter) Husten mit
Schleim. Die Farbe des Schleims kann auch bei einer Viruserkältung der
Bronchien gelb oder grünlich sein.
Säuglinge und Kleinkinder können den Schleim nicht abhusten, sondern
schlucken ihn oft herunter. Kleinere Kinder erbrechen manchmal, wenn der
Schleim festsitzt.
Wie lange dauert Husten?
Eine Atemwegsinfektion mit Husten kann bis zu 3 Wochen andauern.
In der Regel geht es den Kindern jedoch nach 7 Tagen deutlich besser.
Was können Sie tun?
LE
> Erkältungsbedingter Husten geht zumeist von alleine wieder weg.
> Ermuntern Sie Ihr Kind, viel zu trinken, zum Beispiel Tee mit Zitronensaft, Ingwer und Honig oder stark verdünnten Apfelsaft.
> Lagern Sie den Oberkörper nachts etwas höher.
> Wenn Ihr Kind Honig mag, hilft ein Teelöffel Honig vor dem Einschlafen
gegen Reizhusten
> Hinweis: Hustenlösende Medikamente (Hustensäfte) werden oft bei
banalen, von alleine heilenden Luftwegsinfekten eingesetzt. Ein Nachweis
ihrer Wirksamkeit konnte aber in wissenschaftlichen Studien bisher nicht
erbracht werden.
> „Bellender“ Husten: Siehe Maßnahmen bei Krupp-Husten (Seite 12).
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HU STEN
Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
SE
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Helfen Antibiotika?
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B
E
Sie sollten zum Arzt gehen, wenn
> das Kind zusätzlich zum Husten kurzatmig ist, bei jedem Einatmen die
Nasenflügel sichtbar weitet („Nasenflügeln“), hohes Fieber, Schüttelfrost
und evtl. Schmerzen beim Atmen hat und/oder sich allgemein schlecht
fühlt. Dies könnten Anzeichen für eine Lungenentzündung sein. Durch die
Entzündung der Lungenbläschen bekommt das Kind schlechter Luft.
> der Husten nach einer Woche noch nicht deutlich besser ist.
Im Normalfall helfen Antibiotika bei Husten nicht.
> Die meisten Kinder mit Husten im Rahmen einer Erkältung werden
nicht schneller gesund, wenn sie Antibiotika nehmen. Antibiotika können nur bei Infektionen helfen, die durch Bakterien verursacht werden.
> Je jünger das Kind ist, desto häufiger werden Husten und Atemnot
LE
durch ein Virus verursacht und nicht durch Bakterien.
> Auch bei Lungenentzündung sind Antibiotika nur dann hilfreich, wenn
diese durch Bakterien verursacht wird.
Husten-Checkbox
–Husten und Symptome wie z. B. Kurzatmigkeit, hohes Fieber, Schüttelfrost,
Brustschmerzen, Nasenflügeln, länger
als 1 Woche Husten
Zum Arzt
Beobachten
und abwarten
Abwarten
– Leichter Husten bei Erkältung
– Leichter Reizhusten
ohne andere Symptome und ohne Fieber
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KRU PP-HU STEN
Was ist Krupp-Husten? (Infektkrupp)
 Krupp-Husten wird durch eine Virusinfektion der Schleimhaut unmit-
O
B
E
telbar unterhalb des Kehlkopfes verursacht.
Krupp-Husten gibt es bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 12 Jahren,
am häufigsten bei Kindern unter 3 Jahren. Manchmal geht eine Erkältung
voraus. Oft ist der (meist nachts auftretende) Infektkrupp auch der „Startschuss für eine Erkältung“. Krupp-Husten hört sich „bellend“ an (rau „wie
ein Seehund“).
SE
PR
Wie lange dauert Krupp-Husten?
Krupp-Husten dauert meist 2 bis 4 Tage.
Was können Sie tun?
LE
Allgemeine Maßnahmen:
> Bleiben Sie selbst ruhig und beruhigen Sie Ihr Kind. Nehmen Sie es
in den Arm. Angst scheint den Husten schlimmer zu machen.
> Geben Sie Ihrem Kind kleine Schlucke zu trinken.
> Helfen Sie Ihrem Kind beim Aufsetzen oder halten Sie es aufrecht:
Das kann beim Husten Erleichterung bringen.
> Wickeln Sie Ihr Kind in eine warme Decke ein und öffnen Sie die
Fenster, auch wenn es draußen kalt ist. Meist wird Krupp-Husten
damit schon besser.
„… Nach so einem Hustenanfall ist mein Kind immer total müde und
schläft schnell ein. Und ich auch ...“
12
KRU PP-HU STEN
SE
PR
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Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
B
E
Medikamente:
> Wenn Ihr Kind schon einmal einen Krupp-Husten hatte, haben Sie vielleicht vom Kinder- und Jugendarzt ein Kortisonpräparat für den Notfall
erhalten (Saft oder Zäpfchen).
> Wenn die Symptomatik ausgeprägt ist, können Sie ein solches Kortisonpräparat geben. Es dauert allerdings etwa 30 Minuten bis die Wirkung
eintritt.
!!
LE
Sie sollten dringend mit Ihrem Kind zum Arzt oder sogar einen Notarzt rufen:
• Wenn Ihre Maßnahmen nicht helfen oder Ihr Kind Atemnot hat.
• Wenn Sie auch beim schlafenden Kind bei jedem Einatmen ein pfeifendes Geräusch hören („Stridor“) und Ihr Kind dabei schnell
und angestrengt atmet.
• Wenn sich beim Atmen sichtbar alles um Hals oder unterhalb der Rippen anspannt.
• Wenn Ihr Kind sehr erschöpft wirkt und die Haut bläulich-grau
und sehr blass aussieht.
• Wenn Ihr Kind hohes Fieber hat, sich nicht flach hinlegen möchte,
nicht schlucken kann und der Speichel aus dem Mund läuft.
Helfen Antibiotika?
Antibiotika helfen beim Infektkrupp nie, weil es sich um eine Virusinfektion handelt.
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HY G IEN E-TIPPS
Wie lässt sich eine Ansteckung vermeiden?
E
Bitte beachten Sie zum Schutz vor Ansteckung folgende Hygiene-Tipps für
Ihr Kind im Falle einer Atemwegsinfektion:
8 Zu Hause bleiben und ausruhen.
B
8 Besuche bei bzw. von Freunden verschieben.
SE
PR
O
8F
ür‘s Nase putzen und abwischen
Papiertaschentuch verwenden und
danach gleich in den Abfall werfen.
8B
eim Niesen und Husten von anderen
Menschen abwenden und Abstand halten.
8 In ein Taschentuch oder in den Oberarm
– nicht in die Hände! – husten (und niesen).
LE
8 Händewaschen mit Wasser und Seife.
8 Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen.
8 Trinkglas, Essgeschirr und Besteck nicht
mit anderen teilen.
8E
in eigenes Handtuch nehmen und
dieses täglich wechseln.
8H
andtücher und Bettwäsche bei 60 °C mit Vollwaschmittel waschen.
Weitere Hygiene-Tipps für die Pflege Ihres Kindes zu Hause unter
www.hygiene-tipps-fuer-kids.de, Elterninformationen.
24
Ä R ZTLIC HE HILFE
Kein Ratgeber ist vollständig. Wenn Sie nach dem Lesen dieser Broschüre
in Bezug auf die Situation Ihres Kindes immer noch besorgt sind, sollten
Sie ärztlichen Rat einholen.
SE
PR
O
B
E
Sie können Ihren Arzt telefonisch um Rat fragen oder einen Termin ausmachen. Außerhalb der ärztlichen Sprechstundenzeiten erreichen Sie den
ärztlichen Notdienst unter den unten angegebenen Telefonnummern. Im
akuten Notfall können Sie auch unter der Notrufnummer 112 einen Krankenwagen/Notarzt rufen. Speichern Sie sich die Telefonnummern in Ihrem
Telefon ein.
!!
LE
Kinder- und Jugendarzt / Hausarzt:
Telefonnummer des Kinderärztlichen Notdiensts:
_______________________________
Allgemeine Notrufnummer: 112
25
Ä R ZTLIC HE HILF E
!!
Vor dem Arztbesuch
LE
SE
PR
O
B
E
Hier haben wir als Beispiele einige Fragen zusammengestellt, die Sie
sich vor dem Arzttermin stellen sollten. Wenn Sie sich die für Sie
wichtigen Fragen aufschreiben, können Sie diesen Merkzettel zum
Termin mitnehmen. Dann ist es leichter, sich an alles zu erinnern.
• Was hat mein Kind eigentlich genau?
• Muss ich mir ernste Sorgen machen?
• Was kann ich tun, um die Symptome zu lindern (ohne ein
Antibiotikum zu geben)?
• Wie wird mein Kind schnellstmöglich wieder gesund?
• Wann kann mein Kind wieder in die Krippe/Kita?
• Was kann ich zukünftig bei solchen Symptomen tun und wie
kann ich Komplikationen vermeiden?
Das möchte der Arzt von Ihnen wahrscheinlich wissen:
• Wie lange hat das Kind die Beschwerden schon?
• Hat das Kind Fieber und wenn ja, wie ist der Verlauf?
• Welche Maßnahmen haben Sie schon selbst ergriffen
(z. B. Medikamente, homöopathische oder naturheilkundliche
Mittel)?
• Sind andere Familienmitglieder oder Kinder in seiner näheren Umgebung krank?
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WA RN ZEICHEN F Ü R KOM PLIK AT IONEN
Kontaktieren Sie in den folgenden Fällen unbedingt sofort den Arzt:
„So ist mein Kind normalerweise nicht“,
Kind reagiert nicht auf Ansprache und
ist sehr reizbar,
keine Besserung bei Fieber trotz Gabe
von Ibuprofen
Probleme beim Atmen
schnelles Atmen, Kurzatmigkeit,
angestrengtes Atmen;
bei jedem Atemzug eingezogene Haut
zwischen den Rippen und unter dem
Rippenbogen
SE
PR
O
B
E
Extreme Schläfrigkeit oder
große Unruhe
LE
Starke Arm- und/oder
Beinschmerzen
Einschränkung der Beweglichkeit,
Kind „verweigert“ das Laufen
Fieber 40 °C oder höher
vor allem bei starker Beeinträchtigung
des Kindes und wenn weitere Symptome
dieser Liste auftreten
Ungewöhnliche Hautfarbe
gräulich, blass, fleckig („marmoriert“),
blau, dunkel um die Lippen
Wesensveränderung
Kind ist teilnahmslos, reagiert nicht auf
sein Umfeld oder lässt sich überhaupt
nicht beruhigen
Ausgeprägter
Flüssigkeitsmangel
siehe Seite 22,
trockene Augen, trockener Mund
27
WA R N ZEICHEN F Ü R KOM PLI K ATIONEN
Andere Warnsymptome
E
oder früher, wenn Ihr Kind schneller
außer Atem ist oder wesentlich
beeinträchtigt ist, oder wenn in
Ihrer Familie Asthma ist
SE
PR
Husten, der länger als
3 Wochen anhält
B
anhält
ohne andere erkennbare Zeichen einer
Infektion wie Husten, Ohrenschmerzen
usw.
O
Hohes Fieber (>39 °C),
das länger als 24 Stunden
LE
Gewichtsverlust
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der auch nach 2 Wochen (bei Kindern
bis 5 Jahren) bzw. nach 4 Wochen
(ältere Kinder) nicht aufgeholt wurde;
bei einem raschen Gewichtsverlust
sofort zum Arzt gehen (Austrocknung!)!
WA R N ZEIC HEN F Ü R KOM PLIK AT IONEN
Symptome, die auf Meningitis (Hirnhautentzündung) deuten
Ungewöhnlich starkes Kopfweh
B
E
Ein steifer Nacken: Das Kind kann das Kinn nicht auf die Brust
senken
O
Helles Licht ist unangenehm („blendet“)
Kind ist sehr schläfrig mit wenig Reaktionen
SE
PR
Neu aufgetretene rötliche oder bräunliche Flecken auf der Haut,
die bei Druck von außen mit einem Trinkglas nicht verschwinden
(„Glas-Test“)
LE
Durchführung des „Glas-Tests“ zur Erkennung einer Meningitis
> Drücken Sie ein sauberes Trinkglas mit der Seite auf eine Stelle mit dem
feinfleckigen Hautausschlag.
> Verschwindet der Ausschlag durch den Druck, handelt es sich nicht um
punktförmige Einblutungen (Petechien), die ein Hinweis auf eine Hirnhautentzündung sein können.
> Bleibt der Ausschlag trotz des Drucks durch das Glas sichtbar und
hat Ihr Kind Fieber, ist dies ein Alarmzeichen!
> Bitte suchen Sie in diesem Fall umgehend eine Klinik oder einen Arzt
auf.
29
A N TIB IOTIKA
Allgemeine Informationen zu Antibiotika
LE
SE
PR
O
B
E
Es gibt eine Reihe von guten Argumenten, warum man Antibiotika nicht
leichtfertig, sondern nur so selten wie unbedingt nötig einnehmen sollte:
> Antibiotika helfen nur bei Infektionen, die durch Bakterien verursacht
werden. Viele Infektionen, vor allem Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern, werden nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht.
Gegen Viren sind Antibiotika unwirksam.
> Der vermehrte und verlängerte Gebrauch von Antibiotika kann Bakterien resistent gegen Antibiotika machen. Die Antibiotika wirken dann
nicht mehr gegen diese Bakterien. Resistente Bakterien können lange
im Körper bleiben, auch wenn die Infektion lange vorbei ist. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.
> Wenn die nächste Infektion des Kindes dann durch solche resistenten
Bakterien ausgelöst wird, helfen die Standardantibiotika nicht mehr.
Dann müssen Antibiotika mit breiterem Wirkspektrum eingesetzt werden, die oft auch mehr unerwünschte Wirkungen haben.
> Die meisten Antibiotika verursachen Nebenwirkungen wie z. B. Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Hautausschlag. Vor allem Durchfall ist
eine häufige Nebenwirkung der Antibiotikatherapie.
> Antibiotika töten auch die „guten und nützlichen“ Bakterien, die z. B.
unseren Darm besiedeln und die uns vor einer Infektion schützen.
> Antibiotika können auch allergische Reaktionen verursachen. Oft sind
dies nur juckende Hautausschläge. In manchen Fällen können aber auch
schwerwiegende Unverträglichkeitsreaktionen auftreten.
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ZU SA M M EN F A SSUNG
LE
SE
PR
O
B
E
8D
ie meisten Kinder mit einer Erkältung, Husten, Halsschmerzen
oder Ohrenschmerzen (Mittelohrentzündung), die zum Arzt gehen,
sind auch nach 4 Tagen noch nicht wieder ganz gesund. Das
entspricht dem natürlichen Verlauf und heißt nicht, dass Sie dann
eine andere Behandlung benötigen oder erneut zum Arzt gehen
müssen.
8 Manchmal gibt Ihnen der Arzt ein Rezept, das Sie nur dann einlösen, wenn es in den nächsten 24–48 Stunden nicht unter einer
symptomatischen Therapie (ohne Antibiotikum) besser wird (verzögertes Verschreiben, warten und beobachten). Bei ausbleibender
Besserung oder einer Verschlechterung der Symptomatik ist eine
Kontrolle oder zumindest eine telefonische Rücksprache mit dem
Kinder- und Jugendarzt zu empfehlen.
8 Die meisten Infektionen der Atemwege heilen nicht schneller,
wenn Sie Ihrem Kind Antibiotika geben.
8 Ein Drittel der Kinder, die wegen Husten beim Arzt waren, husten
auch 2 Wochen später noch. Das heißt nicht, dass sie eine andere
Behandlung benötigen.
8 Kinder mit Warnsymptomen für eine schwerere Erkrankung müssen sofort zum Arzt (s. Seite 27–29). Diese Anzeichen sind z. B.:
• Stark vermehrte Müdigkeit
• Atemnot
• Ungewöhnliche Schmerzen in Armen und Beinen
• Ungewöhnliche Hautfarbe (blass, grau, marmoriert)
• Ein Ausschlag, der bei Druck von außen mit einem Glas nicht
verschwindet
• Nackensteifigkeit
• Erster Fieberkrampf
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Diese Initiative wird unterstützt von:
8 Universitätskinderklinik Homburg: www.uniklinikum-saarland.de
8 Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: dgpi.de
8 Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.bvkj.de
8 Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes:
www.soziales.saarland.de
E
8 Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene:
B
www.krankenhaushygiene.de
8 Hygiene-Tipps für Kids, Institut für Hygiene und Öffentliche
O
Gesundheit der Universität Bonn: www.hygiene-tipps-fuer-kids.de
SE
PR
8 Netzwerke für multiresistente Erreger
Rhein-Aar, www.mre-rhein-ahr.net
Rhein-Main, www.mre-rhein-main.de und
Saarland, www.mrsaar.net
8 Pädiatrisch Infektiologisches Netzwerk Saar (Pädine Saar):
LE
www.paedine-saar.de
ISBN 978-3-88681-131-1
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