Arbeitsblatt - James Madison

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JAMES MADISON
TEXT: Plädoyer für eine repräsentative Verfassung
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besonnensten
und ehrenhaftesten
Bürger, die für öffentliche und private Redlichkeit eintreten, dass
unsere Regierungen zu labil seien, dass das öffentliche Wohl in den
Streitigkeiten der rivalisierenden Cliquen missachtet werde und
dass Beschlüsse nur zu oft nicht in Übereinstimmung mit den
Forderungen der Gerechtigkeit und den Rechten der Minderheit
gefasst werden, sondern auf Grund der überlegenen Macht einer
selbstsüchtigen und anmaßenden Majorität. Mögen wir auch noch
so sehr wünschen, dass diese Klagen unbegründet wären - die
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offenkundigen
Tatsachen gestattenCopyright
uns nicht
zu leugnen, dass sie
in einem gewissen Ausmaß berechtigt sind. (...) Unter einer Clique
verstehe ich, dass sich eine Gruppe von Bürgern - es kann die
Mehrheit oder eine Minderheit sein - unter dem Antrieb von
Leidenschaften und Interessen zusammenschließt, die im
Gegensatz zu den Rechten der übrigen Bürger oder zu den
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dauernden und allgemeinen Interessen der Gemeinschaft stehen.
Es gibt zwei Methoden, dieses Übel abzustellen: Beseitigung seiner
Ursachen oder Kontrolle seiner Folgen. Auch zur Beseitigung der Ursachen des Cliquenwesens
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gibt es zwei Methoden: entweder man schafft die Freiheit ab, die zu seiner Existenz notwendig ist,
oder man gibt allen Bürgern die gleichen Ansichten, Leidenschaften und Interessen. Auf nichts
könnte der Ausspruch, dass das Heilmittel schlimmer sei als die Krankheit, mit größerer
Berechtigung angewendet werden als auf die erste der genannten Methoden. (...)
Die zweite Methode ist ebenso undurchführbar, wie die erste unsinnig wäre. Solange die
menschliche Vernunft unzulänglich bleibt und man dem Menschen die Freiheit lässt, sich dieser
unzulänglichen Freiheit zu bedienen, wird es verschiedene Meinungen geben. Solange eine
Verbindung zwischen der Vernunft des Menschen und seiner Eigenliebe besteht, werden seine
Meinungen
und Leidenschaften einander
und aus den Copyright
Meinungen
werden Ziele
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entstehen, auf die er seine Leidenschaften richtet. Dazu kommt als weiteres unüberwindliches
Hindernis für eine Gleichwertigkeit der Interessen die Verschiedenheit der Fähigkeiten der
Menschen, aus der die Eigentumsrechte entspringen. Der Schutz dieser Fähigkeiten ist die
wichtigste Aufgabe der Regierung. Aus dem Schutz verschiedener und ungleicher Fähigkeiten
zum Erwerb von Eigentum ergibt sich unmittelbar der Besitz von Eigentum verschiedener Art und
verschiedenen Ausmaßes, und aus seinem Einfluss auf die Gefühle und Meinungen der Besitzer
folgt eine Spaltung der Gesellschaft in verschiedene Interessengruppen und Parteien.
Die latenten Ursachen der Spaltung in Parteien sind also in der menschlichen Natur verwurzelt.
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(...) Diese
verschiedenen einander
widersprechenden
Interessen miteinander
in Einklang zu
bringen, ist die Hauptaufgabe der modernen Gesetzgebung. Parteigeist und Spaltung in
Interessengruppen haben also ihren Platz im normalen Ablauf der Regierungstätigkeit. (...) Wir
gelangen daher zu dem Schluss, dass die Ursachen der Spaltung in Interessengruppen nicht
beseitigt werden können und dass das Heil nur darin zu suchen ist, Mittel zur Kontrolle der
Auswirkungen zu finden. (...)
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beklagen sich unsere
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In einer reinen Demokratie, womit ich eine
zahlenmäßig kleine Gemeinschaft meine, deren
Mitglieder sich versammeln und selbst die Regierung
ausüben, (kann) kein Heilmittel für das Übel der
selbstsüchtigen
Interessengruppen
gefunden
werden. In fast allen Fällen
wird die
Mehrheit eine
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gemeinsame Leidenschaft oder ein gemeinsames
Interesse haben. Der Zusammenschluss und die
Möglichkeit, das Einverständnis zu pflegen, folgt aus
der Regierungsform von selbst, und es gibt nichts,
was den Trieb, die schwächere Partei oder eine
missliebige Person den eigenen Interessen
aufzuopfern, einschränken könnte. Aus diesen Gründen sind solche Demokratien zu allen Zeiten
zum Schauplatz stürmischer Auseinandersetzungen geworden und haben sich zur Wahrung der
persönlichen
Sicherheit und der Eigentumsrechte
als ungeeignet erwiesen.
Und gewöhnlich
haben
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sie nach kurzer Lebensdauer ein gewaltsames Ende gefunden. Politische Theoretiker, die diese
Art von Regierungen befürworteten, waren der irrigen Meinung, dass die Menschen, wenn man
ihnen gleiche politische Rechte gibt, auch in Bezug auf ihre Eigentumsverhältnisse, ihre
Meinungen und ihre Leidenschaften völlig gleichgemacht werden könnten.
Eine Republik, worunter ich eine Regierung verstehe, in der die Idee der Vertretung des Volkes
verwirklicht ist, eröffnet bessere Aussichten; von ihr lässt sich das Heilmittel erhoffen, das wir
suchen. (...) Die Auswirkung (...) besteht einerseits darin, dass die öffentliche Meinung geläutert
und erweitert wird, indem sie den Filter einer ausgewählten Gruppe von Staatsbürgern passiert,
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die wahren Interessen ihres
Landes erkennen, und
deren Patriotismus und Gerechtigkeitsliebe die Annahme zulässt, dass sie diese wahren
Interessen nicht augenblicklichen Vorteilen opfern werden. Auf diese Weise kann es geschehen,
dass die Stimme des Volkes dort, wo sie aus dem Munde der Volksvertreter spricht, eher dem
Wohl der Allgemeinheit dient, als dort, wo das Volk selbst zusammentritt, um seinen Willen
kundzutun.
James Madison: The Federalist Papers, Nr. 10, (1787/88). Zitiert nach Dieter Oberndörfer/Wolfgang Jäger: Klassiker der Staatsphilosophie. Bd. II:
Von Kant bis Mao Tse-Tung. Stuttgart: Koehler 1971, S. 57–62 (gekürzt)
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1: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:James_Madison.jpg
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Aufgaben:
1. Vergleichen Sie das Demokratiemodell Madisons mit dem Rousseaus, indem Sie deutlich
machen, welches Gemeinwohlverständnis ihren jeweiligen Vorstellungen zu Grunde liegt,
erläutern, wie das Gemeinwohl ermittelt wird, und untersuchen, welche Rolle
Partikularinteresssen (Teilinteressen) in ihrer politischen Philosophie spielen!
2. Vonwww.park-koerner.de
welchem StaatstheoretikerCopyright
sind Madisons
Überlegungen (M Copyright
2) beeinflusst?
Welches
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Demokratiemodell liegt seinen Ausführungen zu Grunde? Wo wird das im Text deutlich?
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