Befund Diabetes Das österreichische Journal für Menschen mit Diabetes s.org te ia p 2d b e www.ty Häufige Infektionen Hautpflege bei Diabetes rE x itn zu em e h m p la r m en Blutzucker messen: Wie, womit und wann M Ih 2016 Ausgabe 2 Kinder und Jugendliche Aus Medizin und Forschung Ernährung Diabetes bei Kindern und Jugendlichen Folge- und Begleit­ erkrankungen Bessere Blutzuckerwerte durch Hülsen­ früchte Befund Inhalt Diabetes Aus Medizin und Forschung 4 Folge- und Begleiterkrankungen 7 Diabetes und dessen Auswirkungen auf die Psyche 10 Häufige Infektionen Kinder und Jugendliche 14 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen 16 Schulen überfordert: Immer mehr Kinder mit Diabetes us der Selbsthilfe und A den Fachgesellschaften 17 Weltdiabetestag am 14. November 18 Österreichische Diabetes Gesellschaft lädt zur 44. Jahrestagung 18 Neues Netzwerk für Menschen mit Diabetes Ausgabe 2/2016 Ernährung 28 Bessere Blutzuckerwerte durch Hülsenfrüchte 29 So ernähren sich Menschen mit Diabetes richtig 32 Menschen mit Typ-2-Diabetes können von zwei großen Mahlzeiten profitieren Service 33 Veranstaltungen 34 Online-Ratgeber zu Diabetes 34 Weitere wichtige Adressen 35 Befund Diabetes mitgestalten/Impressum/ Wissenschaftlicher Beirat 2 Bestellformular: Befund Diabetes kostenfrei für Ordination/Spital/Selbsthilfegruppe Seite 10 Leben mit Diabetes Foto: Subbotina Anna – Shutterstock.de 19 Bewegung bei Diabetes Typ 2 20 Experteninterview: Hautpflege bei Diabetes 22 Blutzucker messen: Wie, womit und wann 25 Richtige Mund- und Zahnpflege 26 Vor- und Nachteile der Insulinpumpe Häufige Infektionen Befund Diabetes 2/2016 3 Aus Medizin und Forschung Folge- und Begleiterkrankungen Diabetes führt oft zu Folge- und Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz, Nervenschädigungen oder dem diabetischen Fußsyndrom. Nieren- und Netzhautschäden Ein häufiges Leiden bei Betroffenen ist eine Niereninsuffizienz, die sog. diabetische Nephropathie. Sie gilt als häufigste Ursache für Nierenversagen. Denn Aufgabe der Niere ist es, Schad- und Abfallstoffe aus dem Blut zu filtern. Sind aber Blutgefäße in den Nieren geschädigt, funktionieren diese nicht mehr korrekt und können Gifte nicht mehr aus dem Körper filtern. Sollte es soweit kommen, dass beide Nieren nicht mehr funktionieren, muss das Blut von Betroffenen künstlich mittels Dialyse gereinigt werden. Ein frühes Zeichen für eine beginnende Niereninsuffizienz ist der Nachweis von Eiweiß im Urin. Eine rechtzeitige Therapie durch korrekt eingestellten Blutdruck und Blutzucker sowie einer Medikation z. B. mit ACE-Hemmern kann das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie verhindern. Geschädigte Blutgefäße kön4 Befund Diabetes 2/2016 Foto: memorisz – Shutterstock.com D iabetes schädigt oft kleine und große Arterien, auch Mikro- bzw. Makroangiopathie bezeichnet, und häufig auch Nerven. Zu den häufigsten Folgeund Begleiterkrankungen zählt z. B. eine Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose), die durch zu hohe Zuckerwerte gefördert wird. Sind die Herzkranzgefäße betroffen, so wird dies als koronare Herzerkrankung bezeichnet, die sich in Brustschmerzen und Engegefühl in der Brust bemerkbar macht – bei Frauen auch häufig durch Rückenoder Kieferschmerzen. Allerdings fühlen Menschen mit Diabetes diese Hinweise aufgrund von Nervenschäden häufig nicht. Verschließen sich Herzkranzgefäße, wird der entsprechende Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Blut versorgt und stirbt ab. Die Folge ist eine Herzleistungsschwäche oder ein Herzinfarkt, der bei Menschen mit Diabetes zu den häufigsten Todesursachen zählt. Zu hoher Blutdruck, besonders wenn er mit Bewegungsmangel und Übergewicht einhergeht, ist ebenso ein Risikofaktor für einen Herzinfarkt. Wesentlich für Betroffene sind daher regelmäßige EKG-Kontrollen, um auch sog. stumme Infarkte zu entdeckten und zu behandeln. nen bei Menschen mit Diabetes auch in der Netzhaut auftreten. Grund dafür ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Es kann dadurch zu Einblutungen sowie Ablagerungen von Proteinen und Fetten in den Augen kommen. Studien belegen, dass rund 85 % der Betroffenen, die bereits 25 Jahre oder länger an Diabetes erkrankt sind, Schäden an den Augen erleiden. Zudem ist die Sehkraft von Betroffenen häufig eingeschränkt. Diabetisches Fußsyndrom und Nervenschäden Wenn es in den Füßen kribbelt, brennt oder sich ein Taubheitsgefühl breit macht, dann handelt es sich meist um erste Anzeichen eines Nervenschadens, auch als diabetische Neuropathie bezeichnet. Diese Folgeerkrankung kann alle Nerven treffen, wenn auch die sensiblen besonders gefährdet sind. Denn sie leiten Schmerz- und Temperaturempfindungen weiter. Bei fortgeschrittener Erkrankung leiden Betroffene häufig unter großen Schmerzen. Ebenso werden bei diabetischer Neuropathie häufig die autonomen Nerven geschädigt, die die inneren Organe versorgen. Dies kann zu Störungen der Magen- und/oder Blasenentleerung, Durchfall oder Potenzproblemen führen. Nervenschäden sind auch Grund für das diabetische Fußsyndrom. Denn durch die gestörte Wahrnehmung von Schmerzen bemerken Betroffene Verletzungen oft nicht rechtzeitig. Dadurch können sich Wunden entzünden und zudem schlecht abheilen. Es bil- Aus Medizin und Forschung Häufige Infektionen Menschen mit Diabetes leiden öfter an Infektionen als Menschen ohne Diabetes. Zudem erholen sich Betroffene schwerer von den häufig auftretenden Pilz- und Harnwegs- sowie Influenzainfektionen. D Überschüssiger Zucker im Blut bindet z. B. Antikörper, die dafür sorgen, Keime zu erkennen und zu binden. Auch die Zellen des Abwehrsystems werden durch einen hohen Blutzucker beeinträchtigt. So werden etwa die speziellen Zellen zur Abwehr, die sog. Granulozyten, geschwächt. Die Folge ist, dass Betroffene öfter unter Infektionen leiden und sich auch schwerer erholen. Häufig leiden sie daher unter Pilz- und Harnwegsinfektionen sowie Gehörgangsentzündungen, aber auch Influenzaviren stellen für Betroffene eine größere Gefahr dar als für Personen ohne Diabetes. Harnwegsinfektionen bei 60 % der Betroffenen Immer wiederkehrende Harnwegsinfektionen sind für 60 % der Betroffenen ein Problem. Dabei ist auch der Verlauf schwieriger als bei Personen ohne Diabetes und kann zu Nierenbeckenentzündungen führen. Frauen mit Diabetes leiden doppelt so häufig an einer Harnwegsinfektion als Frauen ohne Diabetes. Laut diabetes-ratgeber.net liegt das an der schwachen Keimabwehr in der Schleimhaut. Bakterien können dadurch leichter in die Haut eindringen. Bemerkbar macht sich eine entzündete Harnröhre durch Jucken und Brennen beim Wasserlassen sowie teilweise eitrigem Ausfluss. Steigen die Keime in die Harnblase auf, entwickelt sich oft eine Blasenentzündung. Diese geht meist mit häufigem Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Schmerzen im Unterbauch sowie trübem und übel riechendem Urin einher. 10 Befund Diabetes 2/2016 Foto: Subbotina Anna – Shutterstock.de er Grund für häufig auftretende Infektionen bei Menschen mit Diabetes ist eine schlechter funktionierende Abwehr des Immunsystems. Die Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, sind vielfältig, begründen sich aber häufig in einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Die Höhe des Blutzuckerspiegels hängt mit der Leistungsfähigkeit des Immunsystems zusammen. Ist der Blutzucker gut eingestellt, ist auch das Infektionsrisiko nicht höher als bei Nicht-Erkrankten. Sollte der Stoffwechsel allerdings nicht harmonisch arbeiten, fehlt es an Leistung für die Abwehr. Üblicherweise verläuft diese Infektion harmlos und klingt von selbst ab. Doch wenn die Keime in Richtung Niere wandern, kann es zu einer Nierenbeckenentzündung kommen. Hinweise darauf sind starke Schmerzen in der Flanke, Fieber und Schüttelfrost. Menschen mit Diabetes sollten daher zum Arzt gehen, wenn sie eine Harnwegsentzündung vermuten. Pilzinfektionen Das schwache Immunsystem bei Menschen mit Diabetes macht es Pilzen leichter, sich auszubreiten. Ein hoher Blutzuckerspiegel führt nicht nur zu Problemen mit der Immunabwehr, sondern bietet Pilzen die nötigen Zuckerbausteine, um zu wachsen. Ist der Zucker im Blut erhöht, steigt auch der Zuckergehalt im Gewebe und an den Schleimhäuten, was Pilzinfektionen begünstigen kann. Dabei ist die häufigste Erkrankung unter den Pilzinfektionen der Scheidenpilz. Erreger ist zumeist ein Hefepilz. Anzeichen für einen beginnenden Scheidenpilz ist ein bröckeliger, weißer Ausfluss sowie ein Brennen im Genitalbereich. Aus der Selbsthilfe und den Fachgesellschaften Österreichische Diabetes Gesellschaft lädt zur 44. Jahrestagung Zum 44. Mal findet die Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) statt. Vom 17. bis 19. November treffen sich Experten, Betroffene und Interessierte im Salzburger Congress. Neues Netzwerk Foto: Matej Kastelic – Shutterstoc U nter dem Motto „Chancen und Risiken für Menschen mit Diabetes“ geht vom 17. bis 19. November 2016 im Salzburger Congress die 44. Jahrestagung der ÖDG über die Bühne. Die Jahrestagung hat Menschen mit Diabetes mellitus in dieser Gesellschaft im Fokus. „Psychosoziale Faktoren treten zum Diabetes – quasi als Co-Determinanten menschlichen Verhaltens – hinzu. Übermäßiger Stress, Frustrationen u. v. m. führen zu Verstimmungen bis hin zu manifesten Depressionen. Stehen am Anfang dieser Entwicklung oft noch Belohnungssysteme im Vordergrund, folgen Rückzug und Flucht, mit der Konsequenz der Selbstvernachlässigung, schlechter Blutzuckereinstellung, Spätfolgen und stark erhöhter Mortalität“, erklären Hermann Toplak, ÖDG-Präsident sowie Helmut Brath, erster Sekretär der ÖDG. Daher widmet sich die Tagung diesen Spannungsfeldern, ihren positiven Möglichkeiten wie auch den negativen Aspekten. Damit will die ÖDG ein Gesamtbild zeichnen, das ein besseres Verständnis für Menschen mit Diabetes zum Ziel hat. Das genaue Programm finden Sie auf der Homepage der ÖDG unter www.oedg.org ■ für Menschen mit Diabetes Erwin Torma hat eine Diabetesinitiative für Österreich gegründet. Anlass war die Diabetesdiagnose seiner Tochter Tina. Ziel des Projekts ist es, Betroffene zu vernetzen und ihnen eine Plattform zu bieten. E rwin Tormas Leben änderte sich vor drei Jahren grundlegend, als bei seiner sechsjährigen Tochter Tina Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Der 52-Jährige, der in Simmering lebt, hat dieses Ereignis zum Anlass genommen, anderen Betroffenen zu helfen. Er gründete ein Netzwerk für Betroffene mit Diabetes in Österreich, das sich auf der Webseite diabetestyp1.at präsentiert. „Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass ich mit den Problemen und Fragen nicht allein bin. Immer wieder höre ich von Eltern, die genauso kämpfen und nach Antworten suchen. Man wird von den Spitälern zwar sehr gut betreut, aber dazwischen? Deswegen sucht man nach Gleichgesinnten“, erklärt Torma gegenüber diabetes-austria.com. Es gebe zwar viele Vereine, Selbsthilfe18 Befund Diabetes 2/2016 gruppen und Organisationen, die Hilfe anbieten würden, aber diese müsse man auch erst mal finden. Daraus ist die Idee entstanden, eine Plattform zu schaffen, um betroffene Menschen miteinander zu verbinden. „Ich bin überzeugt, mit dieser Plattform das richtige Werkzeug für mein Vorhaben geschaffen zu haben, damit wir gemeinsam mit dieser Krankheit das Leben leichter, einfacher und besser gestalten können“, zeigt sich Torma optimistisch. Auf der Homepage selbst wird z. B. eine interaktive Karte angeboten, die es erleichtert Standorte von Organisationen, Vereinen und Selbsthilfegruppen zu finden. Zudem gibt es themenspezifische Videos. Da die Plattform neu ist, befindet sie sich noch im Wachstum. ■