klimawandel - Kneippbund

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Natur
Der
KLIMAWANDEL
und seine Auswirkungen
auf das Leben
FOTO: © OLEKSANDR KOTENKO - FOTOLIA
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Lange wurde bezweifelt, ob es so etwas wie einen Klimawandel überhaupt gibt – heute ist
aus der Vermutung aber eine Tatsache geworden und man ist sich sicher, dass der
Klimawandel in Zukunft alle Bereiche unseres Lebens und unserer Umwelt beeinflussen wird.
 TEXT: MAG. DR. HELMUT ZWANDER
D
er Begriff des „Klimawandels“ ist
im Verlauf der letzten Jahre zu
einem allseits bekannten Thema
aus dem Bereich der Wissenschaften
geworden.
Im Fachbereich der Klimatologie arbeiten
heute tausende Wissenschaftler/innen auf
der ganzen Welt. Viele Menschen stellen
sich die Frage, ob es überhaupt möglich
ist, ein verlässliches Klima­szenario für
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die nächsten Jahrzehnte zu beschreiben,
wo es ja schon schwierig genug ist, die
täglichen Wetterverhältnisse für mehr als
eine Woche verlässlich vorherzusagen.
WETTER – KLIMA
Mit der Vorhersage des Wetters beschäftigt sich die Meteorologie und mit dem
Klima die Klimatologie. Beide Wissenschaftsdisziplinen beschreiben die ver-
schiedenen Zustände unserer Atmosphäre
– unter Wetter versteht man aber die möglichst exakte Beschreibung des aktuellen
Wettergeschehens mit der Temperatur der
Luft und des Wassers, der Luftfeuchtigkeit, den Windverhältnissen und dem Niederschlag in flüssiger oder fester Form.
Diese Wetterwerte können zeitlich und
räumlich schnell wechseln und sind deshalb auch schwierig vorherzusagen. Der
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Natur
PROBLEMATISCH: CO2
Begriff Klima steht hingegen für eine statistische Beschreibung der zeitlichen Entwicklung des Wetters auf dem Planeten
Erde über viele Jahrzehnte hinweg. Und
gerade hier zeigen sich deutliche Veränderungen, die dazu führen, dass man
heute zu Recht von einer Klimaänderung
spricht.
In den Alpen wird die Waldgrenze als
Folge des Klimawandels um
100 bis 150 Höhen­meter ansteigen.
Die verlässlichste Auskunftsstelle für das
Klimaszenario der Zukunft ist der Weltklimarat der Vereinten Nationen, der sog.
Auf die Strahlungsstärke der Sonne und
„Zwischenstaatliche Ausschuss über Kliauf die Vulkanausbrüche hat der Mensch
maveränderung/Intergovernmental Panel
keinen Einfluss, wohl aber auf die Atmoon Climate Change (IPCC)“.
sphäre, die in den letzten Jahrzehnten
zunehmend mit Treibhausgasen ange- Das wahrscheinlichste Zukunftsszenario
reichert wurde. Die Treibhausgase (vor für Europa geht davon aus, dass bis zum
allem Kohlenstoffdioxid, Wasserdampf, Jahr 2100 die JahresdurchschnittstemMethan und Stickoxide) sind verantwort- peratur um 3 Grad zunehmen wird. Damit
lich für den sogenannten Treibhauseffekt, verbunden ist ein Rückgang der Alpender verhindert, dass die langwellige Wär- gletscher auf 10-20 % der heutigen Flämestrahlung der Erde vom Boden zurück che und eine Abnahme des Niederschlags
in das Weltall gelangt.
in Form von Schneefall.
Clusius-Enzian
Die Sommermonate werden südlich der
Alpen trockener und es muss vermehrt mit
Hitzewellen und Dürreperioden gerechnet
werden.
,,
WELCHE EINFLÜSSE DES KLIMAWANDELS SIND AUF DIE PFLANZENWELT
IN ÖSTERREICH ZU ERWARTEN?
Es ist jedenfalls damit zu rechnen, dass
sich die Zusammensetzung des Baumbestandes in den Wäldern verändern wird.
Verlierer in der Ebene und in den mittleren Höhenlagen sind die Fichten und
die Tannen. Gewinner sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Rotbuche, die
Hainbuche und die Eichen-Arten. Es wird
zunehmend schwieriger werden, in der
k
Für viele unserer schönsten Alpenpflanzen wird der
Lebensraum zwischen dem höher rückenden
Wald und den Berggipfeln immer stärker eingeengt.
Alpenglöckchen
FOTOS: © ZWANDER
Mit der Berechnung all dieser Komponenten versuchen die Klimatologen,
mögliche zukünftige Veränderungen des
Klimas zu erfassen. Dies ist rechentechnisch eine immense Herausforderung und
kann nur mit Rechenmodellen in großen
Rechenzentren durchgeführt werden. Das
Problem bei diesen Rechenmodellen ist,
dass bereits kleinste Veränderungen bei
den Ausgangsdaten zu großen Unterschieden bei den Klimaprognosen führen.
Welche Einflüsse der ansteigende CO2Gehalt auf die Biomasseproduktion bei
Pflanzen haben wird, ist derzeit eine Frage
von vielen wissenschaftlichen Studien. Es
wird befürchtet, dass in vielen Regionen
der Welt künftig die Fotosyntheserate
abnehmen wird und dass damit auch die
Produktion von Biomasse zurückgehen
wird. Dies könnte gewaltige Einflüsse
auf den Ertrag in der Landwirtschaft und
auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln
haben.
,,
Generell sind am Zustandekommen des
globalen Klimas verschiedene Faktoren
beteiligt. Dazu zählen die Sonne, die
unseren Planeten mit Strahlungsenergie
versorgt, mögliche Vulkanausbrüche, die
mit ihren Ascheteilchen die Sonneneinstrahlung abschwächen können und vor
allem die chemische Zusammensetzung
der Atmosphäre.
FOTO: © ZWANDER
WAS BEEINFLUSST DAS KLIMA?
Vielfach wird der Klimawandel mit dem
Anstieg des Kohlenstoffdioxid-Gehalts
in der Luft in Zusammenhang gebracht.
Der CO2-Gehalt in der Luft ist im Verlauf
der letzten 200 Jahre von 0,028 auf 0,04
Prozent angestiegen. CO2 ist aber nicht
nur ein Treibhausgas, sondern auch ein
essentieller Nährstoff für die Pflanzen zur
Durchführung der Fotosynthese.
Roter Steinbrech
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Alpen-Mannsschild
Ebene und in montanen Lagen die Fichte
als Wirtschaftsbaum zu betreiben. Eine
sichere Auswirkung des Klimawandels
wird auch die alpine Waldgrenze betreffen. Von Bedeutung ist hier nicht die vom
Menschen künstlich hergestellte Waldgrenze im Bereich der Almwirtschaft,
sondern die klimatische Waldgrenze. Für
diese Grenzlinie sind ausschließlich die
Temperatur und die Dauer der Wachstumsperiode von Bedeutung. Dabei
muss die Wachstumsperiode mindestens
drei Monate betragen und in dieser Zeit
muss die mittlere Temperatur mindestens
6,4 °C erreichen. Mit der zu erwartenden
Erwärmung wird sich diese Minimalanforderung nach oben verschieben und
der Wald wird immer höher gelegenere
Berggebiete besiedeln können. Dies wäre
ja an und für sich nicht schlecht, aber
man muss bedenken, dass damit viele
unserer alpinen Pflanzen, die waldfreie
Gebiete benötigen, in eine prekäre Situation kommen: von unter rückt der Wald
nach und nach oben hin gibt es keine
uneingeschränkten Ausweichmöglichkeiten. Untersuchungen an der Universität Innsbruck haben gezeigt, dass sich in
den Zentralalpen eine neue Waldgrenze
ausbilden wird, die im Vergleich zum 19.
Jahrhundert etwa 100 bis 150 Meter höher
liegen wird.
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Paradieslilie
Kraut-Weide
Der Begriff Klima steht
für eine statistische
Beschreibung der
zeitlichen Entwicklung
des Wetters auf
der Erde.
ARM, ÄRMER: POLLENALLERGIKER
Für Pollenallergiker hat der Klimawandel
leider keine guten Auswirkungen. Die
Vegetationsperiode und damit die Zeit der
Pollenfreisetzung verlängert sich. Es gibt
ein immer früheres Auftreten der Frühlingsphasen und damit verbunden eine
immer frühere Freisetzung von Erlenund Haselpollen. In der Blühperiode des
Jahres 2016 konnten an vielen Standorten
Österreichs bereits Anfang Jänner stäubende Haselkätzchen beobachtet werden.
Leider endet aber die Pollenallergie-Saison deshalb nicht früher, sondern weitet
sich auch immer stärker in die Herbstmonate aus. So muss beispielsweise bis
Mitte September mit einem allergenen
Pollenflug des Traubenkrautes (Ragweed, Ambrosia)
gerechnet werden.
Für Pollenallergiker
bleiben somit nur
mehr drei sichere
Monate, in denen
keine gesundheitlichen Beschwerden
auftreten können.
Dazu kommt, dass
Als Folge des Klimawandels wird der allergene Pollenflug an
alle Pflanzen mit
­Intensität zunehmen. Diese Tendenz ist bei der Freisetzung von
Birkenpollen deutlich zu erkennen.
allergologisch rele-
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FOTOS: © ZWANDER
Natur
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vanten Pollentypen als Folge der Klimaveränderungen vermehrt Blütenstaub
erzeugen und freisetzen. Der in Kärnten
seit dem Jahr 1980 beforschte Pollenflug
zeigt deutlich diese Erhöhung der Pollenfreisetzung.
KLIMAVERÄNDERUNG –
FÜR DIE NATUR NICHTS NEUES?
An und für sich sind klimatische Auswirkungen auf die Pflanzenwelt nichts
Neues – bereits seit vielen Millionen
Jahren beeinflusst das sich ständig verändernde Klima die Pflanzenwelt. Vor
7.500 Jahren war die heutige Wüste
Sahara ein fruchtbares Weideland mit
Flüssen, in denen Nilpferde lebten. Auch
in Mitteleuropa gab es immer schon
extreme Klimaereignisse wie z. B. die
gegenwärtige quartäre Eiszeit, die seit
etwa 2,6 Millionen Jahren für immer wiederkehrende Vereisungsphasen gesorgt
hat.
Noch vor 18.000 Jahren war fast der
gesamte Alpenbogen von Gletschereis
bedeckt. Um 1000 n. Chr. begann die mittelalterliche Klimagunstperiode, in welcher die Wikinger auf Grönland Ackerbau
und Viehzucht betreiben konnten.
Ab dem 14. Jahrhundert begann die
Kleine Eiszeit, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts für Missernten und winterliche
Katastrophen sorgte. Seit etwa 150 Jahren
nimmt die Lufttemperatur am Erdboden
wieder zu: wir leben derzeit in einer Wärmegunstperiode.
Das größte Problem mit dem Klimawandel hat der Mensch mit seiner empfindlichen Infrastruktur und seiner technisierten
Welt. Wir Menschen verlangen, dass alles
immer funktionieren muss und dass keine
Wetterkapriolen unsere Lebenswelt beeinflussen – nur spielt leider das Klima bei
diesem Wunschdenken nicht mit! ◆
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