Die fruchtbare Kuh: Fruchtbarkeitskennzahlen

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Kapitel :: Herdenmanagement
Fruchtbarkeitskennzahlen
Fruchtbarkeitskennzahlen
Fruchtbarkeitskennzahlen (FBK-Kennzahlen) sind Mess–oder Rechengrössen, mit deren Hilfe Ereignisse und Zeiträume
der Fruchtbarkeit beschrieben werden können. Die Fruchtbarkeitskennzahlen werden unterteilt in retrospektive FBKKennzahlen und prospektive FBK-Kennzahlen. Die meisten Fruchtbarkeitskennzahlen sind sogenannt retrospektiv, was
bedeutet, dass ein zurückliegender Zeitraum beschrieben wird. Die sogenannt prospektiven Kennzahlen beschreiben den
aktuellen Fruchtbarkeitsstatus eines Betriebes. Für alle Kenngrössen gibt es einen Durchschnittswert für die Herde und
eine individuellen Wert für das Einzeltier. Die anzustrebende Zielgrösse (Sollwert) bezieht sich meist auf die ganze Herde.
Es kann jedoch sehr wichtig sein, die Verteilung, respektive Streuung bei den Einzeltieren zu erfassen, auch wenn die
Kenngrösse der Herde den angestrebten Wert erreicht. Der Herdendurchschnitt sagt nichts aus über die Streuung. So
können z.B in einer Herde, deren Zwischenkalbezeit (ZKZ) 390 Tage beträgt, alle Kühe dieser Herde eine ZKZ von 390
Tagen haben, oder aber die Einzelwerte können sehr stark streuen von 350 bis 450 Tagen.
Die einzelnen Zahlen
Rastzeit (RZ)
Als Rastzeit (RZ, retrospektive Kennzahl) bezeichnet man die Zeit zwischen der Abkalbung und der ersten Besamung. Die
Zielgrösse ist leistungsabhängig, d.h. je höher die Leistung, desto länger „darf“ die Rastzeit sein. Bei Leistungen von
8000-9000 kg wird eine Rastzeit von 70 – 90 Tagen angestrebt. Die Rastzeit bezeichnet die biologische Wartezeit, welche
verstreicht, bis ein Tier nach Abkalbung wieder zyklisch wird, eine Brunst zeigt und belegt werden kann. Wann eine Kuh
nach dem Abkalben wieder belegt wird, ist einerseits tierabhängig (biologische Wartezeit), d.h. wann nach der Abkalbung
eine Kuh wieder einen Brunstzyklus zeigt und andererseits abhängig vom Management (freiwillige Wartezeit,
„Besamungspause“). Eine zu kurze RZ (unter 50 Tagen) führt zu einer deutlich schlechteren Non-Return-Rate. Eine
verlängerte RZ führt zu einer Verlängerung der Zwischenkalbezeit (ZKZ).
Verzögerungszeit (VZ)
Als Verzögerungszeit (VZ) wird die Zeit zwischen der ersten Besamung und der erfolgreichen Besamung (Konzeption,
erster Trächtigkeitstag) innerhalb einer Laktation bezeichnet. Es werden nur Tiere erfasst, die auch tatsächlich tragend
geworden sind. Die Verzögerungszeit ist abhängig von der Brunstbeobachtung und vom Besamungserfolg. Aber auch eine
gute Brunstbeobachtung 3 Wochen nach KB, d.h. zum Zeitpunkt des möglichen Umrinderns erlaubt nichttragende Tiere
frühzeitig zu erkennen und die VZ möglichst kurz zu halten.
Serviceperiode (SP)
Die Serviceperiode (SP, auch Güstzeit oder Zwischentragezeit) bezeichnet die Zeit in Tagen zwischen der Abkalbung und
der erfolgreichen Besamung (Konzeption, erster Trächtigkeitstag). Sie ist beim Einzeltier die Summe aus Rastzeit und
Verzögerungszeit. Da die Serviceperiode direkt abhängig ist von der Rastzeit ist auch sie leistungsabhängig. Im besten
Fall sind die Serviceperiode und die Rastzeit identisch, dann nämlich ist die erste Belegung erfolgreich und die
Verzögerungszeit null.
Zwischenkalbezeit (ZKZ)
Ausdruck vom: 19.05.2017, 09:11
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Fruchtbarkeitskennzahlen
Die Zwischenkalbezeit (ZKZ, retrospektive Kennzahl) misst die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Abkalbungen bei
einer Kuh. Voraussetzung ist, dass tatsächlich zwei Abkalbungen stattgefunden haben. Einfluss auf die Zwischenkalbezeit
hat die Serviceperiode (Rastzeit und Verzögerungszeit), die ZKZ ist somit auch leistungsabhängig. Auch das Management
hat einen grossen Einfluss auf die ZKZ, so wird bei gealpten Tieren eine ZKZ von 12 Monaten angestrebt, während im
Mittelland die saisonale Abkalbung in der Regel keine Rolle spielt.
Fruchtbarkeitskennzahlen
Darstllung der wichtigsten Fruchtbarkeitskennzahlen im Vergleich.
Ausdruck vom: 19.05.2017, 09:11
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Fruchtbarkeitskennzahlen
NRR / Rastzeit
Der Zusammenhang zwischen der NonReturnRate und der Rastzeit wird aufgezeigt.
• Erstbesamungserfolg (EBE): Der Erstbesamungserfolg (EBE, Konzeptionsrate nach Erstbesamung) bezeichnet den prozentualen
Anteil der Tiere, welche mit der ersten Besamung tragend geworden sind. Einfluss auf den EBE haben die Rastzeit und die
Brunstbeobachtung. Je länger die Rastzeit, desto besser wird der EBE bis zu einer Rastzeit von ca. 120 Tagen. Eine gute
Brunstbeobachtung ist für einen guten EBE insofern von Bedeutung, als dass die Tiere zum optimalen Zeitpunkt besamt werden.
• Besamungsindex: Der Besamungsindex ist der Quotient aus allen Besamungen und der Anzahl tragender Tiere.
• Non-Return-Rate: Die NRR bezeichnet den Prozentsatz der Tiere, welche in einer festgelegten Zeit (56 oder 75 Tage) nicht zur
Besamung wiederkehren. Sie ist höher als der Erstbesamungserfolg, da auch nicht trächtige Tiere wenn sie nicht nachbesamt werden,
berücksichtigt werden.
• N3-Index: Der N3-Index bezeichnet den Anteil der Tiere, welche drei oder mehr Besamungen nötig haben um tragend zu werden. Er
zeigt an wie viele „Problemkühe“ in der Herde stehen.
• Trächtigkeitsindex (TI): Der Trächtigkeitsindex bezeichnet die Anzahl Besamungen pro trächtig gewordenem Tier. Dabei werden nur
die Besamungen berücksichtigt, welche an den tragend gewordenen Tieren durchgeführt wurden.
• Abortrate: Die Abortrate bezeichnet die Aborthäufigkeit in einer Herde. Die Berechnung kann unterschiedlich sein. In der Regel werden
die Anzahl Aborte pro ganze Herde gerechnet. Aber auch die Angabe der Anzahl Aborte von allen Abkalbungen ist möglich.
• Brunsterkennungsrate: Prozentsatz der in einem bestimmten Zeitabschnitt (z.B 24 Tage ) in Brunst gesehenen, noch nicht besamten
Kühe.
• Brunstnutzungsrate: Prozentsatz der in einem bestimmten Zeitabschnitt (21, 42 oder 63 Tage) nach Ablauf der freiwilligen Wartezeit
besamten Kühe.
• Abgangsrate: Die Abgangsrate gibt den Anteil der abgegangen Tiere im Verhältnis zur Gesamtzahl der Tiere der Herde an. Das
Erfassen der Abgangsrate ist wichtig, da sich einige Kennzahlen nur auf tragend gewordene Tiere beziehen. Wenn viele Kühe
ausgemerzt werden, wenn sie nicht tragend werden, können sich diese Kennzahlen durchaus im Sollbereich befinden, so dass die
Fruchtbarkeitssituation der Herde besser erscheint, als dass sie tatsächlich ist.
Ausdruck vom: 19.05.2017, 09:11
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