Somalia – auf einen Blick

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Somalia – auf einen Blick
A. Eckdaten
Entfernung: Mogadischu ca. 9.960 km (160 Stunden mit dem Auto)
Lage: Somalia ist ein föderaler Staat am Horn von Afrika im äußersten Osten des Kontinents. Der
Name leitet vom Volk der Somali ab, das die Bevölkerungsmehrheit bildet und auch in den
Nachbarländern ansässig ist.
Größe: 640.000 qkm, zwischen 8 und 13 Mio. Einwohner, ca. 16 Einwohner/qkm
BIP/Einwohner: Somalia gehört zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.
Wegen der chronisch instabilen wirtschaftlichen und politischen Lage liegen keine verlässlichen Daten
vor.
Sprachen: Somali, Arabisch und – als Erbe der Kolonialzeit – Italienisch und Englisch als Handelsund Bildungssprachen.
Religionen: Die Bevölkerung Somalias gehört zu fast 100 Prozent dem sunnitischen Zweig des Islam
an. Davon sind etwa 80 Prozent Schafiiten, 20 Prozent Hanafiten.
Bildung: Als Folge des maroden Bildungssystems haben die Kinder kaum die Möglichkeit, in die
Schule zu gehen: Nur etwa 13 Prozent der Jungen und 7 Prozent der Mädchen besuchen eine
Schule. Die Hälfte aller Kinder zwischen fünf und 14 Jahren muss arbeiten. Da ein offizielles
Bildungssystem nicht existiert, findet Unterricht hauptsächlich in Koranschulen und privaten
Einrichtungen statt.
Gesundheit: Mangelernährung und Infektionskrankheiten sind verbreitet. 70 Prozent der Bevölkerung
haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Die
Kindersterblichkeit ist hoch: Vor dem 5. Geburtstag sterben 180 von 1.000 lebend geborenen Kindern.
Die durchschnittliche Lebenserwartung wird mit 51 Jahren angegeben.
Die Verstümmelung weiblicher Genitalien wird in Somalia an etwa 98 Prozent der Mädchen
vorgenommen. Diese Tradition war mehrfach gesetzlich verboten worden, bleibt jedoch weit
verbreitet. 2005 veröffentlichten islamische Geistliche in Mogadischu eine Fatwa, die sich gegen die
Mädchenbeschneidung richtet und diese als „unislamisch“ verurteilt.
B. Zur aktuellen Lage
Somalia wird als „gescheiterter Staat“ bezeichnet. Es gilt als das am schlechtesten regierte Land
Afrikas und besetzt auf dem Korruptionsindex von Transparency International den letzten Platz. Seit
1991 hat Somalia keine im gesamten Land anerkannte nationale Regierung. Im Norden streben Teile
des Landes ganz offen nach Unabhängigkeit (Somaliland) oder haben sich zu autonomen Teilstaaten
Somalias erklärt. Im Süden und Zentrum von Somalia herrschen in weiten Teilen unklare Verhältnisse,
geprägt von lokalen Clans, Kriegsherren und islamistischen Gruppen. Mangels wirksamer
Küstenwache entwickelte sich die Piraterie vor der Küste Somalias zu einem profitablen Geschäft. Die
Zahl der Piratenangriffe ist jedoch in den letzten Jahren zurückgegangen, die Situation bleibt
allerdings weiterhin angespannt und unsicher.
Die 2004 gebildete Übergangsregierung Somalias ist international anerkannt und in den Vereinten
Nationen, der Arabischen Liga und anderen internationalen Organisationen vertreten. Seit 2012 hat
Somalia wieder eine „permanente Regierung“. In Mogadischu und Teilen Südsomalias wurden
moderate Fortschritte bei der Verbesserung der Sicherheit und dem Wiederaufbau der Infrastruktur
erzielt – bisher aber nur mit massiver militärischer Hilfe, u.a. von Kenia und Äthiopien. Ob dies nach
über zwanzig Jahren Bürgerkrieg eine wirkliche Wende für Somalia bedeutet, ist fraglich. Die
internationale Staatengemeinschaft konzentriert sich auf kurzzeitige Interventionsmaßnahmen –
gegen Terroristen, Piraten und Hungersnöte.
Die islamistische Miliz Al Shabaab kämpft weiter gegen die Regierung und ihre Unterstützer. Seit
ihrem Rückzug aus vielen städtischen Zentren verlegt sie sich seit 2012 zunehmend auf den
Guerillakampf und auf Terrorattacken im nahen Ausland. Im September 2013 besetzten Al-ShabaabKämpfer eine Shoppingmall in Nairobi und töteten über 70 Menschen. Die Aktion wurde von der
Gruppe als „Vergeltung“ für die Operationen kenianischer Truppen in Südsomalia dargestellt. Der
jüngste Anschlag auf die Universität in Garissa mit mehr als 150 Toten sorgt in Kenia für eine
drastische Reaktion: Das Land will das weltgrößte Flüchtlingslager Dadaab schließen. 350.000
somalische Flüchtlinge sollen notfalls mit Gewalt nach Somalia gebracht werden.
Bereits in Folge der Hungerkrise von 2011 waren mehr als drei Millionen Somalier und damit
mindestens ein Drittel der Bevölkerung Somalias auf humanitäre Hilfe angewiesen. Krieg, Fanatismus
und ausbleibender Regen führten zu dieser Hungerkatastrophe, die viele Somalis das Leben kostete
oder zu Flüchtlingen im benachbarten Kenia machte. Einem Bericht der FAO zufolge starben von
2010 bis 2012 fast 260.000 Menschen an den Folgen der Nahrungsmittelknappheit. Viele
internationale Hilfsorganisationen haben Somalia aufgrund der anhaltenden Unsicherheit verlassen.
Im weitgehend friedlichen Nordsomalia, wo mit Somaliland und Puntland zwei de facto autonome
Staatsgebilde bestehen, ist die Lage weit weniger dramatisch.
Mitarbeiter von humanitären Organisationen und Journalisten nehmen bei ihrer Arbeit in Somalia
große Risiken auf sich und laufen Gefahr, entführt oder ermordet zu werden. Appelle aus dem
Ausland und von Kräften in Somalia, Verbrechen im Sinne des Völkerrechts endlich strafrechtlich zu
ahnden, blieben wirkungslos. Alle am somalischen Bürgerkrieg beteiligten Parteien haben in den
letzten Jahren schwerste Menschen- und Kriegsrechtsverbrechen begangen. Frauen wurden
massenweise vergewaltigt, Männer, Jugendliche und sogar Kinder von allen Parteien im Krieg
zwangsrekrutiert. In den von Al-Shabaab-Milizen kontrollierten Landesteilen war ein dramatischer
Anstieg öffentlicher Hinrichtungen, darunter auch Steinigungen, zu verzeichnen. Gleiches galt für die
Zwangsamputation von Gliedmaßen und Auspeitschungen. Schätzungen zufolge gibt es ca. 70.000
Kindersoldaten, die von verschiedenen Milizen unter Waffen gehalten werden.
Quellen: Wikipedia, Bundeszentrale für Politische Bildung, Frankfurter Rundschau
R. Pausch, April 2015
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