- Vorarlberger Landesmuseumsverein

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Heft 129, Januar 2017
VORARLBERGER
LANDESMUSEUMSVEREIN
Karst- und höhlenkundlicher
A u s s c h u s s - Mitglied des
Verbandes österr. Höhlenforscher
N EUIGKEITEN AUS
K ARST UND H ÖHLEN
Unser Titelbild
Der Endsiphon in der Mäanderhöhle im WeißplattenhöhlenSystem (2114/93) in der Tiefe
von -502 m
Foto: Christian Fritz
Inhalt:
Tätigkeitsbericht für 2016 .. 2
Über Karst und Höhlen an
der Weißen Fluh im Firstgebiet hinter Dornbirn ......... 6
Höhlenfahrt nach Italien und
Slowenien ............................ 10
Seite 2
Heft 129, Januar 2017
Tätigkeitsbericht
des
Karst- und Höhlenkundlichen Ausschusses für
2016
Unsere Forschungstätigkeiten
fanden im Jahr 2016 durchgehend von Februar bis Dezember
statt, wobei jahreszeitlich
bedingt die im Hochgebirge
gelegenen Ziele erst wieder
Anfang Sommer aufgesucht
werden konnten. Aber auch hier
gab es eine Ausnahme in Form
der Gelbeckhöhle (2113/115).
Details zu mehreren der angeführten Forschungs- und anderen Fahrten können auf unserer
Homepage (www.karst.at) nachgelesen werden.
Da Forschungen in einigen
Höhlen sich über mehrere
Monate verteilten, soll die
Gliederung der ganzen Tätigkeiten diesmal nicht chronologisch, sondern mehrheitlich
gebietsweise erfolgen. Gebiete
in denen geforscht wurde verteilen sich auf den Großteil
Vorarlbergs. Aufgelistet sind
hier das Rheintal, der Bregenzerwald, der Rätikon, sowie das
Große Walsertal.
Rheintal:
Die höhlenkundlichen Tätigkeiten begannen mit einer
Neuforschung in der Eschenkluft (1111/44), auch Erdkluft
genannt. Diese tektonische
Höhle ist seit April 1987 im
Kataster und hatte eine bekannte Gesamtlänge von 48 m bei
einer Höhendifferenz von 28 m.
Im Zuge mehrerer Forschungstouren erreichte die Höhle nun
eine Gesamtlänge von 195 m.
Die Höhendifferenz wurde auf
26 m korrigiert.
Vermessung in der Eschenkluft
Foto: Markus Reis
Zwei Bilder aus der Eschenkluft
Fotos: Markus Reis
Eine weitere Tour führte in
die Stiegwaldhöhle 2 (1111/
103), um deren Innenleben zu
erforschen, da bis heute nur der
Eingang bekannt war. Allerdings
verhinderte
hoher
Wasserstand im Eingangsbereich vorerst ein weiteres
Eindringen. Die Erforschung
und Vermessung dieser zeitweise aktiven Kleinhöhle sollte
erst im Dezember erfolgen.
Allerdings sind die Gänge nur
schlanken Forschern zugänglich
und auch solche mussten bald
kapitulieren. So konnten nur 17
m Ganglänge vermessen werden. Höhe -2 m, +3 m.
Im Bruderloch (1111/14)
wurde nach Fortsetzungen
gesucht, die für eine weitere
Erforschung aber noch freigeräumt werden müssen.
Oberhalb von Götzis liegt die
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Parzelle Spalla. Hier wird das
Tal südseitig teilweise durch
höhere Felswände begrenzt.
Eine Abseilaktion zu einem
Höhlenportal in einer Felswand
beim Schreigerbach (Vogelwasserfall) war leider nicht
erfolgreich da sich die "Höhle"
als nicht katasterwürdig erwies.
Im Tal der Bregenzerache
wurden die unweit von der
Gemeinde Buch gelegenen
Objekte, die Halbhöhle Jungfrauenkratte (1111/102) und die
daneben liegende Klufthöhle,
die Jungfrauenhöhle (1111/104)
vermessen.
Im weiteren Umfeld des
Pfändergipfels oberhalb von
Bregenz befinden sich zahlreiche Halbhöhlen. Diese befinden
sich hauptsächlich im Bereich
der Bachläufe. Hier wurden die
Franzosenlochbalme (1121/20),
die Tobelbachbalme (1121/15)
und die Eplisgehrbachbalme
(1121/16) aufgesucht, die
genaue Lage festgehalten und
fotografisch dokumentiert. An
Neuzugängen gibt es hier die
Ledenbachhöhle (1121/21) und
die Rickenbachhöhle (1121/22).
Beide sind Kleinhöhlen im
Konglomerat des Pfänderstocks.
Weitere Ziele im Rheintal
bzw. in dessen Umgebung
waren der Haldenköpfleschacht
(1111/57) und Höhlensuche im
Bereich des "Hohen Knopf", einem unscheinbaren Berggipfel
im Tal der Ebniter Ache.
Bregenzerwald:
Im Bregenzerwald wurde eine
neue Kleinhöhle, die Schrofenweghöhle (1125/11) erkundet
und vermessen. Länge 12 m,
Höhe 4 m. Anschließend wurde
noch das Bärenloch (1128/21)
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Links die Schrofenwandhöhle und rechts das Bärenloch
Fotos: Markus Reis
erkundet und vermessen. Von
dieser Halbhöhle war bis dahin
nur die Lage bekannt. Die
Länge des Bärenlochs beträgt
25 m und weist eine Höhe von
12 m auf.
Nachdem ein Tauchversuch
in der Brühlhöhle (1125/1)
dungstauchgang durch den 1.
Siphon gemacht. Ein Abstecher
führte danach noch zum
Dachsloch (1128/35).
Im weiteren Umfeld der Alpe
Rothenbach wurde die Schlurhöhle 1 (1114/53) vermessen,
nach der Bachhöhle (1114/23)
Tauchgang in der Kitzlochtobelhöhle
Foto: Alex Klampfer
wegen Hochwasser verschoben
werden musste, ging die Reise
zur Kitzlochtobelhöhle (1114/
13). Hier wurde ein Erkun-
und nach dem Hofstättenloch
(1114/49) gesucht und das
Mondmilchloch (1114/19) befahren. An den Abhängen des
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Sevischrofens
wurde
die
Sevischrofen-Spalte (1126/16)
entdeckt.
Großes Walsertal:
Ziel einer weiteren Tour war im
Sommer das Große Walsertal.
Recht abgelegen befindet sich
hier das Karstgebiet des
Diesner- und Gadner Gschröfs.
Die größte bekannte Höhle in
diesem Gebiet ist das Wilde
Loch (1212/2). Diesmal war
jedoch das Ziel ein schon lange
bekannter Schachteingang, der
Schacht im Diesner Gschröf
(1212/15). Die Erforschung die-
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ser Schachthöhle endete leider
bereits in einer Tiefe von 24 m,
Ganglänge 28 m. Ein weiteres
Fragezeichen war damit erledigt. Im Zuge von insgesamt 2
Touren in dieses Gebiet wurden
auch 2 weitere Kleinhöhlen in
den Kataster aufgenommen.
Bärenbachhöhle 1 (1212/12)
mit 6 m Länge und, Bärenbachhöhle 2 (1212/16) mit
ebenfalls 6 m Länge. Eine Geländebegehung des Diesner
Gschröfs brachte hier leider
keine weiteren Erfolge.
Erforschung des Schachts im Diesner Gschröf
Fotos: Paul Schmidinger
Rätikon:
Eine aufwendigere Forschungsfahrt führte im April in die
Gelbeckhöhle (2113/115).
Schon der Zustieg erwies sich
bei
den
spätwinterlichen
Schneeverhältnissen als sehr
schwierig. Die Gesamtlänge
beträgt nun nach dieser
Weiterforschung 689 m bei
einer unveränderten Gesamthöhendifferenz von 180 m.
Im Rätikon wurden im
Umfeld der Sulzfluh wiederum
mehrere Kleinhöhlen, -schächte
entdeckt und erforscht. Es handelt sich im Einzelnen um folgende Objekte: SF-Bänkschacht
(2113/129) Länge 5 m, Höhe 3 m, KSF-Schacht 1 (2113/130)
Länge 7 m, Höhe -5 m, SFBänkschacht 2 (2113/131) Länge 6 m, Höhe -3 m. SF-Bänkschacht 3 (2113/74) Länge 8 m,
Tiefe -7 m.
In diesem Gebiet liegt auch
die Strebebogenkluft (2113/
122). In diese Höhle führten
mehrere Forschungs- und Vermessungstouren, sodass diese
zum Jahresende hin nun das
Format einer Großhöhle mit
585 m Ganglänge bei 72 m
Höhendifferenz erreicht hat.
Die bereits traditionelle Forschungswoche im Gebiet der
Sulzfluh und Weißplatte mit
Stützpunkt Tilisunahütte wurde
von 13 Teilnehmern genutzt,
um ausgiebig zu forschen. Es
gab zwar keine spektakulären
Neuentdeckungen aber einen
Zuwachs an vielen Klein- und
einigen Mittelhöhlen. In der
Katastergruppe 2113 kamen 26
Objekte und in der Gruppe 2114
insgesamt 11 Höhlen hinzu. In
der Unteren Seehöhle (2113/14)
wurden 400 m Ganglänge als
Neuland vermessen. Dadurch
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Tauchen im Siphon im Biwakgang in der Mäanderhöhle
Fotos: Alex Klampfer
wurde bei dieser Höhle die kmGrenze überschritten. In der
Mäanderhöhle (2114/15), als
Teil des Weißplattenhöhlensystems (2114/93), wurden die
"Nassen Schächte", diese führen zum Endsiphon auf -502 m,
neu vermessen, im Biwakgang
weitergeforscht und verschiedene Reststrecken aufgearbeitet.
Im Siphon im Biwakgang
wurde erfolgreich getaucht,
ebenso in der bereits oben
erwähnten Unteren Seehöhle.
Weitere Erkundungen betra-
fen die Drusentorhöhle (2113/
23), und die Rachenweghöhle 1
(2113/26). Unweit von Gargellen wurde eine weitere Kleinhöhle, das Röbitobelfenster
(2114/82) aufgesucht. Am westlichen Ende des Rätikons, am
Fuß des Gipfelaufbaus von den
"Drei Schwestern" wurde im
Herbst die lang gesuchte
Dreischwesternhöhle (2111/1)
aufgefunden.
Neben den oben angeführten
Forschungstätigkeiten gab es
noch zahlreiche Befahrungen
und Führungsfahrten in bekannte Höhlen. Zahlreiche Führungen hatten unsere inoffizielle
"Schauhöhle", das Schneckenloch (1126/1), als Ziel. Mehrfach besucht wurde die Große
Freschenhöhle (1111/7), und die
Baschghöhle (1112/1), eine
aktive Wasserhöhle, wurde
ebenfalls befahren.
Als Vorbereitung zur Matura
wurden im Fach Biologie zwei
vorwissenschaftliche Arbeiten
betreut. Einmal handelt es sich
um Mikroorganismen in Vermikulationen und Bergmilch
der Großen Freschenhöhle. Die
zweite Arbeit befasste sich mit
Untersuchungen zur Wirbellosenfauna und zum Höhlenklima im Wilden Loch (1212/2)
und in der Trübbachhöhle
(1211/4).
Einige touristische Befahrungen führten in verschiedene
Höhlen im Ausland. Da war einmal unser Vereinsausflug in die
Grotta di Calgeron in Italien.
Hier nahmen 12 Mitglieder teil.
Des Weiteren eine Befahrung
der Bodagrottorna bei Hudiksvall (Schweden), Lufthüttenhöhle und Nidlenloch in der
Schweiz und in Slowenien wurden nachstehende Höhlen
besucht: Stota Jama, Krizna
Jama und Najdena Jama. In
Deutschland gab es eine
Fototour in die Schillerhöhle
und die Unterstützung bei
einem 3D-Scan in der Vetterhöhle sowie Arbeiten im
Steebschacht.
Die Schweizer Kollegen
luden zu einer Höhlenrettungsübung nach St.Gallen ein. Hier
waren fünf Mitglieder unseres
Vereins dabei. Zuletzt soll unser
alljährliches geselliges Zusammentreffen am Jahresbeginn,
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das im Eurocamp am Zanzenberg ob Dornbirn abgehalten
wurde, nicht unerwähnt bleiben.
Nachdem nun auch alle alten
Ausgaben unserer Publikation,
“Neuigkeiten aus Karst und
Höhle” eingescannt wurden,
sind alle Hefte, inklusive Index,
komplett auf unserer Homepage
verfügbar.
Emil Büchel und Alexander Klampfer
Über Karst und Höhlen an
der Weißen Fluh im Firstgebiet hinter Dornbirn.
Text u. Zeichnungen: R. Elsensohn
Die Hochfläche mit dem
Weidegelände der Alpe Weißenfluh in der Kammlinie zwischen
Rheintal und Bregenzerwald ist
bekannt für ihre zahlreichen
Dolinentrichter. Im Osten bildet
eine
langgezogene
helle
Felswand aus Schrattenkalk ein
größeres Hindernis für den Zugang zur Alpe, im Westen steigt
das Gelände mehr stufenförmig
gegliedert aus dem ausgedehn-
ten Waldgebiet um Kobelache
und Müselbach zur Alpe hoch.
Von Süden und Norden ist die
Alpe leicht zu erreichen, über
den Hottersattel auf dem Weg
zu den Alpen Unterfluh und
Rohr, vom Bödele her über
Hämmerles Älpele, Lustenauer
Hütte und Bregenzer Hütte,
über Hochälpele und die Streuewiesen von Wateck, oder von
Schwarzenberg über KlausbergVorderstück und Bregenzer
Hütte.
Das Gebiet der Alpe gehört
noch zu Bezirk und Stadt
Dornbirn, die Grenze zum
Bregenzerwald zieht ein Stück
der östlichen Felswand entlang.
Ursprünglich trug vermutlich
die östliche Felswand die
Bezeichnung Weiße Fluh (=
Weiße Felswand), die sich dann
auf die ganze Kuppe und die
darauf eingerichtete Alpe übertragen hat. In meinem Bericht
beziehe ich die Bezeichnung
auf die ganze Kuppe.
1922 führte JOSEF BLUM-
Kartenausschnitt der ÖK 50.000 mit den Höhlen im Umkreis der Alpe
Weißenfluh
RICH [1] in einer Liste bekannter Höhlen eine Höhle auf der
Weißenfluh an, es ist mir aber
nicht bekannt, welche er
gemeint haben könnte.
1956 erwähnte GUSTAV
HÜGEL in seiner Arbeit über
die Geologie des nordwestlichen Bregenzer Waldes [2, 4]
mehrere Höhlen an der Weißen
Fluh. Zwei kleine und eine
etwas größere Höhle 5 m über
dem Boden in der Schrattenkalkwand am Westhang und
eine am Osthang Die Abmessungen der größeren westlich
gelegenen Höhle gibt er mit ca.
4 m Länge, 2,5 m Höhe und 2 m
Breite an. Die Höhle am
Osthang soll sich im Schrattenkalk auf halber Höhe zwischen
Schnell-Vorsäß-Bach und der
Weißen Fluh befinden und 7 m
lang sein. Meines Wissens wurden diese kleinen Höhlen seither nicht mehr besucht.
1958 erkundete WALTER
KRIEG mit einem Begleiter die
Weiße Fluh, die dabei entdeckten beiden Hohlräume fanden
als Weißenfluhhöhlen 1 und 2
(1114 / 3A und 1114 / 3B, später
getrennt in 1114 / 03 und 1114 /
24) Erwähnung im zwei Jahre
später veröffentlichten Höhlenkataster von Vorarlberg [3].
Reinhard hat diese Kleinhöhlen
1980 besucht, aufgemessen und
zeichnerisch dargestellt.
Längere Zeit waren nur diese
kleinen, an Klüften im Gestein
ausgebildeten Höhlen in den
Felsstufen östlich des Fahrweges im Anstieg vom Hottersattel her bekannt. Eine dritte
Weißenfluhhöhle (1114 / 12)
wurde 1980 im Wandfuß der
Ostwand der Weißenfluh gefunden. Ihr niedriger Raum verläuft
kaum geneigt der Gesteins-
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Blick auf die Alpe Weißenfluh von der Rohralpe aus. Die ostseitige Felswand taucht nach Süden ab.
Foto: E.Büchel
Zwei Schnitte durch das Alpgebiet mit Angaben zum Gesteinsaufbau.
schichtung entlang. Es sollten
dann noch einige weitere Jahre
vergehen, bis 1992 am Grund
einer schluchtartigen Doline in
einer Waldinsel nordwestlich
des Alpgebäudes von Thijs eine
weitere kleine Höhle entdeckt
und von ihm nach den Anfangsbuchstaben der Vornamen
der ihn begleitenden Kinder
(Lukas, Samuel, Johanna)
benannt wurde, die Lusajohöhle
(1114 / 40) [6]. Inzwischen erhielt sie eine zusätzliche Bezeichnung als Weiße-FluhWalddoline 1.
Der bisher letzte Höhlenfund
an der Weißen Fluh wurde im
Herbst 2016 gemacht und
We i ß e - F l u h - Wa l d d o l i n e 2
(1114 / 54) benannt. Ähnlich
wie bei der Lusajohöhle ist am
Grund einer schachtartig abfallenden Doline ein kleiner
Einzelraum eingetieft, der zeitweise als Schlinger wirkt und
die Niederschlagswässer der
Umgebung in den Karst ableitet.
Alle am Aufbau der Weißen
Fluh beteiligten Festgesteine
gehören zur Säntisdecke der
Helvetischen Kreide, abgelagert
während der Mittleren Kreidezeit, im Zeitraum vor etwa 85
bis 120 Millionen Jahren.
Während im Osten die
Bergkuppe über die namengebende helle Wandflucht senkrecht ins steil geböschte Tobel
des Roten Baches abstürzt, ist
die Flanke der Weißen Fluh im
Westen durch an mehreren
Bruchlinien angelegte Stufen
gegliedert. Der den Sockel der
Weißen Fluh bildende Schrattenkalk, ein gebankter bis massiger, grauer Kalkstein, ist sehr
verkarstungsfähig, neigt zur
Ausbildung von Karren, Kolken
und Höhlen. Er steht westlich
der Alpe als streckenweise das
Weidegebiet
durchziehende
oder abgrenzende Schwellen
unterschiedlichster Höhe an.
Von meterhohen Felsrippen bis
kirchturmhohen Wänden, glatt
oder gegliedert, stellenweise
geklüftet. Im Liegenden des
wandbildenden Schrattenkalkes
treten stabförmig oder blättrig
zerfallende, sehr verwitterungsanfällige Mergel der Amdener
Schichten zutage. Den Schrattenkalk überlagernde grünliche
Sandsteine der GarschellaFormation sind am Zufahrtsweg
und in der großen Doline westlich der Alpe aufgeschlossen.
Die zum größten Teil von
Moränen von Rheintal- und
Bregenzerwald-Gletscher bedeckte oberste Kuppe der
Weißen Fluh wird von Kalkgestein der Seewenschichten
gebildet, das an der höchsten
Stelle und südwestlich des
Alpgebäudes unter der Humusschichte mit der Vegetation
ansteht und in einzelnen
Aufschlüssen entlang des
Wanderweges sichtbar wird.
Mit Ausnahme des in Wandstufen oder schluchtartigen Löchern anstehenden Schrattenkalkes und einiger nackter
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Geologie:
80 - Amdener
Schichten
(Mergel)
81 - Seewer
Schichten
(Seewerkalk)
82- Garschella
Formation
(Glaukonitsandstein)
83 Schrattenkalk
Formation
(Schrattenkalk)
Ausschnitt aus der
Geologischen Karte der Rep.Österreich 1:25.000, Bl.
110 & 111 [7]
Stellen des Seewerkalkes in der
Weidefläche sind die anderen
hier vorkommenden Gesteine
(Mergel, Sandsteine) unter der
Vegetation verborgen. In der
Lockergesteinsüberlagerung
sind auffallende Reihen und
Felder von Dolinen eingetieft,
sie verdanken ihre Entstehung
der Löslichkeit des unterlagernden, ebenfalls zur Verkarstung
neigenden Seewerkalkes. An
manchen Stellen sind diese
Löcher fortgesetzt durch kleine
schachtartige Hohlräume im
Kalkgestein, zum Befahren zu
klein oder zu eng. Einzelne größere Trichter oder schachtartige
Dolinen befinden sich nordöstlich und südwestlich des
Alpgebäudes und im Waldgebiet im Nordwesten.
Am ersten Donnerstag im
September des vergangenen
Jahres machten sich Emil und
Reinhard vom Parkplatz an der
Weißtanne ausgehend, auf den
Weg, die Lusajohöhle (1114 /
40) zu besuchen und zu dokumentieren. Bisher gab es nur
eine einfache Skizze davon. Im
Laser-Scan mit der Gelände-
darstellung (Vorarlberg Atlas)
ist die Stelle der Doline, etwa
300 m nordwestlich des Alpgebäudes, gut als abgewinkeltes
Objekt auszumachen, in den
Luftbildern ist es schon schwierig, im bewaldeten Gelände
überhaupt etwas zu erkennen.
Der Aufstieg auf die Weiße
Fluh ist bei trockenem Boden
problemlos, bei feuchtem Boden weniger bequem, im freien
Weidegelände streckenweise
eher nass und schmierig. Emil
kannte bereits die Lage der
Doline mit der Höhle und führte mich geradewegs zu ihr hin.
In der Waldinsel liegt dieser
schluchtartige, von Gestrüpp
und Bäumen eingefasste Graben, der teilweise mit senkrechten Wänden abfällt. Vom tiefsten Rand des Grabens war es
dann leicht, zwischen Farnbüscheln und Gestrüpp über
grasbewachsene, nasse Stufen
an seinen Boden zu kommen.
Zwischen grobem Schutt fanden wir zwei grob kreisförmige
Öffnungen, die weiter in die
Tiefe führten.
Jetzt verstand ich, was die
Skizze von 1980 bedeutete.
Hier setzten zwei schachtartige
Hohlräume an, von der Grabensohle aus gemessen, auf der wir
uns befanden, jeweils etwa 3 m
tief. Mit Hilfe eines Handseils
begab sich Emil in die Tiefe und
schilderte mir die Form der beiden Räume. Sie liegen nur ein
paar Meter voneinander entfernt, zeigen aber weder eine
Verbindung untereinander noch
irgendwelche Fortsetzungen.
Die Böden sind eben und von
Erdmaterial und feinem Schutt
bedeckt. Etwa 100 m südlich
der Lusajohöhle fanden wir
noch eine mit Farnen verwachsenen und von einem Weidezaun umrundete Öffnung. Im
darunter sich öffnenden Kluftraum sind Bruchschutt und verrottende Hölzer angehäuft, die
eine Befahrung nicht zuließen.
Einen Monat später, am 5.
Oktober, befasste sich Emil mit
einer weiteren verdächtigen
Stelle, die uns neben anderen im
Laser-Scan aufgefallen war. Sie
liegt nur 75 m westlich der
Lusajohöhle, knapp vor der
Abbruchkante der Felswand,
die auf der Rheintalseite die
Weiße Fluh begrenzt. Meiner
Meinung nach liegt diese
Weiße-Fluh-Walddoline 2 (1114
/ 54) an derselben Störungslinie,
an der die Lusajohöhle ausgebildet ist, und die weiter bis in
die Felswand hinaus zieht.
Beide schluchtartigen Trichter
liegen im Wald und sind auf
Luftbildern nicht direkt zu
erkennen. Neben den bekannten Reihen von Dolinen in der
Weidefläche nordöstlich der
Alpe sind in der Geländeschummerung auch eine Anzahl
von Dolinentrichtern oder -mulden verschiedener Größen zu
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Grundrisse der Schachtdoline und der Hohlräume der Lusajohöhle (WF-Walddoline 1)
südwestlich der Alpe zu erkennen. Emil ging dieses Gebiet
später noch ab, musste aber
feststellen, dass sich diese mit
einer einzigen Ausnahme als
kleine und kleinste untiefe
Mulden herausstellten. Die
Ausnahme bildet ein großer
schachtartiger Trichter mit auf
drei Seiten senkrecht abfallenden Wänden und einseitig steiler Böschung, der sich 150 m
westlich vom Alpgebäude in
das leicht abfallende Weidegelände einsenkt. Mehrere
große alte Fichten und Ahorne
stehen an der südöstlichen
Böschungskante. Die Öffnung
bildet ein Oval von etwa 20 x
15 m und 6 m Tiefe, vom niedrigsten Rand aus gemessen.
Über die steile südwestliche
Erd-Böschung ist der Trichter
zugänglich. Am Grund der
Doline sind im anstehenden
Kalkgestein der Westwand
Restflächen gut ausgebildeter
Auskolkungen zu erkennen.
Vermodernde
Stamm-Teilstücke umgestürzter Bäume liegen in den Trichter hinunter
gekippt. Den unregelmäßigen
Boden
bedeckt
grober
Bruchschutt, vermischt und
überdeckt von Erdmaterial und
Pflanzenresten. In der ausgekolkten Nische der Westwand
ist der Boden eben. Auch wenn
sich hier ein Abfluss des
Niederschlagswassers andeutet,
ist eine weiterführende Öffnung
leider nicht zu erkennen. Die
der Alpe zugewandte steile
Felsböschung der Doline wird
zur Entsorgung von ausgedienten Hölzern und Zaunresten
benützt und ist dadurch unzugänglich verklaust.
Bei schönstem Wanderwetter
waren Emil und Reinhard am
10. Dezember noch einmal auf
der Weißen Fluh unterwegs, um
die neu gefundene Walddoline 2
näher zu untersuchen. Ähnlich
wie bei der Walddoline 1 handelt es sich um einen steilen, an
einer überhängenden Wandstufe
angelegten, halbseitigen Dolinentrichter mit einigermaßen
ebenem Boden, in dem eine
rundliche Öffung eine weitere
Fortsetzung andeutet. Hier verschwindet das Niederschlagswasser in die Tiefe. Der Raum
unter der kleinen Öffnung ist
von oben kaum einzusehen,
scheint an einer Kluftkreuzung
angelegt zu sein, weitere seitliche Fortsetzungen sind nur
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andeutungsweise zu vermuten.
Der Boden des kleinen Höhlenraumes ist flach, von feinem
Schutt und eingeschwemmtem
Erdreich eingeebnet Nachdem
sich der Raum in allen Richtungen nach unten weitet, sind
das Abklettern und besonders
der
Wiederaufstieg
ohne
Schachtausrüstung oder Leiter
schwer möglich. Eine quer zur
Längsrichtung des Gebildes
verlaufende Kluft zieht zur
Felswand hinaus, die etwa 10 m
westlich der Doline durch
bewaldete Absätze etwas gestuft 25 m abfällt und 80 bis
100 m weiter im Norden in eine
bewaldete Geländemulde ausläuft. Nach Süden nimmt die
Höhe der Felswand noch zu, der
Schrattenkalk wird zunehmend
massig, die Wandfläche ist auffallend glatt. Es war uns aus
Zeitgründen nicht mehr möglich, die Wandflucht abzugehen
und nach den von G.W. Hügel
[2,4] erwähnten Löchern zu
suchen.
[1] BLUMRICH JOSEF (1922):
Worauf es bei der Höhlenforschung
ankommt. - "Heimat", 3 (6): 82-83,
Vorarlberger Monatshefte, Vorarlberger Landesmuseum / Heimat Verlag,
Bregenz
[2] HÜGEL GUSTAV W. (1956): Zur
Geologie des nordwestlichen Bregenzer Waldes (Vorarlberg). Dissertation Universität Innsbruck,
[3] KRIEG WALTER (1958): VLMV
- Speläologischer Ausschuss. Bericht
über das Arbeitsjahr 1958. - Manuskript, Vorarlberger Landesmuseumsverein, Dornbirn
[4] HÜGEL GUSTAV W. (1962): Zur
Geologie des nordwestlichen Bregenzer Waldes - (Vorarlberg). - Jahrbuch
VLMV, 105: 204-228, Vorarlberger
Landesmuseumsverein, Bregenz
[5] VONBANK ELMAR, KRIEG
WALTER (1960): Landeshöhlenkataster von Vorarlberg 1958. Jahrbuch VLMV 1958/59, 102/103:
158-167, Vorarlberger Landesmuseumsverein, Bregenz
[6] - (1993): Wir im Gelände
(Befahrung der Lusajohöhle, Skizze).
- "Neuigkeiten aus Karst und
Höhlen", 7 (43): 387, Vorarlberger
Landesmuseumsverein, Bregenz
[7] OBERHAUSER RUDOLF
(1994): Geologische Karte der Republik Österreich 1:25.000, Blatt 110
St. Gallen-Nord und 111 DornbirnNord. - Geologische Bundes-Anstalt,
Wien
[8] FRIEBE JULIUS GEORG
(2007): Geologie von Vorarlberg. Geologie der österreichischen Bundesländer, mit Beilagen, Geologische
Bundesanstalt, Wien
[9] OBERHAUSER RUDOLF,
BERTLE HEINER, BERTLE
RUFUS (2007): Geologische Karte
von Vorarlberg 1:100.000; - Geologie
der österreichischen Bundesländer:
Geologie von Vorarlberg (Red. FRIEBE J.G.), Beilage 3, Geologische
Bundesanstalt, Wien
Höhlenfahrt nach Italien
und Slowenien.
18.03.2016 bis 24.03.2016
Teilnehmer: Willi Breuss, Markus
Andreatta u. zwei weitere Teilnehmer.
Bericht: Markus Andreatta
Unsere Reise führt uns zuerst in
das schöne Trentino, wo wir in
Bosentino nächtigen. Am 19.03.
befahren wir die Höhle Grotta
di Calgeron im Valsugana, in
der Gemeinde Selva di Grigno.
In der Grotta di Calderon
In der Höhle sind einige Seen
mit einem Schlauchboot zu
überwinden. Die Höhle hat eine
Gesamtlänge von ca. 5 km und
kann von uns ohne seiltechnisches Material befahren werden. Im hinteren Bereich gibt es
einige Stufen, deren Überwindung uns zu riskant erscheint,
weswegen wir umdrehen. Die
Befahrung nimmt durch die
7 Seen doch einiges an Zeit in
Anspruch. Besonders auffallend
sind im Anfangsbereich einer
Halle aktive, weiße, sich überlagernde Sinterbecken. Eine
Besonderheit, welche an die
Sinterbecken in der Türkei, das
bekannte Pamukkale erinnern
Danach geht unsere Reise
weiter nach Slowenien. Nach
unserer Ankunft dort, bleibt uns
gerade noch Zeit für eine kurze
Höhlentour. Die Stota Jama
liegt zwischen Laze und Logatec. Bezeichnend ist an der
Höhle der kleine Einstieg, der
an der Oberfläche erst in
unmittelbarer Nähe erkennbar
wird. Mit Seilunterstützung
steigt man steil ab und es eröffnen sich einige Hallen, die
typisch für dieses klimatische
Gebiet, einen sehr reichen
Sinterschmuck aufweisen. Die
Dimensionen und die Häufung
Foto: Markus Andreatta
Heft 129, Januar 2017
der Versinterungen sind wirklich besonders schön und für
einige Stunden verbringen wir
die Zeit mit der Bestaunung dieser Wunderwelt. Bei der Rückfahrt zur Unterkunft besichtigen
wir das Polje bei Laze. Manches
Polje wird durch ein Karstsystem mit Wasser gespeist.
Das im unterirdischen Karstsystem gespeicherte Wasser
wird bei entsprechend starkem
Zufluss an die Oberfläche
gedrückt und bildet zeitweise
einen See. Bei Trockenheit verschwindet der periodische See
wiederum. Die Slowenen haben
gelernt, diese Flächen als Kulturland zu nutzen. Eindrücklich
sind die verschiedenen Wasserstandsmarken und eine besonders reizvolle Landschaft.
Eine der wohl außergewöhnlichsten Höhlen Sloweniens ist
die Krizna Jama. Die Höhle
erfährt besonderen Schutz
durch eine strikte Begrenzung
der Besucherzahl, weil der
Bodensinter durch zu viele
Besucher nicht ausreichend
nachgebildet würde. Wir haben
die Ehre, am 21.03.2016 zu den
jährlich 1000 zugelassenen
Besuchern zu gehören, die mit
einer Führung die Höhle betreten dürfen. Die Höhle wurde im
Laufe ihrer Geschichte in den
eingangsnahen Teilen von bis
zu 1500 kg schweren Höhlenbären bewohnt. Die sympathischen Vegetarier verbrachten in
der Höhle die Winter. Spuren
sind bis heute durch Abnutzungen (Bärenschliffe), aber auch
durch Knochenfunde belegt.
Vor 5000 Jahren wurde die
Höhle erstmals auch von
Menschen besucht.
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Zwei Bilder aus der Krizna Jama
Durch ein großräumiges
Höhlensystem gehen und paddeln wir dann flussaufwärts.
Unser Ziel ist der "Kalvarienberg". Die Höhle erstreckt sich
noch weiter in den Berg, aber an
dieser markanten Stelle mit reichem Sinterschmuck ist unser
Umkehrpunkt. Die Höhle hat
eine gesamte Länge von etwa
9 km. Sie bietet einen unvergleichlichen Reiz mit ihren vielen Seen und riesigen Gängen.
Unterbrochen werden diese
Gänge durch außergewöhnlich
isoliert stehende Sintergebilde.
Fotos: Markus Andreatta
Am 23.03. besuchen wir das
einzige Karstmuseum weltweit,
das die Region, Höhlenbiologie
und im speziellen die Karstforschung dokumentiert. Am
Nachmittag steht die Besichtigung von Rakov Škocjan am
Programm. Das sind die Überreste eines Höhlensystems
durch welches der Rakbach teils
ober-, teils unterirdisch fließt.
Eindrucksvoll sind die Dimensionen dieser Schlucht mit
zwischengeschalteten Höhlenteilen. Das Ganze liegt am nördlichen Fuß des Javornikmassivs
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sationsfund. Willi entdeckt einen Pseudoskorpion. Daneben
finden wir noch etliches anderes
Getier, wie einen bläulichen
Wurm, Spinnen, Asseln und
Anderes. Zunehmend wird die
Höhle feuchter und einzelne
Becken werden von Seen mit
bis zu 15 Meter Durchmesser
abgelöst. Der Abstieg zu einem
See wird zur Herausforderung
und zwingt uns letztlich zur
Umkehr. Knöchelhoch stecken
die Stiefel im Lehm und Halt ist
nur noch an Seilen zu finden.
Weil wir beim Ausstieg mit dem
regionalen Höhlenverein zusammentreffen welcher uns mit
Speis, Trank, Freundschaftsangeboten und Infos eindeckt,
entsteht die Vision auf ein
Wiederkommen.
Unser monatliches Treffen
findet jeden ersten Dienstag im
Monat - ausgenommen Feiertage - im Gasthof “zum
Färbers” in Dornbirn statt.
Eventuelle Änderungen werden
kurzfristig telefonisch, per EMail bekannt gegeben oder
sind auf unserer Homepage
ersichtlich.
Impressum
Bild ganz oben: In der Schlucht des Rakbachs (Rakov Škocjan),
darunter. Abseilen in der Nadjema Jama und der Pseudoskorpion
Fotos: M.Andreatta, W..Breuss, K.Ritter
ungefähr in der Mitte zwischen
den Poljen von Planinska und
Zirknitz.
Am 23.03.2016 besuchen wir
dann die Nadjema Jama. Die
Höhle weist eine der größten
Hallen Sloweniens auf. Bis zu
200 Meter Länge hat die riesige
Halle, die das Licht der Scurion
und der Lupine verschluckt.
Imposant ist die Masse an
Lehm und riesigen Versinterungen. Reizvoll die seiltech-
nische Herausforderung. Der
Eingang ist dank GPS gut zu
finden. Lediglich einen halben
Meter beträgt der Durchmesser
des Eingangs und es muss
gleich von Beginn an abgeseilt
werden. Einige Seilstufen tiefer
weitet sich der Gang zu einer
ersten riesigen Halle. Immer tiefer steigen und seilen wir uns
ab. In dem riesigen System finden wir etliche Höhlenbewohner und machen einen Sen-
Der karst- und höhlenkundliche
Ausschuss des Landesmuseumsvereins Vorarlberg hat
seinen Sitz in A-6900 Bregenz,
Weiherstraße 10,
Internet: http://www.karst.at
Dieses "Neuigkeitenblättle" ist
für die Information unter den
Mitgliedern bestimmt. Ausdrucke, auch nur auszugsweise,
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Redaktion, Umbruch und Gestaltung: Emil Büchel
E-Mail: [email protected]
31. Jahrgang, Heft 1/2017,
Januar 2017
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