Technische Universität München Lineare Algebra für Informatik

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Technische Universität München
Zentrum Mathematik
Lineare Algebra für Informatik
Sommersemester 2012
Boris Springborn — Jan Wehrheim
Übungsblatt 10 - Musterlösung
T1: Diagonalisieren I

0
Diagonalisieren Sie die Matrix A = 1
1
1
0
1

1
1.
0
Bestimmen Sie also eine invertierbare Matrix S so, dass D := S −1 AS eine Diagonalmatrix ist.
Lösung zu T1:


−x 1
1
Es ist χA (x) = det  1 −x 1  = −x3 + 3x + 2 = (1 + x)2 · (2 − x). Diese Zerlegung findet
1
1 −x
man durch Polynomdivision, nachdem man entweder den Eigenwert 2 oder die Nullstelle −1 durch
scharfes Hinsehen gefunden hat. Die Matrix A besitzt also die Eigenwerte λ1 = −1 (mit algebraischer
Vielfachheit ma (1) = 2) und λ2 = 2 (mit algebraischer Vielfachheit ma (2) = 1).
Wir bestimmen nun eine Basis des Eigenraumes E−1 , indem wir das folgende LGS lösen:
 


1 1 1
1 1 1
1 1 1 ∼ 0 0 0
0 0 0
1 1 1
Wir erhalten zwei freie Parameter s := x2 und t := x3 und die allgemeine Lösung
 
 
 
x1
−1
−1
 x2  = s ·  1  + t ·  0  .
1
x3
0
Damit ist die geometrische Vielfachheit mg (−1) = dim(E−1 ) = 2 und es gilt
*   +
−1
−1
E−1 =  1  ,  0  .
0
1
Analog bestimmen wir eine Basis des Eigenraumes E2 :
 

 
1
1 1 −2
−2 1
1
 1 −2 1  ∼ 0 −3 3  ∼ 0
1
1 −2
0 3 −3
0
1
1
0
 
−2
1
−1 ∼ 0
0
0
0
1
0

−1
−1
0
 
 
x1
1
Wir erhalten den freien Parameter s := x3 und die allgemeine Lösung x2  = s · 1. Damit ist
x3
1
die geometrische Vielfachheit mg (2) = dim(E2 ) = 1 und es gilt
*1+
E2 = 1 .
1


−1 −1 1
0 1 die gesuchte Transformationsmatrix ist.
Es folgt, dass S :=  1
0
1 1
man



−1/3 2/3 −1/3
−1 0
S −1 = −1/3 −1/3 2/3  und S −1 AS =  0 −1
1/3
1/3
1/3
0
0
Zur Probe berechnet

0
0 .
2
T2: Diagonalisieren II
Sind die folgenden Matrizen diagonalisierbar? Diagonalisieren Sie gegebenenfalls!




−2 0 0
0 0 1
a) A =  0 2 1
b) A = 0 2 0
0 0 2
4 0 0
Lösung zu T2:
a) Man liest sofort χA (x) = (−2 − x) · (2 − x)2 ab und damit die Eigenwerte λ1 = −2 mit
ma (−2) = 1 und λ2 mit ma (2) = 2. Damit ist automatisch mg (−2) = 1, aber die geometrische
Vielfachheit mg (2) müssen wir berechnen. Die Matrix


−4 0 0
A − 2 · E3 =  0 0 1
0 0 0
hat Rang 2, also ist ihr Kern eindimensional, also gilt mg (2) = 1. Wegen mg (2) < ma (2) ist
die Matrix A also nicht diagonalisierbar.
b) Durch Entwicklung nach der zweiten Zeile oder Spalte erhält man


−x
0
1
−x 1


χA (x) = det 0 2 − x 0
= (2−x)·det
= (2−x)·(x2 −4) = (2+x)·(2−x)2 .
4 −x
4
0
−x
Genau wie in Aufgabenteil a) haben wir also die Eigenwerte λ1 = −2 mit ma (−2) = 1 und λ2
mit ma (2) = 2. Wieder ist für die Diagonalisierbarkeit nur mg (2) relevant:

 

1 0 −1/2
−2 0 1
0 
A − 2 · E3 =  0 0 0  ∼ 0 0
0 0
0
4 0 −2
Damit ist mg (2) = 2 = ma (2) und die Matrix ist diagonalisierbar. Eine Basis vom Eigenraum
E2 lesen wir aus obiger Rechnung sofort ab:
*0 1/2+
E2 = 1 ,  0 
1
0
Für die Basis vom Eigenraum E−2 rechnen

2
A + 2 · E3 = 0
4
und erhalten so E−2

0
S = 1
0
1/2
0
1
wir
0
4
0
 
1
1
0 ∼ 0
0
2
0
1
0

1/2
0 
0
+
*
−1/2
=  0  . Die diagonalisierende Transformationsmatrix lautet also
1

−1/2
0 
1

mit
S −1
0
= 1
−1

1 0
0 1/2
0 1/2

2
und S −1 AS = 0
0
0
2
0

0
0 .
−2
T3: Verschiedenes
a) Wir zeigen später in der Vorlesung, dass jede symmetrische Matrix A ∈ Rn×n diagonalisierbar
ist. Beweisen Sie dies durch explizite Rechnung für den Fall n = 2.
b) Wir betrachten den R-Vektorraum C ∞ (R, R) der unendlich oft differenzierbaren Funktionen
f : R → R und die lineare Abbildung
φ : C ∞ (R, R) → C ∞ (R, R) ; f 7→ f 00 ,
welche einer Funktion f ihre zweite Ableitung f 00 zuordnet. Bestimmen Sie mindestens zwei
Eigenvektoren von φ zu verschiedenen Eigenwerten.
Lösung zu T3:
a) Man berechnet explizit die Nullstellen von χA mit A =
a+c
λ± =
±
2
s
a−c
2
a
b
b
. Diese sind
c
2
+ b2
und somit beide reell. Das charakteristische Polynom zerfällt also über R in Linearfaktoren.
Für b 6= 0 sind die Nullstellen sogar verschieden, da der Wert der Wurzel unabhängig von a
und c immer positiv ist. In dem Fall hat A also zwei verschiedene Eigenwerte und ist somit
diagonalisierbar. Im Fall b = 0 ist A aber schon diagonal.
b) Alle Polynome der Form f (x) = ax + b sind Eigenvektoren von φ zum Eigenwert λ = 0 (sofern
(a, b) 6= (0, 0) also f 6= 0 gilt).
Die Funktionen f (x) = cos(x) und f (x) = sin(x) sind Eigenvektoren von φ zum Eigenwert −1,
denn es gilt cos0 = − sin und sin0 = cos und somit cos00 = − cos und sin00 = − sin.
Für die Funktion f (x) = cos(ax) mit einem beliebigen Parameter a > 0 gilt
f 0 (x) = −a sin(ax)
und f 00 (x) = −a2 cos(ax) = −a2 f (x).
Damit ist die Funktion x 7→ cos(ax) ein Eigenvektor von φ zum Eigenwert −a2 . Es folgt, dass
jede Zahl λ < 0 Eigenwert von φ ist.
Die Funktionen f (x) = eax mit beliebigem Parameter a ∈ R schließlich sind Eigenvektoren von
φ zum Eigenwert λ = a2 , denn es gilt
f 0 (x) = aeax
und f 00 (x) = a2 eax = a2 f (x).
Damit erhält man auch alle positiven λ als Eigenwerte von φ.
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