Agenturszene Düsseldorf Business in Düsseldorf People´s Business unter harten Bedingungen Die Agenturszene Düsseldorfs ist eine der größten und besten Deutschlands. Drei Top-Werber erklärten uns, was den Standort ausmacht, wie Unternehmen die richtige Agentur finden und was die Region gegen die Abwanderung von Kreativ-Talenten machen kann Düsseldorf Manager 09/12 43 Business in Düsseldorf Agenturszene Düsseldorf D ass sich in Düsseldorf eine der größten turwelt strukturiert? Welche Stärken hat der Agenturszenen Deutschlands befindet, Standort Düsseldorf? Mit welchen Herausforist allgemein bekannt. Laut creative.nrw, derungen hat er zu kämpfen? Und: Wie findet einer Interessenvertretung der Kultur- und ein Unternehmen in diesem Dschungel überKreativwirtschaft, kommt jedes vierte Un- haupt noch die passende Agentur? Drei Topternehmen des deutschen Werbemarktes aus Werber standen uns dafür Rede und Antwort. NRW, noch größer ist der Anteil der in NRW generierten Umsätze am Gesamtumsatz. Und hier nimmt Düsseldorf eine Vorreiterrolle ein: In einer aktuellen Pressemitteilung der Landeshauptstadt heißt es, dass der Standort mit knapp fünf Milliarden Euro Umsatz zum 17. Mal in Folge der umsatzstärkste WerbestandIn den fünfziger Jahren kamen große ort Deutschlands ist. Das ist insofern beacht- amerikanische Konzerne in die bedeutende lich, als dass hier gerade einmal 831 Agenturen Wirtschaftsregion Rhein-Ruhr – und mit ihansässig sind – Hamburg etwa hat 1.600 (Um- nen die großen amerikanischen Werbeagensatz 2,31 Millarden Euro), Köln 1.172 (1,93 turen. Neu- und Ausgründungen sowie KoMilliarden Euro Umsatz). Regelmäßig heim- operationen amerikanischer und deutscher sen die regionalen Kreativstätten Preise für Agenturen fanden statt und die bundesweidie besten und originellsten Kampagnen, zum te Werbelandschaft veränderte sich. Zwei Beispiel in Form dieser Vorreiter „Dort wo es fachlich ist, machen viele Entscheider sind die in New des begehrten „Effachlich richtige Kommunikation im Sinne des Un- York gegründeten fies“, ein. 2010 etwa erhielt TBWA Düsternehmens, aber nicht im Sinne des Betrachters. N e t z w e r k a g e n seldorf den Effie Der Mut zur Vereinfachung kollidiert mit der Angst turen BBDO und in Gold für seine Grey. Grey startevor mangelnder Fachlichkeit!“ (Gerhard Köpp) Henkel-Kampagne, te sein DeutschBBDO Düsseldorf die silberne Variante für landgeschäft in Düsseldorf bereits im Jahr seine Wrigleys-Kampagne. Auch unter den 1953, drei Jahre später begann BBDO sein Effie-Finalisten im Jahr 2012 sind Düsseldorfer Engagement in der Rheinmetropole. Seit Kreativkader vertreten. dem sind beide Agenturnetzwerke kontiWie diese bunte Szene auf die immer nuierlich gewachsen: Die Agenturgruppe größeren Anforderungen in einer globalen Grey beschäftigt heute etwa 500 Mitarbeiter Kommunikationswelt reagiert und wie sie sich deutschlandweit, alleine 400 davon in Düsgegenüber anderen Agenturstandorten be- seldorf, BBDO Germany ist mit insgesamt hauptet, ist dagegen weniger bekannt. Bevor 6.100 Mitarbeitern das mit Abstand größte DÜSSELDORF MANAGER in der nächsten Agenturnetzwerk hierzulande. Beide Player Ausgabe die größten Werbeagenturen in der verwalten nationale und internationale Etats Region porträtiert und vornehmlich Fakten und operieren weltweit. Ihr Leistungsspektsprechen lässt, haben wir daher diesmal die rum ist dementsprechend umfassend. „Wir Branche genau unter die Lupe genommen. sehen uns als Fullservice-Agentur und beWir wollten wissen: Wie ist Düsseldorfs Agen- dienen das komplette Spektrum von below- Die Mischung macht´s: von großen Netzwerkagenturen… 2007 2008 2009 2010 2011 Gesamt Honorare, Werbemittelproduktion, Medienkosten 30,83 +2,0% 30,67 -0,5% 28,84 -6,0% 29,53 +2,4% 29,92 +1,3% davon Netto-Werbeeinnahmen der Medien 20,81 +2,3% 20,37 -2,1% 18,37 -9,8% 18,74 +2,1% 18,93 +1,0% Quelle: Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW. 44 Düsseldorf Manager 09/12 the-line bis above-the-line-Werbung“, sagt Christian Hupertz, CEO von Grey Worldwide. Above-the-line meint im Werbechinesisch klassische Werbung wie Print und Rundfunk, below-the-line dagegen sind persönlichere und zielgruppenspezifischere Kommunikationsformen wie Direct Mails, Events oder Sponsoring. Mindestens genauso umfassend aufgestellt ist BBDO: „In jeder relevanten Kommunikationsdisziplin – von integrierter Werbung über PR, Mediaplanung, Branding und Design bis hin zu Marketingberatung, Sales und Vertrieb – zählen die Agenturtöchter der deutschen BBDOGruppe zu den Top-Anbietern der Branche“ sagt Dirk Bittermann, General Manager bei BBDO Proximity, der Agenturtochter für integrierte Werbung der BBDO Gruppe. Beide Netzwerkriesen – Grey und BBDO – haben spezialisierte Units, können aber immer auf ihr komplettes Netzwerk zurückgreifen. Somit erhalten ihre Kunden ein integriertes Werbekonzept aus einer Hand – und sparen sich zum Beispiel die Koordination mehrerer kleinerer Agenturen. …. bis hin zu den „kleinen Feinen“ Brutto-Investitionen in Werbung nominal/in Mrd. Euro/gerundet Christian Hupertz ist CEO von Grey Worldwide mit Sitz in Düsseldorf. Düsseldorfs Werbelandschaft besteht aber noch aus weit mehr als den bekannten großen Netzwerkagenturen. Grey-Chef Christian Hupertz definiert drei Cluster: „Die großen Netzwerk-Agenturen, den inhabergeführten Mittelbau wie zum Beispiel die Agentur Butter und die vielen „kleinen Feinen“. Durch die Ausweitung der Medienlandschaft und die Möglichkeiten des Internets sind die Werbemöglichkeiten vielfältiger geworden, dementsprechend Agenturszene Düsseldorf Business in Düsseldorf komplexer und arbeitsintensiver gestalten sich auch die Agenturaufgaben. In der Folge hat der Markt zunehmend kleine Agenturen hervorgebracht, die sich auf einzelne Kommunikationsnischen spezialisieren. Sie sind oft inhabergeführt und leben vom persönlichen Verhältnis, in dem Beratung ganz groß geschrieben wird. So wie bei der seit 1994 in Düsseldorf ansässigen Agentur k:drei. „Wir haben fünf feste Mitarbeiter und arbeiten projektbezogen mit freien Mitarbeitern. Wir besitzen also nicht eine solche Aggregation von Kompetenzen wie größere Agenturen. Dafür gibt es bei uns keine Zwischenebenen, was wiederum unsere Stärke, den persönlichen Kontakt, ausmacht“, erklärt Gerhard Köpp, Geschäftsführer von k:drei. Alle inhaltlichen Fragen gehen direkt an ihn, den Chef. „Ich erhalte die Informationen ungefiltert und kann direkt reagieren. Das schafft persönliches Vertrauen und ist in einer Zeit von Überinformationen und Unsicherheit ein Vorteil, den wir nutzen“, führt Köpp aus. Kooperation anstatt Konkurrenz in der Agenturwelt Dass die persönliche Betreuung – vor allem durch den Geschäftsführer – in kleineren Agenturen oft besser gepflegt werden kann, streitet Grey-Chef Hupertz auch gar nicht ab: „Ich kann alleine schon organisatorisch nicht bei jedem Kundentermin dabei sein.“ Allerdings stehen für ihn große und kleine Agenturen auch nicht in einem unmittelbaren Konkurrenzverhältnis: „Kleine Agenturen haben andere Kostenstrukturen und dadurch auch andere Preise als wir, aber gegebenenfalls auch ein limitiertes Stauraum Arbeitsplatz wir planen und realisieren Teeküche & Cafébar Konferenz & Meeting Dirk Bittermann ist Standortleiter von BBDO Proximity Düsseldorf. Angebot", erklärt Hupertz. Dirk Bittermann von BBDO Proximity sieht das ähnlich: „Ich würde nicht sagen, dass sich die großen und kleinen Agenturen in die Quere kommen. Kleine Agenturen besetzen oft eine Nische, in der sie besonders gut sind. Andererseits haben sie aber auch ressourcenbedingte Kapazitätsgrenzen, um Großaufträge zu stemmen wie zum Beispiel die Entwicklung von Online-Plattformen von Großkonzernen, für die es allein bis zu 50 Digitalspezialisten bedarf. Es gibt also wenige Schnittmengen“. „Wir brauchen große und kleine Agenturen nebeneinander“, findet Gerhard Köpp. „Das macht die Düsseldorfer Szene vielfältiger und spannender. Ein Ort mit großen Agenturen gebiert automatisch neues Leben mit kleinen drum herum.“ Aufgrund der zunehmenden Komplexität in der Kommunikationsbranche müssen Agenturen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung heutzutage ohnehin stärker zusammenarbeiten als früher. Oft gibt es in diesen Fällen eine Lead-Agentur, die die Fäden in der Hand hält und das Projekt koordiniert. „Das erwarten unsere Kunden auch. Vor diesem Hintergrund würde ich behaupten: Im Vergleich zu früher gibt es heute mehr Disziplin-übergreifende Kooperation und weniger Konkurrenz bei gemeinsamen Projekten“, erklärt Bittermann. Werbung ist da, wo Leben ist – oder: warum Agenturstandort Düsseldorf? Gerhard Köpp, Geschäftsführer der Düsseldorfer Agentur k:drei, setzt vor allem auf intensive persönliche Beratung. Empfang individuelle Einrichtungen für Büro, Objekt, Praxis und Ihr Zuhause Sicherlich lässt sich im digitalen Zeitalter auch problemlos ortsunabhängig kreativ arbeiten, das gilt für alle Agenturstandorte. Da der Kundenkontakt aber über die kom- zum Beispiel kommunikative Meetingpoints & Cafébars Bestuhlung Beleuchtung viele weitere Bildbeispiele finden Sie hier www.classen-design.de Showroom Showroom & Planung in der Raumgliederung Konrad-Zuse-Ring 4 41179 Mönchengladbach Shop- und Mesebau Kontakt Fon 0 21 61 / 9 07 21-0 Fax 0 21 61 / 9 07 21-23 [email protected] Düsseldorf Manager 09/12 Planung 45 Business in Düsseldorf Agenturszene Düsseldorf Braucht eine Agentur eine Agentur? Gerhard Köpp: Die Frage beantworte ich mit einem manchmal JA. Ich habe es selbst erlebt bei der Unternehmensgründung. In manchen Fällen ist der Blick von außen sehr wichtig. Christian Hupertz: Eher nein. Eigentlich ist die beste Werbung die eigene Arbeit. Dirk Bittermann: Die beste Eigenwerbung ist die Werbung, die wir im Auftrag unserer Kunden gemacht haben. Düsseldorf ist nach wie vor einer der wichtigsten Agenturstandorte in Deutschland, zusammen mit Hamburg, Frankfurt und Berlin. Der Wettbewerb schläft allerdings nicht, besonders die Bundeshauptstadt macht der Rheinmetropole in den letzten Jahren ordentlich Konkurrenz. „Berlin ist mit seiner großen Kulturszene natürlich ein ideales Umfeld für viele Kreative. Das zieht viele vor allem junge Talente an, sodass wir Düsseldorf als attraktiven Agenturstandort immer wieder in die Köpfe bringen müssen“, schildert BBDO-Proximity-Geschäftsführer Bittermann. Düsseldorf Manager 09/12 Gerhard Köpp: Ich wünsche mir von Kunden einen offenen Dialog und den Mut zur persönlichen Meinung inklusive Bauchgefühl. Christian Hupertz: Der Kunde sollte einen Sparringspartner auf Augenhöhe und keinen devoten Dienstleister haben wollen. Er muss beratungsaffin sein und nicht „rein diktieren“ – - schließlich soll diese Beziehung beiden Seiten Spaß machen und den Kunden zum Ziel führen! Dirk Bittermann: Ich halte drei Dinge für besonders wichtig: Vertrauen, Arbeit auf Augen höhe und Leidenschaft Wie Kunden die passende Agentur finden – und umgekehrt Damit der Agenturstandort Düsseldorf plette Wertschöpfungskette eine entscheidende Dimension darstellt, sind nach wie vor auch seine Stellung im deutschen Werbemarkt persönliche Gespräche notwendig, vor allem auch weiter behaupten kann, ist neben der wenn es um strategische Entscheidungen Nachwuchsförderung auch der Zugang geht. Deshalb gründen viele Agenturen ihre zum Kunden wichtig – vor allem bei einer Standorte dort, wo sie Kunden haben – und dermaßen hohen Agenturdichte. Aber wie das sind im Raum Düsseldorf eine ganze Men- kommt in diesem Dschungel der Kunde zur ge. „Von Düsseldorf aus lassen sich in einem Agentur – und wie kommt die Agentur zum Radius von 100 Kilometern über 12 Millionen Kunden? Für kostensensiblere kleine und mittelMenschen erreichen. Die Stadt hat eine große Wirtschaftskraft und mit der traditionell star- ständische Unternehmen stellt sich im Geken japanischen Community auch viele inter- gensatz zu Großkonzernen häufig auch die nationale Unternehmen vor Ort“, sagt Grey- Grundsatzfrage, ob und wie viel Werbung Chef Christian Hupertz. Zudem schätzt er die überhaupt Sinn macht. Diese Frage lässt sich hohe Lebensqualität in der Rheinmetropole: nicht pauschal beantworten, aber die Werbeprofis sind sich „Es gibt viele „Nachholbedarf sehe ich beim Mittelstand allgemein. einig, dass man Galerien, eine Gerade er müsste aufgrund von Fachkräftemangel etc. seine KommuKunstakademie, unzählige Freistärker auf sich aufmerksam machen“ (Dirk Bittermann) nikationsmaßnahmen ab zeitmöglichkeiten“. Hinzu kommt die große Nähe zu Medie- einer bestimmten Größenordnung zuminnunternehmen und damit auch verbunden zu dest checken lassen sollte. „Eine Agentur als den zahlreichen kooperierenden Mediaagen- Sparringspartner für die kommunikativen Aktivitäten sollte zumindest helfen, einfaturen in der Region. Gerhard Köpp, aufgewachsen in Es- che Fehler zu vermeiden: mangelnde konsen, schätzt neben der Infrastruktur und der zeptionelle Konsequenz in den einzelnen Wirtschaftskraft auch die positive Einstel- Kommunikationsbausteinen etwa oder eine lung der Düsseldorfer: „Hier spürt man den Überfrachtung mit Informationen“, erklärt Aufschwung und die Anpackermentalität. k:drei-Chef Gerhard Köpp. Düsseldorf ist offensiv ausgerichtet – und Werbung sollte auch offensiv sein! Die positiNeben der Kostenfrage sind bei der Suche nach ven Schwingungen sind merkbar.“ Düsseldorf der richtigen Agentur unter anderem folgende Frastellt für ihn ein vielfältiges Abbild der Gesell- gen ausschlaggebend: schaft dar, das die Werber inspiriert. „In einer Arbeitet die Agentur lokal, regional, natioMetropole inhalieren Agenturmenschen das nal oder international? Leben – das nun einmal immer urbaner wird. Braucht der Kunde eine Agentur, mit der Der Werber muss sich dort bewegen, wo das er sich häufig persönlich abstimmen kann Leben spielt“, findet Köpp. (Standortnähe)? 46 Die ideale Kundenbeziehung Welche Disziplinen muss die Agentur beherrschen? Legt der Kunde Wert darauf, alles aus einer Hand von einer Agentur zu bekommen oder möchte er spezialisierte Agenturen für verschiedene Bereiche? Welche Kreativitätspreise/Auszeichnungen kann die Agentur vorweisen? In welcher Größenordnung bewegen sich ihre bisher verantworteten Etats? In welchen Branchen hat die Agentur Er fahrung? Das sind nur einige Kriterien, an denen sich eine Agentur objektiv messen lassen sollte. Für noch wichtiger als diese hält Köpp die Fähigkeit der Agenturmitarbeiter, sich in den Kunden einzufühlen und ihn zu verstehen. „Die meisten Kontakte kommen bei einer kleinen Agentur wie wir eine sind durch Empfehlungen zustande. Der Empfehlung muss der Aufbau von Vertrauen folgen. Wir sind besonders darauf angewiesen, weil wir inszenierte Gedanken verkaufen. Und die leben auch von Überzeugungskraft, Leidenschaft und dem Vertrauen auf ihre Wirkung.“ Ein gute Agentur-Kundenbeziehung bedeutet aber nicht zwingend, dass die Agentur all das gut findet und umsetzt, was der Kunde für richtig hält: „Eine gute Agentur muss ein kritischer Sparringspartner sein, der auch mal den Spiegel vorhält und Unbequemes anspricht“, sagt Christian Hupertz. Unbequemes – das kann zum Beispiel die Aufklärung des Kunden hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen von Werbung sein, etwa wenn er unrealistische Erwartungen an die Werbewirkung hat oder Kommunikation nicht als langfristigen und ganz- Agenturszene Düsseldorf Business in Düsseldorf heitlichen Prozess begreift. „Schwierig ist es auch, wenn der Kunde selbst nicht genau weiß, was er will. Oder – und da schließt sich der Kreis – nicht das notwendige Vertrauen in seine Agentur setzt“, so Hupertz. Kreativ-Marke gegen die Talentflucht? Dieses Vertrauen ist aber enorm wichtig, denn die Welt wird immer komplexer und schneller – und der Kunde verliert zunehmend den Überblick. Um in der Informationsflut wahrgenommen zu werden, setzt die Agenturwelt auf mehreren Ebenen an: Mit netzwerkartigen Kooperationsstrukturen, die flexibel reagieren können; mit individualisierter, zunehmend interaktiver Zielgruppenansprache in integrierten Konzepten; und in internationalen Märkten mit Konzepten, die die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Rezeptionsbedingungen der jeweiligen Länder berücksichtigen. Für diese komplexe Aufgabe braucht es talentierte Fachkräfte. Diese Fachkräfte wandern nach ihrer Ausbildung in Düsseldorf allerdings immer häufiger nach Berlin oder Hamburg ab. Für die Agenturen wird es somit immer aufwändiger, diesen Nachwuchs nach Düsseldorf zurückzuholen – oder von Anfang an an die Rheinmetropole zu binden. Zwar gibt es die Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation und viele Agenturen bieten sehr gute Ausbildungs- und Traineeprogramme, aber unausgeschöpftes Potenzial scheint es dennoch zu geben. „Vielleicht muss man auch agenturübergreifend besser zusammen arbeiten und gemeinschaftlich den Nachwuchs fördern“, meint Dirk Bittermann. Da für viele Kreative auch entscheidend ist, welches Bild eine Stadt über ihre Modernität und ihre kreativen Milieus vermittelt, ist auch das Standortmarketing der Stadt Düsseldorf gefragt – bei einer derartigen Konzeption würde es sich anbieten, die ortskundigen Agenturen einzubinden. Im 2010er-Bericht „Kulturwirtschaft in Düsseldorf “, beauftragt von der Stadt, heißt es ganz richtig: „Nicht nur die Altstadt und der Rhein, sondern Potenziale Düsseldorfs als Werbestandort, als Kreativstandort mit einem innovativen Lebensumfeld in einer lebendigen Region wären noch stärker zu kommunizieren.“ Wie das umzusetzen wäre? Auf mehreren Ebenen: nach außen zum Beispiel durch die Etablierung einer Marke „Düsseldorf – die Stadt der Kreativen“ und damit verbunden der Ausschreibung eines Preises; nach innen durch eine stärkere Vernetzung der Düsseldorfer Kreativen untereinander durch entsprechende Plattformen; und auf StadtentwicklungsEbene etwa durch den Ausbau „kreativer Flächen“, die das Düsseldorfer Potenzial erlebbar machen. Besonders was den letzten Punkt angeht, ist in den vergangenen zwei Jahren bereits eine Menge passiert: Ende Juni erst präsentierte Oberbürgermeister Dirk Elbers die neue Broschüre der Wirtschaftsförderung zum Kreativflächenangebot in Düsseldorf, um die Transparenz auf dem Immobilienmarkt gerade für junge, kreative Unternehmer zu erhöhen. Solche Maßnahmen gilt es auch auf den anderen Ebenen planen und umzusetzen. Vielleicht finden sich ja ein paar gute Agenturen, die hier den geforderten Mut selbst einsetzen und diese Planungen vorantreiben. Thomas Corrinth | [email protected] Zur Lage der Werbewirtschaft Laut ZAW (Zentralverband der deut- INFO schen Werbewirtschaft) ist analog zur Gesamtwirtschaft auch das Wachstum im Werbemarkt langsamer. Der ZAW rechnet für 2012 mit einem Plus von 1 Prozent (siehe Grafik zum bisherigen Wachstum!) Über der privaten Konsumbereitschaft im Jahr 2012 steht ein großes Fragezeichen: Zwar stiegen die Konsumausgaben in den letzten beiden Jahren davor stark, aber aufgrund der Schuldenkrise und Turbulenzen am Kapitalmarkt kann sich das auch abrupt ändern. Erwartungen hat der ZAW aufgrund des demographischen Wandels: Die Alterung der Gesellschaft fördere die Innovationsbereitschaft der Anbieter und im Wettbewerb um Kunden werde auch wieder mehr Werbung geschaltet. Als Ursachen für die Abschwächung der Werbewirtschaft nennt der ZAW makroökonomische Zusammenhänge: Mit der Abschwächung der Volkswirtschaft verringern sich auch die Investitionen in die Markt-Kommunikation; Kostendenken geht hier vor Investitionsdenken Die im Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) zusammengeschlossenen Agenturen gehen 2012 von einem Wachstum des Gross Incomes (Honorare und Provisionen) von 4,4 Prozent (zwei Proent weniger als in Vorjahresbefragung) Quelle: ZAW Düsseldorf Manager 09/12 47