09 12 Buntsand - cloudfront.net

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Faszination Buntsandstein - der Nagoldlauf in Dillweißenstein
Die Nagold durchfließt in Dillweißenstein eine Flussschlinge im Buntsandstein. An den Prallhängen sind steil aufragende Felspartien mit rötlichen Färbungen des Gesteins, zahlreiche Klüfte, Blockhalden und Schichtbänke sichtbar. Solch eindrucksvolle Kulissen sind zum Beispiel die KahlhardtFelsformationen an der Wildbader Straße, die Steilwände des Felsenwäldeles in Dillstein oder die aufsteigenden Pralluferabschnitte im Gewann Nagoldhang unterhalb der Steinernen Brücke. Das Gestein zeugt von einer bewegten geologischen Vergangenheit: Die rötlichen Schichten des Buntsandsteins liegen auf dem sog. „Grundgebirge“ (= kontinentale Erdkruste aus Graniten und Gneisen) mit einer Mächtigkeit von heute im Nordschwarzwald bis zu 400 m auf. Der Buntsandstein besteht überwiegend aus durch Wasser verfrachteten Sanden, Geröllen und wenigen versteinerten
Tonen. Die Schüttung erfolgte aus Richtung Westen und Südwesten ins heutige Schwarzwaldgebiet vor ca. 245 bis 237 Millionen Jahren.
Die Sohle der Nagold bei der Steinernen Brücke wird von widerständigen Felsschichten des Mittleren Buntsandsteins gebildet, die oberen Hangbereiche werden schon dem Oberen Buntsandstein zugerechnet. Der Mittlere oder Hauptbuntsandstein, hier mit seiner obersten Schicht, dem sog.
„Hauptkonglomerat“, bildet das Flussbett. Der Mittlere Buntsandstein besitzt im Nordschwarzwald seine größte Mächtigkeit mit über 200 m und besteht vorwiegend aus geröllfreiem, mittelkörnigem, oft gebanktem (Bau-)Sandstein. Gegen mechanische Beanspruchung und Verwitterung sehr
widerständige, harte Quarzgerölle finden sich erst im aufliegenden Hauptkonglomerat, das an der Nagold zutage tritt und die „harten“ Wände und
„Gesimse“ an den Prallhängen unterhalb der Steinernen Brücke bildet.
Warum ist der Buntsandstein rot?
Die typische rote Färbung des Buntsandsteins ist auf das
Hämatit-Eisenoxidmineral (Fe2(III)O3) zurückzuführen, das
die Quarzkörner krustenartig überzieht. Es entstand unter
den hohen Temperaturen des subtropischen Halbwüstenklimas, das während der Buntsandstein-Zeit im Gebiet des
heutigen Mitteleuropas vorherrschte.
Der Buntsandstein ist der früheste Abschnitt der Trias, welche
sich aus Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper zusammensetzt. Der Begriff Buntsandstein stammt nicht, wie man
vermuten könnte, von der bunten Färbung der Gesteine,
sondern ist davon abgeleitet, dass die verschiedenartigen
Sande einen "Verbund" bilden. Unterteilt wird der Buntsandstein in den Unteren, Mittleren und Oberen Buntsandstein
(siehe Abb. links). Eine im Jahr 1898 auf dem Gelände der
Papierfabrik niedergebrachte 500 m tiefe Bohrung wies
nach, dass die Buntsandsteinschicht an der Nagold ca. 290
m mächtig ist und auf noch älteren Steinschichten (Rotliegendes) aufliegt. Die oberste Schicht des Mittleren Buntsandsteins, also das Hauptkonglomerat, misst hier ca. 15 m.
Fließgewässer gestalten die Landschaft
Fließendes Wasser besitzt Energie, mit der es feste und gelöste Stoffe
transportieren kann. Diese „Erosionsenergie“ wird vor allem bestimmt von
der Wasserführung, Fließgeschwindigkeit und dem Gefälle, aber auch
von der „Rauheit“ des Fließbettes. Die Rauigkeit eines Fließgewässers
umfasst die Widerständigkeit des Gesteins an Sohle und Ufer, die Menge,
Größe und Form des zu transportierenden Materials und die Ufervegetation. Übersteigen Reibungswiderstand und Materialmenge die Transportkraft des Wassers, so lagert sich Material ab (Auebildung). Ist nur wenig
Fracht und nur feines Material vorhanden, wird die überschüssige Energie
zur Abtragung des Untergrundes eingesetzt (Erosion, Auskolkung, etc.).
Infolge von geringfügigen Ablenkungen des Wasserstroms kommt es zum
Pendeln des Stromstrichs. So entstehen an widerständigen Gesteinsschichten Flusskrümmungen, bei der der Stromstrich zur Außenkurve abgelenkt wird: es bildet sich durch Erosion ein Prallufer, wenn nicht sogar
ein Prallhang aus. In der Innenkurve wird demgegenüber Material abgelagert (Gleitufer).
Im Tertiär (vor 65 Mio. bis 1,8 Mio. Jahren) begann die Hebung des
Schwarzwaldes mit den darüber lagernden Schichten, im Eiszeitalter (2,3
Mio. bis 10.000 Jahre vor heute) wurde durch Frostverwitterung und Bodenfließen im damaligen Tundrenklima im Wechsel mit eingeschalteten
Warmzeiten die heutige Landschaft des Nagoldtales maßgeblich geformt, wurde der heutige Nagoldlauf angelegt. Starke Abflüsse in den
Warmzeiten tieften die Nagold in den Buntsandstein ein.
Bogenbrücke
Dillweißenstein
Steinerne
Brücke
ehemalige
Papierfabrik
Hinteres
Tal
Fotos: Stadt-Archiv (Luftbildaufnahme), Bauer (sonstige)
nach DAVIS (1903)
Text: Bauer , Hilligardt
Prallufer an der Nagold
Grafiken: Buntsandsteingliederung nach METZ (1977), Entstehung von Talwindungen
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