Das immergrüne Glück

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Das immergrüne Glück
Der rote Sauerklee ist zum Jahreswechsel sehr gefragt
klärt Michael Kopp. Entsprechend setzt
er den Klee auch in verschieden große
Töpfe.
Gut 1 cm tief unter der Erde brauchen
die Zwiebeln zunächst Feuchtigkeit und
Wärme. Im Gewächshaus herrschen
deswegen in den ersten Tagen angenehme 20 °C. „Schon nach einer Woche
sind die kleinen Pflänzchen zu sehen,
die zunächst ausschließlich rötlich
schimmern. Erst wenn sich wenige Tage
später das erste Blatt öffnet, ist auch
die eigentliche grüne Farbe des Klees
deutlich zu erkennen. Sind die ersten
Blätter komplett geöffnet, kann auch
Wer ein vierblättriges Kleeblatt in freier
Natur findet, ist ein Glückspilz.
Oft verziert sogar
Michael Kopp persönlich den Glücksklee mit weiteren
Glücksboten – wie
hier mit Schornsteinfegern.
Wenn es ums Glück geht, können Andreas Dietz und Michael Kopp wahrlich
ein Wörtchen mitreden. Das Glück
wächst quasi unter ihrer Regie. Vor
zehn Jahren hat Andreas Dietz in seiner
Gärtnerei in Rommerskirchen-Anstel
damit begonnen, Glücksklee in großen
Mengen anzubauen. Die Verantwortung
für seine Gärtnerei-Niederlassung in
Anstel übertrug er damals seinem Betriebsleiter Michael Kopp.
Glücksklee (Oxalis tetraphylla) zählt zu
der Familie der Sauerkleegewächse.
Seine Besonderheit ist das viergeteilte
Kleeblatt. Das Immergrün ist besonders zum Jahreswechsel sehr gefragt.
Dem Klee werden schon seit Jahrhunderten besondere Kräfte zugeschrieben. So heißt es, dass sie böse Geister
vertreiben und seine Besitzer vor Unheil bewahren.
die Temperatur im Gewächshaus auf
12 °C zurückgefahren werden. „Die
niedrige Temperatur drosselt auch das
Wachstum des Klees“, erklärt Kopp.
Die Pflanzen sind relativ genügsam. Ein
heller kühler Platz reicht ihnen. Vorsicht ist allerdings bei der Bewässerung
angesagt. „Glücksklee mag keine Staunässe“, erklärt Michael Kopp. Ein Tag zu
Und weil viergeteilte Kleeblätter in der
Natur äußerst selten zu finden sind,
wurden die Finder solcher Kleeblätter
seit jeher Glückspilze genannt. Kopp
hat deswegen ausschließlich Glücksklee im Anbau, also jenen Klee, der wegen seiner vierteiligen Blätter Überlieferungen zufolge Glück bringen und Lebens- und Heilkraft geben soll.
Je nach Größe der
Kleepflanzen werden die Töpfe in
große oder kleine
Schweinchenübertöpfe gesteckt.
Damit zum Jahreswechsel möglichst
viele Menschen das grüne Glück nach
Hause tragen und verschenken können,
muss Michael Kopp allerdings rechtzeitig mit der Aufzucht beginnen. Schon
Anfang November kommen die KleeZwiebeln in die Töpfe – 600 000 Zwiebeln verteilt auf etwa 60 000 Töpfe. „Je
dicker die Zwiebeln sind, je größer werden später die Blätter des Klees“, erLZ 52/53 · 2015
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Erst am Abend geht die Beschattung im Gewächshaus runter. So lässt sich auch Energie
sparen.
nass reicht schon aus, damit der Klee
seine Blätter hängen lässt. Die Erde im
Topf sollte deswegen maximal handfeucht gehalten werden.
Damit es auch mittags bei Sonnenschein im Gewächshaus nicht zu warm
wird, ist die pneumatische Belüftung
eingeschaltet. Sind die 20 °C im Gewächshaus erreicht, öffnen sich die
Dachluken. Die Beschattung fährt erst
mit Einbruch der Dunkelheit aus. Sie
hält die Wärme und hilft somit auch
Energie zu sparen. Die gesamte Kulturzeit dauert sechs Wochen. Schon Mitte
Dezember beginnt der Verkauf über
den Großhandel und die Versteigerung. Spätestens zum Jahreswechsel
ist alles vorbei. Doch auch wenn dann
das ganze Glück verkauft und einen
neuen Besitzer hat, muss es nicht
zwingend nach den Festtagen weggeworfen werden.
Grünes Glück: Vor zehn Jahren hat Andreas
Dietz in seiner Gärtnerei in Rommerskirchen-Anstel damit begonnen, Glücksklee
anzubauen.
„Glücksklee ist mehrjährig“, sagt Kopp.
Er rät, die Zwiebeln im Frühjahr in den
Garten oder den Balkonkasten zu setzen. „Sie kommen dreimal so tief, wie
die Zwiebel dick ist, in den Boden“, so
Margret Klose
Vorsicht ist beim
Bewässern angesagt. Glücksklee
mag keine Staunässe.
Fotos: Margret Klose
Was bringt das Jahr 2016? Wer
fürchtet, bei der Glücksverteilung
im neuen Jahr zu kurz zu kommen,
kann einige kleine „Helfer“ bemühen. Hier eine Auswahl an Glücksbringern:
Feuerwerk: Schon die heidnischen
Germanen versuchten, böse Geister
mit Licht und Lärm zu vertreiben. Daraus entwickelte sich das heutige Silvester-Feuerwerk als Ausdruck der
Hoffnung auf ein glückliches neues
Jahr.
Schornsteinfeger: Etwas Asche vom
schwarzen Mann im Gesicht soll
Glück bringen. Der Ursprung dieses
Aberglaubens stammt aus dem Mittelalter, als Häuser leichter und häufiger Feuer fingen als heute. Der Kaminkehrer schützte durch seine Arbeit die heimischen vier Wände und
brachte somit Glück.
Glückskäfer: Heutzutage gilt nur
noch der Marienkäfer als krabbelnder
Glücksbote. Aus Schokolade in roter
Folie mit schwarzen Punkten ist er
besonders zum Jahreswechsel ein beliebtes
Geschenk.
Ursprünglich
brachte jeder Käfer Glück – wenn er
denn mit der linken Hand gefangen
und in der Hosentasche aufbewahrt
wurde.
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der Glückskleeanbauer. Je nach Witterung lässt dann das neue grüne Glück
gar nicht mehr lange auf sich warten.
Glücksschwein: Das Borstenvieh
wurde vermutlich bereits vor 2 000
Jahren wegen seiner Fruchtbarkeit
zum positiven Symbol. Wer sprichwörtlich „Schwein“ hat, gilt auch
ohne Schnitzel auf dem Tisch als
Glückspilz.
Hufeisen: In den Vorstellungen vieler
Völker gilt es als Abwehrmittel von
Unheil. Als dauerhaftes Glückssymbol sollte es aber mit der Öffnung
nach oben aufgehängt werden, denn
sonst fällt dem Aberglauben zufolge
das Glück heraus.
Glückspfennig: Glücksgeld ist einem
alten Brauch zufolge die erste Münze,
die einem jungen Erdenbürger vom
Taufpaten geschenkt und sorgfältig
aufgehoben wird. Daraus hat sich der
Glückspfennig entwickelt. Der Aberglaube überlebte die Euro-Einführung, der Name „Glücks-Cent“ setzte
sich im Sprachgebrauch aber nicht
durch.
Neujahrsgebäck: Wer zu Neujahr
eingeladen wird, bringt nach altem
Brauch einen selbst gebackenen Hefekranz oder eine Neujahrsbrezel als
Glücksbringer mit. An das Vieh verfütterte Reste des Neujahrsgebäcks
sorgen angeblich für Gesundheit der
Tiere und Wohlstand des Bauern. ◀
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