Texte zum Vortrag

Werbung
1
Texte zu Keltenwanderungen im Alpen- und Donauraum
Dionysius Hal. 13, 10–11:
10 Die Ursache der Ankunft der Kelten in Italien war folgende: Ein gewisser Lukumo, ein Anführer der
Tyrrhener, übergab, am Ende seines Lebens stehend, seinen Sohn einem vertrauenswürdigen Mann namens
Arruns in die Vormundschaft. Als der Tyrrhener gestorben war, übernahm Arruns die Fürsorge des Kindes und
wurde ein sorgfältiger und gerechter Beschützer, und als das Kind ins das Mannesalter kam, gab er ihm das
gesamte vom Vater hinterlassene Vermögen. Dafür erntete er vom Jüngling nicht dieselben Gefälligkeiten. (2)
Er hatte nämlich eine schöne junge Frau, deren Gemeinschaft ihm viel bedeutete und die in der Vergangenheit
immer keusch gewesen war; der Jüngling verliebte sich in sie, verdarb sowohl den Körper wie den Verstand der
Frau und verlangte, nicht nur heimlich, sondern auch vor aller Augen Umgang zu pflegen. Bedrückt durch die
Trennung von seiner Frau und aufgebracht wegen der von beiden erlittenen Schmach, ging Arruns, weil er keine
Genugtuung von ihnen erlangen konnte, in die Fremde, unter dem Vorwand, Handel zu treiben. (3) Als der
Jüngling sich erfreut von seinem Abschied zeigte und zur Verfügung stellte, was er für den Handel brauche, lud
er viele Schläuche mit Wein und Olivenöl und viele Körbe mit Feigen auf Wagen und fuhr ins Land der Kelten.
11 Die Kelten hatten zu dieser Zeit weder Traubenwein gekannt noch Öl wie es unsere Oliven geben, sondern
verwendeten als Wein einen übelriechenden Saft aus in Wasser vergorener Gerste, als Öl aber Schweinefett,
abgestanden im Geruch und schlecht im Geschmack. Damals genossen sie erstmals Früchte, die sie nie gekostet
hatten, zogen wunderbaren Genuß aus jeder und fragten den Fremden, wie jede davon wächst und bei welchen
Menschen.
Livius 5, 33, 1–35, 3:
33 Nach der Vertreibung des Bürgers, bei dessen Verbleib, wenn irgendetwas Menschliches sicher ist, man
Rom nicht hätte einnehmen können, nahte die schicksalshafte Niederlage der Stadt, als die Gesandten von den
Clusinern kamen, um Hilfe gegen die Gallier zu erbitten. (2) Der Sage nach wird überliefert, daß dieser Stamm,
eingenommen von der Süße der Früchte und vor allem des Weines, ein damals neuer Sinnesgenuß, die Alpen
überquert und die zuvor von den Etruskern bestellten Länder in Besitz genommen hätte; (3) und daß der Clusiner
Arruns den Wein in Gallien eingeführt hätte, um den Stamm anzulocken, aus Zorn darüber, daß seine Frau von
Lucumo, dessen Vormund er selbst gewesen war, verführt worden war, einem sehr mächtigen jungen Mann, den
man nicht bestrafen konnte, wenn nicht eine auswärtige Macht gefragt würde; (4) dieser sei ihr Führer beim
Überschreiten der Alpen und der Urheber der Belagerung von Clusium gewesen. Wohl will ich nicht bestreiten,
daß die Gallier von Arruns oder einem anderen Clusiner nach Clusium geführt wurden; (5) aber daß jene, die
Clusium belagerten, nicht die waren, die als erste die Alpen überschritten, steht hinreichend fest. Denn schon
zweihundert Jahre früher als sie Clusium belagerten und die Stadt Rom einnahmen, gingen die Gallier nach
Italien hinüber; (6) und nicht mit diesen Etruskern als ersten, sondern viel früher mit denen, die zwischen dem
Appenin und den Alpen wohnten, haben die gallischen Heere oft gekämpft. (7) Die Macht der Etrusker dehnte
sich vor der römischen Herrschaft weit über Land und Meer. Wieviel sie am oberen und unteren Meer, von
denen Italien wie eine Insel umgeben ist, galten, beweisen die Namen, denn das eine wird von den italischen
Stämmen nach der allgemeinen Bezeichnung des Volkes das Etruskische(8) das andere das Adriatische genannt
nach Adria, einer Kolonie der Etrusker. Die Griechen nennen sie das Tyrrhenische und das Adriatische. (9) Und
sie bewohnten die an beiden Meeren gelegenen Länder mit je zwölf Städten, zunächst diesseits des Appenins am
unteren Meer, später jenseits des Appenins, indem sie ebensoviele Kolonien ausschickten, wie es Hauptorte im
Mutterland gab, (10) die jenseits des Po alle Gebiete mit Ausnahme des Winkels der Veneter, die um den
Meeresbusen herum wohnen, bis zu den Alpen besetzten. (11) Auch die Alpenvölker haben ohne Zweifel diesen
2
Ursprung, vor allem die Räter, die das Land selbst verwildert hat, sodaß sie vom alten Brauch nur den Klang der
Sprache, und auch diesen nicht unverfälscht, bewahrt haben.
34 Vom Übergang der Gallier nach Italien haben wir folgendes erfahren: als Tarquinius Priscus in Rom regierte,
lag bei den Kelten, die den dritten Teil Galliens bilden, bei den Biturigen die höchste Macht; sie gaben dem
keltischen Land den König. (2) Dieser war Ambigatus, ein durch seine Tugend und sein eigenes wie das
allgemeine Glück übermächtiger Mann, denn unter seiner Herrschaft war Gallien an Früchten und Menschen
derart fruchtbar, daß es schien, als könne die überreiche Masse kaum noch regiert werden. (3) Dieser, selbst
schon im hohen Alter, wünschte das Königreich von der drückenden Menge zu entlasten und erklärte, daß er
Bellovesus und Segovesus, die Söhne seiner Schwester, unermüdliche junge Männer, in die Wohnsitze senden
würde, die die Götter ihnen durch Zeichen anweisen würden. (4) Eine solche Zahl von Menschen, wie sie selbst
wollten, sollten sie aufbieten, damit keine Völkerschaft die Ankommenden abwehren könne. Dann bekam
Segovesus durch Los die Herzynischen Wälder; dem Bellovesus gaben die Götter den um vieles angenehmeren
Weg nach Italien. (5) Der bot auf, was aus seinen Völkern an Überzahl vorhanden war, Biturigen, Arverner,
Senonen, Haeduer, Ambarrer, Carnuten und Aulercer. Er brach mit einer ungeheuren Truppenmenge an
Fußsoldaten und Reitern auf und kam ins Gebiet der Tricastiner. (6) Hier standen ihnen die Alpen entgegen; es
wundert mich fürwahr nicht, daß sie ihnen unüberwindlich erschienen, da sie noch auf keinem Weg überwunden
worden waren, soweit das Gedächtnis zurückreicht, wenn man nicht den Geschichten über Hercules glauben
will. (7) Als hier die Höhe der Berge die Gallier gleichsam wie Zäune festhielt und sie Umschau hielten, wo sie
denn über die bis zum Himmel ragenden Gipfel in die andere Welt hinüberkommen könnten, hielt sie auch
religiöser Skrupel zurück, weil gemeldet wurde, daß landsuchende Ankömmlinge von den Salyern belagert
würden. (8) Dies waren die Massilienser, die zu Schiff von Phokaia aufgebrochen waren. Die Gallier hielten das
für Vorzeichen für ihr eigenes Schicksal und halfen ihnen, sodaß sie den Platz, den sie beim Betreten des Landes
als ersten besetzt hatten, mit Duldung der Salyer befestigten. Sie selbst überquerten die Alpen durch die
taurinischen Pässe und das Tal der Duria. (9) Sie schlugen die Etrusker in einer Schlacht unweit des Ticinus und
als sie hörten, daß das Land, in dem sie sich niederließen, Insubrerland hieß, mit dem Beinamen wie die
Insubrer, der Gau der Haeduer, gründeten sie dort, dem Vorzeichen des Ortes folgend, eine Stadt; sie nannten sie
Mediolanum.
35 Gleich darauf überschritt eine andere Schar, Cenomanen unter Führung des Elitovius, den Spuren der ersten
folgend, begünstigt von Bellovesus die Alpen und besetzte das Gebiet, in dem jetzt die Städte Brixia und Verona
liegen. (2) Die Libuer siedelten sich nach ihnen an und die Salluvier in der Nähe des alten ligurischen Stammes
der Laevi, die um den Fluß Ticinus herum wohnen. Über den Poeninus kamen schließlich die Boier und
Lingonen herüber und überquerten, da schon alles Land zwischen dem Po und den Alpen besetzt war, auf Flößen
den Po und vertrieben nicht nur die Etrusker, sondern auch die Umbrer aus dem Land; doch innerhalb des
Appenins hielten sie sich. (3) Dann beherrschten die Senonen, die jüngsten der Ankömmlinge, das Gebiet vom
Fluß Utens bis zum Aesis. Daß dieser Stamm nach Clusium und von dort nach Rom gekommen ist, weiß ich
zuverlässig; unsicher ist jedoch, ob allein oder von allen gallischen Stämmen diesseits der Alpen unterstützt.
Polybios 2, 17, 1–18, 4:
Diese Ebenen (sc. des Padus) bewohnten jedoch früher die Tyrrhener, zu dieser Zeit auch die einstmals Phlegräische genannten (Ebenen) um Capua und Nola herum, die deshalb, weil sie für viele am Wege liegen und
bekannt sind, großen Ruhm für ihre Fruchtbarkeit erworben haben. (2) Daher dürfen die, die die Macht der
Etrusker erforschen, nicht nur auf das heute von ihnen besessene Land Bezug nehmen, sondern auch auf die
vorher genannten Ebenen und die daraus gewonnenen Mittel. (3) Die Kelten, die aufgrund der Nachbarschaft mit
ihnen Umgang pflegten und denen angesichts der Schönheit des Landes die Augen übergingen, fielen mit einem
großen Heer unter einem geringen Vorwand unerwartet ein, vertrieben die Tyrrhener aus dem Land am Padus
3
und nahmen die Ebenen selbst in Besitz. (4) Die am nächsten gelegenen Gebiete an den Ursprüngen des Padus
besetzten die Laoi und Lebekioi, nach diesen wohnten die Insubrer, die der größte Stamm von ihnen waren;
diesen folgend entlang des Flusses die Cenomanen. (5) Die sich schon bis zur Adria hin erstreckenden (Ebenen)
behauptete ein anderes, sehr altes Volk: sie werden Veneter genannt und unterscheiden sich in den Sitten und in
der Kleidung wenig von den Kelten, sprechen aber eine andere Sprache. (6) Über sie haben die Tragödiendichter
viel gesprochen und viel Aufschneiderei verbreitet. (7) Das Land jenseits des Padus am Fuß des Appennin
besiedelten als erste die Anaren, nach diesen die Boier; diesen folgend zur Adria hin die Lingonen und die
äußersten, am Meer gelegenen Gebiete die Senonen. (8) Diese sind die bedeutendsten unter den Völkern, die die
genannten Gegenden besetzt haben. (9) Sie wohnten in unbefestigten Dörfern, im übrigen armselig ausgestattet.
(10) Da sie auf Stroh schliefen und Fleisch aßen, überdies nur das Kriegshandwerk und den Feldbau ausübten,
war ihr Leben sehr einfach und weder andere Kenntnisse noch Kunstfertigkeiten waren ihnen überhaupt bekannt.
(11) An Besitz hatte gleichwohl jeder Vieh und Gold, weil sie nur diese unter allen Umständen leicht überallhin
mit sich nehmen und nach ihrer Neigung von einem Ort zum anderen bringen konnten. (12) Für die Gefolgschaft
machten sie die größten Anstrengungen, weil bei ihnen derjenige der Gefürchtetste und Mächtigste war, der die
meisten Klienten und ständigen Begleiter bei sich zu haben scheint.
18 Anfangs beherrschten sie nicht nur ihr Land, sondern machten sich auch viele der Nachbarn untertänig, die
sie durch ihre Kühnheit in Schrecken versetzten. (2) Nach einiger Zeit besiegten sie die Römer und die mit ihnen
Kämpfenden in einer Schlacht, verfolgten die Fliehenden und besetzten drei Tage später Rom selbst mit
Ausnahme des Kapitols. (3) Es kam zu einem Rückschlag, als die Veneter in ihr Land einfielen und sie schlossen
damals einen Vertrag mit den Römern, übergaben die Stadt und kehrten in die Heimat zurück. (4) Danach waren
sie mit Bürgerkriegen beschäftigt und auch einige von den Alpenbewohnern unternahmen Angriffe und sammelten sich oft gegen sie, da sie aus der Nachbarschaft den Reichtum sahen, zu dem sie gekommen waren.
Plutarch, Cam. 15–16:
15 Die Galater von keltischem Stamm hatten, so sagt man, wegen der Menge ihr Land verlassen, das nicht
ausreichte, um alle zu ernähren, und waren aufgebrochen, ein anderes Land zu suchen. (2) Es waren viele
zehntausende junger und wehrhafter Männer, die überdies noch mehr Kinder und Frauen mit sich führten. Die
einen strömten zum nördlichen Ozean, indem sie die Rhipäischen Berge überschritten, und besetzten die
äußersten Gebiete Europas, die anderen ließen sich zwischen den Pyrenäen und den Alpen nieder und siedelten
lange Zeit in der Nachbarschaft der Senonen und † Beltorier. (3) Spät kosteten sie den Wein, der damals erstmals
aus Italien gebracht wurde, und sie bewunderten folglich das Getränk und gerieten alle durch die Neuheit des
Genusses so außer sich, daß sie zu den Waffen griffen und ihre Familien mitnahmen und zu den Alpen zogen,
um jenes Land zu suchen, das diese Frucht hervorbrachte, weil sie das andere für unfruchtbar und wild hielten.
(4) Der den Wein bei ihnen eingeführt und sie nach Italien angestachelt hat, soll vor allem und als erster der
Tyrrhener Arruns gewesen sein, ein angesehener Mann und von Natur aus nicht bösartig, dem aber folgendes
Unglück zustieß. Er war der Vormund eines Waisenknaben, der an Vermögen der erste der Bürger war und
wegen seiner Gestalt bewundert wurde, Lucumo mit Namen. (5) Dieser lebte von Kind auf bei Arruns und
verließ das Haus auch als Jüngling nicht, sondern gab vor, gerne bei jenem in Dankbarkeit zu leben, und lange
Zeit blieb verborgen, daß er seine Frau verführt hatte und von jener verführt wurde. (6) Als nun die Leidenschaft
beide schon soweit fortgerissen hatte, daß sie die Begierde weder zügeln noch im Verborgenen halten konnten,
da unternahm es der Jüngling ganz offen, die entrissene Frau an sich zu bringen. Der Mann ging zu Gericht und
4
als er durch die Fülle der Freunde und der Geldmittel dem Lucumo unterlag, verließ er sein Land, und weil er
von den Galatern gehört hatte, kam er zu ihnen und führte sie auf ihrem Kriegszug nach Italien.
16 Die Eingefallenen besetzten sofort das ganze Land, das früher die Tyrrhener bewohnt hatten, das sich von
den Alpen bis zu beiden Meeren erstreckt, so wie auch der Name die Überlieferung bezeugt: (2) das nördliche
Meer heißt Adria nach der tyrrhenischen Stadt Adria, das nach Süden gewandte geradewegs das Tyrrhenische.
Dieses Land ist zur Gänze baumbestanden und mit guten Viehweiden versehen und von Flüssen durchströmt; (3)
es hatte achtzehn schöne große Städte, ausgestattet für arbeitsamen Erwerb und festliche Lebensweise, die die
Galater selbst in Besitz nahmen, nachdem sie die Tyrrhener vertrieben hatten. Aber dies war lange Zeit vorher
geschehen.
Diodor 14, 113, 1–3:
Gerade zu der Zeit, als Donysios Rhegion belagerte, durchquerten die jenseits der Alpen wohnenden Kelten die
Engpässe mit einer großen Streitmacht und nahmen das Land zwischen dem Apennin und den Alpen in Besitz,
indem sie die dort wohnenden [Etrusker] vertrieben. (2) Von diesen sagen die einen, daß sie als Kolonisten von
den zwölf Städten in Etrurien kamen; die anderen sagen, daß vor dem trojanischen Krieg Pelasger, die vor der
unter Deukalion aufgetretenen Flut aus Thessalien flohen, diese Gegend besiedelten. (3) Als die Kelten das Land
nach Stämmen aufteilten, erhielten die Senonen Genannten den am weitesten von den Bergen gelegenen Landstrich am Meer. Da dieser aber brennend heiß war, waren sie unzufrieden und wollten umsiedeln und sie
bewaffneten ihre Jungmannschaft und schickten sie auf Landsuche. Sie fielen in Etrurien ein und plünderten,
etwa 30.000 an der Zahl, das Territorium von Clusium.
Iustinus 20, 5, 4–9:
Während aber Dionysius Krieg führte, kamen Gesandte der Gallier, die Monate zuvor Rom in Brand gesteckt
hatten, und baten ihn um Bündnis und Freundschaft, (5) indem sie versicherten, daß ihr Stamm zwischen seinen
Feinden liege und ihm in Zukunft von Nutzen sein könne, sei es wenn er in der Schlacht kämpfe oder im Rücken
der Feinde, wenn deren Aufmerksamkeit auf den Kampf gerichtet sei. (6) Die Gesandtschaft kam Dionysius sehr
gelegen. So erneuerte er den Krieg nach Abschluß eines Bündnisses und durch gallische Hilfstruppen verstärkt
gleichsam ganz von vorn. (7) Der Grund für diese Gallier, nach Italien zu kommen und neue Sitze zu suchen,
waren innnere Zwietracht und unablässige Streitigkeiten zu Hause; (8) als sie deren überdrüssig nach Italien
gekommen waren, vertrieben sie die Etrusker aus ihren Sitzen und gründeten Mediolanum, Comum, Brixia,
Verona, Bergomum, Tridentum und Vicentia. (9) Auch die Etrusker nahmen unter der Führung des Raetus nach
dem Verlust der angestammten Heimat die Alpen in Besitz und gründeten nach dem Namen ihres Anführers den
Stamm der Raeter.
Livius 39, 22, 6–7:
Alpen, die ohne Plünderung oder Krieg nach Venetien eingewandert waren, einen Platz nicht weit von dem Ort,
wo sich jetzt Aquileia befindet, um ein Oppidum zu gründen. (7) Den römischen Gesandten, die in dieser Sache
über die Alpen geschickt wurden, antwortete man, daß sie weder auf Veranlassung des Stammes aufgebrochen
seien, noch wisse man, was sie in Italien machten.
5
Livius 39, 45, 6–7:
Transalpine Gallier waren, wie zuvor gesagt, auf zuvor unbekanntem Wege durch Waldschluchten nach Italien
eingewandert und hatten im Gebiet, das jetzt Aquileia gehört, ein Oppidum angelegt. (7) Es wurde ein Prätor
geschickt, sie daran zu hindern, soweit er das ohne Krieg könne; wenn sie mit Waffengewalt gehindert werden
müßten, sollte er die Konsuln benachrichtigen, einer davon sollte Legionen gegen die Gallier führen.
Livius 39, 54, 1–55, 4:
54 Während dies in Makedonien geschah, brachen die Konsuln in die Povinzen auf. (2) Marcellus schickte einen
Boten an den Proconsul L. Porcius voraus, daß er die Legionen gegen das neue gallische Oppidum vorrücken
lasse. (3) Bei Ankunft des Konsuls ergaben sich die Gallier. Es waren 12.000 Bewaffnete, die meisten hatten
Waffen aus dem Land geraubt. (4) Sie ließen unwillig zu, daß ihnen diese abgenommen wurden wie auch
anderes, das sie entweder aus dem Land geraubt oder selbst mitgebracht hatten. (5) Sie schickten Gesandte nach
Rom, die sich über diese Dinge beklagen sollten. Vom Praetor C. Valerius in den Senat eingeführt, erklärten sie,
sie seien aufgrund der überquellenden Bevölkerung Galliens durch Mangel an Land und durch Armut
gezwungen gewesen, auf der Suche nach Land die Alpen zu überschreiten und hätten sich dort ohne jedes
Unrecht niedergelassen, wo sie in Einöde brachliegendes Land gesehen hätten. (6) Auch hätten sie begonnen, ein
Oppidum zu erbauen, was ein Zeichen sei, daß sie nicht gekommen seien, um einem Land oder einer Stadt
Schaden zuzufügen. Jüngst habe M. Claudius einen Boten an sie geschickt, er werde sie bekriegen, wenn sie sich
nicht ergäben. (7) Sie hätten einen sicheren, wenn auch nicht glanzvollen Frieden den Unsicherheiten des
Krieges vorgezogen und sich eher in das Vertrauen als in die Gewalt des römischen Volkes begeben. (8) Nach
wenigen Tagen sei ihnen befohlen worden, sowohl die Stadt wie das Land aufzugeben und sie hätten vorgehabt,
schweigend abzuziehen, wohin in der Welt sie könnten. Schließlich seien ihnen die Waffen und zuletzt alles
andere, was sie mit sich trugen und führten, abgenommen worden. (9) Sie bäten den römischen Senat und das
Volk, gegen sie, die sich als Unbescholtene ergeben hätten, nicht härter zu wüten als gegen Feinde. (10) Der
Senat befahl, auf diese Rede so zu antworten: weder hätten sie recht getan, als sie nach Italien kamen und
versucht hätten, in fremdem Gebiet ohne Erlaubnis des römischen Beamten, der dieser Provinz vorstand, ein
Oppidum anzulegen; noch gefalle es dem Senat, daß die, die sich ergeben hätten, ausgeplündert würden. (11)
Daher werde man mit ihnen Gesandte zum Konsul schicken, die anordnen sollten, daß ihnen alles Eigentum
zurückgegeben werde, wenn sie zurückkehrten, woher sie gekommen waren. Die Gesandten sollten dann weiter
über die Alpen gehen und den gallischen Stämmen kundtun, sie sollten ihre Volksmenge zu Hause behalten; (12)
die Alpen lägen als eine fast unüberwindliche Grenze zwischen ihnen; es werde ihnen in jedem Fall nicht besser
ergehen als jenen, die sie als erste gangbar gemacht hätten. (13) Die ausgeschickten Gesandten waren L. Furius
Purpurio, Q. Minucius und L. Manlius Acidinus. Die Gallier erhielten alles, was sie ohne Unrecht in ihrem
Besitz hatten, zurück und verließen Italien.
55 Den römischen Gesandten antworteten die transalpinen Völker wohlwollend. Ihre Ältesten tadelten die allzu
große Milde des römischen Volkes, (2) weil sie die Leute, die ohne Auftrag des Stammes aufgebrochen seien,
Gebiet des römischen Reiches besetzt und auf fremdem Boden ein Oppidum zu bauen versucht hätten, unbestraft
zurückgeschickt hätten, (3) man müsse für diese Verwegenheit eine schwere Strafe verhängen. Weil sie ihnen
aber auch noch ihr Eigentum zurückgegeben hätten, sei zu fürchten, daß durch so große Nachsicht noch mehr
angetrieben würden, solches zu wagen. (4) Und sie nahmen die Gesandten bei sich auf und verabschiedeten sie
mit Geschenken
6
Pausanias 1, 4, 1–4:
(1) Diese Galater bewohnen die äußersten Gegenden Europas, an einem großen Meer, das nicht bis zu seinen
Enden schiffbar ist; es gibt auch Ebbe und Flut sowie Tiere, die denen im übrigen Meer in nichts gleichen.
Durch ihr Land fließt der Eridanos, an dem die Töchter des Helios, so glaubt man, das Schicksal ihres Bruders
Phaëton beweinen. Erst spät setzte es sich durch, daß sie Galater genannt wurden, denn von Alters her hießen sie
bei sich und den anderen Kelten. Von diesen sammelte sich ein Heer und wandte sich nach dem Ionischen (=
Adriatischen) Meer, unterwarfen das Volk der Illyrer und alles, was bis Makedonien hin wohnte und die
Makedonen selbst. Und als sie in die Nähe der Thermopylen kamen, erwarteten die meisten der Griechen den
Ansturm der Barbaren gefaßt, da sie durch Alexander und vorher durch Philipp viel Übles erlitten hatten. Und
auch Antipater und Kassander überwältigten später das hellenische (Volk), sodaß es alle aus Schwäche nicht für
verwerflich hielten, ihrerseits die Hilfeleistung zu unterlassen. (2) Die Athener waren von den Griechen am
meisten erschöpft wegen der Länge des makedonischen Krieges und der vielen in den Schlachten erlittenen
Niederlagen, und doch brachen sie mit denen von den Griechen, die willig waren, zu den Thermopylen auf,
nachdem sie den Kallipos zum Kommandanten gewählt hatten. Sie besetzten die engste Stelle und hielten die
Barbaren vom Eindringen in Griechenland ab; nachdem die Kelten aber den Pfad, auf den einst der Trachinier
Ephialtes die Meder geführt hatte, gefunden und die Phokäer, die ihn besetzt hielten, überwältigt hatten,
überschritten sie unbemerkt von den Griechen den Oita. (3) Da zeigten sich die Athener selbst am meisten der
Griechen würdig, indem sie, von allen Seiten umringt, die Barbaren abwehrten; am meisten in Bedrängnis
gerieten die auf den Schiffen, weil der Lamische Golf bei den Thermopylen ein Sumpf ist; der Grund ist, wie mir
scheint, das warme Wasser, das dort ins Meer fließt. Diese hatten die größere Mühe, denn sie nahmen die
Griechen an Deck und erzwangen sich mit den von den Rüstungen und Männern beschwerten Schiffen die Fahrt
durch den Morast. (4) Diese retteten die Hellenen in besagter Weise, die Galater aber waren innerhalb der
Thermopylen; sie trachteten nicht danach, die übrigen Städte einzunehmen, am meisten hatten sie es darauf
abgesehen, die Delpher und die Schätze des Gottes zu plündern. Ihnen stellten sich die Delpher selbst und jene
Phokäer entgegen, die das Land um den Parnaß bewohnten, auch ein Heer der Ätoler traf ein; denn die Ätoler
ragten damals durch die Blüte ihrer Jungmannschaft heraus. Als sie nun handgemein wurden, da fuhren Blitze
und vom Parnaß abgebrochene Felsen in die Galater und Schreckbilder bewaffneter Männer traten den Barbaren
entgegen. Von diesen sind, so sagt man, Hyperochos und Amadokos von den Hyperboreern gekommen und der
dritte war Pyrrhos, der Sohn des Achilleus. Seit diesem Beistand bringen die Delpher dem Pyrrhos Totenopfer,
während sie vorher, weil er ein Feind war, selbst sein Grabmal in Unehren hielten.
Pausanias 10, 19, 5–12:
Des Zuges der Galater nach Griechenland wurde bereits in unserer Beschreibung des attischen Bouleuterions
gedacht. Genauer fortfahren wollte ich im Bericht über Delphi, weil dies der Schauplatz der größten Taten der
Griechen gegen die Barbaren war. Außer Landes unternahmen die Kelten den ersten Feldzug unter Kambaules:
nachdem sie bis Thrakien vorgedrungen waren, hatten sie nicht den Mut zur Fortsetzung des Marsches, da sie
erkannten, daß sie nur wenige und den Griechen an Zahl nicht ebenbürtig waren. (6) Als man beschloß, zum
zweiten Mal Waffen gegen die anderen zu tragen – am meisten betrieben dies die, die mit Kambaules
ausgezogen waren, weil sie auf den Geschmack des Plünderns gekommen waren und Lust auf Beute und Raub
bekommen hatten, sammelten sie eine große Streitmacht zu Fuß und nicht wenige Reiter. Die Anführer teilten
das Heer in drei Teile und jedem wurde ein anderes Land zugewiesen, das er angreifen sollte. (7) Gegen die
Thraker und das Volk der Triballer wollte Kerethrios führen, gegen die Bewohner Paioniens waren Brennos und
7
Akichorios die Anführer, Bolgios hingegen zog gegen die Makedonen und Illyrier und trat in der Schlacht
Ptolemaios gegenüber, der damals makedonischer König war. Dieser Ptolemaios war der, der Seleukos, den
Sohn des Antiochos, zu dem er als Schutzflehender geflohen war, ermordet hatte; wegen seines übergroßen
Wagemuts trug er auch den Beinamen „Blitz“. Ptolemaios selbst starb in der Schlacht und die Makedonen
erlitten nicht wenig Schaden. Gegen Griechenland vorzurücken, wagten die Kelten auch damals nicht und auch
der zweite Heerzug kehrte in die Heimat zurück. (8) Dort stachelte Brennos sie in den Volksversammlungen,
und bei den einflußreichen Galatern einzeln, sehr an, gegen Griechenland zu ziehen, indem er die Schwäche der
Griechen zur damaligen Zeit beschrieb, die großen Schätze in den Gemeinwesen und, mehr noch, die
Weihgeschenke und das bearbeitete Gold und Silber in den Heiligtümern. Er überredete also die Galater, gegen
Griechenland zu ziehen, und er wählte sich Mitbefehlshaber hinzu, sowohl andere von den einflußreichen
Männern als auch Akichorios (9) Das zusammengezogene Heer bestand aus 152.000 Mann zu Fuß und 20.400
Reitern. Soviele Reiter waren immer kampfbereit, in Wahrheit betrug ihre Zahl aber 61.200, denn um jeden
Reiter waren noch zwei Diener, die selbst gut mit Pferden umgehen konnten und in gleicher Weise Pferde
hatten. (10) Wenn es unter den Reitern der Galater zum Kampf kam, blieben die Diener hinter der Schlachtlinien
und waren ihnen von dort her auf folgende Weise nützlich: wenn es dem Reiter oder dem Pferd passierte, zu
fallen, hatten sie für den Mann ein Pferd zum Besteigen bereit, wurde aber der Mann getötet, so bestieg der
Sklave für den Herrn das Pferd. Wenn aber beide das Unausweichliche traf, war sofort ein Reiter bereit. Wenn
einer verwundet wurde, brachte einer der Sklaven den Verwundeten ins Lager zurück, während der andere sich
anstelle des Abgezogenen in die Schlachtordnung begab. (11) Dies kam bei den Galatern, glaube ich, in Nachahmung der Zehntausend bei den Persern, die die Unsterblichen genannt werden, in Gebrauch. Der Unterschied
war, daß sie von den Persern nach der Schlacht für die Gefallenen ausgewählt wurden, bei den Galatern aber
mitten in der Schlacht die Zahl der Reiter aufgefüllt wurde. Diese Einrichtung nennen sie in ihrer einheimischen
Sprache Trimarkisia, da bei den Kelten das Pferd den Namen Marka trägt. (12) Nach solchen Vorbereitungen
und mit solchen Absichten zog Brennos gegen Griechenland.
Iustinus 24, 4–8:
4 Denn die Gallier sandten, weil die Erde, die sie hervorgebracht hatte, sie wegen der überquellenden Zahl nicht
mehr aufnehmen konnte, 300.000 Menschen zur Suche nach neuen Sitzen gleichsam wie ein ver sacrum aus. (2)
Von diesen ließ sich ein Teil in Italien nieder, die auch Rom einnahmen und in Brand steckten, (3) und ein Teil
durchdrang, von Vögeln geleitet (denn auf die Beschäftigung mit der Zeichendeutung verstehen sich die Gallier
besser als die übrigen), die illyrischen Buchten unter Vernichtung der Barbaren und siedelte in Pannonien. (4)
Ein rauhes, kühnes, kriegerisches Volk, das als erstes nach Hercules, dem diese Sache die Bewunderung seiner
Mannhaftigkeit und die Gewißheit seiner Unsterblichkeit verlieh, die unbezwungenen Gipfel der Alpen und die
wegen der Kälte unbewohnbaren Plätze überquerte. (5) Dort führten sie nach der Unterwerfung der Pannonier
viele Jahre lang verschiedene Kriege mit ihren Nachbarn. (6) Ermutigt durch den Erfolg, teilten sie ihre Heere
und die einen nahmen sich Griechenland vor, die anderen Makedonien und streckten alles mit dem Schwert
nieder. (7) So groß war der Schrecken des Galliernamens, daß sogar Könige, die noch nicht angegriffen worden
waren, sich freiwillig den Frieden mit enormen Geldsummen erkauften. (8) Nur der König Makedoniens,
Ptolemaeus, hörte unerschüttert von der Ankunft der Gallier und trat ihnen, geleitet von den Furien seiner
Mordtaten, mit wenigen und ungeordneten Truppen entgegen, als sei Krieg führen nicht schwerer zu vollbringen
als Verbrechen. (9) Auch eine Gesandtschaft der Dardaner, die ihm 20.000 Mann zur Hilfe anbot, wies er zurück
und fügte darüber hinaus noch Schmähungen hinzu, indem er sagte, es sei abgeschlossen mit Makedonien, wenn
8
sie, die den ganzen Orient allein unterworfen hätten, jetzt zur Verteidigung der Grenzen der Dardaner bedürften.
(10) Er habe als Soldaten die Söhne derer, die unter König Alexander im ganzen Erdkreis siegreich Kriegsdienst
geleistet hätten. (11) Als man dies dem König der Dardaner berichtete, sagte er, jetzt werde das berühmte
Königreich Makedoniens bald durch die Verwegenheit eines unreifen Jünglings zu Fall kommen.
5 Nun schickten die Gallier unter der Führung des Belgius, um den Sinn der Makedonen zu erproben, Gesandte
an Ptolemaeus und boten Frieden an, wenn er ihn kaufen wollte. (2) Ptolemaeus aber prahlte bei den Seinen, die
Gallier bäten aus Angst vor dem Krieg um Frieden. (3) Und nicht weniger kühn als unter den Freunden brüstete
er sich vor den Gesandten, indem er es ablehnte, Frieden zu gewähren, wenn sie nicht ihre Anführer als Geiseln
stellten und ihre Waffen übergäben; denn er werde ihnen nur vertrauen, wenn sie unbewaffnet wären. (4) Als die
Botschaft den Galliern gemeldet wurde, lachten sie und riefen überall, er werde bald merken, ob sie sich oder
jenen geschont hätten, als sie den Frieden anboten. (5) Nach einigen Tagen kommt es zur Schlacht und die
unterlegenen Makedonen werden niedergeschlagen. (6) Ptolemaeus wird, aus vielen Wunden blutend,
gefangengenommen, sein Haupt abgeschnitten, auf eine Lanze gesteckt und zum Schrecken der Feinde vor der
ganzen Schlachtlinie herumgetragen. (7) Wenige Makedonen rettete die Flucht, die übrigen wurden entweder
gefangen oder getötet. (8) Als dies in ganz Makedonien gemeldet wird, werden die Stadttore geschlossen und
alles wird von Trauer erfüllt. (9) Bald beklagen sie die Verwaisung der hinterlassenen Kinder, bald befürchten
sie den Untergang der Städte, bald rufen sie die Namen Alexanders und Philipps, ihrer Könige, gleichsam wie
göttliche Mächte um Hilfe an. (10) Unter jenen seien sie nicht nur sicher, sondern sogar die Bezwinger des
Weltkreises gewesen. (11) Sie beteten, daß sie ihre Heimat schützten, welche sie durch den Ruhm ihrer Taten
nahezu in den Himmel getragen hätten, und den Geschlagenen Hilfe brächten,
die die Raserei und die
Verwegenheit des Königs Ptolemaeus ins Verderben gestürzt hatte. (12) Während alle verzweifelten, meinte
Sosthenes, einer der ersten Männer Makedoniens, man solle nicht durch Gebete handeln, zog entschlossen die
Jungmannschaft zusammen und hielt die über ihren Sieg frohlockenden Gallier in Schach und verteidigte Makedonien gegen die feindliche Plünderung. (13) Für dieses durch solche Tugend erworbenen Verdienst wurde er
vielen Adligen, die nach dem Königtum Makedoniens strebten, als Nichtadliger vorgezogen, (14) und als er vom
Heer zum König ausgerufen wurde, drängte er selbst darauf, daß die Soldaten nicht auf den Namen eines
Königs, sondern auf den eines Kommandanten schworen.
6 Unterdessen fiel Brennus, unter dessen Führung sich ein Teil der Gallier nach Griechenland ergossen hatte, als
er vom Sieg der Seinen hörte, die unter Führung des Belgius die Makedonen besiegt hatten, und unwillig wurde,
daß man nach dem errungenen Sieg die fette, mit den Raubgütern des Orients beladene Beute so leichtfertig
zurückgelassen hatte, mit vereinigten 150.000 Mann Fußtruppen und 15.000 Reitern in Makedonien ein. (2)
Während er Felder und Landgüter plünderte, trat ihm Sosthenes mit einem geordneten Heer von Makedonen
entgegen; aber die Wenigen wurden von den Vielen, die Ängstlichen von den Starken mit Leichtigkeit besiegt.
(3) Daher verbargen sich die besiegten Makedonen hinter den Mauern der Städte, und der Sieger Brennus
plünderte, von niemandem gehindert, das offene Land ganz Makedoniens. (4) Hierauf richtete er, fast als ob die
irdische Beute zu gering wäre, seine Gelüste auf die Tempel der unsterblichen Götter, wobei er sich lustig
machte, es gebühre sich, daß wohlhabende Götter die Menschen beschenken. (5) Sogleich machte er sich daher
auf den Marsch nach Delphi, den Raub der Gottesfurcht, das Gold der Beleidigung der unsterblichen Götter
vorziehend, und bekräftigte, diese bedürften keiner Reichtümer, weil sie ihre den Menschen zu schenken
pflegten. (6) Der Tempel des delphischen Apollon aber liegt auf dem Berg Parnaß, auf einem allseits steil
abfallenden Felsen; hier hat die Menschenmenge, die aus Bewunderung für die Erhabenheit (des Ortes) von
überallher zusammenkam und auf diesem Felsen siedelte, eine Stadt errichtet. (7) Und auf diese Weise
9
verteidigen das Heiligtum und die Stadt nicht Mauern, sondern Abgründe, und nicht von Hand geschaffene,
sondern natürliche Befestigungen, sodaß es nachgerade unsicher ist, ob die Verschanzung des Platzes oder die
Erhabenheit des Gottes hier mehr Bewunderung genießt. (8) In der Mitte der Bergeshöhe springt der Felsen in
Form eines Theaters zurück, weshalb sowohl ein menschlicher Ruf als auch dann, wenn ein Trompetenton
hinzutritt, durch die tönenden und widerhallenden Felsen vielfach gehört zu werden und lauter, als er ausgestoßen wurde, wiederzuhallen pflegt. Diese Sache bewirkt bei den Unkundigen, die vor Bewunderung staunen,
zumeist (noch) größere Angst vor der Erhabenheit. (9) In dieser Felskrümmung etwa auf halber Höhe des Berges
gibt es eine kleine Ebene und in dieser einen tiefen Erdspalt, der für Orakel offensteht, aus dem ein kalter Hauch
durch eine Kraft wie durch Wind in die Luft geblasen wird und die Sinne der Priesterinnen in einen Wahn treibt
und sie, vom Gott erfüllt, zwingt, den Fragenden eine Antwort zu geben. (10) Daher kann man hier viele reiche
Weihgeschenke der Könige und Völker sehen, die mit ihrer Prächtigkeit den dankbaren Sinn derer, die ein
Versprechen einlösen, für die Antworten der Götter bezeugen.
7 Daher zögerte Brennus im Angesicht des Tempels lange, ob er sofort an die Sache herangehen, oder den vom
Weg erschöpften Soldaten doch eine Nacht zum Wiedergewinnen der Kräfte geben sollte. (2) Die Anführer der
Aenianer und Thessaler, die sich zur Beteiligung an der Beute angeschlossen hatten, wollten jeden Verzug
unterlassen, solange die Feinde unvorbereitet seien und der Schrecken ihrer Ankunft frisch sei; (3) der Einschub
einer Nacht könnte den Feinden Mut, vielleicht auch Hilfstruppen zuführen und die Wege, die jetzt
offenstünden, versperren. (4) Aber die Masse der Gallier hatte sich nach der langen Entbehrung dort, wo sie
erstmals mit Wein und anderen Genüssen vollgefüllte Landstriche vorfand, erfreut nicht weniger über den
Überfluß als über den Sieg, über die Gegend verstreut, (5) ließ ihre Feldzeichen im Stich und zog herum, um
alles an sich zu bringen als wären sie die Sieger. Dies gewährte Delphi einen Aufschub. (6) Denn auf das erste
Gerücht von der Ankunft der Gallier war den Landbewohnern durch Orakelsprüche verboten worden,
Lebensmittel und Wein aus den Landgütern wegzutragen. (7) Wie zuträglich diese Vorschrift war, verstand man
erst, als der Überfluß des Weines und der übrigen Lebensmittel die Gallier wie ein Hindernis hinhielt und die
Hilfstruppen der Nachbarn zusammenkamen. (8) Daher befestigten die Delpher, durch die Kräfte der
Bundesgenossen verstärkt, ihre Stadt eher, als die Gallier vom Wein, von dem sie wie von einer Beute nicht
abließen, zu den Feldzeichen zurückgerufen wurden. (9) Brennus hatte aus dem ganzen Fußheer 65.000
ausgewählt, die Delpher und ihre Bundesgenossen waren nicht mehr als viertausend, (10) in deren Verachtung
Brennus, um den Mut der Seinen zu schärfen, allen den Reichtum der Beute zeigte und bekräftigte, daß die
Statuen und Quadrigen, deren enorme Menge in der Ferne zu sehen war, aus purem Gold gegossen und dem
Gewicht nach eine noch größere Beute als dem Anschein nach seien.
8 Durch diese Beteuerung erregt und zugleich noch betrunken vom Wein des Vortages, stürzten sich die Gallier
ohne Rücksicht auf die Gefahr in den Krieg. (2) Dagegen widerstanden die Delpher, die sich mehr auf den Gott
als auf die eigenen Kärfte verließen, mit Verachtung den Gegnern, indem sie hinaufstiegen und die Gallier von
der höchsten Bergspitze zum Teil mit Steinen, zum Teil mit Waffen eindeckten. (3) In dieser Schlacht der
Parteiungen stürmten plötzlich die Vorsteher aller Heiligtümer, zugleich auch die Seherinnen mit aufgelöstem
Haar und angelegten Stirnbinden und Abzeichen schreckensbleich und besinnungslos in die erste Schlachtreihe.
(4) Sie riefen, der Gott sei gekommen, sie hätten ihn durch die Spitze des offenen Giebeldaches in den Tempel
herabfahren sehen, (5) während alle flehentlich die Hilfe des Gottes beschworen, ein Jüngling von
übermenschlicher Art und unerhörter Schönheit. Als Gefährten seien ihm zwei bewaffnete Jungfrauen aus den
benachbarten beiden Tempeln der Diana und Minerva entgegengekommen. (6) Dies hätten sie nicht nur mit
eigenen Augen gesehen, sondern auch das Zischen des Bogens und das Klirren der Waffen gehört. (7) Daher
ermahnten sie sie mit den höchsten Beschwörungen, nicht zu zaudern, mit den Göttern als Vorkämpfern den
Feind niederzuschlagen und sich dem Sieg der Götter als Bundesgenossen beizugesellen. (8) Von solchen Reden
10
angefeuert, stürzen sich alle wetteifernd in den Kampf. (9) Sie spüren alsbald auch selbst die Anwesenheit des
Gottes, denn ein von einem Erdbeben losgebrochener Teil des Berges wirft das Heer der Gallier nieder und
dichtgedrängte Keile stürzen nicht ohne Verletzung der Feinde (den Berg) hinab und lösen sich auf. (10)
Schließlich folgt ein Unwetter, das mit Hagel und Frost die von Wunden Geschwächten an sich nahm. (11) Der
Anführer Brennus selbst konnte den Schmerz der Verwundung nicht ertragen und erdolchte sich. (12) Der
andere Anführer zog, nachdem die Urheber des Krieges bestraft worden waren, mit zehntausend Verwundeten
eilig aus Griechenland ab. (13) Aber auch den Flüchtenden war das Glück nicht gewogener, weil sie so
furchtsam waren, daß sie keine Nacht unter Dach verbrachten, keinen Tag ohne Mühsal und Gefahr. (14)
Anhaltende Regenfälle und bei Frost dichter Schneefall, Hunger und Erschöpfung und über diesen als ärgstes
Übel die Schlaflosigkeit machte die traurigen Reste des unglücklichen Krieges zunichte. (15) Auch die Stämme
und Völker, durch deren Gebiete sie zogen, jagten die Umherschweifenden wie Beute. (16) Auf diese Art kam
es, daß keiner aus einem so gewaltigen Heer, das kurz zuvor noch im Vertrauen auf seine Kräfte selbst die
Götter zu verachten versucht hatte, gleichsam als Erinnerung an diese Niederlage übrigblieb.
Diodor 22, 3, 2–4:
Der König Ptolemaios wurde von den Galatern erschlagen und das ganze makedonische Heer in Stücke gehauen
und vernichtet.
4 Zu dieser Zeit bestürmten die Galater Makedonien und plünderten es, weil viele, die nach dem Königtum
strebten, kurze Zeit regierten und dann daraus verdrängt wurden. Einer davon war Meleagros, ein Bruder des
Ptolemaios Lagou, der nur wenige Tage regierte und dann vertrieben wurde, gerade wie Antipatros nach 45
Tagen. Nach ihnen kam Sosthenes, dann Ptolemaios, nach diesen Alexander und der Epirote Pyrrhos: sie alle
regierten drei Jahre gemäß Diodor.
Diodor 22, 9, 1–3:
Brennos, der König der Galater, kam mit 150.000 Schildträgern und 10.000 Reitern und anderem handeltreibendem Anhang sowie mit vielen Händlern und zweitausend Wagen nach Makedonien und überzog es mit
Krieg, in dem viele Soldaten fielen, weil er nicht überlegen war <...>, später kam er nach Griechenland und zum
Orakelheiligtum der Delpher, das er plündern wollte. Und in einem schweren Krieg fielen dort Zehntausende
seiner Soldaten und Brennos selbst erlitt drei Wunden. (2) Vom Tode gezeichnet, versammelte er sein Volk und
sprach mit den Galatern, wobei er ihnen riet, ihn selbst und alle Verwundeten zu töten, die Wagen zu verbrennen
und unbelastet in die Heimat zurückzukehren, den Kichorios aber zum König zu ernennen. Dann trank Brennos
viel ungemischten Wein und beging Selbstmord. (3) Kichorios ließ ihn begraben und die Verwundeten töten wie
auch die von Winterkälte und Hunger Geschwächten etwa 20.000 an der Zahl. Und so begab er sich mit den
übrigen auf derselben Route auf den Marsch in die Heimat. Auf schwierigem Terrain schnitten die Griechen, die
sich entgegenstellten, die Nachhut ab und nahmen ihr die ganze Beute ab. Auf dem Weg zu den Thermopylen
ließen sie, weil es an Nahrung mangelte, weitere zwanzigtausend zurück. Auf dem Marsch durch das Gebiet der
Dardaner wurden alle getötet und niemand blieb übrig, um in die Heimat zurückzukehren.
Iustinus 25, 1, 1–2, 7:
Als zwischen den beiden Königen Antigonus und Antiochus Frieden geschlossen wurde und Antigonus sich
nach Makedonien zurückwandte, erstand ihm plötzlich ein neuer Feind. (2) Weil ja die Gallier, die vom
Anführer Brennus, als er nach Griechenland aufbrach, zum Schutz der Stammesgebiete zurückgelassen worden
11
waren, um nicht als einzige untätig zu erscheinen, 15.000 Fußsoldaten und 3.000 Reiter bewaffnet hatten, (3) die
Truppen der Geten und Triballer in die Flucht schlugen und, Makedonien bedrohend, Gesandte an den König
schickten, die ihm einen käuflichen Frieden anbieten und zugleich das Lager des Königs erkunden sollten. (4)
Antigonus lud sie, um königliche Großzügigkeit zu zeigen, zu einem mit ungeheurem Aufwand der Speisen
angerichteten Mahl. (5) Die Gallier aber bewunderten die zur Schau gestellte große Masse an Gold und Silber
und waren bei der Rückkehr noch mehr von der Fülle der Beute angestachelt als bei der Ankunft. (6) Der König
befahl auch, ihnen Elephanten zur Abschreckung als noch nie von den Barbaren gesehene Gestalten vorzuführen
und mit Truppen gefüllte Schiffe zu zeigen, nicht ahnend, daß er, im Glauben, ihnen mit dieser Vorführung
seiner Kräfte Angst einzujagen, ihren Sinn nach fetter Beute anstachelte. (8) Daher übertrieben die zu den Ihren
zurückgekehrten Gesandten noch alles und stellten die Reichtümer ebenso heraus wie die Unvorsichtigkeit des
Königs. (9) Das Lager sei angefüllt mit Gold und Silber, aber weder mit Wall noch Graben bewehrt; und fast, als
fänden sie in den Reichtümern genügend Schutz, so hätten sie mit allem Militärdienst aufgehört, geradezu als ob
sie der Hilfe des Eisens gar nicht bedürften, weil ja Gold im Überfluß vorhanden sei.
2 Durch diesen Bericht wurde der Sinn des gierigen Stammes genügend zur Beute aufgereizt; (2) dazu trat das
Beispiel des Belgius, der nicht lange zuvor das Heer der Makedonen samt dem König niedergemetzelt hatte. (3)
Daher nähern sie sich nach allgemeiner Zustimmung in der Nacht dem Lager des Königs, der diesen Sturm
vorhergesehen und tags zuvor das Zeichen gegeben hatte, alles wegzuschaffen und sich im nahen Wald still zu
verbergen. Nicht anders als durch die Aufgabe wurde das Lager gerettet, (4) zumal die Gallier, wo sie alles offen
und nicht nur ohne Verteidiger, sondern auch ohne Wachen sehen, lange fürchten, durch die Tore einzutreten,
weil sie nicht an die Flucht der Feinde, sondern an eine Liste glauben. (5) Zuletzt besetzten sie das Lager bei
unversehrten und intakten Befestigungen und durchsuchen es eher als daß sie es plündern. (6) Nachdem sie
weggeschafft hatten, was sie gefunden hatten, wandten sie sich zur Küste. Während sie hier allzu unvorsichtig
die Schiffe plündern, werden sie, ohne etwas Derartiges zu befürchten, von den Ruderern und dem Teil des
Heeres, der mit Frauen und Kindern dorthin geflohen war, niedergemacht. (7) So groß war die Niederlage der
Gallier, daß dem Antigonus der Ruhm dieses Sieges den Frieden nicht nur von seiten der Gallier, sondern auch
vor der Wildheit der Nachbarn verschaffte.
Polybius 4, 45, 9–46, 4:
(9) Obwohl sie schon gewohnheitsmäßig den Krieg gegen die Thraker fortführten, standen sie dennoch auch zu
ihren von Alters her bestehenden Pflichten den Griechen gegenüber; als aber auch die Galater um Komontorios
noch dazukamen, gerieten sie in eine sehr schwierige Situation.
46 Diese waren zusammen mit den Leuten um Brennos aus der Heimat ausgezogen, waren der Gefahr bei
Delphi entkommen und an den Hellespont gelangt, aber nicht nach Asien übergesetzt, sondern dort geblieben, da
ihnen das Gebiet um Byzanz gefiel. (2) Sie unterwarfen die Thraker und erbauten den Königssitz Tylis und
brachten die Byzantiner in größte Gefahr. (3) Zu Beginn gaben die Byzantiner bei den Einfällen unter
Komontorios, dem ersten König, fortgesetzt Geschenke und lieferten dreitausend oder fünftausend, manchmal
auch zehntausend Goldstücke ab, damit ihr Territorium nicht verheert werde. (4) Zuletzt mußten sie zugestehen,
jedes Jahr achtzig Talente Tribut abzuliefern, bis zur Zeit des Kavaros, unter dem sich das Königreich auflöste
und der ganze Stamm zugrunde ging, als er von den Thrakern durch einen Umsturz überwältigt wurde.
12
Livius 38, 16:
Die Gallier, eine große Menschenmenge, gelangten, sei es aus Mangel an Ackerland, sei es aus Hoffnung auf
Beute, im Glauben, kein Stamm, durch dessen Gebiet sie zogen, könne gegen sie mit Waffen bestehen, unter
dem Anführer Brennus ins Gebiet der Dardaner. (2) Hier kam es zu einem Aufstand; an die 20.000 Menschen
unter den Fürsten Lonorius und Lutarius sonderten sich von Brennus ab und bogen nach Thrakien. (3) Hier
kämpften sie gegen die Widerstand Leistenden und erlegten denen, die um Frieden baten, Tribut auf, und als sie
Byzanz erreicht hatten, behaupteten sie eine Zeitlang die Küste der Propontis, indem sie Steuern von den Städten
dieser Region eintrieben. (4) Dann ergriff sie das Verlangen, nach Asien überzusetzen, da sie aus der Nähe
hörten, wie groß der Reichtum dieses Landes war; und nachdem Lysimacheia durch eine List eingenommen und
die ganze Halbinsel mit Waffengewalt in Besitz genommen war, gingen sie zum Hellespont hinab. (5) Dort
sahen sie, daß Asien nur durch eine schmale Meeresstraße getrennt war, wodurch ihr Wunsch zum Übersetzen
noch viel mehr gesteigert wurde; und sie schickten wegen des Übergangs Gesandte an Antipater, den Kommandanten dieser Küste. Als sich die Sache zäher hinzog, als sie selbst erhofft hatten, kam es zwischen den
Anführern zu einem neuen Zerwürfnis. (6) Lonorios zog mit dem größeren Teil der Menschen zurück nach
Byzanz, woher er gekommen war. Lutarios nahm den Makedonen, die unter dem Anschein einer Gesandtschaft
von Antipatros ausgeschickt worden waren, um Erkundungen einzuziehen, zwei gedeckte Schiffe und drei
Lemben ab. Mit diesen brachte er, indem er die einen nach den anderen bei Tag und Nacht übersetzte, seine
gesamten Truppen innert weniger Tage hinüber. (7) Nicht viel später ging Lonorius mit Hilfe des bithynischen
Königs Nikomedes von Byzanz aus hinüber. (8) Die Gallier vereinigten sich schließlich wieder und stellten dem
Nikomedes Hilfstruppen, der gegen Ziboetes, welcher einen Teil Bithyniens hielt, Krieg führte. (9) Und vor
allem durch ihren Einsatz wurde Ziboetes besiegt und ganz Bithynien kam in die Gewalt des Nikomedes. (10)
Von Bithynien aufgebrochen, rückten sie weiter nach Asien vor. Von den zwanzigtausend waren nicht mehr als
zehntausend bewaffnet. (11) Dennoch flößten sie allen Völkern, die diesseits des Taurus wohnten, solchen
Schrecken ein, daß sowohl die, auf die sie losgingen, als auch die, auf die sie nicht losgingen, die Fernsten in
gleicher Weise wie die Nahen, ihrem Befehl gehorchten. (12) Zuletzt teilten sie, da es drei Stämme – die
Tolistobogier, Trogmer und die Tectosagen – waren, Asien in drei Teile auf, wo es welchem ihrer Völker
tributpflichtig sein sollte. (12) Den Trogmern wurde die Küste des Hellespont gegeben, den Tolistobogiern die
Aiolis und Ionien, den Tectosagen das mittelländische Asien zugelost. Und sie trieben Tribut aus ganz Asien
diesseits des Taurus ein, selbst aber nahmen sie den Wohnsitz um den Fluß Halys herum. (13) So groß war der
Schrecken ihre Namens, da ihre Zahl sich auch durch zahlreiche Nachkommenschaft vermehrt hatte, daß zuletzt
selbst die Könige Syriens sich nicht weigerten, Tribut zu leisten. (14) Der erste unter den Bewohnern Asiens, der
sich weigerte, war Attalus, der Vater des Königs Eumenes. Dem kühnen Unternehmen war, entgegen der
Erwartung aller, Glück beschieden und er behielt in einer förmlichen Schlacht die Oberhand. Dennoch
schwächte er ihren Mut nicht so sehr, daß sie von der Herrschaft abließen. (15) Sie behaupteten dieselbe Macht
bis zum Krieg des Antiochus gegen die Römer. Und auch damals hatten sie, nach der Niederlage des Antiochus,
große Hoffnung, daß das römische Heer nicht zu ihnen gelangen werde, weil sie ja weit weg vom Meer wohnten.
Memnon 11 (19) bei Photios, Bibliotheca 227 b–228 a:
Als die Galater Byzanz erreichten und den größten Teil seines Territoriums plünderten, schickten die vom Krieg
erniedrigten Byzantiner Gesandte an ihre Bundesgenossen, um um Hilfe zu bitten. Und alle gewährten sie,
soweit es in ihren Kräften stand, auch die Bewohner von Herakleia gaben 40.000 Goldstücke (denn soviel wollte
die Gesandtschaft). (2) Kurze Zeit später ermöglichte Nikomedes den Galatern, von denen der Angriff auf das
13
Gebiet der Byzantiner ausging, nachdem sie oft versucht hatten, nach Asien überzusetzen, und ebensooft
scheiterten, da die Byzantiner die Aktion nicht unterstützten, durch Abschluß eines Vertrages gleichwohl das
Übersetzen. Der Vertrag verlangte von den Barbaren, Nikomedes und seinen Nachkommen immer
wohlgesonnen zu sein und sich mit niemandem von denen, die Gesandtschaften zu ihnen schickten, ohne
Zustimmung des Nikomedes zu verbünden, sondern Freund zu sein mit den Freunden und Feind mit denen, die
nicht freundlich sind, beizustehen auch den Byzantinern, wenn sie es benötigten, sowie den Bewohnern von
Tios, Herakleia, Chalkedon und Kieros und noch einigen anderen Stammesherrschern. (3) Gemäß diesen
Bestimmungen schaffte Nikomedes die galatische Volksmenge nach Asien hinüber, unter denen die zur
Herrschaft Ausgezeichneten 17 an der Zahl waren und von diesen hoben sich Leonnorios und Lutarios als
bevorzugt und herausragend ab. Dieser Übergang der Galater nach Asien werde sich nun, so glaubte man zu
Beginn, zum Schaden für die Einwohner entwickeln, das Ende aber zeigte, daß es zum Vorteil ausgeschlagen
war: denn als die Könige versuchten, die Demokratie der Städte abzuschaffen, unterstützten sie vielmehr diese
und stellten sich den Angreifern entgegen. (4) Nikomedes aber, dem auch Leute aus Herakleia Waffenhilfe
leisteten, rüstete die Barbaren als erstesgegen die Bithyner, er eroberte das Land und tötete die Bewohner,
während die Galater die übrige Beute unter sich verteilten. Diese griffen große Gebiete an und zogen sich wieder
zurück und vom eroberten Land schnitten sie für sich das, was jetzt Galatia genannt wird, ab, teilten dieses in
drei Teile und nannten die einen Trogmer, die anderen Tolostobogier und die dritten Tektosagen. Sie gründeten
Städte, die Trogmer Ankyra, die Tolostobogier Tavion und die Tektosagen Pisinus.
14
Autoren-Steckbriefe
Appian von Alexandria (* um 90 n. Chr., † nach 160 n. Chr.):
Kam nach einer Ämterkarriere in seiner Heimat nach Rom, wo er es bis zum procurator
Augusti brachte — vermutlich unter M. Aurel, da er mit dem Prinzenerzieher M. Cornelius
Fronto befreundet war. Er schrieb eine römische Geschichte (ÑRvmaÛkã) in 24 Büchern, die
nicht annalistisch, sondern nach ethnisch-geographischen Zusammenhängen gegliedert war
und nur zum Teil erhalten ist.
Ed.: P. VIERECK – A.G. ROOS, Appiani Historia Romana, Bd. 1, Leipzig 1939; Appian von
Alexandria, Römische Geschichte, I. Teil: Die römische Reichsbildung, übers. v. O. Veh,
eingel. u. erl. v. K. Brodersen, Stuttgart 1987
Lit.: M. HOSE, Erneuerung der Vergangenheit. Die Historiker im Imperium Romanum von
Florus bis Cassius Dio, Stuttgart 1994
Athenaios von Naukratis (um 200 n. Chr.):
Von ihm sind keine gesicherten biographischen Daten bekannt, erhalten ist sein
„Deipnosophistai“ („Gelehrte beim Gastmahl“) betiteltes Werk, das in Dialogform die
verschiedensten kulturgeschichtlichen Themen abhandelt. Der in 15 Büchern überlieferte
Text scheint die verkürzte Version einer Ausgabe von doppeltem Umfang zu sein. Sein Wert
besteht vor allem in der enormen Fülle an Zitaten älterer Schriftsteller (über 700 Autoren aus
dem Zeitraum vom 8 Jh. v. Chr. bis zum 2 Jh. n. Chr.).
Ed.: Athenaei Naucratitae Dipnosphistarum libri XV, rec. G. KAIBEL, 3 Bde., ND Stuttgart
1962–1965; Athenaeus, The Deipnosphists, griech.-engl. v. C.B. GULICK, ND London Cambridge, Mass. 1969–1971; Athenaeus, Das Gelehrtengastmahl, eingel. u. übers. v. C.
FRIEDRICH, komm. v. TH. NOTHERS, Bd.1 (I-III) und Bd. 2 (IV-VI) Stuttgart 1998
C. Iulius Caesar (100–44 v. Chr.):
Neben seiner Karriere als Politiker war Caesar auch schriftstellerisch aktiv, und dies stand
sehr oft in direktem Bezug zu seiner politisch-militärischen Tätigkeit. Seine „Commentarii de
bello Gallico“ in acht Büchern, wovon das achte von seinem Vertrauten Aulus Hirtius verfaßt
wurde, bilden eine der wichtigsten literarischen Quellen zum antiken Keltentum überhaupt.
Ed.:C. Julius Caesar, Der gallische Krieg, lat.–deutsch hrsg. G. DORMINGER, Darmstadt 81986
Lit.: B. KREMER, Das Bild der Kelten bis in augusteische Zeit. Studien zur
Instrumentalisierung eines antiken Feindbildes bei griechischen und römischen Autoren,
Historia Einzelschriften 88, Stuttgart 1994; WALSER G., Bellum Helveticum. Studien zum
Beginn der caearischen Eroberung von Gallien, Historia Einzelschr. 118, Stuttgart 1998
Cassius Dio (* um 155 n. Chr., † um 235 n. Chr.)
Claudius Cassius Dio Cocceianus machte, einer senatorischen Familie aus Nikaia in
Bithynien entstammend, politische Karriere und erlangte unter den Severern zweimal den
Konsulat. Er verfaßte eine römische Geschichte in 80 Büchern, von denen die Bücher 36–60
erhalten sind, wenn auch nicht lückenlos. Für die restlichen Partien bieten folgende
15
byzantinische Exzerptoren zumindest z. T. Ersatz: Konstantin Porphyrogennetos (10 Jh.),
Ionnes Xiphilinos (11. Jh.) und Ioannes Zonaras (12. Jh.).
Ed.: Cassii Dionis Cocceiani Historiarum Romanarum quae supersunt, ed. U. P. Boissevain,
Berlin 1895; Cassius Dio, Römische Geschichte, übers. v. O. VEH, 5 Bde, Zürich-München
1985–1987
Lit.: M. HOSE, Erneuerung der Vergangenheit. Die Historiker im Imperium Romanum von
Florus bis Cassius Dio, Stuttgart 1994
M. Porcius Cato d. Ä. (234–149 v. Chr.):
Dem Ritterstand entstammend, absolviert Cato als homo novus die Ämterkarriere bis zum
Konsulat und zur Zensur, die ihm den Beinamen Censorius einträgt. Danach widmet er sich
zunehmend der schriftstellerischen Tätigkeit, die ihn — in dialektischer Rezeption der
griechisch-hellenistischen Kultur — zum Begründer der lateinischen Prosa werden läßt. Das
erwähnte Fragment stammt aus den verlorenen „Origines“, die in sieben Büchern die
Geschichte Roms und der italischen Stämme behandelten.
Ed.: H. PETER, Historicorum Romanorum Reliquiae I, Leipzig 1870, 51ff.
J.B. BRADFORD, The elder Cato: a philological reassessment, Diss. Univ. of Illinois, 1996
[APh 67–01126]
Lit: A.E. ASTIN, Cato the Censor, Oxford 1978
Diodoros von Agyrion (1. Jh. v. Chr.):
Diodorus Siculus, wie dieser Historiker wegen seiner Herkunft auch genannt wird, verfaßte in
caesarisch-frühaugusteischer Zeit eine Universalgeschichte in 40 Büchern, „Bibliothek“
betitelt. Davon sind 15 Bücher (1–5 und 11–20) vollständig, der Rest in Fragmenten erhalten.
Ed.: C.H. OLDFATHER u.a., Diodorus Siculus, griech.-engl., 12 Bde., London-Cambridge,
Mass. 1933–1967; G. WIRTH – O. VEH, Diodoros, Griechische Weltgeschichte, 3 Bde. (Buch
I–XIII), Stuttgart 1992–1998
Lit.: G. WIRTH, Diodor und das Ende des Hellenismus, SBph ÖAW 600, Wien 1993; K.S.
SACKS, Diodorus Siculus and the First Century, Princeton 1990
Dionysios von Halikarnaß (2. H. 1. Jh. v. Chr.):
Der kleinasiatische Rhetor und Historiker kam 30/29 v. Chr. nach Rom, wo er, gefördert von
verschiedenen römischen nobiles, als Lehrer und Autor tätig war. Seine hier zitierte
„Römische Archäologie“, von deren 20 Büchern die ersten 10 ganz, der Rest tw. bzw. in
Exzerpten erhalten ist, will die römische Geschichte als einen Teil der griechischen erweisen.
Ed.: E. CARY, The Roman Antiquities, griech.-engl., 7 Bde., London 1937–1950
Lit.: E. GABBA, Dionysius and the History of Archaic Rome, Berkeley u.a. 1991
Herakleides Pontikos d. Ä. (* um 390, † um 310 v. Chr.):
Griechischer Philosoph und Schüler Platons, von dessen schriftstellerischem Werk nur wenig
erhalten ist. Per‹ cux∞w, aus dem das vorliegende Zitat Plutarch zufolge stammt, ist
einer von 47 überlieferten Werktiteln.
16
Iustinus (3. oder 4. Jh. n. Chr.):
Marcus Iunianus Iustinus, dessen Lebenszeit nicht genau zu bestimmen ist, hat in der
Spätantike einen Auszug der „Historiae Philippicae“ des Pompeius Trogus hergestellt, der den
Originaltext auf etwa ein Zehntel (nach Engels, MLAA, 569, ein Sechstel) verkürzt, wobei
seine Vorgangsweise sehr ungleichmäßig war und vom wörtlichen Zitat bis zur völligen
Auslassung reicht.
Ed.:M. Iuniani Iustini epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi, ed. O. SEEL, Stuttgart
1972
Lit.: B.R. V. WICKEFOORD-CROMMELIN, Die Universalgeschichte des Pompeius Trogus,
Hagen 1993
Livius (59 v. Chr. – 17 n. Chr.)
Titus Livius, in Patavium geboren und anders als die meisten römischen Historiker nicht
politisch aktiv, schuf mit seiner Geschichte „Ab urbe condita“ in 142 Büchern das
umfangreichste römische Geschichtswerk überhaupt. Die Darstellung, deren Abfassung und
Edition sich über gut vier Jahrzehnte hinzog, endete, eher zufällig als geplant, 9 v. Chr.
Erhalten sind die Bücher 1–10 und 21–45, für den verlorenen Teil gibt es nur Inhaltsangaben
in Form der sog. periochae, die vermutlich in der Spätantike entstanden sind .
Ed.: Titi Livi ab urbe condita libri, bearb. W. Weissenborn u. H. Müller, Bd. 2, Berlin 71962;
T. Livius, Römische Geschichte, lat.-dt. hg. v. H.J. HILLEN (Slg. Tusculum), DüsseldorfZürich 21997
Lit.: E. BURCK, Das Geschichtswerk des Titus Livius, Heidelberg 1992
Memnon von Herakleia (1./2. Jh. n. Chr.)
Zur Person des Autors gibt es keinerlei biographische Angaben, auch seine Lokalgeschichte
von Herakleia Pontiké, die 16 Bücher umfaßt und in der Darstellung z.T. weit über den
lokalen Rahmen hinausgeblickt hat, ist nicht vollständig erhalten. In der „Bibliothek“ des
byzantinischen Patriarchen Photios (9. Jh.) findet sich aber ein Auszug aus den Büchern 9–16,
die den Zeitraum von 364 bis 47 v. Chr. abdecken.
Ed.: Photius, Bibliothèque t. IV, ed. R. Henry, Paris 1965
Lit.: M. JANKE, Historische Untersuchungen zu Memnon von Herakleia, Kap. 18–40, FGrHist
434, Diss. Würzburg 1963
Cornelius Nepos (* um 100, † um 25 v. Chr.):
Von Nepos wissen wir trotz seiner persönlichen Beziehungen zu Catull, Cicero und Atticus nicht viel mehr, als
daß er aus Oberitalien stammt und spätestens seit den 60-er Jahren in Rom lebt. Von seinem literarischen Œuvre
ist nur die Biographiensammlung „De viris illustribus“ teilweise erhalten, das erwähnte Fragment dürfte aber
vom Inhalt her am ehesten der verlorenen Schrift „Chronica“ zuzuordnen sein.
Ed.:C. Plinii Secundi naturalis historiae libri III/IV, hrsg. u. übers. G.Winkler, in
Zusammenarbeit m. R. König; Cornelius Nepos, lat.-dt. hg. v. G. WIRTH, Amsterdam 1994
Lit.: J. GEIGER, Nepos and Ancient Political Biography, Wiesbaden 1985
17
Pausanias (* um 115, † nach 180 n. Chr.)
Zum Lebenslauf des Pausanias sind keine konkreten Daten bekannt, auch seine Herkunft aus
dem westlichen Kleinasien ist lediglich aus seiner besonderen Kenntnis dieser Region
erschlossen. Seine periÆghsiw t∞w ÜElladow ist eine Beschreibung Griechenlands in
10 Büchern, die nicht nur über die Denkmäler, sondern auch über die Geschichte und
Topographie der einzelnen Städte handelt. So überliefert er uns in seiner Beschreibung von
Delphi im zehnten, der Landschaft Phokis gewidmeten Buch den längsten erhaltenen Bericht
über den Angriff der Kelten auf das Heiligtum im Jahr 279 v. Chr.
Ed.: Pausanias, Graeciae descriptio 2I, ed. M.–H. Rocha–Pereira, Leipzig 1989; E. Meyer – F.
Eckstein, Pausanias, Reisen in Griechenland, 3 Bde., Zürich-München 1986–1989
Lit.: HABICHT C., Pausanias und seine „Beschreibung Griechenlands“, München 1985
Plinius d. Ä. (23/24–69 n. Chr.)
Aus Novum Comum in Oberitalien gebürtig, machte C. Plinius Secundus in der kaiserlichen
Verwaltung Karriere und wurde als Kommandant der Flotte von Misenum ein Opfer des
Ausbruchs des Vesuvs. Von seiner umfangreichen schriftstellerischen Produktion hat sich nur
seine Naturalis historia erhalten, die in 37 Büchern die Summe der naturwissenschaftlichen
Kenntnisse seiner Zeit zieht und die in der Antike und im Mittelalter eine bedeutende
Wirkungsgeschichte hatte. Ein besonders interessanter Aspekt sind die vielen Zitate älterer
Autoren, die uns Plinius überliefert.
Ed.: C.Plinii Secundi naturalis historiae libri III/IV, hrsg.u. übers. G. Winkler, Darmstadt
1988; R. KÖNIG u.a., C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde, lat. – dt. hg. in 37 Büchern,
München u.a. 1973–1996
Lit.: R. KÖNIG - G. WINKLER, Plinius der Ältere. Leben und Werk eine antiken Naturforschers,
München 1979
Plutarchos von Chaironeia (* um 45 n. Chr., † nach 120 n. Chr.)
L. Mestrios Pluatrchos entstammte einer wohlhabenden böotischen Familie, studierte in
Athen und lernte dann auf verschiedenen Reisen auch Ägypten, Kleinasien und Rom kennen,
wo er in Kontakt zu engen Vertrauten Vespasians und Trajans kam. Er hinterließ ein
ungewöhnlich umfangreiches Schrifttum, das quantitativ größte eines heidnischen
griechischen Autors überhaupt, obwohl es nur z.T. erhalten ist. Die aus seinem Werk zitierten
Testimonien sind seiner vergleichenden Sammlung der Biographien berühmter Griechen und
Römer, den „Vitae parallelae“ (B€oi parãllhloi), entnommen, während unter dem
Titel Moralia (ÉEyikã) die andere, über 80 Titel verschiedensten Inhalts umfassende Gruppe
seiner Schriften zusammengefaßt wird.
Ed.: Plutarchi vitae parallelae, ed. K. Ziegler, Leipzig 31960; Plutarch, Große Griechen und
Römer, dt. v. K. Ziegler, 6 Bde. Zürich 1954–1965
Lit.: P.A. STADTER (ed.), Plutarch and the Historical Tradition, London 1992; J. MOSSMAN
(ed.), Plutarch and His Intellectual World, London 1997
Polyaenus (2. Jh. n. Chr.):
Der aus Makedonien stammende Rhetor und Jurist berichtet in seinen acht Bücher
umfassenden „Strategemata“ über Kriegslisten aus der Geschichte aller Völker. Die rund 900
18
Episoden sind oft mangels erkennbarer Zusammenhänge historisch nicht klar einzuordnen.
Das Werk ist den Kaisern M. Aurel und L. Verus gewidmet.
Ed.: Polyaeni strategematon libri octo, rec. I. Melber, Leipzig 1887; Polyaenus, Stratagems of
War, griech.-engl. hg. u. übers. by P. KRENTZ – E. L. WHEELER, 2 Bde. Chicago 1994 (mit
kurzer Einführung und Bibliographie)
Polybios von Megalopolis (ca. 200–120 v. Chr.):
Als Angehöriger der Führungsschicht des Achäischen Bundes wurde Polybios 168 v. Chr.
zusammen mit 1000 anderen Geiseln nach Rom deportiert. Hier wird er zum engen Freund
von P. Cornelius Scipio Aemilianus und zum Bewunderer der römischen Republik. Deren
durchschlagenden Erfolg dem griechischen Publikum zu erklären, ist nicht zuletzt das Ziel
seiner „Historien“ (ÑIstor€ai), einer Universalgeschichte über den Zeitraum von 220 bis
146 v. Chr. Von den 40 Büchern sind 1–5 vollständig, der Rest nur in unterschiedlich langen
Fragmenten und Exzerpten erhalten. Trotzdem ist er, aufgrund der Qualität seiner
Nachrichten, für das zu behandelnde Thema einer der wichtigsten Quellenautoren überhaupt.
Ed.: Polybii Historiae, ed. L. Dindorf, retr. Th. Büttner-Wobst, 5 Bde., Leipzig 1889–1904;
Polybios’ Geschichte, übers. hg. v. H. Drexler, 2 Bde., Zürich – Stuttgart 1961–1963
Lit.: WALBANK F.W., A Historical Commentary on Polybius, vol. I–III, Oxford 1957–1979
Poseidonios von Apameia (* um 135, † 51 v. Chr.)
Der bedeutendste Universalgelehrte des späten Hellenismus unternahm nach seinem Studium
in Athen ausgedehnte Forschungsreisen, die ihn auch in das keltische Hinterland von Massalia
führen. Später läßt er sich als Lehrer der stoischen Philosophie auf Rhodos nieder und pflegt
enge Beziehungen zu römischen Politikern und Gelehrten wie Pompeius, Cicero und Varro.
Von den vielen naturwissenschaftlichen, philosophischen, kulturgeschichtlichen und
ethischen Schriften, die ihm zugeschrieben werden, sind ebenso nur Fragmente erhalten wie
von seiner Universalgeschichte, die jene des Polybios fortsetzt und bis in die 80-er Jahre des
1. Jh. v. Chr. führte. Diese „Historien“ (ÑIstor€ai) enthielten auch eine keltische
Ethnographie, die auszugsweise im 5. Buch von Diodors „Bibliothek“ erhalten ist, aber auch
von Autoren wie Athenaios und Strabon als Quelle herangezogen wurde.
Ed.: FGrHist 87 F 48 = F 240a (T65b) EDELSTEIN–KIDD = F 402 THEILER
Lit.: MALITZ J., Die Historien des Poseidonios, Zetemata 79, München 1983
Stephanos von Byzanz (1. H. 6. Jh. n. Chr.):
Die wenigen Selbstzeugnisse dieses Autors erbringen nicht viel mehr als seine Datierung in
justinianische Zeit. Er erstellte, mehr aus sprachlichem denn aus geographischem Interesse ein
sehr umfangreiches Ortsnamenlexikon mit dem Titel „Ethniká“ (ÉEynikã). Vom Original,
das im 51. Buch erst den Buchstaben S begonnen hatte, ist nur ein vom Grammatiker
Hermolaos angefertigter Auszug erhalten. Der Wert des Lexikons beruht über die darin
enthaltenen historischen Nachrichten hinaus auf den vielen Zitaten älterer Schriftsteller, die es
uns bewahrt hat.
Ed.:Stephani Byzantii ethnicorum quae supersunt, rec. A. Meineke, Berlin 1849
19
Lit.: D. WHITEHEAD, Site-Classification and Reliability in Stephanus of Byzantium, in: DERS.,
From Political Architecture to Stephanus Byzantius. Source for the Ancient Greek Polis,
Stuttgart 1994, 99–124
Strabon von Amaseia (* um 64 v. Chr., † 19 n. Chr.)
Aus einer vornehmen pontischen Familie stammend, widmet sich Strabon nach seinem
Studium in Rom der Wissenschaft und lernt auf vielen Reisen nach eigenem Bekunden die
ganze Mittelmeerwelt kennen. Eine 47 Bücher umfassende Universalhistorie in Fortsetzung
des Polybios ist bis auf ganz wenige Fragmente verloren, erhalten hat sich aber seine
„Geographia“ (Gevgrafikå ÍpomnÆmata), eine Beschreibung der Geographie der
Oikumene, die auch viel historisches Material enthält. Da er sich ausführlich mit älteren
Lehrmeinungen auseinandersetzt, liefert er auch wichtige Fragmente verlorener Autoren.
Ed.: Strabonis Geographica, rec. A. Meineke, 3 Bde., Leipzig 1851–1852; The Geography of
Strabo, griech.-engl. ed. v. H.L. Jones, 8 Bde., London–Cambridge, Mass. 1917–1932
Lit.: J. ENGELS, Augusteische Oikumenegeographie und Universalhistorie im Werk Strabons
von Amaseia, Habilitationsschrift Köln 1995
Cornelius Tacitus (* um 55, † nach 118 n. Chr.):
Tacitus entstammte einer vornehmen Familie, wohl aus der Gallia Narbonensis oder der
Gallia Cisalpina, begann seine politische Karriere unter den Flaviern und bekleidete unter
Nerva im Jahr 97 den Konsulat. Er beschloß seinen cursus honorum 112/3 n. Chr. als
Statthalter von Asia. Publizistisch trat er erst nach Domitians Tod in Erscheinung, zunächst
mit jenen beiden kleinen Schriften, denen die seiner Feder entstammenden Testimonien
entnommen sind: dem „Agricola“, der Lebensbeschreibung seines Schwiegervaters Cn. Iulius
Agricola, und der „Germania“ (genau: De origine et situ Germanorum).
Ed.: Cornelius Tacitus, Agricola. Germania, hrsg., übers. u. erl. A. Städele, München–Zürich
1991; Tacitus, Germania, lat. u. deutsch v. G. Perl, hrsg. J. Herrmann (Griechische und
lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1. Jahrtausends u. Z.,
2. Teil), Berlin 1990
Lit.: MELLOR R., Tacitus, London 1993
Timagenes v. Alexandreia (1. Jh. v. Chr.):
Timagenes kam 55 v. Chr. als Kriegsgefangener nach Rom, wo er als Rhetoriklehrer tätig war
und trotz (oder wegen) Augustus-kritischer Äußerungen die Protektion des Asinius Pollio
genoß. Keine seiner Schriften ist erhalten und das vorliegende Fragment läßt sich innerhalb
seines Werks nicht klar einordnen.
Ed.: FGrHist 88 F 2; W. SEYFARTH, Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte, lat.-dt.
mit Komm., 4 Bde., Berlin 1968–1971; J.C. ROLFE, Ammianus Marcellinus, lat.-engl., 3 Bde.,
ND London - Cambridge, Mass. 1963–1964
Zonaras (Ende 11./ 1. H. 12. Jh. n. Chr.)
Ioannes Zonaras (Zvnarçw) bekleidete hohe Staatsämter am byzantinischen Hof, ehe er sich,
wahrscheinlich nicht freiwillig, in ein Kloster zurückzog. Dort verfaßte er seine §pitomØ
flstori«n betitelte Universalgeschichte in 16 Büchern, die von der Schöpfung bis zum Tod
20
von Alexios I. Komnenos im Jahr 1118 reicht. Für die Geschichte der römischen Republik
(Bücher 7–9) hat er die heute verlorenen Bücher 1–22 des Werks von Cassius Dio (s.d.)
großteils wörtlich exzerpiert, wobei ihm ab dem 11. Buch vermutlich nur mehr die Epitome
des Ioannes Xiphilinos aus dem 11. Jh. vorlag.
Ed.: Cassii Dionis Cocceiani Historiarum Romanarum quae supersunt vol. I, ed. U.P.
Boissevain, Berlin 1895
Lit.: K. ALPERS, s.v. Zonaras und Zonarae Lexicon, RE 10 A (1972) 718–763
Herunterladen