Definitionsmerkmale des Marketing

Werbung
Marketing
BWL / Univ.-Prof. Dr. Gerd Waschbusch
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2003-09-27
I. Die Grundlagen des Marketings
1. Kennzeichnen Sie den Unterschied zwischen der produktions- und
marktorientierten Denkweise unternehmerischen Handelns!
Merkmal
Verkäufermarkt
(ungesättigter Markt)
Käufermarkt
(gesättigter Markt)
Wirtschaftliches
Entwicklungsstadium
Knappheitswirtschaft
Überflussgesellschaft
Verhältnis
Angebot zu Nachfrage
Nachfrage > Angebot
(Nachfrageüberhang)
Nachfrager aktiver als
Anbieter
Angebot > Nachfrage
(Angebotsüberhang)
Anbieter aktiver als
Nachfrager
Starker Wettbewerbsdruck
Engpassbereich der
Unternehmung
Beschaffung und/oder
Produktion
Primäre Anstrengungen
der Unternehmung
Rationelle Erweiterung der
Beschaffungs- und
Produktionskapazität
Führt zur
produktionsorientierter
Denkweise
Verkäufermarkt
und
Käufermarkt
Absatz
Weckung von Nachfrage
und Schaffung von
Präferenzen für eigenes
Angebot
Führt zur verkaufs- bzw.
marktorientierter
Denkweise
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Produktionsorientierte Denkweise:
↳
Fokussierung der Tätigkeit eines Unternehmens auf die Fertigung bzw. Produktion
(Frage: Wie können wir die Fertigung ausdehnen ?)
↳
Orientierung an Produkten
(Produkt → Vertrieb → Kunden (Bereitschaft des Kunden das Produkt zu kaufen))
[Bsp. Alte Mercedes S-Klasse wurde mit viel Technik verkauft, ohne auf die Wünsche
des Kunden einzugehen]
↳
Erfolgsmaßstab ist der Gewinn durch genügend Umsatz
Marktorientierte Denkweise:
↳
Fokussierung auf den (Absatz-) Markt (und nicht auf das Produkt)
↳
Orientierung an Kundenbedürfnissen und Kundenwünschen
(Kunde → Vertrieb → Produkt)
(Kunde = erforschen was der Kunde will)
(Produkt = Kundenorientierte/Marktorientierte Produktion)
↳
Erfolgsmaßstab ist der Gewinn durch zufriedene Kunden
Produktorientierte contra marktorientierte Geschäftsfelddeffinition
Produktionsorientierte
Unternehmen
Marktorientierte Definition
Definition
Revlon
Wir stellen Kosmetika her.
Wir verkaufen Hoffnung auf
Schönheit.
Bahn AG
Wir betreiben eine
Eisenbahnlinie.
Wir bieten pünktlichen
Transport.
Xerox
Wir produzieren
Kopiergeräte und –zubehör.
Wir steigern die Effizienz
der Büroarbeit.
BASF, landwirtschaftliche
Produkte
Wir verkaufen Düngemittel
und Schädlingsvernichtung.
Wir steigern die landwirtschaftliche Produktion.
BP (British Petrol)
Wir verkaufen Benzin und
Öl.
Wir sorgen für Mobilität.
Volks- und
Reiffeisenbanken
Wir verleihen Geld und
legen es an.
„Wir machen den Weg
frei.“
Encyclopedia Britanika
Wir verkaufen
Enzyclopedien.
Wir produzieren und
verbreiten Informationen.
ARAG
Wir versichern Sie in
Rechtsangelegenheiten.
Wir wollen dass Sie Ihr
Recht bekommen.
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// Finde Bedürfnisse und Wünsche und erfülle sie! //
statt
// Erfinde Produkte und verkaufe sie! //
nämlich
// Der Kunde ist König!! //
- Der Kunde ist die wichtigste Person in unserem Unternehmen
- Wir sind vom Kunden abhängig und nicht umgekehrt.
- Der Kunde bringt uns Wünsche entgegen und wir tun unser Bestes um diese zu erfüllen.
- Mit dem Kunden führt man keine Streitgespräche. Der Kunde hat immer Recht !
- Der Kunde muss uns keinen Gefallen tun. Wir haben das Vergnügen dem Kunden einen
Gefallen zu tun.
2. Charakterisieren Sie das Wesen des Marketing! Welche Einsatzfelder des
Marketing lassen sich hierbei unterscheiden?
Marketing
↳
to go into the market.
Weitere Interpretation des Marketingbegriffs:
Marketing ist eine menschliche Tätigkeit, die darauf abzielt, durch den Austausch von
Produkten (im Sinne eines Gegenstands einer Dienstleistung, einer Person, eines Ortes, einer
Organisation oder einer Idee) auf Märkten menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu
befriedigen bzw. zu erfüllen.
Einsatzfelder des Marketing
Business – Marketing
Non – Business – Marketing
(nicht – kommerzielles
Marketing: erfüllt
gesellschaftsbezogene Aufgaben)
(kommerzielles Marketing
gewinnorientierter Unternehmer
KonsumgüterMarketing
InvestitionsgüterMarketing
DienstleistungsMarketing
Handels Marketing
Marketing on NonProfit-Organisations
(Marketing nicht
kommerzieller
Institution)
(z.B. Theater,
Museen,
Hochschulen,
Kirchen)
Social Marketing
(Marketing für
öffentliche Anliegen, die zu nutzen
der Gesellschaft
verfolgt werden
sollen)
(z.B. AIDSWerbung, AntiRaucher-Kampagne
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3. Erörtern Sie die grundlegenden Definitionsmerkmale des Begriffs „Marketing“!
Definitionsmerkmale des Marketing
1. Marketing als Maxime
- Marketing ist eine unternehmerische Grundeinstellung in deren Mittelpunkt der
Kunde mit seinen Bedürfnissen und Wünschen steht.
(= Marketing als eine Konzeption der Unternehmensführung)
- Alle unternehmerischen Aktivitäten werden konsequent auf den Markt ausgerichtet
(Primat des marktorientierten Denkens in einer Unternehmensführung)
2. Marketing als aktive Marktbeeinflussung und Marktgestaltung
- Marketing soll nicht nur bereits vorhandene Nachfrage decken (passives Vorgehen),
sondern durch den koordinierten Einsatz der Marketinginstrumente neue bzw.
zusätzlich Nachfrage schaffen (aktives Vorgehen)
3. Marketing als Ausdruck einer systematischen Entscheidungsfindung
- Entscheidungen in Marketing sollen auf einem methodischen Vorgehen der
unternehmerischen Entscheidungsträger bei der Marktbearbeitung beruhen.
- Marketing als institutionalisierter Ablauf von Entscheidungsprozeßen:
Analyse, Planung, Durchführung bzw. Realisation und Kontrolle aller auf den Markt
ausgerichteten Unternehmensaspekte.
Marketing = marktorientierte, aktive und systematische
Unternehmenspolitik zur Erreichung der Unternehmensziele!
4. Nennen und beschreiben Sie die unterschiedlichen Phasen des
marketingpolitischen Entscheidungsprozesses !
Phasen des marketingpolitischen Entscheidungsprozesses:
1. Vorbereitungsphase (Analyse- und Planungsphase)
a) Erfassung und Analyse der gegenwärtigen sowie Prognose der zukünftigen
Marktsituationen der Unternehmung (Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im
Fragenkatalog 2 statt)
b) Bestimmung von Marketingzielen und die Entwicklung von Marketingstrategien
(Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im Fragenkatalog 3 statt)
2. Realisations- und Durchsetzungsphase
a) Festlegung der marketingpolitischen Maßnahmen
(Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im Fragenkatalog 4 – 7 statt)
b) Aufbau einer Marketing-Organisation
3. Kontrollphase (Marketing-Controlling)
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5. Erarbeiten Sie eine umfassende Systematik der einer Unternehmung zur Verfügung
stehenden Marketinginstrumente! Nehmen Sie dabei eine Unterteilung in vier
Hauptbereiche vor.
Systematik marketingpolitischer Instrumente
↳
Hilfsmittel, über die eine Unternehmung verfügt, um auf den (Absatz-) Märkten agieren
bzw. reagieren zu können.
1. Die Instrumente zur Gestaltung der Leistungssubstanz (Instrumenten der Produktpolitik)
(Produktinnovation, Produktvariation, Produktelimination)
(Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im Fragenkatalog 4 statt)
(Programm- und Sortimentspolitik, Verpackungspolitik, Markenpolitik, Garantie- und
Kundendienstpolitik)
2. Die Instrumente zur Gestaltung der Leistungsbereitschaft (Instrumente der
Distributionspolitik)
(Feststellung der Absatzwege bzw. Absatzkanäle, Marketing-Logistik)
(Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im Fragenkatalog 5 statt)
3. Die Instrumente zur Abgeltung von Leistungsbereitschaft und Leistungssubstanz
(Instrumente der Kontrahierungspolitik)
(Instrumente Preis- und Konditionenpolitik)
(Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im Fragenkatalog 6 statt)
4. Die Instrumente zur Informationsvermittlung über Leistungsbereitschaft, Leistungssubstanz
und deren Abgeltung (Instrumente der Kommunikationspolitik)
- Absatzwerbung
- persönlicher Verkauf (Außendienst)
- Verkaufsförderung (Sales Promotion)
- Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations)
(Auseinandersetzung zu diesem Thema findet im Fragenkatalog 7 statt)
Marketing ist nicht gleich Werbung. Werbung ist ein kleiner Teil des Marketing
6. Welchem Zweck dient die Untergliederung des Marketing in
Marketinginstrumente? Was soll in der Bezeichnung „Marketing-Mix“ zum
Ausdruck kommen?
Strukturierung der Aufgaben, Untergliederung in Teilbereiche und Zuordnung der
Zuständigkeit.
Marketing-Mix
↳
die Auswahl, Gewichtung und die konkrete Ausgestaltung der marketingpolitischen
Instrumente und deren Zusammenführung zu einem möglichst optimalen Miteinander.
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7. Welche Faktoren schränken die reine Marktorientierung einer Unternehmung ein?
Einschränkung der reinen Marktorientierung
Folgende Faktoren schränken die reine Marktorientierung einer Unternehmung ein.
a) Dominanz konkurrierender Zielsetzung der Gesellschaft im Bereich:
- der Gesundheitspolitik (Verbot von Verkauf der Drogen, Werbung für
verschreibungspflichtigen Medikamenten)
- der Versorgungssicherheit (Strom, Gas, Steinkohle, Atomenergie)
- der Erhaltung der natürlichen Umwelt (Verbot von umweltbelastender
Produkte, Unterstützung der Windkraftenergie, Abbau der Produktion von
Dosen, Plastikverpackungen) (Obsoleszenz  Einbau von physischen
Veralterungen (Produkte sollen nicht so lange halten)
- der Kultur (Denkmalschutz, Bücher-Preisbindung)
- der Bereich der Außenhandelspolitik
b) Missbrauch von Marktmacht (zunehmender Konzentrationsprozess im Handel)
c) Verbraucherschutz (Ombutzmann)
II. Die Informationsbeschaffung im Marketing
1. Grenzen sie die Begriffe „Absatzforschung“, „Marketingforschung“ und
„Marktforschung“ voneinander ab !

Marketingforschung (= Absatzforschung) hat die gesamten zur Absatzgestaltung einer
Unternehmung zu lösenden Informationsprobleme zum Gegenstand.

Gegenstand der Marktforschung ist die Gewinnung von Informationen über die märkte
der Unternehmung, also sowohl der Absatz- als auch der Beschaffungsmärkte.
Erforschung der
Beschaffungsmärkte z.B.
hinsichtlich Lieferanten,
Beschaffungswege (per
Eisenbahn, Flugzeug,
Schiff), Fristen, Preisen und
Qualitäten
Erforschung der
Absatzmärkte
z.B. hinsichtlich
Marktpotential und
Absatzpotential
Marktforschung
1. Untersuchung der Wirkungen von Marketingaktivitäten (z.B. Werbeund Preisforschung)
2. Erfassung innerbetrieblicher marketingrelevanten Sachverhalte
(z.B. Vertriebskosten,
Lagerungsmöglichkeiten,
Kapazitätsprobleme)
Marketingforschung (= Absatzforschung)
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2. Welche Informationsbereiche sind Gegenstand der marketing- bzw.
Marktforschung?
Informationsbedarf der Absatzplanung
Unternehmensexterne Informationen
(Umweltinformationen)
Marktinformationen
Marktteilnehmer
Rahmenbedingung
Wirkungsweisen des
InstrumentenEinsatzes
- eigenes
Unternehmen
- Wirkung der
Produktpolitik
- Konsumenten
(Endverbrauer)
- Wirkung der
Preispolitik
- Konkurrenten
- Wirkung der
KommunikationsPolitik
- Absatzmittler
(der Handel)
Unternehmensinterne
Informationen
- ökonomisch
- Zielsystem
- politisch
- Rechnungswesen
- rechtlich
- Absatzbereich
- technisch
- Produktionsbereich
- kulturell
- Wirkung der
Verkaufpolitik
- Wirkung kombinierter
Instrumenteneinsätze
3. Nennen Sie die Aufgaben der marketing- bzw. Marktforschung !
Aufgaben der Marketing- bzw. Marktforschung
1. Sie sorgt dafür, dass Chancen und Risiken frühzeitig erkannt und berechenbar gemacht
werden.
2. Sie unterstützt die Arbeit der Unternehmensführung.
3. Sie trägt zur Präzisierung und Objektivierung von Sachverhalten bei.
4. Sie fördert das Verständnis bei der Vorgabe von Zielen und sie fördert die Lernprozesse in
der Unternehmung.
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