Besteuerung von Personengesellschaften Düsseldorf, 5. November 2013 Prof. Dr. Norbert Neu Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Fachberater für Internationales Steuerrecht Partner [email protected] www.dhpg.de | Seite 1 Agenda I. Ertragsbesteuerung der Personengesellschaft 1. 2. Einkommen- und Körperschaftsteuer Gewerbesteuer II. Vermögenssphären der Personengesellschaft 1. 2. 3. Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen Ergänzungsbilanzen Gewinnermittlung im Überblick www.dhpg.de | Seite 2 I.1 Einkommen- und Körperschaftsteuer Steuersubjekteigenschaft (1) • Personengesellschaft nicht Subjekt der ESt oder KSt • Gesellschafter als o o Subjekt der ESt (natürliche Personen) Subjekt der KSt (juristische Personen) • Personengesellschaft (lediglich) Subjekt der o o o Gewinnerzielung, Einkünftequalifikation und Gewinnermittlung (einheitliche und gesonderte Gewinnfeststellung, §§ 179 ff. AO) www.dhpg.de | Seite 3 I.1 Einkommen- und Körperschaftsteuer Steuersubjekteigenschaft (2) • Bilanzbündeltheorie • Einheit der Gesellschaft vs. Vielheit der Gesellschafter (Quelle: Ulrich Niehus/Helmut Wilke „Die Besteuerung der Personengesellschaften“, S. 31) www.dhpg.de | Seite 4 I.1 Einkommen- und Körperschaftsteuer Mitunternehmerschaft • Voraussetzungen für Mitunternehmerschaft (§ 15 EStG) o o Mitunternehmerrisiko Mitunternehmerinitiative • Mitunternehmerschaft und Gesellschaftsformen o o o o o Gesellschaft bürgerlichen Rechts Personenhandelsgesellschaften (OHG und KG) GbR Partnerschaftsgesellschaft Stille Gesellschaft www.dhpg.de | Seite 5 I.1 Einkommen- und Körperschaftsteuer Gewerbliche Tätigkeit und Infektion • Gewerblich tätige Personengesellschaft (§ 15 Abs. 2 EStG) o o o Selbständige und nachhaltige Betätigung mit Gewinnerzielungsabsicht und keine Einkünfte aus LuF, selbständiger Arbeit oder Vermögensverwaltung o o o Abgrenzung zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft Abgrenzung zu den Einkünften aus selbstständigen Arbeit Abgrenzung zur Vermögensverwaltung • Gewerbliche Infektion (§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG) Gewerbliche Tätigkeit neben land- und forstwirtschaftlicher, selbständiger oder vermögensverwaltender Tätigkeit (Ausnahme: „ganz geringfügig“) o Sonderproblem Zusammenschluss von Freiberuflern è Gesamte Tätigkeit gewerblich und sämtliches Vermögen Betriebsvermögen („Infektionstheorie“) o www.dhpg.de | Seite 6 I.1 Einkommen- und Körperschaftsteuer GmbH & Co. KG • Mitunternehmerschaft und GmbH & Co. KG KomplementärGmbH: Zu bejahen (auch bei Beteiligung von 0 %) o Kommanditisten: Regelmäßig zu bejahen (Ausnahmen z.B. „abgestrippter“ Kommanditist, Treuhandfälle; s. zur gewerbesteuerlichen Behandlung des Treuhandmodells BFH IV R 26/07 vom 3.2.2010, DStR 2010, 743) • Gewerblich geprägte Personengesellschaft Keine Tätigkeit i.S.d. § 15 Abs. 2 EStG und o nur KapGes als Komplementäre (oder gewerblich geprägte Personengesellschaft) und o nur KapGes-Komplementäre oder Nichtgesellschafter geschäftsführungsbefugt è Sämtliche Einkünfte gewerblich und sämtliches Vermögen Betriebsvermögen o www.dhpg.de | Seite 7 I.2 Gewerbesteuer • Wegen gewerblicher Einkünfte (Tätigkeit, Infektion, Prägung) Gewerbesteuerpflicht, soweit inländische Betriebsstätten unterhalten werden • Personengesellschaft als Schuldner der GewSt (§ 5 Abs. 1 Satz 3 GewStG) • Gewinn- und Verlustanteil der Komplementär-GmbH bei dieser gewerbesteuerfrei (§ 8 Nr. 8, § 9 Nr. 2 GewStG) • Gewinnausschüttungen der Komplementär-GmbH an Kommanditisten gewerbesteuerfrei nach § 9 Nr. 2a GewStG, wenn SonderBV • Gewerbesteuerermäßigung nach § 35 EStG nur für natürliche Personen als Gesellschafter www.dhpg.de | Seite 8 Agenda I. Ertragsbesteuerung der Personengesellschaft 1. 2. Einkommen- und Körperschaftsteuer Gewerbesteuer II. Vermögenssphären der Personengesellschaft 1. 2. 3. Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen Ergänzungsbilanzen Gewinnermittlung im Überblick www.dhpg.de | Seite 9 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (1) Vermögenssphären Gesamthandsvermögen (= handelsrechtliches BV) grundsätzlich notwendiges BV Sonderbetriebsvermögen (SBV) notwendiges SBV gewillkürtes SBV steuerliches Betriebsvermögen der PersGes www.dhpg.de | Seite 10 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (2) (Quelle: Ulrich Niehus/Helmut Wilke „Die Besteuerung der Personengesellschaften“, S. 63) www.dhpg.de | Seite 11 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (3) • Gesellschaftsvermögen der Personengesellschaft o o o befindet sich im Eigentum der PersGes steht den Gesellschaftern zur gesamten Hand zu (Gesamthandsvermögen) einzelner Gesellschafter kann nicht über „seinen“ Anteil am Vermögen der PersGes verfügen • Steuerliche Qualifikation o o Grundsätzlich notwendiges Betriebsvermögen Ausnahmen (Beispiele): - Von einem Gesellschafter unentgeltlich privat genutztes EFH - Von Gesellschaft abgeschlossene LV auf das Leben eines Gesellschafters („Teilhaberversicherung“) www.dhpg.de | Seite 12 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (4) • Wirtschaftsgüter im Eigentum eines Gesellschafters (nicht: der Gesellschaft) • Zu differenzieren: o o Sonderbetriebsvermögen I (SBV I): Alle Wirtschaftsgüter, die objektiv erkennbar zum unmittelbaren Einsatz im Betrieb der Personengesellschaft selbst bestimmt sind Sonderbetriebsvermögen II (SBV II): Alle Wirtschaftsgüter, die unmittelbar der Begründung oder Stärkung der Beteiligung an der Personengesellschaft dienen • Rechtsgrundlagen: §§ 4 Abs. 1, 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG • Bilanzierungskonkurrenzen www.dhpg.de | Seite 13 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (5) (Quelle: Ulrich Niehus/Helmut Wilke „Die Besteuerung der Personengesellschaften“, S. 64) www.dhpg.de | Seite 14 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (6) Beispiel (Fall): Gesellschafter A vermietet an die A-GmbH & Co. KG, an der er als Kommanditist beteiligt ist, ein unbebautes Grundstück für mtl. 1.500 €. Auf diesem Grundstück hat die KG eine Lagerhalle errichtet. A hatte das Grundstück vor einem Jahr für 50.000 € erworben. Der TW liegt bei Abschluss des Mietvertrages bei 100.000 €. www.dhpg.de | Seite 15 II.1 Gesamthandsbilanz und Sonderbilanzen (7) Beispiel (Lösung): Das Grundstück ist notwendiges SBV I des A, denn es wird für eigenbetriebliche Zwecke genutzt. Das Grundstück ist daher zu Beginn der Vermietung in das SBV I des A einzulegen. Die Einlage erfolgt gem. § 6 Abs. 1 Nr. 5 lit. a) EStG mit den Anschaffungskosten. Buchung: Grundstück 50.000 an Kapital 50.000 www.dhpg.de | Seite 16 II.2 Ergänzungsbilanzen (1) • Ergänzungsbilanzen sind o o o o Korrekturen zu den Wertansätzen in der Steuerbilanz der Personengesellschaft für die betrieblichen Wirtschaftsgüter des Gesellschaftsvermögens einzelner Gesellschafter ohne handelsrechtliches Pendant • Hintergrund: Anteil an PersGes ist kein Wirtschaftsgut, sondern verkörpert nur die auf den Mitunternehmer entfallenden (anteiligen) Wirtschaftsgüter der Gesellschaft www.dhpg.de | Seite 17 II.2 Ergänzungsbilanzen (2) Anlässe zur Bildung • Erwerb eines Personengesellschaftsanteils • Einbringung eines Betriebs, Teilbetriebs oder Mitunternehmeranteils nach § 24 UmwStG oder ähnliche Vorgänge (z.B. Aufnahme eines neuen Gesellschafters) • Übertragung einzelner Wirtschaftsgüter zwischen Mitunternehmerschaft und Mitunternehmer nach § 6 Abs. 5 Satz 3 EStG • Inanspruchnahme personenbezogener Steuervergünstigungen für einzelne Gesellschafter www.dhpg.de | Seite 18 II.2 Ergänzungsbilanzen (3) Fortführung • Ergänzungsbilanzen sind auch in Folgejahren anzufertigen, bis o o o die Mehr- oder Minderwerte entfallen oder die Wirtschaftsgüter aus dem Gesamthandsvermögen ausscheiden oder der Gesellschafter für den die Ergänzungsbilanz geführt wird, aus der PersGes ausscheidet • In der Zwischenzeit Mehr-AfA (bei positiven Erg.-Bilanzen) bzw. Minder-AfA (bei negativen Erg.-Bilanzen) bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern (Einzelheiten streitig) www.dhpg.de | Seite 19 II.3 Gewinnermittlung im Überblick (Quelle: Ulrich Niehus/Helmut Wilke „Die Besteuerung der Personengesellschaften“, S. 58) www.dhpg.de | Seite 20