Mehr Angebot, weniger Nachfrage

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Nr. VIII / 31. Jahrgang
Berlin und Bonn / August 2015
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www.behoerdenspiegel.de
Mehr Angebot, weniger Nachfrage
Ergebnisse des eGovernment MONITORs 2015
(BS/Annkatrin Boy*) Von jedem Ort und zu jeder Zeit auf digitale Dienste zugreifen, ist heute mithilfe des Internets
und moderner Informationstechniken möglich. Die Digitalisierung erleichtert den Alltag in vielerlei Hinsicht, weshalb die Nutzung von Dienstleistungen online für die meisten Bundesbürger bereits selbstverständlich ist. Die
aus den technologischen Entwicklungen folgenden gesellschaftlichen Veränderungen bedeuten neue Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen für Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Auch die öffentliche Verwaltung befindet sich im Wandel, um der digitalen Transformation nutzerorientiert, effizient und innovativ gerecht
zu werden.
Bund, Länder und Kommunen
verfolgen mit ihren E-Government-Angeboten vielfältige Ziele.
Durch die Einführung elektronischer Arbeitsabläufe und Serviceangebote sollen die Prozesse
zwischen Verwaltung, Politik,
Wirtschaft und Bürgern erleichtert werden. E-Government-Services wie die Terminvergabe per
Mausblick oder die elektronische
Steuererklärung machen offenes
und transparentes Verwaltungshandeln möglich. Diese Angebote
sind jedoch nur dann erfolgreich,
wenn die digitalen Dienstleistungen auch von den Bürgern, der
Wirtschaft und den Institutionen
an- und wahrgenommen werden. Die E-Government-Nutzung in Deutschland kommt nicht voran.
Grafik: BS/Initiative D21
Laut eGovernment MONITOR
2015, einer Ende Juli veröffentlichten Studie der Initiative D21,
schreitet zwar der Ausbau des
Angebots, nicht aber die Nutzung
der E-Government-Angebote voran. Diese ist im Vergleich zum
Vorjahr sogar rückläufig. Für die
zum sechsten Mal durchgeführte
repräsentative Studie haben die
Marktforscher von TNS Infratest
im Frühjahr jeweils 1.000 OnlineInterviews
in
Deutschland,
Österreich, der Schweiz und
Schweden durchgeführt.
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur 39 Prozent der deutschen Internetnutzer haben in
den vergangenen zwölf Monaten
elektronische Verwaltungsangebote genutzt, während es 2014
noch 45 Prozent waren. Auch der
Ländervergleich zeigt deutliche
Unterschiede hinsichtlich der EGovernment-Nutzung. Führend
ist die schwedische Online-Bevölkerung (75 Prozent), dicht gefolgt
von Österreich (73 Prozent) und
der Schweiz (69 Prozent). Eines
der zentralen Ergebnisse der Studie für 2015 bestätigt, dass viele
gute Online-Dienste in Deutschland schlichtweg nicht bekannt
sind. 71 Prozent der deutschen
Befragten geben dies als größtes
Hindernis an.
Für die Verwaltung bedeutet das
Optimierungsbedarf an mehreren Stellen. Bund, Länder und
Kommunen müssen weiterhin
gemeinsam E-Government als
positiv besetzte Marke stärken.
Neben einem effektiven Marketing ist die Suchmaschinenoptimierung unumgänglich, um die
Auffindbarkeit von Informatio-
nen und Dienstleistungen im Internet zu verbessern.
Die Verwaltungen müssen es zu
ihrer Aufgabe machen, die Bekanntheit der Online-Dienste zu
steigern, potenzielle Nutzer darüber aufzuklären und die Vorteile
aufzuzeigen. Denn ohne ausreichende Nutzerakzeptanz bleiben
viele innovative und funktionale
E-Government-Anwendungen
weiterhin unbeachtet. Der beliebteste Bürgerdienst im Netz ist in
Deutschland und Österreich aktuell die Fahrplanauskunft für
den Öffentlichen Nahverkehr, gefolgt von Informationen zu Öffnungszeiten und Kontaktdaten
von Behörden. Prestigeprojekte
wie De-Mail oder der neue Personalausweis hinken dagegen nach
wie vor weit hinterher.
Einen interessanten Ansatz, um
den Bürgern künftig einen hohen
Verwaltungsaufwand zu ersparen, plant die Bundesregierung
mit der Einführung des sogenannten Bürgerkontos. Viele
Behördengänge könnten sich
erübrigen, wenn die Verwaltungen private Informationen zu
ihren Kunden speichern würden
und diese so deutlich mehr Leistungen online erledigen könnten.
Der eGovernment MONITOR
2015 zeigt, dass 58 Prozent aller
deutschen Onliner sich klar für
ein digitales Bürgerkonto aussprechen.
Um die Skepsis gegenüber E-Government abzubauen, werden allgemein verständliche und transparente Informationen zu Datenschutz
und
Datensicherheit
benötigt. Konkrete Bedenken
beim Thema Datenschutz und
Datensicherheit bestehen vor allem aufgrund der Unsicherheit
darüber, was mit den Daten passiert. Ein Ergebnis des eGovernment MONITORs 2015 zeigt, dass
58 Prozent der Befragten die mangelnden Information darüber,
was mit den eigenen Daten passiert, als bedenklich bewerten. 55
Prozent gaben die Angst vor Datendiebstahl sowie ebenfalls 55
Prozent die mangelnde Sicherheit
bei der Datenübertragung an.
Fürchteten deutsche Befragte
2014 noch zu knapp 66 Prozent
einen Datenverlust beim digitalen Amt, sind es dieses Jahr 51
Prozent. Grundsätzlich wünschen sich die Bürger mehr E-Government und trauen der Verwaltung einen erfolgreichen und sicheren Modernisierungsprozess
durchaus zu.
Damit die durchgängig elektronische Verwaltung Realität werden kann, braucht es den regen
Austausch zwischen Bürgern,
Verwaltungsangestellten
und
Entscheidern. Mit dem Bundesprogramm Digitale Verwaltung
2020 ist die Bundesregierung auf
einem guten Weg, tragfähige Angebote auszuarbeiten, um das
Vertrauen der Bürger in eine digitale Verwaltung zu stärken und
die Nutzung und Akzeptanz von
E-Government in den nächsten
Jahren deutlich zu verbessern
können.
*Annkatrin Boy hat in den vergangenen Monaten im Rahmen eines Praktikums die Arbeit der Initiative D21 unterstützt.
Der Behörden Spiegel ist Medienpartner der Initiative D21.
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