Systemische Psychotherapie mit KlientInnen denen Diagnosen aus

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Robert Koch, MSc, C 2012
www.psycho-praxis.com
Systemische Psychotherapie mit KlientInnen
denen Diagnosen aus dem psychiatrischen
Bereich zugeschrieben wurden
Viele Texte wurden dem Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung von Jochen Schweitzer und Arist
von Schlippe entnommen – Verlag Vandenhoeck und Ruprecht
Inhalt der Vorlesung
Beziehungsgestaltung
Ziele, Inhalt - Definition
Entstörungen
Diagnosen und Theorie
Beziehungsmuster
Eigene Haltung, Neutralität
Ressourcen
Von der Palo Alto Gruppe zum Mental
Research Institute (MRI)
Greogory Bateson, John Weakland, Jay Haley, William
Fry studierten Kommunikation am VA Hospital in Menlo
Park, Don D. Jackson superviert in klinischen Fragen
Von der Palo Alto Gruppe zum Mental
Research Institute (MRI)
 in den 70er und 80er Jahren wurde das MRI zum
internationalen Zentrum: Lynn Segal, Mara Selvini
Palazzoli, Cloe Madanes, Wendel Ray, Mony Elkaim,
Insoo Kim Berg, Giorgio Nardone, Gianfranco Cecchin,
Teresa Garcia ....
Krankheit zeigt sich auf verschiedenen Ebenen
Auf der biologischen Ebene - Gene, Hormone, Bakterien
Auf der psychischen Ebene - “mein Herz schlägt eigenartig schnell”,
“mir gelingt nie etwas”
Auf der sozialen Ebene – Kommunikation, Ausdruck
- hier schließt die Psychotherapie als Form
der Kommunikation an
Krankheit zeigt sich auf verschiedenen Ebenen
Krankheit wird im Bereich psychischer Probleme als soziales Konstrukt
sichtbar. „Ist er wirklich krank oder tut er nur verrückt“?
Die Bezeichnung „Krankheit“ bewahrt die Betroffenen oft vor
Ausgrenzung und Überforderung (Stichwort Burn-Out)
Krankheit als „soziales Aushandeln“ (auch von Diagnosen) wird in
Zusammenhang mit dem Kontext - der Gesellschaft – gebracht und so gesehen
Ist die Diagnose richtig oder falsch? Oder besser gesagt: “wem nutzt die
Diagnose am meisten”?
Diagnose(n)
Was geschieht, wenn ich sehr ausführlich eine Diagnose mit der
PatientIn erhebe?
Erheben – versus – beschreiben
Ideen der Entstehung und der Möglichkeit der Veränderung
der Diagnose(n).
und
Wie? erzeuge ich eine Diagnose oder die Bestätigung dieser?
Kompetenz der systemischen Therapie
Therapiekonzept
Lebende Systeme werden konsequent als autonom, als nicht instruierbar angesehen und
die KlientInnen sind ExpertInnen für ihre Probleme und deren Lösung (allgemeine
Systemtheorie).
Ein Symptom oder eine sog. Störung sind die bestmögliche Form im Moment das
Überleben zu sichern.
Die Logik der Lösung muss nicht zwangsläufig aus Elementen bestehen, die der Logik
des Problems entstammen (Steve de Shazer 1992).
Blockaden lösen durch Verstörung (infragestellen) und Nutzung eigener Ideen und
Ressourcen
Kompetenz der systemischen Therapie
Therapiekonzept
Fokus auf Kommunikation und Kooperation
Mehrpersonen-Setting
Kontext- und Auftragsklärung
Achtung vor der Autonomie des Systems (Arbeit mit Sichtweisen)
Wertschätzung
Veränderungsoptimismus
Verflüssigung einengender Überzeugungen, Glaubenssätze, Krankheitstheorien – Infragestellung
von Überzeugungen
Betonung dessen, was eventuell sein könnte – Hypothesen über Veränderungen, eine bessere
Zukunft – Lebens und Beziehungsentwürfe
„KundInnen sind
ExpertInnen ihrer selbst“
Essstörungen
Fasten und Essstörungen sind eng mit der Regulierung sozialer
Beziehungen verbunden
Essstörungen – Bulimie
Bei der Bulimie bleibt das Gewicht normal –
nur
das Essverhalten ist ungewöhnlich!
Heißhungeranfälle bei denen große Lebensmittelmengen verzehrt
werden
Entsorgung durch Erbrechen
Geschieht meist heimlich
Schädigung der Speiseröhre, des Kreislaufs und des Stoffwechsels
Essstörungen – Bulimie
Da weniger der Gewichtsverlust im Vordergrund steht,
ist die Bulimie zwangsweise keine sichtbare Störung
Eher FreundInnen erfahren darüber. Der Druck dringend zu
helfen ist geringer als bei der Anorexie
Hintergrund:
Oftmals – Familienkonflikte
PatientInnen neigen zu Impulshandlungen – Substanzen,
Kaufrausch
Sind auße-und leistungsorientiert
Bedürfnisse nach emotionaler Resonanz, Akzeptanz, Trost, Versorgung und Spannungsregulation bleiben oft unerfüllt
Essstörungen – Bulimie - Entstörung
Grönes Buch „Wie lasse ich meine Bulimie verhungern“ (1995)
beschreibt Erfahrungen in der Behandlung
Bulimie – Freundin oder Feindin?
Positive Zielformulierung – positive Vision der Lebensnach nach B.
Suche nach Ausnahmen
Bulimie ist teuer
Scheiterstrategien – Verschlimmerungsfragen
Sicher in der Unsicherheit – Aufgabe der Kontrollstrategien
Essstörungen – Bulimie - Entstörung
Loyale Töchter – wie kann ich mit ihr?
Symptomverschiebungen
Phasen:
Stabilisierungsphase – Konfliktbearbeitungsphase - Reifungsphase
Da bulimische PatientInnen auch ihren TherapeutInnen gefallen
möchten, macht es Sinn – „Meta-Gespräche“ einzuführen
Die Therapie endet wenn die Frauen aus dem Kampf gegen sich
selbst aussteigen, eigene Bedürfnisse, Interessen, Ziele formulieren und
Verantwortung für ihre eigenen Entscheidung übernehmen können
Essstörungen - Anorexie
Beziehungen –
Verstrickt
Überbefürsorgung
Starrheit
Konfliktvermeidung bzw. Konfliktumleitung
Triangulation – Koalition
Essstörungen - Anorexie
Anorexie (griech. an-orexie – kein Hunger, kein Appetit)
bezeichnet einen durch verschiedene Hungerstrategien selbst
herbeigeführten Zustand der Unterernährung
-Fasten
– Erbrechen – Abführen – übertriebene körperliche
Aktivität
Der körperliche Zustand wir verleugnet, „Magersüchtige“ erleben
sich als aktiv und voller Energie
Hohe Mortalitätsrate
Emotionale Anspannung
Essstörungen – Anorexie - Entstörung
Fundierter Gesamtbehandlungsplan
Gute Kooperation mit der Familie und anderen HelferInnen
Gewichtskontrolle außerhalb der Psychotherapie
Nach – Kurt Ludewig – „Plan der Gewichtszunahme“ in die
Therapie einfließen lassen – der „Plan“ der belohnt oder bestraft
-der
„Plan“ mischt sich in das Leben der Betroffenen
Wem zuliebe wird gehungert? Welche Abweichungen sind erlaubt,
Wie viel Egoismus? Welche Unterschiede in der Familie?
Wie könnten die Eltern den „Hungerstreik“ verstärken?
Verantwortungsrückgabe
Essstörungen – Adipositas
Bei Adipositas handelt es sich um eine Übergewichtsklassifikation
bei der das Normalgewicht um mind. 20 % überschritten wird, Übergewicht ist aber nicht immer mit gestörten Essverhalten verbunden.
Folgende Untergruppen: (nach Hoffmann und Hochapfel 1999)
Rauschesser
Daueresser
Nimmersatte
Nachtesser
Essstörungen – Adipositas Beziehungsmuster
Übergewicht kann:
Loyalität zu anderen Familienmitgliedern signalisieren – oder auch
ein Bündnis
Das Erwachsenwerden kann hinausgezögert werden
Übergewicht schützt vor außerehelichen Beziehungen – oder hilft
beim Einstellen der eigenen sexuellen Beziehung
Willensschwäche - Autonomie
Essstörungen – Adipositas Beziehungsmuster
Vermeiden adäquater Frustrationen
Vermeidung von Konflikten
Lösung von Delegationskonflikten - Dicker Vater – dünne Mutter
Unklare Generationsgrenzen – Übergewicht des Kindes verbindet
Zentrierung auf die eigene Person – Autonomie - „ich nasche
also bin ich“ 
Schizophrenie und schizoaffektive Psychosen
„Psychose“ ist ein Sammelbegriff für Zustände besonders stark veränderten
Erlebens und Verhaltens, die einem Außenstehenden nicht oder nur begrenzt
nachvollziehbar erscheinen (vergl. Lehrbuch der syst.Therapie und Ber.S 43 ff)
Es liegt eine tiefgreifende Irritation von Denken und Wahrnehmung sowie ein
situationsunangemessen oder verflacht wirkenden Affektausdruck vor.
Es werden positive (produktive) und negative (Rückzug) Symptome
unterschieden.
Von Schizophrenie spricht man wenn u.a. folgende Merkmale vorhanden
sind.
Anhaltende Halluzinationen, Wortneubildungen und Störungen des
Gedankenflusses, Erstarrung, Sprachverweigerung, Apathie, verflachter
Affekt (soferne nicht medikamentenbedingt).
Schizophrenie und schizoaffektive Psychosen
ICD 10 Klassifikationsmanual
Schizophrenie und schizoaffektive Psychosen Kommunikationsmuster
Die Kommunikationsform wird von anderen Menschen nicht als
sinnvoll erachtet und kann nicht „entschlüsselt“ werden
Sie gedeiht in „weicher Wirklichkeitskonstruktion“ – Vieles bleibt
schwammig
Beispiel: „ich liebe dich – aber komm mir nicht zu nah“ macht
Unterschiede und Gegensätze zwischen Bedeutungsinhalten
schwer erleb- und erkennbar, es wird einem eingeredet „wie er /sie
eigentlich sei“ – Bateson et al beschrieben dies 1956 als
„Double-Bind“.
Konflikte werden eher verdeckt, Widersprüchliches erfolgt synchron
Unklare, konfuse Wirklichkeitskonstruktionen, gegensätzliche Positionen
Schizophrenie und schizoaffektive Psychosen
„Entstörungen“
Entpathologisierung durch Hervorheben des zwischenmenschliches Aspektes
Worte und Verhalten in Zusammenhang bringen mit der sozialen Umwelt
Sprechen mit den PatientInnen und nicht über diese
Entkopplung von (un) Verständlichkeit und (mangelnder) Absicht „wie kann ich
Ihre Absicht und Ihr Verhalten verstehen“? „Ich denke das macht ihm Moment
Sinn für Sie“? „Was denken Sie könnte dahinter stecken, dass Frau B. gerade
jetzt“?
Metakommunikation
Schizophrenie und schizoaffektive Psychosen
„Entstörungen“
PatientInnen entscheiden sich so zu handeln, wenn sie dies in diesem sozialen
Kontext als sinnvoll erachten – Ausnahmen erfragen
Bei langjährigen Erkrankungen ist „Langsamkeit“ geboten, infragestellen kann
ängstigen
Hilfreiche Fragen:
„Was müsste A tun um nicht mehr als paranoid bezeichnet zu werden?“
„Was tut er wann und wie und wie wird darauf reagiert?“
„Wenn die Mutter von Herrn A diesen beruhigen will, wie zeigt er sich dann?
ruhig oder noch unruhiger?“ Was tut die Mutter wenn sich A psychotisch verhält,
der Vater, ...
„Was müsste A tun, dass man denkt, es beginnt eine neue Krise, ein Rückfall“?
„Was müssten Sie alle tun, damit das Problem wieder auftritt“?
Schizophrenie und schizoaffektive Psychosen
„Entstörungen“
Eine Empfehlung kann sein, vorerst die Situation anzuerkennen, das Klären und
Lösen zu – VERSCHIEBEN
Es können Symptome VERSCHRIEBEN werden – neue Konflikte entstehen
Verschreibung von Ritualen in symbolisch bedeutsamer Reihenfolge
„Äussern Sie sich an geraden Tagen noch unklarer“
Splitting der TherapeutInnen – jeder vertritt eine Seite des Konfliktes ohne sich
am Ende zu einigen
Klare Markierung von Unterschieden
Was würde geschehen, wenn sich die Psychose verabschiedet? (Rente?)
Depression
Depression ist eine Störung der Affektivität – der Gestimmtheit des Menschen
Sie gilt als die häufigste psychische Störung weltweit
Als depressiv bezeichnete Menschen wollen tun was andere Personen von
Ihnen erwarten, es gibt sehr oft eine innere düstere Seite und eine schöne Seite
Und Spannungen zwischen diesen inneren Teilen. Das Schöne scheint aber
Immer zu verlieren. Es erfolgt eine Selbstabwertung – ein Teufelskreislauf,
Hoffnungslosigkeit – ein Teufelskreislauf “Kopf hoch” führt meist zu noch mehr
Rückzug
Konfliktfreiheit und Zusammenhalt sind oftmals oberste Werte
Depression
Depression
Anhedonie – Unfähigkeit Freude oder Lust zu empfinden
Depression
Den Familienmitgliedern helfen mit der Depression umzugehen, ihnen,
aber besonders Kindern, helfen, die Affekte auszudrücken, die sie im
Umgang mit dem als depressiv bezeichneten Menschen haben.
Depressives Verhalten kann systemerhaltend sein – Hypothesenbildung
Welches System soll erhalten werden ?
Depression – „Entstörung“
Statt des Erfragens der Krankengeschichte, scheint die Erfragung und die
Beschreibung des Kontextes in welchem das depressive Verhalten
Gezeigt wird, hilfreich. Welche guten Gründe gibt es für „die Depession“?
(sich eine Ruhepause gönnen, Verantwortung an andere abgeben, andere
Zu HelferInnen erklären und sie aufwerten, Aufmunterung und Trost bekommen.
Wertschätzende Grundhaltung (nicht übereilt die D. wegnehmen zu wollen)
Mitschwingen – den Sumpf ein wenig aushalten
Reframing der D. als „Rückzug“
Externalisierung der D. (siehe Schweitzer/Schlippe 80 ff)
Verschlimmerungs- statt Lösungsfragen
Arbeit mit inneren Teilen – innere Familienkonferenz
Sprechchorübung
Rückfallpropylaxe
Depression – „Entstörung“
Angst und Panik
Angst und Panik
Angststörungen treten häufig in Kombination mit z.B. Depressionen auf –
ähnlich dem Burn-Out-Syndrom – aber
auch mit Substanzmissbrauch oder bipolarer Störung
Ängste in der Familie, nicht erlebter Zusammenhalt, können diese
Unsicherheiten hervorrufen
Unterdrückte Wut kann in der eskalierenden Dynamik zur
PANIKATTACKE führen und wird durch diese GESTOPPT
Die Äußerung „ich habe Angst“ kann paardynamisch einerseits zur
Herstellung von Nähe andererseits zu mehr Distanz führen – „sie hat
Angst vorm Fliegen, ich fliege alleine nach Dubai“
Die Zukunft ängstigt – „es wird alles ganz furchtbar“
Angst und Panik - Entstörung
Womit würde sich die PatientIn beschäftigen, wenn die Angst nicht
da wäre – wieviel Prozent in ihrem Kopf nimmt diese ein, welche
anderen Gefühle sind da noch?
PatientInnen brauchen ein hilfreiches Erklärungsmodell
Sie brauchen Unterstützung bei der Erarbeitung von Lösungen und
sehr oft eine klare Struktur im therapeutischen Setting
Angst und Panik Entstörung
Ausgewogenheit von Anspannung und Entspannung
(Übungen dazu)
Konflikte und Kommunikation
Aktuelle und zurückliegende lebensgeschichtliche Veränderungen
Verflüssigen von Situationen – was jetzt, was dann und dann, was
werden Sie dann tun, was als nächstes…?
In die Problemerzählung hineingehen und wieder hinausgehen …
Schritt für Schritt wird die Katastrophe durchgespielt und „entängstigt“
siehe an den „Angstartikel“ von Koch beigefügtes Expert aus dem Buch von Thoma – SFU ONLINE PDF
Angst und Panik - Entstörung
Angst – Kontextualisieren - Externalisieren
Veränderungsfragen und –hypothesen - Verschlimmerungsfragen
Erklärungsmodelle
Reframing (Übung)
„Welche Bereiche ihres Lebens werden durch die Angst beeinflusst
-
welche nicht?
-
warum nicht?
-
was würde sich ändern, wenn sie nur tun als ob?
-
Humor (Stop It!)
Zwänge – Rituale und Kontrollkämpfe
Zwangs“störungen“ werden von PatientInnen selbst als
störend und unsinnig erlebt – ich-dystom
Zwangshandlungen können offen oder verdeckt sein
Der Leidensdruck ist sehr hoch
ICD 10
F 42
ZG mit oder ohne Rituale
ZG bzw. Grübelzwang
Zwänge – Rituale und Kontrollkämpfe
Beziehungsmuster
Schutz vor negativer Befindlichkeit
Eine Zwangsstörung führt zwangsläufig auch zu einer
Kommunikationsstörung – Kommunikationsstörungen können
können aber auch Zwänge verursachen oder aufrechterhalten
Die Zwänge werden zur Verstörung für das System
Waschzwang, Mahlzeitrituale, obsessives Sammeln, alles
geregelt
alles sauber, alles gerecht...
Zwänge – Entstörung
Patient kann nicht von der Sinnlosigkeit seines Handels
überzeugt werden – TherapeutInnen sollten dies nicht versuchen
Bis zur nächsten Sitzung die Rituale weiter ausführen bzw. ein
Ritual um genau xy mal verstärken (Nardone 1997, Koch 1999)
Die Strategie besteht darin, das Zsymptom gegen sich selbst
einzusetzen
Musterunterbrechung nach einer Phase der Kooperation und der
Zusammenarbeit mit der PatientIn die nun mehr Sinn darin sieht
Wenn Gefühle und Bindungsstile schnell
wechsel – Borderline-Syndrom
Manche KlientInnen kennen diese Diagnose selbst nicht, andere
tragen sich auffällig mit sich „ich bin ein Borderliner“
Es handelt sich auch um eine „sanfte Abwertung“
(Lieb 1998)
unter dem Mantel des Verstehens und der Diagnostik
Wer nennt den/die KlientIn BL, was sagt dies über die Beziehung
über die Beziehungsgestaltung?
Diagnose BL ist stets auch eine Gratwanderung
Borderline-Syndrom - Beziehungsmuster
Oftmals erleben BLPatInnen eine Entfremdung von ihrer Familie
Verlust früherer Bezugspersonen, Feindseligkeit und Konflikte
in der Familie, Substanzmissbrauch, chaotisch-impulsive
Familien, unberechenbares Verhalten
Extreme Übernähe, Beziehungsabbruch, Vernachlässigung,
Mangelversorgung, Instabilität
Borderline-Syndrom – Entstörung
Nähe-Distanz Regulierung – das Sowohl als Auch ansprechen
Konstantes Handeln – Ambivalenzen ansprechen und
versuchen
hintereinander zu handeln
Entgegengesetzte Bedürfnisse formulieren und leben können
Fokussierung auf das Hier und Jetzt – „was passiert wenn Sie
sich einsam fühlen? – Verhaltensalternativen entwickeln
Entstörung
Die TherapeutIn muss achten, sich selbst nicht zu verstricken
Ansprechen des Verhaltens im therapeutischen Gespräch
Kontextualisierung des Verhaltens
positive Konnotation und Humor
Wertschätzen der Vielseitigkeit der Gefühle
Psychosomatosen – Schmerz als
Beziehunginformation
Somatisierung bezeichnet
Beschwerdebilder, deren
Symptombild körperlichen
Erkrankungen ähnlich ist,
aber nicht durch einen
organischen Befund
erklärt werden kann
Psychosomatosen – Beziehungsmuster
„Dem Körper kann in der Erfahrung und Erzeugung von
Wirklichkeit die Rolle der Mitautorenschaft zugeschrieben
werden“ (Eder 2006)
Wie sieht die Konstruktion von Körper und Seele, dieser „Partner
auf Lebenszeit“ (Eder 2006) aus?
Fallweise wird Vernachlässigung und fehlendes Geborgenheitsgefühl beobachet
Familienmitglieder somatisierten selbst oft
Psychosomatosen – Schmerz als
Beziehunginformation
Das Charakteristikum der somatoformen Störungen ist:
„die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome mit
Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz
wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der
Ärzte, dass die Symptome nicht bzw. nicht ausreichend
körperlich begründbar sind“
Psychosomatosen – Beziehungsmuster
Misshandlung und bedrohliche Körpererlebnisse stehen
manchmal in Zusammenhang mit Psychosomatosen
Fallweise haben Familien keine Sprache bzw. wenig Sprache
für emotionale Erfahrungen - „schlechte Gefühle“ werden daher
eher als körperliches Mißempfinden ausgedrückt
Ängste – Lebensängste sind manchmal ein Thema
Psychosomatosen – Entstörung
In der Anfangsphase ist oftmals viel Geduld erforderlich
Achtung! – nicht in den Machtkampf – Krankheit bzw. Psychosomatose verwickeln lassen
Langsam eine Sprache einführen, in der neben Körperempfindungen auch Affekte ihren Platz bekommen
Angst – Depression – senken das Immunsystem und öffnen das
Tor zur intensiveren Schmerzerleben
Welches Erklärungsmodell hat die KlientIn?
Überwindung der Körper-Seele-Spaltung – beide Seite dürfen
sein
Psychosomatosen – Entstörung
Akzeptieren der erlebten Realität
Die körperlichen Beschwerden nicht außer acht lassen
medizinisch akzentuiertes Genogramm – wie wird über Krankheit
geredet?
Zusammenarbeit mit Medizinern
Förderung der Neugier nach Zusammenhängen – Ausnahmen?
Behutsamkeit, wenig Umdeutung und Emotionalität
Unsicherheiten mit den KlientInnen – Diagnosebereich - ertragen
Neutralität
Neutralität des Therapeuten ist eine spezifische pragmatische Wirkung, die seine Haltung auf die
Familie ausübt .
So lange der Therapeut mit einem Familienmitglied spricht, erscheint er mit diesem Familienmitglied
verbündet zu sein. Sobald er sich einem anderen Familienmitglied zuwendet hört das Bündnis mit
dem
ersten Familienmitglied auf und es entsteht ein neues Bündnis mit dem anderen Familienmitglied,
dann mit dem nächsten, usw.
Im Ergebnis ist der Therapeut gleichzeitig mit jedem und keinem Familienmitglied verbündet
Die Therapeutin nimmt an dem fortlaufenden „Tanz“ mit den KlientInnen oder der Familie teil und
bewahrt dabei sorgfältig die Balance zwischen den Bedürfnissen der verschiedenen
Familienmitglieder
Cecchin (1988) beschreibt Neutralität als Haltung von Neugier bzw. „einen Rahmen von Neugier
konstruieren“:
• Neugier führt zur Erschaffung alternativer Sichtweisen
• Beschreibungen der Familienmitglieder sollen innerhalb eines Rahmens von Neugier und nicht
innerhalb eines Rahmens von richtigen oder falschen Erklärungen erfolgen
• Neugier erzeugt den Kontext für die Bildung einer Vielfalt von Hypothesen
Cecchin weiter: Neutralität heisst nicht, keine eigene Meinung zu haben, sondern lediglich, diese nicht
in einer doktrinären Form einzubringen wie: „So sollten Sie sein und so nicht“. Welche Haltung der
Therapeutin steht dahinter und wie wird diese reflektiert?( Anm.des Vortragenden)Neutralität heisst auch
nicht:
kühle Distanziertheit (Cecchin 1988)
Zielneutralität
Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Sie befahren in einem kleinen Schiff die 7 Weltmeere und
wissen aber nicht, welchen Hafen Sie ansteuern wollen. Dies kann unter Umständen dazu
führen, dass Sie ungewollt auf einer reizenden Insel landen. Die Gefahr ist allerdings weitaus
grösser, dass Sie irgendwo landen, wo Sie gar nicht hinwollten.
Es macht also gro.en Sinn den Hafen zu benennen, den Sie erreichen wollen (Ziele) .
Therapeutische Ziele ermöglichen es auch die bereits zurückgelegte Fahrt zu evaluieren, das
heisst nach einiger Zeit der Zusammenarbeit noch einmal darauf zu schauen ob Ihr
ursprünglich angestrebte Ziel immer noch passt und wenn ja, was Ihnen noch fehlt um
endgültig dort anlegen zu können.
Auf unserer gemeinsamen Fahrt über die therapeutischen Meere sitzen Sie als Kapitän am
Ruder und bestimmen Richtung und Tempo der Fahrt, das heisst Sie legen Ihre Ziele selber
fest. Als TherapeutIn sitze ich lediglich im Aussichtsturm und mache Sie auf mögliche
Hindernisse aufmerksam. Ich gebe weder Ziele vor, noch bewerte ich Ihre Ziele.
Konstruktneutralität
Sie kennen sicherlich den berechtigten Streit ob das Glas nun halbvoll oder doch eher
halb leer ist. Solange wir uns auf eine entweder-oder-Haltung (richtig oder falsch)
beschränken, werden wir diesen Konflikte nie lösen können. Hilfreich ist hierbei lediglich
eine sowohl-als-auch-Haltung, das heisst beide Aufassungen sind auf ihre Weise
zutreffend.
Jede Beschreibung sagt mehr aus über den, der die Beschreibung macht, als über den
Gegenstand oder die Situation, die beschrieben wird. Jeder Mensch konstruiert seine
eigene Wirklichkeit, und deshalb gibt es so viele unterschiedliche Wirklichkeiten wie es
Menschen gibt. Wir gehen dabei allerdings davon aus, dass die anderen unsere
Konstruktionen auch teilen und verstehen. Ist letzteres allerdings nicht der Fall, so führt
dies oft zu zwischenmenschlichen Problemen.
Als TherapeutIn bewerte ich nicht Ihre Wirklichkeitskonstruktionen, sondern ich nehme
diese aus einer neutralen Haltung heraus an. Ich versuche lediglich zwischen den
verschiedenen Wahrheiten und Sichtweisen der Klienten zu vermitteln.
Lösungsneutralität •
Offenheit für die Lösungen der KlientInnen bzw. deren Lösungsversuchen.
•
Unterstützung bei der Kreation eigener Lösungen, mögen sie der TherapeutIn noch so
abwegig erscheinen.
•
Unterstützung der KlientInnen zu prüfen, ob die Lösungen passen (was sie im System
auslösen, wie anhaltend sie
•
sein können, ob sie jetzt schon umgesetzt werden sollten...)
•
Nützung der Ressourcen der KlientInnen.
•
Die TherapeutIn ist die Expertin für die Unterstützung bei der Suche und für die
Prüfung der Passung.
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