Das Glück ist eine ernste Sache

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1 das glück ist eine ernste sache
Mittwoch, 14. August 2013, 20.15 Uhr, Das Erste
Das Glück ist eine
ernste Sache
2 das glück ist eine ernste sache
Das Glück ist eine
ernste Sache
mit
Eva Löbau
Christine Schorn
Devid Striesow
Friedrich von Thun
u. a.
Buch
Regie Lothar Kurzawa
Hermine Huntgeburth
Sendetermin
Mittwoch, 14. August 2013,
20.15 Uhr, Das Erste
3 das glück ist eine ernste sache
Inhalt
Die Vermessungstechnikerin Olivia Hofmann ist nicht gerade das, was man eine
selbstbewusste Frau nennt. Seit Jahren kämpft sie gegen ihren ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex. Die Wurzel des Übels ist ihre egozentrische Mutter Kora: Olivia
blieb bei ihr zurück, nachdem Koras Mann davongelaufen war. Für Kora war Olivia
immer nur ein Störfaktor.
Doch das ist lange her. Seit zwei Jahren liegt Kora im Wachkoma, gepflegt von ihrem
aktuellen Gatten Hanswerner. Da geschieht das Unglaubliche: Hanswerner stirbt, die
verhasste Mutter erlangt ihr Bewusstsein zurück und fordert wie selbstverständlich
Olivias Unterstützung bei ihrem Wiedereintritt ins Leben. Olivia ist sich keinesfalls
sicher, ob sie dem unerwarteten mütterlichen Anspruch folge leisten will, andererseits
keimt in ihr die verzweifelte Hoffnung auf, eine Trennung auf Zeit könne ihren Mann
Klaus zu neuen Liebesbezeugungen bewegen. Zu allem Überfluss stellt ihre Mutter ihr
eine Zufallsbekanntschaft aus der Reha-Klinik als ihren neuen Geliebten vor. Rudi
­versucht Mutter und Tochter zu versöhnen, aber Olivia gewinnt bald die Überzeugung,
dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt …
4 das glück ist eine ernste sache
Stab
Buch Regie Kamera Schnitt
Kostüm
Maske
Szenenbild Musik Casting Ton Produktionsleitung Produzenten Redaktion Lothar Kurzawa
Hermine Huntgeburth
Sebastian Edschmid
Eva Schnare
Sabine Böbbis
Marie-Ena Wolf
Amal Boulos
Sabine Pawlik
Biber Gullatz
Andreas Schäfer
Ingeborg Molitoris
Max Meindl
Eckart Lippens
Daniel Buresch, NDR
Volker Einrauch
Lothar Kurzawa
Jeanette Würl
Besetzung
Oliva Hofmann Kora Hofmann Klaus Brandner Rudi Müller Peter (Kasi) Kasinski sowie Eva Löbau
Christine Schorn
Devid Striesow
Friedrich von Thun
Stephan Grossmann
Thomas Kügel, Eva Habermann, Peter Wolf, Peter Franke,
Hartmut Schories, Aleksey Mir Kortlang, Esther
Klostermann, Andy Gätjen, Eva-Maria Schattauer u. v. a.
Drehzeit Drehorte Länge
4. November bis 5.Dezember 2008
Hamburg und Umgebung
90 Minuten
„Das Glück ist eine ernste Sache“ ist eine Produktion der Josefine Filmproduktion im
Auftrag des NDR.
5 das glück ist eine ernste sache
Lothar Kurzawa
Buch
Lothar Kurzawa studierte Philosophie, Kunstgeschichte
und Literaturwissenschaft in Marburg und Paris. 1984
gründeten die Filmschaffenden Lothar Kurzawa und
Volker Einrauch die Firma „Josefine Filmproduktion“;
1990 kam Hermine Huntgeburth dazu. Seit 1985 ist
Lothar Kurzawa als Autor und Produzent tätig.
Filmografie (Auswahl)
Fernsehen
2012 2009 2008
2006 2005 2004 2002 2001 1999 1994 Eine Hand wäscht die andere
(Ko-Autor: Volker Einrauch;
Regie: Hermine Huntgeburth)
Arnes Nachlass (Regie: Thorsten Schmidt)
Die Auflehnung (Regie: Manfred Stelzer)
Das Glück ist eine ernste Sache
(Regie: Hermine Huntgeburth)
Es liegt mir auf der Zunge
(Regie: Kaspar Heidelbach)
Das Feuerschiff (Regie: Florian Gärtner)
Väter, denn sie wissen nicht was sich tut
(Ko-Autor; Regie: Hermine Huntgeburth)
Theo, Agnes, Bibi und die anderen
(Regie: Kaspar Heidelbach)
Der Mann im Strom (Regie: Niki Stein)
Drechslers zweite Chance (Ko-Autor;
Regie: Jobst Oetzmann)
Liebling, bring die Hühner ins Bett (Ko-Autor;
Regie: Matthias Tiefenbacher)
Bargeld lacht (Regie: Hajo Gies)
Nie mehr zweite Liga
(Regie: Kaspar Heidelbach)
Ein falscher Schritt (Ko-Autor;
Regie: Hermine Huntgeburth)
Kino 2009 2007 1998 1996 Berlin 36 (Regie: Kaspar Heidelbach)
Der andere Junge (Regie: Volker Einrauch)
Gangster (Regie: Volker Einrauch)
Die Mutter des Killers (Regie: Volker Einrauch)
6 das glück ist eine ernste sache
Hermine Huntgeburth
Regie
Hermine Huntgeburth wurde in Paderborn geboren
und studierte ab 1977 Film an der Hochschule für
Bildende­Künste in Hamburg. Ein Stipendium des
­Deutschen Akademischen Austauschdienstes ermöglichte ihr 1983 ein Filmstudium in Sydney.
1987 stieß sie mit ihrem Kurzfilm „Ich warte unten“ zum
Team der Produktionsfirma Josefine Film von Volker Einrauch und Lothar Kurzawa. 1991 produzierte Josefine
Film erstmals für den NDR ihren Debütspielfilm „Im
Kreise der Lieben“, der den Bundesfilmpreis gewann. Im
Jahr 2000 erhielt Hermine Huntgeburth den GrimmePreis für ihre Regiearbeit in „Romeo“. „Der Boxer und die
Friseuse“ gewann 2004 den Deutschen Fernsehpreis.
Der Zweiteiler „Teufelsbraten“ wurde 2009 mit dem
Grimme-Preis, mit dem Bayrischen Fernsehpreis und als
bester Fernsehfilm beim VFF TV Movie Award München
ausgezeichnet. 2011 wurde die Verfilmung von Tom
Sawyer unter der Regie von Hermine Huntgeburth mit
dem Gilde-Preis als Bester Kinderfilm geehrt. „Neue
Vahr Süd“ gewann im selben Jahr den Comedypreis als
beste Komödie, den Grimme-Preis in der Kategorie
Fiktion­/Spezial. Außerdem wurde Hermine Huntgeburth für die beste Regie/Fernsehfilm mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.
Filmografie (Auswahl)
Fernsehen
2013 2012 2009 2006 2004 2003 2001 2000 1999 1998 1996 1994 Männertreu (AT)
Eine Hand wäscht die andere
Neue Vahr Süd
Der verlorene Vater
Das Glück ist eine ernste Sache
Väter, denn sie wissen nicht was sich tut
Teufelsbraten, Zweiteiler
Der Boxer und die Friseuse
Eva Blond – Der Zwerg im Schliessfach
Das verflixte 17. Jahr
Romeo
Die Stunde des Wolfes
Der Hahn ist tot
Und alles wegen Mama
Gefährliche Freundin
Ein falscher Schritt
Kino 2011 2010 2008 2005 2002 1997 1991 Huck Finn
Tom Sawyer
Effi Briest
Die weiße Massai
Bibi Blocksberg
Das Trio (Ko-Autorin, Regie)
Im Kreise der Lieben (Autorin, Regie)
7 das glück ist eine ernste sache
„Es gibt immer ein
Für und Wider im Leben“
Gespräch mit Hermine Huntgeburth
Ihr Film zeigt eine Tochter, die fürs Glücklichsein keine
rechte Begabung zu haben scheint, und eine Mutter,
die im Alter noch mal mit beiden Händen nach dem
Glück greift. Was stand für Sie bei der Geschichte im
Vordergrund?
Hier wird auf verschiedenen Ebenen von Figuren
erzählt, die von der Sehnsucht getrieben sind, aus
ihren Verstrickungen auszubrechen, und dabei mehr
oder weniger erfolgreich sind. Außerdem erzählt der
Film davon, dass der Wunsch, die Welt aus den Angeln
zu heben und rundum glücklich zu sein, nicht nur auf
die Jugend beschränkt ist.
Es gibt bereits einige Produktionen, die Sie als Regisseurin zusammen mit Produzent Volker Einrauch und
Autor Lothar Kurzawa für den NDR realisiert haben.
Hatten Sie Einfluss auf die Entwicklung des Drehbuchs?
Ja, das Buch ist ja bei uns in der Firma, bei Josefine
Film, entstanden. Lothar Kurzawa hat es geschrieben, und wir stehen immer in regem Austausch. Wir
machen viel Komödien und Familiengeschichten und
wollten in diesem Fall einerseits von einer schwierigen
Mutter-Tochter-Beziehung und andererseits über die
bipolare Störung erzählen, was ja ebenfalls ein wichtiges Thema des Films ist.
Was würden Sie sagen, wo in der Umsetzung Ihre
Handschrift als Regisseurin zu erkennen ist?
Ich denke, das erkennt man an der selbstironischen,
komödiantischen Note und am trockenen Witz der
Charaktere. Das Ganze ist ja irgendwie auch ein Schauspielerfilm, und das ist durchaus typisch für mich.
Sie haben sich entschieden, diesen Stoff als Tragikomödie anzulegen. Warum?
Auf der einen Seite passt das Genre, der Wechsel von
Schönem und Traurigem, zum Thema der Bipolarität.
Bei dieser Krankheit, die Rudi hat, geht es ja darum,
mit wechselnden Hochs und Tiefs fertigzuwerden; die
Betroffenen und alle, die ihnen nahestehen, müssen
mit dem Wechsel von guten und schlechten Phasen
umzugehen lernen. Gleichzeitig steht dies ja auch
sinnbildlich für das Leben im Allgemeinen. Jeder kennt
gute und schlechte Zeiten. Das ganze Leben ist ein
Auf und Ab, wenn das auch selten so extrem ist wie
bei dieser Krankheit. Und man sollte das Leben immer
mit einer gewissen Ironie und mit einer guten Portion
Humor betrachten.
Kora und Rudi sind ein leidenschaftliches Liebespaar.
Nachdem das Thema Liebe im Alter lange tabu war,
gab es in den vergangenen Jahren mehrere wichtige
Filme dazu, Andreas Dresens „Wolke 9“ etwa oder
Michael Hanekes „Liebe“. Kann man sagen, dass sich
die Gesellschaft allmählich für dieses Thema öffnet?
Ja, schon allein, weil die Gesellschaft immer mehr älter
wird. Das ganze Thema Alter wird in Zukunft eine sehr
große Rolle spielen. Dadurch wird es viel selbstbe­
wusster nach vorne getragen und man geht mit all
diesen Dingen anders um. Auch weil sich der Familienzusammenhalt auflöst, hat man mit dem Älterwerden
ganz anders zu tun als früher. Irgendwann werden wir
alle damit konfrontiert, dass wir schauen müssen, wie
wir mit unseren Eltern umgehen, wenn sie alt werden.
Wie funktioniert dann ein respektvoller Umgang?
Christine Schorn beklagte bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises auf charmante Art, dass alte Leute
im Film immer nur sterben und krank sein dürfen. Hier
haben wir mit Kora ja mal eine andere, nämlich recht
ambivalente Figur …
Kora ist eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt,
die gerade heraus ist, aber die natürlich auch Fehler
macht; insofern ist sie durchaus eine zwiespältige
Figur. Wir erzählen hier ja auch von einem schwierigen
8 das glück ist eine ernste sache
Mutter-Tochter-Verhältnis und davon, dass es im Alter
durchaus möglich ist, noch einen Lernprozess durchzumachen. Insofern ist der Film auch ein Appell an ältere
Leute, sich weiter mit den Dingen des Lebens und mit
den Menschen, die ihnen wichtig sind, auseinanderzusetzen. Das sollte man nie aufhören, nur weil man
alt ist. Und es ist auch falsch, wenn Leute meinen, ihre
Eltern schonen zu müssen.
Nun zu Rudi. Während er zunächst den fröhlichen
Springinsfeld gibt, bricht er irgendwann plötzlich
zusammen und man erfährt von seiner Krankheit. Die
bipolare Störung ist eine der schwersten und häufigsten psychischen Erkrankungen. Wie sind Sie mit dem
Thema umgegangen?
Wir haben uns von der Gesellschaft für bipolare Störungen in Hamburg beraten lassen, und ich habe
mich auch mit jemandem getroffen, der von dieser
Krankheit betroffen ist. Wir haben uns da sehr genau
erkundigt, und das ist sowohl in meine Vorbereitung
als auch ins Drehbuch eingeflossen.
Rudi schläft kaum und organisiert ein Konzert-Projekt,
über das niemand so recht den Überblick zu haben
scheint. Sind all dies typische Anzeichen?
Ja, diese Menschen haben eine wahnsinnige Energie
und machen ständig Pläne. Aber irgendwann ist es
soweit, dass die Situation kippt. Es kann ein Auslöser
dahinterstehen, wie hier der Tod des geliebten Hundes,
es kann aber auch sein, dass es einfach irgendwann zu
viel wird und der Körper streikt.
Was ist es, das Kora und Rudi miteinander verbindet?
Kora hat etwas Extravagantes und Exaltiertes, das
gehört zu ihrem Wesen. Die Einrichtung des Hauses,
das ihr verstorbener Ex-Mann ihr hinterlassen hat,
ist ein Ausdruck ihres mondänen, selbstbezogenen
­Charakters. Ich denke, Kora und Rudi haben eine Ent-
sprechung, was ihre Vorstellung vom Leben angeht.
Und zu Koras exaltiertem Wesen passt es eben auch,
dass sie jemanden wie Rudi um sich erträgt, der ständig unter Strom steht.
Kora betrachtet Rudi mit liebenden, nachsichtigen
Augen. Ihre Tochter Olivia dagegen reagiert deutlich
misstrauischer. Was ist der beste Umgang mit solchen
Kranken?
In welcher Phase sich der Kranke befindet, kann letztlich wohl nur eine nahestehende Person beurteilen.
Wenn sie gut eingestellt sind, sind sie ja eigentlich
auf einem guten Level. Wenn man die Menschen nicht
kennt, ist ihr Verhalten aber schwer einzuschätzen. Das
ist schon verwirrend. Aber die Krankheit kann auch
positiv wirken, weil diese Menschen so energetisch
sind und einen mitreißen können. Die Betroffenen
selbst lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen und zu
erkennen, wann es wieder soweit ist, dass sie in die
Depression abdriften. Sie gehen dann meist selbst in
die Klinik, um sich behandeln zu lassen.
Das Glück ist also eine ernste Sache?
Ja, das stimmt. Man muss es ernst nehmen, das Glück.
Es gibt immer ein Für und Wider im Leben, und das
Glück ist ein großes Geschenk, aber manchmal muss
man es sich auch erarbeiten.
9 das glück ist eine ernste sache
Eva Löbau
ist Olivia Hofmann
Die Schauspielerin Eva Löbau, Jahrgang 1972, absolvierte
eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar
in Wien. Nach ihrem Diplom und einem ersten Engagement am Stadttheater hatte sie 1999 ihr Leinwand­
debüt in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ian
Dilthey in dem Kurzfilm „Sommer auf Horlachen“, der
erfolgreich auf den Hofer Filmtagen lief. Noch im selben
Jahr drehten sie „Ich werde dich auf Händen tragen“. Für
die Hauptrolle der jungen, alleinerziehenden Mutter
Ramona­wurde sie auf dem Festival Internacional de
Cine de Gijón als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Ihre Schauspielkarriere setzte sie in Maren Ades Film
„Der Wald vor lauter Bäumen“ (2003) fort. Für ihre Rolle
einer jungen Lehrerin, die vergeblich Anschluss an das
neue Lehrerkollegium sucht, bekam sie in Buenos Aires
den Filmpreis und den New Port Preis als beste Schauspielerin. Neben der Zusammenarbeit mit Regisseur Iain
Dilthey bei drei weiteren Produktionen folgten u. a. Filme mit Hartmut Griesmayr, Hans-Christian Schmid,
Detlev Buck, Franziska Buch, Max Färberböck, Sonja
Heiss, Pia Marais und Jaume Collet-Serra.
Eva Löbau arbeitet auch weiterhin auf der Bühne, u. a.
mit Nicolas Stemann, Sebastian Nübling, Ricarda Beilharz, Angela Richter und Patrick Wengenroth. Seit 2000
gehört sie zur Münchener Performance-Gruppe „Die
bairishe Geisha“, die u. a. an der Performance „Have You
Ever Heard Of Wilhelm Reich?“ von Andreas Ammer und
Console mitwirkte. Letzter Kinofilm war „Rückkehr von
den Sternen“ unter der Regie von Franz Müller.
Filmografie (Auswahl)
Fernsehen
2011–12 2009 2007 2005 Lerchenberg (Regie: Felix Binder)
Das Glück ist eine ernste Sache
(Regie: Hermine Huntgeburth)
Tatort: Erntedank
(Regie: Angelina Maccarone)
Tatort: Wem Ehre gebührt
(Regie: Angelina Maccarone)
Margarete Steiff
(Regie: Xaver Schwarzenberger)
Kino
2012 Rückkehr von den Sternen
(Regie: Franz Müller)
2010 Unknown White Male
(Regie: Jaume Collet-Serrá)
2008 Inglourious Basterds
(Regie: Quentin Tarantino)
Lila Lila (Regie: Alain Gsponer)
2007 Anonyma (Regie: Max Färberböck)
2006 Reine Geschmackssache (Regie: Ingo Rasper)
2005 Gefangene (Regie: Iain Dilthey)
Knallhart (Regie: Detlev Buck)
Vier Töchter (Regie: Rainer Kaufmann)
Requiem (Regie: Hans-Christian Schmid)
2003 Der Wald vor lauter Bäumen
(Regie: Maren Ade)
2000 Ich werde dich auf Händen tragen
(Regie: Iain Dilthey)
10 das glück ist eine ernste sache
Christine Schorn
ist Kora Hofmann
Christine Schorn, Jahrgang 1944, wurde an der Staatlichen Schauspielschule Berlin ausgebildet. Seit 1964 –
und somit seit knapp 50 Jahren – ist sie festes Mitglied
des Ensembles am Deutschen Theater, wobei sie lediglich in den Jahren 1973 bis 1980 eine Pause einlegte, um
ihre Tochter groß zu ziehen.
Nicht minder erfolgreich ist ihre Kino- und TV-Karriere.
So wurde die Serie „Wir sind auch nur ein Volk“ (1994), in
der Christine Schorn neben Manfred Krug die Haupt­
rolle spielte, für den Fernsehpreis nominiert. Außerdem
wurde die Schauspielerin mit dem Kritikerpreis für die
beste darstellerische Leistung in Kino und Fernsehen
geehrt, gefolgt vom Schauspielerpreis für „Die Beun­
ruhigung“ (1981). Für die weibliche Hauptrolle in „Eine
sonderbare Liebe“ wurde Christine Schorn ebenfalls
ausgezeichnet. Beim 10. Shanghai International Film
Festival gewann sie für ihre Hauptrolle in „Frei nach
Plan“ (2007) den Preis als beste Hauptdarstellerin. 2008
ging der Deutsche Filmpreis – ebenfalls für diese Rolle –
an die populäre Schauspielerin. In diesem Jahr wurde
Christine Schorn auch für ihre Rolle der krebskranken
Mutter in André Erkaus Tragikomödie „Das Leben ist
nichts für Feiglinge“ mit dem Deutschen Filmpreis
geehrt.
Darüber hinaus spielte sie in den 2000er-Jahren in den
erfolgreichen Kinofilmen „Halbe Treppe“, „Good Bye,
Lenin!“, „Männerherzen … und die ganz, ganz große
Liebe“­sowie in „Jesus Loves Me“ unter der Regie von
Florian David Fitz.
Filmografie (Auswahl)
Fernsehen
2012–13 Einmal Leben bitte!
(Regie: Franziska Meletzky)
2011 Der Tatortreiniger (Regie: Arne Feldhusen)
Harry nervt (Regie: Bruno Grass)
2010 Polizeiruf 110: …raus bist du!
(Regie: Christian von Castelberg)
Die Stunde des Wolfes
(Regie: Matthias Glasner)
2009 Giulias Verschwinden
(Regie: Christoph Schaub)
Das Glück ist eine ernste Sache
(Regie: Hermine Huntgeburth)
2008
Tatort: Das Gespenst (Regie: Dror Zahavi)
Hoffnung für Kummerow (Regie: Jan Ruzicka)
2007 Polizeiruf 110: Farbwechsel
(Regie: Hans-Erich Viet)
2002–05 Pommery und Putenbrust/Hochzeitstorte/
Leichenschmaus (Regie: Manfred Stelzer)
1994 Wir sind auch nur ein Volk, Serie
(Regie: Werner Masten)
Kino
2011 Das Leben ist nichts für Feiglinge
(Regie: André Erkau)
Jesus Loves Me (Regie: Florian David Fitz)
2010 Männerherzen … und die ganz, ganz
große Liebe (Regie: Simon Verhoeven)
2008 Novemberkind (Regie: Christian Schwochow)
2006 Nichts als Gespenster
(Regie: Martin Gypkens)
2002 Good Bye, Lenin! (Regie: Wolfgang Becker)
2001 Halbe Treppe (Regie: Andreas Dresen)
1990 Der Superstau (Regie: Manfred Stelzer)
11 das glück ist eine ernste sache
Friedrich von Thun
ist Rudi Müller
Friedrich von Thun wurde 1942 in Mähren geboren, zog
nach dem Abitur nach München und studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Nebenher nahm er
privaten Schauspielunterricht. Seine erste Filmrolle
erhielt er 1964 von Helmut Käutner in den bekannten
„Lausbubengeschichten“ nach Ludwig Thoma. Mit der
Serie „Das Erbe der Guldenburgs“ (1988) startete er seine legendäre Fernsehkarriere, und mit seiner Rolle als
sympathischer Arzt in der Serie „Dr. Schwarz und Dr.
Martin“ (1993-95) wurde er zum Publikumsliebling.
Filmografie (Auswahl)
Fernsehen
2013 2012 2011 2010 2009 Just Married - Hochzeiten II
(Regie: Nikolai Müllerschön)
Das Beste kommt erst III
(Regie: Rainer Kaufmann)
Ein weites Herz – Schicksalsjahre einer
deutschen Familie (Regie: Thomas Berger)
In den besten Familien
(Regie: Rainer Kaufmann)
Wie ein Licht in der Nacht
(Regie: Florian Baxmeyer)
Die Himmelstürmer
(Regie: Thomas Kronthaler)
Das Glück ist ein Kaktus
(Regie: Stephan Meyer)
Die Abstauber (Regie: Wolfgang Murnberger)
Aghet (Regie: Eric Friedler)
Edith und Hermine (Regie: Stephan Meyer)
Ein starkes Team – Das große Fressen
(Regie: René Heisig)
Das Glück ist eine ernste Sache
(Regie: Hermine Huntgeburth)
Kino
2013 2011 2002 1993 1992 1985 HARMS (Regie: Nikolai Müllerschön)
Ein mörderisches Geschäft
(Regie: Martin Eigler)
Der Stellvertreter
(Regie: Constantin Costa-Gavras)
Schindler’s Liste (Regie: Steven Spielberg)
Lucona Affair (Regie: Jack Gold)
Ginger und Fred (Regie: Frederico Fellini)
12 das glück ist eine ernste sache
„Rudi lebt in einer Fantasiewelt“
Gespräch mit Friedrich von Thun
Sie spielen Rudi, einen sehr dynamischen älteren
Herrn, der eine neue Beziehung mit der Witwe Kora
eingeht. Die beiden strahlen eine geradezu beneidenswerte Unbeschwertheit und Verliebtheit aus …
Rudis Verhalten ist zu einem guten Teil seiner Krankheit, der so genannten bipolaren Störung, geschuldet,
die sich erst in großem Optimismus, großer Freude und
Exaltiertheit ausdrückt und dann in tiefster Depression.
Kora ist zwar nicht von dieser Krankheit betroffen, aber
sie ist gerade erst aus einem langen Koma erwacht und
will jetzt nur noch das Leben genießen. Also haben die
beiden einen Mordsspaß miteinander.
Würden Sie sagen, dass es einen im Alter in Liebesdingen noch mal genauso schwer erwischen kann wie in
früheren Zeiten?
Ja, ich nehme an, es kann einen in jedem Alter erwischen. Das halte ich für durchaus möglich. Man muss
jedenfalls nicht bipolar sein, um sich zu verlieben.
(lacht)
Zwischen Rudi und Kora spielt die Erotik noch eine
große Rolle. Die Umwelt reagiert eher mit Befremden
darauf, und tatsächlich wird um das Thema Liebe im
Alter ja meist ein Bogen gemacht. War die Rolle unter
diesem Aspekt ungewöhnlich für Sie?
Ja, diese Rolle war für mich natürlich ungewöhnlich
und sehr reizvoll. Und mit meiner Partnerin Christine
Schorn und mit Hermine Huntgeburth als Regisseurin war es eine große Lust und Freude, sich in so eine
fremde Welt und eine fremde Krankheit zu stürzen. Es
ist die große Sehnsucht jedes Schauspielers, dass man
nicht immer das Gleiche spielt. Man versucht immer,
sein Spektrum zu erweitern oder zumindest nicht kleiner werden zu lassen, und der Rudi ist mir da sehr entgegengekommen.
Aufgrund der bipolaren Störung sehen wir ja im Grunde zwei sehr unterschiedliche Rudis. Hatten Sie das
Gefühl, zwei Rollen vorbereiten zu müssen?
Nein, gar nicht. Der Bogen ist ja in die Haltung der
Figur eingeschrieben. Das heißt, ich muss nicht erst das
Glücklich-Sein üben und dann das Apathisch-Sein, sondern das ist ein Weg, den die Figur durchmacht, und
der ist es ja auch, der diese Figur für mich so interessant macht.
Rudi plant ein Open-Air-Konzert. Seine Begeisterung
dafür ist ansteckend, aber die Sache selbst erscheint
unrealistisch. Glaubt Rudi selbst an die Verwirklichung
seiner Pläne?
Ja, ich denke, er glaubt ganz fest daran. Das ist seine
Welt. Rudi lebt in einer Fantasiewelt und stellt sich
das alles wunderbar vor. Das Ganze ist keineswegs ein
Betrug, er belügt und betrügt niemanden. Er plant ja
auch seine kranken Freunde ein, und dann besucht er
sie und sagt: Ich mache das auch für euch, das Ganze
wird euch wieder jung und gesund machen. Das ist der
gute Mensch in ihm. Er glaubt selbst fest an sein Projekt; aber leider ist es überhaupt nicht realistisch, sondern nur eine Ausgeburt seiner Fantasie. Koras Tochter
findet ja irgendwann heraus, dass das dafür vorgesehene Gelände ein Naturschutzgebiet ist.
Der Stimmungswechsel in Rudi vollzieht sich erstaunlich schnell. Plötzlich ist es, als hätte jemand einen
Schalter umgelegt. Selbst die resolute Kora dringt
nicht mehr zu ihm durch. Vollziehen sich diese Abstürze in die Depression tatsächlich so schnell oder ist das
hier überspitzt?
Ja, das geht wirklich unglaublich schnell. Das kann ich
sagen, weil ich jemanden kenne, der bipolar ist. An
einem Tag ist es noch ein einziges Jubilieren, und am
nächsten Tag sieht die Welt schon vollkommen anders
aus.
13 das glück ist eine ernste sache
Wie haben Sie denn das Zusammenspiel mit Ihrer Kollegin Christine Schorn erlebt?
Das war großartig! Christine Schorn ist eine wunderbare Kollegin und großartige Schauspielerin. Das ganze
Team war sehr gut. Das war eine schöne, runde Sache.
Sie denken mit ihren 71 Jahren offensichtlich nicht
ans Kürzertreten. Wie halten Sie sich fit? Was hält Sie
jung?
Die Arbeit hält mich fit und jung. Ich finde, wenn man
das Glück hat, in diesem Beruf zu arbeiten und zu tun
zu haben, dann hat man immer wieder Impulse und
bekommt immer neue Anstöße. Man ist mit jungen
Leuten zusammen, muss sich in immer neue Themen
und Szenen eindenken und wird ständig herausgefordert. Ich denke, das ist eine wunderbare Methode, den
Kopf frisch zu halten. Solange man Interesse an Dingen
hat und neugierig ist, lebt man.
Gibt es denn noch eine Rolle, auf die Sie warten?
Etwas, das Sie unbedingt gern noch spielen wollen?
Das ist ja nicht so wie am Theater, wo es den King
Lear gibt, sondern beim Fernsehen wünscht man sich
anspruchsvolle Stoffe und eine interessante Zusammenarbeit mit guten Partnern. Das ist eine große,
große Freude und immer eine Herausforderung.
14 das glück ist eine ernste sache
Impressum
Redaktion:
Iris Bents
Fotos: www.ard-foto.de
Interviews: Birgit Schmitz
Gestaltung:nodesign
Pressekontakt
NDR Presse und Information
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Telefon 040 / 41 56 - 23 04
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