1.2.8.1 HIV / AIDS

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Gesundheit in Deutschland, 2006
Krankheitslast
1.2.8.1 HIV/AIDS
Jährlich infizieren sich 2 600 Menschen in Deutschland neu mit HIV (Stand Ende 2005). Ende des Jahres
2005 lebten in Deutschland schätzungsweise 49.000 mit HIV infizierte Personen. Davon sind etwa 40.500 Männer
und 8.500 Frauen. Die Zahl der infizierten Kinder liegt unter 400. Insgesamt haben sich seit Beginn der Epidemie in
Deutschland rund 75.000 Menschen mit HIV angesteckt [105] .
Da durch verbesserte Therapiemöglichkeiten inzwischen weniger Menschen an AIDS erkranken und sterben, hat
sich die Zahl der insgesamt in Deutschland lebenden HIV-Infizierten in den vergangenen Jahren allein deshalb um
etwa 1.000 pro Jahr erhöht.
Zusätzlich steigt seit spätestens 2001 auch wieder die geschätzte Zahl der Neuinfektionen, nachdem diese durch
die 1990er Jahre hindurch relativ stabil bei rund 2.000 Ansteckungsfällen pro Jahr gelegen hatte. Ein Fünftel der
neu diagnostizierten HIV-Infektionen betrifft Frauen.
Zu den weltweiten Hauptübertragungswegen einer HIVInfektion zählen sexuelle Kontakte, der gemeinschaftliche
Gebrauch von Spritzenbestecken im Drogenmilieu sowie die Mutter-Kind-Übertragung bei HIV-infizierten
Schwangeren.
Der Rückgang des Kondomgebrauchs leistet HIV-Infektionen Vorschub. Etwa zwei Drittel der in
Deutschland erfolgten HIVNeuinfektionen wird bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualpartnern
diagnostiziert. 80 Prozent der Betroffenen waren in den Jahren zwischen 2001 und 2005 zum Diagnosezeitpunkt
zwischen 25 und 49 Jahren alt. In dieser Gruppe wird derzeit ein Anstieg der HIV-Diagnosen registriert.
Untersuchungen zum sexuellen Risikoverhalten belegen seit Mitte der 1990er Jahre einen allmählichen Rückgang
des Kondomgebrauchs und eine Zunahme von sexuell riskanten Kontakten. Dies zeigt sich auch an der
zunehmenden Verbreitung anderer sexuell übertragbarer Infektionen wie Syphilis und Gonorrhoe (Tripper), die
ihrerseits beispielsweise durch Schleimhautverletzungen eine HIV-Übertragung erleichtern können.
HIV-Infektionen bei Personen, die aus Ländern mit einer hohen Krankheitsverbreitung (Hochprävalenzregionen)
stammen, machten im Jahr 2005 rund 18 Prozent aller Erstdiagnosen aus. Die meisten dieser Personen dürften
sich bereits in den Heimatländern infiziert haben.
Der Anteil der durch heterosexuelle Kontakte bedingten HIV-Erstdiagnosen lag im Jahr 2005 bei etwa 17
Prozent. Unter Heterosexuellen hatte die HIV-Epidemie gegenüber den anderen Risikogruppen mit deutlicher
Verzögerung begonnen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Anteil der über heterosexuelle Kontakte infizierten
Personen unter den HIV-Erstdiagnosen jedoch nicht mehr wesentlich verändert. Es sind etwa gleich viele Männer
wie Frauen betroffen. Der Anteil über heterosexuelle Kontakte erworbener Infektionen ist bei Frauen aber deutlich
höher als bei Männern, bei denen gleichgeschlechtliche Sexualkontakte den häufigsten Übertragungsweg
darstellen.
Der gemeinsame Gebrauch von unsterilen Spritzen unter Drogenabhängigen verursachte rund sieben Prozent der
Neuinfektionen im Jahr 2005. Die Zahl ist seit Anfang der 1990er Jahre rückläufig, hat sich in den letzten Jahren
aber bei sieben bis acht Prozent stabilisiert. Zunehmende Bedeutung gewinnen dabei HIV-Infektionen bei in
Deutschland lebenden Drogenabhängigen, die aus anderen Ländern Europas, insbesondere Osteuropa stammen,
wo sich HIV im Drogenmilieu seit Ende der 1990er Jahre dramatisch ausgebreitet hat.
Die Infektion eines Neugeborenen durch Mutter-Kind-Übertragung machte in Deutschland im Jahr 2005 etwa ein
Prozent aller Neuinfektionen aus. In den meisten Fällen hätte die Übertragung durch eine rechtzeitige Diagnose
der HIV-Infektion bei der Schwangeren verhindert werden können.
Durch verbesserte Behandlungsmöglichkeiten sank die Zahl der AIDS-Neuerkrankungen. In Deutschland
sind seit den 1980er Jahren insgesamt rund 31.500 Menschen an AIDS erkrankt und etwa 26.000 daran
gestorben. Nach dem Jahr 1995 setzte dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten ein rückläufiger Trend bei
den AIDS-Neuerkrankungen ein, der sich zuletzt aber nur noch langsam fortgesetzt hat. Im Jahr 2005 wurde bei
schätzungsweise 850 Personen eine AIDS-Diagnose neu gestellt, ungefähr 750 verstarben an den Folgen der
Erkrankung. Das durchschnittliche Alter zum Zeitpunkt der Diagnose beträgt bei Frauen 38 und bei Männern 42
Jahre.
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stellt sich die Situation in Deutschland insgesamt relativ günstig
dar. Vor allem für osteuropäische Länder werden deutlich höhere Zahlen bei den HIV-Neuinfektionen und AIDSErkrankungen berichtet (siehe Abbildung 1.2.29). Zurückzuführen ist dies zum Teil auf die in Deutschland frühzeitig
begonnenen, umfassenden und andauernden Präventionsmaßnahmen. Gleichwohl ist es in den letzten Jahren zu
einem Wiederanstieg der HIV-Neuinfektionen gekommen. Zusammen mit der Zunahme anderer sexuell
übertragener Erkrankungen deutet dies auf ein inzwischen wieder zunehmendes Risikoverhalten hin.
Gesundheit in Deutschland, 2006
Abbildung 1.2.29
Krankheitslast
Gesundheit in Deutschland, 2006
Krankheitslast
Definition
Das Human Immunodeficiency Virus, kurz HIV, befällt das Immunsystem des menschlichen Körpers und zerstört
dort die so genannten T-Helferzellen (CD4-Zellen). Eine akute HIV-Infektion ist häufig mit vorübergehenden
grippeartigen Symptomen verbunden. Danach folgt in der Regel eine so genannte Latenzphase, in der sich das
Virus im Organismus vermehrt, aber keine oder kaum Beschwerden auftreten.
Von AIDS ( Acquired Immune Deficiency Syndrome ) spricht man erst bei einem fortgeschrittenen Verlust der
Abwehrkräfte. Dann kommt es zu verschiedensten durch die Immunschwäche bedingten Erkrankungen wie
beispielsweise Lungenentzündungen durch Pneumocysten oder Hirnabszesse durch Toxoplasmen. Der Zeitraum
zwischen einer HIV-Infektion und der AIDS-Erkrankung kann durch die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten
heute um viele Jahre verlängert werden.
Literatur
105 Robert Koch-Institut (Hrsg) (2005) Stand und Entwicklungen der HIV-Epidemie in Deutschland. Epid Bull
47
Tabelle mit den Werten aus der Abbildung 1.2.29
Abbildung 1.2.29: Schätzung der HIV-Neuinfektionen und AIDS-Erkrankungen, bereinigt
um Meldeverzug, je 1.000.000 Einwohner nach Region in Europa in den Jahren 1996 bis 2002.
Quelle: HIV/AIDS Surveillance in Europe, End-year report 2002, EuroHIV
Jahr
Westeuropäische Länder
Zentraleuropäische Länder
Osteuropäische Länder
HIV
HIV
HIV
AIDS
AIDS
AIDS
1996
40,3
55,3
8,9
5,5
27,8
0,8
1997
39,5
38,1
9,1
5,6
51,0
1,0
1998
41,3
29,7
9,3
5,9
48,7
1,4
1999
45,4
26,6
7,1
4,8
92,7
2,5
2000
60,5
24,5
7,4
4,9
232,7
2,7
2001
54,6
22,7
8,2
3,5
346,7
7,4
2002
76,1
24,4
7,8
3,0
222,5
11,8
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