Liebe, Tod und Ameiseneier

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MITTWOCH, 26. APRIL 2017
Liebe, Tod und Ameiseneier
«Am Ende geht es immer um
«Kann man es tatsächlich auch so machen? So kann man das nie und nimmer machen!» Und im letzten Tagebucheintrag: «So kann man das alles ja
auch machen. Warum auch nicht.»
Ende Juni geht’s zum Tanz, doch
das Liebesglück währt nicht lange: Bernadette wird tags darauf operiert, ihre
Lebenserwartung beträgt danach laut
ihrem Arzt «plus, minus ein halbes
Jahr». Während seine Geliebte schwächer und schwächer wird, verzweifelt
Steingruber an der Welt, denkt an
Mord, an Selbstmord …
Der Autor Schlatter versteht es in
seinem neuen Roman, Todtrauriges
und Groteskes, tiefen Ernst und Komik
mit leichter Hand zusammenzuführen.
die Liebe», trägt Steingruber
in sein Tagebuch ein. Und um
Leben und Tod, wie man beim
Lesen von Ralf Schlatters
neuem Roman feststellt.
VON ULRICH SCHWEIZER
Felix Steingruber ist Kammerjäger und
damit von Berufs wegen mit der planmässigen Vernichtung von Insekten beschäftigt, wie er am Anfang seines Tagebuchs festhält: «Ich töte Tiere. Täglich.
Ich habe schon tausende von Tieren getötet. Der Tod ist Teil meines Lebens.
Die Leute bezahlen mich fürs Töten von
Tieren!» Weniger pathetisch lesen sich
die Notizen zu seinen Aufträgen: «Frau
Bühlmann, Kakerlaken. Ich vermute: alleinstehend, Alkoholikerin. Wenn Einsamkeit einen Geruch hat, dann diese
Mischung aus Restalkohol und Mentholpastillen.» Steingruber lebt zusammen
mit Frau Obermüller (nicht der bekannten Schweizer Journalistin, sondern
einer Katze). Weil er ein schlechtes Gewissen hat, besucht er ab und zu seine
verwitwete Mutter zu Kaffee und
­Kuchen und begleitet sie auch für zwei
Wochen auf die Ostseeinsel Rügen.
Beginn einer zarten Romanze
Den Tipp, ein Tagebuch zu führen,
hat Steingruber aus einem Ratgeber
zum Thema «Angst vor dem Tod». Den
hat er sich in der Bibliothek ausgeliehen, nachdem er geträumt hatte, es
bleibe ihm noch «plus, minus ein Jahr»
zu leben. Dabei lernt er die Bibliothekarin Bernadette kennen und verliebt
sich. Sein erster Besuch bei ihr ist zwar
noch fast rein beruflicher Natur: Sie hat
Silberfischchen im Keller. Er möchte
«Göldi»-Musical:
Kinder spielen mit
NEUHAUSEN Bei einem Kindercasting
Ende März haben die Macher des im September Premiere feiernden Musicals
«Anna Göldi» die einzige Kinderrolle der
Produktion, die des «Miggelis», mit vier
Mädchen aus der Region besetzt. «Miggeli» wird die Tochter von Anna Göldis
Dienstherren genannt. Im Musical spielt
«Miggeli» eine wichtige Rolle, denn angeblich soll sie Stecknadeln und Nägel
gespuckt haben, worauf Anna Göldi beschuldigt wurde, das Mädchen verhext
zu haben. Die Besetzung dieser Schlüsselfigur teilen sich während der 47 Vorstellungen die Geschwister Lina und Norah Lüthi aus Hallau, Giulia Gnädinger
aus Ramsen und Lena Pallmann aus
Hüttwilen. Alle sind zwischen acht und
elf Jahre alt und verfügen bereits über
erste Bühnenerfahrung durch das Mitwirken im Schulchor und -theater. (r.)
Ralf Schlatter tauft seinen neuen Roman
«Steingrubers Jahr» am 11. Mai in der
Stadtbibliothek. Bild Christoph Hoigné
mit ihr anbandeln, stellt sich aber nicht
sehr geschickt an. Damit sie ihn wieder
als Kammerjäger ruft, deponiert er
Ameiseneier in ihrem Haus, zudem
wird er Stammkunde in der Bibliothek.
Es dauert ein Weilchen, bis er den
Mut aufbringt, sie zu einem Tangokurs
einzuladen. Steingruber notiert dazu
im Tagebuch: «Sie wurde rot, dann
lachte sie verlegen, dann sagte sie:
‹Warum auch nicht!› Ich glaube, das ist
der sinnvollste Satz dieses ganzen verfluchten Tagebuchs.»
Schweizer Kleinkunstpreis 2017
Ralf Schlatter, 1971 in Schaffhausen
geboren, lebt seit 2001 als freier Autor
und Kabarettist in Zürich. Mit AnnaKatharina Rickert tritt er seit 2003 mit
dem Kabarett «schön&gut» auf. Zusammen haben sie den Schweizer Kleinkunstpreis 2017 gewonnen und sind mit
ihrem fünften Programm, dem Stück
«Mary», auf Schweizer Tournee – am
27. und 28. April im Casino­theater Winterthur.
Am 11. Mai tauft Schlatter seinen
neuen Roman «Steingrubers Jahr» um
19 Uhr im Lesesaal der Stadtbibliothek
Schaffhausen.
Lakonische Kommentare zur Welt
«Warum auch nicht! – Keine Ahnung, warum. – So kann man das natürlich auch machen.»: Das sind Sätze, mit
denen der Kammerjäger immer wieder
verwundert oder resigniert kommentiert, was auf der Welt so geschieht und
was ihm zustösst, auch in Variationen:
Ralf Schlatter
«Steingrubers Jahr»,
Limbus, 2017,
152 Seiten, ca. 25 Franken.
Gegen staatlichen Zwang
und Landschaftszerstörung
Gegen die Energiestrategie
Verknappung führe zu einer eigentlichen «Energieplanwirtschaft».
setzt sich ein kantonales DreiIn eine Falle trete man, wenn man
parteienkomitee ein. Gestern
jetzt Ja sage zu diesen abstrakten Zielen, sagte Christian Heydecker (FDP):
lancierte es seine Kampagne.
«Ziele zu definieren, ohne offen und ehrlich zu sagen, mit welchen Massnahmen
VON MARK LIEBENBERG
man sie erreichen will, ist nicht redlich.»
Denn für die Halbierung des Verbrauchs
Massive Preiserhöhungen, neue Vorwerden die Konsumenten bald weitere
schriften und staatliche Bevormundung
Kröten schlucken müssen: Bereits in der
– das bringe die Totalrevision des EnerPipeline seien ein Klima- und Energiegiegesetzes, über das die Schweiz am
21. Mai abstimmt. «Der erste Schritt in
lenkungssystem, ein massiver Ausbau
der Energiestrategie 2050 wäre ein büroder CO2-Abgaben und eine Blankovollmacht, mit der der Bundesrat Vorschrifkratisches Umverteilungsprogramm in
gigantischem Ausmass»,
ten und Gebote erlassen
sagte gestern Pentti Aelkann.
«Die Stimmbürger
lig (SVP) vom kantonamüssen jetzt ganz genau
len Gegnerkomitee vor
hinschauen, was auf sie
den Medien. «Eine Gesetzukommt», sagte Razesflut, zu der wir später
nichts mehr zu sagen
phaël Rohner (FDP):
Kosten von rund 80 Milhaben. Deshalb gilt es
hier, die Notbremse zu
liarden für Gebäudesaziehen», sagte Aellig. Die
nierungen und der UmStromversorgung sei in
bau der Stromversorder Schweiz bereits
gung von 120 Milliarden
Christian Heydecker
Kantonsrat FDP
heute nahezu CO2-frei
ergäben eine Last von
und kostengünstig.
3200 Franken pro vierDer Umbau der Stromversorgung
köpfigen Haushalt pro Jahr bis 2050.
und die forcierte Förderung von Wind
«Wir haben jetzt die Gelegenheit, dieser
und Sonne bärgen grosse Risiken, machEntwicklung den Riegel vorzuschieten abhängig von Stromimporten und
ben», sagte Rohner. Nicht tangiert sei
gefährdeten die Netzstabilität, sagte
übrigens der Ausstieg aus der AtomKMU-Unternehmer Samuel Erb (SVPkraft, auch bei einem Nein am 21. Mai.
Senioren): «Ich sage klar Nein zu DritteDie Plakatkampagne des Komitees
zeigt Windräder an emblematischen
weltverhältnissen und Ja zur VersorOrten im Kanton. Daniel Preisig (SVP)
gungssicherheit.»
sagte, dass mit dem neuen Gesetz in
Erwin Sutter (EDU) hält das Ziel,
Zukunft auch bisher geschützte Landden Energieverbrauch in nur 17 Jahren
um 43 Prozent zu senken, für illusorisch.
schaften für den forcierten Bau von ge«Das entspricht dem Verbrauch von
planten 1300 Windturbinen landesweit
1966! Das kann man nur mit massiven
geopfert werden könnten. «Wer daStrompreiserhöhungen und Umerziegegen ist, dass unsere schöne Landschaft aus ideologischer Verblendung
hungsmassnahmen erreichen.» Eine
verschandelt wird, stimmt Nein zum
moderne Gesellschaft und Wirtschaft
Energiegesetz.»
brauchten Strom als Lebenssaft. Eine
«Ziele zu definieren,
ohne offen und
ehrlich zu sagen,
wie man sie
erreichen kann,
ist nicht redlich.»
EVP: Ja zu allen drei Vorlagen
Die christliche Kleinpartei EVP empfiehlt für die Volksabstimmung vom
21. Mai dreimal Ja. Dies geht aus einer
Mitteilung der EVP hervor.
Zu der nationalen Vorlage, der
Energiestrategie 2050, schreibt die
EVP, dass sie generell für eine sichere
und saubere Energieversorgung und
für den schrittweisen Ausstieg aus der
Atomkraftenergie sei. Einzelne Mitglieder hätten allerdings Bedenken
geäussert, weil insbesondere in den
Wintermonaten infolge reduzierter
Sonnen- und Windkraft Schwankungen auftreten könnten. Dennoch
stimmten die Mitglieder einstimmig
für die Vorlage.
Bei den beiden kantonalen Vorlagen war die Zusammenlegung der Friedensrichterämter kaum umstritten:
Fast einstimmig stimmten die Mitglieder zu. Es scheine sinnvoll, in unserem
kleinen Kanton nur noch ein Friedensrichteramt zu führen, argumentiert die
EVP. Der Standort in der Stadt Schaffhausen sei für alle zentral.
Nur knapp für ein Ja reichte es der
zweiten kantonalen Vorlage, der SP-­
Initiative «Keine Steuergeschenke an
Grossaktionäre» – bloss mit einer
Stimme Unterschied wurde die Ja-Parole zu dieser Vorlage beschlossen,
welche bestimmte Steuerprivilegien
für Unternehmensbesitzer abschaffen
will. Prinzipiell seien die Mitglieder dafür, dass alle Personen nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gleich
besteuert werden sollten. Steuergeschenke an Grossaktionäre seien nicht
gerne gesehen. Die Gefahr bestehe jedoch, dass Betroffene bei einem Ja in
den Kanton Zürich ziehen könnten,
da dort die heute bestehende tiefere
Besteuerung gelebte Praxis sei. (r.)
Diese drei Vertreter des Komitees sagen Nein zum Energiegesetz und Ja zu einer
Energiewende «mit Augenmass statt mit der Brechstange»: Kantonsräte Erwin Sutter,
EDU, Pentti Aellig, SVP, und Christian Heydecker, FDP. (v. l.)
Bild Selwyn Hoffmann
Sache ... Sächeli Von der Aargauerin des Jahres, Parkproblemen, Raserautos und Hobbysportlern
E Mitglieder der Familie Neukomm haben viele Ämter und
Titel getragen: Regierungsrat,
Nationalrat, Gemeindepräsident, Stadtpräsident … und
«Aargauerin des Jahres». So darf
sich Marit Neukomm nennen. Die
33-jährige Sportlehrerin und
Mutter von zwei Kindern hat ein
Hilfswerk gegründet, das an mehreren Brennpunkten auf der
Welt aktiv ist. Dafür wurde sie
im letzten November von den
Aargauern geehrt. Gerade
erst hat sie, wie die «Aargauer
Zeitung» gestern berichtete,
70 Tonnen Bekleidung, Schlafsäcke, Sanitätsmaterial, Windeln, Babymilch, Reisebetten
und Thermosflaschen in Syrien
verteilen lassen. Marit Neukomm ist zwar in Aarau geboren, lebt in der Aarauer Vorortgemeinde Oberentfelden und
spricht breiten Aargauer Dialekt, sie hat aber Schaffhauser
Wurzeln: Ihr Vater Andreas Neukomm stammt aus Guntmadingen.
Vielleicht eine Anwärterin für
den «Schaffhauser Preis für Entwicklungszusammenarbeit»? (zge)
E Akrobatisch verrenken muss
sich können, wer am Durachweg
in Schaffhaussen aus dem Auto
aussteigen will. Nicht ganz einfach
ist die Übung dann,wenn man
vielleicht nicht mehr ganz rank und
schlank oder betagt ist. Wenn der
Automobilist dann beim Sich­
abstützen auch noch ein- oder
zweimal auf die Hupe drückt,
weil er sich via Beifahrersitz ins
Freie kämpft, ist ihm die Aufmerksamkeit der Passanten gewiss.
Remedur schaffen könnte die
Umkehrung der Fahrtrichtung
in dieser Einbahnstrasse
um 180 Grad. (Wü.)
E Rund 2000 Interessierte
kamen vor einigen Tagen im
Kanton Baselland zu einer speziellen Gant zusammen: Der
Kanton versteigerte beschlagnahmte Raserautos. Das Prunkstück, ein Mercedes S 65 AMG mit
700 PS und 194 000 Kilometern
auf dem Zähler, ging für 26 700
Franken an einen Händler aus
Schaffhausen. Dieser hofft nun,
den Wagen mit Gewinn weiterverkaufen zu können. Der «Basler Zeitung» offenbarte er seine
Zielgruppe: Männer, die in den
Ferien mit ihren starken Wagen
prahlen wollen. Er hofft, den
AMG-Benz für mindestens
32 000 Franken weiterzuverkaufen. (zge)
E Wenn in einer Stadt ein neues
Quartier entsteht, entstehen auch
neue optische Reize. Wer aber
vermutet, dass einem hinter dem
Bahnhof nun sozusagen eine
grüne Welleden Weg ins Rotlichtviertel zeigt, liegt falsch. Allen real
existierenden Personen, die den
Namen Diana Frei tragen, sei an
dieser Stelle versichert, dass die
Ähnlichkeit rein zufällig ist. (Wü.)
E Der aus Schaffhausen stammende, in Basel lebende Komponist Silvan Loher kann sich zurzeit
einer guten Auftragslage erfreuen. Führte Helena Winkelman
mit der Camerata Variabile
unlängst sein «Dann werden
wir kein Feuer brauchen» für
Stimme, Klarinette, Violine,
Viola, Violoncello und Harfe auf
Schloss Charlottenfels in Neuhausen am Rheinfall auf, so wird
seine grosse mehrchörige Komposition «Messe für Muri» in der
Klosterkirche Muri im Aargau
am 21. Mai um 17 Uhr zum zweiten
Mal aufgeführt. Ihre Uraufführung erlebte die Messe vergangenes Jahr am gleichen Ort.
Und im Herbst erscheint eine
CD mit Klavierliedern aus Lohers
Feder und Texten von Walt
Whitman und Mascha Kaléko –
ein Programm, das vor drei Jahren in der Schaffhauser Rathauslaube Premiere gefeiert hat. (lbb)
E In diesen Tagen ist auf der
Sportanlage Munot eine neue
Tartanbahn eingebaut worden.
Zu den abschliessenden Arbeiten gehörte das Auftragen einer
Kunststoff-Schutzschicht. Während
dieses Arbeitsschrittes darf der
Belag nicht betreten werden,
und die Rennbahn war gesperrt.
Laut Konrad Bruderhofer von
Grün Schaffhausen war es kein
leichtes Unterfangen, die sportbegeisterten Schaffhauser davon
abzuhalten: «Einige Hobbysportler sind nicht bereit, auf ihr Training zu verzichten. So haben wir
die Sportanlage vor Eindringlingen schützen müssen.» (tva)
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