Referat

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Feldkirch
Landeskonservatorium, Bibliothek
Musik, Emotionen und Lernen
23. April 2010, 1100 Uhr
Prof. Dr. phil.-nat. Willi Stadelmann
Pädagogische Hochschule Zentralschweiz
1 Referat
1. Einleitung
2. „Wahr“nehmung von Musik
1. Lernen
1. Emotionen und Gefühle
1. Musik und Lernen
1. Musikalische Biografie und Musikverständnis
2 Referat
Literatur- Empfehlungen:
•
Lutz Jäncke: Macht Musik
schlau? Verlag Hans Huber
Hogrefe AG, Bern (2008)
•
Bundesministerium für
Bildung und Forschung:
Pauken mit
Trompeten.
Bonn/Berlin (2009)
3 Referat
1. Einleitung
4 Referat
Noch immer ist das Bild einer klaren
Trennung von Musik und Sprache im
Gehirn weit verbreitet, obwohl
wissenschaftliche Ergebnisse diese
Annahme nicht stützen.
5 Referat
ProfimusikerInnen benutzen beim Musikhören
Sprachfunktionen des Gehirns – und die sitzen
vorwiegend in der linken Hemisphäre
(bei Rechtshändern).
„Bei Musikern kann häufig festgestellt werden,
dass sie Musik auch in jenen Hirngebieten
verarbeiten, die eigentlich mit der Sprachverarbeitung betraut sind.“
Lutz Jäncke (2008) 305
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2.
„Wahr“nehmung von Musik
7 Referat
Axon
Synapse
Dendrit
8 Referat
9 Referat
10 Referat
Limitierende Faktoren für den
musikalischen „Zugang
zur Welt“:
• Intensität der Stimulation (Töne)
• Qualität der Sinnesorgane (Gehör)
• Interpretationsfähigkeit des Gehirns
11 Referat
Es gibt keine Information ohne
Interpretation
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3.
Lernen
13 Referat
3.1
Vererbung
Förderung:
Stimulation
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Aus Zwillings- und Adoptionsstudien
kann man schliessen, dass bei
Kindern und Jugendlichen etwa 50%
der Intelligenzunterschiede in einer
Bevölkerung auf die Gene, etwa 25%
auf (von den Mitgliedern einer
Familie) geteilte Umwelteinflüsse und
20% auf überwiegend
ausserfamiliäre Einflüsse
(insbesondere Schule) zurückgeführt
werden. (5% Messfehler).
A.C. Neubauer, j. für begabtenförderung 2/2005 , S. 10
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3.2 Neuropsychologie: Lernen führt zu
unverwechselbaren Individuen
Das Gehirn verändert sich beim Lernen
physisch (Plastizität)
Jeder Mensch hat seine eigene Lernbiografie.
Die individuelle Hirnstruktur entspricht
physisch der individuellen Lernbiografie.
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17 Referat
„Musizieren gehört zu den
schwierigsten menschlichen
Leistungen.
Gehörsinn, Motorik,
Körperwahrnehmung und Hirnzentren,
die Emotionen verarbeiten, werden
gleichzeitig beansprucht. Und dabei ist
eine wahre Herkulesarbeit zu leisten.“
Eckart Altenmüller, 2000
18 Referat
Frontal lobe
Temporal lobe
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Gerade die weitere Entwicklung des
Präfrontalen Cortex, des vordersten
Teils des Stirnlappens hat für das Bilden
einer Erwachsenen- Persönlichkeit grosse
Bedeutung:
Verhaltenskontrolle, Fähigkeit zur SelbstReflexion, Entscheidungs- Fähigkeit,
Exekutivfunktion, Einfluss auf die Fähigkeit
zum abstrakten Denken.
20 Referat
Exekutivfunktion (1):
Das Vermögen, unsere Gedanken und
unser Verhalten zu kontrollieren und zu
koordinieren.
„Dazu gehört die Fähigkeit, unsere
Aufmerksamkeit gezielt auf etwas zu
richten, künftige Aufgaben zu planen,
unangebrachtes Verhalten zu
unterdrücken und mehr als eine Sache
auf einmal im Kopf zu behalten.“
Blakemore/ Frith: Wie wir lernen. DVA (2006) 169
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Exekutivfunktion (2):
• setzen von Zielen
• planen, Entscheidung
• setzen von Prioritäten
• starten und sequenzieren von Handlungen
• Kontrolle und Beobachtung von
Handlungsergebnissen
• Korrektur eigner Handlungen
• Erkennen von Fehlern
• Kontrolle der Aufmerksamkeit und Emotionen
• Selbstkontrolle und Motivation
• motorische Kontrolle
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Jäncke in BMBF 2009
Die Bedeutung des Frontalkortex ist für das ganze
Leben von schicksalhafter Bedeutung für den
Menschen.
Musizieren ist eine Tätigkeit, die besonders stark
von neuronalen Netzwerken des Frontalkortex
kontrolliert wird.
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„Pruning“ im Frontalkortex ab 11.-13. Altersjahr:
Optimierungsprozess, der darin besteht, dass
überschüssiges Frontalkortexgewebe reduziert
wird.
„Die neuronalen Netzwerke, welche intensiv
während dieser Phase genutzt werden, werden
wahrscheinlich nicht abgebaut. Andererseits ist zu
erwarten, dass jene Netzwerke, die nicht oder nur
wenig genutzt werden, Gefahr laufen, abgebaut zu
werden.“ Jäncke in BMBF (2009) 89/90
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4.
Emotionen und Gefühle
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„Musik ist Struktur gewordene Emotion“
Urs Widmer in: Heidenreich E.: Passione. Liebeserklärung
an die Musik. München: Hanser (2009) S. 66
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Emotionen müssen gelernt,
entwickelt, gefördert werden; auch
das Lernen von Emotionen
widerspiegelt sich in der Vernetzung
des Gehirns. Auch hier werden von
der Kindheit an Potenziale entwickelt,
die sich auf emotionelles Verhalten
und emotionelles Lernen ein Leben
lang auswirken.
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4.1 Die Theorie von Damasio
28 Referat
Emotionen gehen Gefühlen voraus.
Emotionen sind körperliche Reaktionen
auf äussere Reize
Antonio R. Damasio, 2003, Der Spinoza- Effekt
List, München S. 39
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Gefühle sind die individuelle Interpretation
der körperlichen Reaktionen
Antonio R. Damasio 2003, 101
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„Emotionen treten auf der Bühne des Körpers auf,
Gefühle auf der Bühne des Geistes“
Antonio R. Damasio 2003, 38
31 Referat
Wolfgang Amadeus Mozart
COSI FAN TUTTE
Schwarzkopf, Ludwig, Kraus, Taddei,
Steffek, Berry
Philharmonia Orchestra
Karl Böhm 1962 (!)
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4.2
Das limbische System
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Limbus (lat.)
= Saum
Gerhard Roth, 2003
34 Referat
Das limbische System ist die Instanz,
die zugleich relevante Inhalte
aussortiert und mit Emotionen
versieht.
35 Referat
Das limbische System kontrolliert die
synaptischen Veränderungen.
Musik stimuliert das limbische
System.
36 Referat
Giuseppe Verdi
La Forza del Destino: La vergine degli angeli
Mirella Freni/Riccardo Muti/Scala Milano
37 Referat
Starke Erlebnisse werden vom
Gedächtnis anders behandelt als
persönlich belanglosere. Sie werden
fester und tiefer gespeichert.
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39 Referat
4.3
Konsonanz und Dissonanz
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Dissonanz („misstönen“)
Intervalle und Akkorde, die als
„auflösungsbedürftig“ in einer Konsonanz
empfunden werden.
Frequenzen haben „komplizierte“ Verhältnisse:
15:8 (grosse Septime)
17:8 (kleine None)
16:15 (kleine Sekunde).
41 Referat
Typische konsonante Intervalle:
2:1 (Oktave)
3:2 (Quinte)
4:3 (Quarte)
Also: „Einfache“ Zahlenverhältnisse
42 Referat
Babys 4 Monate alt
Was ist bereits gelernt?
Jäncke (2008) 244
43 Referat
5. Musik und Lernen / Musik und
Intelligenz
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Passives Musikhören hat wohl kaum Auswirkungen
auf das Lernen. Es braucht aktive Betätigung:
• auch die immer wieder propagierte Wirkung des
passiven Hörens von Barockmusik auf das Lernen
ist wissenschaftlich nicht bestätigt worden
• je schwieriger die Aufgabe, desto negativer wirkt
Hintergrundmusik auf die Leistung in der
Primäraufgabe
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• „Intensives musikalisches Training ist mit
erheblichen makroskopischen Veränderungen in Hirnbereichen gekoppelt, die besonders
stark an der Kontrolle des Musizierens
beteiligt sind.“
• „Diese anatomischen Veränderungen hängen
offenbar von der Intensität und Häufigkeit
des Musizierens ab. Je häufiger trainiert wird,
desto ausgeprägter sind die Veränderungen.“
Lutz Jäncke (2008) 355
46 Referat
Myelinisierung
Graue Materie:
Neuronen,
Dendriten,
Synapsen
Weisse Materie:
Schnürring
Myelinisierte
Axone
47 Referat
Ranvier Schnürringe
Stephan Frings, Universität Heidelberg
48 Referat
Je eher man beginnt, ein Instrument zu
spielen, desto deutlicher sind die strukturellen
Veränderungen im Gehirn – die anscheinend
bis ins hohe Alter erhalten bleiben.
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Im frühen Kindesalter ist die
Plastizität des Gehirns sehr
ausgeprägt
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Je länger eine Instrument gespielt wurde,
desto grösser ist das Areal, in dem die
Verarbeitung der motorischen Aktivität
kortikal repräsentiert wird.
Elbert et al. 1995 (ZfE 9 5/2006)
51 Referat
Professionelle Pianisten und Geiger
besitzen einen grösseren und
effizienteren Balken (corpus callosum),
wenn sie das Training am Instrument
vor dem Alter von sieben Jahren
begonnen haben.
Schlaug et al. 1995
52 Referat
53 Referat
„In den gut kontrollierten Querschnittuntersuchungen zeigen sich konsistent bessere
verbale Gedächtnisleistungen bei Musikern.“
„Etliche Querschnittuntersuchungen belegen, dass
Musiker bzw. Personen mit Musik-Erfahrung bessere
Leistungen in visuell- räumlichen Tests aufweisen.“
„Es besteht auch „ein Zusammenhang zwischen
dem Musizieren und verschiedenen
Rechenleistungen.“
Lutz Jäncke (2008) 194/195
54 Referat
MusikerInnen sind etwas besser zu
divergentem Denken und Kreativität
befähigt. Eine Studie von Gibson et al.
(2009) zeigt im Weiteren, dass bei
MusikerInnen der Frontalkortex während
des divergenten Denkens stärker
durchblutet ist als bei NichtmusikerInnen.
55 Referat
„Längsschnittstudien haben ergeben, dass
ältere Menschen, die bis ins hohe Alter
musizieren, tanzen und Brettspiele spielen,
selten im fortgeschrittenen Alter an
Demenzen leiden.“
„Menschen, die bis ins hohe Alter
musizieren, verfügen über einen geringeren
oder keinen Abbau des Hirngewebes im
Stirnhirn im Vergleich zu Personen, die
nicht musizieren.“
Lutz Jäncke (2008) 399/400
56 Referat
6. Musikalische Biografie und
Musikverständnis
57 Referat
Menschen haben eine individuelle
musikalische Lernbiografie.
Jeder Mensch hört, versteht,
interpretiert und erlebt Musik gemäss
seinem „Vorwissen“, gemäss seiner
Biografie.
58 Referat
Wer Musik hört, vergleicht sie mit
bereits vorhandenen Mustern und
prüft sie auf Vertrautheit und
musikalischen Sinngehalt.
59 Referat
Wolfgang Amadeus Mozart
Per questa bella mano KV 612
Thomas Quasthoff
Württembergisches
Kammerorchester Heilbronn / Jörg
Faerber
60 Referat
George Benjamin (geboren 1960)
Into the Little Hill (2006)
Anu Komsi & Hilary Summers.
Ensemble Modern. Franck Ollu
61 Referat
Je aussergewöhnlicher (nicht vereinbar mit der Musikbiografie) Musik ist,
desto schwerer kann man sie
antizipieren und desto häufiger muss
man sie gehört haben, um ihren
genauen Ablauf voraussagen zu
können.
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Zum Schluss
63 Referat
Motivation
„Ein aktuelles leistungsmotiviertes
Handeln findet besonders dann statt,
wenn die Tendenz ‚Hoffnung auf Erfolg‘
die Tendenz ‚Furcht vor Misserfolg‘
überwiegt.“
Walter Edelmann: Lernpsychologie, Beltz 2000
Seite 254
64 Referat
MusikerInnen zeigen durchweg etwas
stärker ausgeprägte Tendenzen zur
„Erfolgsmotivation“ als die
Kontrollpersonen. Besonders stark sind
die Unterschiede bei Kindern.
„Kinder mit Musikerfahrung waren
deutlich ‚erfolgsmotivierter‘ als Kinder
ohne Musikunterricht.“
Jäncke (2009) 94
65 Referat
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