U na b g bhä ngi Immunsystem U enExpert ft geprü ngig b U na h ä n g hä G E S U N D H E I T S R AT G E B E R gi na SONDERAUFLAGE verstehen Immuntherapie bei: Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa Psoriasis Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew Tumorerkrankungen I N H A LT Euro 4,95 S R AT G E B E R n gi Una g b hä Inhalt U na g Expertengeprüft ngig Unabhä GESUNDHEIT bhäng i Bisher erschienene Patientenratgeber: Herz und Gefäße Euro 4,95 U DHEIT S R AT G Euro 4,9 5 EBER n ab häng hängig ig und seine Folgen n gi g Un Expertengeprüft i Plus: Diabetes-Lexikon U tenExperrüft gep n ab hängi abhä Sexualit b gig Un U na än EIT ig h GESUNDH n Euro 4,95 g und Prob leme g gi g U na ä verstethen g Erfüllte Sexualität g Von Lus tlosigkeit bis Scheide nflora, Reg zur sexuellen Stö g Verhüt elschm rung, ges ung, Kre bsvorsorg erzen, Harnwegsin unde e fekte b hä KAPITEL 1 na g KAPITEL 2 20 Erkrankungen herausgegriffen: KAPITEL 3 20 Rheumatologie – Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew KAPITEL 3.1 24 Magen / Darm – Morbus Crohn /Colitis Ulcerosa KAPITEL 3.2 29 Haut – Psoriasis KAPITEL 3.3 35 Onkologie – Krebs KAPITEL 3.4 U nExperte t geprüf 13 Immuntherapie ngig b U na h ä n Euro 4,95 G E S U N D H E I T S R AT G E B E R 6 Das menschliche Immunsystem a ängig Unabhä GESUN g Kompakte Informationen zu Diagnose und Therapie g Experten-Wissen verständlich aufbereitet g Praxiserprobte Tipps für Betroffene und Angehörige R S R AT G E B E EDITORIAL bh Diabetes verstehen Zweite, erweiterte Neuauflage g Un ab tis, rthri Psoriasis-A e Arthritis, Rheumatoid athische Arthritis, juvenile idiop , Morbus Bechterew, Fibromyalgie merztherapie Sch , rose Arth gig enExpertüft gepr a Rheum verstehen 5 Editorial b än b Una hän Una ig bhäng g h G E S U N D H E I T S R AT G E B E R verstehen g Experten-Wis sen verständlich aufbereitet g Bluthochdruc k, Durchb Herzinfarkt und Schlag lutungsstörungen, anfall Plus: Rauchentwöh nung, Stressmanag ement, großer Risikoselbstte st Un ner te Exp prüft ge na g U BER h gig S R AT G E Unab än DHEIT GESUN abhän Euro 4,95 ig bhä ngi Erkältuvenrsgtehen und Grippe im Einsatz em – unermüdlich g Immunsyst Unterschied: ltung) g Der große aler Infekt (Erkä Grippe und gripp bei Erkältung pie Thera g Sinnvolle Frau sein ab 40 Veränderungen verstehen Lebensphase der Frau ab 40 Die Frau im Wechsel, Hormone im Einsatz Begleiterscheinungen im Alter – hormonelle und altersbedingte Veränderungen Wenn Sie sich für einen der Patientenguides interessieren, fragen Sie in Ihrer Apotheke nach. Die Hefte können problemlos über den Kwizda-Großhandel bestellt werden. IMPRESSUM: Herausgeber und Medieninhaber: MedMedia Verlags- und Mediaservice GesmbH, 1070 Wien‚ Seidengasse 9 / Top 1.1; Projektleitung: Mag. Barbara Koller, [email protected]; Redaktionsteam: Mag. Barbara Koller, Mag. Silvia Feffer-Holik, Mag. Nicole Gerfertz; Layout und Grafik: Irene Persché; Lektorat: Patricia Halbwidl; Druck: agensketterl; Bild­er: iStockphoto, Fotolia, Franz Pfluegl, privat, Archiv. Alle Texte in der Sonderauflage „Immunsystem verstehen“ sind nach bestem Wissen recherchiert. Irrtümer sind vorbehalten. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen Verlag und Medieninhaber keine Haftung für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird jeweils nur die männliche Form der Bezeichnung von Personen ( z. B. der Patient ) verwendet, damit ist aber sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint. 3 E ditorial Wissenschaftlicher Beirat und Mitarbeiter der Ausgabe „Immunsystem verstehen“ Prim. Univ.-Doz. Dr. Ludwig Erlacher Leiter der 2. Medizinischen Abteilung im SMZ Süd, Wien Mag. pharm. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, freut sich, dass die Serie „Gesundheit verstehen“ mit der Sonderauflage „Immunsystem verstehen“ sein Konzept der Patientenaufklärung fortsetzt. Sehr geehrte Kundinnen und Kunden! Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig Leiter 1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie, Wilhelminenspital Wien Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger Abteilungsvorstand der Abteilung für Dermatologie und Venerologie, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien Ao. Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch Leiter der Arbeitsgruppe Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen der ÖGGH; Medizinische Universität Wien, Klinische Abt. Gastroenterologie & Hepatologie, AKH Wien Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hannes Stockinger Leiter des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie; Medizinische Universität Wien Mit diesem Guide hat man sich im Verlag MedMedia an ein sehr wichtiges, wenngleich nicht ganz einfaches Thema herangewagt: „Immunsystem verstehen“. Das menschliche Abwehrsystem ist in derart vielen Bereichen aktiv und das von Geburt an, dass es hier möglich gewesen wäre, ganze Bände zu füllen. Aber nun der Reihe nach: Im ersten Kapitel geht es darum zu verstehen, wie das Immunsystem arbeitet, wann es wie auf „Eindringlinge“ reagiert, was es im Laufe eines Lebens dazulernt und wie es von Zeit zu Zeit leider gegen sich selbst aktiv wird. In diesem allgemeinen Teil werden Autoimmun­ erkrankungen näher beleuchtet. Darauf aufbauend werden im zweiten Kapitel Möglichkeiten der Immun­ therapie dargestellt. Fragen, wie zum Beispiel „Was bewirken Immunsuppressoren bei einer Autoimmunerkrankung?“, „Was hat Impfen mit dem Immun­ system zu tun?“ oder „Was bewirkt Cortison in dem Zusammenhang?“ geht man nach. Das dritte Kapitel widmet sich einigen Krankheitsbildern, deren Symptomen und Therapiemöglichkeiten. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Schuppenflechte, rheumatoide Arthritis aber auch onkologische Themen werden expertengeprüft und unabhängig aufgegriffen und erläutert. Ich wünsche Ihnen, dass Sie viel wertvolle Information finden werden! Ihre Christiane Körner Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer 4 5 KAPITEL 1 darüber hinaus in der Lage ist auch fehlerhaft gewordene körpereigene Zellen zu zerstören. Nach welchem Prinzip arbeitet das Immunsystem? Das menschliche Immunsystem Wozu brauchen wir ein Immunsystem? In jedem Körper leben tausende von verschiedenen Bakterien- und Virenarten, die uns Menschen überhaupt erst überlebensfähig machen. Demnach leben wir in einer Art Symbiose mit nützlichen Mikroorganismen, da der menschliche Körper auf der einen Seite Wärme und ein entsprechendes Nährstoffumgebungsfeld produziert, auf der anderen Seite gerade diese Mikroorganismen „Arbeit“ für uns leisten. Denn beispielsweise wären wir ohne das Escherichia coli (kurz: E.coli) Bakterium, eines von über 2.000 nützlichen Bakterienarten in unserem Darm, nicht in der Lage 6 Nahrung zu verdauen. Außerdem halten nützliche Bakterien die krankheitserregenden Keime in Schach, da sie diese wie Konkurrenten einstufen, die ihnen Lebensraum „wegnehmen wollen“. Das alles gehört zu einem äußerst intelligenten Gleichgewichtssystem, in dem unser Immunsystem schaltet und waltet um dieses Gleichgewicht zu bewahren. Es hat sich im Laufe der Evolution ergänzt und entwickelt. Damit sorgt es für die körperliche Unversehrtheit und das Überleben des Organismus. Es ist das biologische Abwehrsystem höherer Lebewesen, welches Gewebeschädigungen durch Krankheitserreger verhindert und Das Immunsystem ist ein sehr vorausschauendes System, das wie ein „Zufallsgenerator“ arbeitet. Es produziert im Voraus eine Vielzahl an möglichen Immunzellen, oder besser gesagt Verbindungsstellen zwischen Antigenen (das sind Krankheitserreger) und Immunzellen –› sogenannte Antigenrezeptoren im Knochenmark und der Thymusdrüse. Bevor diese zum Einsatz kommen, werden jedoch von den x-Milliarden gebildeten Antigenrezeptoren rund 95 % wieder vernichtet, weil sie gegen gesunde Zellen im Körper gerichtet sind und somit gefährlich wären. Welche Organe sind für Immunantworten zuständig? Die wichtigsten „Zentralen“ in denen Immunantworten ablaufen sind: Knochenmark, Thymusdrüse, Milz, Lymphknoten, Mandeln und Darm. All diese sind aneinander über den Blutkreislauf und die Lymphflüssigkeit gekoppelt. Die äußere Barriere, welche das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper verhindert, ist die Haut, im Körperinneren ist es die Schleimhaut. Überwinden schädliche Mikroorganismen diese ersten Barri- Das Lymphsystem ist Teil des Immun­systems. eren und dringen in den Körper ein, spricht man von einer Infektion. Wovon hängt es ab, ob man eine Infektion bekommt? Ob das Eindringen von Krankheitserregern nun Symptome auslöst, man spricht dann von einer Infektionskrankheit, hängt von dem komplexen Ineinandergreifen im Immunsystem ab. Entscheidend ist die Menge der Erreger, deren krankmachende Eigenschaft und die Konstitution des Immunsystems. Welche Abwehrsysteme besitzt unser Körper? Schon von Geburt an verfügt unser Körper über ein angeborenes Immunsystem, das in der Lage ist körpereigene Zellen von gefährlichen Fremd­ eiweißen zu unterscheiden. Es ist das ältere und einfachere Abwehrsystem. Ein höher entwickeltes, im Laufe der Evolution hinzugekommenes Abwehrsystem stellt das erworbene (oder 7 KAPITEL 1 voraussehende) Immunsystem dar. Beiden Arten liegen als Hauptkomponenten Abwehrzellen zu Grunde, die zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gehören. Zwar sind die Zellen der angeborenen Immunität bei der Attacke eines Erregers sofort einsatzbereit, doch können sie den „Eindringling“ oft nur sehr grob kategorisieren und so auch nicht die exakte Immunantwort („Bekämpfungsstrategie“) geben. Die Abwehrzellen der erworbenen Immunität hingegen sind hocheffizient, weil sie die Krankheitserreger genau kategorisieren und gezielt gegen sie vorgehen. Diese Art der Abwehr setzt allerdings erst eine gewisse Zeit nach dem Erregerkontakt ein. Die Voraussetzung für die Aktivierung der erworbenen Immunität ist das In-Gang-Setzen durch das angeborene Immunsystem oder eine vorherige aktive Immunisierung mittels Impfung (siehe nächste Frage). Beide Komponenten arbeiten also eng zusammen. Wie läuft konkret eine Immunantwort ab? Sobald Krankheitserreger in den menschlichen Organismus eindringen, beginnt ein Abwehrkampf, der sich über mehrere Stufen ziehen kann. Große Fresszellen (Makrophagen) stellen eine Art „Abwehrgeschwader“ 8 dar, indem sie wie eine Patrouille jede Zelle im Körper inspizieren. Wenn sie mit ihren Zellfortsätzen den Eindringling anhand spezieller Eiweiß-Zucker-Strukturen an deren Oberfläche als „nicht harmlos“ identifizieren, nehmen sie den Krankheitserreger in sich auf und phagozytieren (= abtöten) ihn. Auf diese Art beseitigen sie nicht nur Eindringlinge wie Bakterien, sondern auch körpereigene Abfallprodukte wie z. B. tote Zellen. Sind die Eindringlinge in großer Zahl vorhanden, locken die Makrophagen durch Botenstoffe eine zweite Gruppe von Phagozyten an, die neutrophilen Granulozyten. Wenn Makrophagen und Granulozyten nun in Kontakt mit einem Erreger kommen und diesen aber nicht ausreichend vernichten können, senden sie Botenstoffe an eine zweite Gruppe von Fresszellen (dendritische Zellen) aus, die wiederum – in Alarmzustand versetzt – T-Lymphozyten aktivieren. Dazu wandert die dendritische Zelle in die Lymphknoten und präsentiert der T-Zelle einen „Fingerabdruck“ (Antigen) des Eindringlings. Nach dem Motto „sieh her, so sieht der Eindringling aus, bau nun ein spezielles Werkzeug dagegen“. Mit Hilfe von T-Helferzellen werden auch B-Zellen auf den Plan gerufen. Sie bilden spezielle Antikörper aus, die eine Brücke zwischen Phagozyten und Eindringling bilden und so können nun die Phagozyten die Krankheitserreger punktgenau erkennen und vernichten. Sind die Eindringlinge beseitigt, bremsen die T-Regulatorzellen das Immunsystem wieder ein. Sollte der gleiche Erreger noch einmal in den Körper gelangen, sind im Körper sogenannte Gedächtniszellen verblieben, mit dem Effekt, einen „geschärften Blick“ bei einer neuerlichen Infektion mit dem gleichen Erreger zu haben und so rascher reagieren zu können. Diese Erkenntnis machte man sich auch bei der Entwicklung von Impfungen gegen Infektionskrankheiten zu Nutze (= aktive Immunisierung). Welchen Zweck hat eine Entzündung? Eine Infektion ruft immer eine Entzündung hervor, wo das Immunsystem an Ort und Stelle auf Hochtouren arbeitet. Eine Entzündung hat drei wesentliche Aufgaben: • Verstärkung der körpereigenen Reaktion durch das Anlocken von zusätzlichen Immunzellen • Aufbau einer Barriere, um eine Ausbreitung zu verhindern • Reparatur des zerstörten Gewebes fördern Entzündungen können sehr schmerzhaft sein. Die Auswirkungen dieser Entzündung spürt man oft genug am eigenen Körper durch: Wärme, Röte, Schmerz, Schwellung und Einschränkung der „Funktionsfähigkeit“ der betroffenen Körperregion. Was sind Zytokine? Zytokine sind körpereigene Botenstoffe, die von den Abwehrzellen produziert werden. Über sie überbrücken die Abwehrzellen Distanzen zwischen ihnen als auch zu anderen Zellen, um die Abwehr von Krankheitserregern zu koordinieren. Dazu docken die Zytokine an den unterschiedlichsten Zellen an und rufen dadurch Reaktionen innerhalb der Zelle hervor. Dabei können Zytokine, entweder die Entzündungsreaktion verstärken (pro-inflammatorisch), indem sie weitere Immunzellen zum Infektionsort lotsen, oder sie können dafür Sorge tragen, dass die Entzündung wieder abklingt (anti-inflammatorisch). Grundsätzlich befinden sie sich in einem gesunden Körper ein Gleich9 KAPITEL 1 gewicht, denn nur so können Erreger effektiv bekämpft werden. Nach dem Abklingen der Entzündung kann das Immunsystem wieder „heruntergefahren“ werden. Was sind Antikörper? Antikörper (auch Immunglobuline) sind spezielle Eiweißmoleküle, die von den B-Zellen gebildet werden, wenn Eindringlinge /Antigene wie z. B. Viren, Bakterien oder Pilze erkannt werden. Etwa 5 Tage dauert es, bis die Antikörperproduktion voll anläuft. Aus diesem Grund spürt man beispielsweise oft erst am fünften Tag einer Erkältung die erste Linderung. Diese speziell auf ein bestimmtes Antigen passenden Antikörper docken – als Teil der erworbenen Immunant­wort – an die „Eindringlinge“ an, neutralisieren sie sofort oder präsentieren sie gegebenenfalls den oben beschriebenen Phagozyten. Was ist eine Unterfunktion des Immunsystems? Die Bandbreite einer Unterfunktion des Immunsystems ist groß. Den Anfang macht das grundsätzlich funktionstüchtige Immunsystem, welches nicht ausreichend „trainiert“ worden ist. Es kommt zu ständig wiederkehrenden „banalen Infekten“ mit den 10 unterschiedlichsten Erregern. Hier liegt jedoch kein Immundefekt vor. Es gibt jedoch auch spezifische Schwächungen des Immunsystems infolge eines Infektes mit einem speziellen Erreger, wodurch es zu einer Unterfunktion des Immunsystems kommt. Hierzu zählen z. B. der HI-Virus oder der Epstein-Barr-Virus. Sie führen eine zielgerichtete Beeinträchtigung des Immunsystems herbei. Therapien zielen zwar auf den Erreger ab, die punktgenaue Vernichtung ist jedoch oft (noch) nicht möglich. Ebenso kann ein Mangel an spezial­ isierten Zellen eine Unterfunktion des Immunsystems bewirken. Derartige Defekte können angeboren oder erworben sein. Wie wirkt sich die Psyche auf das Immunsystem aus? Allseits bekannt, Stress wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus, wohingegen positive Gedanken, Sonnenstrahlen oder Humor einen positiven Einfluss haben. Womit hängt das zusammen? Wie kann enormer Lebenswille oft der Motor für den Sieg über eine lebensbedrohliche Krankheit sein? Vermehrt ist man sich darüber im Klaren, dass es eine komplexe Wechselbeziehung zwischen dem Immun- und dem Nervensystem gibt. Das heißt wichtige Immunzellen – wie B-Zellen oder T-Zellen – stehen in Verbindung zu Nervenzellen. Das Praktisch kann jedes Körperorgan von einer Autoimmunerkrankung betroffen sein. Daher kann man nicht genau sagen wie viele Autoimmunerkrankungen existieren, weil bei manchen Erkrankungen zum heutigen Zeitpunkt nur der Verdacht besteht, dass sie aufgrund einer überschießenden körpereigenen Immunantwort auftreten. Auch Sonnenlicht stärkt das Immunsystem. wiederum hat umgekehrt die Auswirkung, dass die Psyche sowohl positiv als auch negativ auf das Immunsystem einwirken kann. Daraus hat sich ein eigener wissenschaftlicher Zweig, nämlich die Psycho-Neuro-Immunologie entwickelt, die dem derartigen Wechselspiel auf der Spur ist. Was ist eine Autoimmun­ erkrankung? Bei Autoimmunerkrankungen handelt es sich um eine „falsche oder fehlgeleitete Programmierung“ des menschlichen Abwehrsystems in der Form, dass das Immunsystem gesunde eigene Zellen bekämpft. Es geht also um eine gegen sich selbst gerichtete Immunantwort. Wie kommt es dazu? Die kritischste Phase für das Immunsystem ist das Erkennen und Unterscheiden zwischen unproblematischen / körpereigenen und fremden Substanzen. Läuft diese Erkennung falsch, führt dies zu einer Autoimmunreaktion und damit zu unterschiedlichen Krankheitssymptomen. Welche Autoimmun­ erkrankungen gibt es? Die Klassifikationen der Autoimmunerkrankungen richten sich meist nach den betroffenen Organen, so kann man beispielsweise Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn den Autoimmunerkrankungen des Darmtraktes zuordnen. Ebenso ist Zöliakie, eine chronische Unverträglichkeit von Gluten im Bereich der Dünndarmschleimhaut. Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die den Bereich der Myelinscheide im Zentralen Nervensystem betrifft. Bei rheumatischen Erkrankungen, wie z. B. juveniler Arthritis, Fibromyalgie, Morbus Bechterew und rheumatoider Arthritis richtet sich das eigene Immunsystem gegen körpereigene Substanzen im Bereich der Muskeln, Sehnen und Gelenke. Bei Diabetes Typ 1 richtet sich die Immunantwort gegen Insulin-produzierende Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Im Bereich der Haut kennt man sehr viele Erkrankungen, wo sich 11 das Immunsystem gegen die eigenen Zellen richtet. Die bekannteste immunologisch bedingte Erkrankung ist die „Psoriasis“ (Schuppenflechte). Sie ist charakterisiert durch schuppende Hautregionen, wobei sich auch Veränderungen an den Nägeln zeigen können. Bei dieser Erkrankung können auch andere Organe betroffen sein, wie Gelenke oder Bänder. Gemeinsam ist all diesen Erkrankungen, dass sie nicht ansteckend sind! Was ist der Unterschied zwischen: Autoimmun­ erkrankung und Allergie? Bei einer Allergie richtet sich die Immunantwort gegen Stoffe, die von außen auf den Körper einwirken, wie z. B. Pollen oder Milben. Bei einer Autoimmunerkrankung hingegen handelt es sich um eine Immunreaktion, die sich ohne äußeren Einfluss auf körpereigene Zellen oder andere Stoffe richtet. Was hat Krebs mit dem Immunsystem zu tun? Tumorzellen haben unterschiedliche Mechanismen, mit denen sie unser Immunsystem „verwirren“. Das tun sie indem sie sich „maskieren“ (sich eine Art „Tarnkappe“ aufsetzen), wodurch sie nicht als fremd erkannt werden. Damit rutschen sie sozusagen durch das „Screening“ unseres Ab12 Krebszellen „verwirren“ das Abwehrsystem. wehrsystems. Oder sie schütten aktiv Substanzen aus, damit es zu einer Regulierung des Immunsystems nach unten (= Immunsuppression) kommt. Sind Hygienemaßnahmen grundsätzlich wichtig? Ja. Hygienemaßnahmen, wie Händewaschen machen durchaus Sinn, da eine Vielzahl an Keimen über das Berühren von Klobrille, Türschnallen und auch durch das Händeschütteln unbemerkt weitergegeben werden und durch das Berühren der eigenen Nase oder des Mundes in unseren Organismus gelangt. Hier sprechen wir hauptsächlich von Erkältungs- und Grippeviren, deren Übertragung sich durch Hygienemaßnahmen wie richtiges Händewaschen eindämmen lässt. Aber übertriebene Hygiene kann auch kontraproduktiv sein, da dadurch das Immunsystem nicht geschult wird und sich nicht ständig adaptiert. Es reagiert dann zu sensibel. Außerdem entfernen wir dabei auch gute Bakterien, die mit uns in Symbiose leben. Immuntherapie Wozu Immuntherapie? Die Medizin fahndet seit Menschengedenken nach immer wieder neuen Substanzen, die wirksam gegen schwerwiegende Erkrankungen sind, wogegen herkömmliche Substanzen oft wirkungslos blieben. Man ist damit unweigerlich über die Funktionsweise und das „Nicht-Funktionieren“, im Sinne von „Aus-der-Reihe-tanzen“ des Immunsystems gestoßen. Man wurde sich darüber im Klaren, dass es eine Vielzahl an Krankheiten gibt, die eine Unterstützung des Immunsystems erfordern, andere hingegen wiederum eine Unterdrückung eines überaktiven Immunsystems benötigen. Mit Fingerspitzengefühl ging man daran, dass derartige Therapien immer gezielter das Immunsystem regulieren und immer nebenwirkungsärmer wurden. Die Auswirkungen über dieses Wissen zu verfügen, zeigen sich in den Erfolgen bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen, Krebstherapien, Therapien gegen Allergien u.v. m. Was kann die Immunologie konkret tun? Eine der größten Errungenschaften in der Medizin im 20. Jahrhundert war die „aktive Immunisierung“ – sprich die klassische Impfung. Krankheits­erreger (oder Auszüge daraus) werden in geringen Mengen 13 KAPITEL 2 verabreicht, das Immunsystem voraktiviert und damit auf den Krankheitserreger „scharf“ gemacht, so dass bei einem tatsächlichen Befall mit diesem Erreger das Immunsystem sofort reagieren kann. Was sind Immunregulatoren? Immunregulatoren sind alle pharmakologischen Substanzen (Medikamente), welche das Immunsystem beeinflussen. Dabei unterscheidet man Substanzen, die zur Verstärkung der Immunantwort führen, sogenannte Immunstimulatoren und Wirkstoffe, die zur Dämpfung des Immunsystems beitragen, sogenannte Immunsuppressoren (-hemmer). Was heißt Immunstimulation? Aktive Immunisierung durch impfen. Eine Errungenschaft aus der neueren Zeit aus dem Bereich der Immunologie ist die „passive Immunisierung“. Sie bezeichnet den Einsatz von Antikörpern von außen als „Hilfestellung“ für das Immunsystem. Das kann einerseits geschehen, indem man Antikörper verabreicht - womit „getarnte“ Tumorzellen für das Immunsystem besser erkennbar gemacht werden (z. B. bei der Krebstherapie) oder indem man das immunologische Gleichgewicht durch Verabreichung von Antikörpern wieder herstellt. 14 Immunstimulation ist eine Behandlung, die das Immunsystem anregt verstärkt zu „arbeiten“. Darunter fallen Substanzen von „immunstärkenden“ Mitteln bis hin zur unspezifischen Immuntherapie bei Tumorerkrankungen. Weiters fällt unter den Begriff der Immunstimulation auch die aktive Impfung. Wann kommen Immun­ suppressoren zum Einsatz? Sie werden verwendet, wenn überschießende Reaktionen des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe gehemmt werden sollen, wie das z. B. bei Autoimmunerkrankungen der Fall ist. Auch wird das Immunsystem bei Organtransplantationen daran gehindert zu aktiv zu werden, um das transplantierte Organ nicht abzustoßen. Medikamente, die dafür eingesetzt werden, heißen Immunsuppressiva. Beispiele dafür sind: Glucocorticoid, Antikörper wie z. B. TNF-Alpha Blocker oder Interleukine (IL-6). Was haben Botenstoffe mit der Immuntherapie zu tun? Zellen des Immunsystems kommunizieren entweder unmittelbar miteinander oder mittels Botenstoffen, wie Hormone oder Zytokine. Wenn diese Botenstoffe außer Kontrolle geraten und dadurch das Immunsystem „falsch reagiert“, kann man mittels Verabreichung von Antikörpern eine wirkungsvolle Therapie einleiten und sie damit neutralisieren. Bei Psoriasis, Morbus Crohn und rheumatoider Arthritis beispielsweise zirkulieren zu viele entzündungsfördernde Botenstoffe, wie Tumor-Nekrose-Alpha oder Interleukin-6. Die bekanntesten eingeleiteten Therapien sind mit: Interleukinen, Interferonen oder TumorNekrose-Alpha-Blockern (TNF-Alpha Blocker). Sie wirken entzündungshemmend (anti-inflammatorisch) und unterdrücken die überschießende Immunantwort, also den Entzündungsprozess. Was ist das Therapieziel bei Verabreichung von Immunsuppressiva? Das Therapieziel ist, eine deutliche Besserung der Symptome zu erwirken oder die Erkrankung sogar zu einem Stillstand (zur Remission) zu bringen. Auch die Lebensqualität verbessert sich dadurch natürlich drastisch. Welche Probleme könnte es beim Einsatz von Immunsuppressiva geben? Wenn man die unerwünschten Aktivitäten des Abwehrsystems mit Immunsuppressiva ausschaltet, wird natürlich gleichzeitig die notwendige Schutzfunktion der körpereigenen Abwehr unterdrückt, sprich das „Gesamtsystem im Körper gekühlt“. Das bedeutet, je effektiver die Medikation im Sinne der angegriffenen Organe Das „A“ und „O“ in der Immuntherapie: Balance. ist, um so schutzloser macht sie den Körper auch bei der Bekämpfung von exogenen (= von außen kommende Viren und Bakterien) als auch von internen pathogenen Erregern (Tumorzellen). Wünschenswert für die zukünftigen Forschungstätigkeiten ist es, die Antigene der entsprechenden Erkrankungen genauer zu kennen und die entsprechenden Antikörper so 15 KAPITEL 2 entwickeln zu können, um damit das immunologische Gleichgewicht so wenig wie möglich aus der Balance zu bringen. Im Bereich der Allergieforschung ist das schon gut gelungen. Welche Medikamente kommen bei Autoimmunerkrankungen häufig zum Einsatz? Die Therapie von Autoimmunerkrankungen ist sehr individuell und wird am besten von Ihrem Facharzt zusammengestellt. Folgende Medikamente können häufig bei der Therapie von Autoimmunerkrankungen verwendet werden: •C ortison • Aspirin-Abkömmlinge (Azulfidine) • Antikörper: Immunsuppressiva wie Zytokine, spezielle Interferone oder Interleukine einer Arzneimittelsubstanz weiter. Cortisone bremsen die immunologischen Vorgänge und hemmen somit effizient Entzündungen. Cortison kommt damit bei entzündlichen Krankheiten zum Einsatz. für kurze Zeit unbedenklich sind und dass Nebenwirkungen von vernünftig dosiertem Cortison gering ausfallen. Gerade moderne Anwendungsformen lassen das Risiko aller unerwünschten Nebenwirkungen reduzieren. Warum ist Cortison gefürchtet? Was versteht man unter „low-dose“ im Zusammenhang mit Cortisontherapie? Diese Angst begründet sich aus den Erfahrungen mit überdosierten Cortisonbehandlungen Ende der 1970-er Jahre. Damals wurden zu lange und zu hoch dosierte Cortisonpräparate eingesetzt, die zu den gefürchteten Nebenwirkungen führten. Heute weiß man, dass größere Mengen Cortison Gibt es Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva? Cortisontherapie Was hat Cortison mit dem Immunsystem zu tun? Cortison ist ein Überbegriff für eine bestimmte Wirkstoffgruppe in der Medizin. Es handelt sich dabei um einen Abkömmling des körpereigenen Hormons Cortisol, welches in der Nebenniere gebildet wird. Dieses Hormon übernimmt zahlreiche Aufgaben im Bereich des Stoffwechsels und des Abwehrsystems. Aufgrund dieser Eigenschaft, entwickelte man es zu 16 Es bedeutet Niedrigdosis und meint damit die kleinste, im Einzelfall noch wirksame Dosis, die verabreicht werden muss. Zu Beginn einer Behandlung gibt der Arzt meist eine höhere Dosis, um sich langsam zu der Dosis „vorzutasten“, wo gerade noch eine Wirkung erzielt wird. Anamnese ist bei Einsatz von Cortison wesentlich. Eine Entzündungshemmung durch Cortison beinhaltet gleichzeitig, dass die Infektionsabwehr geschwächt ist, was sich gefährlich bei der gleichzeitigen Gabe von Cortison und Immunsuppressiva auswirken kann. Daher: • Vor der Einnahme von Cortison sollten Sie den Arzt unbedingt abklären lassen, dass bakterielle, virale oder parasitäre Infektionen ausgeschlossen werden können. • Während der Einnahme, so höher dosiert wird, sollten regelmäßige Infektionsüberwachungen vom Arzt durchgeführt werden. Was passiert, wenn ich mein Cortison nicht mehr einnehmen will? Wenn Sie eine Therapie von Ihrem Arzt verordnet bekamen, die eine Cortison-Medikation beinhaltet, so geschieht dies aus gutem Grund. Wenn Sie die Therapie einfach – ohne Ihren Arzt zu informieren – absetzen, so riskieren Sie mitunter gravierende Folgen. So müssen Sie beispielsweise bei vorzeitigem Absetzen von Cortison bei Rheuma damit rechnen, eine nicht mehr rückgängig zu machende Gelenksdeformation zu erleiden. Halten Sie aus diesem Grund unbedingt Rücksprache mit Ihrem Arzt! Antikörpertherapie Eine Therapie mit monoklonalen (= Antikörper, die eine idente molekulare Struktur aufweisen) Antikörpern beeinflusst gezielt Entzündungsabläufe im Körper. Dabei gelingt es der Forschung zunehmend besser, die Antikörper so zu „modifizieren“, dass sie den menschlichen Antikörpern ähnlicher werden. In der Krebstherapie können beispielsweise diese Antikörper Rezeptoren, auf denen die Krebszellen andocken, derart blockieren, dass diese Zellen damit ihre Zellteilung verringern und das Wachstum des Tumors gebremst wird. Auch werden 17 KAPITEL 2 Antikörper verabreicht, um Krebszellen für das körpereigene Immunsystem wieder sichtbar zu machen. Wesentlich jedoch ist: Kein Tumor ist wie der andere, und die Therapie richtet sich nach den individuellen Merkmalen des Patienten und der Tumorart. Dazu siehe Kapitel 3.4. Biologika Biologika stellen eine relativ neue, oftmals sehr wirksame Therapieoption dar, die direkt und gezielt in den Entzündungsprozess eingreift. Biologika werden erst nach erfolglosen Versuchen mit sogenannten klassischen Basistherapeutika, wie Metho­ trexat, Leflunomid oder Sulfasalazin eingesetzt. Zu den Biologika gehören die nachfolgend genannten Wirkstoffgruppen, welche an unterschiedlichen Stellen in das Immunsystem eingreifen. Wichtig ist, dass vor dem Verabreichen von Biologika das Vorliegen einer Infektion, insbesondere von Tuberkulose, ausgeschlossen wird. TNF-Alpha-Blocker Mit Hilfe dieser zielgerichteten Therapie wird der körpereigene, entzündungsauslösende Botenstoff TumorNekrose-Faktor (TNF) blockiert. Dieser Therapieansatz hemmt das Fortschreiten von Entzündungen. Im Falle des Behandlungsansprechens, tritt die Wirkung innerhalb weniger Wochen nach Verabreichung ein. 18 Ihr Haupteinsatzgebiet sind die aktive rheumatoide Arthritis, ebenso die juvenile idiopathische Arthritis und Morbus Bechterew. Einige der TNF-Alpha-Blocker werden auch zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt. Interleukin-6-RezeptorBlocker Beim IL-6-Rezeptor-Blocker handelt es sich um eine Therapie mit Antikörpern, gegen den Interleukin6-Rezeptor, einem anderen ebenfalls entzündungsfördernden, körpereigenen Botenstoff. Dieser kommt bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis zum Einsatz und stellt ein Standbein in der Rheumatherapie dar. B-Zellen Hemmung Diese Form der Therapie führt zur Verminderung der Anzahl der BZellen, deren wichtige Aufgabe es unter anderem ist Antikörper zu bilden. Darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle bei entzündlichen Gelenkserkrankung. Diese Substanz kommt bei rheumatoider Arthritis und Non-Hodgkin-Lymphomen zur Anwendung. Die Handhabung von Pens ist unkompliziert und T-Zellen Hemmung unauffällig. Weiters sind die mittelschwere bis schwere Psoriasis (= Schuppenflechte) bzw. aktive Psoriasis Arthritis ein etabliertes Einsatzgebiet. Die Verabreichung erfolgt entweder durch den Arzt mittels Infusion, auch besteht die Möglichkeit, dass der Patient es sich mittels Fertigspritze oder mit einem Pen selbst subkutan (= ins Unterhautfettgewebe) injiziert. Der Einsatz von T-Zellen Inhibitoren bremst die Aktivierung von T-Zellen und greift somit in den Ablauf der Entzündungskaskade ein. Hyposensibilisierung Ziel der Hyposensibilisierung (auch spezifische Immuntherapie) in der Allergietherapie ist es, durch eine Allergien sollten behandelt werden. kontinuierliche Verabreichung geringer, langsam steigender Allergenmengen das Immunsystem zu „gewöhnen“ und damit eine höhere Toleranz des Immunsystems gegenüber den natürlich vorkommenden Allergenen zu erreichen. Damit soll erreicht werden, dass überaktive Immunantworten bei Kontakt mit dem Allergen in Zukunft – durch die vorherige Gewöhnung – herabgesetzt wird. Die Reizschwelle wird angehoben, damit der Körper die Menge an Allergenen, die in der Natur vorkommt, ohne Symptome wie Niesen oder gerötete Augen erleben kann. Diese Art der Therapie kann jedoch nur funktionieren, wenn auch das verabreichte Allergen für die Symptome verantwortlich ist. Das setzt eine Allergendiagnostik voraus. Die Verabreichung der kontinuierlich gesteigerten Allergendosen dauert rund 3 Jahre. 19 KAPITEL 3.1 Wie weiß ich, ob ich an Morbus Bechterew leide? Rheumatologie – rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew Bedeutet Rheuma immer eine Immunstörung? Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung vor allem im Bereich der Wirbelsäule. 20 Tiefsitzender Kreuzschmerz ist typisch für Morbus Morbus Bechterew ist eine chronischentzündliche Erkrankung vor allem im Bereich der Wirbelsäule und der so genannten Sacroiliakalgelenke (= Kreuz-Darmbein-Gelenke). Was tue ich, wenn ich diese Art von Kreuzschmerzen habe? Nein. Der Begriff Rheuma beinhaltet derzeit rund 400 verschiedene Krankheitsformen, worunter auch nicht-entzündliche vorwiegend degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie z. B. Arthrosen, fallen. Bei rheumatoider Arthritis (juveniler idiopathischer Arthritis) und Morbus Bechterew hingegen handelt es sich um immunologische Erkrankungen, die vorwiegend durch entzündliche Prozesse gekennzeichnet sind, denen Autoimmunprozesse zu Grunde liegen. Charakteristisch für Morbus Bechterew sind: • tiefsitzender Kreuzschmerz (meist nachts), der sich durch Bewegung bessert • morgendliche Steifigkeit in der Wirbelsäule • u. U. Schwellungen großer Gelenke (Knie) • Hüftschmerzen in der Leiste Suchen Sie Ihren Hausarzt auf, sollte sich der Verdacht erhärten, wird er Sie an einen Rheumatologen überweisen. Er wird dann mittels Befragung (Anamnese), klinischer Untersuchungen (z. B. Schmerzlokalisation), Labor (z. B. Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP-Wert und HLA-B27) und Röntgenuntersuchungen eruieren, ob Sie an Morbus Bechterew leiden. Sollten Röntgenuntersuchungen nicht aussagekräftig genug sein, kann eine Magnetresonanztomografie oder Computertomografie angeordnet werden. Bechterew. Wie sieht die Therapie bei Morbus Bechterew aus? Grundsätzlich ist die Therapie davon abhängig, in welchem Stadium sich der Erkrankte befindet. Neben der medikamentösen Therapie ist die Physiotherapie wichtig um die Mobilität des Bewegungsapparats zu erhalten. An erster Stelle gilt es, die Schmerzen zu lindern, dazu stehen NSAR (nicht steroidale Antirheumatika) als Mittel der Wahl zur Verfügung. Bei akuten Schüben ist Cortison – vom Arzt in den Gelenksspalt injiziert – oft wirkungsvoll. Ist die Therapie mit NSAR bei Morbus Bechterew in ausreichender Dosierung und ausreichend lange unternommen worden und bleibt die Krankheitsaktivität trotzdem hoch, so stehen heute mit 21 KAPITEL 3.1 den TNF-Alpha-Blockern moderne Medikamente zur Verfügung. Wie Studien zeigen, haben Patienten durch die Verabreichung dieser Substanzen oftmals eine rasche Verbesserung von Schmerzen, Beweglichkeit und Entzündungszeichen erlangt. Eine ursächliche Therapie von Morbus Bechterew gibt es zum heutigen Zeitpunkt leider noch nicht. Wen betrifft eine rheumatoide Arthritis (RA)? Die rheumatoide Arthritis zählt zu den häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Frauen sind hier 3-mal häufiger betroffen als Männer. In Österreich leiden rund 80.000 Menschen daran. Wie kommt es zur rheumatoiden Arthritis? Ein einzelner auslösender Verursacher kann nicht für RA verantwortlich gemacht werden. Vielmehr ist es ein Zusammenspielen mehrerer Faktoren, einschließlich einer Überaktivität des Immunsystems. Es richten sich hier die körpereigenen Immunzellen gegen das Gelenkgewebe. Was passiert bei der rheumatoiden Arthritis? rheumatoider Arthritis. 22 Wenn die Gelenke entzündet sind, werden viele Handgriffe schmerzhaft. Die Gelenkinnenhaut produziert im gesunden Gelenk eine Gelenkschmiere, womit eine reibungslose Bewegung sichergestellt ist. Bei der RA kommt es durch eine überschießende Tätigkeit des Immunsystems zu einer Entzündung in dieser Gelenkinnenhaut. Verantwortlich sind entzündungsfördernde Botenstoffe, die Zytokine. Sie führen zu einer Entzündung im Gelenk, wodurch es zu schmerzhaften Schwellungen und einer Überwärmung im Gelenk kommt. Im Anschluss „wächst“ die Gelenkinnenhaut in das Gelenk ein, Knorpel und Knochen werden angegriffen und das Gelenk verformt sich zu guter Letzt. Wie bemerkt man rheumatoide Arthritis? Dreimal mehr Frauen als Männer leiden an Betroffenen mit einer Verbesserung der Entzündungsreaktion zu rechnen ist. Da die Wirkung oft erst nach Monaten eintritt, gibt der Rheumatologe meist ein Cortisonpräparat zur Überbrückung. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und auch plötzlich oder sehr schleichend ausbrechen. Hauptsymptom sind Gelenkschmerzen – meist an Hand, Fingergrundbzw. Fingermittelgelenken und Gelenkschwellungen. In der Folge kommt es zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen. Kommt es mittels klassischer Basistherapeutika nicht zum Anhalten der Entzündungen, wird entweder auf ein anderes Basistherapeutikum gewechselt oder ein Biologikum (TNF-Alpha-Blocker, Interleukin6-Rezeptor-Blocker oder T-ZellenInhibitor) zusätzlich verordnet. Bei Nichtansprechen ist darüber hinaus ein Therapiewechsel mit einer Hemmung der B-Zellen möglich. Wie wird therapiert? Ziel der Therapie ist es – wie auch bei Morbus Bechterew – neben der Schmerzlinderung die rasche Eindämmung der Entzündungen zu erwirken. Neben abschwellenden Rheumaschmerzmitteln (NSAR) kommen vor allem Basistherapeutika, wie z. B. Methotrexat, zum Einsatz. Die Einnahme erfolgt meist über Monate. Mittels Basistherapeutika gelingt es bei rascher Behandlung die Entzündungsaktivität in den Griff zu bekommen, wobei nur bei 40 % der Typische Veränderungen im Gelenk sind am Röntgenbild gut sichtbar. Wichtig ist bei all diesen Therapien die Überwachung durch den Rheumatologen. 23 KAPITEL 3.2 keit für die Ausbildung von Krankheiten) erhöht ist. Psychische Faktoren sind nicht die Ursache für die Krankheitsentstehung, man ist sich aber einig, dass psychische Belastungen einen Schub auslösen oder verstärken können. Was passiert im Darm bei einer CED? Magen / Darm – Morbus Crohn /Colitis Ulcerosa Was hat mein Verdauungssystem mit dem Immun­system zu tun? Dem Immunsystem im Verdauungstrakt wird eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Rund 70 % unserer Abwehrzellen leben im Darm. Die wesentliche Aufgabe des „Verteidigungssystems“ im Magen- / Darmtrakt ist die Balance zwischen Toleranz und Abwehr von Antigenen zu halten. Ständig nehmen wir mit der Nahrung potentielle Keime auf, die als nützlich oder eben für den Organismus schädigend eingestuft werden. Sind sie gefährlich werden sie von Makrophagen, (siehe dazu ausführlich Kapitel 1, Immunsystem), einverleibt und vernichtet. 24 Was sind entzündliche Darmerkrankungen? Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zählen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Die Ursache von CED ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht geklärt, mit Sicherheit ist jedoch eine Fehlfunktion des Immunsystems in Zuge der Bekämpfung von Bakterien im Darm beteiligt. Bei beiden Formen verläuft die Erkrankung häufig in Schüben. Aber auch in schubfreien Intervallen können CED voranschreiten und neue Schäden an der Darminnenwand hervorrufen. Es konnte eine erbliche Häufung beobachtet werden, wobei lediglich die Disposition (= Anfällig- Wenn es zu einer Entzündung im Darm kommt, entzündet sich gerade jenes Organ, das die Zentrale des Immunsystems beherbergt. Das Immun- Dickdarm Dünndarm CED: Immunzellen im Darm richten sich gegen das Wie bemerke ich, ob mit meinem Darm etwas nicht stimmt? Die ersten Anzeichen einer CED sind oft schwer erkennbar, weil die Erkrankung mitunter schleichend vor sich geht. Je stärker sich jedoch diese Entzündungen ausgedehnt haben, umso stärker wird die Symptomatik, wie: • blutige, dünnflüssige oder schleimige Durchfälle • schmerzhafter und nicht unterdrückbarer Stuhldrang, bis zur Stuhlinkontinenz • kolikartige Bauchschmerzen, • aber auch Symptome außerhalb des Bauchraumes, wie Gelenksschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit Wenn man davon spricht, dass die Krankheit schubweise verläuft, meint man damit auch mitunter Jahre andauernde Phasen ohne Symptome nach dem ersten Auftreten. Muss ich derartige Symptome hinnehmen? Gewebe. system bewirkt eine Abwehrreaktion gegen die eigene Darmflora und die natürliche Darmbarriere geht verloren. Faktoren, wie falsche Ernährung, Stress, Rauchen oder Medikamente können den Prozess fördern und das System im Darm „kippt“, mit dem Resultat einer chronischen Entzündung. Viel zu oft gehen Betroffene leider noch immer nicht rechtzeitig zum Arzt – meist aus Schamgefühl. Dafür nehmen sie mitunter jahrelange Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf. Theaterbesuche, lange Busfahrten etc. werden gemieden aus Sorge nicht rechtzeitig das nächste WC aufsuchen zu können. (Online Toilettenfinder: www.crohnhilfe.at). 25 KAPITEL 3.2 CED-Check Siehe auch: www.ced-check.at 1. Bestehen / bestanden länger als 6. Bestehen / bestanden Fisteln oder 4 Wochen Durchfall (= mehr als 3 flüssige Stuhlgänge pro Tag) oder wiederholte Episoden von Durchfällen? O Ja O Nein Abszesse im Analbereich? O Ja O Nein 2. Bestehen / bestanden länger als 4 Wochen Bauchschmerzen oder wiederholte Episoden von Bauchschmerzen? O Ja O Nein 3. Besteht / bestand regelmäßig oder wiederholt über mehr als 4 Wochen Blut im Stuhl? O Ja O Nein 4. Bestehen / bestanden nächtliche Bauchbeschwerden wie Bauchschmerz oder Durchfall? O Ja O Nein 5. Besteht / bestand regelmäßig oder wiederholt über mehr als 4 Wochen schmerzhafter Stuhldrang? O Ja O Nein 7. Bestehen / bestanden allgemeines Krankheitsgefühl, Schwäche oder Gewichtsverlust? O Ja O Nein 8. Bestehen / bestanden Beschwerden außerhalb des Magen-DarmTraktes wie Gelenksschmerzen, Augenentzündungen oder Hautveränderungen? O Ja O Nein 9. Existiert in der Familie ein Hinweis auf Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa? O Ja O Nein 10. Können andere Ursachen für Durchfalls-Erkrankung ausgeschlossen werden – wie z. B. Fernreisen, Infektionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Medikamenteneinnahme wie Antirheumatika / Antibiotika, sexuelle Praktiken? O Ja O Nein Wenn auch nur eine der Fragen 1 – 6 mit einem JA beantwortet werden muss, gibt es einen Hinweis auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Bitte wenden Sie sich in diesem Fall unverzüglich an Ihren Hausarzt. 26 Was heißt nun chronischer Durchfall? Chronischer Durchfall ist sicherlich ein Leitsymptom bei CED. Wenngleich chronischer Durchfall (> 4 – 6 Wochen) generell ein sehr unspezifisches Symptom ist und auch als Folge von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Medikamentennebenwirkungen oder anderen Erkrankungen (z. B. Reizdarm) auftreten kann. Wie unterscheiden sich CED von anderen Magen-/ Darmerkrankungen? Allein anhand einzelner Symptome kann man CED nur schwer von anderen Erkrankungen wie z. B. Reizdarm unterscheiden. Meist besteht ein Komplex von Beschwerden, die durch ihre Beständigkeit und auch oft aufgrund ihres nächtlichen Auftretens den Verdacht auf eine CED nahelegen. Blut im Stuhl ist immer ein Alarmsymptom, das einer Abklärung bedarf, tritt aber bei Morbus Crohn im Vergleich zur Colitis ulcerosa nur selten auf. Der nebenstehende Fragebogen gibt aufgrund der standardisierten Abfrage mehrerer Symptome Aufschluss über das Vorliegen einer CED. unverzichtbar, mit ihm Ihre Bedenken zu besprechen. Nehmen Sie den nebenstehenden – von Spezialisten ausgearbeiteten – Fragekatalog, den CED-Check, mit, damit auch er einen guten Anhaltspunkt hat. Er soll dann den im Internet verfügbaren Fragebogen nochmals mit Ihnen durchgehen. Erhärtet sich der Verdacht auf eine CED, muss die notwendige Diagnostik so rasch wie möglich eingeleitet werden. Wie sich immer wieder zeigt, erleichtet auch der Austausch mit Gleichgesinnten den Umgang mit der Erkrankung. Siehe auch: www. oemccv.at Wie viele Menschen leiden in Österreich darunter? In Österreich sind rund 60.000 – 80.000 Menschen von CED betroffen (lt. ÖBIG – Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen). Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Es dauert in Österreich leider noch Wohin gehe ich bei Verdacht auf CED? Erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt, der Arzt Ihres Vertrauens. Es ist Bauchkrämpfe vermindern die Lebensqualität. 27 immer über drei Jahre bis ein Betroffener eine Diagnose erhält, weil zu lange von Seiten des Patienten wie von Seiten der Ärzte zugewartet wird. Hier verstreicht wertvolle Zeit!!! Denn je später diagnostiziert wird, desto mehr Regionen im Darm sind betroffen. Wie verläuft die Diagnosefindung? Der Hausarzt überweist bei Verdacht auf eine CED an einen Spezialisten (Internist oder Chirurg mit Endoskop), der dann eine hochqualitative, sanfte Koloskopie durchführt. Es ist dadurch möglich, alle nötigen Bereiche des Darms einzusehen und u. U. eine Gewebeprobe zu entnehmen. Eine Koloskopie ist eine ambulante Untersuchung, die nach Verabreichung eines kurzwirksamen Narkotikums schmerzlos vor sich geht. Wie sieht die Therapie aus? Die Therapie von CED gehört in die Hände eines Spezialisten (Spezialambulanzen). Wie die individuelle Therapie aussieht, hängt von folgenden Faktoren ab: Schweregrad der Erkrankung, Lokalisation der entzündeten Darmbereiche, Alter des Betroffenen, vorherige Therapien und Verlauf der Erkrankung. Wesentlich ist, dass die Therapie nur symptomatisch und / oder immun-modulierend erfolgt, nicht jedoch die Krankheit ursächlich heilen kann. Die große 28 Lebenswerter Alltag mit neuen Therapien. Bestrebung ist sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis Ulcerosa rasch dem Patienten immunsuppressive Substanzen und / oder Biologika zuzuführen – siehe dazu Kapitel 2, Immuntherapien. Momentan werden Biologika nur bei Patienten mit schwereren Verlaufsformen eingesetzt werden. Nach gewissenhaften Voruntersuchungen und Ausschluss chronischer Infektionen (z. B. Tuberkulose), schwerem Herzleiden oder Multipler Sklerose, werden diese Substanzen als Infusion bzw. Injektion (Pen oder Fertigspritze) verabreicht. Der Großteil der so behandelten Patienten profitiert von einer Langzeitbehandlung. Es hat sich gezeigt, dass Biologika die Lebensqualität von Betroffenen derart verbessern konnten, dass Patienten seltener ins Spital mussten und dass weniger Operationen nötig waren. Cortison ist bei CED zur Behandlung von akuten Schüben immer wieder notwendig und sehr sinnvoll. Eine Therapieeinheit sollte jedoch nicht länger als 8 bis 12 Wochen dauern. Haut – Psoriasis Was ist eine Schuppenflechte? Die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Die Psoriasis tritt mit zwei Altersgipfeln gehäuft um das 20. Lebensjahr (Typ-I-Psoriasis) oder um das 40. Lebensjahr (Typ-II-Psoriasis) auf. Aber auch Kinder können an der Schuppenflechte erkranken. Was sind die Anzeichen, dass ich Psoriasis habe? Auf der Haut zeigen sich rundliche bis ovale, gerötete Stellen, die von festhaftenden, silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind und sich scharf von der gesunden Haut abgrenzen. Diese Schuppen bilden Herde (so genannte Plaques) aus, die sich entlang von Armen und Beinen, am Oberkörper, an den Knien, den Ellbogen, in der Kreuzbeinregion und entlang des behaarten Teils des Kopfes erstrecken können. Die Herde können sich auf die gesamte Körperoberfläche ausdehnen. Beim Abkratzen der juckenden Schuppen entstehen punktförmige Blutungen (Auspitz-Phänomen). Für die Betroffenen sind die schuppenden Hautstellen sehr belastend, sie vermeiden oft den Kontakt mit anderen Menschen: Ein Schwimmbadbesuch, eine Massage oder auch ein Friseurtermin werden für sie zum unüberwindbaren Hindernis. Häufig 29 KAPITEL 3.3 Wie wird die Diagnose erstellt? stoßen sie bei ihren Mitmenschen auf Ablehnung. Das kann zu psychischen Problemen führen. Die Diagnose ist bei typischen Verläufen meist nicht schwierig, sie wird in der Regel von Hautärzten gestellt. Gelegentlich ist eine Hautentnahme für mikroskopische Untersuchungen aber nötig. Wie viele Menschen sind davon betroffen? In Österreich leiden rund 80.000 bis 240.000 Menschen an einer Schuppenflechte, davon erkranken 10 bis 20 % auch an schmerzhaften Gelenkentzündungen. Männer und Frauen sind dabei gleich häufig betroffen. Wie wird Psoriasis behandelt? Kann ich die Krankheit weitervererben? Ja, die Neigung an einer Psoriasis zu erkranken wird vererbt. Es erkranken aber nicht alle Nachkommen, oft werden Generationen „übersprungen“, bleiben also ohne Krankheitszeichen. Es besteht kein Grund, auf Nachwuchs zu verzichten, wenn man an Psoriasis leidet. Wichtig: Psoriasis ist nicht ansteckend! Was passiert bei Psoriasis in meinem Körper? Die Entzündung der Haut wird durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems verursacht. Dies führt zu einer unkontrollierten Aktivierung von Immunzellen, die die Hautzellen anregen, sich schneller zu teilen, als es für die normale Regeneration der Haut nötig ist. Dadurch werden die Zellen an der Oberfläche als unvollständig 30 Psoriasis kommt häufiger vor, als man denkt. verhornte, silbrig-weiße Schuppen abgestoßen. Zusätzlich führen die zugrunde liegenden Entzündungsund Immunreaktionen zu Rötungen, Schwellungen und teilweise auch zu Juckreiz im betroffenen Areal. Ein genauerer Blick auf die Vorgänge in die entzündeten Hautareale zeigt, dass die dort aktiven Immunzellen ein Übermaß an entzündungsfördernden Botenstoffen (Zytokine – übermitteln Nachrichten zwischen den Zellen) produzieren. Heute weiß man, dass der Botenstoff Tumor-NekroseFaktor-Alpha (TNF-Alpha) für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Entzündung bei Psoriasis von Bedeutung ist. Die Psoriasis kann bei jedem Patienten anders verlaufen. Permanente Beschwerden – ob leicht oder stark – können ebenso vorkommen wie jahrelange Pausen mit (fast) völliger Beschwerdefreiheit. Nehmen die Beschwerden erneut zu, sprechen die Ärzte von einem „Schub“. Die Psoriasis ist zwar nicht heil-, aber gut behandelbar. Die Wahl der Behandlung Bei leichten Fällen helfen Cremes oder Salben. richtet sich nach dem Schweregrad und der Ausbreitung. Ist die Psoriasis auf wenige Hautstellen beschränkt, kann man mit Lokaltherapien gute Erfolge erzielen. Zunächst sollten die Stellen entschuppt werden, damit die Wirksubstanzen direkt auf der Haut besser wirken können. Dazu nimmt man zum Beispiel Medikamente, die Salicylsäure in Vasiline oder Öl enthalten. Dann erfolgt die äußerliche Behandlung mit Teer- bzw. DithranolPräparaten, Cortison- oder VitaminD-hältigen Salben bzw. Cremen. Wann gibt der Arzt Medikamente? Bei schweren Verlaufsformen der Psoriasis kommen verschiedene Formen der UV-Bestrahlung bzw. Medikamente, die auf den ganzen Körper wirken (systemische Therapie) zum Einsatz. Diese Medikamente hemmen die Abwehrreaktion des Körpers und somit die fehlregulierte Aktivierung der Immunzellen. Wenn herkömmliche Therapien nicht möglich sind bzw. systemische Medikamente keinen Erfolg (mehr) bringen, werden bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis Biologika angewendet, um die Entzündungsprozesse zu verlangsamen bzw. zu stoppen. Biologika sind eine neue, sehr wirksame Therapieoption. Sie greifen gezielt in die Steuerung entzündlicher Vorgänge ein, indem sie 31 KAPITEL 3.3 beispielsweise den Botenstoff TNFAlpha blockieren und bekämpfen so die Entstehung der Psoriasis. TNFAlpha spielt bei Entzündungsvorgängen in Gelenken, Haut und Darm eine wichtige Rolle. Sogenannte TNFAlpha Blocker sind bei rheumatischen Patienten bereits seit vielen Jahren in Verwendung und mittlerweile auch aus der Therapie der mittelschweren bis schweren Schuppenflechte nicht mehr wegzudenken. Die Behandlung mit Biologika führt in vielen Fällen zur Verbesserung des Hautbildes, oft auch zu Beschwerdefreiheit. Manche TNF-Alpha Blocker können, begleitet von regelmäßigen Kontrollen beim Hautarzt, nach einer Einschulung selbst – in Form von fertigen Lösungen in einem vordosierten Pen mit inkludierter Nadel – injiziert werden. Was kann ich noch tun? Pflegecremen verwenden, die die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und rückfettend wirken. Der Kontakt zu Selbsthilfegruppen kann den Umgang mit der Erkrankung erleichtern. Welche Krankheiten kann Psoriasis auslösen? Viele Betroffene sind übergewichtig, sie leiden häufiger an Diabetes und haben ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Bei Psoriasis sprechen Ärzte von einer systemischen Erkrankung. 32 Können Gelenkschmerzen mit einer Psoriasis zusammenhängen? Ja, bei rund einem Viertel der Patienten zeigt sich einige Jahre nach der Entstehung einer Psoriasis auch eine schmerzhafte, entzündliche Veränderung der Gelenke. Ärzte sprechen dann von der Kombination dieser beiden Erkrankungen, der so genannten Psoriasis Arthritis. Sie tritt zumeist im Alter von 30 bis 55 Jahren erstmals auf. Es handelt sich ebenfalls um eine Autoimmunerkrankung. Bei zirka jedem zehnten Betroffenen stellt sich der Hautbefall erst nach der Gelenkerkrankung ein. Manchmal treten Hautund Gelenkprobleme auch gemeinsam auf (bei 10 bis 20 % der Patienten). Welche Beschwerden sind für eine Psoriasis Arthritis typisch? Bei der Psoriasis Arthritis kommt es schubweise zu rheumatische Schmerzen in den folgenden Gelenken: • Strahlenförmige Entzündung aller Glieder (z. B. in einem Finger oder einer Zehe). Der betroffene Körperteil ist von der Hand bzw. vom Fußrand bis in die Spitze wurstförmig geschwollen, rot und verursacht starke Schmerzen. • Sehr häufig sind die Mittel- bis Endgelenke betroffen – im Vergleich zu anderen Formen des entzündlichen Rheuma, wo körper- nähere Gelenke befallen sind. • Entzündung des Sehnenansatzes, die sich in einer Schwellung zeigt. • Es kann auch die Wirbelsäule betroffen sein, vor allem das untere Rückendrittel. • Ein Zehen- oder Fingernagelbefall ist ebenfalls ein wesentliches Merkmal für die Psoriasis Arthritis. So zeigt sich auf den Nägeln oft ein stecknadelkopfgroßes Grübchen auch kann sich der Nagel vom Nagelbett abheben. Charakteristisch sind auch so genannte „Ölflecke“: Innerhalb der Nagelplatte bilden sich weißlich bis gelblich glänzende, scharf begrenzte, rundlich bis ovale Inseln. • Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis ist die Gelenkbeteiligung oft asymmetrisch, d. h. es sind auf der rechten oder auf der linken Körperhälfte unterschiedliche Gelenkregionen befallen. Wie wird die Diagnose erstellt? Immer wieder leiden Patienten jahrelang unter unbestimmten Gelenkschmerzen, deren Ursache auch durch bildgebende Verfahren wie Röntgenbilder und Computertomographie nicht zu eruieren ist. Bei leicht geschwollenen, schmerzenden Fingergelenken und diffusen Gelenkschmerzen muss vor allem bei jungen Patienten, bei denen Röntgenbilder weder eine Fehlstellung der Gelenke noch eine bemerkenswerte Abnützung zeigen, auch an eine Psoriasis Arthritis gedacht werden. Der Arzt beurteilt das Krankheitsbild nach • dem Befallmuster der Gelenke, • der Ausprägung der Erkrankung, • dem Erscheinungsbild der Haut, • dem Verlauf und nach • möglichen Begleiterscheinungen. Ein Bluttest bringt Hinweise auf eine Erkrankung. Bei der Psoriasis Arthritis ist es wichtig, die Erkrankung von anderen rheumatischen Krankheitsbildern, wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis oder dem Morbus Bechterew abzugrenzen. Nicht immer zeigt die Haut an bestimmten Körperstellen Psoriasisbefall und weisen Zehen oder Finger Merkmale der Veränderung auf. Eine Blutuntersuchung kann Hinweise geben. Bei der Psoriasis Arthritis kann es zu schweren Entzündungsreaktionen kommen, die sich mit Hilfe einer Laboruntersuchung – veränderte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), erhöhtes C-reaktives Protein 33 (CRP) – oftmals nachweisen lassen. Neben Entzündungszeichen wird dabei auch der Rheumafaktor bestimmt, der in der Regel negativ (nicht nachweisbar) ist – im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis. Gelegentlich kann bei der Psoriasis Arthritis auch ein leicht erhöhter Harnsäurespiegel auftreten. Das Skelettröntgen und eine Ultraschall- oder Magnetresonanztomographie geben Auskunft über Veränderungen der Gelenke. Wie sieht die Therapie aus? Bei leichteren Erkrankungsformen kommen erst schmerzstillende, entzündungshemmende Mittel zum Einsatz. Cortisonpräparate werden zur Behandlung von Krankheitsschüben genutzt. Schwere Erkrankungsformen werden mit so genannten Basistherapeutika behandelt, sie vermindern die Krankheitsaktivität. Gelingt das innerhalb weniger Monate nicht, werden – wie bei der Psoriasis – Biologika gegeben, die an der Ursache, der Entzündung, ansetzen, Krankengymnastik, physikalische Therapien wie Kälte- oder Wärmebehandlung und Ergotherapien unterstützen die medikamentöse Behandlung. Erkranken auch Kinder? Ja. Im Kindesalter zeigt eine Psoriasis Arthritis kein einheitliches Krankheitsbild. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder häufig um das 34 Kinder schmerzen meist Finger- und Zehengelenke. zweite bzw. fünfte Lebensjahr erkranken. Die kleinen Patienten leiden häufig an einer Schwellung bzw. Entzündung der Finger- oder Zehengelenke und belasten das betroffene Gelenk weniger. Bei älteren Kindern zeigen sich Entzündungen der Sehnenansätze oder auch der Wirbelsäulengelenke, die sich durch Schmerzen in der Lendenwirbelsäule äußern können. Was ist, wenn ich mich nicht behandeln lasse? Geschwollene Finger und diffuse Gelenksschmerzen – welcher Ursache auch immer – verschwinden nicht von selbst. Wenn die Psoriasis Arthritis nicht rechtzeitig behandelt wird, kann es ähnlich wie bei anderen rheumatischen Gelenkerkrankungen zu einer Zerstörung von Gelenkstrukturen kommen. Es drohen eine zunehmende Versteifung der Gelenke und Fehlstellungen bis hin zur völligen Gelenkszerstörung. Daraus resultieren oft nicht mehr zu korrigierende Funktionsverluste, z. B. Teleskopfinger. Onkologie – Krebs Was passiert bei Krebs? Bei Erkrankungen, die umgangssprachlich als „Krebs“ bezeichnet werden, kommt es zu einer Störung des Gleichgewichts zwischen Zelltod und Zellwachstum bzw. -teilung: Körperzellen beginnen unkontrolliert zu wachsen und / oder sich zu teilen und verdrängen oder zerstören dabei gesundes Gewebe. Was sind gutartige, was sind bösartige Tumore? Gutartige Tumore verdrängen durch ihr – eher langsames – Wachstum umliegendes Gewebe, durchwachsen es aber nicht und bilden nie Metastasen („Absiedelung“ in anderes Gewebe). Bösartige Tumore wachsen verhältnismäßig schnell in das umliegende Gewebe hinein und beginnen es zu zerstören. Darüber hinaus verbreiten sie sich über das Blut und / oder die Lymphflüssigkeit und streuen Absiedelungen in andere Gewebe (Metastasenbildung). Hat das Immunsystem beim Krebspatienten versagt? Unser Immunsystem ist seit Jahrmillionen auf die Abwehr von Krankheitserregern eingestellt. Tumorzellen sind aber nicht so fremd wie Bakterien, Viren oder Pilze, denn sie verfügen über sehr viele Merkmale des Gewebes, 35 KAPITEL 3.4 aus dem sie ursprünglich stammen. Viele Krebszellen verlieren dafür andere Mechanismen, die für die Signalkette „kranke Zelle –› Erkennung und Immunreaktion –› Absterben der kranken Zelle“ wichtig sind. Die Folge: Die Zellen werden unsterblich. Vor einigen Jahren hat man entdeckt, dass Immunzellen in die Tumore einwandern und der Tumor ein entsprechendes Milieu schaffen kann – indem er aktiv Substanzen aus­schüttet –, das immunsuppressiv wirkt. D. h. der Tumor schafft ein System, in dem sich das Immunsystem selbst in den Krebszellen unterdrückt. Andere Krebszellen können sich sogar „tarnen“, indem sie Eigenschaften anderer – gesunder – Gewebe annehmen. Das Erkennen und Vernichten von Krebszellen ist unserem Immunsystem trotzdem möglich. Bei gesunden Menschen geschieht dies vermutlich relativ häufig, ohne dass sie etwas davon spüren. Krebsforscher halten daher nicht viel von der Aussage, das Immunsystem habe beim Krebspatienten versagt. Man verfügt auch über keine zuverlässigen Tests, die diese Annahme bestätigen könnten. Kann man Krebs durch das Anregen des Immun­ systems bekämpfen? Es gilt heute als erwiesen, dass es nicht genügt, das Immunsystem unspezifisch zu stimulieren, um Krebs zu bekämpfen. Doch Forscher finden 36 immer mehr über die körpereigenen Abwehrmechanismen heraus. So werden neue Strategien denkbar, mit denen wir gezielter in die biologischen Mechanismen der Tumorzellbekämpfung eingreifen können. Einen Ersatz für Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder Hormontherapie stellen solche immuntherapeutischen Verfahren bisher aber nur bei bestimmten Tumorarten oder in Ausnahmefällen dar. Wie viele Krebserkrankungen sind heute heilbar? Die gute Nachricht: Fast 50 % der Krebserkrankungen sind mittlerweile heilbar. Die schlechte Nachricht: Dank der modernen Medizin kann bei den anderen 50 % zwar teilweise die Krankheit unter Kontrolle gebracht und die Lebenszeit verlängert werden, bei manchen Patienten sind die Behandlungserfolge jedoch noch immer äußerst gering. Fazit: Die Rate der Krebstoten ist zwar in den letzten Jahren deutlich und kontinuierlich gefallen, von einer optimalen Situation sind wir jedoch noch weit entfernt. Was kann man vorbeugend gegen Krebs tun? Ursache eines bösartigen Tumors sind kleine Defekte bei der Zellteilung. Die Störungen der Zellteilung treten mit zunehmendem Alter häufiger auf, aber auch Rauchen, Alkohol, exzessive Sonnenexposition, Pestizide, Benzol und andere Umweltfaktoren fördern die Häufigkeit von Genmutationen. Eine wichtige Rolle in der Vorbeugung ist die körperliche Aktivität: Sportlerinnen haben z. B. seltener Brustkrebs. Verhaltensänderungen wie Raucherentwöhnung, aber auch Kontaktvermeidung z. B. mit krebserregenden Chemikalien sind ebenfalls wichtige präventive Maßnahmen. Außerdem sollte man sich nicht zu lange und zu intensiv der Sonne aussetzen. Auch gesundheitsbewusste Ernährung schützt unsere Zellen, Experten empfehlen eine mediterrane Ernährung mit Olivenöl, viel Gemüse, Fisch und wenig rotem Fleisch. Eine weitere wichtige Erkenntnis zum Thema persönliche Krebsprävention: Ein sinnerfülltes Leben und ein starker innerer Antrieb scheinen Krebserkrankungen vorzubeugen! Wie wird Krebs diagnostiziert? Viele Krebserkrankungen sind bereits fortgeschritten, wenn sie erste Symptome verursachen. Patienten kommen häufig mit unklaren Beschwerden zum Arzt. In manchen Fällen wird eine Krebserkrankung sogar zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt. Besteht ein Krebsverdacht, wird dieser durch verschiedene Untersuchungen abgeklärt. Dazu gehört eine körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren, Laborunter- Der Arzt Ihres Vertrauens begleitet Sie. suchungen oder auch die Entnahme kleiner Gewebeproben (Biopsie) und deren Begutachtung unter dem Mikroskop. Welche Rolle spielen Vorsorgeuntersuchungen? Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen! Denn durch Früherkennung kann verhindert werden, dass der Krebs sich ausweitet. Welche Therapien stehen heute zur Verfügung? Bei einer konventionellen Krebstherapie kommen Chirurgie, Strahlentherapie und Medikamente zum Einsatz. Chirurgische Tumorentfernung (Resektion): In der Chirurgie wurde in den letzten Jahren die Wirkung der Methoden bei geringerer Belastung für den Patienten verbessert. So werden mittlerweile in Österreich z. B. bei Brustkrebs 85 % der Fälle brusterhaltend operiert. Bei Nierentu37 KAPITEL 3.4 moren kann mit der Knopflochmethode operiert werden, so ist der Patient nachher schneller wieder fit. Auch für Dickdarm- und Prostatakarzinome ist diese Operationsmethode möglich. Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann heutzutage spezifischer auf den Tumor fokussiert werden, d. h. gesundes Gewebe wird verschont. Auch die Verträglichkeit ist deutlich besser als noch vor einigen Jahren. Chemotherapie mit Zytostatika: Seit rund 60 Jahren wird die Chemotherapie bei Krebs eingesetzt. Der Begriff Zytostatikum bedeutet vereinfacht ausgedrückt: „Zellstopper“. Diese Substanzen verhindern, dass Zellen sich teilen und bringen sie stattdessen zum Absterben. Typische Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen lassen sich heute durch Begleitmedikamente weitgehend unterdrücken. Eine Chemotherapie wird heute auch eingesetzt: • vor einer Operation, um einen Tumor zu verkleinern, so dass er überhaupt erst operabel wird, • nach einer Operation, um die Rückfallrate zu verringern. Welche neuen Therapiemöglichkeiten gibt es? Es gibt eine Fülle neuer Medikamente, die in der Krebstherapie zum Einsatz kommen, darunter auch die so genannte Empfohlene Unter­suchungen zur Krebsfrüherkennung für Frauen: 1. T astuntersuchung der Brust durch den Arzt / die Ärztin ab dem 20. Lebensjahr 1 x jährlich 2. M ammographie spätestens ab dem 50. Lebensjahr 1 x jährlich 3. K rebsabstrich am Gebärmutterhals ab dem 20. Lebensjahr 1 x jährlich 4. D armkrebs-Okkulttest (verborgenes Blut im Stuhl) ab dem 40. Lebensjahr 1 x jährlich 5. D armspiegelung (Koloskopie) ab dem 50. Lebensjahr alle 7 – 10 Jahre 6. H autselbstuntersuchung 2 x jährlich, ca. einmal im Jahr Kontrolle beim Hautarzt 38 für Männer: 1. Regelmäßige Selbstunter­ suchung der Hoden durch Abtasten ab dem 20. Lebensjahr 2. Prostatavorsorgeuntersuchung ab dem 45. Lebensjahr 1 x jährlich 4. Darmkrebs-Okkulttest (verborgenes Blut im Stuhl) ab dem 40. Lebensjahr 1 x jährlich 5. Darmspiegelung (Koloskopie) ab dem 50. Lebensjahr alle 7 – 10 Jahre 6. Hautselbstuntersuchung 2 x jährlich, ca. einmal im Jahr Kontrolle beim Hautarzt Immuntherapie mit Antikörpern, die bereits seit einigen Jahren erfolgreich bei Lymphdrüsenkrebs, Brustkrebs, Dickdarmkrebs und anderen Krebserkrankungen praktiziert wird. Mit einer anderen innovativen Medikamentengruppe wird der durch die Mutation entstandene Zelldefekt direkt neutralisiert, sodass der Wachstumsreiz wegfällt. Ebenfalls eine moderne Therapieoption sind die TyrosinkinaseInhibitoren, die bei Leukämie sowie Lungen-, Pancreas- (Bauchspeicheldrüse) und Nierenzellkarzinomen eingesetzt werden können. TyrosinkinaseInhibitoren blockieren die Aktivierung von Rezeptoren, die das Zellwachstum fördern. Was sind die häufigsten Krebsarten? Ca. 35.000 Österreicher erkranken pro Jahr an Krebs. Etwa 19.000 Menschen sterben jährlich in Österreich an einem Karzinom. Tumore sind damit für rund ein Viertel aller Todesfälle verantwortlich. Die häufigsten Krebsarten – insgesamt gibt es über 100 verschiedene – sind Dickdarm-, Lungen-, Brust- und Prostatakrebs. Was ist Darmkrebs? Krebserkrankungen des Darmtrakts werden häufig erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Denn viele Menschen scheuen sich aus Angst vor einer eventuellen Darmspie- gelung davor, zum Arzt zu gehen. Dabei sind diese Untersuchungen heutzutage weitaus weniger dramatisch als ihr Ruf: Die Geräte sind mittlerweile viel flexibler und dünner als noch vor einigen Jahren. Und: Vorsorge kann Leben retten! Bei Darmkrebs entsteht ein Großteil der Erkrankungen aus gutartigen Schleimhautwucherungen, so genannten Polypen oder Adenomen. Darmkrebs entwickelt sich meist langsam – die Veränderung vom Darmpolyp zum Darmkrebs (Karzinom) kann rund 10 Jahre dauern. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kann man hier rechtzeitig eingreifen. So kann auch die Entstehung von Metastasen (Sekundärtumore) verhindert werden, was ebenfalls die Heilungschancen verbessert. Was sind Risikofaktoren für Darmkrebs? Langjährige, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Darmpolypen sowie eine Typ 2-Diabetes-Erkrankung erhöhen das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Weiters spielen Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkoholkonsum sowie erbliche Faktoren bei der Entstehung von Darmkrebs eine Rolle. Welche Symptome sind typisch für Darmkrebs? Bei Blut, Verfärbungen oder auch ungewohnten Schleimbeimengungen im 39 KAPITEL 3.4 Bevacizumab. Dieser Antikörper wirkt nicht gegen die Tumorzellen, sondern hemmt das Wachstum von Blutgefäßen, die ein Tumor zur Versorgung bildet. Daher gehört Bevacizumab zur Gruppe der so genannten Angiogenese-Hemmer. Das Mittel ist derzeit nur für Patienten mit fortgeschrittener, metastasierter Erkrankung zugelassen. Risikofaktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel. Stuhl, länger anhaltendem Durchfall, chronischer Verstopfung oder anderen Veränderungen der Verdauung, die nicht auf eine Ernährungsumstellung zurückzuführen sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Schmerzen bereitet Darmkrebs meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Welche innovativen Therapiemethoden gibt es? Seit einigen Jahren spielen bei der Behandlung von Darmkrebs neue Medikamente eine wachsende Rolle. Diese ersetzen die anderen verfügbaren Therapiestrategien nicht, sie ergänzen aber die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten und eröffnen Patienten damit zusätzliche Chancen auf ein längeres Leben mit der Erkrankung. Was sind AngiogeneseHemmer? Eine der neuen Substanzen, die bei Darmkrebs eingesetzt wird, ist 40 Welche Rolle spielen monoklonale Antikörper? Normalerweise reagiert unser Immunsystem zu schwach oder gar nicht auf Krebszellen, da es die Tumorzellen nicht als krankmachend erkennt, daher greifen unsere körpereigenen Antikörper die Krebszellen nicht an. Die heute als Arzneimittel verfügbaren Antikörper sind synthetisch hergestellt und richten sich auf Oberflächenmerkmale, die nur oder in besonders großer Zahl auf Tumorzellen vorkommen. So finden sie im Körper Krebszellen, binden sich an deren Oberflächenmerkmale und verhindern, dass Signale, die zum Tumorwachstum führen, weitergegeben werden. Außerdem können so genannte Antigen-Antikörper-Komplexe gebildet werden, welche die körpereigenen Abwehrzellen anlocken. Durch diese Abwehrreaktion kann die Krebszelle zerstört werden. Monoklonale Antikörper, die bei Darmkrebs zum Einsatz kommen, sind u. a. Cetuximab und Panitumumab. Cetuximab ist für die Behandlung bei fortgeschrittenem, metastasierten Darmkrebs zugelassen, entweder in Kombination mit einer Chemotherapie oder auch als sogenannte Monotherapie, wenn die Chemotherapie nicht wirkt. Panitumumab wird ebenfalls eingesetzt, wenn die Chemotherapie keinen Krankheitsaufschub erwirken kann. Beide Antikörper sind nur für bestimmte Patienten geeignet, da sie sehr gezielt in die Signalwege der Tumorzellen eingreifen. Mittels eines bestimmten Tests, der an aufbewahrtem Tumormaterial oder aktuell entnommenen Biopsieproben durchgeführt wird, kann die voraussichtliche Wirkung ermittelt werden. Für Panitumumab gibt es positive Studienergebnisse für den Einsatz als Kombinationstherapie (gemeinsam mit Chemotherapie). Antikörper, die man als Medikamente in der Medizin einsetzt, werden oft aus Zellkulturen der Maus hergestellt. Dies bedeutet, dass der Antikörper für den Menschen fremdes Eiweiß enthält, das vom menschlichen Abwehrsystem erkannt und zerstört wird. Das kann zu Nebenwirkungen führen, zudem kann ein solcher Antikörper seine Wirkung verlieren. Moderne Techniken haben es möglich gemacht, Antikörper aus vollständig humanen Eiweißstrukturen herzustellen. Das führt zu einer besseren Verträglichkeit und Wirksamkeit. Einer dieser 100 % humanen monoklonalen Antikörper ist Panitumumab. Dieser Wirkstoff erkennt und bindet sich spezifisch an ein Eiweiß mit der Bezeichnung „Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR = Epidermal Growth Factor Receptor)“, das auf der Oberfläche mancher Krebszellen vorkommt. Damit kann es: • d ie Vermehrung von Tumorzellen verlangsamen und damit das Tumorwachstum stoppen, • d ie Bildung von Metastasen bremsen und • d ie Tumorzellen können vermehrt in den Zelltod getrieben werden. Was sind Risikofaktoren bei Lungenkrebs? Bei der Entstehung von Lungenkrebs sind vermutlich viele verschiedene Einflüsse beteiligt. Der mit weitem Abstand größte Risikofaktor ist das Rauchen. Das Lungenkrebsrisiko steigt – in Abhängigkeit von der Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag und der Zahl der „Raucherjahre“ – auf das 20- bis 30fache des Risikos eines Nichtrauchers! Rauchfrei wieder durchatmen! 41 KAPITEL 3.4 Je jünger jemand ist, wenn er zu rauchen beginnt, desto höher ist das spätere Erkrankungsrisiko. Auch Passivrauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko. Bei Pfeifenrauchern oder Zigarrenrauchern ist das Risiko für Lungenkrebs etwas geringer als bei Zigarettenrauchern, aber immer noch sehr viel höher als bei Nichtrauchern. Gelingt einem Raucher der Rauchausstieg, sinkt sein Erkrankungsrisiko kontinuierlich um ein Vielfaches! Der Kontakt mit verschiedenen chemischen Substanzen und deren Einatmung, z. B. am Arbeitsplatz, kann ebenfalls zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führen, besonders in Kombination mit dem Rauchen. Auch ererbte Faktoren scheinen bei der Entstehung von Lungenkrebs eine Rolle zu spielen. Welche Behandlungs­ möglichkeiten gibt es? Das Stadium der Erkrankung und der Allgemeinzustand der Patienten bestimmen die Wahl der Behandlung. Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen nicht-kleinzelligen und kleinzelligen Lungenkarzinomen. Bei ersteren ist die Operation das Mittel der ersten Wahl – sofern sie möglich ist. Auch die Strahlentherapie und die Chemotherapie kommen zum Einsatz, je nach Situation zusätzlich zur Operation oder allein. Bei kleinzelligen Karzinomen wird 42 hauptsächlich die Chemotherapie eingesetzt. mit bestimmen, lässt sich bisher noch nicht sicher beurteilen. Wie entsteht Brustkrebs? Was sind die Therapiemöglichkeiten? Die Geschlechtshormone scheinen eine wesentliche Rolle zu spielen. So gelten eine frühe erste Regelblutung und ein spätes Einsetzen der Wechseljahre (Klimakterium mit anschließender Menopause) als risikosteigernd: Sie bestimmen die Zeitspanne, in der eine Frau monatlich schwankenden Hormonspiegeln ausgesetzt ist. Je mehr Kinder eine Frau ausgetragen hat und je länger sie stillt, desto niedriger ist ihr Brustkrebsrisiko. Einen eindeutig ungünstigen Einfluss haben Bewegungsmangel und Übergewicht, wobei sich das Körpergewicht hauptsächlich nach den Wechseljahren risikoerhöhend auszuwirken scheint. Auch Alkohol beeinflusst die Brustkrebsrate negativ: Je mehr eine Frau konsumiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Die sogenannten „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2, die das Risiko deutlich steigern und in der Familie vererbt werden können, spielen vermutlich nur bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen einen Rolle. Wie wird Brustkrebs behandelt? Bei der Mehrzahl der Frauen ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Große Tumore können unter Regelmäßige Selbstuntersuchungen sind wichtig! Umständen durch eine vorgeschaltete medikamentöse Therapie, meist eine Chemotherapie, verkleinert werden. Nach brusterhaltender Operation erfolgt immer, nach Entfernung der ganzen Brust in bestimmten Fällen zusätzlich eine Strahlentherapie. Bis auf wenige Ausnahmen schließt sich eine ergänzende medikamentöse Behandlung an – diese soll das Risiko von Rückfällen senken. Zu den gängigen Therapieverfahren zählen die Operation, die Bestrahlung und die hormonelle Therapie. Letztere wird vor allem bei fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt. Zeigt sie keine Wirkung mehr, besteht auch die Möglichkeit der Chemotherapie. Hinzu kommen viele Möglichkeiten, um tumorbedingte Beschwerden oder Schmerzen zu lindern. Klinische Forschungen beschäftigen sich mit der Entwicklung weiterer Verfahren. Dazu gehören neue Medikamente, neue Bestrahlungsformen, aber auch immuntherapeutische Ansätze. Wie kommt es zur Entstehung von Prostatakrebs? Was müssen Krebs­ patienten bezüglich ihrer Immunabwehr beachten? Über die Ursachen des Prostatakarzinoms ist relativ wenig bekannt. Als größter „Risikofaktor“ gilt bisher das Alter. Bei Männern unter 50 Jahren tritt diese Tumorerkrankung so gut wie nie auf. Männliche Hormone sind auf jeden Fall an der Entstehung beteiligt. Daher spielt der Testosteronentzug eine große Rolle bei der Behandlung bereits entstandener Prostata-Tumoren. Ob genetische Faktoren und damit eine familiär vererbte Veranlagung das Risiko auch Patienten während und kurz nach einer Chemotherapie sind anfälliger gegenüber Infektionen durch Krankheitserreger. Hier berät der behandelnde Arzt über notwendige Maßnahmen. Ist eine Krebserkrankung jedoch überstanden und die Behandlung beendet, müssen die meisten Krebspatienten sich keine Sorgen mehr um ihr Immunsystem machen. Gegen Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze schützt es sie meist wie vor der Erkrankung. 43 Mit freundlicher Unterstützung von 11-Nov-2015-REM-2010-AT-5079-PE, erstellt im Nov 2010 Merck Sharp & Dohme Ges.m.b.H · EURO PLAZA Gebäude G, 5. Stock · Am Euro Platz 2, A-1120 Wien