Biedermeier – trautes Heim, Glück allein

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Sonderausstellung im Lohrer Schulmuseum vom 23. April bis 3. September 2017:
„Biedermeier – trautes Heim, Glück allein“
Was man heute so bildhaft mit „Cocooning“ oder „Homing“ bezeichnet, ist der
Trend, sich aus der Öffentlichkeit ins Privatleben zurückzuziehen. Das Zuhause, in
dem man es sich gemütlich macht, wird zum Mittelpunkt des Lebens. Man igelt sich
ein oder spinnt sich einen Kokon als Schutz gegen die Außenwelt, die als bedrohlich
oder unveränderbar empfunden wird.
Die Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen und Institutionen führt zu einer
Ablehnung und einem Desinteresse, das sich auch in mangelnder Wahlbeteiligung
und abnehmenden Mitgliedszahlen politischer Parteien deutlich zeigt.
Diese Politikmüdigkeit oder Politikverdrossenheit ist keine moderne Erscheinung,
sondern tauchte bereits vor fast 200 Jahren im sog. Biedermeier auf, allerdings
unter ganz anderen Voraussetzungen.
Ein Gedicht von 1847 vom Dichter Ludwig Pfau drückt das Zeitgefühl treffend aus:
Schau, dort spaziert Herr Biedermeier
und seine Frau, den Sohn am Arm;
sein Tritt ist sachte wie auf Eier,
sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm.
Als Spießigkeit, Biederkeit und Kleingeist karikiert, hat die Zeit zwischen 1815 und
der Revolution 1848 jedoch einen ganz eigenen Stil der Einrichtung, Mode, Musik –
vor allem Hausmusik-, Kunst und Literatur hervorgebracht.
Diese Schönheit im Kleinen zeigt die neue Sonderausstellung anhand von
Kinderbüchern, Spielen, Fibeln, Poesiealben aus dieser Zeit sowie mit weiterem
Anschauungsmaterial.
(Text: Bettina Merz, Mitarbeiterin im Lohrer Schulmuseum)
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