Leitfaden Online-Marketing - Marketing

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T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Vorwort
Vorwort
Noch vor zehn Jahren existierten gerade einmal 75.000 deutsche Internetadressen.
Heute sind es über elf Millionen. Kein Marketinginstrument entwickelt sich so
rasant wie das Internet. Und kein Marketingthema hat in den letzten zehn Jahren
so viel neues Wissen produziert, wie Online-Marketing. Dieses Wissen kompakt
zusammenzuführen, war längst überfällig.
Manche hatten das Thema Internet nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 schon
für tot gehalten. Unter dem Stichwort „Web 2.0“ ist es jetzt wieder quicklebendig:
Onlinewerbung wächst zehnmal schneller als alle anderen Werbeträger. In den
USA wird mehr Zeit mit dem Internet verbracht als vor dem Fernseher. Über 95
Prozent der deutschen Jugendlichen sind online, die meisten täglich. Der Besuch
bei Google, Wikipedia und eBay ist so selbstverständlich wie der Gang zum Bäcker.
Immer öfter wird das Internet zu Rate gezogen: Partner finden, Wohnung suchen,
Auto kaufen, Urlaub planen, Geld überweisen.
Während ihre Kunden fleißig im Internet surfen, tun sich Unternehmen oft schwer.
Wie baue ich meine Homepage richtig auf und wie halte ich sie aktuell? Wie bringe
ich mehr Besucher dort hin? Viele Chancen werden vertan: Umsatz steigern, Kunden
binden oder Beratungskosten sparen. All das funktioniert bereits. Händler finden
neue Kunden über Suchmaschinen, Affiliatesysteme und Preisportale. Hersteller
setzen Beratungsportale und nutzergenerierte Inhalte ein. Markenartikler bauen
Social Communities zum Fanportal aus und nutzen neue Branding-Chancen.
Bisher fehlt eine Zusammenfassung des Wissens dieser jungen Branche. Zwar gibt
es eine Reihe exzellenter Fachbücher über Teilaspekte, aber kein Kompendium
aller Bereiche. Für dieses Buch wurden die jeweils renommiertesten Experten
der unterschiedlichen Teilgebiete als Autoren gewonnen. Die über hundert
Spezialisten repräsentieren das Who-is-Who der deutschsprachigen Onlinebranche.
Es sind erfolgreiche Fachbuchautoren, hochrangige Experten aus renommierten
Unternehmen sowie anerkannte Wissenschaftler.
Dieser Leitfaden soll für Sie als Anwender eine praxisorientierte Anleitung
mit nützlichen Tipps und Tricks sein. Am Kapitelanfang finden Sie jeweils
eine einführende Zusammenfassung, um die Bedeutung der einzelnen Themen
einzuordnen. Ergänzende Informationen finden Sie auch im Internet unter
der Adresse http://buchblog.marketing-boerse.de. Anregungen, Themen- und
Autorenvorschläge dürfen Sie gerne direkt an mich senden: [email protected].
Möge dieses Buch Ihnen neue Anregungen geben und die Umsetzung Ihrer
Ideen erleichtern. Möge es helfen, in sinnvoller Ergänzung zum realen Leben
auch online Beziehungen zu Menschen aufzubauen und zu pflegen. Möge es als
Nachschlagewerk ein treuer Begleiter Ihres Onlineerfolgs werden.
Torsten Schwarz
Waghäusel im September 2007
1
Inhalt
1. Einleitung .................................................................................................................
13 Jahre Web-Marketing Ossi Urchs ...........................................................................
Der multioptionale Kunde im Web Christian Bachem ................................................
Kunden-, Vertriebs- und Mitarbeiterorientierung Ralf T. Kreutzer ..............................
Online-Marketing im Versandhandel Martin Groß-Albenhausen ................................
Marktentwicklung im Online-Marketing Harald R. Fortmann ...................................
Geschäftsmodelle im Internet Dirk Ploss ....................................................................
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2. Multichannel-Marketing
............................................................................................................ 65
Online werben Bernd M. Michael ............................................................................... 67
Crossmedia orchestrieren Sebastian Turner ................................................................ 80
Anforderungen an Crossmedia-Kampagnen Harald Kratel ........................................ 84
Onlinewerbung und Offlineleben Christian Michael, Alexa Rose ............................... 86
Die Kommunikationskanäle Sebastian Grimm ........................................................... 91
Direct Marketing im Wandel Heinz Dallmer, Jan Dirk Dallmer .................................. 101
Direktmarketingkanäle Anita Petersen, Heiko Lehmann ............................................. 109
Online-Marketing für Kleinunternehmen Elke Fleing ................................................. 119
Guerilla-Marketing Felix Holzapfel ............................................................................. 126
3. Nutzer und Verhalten .............................................................................................. 137
Nutzer und Nutzung des Internets Susanne Fittkau .................................................... 139
Nutzerverhalten junger Menschen im Netz Axel Dammler ......................................... 148
Die Zielgruppe 50plus im Netz Alexander Wild .......................................................... 157
Ethno-Marketing online Jens von Rauchhaupt ............................................................ 164
4. Webdesign ............................................................................................................... 169
Sprache im Internet Christoph Fasel ........................................................................... 171
Corporate Wording Hans-Peter Förster ...................................................................... 178
Usability und Stickyness Mario Fischer ...................................................................... 189
Usability – Neue Technik, alte Probleme Frank Puscher ............................................ 199
Die Gestaltung von Onlineshops Arndt Groth ............................................................. 206
Gute Suche gewinnt Kunden Frank Puscher ............................................................... 212
Nur wer findet, kann auch kaufen Carsten Kraus ........................................................ 221
Landeseiten im Online-Marketing Karsten Büttner ..................................................... 226
Content-Syndication mittels RSS Jörg Rensmann ....................................................... 241
Barrieren vermeiden Michael Charlier ........................................................................ 247
Worauf kommt es bei der CMS-Auswahl an Ulrich Kampffmeyer .............................. 256
2
Inhaltsverzeichnis
5. Onlinewerbung ....................................................................................................... 263
Die Entwicklung der Onlinewerbung Matthias Ehrlich .............................................. 265
Onlinewerbung unterstützt Markenaufbau Moritz Diekmann ...................................... 271
Bannerwerbung Carsten Sander, Alexander Schott ..................................................... 277
Targeted Advertising Ulrich Hegge ............................................................................. 286
Markenwerbung im Internet Mark Grether, Rosa Markarian ...................................... 297
Kreative Onlinewerbung Hansjörg Zimmermann ........................................................ 307
Ingame-Advertising Anja Rau, Sabine Raffel .............................................................. 310
Werbung in audiovisuellen Onlinemedien Alexander Wunschel ................................. 315
6. Suchmaschinenmarketing ....................................................................................... 319
Suchmaschinen: Die Businesslotsen im Internet Christian Petersen ........................... 321
Erfolgsfaktoren im Keyword-Advertising Marcus Koch ............................................. 331
Suchwortanzeigen positionieren B. Skiera, E. Gerstmeier, T. Stepanchuk ................... 338
Keyword-Analyse Lukas Stuber .................................................................................. 344
Suchmaschinenoptimierung Thomas Bindl ................................................................. 351
So vermeiden Sie einen Rauswurf aus dem Google-Index Alan Webb ........................ 362
Lokale Suche Rafael Azzati ......................................................................................... 368
Lokale Eintragswerbung Saje Asgari, Alexander Ewig ............................................... 375
Domain-Namen und ihre Bedeutung Tim Schumacher ................................................ 380
7. Affiliate-Marketing .................................................................................................. 385
Erfolgsfaktoren von Partnerprogrammen Alexander Kösters ...................................... 387
Preisvergleiche bringen Onlinekäufer Robin Schönbeck ............................................. 411
Monetarisierung von Online-Traffic Martin Eckhard .................................................. 415
8. E-Mail-Marketing .................................................................................................... 421
Permission-Marketing Torsten Schwarz ...................................................................... 423
E-Mail-Adressen gewinnen Simon Gollmann, Michael Hoffmann .............................. 430
Pfiffige Mailings Uwe-Michael Sinn ............................................................................ 435
Professionelle Newsletter Torsten Schwarz ................................................................. 455
RSS ergänzt E-Mail-Marketing Nico Zorn .................................................................. 470
Worauf es bei der E-Mail-Marketing-Software ankommt Gabriele Braun .................. 473
9. Mobile Marketing .................................................................................................... 479
Mobile Lifestyle Michael Birkel .................................................................................. 481
Mobile Marketing Bosse Küllenberg ........................................................................... 486
Mobile E-Mail-Marketing Nico Zorn .......................................................................... 497
3
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Inhaltsverzeichnis
10. eCRM .................................................................................................................... 499
Management von Kundenbeziehungen M. Schögel, V. Walter, O. Arndt ..................... 501
Onlinekontakte loyalisieren Andrea Schulz ................................................................. 513
Die digitale Identität macht alle zu Gewinnern Tim Cole ............................................ 521
Personalisierte Angebote Frank T. Piller, Melanie Müller ........................................... 527
One-to-one-Marketing – Personalisierte Websites Frank Puscher .............................. 535
Beratungssysteme im Internet Tim Stracke .................................................................. 541
11. Web-Analytics ........................................................................................................ 557
Performance-Marketing Wolfgang Thomas ................................................................. 559
Web-Controlling Thomas Brommund, Axel Amthor........................................................ 566
Web-Mining Martin Oesterer, Karsten Winkler ........................................................... 578
Bewertung von Web 2.0-Portalen Harald Eichsteller .................................................. 585
Klickbetrug und Affiliate-Hopping Christian Bennefeld ............................................. 593
Online-Marktforschung Axel Theobald ....................................................................... 601
12. Kommunikation und PR ....................................................................................... 609
Interne Kommunikation Martin Röll ........................................................................... 611
Online-Pressearbeit Dominik Ruisinger ....................................................................... 616
Der Mediencorner Marcel Bernet ................................................................................ 629
Blogmonitoring Bernd Pitz .......................................................................................... 633
Corporate Blogging Klaus Eck .................................................................................... 638
Podcasting Alexander Wunschel .................................................................................. 648
Viral Marketing Sascha Langner ................................................................................. 659
Mundpropaganda-Marketing Ossi Urchs, Alexander Körner ...................................... 672
13. Web 2.0 ................................................................................................................... 681
Web 2.0-Plattformen für das Marketing nutzen Rainer Wiedmann ............................. 683
Social Commerce Martin Nitsche ................................................................................ 691
Social Commerce in Onlineshops umsetzen Tim Hahn ............................................... 698
Web 2.0-Unternehmen bewerten Michael Kleindl ....................................................... 705
Schöne neue 3D-Welt Svenja Hofert ........................................................................... 709
Produkt- und Unternehmenspräsentationen in Second Life Olav A. Waschkies .......... 713
Social Bookmarking Christian Clawien ...................................................................... 718
Networking-Plattformen richtig nutzen Andreas Lutz ................................................. 721
14. Recht .................................................................................................................... 727
Rechtsfragen beim Internet-Marketing Tobias H. Strömer .......................................... 729
E-Mail-Marketing – Rechtliche Rahmenbedingungen Jens Eckhardt ......................... 742
Datenschutz Jens Eckhardt .......................................................................................... 755
4
Inhaltsverzeichnis
15. Praxisbeispiele ..................................................................................................... 771
Crossmedia
Crossmedia-Dialogmarketing beim Audi Q7-Start Christian Dankl ........................... 773
Engagement-Marketing bei Nike und Zewa Paul Mudter, Olaf Genrich .................... 775
Onlinewerbung
Domain-Marketing – was eine gute Adresse bewirkt Alexander Helm ....................... 777
Contextual Advertising – Werbung, die passt Ralf Walther ......................................... 779
Partnerprogramme sollen verkaufen Christopher Maaß ............................................ 781
E-Mail-Marketing
Versandhandel schwört auf eigene E-Mail-Verteiler Mark Graninger ........................ 783
Die richtige Lösung für E-Mail-Marketing finden Rolf Anweiler ................................ 785
Preiswertes E-Marketing mit Open-Source-Software Martin Aschoff ......................... 787
Professionelles E-Mail-Marketing bei webmiles Thomas Tenzler ............................... 789
Neukundengewinnung
Integriertes Online-Marketing bei Pelikan Tobias Ihde ............................................... 791
Keyword-Advertising im Mobilfunkmarkt Christian Weisgerber ............................... 793
Suchmaschinenmarketing bei O2 Martin Stoehr ......................................................... 795
Quelle und E-Plus: Affiliate- und E-Mail-Marketing Thomas Hessler ........................ 797
Versicherung nutzt Umfragen zur Kundengewinnung Corinna Rademacher .............. 799
VistaPrint nutzt incentiviertes E-Mail-Marketing Volker Schnaars ............................. 801
RTL Club generiert Leads mit Haushaltsbefragungen Stefan Honig ........................... 803
E-Mail-Marketing ist mehr als nur Listbroking C. Feldmeyer, C. Essanhaji .............. 805
Virales Marketing: Was Web 2.0 vom Moorhuhn lernt Nils M. Hachen ..................... 807
Kundenbindung per E-Mail
Versandhandels-Newsletter im Benchmark Thomas Heickmann ................................. 809
Geberit bindet B2B-Kunden per Newsletter Wolfgang Wagner ................................... 811
Personalisierte E-Mails von HSE24 sind relevant Kati Schulze ................................... 813
SportScheck setzt auf „Circle of Landing Pages“ Andreas Landgraf .......................... 815
Messtechnik-Spezialist nutzt E-Marketing international Uwe-Michael Sinn .............. 817
Schweiz Tourismus verschickt E-Mail-Liebesbriefe Wolfgang Grandjean ................. 819
Newsletter der Discounter im Vergleich Martin Günther ............................................ 821
Erfolgsmessung
Web-Controlling bei OBI@OTTO Christian Bennefeld ............................................. 823
Kommt Online-Werbung an? Dirk Freytag .................................................................. 825
Swarovski erforscht Kaufmotive online Axel Theobald .............................................. 827
Autoren
.................................................................................................................... 829
Stichworte .................................................................................................................... 845
5
Pfiffige
Mailings
Uwe-Michael Sinn
E-Mail-Marketing gibt es derzeit in zwei Erscheinungsformen: Dem „klassischen“
Newsletter, also einem eher informationslastigen Medium – und dem „E-Mailing“
oder „Stand-alone“, das einen eher „werblichen“ Charakter hat. Bildlich gesprochen ist ein Newsletter eine „Kundenzeitschrift“ – ein E-Mailing dagegen ein
„Werbeschreiben“.
E-Mailings werden im Marketingmix des Direktmarketing immer wichtiger. Die
Vorteile für den Werbenden sind offensichtlich:
• E-Mailings sind wesentlich günstiger
als jede „Papier-Kommunikation“.
• Sie sind hoch personalisierbar.
• E-Mailings sind schnell produziert – und können daher sehr flexibel
zur kurzfristigen Absatzstimulation eingesetzt werden.
Bei vielen Empfängern haben dagegen Werbe-E-Mails einen eher schlechten
Ruf und werden oft mit „Spam“ assoziiert. Spam ist aus der Sicht eines OttoNormalverbraucher-Empfängers jede E-Mail, die „nervt“ – völlig unabhängig von
der tatsächlichen Rechtslage. Ein Unternehmen kann eine noch so „wasserdichte“
Permission nachweisen – wenn die E-Mails, die von ihm verschickt werden, für den
Empfänger keinen Mehrwert bilden, werden sie nicht positiv wahrgenommen.
Das Zauberwort: Relevanz
Zahlen aus den USA [1] zufolge werden ungefähr 25 Prozent aller E-Mailing-Kampagnen ohne jede Personalisierung und Zielgruppen-Differenzierung verschickt.
Ungefähr zwei Drittel der Mailings sind etwas personalisiert und auf Zielgruppen
zugeschnitten. Aber nur elf Prozent aller E-Mail-Kampagnen nutzen Daten wie die
Kauf-Historie, das Klickverhalten oder andere Daten, um die Relevanz der Inhalte
für den Empfänger deutlich zu erhöhen. Zahlen aus Deutschland liegen nicht vor
– aber es ist davon auszugehen, dass die Werte hierzulande eher noch wesentlich
schlechter sind.
Dabei sind die Vorteile von größerer Segmentierung offensichtlich:
435
25 Prozent
aller E-MailingKampagnen
ohne jede
Personalisierung
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
• Die Öffnungsrate hoch personalisierter und zielgruppengerechter
Mails liegt um rund 50 Prozent höher als die von „one size fits all“Kampagnen.
• Auch andere Kennzahlen wie „click-through-rate“
und die Abbestellquote sind wesentlich besser.
• Am wichtigsten aber: Die Konversionrate relevanter Kampagnen
ist fast vier Mal höher als bei „einfachen“ Kampagnen.
Was animiert die Leser zum Klicken? Das Marktforschungsunternehmen Jupiter hat Mailingempfänger befragt, was sie
zum Klicken gebracht hat:
• 54 Prozent: weil sie das angebotene Produkt /
der angebotene Service interessiert.
• 40 Prozent: weil der Text sie überzeugt hat.
• 35 Prozent: wegen der Betreffzeile.
• 12 Prozent: wegen des Key-Visuals
(das „wichtigste“ Bild in der E-Mail).
• 9 Prozent: wegen mehrerer kleiner Bilder.
Versuchung ist
groß „einfach
alles an alle“ zu
versenden
Trotzdem: In der täglichen Arbeit in Marketingabteilungen und Agenturen wird
stellenweise wesentlich länger über das zu verwendende Bildmaterial diskutiert als
darüber, die richtige Zielgruppe anzuschreiben. Gerade im E-Mail-Marketing, wo
die Versandkosten extrem gering sind, ist die Versuchung sehr groß „einfach alles
an alle“ zu versenden – es „kostet ja nichts“. Doch, es kostet: Denn es kostet die
Aufmerksamkeit der Leser (wir bekommen alle zu viele E-Mails!), es kostet Klicks
und Conversions, es kostet Renommee, es kostet Abonnenten und langfristig ruiniert
es das E-Mail-Marketing eines Unternehmens. Kurzfristig mag eine Strategie des
„massiven Werbedrucks“ erfolgreich sein – langfristig auf keinen Fall.
Relevanz entscheidet also über den Erfolg eines E-Mailings. Wie man alles richtig
machen kann zeigt zum Beispiel der Musik-Downloadstore iTunes. iTunes geht
(wohl zurecht, sieht man von diversen „Deutschland-sucht-den-Superstar-Eintagsfliegen“ ab) davon aus, dass jemand, der einmal Musik eines bestimmten Künstlers
geladen hat, sich dafür interessieren könnte, wenn just dieser Musiker ein neues
Album veröffentlicht:
Der entscheidende Satz in diesem Mailing: „Da Sie bereits zuvor Musik von
Moby bei iTunes geladen haben, interessiert Sie vielleicht auch das neue Album
‚Go – The very best of Moby‘“. Ja, es interessiert – zumindest einen Großteil der
Empfänger.
Auffällig ist, wie offen iTunes damit umgeht, dass die Mailings auf Basis früherer
Käufe verschickt werden: „Da Sie bereits zuvor Musik von Moby bei iTunes gekauft
haben ….“. Manche Menschen könnten sich „ausgehorcht“ vorkommen. Aber
warum eigentlich nicht? Oft sorgt Transparenz im Umgang beim Empfänger letztlich
436
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
für ein „besseres Gefühl“. Und wer den Satz „… bereits zuvor Musik von Moby
….“ liest, fühlt sich „abgeholt“ und mit seinen Interessen ernst genommen.
Abb. 1: Zielgruppen-Mails: Wo es hingehen wird...
Um solch individuelle Mailings zu produzieren, sind eine Reihe von Hürden zu
überwinden:
1. Die Individualisierungs-Informationen müssen vorhanden und zugänglich sein.
Hier haben natürlich moderne Online-Shops einen großen Vorteil. Für iTunes ist
eine Abfrage, wer ein bestimmtes Album schon einmal geladen hat, kein besonders
großes Problem.
2. In Shops beziehungsweise im CRM-System des Unternehmens sind Daten
zwar oft vorhanden – aber diese Datenbanken sind unabhängig von der E-MailDatenbank. Teilweise lassen sich die Daten konsolidieren – aber wo das nicht
möglich ist, bleiben Techniken wie Klickauswertungen sowie „NachqualifizierungsAktionen“ das Mittel der Wahl.
3. Die einzelnen Mailings müssen möglichst effizient produziert werden. Auch
hier ist iTunes beispielhaft: Alle Mailings dieses Typs sehen in ihrer Grundform
identisch aus: Ein Key-Visual, ein kurzer Text, ein Verweis auf andere Alben des
Künstlers – fertig ist das Mailing. Dieser Faktor ist in seiner Wichtigkeit keinesfalls
zu unterschätzen: Der Trend im Markt geht ganz klar zu immer kleineren, spitzeren
Verteilern und immer mehr möglichst individuellen Mailings. Schlanke, klar
definierte Prozesse in der Erstellung von Mailings werden damit immer wesentlicher
für den Erfolg – sonst ist der Arbeitsaufwand für jedes einzelne Mailing schlicht
zu hoch.
437
Alle Mailings
sehen in ihrer
Grundform
identisch aus
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
Individualisierung im Mailing
Im Beispiel oben wird ein E-Mailing individuell für eine bestimmte Zielgruppen
produziert. Ein ähnlicher Ansatz ist es, ein „Standard-Mailing“ für eine größere
Zielgruppe zu produzieren – innerhalb dieses Mailings jedoch einzelne Teile zu
individualisieren.
Dies nutzt beispielsweise der Büroartikelhändler Corporate Express bei seinen
Prämien-Mailings. In Abhängigkeit der erreichten Punktzahl im Bonusprogramm
werden andere Inhalte dargestellt:
Abb. 2: Individualisierung: So häufig wie möglich!
• Ein Bild mit den größten Prämien, die der Empfänger
mit der vorhandenen Punktzahl bereits erwerben kann.
• Ein Text: „Wenn Sie nur noch xy weitere Punkte sammeln,
können Sie sich bereits folgende Prämien leisten“.
• Ein Bild mit besagten Prämien (die nächsthöhere Prämienstufe).
Technisch wird ein solches Mailing mit einer Anzahl wenn-dann-Verknüpfungen
im E-Mail-Template erzeugt, eine Funktionalität, die jedes moderne E-MailMarketing-System enthält.
Das Ergebnis: Ein einziges Mailing – aber mit einem optimal auf den Empfänger
abgestimmten Inhalt. Die Logik kann auch „wiederverwendet“ werden – bei
jedem weiteren Mailing müssen im Wesentlichen nur die Bilder und einige Texte
ausgetauscht werden.
438
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
Diese Technik kann fast immer angewandt werden: Sie ermöglicht nämlich mit
überschaubarem Aufwand, individuelle – und damit relevante – Mails schlicht
dadurch zu erstellen, dass nicht das gesamte Mailing auf den Empfänger
abgestimmt ist, sondern einige Teile. So kann beispielsweise aus einer Auswahl
von Sonderangeboten in einem Abverkaufs-Newsletter individuell das Angebot
eingeblendet werden, das am besten zur Einkaufs-Historie des jeweiligen
Empfängers am besten passt.
Viele E-Mailings starten mit einem Hauptprodukt, gefolgt von verschiedenen
weiteren Angeboten, die nicht ganz so prominent dargestellt werden.
Einige E-Mail-Marketing-Systeme ermöglichen es, in Abhängigkeit von verschiedenen Kriterien (zum Beispiel die Link-Kategorie, die vom Empfänger am
häufigsten geklickt wurde) die Reihenfolge der Mailing-Inhalte automatisch zu
verändern.
Der große Vorteil dabei: Die Inhalte müssen nur einmal (eventuell in zwei
verschiedenen Varianten, je nach Darstellungsart) produziert werden – den Rest
erledigt das System automatisch. Diese „Individualisierung light“ ist daher für
Anbieter, die nicht allzu viel Aufwand in die Produktion von Inhalten stecken
können, optimal.
Abb. 3: Individualisierung light: Artikel-Reihenfolge ändern.
439
Mit überschaubarem
Aufwand,
individuelle
– und damit
relevante – Mails
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
Personalisierung: Nicht nur in der Anrede
Dass Mailings (egal ob online oder offline) besser funktionieren, wenn der
Empfänger persönlich angesprochen wird, ist ein Gemeinplatz. Mittlerweile ist
eine persönliche Anrede auch in E-Mailings Standard.
Trotzdem steckt auch hier der Teufel im Detail:
Liebe
Weinfreunde
und liebe
AntiquitätenSammler
1. Die Tonalität soll sich an der Zielgruppe orientieren. Das führt zu
Problemen – zum Beispiel bei einem österreichischen Newsletter, der in erster
Linie an junge Snowboarder verschickt wird. Leider sind auch ein einige
Partner des Unternehmens (ohne sie irgendwie kennzeichnen zu können)
auf dem Verteiler, die man nicht mit allzu großer Flapsigkeit ansprechen darf.
Konsequenz: 17-jährige Boarder (die Coolsten unter der Sonne!)
werden mit „Sehr geehrter Herr Maier“ angesprochen.
2. Wie werden Menschen angesprochen, von denen man den Namen nicht
kennt? Tipp: Statt dem Standard „Sehr geehrte Damen und Herren“ sollte
mit der Anrede die Zugehörigkeit zu einer Gruppe unterstrichen werden,
zum Beispiel „Liebe Weinfreunde“, „Liebe Genossinnen und Genossen“,
„Liebe Antiquitäten-Sammler“
3. Achten Sie auf eine korrekte deutsche Anrede: „Sehr geehrte Frau Sabine
Müller“ ist falsch – Frau Müller muss in der Anrede auf Sabine verzichten.
Ebenso sind Berufsbezeichnungen (mit wenigen Ausnahmen: Politiker,
kirchliche Würdenträger) oder akademische Abschlüsse wie „Dipl.-Kfm.“
in der Anrede fehl am Platz. Letzteres gilt nicht für Österreich – dort sollte
man keinesfalls den „Magister“ oder den „Direktor“ vergessen.
4. Nicht fehlen darf natürlich ein Doktor- und Professorentitel. Achtung:
Viele ältere Adress-Verwaltungen haben dafür kein extra Feld. Das führt
regelmäßig zu Problemen, wie „Stefan Dr. Schmid“
5. Weil die Anrede so wichtig ist, sollte ein doppelter Check durchgeführt
werden. Manchmal werden Daten falsch konsolidiert – und plötzlich
stehen die Vornamen im Nachnamens-Feld und umgekehrt. Und auch
ein „Sehr geehrter Herr Müller, bezahlt seine Rechnungen
nie!“ ist keine Erfindung, sondern wirklich passiert.
„Ihr letzter Kauf“,
„Ihr Punktekonto
– aktueller
Stand“
Nur die Anrede zu personalisieren, ist zu kurz gedacht: Je mehr dem Empfänger
das Gefühl gegeben wird, dass es sich um ein ganz individuelles E-Mailing handelt,
desto besser. Die Kundennummer sollte zum Beispiel in jedem Mailing mit erwähnt
sein, und auch Informationen wie „Ihr letzter Kauf“, „Ihr Punktekonto – aktueller
Stand“ erzeugen einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Lidl und Media-Markt
fragen bei der Newsletter-Anmeldung nach der PLZ – und schreiben die Adresse
der nächsten Filiale in den Newsletter.
Auch im Text kann die Anrede mehrfach verwendet werden: „Damit auch Sie,
liebe Frau Müller, von diesen Vorteilen profitieren können, klicken Sie hier.“ Klingt
aufgesetzt? Sagt niemand? Stimmt – und trotzdem ist der eigene Namen ein Stop-
440
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
Zeichen in jedem Text. Es verlangsamt den Lesefluss und erhöht die Response.
Allzu oft eingesetzt nutzt sich der Effekt allerdings spürbar ab.
Übrigens lassen sich auch Betreffzeilen personalisieren: „Herr Huber, Ihr Wochenangebot“. Ob das wirklich die Response erhöht?: Ein einfacher A/B-Test (je 50
Prozent der Empfänger erhalten die eine bzw. die andere Variante) klärt das
zweifelsfrei.
Abhängig vom Geschlecht kann auch im Text sehr einfach personalisiert werden:
Damen reagieren auf andere Schlüsselreize als Männer – warum ihnen also nicht
einen (in Teilen) anderen Text präsentieren – oder ein anderes Key Visual?
Abb. 4: Nicht nur die Anrede personalisieren.
Absender-Individualisierung
In vielen Branchen hat ein Kunde mit einem Außendienst-Mitarbeiter oder Vertreter
zu tun. Er oder sie ist das „Gesicht“ des Unternehmens – und es wäre töricht,
diese Chance nicht zu nutzen. Abgesehen davon: Die Neigung des Außendienstes,
zentralen E-Mail-Aktionen wohlwollend gegenüberzustehen, steigt deutlich, wenn
die Mails „von ihm persönlich“ kommen.
Das folgende Beispiel illustriert das anschaulich:
1. Der Außendienst-Mitarbeiter des jeweiligen Newsletter-Empfängers ist prominent
mit in dem Mailing aufgenommen. Nicht nur sein Bild, auch seine Telefonnummer
und E-Mail-Adresse sind sofort integraler Bestandteil.
441
AußendienstMitarbeiter mit
Name und Foto
in das Mailing
aufgenommen
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
2. Mit modernen E-Mail-Marketing-Systemen ist auch eine Individualisierung der
Absender-E-Mail-Adresse kein Problem. Ein Mailing wird also zentral verschickt
– es sieht aber so aus, als kämen sie von vielen verschiedenen Absendern. Der
Vorteil bei diesem Vorgehen ist besonders groß: Die meisten Menschen entscheiden
in erster Linie aufgrund der Absender-Angabe, ob sie ein Mailing öffnen oder nicht.
Ein dem Empfänger bekannter Name ist hier der perfekte Türöffner. Außerdem ist
der Response besonders leicht: Er kann einfach auf „antworten“ drücken und mailt
direkt an seinen Ansprechpartner im Unternehmen. Hinweis: Wenn die AbsenderE-Mail-Adresse individualisiert wird, erhält der scheinbare Absender leider auch
sämtliche Urlaubsmeldungen, die das E-Mail-System normalerweise filtert. Dies
muss im Vorfeld kommuniziert werden.
Abb. 5: Individualisierung des Absenders.
E-Mail-Marketing 2.0
„Wir bekommen alle zu viele E-Mails“. Das Thema Relevanz wird damit zum
alles entscheidenden Faktor für erfolgreiches E-Mail-Marketing. Der amerikanische
Autor Bill Nussey hat die Trends so zusammengefasst:
Früher / jetzt
Zukunft
Unterbrechung
➔
Antizipation
Verteilergröße
➔
Aktive Empfänger
Betreffzeile
➔
„von“-Feld
Abverkauf
➔
Dauerhafte Kundenbeziehung
Kampagnenerfolg
➔
Customer-Lifetime-Value
Maximale Frequenz
➔
Kontrolle durch Empfänger
442
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
„Alles an alle“ schicken
➔
Kundenindividuelle Informationen
E-Mail kostet „nichts“
➔
E-Mail ist günstig
E-Mail-Marketing
➔
Kunden-Kommunikations-Management
Einige bislang unerwähnte Punkte kurz erläutert:
Die Verteilergröße ist nicht mehr wirklich relevant – sondern „aktive Empfänger“
– also Menschen, die die Mailings nicht nur bekommen, sondern öffnen und
(hoffentlich) auch klicken und kaufen.
Der Fokus bewegt sich weg von der einzelnen Kampagne – hin zur Messung des
Kundenwertes. Einer der schönsten Vorteile im E-Mail-Marketing „Man kann ganz
einfach messen“ wird damit etwas relativiert – zur Erfolgsmessung gehört künftig
wieder mehr als nur die Umsätze je Kampagne zu vergleichen.
E-Mail-Marketing ist weiterhin eine der günstigsten Kommunikationsformen
überhaupt. Aber es ist nicht kostenlos. Der Versand über professionelle Anbieter,
die für relevante Mailings notwendige Systeme bereitstellen können, kostet Geld.
Vor allem aber kostet die Produktion der Inhalte und das Projektmanagement der
zahlreicher werdenden Kampagnen – das ist mit Abstand der größte Posten. Viele
Marketer haben diesen Zusammenhang mittlerweile erkannt.
Zusammengefasst: Dauerhaft erfolgreiches E-Mail-Marketing ist nur möglich,
wenn relevante Inhalte zielgerichtet an die Empfänger geschickt werden. Dies ist in
erster Linie eine Prozess- und Organisationsfrage. Entscheidender Kostentreiber ist
die Inhalte-Produktion, die so „lean“ und gleichzeitig so hochwertig wie möglich
gestaltet werden sollte.
Produktion der
Inhalte und
das Projektmanagement
sind der größte
Posten
Grundformen des E-Mail-Designs
Für E-Mailings bieten sich einige Grundformen an:
1. „Postcard“-Style
Zum Beispiel das oben aufgeführte Beispiel von iTunes und Moby. Die PostcardVariante ist optimal, wenn Sie sehr emotional Inhalte transportieren möchten.
Natürlich steht und fällt der Erfolg mit der Qualität des Bildmaterials. Das bedeutet
auch: Der Aufwand beim Erstellen solcher Mailings kann recht hoch sein – wenn
nämlich speziell dafür Bilder erstellt oder gekauft werden müssen. Dies muss
bereits bei der Budgetierung berücksichtigt werden. Dafür ist die Optimierung
auf verschiedene E-Mail-Clients recht einfach, da kaum HTML-Code verarbeitet
wird.
Der größte Schwachpunkt bei Postcard-Style-Mailings ist jedoch die Tatsache, dass
immer mehr E-Mail-Clients (darunter vor allem auch Outlook und Outlook Express)
standardmäßig Bilder nicht darstellen. Viele Nutzer ändern diese Einstellung nicht
– und bekommen einfach gar nichts zu sehen. Man kann die Bilder mitschicken
– das macht die Mail aber deutlich größer und sollte nur in Ausnahmefällen in
Erwägung gezogen werden.
443
Vier Grundtypen
von E-Mailings
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
2. „Newsletter“-Style
Unter „Newsletter“-Style versteht man ein Mailing, das aus verschiedenen Elementen
– also Texten und Bilder in unterschiedlichen Kombinationen zusammengestellt
ist. Vorteil: Man kann sehr flexibel agieren, zum Beispiel auch Sonderaktionen mit
einem extra Visual anteasern oder generell Inhalte je nach Wichtigkeit prominent
oder weniger prominent platzieren. Nachteil: Die Mailings können unübersichtlich
werden, sie sind meist nicht so klar fokussiert.
3. Zwei-Spalter
In vielen Fällen optimal: Bringen Sie Ihre Botschaft in der Haupt-Spalte (diese
sollte ungefähr 2/3 der Breite umfassen) unter. Kleinere Teaser können gut in
der Randspalte platziert werden, gemeinsam mit „formalen“ Links wie der
zur Abmeldung oder einer Rubriken-Leiste. Auch Icons zum Anteasern von
regelmäßigen Aktionen können gut in der Randspalte untergebracht werden.
Ein weiterer Vorteil des Zweispalters: Wenn die Mail im Vorschaufenster nicht in
ganzer Breite angezeigt wird (dieses Problem taucht vor allem bei den modernen
3-spaltigen E-Mail-Clients wie Outlook 2003/07 auf), dann ist jedenfalls der Hauptteil gut zu erkennen.
4. „Geschäftsbrief“
Dieser E-Mail-Stil erinnert stark an einen „klassischen“ Geschäftsbrief. Er ist in der
grafischen Darstellung stark reduziert und kommt (abgesehen von Unternehmen
im B2C-Geschäft, die E-Mail-Marketing eher auf Amateur-Niveau betreiben) vor
allem in der Business-to-Business-Kommunikation zur Anwendung.
Geschäftsbrief
funktioniert bei
B-to-B
Dort kann er allerdings richtig gut funktionieren. Der „Geschäftsbrief“ funktioniert
bei B2B-Kommunikation mit eher konservativen Zielgruppen. Außerdem ist
diese Gestaltung gut geeignet, wenn Mailing an Empfänger mit Lotus Notes (und
ähnlichen E-Mail-Clients wie Novell Groupwise) geschickt werden, die HTML
nicht gut darstellen können. Solche Zielgruppen finden sich vor allem in Banken,
Versicherungen und Großunternehmen
Blickverlaufs-Analysen: Worauf es beim E-Mail-Design ankommt
Bei vielen großen Zeitschriftenkampagnen werden zur Anzeigen-Optimierung
Blickverlaufs-Analysen mit Augenkameras durchgeführt. Bei E-Mailings hat
sich dieses Verfahren noch nicht durchgesetzt. Der Grund: Die Kosten für eine
Blickverlaufs-Analyse betragen mehrere 1.000 Euro. Dabei tritt ein psychologischer
Effekt auf: Bei einer Zeitschriftenkampagne mit einem Schalt-Budget von mehreren
100.000 Euro werden gerne einmal 5.000 Euro für eine Blickverlaufsanalyse
investiert. Nachdem E-Mailings wesentlich günstiger sind, sind die Kosten für
diese Analysen im Verhältnis wesentlich höher.
E-Mails werden bestenfalls ein paar Sekunden gelesen – oder besser gesagt:
überflogen. Umso wichtiger ist es, den Blick der Leser zu leiten.
444
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
Die wichtigsten Erkenntnisse aus Blickverlaufs-Analysen:
• Der Leser fixiert zwei oder drei Punkte in der E-Mail – die so
genannten „Fixationspunkte“. Das ist, im Vergleich zu Print, wenig.
• Die wenigen Fixationspunkte bedeuten: Es darf keine „unwichtige“
Information besondere Aufmerksamkeit erzielen – sonst leidet eine
wichtigere Info. Beispiele aus den USA zeigen, dass zum Beispiel eine
besonders auffällig gestaltete aber inhaltlich belanglose Überschrift
dazu führte, dass der (wichtigere) Text selbst weniger gelesen wurde.
Ähnliches gilt für eine Grafik, die vom eigentlichen Inhalt ablenkt.
• Bilder von Menschen werden besonders intensiv erfasst.
• Die oberen 3 Zentimeter (das Vorschaufenster) erhalten die meiste
Aufmerksamkeit – vor allem links oben. Dort sollte die relevanteste
Information stehen.
• Bei Sätzen findet der Satzanfang die größte Beachtung: Dort sollte
also die wichtigste Info stehen. Beispiel: Statt „80 Jahre Quelle –
25% Rabatt auf alles“ sollte man besser schreiben: „25% Rabatt auf
alles – Quelle wird 80!“
• Menschen klicken überall hin – nicht nur auf Links. Konsequenz:
Mehr Klick-Möglichkeiten anbieten. Auf jeden Fall müssen Bilder
verlinkt werden. Auch Überschriften sowie Preis-Informationen
werden sehr gerne geklickt. Tipp: Sie sollten vermeiden, alles zu
verlinken – zu große Linkanteile werden von vielen Spamfiltern
negativ bewertet.
• Die vielfach (meist aber in Newslettern) beliebten Menues sind –
wenn sie über die gesamte Breite der E-Mail gehen – oft eine
geradezu perfekte Mauer, die dafür sorgt, dass nicht weiter nach unten
gelesen wird. Menues sollten in eine Randspalte gesetzt werden.
Mehr Klickmöglichkeiten
anbieten
Worauf Sie beim Design noch achten sollten: 10 Tipps
1. Halten Sie den HTML-Code so einfach wie möglich. Vor allem Notes und
Outlook 2007 haben einige Darstellungs-Einschränkungen, die Sie berücksichtigen sollten. Je nach Zielgruppe müssen Sie auch auf allen Freemailern
wie zum Beispiel GMX, web.de testen. Mehr dazu lesen Sie im
nächsten Abschnitt.
2. Beachten Sie eine maximale Breite von 600 Pixeln. Nach Möglichkeit
sollten Sie auch nicht mehr als 65 Zeichen / Zeile schreiben.
3. Die ersten 3 – 5 cm der Mail werden in den meisten Vorschaufenstern
angezeigt. Das ist der wichtigste Platz – verschwenden Sie ihn nicht
durch große Logos oder Grafiken.
4. Halten Sie Ihre Mail grundsätzlich kurz und knapp.
445
HTML-Code
so einfach wie
möglich
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
5. Denken Sie nochmals daran: Ihre Mail wird nicht gelesen, sondern
überflogen. Der Leser entscheidet zwischen „Klicken“ oder „Löschen“.
Die echte Verkaufsargumentation findet auf der Landeseite statt.
6. Wenn Sie ein zweispaltiges Layout nutzen (mehr ohnehin auf
keinen Fall!), dann machen Sie durch eine deutlich unterschiedliche
Spaltenbreite klar, wo die Haupt-Message steht.
7. Nehmen Sie als Online-Shop unbedingt Rubriken mit auf. Vielleicht
interessiert sich der Leser gerade nicht für das Produkt, das Sie anpreisen
– aber zufällig für etwas anderes aus Ihrem Sortiment. Geben Sie ihm die
Chance, direkt in die richtige „Abteilung“ zu gelangen.
8. Falls Sie bislang noch keinen Style-Guide für Ihre E-Mailings haben:
Führen Sie ihn ein. Die meisten CI-Richtlinien beinhalten E-Mail-Kommunikation einfach nicht. Ein einheitlicher Auftritt im E-Mail-Marketing ist
wichtig für Ihre Marken-Identität und Markenkonsistenz.
Style Guide für
Ihre E-Mailings
einführen
9. Berücksichtigen Sie bei der Konzeption, welche Ausgangsmaterialien
Sie verfügbar haben. Was sind zum Beispiel die üblichen Bildformate
(Hochformat, Querformat) in Ihrer Bilddatenbank?
10. Sorgen Sie dafür, dass E-Mail-Design und Homepage-Design optisch
eine Einheit bilden. Wesentliche CI-Elemente sollten wieder auftauchen.
Aber designen Sie Ihre E-Mailings nicht sklavisch wie Ihre Website: Die
Mail muss funktionieren – die Erkenntnisse aus Blickverlaufsanalysen
helfen da mehr als eine zu große Ähnlichkeit mit Ihrer Website.
Darstellbarkeit von E-Mailings
Vor einigen Jahren war das größte Problem unter Webdesignern, dass eine Internetsite sowohl auf dem Internet Explorer als auch mit dem Netscape Navigator optimal
angezeigt werden mußte. Diese Zeiten sind bei den Website-Programmierern (trotz
der verstärkten Nutzung des Firefox-Browsers) vorbei. Bei E-Mailings ist das nicht
der Fall – und das wird sich auch noch lange nicht ändern. Die Anzahl der E-MailProgramme, die privat und in Unternehmen genutzt werden, ist sehr groß – und alle
haben ihre „Spezialitäten“. Dazu kommen die zahlreichen Freemailer.
Anzahl der
verschiedenen EMail-Programme
ist groß
In der Praxis hat es sich als ausreichend herausgestellt, auf folgende Systeme zu
optimieren: MS Outlook, Outlook Express, Thunderbird, T-Online, AOL, GMX,
web.de und Freemail. Bei B2B-Mailings sollte außerdem möglicherweise auf
Lotus Notes optimiert werden. Da dies aber recht aufwändig ist und außerdem die
gestalterische Freiheit stark eingrenzt, sollte man die Notwendigkeit dafür kritisch
prüfen.
Keinesfalls reichen für die Optimierung die „normalen“ Kenntnisse eines WebseitenDesigners aus. E-Mail-Optimierung erfordert neben soliden HTML-Kenntnissen
(das Bedienen-können eines HTML-Editors wie Dreamweaver reicht jedenfalls
dazu nicht aus!) eine recht lange Erfahrung, die man sich intern aufbauen oder
bei einer auf E-Mail-Marketing spezialisierten Agentur zukaufen kann. Dass eine
446
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
Agentur Know-how im E-Mail-Design hat, ist zum Beispiel daran zu erkennen,
dass sie (ohne dass extra nachgefragt werden muss!) Screenshots der Anzeige in
verschiedenen E-Mail-Clients zur Freigabe mitliefert.
Eine besondere Herausforderung für den Designer ist die Tatsache, dass viele
moderne E-Mail-Clients Bilder zunächst einmal nicht anzeigen. Das hat
Sicherheitsgründe: Beim Abruf von Bildern können Informationen (wer hat wann
die E-Mail geöffnet?) vom Rechner nach außen übertragen werden, ohne dass dies
vom Leser beeinflußt werden kann.
HTML-Mails müssen deshalb so designed sein, dass die Botschaft notfalls auch
ohne Bild auskommt. Das bedeutet:
• Die Kern-Information (zum Beispiel der Rabatt bei schneller
Bestellung) des Mailings darf nicht ausschließlich in Bildern stecken.
• Wesentliche Informationen werden am besten in „Standard-HTML“
programmiert – damit werden sie sicher dargestellt.
• Im Code läßt sich für jedes Bild ein Alternativtext angeben. Auch dort
läßt sich notfalls „25% Rabatt bis 31.7.“ wiederholen.
• Der „Call-to-action“ (zum Beispiel der „jetzt kaufen“-Link) darf
keinesfalls ausschließlich ein Bild sein. Sonst weiß der Leser nicht,
wo er drücken muss um zu kaufen.
Außerdem wird im Extremfall ein Mailing ohne Bilder völlig verzerrt dargestellt
– auch das muss in der Programmierung berücksichtigt werden. Siehe Abb. 6:
Videomails
Außergewöhnliche Kampagnen
Nicht erst seit Youtube sind Videos im Internet ein „Hingucker“. Mit entsprechender
Technologie lassen sich Videos auch direkt als Streams in Mails einbinden. Dafür
gibt es Spezialanbieter, die auch garantieren, dass die Mails bei den meisten
Freemailern angezeigt werden.
Der Erfolg einer solchen Kampagne steht und fällt – logischerweise - mit der
Qualität des Videos. Es reicht in der Regel nicht, einfach ein „ohnehin vorhandenes“
Werbevideo mitzusenden. Das Video muss speziell für die Kampagne bearbeitet oder
ganz neu erstellt werden. Vor allem muss das Video kurz sein. 10 bis 20 Sekunden
sind ideal, 30 Sekunden die Obergrenze.
Videomails werden auch gerne für virale Kampagnen eingesetzt. Das funktioniert
oft recht gut, allerdings ist dabei eines zu berücksichtigen: Vor allem Videos, die
die „niederen Instinkte“ ansprechen, werden besonders gerne weitergeleitet. Ob
sich das werbende Unternehmen allerdings ausgerechnet damit schmücken möchte,
sollte vorab kritisch diskutiert werden.
447
HTML-Mails
müssen notfalls
auch ohne Bild
auskommen
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
Abb. 6: Wenn Bilder nicht angezeigt werden.
Personalisierte Bilder
Wissen Sie, was der „Cocktail-Party-Effekt“ ist? Kurz gesagt: Wenn in einem
lauten Raum jemand recht weit entfernt Ihren Namen sagt – dann hören Sie das
(naja, meistens).
Woran das liegt? Ganz einfach: Nichts hören wir lieber und aufmerksamer als
unseren eigenen Namen. Und beim Lesen ist es genau so.
Diesen Effekt können Sie für sehr aufmerksamkeitsstarke E-Mailings nutzen.
Einige Beispiele:
• Gratulieren Sie mit einer Geburtstagstorte mit persönlicher Widmung.
• Versenden Sie Weihnachtsmailings, die stimmungsvoll
und hochwertig sind.
Zaubermittel
Eigenname
• Produzieren Sie Einladungen zu Ihrem Event oder Messe.
• Schaffen Sie einen „Hingucker“ bei Abverkaufs-Mailings.
• Kombinieren Sie Online und Offline – zum Beispiel, in dem Sie
das Bild in der E-Mail auch als Postkarte für den Empfänger
bereithalten – als besonders persönliches Geschenk (zum Beispiel
für Neukunden).
• Verschicken Sie doch mal Bilder von wirklich individuell
mit dem Empfängernamen bemalten Ostereiern!
Solche Bilder zu produzieren erfordert Spezial-Software, spezielles Know-how
und sehr viel Rechnerleistung. In Deutschland gibt es dafür wenige Spezialunternehmen.
448
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
Vom Prozess her gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Bilder werden live im
Moment des Öffnens produziert oder „auf Vorrat“ - was in der Abwicklung einige
Vorteile bringt.
Mailings mit personalisierten Bildern haben eine extrem große „MehrfachÖffnungsrate“ – sie werden wieder und wieder angeschaut. Daher lohnen sich
auch die relativ hohen Kosten für diese Kampagnen.
Abb. 7: Beispiel Bildpersonalisierung
Jeder Klick zählt: Tipps für einen besseren Call-to-Action
Ihr Mailing selbst ist „nur“ der erste Auslöser für eine Aktion: Die eigentliche
„Conversion“ findet auf der Landeseite statt. Conversion kann dabei vieles sein:
Der Kauf eines Produktes, das Anmelden zu einer Community, die Teilnahme an
einer Umfrage. Praktisch findet immer die eigentliche „Transaktion“ nicht in der
E-Mail selbst statt (die früher manchmal genutzten Formular-Felder in Mailings
verbieten sich spätestens mit der Einführung von Outlook 2007, wo sie komplett
geblockt werden).
Entscheidend für den Erfolg eines Mailings ist daher auch der „Call-to-Action“
(CTA). Er führt den Leser auf die Landeseite, auf der er seine Transaktion
abschließen kann.
Der meist-genutzte Call-to-Action ist: „Hier klicken“. Kurz, knapp, allgemein
bekannt – eigentlich perfekt. Nein, leider gar nicht perfekt.
„Hier klicken“ beantwortet die alles entscheidende Frage des Lesers nämlich
gerade nicht: „Was hab ich davon?“ Und „hier klicken“ beschreibt nicht, was Sie
möchten, dass der Leser tut. Er soll ja nicht klicken, sondern kaufen (oder: mehr
Informationen einholen, an einer Umfrage teilnehmen, ….). Ein Call-to-Action
besteht aus drei Elementen:
449
Über Erfolg
entscheidet
die Handlungsaufforderung
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
1. Der eigentlichen Aktion
2. Der Worte, die Sie nutzen, um die Aktion zu beschreiben
3. Die optische Erscheinung des CTA (handelt es sich um einen Link
oder ein Image?)
Stefan Pollard von den amerikanischen E-Mail-Labs hat den perfekten Callto- Action erforscht. Seine Erkenntnisse sind in sechs Tipps zusammengefasst.
Beachten Sie diese Tipps unbedingt – sie führen in den meisten Fällen zu einer
deutlich besseren Klickrate.
Tipp 1: Berücksichtigen Sie, was im Kopf des Lesers vorgeht
Versetzen Sie sich in die Lage des Lesers. Was möchte er im Idealfall wissen, wenn
er auf den Link klickt? Bei einem redaktionellen Newsletter will er den ganzen
Artikel lesen. Die Konsequenz: „Ganzen Artikel lesen“ ist ein aussagekräftiger
Call-to-Action. Bei einem Verkaufsmailing soll er kaufen. „Jetzt kaufen“ kann
funktionieren – muss aber nicht. „Jetzt kaufen“ ist eine ziemlich große Hürde.
Üblicherweise möchten sich Kunden erst einmal informieren. Also: „Mehr Infos“
oder „Klicken Sie hier für Produktdetails“. Passen Sie also den CTA an die Position
des Sales-Cycles an, in der sich der Käufer mutmaßlich gerade befindet.
Tipp 2: Beantworten Sie die „Was hab ich davon?“-Frage
Marketing – völlig egal, ob Online oder Offline, ob E-Mail oder ein anderes Medium
dreht sich sehr stark um diese Frage. Keiner klickt nur, weil „hier klicken“ in der
E-Mail steht – abgesehen davon, dass zehn mal die Phrase „hier klicken“ auch
einfach langweilt. Marketer, die verkaufen wollen, tun gut daran, den Call-toAction auf die dazugehörige Landeseite abzustimmen. Ein Beispiel: Wenn auf
der Landeseite viele Varianten des Produkts dargestellt werden, dann könnten Sie
schreiben: „Alle zehn Varianten anzeigen“. Oder Sie schreiben: „Hier klicken für
Produktdetails der Premium-Version“. Schreiben Sie so deskriptiv wie möglich,
heben Sie den „Informationsvorsprung“, den man durch Klicken auf den Link
erhält, klar heraus.
Tipp 3: Bieten Sie mehr als nur einen Link an
Bilder werden
am liebsten
angeklickt
Leser klicken überall hin – nicht nur auf den einen Link am Ende einer Message.
Besonders häufig werden Bilder angeklickt – diese sollten Sie unter allen Umständen
verlinken. Dasselbe gilt für Überschriften. Aber auch im Fließtext werden Links
gerne geklickt: Stellen Sie wichtige Satzteile (zum Beispiel den Produktnamen,
oder wichtige Vorteile des Produktes) als Link dar.
Übrigens: Formatieren Sie nicht den kompletten Text als Link: Das schießt über das
Ziel hinaus. Leser fühlen sich durch eine solche „Online-Entführung“ verschaukelt
– und viele Spamfilter sehen allzu lange Links als ein Zeichen von Spam und
bewerten diese Links entsprechend negativ.
450
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
Tipp 4: Nutzen Sie Fett-Druck, formatieren Sie Ihren Text
Wie in Tipp 3 schon geschildert, klicken typische Leser überall hin. E-Mails werden
nicht gelesen, sie werden überflogen. Schreiben Sie deshalb wichtige Worte und
Satzteile fett. Verstecken Sie den Call-to-Action nicht – heben Sie ihn deutlich
hervor. Das wird erreicht durch Fettung, eventuell durch Farbe, durch eine größere
Schriftgröße, durch ein Abheben vom restlichen Text mit einem zusätzlichen
Zeilenumbruch.
Tipp 5: Experimentieren Sie mit der Position des CTA in Ihren Mailings
Meistens steht der Call-to-Action ganz unten im E-Mailing. Das ist alles andere
als ideal. Obwohl es an sich erst einmal logisch klingt – wir bauen im Text eine
Argumentation auf, und ganz zum Schluss kommt das Highlight: Der Link. Aber
Menschen lesen E-Mailings anders, sie springen hin und her. In Werbe-E-Mailings
hat sich eine Position des Call-to-Action so weit oben, dass er im Vorschaufenster
(das nutzen viele Leser, um zu entscheiden, ob sie die Mail überhaupt „richtig“
öffnen) zu sehen ist, als sehr erfolgversprechend herausgestellt.
Tipp 6: Nutzen Sie NIE nur eine Grafik als Call-to-Action
Mehr und mehr E-Mail-Programme blockieren standardmäßig erst einmal alle
Bilder. Wenn der Call-to-Action dann nur aus einem solchen Bild besteht, haben
Sie Pech gehabt. Bieten Sie immer auch alternativ einen oder mehrere „normale“
Links an.
Wenn Sie auch anklickbare Images als CTA nutzen: Machen Sie diese Bilder nicht zu
klein. In größeren Grafiken können klickbare „Regionen“ hinterlegt werden – auch
da besteht kein Grund, sich besonders in der Größe einzuschränken. Warum nicht
das ganze Bild – oder wenigstens große Teile davon – verlinken? Der Klickrate
nutzt es auf jeden Fall.
Nach dem Klick: Auf der Landeseite entscheidet sich der Erfolg
Das Wichtigste zuerst: Schicken Sie den Leser nie ins Nirvana. Ein Klick muss
direkt zur Landeseite mit dem für die Transaktion notwendigen nächsten Schritt
führen – niemals auf eine Übersichts-Seite.
Woran entscheidet sich der Erfolg einer Landeseite?
1. Stimmen Sie Ihre Landeseite auf das wichtigste Element Ihrer Message ab.
Entfernen Sie „störende“ Elemente. Wenn ein Leser auf der Landeseite
einkaufen soll, dann sorgen Sie dafür, dass er sich genau darauf
konzentrieren kann. Manchmal ist sogar die Standard-Navigationsleiste
zu viel – in solch einem Fall sollten Sie eine separate Microsite als
Landeseite nutzen. Ersatzweise können Sie die Navigation von der
(üblichen) linken auf die rechte Seite setzen – dort fällt sie weniger auf.
Keine störenden
Elemente auf der
Landeseite
451
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
2. Stellen Sie alle Produkte, die Sie in Ihrem Mailing anbieten, noch einmal auf
der Landeseite dar. Zusatztipp: Bei redaktionellen Newslettern sollten sie
unbedingt auf der Landeseite jedes Artikels auf die anderen Artikel des Newsletters verlinken – das verdoppelt nahezu die Lese-Quote.
3. Schaffen Sie eine Brücke zwischen der E-Mail und der Landeseite. Wiederholen Sie zum Beispiel die Überschrift des Mailings: Der Empfänger
erkennt „Aha, hier bin ich richtig“.
4. Designen Sie Ihre Landeseite so, dass Sie leicht überflogen werden kann.
Genausowenig, wie Ihre Leser die E-Mail wirklich durchlesen, werden sie
die Landeseite lesen. Stellen Sie also sicher, dass Überschriften, Unter-Überschriften, Grafiken, Tabellen so gestaltet sind, dass Ihr Angebot und der
Vorteil daraus sofort erkannt werden. Die „Hürde“ zum Verkauf muss
möglichst niedrig sein.
5. Sorgen Sie dafür, dass der Blickverlauf genau da hinführt, wo Sie ihn
haben wollen: In der Regel also auf ein Formular. Dazu hilft zum Beispiel
ein Bild neben dem Formular. Nicht optimal hingegen ist ein Bild oben
rechts – es sorgt dafür, dass jemand wieder eher „nach oben“ schaut anstatt
nach unten – wo das Formular in der Regel steht. Studien haben ergeben,
dass eine einspaltige Landeseite (nach Möglichkeit zentriert) die besten
Ergebnisse liefert.
6. Meist möchten Sie, dass ein Formular ausgefüllt wird: Halten Sie es so
knapp wie irgendwie möglich. Moderne Programmiertechniken wie AJAX
helfen Ihnen dabei, „dynamische“ Formulare zu erstellen, die „kurz und
knapp“ sind und trotzdem eine Menge Inhalte abfragen.
7. Schaffen Sie Vertrauen: Verlinken Sie – wenn Sie Daten abfragen - deutlich
auf Ihre Datenschutzerklärung. Nutzen Sie Testimonials.
Testen Sie auch
die Landeseite
8. Marketing ist vor allem eines: Testen. Testen Sie Ihre Landeseite genauso
intensiv wie Ihr E-Mailing selbst. Denn erst auf der Landeseite entscheidet
sich, ob Ihre Kampagne erfolgreich ist oder nicht. Es gibt Software, mit der
Sie leicht A/B-Tests durchführen können: Zwei Versionen einer Landeseite
werden laufend hin- und hergeschaltet – die eine Hälfte der Besucher
bekommt die erste Variante, die andere die Zweite. So können Sie leicht
Resultate tracken, vergleichen und bewerten.
Wie lang sollte eine Landeseite im Optimalfall sein?
Ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine Landeseite liegt in der Textlänge. Wie lang
sollte diese „copy“ sein? Die meisten Marketer werden spontan antworten: Kurz und
knapp. Das stimmt aber nicht immer und es gilt die alte Regel: „Es kommt darauf
an.“ Diese Faktoren beeinflussen, ob der Copy-Text lang oder kurz sein sollte:
452
Uwe-Michael Sinn: Pfiffige Mailings
• Kosten: Ein teures Produkt erfordert mehr Überzeugungsarbeit.
• Das einzugehende Risiko.
• Die Dauer der Bindung an das Produkt / den Service.
• Motivations-Art.
Einflussfaktor
Kurz besser als lang
Lang besser als kurz
Risiko
Keines oder gering
Hoch
Kosten
Bindungsdauer
Motivationsart
Günstig oder kostenlos
Kurz
Emotional / Impulskauf
(„haben wollen”)
Hoch
Lang
Rational / analytisch
(„benötigen”)
Tab. 1: Einfussfaktorn (Quelle: Marketing Experiments Inc.)
Ein komplett vernachlässigtes Thema: Transactional-E-Mails
Transactional Mails sind alle „System-Mails“, die Sie im Rahmen eines Kaufes
verschicken, zum Beispiel:
• Bestellbestätigungen.
• Lieferhinweise („Ihre Ware wurde verschickt“)
• Nach-Kauf-Umfragen
• Spezielle Mails wie zum Beispiel Lieferverzögerungen,
Rücklieferungen
Heute werden die meisten dieser Mails einfach vom entsprechenden
Shop-System verschickt. Das Problem dabei:
• Oft handelt es sich um reine Text-Mails ohne jede Emotionalität.
• Den Texten sieht man an, dass sie im Zweifel eher in einer
IT-Abteilung „mal eben“ geschrieben als von einem Texter
sorgfältig produziert wurden.
• Gewaltige Chancen zum Cross- und Upselling werden nicht genutzt.
Dabei sind Transactional-Mails diejenigen, die für den Leser die höchste Relevanz
haben: Sie werden gelesen – und zwar fast immer! Auch Transactional-Mails sollten
im attraktiveren grafischen HTML-Format verschickt werden. Der eigentliche Inhalt
(zum Beispiel die Bestellbestätigung, der Versandhinweis) muss natürlich prominent
platziert werden. Der Inhalt lässt sich deutlich wertiger darstellen, indem zum
Beispiel das entsprechende Produkt noch einmal mit abgebildet wird.
Vor allem aber ist diese Mail der perfekte Platz für Up- und Cross-Selling.
Die entsprechenden Daten lassen sich automatisch einspielen – im Idealfall in
453
T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 8 E-Mail-Marketing
Abhängigkeit vom gekauften Produkt („Kunden, die dieses Buch gekauft haben,
haben auch das gekauft …“). Das bedingt jedoch eine recht leistungsfähige Datenbank. Einfacher ist es, regelmäßig neue Inhalte einzustellen, die dann aber für alle
Empfänger identisch sind.
Warum nicht jeden Kauf mit einer Nachkauf-Befragung verbinden? Einmal
eingerichtet, läuft ein solches Programm praktisch automatisch zu Kosten nahe
Null – und liefert Ihnen laufend wichtige Marktforschungs-Informationen. Wie
das geht: 14 Tage nach dem Kauf eines Produktes wird eine automatische E-Mail
ausgelöst. Nach einem nochmaligen Dank für den Einkauf werden in einer Umfrage
fünf Fragen gestellt. In Deutschland hat das zum Beispiel Quelle vorgemacht – mit
extrem großem Erfolg.
Die Optimierung von Transactional-E-Mails wird bis zum Jahr 2010 eine sehr große
Rolle spielen: Sie sind der einfachste und relevanteste Kundenkontakt per E-Mail
– und der Kommunikationsweg, der bislang sträflich vernachlässigt wurde.
Fazit
Stand-Alone-E-Mailings sind aus dem Marketing-Mix vieler Unternehmen nicht
mehr wegzudenken. Wenn sie richtig konzipiert und umgesetzt werden, sind sie ein
sehr erfolgreiches Instrument im Abverkauf. Ganz wesentlich ist es dabei, folgende
Punkte zu beachten:
1. Schicken Sie keinesfalls „Alles an Alle“, sondern versenden Sie
zielgruppen-bezogene E-Mailings.
2. Individualisieren und personalisieren Sie so viel wie möglich.
3. Überlassen Sie die grafische Gestaltung E-Mail-Profis in Spezialagenturen.
4. Testen Sie, so viel Sie nur können!
5. Verlassen Sie auch einmal die ausgetretenen Pfade und probieren Sie
neue Ideen aus.
Literatur
[1] Jupiter Research, 2006.
454
Buchinformation
Leitfaden Online-Marketing
Herausgeber: Torsten Schwarz
850 Seiten, Preis: 39,90 Euro, gebunden
ISBN: 978-3000209048, September 2007,
Verlag: marketing-BÖRSE.
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Online-Werbung wächst derzeit zehnmal schneller als alle anderen Werbemedien. Kein
anderes Medium ist so preisgünstig und effizient bei der Ansprache neuer Kunden und
Zielgruppen. Deshalb setzen immer mehr Unternehmen bei der Neukundengewinnung auf
Suchmaschinenmarketing, Kontextwerbung oder Viral Marketing. In diesem Buch erläutern
die einhundert renommiertesten deutschsprachigen Online-Marketing-Experten, was sich
bewährt hat. Es bündelt das aktuelle praxisrelevante Wissen einer jungen Branche. Von
Affiliate- über Suchmaschinenmarketing bis zum Web 2.0 werden Strategien erläutert und
praktische Tipps gegeben.
Keine Werbeform entwickelt sich so schnell weiter wie Online-Werbung. Während TV-,
Print- und Außenwerbung 2006 um maximal sieben Prozent zulegten, stiegen die Ausgaben
für Online-Werbung laut Branchenverband BVDW um sagenhafte 84 Prozent. Fast eine
Milliarde Euro wurde 2006 für klassische Online-Werbebanner ausgegeben. Dazu kommen
noch einmal über eine Milliarde Euro für Suchmaschinenanzeigen. Aber auch Bereiche wie
Suchmaschinenoptimierung oder E-Mail-Marketing boomen. Unter dem Sammelbegriff Web
2.0 schießen Mitmach-Angebote und soziale Netzwerke wie Pilze aus dem Boden.
Verbraucher informieren sich via Internet über Preisvergleichs- und Meinungsportale. Dort
schreiben Menschen offen, was sie von Produkten und Firmen halten. Hier als Unternehmen
Präsenz zu zeigen, erfordert Fingerspitzengefühl.
Dieses Buch bündelt das aktuelle Wissen einer ganzen Branche. Als Standardwerk ist es ein
absolutes Muss für Online-Marketing-Spezialisten und solche, die es werden wollen. Die
Autoren sind die führenden Köpfe der Online-Branche. Es sind erfolgreiche Fachbuchautoren,
hochrangige Experten aus renommierten Unternehmen sowie anerkannte Wissenschaftler.
Zum Herausgeber:
Dr. Torsten Schwarz gilt als Fachmann für Online-Marketing in Deutschland. Er ist
Herausgeber des Beratungsbriefs "Online-Marketing-Experts", Autor diverser Fachbeiträge
und Bücher sowie mehrfacher Lehrbeauftragter. Laut "acquisa" gehört er zu den Vordenkern
in Marketing und Vertrieb. Der Online-Pionier war Marketingleiter eines Softwareherstellers
und berät heute internationale Unternehmen. Er ist Geschäftsführer des Dienstleisterportals
marketing-BÖRSE und leitet den Arbeitskreis Online-Marketing im Verband der deutschen
Internetwirtschaft.
marketing-BÖRSE GmbH – Melanchthonstr. 5 – 68753 Waghäusel – www.marketing-boerse.de
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… Leitfaden Online-Marketing
850 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3000209048, September 2007
Preis: 39,90 Euro*
(*zzgl. 3,- Euro Versandkosten innerhalb Deutschlands,
für den internationalen Versand werden die
tatsächlichen Portokosten erhoben)
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Vor-/Nachname
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Telefon
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marketing-BÖRSE GmbH – Melanchthonstr. 5 – 68753 Waghäusel – www.marketing-boerse.de
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