Gutachten Säugetiere (Nagetiere und Insektenfresser)

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Gutachten Säugetiere (Nagetiere und Insektenfresser)
für den zu erstellenden „Atlas der Säugetiere Hamburgs“,
Rote Liste, Bestand und Schutz
Studie im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung
und Umwelt Hamburg,
Amt f. Natur- & Ressourcenschutz
Abt. Naturschutz
Tierartenschutz
Brandmaus nach dem Freilassen aus der Lebendfalle an der Brunnenreihe der Wasserwerke Curslack,
Oktober 2011
Von
Dipl.-Biol. Holger EBERSBACH
Ökologische Gutachten
Artenschutzkonzepte
Lange Str. 8
D-19089 Runow bei Bülow
Tel.: 03843 773955
Mobil: 01737224887
e-mail: [email protected]
Runow, den 24.03.2015
Abb. 1: Räumliche Verteilung der Fangstrecken und Fänge von Kleinsäugetieren mit Lebendfallen in
Hamburg von 5/2011 bis 1/2014. Die Benennung der Fangstrecken erfolgt nach der Lage in den
befangenen Rastern (z.B. A 08_A 09 oder M 15_N 15; Grundlage: DGK5-Rasterung mit 2 km
Kantenlänge).
Abb. 2: Einige der Nachweismethoden von Säugetieren in Hamburg für das vorliegende Gutachten.
2
Inhalt
Abkürzungen und Begriffe .............................................................................................................. 6
Zusammenfassung .......................................................................................................................11
1
Einleitung ............................................................................................................................14
1.1
Mithilfe von Personen und Institutionen .........................................................................14
2
Untersuchungsgebiet ............................................................................................................17
2.1
Hamburg als Stadt der Menschen ..................................................................................17
2.2
Hamburg als Stadt der Parks und Gewässer ...................................................................19
2.3
Klima ...........................................................................................................................22
2.4
Böden, Vegetationsformen und Landnutzung .................................................................22
3
Methoden ............................................................................................................................25
3.1
Einteilung in Rasterquadrate .........................................................................................25
3.2
Erfassungen der Kleinsäugerfauna im Stadtgebiet von Hamburg .....................................25
3.2.1
Auswahl der Fangstrecken ....................................................................................25
3.2.2
Design der Fallenstrecken und eingesetzte Lebendfallen .........................................26
3.2.3
Einsatz von Schlagfallen für Schermäuse ................................................................27
3.2.4
Köder, Fallennächte und Fallenkontrollen ...............................................................28
3.2.5
Sonstige Fallen, Fangversuche und Ködervarianten.................................................29
3.2.6
Untersuchungen von Gewöllen ..............................................................................29
3.2.7
Gezielte Suche nach Hasel- und Zwergmäusen .......................................................30
3.2.8
Monitoring der Haselmausvorkommen in Hamburg .................................................31
3.2.9
Erfassung sonstiger Nachweise von Säugetieren .....................................................31
3.2.9.1
Totfunde ..........................................................................................................32
3.2.9.2
Hinweise aus der Bevölkerung ...........................................................................32
3.2.9.3
Gezielte Spurensuche und Direktbeobachtungen ................................................32
3.2.10
Habitatverbund und Lebensraumgrößen ...............................................................33
3.3
Erhebung von Daten an gefangenen Tieren und Totfunden .............................................34
3.3.1
Artbestimmungen .................................................................................................34
3.3.2
Körpermaße und Reproduktionsstatus....................................................................36
3.3.3
Bestimmung von Wiederfängen .............................................................................36
3.4
Lebensraumangaben und Auswertungen ........................................................................37
3.4.1
Einstufung als nicht urbane bzw. urbane Strukturen ...............................................37
3.4.2
Angaben zu Böden, Nutzungs- und Vegetationsstrukturen ......................................38
3.4.2.1
Zur Bodenstruktur ............................................................................................39
3.4.2.2
Zu Nutzungstypen, Vegetationsstrukturen und Naturschutzgebieten ....................39
3.4.2.3
Gehölzformen...................................................................................................40
3.4.2.4
Krautige Vegetation ..........................................................................................40
3.5
Darstellungen und Auswertungen ..................................................................................40
3.5.1
Kartendarstellungen und Ermittlung von Koordinaten .............................................40
3.5.2
Datenverwaltung, Darstellungen und Berechnungen ...............................................41
3.5.2.1
Berechnungen der Präferenzindices ...................................................................42
3.6
Anmerkungen zur Haftung und zu verwendeten Seiten im Internet .................................43
4
Ergebnisse und Diskussion ....................................................................................................44
4.1
Fänge von Kleinsäugetieren ..........................................................................................45
4.1.1
Räumliche Verteilung der Fangstrecken und der Fänge ...........................................47
4.1.2
Fangdichten und Artenzahlen ................................................................................49
4.1.3
Fangerfolg in den Jahreszeiten und Untersuchungsjahren .......................................53
4.1.4
Fangdichten und Artenzahlen in unterschiedlichen Lebensraumstrukturen................56
4.1.4.1
Urbane und nicht urbane Strukturen und Landschaften .......................................56
4.1.4.2
Böden und Standorte ........................................................................................59
4.1.4.3
Nutzungstypen .................................................................................................61
4.1.4.4
Zusammenfassende Diskussion zur Strukturnutzung und Fallbeispiele ................65
4.1.5
Zu Populationsstruktur und Reproduktionsstatus der Arten .....................................67
4.1.5.1
Populationsstruktur...........................................................................................67
4.1.5.2
Reproduktionsstatus .........................................................................................69
4.1.6
Wiederfänge von Mäusen ......................................................................................70
3
4.1.7
Fangversuche auf Schermäuse mit Schlagfallen ......................................................70
4.1.8
Sonstige Besonderheiten .......................................................................................71
4.2
Nachweise aus den Gewöllanalysen ...............................................................................72
4.3
Sichtbeobachtungen, Totfunde und sonstige Nachweise .................................................74
4.3.1
Gezielte Suche nach Freinestern von Hasel- und Zwergmäusen und Nesttubes .........74
4.3.2
Suche nach Hinweisen auf Biber ............................................................................75
4.3.3
Suche nach Hausmäusen und Ratten .....................................................................75
4.3.4
Hinweise von Befragungen der Bevölkerung und der Literatur .................................76
4.3.5
Spuren, Sichtbeobachtungen, Baue und Totfunde von Säugetieren .........................77
4.4
Methodendiskussion .....................................................................................................78
4.4.1
Methodische Variationen und sonstige Einflüsse auf die Fänge ................................80
4.4.1.1
Verlegung der Fangreihen und Erhöhung der Fallenzahl ......................................80
4.4.1.2
Erhöhung der Fangwahrscheinlichkeit durch ergänzende Fallentypen und
Ködervariationen ..............................................................................................................80
4.4.1.3
Fallenverluste und sonstige Einflüsse auf die Fänge ............................................83
4.4.2
Erhebung sonstiger Säugetiernachweise ................................................................83
4.4.2.1
Fangmöglichkeiten in speziellen Strukturen ........................................................83
4.4.2.2
Gewöllanalysen ................................................................................................84
4.4.2.3
Ergänzende Nachweise zu den Lebendfängen ....................................................85
4.4.3
Schlussfolgerungen aus den angewandten Methoden .............................................86
4.5
Habitatverbund und Lebensraumgrößen in Hamburg ......................................................87
4.5.1
Dynamik der Stadt Hamburg und von deren Lebensräumen ....................................87
4.5.1.1
Stadttypische Dynamik und Spezifika Hamburgs .................................................87
4.5.1.1.1 Verkehr und begleitende Grünstreifen ..........................................................88
4.5.1.1.2 Hafenentwicklung .......................................................................................88
4.5.1.1.3 Landwirtschaft, Gartenbau und Gartennutzung in der Millionenstadt ..............89
4.5.1.1.4 Naturschutzflächen .....................................................................................90
4.5.1.2
Einflüsse verschiedener Nutzungsformen und -Änderungen .................................90
4.5.1.2.1 Dynamische Lebensräume und Kleinsäugervorkommen ................................90
4.5.1.2.2 Landnutzungsformen und typische Gefährdungen von Kleinsäugern ..............92
4.5.2
Habitatverbund ....................................................................................................93
4.5.2.1
Verbund und Isolierung durch lineare anthropogene Strukturen ..........................93
4.5.2.2
Gewässer und Ufer als (ursprünglich) natürliche lineare Strukturen .....................96
4.5.2.2.1 Die Elbe und ihre Ufer ................................................................................96
4.5.2.2.2 Alster und Nebengewässer ..........................................................................97
4.5.2.2.3 Wandse und Nebengewässer ......................................................................97
4.5.2.2.4 Bille und Nebengewässer ............................................................................98
4.5.2.2.5 Sonstige Elbe-Altarme, Kanäle oder Vorfluter ...............................................98
4.5.2.2.6 Schlussfolgerungen für den Habitatverbund .................................................99
4.5.2.3
Ökologische Fallen für Arten wie Biber bzw. Kleinsäuger .....................................99
4.5.2.4
Unmittelbarer Verbund zur umliegenden, nicht urbanen Landschaft ................... 100
4.5.2.5
Artenzahlen am Rand zu bzw. von Schleswig-Holstein und Niedersachsen ......... 102
4.5.3
Lebensraumgrößen von Kleinsäuger-Gemeinschaften ........................................... 104
5
Kleinsäugetiere in Hamburg – Vorkommen, Fehlen, Schutz und Gefährdungen ....................... 106
5.1
Vergleich der vorkommenden Arten in Hamburg und Umgebung ................................... 106
5.2
Möglichkeiten der Bestimmung von Seltenheit und Rückgangsursachen von
Kleinsäugerarten .................................................................................................................... 106
5.3
Monitoring, Schutzmaßnahmen, Schutzgebiete ............................................................. 108
5.3.1
Vorschläge für ein mögliches Monitoring von Kleinsäugern in Hamburg.................. 108
5.3.2
Spezielle Schutzmaßnahmen und zu schützende Arten .......................................... 110
5.3.2.1
Die herausragende Rolle der Feld- und Erdmäuse ............................................. 110
5.3.2.2
Weißzahnspitzmäuse, Haselmaus, Brandmaus und Zwergmaus in Hamburg ....... 110
5.3.2.2.1 Monitoring und Schutz der Haselmaus in Hamburg ..................................... 111
5.3.2.2.2 Weißzahnspitzmäuse in Hamburg .............................................................. 113
5.3.2.3
Monitoring und Gefährdungsanalyse für Biber in Hamburg ................................ 113
5.3.2.4
Möglicher Einfluss und Bekämpfung der Wanderratten ..................................... 113
5.3.3
Vorschläge für Monitoringflächen und Schutzgebiete ............................................ 114
6
Zur Roten Liste der Säugetiere Hamburgs aus Sicht der Kleinsäugetiere ................................ 116
7
Quellen .............................................................................................................................. 118
4
Anhang I
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ....................................................................... 122
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................. 123
Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 126
Anhang II
Band 2 Kommentierte Artenliste als Zuarbeit zum Atlas der Säugetiere Hamburgs
Anhang III
Band 3 Abbildungen und Tabellen zum Gutachten
5
Abkürzungen und Begriffe
adult – Tiere, deren Köpermasse nur noch geringe Zuwächse erwarten lassen, deren Fell ausgefärbt ist und die
(vermutlich) mindestens einmal erfolgreich reproduziert haben. Laktierende Weibchen sind damit immer
adult. Die Einschätzung erfolgt hier ausschließlich nach äußeren Merkmalen.
Aktionsraum (Heimbereich, Streifgebiet, home range) - Gebiet, das von einem Individuum regelmäßig bei
seiner normalen Aktivität während der Nahrungssuche, der Jungenaufzucht, der Reviermarkierung usw. in
einem bestimmten Zeitraum genutzt wird. Der A. beinhaltet nicht die außergewöhnlichen Aktivitäten im Sinne
von Exkursionen (s.u.).*1
Aktivitätszentrum - Abschnitt oder Bereich innerhalb eines Aktionsraumes mit zahlreichen Hinweisen auf eine
Art, die nach der Lage im Gelände zu benachbarten Aktionsräumen oder Aktivitätszentren eine eigene
Ansiedlung vermuten lassen, zu der jedoch oftmals kein/e Bau/Burg oder entsprechende Struktur gefunden
werden konnte.
Altersklasse – hier die Einteilung des Alters von Individuen zu Gruppen in juvenil : subadult : adult an Hand von
Beobachtungen bzw. nach dem Reproduktionsstatus oder sonstigen, äußeren Merkmalen (z.B. Fellfärbung,
Körpermaße; s. Begriffe juvenil, subadult, adult).
Altarm – mit dem Fluss bei Mittelwasser durch eine offene Wasserverbindung kommunizierender, ehemaliger
Flsbettbereich.
Altwasser – (hier syn. zu Brack, Kolk) ein nicht oder nur bei Hochwasser mit dem Hauptstrom
kommunizierender, ehemaliger Flussbettbereich bzw. durch Auskolkung oder Verlandung der
Gewässerverbindung entstandenes Stillgewässer nahe dem Hauptstrom oder durch Eindeichung vom Fluss
isoliertes Stillgewässer o.g. Ursprungs.
Areal - Gesamtverbreitungsgebiet einer Art.
Arealerweiterung, Ausbreitung (Expansion) - Vergrößerung des Verbreitungsgebietes einer Art (oder
Population).*2
Außendeichs – Nach dem 12. Jahrhundert wurden mit Beginn der Deichbaumaßnahmen die Gehöfte mit dem
unmittelbaren Umland (Hausgärten, Viehweiden...) durch Deiche umgeben, also eingedeicht, die Gehöfte
lagen binnendeichs (s. u.), der Fluss außendeichs (s. Abb. 6 und 7, S. 20). Später verband man die
einzelnen Deiche der Gehöfte und Siedlungen untereinander zu einem langgezogenen
Hochwasserschutzdeich, die Begriffe blieben jedoch. So erscheint der außendeichs liegende Fluss heute
eingedeicht.
Bevorzugt – Bevorzugt werden Strukturen, wenn Tiere einer Art diese häufiger nutzen, als deren Anteil in der
Natur beträgt. Eine Bevorzugung = Präferenz ist damit ein mathematisch bestimmter Wert (s. Präferenz).
Binnendeichs s. außendeichs.
Biocoenose (auch Biozönose) - Modell der Betrachtung einer Lebensgemeinschaft unter ausdrücklicher
Einbeziehung aller (wesentlichen) Arten aus allen Artengruppen der Gemeinschaft, die miteinander in
zahllosen Wechselbeziehungen untereinander und mit ihrer abiotischen Umwelt stehen. Da nie alle in einem
Lebensraum zusammenwirkenden Arten bekannt sind und Arten mit großen Raumansprüchen bzw.
wandernde Arten (s. z.B. Aal oder Meerforelle zu Fischotter; Zugvogelarten zu Wanderfalke, Seeadler an
Binnen- und Küstengewässern usw.) zahllose (Teil-)Biocoenosen verbinden können, wird hier einer
praktikablen Herangehensweise der Vorrang gegeben vor dem theoretischen Ansatz. Dieser charakterisiert
streng genommen nahezu alle Lebewesen der Biosphäre als eine einzige Biocoenose. (s. auch Ökosystem)
Biotop – Lebensraum einer Biocoenose (s. dort) unter Einbeziehung der abiotischen Faktoren und der biotischen
Wechselwirkungen zwischen den Arten der Lebensgemeinschaft. (s. auch Ökosystem)
Biotopverbund – gedachte oder durch Vorkommen mindestens charakteristischer Arten belegte Verbindung
zweier (Teil-)Lebensräume von Lebensgemeinschaften (s. Habitatverbund) entlang von für
verschiedene Arten der Gemeinschaft nutzbaren natürlichen oder naturnahen Strukturen.
Brache – Freifläche oder Saum mit mehrjähriger Nutzungspause und entsprechender spontaner Pionier- oder
Ruderalvegetation bis hin zu Pionierwaldstadien, ggf. jährlich einmaliger Mahd (bei Dauerbrachen im
landwirtschaftlichen Sinne). Brachen beinhalten hier jedoch nicht die von Landwirten oft als „Brache“
bezeichneten vegetationslosen Feldflächen nach Ernte und Umbruch bis zur nächsten Bestellung mit
Sommerkulturen, da vegetationslose Flächen für Kleinsäugetiere +/- keine Lebensraumfunktion haben.
Brack – s. Altwasser.
Brückenindex - Index zur Beschreibung der Dimension von Gewässerdurchlässen unter Straßen, das heißt die
lichte Breite und Höhe über dem Mittelwasserstand im Verhältnis zur Durchlasslänge in Fließrichtung.
Bi=BxH/L (nach REED & WARD 1987, zit. in MADSEN 1996). Um die Anlage von Banketten bzw. Bermen als
Markierungsstrukturen unter Straßenbrücken und damit Fischottern und Bibern eine gefahrlose Passage zu
ermöglichen, wird als Richtwert ein Bi= 1 angestrebt.
Deich – Der Begriff „Deich“ wird innerhalb dieser Studie nur für die sich im Gefälle deutlich vom Umland
unterschiedenen, durch den Menschen erfolgten Aufschüttungen für den Hochwasserschutz verstanden,
also die landläufig als „Deich“ sichtbaren und auch für im Gebiet lebende Arten erfahrbaren Strukturen –
unabhängig von ihrer aktuellen Unterhaltung. Eventuell vorhandene Bermen unterschiedlicher Breite, die
6
möglicherweise aus ingenieurtechnischer Sicht zum Deich gehören, und von uns als Laien nicht ohne
weiteres erkennbar sind, werden ausdrücklich nicht dazugerechnet.
Dismigration (engl. dispersal) - dauerhafter Ortswechsel von einzelnen Individuen aufgrund endogener
Faktoren (Alter, Geschlechtsreife) oder exogener Faktoren (Konkurrenz, Nahrungsmangel) bis zur
Errichtung eines neuen Aktionsraumes.*2
DBH - Die Stammdurchmesser von Gehölzen werden in einer Höhe von 1,3 m über dem Boden gemessen und als
“Durchmesser in Brust-Höhe” angegeben.
Elbe (als Beispiel für Flüsse) – Die Elbe als Fluss wird in der vorliegenden Studie als Gesamtheit dessen
betrachtet, was a) zum Wasserkörper selbst und b) zum Ufer (s. Ufer) als dem Übergangsbereich zwischen
Wasser und Land gehört sowie c) aus allen darin befindlichen Strukturen und Lebewesen gebildet wird,
auch wenn diese die E. nur zeitweise nutzen, und was d) als System (s. System) einen Lebensraum und ein
übergeordnetes Ganzes bildet. Dies gilt bei allen denkbaren/bereits erlebten Wasserständen.
Exkursion - kurzzeitiges Verlassen des Aktionsbereiches, z.B. während der Paarungszeit zum Aufsuchen eines
Geschlechtspartners oder zur Erkundung der Qualität angrenzender Lebensräume “mit dem Ziel” der
Rückkehr.
f bzw. ff - folgende bzw. fortfolgende, meist im Zusammenhang mit Verweisen auf eine Seitenzahl sowie die
darauf folgende bzw. darauf folgenden Seiten.
Fließ – Fließgewässer, das angelegt wurde zum Betreiben von Mühlen, zum Be-/Entwässern von Teichen oder
Tagebauen bzw. im Spreewald (s.l.) mit typischen Spreewaldkähnen befahrbare Gewässer.
Fluss – s. Elbe
FN – Fallennächte, meist in Verbindung von einer Anzahl von Kleinsäugerfängen/100 Fallennächte = n Tiere
/100 FN
Geschlechterverhältnis - Anzahl der Männchen : Anzahl der Weibchen in einer betrachteten Gruppe von
Individuen. Die Angabe kann vereinfacht als z.B. 1,1 für die Anzahlen der Individuen beider Geschlechter
erfolgen.
GFP / GP- Gefährdungspunkt; Aufnahmepunkt/-bereich, an dem in thematisch darauf angelegten Studien
eine Gefährdung für z.B. Biber und/oder Fischotter ermittelt wurde.
Gewässersystem - hier im ökologischen Kontext: Größere Fließgewässer, die im Sinne des Biotopverbundes mit
ihren Zuflüssen durchgängige bzw. direkt verbundene Ansiedlungsmöglichkeiten für z.B. Biber und
Fischotter oder bestimmte Fischarten bieten. Innerhalb dieser Studie bezieht sich der Begriff auf die lokale
und regionale Ebene.
Habitat - Lebensraum einer (Teil-) Population einer Art (s. Areal, Biotop und Lebensraum).
Habitatverbund - durch Nachweise belegte oder gedachte Verbindung zweier (Teil-)Lebensräume von
Individuen einer (Teil-) Population einer Art entlang von für die betrachteten Arten nutzbaren Strukturen
(z.B. Gewässer/-ufer, Hecken, Waldränder, Feldsäume o.ä.); oder aber kürzeste gedachte Verbindung
zwischen zwei nutzbaren Teillebensräumen. Der H. bezieht sich auf die Ebene der (Teil-)Population,
seltener auf die der Ansiedlung des Individuums oder des Sozialverbandes (s. Aktionsraum).
Hf - Hinterfußlänge in mm, soweit nichts anderes vermerkt wird.
juvenil – sich in Körpergröße, Körpermasse und –maßen sowie Fellstruktur/Fellfarbe noch deutlich von den
adulten Tieren absetzende Individuen, die noch nicht erkennbar an der Reproduktion teilgenommen haben.
Die Einschätzung erfolgt hier ausschließlich nach äußeren Merkmalen.
k.A. – keine Angaben
Kastenbrücke - Brücke mit i.d.R. rechtwinkligem Querschnitt ohne Pfeiler. Brücken bezeichnen i.d.R. Durchlässe
von mehreren Metern lichter Breite und ±ungestörtem Gewässergrund unter der Brücke.
Kastendurchlass - Meist quadratischer Gewässer-Durchlass unter einer Verkehrstrasse. K. werden oft durch
vorgefertigte Beton-Kastenprofile gebildet. Sie sind i.d.R. relativ klein dimensioniert (bis zu 1,5-2,5m
Breite). Kennzeichnend ist - abweichend von der ingenieur-technischen Bezeichnung - die Struktur der
(vorgefertigten) Rechteckprofile mit “künstlichem” Gewässerboden im Durchlassbereich.
KGA – Kleingartenanlage als Summe mehrerer bis zahlreicher räumlich zusammengehörender Kleingärten
unabhängig von ihrer Organisationsform als eigenständiger Verein usw.
KM - Körpermasse [g]
Knick – Wallhecke••
Krautige Pflanzen – Als krautige Pflanzen werden innerhalb dieser Studie nach den Vorgaben von KEMNADE et
al. (2002) alle nicht verholzenden Pflanzen zusammengefasst, also Gräser, Kräuter (s.str.) und Farne.
Lebensraum - Landschaftseinheit, die für alle alltäglichen Ansprüche eines Individuums/Familienverbandes die
ausreichenden Requisiten enthält und eine dauerhafte Ansiedlung ermöglicht. Entsprechendes gilt für
(Teil-)Populationen, wird begrifflich dann jedoch als Habitat (s. dort) bezeichnet.
lokal - Als lokal werden die möglichen Wechsel eines Individuums innerhalb eines hypothetischen Streifgebietes
betrachtet, also etwa für Fischotter zwischen den Teichen einer Teichanlage, zu benachbarten
Fließgewässern, Feuchtgebieten, zwischen der Stromelbe und den Bracks außendeichs und unmittelbar
deichnahen Bracks binnendeichs usw., sowie Wechsel zwischen zwei attraktiven Bereichen innerhalb eines
(hypothetischen) Aktionsraumes über kleinere Abschnitte ungeeigneter Landschaftsräume, wie etwa
Ortspassagen, deckungsfreie Feldflur, zwischen benachbarten Teichen und Fließgewässern. Für Kleinsäuger
trennen u.U. Straßen, Plätze, Gräben Teillebensräume voneinander. Der Begriff lehnt sich an den Ansatz
von LEYHAUSEN (1965).
7
lokaler Bestand – s. Teilpopulation
Markieren - Absetzen von Drüsensekret (auch in Verbindung mit der Kot- bzw. Urinabgabe) für die intra-
und/oder interspezifische Kommunikation. Das M. geschieht i.d.R. an auch für andere Arten der
ökologischen Gruppe (wie Kleinsäuger oder Raubsäugetiere) auffälligen Strukturen (entlang von
Laufgängen, auf einzelnen Steinen usw.). Durch die Anlage von Markierungs-Möglichkeiten für Biber und
Fischotter unter ausreichend großen Brücken wird die Gefahr der Straßen-Überquerung und damit des
Verkehrstodes für Tiere beider Arten wesentlich gemindert.
Meidung – Eine Meidung bestimmter Strukturen liegt vor, wenn Tiere einer Art bestimmte Strukturen anteilig
weniger nutzen, als deren Anteil in der Natur beträgt. Eine Meidung ist damit ein mathematisch bestimmter
Wert (s. Präferenz).
Meliorationsgraben – Be- oder meist Entwässerungsgraben für Kultur-Flächen mit regelmäßiger (=permanente
M.) oder temporärer Wasserführung. M. sind meist im Regel-Trapezprofil und +/- geradlinig ausgeführt,
durch häufige Unterhaltung und Beräumung strukturarm und durch Wehre reguliert; s. auch Waldgraben.
Modell – “Denkhilfe“ zum Verständnis von Eigenschaften komplexer Systeme oder Zusammenhänge. M. bilden
Vereinfachungen bzw. Abstraktionen mit Blickpunkt auf einzelne/wenige Eigenschaften unter bewusster (!)
Auslassung/Negierung anderer wesentlicher Teile eines Ganzen. Auch Begriffe sind letztlich Modelle.
Mortalität – Sterblichkeit, meistens als Anteil der sterbenden Individuen einer Gruppe innerhalb einer
bestimmten Zeitspanne, zumeist ein Jahr.
N, n – N Gesamtstichprobengröße, n Stichprobengröße für die jeweiligen Anzahlen und Maße.
Nicht urbane Strukturen: - (s. urban) Als nicht urban werden terrestrische Strukturen bezeichnet, die durch
eine reguläre land- oder forstliche Nutzung oder durch mehrjährige fehlende menschliche Nutzung als
Siedlungs-,
Industrie-,
Verkehrsund/oder
Erholungsbzw.
Freizeitflächen
oder
Hochwasserschutzeinrichtungen gekennzeichnet sind sowie einen unbefestigten oder durch natürliches
Substrat bzw. Vegetation überdeckten befestigten Untergrund haben, und eine für wildlebende
Kleinsäugetiere ausreichende Lebensraumgröße bieten (s. urbane Strukturen, s. auch Kap. 3.4.1, S. 37).
Oberelbe – auch obere Elbe; der Begriff wird im Verlauf der Elbe unterschiedlich gebraucht, üblicherweise
jedoch im Sinne von Ober-, Mittel- und Unterlauf des gesamten Flusses. Im Hamburger Raum spricht man
von der Oberen Elbe als der gesamten Elbe oberhalb der Stadt = der Staustufe Geesthacht (s. Unterelbe).
Ohr - Ohrlänge [mm]
Ökosystem – System mit Lebewesen, das aus der Biocoenose und ihrem Lebensraum, dem Biotop, gebildet wird
(s. Begriffe).
Optimum - <n.; -s, -ma> Höchstmaß, günstigste Lage, günstigstes Verhältnis, Bestfall [lat., „das Beste“];
optimal <Adj.> so gut es überhaupt möglich ist, bestmöglich, beste, Best… [neulat.; zu lat. optimus „das
Beste“] *4. Im Bezug auf Lebewesen ist das Optimum demnach ein theoretisches Modell und eine
Annahme, denn für eine Art/ein Individuum sind niemals alle Ansprüche bekannt. Deshalb kann deren
„optimaler“ Erfüllungsgrad nicht abgeschätzt werden.
Park – Gemeint sind hier Parks s.str., also nur die gezielt angelegten, parkartigen Strukturen, die durch den
typischen Wechsel von Bäumen in beiden Baumschichten, einer (lückigen) Strauchschicht sowie offenen,
zumeist als Rasen gepflegten Bereichen gekennzeichnet sind. Die hier betrachteten Parks haben demnach
keinen Kronenschluss in der Fläche, können jedoch lokal waldartige Bereiche einschließen (s. Wald-Park).
Population - Modell der Betrachtung einer größeren Gruppe von Individuen einer Art, die reproduktiv von
anderen Gruppen getrennt (aber nicht vollständig isoliert) sind. Populationen sind in sich überlebensfähig,
d.h., Verluste werden durch die Reproduktion innerhalb der P. ausgeglichen. Der Begriff ist sinnvoll nur für
eine endliche Anzahl von Individuen anzuwenden.
Pfeilerbrücke - Brückenkonstruktion mit mindestens einem Stützpfeiler. Die meist recht großzügig ausgeführten
P. ermöglichen i.d.R. die nahezu ungestörte Fortführung beider Uferstreifen und sind damit für gefahrlose
Passagen durch Biber und Fischotter sowie zahlreiche andere Arten, darunter Kleinsäuger, unter der Straße
meist gut geeignet.
Präferenz – Eine Präferenz oder Bevorzugung liegt vor, wenn Tiere einer Art eine bestimmte Struktur anteilig
häufiger nutzen, als deren Anteil in der Natur beträgt (s. Kap. 3.5.2.1, S. 42). Die P. ist damit ein
mathematisch bestimmter Wert und der Begriff wird im vorliegenden Gutachten nur als solcher verwendet.
Redder – Doppelknick (s. Knick)
regional – Eigenständige Lebensräume von (i.d.R.) Kleinsäuger-Populationen werden dann der regionalen Ebene
zugerechnet, wenn es keine ständigen Wechsel (s. Wechsel) von Individuen zwischen
Lebensraumstrukturen gibt, diese jedoch mittels als Wanderwege (s. Dismigration) nutzbaren Strukturen
miteinander in Verbindung stehen. Damit werden benachbarte Populationen (s. dort) von Kleinsäugern der
regionalen Ebene zugerechnet.
Rohrdurchlass - Trockene oder wasserführende Durchlässe unter Straßen mittels Beton-, Stahl- oder auch
Kunststoffrohren von 0,4 bis 1,5 m Durchmesser. Wasser führende R. werden als Passagen für Kleinsäuger
wie z.B. auch für Biber und Fischotter als ungeeignet betrachtet.
Schweißgraben - Entwässerungs-Graben, der i.d.R. binnendeichs unmittelbar parallel zu einem ausgedeichten,
größeren Gewässer bzw. zum Deich selbst verläuft. Strukturell entsprechend können auch größere
Verkehrstrassen auf eigens geschütteten Dämmen beidseitig von S. begleitet sein.
8
Semiaquatische Tiere – wasser- und ufergebundene Tiere, zu deren Lebensraum sowohl der gesamte
Wasserkörper von (Binnen-)Gewässern als auch die Uferzone gehören. Streng genommen gehören damit
alle durch s. T. genutzten Landstrukturen zur Uferzone (s. Elbe und Ufer).
s.l. – senso lato: im weiteren Sinne
s.str. – senso stricto: im engeren Sinne
Stabw. - Standardabweichung vom Mittelwert
standortangepasst - nicht heimische (Baum-)Arten, die im Ansiedlungsgebiet gut zurecht kommen.*3
standortbürtig - syn. zu standortheimisch *3
standortfremd - heimische (Baum-)Arten, die sich für die örtlichen Bedingungen nicht eignen.*3
standortgemäß - syn. zu standortgerecht *3
standortgerecht - (Baum-)Arten, die mit Nährstoffversorgung, Feuchtigkeit und anderen Parametern eines
Standortes zurechtkommen.*3
standortheimisch - (Baum-)Arten, die sich über Verjüngungsgenerationen aus der ursprünglichen
(Wald-)Vegetation erhalten haben bzw. von Natur aus auf einem entsprechenden Standort vorkämen
(SCHWENKE, zit. in SCHERZINGER 1996)*3
standorttauglich - standortgerechte Arten, die auf natürlichem Wege nicht zum Standort vordringen könnten
(z.B. Fremdländer) oder die sich auf Dauer gegenüber einem natürlichen Schädlingsbefall nicht behaupten
können (z.B. Fichte in trockenwarmen Laubwaldgebieten).*3
standortswidrig - (Baum-)Arten, die weder standortsgemäß noch standorttauglich sind *3
subadult –Tiere, die noch im Größenwachstum sind, sich jedoch nicht mehr deutlich in den Körpermaßen von
den Adulten absetzen; die noch nicht erfolgreich reproduziert haben und/oder deren Fell noch nicht
ausgefärbt ist – bei Gelbhals- und Waldmäusen zeigt sich dies im eher grauen Rückenfell und meistens
gräulich-weißen Bauchfell. Halsband bzw. Halsfleck sind i.d.R. nur schwach gelb. Da bei verschiedenen
Mäusen oder z.B. beim Hermelin die Begattung bereits im Wurfnest erfolgen kann, können subadulte
Weibchen trächtig sein und werden hier als adult betrachtet, wenn sie erkennbar laktieren. Die
Einschätzung erfolgt hier ausschließlich nach äußeren Merkmalen.
submers – eigentlich „unter der Gewässeroberfläche“, hier auch für vollständig geflutete Durchlässe von
Gewässern unter Straßen.
SW - Schwanzlänge [mm] von der Schwanzwurzel bis zur Schwanzspitze ohne Haare.
System – Betrachtungs-Modell einer Gesamtheit als einem Gefüge von Teilen, die voneinander abhängig sind,
ineinandergreifen und/oder zusammenwirken und sich als Ganzes entwickeln, wobei das S. eigene, nicht
aus den Einzelteilen allein ablesbare Eigenschaften hat, und damit eine neue S.-Qualität bildet. Biologische
S. sind offen, d.h., es kommt zu Austauschprozessen von Stoffen, Energie, Information und ggf. Individuen
mit der Umgebung.
Teiche - vom Menschen angelegte Standgewässer unterschiedlicher Größe, meist mit geringer Tiefe (i.d.R. bis
1 m) für die Fischaufzucht oder z.B. als Dorfteich. Garten- oder z.B. Klärteiche sind als solche bezeichnet.
Teichgebiet – System mehrerer Fischteiche in enger landschaftlicher Geschlossenheit (lokal), die als ein
zusammenhängendes Gewässersystem bewirtschaftet werden und in sich einen (Teil-) Lebensraum für z.B.
Biber und Fischotter darstellen (könnten).
Teillebensraum - Landschaftseinheit, die nicht für alle alltäglichen Ansprüche eines Individuums/einer Familie
die ausreichenden Requisiten enthält und daher allein keine dauerhafte Ansiedlung ermöglicht. Als
Teillebensraum von Bibern/Fischottern werden z.B. isolierte, kleinere Seen, Teiche oder Feuchtgebiete
angesehen. Es besteht demnach die Notwendigkeit regelmäßiger Wechsel und/oder Wanderungen in
andere (Teil-) Lebensräume.
Teilpopulation (Bestand) - landschaftlich abgrenzbarer Teil einer Population, der aufgrund seiner geringen
Individuenzahl oder nicht ausreichender Lebensraumausstattung auf Dauer allein nicht überlebensfähig,
sondern auf regelmäßige Wechsel bzw. Zuwanderung angewiesen ist („lokaler Bestand/lokale Population“
im Sinne der Eingriffsregelung).
Teilweise urbane Flächen beinhalten sowohl urbane als auch nicht urbane Strukturen – hier im Umfeld einer
Fallenreihe (s. nicht urbane und urbane Strukturen sowie Kap. 3.4.1, S. 37).
TFP, Totfundpunkt - Geländepunkt, an dem mindestens ein totes Tier einer bestimmten Art gefunden wurde.
überregional - Verbindungen, die deutlich über die Grenzen einer Landschaftseinheit hinausgehen und
unterschiedliche Populationen betreffen (z.B. für Biber und Fischotter die Verbindung Elbe – Müritz über das
Elde-System; die Verbindung der Biberpopulation(en) entlang der Elbe in deren Nebenflüsse und bis nach
Tschechien).
Die räumliche Zuordnung von Landschaftsteilen, die durch wirksame aber flächig nicht ausgedehnte
Strukturen, wie Autobahnen ohne Unter- oder Überführung für Kleinsäuger, getrennt werden, ist nicht
eindeutig.
Ufer/-zone – Übergangszone zwischen Wasser und Land, die immer sowohl zum Wasser als auch zum Land
gehört – sowohl als deren Begrenzung als auch als nicht trennbarer Bestandteil des gemeinsamen
Lebensraumes. Dies gilt insbesondere für „semiaquatische“ Tiere (s. dort). Das U. ist damit je nach
wechselnden Wasserständen variabel in der Lage, die Uferzone unterschiedlich breit.
Unterelbe – auch untere Elbe; hier in Ergänzung zum Begriff „Oberelbe“ (s. dort) die gesamte Elbe unterhalb
der Stadt Hamburg.
9
Urbane Strukturen - Als urban werden alle anthropogenen Strukturen eingestuft, die nicht als nicht urban (s.
dort) charakterisiert sind. Dies sind alle bebauten, befestigten und/oder intensiv und regelmäßig durch
Menschen genutzten oder gepflegten Strukturen oder ungenutzte, die als Kleinsäuger-Lebensraum zu klein
sind. Dazu zählen insbesondere:
* Gebäude (s.l., also auch verlassen, verfallen usw.), befestigte Verkehrsflächen;
* Gartenbauflächen unter Glas oder Folie sowie solche, in denen der Boden mit Rindenmulch oder Folien
bedeckt ist und/oder die Kulturpflanzen in Gefäßen angebaut werden (Pflanzschalen, Blumentöpfe...);
* Flächen mit (fast) vollständig künstlichem Untergrund (z.B. Blocksteinschüttungen am Elbeufer,
Splittflächen z.B. auf Parkplätzen, Lagerplätze von Firmen usw.);
* Hafenanlagen einschließlich Sport- und Freizeitbootshäfen inkl. der zugehörigen ufernahen Lagerplätze;
* Sport- und Freizeitflächen mit regelmäßig gepflegtem Kurzrasen wie Sportplätze, Hundeübungs- und
-auslaufflächen mit Rasen, Reitplätze (s.str.) und Stallausläufe diverser Haustiere sowie auch aktuelle
Hochwasserschutzanlagen wie Deiche inkl. Bermen und Deichwege (s. auch Kap. 3.4.1, S. 37);
* Aktuell befüllte Spülflächen; Boden-, Kohle- und sonstige Lagerflächen von Schüttgut, Containern usw.
Verluste - Abgänge aus einer (Teil-)Population durch Tod oder Dismigration (Emigration).
Verteilung (Dispersion) – räumliche Anordnung von Individuen bzw. deren Aktionsräumen im Gebiet.*2
Vorfluter – (syn. Wettern) Ableitungsgräben von in einzelnen Meliorationsgräben oder Grabensystemen
gesammeltem Wasser über größere Strecken (auch bis >10 km). Dabei erfolgt die Abführung des
gesammelten Wassers in die Flüsse unter Ausnutzung der „Vorflut“, also des allgemeinen Gefälles der
Landschaft und/oder mittels Pumpwerken. Dadurch können Flächen mit sehr geringem natürlichen Gefälle
wirksam entwässert werden. Die über 8,5 km lange „Brookwetterung“ zwischen Borghorst und
Schleusengraben Bergedorf ist strukturell ein typischer Vorfluter. V. sind oft mehrere Meter breit, als
Trapez-Regelprofil ausgeführt, durch Regulierung permanent wasserführend mit Wassertiefen auch über
0,5 m und daher oft potentielle sekundäre Biberlebensräume – meist mit erhöhtem Konfliktpotential.
Waldgraben – in Wald-/Forstgebieten angelegte Gräben, i.d.R. zur Abführung temporärer Überstauungen. Viele
W. werden nicht mehr unterhalten und zeigen entsprechend starke Verlandungen. Als Biber- und
Fischotterlebensraum sind diese daher meist ungeeignet, als Leitstruktur bei Wanderungen jedoch für viele
Arten von Bedeutung.
Waldpark – Innerstädtische Parkanlage, die durch geschlossene Waldbestände, z.T. mit nichtheimischen Baumund Straucharten, ohne (nennenswerte) Freiflächen wie Rasen, Wiesen o.ä., jedoch überwiegend mit
Altholzbeständen gekennzeichnet ist (s. Park).
Wanderung (Migration) - gerichteter Ortswechsel von Individuen oder (Teil-)Populationen aufgrund bestimmter,
auf die ganze (Teil-)Population gleichmäßig wirkender Umweltfaktoren (z.B. Ablassen von Teichen,
Vogelzug) “mit der Absicht” der späteren Rückkehr.*2
Wechsel - ± häufig von Individuen einer Art begangener Pfad, z.B. zur Überbrückung ungeeigneter
Geländeabschnitte zwischen zwei hochwertigen Bereichen, auf lokaler Ebene im Kontext der normalen
täglichen Aktivitäten.
Wechseln - kleinräumige Ortsveränderung von Einzelindividuen innerhalb der Streifgebiete zur Erreichung der
für die täglichen Bedürfnisse notwendigen Requisiten.
Wettern – s. Vorfluter
*1
*2
*3
*4
nach: ZÖPHEL (1994)
nach: BOYE (1995)
nach SCHERZINGER (1996)
aus BERTELSMANN Lexikothek (1996)
10
Zusammenfassung
Das vorliegende Gutachten wurde erstellt im Auftrag der Abteilung Naturschutz in der Behörde für
Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg. Im gesamten Stadtgebiet von
Hamburg wurden von Mai 2011 bis Januar 2014 das Vorkommen und die Verbreitung von insgesamt
23 Kleinsäugetier-Arten (alle vorkommenden Arten von Insektenfressern außer Fledermäusen sowie
Nagetieren außer Nutria; s. Tab. 1, S. 16) untersucht. Außerdem wurden von diesen 23 Arten
Informationen gesammelt zu Lebensräumen, Populationsdichten und –entwicklung, Körpermaßen und
Reproduktion.
An Hand aller gesammelten Informationen wurde versucht, die Bestandsentwicklung der Arten in
Hamburg seit der Bearbeitung der letzten Roten Liste (DIMBINSKI et al. 2002) und ggf. notwendige
Schutzmaßnahmen abzuleiten, die als eine Basis dienen für die Erarbeitung einer aktuellen Roten Liste
und eines Atlas´ der Säugetiere Hamburgs.
Der Schwerpunkt der Arbeit lag auf Fängen von Kleinsäugetieren mit Lebendfallen im gesamten
Stadtgebiet von Hamburg, wobei die Auswahl der Fallenstandorte auf die Nachweise einer möglichst
großen Artenzahl ausgerichtet war. Die Lebendfänge wurden mit weiteren Methoden kombiniert:
Artnachweise aus Gewöllen von verschiedenen Eulenarten fließen mit deren Aufsammlung seit dem
1.1.2000 in die Darstellungen der Vorkommen ein. Darüber hinaus wurden alle sonstigen Hinweise auf
Säugetiere notiert, also z.B. Spuren, Totfunde, Sichtbeobachtungen, Nester sowie Hinweise aus der
Bevölkerung und aus der Literatur.
In dem genannten Zeitraum gelangen im Stadtgebiet von Hamburg in 158 Fangreihen mit
Lebendfallen in 9.811 Fallennächten insgesamt 1.933 Fänge von Kleinsäugetieren. Das entspricht
durchschnittlich
19,8 Fängen/100 Fallennächte.
Abzüglich
der
Wiederfänge
waren
dies
1.851 Kleinsäugetiere aus 12 Arten. Es konnten durch die Lebendfallenfänge aus 206 der 239
Rasterquadrate mit 2 km Kantenlänge auf der Karte von Hamburg Nachweise von Kleinsäugetieren
aus der hier erarbeiteten Studie erbracht werden (s. Abb. 1, S. 2). Das sind 86,2 %.
Zusammen mit den sonstigen Hinweisen liegen aus 226 der 239 Rasterquadrate von Hamburg
Informationen über wenigstens einzelne Säugetiere vor, was 94,6 % entspricht. In das Artenkataster
der Abteilung Naturschutz der BSU gingen aus der vorliegenden Untersuchung über 2.500 Datensätze
mit Informationen zu den einzelnen Arten und Nachweisen ein, wobei die Anzahl der in den Gewöllen
enthaltenen Hinweise der einzelnen Arten unberücksichtigt bleibt. Über die Kleinsäugetiere im engeren
Sinne (s.str.) hinaus, die Inhalt der vorliegenden Studie waren (s. Tab. 1; S. 16), wurden alle
sonstigen Nachweise von wildlebenden Säugetieren (mit Ausnahme von Rehen, Füchsen und
Steinmardern) notiert, so dass insgesamt Hinweise auf 38 Arten aus dem Stadtgebiet von Hamburg
enthalten sind. Alle erfassten Hinweise zu Artnachweisen stehen über das Artkataster der Abteilung
Naturschutz zur Verfügung.
Neben den Lebendfallen wurden in rund 250 Fallennächten Schlagfallen unmittelbar an Gewässerufern
eingesetzt mit dem Ziel von Nachweisen der Schermaus. In diesen Schlagfallen konnten keine
Schermäuse gefangen werden. Die Art konnte damit insgesamt über Totfunde, Beobachtungen und
Gewölle nur 8mal in Hamburg nachgewiesen werden.
Die Gewöllanalysen stellten eine wichtige Ergänzung zu den Lebendfängen und sonstigen Nachweisen
dar.
Innerhalb des vorliegenden Gutachtens sind Aussagen zu 22 der 23 in der Leistungsbeschreibung
benannten Arten möglich. Nur vom Siebenschläfer wurden keine neuen Hinweise in Hamburg
gefunden.
11
Unter den Daten sind die Erstnachweise von Feldspitzmaus und Hausspitzmaus für Hamburg seit den
unklaren Hinweisen um das Jahr 1900 (DEMBINSKI et al. 2002). Allerdings lag der einzige Fund eines
Feldspitzmausschädels in einem Eulengewölle nur rund 650 m entfernt zum niedersächsischen
Elbeufer, so dass der Nachweis der Art in Hamburg noch nicht als sicher gelten kann. Von der
Hausspitzmaus wurden 13 Tiere in Hamburg gefangen und ein Tier tot aufgefunden (G. SCHÄFERS,
06.07.2012).
Darüber hinaus wurden 3 neue Vorkommen von Haselmäusen in Hamburg bekannt. Für das Umfeld
der neuen Nachweise sowie der beiden bekannten Vorkommen aus anderen Quellen (HAAK 2012 sowie
MICHALCZYK, pers. Mitt.) konnten Aussagen zur Habitatqualität erarbeitet werden.
Alle Nachweise von Säugetieren werden zu den Fragen mit jeweils ausreichender Datenbasis
ausgewertet. Dazu zählen bei den Lebendfängen der häufigen Arten Gelbhals- und Rötelmaus
Hinweise zu populationsbiologischen Aspekten, Körpermaßen und Dichteschwankungen in den
Jahreszeiten und Untersuchungsjahren. Die nur wenigen Hinweise auf z.B. Wasserspitzmäuse oder
Schermäuse beschränken sich im Wesentlichen auf die Darstellung der Nachweise. Für Haselmäuse
können Hinweise zum Monitoring und Schutz gegeben werden usw.
Die Lebendfänge werden außerdem ausgewertet nach den bevorzugten bzw. gemiedenen Strukturen,
in denen die Arten gefangen werden konnten. Dabei zeigt sich für eine Reihe von Arten in Hamburg
ein anderes Nutzungsbild von Geländestrukturen als die oftmals in der Literatur beschriebenen.
Es ergibt sich eine z.T. deutliche Bevorzugung von dynamischen Lebensräumen wie Wald-OffenlandKomplexen, Brachen mit Pionierwaldstadien, Auen im Tideneinflussbereich der Elbe usw. durch eine
Reihe von Kleinsäugerarten, während langlebige, stabile Lebensräume wie Erholungswälder,
Bruchwälder, Parks und Friedhöfe eher gemieden wurden. Die Kleinsäugervorkommen profitieren
dabei insgesamt von der „grünen Stadt“ Hamburg und den Nutzungsaufgaben von Flächen sowie von
der Dynamik lokaler Flächen inklusive des Umbaus in Spülflächen und Gewerbegebieten, jedoch nur in
Verbindung mit ebenfalls dynamischen, großflächigen, nicht urbanen Lebensräumen.
Im eigentlichen städtischen Landschaftsraum fallen die meisten der in Hamburg nur selten
gefangenen Arten fast vollständig aus und es gibt neben den häufigen Gelbhals- und Waldmäusen
(und der Wanderratte) kaum andere Nachweise. Auch die zweithäufigste gefangene Art, die
Rötelmaus, fehlt im urbanen innerstädtischen Bereich sowie in weiten Teilen des Hafens (fast)
vollständig. Hier wurden praktisch nur noch Wald- und Gelbhalsmäuse gefangen – und zwei der vier
Fang-/Fundorte der Hausspitzmaus liegen hier.
Außerdem werden schwerpunktmäßig die Fänge, weniger die sonstigen Nachweise aus Hamburg, in
den Kontext der nachgewiesenen Artenzahlen im angrenzenden Schleswig-Holstein gestellt (Kap.
4.5.2.5; S. 102). Im Blickpunkt dieser Auswertungen standen die Artengemeinschaften und
Artenzahlen in Bezug zu den verfügbaren Lebensraumgrößen. Für Niedersachsen lagen keine
aktuellen Daten dazu vor.
Dabei stellte sich heraus, dass es einerseits eine Zunahme der gefangenen Artenzahlen und
Fangdichten vom Stadtzentrum zur Peripherie von Hamburg gibt, was besonders im Südwesten,
Südosten und Osten der Stadt deutlich wird. Dies ist um so ausgeprägter, je größer die nicht urbanen
Landschaftsräume in Hamburg bzw. beidseitig der Ländergrenze sind. Einen Schwerpunkt der
Artenzahl und Fangdichten bilden dabei die Vier- und Marschlande als größte Kulturlandschaft
innerhalb von Hamburg mit fast unverbautem Kontakt zu unverbauten Landschaften in SchleswigHolstein und Niedersachsen. Die Lebensraumgröße auf der Landschaftsebene scheint der
entscheidende Faktor für die Artenvielfalt zu sein neben dem Verbund über nicht urbane Bereiche.
12
Anthropogen überprägte Teil-Flächen ohne aktuelle Nutzung, aber mit hoher Dynamik stehen dem
nicht entgegen, wenn im Umfeld große unverbaute Flächen liegen. Nicht urbane, jedoch vollständig
umbaute Strukturen wie Parks und Friedhöfe (auch in großer Ausdehnung wie der rund 390 ha
umfassende Ohlsdorfer Friedhof, oder die langlebigen Waldparks, z.B. der Wandsbeker Gehölze in
Marienthal), haben dem gegenüber keine erhöhte Artenzahl und Individuendichten in den Fängen
erbracht.
Zum anderen zeigte sich, dass mit den verwendeten Methoden keine Hinweise auf einen
funktionierenden Habitatverbund für die betrachteten Kleinsäugerarten entlang von Fließgewässern
(Alster, Wandse, Bille) bzw. Verkehrstrassen (A 07, A 25, Bahnlinie Reinbek-HH) vom Umland in das
Zentrum von Hamburg nachzuweisen war. Davon fallen 2 Ausnahmen besonders auf:
a) An den Ufern der Elbe ließen sich auch im inneren Hafenbereich vereinzelt Arten neben den sonst
im urbanen Landschaftsraum überwiegenden Wald- und Gelbhalsmäusen nachweisen, darunter die
Zwergmaus und das Mauswiesel. Auch für Biber funktioniert der Verbund über die Elbe, wie
Nachweise unterhalb (stromabwärts) von Hamburg bereits um das Jahr 2000 belegen (BORKENHAGEN
2011).
b) Die Wanderratte dürfte sich als einzige Art fast uneingeschränkt entlang aller verbindenden
Strukturen ausbreiten, da für die Tiere kaum ein lineares Element ein Hindernis darstellt.
Die Ergebnisse münden insgesamt in eine umfassende Methodendiskussion sowie die Beschreibung
der Situation der Arten in Hamburg in eigenen Artkapiteln. Es wird ausführlich diskutiert, wie die
Dynamik in der spezifischen Situation von Hamburg als Millionenstadt mit Seehafen und traditionellem
Obst- und Gemüseanbau sich auf verschiedene Kleinsäugerarten auswirken kann. Derzeit befinden wir
uns in einem Prozess der Umstrukturierung der Landnutzung, der durch einen Generationenwechsel
bei Landwirten, Gärtnern und Klein- und Hausgartennutzern sowie auch einen Umgestaltungsprozess
in Industrie und Handel bedingt ist. Aus diesem Neugestaltungsprozess heraus ergeben sich in
Hamburg derzeit in sonst für Städte ungewöhnlicher weise an zahlreichen Stellen aufgelassene
Flächen, die zusammen mit den Kultur- und Naturschutzflächen die Lebensraumstrukturen für
zahlreiche Kleinsäugerarten bilden können. In einem Stadtstaat wie Hamburg ist jedoch der
Nutzungsdruck auf alle Flächen sehr groß, so dass die Möglichkeit einer Überbauung oder sonstigen
flächigen Veränderung für viele Flächen jederzeit in Betracht gezogen werden muss.
Aus der Zusammenstellung der aktuellen Ergebnisse zu Kleinsäugetieren in Hamburg werden für die
einzelnen Arten ggf. Vorschläge für Schutz- und Monitoringmethoden und –flächen abgeleitet. Ein
Kriterium zur Beurteilung der Notwendigkeit des Schutzes auch von Kleinsäugerarten ist die
Betrachtung der durch die Arten genutzten Lebensraumstrukturen. Besonders auffällig ist dies bei
Hasel- und Zwergmäusen, aber auch bei den in Hamburg nachgewiesenen Hausspitzmäusen oder
etwa bei der Wasserspitzmaus. Für Arten mit enger Bindung an bestimmte Strukturen lassen sich
einerseits Schutzmöglichkeiten leichter ableiten, die Arten sind jedoch andererseits schneller vom
Verschwinden der benötigten Strukturen betroffen.
13
1
Einleitung
Die Kombination der Roten Liste als Abbildung des Standes der Gefährdungen der einzelnen Arten mit
dem Artenhilfsprogramm als Planungsinstrument für konkrete Schutzmaßnahmen für Säugetiere hat in
Hamburg bereits Tradition. In den Jahren 1985 und 2002 konnte jeweils der aktuelle Wissensstand
zusammengefasst werden (GILLANDT et al. 1985, DEMBINSKI et al. 2002), wobei für die Rote Liste 2002
nur eine geringe Anzahl von Fängen möglich war.
Im Jahre 2009 wurden nach intensiver Diskussion mit den Ländervertretern, Artspezialisten und dem
BfN
erstmals
einheitliche
Vorgaben
für
die
Einstufung
der
Arten
in
die
einzelnen
Gefährdungskategorien der Roten Listen für alle Bundesländer erarbeitet (HAUPT et al. 2009), so dass
nunmehr bis auf sehr spezifische regionale Besonderheiten die Gefährdungsstufen der einzelnen
Bundesländer gut vergleichbar sein sollten. Um sich diesem Standard anschließen zu können, wurde
im Jahre 2010 für die Kleinsäugetiere von der Zwergspitzmaus bis zur Wanderratte sowie den Biber
(s. Tab. 1, S. 16) durch die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg eine aktuelle
Erfassung beauftragt. Ein weiterer Aspekt ist die allgemein gestiegene Dynamik der Entwicklung der
Stadt und v.a. des Hafens sowie der gesellschaftlichen Veränderungen. Es schein daher
wünschenswert und notwendig, den aktuellen Stand der Vorkommen, Verbreitung und der
Gefährdung der Kleinsäugetiere in Hamburg nach über17 bis 30 Jahren erneut zu erfassen.
Die Ergebnisse der dafür erfolgten umfangreichen Fallenfänge sowie Gewölluntersuchungen,
Befragungen und sonstigen Datensammlung werden hiermit vorgelegt.
Die Ergebnisse können damit eine der Grundlagen bilden für die Diskussion über den neu zu
erarbeitenden Atlas der Säugetiere Hamburgs und die aktuelle Roten Liste der Säugetiere der Stadt
nach den einheitlichen Bewertungskriterien aller Bundesländer in Deutschland.
1.1
Mithilfe von Personen und Institutionen
Eine flächenhafte Kartierung von Kleinsäugetieren in einem so dicht besiedelten und genutzten Gebiet
wie
Hamburg
ist
ohne
die
bereitwillige
Hilfe
und
Unterstützung
zahlloser
Anlieger,
Grundstücksbesitzer, Flächennutzer, Behördenvertreter und sonstiger Personen nicht zu realisieren.
Die Reaktionen auf unser Vorhaben unter den angesprochenen Bürgern waren sehr unterschiedlich
und reichten von bereitwilliger, aktiver Unterstützung über großes Interesse, ignorierende Toleranz bis
zu offenem Kopfschütteln („Was machen Sie – Mäuse fangen!?“).
Zahlreiche der Bürger, die ihre Beobachtungen bereitwillig mitgeteilt oder das Projekt auf andere Art
unterstützt haben, sind anonym geblieben. Stellvertretend für alle sind nachfolgend eine Reihe
benannt. Allen Mitwirkenden sei an dieser Stelle herzlich gedankt.
Herr Henning BEEKEN, FRAU BEEKEN, HH Hof Eggers in der Ohe
Firma BEHRENS, Elektromeister, HH Neuenfelde
Herr Günther DAHN, Tischlermeister, HH Neuengamme, Feldstegel
Frau B. DENTLER, Freiluftschule Moorwerder Hauptdeich
Herr Arne DREWS, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume SH
Hans Arild EBERSBACH, Runow
FRAU EGGERS, Herr Georg EGGERS, HH Hof Eggers in der Ohe
Frau Sina EHLERS, Kiel
Blumengeschäft FAHJE HH Neuenfelde-Hasselwerder, Organistenweg
Mitarbeiter der Friedhofsverwaltungen und Friedhofsgärtnereien Finkenriek, Holstenkamp, Ohlsdorf,
14
Frau Micky FUCHS, HH Wellingsbüttel, Strengesweg
Bambus-Manfred GERSTNER, HH Altona, Schomburgstraße
Heike & Carsten GÖTZ, HH Sasel , Norder Ohe
Herr A. HAAK, Seester
Bäckerei und Pension/Hotel HARDEN, HH Altengamme, Altengammer Elbdeich
Herr HARTMANN, Naturschutzamt Duvenstedter Brook
Herr Dr. Veit HENNING, Universität Hamburg
Fam. HEUCK, HH Schnelsen, Vielohkamp
Dr. Th. HOFMANN, Dessau
Stefan KAISER & Mitarbeiter, Dogville-Festivalgelände, HH Wilhelmsburg, Alte Schleuse
Mitarbeiter Kirchgemeinde St. Gertuden-Kirche, HH Hohenfelde
Frau Astrid KIENDL, HH
Herr Manuel KRAUSE, HH, Fischbeker Heideweg
Mitarbeiterin von K+S-Transport GmbH HH, Blumensand
Herr Dirk LÄMMEL, Kratzeburg
Herr Frederik LANDWEHR, HH, Naturschutzhaus Boberger Niederung; Loki-Schmidt-Stiftung
Herr Guntfried LUCHT, Druckerei Lucht, HH, Sinstorfer Kirchweg
Herr Ch. MÜHLENFELD, HH Curslack, Foortstegel,
Herr Dr. R. MULSOW, Sasel
Herr Klaus MÜNKNER, Leiter Diensthundeschule, HH Altengamme, Borkhorster Hauptdeich
Herr André NICKELS, HH, Wasserwerke Curslack
Frau Karin OBERG, Hohnstorf
Verschiedene Obst-Bauern in der Süderelbmarsch
Frau Iris Pertzlaff, Universität Hamburg
Frau Astrid REUTER; HH, Tatenberger Deich
Herr Jean-Jacques RIPOCHE, Escheburg, Kiefernweg
Frau Carin SCHOMANN, HH Altengamme, Altengammer Elbdeich
Herr Michael SCHORIES, Hamburg Port Authority, Deponie Francop
Herr SCHULZE, HH, Forstrevier Eißendorf, Vahrendorfer Stadtweg
Dr. B. SCHULZ, Stiftung Naturschutz SH
Herr A. STRAIB, Freiluftschule Moorwerder Hauptdeich
Frau STREICH, HH Rissen, Meistersingerweg
Herr Prof. Dr. M. STUBBE, Hausneiendorf
Hamburger Tierschutzverein, HH, Süderstraße
Via Vereinigung Integration und Assistenz e.V., HH, Neuengammer Hausdeich 127
Frau Esther VERJANS, Universität Hamburg
Herr Klaus VOß, Escheburg
Wasser- und Wirtschaftsämter der Hamburger Bezirke
Fam. WENDT, HH Volksdorf, Heckenrund
Herr K. WESOLOWSKI, Naturschutzstation Duvenstedter Brook, HH
Karla Annika ZSCHEILE, Runow
Kristin ZSCHEILE, Runow
...
15
Tab. 1:
Liste der im vorliegenden Gutachten bearbeiteten Säugetierarten laut Auftrag durch die
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg, Amt f. Natur- & Ressourcenschutz
Deutscher Name
Ordnung
Insektenfresser
Familie
Igel
Igel (Braunbrustigel)
Familie
Spitzmäuse
Waldspitzmaus
Zwergspitzmaus
Wasserspitzmaus
Feldspitzmaus
Hausspitzmaus
Familie
Maulwürfe
Maulwurf
Ordnung
Nagetiere
Familie
Hörnchen
Eichhörnchen
Familie
Biber
Biber
Elbebiber
Familie
Mäuseartige
Unterfamilie Wühlmäuse
Rötelmaus
Aquatische Schermaus
Bisam
Erdmaus
Feldmaus
Unterfamilie Echte Mäuse
Zwergmaus
Brandmaus
Gelbhalsmaus
Waldmaus
Wanderratte
Hauratte
Westliche Hausmaus
Familie
Schläfer
Siebenschläfer
Haselmaus
Wissenschaftlicher Name
Insectivora
Erinaceidae
Erinaceus europaeus
Soricidae
Sorex araneus
Sorex minutus
Neomys fodiens
Crocidura leucodon
Crocidura russula
Talpidae
Talpa europaea
Rodentia
Sciuridae
Sciurus vulgaris
Castoridae
Castor fiber
Castor fiber albicus
Muridae
Arvicolinae
Myodes glareolus
Arvicola amphibius
Ondatra zibethicus
Microtus agrestis
Microtus arvalis
Murinae
Micromys minutus
Apodemus agrarius
Apodemus flavicollis
Apodemus sylvaticus
Rattus norvegicus
Rattus rattus
Mus domesticus
Myoxidae
Glis glis
Muscardinus avellanarius
Artautor
LINNE, 1758
LINNÉ, 1758
LINNE, 1766
(PENNANT, 1771)
(HERMANN, 1780)
(HERMANN, 1780)
LINNÉ, 1758
LINNÉ, 1758
LINNÉ, 1758
MATCHIE, 1907
(SCHREBER, 1780)
(LINNÉ, 1758)
(LINNÉ, 1766)
(LINNE, 1761)
(PALLAS, 1778)
(PALLAS, 1771)
(PALLAS, 1771)
(MELCHIOR, 1834)
(LINNÉ, 1758)
(BERKENHOUT, 1769)
(LINNÉ, 1758)
SCHWARZ & SCHWARZ, 1943
(LINNÉ, 1766)
(LINNÉ, 1758)
16
2
Untersuchungsgebiet
Die Untersuchungen über das Vorkommen der Kleinsäugetiere erstreckten sich auf das gesamte
Stadtgebiet der Freien und Hansestadt Hamburg ausschließlich der nicht bearbeiteten Exklaven
Nordseeinseln Neuwerk, Nigehörn, Scharhörn und Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer.
2.1
Hamburg als Stadt der Menschen
Die Freie und Hansestadt Hamburg liegt als eigenes Bundesland im Nordwesten der Bundesrepublik
Deutschland (Abb. 3) an beiden Ufern der Elbe im Bereich der Unterläufe und Mündungen der Alster
und der Bille in die Elbe.
Abb. 3: Lage des Bundeslandes Hamburg im Nordwesten Deutschlands, aus www.hamburg.de
Im November 2012 lebten gut 1,814 Millionen Menschen in Hamburg. Damit hat die Stadt als eigenes
Bundesland mit rund 2.400 Einwohnern/km 2 eine Bevölkerungsdichte, die gut zehnmal so hoch ist wie
im Bundesdurchschnitt mit 226 EW/km2 ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg).
Hamburg ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die sechstgrößte der Europäischen Union. Das
ebenfalls dicht besiedelte Umland von Hamburg wird mit der Stadt zusammen als eine von elf
Europäischen Metropolregionen in Deutschland betrachtet, in der insgesamt rund 4,3 Millionen
Menschen leben.
Die älteste urkundliche Erwähnung von Hamburg stammt aus dem 7. Jahrhundert. Hamburg ist mit
Lübeck einer der Gründungsorte der Hanse, was mit einem Vertrag zwischen beiden Städten aus dem
Jahr 1241 belegt ist.
Der Hamburger Hafen ist die wesentliche Stütze der Wirtschaft der gesamten Region. Er ist der größte
deutsche Seehafen und zählt zu den 20 größten Containerhäfen weltweit. Dies bedingt eine sehr
große Dynamik der Anpassung an die international üblichen Schiffsgrößen, Container-Umschlagzeiten,
den Zu- und Weitertransport der Waren auf Bahn und Straße sowie auf der Elbe usw. Mit den
nachgeordneten Einrichtungen (Zoll, Verkehr, Fremdenverkehr und v.a. Güterumschlag, -lagerung,
-verarbeitung und -verteilung über andere Verkehrswege) prägt der Hafen im weitesten Sinne die
Gestaltung großer Bereiche entlang der Elbe, der Autobahnen und Bahntrassen in der Stadt und in
17
deren Umfeld (Abb. 5, S. 19). Der Seehandel bestimmt damit bis heute die Stadt in praktisch allen
Aspekten.
Hamburg ist neben dem Hafen ein Verkehrs-, Wirtschafts-, Bildungs-, Forschungs-, Kultur- und
Tourismuszentrum. So werden über 110 Mio Tagesgäste (das sind über 301.000/Tag) und 9,5 Mio
Übernachtungen pro Jahr angenommen (alle Zahlen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg). Zum
Vergleich: im Flächen- und Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern wurden im Rekord-Jahr 2014 rund
28,7 Mio Übernachtungen gezählt (EXPRESS 9/23).
Die Verwaltung der Stadt ist in sieben Bezirke gegliedert (Abb. 4). Die Bezirke beinhalten insgesamt
104 Stadtteile.
Abb. 4: Die Gliederung der Stadt Hamburg in sieben Stadtbezirke, aus www.hamburg.de.
18
Abb. 5: Der Hafen prägt praktisch alle Bereiche der Stadt Hamburg (Övelgönne).
2.2
Hamburg als Stadt der Parks und Gewässer
Neben der Elbe, die sich im Stadtgebiet in Norder- und Süderelbe - jeweils mit diversen Nebenarmen
(im weiteren Sinne - s.l.) im Hafen - aufteilt, prägen Alster, Wandse und die Bille mit ihren
Nebengewässern sowie die Gose Elbe und die Dove Elbe als Elbe-Altläufe mit zahllosen Kanälen,
Teichen, Vorflutern und sonstigen Gewässern wesentliche Teile der Stadt. Dies wird um so deutlicher,
als die Elbe trotz der rund 110 km Entfernung zur Elbemündung durch den Tidenhub der Nordsee
geprägt ist. Der Tideneinfluss wird durch das Stauwerk Geesthacht unmittelbar oberhalb von Hamburg
technisch beendet, was sich bei Sturmflut und (gleichzeitigem) Hochwasser der Oberelbe (s. Begriffe,
S. 6ff) durch höhere Wasserstände im Stadtbereich von Hamburg auswirkt. Außerdem bewirkt die
Vertiefung der Fahrrinne der Elbe für größere Schiffe bis zum Hamburger Hafen eine Erhöhung der bei
(Sturm-)Flut einlaufenden Wassermenge.
Der Tideneinfluss mit den (un-) regelmäßigen Überschwemmungen war schon in historischer Zeit
Anlass für diverse Deichbaumaßnahmen. So zeigt eine Karte mit der Gewässerführung um das Jahr
1200 noch keine Deiche (Abb. 6). Vom 13. bis in das frühe 15. Jahrhundert ereigneten sich mehrere
Sturmfluten, wodurch sich z.T. drastische Veränderungen der Wasserführung der Elbe sowie der
Landstruktur ergaben einschließlich Neubildungen und Umlagerungen von Inseln. Daher wurde
zwischen 1412 und 1600 auf einigen Inseln und in elbnahen Bereichen mit der Eindeichung der
damaligen menschlichen Siedlungen und dem zugehörigen Land begonnen (s. „Altes Land“, „Neues
Land“, Moorburg, „Ochenswärder“, „Kirchwärder“, „Neue Gamme“ usw. - Abb. 7, beide Karten
aufgenommen in der Kirche Altenwerder; alle Angaben aus der Ausstellung in der Kirche, die Quellen
waren nicht benannt).
19
Abb. 6: Karte der Elbe mit Inseln im Raum „Hamborch“ um das Jahr 1200.
Abb. 7: Karte der Elbe mit Inseln im Raum „Hamburg“ um das Jahr 1600. Sehr deutlich sichtbar sind
die Eindeichungen der Siedlungen Finkenwärder, Haarburger Neue Land, Reitbrook, Neue Gamme
usw. Beide Bilder aus der Ausstellung in der Kirche Altenwerder im Juli 2013, ohne Quelle.
20
Die systematische Verlängerung und Verbindung der Deiche entlang der Flussarme führte bis heute zu
einer weitreichenden Ausdeichung der Gewässer, also der Elbe selbst und zahlreicher Nebengewässer
in den Marschen und flachen Stadtbereichen. So prägen noch heute z.T. in mehreren Kilometern
Entfernung von der Elbe Deichanlagen und Gewässer die Siedlungs- und Nutzungsstruktur der
Landschaften, die durch die Wasserstände der Elbe beeinflusst sind oder waren (Abb. 8). Die
Entfernung der bestehenden Deiche zur Elbe beträgt z.B. am Curslacker Deich, am Neuengammer
Hausdeich usw. über Land 6,1 km (Luftlinie); entlang der Doven Elbe über 10 km zum Hauptstrom der
Elbe.
Zur Verhinderung des Eindringens von Hochwasser in die nachgeordneten Gewässer sind einerseits
eine Reihe von Sperrwerken bzw. Schleusen notwendig, andererseits bedarf es zur Regulation der
Wasserstände binnendeichs zahlreicher Pumpwerke.
Abb. 8: Prägung der Wege-, Siedlungs- und Nutzungsstruktur in den Marschen durch Deiche am
Beispiel Dove Elbe Neuengamme, hier in deutlich mehr als 10 km Entfernung von der Elbe (entlang
der Gewässer; Ausschnitt DGK5, © Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, Hamburg).
Innerhalb der Marschen Reitbrook liegen Bereiche mit Höhen von z.T. unter 1 m üNN; im Cranzer Feld
sogar auf Meeresniveau; Binnen- und Außenalster bei 3 m üNN (alle Angaben aus den DGK5); was
den Einfluss von Wasser, der Tiden und ggf. von Sturmfluten in diesen Flächen nachdrücklich
unterstreicht.
Zu den ursprünglich natürlichen Gewässern kommen ungezählte Kanäle, begradigte alte Flussläufe,
Baggerseen und sonstige künstliche bzw. stark überformte Gewässer, die z.T. historische Bedeutung
im Warentransport vom Hinterland zum Seehafen haben bzw. hatten oder durch Materialentnahme für
den Deichbau und die Stadtentwicklung entstanden sind. Auch für die Erschließung von
Landwirtschafts- und Gartenbauflächen wurden zahllose Gräben und Vorfluter in den Marschen
beidseitig der Elbe angelegt.
21
Dies bedingt, dass Hamburg die „Brückenhauptstadt Europas“ ist und mehr Brücken hat als
Amsterdam, Venedig und London zusammen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg).
Die vielfältigen Formen der Gewässer sind oftmals mit ihren Ufersäumen Kernbereiche zahlreicher der
rund 85 (!) größeren Parks und weiterer Grüngürtel der Stadt. Hinzu kommen z.T. großflächige
Friedhöfe sowie Säume entlang von Verkehrstrassen. Insbesondere letztere können jedoch einer
hohen Dynamik unterliegen (s. Kap. 4.5.1.1.1, S. 88).
Einige der Parks, wie z.B. die Wandsbeker Gehölze (Marienthal), beherbergen über lange Zeiträume
kontinuierlich Gehölzbestände und auch Bäume in Altersklassen, wie sie in der heutigen
Forstwirtschaft andern Orts auf Grund der Nachfrage nach Holz nicht mehr oft zu finden sind. Dies
sollte sich in der Fauna solcher Waldinseln widerspiegeln. Andere Parks und Grünflächen sind
systematisch in den letzten Jahrzehnten neu angelegt worden oder aus anderen Nutzungsformen
hervorgegangen, wie z.B. der alte Bahndamm Billwerder, der Lise-Meitner-Park oder das Park- und
Erholungsgelände am Osdorfer Born.
2.3
Klima
Das Klima ist durch die relative Nähe zur Nord- und Ostsee überwiegend atlantisch geprägt und damit
relativ warm und feucht. Die mittleren Tageshöchst- und -tiefsttemperaturen im Jahresverlauf
betragen 12,8°C bzw. 5,3°C. Damit ist das Klima in Hamburg winterwärmer und sommerkühler als im
Durchschnitt
in
Deutschland
(mit
−0,5°C
im
Januar
und
16,9°C
im
Juli;
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#Klima). Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt mit
772,7 mm nur etwas unter dem Durchschnitt für Deutschland mit 789 mm. Die höchsten
Niederschläge fallen in Hamburg im Sommer und Herbst, die meisten Regentage liegen jedoch im
Dezember und Januar. Februar und April sind vergleichsweise trocken.
Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit beträgt rund 80 %. Alle Angaben zu Hamburg aus DWD
www.wetterkontor.de über Wikipedia (s.o.).
2.4
Böden, Vegetationsformen und Landnutzung
Die Elbe wird in Hamburg durch Marschen begleitet, die als ehemalige Überschwemmungsflächen des
Flusses entweder Niedermoor-Standorte und/oder in kleinräumigem Wechsel durch Auenlehme und
Sandablagerungen geprägt sind. Dadurch wird noch heute die Nutzung der Flächen durch
Landwirtschaft bzw. Gartenbau bestimmt. Beide sind abhängig von der Regulation der Wasserstände
in den zahllosen entwässernden Gräben und Vorflutern, da sonst zumindest bei Elbehochwasser
Qualmwasser die Bewirtschaftung – und Besiedlung - stark beeinträchtigen würden.
Dem gegenüber stehen die Spülflächen, auf denen Sediment aus der Elbe (s.l.) zur Vertiefung und
Freihaltung der Fahrrinnen und des Hafens abgelagert wird.
Die höher gelegenen Geestflächen und elbfernen Stadtteile sind einerseits durch Sand- und
Geröllablagerungen
der
Gletscher
der
letzten
Eiszeit(en)
gebildet.
Hier
stocken
neben
Landwirtschaftsflächen je nach Standort unterschiedlich große arme Kiefernwälder bis artenreiche
Eichen- oder Buchenwälder. In niedrigeren, feuchteren Bereichen finden sich unterschiedlich geprägte
Bruch- und Moorwälder und -wiesen. Die höchste Erhebung der Stadt ist mit 116 m üNN der
Hasselbrack in den Harburger Bergen südlich der Elbe als Sandhügel. Die durchschnittliche Höhe der
Stadt wird mit 6 m ü. NN angegeben (http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg ).
22
Entsprechend der Heterogenität der Böden sind für Hamburg ganz unterschiedliche Vegetations- und
Nutzungsformen typisch: Im Norden die Bruch- und Wiesenlandschaften des Duvenstedter Brooks mit
eingestreuten bzw. randlichen Feldern und Bruchwaldbereichen und dem Wohldorfer Wald; im Süden
die Buchen- sowie Kiefern- und sonstigen Nadelwälder; entlang der oberen Elbe die durch Gartenbau
und Landwirtschaft geprägten Marschen sowie entlang der unteren Elbe die durch Obstbau geprägte
Süderelbmarsch mit Auenlehm und Niedermoor.
Zusammen mit den Parks, Friedhöfen und Grüngürteln entlang von Verkehrstrassen und Gewässern
ist Hamburg damit insgesamt eine außerordentlich grüne Stadt (s. Abb. 5, S. 19; Abb. 9, S. 24).
Dennoch ist Hamburg als Großstadt in erster Linie menschlicher Siedlungsraum. Rund 39,0 % der in
der Biotopkartierung aufgenommenen Flächensummen sind bebaut. Der Flächenanteil der nicht
urbanen Flächen ist mit 41,94 % insgesamt jedoch größer als der der bebauten Fläche der Stadt (vgl.
Tab. 2).
Auf Grund der begrenzten Flächengröße von Hamburg besteht ein großer Druck auf zahlreiche
unbebaute Flächen zur Umwidmung sowohl für Wohnbebauung als auch für Industrie- und
Gewerbegebiete. Dabei spielt der Hafen mit der nachgeordneten Logistik und der im weitesten Sinne
zugehörigen Industrie immer eine große Rolle. So sind z.T. historische Siedlungsgebiete entlang der
Elbe, wie z.B. Altenwerder, für den Hafen (s.l.) aufgegeben worden. Die Flächennutzung unterliegt
damit im gesamten Stadtgebiet einer hohen Dynamik (s. Kap. 4.5.1.1, S. 87).
Tab. 2:
Anzahl, Flächengrößen und Anteile der bebauten, urbanen und nicht urbanen Flächen
Hamburgs als Flächensummen aus dem Biotpkataster der Abt. Naturschutz der BSU
Anzahlen und Flächensummen Anzahl Flächen
n
[ha]
Anzahl bebauter Flächen
7.912
Anzahl Bebauungstypen
35
Summe bebauter Flächen
29.201,40
Summe urbane Flächen
43.402,38
Summe nicht urbane Flächen
31.354,42
Summe HH
74.756,79
Summe HH *
75.526,00
* aus http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg
Anteile
[km2]
[%]
292,01
434,02
313,54
747,57
755,26
39,06
58,06
41,94
100
Die allermeisten nicht urbanen Bereiche Hamburgs sind anthropogen geformt bzw. überprägt und auf
allen Grünflächen liegt ein hoher Freizeit- und Erholungsdruck. Das betrifft praktisch alle Formen von
Freizeitnutzung: neben diversen Kinderspielplätzen verschiedene Formen von Bootssport; Segel- und
Motorflug; diverse Reiterhöfe und Rennplätze; Hundeplätze und –auslaufstrecken; Jogging;
Fahrradsport; diverse an Sportplätze oder Laufstrecken gebundene Sportarten wie z.B. Fußball, Golf,
Tennis; Badestellen; Angeln und vieles andere mehr.
In
Hamburg
gibt
es
außerdem
(http://www.kleingarten-hh.de,
rund
330 Kleingartenvereine
MAIRDUMONT
2010)
und
mit
eine
über
33.000
unbekannte
Parzellen
Zahl
von
Gartengrundstücken. Alle Grünflächen sind also auch durch die mehr oder weniger ständige Präsenz
von zahlreichen Menschen geprägt.
23
Abb. 9: Verteilung größerer nicht urbaner Bereiche im Stadtgebiet von Hamburg an Hand der
Biotopkartierung. Die Benennung der Rasterfelder erfolgt nach den Nord-Südlinien mit A, B, C bis U;
sowie nach den West-Ost-Linien mit 01, 02 usw. (Bsp.: der westlichste Bereich von Hamburg liegt in
A 10).
24
3
Methoden
3.1
Einteilung in Rasterquadrate
Über das gesamte Stadtgebiet von Hamburg wurden Planquadrate mit 2 km Kantenlänge gelegt (s.
Abb. 9, S. 24). Die Rasterquadrate dienten der Auswahl der Fallenstandorte und der räumlichen
Zuordnung der Artnachweise.
Die Lage der Rasterlinien entspricht der DGK5-Rasterung mit den Gauß-Küger-Koordinaten 3548000,
3550000 usw. der Rechtswerte in West-Ost-Richtung sowie 5956000, 5954000 usw. in Nord-SüdRichtung für die Hoch-Werte.
Für die Raster wird wegen der besseren Handhabbarkeit folgende Bezeichnung verwendet:
Die jeweils westliche Linie in Nord-Süd-Richtung wird mit dem laufenden Buchstaben, die jeweils
nördliche Linie in West-Ost-Richtung mit der laufenden Zahl für das Feld südöstlich davon benannt (s.
Abb. 9, S. 24). Aus technischen Gründen (z.B. Auswertbarkeit in Excel) werden einstellige Zahlen als
01 bis 09 geschrieben. So liegt beispielsweise der westlichste Teil von Hamburg in A 10 (Raster
3548000; 5938000), der östlichste in U 16 (Raster 3588000; 5926000).
Die Benennung der Rasterfelder ist namengebend für die Bezeichnung der Fangstrecken der
Kleinsäuger. Bei Fangstrecken, die über die Grenze zweier Rasterfelder gestellt wurden, ergibt sich
entsprechend die Bezeichnung z.B. L 13_M 13 oder A 08_A 09 (Abb. 1, S. 2).
3.2
Erfassungen der Kleinsäugerfauna im Stadtgebiet von Hamburg
3.2.1 Auswahl der Fangstrecken
Die systematischen Erfassungen der Kleinsäugetiere erfolgten durch Fänge mit Lebendfallen. Dazu
wurden in jedem 2-km-Quadrat mit größeren Anteilen nicht urbaner Lebensräume mindestens eine
Fangstrecke für zwei Fangnächte in den nicht urbanen Strukturen platziert. An Hand der Karten und
der Luftbilder, vor allem aber aus den über 18.000 shapes der nicht urbanen Biotoptypen für das
Stadtgebiet von Hamburg (Biotopkataster der Abt. Naturschutz) wurden dazu für die Fangstrecken
vorab Suchbereiche für mögliche Fallenstandorte ausgewählt.
Diese betrafen in der Regel möglichst heterogene Geländeabschnitte, die auf kleinem Raum mehrere
verschiedene Biotoptypen beinhalten. Diese lagen bevorzugt in Eichenwäldern (alle Ausprägungen),
Auwäldern (alle Ausprägungen inkl. Weidenwäldern (WW)) sowie sonstigen Gehölzbeständen.
Die endgültige Auswahl der Lage der Fangstrecken erfolgte jedoch erst bei Kontrollen nach dem
Augenschein vor Ort in solchen Strukturen, die die höchste Arten- und Individuendichte versprachen.
Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass innerhalb der Waldflächen auch offene Bereiche mit befangen
bzw.
Waldrandbereiche
mit
einbezogen
werden
konnten.
In
Gebieten
mit
überwiegend
landwirtschaftlicher und/oder gärtnerischer Nutzung wurden außerdem fallweise Wiesen bzw. Felder
systematisch einbezogen, indem die Fangstrecken regulär von Gehölzen in diese hinein bzw. parallel
zu deren Rändern gelegt wurden. Entsprechend wurden in größeren Waldbereichen die Fangstrecken
ausschließlich im Wald gestellt.
Da Hamburg insgesamt eine stark durch Gewässer verschiedener Ausprägung charakterisierte Stadt
ist (vgl. Kap. 2.2, S. 19), wurden auch Gewässerufer sowie Bruch- und Niedermoorbereiche gezielt in
die Auswahl der Fallenstrecken einbezogen, wobei eine Fangstrecke (teilweise) entlang eines
25
Gewässerufers oder auch gezielt quer dazu verlaufen konnte. Im Tideneinflussbereich wurde den
wechselnden Wasserständen Rechnung getragen.
Bei der Auswahl der Fangstrecken spielten auch praktische Erwägungen, wie etwa deren
Zugänglichkeit eine Rolle, da die Kontrollen zum Wohle der gefangenen Tiere schnell und effizient
erfolgen sollten.
Aus dem Biotopkataster der Stadt ergaben sich rund 180 Raster mit nennenswerten nicht urbanen
Flächenanteilen an Hamburg. Diese sind im Vergleich zu den urbanen Bereichen a) besser zu
bearbeiten und ließen b) ein größeres Artenspektrum an Kleinsäugetieren erwarten. Es bestand die
Bestrebung, wo immer möglich die Fangstrecken über die Grenzen von mind. zwei benachbarten
Rasterfeldern zu legen, so dass beide Raster mit etwa der gleichen Anzahl an Fallen bestückt werden
konnten. Bei möglichst 40 Fallen je Fangreihe ergaben sich daraus rund 20 Fallen/Rasterquadrat.
Ab dem Frühjahr 2013 wurden auch urbane Bereiche der Stadt systematisch mit in die Auswahl der
Fangstrecken einbezogen. Neben der Vervollständigung der Fänge für das gesamte Stadtgebiet ging
es dabei v.a. um Hinweise von im urbanen Bereich vorkommenden Kleinsäugetierarten.
Die Bennennung der Fallenstrecken erfolgte nach den befangenen Rasterquadraten (z.B. S 15). Bei
Fallenstrecken über die Grenze von zwei Rastern erfolgt die Benennung alphabetisch bzw. numerisch,
unabhängig davon, in welcher Himmelsrichtung die Numerierung der Fallenstandorte innerhalb der
Fangreihen erfolgte. Die Fallenreihe beispielsweise am Wohngebiet nördlich Perckentinweg in
Schnelsen heißt also H 05_H 06, auch wenn die Fallen in Süd-Nord-Richtung gezählt werden, also
Fallenpaar 01 in H 06 stand. Entsprechend heißt am Nordrand des NSG Wittenbergener Heide die
Reihe A 10_B 10, auch wenn in Ost-West-Richtung die Fallen gezählt wurden, das Fallenpaar 01 also
in B 10 stand.
Zu jeder Fallenstrecke wurde in aller Regel mindestens ein charakteristisches Photo erstellt. Die
Benennung der Photos beinhaltet:
die Fallenstrecke_die Initialen des Bildautoren_die Photo-Nummer der Kamera, z.B.
A 08_A 09_he_6265.
Die Photos sind auf der Daten-DVD zusammengestellt sind unter DVD/Abbildungen &
Photos/Fangreihen/*.
3.2.2 Design der Fallenstrecken und eingesetzte Lebendfallen
Es wurden Kastenfallen aus OSB-Platten mit Drahtgitter-Abdeckung eingesetzt. Diese werden durch
die Firma EHLERT & PARTNER GbR, Niederkassel-Rheidt in 2 Größen vertrieben: im Standardmaß mit
62x78x200 mm sowie in der verlängerten Form mit 270 mm Gesamtlänge. Beide Fallentypen kamen
zum Einsatz (Abb. 10, S. 28).
Jede Falle war in einer A4-Klarsichthülle mit der Fangöffnung zur Öffnung der Hülle vor Regen und
Taunässe geschützt aufgestellt (Abb. 10). Außerdem wurden sowohl zum Schutz vor Überhitzung im
Sommer als auch vor nächtlicher Auskühlung im Winterhalbjahr die Klarsichthüllen in aller Regel mit
Laub, Gras oder auch vor Ort befindlichem Müll abgedeckt. Das hatte den Vorteil, dass die Fallen nicht
so leicht durch Passanten gefunden werden konnten.
Wenn möglich wurden in einer Fangstrecke 20 Fallenpaare gestellt. Es wurde ein Abstand von 10 m
zwischen den Fallenpaaren angestrebt. Der Abstand zwischen den Fallenpaaren richtete sich nach der
Gesamtlänge der befangenen Struktur und der zu erwartenden Mäusedichte. Bei sehr hohen
Mäusedichten bzw. sehr kurzen möglichen Fangstrukturen wurde im Einzelfall ein Abstand von rund
26
5 m zwischen den Fallenpaaren gewählt oder auch alle 5 m eine einzelne Falle gestellt (z.B. am
Deichfuß, im Getreidefeld o.ä.).
Der Abstand der Fallen in einem Fallenpaar betrug ca. 1 m (Abb. 10, S. 28), richtete sich jedoch wie
auch der exakte Standort der Fallenpaare nach den strukturellen Gegebenheiten vor Ort. Dabei wurde
versucht, die Fallen an für Kleinsäugetiere attraktiven Strukturen zu platzieren. Das sind kleinere
lineare Strukturen innerhalb der Fläche wie z.B. liegendes Totholz, Böschungskanten, Grabenufer,
Bodenkanten, Vegetationsgrenzen und dgl. Alternativ wurden die Fallen unter Büschen, an Bülten, am
Stammfuß von Bäumen oder ähnlichen Strukturen platziert.
Kleinere kurzrasige Offenlandbereiche, v.a. Wiesen- oder auch Waldwege, Reitwege, Gräben und ggf.
Straßen, die die Fangstecken kreuzten, wurden i.d.R. nicht mit Fallen bestückt, sondern die
Fangstrecke um die entsprechende Anzahl der Fehlstellen möglichst linear verlängert. Erschien dies
nicht sinnvoll, wurde die Fangstrecke parallel zu der querenden Struktur weitergeführt. Entlang von
Hecken, Waldrändern oder sonstigen Randstrukturen wurden, wenn nötig, die natürlichen Verläufe
dieser Strukturen beibehalten und versucht, an geeigneten Stellen auch Fallen im Innern der Hecken
oder auch Röhrichtsäume und bestellten Felder zu platzieren. Die Fangstrecken waren in diesen Fällen
nicht gerade.
Die Länge der einzelnen Fallenreihe und der Abstand der Fallenpaare untereinander wurde damit nach
den Gegebenheiten vor Ort optimiert. Das heißt, dass die Anzahl der Fallen je Fangstrecke und der
Abstand der Fallen zueinander von Fangstrecke zu Fangstrecke variieren konnte je nach Ausstattung
des Rasterquadrates und dessen Flächenanteil am Bundesland Hamburg (Randbereiche) sowie der
Diversität der befangenen Struktur innerhalb der Fangreihe. Deshalb wird in der Auswertung der
Fangergebnisse die Anzahl der Fänge bezogen auf 100 Fallennächte betrachtet.
Die Anfangs- und Endpunkte der Fallenstrecken sowie durch Gräben o.ä. Hindernisse bedingte
Richtungsänderungen wurden mit einem Hand-GPS-Gerät eingemessen, die Lage der Fangstrecken
jedoch ggf. an Hand der Karten und insbesondere der Luftbilder korrigiert. Die Kartenstrukturen
hatten bei der Darstellung Vorrang wegen der Wiederauffindbarkeit der Fangstrukturen.
3.2.3 Einsatz von Schlagfallen für Schermäuse
Zusätzlich zu den systematischen Lebendfängen in den Fangstrecken wurden zum Nachweis der
Schermaus Ratten-Schlagfallen an geeignet erscheinenden Strukturen eingesetzt. Diese wurden mit
Schnur am Fallenstandort fixiert, um ein Wegtragen durch gefangene, nicht getötete Tiere zu
verhindern. Rattenfallen wurden im Umfeld der regulären Fangstrecken gestellt, wenn insbesondere
Gewässerufer eine hohe Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Schermäusen erwarten ließen. Es
wurde versucht, die Schlagfallen unmittelbar entlang der Gewässerufer für zwei Fangnächte zeitlich
parallel zur regulären Fangstrecke zu stellen. Da die Rattenfallen ein Verletzungsrisiko für Menschen
oder auch (Haus-)Tiere darstellen, hatte die Sicherheit hier Vorrang vor den Nachweisversuchen.
27
Abb. 10: Form und Größe der eingesetzten Lebendfallen aus OSB-Platten und Einsatz der Fallen in
Klarsichthüllen zum Schutz vor Feuchtigkeit. Der Standort der Fallenpaare und der Fallen orientiert
sich an den natürlichen Gegebenheiten vor Ort.
3.2.4 Köder, Fallennächte und Fallenkontrollen
Als Fallenköder der Lebendfallen diente ein selbst hergestelltes Gemisch aus Sonnenblumenkernbrot,
Walnüssen, Rosinen und Haselnussschokolade. Es wurde Wert darauf gelegt, dass in jeder Falle jede
Komponente verfügbar war. Nach einem Fang in der ersten Fangnacht wurde bei Bedarf
nachbeködert.
Die Lebendfallen wurden i.d.R. 2 Tage und Nächte fängisch am Ort belassen, d.h., abends vor der
Dämmerung gestellt, am darauffolgenden Tag morgens und abends kontrolliert und am 2. Morgen mit
der Kontrolle eingesammelt. Bei drei Fallennächten erfolgte eine nochmalige Abendkontrolle am
2. Tag vor der Endkontrolle nach der 3. Nacht. Es wurden alle Fallen morgens und abends kontrolliert.
In Unwetterperioden, Frostphasen o.ä. Unbilden wurde nicht gefangen. Zogen während Fangperioden
Unwetter auf, wurden die Fallen eingezogen, wie bei den Herbststürmen Christian und Xaver im
Oktober/Dezember 2013.
Die Rattenschlagfallen wurden mit Sonnenblumenkernbrot, Walnüssen und/oder Rosinen beködert,
versuchsweise mit tierlichen Ködern (s.u.). Die Kontrollen erfolgten parallel zu denen der
Lebendfallen.
28
3.2.5 Sonstige Fallen, Fangversuche und Ködervarianten
Im Laufe der Fänge mit Lebendfallen stellte sich heraus, dass Spitzmäuse nur in Ausnahmefällen in
den Lebendfallen gefangen wurden. Um die Fangwahrscheinlichkeit von Spitzmäusen zu erhöhen,
wurden daher im Frühjahr und Sommer 2013 Versuche mit weiteren Ködern und weiteren Fallentypen
unternommen.
Nach den methodischen Vorgaben z.B. von SPIEß et al. (2005) wurden versuchsweise Fangeimer aus
Kunststoff eingegraben. Ob im Umfeld von Lebendfangreihen auch Fangeimer eingesetzt werden
konnten, war abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. Neben der Abgeschiedenheit vor Passanten
(als „abgeschieden“ funktionierten auch dichte Brennesselsäume 1,5 m neben Wanderwegen) war
dafür v.a. der Untergrund entscheidend. In der Regel wurden im Umfeld der beiden Enden einer
Fangstrecke von Lebendfallen je ein Eimer eingesetzt.
Der Boden der Eimer wurde mit Laub und/oder Gräsern vom Fallenstandort bedeckt, um
Schutzmöglichkeiten zu bieten. Außerdem wurden die Eimer mit den zugehörigen Deckeln vor
eindringendem Niederschlag geschützt, wobei zwischen Deckel und oberem Eimerrand ein Abstand
von ca. 4 cm belassen wurde. Der Deckel wurde zur Tarnung vor Diebstahl und Zerstörung mit
ortsüblichem Substrat abgedeckt.
Die Fangeimer wurden versuchsweise mit unterschiedlichen Ködern bestückt:
*
dem Ködergemisch der Lebendfallen oder
*
mit frischem bzw. verderbendem/verdorbenem Fleisch (Hühner-, Puten-, Rinderfleisch oder
Schweine-/Rinderleber) oder
*
mit geräuchertem Speck oder
*
mit nach Einfrieren wieder aufgetauter Brut von männlichen Bienenlarven in den Waben oder
*
ohne Köder.
(Verdorbenes) Fleisch und Bienenbrut wurde auch in den Lebendfallen getestet, Speck auch an den
Rattenschlagfallen.
3.2.6 Untersuchungen von Gewöllen
Aus den vorhandenen Gewöllen wurden in trockenem Zustand alle Schädelteile von Kleinsäugetieren
gewonnen und bestimmt.
Die Bestimmung erfolgte nach ANDÉRA & HORÁCEK (1982), ANGERMANN (1995), GÖRNER & HACKETHAL
(1987) sowie TURNI (1999) bzw. an Hand einer Vergleichssammlung mit Hilfe von Binokular bzw.
Lupe. Zur Bestimmung notwendige Maße (z.B. Zahnreihen-Längen) wurden mit einem Messschieber
auf 0,1 mm Genauigkeit bestimmt, soweit möglich.
Die Mindestindividuenzahlen der von den Eulen gefressenen Kleinsäugetiere der jeweiligen Arten
wurden an Hand der Anzahlen der vollständigen Schädel und/oder Oberschädel bzw. UnterkieferHälften aus den Einzelgewöllen ermittelt. Bei Aufsammlung von mehreren Gewöllen von einem
Sammlungsort und -zeitpunkt wurden im Anschluss die Individuen der einzelnen Arten addiert und
gemeinsam aufgelistet.
Aus Gewöllresten erfolgte die Zählung nach vollständigen Schädeln bzw. der größten Anzahl von
Kieferteilen (Oberschädel bzw. Unterkiefer-Hälften) je Kleinsäuger-Art.
Für die Auswertungen und Kartendarstellungen wurden nur die bis zur Art bestimmbaren
Nahrungsreste und nur aus Aufsammlungen ab dem 01.01.2000 verwendet. Dabei gilt das
29
Aufsammlungsdatum als Nachweisdatum unabhängig davon, dass nicht bestimmt werden kann, wann
die Beutetiere gefangen wurden.
Aus der Konsequenz, dass der Ort, an dem Eulen ihre Beutetieren fingen, unbekannt ist, werden die
Gewöllnachweise nur in dem Raster gewertet, in dem das Gewöll mit den Knochen gefunden wurde,
und es wird als Gewöllnachweis im Artenkataster der Abt. Naturschutz der BSU ausgewiesen.
Gewöllnachweise sollten entsprechend nur in Rasterkarten dargestellt werden (s. Kap. 4.2, S. 72). Bei
einem angenommenen Flugradius von mindestens 1,5 km für die Beutegreifer könnte theoretisch die
Beute aus bis zu 9 Rasterquadraten mit 2 km Seitenlänge stammen.
Ist der Fundort ungenau bezeichnet bzw. liegt über der bezeichneten Struktur mehr als ein
Rasterquadrat, wird der Nachweis nur in dem Raster geführt, dass auf dem Mittelpunkt der benannten
Struktur liegt. Zum Beispiel werden bei dem Fundort „Stadtpark“ etwa ¾ des Parkes Raster J 08 und
¼ K 08 zugeordnet. Damit liegt der Mittelpunkt des Stadtparkes in J 08 und die Säugernachweise aus
den Gewöllen vom „Stadtpark“ werden nur in J 08 verzeichnet.
Das ist beim Ohlsdorfer Friedhof schwieriger: hier liegt der Mittelpunkt in der Nähe des
Kreuzungspunktes von 4 Rasterquadraten und in 3 dieser Raster liegen jeweils etwa gleich große Teile
des Friedhofes. Die verfügbaren Gewöllaufsammlungen mit Ortsangaben „Ohlsdorf“ stammen jedoch
alle aus der Zeit von 1979 bis 1995 und werden damit nicht als aktuelle Nachweise gewertet.
3.2.7 Gezielte Suche nach Hasel- und Zwergmäusen
Im Januar 2012 und Winter 2012/13 wurden in Zusammenarbeit mit Frau Sina EHLERS entlang der
östlichen Stadtgrenze zwischen Escheburg-Voßmoor und dem Duvenstedter Brook sowie in den
ländlicheren Bereichen der Stadt Hamburg und im Saum zu Schleswig Holstein im gesamten
nördlichen, westlichen und teilweise in den südlichen Stadtrandbereichen in den Stadtteilen
Wandsbek, Eimsbüttel, Altona, Hamburg Mitte, Harburg und der Eidelstedter Feldmark insgesamt
etwa 30 Abschnitte von Heckenlandschaften und sonstigen Randstrukturen auf Freinester der
Zwergmaus und v.a. der Haselmaus abgesucht.
Die Suche der Freinester und die Bestimmung als Zwerg- oder Haselmausnest erfolgte unter
entscheidender Mithilfe und fachlicher Anleitung von Frau S. EHLERS.
Dazu wurden an Hand der Luftbilder und Karten geeignet erscheinende Abschnitte von Hecken, Schilfund Röhrichtsäumen oder sonstige geeignete Randstrukturen vorab ausgewählt und dann gezielt
angefahren. Nach dem Aufsuchen der vorausgewählten Suchbereiche wurden die Strukturen vor Ort
nach Augenschein eingestuft auf ihre Vorkommens-/Nachweiswahrscheinlichkeit für beide Arten und
dann ggf. repräsentative Ausschnitte der Hecken und sonstigen Randstrukturen nach Freinestern
abgesucht.
Konnte in einer nur für die Zwergmaus geeigneten Struktur (Röhrichte, Schilf- und ungemähte
Grassäume ohne artenreiche Hecken) mindestens ein Zwergmausnest gefunden werden, wurde die
Suche i.d.R. abgebrochen. Könnte auf Grund der Ausstattung, insbesondere mit früchtetragenden
Sträuchern (v.a. Schlehe, Brombeere, Weißdorn) und/oder Haselsträuchern sowie einem gegebenen
Verbund zu größeren Heckenlandschaften und/oder Wäldern auch die Haselmaus dort vorkommen,
wurde weiter gesucht, bis die für die Haselmaus geeigneten Strukturen einmal begutachtet worden
sind. Kleinere Lücken von nur wenigen Metern zwischen geeigneten Heckenstrukturen wurden dabei
übergangen. Größere Gehölzlücken, die Haselmäuse mit großer Wahrscheinlichkeit nicht oder nur
äußerst selten überwinden, wurden als Ausbreitungsbarrieren betrachtet und die Suche abgebrochen.
30
Außerdem wurden an geeigneten Stellen Haselnussschalen gesucht, die von Haselmäusen geöffnet
worden sind (nach JUŠKAITIS & BÜCHNER 2010; vgl. www.nussjagd-sh.de).
Alle diese Methoden wurden zeitnah dazu auch von weiteren Haselmausbearbeitern (2012 auch mit
Sina EHLERS) jeweils im November 2012 bis 2014 an geeignet erscheinenden Strukturen in
Nordwestmecklenburg angewandt – mit deutlich größerem Nachweiserfolg als in Hamburg.
Alle Nachweise und Suchstrecken wurden mit einem Hand-GPS Gerät eingemessen.
Darüber hinaus wurden in beidseitiger Verlängerung des alten Bahndammes Billwerder, an dem
A. HAAK und S. EHLERS im Jahre 2012 über Nesttubes und Freinester Haselmäuse nachgewiesen
hatten, die Lebensraumeigenschaften für die Haselmaus und die Verbundmöglichkeiten eingeschätzt
(s. Kap. 4.5.2.1, S. 93).
3.2.8 Monitoring der Haselmausvorkommen in Hamburg
In der BSU lagen nur einzelne Hinweise auf Haselmäuse in Hamburg aus jüngerer Zeit vor. Diese
betrafen eine Sichtbeobachtung im Juli 2008 im NSG Borghorster Elblandschaften auf der Grenze zu
Schleswig-Holstein sowie einen Hinweis aus den 1970er Jahren von G. SCHÄFERS (pers. Mitt.) aus
Öjendorf. Daraufhin wurden beide Flächen als FFH-Monitoring-Flächen für die Haselmaus der Stadt
Hamburg benannt und ihre Untersuchung gemäß BfN-Richtlinien für das Monitoring von Anhang IVArten der FFH-Richtlinie (PAN & ILÖK 2010) beauftragt. Die dazu notwendigen Untersuchungen zur
Struktur der Lebensräume und die Anstrengungen zum aktuellen, ggf. quantitativen Nachweis der
Haselmaus war Gegenstand eines Zusatzvertrages mit der BSU.
Neben den Aufnahmen zur Struktur der Lebensräume nach der Methode nach PAN & ILÖK (2010)
bzw. MEINIG in SCHNITTER et al. (2006) wurden in den vier neuen Nachweisflächen jeweils
50 Nesttubes ausgebracht und für die gesamte Saison 2012 (im NSG Borghorst bereits 2011) in den
Gehölzbeständen mit den bekannten Nachweisen durch Freinester belassen. Auf Grund der räumlichen
Begrenzung der Lebensraumstrukturen in den Nachweisgebieten und der teilweisen Nachweise in
reinen Heckenlandschaften wurden die Abstände und Anordnungen der Nesttubes abweichend von
den Vorgaben lt. Monitoring (s.o.) den räumlichen und strukturellen Gegebenheiten vor Ort
angepasst. Die Nesttubes wurden insgesamt 3mal auf Hinweise auf Haselmäuse kontrolliert. Zu
methodischen Details s. EBERSBACH (2012).
3.2.9 Erfassung sonstiger Nachweise von Säugetieren
Neben der beauftragten Kartierung der Nagetiere und Insektenfresser laut Tab. 1 (S. 16) wurden
darüber hinaus auch alle eindeutigen Hinweise auf andere Säugetierarten festgehalten - entweder als
Wegpunkt mit GPS-Koordinaten oder als Punkt in den Karten (M: 1:5.000 bzw. 1:15.000), jeweils mit
Notiz zur Art und ggf. den Fundumständen.
Als eindeutige Hinweise auf eine Art gelten z.B.:
* Sichtbeobachtungen und spezifische Lautäußerungen;
* deutlich erkennbare Trittsiegel, Spuren oder Fährten (z.B. von Igel, Waschbär, Dachs, Fischotter
u. dgl.);
* spezifische Fraßspuren oder Bauten (z.B. Biber, Haselmaus, Zwergmaus, Wildkaninchen, Dachs);
* Kot oder Markierungen, soweit diese eindeutig zuzuordnen sind (z.B. Fischotter, Fuchs, Wildschwein,
Rothirsch, Biber, Wildkaninchen) usw.
31
Auf Grund der allgemeinen Verbreitung von Rehen wurden nur deren Sichtbeobachtungen, nicht
jedoch alle Spuren oder Kot von Rehen notiert. Auch die notierten Hinweise auf Füchse sind nicht
vollständig, wie auch Hinweise auf Steinmarder im Allgemeinen nicht notiert wurden. Die Aufnahme
aller Nachwiese dieser allgemein verbreiteten Arten würde den Rahmen der Untersuchungen
sprengen, zumal diese Arten nicht Gegenstand der vorliegenden Untersuchungen waren.
Außerdem erfolgten keine Notizen zu allgemein üblichen Haustieren (Hunde, Katzen, Rinder, Schafe,
Pferde usw.), auch wenn diese unabhängig von Grundstücken und ggf. ohne menschliche Begleiter
angetroffen wurden (z.B. freilaufende Katzen).
3.2.9.1 Totfunde
Bei den Aufenthalten in der Stadt wurden alle Totfunde von wildlebenden Säugetieren notiert, soweit
die Art eindeutig bestimmbar war. Hierbei gelangen auch Nachweise von Arten (wie z.B. dem
Marderhund), die neben Hinweisen aus der Bevölkerung nur auf diese Weise erfasst wurden. Die
meisten Totfunde betreffen Verkehrsopfer (s. Abb. 2, S. 2).
3.2.9.2 Hinweise aus der Bevölkerung
Bei gezielten Befragungen von Bürgern – etwa in Kleingartenanlagen oder auch Landwirten, Jägern
oder sonstigen kompetenten Personen – wurden Säugetiervorkommen benannt (s.u.). Diese
Informationen wurden entweder überprüft oder für das Artenkataster der Abt. Naturschutz als
Hinweise aus Befragungen gekennzeichnet.
Insgesamt wurde in dem Bearbeitungszeitraum der Fallenfänge von Mai 2011 bis Januar 2014 eine
große Anzahl von Bürgern befragt, die meisten sind anonym geblieben. Eine Auswahl ist in Kap. 1.1,
S. 14 namentlich aufgeführt.
Bei der Arbeit im Gelände interessierten sich zahllose Bürger für das Projekt bzw. mussten
Zustimmungen zum Betreten und Befangen von Wald-, Landwirtschaftsflächen, Privatgrundstücken,
Kleingartenanlagen, Friedhöfen oder Gewerbegebieten eingeholt werden. Dabei wurden die Personen
oftmals gezielt nach Hinweisen auf Säugetiere befragt – in der Regel nach leicht erkenn- und
nachweisbaren Arten wie Igel, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Biber, Wanderratten, Bisam, Nutria,
Wildkaninchen, Steinmarder, Hermelin, Mauswiesel, Fuchs und Waschbär. Dabei wurden KompetenzFragen einbezogen – etwa, ob bei den Eichhörnchen nur dunkle oder auch rote waren, oder wie die
Bewegung des Schwanzes beobachtet wurde zur Unterscheidung von Nutria und Biber. Es wurde
andererseits versucht, die Hinweise von Bürgern z.B. einer Kleingartenanlage durch andere Anlieger
zu bestätigen.
Es wurden nur Hinweise notiert, die glaubwürdig erschienen und die eine räumlich abgrenzbare
Zuordnung sowie eine relativ konkrete zeitliche Einordnung der Beobachtung ermöglichten und/oder
durch eigene Nachweise nach den gegebenen Hinweisen verifiziert werden konnten – etwa
Biberaktivitäten am Alten Hafen Borghorst.
Das Fehlen von Arten laut Aussagen der Befragten wurde hierbei nicht notiert.
Außerdem wurden mehrere Firmen gezielt nach Vorkommen von Wanderratten befragt. Dazu zählten
Betreiber von Reitställen bzw. Pferdepensionen und gewerbliche Schädlingsbekämpfungsfirmen.
3.2.9.3 Gezielte Spurensuche und Direktbeobachtungen
Suche nach Hausmäusen
32
Nach den Erfahrungen aus München, Berlin und anderen Städten (eigene Beobachtungen, ZSCHEILE
pers. Mitt.) treten in U-Bahn-Tunneln neben Wanderrattern zuweilen Hausmäuse und andere
Kleinsäuger-Arten auf. Daraufhin wurden in Hamburg an 2 Abenden gezielt verschiedene U-Bahnhöfe
der Linie U 2 zwischen Berliner Tor und Hagenbecks Tierpark auf Hinweise auf Kleinsäugetiere
abgesucht. Dabei wurde entlang der Bahnsteige in allen einsehbaren Schlupfwinkeln, unter den
Überhängen der Bahnsteige usw. sowohl nach Kleinsäugerkot als auch nach Tieren Ausschau
gehalten.
Hinweise auf Maulwürfe
Die Suche nach Maulwurfshügeln geschah nicht systematisch über das ganze Stadtgebiet. Das hätte
den Rahmen der Untersuchungen gesprengt. Es wurden an einzelnen Tagen nach Abschluss der
Vegetationsperiode ab Spätherbst gezielt alle Hinweise entlang der Fahrstecken zum Erreichen der
Kleinsäuger-Fallenreihen bzw. auf der Suche nach Strukturen dafür aufgenommen und notiert. In
einzelnen Fällen wurden tote Tiere gefunden und deren Lage notiert.
Hinweise auf Biber
An zahlreichen Gewässern bzw. Gewässerabschnitten der Stadt, insbesondere im Umfeld von Brücken,
Durchlässen und Mündungen, wurde gezielt nach Hinweisen auf Biber gesucht. Dazu wurden
unterschiedliche Gewässertypen ausgewählt, um einen groben Überblick über Bibervorkommen im
Stadtgebiet von Hamburg zu erhalten. Es wurde im Allgemeinen nur im unmittelbaren Umfeld der o.g.
Strukturen gesucht bzw. über größere Uferstrecken hauptsächlich dann, wenn die Ufer während der
Bemühungen zum Fang von Kleinsäugetieren sowieso begangen wurden. In einzelnen Fällen wurden
dagegen auch größere Uferabschnitte gezielt und systematisch nach Hinweisen auf Biber abgesucht.
Die Hinweise und fehlenden Hinweise widerspiegeln damit nicht primär die tatsächliche Verbreitung
bzw. das Fehlen der Art im Stadtgebiet von Hamburg, sondern eher die Suche nach geeigneten
Fangstrukturen für Kleinsäuger. Hinweise und fehlende Hinweise sind damit nur im Zusammenhang
mit weiteren, gezielten Spurensuchen bzw. als deren Ergänzung zu betrachten.
Als Bibernachweise gelten Schnitte bzw. Fällungen, wenn die Schnitt-/Fällstelle gefunden wurde und
nicht nur Schälhölzer; Markierungen, Spuren und/oder Biberbaue und Burgen sowie Biberdämme.
Sichtbeobachtungen und Totfunde waren nicht zu verzeichnen.
3.2.10
Habitatverbund und Lebensraumgrößen
Für eine Einschätzung von Gefährdungsgraden einzelner Arten ist eine Beurteilung der Größen der
Lebensräume und von deren Erreichbarkeit notwendig. Dabei sind die Habitatansprüche der einzelnen
Arten zu berücksichtigen.
Die Einschätzung des möglichen Habitatverbundes erfolgte innerhalb der vorliegenden Studie zunächst
an Hand der Karten (DGK 5, Disk-Rast 1:20.000 sowie Google-Earth). In einer so dynamischen Stadt
wie Hamburg (s. Kap. 4.5.1, S. 87) sind jedoch die Karten nach 10 Jahren u.U. so überholt, dass die
im Gelände vorhandenen Strukturen kaum auf den Karten nachvollzogen werden können. Das betrifft
z.B. Altenwerder, das Umfeld des Flughafens Fuhlsbüttel, das Mühlenberger Loch, den gesamten
Komplex vom Autobahndreieck Hamburg Südost bis zum Mittleren Landweg und viele andere mehr.
Deshalb wurden innerhalb der vorliegenden Studie die Einschätzungen des Habitatverbundes wann
immer möglich an Hand der Betrachtung der vorhandenen Strukturen im Gelände während der
Bearbeitung der Kleinsäugerfänge inklusive Suche nach geeigneten Fangstrukturen und an Hand der
Fangergebnisse zum Vorkommen der Arten in den vorhandenen Strukturen überprüft.
33
Die Beurteilung der Lebensraumgrößen basiert auf den ermittelten Vorkommen der nachgewiesenen
Arten und der Auswertung der befangenen Strukturen, in denen die Arten gefangen werden konnten
(s. Kap. 3.5.2.1, S. 42). Es wurde dabei nicht (ausschließlich) auf Angaben zu den Habitansprüchen
aus der Literatur zurückgegriffen, da die besondere strukturelle Situation der Großstadt Hamburg u.U.
andere Lebensraumnutzungen bedingt, als sie für die Beschreibung der Ansprüche der Art im
gesamten Areal zu formulieren sind.
Darüber hinaus erfolgte eine Diskussion um Lebensraumgrößen von Artgemeinschaften. Diese basiert
hauptsächlich auf der Auswertung der ermittelten Fangdichten und der gefangenen Artenzahlen in
den Rasterquadraten im Kontext der Artenvorkommen und Artenzahlen im Umland von Hamburg in
Schleswig-Holstein.
3.3
Erhebung von Daten an gefangenen Tieren und Totfunden
Die Fänge in den Lebendfallen wurden nach dem Fallenpaar, bei 2 Fängen/Paar und Kontrolle nach
der Einzelfalle; bei zwei Fängen pro Falle und Kontrolle separat nach Einzeltier notiert.
Von den gefangenen Tieren wurde versucht, möglichst viele der Standardmaße zu ermitteln (s.u.). Es
erfolgte jedoch keinerlei Sedierung oder Betäubung, sondern die Tiere wurden aus der Falle in einen
Stoffbeutel übernommen, in dem sie gewogen wurden. In dem Stoffbeutel wurden sie im Rückenfell
erfasst, die Bauchseite freigelegt (s. Abb. 11, S. 35) und die relevanten Maße und Daten erhoben
(Abb. 12, S. 35).
Sind einzelne Tiere zu aufgeregt, bissig, nass oder sonst erkennbar angegriffen, wurden sie
freigelassen, ohne die Daten zu erheben. Das Wohl der Tiere hatte hier Vorrang.
Waren Tiere in den Fallen verstorben, wurde zu den u.g. Maßen noch die Ohrlänge und die KopfRumpf-Länge ermittelt, soweit die Totenstarre dies zuließ.
Die toten Tiere wurden nicht regulär gesammelt.
Besonderheiten, wie etwa auffallender Ektoparasitenbefall oder körperliche Besonderheiten (gekürzter
Schwanz, Ohrverletzungen, Verluste von Augen – Abb. 13 - u.ä.) wurden notiert. Für jede Art und bei
auffälligen Besonderheiten wurde versucht, Photos zu erstellen.
3.3.1 Artbestimmungen
Die Bestimmung der Arten aus den Lebendfallen und der Totfunde erfolgte soweit möglich an Hand
äußerer Merkmale nach ANGERMANN (1995) bzw. GÖRNER & HACKETHAL (1987).
Die systematische Gliederung folgt den Vorschlägen des Auftraggebers.
34
Abb. 11: Handling eines sexuell aktiven,
adulten Brandmaus-Männchens.
Abb. 12: Vermessung einer toten Waldspitzmaus.
Abb. 13: In einer Lebendfalle gefangenes Mauswiesel mit nur einem Auge.
Abb. 14: Deutlich vergrößerte Hoden bei einem
adulten Waldmaus-Männchen.
Abb. 15: Laktierendes GelbhalsmausWeibchen.
35
3.3.2 Körpermaße und Reproduktionsstatus
Von den gefangenen Tieren wurde versucht, die Art, das Geschlecht, den Reproduktionsstatus (s.u.);
die Körpermasse sowie die Längen von Hinterfuß, Schwanz und Ohr zu bestimmen sowie durch
Auflegen auf ein Lineal die Kopf-Rumpf-Länge geschätzt, soweit der Zustand des Tieres dies erlaubte.
Es wurde eine Federwaage bis 50 g mit 1 g Einteilung bzw. bis 500 g in 5 g Einteilung sowie ein
handelsüblicher Messschieber bis 20 cm mit einer Genauigkeit von 0,1 mm verwendet. Die Angaben
der Maße erfolgen in g bzw. mm, soweit nichts anderes vermerkt ist.
Der
Reproduktionsstatus
wurde
ausschließlich
an
Hand
der
äußeren
Geschlechtsmerkmale
festgehalten. Bei den Männchen wurde geschaut, ob die Hoden (ggf. sehr deutlich) vergrößert waren
(Abb. 11 und 14, s.o.), die Vergrößerung (jahreszeitlich bedingt) zurückging oder unauffällig waren.
Es kann dabei nicht bestimmt werden, ob eine Spermiogenese auch im vermeintlichen Ruhezustand
erfolgt.
Bei den Weibchen wurde festgehalten, ob die Tiere laktierten (Abb. 15) sowie auf Trächtigkeit (im
fortgeschrittenen Stadium) geachtet.
3.3.3 Bestimmung von Wiederfängen
Beginnend mit den ersten Fängen im Frühjahr 2011 wurde bei einer Reihe von Mäusen an einem der
Hinterfüße eine Farbmarkierung mit einem dokumentenechten Stift vorgenommen, die innerhalb einer
Fangserie von 2 Nächten eine Wiedererkennung bereits gefangener Tiere ermöglichen sollte. Die
Verwendung von z.B. Nagellack zur Markierung wurde auf Grund des strengen Geruches für Tiere
abgelehnt, die selbst sehr abhängig von ihrem Geruchssinn sind und deren Fressfeinde ebenso.
Es konnte von rund 50 auf diese Weise markierten Tieren keine Maus wiedergefangen werden – bzw.
wurde keine Farbmarkierung wieder nachgewiesen. Daraufhin wurde die Markierung eingestellt.
Für die Bestimmung von Wiederfängen von Individuen aus den Lebendfängen wurden von da an das
Geschlecht, alle Körpermaße, die Masse sowie ggf. besondere Merkmale verwendet wie verkürzte
Schwänze, geschlitzte Ohren, besondere Färbungen usw. Aber auch das Fehlen besonderer Merkmale
ist ein Erkennungsmerkmal. Außerdem wurde der Reproduktionsstatus und das Alter für die
Ermittlung von Wiederfängen berücksichtigt. Aus der Kombination der Merkmale und Maße sowie den
Fangorten ergibt sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tier (ggf. mehrfach) wiedergefangen wurde.
Konnten neben dem Geschlecht nur Körpermaße zur individuellen Zuordnung herangezogen werden,
mussten immer mindestens die wesentlichen Maße schlüssig zueinander passen, also die Körpermasse
+/- 2 g, die Hinterfußlängen sehr ähnlich mit ca. +/- 1,5 mm und/oder die Schwanzlänge +/- wenige
Millimeter Differenz. Dabei waren mehrere sehr ähnliche Körpermaße in Kombination für die
individuelle Wiedererkennung notwendig.
Verhaltensmerkmale, wie der Eindruck, dass ein Tier die Fallenprozedur mit Einlaufen in den
Stoffbeutel zum Wiegen und anschließendem Messen und Freilassen kennt, waren allein kein
hinreichendes Kriterium.
Letztlich sind alle diese Merkmale nur Hinweise und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in
Einzelfällen Wiederfänge angenommen wurden, wo 2 Individuen beteiligt waren oder aber
Wiederfänge nicht erkannt wurden.
Als hinreichende körperliche Merkmale zur individuellen Erkennung zählen typisch geschlitzte Ohren,
fehlende Augen und/oder Farbauffälligkeiten sowie typische sonstige Verletzungen. Diese wurden
36
genutzt, um an Hand der durchschnittlichen Entfernungen zwischen den Fallenpaaren herauszufinden,
welche Entfernungen die einzelnen Tiere der unterschiedlichen Arten von Fang zu Wiederfang
zurücklegen können.
3.4
Lebensraumangaben und Auswertungen
3.4.1 Einstufung als nicht urbane bzw. urbane Strukturen
Bei der Einteilung der Biotoptypen in urban, teilweise urban und nicht urban wird die tatsächlich
befangene Struktur in der für die Kleinsäugetiere relevanten Größenordnung betrachtet. Die
Einteilung
kann
damit
regelmäßig
von
den
eher
großflächigeren
Charakterisierungen
der
Biotopkartierung nach den Shapes des Biotopkatasters abweichen. Wenn z.B. ein mehrere Meter
breiter Gehölzstreifen zwischen Gleisanlagen und Kleingartenanlage befangen wurde, so ist dieser
Streifen nicht urban, auch wenn sowohl das Gleisbett als auch die Kleingartenanlage im urban
überprägten Umfeld liegt. Da ein Gehölzstreifen als Struktur einer Entwicklung über mehrere bis viele
Jahre unterliegt, ist hier auch nicht relevant, ob dieser aus einer Anpflanzung hervorgegangen ist. Die
charakterisierenden Gehölzarten und Arten der krautigen Vegetation wurden separat benannt (s.u.).
Als urban werden danach solche Strukturen eingestuft:
* die (überwiegend) bebaut oder anthropogen erstellt sind oder deren Untergrund befestigt oder
versiegelt ist und/oder solche,
* die vollständig kleinflächig umbaut sind (darunter auch ggf. mit schmalem Saum umpflanzte
Grundstückszufahrten, Carports, Terrassen usw.) sowie
* aktuelle Verkehrswege und Hochwasserschutzanlagen (inkl. Deiche einschließlich der Bermen und
Deichwege binnendeichs und außendeichs);
* als Gewerbeflächen intensiv und regelmäßig genutzte, i.d.R. versiegelte oder geschüttete und/oder
ständig begangene/befahrene Flächen;
* Flächen, die zwar unbebaut bzw. unbefestigt sind, die jedoch durch regelmäßig gemähte
Rasenflächen („Stadtrasen“, intensiv gepflegte Friedhofsflächen) und nur schmale und/oder lückige
Gehölzsäume/Hecken gekennzeichnet sind, wenn sie mindestens durch (Wander-)Wege erschlossen
sind und ggf. in der Fläche massiv durch Besucher (mit Hunden) begangen werden, sowie
* genutzte Haus- und Kleingärten (nicht jedoch großflächige Streuobstwiesen oder Brachen);
* Gartenbauflächen unter Glas oder Folie sowie solche, in denen der Boden mit Rindenmulch oder
Folien bedeckt ist und/oder die Kulturpflanzen in Töpfen wachsen und/oder Kulturen angebaut
werden, die regelmäßig in kurzen Abständen begangen werden (z.B. Schnittblumen, Tomaten,
Gurken, Salat usw.)
* wenn beidseitig unmittelbar an (naturnah verlaufende) Gewässer genutzte Gärten und/oder viel
genutzte Wege oder Straßen angrenzen;
* wenn ein (fast) vollständig künstlicher Untergrund besteht, wie z.B. Blocksteinschüttungen am
Elbeufer, auch wenn diese Ufer partiell durch Schilf, Rohrglanzgras und/oder ggf. Weidengebüsche
bewachsen sind;
* Hundeübungs- und –auslaufflächen, wenn sie als regelmäßig gemähte Rasenflächen ausgebildet
sind, sowie Reitplätze und Viehauslaufflächen (einschließlich von Federvieh und Reitpferden, Schafen,
Eseln, Straußen, Emus, Lamas usw.) in unmittelbarer Umgebung der Ställe;
* Hafenanlagen einschließlich Sport- und Freizeitbootshäfen inkl. der zugehörigen ufernahen
Lagerplätze.
37
Entscheidend bei der Einstufung als nicht urbane Struktur ist eine mehrjährige fehlende menschliche
Nutzung als Siedlungs-, Industrie- und/oder Verkehrsflächen bzw. Hochwasserschutzeinrichtungen
sowie ein unbefestigter oder durch natürliches Substrat überdeckter befestigter Untergrund.
Konkret werden als nicht urban solche Strukturen bezeichnet,
* die eine natürliche oder naturnahe Entwicklung durchlaufen und/oder bei denen diese nur
gelegentlich gestört wird.
* Die Struktur als solches kann dabei vollständig anthropogenen Ursprungs sein, wie z.B.
- alte, nicht mehr genutzte bzw. unterhaltene Deiche oder Bahntrassen (mit beräumten Gleisen und
Schotter),
- Schwemmflächen,
- entwässerte Niedermoore,
- künstliche Uferböschungen,
- strukturreiche Stadtparks,
- ehemalige Gewerbe-, Siedlungs- und Gartenflächen usw.;
* die aktuell landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt sind;
* die gartenbaulich genutzt werden, wenn die Nutzung nicht Siedlungscharakter vermittelt und/oder
der Untergrund nicht vollständig überdeckt ist (s. urban), sowie
* alle Strukturen, die nicht als urban charakterisiert sind.
Teilweise urbane Fangreihen beinhalten sowohl urbane als auch nicht urbane Strukturen innerhalb
der Fallenreihe.
3.4.2 Angaben zu Böden, Nutzungs- und Vegetationsstrukturen
Neben der Einteilung in urbane, teilweise urbane und nicht urbane wurden weitere, die Lebensräume
charakterisierende Strukturen notiert bzw. im Nachhinein an Hand der Photos und Erfahrungen
festgehalten. Dazu wurden keine Hintergrundrecherchen oder separaten Untersuchungen (z.B.
Bodenprofile) durchgeführt, sondern die Notizen dienen nur als grobe Charakterisierung der
tatsächlich befangenen Struktur(-vielfalt).
Aus diesen Angaben wurden Vergleiche erstellt im Hinblick auf die Fangdichten von Kleinsäugetieren
(jew. bezogen auf 100 FN) und die gefangenen Artenzahlen in den unterschiedlichen Strukturen
gegenüber den monatlichen Mittelwerten der Fangdichten aller Fangreihen und der kumulativ
gefangenen Artenzahlen in den Strukturen.
Die Lage der Fangreihen war darauf optimiert, möglichst viele Arten nachzuweisen. Entsprechend
wurden, wo immer möglich, die Fangreihen als Transekte in benachbart liegende unterschiedliche
Lebensraumstrukturen gelegt. Dies spiegelt sich in der Vielfalt der zu den meisten Fangreihen
erstellten Notizen der befangenen Strukturen wider. Das heißt, dass eine Fangreihe sowohl sandige
als auch Bruch(wald)bereiche beinhalten kann; sowohl Auenböden außendeichs als auch Schüttungen
des Deichs; sowohl Feld- oder Wiesenvegetation als auch Waldrand- oder Heckengehölze usw..
Dabei lagen die Fangreihen bei allen Nutzflächen überwiegend in deren Randlagen – also Feldrändern,
Wiesenrändern, Randstrukturen von Gärten usw., wenn auch im Einzelfall versucht wurde, gezielt
Fallen in die Felder, Wiesen, Gärten, Brachen usw. hineinzustellen.
Die Auswertung der einzelnen Fangreihen erfolgt dann nach den notierten (Haupt-)Strukturen in den
jeweiligen Kategorien. Es sind also Mehrfachnennungen möglich.
38
Es wurden folgende Strukturen unterschieden:
3.4.2.1 Zur Bodenstruktur
Die Einteilung erfolgte nur an Hand des reinen Augenscheins beim Begehen der Fläche, Irrtümer sind
vorbehalten.
* Sandig-trockene Böden (s.l., also auch humoser Sand, lehmiger Sand; Sand aus Aufschüttungen
in Gewerbegebieten, Verkehrstrassen, Deichen usw.)
* Blocksteinschüttungen außendeichs (Auswertung zusammen mit den Schüttungen binnendeichs)
* Auenböden, Auenlehmböden außendeichs gegenüber
* Marschenböden (s.l.) binnendeichs inkl. Niedermoor, Auenlehm, Sand im ursprünglichen
Überschwemmungsgebiet der Elbe, jedoch ohne Schüttungen; gegenüber
* Bruch- und Niedermoorflächen unabhängig von den Marschen, also v.a. im Duvenstedter Brook,
entlang von Auen außerhalb der Elbe usw.
* Schüttungen inkl. Deiche, Bahndämme, Siedlungs- und Gewerbeflächen, Spülflächen sowie
Blocksteinschüttung außendeichs (s.o.).
Mit der Ausgliederung der Blocksteinschüttungen außendeichs wird eine Trennung von natürlichen
Böden respektive Auen im Tideneinflussbereich der Elbe vorgenommen.
3.4.2.2 Zu Nutzungstypen, Vegetationsstrukturen und Naturschutzgebieten
Neben den Bodenstrukturen wurden verschiedene Nutzungstypen unterschieden:
* Offenland, Landwirtschaftsflächen (ohne Obstbau), also Felder, Wiesen, Weiden, brachliegende
LW-Flächen (s. Begriffe, S. 6ff); alle auch mit Hecken, Gebüschen, Ufergehölzen – in diesen wurde der
Großteil der Fallen placiert. Ein Bio-Betrieb wurde separat betrachtet.
* Obstbauflächen;
* Wald ohne Weichholzauen, Bruchwälder und Parks (s.u.), jedoch einschließlich der rein waldartigen
„Parkflächen“ wie z.B. die Wandsbeker Gehölze (Marienthal), oder an der Rissener Landstraße
(Blankenese);
* Weichholzauen, Ufer-Gehölzstreifen mit überwiegend Weichhölzern (ohne Bruchwald) gegenüber
* Bruchwald (s.str.);
* Wald-Offenland-Komplexe;
* Parks mit typischem Parkcharakter, also häufigem Wechsel von offenen Bereichen mit Gehölzen,
zahlreichen (auch nicht heimischen) Gehölzarten, oft künstlich angelegten oder überprägten
Gewässern, hoher Wegedichte, Erholungsnutzung auch der als Rasenflächen gepflegten Offenbereiche
usw.;
* Friedhöfe, die oft Parkcharakter haben, mit zusätzlich zur Gehölzartenvielfalt auch zahlreichen nicht
heimischen Pflanzen in der Krautschicht als Grabbepflanzungen und Grünanlagen;
* Verkehrsbegleitgrün als mind. mehrreihiger Gehölzsaum bis Waldstreifen;
* (Randlagen zu) Hausgärten, einzelnen Kleingärten bzw. Kleingartenanlagen (KGA);
* aufgelassene Nutzungen aus Gärten, Landwirtschaftsflächen, Brachen, z.T. mit Pionierwald;
* Brachen und sonst. Strukturen in/an Gewerbegebieten;
* Naturschutzgebiete (NSG): Zum Vergleich der Artenzahlen wurden Naturschutzgebiete separat
aufgelistet. Da der Schutzstatus jedoch nichts aussagt zur Nutzung der Fläche, wurden die
Nutzungstypen der Naturschutzgebiete regulär mit ausgewertet.
39
3.4.2.3 Gehölzformen
Bei
Fangreihen
in/an
Gehölzen
wurde
versucht,
die
auf
den
ersten
Blick
erkennbaren
Gehölzarten/Formen zu notieren. Dabei wurden in der Regel die die Bestände charakterisierenden
Haupt-Baumarten der ersten Baumschicht bzw. die häufigsten Arten zuerst genannt und dann in ihrer
abnehmenden
Reihenfolge
aufgelistet.
Die
Aufzeichnungen
erheben
keinen
Anspruch
auf
Vollständigkeit oder Richtigkeit der Reihenfolgen. Es wurden auch schwer zu bestimmende
Arten/Formen (v.a. Weiden) nicht bis ins Detail bestimmt. Die Auflistung dient lediglich der
Charakterisierung der Strukturen.
3.4.2.4 Krautige Vegetation
Wie bei den Gehölzarten wurden auch bei den krautigen Pflanzen entlang der Fangreihen versucht,
die auf den ersten Blick erkennbaren Arten bzw. Vegetationsformen zu notieren. Dabei wurden in der
Regel die die Bestände charakterisierenden Haupt-Arten/Formen bzw. die häufigsten Arten zuerst
genannt und dann in ihrer abnehmenden Reihenfolge aufgelistet. Die Aufzeichnungen erheben auch
hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Die Auflistung dient lediglich der
Charakterisierung der Vegetationsstrukturen. Vegetationsaufnahmen im eigentlichen Sinne waren
nicht Gegenstand der vorliegenden Untersuchungen und hätten den Rahmen des Projektes bei weitem
gesprengt.
3.5
Darstellungen und Auswertungen
3.5.1 Kartendarstellungen und Ermittlung von Koordinaten
Die Darstellung der Fangstrecken sowie der Nachweise der gefangenen Arten von Kleinsäugetieren
und der erfolglosen Fangversuche, der gezielten Suche nach einzelnen Arten (z.B. Zwergmaus,
Haselmaus, Biber) und der Totfunde oder sonstigen Hinweise erfolgte in Arc View. Dabei wurde die
Lage der Suchräume verschiedener Arten wie der Zwerg- und Haselmausnester als Flächen-shapes
dargestellt.
Die Digitalisierung der Orte der Kleinsäugerfänge erfolgte getrennt nach Arten an Hand des
Standortes des jeweiligen Fallenpaares mit den Koordinaten sowie als Rasterdarstellung mit den
Artnachweisen je 2 km-Raster mit einem Flächenanteil an der Stadt Hamburg.
Alle Standorte der Fangstrecken sowie ein großer Teil der Totfunde, Sichtbeobachtungen oder
sonstigen Hinweise wurden mit einem Hand-GPS eingemessen, die Punkte in Arc View übernommen
und als Punkt-Datei dargestellt. Traten zwischen den GPS-Punkten und den Strukturen an Hand der
Karten deutliche Differenzen der Lage der Punkte zu den vorgefundenen Strukturen auf, so wurden
die Luftbilder aus Google Earth, die DTK 5 bzw. die Disk-Rast 1:20.000 (in der Reihenfolge) für die
Festlegung der Lage der Fundpunkte und damit der Berechnung der Koordinaten in Arc View als Basis
verwendet.
Auf Grund der sehr großen Dynamik der Stadtentwicklung (vgl. Kap. 4.5.1.1, S. 87) kam es in
Einzelfällen vor, dass die Geländesituation eine andere war, als nach den verfügbaren Karten
ausgewiesen. In diesen Fällen wurde die Lage der Fangstrecken an Hand der nachvollziehbaren
Geländestrukturen geschätzt.
40
Eine Reihe von Fundorten (Sichtbeobachtungen, Spuren, verkehrstote Tiere) wurden an Hand der
Karten (DGK5 1:5.000 bzw. 1:15.000, MAIRDUMONT 2010) notiert und die Fundpunkte in Arc View
übernommen.
Die Fundpunkte wurden mit Datum und Art vermerkt.
Alle Koordinaten, auch die vorher mittels Hand-GPS ermittelten, wurden in Arc View nach Festlegung
der Punkte in den Karten mittels Arc View neu berechnet. (Gauß Krüger, Potsdam-Datum, 3. Streifen).
Alle Kartendarstellungen im Bericht beruhen auf der Kartengrundlage der Disk-Rast 1:20.000 bzw.
DGK5, die Darstellungen der nicht urbanen und urbanen Biotoptypen basieren auf den der
Biotopkartierungen aus dem Biotopkataster. Alle Eintragungen in den Karten wurden selbst
vorgenommen. Die Übernahme der Nachweise in das Artkataster sowie die Gestaltung der
Nachweiskarten für die Artkapitel erfolgten durch Frau Astrid KIENDL. Die Nachweise der Karten sind
nicht an jeder Karte separat aufgeführt.
3.5.2 Datenverwaltung, Darstellungen und Berechnungen
Die Zusammenstellung der Artnachweise und die Verwaltung der Daten erfolgt in Excel. Alle
Auswertungen, Berechnungen und Zusammenstellungen für die Tabellen erfolgten in Excel, alle
Diagramme sind ebenfalls in Excel erstellt worden.
Die Artnachweise und Fallenstandorte wurden für die Berichterstellung und die Kartendarstellungen in
Arc View eingelesen. Außerdem erfolgt eine Übernahme der Artnachweise und Fallenstandorte in das
Tierartenkataster der Stadt Hamburg.
Zur Erreichung einer Vergleichbarkeit von Daten/Stichproben mit unterschiedlicher Anzahl von
Elementen erfolgen die Angaben in Prozent (z.B. Anteile reproduzierender Tiere der einzelnen Arten).
Für eine Vergleichbarkeit unterschiedlicher Fallenzahlen je Fangreihe, Fallennächte und Fängigkeiten
in den Jahreszeiten und Untersuchungsjahren wurden die Fänge der einzelnen Fangreihen jeweils auf
100 Fallennächte bezogen (Tiere/100 FN).
Alle Maße werden in Gramm bzw. Millimeter [g, mm] angegeben, wenn nichts anderes vermerkt
wurde.
In den Tabellen mit den Körpermaßen werden folgende Abkürzungen und Maßeinheiten verwendet:
n = Stichprobengröße für die jeweiligen Maße
Stabw. = Standardabweichung vom Mittelwert
Km = Körpermasse [g]
Hf = Hinterfußlänge [mm]
SW = Schwanzlänge [mm]
Ohr = Ohrlänge alle [mm]
KR = Kopf-Rumpf-Länge [mm].
Da die Verteilung der Körper-Massen und -Maße nicht unbedingt einer zweiseitigen Normalverteilung
folgt, wird neben dem Mittelwert jeweils auch der Median angegeben. Der Mittelwert dient dabei dem
Vergleich zu Angaben in der Literatur.
Zu den Strukturen, in denen die Fallenreihen placiert waren, wurden aussagefähige digitale Photos
erstellt. Die Benennung der Photos beinhaltet die Fangstreckenbezeichnung sowie die Initialen des
Bildautors und die Nummer des Photos laut Kamera-Zählung (z. B. B 09_C 09_he_6275).
41
Alle Angaben und Zahlen zur Stadt Hamburg, alle verwendeten Internet-Quellen, einige der
Literaturquellen und Praktikumsarbeiten der Universität Hamburg; alle eigenen Daten, shape-Dateien
mit den Darstellungen der Nachweise sowie Fallenstandorte und der Suchstrecken ohne Nachweise,
die Dateien mit den Biotopkartierungen der Abteilung Naturschutz der BSU sowie alle Photos zu den
befangenen Strukturen, Fangstrecken, Landschafts- und Bodenstrukturen usw. sind neben den
Verweisen im Text auf der Daten-DVD zusammengestellt.
Alle Photos im Bericht sind vom Autor des Gutachtens, soweit nicht anders vermerkt.
3.5.2.1 Berechnungen der Präferenzindices
Präferenzen für einzelne Strukturen werden nach Ivlev´s Electivity Index (zit. in KREBS 1989)
berechnet aus
Ei= (ri-ni) / (ri+ni)
für
ri = Anteil der Nutzung der Struktur i; hier als ri = Anteil der Fänge aller Mäuse einer Art in Struktur i
und
ni = Anteil der Struktur i in der Natur; hier als ni = Summe aller Fallennächte in der Struktur i für
i=Sand, Auenlehm usw. oder Parks, Friedhöfe, Weihholzaue, Gärten...
Dies ist eine nicht-lineare Funktion mit Werten zwischen E i=1 als vollständige Präferenz und Ei=–1 als
vollständige Meidung (Beispiele s.u.).
Aus
allen
Zufallsbeobachtungen,
Totfunden,
Hinweisen
aus
der
Bevölkerung
sowie
den
Gewöllanalysen lassen sich keine Präferenzen für durch die Kleinsäuger bevorzugte oder gemiedene
Strukturen berechnen.
Für die Lebendfänge können Präferenzen nur mit Einschränkungen bestimmt werden, weil die
Fallenstandorte nicht nach der Verteilung der einzelnen Boden- oder Nutzungsstrukturen innerhalb der
Fläche von Hamburg und auch nicht als repräsentative Auswahl davon ausgewählt wurden. Die
Auswahl erfolgte vielmehr nach der höchsten Nachweiswahrscheinlichkeit möglichst vieler Arten und
daher anteilig häufiger in nicht urbanen, vielfältigen Strukturen, die nicht gut für die Bevölkerung
zugänglich waren (s. Kap. 3.2, S. 25ff).
Deshalb werden die Präferenzindices berechnet als Präferenzen bzw. Meidungen nach den Anteilen
der Fänge der einzelnen Arten bezogen auf die Anteile aller Fallennächte in den jeweiligen Strukturen.
Als Strukturen werden einerseits unterschiedliche Böden betrachtet, andererseits verschiedene
Nutzungstypen (s. Kap. 3.4.2, S. 38).
Zu den Nutzungstypen werden vergleichend die Naturschutzgebiete ergänzt. Der Status als
Naturschutzgebiet sagt jedoch nichts aus zur Nutzungsstruktur der Fläche. Es können Wiesen,
Bruchwälder, Wälder, Auen oder andere Strukturen unter Schutz stehen. Deshalb werden die Fänge in
NSG bei der Berechnung der Anteile der Nutzungsstrukturen nicht berücksichtigt.
Zu den Berechnungen der Präferenzen zwei Beispiele:
Es wurden 16,21 % aller Fallennächte in den Marschen gestellt und 52,67 % aller Fallennächte auf
trockenen Böden (Sand s.l.). Diese Anteile werden in der Berechnung als
n = Angebot der Struktur für i=Marschen bzw. i=Sand betrachtet.
Es fingen sich auf trockenen Böden insgesamt 39,49 % aller Rötelmäuse, was r=Anteil der Nutzung
der angebotenen Struktur i=„Fallen auf Sand“ durch die Rötelmäuse entspricht (entsprechend für
riMarschen=31,21 % der Fänge).
42
Setzt man jeweils beide Werte in die o.g. Formel ein, ergibt sich für:
EiSand=(39,49-52,67)/(39,49+52,67)= -0,14, also eine leichte Meidung von Fallen auf trockenen Böden
durch Rötelmäuse, was nachvollziehbar ist, weil der Anteil der Fänge von Rötelmäusen unter dem
Anteil der Fallennächte auf Sand liegt.
Für die Marschen ergibt die Berechnung entsprechend:
EiMarschen=(31,21-16,21)/(31,21+16,21)= +0,32, also eine spürbare Präferenz bei den Fängen in
Marschen durch Rötelmäuse. Rötelmäuse bevorzugen also nach den Fangergebnissen Marschen.
Werden auf/in einer betrachteten Struktur keine Tiere einer Art gefangen, ergibt sich ein Wert für
Ei= -1, also eine vollständige Meidung.
Andererseits ist die Präferenz um so größer, je höher der Anteil der gefangenen Tiere einer Art über
dem Anteil der Fallennächte in der Struktur ist. So ergab sich der höchste aller bestimmten
Präferenzwerte für die Hausspitzmaus für Brachen in/an Gewerbegebieten mit E i=0,98 bei 75 % aller
gefangenen Hausspitzmäuse auf Brachen, auf denen aber nur 0,69 % der Fallennächte gefangen
wurde.
Bei gleichen Anteilen von Angebot und Nutzung ergibt sich für die Präferenz ein Wert von Ei = 0, also
eine Nutzung entsprechend der Verfügbarkeit.
Der große Vorteil dieser Berechnungsmethode ist die Skalierung zwischen –1 und +1, die die
Präferenzen untereinander vergleichbar werden lässt.
In dem gesamten Gutachten werden die Begriffe Meidung, Präferenz oder bevorzugt bzw. gemieden
immer in diesem mathematischen Sinne genutzt (s. Begriffe, S. 6ff).
3.6
Anmerkungen zur Haftung und zu verwendeten Seiten im Internet
Innerhalb des Gutachtens sind eine Reihe von Informationen aus dem Internet verwendet. Die
Quellen sind in der allgemein üblichen Form als Nennung der Internetseite (Link) angegeben. Da jeder
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haftungsrechtlich relevant sind oder gegen die allgemein gültigen Moralvorstellungen oder guten
Sitten verstoßen.
43
4
Ergebnisse und Diskussion
In dem Zeitraum von Mai 2011 bis Januar 2014 gelangen im Stadtgebiet von Hamburg in
158 Fangreihen mit Lebendfallen an über 2.590 Fallenstandorten (zumeist Fallenpaare) in 9.811
Fallennächten insgesamt 1.933 Fänge von Kleinsäugetieren. Das entspricht durchschnittlich
19,8 Fängen/100 Fallennächte.
Dabei wurden 12 Arten von Kleinsäugetieren durch die Fänge nachgewiesen (s. Kap. 4,1, S. 45ff ).
An Hand von körperlichen Merkmalen konnten 79 Wiederfänge ermittelt werden, davon 2 Tiere mit je
2 Wiederfängen. Es wurden demnach insgesamt 1.851 Kleinsäugetiere in den Lebendfallen gefangen.
Neben den Fängen wurden über Gewölle, Totfunde, Spuren, Direktbeobachtungen oder Nestfunde
weitere kleine Säugeiterarten in Hamburg nachgewiesen, so dass innerhalb des vorliegenden
Gutachtens Aussagen zu 22 der Liste der beauftragten 23 Arten möglich sind (s. Tab. 1, S. 16). Zum
Siebenschläfer gelangen keinerlei Nachweise.
Insgesamt wurden durch alle angewandten Methoden 38 Arten in Hamburg nachgewiesen. Die Daten
außerhalb der Liste der Tab. 1 gehen als Nachweise ohne weitere Auswertungen in das Artkataster
der Abt. Naturschutz der BSU ein.
Die weitaus dominanteste und am weitesten verbreitete Art in den Lebendfallen war die
Gelbhalsmaus, die in 80,4 % der Fangreihen nachgewiesen wurde. Die Wald- und Hausspitzmäuse
(jew. 13) sowie die Zwergmaus und die Erdmaus (jew. 11 Exemplare) wurden am seltensten in den
Fallen gefangen (s. Kap. 4.1, S. 45ff). Außerdem fingen sich insgesamt 9 Mauswiesel in den
Lebendfallen, die alle am Fangort wieder freigelassen werden konnten.
Die Fangreihen der Lebendfallen waren so verteilt, dass in 229 der 239 Rasterquadrate mit 2 km
Kantenlänge, die auf die Karte von Hamburg gelegt wurden, gefangen wurde. Insgesamt liegen durch
die Lebendfallenfänge aus 206 der 239 Rasterquadrate Nachweise von Kleinsäugetieren aus der hier
erarbeiteten Studie vor (s. Abb. 1, S. 2; Tab. 3, S. 45). Das sind 86,2 %.
Neun randliche Raster, meist mit nur geringem Flächenanteil an Hamburg, sowie das Quadrat, in dem
die Hafencity liegt (J 11), wurden nicht befangen. In 23 Rasterquadraten fingen sich keine
Kleinsäugetiere (Abb. 18, S. 51). Davon waren 16 Fangreihen über die Grenze zweier Rasterquadrate
gestellt, es konnten jedoch nur in einem der beiden Raster Kleinsäugetiere gefangen werden.
Im Umfeld von 25 Fangstrecken der Lebendfallen wurden unmittelbar an Gewässerufern zusätzlich
zwischen vier und fünfzehn Ratten-Schlagfallen gezielt für den Fang von Schermäusen eingesetzt. Es
gelang jedoch nur ein einziger Nachweis einer Schermaus über die Fallen – als Sichtbeobachtung beim
Ausräubern einer Lebendfalle.
Darüber hinaus wurden Gewölle aus 21 Aufsammlungen von 11 Standorten in Hamburg untersucht,
vornehmlich aus den Vier- und Marschlanden. Vom Ohlsdorfer Friedhof und dem Stadtpark lagen
einzelne Gewöllaufsammlungen aus dem Bearbeitungszeitraum von Gewöllen seit 1.1.2000 vor. In den
Gewöllen wurden insgesamt 14 Arten in zusammen rund 700 Beutetieren nachgewiesen.
Neben den Fängen und Gewöllanalysen wurden sonstige Hinweise auf kleine Säugetiere gesammelt,
v.a. von Verkehrsopfern und Direktbeobachtungen sowie Hinweisen aus der Bevölkerung. Hierbei
nahmen die gut zu beobachtenden Arten einen deutlich größeren Stellenwert ein als bei den Fängen
und in den Gewöllen. Auf diese Art gelangen Nachweise einer Reihe weiterer Arten, die nicht in den
Gewöllen und Lebendfallen vertreten waren, wie Igel, Wildkaninchen, Hermelin, Steinmarder und
44
Maulwurf. Vor allem Eichhörnchen wurden über eigene Beobachtungen und Befragungen in vielen
Bereichen der Stadt nachgewiesen (vgl. Artkapitel, Anhang II). Aus der Literatur und aus Arbeiten an
der Universität Hamburg konnten einige Nachweise ergänzt werden.
Tab. 3:
Summen der Rasterquadrate á 2 km in Hamburg mit und ohne Kleinsäugerfänge von
Mai 2011 bis Januar 2014
Anzahl 2-km-Raster für Hamburg
davon mit Fangversuchen
nicht befangen
im Randbereich
im Innenstadtbereich
Befangen aber ohne Ergebnis
Raster mit Kleinsäugerfängen
Anzahl Fangstrecken gesamt
Durchschnittliche Anzahl Fallen/Fangstrecke
Durchschnittliche Anzahl Fallen/befangene Raster
Durchschnittliche Anzahl Fallennächte/befangene Raster
Durchschn. Fallennächte/Fangserie
Durchschnittliche Fänge/100 Fallennächte
239
229
9
1
23
206
158
31,2
21,5
42,7
61,9
19
Über einen Zusatzvertrag konnte eine größere Anzahl von möglichen Lebensräumen für Haselmäuse
und Zwergmäuse auf das Vorhandensein von Freinestern abgesucht werden. Dabei konnten im Winter
2011/12 an 3 Standorten im östlichen Randbereich von Hamburg Haselmausnester gefunden werden.
Zeitlich parallel dazu gelangen HAAK (2012) sowie EHLERS & HAAK (pers. Mitt.) Nachweise der
Haselmaus an einem vierten Standort. Mit dem in der BSU seit 2008 bekannten sind damit
5 Vorkommen der Art in Hamburg bekannt.
Zwergmausnester wurden in den Wintern 2012/2013 und 2013/14 im östlichen, nördlichen und
westlichen Randbereich an mehreren Stellen gefunden.
4.1
Fänge von Kleinsäugetieren
Der Hauptschwerpunkt der vorliegenden Arbeit lag auf den Fangversuchen von Kleinsäugetieren der
Insektenfresser und Nagetiere mit Lebendfallen. Dabei profitierten die Fangmöglichkeiten deutlich von
der
weiten
Verbreitung
von
Landwirtschafts-
und
Gartenbauflächen;
Parks
und
Wäldern;
Gewässerrandstreifen und Brachen sowie Hausgärten und Kleingartenanlagen in der grünen Stadt
Hamburg (s. Kap. 2.2, S. 19; Abb. 9, S. 24; Abb. 17, S. 50).
So konnten von den 158 Fangreihen mit Lebendfallen 125 in nicht urbanen Strukturen gestellt
werden. Nur 16 Fangreihen im unmittelbaren Stadtkern, in Gewerbegebieten und einzelnen
Hausgrundstücken wurden rein urbanen Strukturen zugerechnet; 17 Fangstrecken hatten sowohl
urbane als auch nicht urbane Strukturen. Dabei weicht die Einstufung als nicht urban gegenüber
urban von den Darstellungen der Biotopkartierung der Abt. Naturschutz ab (s. Abkürzungen und
Begriffe, S. 6ff sowie Kap. 3.4.1, S. 37).
Sieben der acht ausgewerteten Fangreihen mit Schlagfallen waren in nicht urbanen Strukturen
placiert. Eine wurde wegen des unmittelbar neben dem Graben verlaufenden Weges als teilweise
urban betrachtet. Da sich in diesen Fallen nur einzelne Wanderratten als zusätzliche Nachweise zu den
Lebendfallen fingen, wurden diese Ergebnisse bei den Fallenfängen mit ausgewertet.
45
Die
durch
die
Fallenfänge
nachgewiesenen
Arten
und
Individuenzahlen
sind
in
Tab. 4
zusammengestellt, die Anzahlen und Anteile der Fangserien und Raster mit den einzelnen Arten in
Tab. 5. Darin sind die 79 Wiederfänge nicht einbezogen. Die Verbreitungs- bzw. Nachweiskarten der
einzelnen Arten sind an die jeweiligen Artkapitel angefügt (s. Anhang II).
Die Gelbhalsmaus ist an Hand der Lebendfänge dieser Studie die am weitesten verbreitete und
häufigste Kleinsäugetierart in Hamburg. Sie wurde in 81,5 % der Fangreihen bzw. in 89,3 % der
Rasterquadrate mit Kleinsäugerfängen nachgewiesen und stellt 61 % aller gefangenen Tiere.
Gelbhalsmäuse wurden mit 1.132 Tieren fast dreimal so oft in den Fallen gefangen wie die
zweithäufigste Art, die Rötelmaus (395 Tiere), die in 55,7 % der Fangreihen und 52,8 % der Raster
ebenfalls sehr weit verbreitet ist.
Das Nachweisbild der 128 gefangenen Waldmäuse in 26 % der Fangreihen und 24 % der Raster ist
nicht mehr geschlossen. Mit nur rund 7 % der gefangenen Tiere war sie bei weitem nicht so
regelmäßig in den Fallen wie die beiden häufigeren Arten.
Insgesamt 26 Tiere konnten als lebendes Tier nicht eindeutig als Gelbhals- oder Waldmaus bestimmt
werden. Diese sind bei der Darstellung der Artvorkommen nicht berücksichtigt.
Die Brandmaus fing sich nur saisonal insgesamt 86mal in den Lebendfallen und stellt damit 4,6 % der
gefangenen Tiere. Ihr Verbreitungsbild war wie das der noch seltener gefangenen Arten nicht
geschlossen. Alle anderen nachgewiesenen Arten hatten nur einen Anteil von höchstens 1 % der
gefangenen Tiere (s. Tab. 4) und werden damit nur als gelegentliche Fänge gewertet.
Tab. 4:
In den Lebendfallen von Mai 2011 bis Januar 2014 in Hamburg gefangene Kleinsäugetiere
der einzelnen Arten und Geschlechter (ohne Wiederfänge)
nicht
Tiere Anteile Männchen Weibchen erkennbar
n
[%]
n
n
n
Sorex araneus
Waldspitzmaus
13
0,70
13
Crocidura russula
Hausspitzmaus
13
0,70
13
Arvicola amphibius
Schermaus
1
0,05
1
Myodes glareolus
Rötelmaus
395
21,44
117
257
21
Microtus agrestis
Erdmaus
11
0,59
3
8
Microtus arvalis
Feldmaus
19
1,02
13
6
Micromys minutus
Zwergmaus
11
0,59
4
4
3
Apodemus agrarius
Brandmaus
86
4,63
52
33
1
Apodemus flavicollis 1132
Gelbhalsmaus
60,99
536
550
46
Apodemus sylvaticus 128
Waldmaus
6,90
62
64
2
Wald-/Gelbhalsmaus
24
1,40
9
15
Rattus norvegicus
Wanderratte
9
0,48
2
2
5
Mustela nivalis
Mauswiesel
9
0,48
1
8
Summe
1851
100
799
939
115
Arten
wiss. Name
* Nachweis der Schermaus aus einer Sichtbeobachtung an einer Lebendfalle.
46
Tab. 5:
Anzahl der Fangreihen und Rasterquadrate mit Nachweisen der gefangenen Arten sowie
Anteile der Fangreihen in urbanen und teilweise urbanen Strukturen
Raster mit
Anzahl Fangreihen Fangreihen Anteil Nachweisen
und Raster
n
[%]
n
Gesamt
158
100
229
Waldspitzmaus
10
6,33
11
Hausspitzmaus
3
1,90
5
Schermaus
1
0,63
1
Rötelmaus
88
55,70
121
Erdmaus
8
5,06
6
Feldmaus
9
5,70
8
Zwergmaus
9
5,70
8
Brandmaus
14
8,86
18
Gelbhalsmaus
127
80,38
201
Waldmaus
41
25,95
55
Wanderratte
5
3,16
4
Mauswiesel
9
5,70
9
Apod. Spec.
20
Anteil davon urban teilweise urban
[%]
n
[%]
n
[%]
100 16
17
4,80
2,18 1
6,25 1
5,88
0,44
52,84 6
37,50 8
47,06
2,62 1
6,25
3,49
3,49 1
6,25 1
5,88
7,86
87,77 8
50,00 13
76,47
24,02 5
31,25 5
29,41
1,75
1
5,88
3,93 1
6,25
8,73
4.1.1 Räumliche Verteilung der Fangstrecken und der Fänge
Einen Überblick über die Lage der Fangstrecken und der Kleinsäugerfänge als Summe aller Arten über
das Stadtgebiet von Hamburg geht aus der Karte der Abb. 1 (S. 2) hervor. Die räumliche Verteilung
der Nachweise der einzelnen Arten ist in den Karten der Artkapitel im Anhang II zusammengestellt.
Nach ersten Fängen von Kleinsäugetieren in einer als Vorstudie gewerteten Fangserie im Frühjahr
2011 wurde die Methode den strukturellen Gegebenheiten der Landschaft und den Nutzungsformen
von Hamburg angepasst. Durch die Änderung der Methode wurden, wo immer möglich, die
Fangstrecken über die Grenze zweier Rasterquadrate hinweg gestellt mit insgesamt möglichst
40 Fallen/Fangreihe für zwei Nächte.
Es wurden in insgesamt 229 der 239 Rasterquadrate der Stadt Fangversuche unternommen. Das sind
95,8 % der Rasterflächen mit Flächenanteil an der Stadt Hamburg. In 9 randlich gelegenen Rastern
wurde aus Kapazitätsgründen nicht gefangen. Im Allgemeinen waren die randlichen Raster jedoch für
die Fänge von großem Interesse, da einerseits in vielen Bereichen der Biotopverbund zur
umliegenden, nicht urbanen Landschaft in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gegeben ist,
andererseits daraus eine erhöhte Artenvielfalt und ggf. Individuenzahl zu erwarten war.
Im Raster J 11, in dem die Hafencity liegt, war laut Karte nur eine „Grünfläche“ verzeichnet, die bei
der Kontrolle vor Ort am 10.11.2013 die Struktur laut Abb. 16 (S. 48) hatte. Darüber hinaus wurden
keine geeigneten Flächen in diesem Raster ermittelt, die einen Fangversuch erlaubt hätten.
Von den 229 Rastern mit mindestens einer Fangstrecke (bzw. Teilstrecke bei der Lage der Fangreihen
über die Grenze zweier Raster) fingen sich in 206 Rastern Kleinsäugetiere in den Lebend- bzw.
Schlagfallen. Das sind 86,2 % aller Rasterquadrate, die Hamburg betreffen. Aus der Karte der Abb. 1
(S. 2) wird ersichtlich, dass die Fangstrecken als Probeflächen annähernd gleichmäßig über die Stadt
verteilt sind. Bei den Fängen ergaben sich nur im Norden in den Rastern L 01, L 02 und M 01, M 02
sowie zentral in den Rastern K 11, K 12 zusammen mit dem nicht befangenen Quadrat J 11 größere
Flächen, in denen trotz Fangversuchen keine Nachweise von Kleinsäugetieren gelangen (s. Abb. 18,
S. 51). Außerdem ergibt sich auffällig ein Streifen entlang des Rasterstreifens 09, beginnend mit H 09
47
über I 09 und dann weiter mit L 09 bis zum Ostrand von N 09, wo sich keine Kleinsäugetiere fingen,
obwohl in zeitgleichen Fängen in anderen Reihen Tiere nachgewiesen wurden.
Alle anderen Fangstrecken ohne Fänge betrafen entweder nur einzelne Rasterquadrate (z.B. K 06)
bzw. eines von zweien der Fangstrecke (z.B. A 08_A 09) und/oder wurden durch Fänge im gleichen
Raster ergänzt (z.B. in S 15).
Neben der flächigen Verteilung der Fangstrecken wurde versucht, die Methode nach verschiedenen
Gesichtspunkten abzusichern (s. Kap. 4.4.1, S. 80). Außerdem werden die Fänge ergänzt durch
Gewölluntersuchungen sowie Beobachtungen und Totfunde verschiedener Arten und Literaturhinweise
(s. Kap. 4.2, S. 72; Kap. 4.3; S. 74), so dass die Ergebnisse insgesamt sicher eine gute Datenbasis zur
Aussage der Verbreitung verschiedener Kleinsäugetierarten in Hamburg im Bearbeitungszeitraum Mai
2011 bis Januar 2014 bilden.
Abb. 16: Dynamik einer „Grünfläche“ in der Hafencity, Raster J 11, 10.11.2013
48
4.1.2 Fangdichten und Artenzahlen
Die Tab. 5 (S. 47) gibt einen Überblick über die Anzahlen der Tiere der über die Fänge
nachgewiesenen Arten. In der Karte der Abb. 18 (S. 51) sind die durch die Fänge ermittelten
Artenzahlen je Raster zusammengefasst. Die Fangdichten sind als gefangene Tiere/100 Fallennächte
(in Klassen: 0, bis 5 Tiere/100 FN, >5-10/100 FN usw.) in Abb. 19 (S. 51) dargestellt. Die
zusammenfassende
Diskussion
der
durch
die
Arten
bevorzugten
bzw.
gemiedenen
Lebensraumstrukturen erfolgt in Kap. 4.1.4.4 (S. 65).
In 26 Rasterquadraten konnten keine Mäuse gefangen werden. Durch die Fallenfänge konnten
maximal vier Arten in einem Raster nachgewiesen werden, in verschiedenen Rastern jedoch
unterschiedliche Arten.
Insgesamt 11 der 15 Raster mit der höchsten Zahl von jeweils vier gefangenen Arten liegen im
Randbereich von Hamburg, und zwar im Südwesten, Süden, Osten und Norden (s.u.). Der größte
Anteil der Raster ohne Fänge bzw. mit nur 1-2 nachgewiesenen Arten liegt dagegen im Stadtzentrum
und im Norden.
Auffallend ist außerdem die Tendenz der Zunahme der Fangdichten vom Stadtzentrum hin zur
Peripherie – jedoch nur im südwestlichen, südlichen und östlichen Bereich von Hamburg. Im
gesamten westlichen und nördlichen Randbereich liegen in dem randlichen Streifen von jeweils 2-3
Rastern nur einzelne Abschnitte mit mehr als 20 Tieren/100 FN (Abb. 19, S. 51).
Die absoluten Fangzahlen in einzelnen Fangreihen liegen zwischen (0) 1 und 44 Mäusen/ Rasterfläche
bei entsprechend 0 bis über 70 (!) Fängen/100 FN. Die maximale Zahl von Fängen je
zusammenhängender Fangserie in 2 Rasterquadraten liegt im NSG Höltigbaum (P 06_Q 06) im
Oktober 2012 bei 54 Fängen in 40 Fallen in 2 Nächten.
Die höchsten Fangdichten pro Rasterquadrat ergaben sich mit 73,3 Tieren/100 FN am Tatenberger
Deich am Rand eines Bruchwaldes (Raster M 14); mit 67,5 Fängen /100 FN im NSG Höltigbaum
(P 06_Q 06 in der gesamten Fangreihe über beide Raster) sowie mit 61,7 Fängen/100 FN in einer der
Fangreihen im Bereich der Brunnenreihe der Wasserwerke Curslack (R 16). Der höchste Wert für eine
Teil-Fangserie liegt mit 75 Fängen/100 FN am Nordufer der Gose Elbe in Höhe Neuengammer
Hinterdeich (Q 17). Dieser Wert wird rechnerisch vermindert durch eine 2. Fangreihe im gleichen
Raster mit geringerem Erfolg. Nur der daraus bestimmte niedrigere Gesamtwert erscheint in Karte der
Abb. 19, S. 51.
Sechs von 15 Rastern mit jeweils vier gefangenen Arten sowie drei der 4 Fangstrecken mit den
höchsten Fangdichten liegen in den Vier- und Marschlanden im Südosten von Hamburg.
Bemerkenswert ist dabei ein Bereich in den zusammenhängenden Rastern L 13_M 13_N 13/
L 14_M 14_N 14 zwischen den Vier- und Marschlanden und der Innenstadt bzw. dem Hafen (s.
Abb. 18, S. 51 und Abb. 20, S. 52). Hier liegt ein sehr heterogen strukturierter Komplex, der neben
naturnahen Bereichen u.a. das Autobahndreieck HH Südost Moorfleet, die Spülfläche Feldhofe, ein
ausgedehntes Logistikzentrum bis zum alten Bahndamm Billwerder beinhaltet. Dieser Flächenkomplex
erbrachte durch die Fänge und sonstigen Nachweise eine hohe Artenzahl von jeweils vier Arten in den
Lebendfallen in drei Rastern und einer hohen Individuenzahl in der Fangserie L 14_M 14. Dies wird
ergänzt durch die Nachweise der Haselmaus und der Zwergmaus (HAAK 2012; EHLERS & HAAK pers.
Mitt.) und die Totfunde je einer Hausspitzmaus (G. SCHÄFERS) und Waldspitzmaus am alten Bahndamm
Billwerder sowie die einzige Beobachtung einer Schermaus in Hamburg am Tatenberger Deich.
49
Im eigentlichen städtischen Bereich fallen die meisten der in Hamburg nur selten gefangenen Arten
fast vollständig aus und es gibt neben den häufigen Gelbhals- und Waldmäusen (und der
Wanderratte) kaum andere Nachweise. Auch die zweithäufigste gefangene Art, die Rötelmaus, fehlt
im urbanen, innerstädtischen Bereich sowie in weiten Teilen des Hafens (fast) vollständig (s. Abb. 21,
S. 52). Hier wurden praktisch nur noch die Wald- und die Gelbhalsmaus gefangen – und zwei der vier
Fang-/Fundorte der Hausspitzmaus liegen hier.
Abb. 17: Sehr gut geeignete Fangstruktur im ländlichen Raum der Millionenstadt - parallel der A 7 in
Schnelsen vom Wald über die Brache in die Feldfläche bei der Eiche (G 05_G 06).
50
Abb. 18: Durch die Lebendfänge ermittelte Artenzahlen je Raster in Hamburg von Mai 2011
bis Januar 2014.
Abb. 19: Fangdichten (als Tiere/100 FN) der in Lebendfallen gefangenen Kleinsäugetiere je Raster in
Hamburg.
51
Abb. 20: Sehr heterogen geprägter Flächenkomplex mit hoher Artenzahl und lokal hoher
Individuendichte zwischen Vier- und Marschlanden, Stadtbereich und Hafen (DGk5Rasterung, Kartengrundlage: Disk-Rast 1:20.000; BSU).
Abb. 21: Allgemeine Verbreitung der Rötelmaus in nicht urbanen Biotopkomplexen und weitgehendes
Fehlen der Art im Zentrum und im Hafen von Hamburg seit dem Jahr 2000.
52
4.1.3 Fangerfolg in den Jahreszeiten und Untersuchungsjahren
Der Erfolg der Fänge von Kleinsäugetieren in Hamburg mit Lebendfallen zeigte deutliche
Schwankungen über die Jahreszeiten und zwischen den Untersuchungsjahren.
Im Jahresdurchschnitt lag der Fangerfolg im Jahr 2012 mit 32,3 Fängen/100 Fallennächte am
höchsten. Im Jahre 2013 wurden hingegen nur durchschnittlich 13,1 Mäuse in 100 Fallennächten
gefangen, 2011 lag der Fangerfolg bei 20,2 Fängen/100 Fallennächte (s. Tab. 6). Über den gesamten
Zeitraum von Mai 2011 bis Januar 2014 fingen sich durchschnittlich 18,9 Kleinsäuger/100 Fallennächte
(ohne Wiederfänge).
Tab. 6:
Monatliche und jährliche Fallenzahlen, Fallennächte, Anzahl gefangener Tiere, Artenzahlen
und Fangdichten (als Fänge/100 FN) der Lebendfänge in Hamburg von Mai 2011 bis
Jan 2014
Monat Fallenzahl Fallennächte Fänge Fänge/100 FN
Mai 11
65
130
14
10,77
Jul 11
100
200
11
5,50
Aug 11
170
330
74
22,42
Okt 11
150
300
95
31,67
Ges. 11
485
960
194
20,21
Mai 12
40
80
27
33,75
Jul 12
93
186
17
9,14
Aug 12
180
360
135
37,50
Sep 12
420
800
279
34,88
Okt 12
330
660
219
33,18
Nov 12
160
320
101
31,56
Ges. 12
1223
2406
778
32,34
Feb 13
80
200
21
10,50
Mrz 13
178
356
7
1,97
Jun 13
299
598
77
12,88
Aug 13
120
240
29
12,08
Sep 13
550
1200
130
10,83
Okt 13
426
852
114
13,38
Nov 13
1156
2253
340
15,09
Dez 13
246
428
87
20,33
Ges. 13
3055
6127
805
13,14
Jan 14
169
318
74
23,27
Ges.
4932
9811
1851
18,87
Artenzahl
3
5
5
6
8
3
3
4
6
7
2
10
4
3
6
3
7
7
7
7
10
4
12
In den Monatssummen unterliegen die Anzahlen der Fänge/100 Fallennächte sowie die Anzahl der
durch die Fänge nachgewiesenen Arten saisonalen Schwankungen (Abb. 21, S. 52; Abb. 22; S. 55).
Nach den hier ausgewerteten Fängen in Hamburg sank der Fangerfolg vom Herbst zum Frühjahr mit
geringen Fangzahlen/100 Fallennächte jeweils im Februar-März (im April wurde nicht gefangen), stieg
im Mai erstmals an, um dann im Juni-Juli noch einmal deutlich zurückzugehen. Der größte Fangerfolg
mit den meisten Arten und meisten Fängen/100 Fallennächte stellte sich in den Herbstmonaten ein.
Von (August) September bis Oktober (Dezember) mit durchschnittlich 13,4 bis knapp 40 Fängen/100
Fallennächte war in allen drei Untersuchungsjahren der Fangerfolg im Herbst am höchsten. Auch die
53
absoluten Höchstwerte von 60 und mehr Fängen/100 FN in einzelnen Fangreihen (n=6) lagen von
Ende August bis Ende November, davon vier im Oktober 2012.
Dabei waren die Schwankungen um so ausgeprägter, je größer die Mäusedichte in dem
Untersuchungsjahr insgesamt war (s. 2012, Abb. 21, S. 52) und die Schwankungen werden
maßgeblich durch die jeweils häufigsten Arten bestimmt, also in der Regel durch die Gelbhals- und die
Rötelmaus. In den meisten Monaten mit Fängen von (deutlich) mehr als 20 Tieren (und
>20 Fängen/100 FN) erbringen diese beiden Arten zwischen 74 und 97,5 % der monatlich
gefangenen Tiere.
Die Nachweiswahrscheinlichkeit aller in einem Gebiet vorkommenden Kleinsäugetier-Arten über
Gewölle ist um so größer, je geringer die Populationsdichte der (2-3) häufigsten Arten ist, weil die
Eulen dann auf Tiere anderer Arten ausweichen müssen ("alternative prey hypothesis" nach
ANGELSTAM et al. zit. in KORPIMÄKI et al. 1990). Anders ist dies nach den Fängen in Hamburg. Hier
hatten weniger häufige Arten trotz in mehreren Monaten sehr starker Dominanz von Gelbhals- und
Rötelmaus durchaus eine Chance, gefangen zu werden. Dabei lässt sich kein Muster erkennen, wie
viele und welche Arten in welchen Monaten nachgewiesen werden können außer den o.g.
jahreszeitlichen Schwankungen. Während die insgesamt nur 9 Nachweise des Mauswiesels relativ gut
verteilt über den Untersuchungszeitraum gelangen, traten einzelne Arten nur in bestimmten Monaten
und nicht in allen Jahren auf:
So gelangen z.B. von der Brandmaus im Jahre 2011 nur im August und Oktober Fänge, wo die Art
plötzlich 41 bzw. 25 % der gefangenen Tiere stellte. Daraufhin verschwand die Art aus den
Lebendfallen. Es wurden jedoch am 17. Januar 2012 zwei Tiere auf einer Waldlichtung in Raster R 15
beobachtet. Im Juli 2012 waren dann plötzlich wieder 54 % der gefangenen Tiere Brandmäuse. Dann
blieb die Anzahl der monatlich gefangenen Tiere mit 7 bis 11 bis in den Herbst etwa gleich. Durch die
jahreszeitlich ansteigende Anzahl der Fänge anderer Arten sinkt jedoch der Anteil der Brandmaus. Von
November 2012 bis Januar 2014 wurde dann keine einzige weitere Brandmaus gefangen.
Ähnlich diskontinuierlich ist die Nachweissituation bei allen selten gefangenen Arten, die zum Teil nur
mit größeren zeitlichen Lücken in den Fallen auftauchten. Das erstaunt v.a. bei der Feldmaus, für
deren Nachweise nach dem kompletten Ausbleiben von Fängen im Frühjahr 2012 ab Sommer 2012 bis
Herbst 2013 gezielt Randlagen von Feldern, Feldrandstreifen (besonders nach der Ernte), Deiche und
Wiesen in die Fangstrecken integriert wurden (mit nur einem Nachweis im Juni und 2 im September
2013). Das Ausbleiben der Feldmaus in den Fängen im Jahre 2012 steht dabei im Gegensatz zur
Dichte der Art z.B. in Sachsen-Anhalt, wo auf rund 200.000 ha massiver Befall festgestellt und wegen
Überschreitung der tolerierbaren Populationsdichte für 40.000 ha eine Bekämpfung beantragt wurde
(LLFG 2013). Auf den Elbdeichen wird die Feldmaus in Hamburg regelmäßig kontrolliert und ggf.
bekämpft (s. Kap. 4.1.4.2, S. 59ff).
Letztlich sind jedoch die Hinweise auf die seltenen Arten von bis zu 20 gefangenen Tieren im
gesamten Untersuchungszeitraum nur als Einzelnachweise zu werten, eine saisonale Auswertung
erübrigt sich hierbei.
Aus Abb. 23 (S. 55) geht außerdem hervor, dass in keiner Jahreszeit – weder in einem der
Untersuchungsjahre noch kumulativ über den Bearbeitungszeitraum - das gesamte Spektrum der
12 insgesamt durch die Fänge nachgewiesenen Kleinsäugetiere gefangen wurde. Die Gesamtartenzahl
54
ergibt sich erst aus der Summe der Fänge der mehrjährigen Studie und einschließlich aller
angewandten Nachweismethoden.
Ob mit den jetzt vorliegenden Ergebnissen zu 22 Arten in Hamburg das gesamte vorhandene
Artenspektrum an Kleinsäugetieren erfasst ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.
45
40
Fänge/100 FN
35
30
2011
25
2012
2013
20
2014
15
Ges
10
5
0
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Fangmonate
Abb. 22: Fangdichten der monatlich gefangenen Kleinsäugetiere/100 Fallennächte (FN) in Hamburg
von Mai 2011 bis Januar 2014 als Summen aller gefangenen Arten.
14
2011
Artenzahl
12
2012
10
2013
8
2014
6
kummulativ
4
Arten/Jahr
Dez
Okt
Sep
Aug
Jul
Jun
Mai
Apr
Mär
Feb
Jan
0
Nov
2
Monat
Abb. 23: Durch Kleinsäugerfänge monatlich nachgewiesene Artenzahlen in Hamburg von Mai 2011
bis Januar 2014 sowie Artenzahlen/Jahr und Gesamtartenzahl kumulativ.
55
4.1.4 Fangdichten und Artenzahlen in unterschiedlichen Lebensraumstrukturen
Ein Kriterium zur Beurteilung der Notwendigkeit des Schutzes einzelner Arten ist die Betrachtung der
durch die Arten genutzten Lebensraumstrukturen (SCHERZINGER, pers. Mitt.). Dies gilt auch für
Kleinsäugetierarten.
Dazu werden im Folgenden die Fangdichten und die Artenzahlen nach den verschiedenen im Gelände
für das Umfeld der Lebendfangreihen notierten Strukturen ausgewertet. Als Basiswert für die
Fangdichten fungieren jeweils die monatlichen Fänge aller Fangserien, so dass die jahreszeitlichen und
jährlichen Unterschiede in der Fängigkeit berücksichtigt werden können.
Die Lage der Fangreihen war auf die Nachweise der größtmöglichen Artenzahl ausgelegt. Daher wurde
deren Lage wo möglich so gewählt, dass sie als Transekte unterschiedliche Lebensraumstrukturen
beinhalten (s. Kap. 3.2.1, S. 25). Dies spiegelt sich in der Vielfalt der mit den meisten der Fangreihen
befangenen Strukturen wider. Das heißt, dass sich innerhalb einer Fangreihe unterschiedliche
Bodentypen, Vegetationsstrukturen oder Nutzungstypen abwechseln können, die bei den Aufnahmen
der Strukturen festgehalten und hier entsprechend ausgewertet wurden.
Die Auswertung der einzelnen Fangreihen erfolgte nach den vorgefundenen (Haupt-)Strukturen in den
jeweiligen Kategorien. Es sind also bis auf die Einstufung in urban, teilweise urban oder nicht urban
Mehrfachnennungen möglich.
4.1.4.1 Urbane und nicht urbane Strukturen und Landschaften
Die Abb. 24-26, Anhang III, S. 2f zeigen beispielhaft die urbanen, teilweise urbanen und nicht
urbanen Strukturen mit den Fangreihen.
Von den 158 Fangreihen (ohne Schlagfallen), in denen innerhalb der vorliegenden Studie versucht
wurde, Kleinsäugetiere lebend zu fangen, konnten auf Grund der sehr vielfältigen Ausstattung in
Hamburg 125 in nicht urbanen Strukturen placiert werden. Das sind 79 %. Nur 11 % bzw. 10 % der
Fangreihen lagen in teilweise urbanen bzw. urbanen Strukturen (s. Tab. 5, S. 47; s. Abkürzungen &
Begriffe ab S. 6).
In den urbanen Fangserien fingen sich deutlich weniger Tiere/100 Fallennächte als in den (teilweise)
nicht urbanen Strukturen. Dies drückt sich aus im Anteil der Fangserien, die weniger als
durchschnittliche Fangerfolge zeigten:
Bei den Fangserien in nicht urbanen und teilweise urbanen Strukturen lag der Fangerfolg/100
Fallennächte in 53 bzw. 56 % unter dem jeweiligen Jahresdurchschnitt (Tab. 7). Es bestand demnach
nur ein leichter Überhang mit unterdurchschnittlichem Fangerfolg in den wenigstens teilweise nicht
urbanen Strukturen. Demgegenüber lag der Fangerfolg/100 Fallennächten in rein urbanen Strukturen
in 75 % der Fangserien unter den Jahresmittelwerten.
Der Anteil der Fangreihen ohne Fangerfolg lag bei allen drei Strukturtypen sehr ähnlich bei 4,8 %,
5,9 % und 6,2 % (nicht ~, teilweise ~, urban). Es fingen sich also in annähernd gleichen Anteilen in
allen drei Strukturen keine Mäuse in den Lebendfallen (Tab. 7, S. 57).
In den Fangreihen in urbanen Strukturen wurden regelmäßig weniger Arten nachgewiesen als in nicht
urbanen:
In den urbanen und teilweise urbanen Strukturen wurden in 87,5 und 70,6 % der Fangreihen nur
0 bis 2 Arten/Fallenreihe gefangen. In keiner im urbanen Bereich gestellten Fangreihe fingen sich
4 Arten und in nur 2 von 16 Reihen 3 Arten (12,5 %). Dagegen wurden im nicht urbanen Bereich in
73,4 % der Reihen Tiere von 2 bis 4 Arten gefangen (Tab. 8, S. 57).
56
Tab. 7:
Fangerfolg in urbanen, teilweise urbanen und nicht urbanen Fangreihen als Anzahlen und
Anteile der Fangreihen mit Fangdichten unter bzw. über dem jew. Jahresdurchschnitt
keine
Anzahlen
Summen Anteile [%]
Fänge
2011-2014
< Durchschnitt > Durchschnitt
n
< Durchschnitt > Durchschnitt
n
urban
12
4
16
75,00
25,00
1
teilweise urban
9
8
17
52,94
47,06
1
nicht urban
70
54
124
56,45
43,55
6
Tab. 8:
%
6,25
5,88
4,84
Nachgewiesene Artenzahlen in den Fangreihen in urbanen, teilweise urbanen und nicht
urbanen Strukturen
2011-2014
Artenzahl
0
1
2
3
4
Summen
Anzahl Fangreihen
Anteile [%]
urban teilweise urban nicht urban Summen urban teilw. urban nicht urban Gesamt
1
1
6
8
6,25
5,88
4,84
5,10
8
6
27
41
50,00
35,29
21,77
26,11
5
5
53
63
31,25
29,41
42,74
40,13
2
2
27
31
12,50
11,76
21,77
19,75
0
3
11
14
0,00
17,65
8,87
8,92
16
17
124
157
100
100
100
100
Dies spiegelt sich jedoch nicht in den insgesamt nachgewiesenen Arten wider:
Über alle 158 Fangreihen wurden zusammen 12 Arten nachgewiesen. Das ist jedoch ein kumulativer
Wert, der sich nur aus der Summe aller Fänge im gesamten Stadtgebiet und über den gesamten
Untersuchungszeitraum ergibt (vgl. Kap. 4.1.3, S. 53).
In den 16 urbanen Fangreihen wurden zusammen Tiere aus 7 Arten und in den 17 teilweise urbanen
aus 6 Arten gefangen.
Zur Kontrolle der Gesamtartenzahlen in den (teilweise) nicht urbanen Strukturen wurden beispielhaft
aus den insgesamt 158 Fangreihen drei Mal ebenfalls nur 17 Fangreihen zufällig ausgewählt. Darin
wurden 5, 6 bzw. 8 Arten gefangen. Es besteht bei gleicher Stichprobengröße also kein Unterschied in
der kumulativ nachgewiesenen Artenzahl zwischen urbanen Strukturen und allen Fangreihen – oder
anders: bei einer größeren Stichprobe von Fangreihen in urbanen Strukturen könnte sich die
insgesamt dadurch nachzuweisende Artenzahl ebenfalls erhöhen. Dieser Aspekt ist bei allen weiteren
ausgewerteten Strukturen zu berücksichtigen (s. nachfolgende Kap. 4.1.4.2, 4.1.4.3; ab S. 59).
Die Stetigkeit des Auftretens einzelner Arten unterscheidet sich jedoch zwischen den Strukturen (s.
Tab. 5, S. 47). Während die Gelbhalsmaus in 80 % aller Fangreihen bzw. 88 % der Rasterquadrate
vorhanden war, ist sie in urbanen Fangreihen nur in 50 % vertreten. Auch die allgemein in 53-55 %
der Raster/Fangreihen auftretende Rötelmaus fing sich nur in 37,5 % der urbanen Strukturen.
Dem gegenüber stieg der Anteil der gefangenen Waldmäuse von 24 % der Raster in nicht urbanen
über 29,4 % in teilweise auf 31,2 % in urbanen Fangreihen (Tab. 5, S. 47). Dennoch schließen sich
Gelbhals- und Waldmaus nicht aus.
Die seltenen Arten treten hier wie da in einzelnen Fangreihen auf.
Betrachtet man nicht die unmittelbare Lage der Fangreihen in den befangenen Strukturen, sondern im
landschaftlichen Umfeld, dann sinkt die durch die Lebendfänge nachgewiesne Artenzahl im
innerstädtischen, urbanen Umfeld gegenüber den Stadtbereichen mit höherem Anteil nicht urbaner
57
Lebensräume deutlich ab. Das wird z.B. sichtbar an Hand der Verbreitung der Rötelmaus, die in den
meisten Fangreihen im eigentlichen städtischen Landschaftsraum sowie im Umfeld des Hafens fehlt (s.
Abb. 21, , S. 52). Außerdem fehlen im städtischen Landschaftsraum fast alle der seltener gefangenen
Arten – mit 2 Ausnahmen:
In 2 Fangreihen im vollständig umbauten Bereich fingen sich Erdmäuse, davon einmal im Lutherpark
parallel zur A 7 (Bahrenfeld; Fangreihe F 09_F 10) und einmal angrenzend an den Flughafen
Fühlsbüttel in einer Hecke zwischen versiegelten Verkehrsflächen (Fangreihe J 06_J 07, s. Abb. 24,
Anh. III, S. III-2).
Die zweite Ausnahme bilden alle 3 Fangorte der Hausspitzmaus, die alle im urbanen Umfeld lagen,
wenn auch die eigentlich befangenen Strukturen am ehesten als ruderal bzw. als (Gewerbe-)Brachen
charakterisiert werden können.
Damit konnten über die Lebendfänge im eigentlichen städtischen Landschaftsraum nur noch wenige
Kleinsäuger-Arten nachgewiesen werden:
Neben den flächig verbreiteten Gelbhals- und Waldmäusen nur sehr lokal die Rötelmaus sowie
sporadisch Erdmaus und Hausspitzmaus.
Davon unbenommen ist die Wanderratte flächig verbreitet, da sie überall in der Kanalisation und an
den meisten Gewässern vorkommt. Außerdem kommt in vielen auch nur kleinen Grüninseln der
Maulwurf vor (s. Artkapitel, Anhang II).
58
4.1.4.2 Böden und Standorte
In der Tab. 9, Anhang III, S. 34 sind die Ergebnisse der Fangerfolge und Artenzahlen nach den
ausgewerteten Bodenstrukturen zusammengestellt.
Große Teile von Hamburg, und insbesondere die überwiegend befangenen nicht urbanen Bereiche,
sind durch Marschen mit überwiegend Auenlehm und Niedermoor mit eingesprengten Bruch- und
Qualmwasserbereichen sowie zahlreichen Gräben und Vorflutern gekennzeichnet. Diesen eher grund/qualmwassernahen Marschen werden hier die ebenfalls feuchten bzw. schweren Böden außerhalb der
Marschen sowie die sandig-trockeneren den gegenübergestellt.
In 98 Fangreihen wurden u.a. verschiedene Formen von sandigen bzw. trockeneren Böden
vorgefunden. Das sind so viele, wie die sonstigen vorgefundenen Bodenstrukturen zusammen.
(Abb. 27, Anhang III, S. 4).
Insgesamt liegen die Fangdichten auf trockenen Böden etwas unter dem Durchschnitt über alle
Fangreihen. Auch in den einzelnen Fangmonaten liegen die meisten Fangdichten auf Sand unter den
Monatswerten aller Fänge. In nur drei Monaten lagen die Fangdichten auf trockenen Böden höher als
die durchschnittlichen Fangdichten.
Obwohl mit 11 Arten insgesamt fast alle in Hamburg gefangenen Kleinsäuger (auch) auf trockenen
Bereichen vorkommen, sind die monatlich nachgewiesenen Artenzahlen in 12 von 17 Fangmonaten
auf trockenen Böden (z.T. deutlich) geringer als die Artenzahlen aus den Monatssummen über alle
Fänge. Wenn auf Sand die gleiche Artenzahl gefangen wurde wie in allen Fangreihen des Monats,
dann mit Nachweisen von nur 3-5 Arten über alle Fänge, also unterdurchschnittlichen monatlichen
Artnachweisen.
Insgesamt wurden damit auf trockenen Standorten die geringsten Fangdichten erreicht, jedoch in der
Summe aller Fänge die meisten Arten nachgewiesen. Die insgesamt ermittelte hohe Artenzahl kann
jedoch auch hier ein Effekt der großen Stichprobe auf Sandböden sein (s. Kap. 4.1.4.1, S. 56).
Auf Auenlehm im Tideneinflussbereich der Elbe wurden nur 8 Fangreihen placiert, die insgesamt
Nachweise von 8 Kleinsäugetierarten brachten, darunter in drei Monaten 1 Art, in zwei Monaten
3 Arten und einmal 4 Arten. Eine Besonderheit hier war die Fangreihe am Zollenspieker Hauptdeich,
O 19_P 19 (Abb. 28, Anhang III, S. 4), in der alle drei Apodemus - Arten parallel vorkamen (Wald-,
Gelbhals- und Brandmaus). In nur einer weiteren Fangreihe in Hamburg fingen sich diese
3 Schwesternarten parallel (R 16 Brunnenreihe Curslack).
Neben den 8 Fangreihen auf Auenlehm wurden 3 weitere außendeichs auf Blocksteinschüttungen im
Hafenbereich befangen, die unter den Bodenschüttungen mit ausgewertet sind.
In den Marschen (Abb. 29, Anhang III, S. 5) wurden insgesamt mit den Lebendfallen 10 Arten
nachgewiesen und zusätzlich die Wanderratte über die Schlagfallen.
Damit fehlte in den Marschen nur die Hausspitzmaus als Nachweis aus den Fängen. Alle vier
Nachweise der Hausspitzmaus lagen jedoch in einem Streifen von max. 1.500 m Abstand zur Dove
Elbe bzw. Elbe und auf ehemaligem Marschland.
Die durchschnittliche Fangdichte lag insgesamt in den Marschen mit 27,5 Tieren/100 FN deutlich über
dem Durchschnittswert für alle Fangreihen mit 18,9 Tieren/100 FN. Auch die monatlichen Fangdichten
lagen in 6 Fangmonaten deutlich über den Durchschnitten der jeweiligen Monatsmittel und nur in
einem darunter.
Im Vergleich dazu waren die Bruchwälder und Niedermoorflächen unabhängig von den Marschen
(Abb. 30, Anhang III, S. 5) mit 8 gefangenen Arten insgesamt artenärmer. Mit 19,1 Fängen/100 FN
59
entspricht die Fangdichte hier etwa dem Durchschnitt aller Fänge, wobei in 4 Monaten die
Fangdichten (deutlich) über dem Durchschnitt lagen, dafür in anderen deutlich darunter.
Auch die monatlich gefangenen Artenzahlen liegen nur zwischen 1 und 5 und damit durchschnittlich
deutlich unter denen der Marschen.
Die Stadt Hamburg ist gekennzeichnet durch zahlreiche Flächen mit Bodenaufschüttungen (s.
Abb. 27, Anhang III, S. 4), die entweder aus alten Siedlungsflächen stammen bzw. nach dem Krieg
mit Bauschutt verfüllt wurden, oder speziell als Schüttungen angelegt wurden. Darunter sind u.a.
Deiche,
Bahn-
und
Straßendämme,
Siedlungs-
und
Gewerbeflächen,
Parkanlagen
sowie
Blocksteinschüttungen außendeichs (s.u.). Eine Besonderheit Hamburgs sind die zahlreichen auch
großflächigen Spülflächen mit Material aus der Elbe und dem Hafen, das zur Vertiefung der Fahrrinnen
auf speziellen Halden abgelagert wird.
Da die aufgeschütteten Böden als komplett andere Struktur oft unmittelbar aus den natürlich
gewachsenen herausragen, wurden sie hier gesondert betrachtet.
Eine besondere Struktur innerhalb der Schüttungen bilden die Blocksteinufer im Tidenbereich der Elbe
(Abb. 31, Anhang III, S. 6). Hier konnten erst im Januar 2014 in 3 Reihen Fangversuche
unternommen werden, da aus Zeit- und Kapazitätsgründen erst alle nicht urbanen Bereiche befangen
werden sollten. Auf Blocksteinschüttungen wurden insgesamt 4 Arten gefangen. Als Totfund liegt der
Nachweis der Wanderratte auch von Steinschüttungen vor und eine Mitarbeiterin von K & S berichtete
eine Beobachtung eines Mauswiesels am Blumensandhafen, also auch auf Steinschüttungen. Damit
sind in den nur 3 Fangreihen auf Blocksteinschüttungen im Tideneinflussbereich der Elbe
6 Kleinsäugerarten nachgewiesen, was einer sehr hohen Artenzahl entspricht.
In den 37 Fangreihen, in denen Schüttungen von Bodenmaterial eine Rolle spielten, wurden
insgesamt 10 Kleinsäugerarten gefangen, darunter alle drei Fangreihen mit den Fängen der
Hausspitzmaus. Auch der einzelne Totfund dieser Art in Hamburg (durch G. SCHÄFERS, Juli 2012) lag
auf dem aufgeschütteten alten Bahndamm Billwerder.
Damit fehlt in diesen künstlichen Strukturen unter den Fängen nur das Mauswiesel, das aber in
unmittelbarer Nachbarschaft eines Deiches gefangen (M 17_N 17; KGA Overwerder Bogen) bzw. auf
Blocksteinschüttungen beobachtet wurde, und die in ganz Hamburg nur einmal über die Fallen
nachgewiesene Schermaus – am Rande eines Parkplatzes.
Die Fangdichte liegt mit insgesamt 21,2 Fängen/100 FN über dem Durchschnitt aller Fänge
(18,9/100 FN) und ist die zweithöchste hinter dem Wert der Marschen.
Für Kleinsäugetiere scheinen demnach Strukturen wie Bodenaufschüttungen innerhalb der sonstigen
Lebensräume keine nachweisbare Beeinträchtigung zu sein. Das kann im konkreten Fall anders
wirken, in der Summe der Fänge sind jedoch Artenzahlen und Fangdichten nach den in Hamburg
erfolgten Fängen durch Bodenaufschüttungen nicht beeinträchtigt.
Wie in Kap. 4.1.2 (S. 49) beschrieben wurde, bildet der durch mehrere, z.T. großflächige Schüttungen
und Spülflächen, ein Gewerbegebiet, zahlreiche viel befahrene Straßen usw. gekennzeichnete Bereich
vom Tatenberger Deich bis zum Bahndamm Billwerder sogar einen Schwerpunkt der Fangdichten und
nachgewiesenen Artenzahl.
Unabhängig davon war erstaunlich, dass trotz gezielter Fangversuche in einzelnen Fangstrecken an
verschiedenen Stellen der Elbdeiche keine Feldmäuse gefangen werden konnten – wie 2012 und 2013
auch nicht am Rande von Feldern (s.u.). Es konnten jedoch die Elbdeiche nicht intensiver befangen
werden, da praktisch alle Abschnitte der Deiche als Erholungsraum dienen und die Fallen im Kurzrasen
60
der Deiche nicht verborgen werden können. Es konnten jedoch zu keiner Zeit innerhalb der Studie auf
einem Deichabschnitt in Hamburg die für Feldmäuse typischen Gangsysteme gefunden werden.
Zum Schutz vor einer Auflockerung der Deiche durch Mäusebaue wird die Bestandsdichte der
Feldmäuse auf den Hamburger Elbdeichen durch Mitarbeiter der Wasserwirtschaftsämter der
zuständigen Bezirksämter regelmäßig überprüft (G. SCHÄFERS, pers. Mitt.). Dazu werden bei
Deichbegehungen die Befallsdichten ermittelt und daran entschieden, in welchen Abschnitten
Maßnahmen ergriffen werden müssen. Nach der geübten Praxis der Deichkontrollen sind Feldmäuse
auf allen Elbdeichen regelmäßig verbreitet, werden jedoch durch die Bestandsregulierung auf
niedrigem Niveau gehalten. Das hat sich auf alle Fangversuche an und auf Deichen nachhaltig
ausgewirkt.
4.1.4.3 Nutzungstypen
Die Auswertungen der Fangdichten und Artenzahlen in den unterschiedlichen Land-Nutzungstypen im
Umfeld der Fangreihen sind in der Tab. 9, Anhang III, S. 34 zusammengestellt. Es wurden
12 verschiedene Strukturen ausgewertet. Dabei wurden die im weiteren Sinne bewaldeten Flächen
den eher Offenlandstrukturen und Gärten einschließlich den aus diesen hervorgehenden Brachen und
Pionierwäldern und alle Strukturen den Naturschutzgebieten gegenübergestellt.
Auffällig ist dabei als erstes, dass die Fangdichten als Summe der 33 Fangreihen in bzw. an
Naturschutzgebieten (Abb. 26, 28, 29 usw., Anhang III, ab S. 6) fast exakt dem Durchschnitt aller
Fänge in Hamburg entsprechen (18,88 zu 18,95 Fängen/100 FN in NSG) und in den NSG-Fangreihen
nur 8 der 12 insgesamt in Hamburg über die Fänge nachgewiesenen Arten vertreten waren (zzgl. der
Wanderratte in Schlagfallen). Zum Vergleich: in den 37 Fangreihen mit Bodenschüttungen fingen sich
mit 21,2 Tieren/100 FN etwas überdurchschnittlich viele Tiere in insgesamt 10 Arten (inkl. Feldmaus
und Hausspitzmaus, die in den NSG fehlten). Dennoch fingen sich in fünf der 13 Fangmonate in NSG
zum Teil sehr deutlich mehr Tiere/100 FN als in den entsprechenden Monatsmitteln; in fünf weiteren
Fangmonaten lag die Fangdichte entsprechend deutlich unter den Monatsmitteln.
Als zweites fällt auf, dass in keinem Nutzungstyp insgesamt 10 oder mehr Arten nachgewiesen
wurden, während von den fünf unterschiedenen Bodenstrukturen in dreien insgesamt 10 oder 11
Arten vertreten waren.
Auffällig ist außerdem, dass sich in den sechs bewaldeten Strukturen durchschnittlich weniger
Kleinsäugerarten fingen als in den sechs im Offenland (durchschnittlich 6,0:7,3 Arten).
Offenland-Strukturen
Nur in den aufgelassenen Flächen mit (Tendenz zu) Pionierwaldcharakter (Abb. 33, Anhang III,
S. 7), Verbuschungen und teilweise dichtem Brombeerbewuchs wurden insgesamt 9 Arten gefangen –
und dies mit 29 Tieren/100 FN in der zweithöchsten Fangdichte nach den Fangreihen an
Obstplantagen (30 Fänge/100 FN).
Ohne die nur vier Fangversuche an Obstplantagen überbewerten zu wollen, scheinen die
Randstrukturen dazu wie Gehölzstreifen, Grabenufer, Deichbermen, Brachestreifen oder aufgelassene
Obstplantagen ein wichtiger Rückzugsraum für Kleinsäuger zu sein (Abb. 34, Anhang III, S. 8), da
zahlreiche der Plantagen regulär zweimal im Jahr mit Rodentiziden begiftet werden (s. Kap. 4.5.1.2.2,
S. 92). Immerhin wurden in nur vier Reihen am Rande von Obstplantagen zusammen 5 Arten
nachgewiesen und in zwei dieser Fangserien mit 22 bzw. nur 9 Tieren jeweils 4 Arten!
61
In den Fangdichten folgen für die Offenlandbereiche:
* das eigentliche Offenland (also Landwirtschaftsflächen s.l.) mit Hecken, Feldrandstriefen und
Gewässerufern (Abb. 35, Anhang III, S. 8) als überwiegende Fallenstandorte sowie
* Wald-Offenland-Bereiche (Abb. 36, Anhang III, S. 9) und
* Brachen in/am Rande von Gewerbegebieten (Abb. 37, Anhang III, S. 9).
Diese Nutzungstypen liegen mit 20, 18,3 und 18,0 Tieren/100 FN um den Mittelwert aller Fangdichten
(18,9/100 FN). In diesen Strukturen fingen sich 8 bzw. 7 Arten.
Die 10 auf/an Brachen gestellten Fangreihen haben bis auf die Randhecke zum Flughafen Fuhlsbüttel
alle mit dem Hafen oder nachgeordneten Gewerbeflächen zu tun. Alle drei Fangreihen, in denen
Hausspitzmäuse gefangen wurden, liegen im Umfeld von Gewerbeflächen. Zu den 7 unmittelbar durch
die Fänge nachgewiesenen Arten kommt die Wanderratte über einen Totfund und Kot in
ausgeräuberten Lebendfallen. Die 10 Fangreihen an Gewerbebrachen erbrachten damit nicht weniger
Art-Nachweise als andere, natürlichere Strukturen mit z.T. deutlich mehr Fangreihen (s. Kap. 4.1.4.1,
S. 56). Die Fangdichten liegen mit 18 Tieren/100 FN knapp unter dem Durchschnitt.
Im klassischen Offenland fiel auf, dass trotz gezielter Fangversuche in einzelnen Fangstrecken an
verschiedenen Stellen keine Feldmäuse gefangen werden konnten. Nachdem sich im Jahr 2011 nur
einzelne Feldmäuse fingen, wurden dazu gezielt Deiche (s. Anm. zu Bodenschüttungen, S. 60f),
Randbereiche von Getreidefeldern und Wiesen mit befangen – ohne erkennbare Erfolge. Die Feldmaus
gehört mit insgesamt in Hamburg in dieser Studie nur 19 Tieren in 7 Fangreihen zu den selten
gefangenen Arten. Allein fünf Fangreihen mit Feldmausfängen lagen in den Vier- und Marschlanden
bzw. an deren Rand. Die Fangreihe mit den meisten gefangenen Feldmaus-Individuen (n=6) lag dabei
auf einem Bio-Hof am Rande eines Triticale-Feldes (Raster Q 18), gefolgt von der Fangreihe L 13_M
13 am Autobahndreieck A 1-A 25 HH Südost.
Auf den Flächen des genannten Bio-Hofes (Abb. 38, Anhang III, S. 10) wurden in 80 Fallennächten
12 Tiere in 4 Arten gefangen und die Wanderratte mehrfach über Totfunde und Beobachtungen
nachgewiesen. Damit lag mit 15 Tieren/100 FN die Fangdichte nur bei weniger als der Hälfte der
monatlichen Fangdichte über alle Fangreihen (38/100 FN), es wurden jedoch fünf der 6 Arten
nachgewiesen, die in allen 6 Fangreihen in diesem Monat bestätigt wurden, darunter 6 der 19 in ganz
Hamburg innerhalb dieser Studie gefangenen Feldmäuse (s.o.). Dieser beprobte Bio-Hof zeigte damit
eine hohe Artenvielfalt, die sich auch bei den Gewöllanalysen mit 10 nachgewiesenen Arten bestätigte
(s. Kap. 4.2, S. 72).
In oder am Rande von Hausgärten, Kleingärten oder Feldgärten (Abb. 39, Anhang III, S. 10)
lagen 12 Fangreihen, die insgesamt Nachweise von 7 Arten erbrachten. In den einzelnen Fangreihen
fingen sich jedoch nur durchschnittlich knapp 3 Arten bei meistens ebenfalls unterdurchschnittlicher
Fangdichte von 14,9/100 FN.
Im Einzelfall konnten die Fangversuche in/an Gärten jedoch sinnvolle Ergänzungen zu den Fängen in
der Umgebung sein. So erbrachten die Fänge in einem Hausgarten in Schnelsen, Vielohkamp (G 06),
im Garten ergänzend zu den 3 Arten der regulären Fangreihe G 05_G 06 zwei weitere Arten, darunter
ein Mauswiesel.
In einigen Gesprächen mit Anliegern berichteten diese, sie hätten regelmäßig „schwarze Spitzmäuse“
im Garten. Dies konnte in keinem Fall durch gezielte Fangversuche bestätigt werden, allerdings fingen
sich Spitzmäuse insgesamt sehr selten.
62
Bewaldete Strukturen
In den bewaldeten Flächen fingen sich nur in Weichholzauen bzw. bewaldeten Gewässerufern 8 Arten,
in den anderen zwischen 3 und 7 Arten. Dabei wurden über alle Fangreihen aller Waldstrukturen
insgesamt 10 Arten nachgewiesen. Die Feldmaus fehlt erwartungsgemäß im Wald und die
Hausspitzmaus wurde nur in aufgelassenen Nutzungen bzw. ruderalen Strukturen gefangen (s.o.). Die
Brandmaus wurde nur in einem Bruchwald gefangen sowie in dem Komplex aus Offenland, Wald und
aufgelassenen Gartenflächen im NGS Höltigbaum, jedenfalls immer im Zusammenhang mit Offenland.
In Bruchwäldern, den Wäldern (s.str.) sowie den Weichholzauen (Abb. 40-42, Anhang III,
S. 11f) fingen sich mit 25,7; 21,5 und 20,8 Tieren/100 Fallennächten jeweils mehr Tiere als im
Durchschnitt aller Fänge. Mit 7 bzw. 8 Arten beherbergten sie die höchsten Artenzahlen der
bewaldeten Flächen. Zusammen wurden darin die 10 Arten der Wälder nachgewiesen.
Betrachtet man die „innerstädtischen Wälder“ oder Waldparks (s. Begriffe ab S. 6; z.B.
Wandsbeker Gehölze, Marienthal; Volksdorfer Wald), also waldartige Parks mit nahezu geschlossenem
Kronenschluss (Abb. 43, Anhang III, S. 12), die (fast) vollständig umbaut sind, ergeben sich in den
5 befangenen Strukturen dieser Art insgesamt nur Fangdichten von 14,0 Fängen/100 FN bei
insgesamt nur 2 nachgewiesenen Arten (Gelbhals- und Rötelmaus). Diese z.T. größeren Waldflächen
(Volksdorfer Wald ~ 900 ha) konnten aus den Lebendfängen nicht als Rückzugsraum für
Kleinsäugetierarten bestätigt werden - wie auch nicht die innerstädtischen Friedhöfe und eigentlichen
Parkanlagen (s.u.). Nach den Ergebnissen der Lebendfänge spielt dabei auch der lang andauernde
Bestand z.B. der Wandsbeker Gehölze in Marienthal (seit mindestens 1876) keine Rolle in der
nachgewiesenen Artenzahl (s. Kap. 4.5.3, S. 104).
In verkehrsbegleitenden Gehölzstreifen (Abb. 44, Anhang III, S. 13) lag die Fangdichte mit nur
15,8 Tieren/100 FN unter dem Durchschnitt aller Fänge und es wurden insgesamt nur 6 Arten
gefangen.
Obwohl nur 12 Fangreihen entlang von Verkehrstrassen gestellt wurden, waren wegen des Habitatund Biotopverbund-Effektes entlang der Verkehrsadern viele Arten zu erwarten. Dies hat sich jedoch
in den Fängen nicht bestätigt. Hinzu kommen mögliche drastische Eingriffe in den Habitatverbund
durch verkehrsbegleitende Baumaßnahmen entlang der großen Verkehrstrassen, die den Verbund ggf.
wiederholt unterbrechen können (s. Kap. 4.5.1.1.1; S. 88; 4.5.2.1, S. 93).
Bei der Suche nach geeigneten Strukturen für die Fangstrecken wurden reich strukturierte Bereiche
bevorzugt ausgesucht. Deshalb wurden verschiedene Parks und Friedhöfe bewusst mit einbezogen
(Abb. 45, 46, Anhang III, S. 13f). Die typische Artenvielfalt der Vegetation in der Baum-, Strauch- und
Krautschicht ließ auch eine hohe Artendiversität an Kleinsäugetieren erwarten, insbesondere, wenn
angrenzende Hausgärten, Kleingärten oder Parks den Lebensraum insgesamt noch deutlich erweitern.
Dies konnte in 27 Fangreihen in Parkanlagen (z.B. Lise-Meitner-Park am DESY; Jenischpark,
Othmarschen; Walter-Möller-Park, Altona-Altstadt; Park an der S-Bahn Nettelnburg/Siedlung
Bergedorf-West), und 7 Fangreihen in 3 Friedhöfen (neben Ohlsdorfer Friedhof Finkenriek und
Holstenkamp) nicht bestätigt werden.
Insbesondere für den Ohlsdorfer Friedhof mit
a) einer großen Ausdehnung von rund 390 ha,
b) als alte innerstädtische Struktur und
c) mit Gartengrundstücken, KGA, Parkwäldern und Gewässern im Umfeld sowie
d) der Möglichkeit des Habitatverbundes über die S-Bahnlinie im Nordwesten des Friedhofes
war eine hohe Anzahl von Kleinsäugern und –Arten zu erwarten. Daher wurden speziell hier fünf
Fangreihen placiert. Außerdem wurde nach dem anfänglich niedrigen Fangerfolg eine dritte Fangnacht
63
angefügt, so dass mit 360 Fallennächten der insgesamt niedrige Erfolg in Fangdichte und Artenzahl
kein Zufall mehr sein sollte. Der Fangerfolg auf dem Ohlsdorfer Friedhof lag bei weniger als der Hälfte
der monatlichen Fangdichte (5,3/100 FN in Ohlsdorf zu 12,2/100 FN als Monatsmittel im September
2013). Vom Ohlsdorfer Friedhof lagen seit 1.1.2000 nur einzelne Uhu-Gewölle vor, so dass auch durch
Gewölle die nachgewiesene Artenzahl nicht höher ist.
Auf den beiden anderen Friedhöfen fingen sich dagegen mit 18,8 Tieren/100 FN mehr als im
Monatsmittel mit 16,9 Tieren/100 FN.
Insgesamt wurden auf den Friedhöfen nur 3 Arten nachgewiesen, wobei in dem am stärksten urbanen
Friedhof Holstenkamp nur die Gelbhalsmaus gefangen wurde, in den anderen beiden außerdem Waldund Rötelmäuse. Der Fangerfolg in allen Friedhöfen lag zusammen bei nur 9,6 Tieren/100 FN und war
damit der niedrigste aller betrachteten Boden- und Bestandes-Strukturen.
Bei den Parks (Abb. 46, Anhang III, S. 14) wurden in der Auswertung die reinen innerstädtischen
Waldstrukturen wie die Wandsbeker Gehölze (s.o.) nicht einbezogen. In die Parks gehen also nur die
gezielt angelegten, parkartigen Strukturen ein, die durch den typischen Wechsel von Bäumen in
beiden Baumschichten, einer (lückigen) Strauchschicht sowie offenen, zumeist als Rasen gepflegten
Bereichen gekennzeichnet sind (s. Begriffe ab S. 6). Die hier betrachteten Parks haben demnach
keinen Kronenschluss in der Fläche, können jedoch lokal waldartige Bereiche einschließen.
Auch für die Parks bestätigte sich insgesamt nicht die angenommene Artenvielfalt aus der
vorhandenen Strukturvielfalt. Aus den 27 Fangreihen in Parks ergaben sich nur 12,4 Fänge/100 FN mit
insgesamt nur 5 Arten. In den Parks fingen sich also nicht wesentlich mehr Arten und Individuen von
Kleinsäugern als auf Friedhöfen – und in innerstädtischen Waldflächen (s.o.). Neben den allgemein
verbreiteten und dominierenden Gelbhals-, Rötel- und Waldmäusen sowie der Wanderratte ergaben
sich in 2 Parks mit waldartiger Struktur Erdmaus-Nachweise: im Lutherpark, Bahrenfeld und im
vergleichsweise artenreichen Park Öjendorf:
In der nördlichen Fangreihe (N 10_O 10) wurden hier vier Arten nachgewiesen (Gelbhals-, Rötel-,
Erdmaus und Wanderratte). In der südlichen Fangreihe (N 11_O 11), die auch den Rand eines Feldes
einschloss, ergab sich als Fang keine neue Art, auf dem Weg lag jedoch eine tote Brandmaus, so dass
im Park Öjendorf insgesamt 5 Kleinsäugerarten nachgewiesen werden konnten. Dabei ist der Park mit
angrenzendem Friedhof nur halb so groß wie der Friedhof Ohlsdorf und es sind im Umfeld beider
Flächen vielfältige Nutzungsformen vorhanden (Kleingärten, Gartenbau, Freizeit- und Sportflächen
usw.) – allerdings in Öjendorf mit möglichem Habitatverbund entlang der Autobahnen bzw. zur östlich
von Hamburg gelegenen Agrarlandschaft (s. Kap. 4.5.2.1, S. 93).
64
4.1.4.4
Zusammenfassende Diskussion zur Strukturnutzung und Fallbeispiele
Insgesamt waren die Ergebnisse der Lebendfänge in den einzelnen Fangreihen sehr unterschiedlich.
Diese Unterschiede in den Fangerfolgen betreffen sowohl die Fangdichten als auch die Artenzahlen.
Sie traten sowohl auf in zeitlich (annähernd) parallelen Fängen in unterschiedlichen Fangreihen, als
auch in ähnlichen wie ganz unterschiedlichen Strukturen sowie in wiederholten Fängen in den selben
Strukturen mit zeitlichem Abstand. Diese Unterschiede lassen sich damit i.d.R. nicht bestimmten
Strukturen, Jahreszeiten oder Witterungen zuordnen. Die Fangzahlen/Dichten und Artenzahlen sind
auch nicht abhängig von „Störungen“ (s.l.), Nutzungen in der Umgebung der Fallenstrecken oder von
deren Fehlen bzw. von natürlichen Bodenstrukturen oder großer Artenvielfalt der Vegetation, wie etwa
in Parks, Friedhöfen, Hausgärten oder Naturschutzgebieten.
Deshalb wurden in 22 Rasterquadraten jeweils zwei Fangversuche unternommen und in 5 Rastern
jeweils drei, wobei die gleichen Fangreihen wiederholt oder in einzelnen Rastern ergänzende Reihen
befangen wurden.
In mehreren dieser Versuche hat sich bestätigt, dass Wiederholungsfänge in der selben Struktur in
zeitlichem Abstand und/oder ergänzende Fänge im gleichen Raster in benachbarten oder auch
entfernteren Strukturen die ersten Ergebnisse für das Raster ergänzt haben, also nicht selten auch
weitere Arten für die Raster nachgewiesen wurden (s. Beispiele unten). Es war jedoch aus
Kapazitätsgründen nicht durchführbar, regulär eine noch größere Anzahl von Rastern wiederholt zu
befangen.
Die Ergebnisse der Fallenfänge sind damit eigentlich nur im größeren Zusammenhang auszuwerten,
aus dem sich Verbreitungsbilder der einzelnen Arten ergeben sollten. Dies ist für die drei häufigeren
Arten Gelbhals-, Rötel- und Waldmaus leicht nachvollziehbar. Schon bei der Brandmaus mit insgesamt
immerhin 86 Fängen in Hamburg ergibt sich jedoch kein geschlossenes Verbreitungsbild mehr. Es ist
daher möglich, dass die Verbreitung der Brandmaus a) lückig und auf den östlichen und nördlichen
Rand von Hamburg von den Vier- und Marschlanden bis ins Duvenstedter Brook begrenzt ist und/oder
b) die Art zeitlich nicht kontinuierlich nachweisbar ist, sich also in Zeiträumen ohne starke Vermehrung
etwa vom Spätherbst bis zum folgenden Sommer bzw. auch jahresweise in geringer Dichte unter einer
„Nachweisgrenze“ hält. Beides könnte für Hamburg zutreffen (s. Art-Kap., Anhang II).
Die seltener gefangenen Arten könnten demnach bei gleicher Fangwahrscheinlichkeit für alle Arten in
Hamburg ebenfalls weiter verbreitet sein, als aus den jeweils 10 bis 19 Fängen innerhalb dieser Studie
ersichtlich ist.
Dies wird unterstützt durch die Ergebnisse der Gewöllanalysen (s. Kap. 4.2, S. 72) sowie z.B. am alten
Bahndamm Billwerder, wo durch Totfunde und Nestersuche bzw. Nesttubes vier weitere Arten
nachgewiesen wurden (s.u.). Keine dieser vier Arten wurde in den Fallen gefangen oder in den selbst
kontrollierten Nesttubes festgestellt.
Bei Nachweisen aus Gewöllen ergeben sich immer die Schwierigkeiten der genauen Zuordnung der
Kleinsäugetiere zu den Rastern und v.a. können zu den Lebensräumen, in denen sie gefangen
wurden, keine Aussagen erfolgen (s. Kap. 4.4.2.2, S. 84).
Mit den nachfolgenden Beispielen wird bestätigt, dass die Auswahl der Standorte der Fallenreihen
nach
Strukturvielfalt
und
gelegentlich
ergänzende
Fänge
in
benachbarten
Strukturen
mit
Habitatverbund zur Vervollständigung der Nachweise der vorhandenen Arten beitragen. Da der
Hauptansatz der gesamten Studie darauf gerichtet war, möglichst viele Arten über Kleinsäugerfänge
und sonstige Nachweise zu belegen, sind außerdem die Ergänzungen aus den Sichtbeobachtungen,
Totfunden und sonstigen Quellen eine notwendige Bereicherung der Fangergebnisse.
65
Fallbeispiele für arten- und individuenreiche Strukturen, ergänzende Artnachweise aus
Wiederholungsfängen bzw. sonstigen Hinweisen
Fangreihen mit den höchsten Fangdichten:
*
Raster M 14 der Reihe L 14_M 14 - Komplex aus fossiler Aue/Bruchwald, Deich, Sportplatz
und Rand der Kleingartenanlage Bieberdamm: 73,3 Tiere/100 FN in 4 Arten, darunter die einzige
Schermausnachweis an den Fallen.
*
P 06_Q 06 Nordteil des NSG Höltigbaum am Ahrensfelder Weg; Komplex aufgelassener
Gärten, extensiv beweideter Offenlandschaft, Fichtenbestand, Redder mit durchwachsenden Hasel und
Hainbuchen, Eichenüberhältern usw.: 67,5 Fänge/100 FN in 3 Arten plus Haselmaus über Nestfund.
* Q 17 der Reihe P 17_Q 17 - Nordufer Gose Elbe Neuengammer Hinterdeich; (aufgelassener)
Obstanbau, Hausgärten, Gewässerufer in den Marschen: 75 Fänge/100 FN in 2 Arten; damit maximale
Dichte aller Fänge dieser Studie in einer Teilfangreihe.
Beispiele für hohe Artenzahlen:
* C 13 - Rand Apfelplantage/Deichfuß Neuenfelde: 4 Arten bei 9 Fängen (2,5 Fänge/100 FN).
* D 12_E 13 – Finkenwerder Rand KGA und Böschung zur Flugzeugwerft – 13 Fänge in 3 Arten,
darunter die Hausspitzmaus (23,2 Fänge/100 FN).
* F 14 - Moorburger Hinterdeich parallel Landscheide; Marschenlandschaft; Fangreihe
an
Hecke/Gehölzstreifen auf Wegedamm und an Dammfuß: in 11 Fallen in 2 Nächten 7 Mäuse aus
4 Arten (31,8 Fänge/100 Fallennächte).
* J 17_K 17 - Bruchwaldstreifen Sevedeich, Gut Moor; Marschenlandschaft; Fangreihe am Rande des
Bruchwaldstreifens und in Wiese, an Gartenabfall und Grabenufer: in einer Nacht in 40 Fallen 21 Tiere
in 3 Arten, jedoch ohne Feldmaus (52,5 Fänge/100FN mit 2 Fängen in bereits gelehrten Fallen
während der Kontrolle).
* L 11_L 12 – Am Steinlager; aufgelassene Nutzung/Gewerbebrache: 20 Fallen, 11 Fänge, 4 Arten,
darunter die Hausspitzmaus (27,5 Fänge/100 FN).
* M 07_M 08 - verlängerter Traberweg; Bachaue, Bruch, angrenzend KGA: 4 Arten (25 Fänge/
100 FN).
*
O 19_P 19 – Höhe Zollenspieker Hauptdeich, außendeichs: alle 3 Schwestern-Arten: Brand-, Wald-
und Gelbhalsmaus (27,5 Fänge/ 100 FN).
Beispiele für ergänzende Artnachweise durch Wiederholungs-/Ergänzungsfänge:
* G 05_G 06 + G 06 – Schnelsen östlich parallel A 7; Wald, Brache und Feld: Feld-, Gelbhals- und
Waldmaus mit 25 Fängen/100 FN ergänzt durch Rötelmaus und Mauswiesel in G 06 in
Gartengrundstück in rund 120 m Entfernung (20 Fänge/100 FN).
* G 14_H 14 + H 14 - Alter Deich Moorburg; 3 Arten in 3 Fängen (Gelbhalsmaus, Waldmaus,
Waldspitzmaus mit 7,5 Fängen/100 FN); ergänzend dazu in 500 m Entfernung in Reihe G 14_H 14 die
Rötelmaus neben der Waldspitzmaus mit 30 Fängen/100 FN (und ein Totfund eines Maulwurfes).
* L 08_M 08 + M 07_M 08 - verlängerter Traberweg; Bachaue, Bruch, angrenzend KGA: 3 Arten in
M 07, vierte in M 08 und damit sehr erfolgreiche Ergänzung zu L 08_M 08, in der nur die
Gelbhalsmaus gefangen werden konnte.
* P 19_Q 19-1 + P 19_Q 19-2 - Zollenspieker Hauptdeich südlich Calsbrack, binnendeichs 2 Arten
(Gelbhals- und Rötelmaus); außendeichs auf gleicher Höhe zeitgleich 2. Fangreihe ergänzt die
Brandmaus.
* O 00-1 zu O 00-2 – Nordrand NSG Duvenstedter Brook, Wiesen-Wald-Hecken-Landschaft auf
Niedermoor; Juli 2011 nur eine Gelbhalsmaus, in der gleichen Hecke im Oktober 2013 Fänge von
66
7 Tieren aus 2 Arten (Gelbhals- und Rötelmaus). Fänge im gleichen Landschaftsraum in rund 1 km
Entfernung brachten ergänzend Nachweise von Zwergmaus und Mauswiesel (O 01_P 01; P 00_P 01).
Außerdem wurde in der Hecke der Fangreihe O 00 ein Zwergmausnest gefunden (EHLERS).
* S 16-1 bis S 16–3 – Brunnenreihe Curslacker Wasserwerke: in der ersten Fangreihe S 16-1 fingen
sich im Mai 2011 nur Gelbhalsmäuse, in der Reihe S 16-2 östlich davon zeitgleich nur die Rötelmaus.
Bei einer Wiederholung der Fänge in S 16-1 mit nunmehr 30 Fallen statt 20 im August 2011 ergab sich
zusätzlich zu den beiden bekannten Arten die Brandmaus (S 16-3 mit 3 Arten und 25 Fängen/100 FN).
Ergänzende Artnachweise ohne Fänge:
* N 10_O 10 - Öjendorf Nord; artenreicher gepflanzter Gehölzbestand parallel Autobahn: 4 Arten;
weitere Strecke Öjendorf-Süd, N 11_O 11, als Fangstrecke keine neuen Nachweise aber Totfund einer
Brandmaus neben der Fangstrecke.
* N 13_N 14 - Alter Bahndamm Billwerder; wiederholt gestörte anthropogene Struktur, offen-sandig
bis verbuschende Gewässerufer: in 2 Nächten in 40 Fallen 38 Fänge (47,5/100 FN) von Gelbhals- und
Rötelmäusen sowie im Umfeld 2 Spitzmausarten über Totfunde (Haus- und Waldspitzmaus) und
Hasel- und Zwergmaus über Nester/Nesttubes nachgewiesen (HAAK 2012 und EHLERS & HAAK, pers.
Mitt.), also insgesamt vier Arten durch weitere Nachweise zu den 2 Arten aus den Fängen.
* Q 18 - Bio-Hof Eggers in der Ohe; in 80 Fallennächten 12 Tiere in 4 Arten (mit 15 Tieren/100 FN),
darunter 6 der 20 in ganz Hamburg innerhalb dieser Studie gefangenen Feldmäuse. Hinzu kamen
Nachweise der Wanderratte über Sichtbeobachtungen und Totfunde sowie in ~470 m Entfernung die
Waldspitzmaus als Lebendbeobachtung. Außerdem wurden insgesamt 10 Arten (alle Apodemus-Arten
und Zwergmaus, Feld-, Erd-, Rötelmaus und alle 3 Rotzahnspitzmäuse) über Gewölle von einem
Schlaf-/und Brutplatz von Schleiereulen nachgewiesen.
* S 15-1 und S 15-2 – Bruch-Wiesen-Grabenufer parallel A 25 mit 15 Fängen/100 FN in 3 Arten; in der
Fangreihe S 15-2 im Kindergartenwald nördlich Rothenhauschaussee konnten keine Mäuse gefangen
werden. Auf der rund 100 m entfernten Lichtung in R 15 wurden jedoch Nester von Zwerg- und
Haselmäusen gefunden (EHLERS & EBERSBACH) sowie Brandmäuse beobachtet.
4.1.5 Zu Populationsstruktur und Reproduktionsstatus der Arten
4.1.5.1 Populationsstruktur
In der Tab. 10, Anhang III, S. 35 sind die Verteilungen der Fänge nach Arten, Geschlecht,
Altersklassen zusammengestellt.
Bei den Fängen der häufigen Arten Gelbhals- und Waldmaus ergab sich ein annähernd ausgeglichenes
Geschlechterverhältnis mit geringem Anteil an Tieren, bei denen das Geschlecht nicht notiert wurde etwa weil sie vor der Betrachtung entkamen oder bei den Kontrollen heftiger Dauerregen herrschte.
Bei den Brandmäusen überwog mit rund 60 % deutlich der Anteil an Männchen, während bei der
Rötelmaus etwa 2/3 der gefangenen Tiere Weibchen waren. Bei den selten gefangenen Arten spielt
der Zufall eine zu große Rolle für Aussagen zum Geschlechterverhältnis. Bei den Spitzmäusen ist die
Geschlechtsbestimmung nach äußeren Merkmalen nur schwer möglich.
Der größte Teil der gefangenen 1132 Gelbhalsmäuse war mit 55 % der Männchen und 43 % der
Weibchen adult und gut 7 bzw. 13 % subadult und juvenil (Männchen und Weibchen). Der Anteil der
Jungtiere war dabei mit 0,9 % der gefangenen und 1,5 % der altersbestimmten Gelbhalsmäuse
auffallend gering. Offenbar gehen die Jungtiere nur sehr selten in die Fallen. Der Anteil der Tiere, bei
denen das Alter nicht eingeschätzt bzw. nicht notiert wurde, liegt bei beiden Geschlechtern um die
40 %. Zu 47 Gelbhalsmäusen (4,1 %) wurden keine Angaben zu Geschlecht und Alter notiert (s.o.).
67
Die mittels Lebendfallen gefangene Stichprobe der Gelbhalsmaus entspricht an Hand dieser
Ergebnisse mit relativer Sicherheit nicht dem natürlichen Aufbau der Population, da die adulten Tiere
weit überwiegen. Ab dem späten Frühling mit Selbständigwerden der ersten Jahreswürfe sollte jedoch
der Anteil der subadulten bis zur herbstlichen Einschränkung der Reproduktion mehr oder weniger
stetig zunehmen.
Bei der Waldmaus (N=128) fingen sich ebenfalls etwa je zur Hälfte Männchen und Weibchen. Es
konnte bei beiden Geschlechtern bei etwa der Hälfte der Fänge die Alterklasse nicht bestimmt werden.
Von den altersbestimmten waren die Männchen überwiegend adult, die Weibchen hingegen
überwiegend subadult (je etwa 30 % der gefangenen Tiere).
Insgesamt 26 Tiere konnten nicht eindeutig als Gelbhals- oder Waldmaus bestimmt werden. Davon
waren der überwiegende Teil (juvenile bis) subadulte Weibchen ohne durchgehendes Halsband und
mit grau-weißlicher Körperunterseite sowie grauem bis graubräunlichem Rückenfell und einer
Hinterfußlänge bis 22 mm.
Von den nur im Sommer und Herbst 2011 und 2012 gefangenen 86 Brandmäusen war der
überwiegende Anteil von 60,5 % männlich gegenüber 38,4 % Weibchen. Die gefangenen Männchen
und Weibchen waren überwiegend subadulte Tiere (40,4 und 48,5 %) sowie je etwa ein Fünftel bis
ein Viertel adult bzw. nicht bestimmt.
Das plötzliche Auftauchen und die überwiegend männlichen sowie vom Alter subadulten Tiere beider
Geschlechter deuten auf ein starkes und schnelles Populationswachstum bei der gefangenen
Stichprobe der Brandmaus (s. aber Kap. 4.1.5.2, S. 69).
Fast zwei Drittel (65,8 %) der mit 395 gefangenen Rötelmäuse zweithäufigsten Kleinsäugetierart der
Lebendfänge waren Weibchen. Bei den Rötelmäusen treten die Altersunterschiede am lebenden Tier
nicht so deutlich hervor wie bei den Apodemus-Arten. So liegt zwar der Anteil der Fänge ohne
Geschlechterangabe bei nur 5 %, es konnten bei 56 % der Weibchen und 73 % der Männchen jedoch
keine Angaben zur Altersklasse notiert werden. Bei den Weibchen wurden je etwa 22 % als adult bzw.
subadult/juvenil notiert; bei den Männchen hingegen gut 17 % als adult und etwa die Hälfte
subadult/juvenil. Auch bei der Rötelmaus war jedoch der Anteil der juvenilen Tiere in den Fallen mit
1,3 % sehr gering.
Damit sind bei den häufigeren Apodemus-Arten Wald- und Gelbhalsmaus deutlich mehr adulte Tiere in
den Fallen als in der Population sein sollten - zumindest in der Haupt-Reproduktionsphase ab Mai bis
zum Einbruch der Fröste. Das könnte daran liegen, dass der Status als juvenil und subadult sich nur
auf einen recht kurzen Zeitraum im Leben der Mäuse bezieht. Mit der ersten erkennbar erfolgreichen
Reproduktion gelten die Tiere als adult. Andererseits überwiegt bei der Brandmaus der Anteil der
subadulten (s.o.) und bei den Rötelmaus-Weibchen mit Angaben zum Alter ist der Anteil adult zu
jünger ausgeglichen – hier war jedoch der Anteil der gefangenen Weibchen mit fast 2/3 aller Tiere
deutlich erhöht. Das Bild zeigt bei den einzelnen Arten also deutliche Unterschiede, die nicht ohne
weiteres zu erklären sind.
68
4.1.5.2 Reproduktionsstatus
Die Anzahlen und Anteile der an den Tieren festgestellten Hinweise zum Reproduktionsstatus sind in
der Tab. 11, Anhang III, S. 36 zusammengestellt, aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Altersklassen.
Die detaillierten Auswertungen erfolgen in den Artkapiteln im Anhang II.
Eine monatliche Auswertung ist nur für die häufigste gefangene Art, die Gelbhalsmaus sinnvoll. Nur
hier ergeben sich über den gesamten Bearbeitungszeitraum Aussagen zu den Anteilen der adulten,
subadulten und juvenilen Tiere beider Geschlechter, die an der Reproduktion teilgenommen haben
oder nicht.
Im Jahr 2012 mit den höchsten Fangdichten des Untersuchungszeitraumes Mai 2011 bis Januar 2014
wurde bereits im August bei den ersten Männchen festgestellt, dass die Hoden sich verkleinert hatten,
die Aktivität also offensichtlich zurückging. Im Jahr 2013 mit durchschnittlich weniger als der halben
Fangdichte an Gelbhalsmäusen sowie einem ausgesprochen milden folgenden Winter 2013/2014 trat
dieses Phänomen der Verkleinerung der Hoden erst einen Monat später ein (s.u. zu Rötemäusen).
Insgesamt waren bei den Apodemus-Arten die Anteile der Tiere, die an der Reproduktion teilnahmen,
sehr ausgeglichen. Es fiel auf, dass der Anteil der reproduktiven Tiere bei der häufigsten Art am
größten war und sich bei den einzelnen Arten mit der Anzahl gefangener Tiere verringerte.
Bei der Rötelmaus überwog jedoch der Anteil der reproduktiven Weibchen mit 45 gegenüber 35,9 %
deutlich.
Obwohl die Rötelmäuse mit 395 Tieren die zweithäufigste Art in den Lebendfallen war, sind die
Anzahlen der Fänge, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Altersklassen und Fangmonaten, noch zu
gering für eine vollständige Aufschlüsselung über die Monate. Es wurden daher für beide Geschlechter
jeweils nur die Monatssummen aus den jeweiligen Fangmonaten aller Untersuchungsjahre betrachtet
(s. Artkapitel, Anhang II). Auch hierbei liegen für die Männchen selbst bei Zusammenfassung der
3 Altersklassen (adult, subadult/juvenil und keine Angaben/nicht erkennbar) für die Monate Januar bis
April und Juli nur zwischen 0 und 3 Fänge vor, für die Weibchen von Januar bis Mai und aus dem Juli
ebenfalls nur 0-4 Tiere. Daher sind keine Aussagen für die nicht reproduktive Zeit des Jahres zu
treffen.
Die Anteile der sexuell aktiven Tiere lagen unter denen der Gelbhalsmäuse. Es war jedoch der jew.
Anteil an Tieren ohne notierte Hinweise zur Reproduktion größer, weil die äußeren Merkmale dazu
nicht so deutlich hervortreten wie bei den Adodemus-Arten.
Es bestätigt sich auch für die Rötelmaus-Männchen die Verschiebung des Eintritts in die herbstliche
sexuelle Ruhephase von 2012 auf 2013 um einen Monat, hier jedoch vom Oktober in den November.
Bei den selten gefangenen Arten sind die einzelnen Hinweise in den Artkapiteln (Anhang II)
aufgeführt, eine detaillierte Auswertung erübrigt sich hier. Bei den nur saisonal gefangenen
Brandmäusen sind nur Angaben zur Reproduktionsphase möglich.
Bei den Spitzmäusen lässt sich der Reproduktionsstatus an Hand der äußeren Geschlechtsmerkmale
am lebenden Tier nicht so leicht bestimmen wie bei den größeren Echtmäusen.
Acht der 9 gefangenen Mauswiesel wurden ohne Vermessung und Untersuchung freigelassen. Es
konnten auch hier keine Hinweise zum Reproduktionsstatus erkannt werden.
69
Tab. 12:
Anteile der gefangenen Tiere der häufigeren Arten beider Geschlechter, die Anzeichen
einer Teilnahme an der Reproduktion aufwiesen (Männchen mit vergrößerten Hoden; trächtige oder
laktierende Weibchen).
häufig gefangene
Arten
Brandmaus
Gelbhalsmaus
Waldmaus
Rötelmaus
N
86
1132
128
395
Anteile [%]
Männchen Weibchen
48,08
48,48
61,08
64,74
50,82
53,12
35,49
44,4
4.1.6 Wiederfänge von Mäusen
Im Rahmen der Fangserien erfolgten insgesamt 1934 Fänge von Kleinsäugetieren. Es wurden
mindestens 80 Tiere einmal wiedergefangen, je eine Brandmaus und eine Gelbhalsmaus (beides
Weibchen) zweimal.
Damit wurden insgesamt mindestens 1854 verschiedene Tiere im Rahmen der Fangserien in
Lebendfallen gefangen, davon wurden rund 4,3 % Tiere wiedergefangen.
Für die Gelbhalsmäuse ergab sich dabei auf Grund eines besonderen Merkmals – einer weißen
Schwanzspitze, die über alle Fänge nur bei diesem einen Tier gefunden wurde - eine Entfernung von
Fang zu Wiederfang von 5 Fallenpaare oder über 55 m. Bei den anderen Arten fehlen solche
eindeutigen körperlichen Merkmale für die Bestimmung der höchsten zurückgelegten Distanz von Fang
zu Wiederfang. Die Kombination der erfassten Daten lässt jedoch die Bestimmung wiedergefangener
Individuen als sehr wahrscheinlich erscheinen.
Danach sind zwei Gelbhalsmäuse sowie je eine Waldmaus und Brandmaus in einer maximalen
Entfernung von 4 Fallenpaaren oder durchschnittlich um die 40 m Entfernung zum Erstfang
wiedergefangen worden. Der überwiegende Teil der Wiederfänge erfolgte jedoch im gleichen
Fallenpaar/der gleichen Falle – auch die zweifachen Wiederfänge erfolgten jeweils im gleichen
Fallenpaar.
4.1.7 Fangversuche auf Schermäuse mit Schlagfallen
Zusätzlich zu den systematischen Fängen mit Lebendfallen in den Fangstrecken wurden an geeigneten
Strukturen, insbesondere Gewässerufern im Umfeld der Lebendfallen-Reihen, Ratten-Schlagfallen
eingesetzt, um Schermäuse nachweisen zu können. Dies geschah, wenn insbesondere Gewässerufer
eine hohe Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Schermäusen erwarten ließen. Um ein
Verletzungsrisiko für Menschen oder Tiere anderer Arten auszuschließen, wurde hierbei strikt der
Sicherheit Vorrang vor den Nachweisversuchen gegeben.
In rund 250 Fallennächten mit Schlagfallen wurde keine einzige Schermaus gefangen, woraufhin ab
August 2013 aus Kapazitätsgründen sowie auf Grund der überwiegenden Fänge im Umfeld des
Stadtzentrums keine weiteren Schlagfallen zum Einsatz kamen.
Im Zuge der Fänge innerhalb der Fangreihen mit Lebendfallen wurden ebenfalls keine Schermäuse
gefangen, obwohl
*
gezielt auch größere Lebendfallen eingesetzt worden sind (s. Kap. 3.2.2, S. 26; Abb. 10,
S. 28) und
70
*
sich in den regulären Lebendfallen von 20 cm Länge sowohl alle neun Mauswiesel als auch
einzelne lebende Wanderratten(-jungtiere) fingen und
*
wenn möglich die Lebendfallen unmittelbar an der Uferlinie von Gewässern in überhängender
Vegetation gestellt wurden.
Die Größe der Fallen ist demnach wahrscheinlich nicht das alleinige Kriterium dafür, dass Schermäuse
nicht in die Fallen gingen.
Am 21.09.2012 wurde bei der Abendkontrolle der Lebendfallen beobachtet, wie eine Schermaus
versucht hat, eine Falle der Fangreihe im Kleingartenkomplex Bieberhof Tatenberger Deich (L 14_M
14) auszuräubern. Dies blieb der einzige Lebend-Nachweis von Schermäusen in dieser Studie.
Daneben wurde noch ein Tier tot aufgefunden und einige wenige über Gewölle nachgewiesen.
In zahllosen Fällen wurden von den Lebendfallen einzelne bis mehrere je Fangserie ausgeplündert,
ohne dass darin Tiere gefangen waren. Nur in einzelnen Fällen konnten auf Grund der Spuren oder
von Kot Ratten als Räuber der Köder benannt werden. Darüber hinaus waren im Sommer Ameisen
sowie Nacktschnecken für das Ausräumen der Köder ohne Fänge zu bestimmen, in andern Fällen
fehlen Hinweise zu den Verursachern.
4.1.8 Sonstige Besonderheiten
Verschleppen von Fallen
In zunehmendem Maße, beginnend im August 2012, waren verschiedene Fallenreihen davon
betroffen, dass nach der ersten, verstärkt jedoch nach der zweiten Fallennacht einzelne Fallen bis
systematisch mehrere Fallen hintereinander weggeschleudert waren, z.T. im angrenzenden Gewässer
versenkt, aus den Klarsichthüllen gerutscht, die Fallenklappen verloren usw. (Abb. 47, Anhang III,
S. 14). Dabei waren in einer größeren Anzahl von Fallen die Klarsichthüllen zerfleddert und/oder die
Fallen angebissen. Alle diese Hinweise deuten auf ein mittelgroßes Raubtier als Verursacher. In etwa
2-3 Fällen waren die so in der Landschaft liegenden Fallen bzw. Klarsichthüllen durch Füchse markiert.
Füchse nutzen jedoch „besondere“, also in der jeweiligen Landschaft auffällige Strukturen gern zur
Markierung. So war die von Herrn G. SCHÄFERS am 06.07.2012 auf einem Maulwurfshügel auf dem
alten Bahndamm Billwerder tot aufgefundene Hausspitzmaus ebenfalls durch einen Fuchs markiert.
Eine Markierung durch Füchse ist also kein hinreichender Hinweis darauf, dass die Füchse die Fallen
auch herumgeworfen hatten.
In seltenen Fällen (insgesamt etwa 3-5) waren auf oder an den Fallen breiige Kot(reste) zu finden, die
an Hand des Geruches auf Waschbären schließen lassen. Ob auch die Waschbären hier im Nachhinein
die Struktur zur Markierung genutzt oder selbst die Fallen herumgeworfen hatten, konnte nicht geklärt
werden. Es schien außerdem, dass die Anzahl der Fallen, die betroffen waren, mit der Zeit anstieg,
obwohl die einzelnen Fangreihen räumlich so weit voneinander getrennt lagen, dass Einzeltiere als
Verursacher nicht in Frage kommen.
Nacktschnecken in den Fallen
Innerhalb der Vegetationsperiode waren zuweilen, insbesondere in den Marschen und Niedermooren,
zahlreiche Nacktschnecken in/an den Fallen, in den Klarsichthüllen usw. (bis zu 23/Falle!), so dass
u.U. die Köder vollständig ausgefressen waren (Abb. 48, Anhang III, S. 15). Auch in den Fangeimern
fanden
sich
bei
den
Kontrollen
zuweilen
zahllose
Nacktschnecken.
Bei
den
abendlichen
Fallenkontrollen wurden, wenn nötig die Fallen nachbeködert, auch wenn die Köder bei sehr starkem
Schneckenbesatz bis zum nächsten Morgen wieder ausgefressen waren. Es wurden auch Mäuse und
71
Nacktschnecken
zusammen
in
einer
Falle
gefangen,
i.d.R.
schienen
die
Mäuse
solche
„Schneckenfallen“ jedoch zu meiden, es erfolgten jedoch dazu keine Aufzeichnungen.
Sonstige Auffälligkeiten
Im November und Dezember 2013 waren plötzlich die ausgebrachten Fallen am nächsten Morgen zu
ca. 50 % ausgefressen, teilweise fing sich trotzdem eine große Anzahl von Tieren in diesen Reihen
(z.B. in Altenwerder G 13; mit 40 Fallen in einer Nacht 16 Tiere). Wenn möglich wurden die Fallen
nachbeködert.
Bei den 9 gefangenen Mauswieseln wurde nur bei dem ersten gefangenen Tier versucht, die
Körpermasse, ~maße und das Geschlecht zu bestimmen. Neben der Tatsache, dass Mauswiesel
äußerst wehrhaft und bissig sind, kommt hier jedoch vor allem zum Tragen, dass sie zur Gattung
Mustela gehören und mit „Duft“drüsen ausgestattet sind. In Stresssituationen wie dem Fang und
insbesondere dem handling wird von den Tieren ein übelreichendes Sekret ausgeschieden. Die Fallen,
in denen sich Mauswiesel fingen, waren mit dem Drüsensekret beduftet. Es wurde daraufhin bei den
weiterhin gefangenen Mauswieseln keine Daten erhoben, sondern die Tiere wurden nur freigelassen.
Etwa nach einem Jahr wurden in den ersten „Mauswiesel-Fallen“ erstmals wieder Mäuse gefangen.
4.2
Nachweise aus den Gewöllanalysen
In der Tab. 13, Anhang III, S. 37 sind die Ergebnisse der analysierten Gewölle für die
Gewöllaufsammlungen nach dem 1.1.2000 in Hamburg zusammengestellt. Die Analyse der Gewölle
hat Herr Dr. Th. HOFMANN, Dessau, maßgeblich unterstützt, wofür an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Ein Großteil der Gewölle wurde von Herrn Ch. MÜHLENFELD, Curslack (Vier- und Marschlande) und
Herrn Dr. R. MULSOW, Sasel, gesammelt und zur Verfügung gestellt. Auch ihnen hier herzlichen Dank.
Außerdem konnten die Nachweise aus den Gewöllanalysen von STÖDTER & NAGEL (2006) aus dem
Duvenstedter Brook für den Bearbeitungszeitraum nach dem 1.1.2000 ausgewertet werden.
Zum Vergleich des Artenspektrums und der Artenzahlen sind auch Gewölle vor dem 1.1.2000 sowie
außerhalb von Hamburg gesammelte exemplarisch in der Daten-Tabelle mit aufgelistet. Diese werden
nicht weiter ausgewertet.
Die Ergebnisse sind neben den übrigen Nachweisen unmittelbar in die Kartendarstellungen und
Ausführungen zu den Arten eingeflossen.
Insgesamt wurden Gewölle aus 37 Aufsammlungen ausgewertet, z.T. mehrere Aufsammlungen von
einem Ort (mehrere Gebäude eines Hofes und/oder zeitlich gestaffelt verschiedene Sammlungen)
sowie 9 Auswertungen aus STÖDTER & NAGEL (2006) übernommen. Es wurden insgesamt rund 2.900
Beutetiere einbezogen, davon gut 2.300 bis zur Art bestimmt.
Nach den hier erhobenen Daten bieten die Gewölle von Schleiereulen aus Aufsammlungen mit
mindestens einer Anzahl von rund 10 Gewöllen, möglichst mehr, einen guten Überblick über die im
Flugradius vorhandenen Kleinsäugetierarten. Außerdem lassen sich Schleiereulengewölle relativ leicht
bearbeiten, so dass bei der Analyse v.a. die verfügbaren Gewölle dieser Art ausgewertet wurden. Es
kamen darüber hinaus Gewölle von Waldohreulen, einem Taggreifvogel sowie Uhus zur Auswertung.
Es liegen daraus für Hamburg seit dem 1.1.2000 Reste von rund 1.900 Beutetieren aus 14 Arten vor,
darunter sind vier Arten, die nur über die Gewölle in Hamburg nachgewiesen wurden. Dazu zählt v.a.
der Erstnachweis der Feldspitzmaus für Hamburg etwa seit dem Jahr 1900, allerdings in nur ca. 650 m
Entfernung zum niedersächsischen Elbeufer (s. Kap. 4.4.2.2, S. 84).
Außerdem gelang in dieser Studie von der Hausmaus nur in einem Gewölle vom Kirchwerder
Hausdeich ein Nachweis sowie einer aus STÖDTER & NAGEL (2006) aus dem Wohldorfer Hof.
72
In
den
Lebendfängen
konnten
ebenfalls
keine
Nachweise
von
Wasserspitzmäusen
und
Zwergspitzmäusen erbracht werden, die in den Gewöllen aus den Vier- und Marschlanden sowie dem
Duvenstedter Brook relativ regelmäßig vertreten waren, wie auch die selten gefangenen
Waldspitzmäuse. Dabei überwiegen zahlenmäßig Wald- und Zwergspitzmäuse die Wasserspitzmäuse
deutlich.
Für die Vier- und Marschlande konnten nur über die Gewölle Erdmäuse regelmäßig aus insgesamt
12 Aufsammlungsorten nachgewiesen werden. Ebenso regelmäßig taucht die Feldmaus hier auf, mit
insgesamt 430 Tieren die deutlich häufigste Art in den Gewöllen. Im Duvenstedter Brook war dagegen
die Erdmaus mit 197 zu 151 gegenüber der Feldmaus die häufigste Art (STÖDTER & NAGEL 2006).
Die Rötelmaus war hingegen nur in 10 Gewöllaufsammlungen mit insgesamt nur 121 Tieren recht
selten vertreten, die Gelbhalsmaus mit nur 88 Exemplaren aus 15 Aufsammlungen ebenso.
Damit sind die Nachweishäufigkeiten der vier häufigsten Arten in den Gewöllen (Erd-, Feld-,
Waldspitz- und Zwergspitzmaus) genau entgegengesetzt zur Häufigkeit in den Fallenfängen.
Ebenso auffällig wie die nur über Gewölle erbrachten Nachweise sind die nicht über Gewölle für
Hamburg nachgewiesenen Arten – ebenfalls vier:
Es fehlten Reste von Igeln und Wildkaninchen (seit 2000 bzw. nicht in Hamburg), die v.a. von Uhus
erbeutet werden (s. u.a. BORKENHAGEN 2011). Es wurden jedoch nur einzelne bzw. vorsortierte Gewölle
von Uhus ausgewertet.
Daneben wurden keine Reste von Haselmäusen und Hausspitzmäusen in Gewöllen gefunden, was
Hinweise auf weitere Vorkommen geben könnte.
Außerdem fiel auf, dass nur vier Nachweise der Schermaus aus den Gewöllen und Lebendfängen
entlang der Elbe bzw. Gose Elbe gelangen. In der Elbeaue in Sachsen-Anhalt wurde die Art
regelmäßig in einzelnen Exemplaren in Gewöllen nachgewiesen (EBERSBACH et al. 1999a). Im
Duvenstedter Brook taucht die Schermaus mit 8 Exemplaren regelmäßiger in den Gewöllen auf
(STÖDTER & NAGEL 2006).
Für den Ohlsdorfer Friedhof lagen Gewölle von Waldohreulen und Uhus vor, wobei die
Waldohreulengewölle von Aufsammlungen aus den Jahren 1979, 1984, 1995 und 1998 stammen, und
damit für die aktuellen Kartierungen keine Hinweise liefern. Seinerzeit haben die Eulen Wanderratten,
Waldmäuse, Feldmäuse und Erdmäuse erbeutet, sowie immer wieder Kleinvögel. In den Uhu-Gewöllen
aus dem Jahr 2001 waren nur Reste von nicht bestimmbaren Apodemus-Arten (Wald-, Gelbhals- oder
Brandmaus) enthalten, sowie von Wanderratten und einem größeren Vogel (s.o.).
Aus den Gewöllen von Waldohreulen aus dem Stadtpark aus dem Jahr 1976 konnten Reste von
Feldmäusen und Apodemus-Reste isoliert werden.
Aufsammlungen von Waldohreulen aus dem Jahr 2009 erbrachten mit Resten von Wanderratten,
Waldmäusen, Gelbhalsmäusen, Apodemus sp. sowie Rötelmäusen Hinweise über die mit den
Lebendfängen nachgewiesenen Gelbhalsmäuse hinaus aus dem Stadtpark.
Erstaunlich bleibt, dass die Anteile der in den Lebendfängen bei weitem häufigsten Gelbhalsmaus in
den Gewöllen als Alternativnahrung nicht an die Anteile der Erd- und Feldmaus gekoppelt zu sein
scheint. Auch wenn die Anteile der beiden Wühlmausarten als Hauptnahrung der Eulen unter 40 %
der Beutetiere absinken, übernehmen in der Regel die Gelbhalsmäuse keine Hauptrolle in der
Ernährung der Eulen, sondern bleiben auf niedrigen Anteilen von 0 bis maximal 14,3 % der Beutetiere
und nur in einer Ausnahme bis 25 %: bei völligem Ausfall beider Wühlmausarten im Stadtpark
(Waldohreulen-Gewölle, Aufsammlung im Jan. 2009, s.o.). Dagegen übernehmen fast immer die
73
Wald- und Zwergspitzmäuse die Rolle als Hauptnahrung der Eulen, wenn die beiden Wühlmäuse
ausfallen. Die vier Arten Erd- und Feldmaus sowie Waldspitz- und Zwergspitzmaus zusammen bilden
in aller Regel zwischen 55 und 100 % der Nahrungstiere der Eulen in den untersuchten Gewöllen (im
Durchschnitt 76,5 %).
Insgesamt stellen damit die Gewöllanalysen eine wichtige Ergänzung zu den Lebendfängen und
sonstigen Nachweisen dar.
4.3
Sichtbeobachtungen, Totfunde und sonstige Nachweise
Insgesamt konnten mit den Fängen in Lebend- und Schlagfallen und den Gewöllanalysen Nachweise
von 38 Säugetieren in Hamburg erbracht werden. Im Folgenden sind die Nachweise einiger Arten
erläutert.
4.3.1 Gezielte Suche nach Freinestern von Hasel- und Zwergmäusen und Nesttubes
Durch eine Zusammenarbeit mit Frau Sina EHLERS, Kiel, ergab sich die Möglichkeit, im Januar 2012
gezielt geeignete Strukturen entlang der Ost-Grenze Hamburgs auf Freinester von Hasel- und
Zwergmäusen abzusuchen (s. Abb. 49, 50; Anhang III, S. 16). Dabei wurden an 3 Stellen in Hamburg
Haselmäuse
über
deren
Freinester
nachgewiesen.
Diese
Nestsuche
wurde
ergänzt
durch
Haselmausnachweise in Nesttubes am alten Bahndamm Billwerder durch A. HAAK (2012), die ebenfalls
durch S. EHLERS im Januar 2012 an Hand von Freinestern am Bahndamm bestätigt wurden.
Der Hinweis auf Haselmäuse aus den 1970er Jahren (G. SCHÄFERS, pers. Mitt.) auf Haselmäuse im
Öjendorfer Park konnte sich nicht wieder bestätigen. Bei der gezielten Nestersuche wurden auch alle
in Frage kommenden Strukturen im Bereich Öjendorf auf ihre Lebensraumqualität für die Haselmaus
begutachtet, und ein Vorkommen wurde als unwahrscheinlich eingeschätzt.
Daraufhin wurde der Park Öjendorf nicht als Monitoringfläche untersucht, jedoch die neuen
Nachweisbereiche aus der Nestsuche als solche aufgenommen. Zusammen mit dem bereits 2011
bearbeiteten Gehölzbestand im NSG Borghoster Elblandschaften konnten damit über einen
Zusatzvertrag alle 5 Nachweisgebiete von Haselmäusen in Hamburg nach dem Schema des BfN (PAN
& ILÖK 2010) auf ihre Eignung als Lebensräume für die Art untersucht werden (EBERSBACH 2012).
Trotz insgesamt 250 über die Vegetationsperioden 2011 bzw. 2012 ausgebrachten Nesttubes gelang
jedoch kein weiterer Hinweis auf die Art in den tubes. Dies ist nicht ungewöhnlich, auch in Dänemark
konnten in 400 tubes keine Haselmäuse nachgeweisen werden, obwohl die Art parallel über Freinester
sicher belegt wurde (A. DREWS, pers. Mitt.)
Zusätzlich zu den im Januar 2012 betrachteten Gebieten konnten im Winter 2012/13 wiederum in
Zusammenarbeit mit S. EHLERS in verschiedenen Bereichen der Stadt Hamburg sowie im Saum zu
Schleswig
Holstein
im
gesamten
nördlichen,
westlichen
und
teilweise
in
den
südlichen
Stadtrandbereichen in den Stadtteilen Wandsbek, Eimsbüttel, Altona, Hamburg Mitte, Harburg und der
Eidelstedter Feldmark weitere Heckenstrukturen auf die Anwesenheit von Haselmaus- und
Zwergmausnestern abgesucht werden.
Die Lage aller Suchstrecken ohne Haselmaus- und/oder Zwergmausnachweise sowie der Artnachweise
wird dem Artkataster der Abteilung Naturschutz der BSU als shape-Datei zur Verfügung gestellt. Die
Artnachweise sind außerdem in die Karten der Artkapitel eingeflossen (Anhang II).
74
Es blieb insgesamt bei den 5 Nachweisen der Haselmaus für Hamburg, während an insgesamt
27 Stellen Zwergmausnester gefunden werden konnten.
Die Details und Daten, die zur Einschätzung der Qualität der Lebensräume mit den HaselmausVorkommen
aufgenommen
wurden,
sind
den
Berichten
zum
Werkvertrag
zu
entnehmen
(EBERSBACH 2012).
4.3.2 Suche nach Hinweisen auf Biber
Eigene Hinweise auf Biber wurden in Hamburg nur am alten Hafen Borghorst und am Neuengammer
Stichkanal gefunden. Da diese wie die darüber hinaus im Jahr 2010 existierenden Ansiedlungen
bekannt waren (LANDWEHR & JAHN 2011, s. Artkapitel, Anhang II), wurde an den elbnahen Gewässern,
die für eine erste Ansiedlungsphase durch Biber nutzbar waren, nicht weiter gesucht.
An 70 Suchstellen und –strecken an Gewässerabschnitten der ganzen Stadt fanden sich keine
Hinweise auf Biber.
Bei Kontrolle eines ausreichend großen Gewässerabschnittes auf Hinweise zu Bibern (v.a. Schnitte und
Fällungen) ist damit zu rechnen, dass Nachweise gefunden werden können, wenn Biber vorhanden
sind.
Da der Biber nicht Gegenstand gezielter Untersuchungen innerhalb der vorliegenden Studie waren,
sind die Gewässerabschnitte nur nebenbei mit betrachtet worden, wenn geeignete Strukturen zum
Fang der Kleinsäuger gesucht wurden. Die Lage der Suchstrecken wird dem Biberprogramm der BSU
als shape-Datei zur Verfügung gestellt.
Der einzige in Hamburg gefundene Bieberdamm (!) wurde nicht als Artnachweis gewertet (s. Abb. 51,
Anhang III, S. 17).
4.3.3 Suche nach Hausmäusen und Ratten
Die gezielten Befragungen von Betreibern von Reitställen erbrachten regelmäßig Nachweise von
Wanderratten. Es konnte jedoch trotz versuchter Absprache mit den Besitzern/Betreibern mehrerer
Reitställe in keinem Fall eine Möglichkeit gefunden werden, Mäuse und Ratten in den Ställen oder
Scheunen zu fangen – was mit dem Ziel von Nachweisen der Hausmaus und eventuell von Hausratten
wünschenswert war.
So konnte nur in zwei Ausnahmefällen in Gebäuden gefangen werden – dem ehemaliges Shell-Labor,
heute Dogville-Festivalgelände (Abb. 52, Anhang III, S. 17) sowie einem Carport und Geräteschuppen
eines Hausgartens in Volksdorf.
Darüber hinaus wurde unter einer Badewanne (!) am Bunker Schomburgstraße (Abb. 53, Anhang III,
S. 18; Fangreihe H 10_H 11), ein Waldmaus-Männchen gefangen.
Außerdem wurden gezielt die U-Bahnhöfe der Linie U 2 vom Berliner Tor bis Hagenbecks Tierpark auf
Hinweise von Hausmäusen abgesucht. Dazu wurden entlang aller zugänglichen Bereiche der Bahnhöfe
gezielt Kot, Fraßreste bzw. sonstige Hinweise auf Tiere abgesucht, ohne Erfolg. Nachdem
Sicherheitsbeamte mich daraufhin gezielt beobachteten, wurde die Suche abgebrochen.
Darüber hinaus wurden Mitarbeiter von 2 Schädlingsbekämpfungs-Firmen nach der Lage und
Verteilung von Köderboxen für Ratten befragt. Es wurden jedoch zur Lage der Köderboxen für Ratten
bzw., ob diese durch Ratten angenommen waren, bei diesen Firmen keine auswertbaren
Aufzeichnungen geführt.
75
Die gezielte Befragung von Bürgern, etwa in Kleingartenanlagen, erbrachte nach anfänglicher Skepsis
meist Erfahrungsberichte mit Wanderratten, die in Lauben eingedrungen waren, an den Gräben
beobachtet wurden, gefangen, überfahren usw. Die Hemmschwelle bis zur Herausgabe dieser
Erfahrungen war jedoch im Allgemeinen hoch, offensichtlich aus Angst vor gesellschaftlicher
Ausgrenzung wegen der Rattenvorkommen.
Im Ergebnis der Fallenfänge, Totfunde, Direktbeobachtungen und Befragungen bestimmter Berufsund
Bevölkerungsgruppen
(Bäcker,
Kioskbetreiber
in
U-Bahntunneln,
Pferdestallbetreiber,
Kleingärtner, sonstige Bürger) konnten innerhalb dieser Studie nur zwei aktuelle Nachweise der rein
urbanen Hausmaus erbracht werden – als Fund in einem Gewölle aus Wohldorf-Ohlstedt am Rande
des Duvenstedter Brook (STÖDTER & NAGEL 2006) sowie in einem Gewöllrest in den Vier- und
Marschlanden. Während Wanderrattenschädel in den Gewöllen gelegentlich gefunden wurden, ergab
sich kein einziger Hinweis auf Hausratten aus den Gewöllen.
Der einzige aktuelle Nachweis von Hausratten stammt von A. HAAK (pers. Mitt. BSU), der 2009 eine
Mumie auf einem Hausboden im Hafenbereich fand, die dort jedoch schon längere Zeit gelegen hatte.
Hinweise auf eine aktuelle Besiedlung waren nicht zu finden.
4.3.4 Hinweise von Befragungen der Bevölkerung und der Literatur
In zahlreichen Gesprächen im gesamten Stadtgebiet von Hamburg wurden von Bürgern Interesse
bekundet, Hinweise auf Säugetiere gegeben und/oder die Arbeiten kritisch hinterfragt. In den meisten
Fällen wurde dabei zumindest eine tolerierende Skepsis („Was machen Sie – Mäuse fangen!?“) bis
offene Zustimmung bekundet.
Befragungen zu sonstigen kleinen Säugetieren
Neben den Hinweisen auf Ratten wurden bereitwillig weitere Säugetierbeobachtungen mitgeteilt –
vom Automarder über Eichhörnchen, Igel usw. bis zur Zwergmaus. Die Hinweise sind in die
Kartendarstellungen eingeflossen, soweit sie inhaltlich, räumlich und zeitlich nachvollziehbar waren (s.
Kap. 3.2.9.2, S. 32).
Hinweise aus der Literatur und Praktikumsarbeiten
Innerhalb von Praktikums- und Abschlussarbeiten an der Universität Hamburg wurden an der Alster
und in anderen Bereichen vergleichend Untersuchungen zu verschiedenen Mäusearten im mehr
„ländlichen“ gegenüber dem innerstädtischen Bereich durchgeführt, z.B. zu Unterschieden in der
Parasitierung, Kondition, Reproduktion usw. (z.B. MEYER-LUCHT 2006; PETERS et al. 2014 ; SCIORTINO et
al. 2006). Daraus ergaben sich eine Reihe von Art-Nachweisen, die an Hand der Praktikumsberichte
i.d.R. jedoch nicht räumlich exakt zuzuordnen waren. Diese wurden als ergänzende Nachweise in den
befangenen Rastern einbezogen, wenn die Arten in den Rastern über die Lebendfänge dieser Studie
noch nicht erfasst waren.
Das
Hamburger
Abendblatt
vom
19.04.2014
berichtete
über
die
Untersuchungen
zur
Thermoregulation von Eichhörnchen durch Dr. J. TURNER vom Zoologischen Institut der Universität
Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof (HASSE 2014), der die eigenen Beobachtungen bestätigte.
LÜCHOW & TIEDE (2012) meldeten ihre Beobachtungen von Wald- und Gelbhalsmäusen bei der
Kontrolle von Fledermauskästen in der Osdorfer Feldmark.
Aus dem Pflegekonzept zum Alten Bahndamm Billwerder von A. HAAK (2012) wurden die Zwergmausund Haselmausnachweise übernommen und mit ausgewertet (s.o.).
76
Die Gewöllauswertungen zum Duvenstedter Brook von STÖDTER & NAGEL (2006) sind in Kap. 4.2, S. 72,
eingeflossen sowie in die Artkapitel im Anhang.
4.3.5 Spuren, Sichtbeobachtungen, Baue und Totfunde von Säugetieren
Während der Arbeiten in Hamburg wurden alle Hinweise auf Säugetiere notiert, soweit sie eindeutig
einer Art zuzuordnen waren. Ausnahmen bildeten nur Nachweise von Rehen sowie die Spuren,
Markierungen und Kotfunde von Rotfüchsen, Steinmardern und Dachsen, die nicht regelmäßig notiert
wurden.
Darüber
hinaus
sind
eindeutige
Hinweise
auf
Säugetierarten
(also
Spuren,
Fraßspuren,
Sichtbeobachtungen, Totfunde, Markierungen usw.) notiert worden, es wurde jedoch nicht
systematisch danach gesucht.
Mit den beschriebenen Methoden konnten insgesamt Hinweise auf 38 Arten von Säugetieren gefunden
werden, die in das Artkataster der Abteilung Naturschutz der BSU eingeflossen sind.
77
4.4
Methodendiskussion
Der Hauptschwerpunkt der vorliegenden Arbeit lag auf den Fangversuchen von Kleinsäugetieren
(s. str.) mit Lebendfallen. Dazu wurden im gesamten Stadtgebiet Fangreihen wenn möglich über die
Grenze zweier DGK5-Rasterquadrate mit je 2 km Kantenlänge mit 40 Fallen/Fangreihe gestellt.
Es konnten 158 Fangreihen in 229 Rastern befangen werden, was 95,8 % der Rasterquadrate
Hamburgs und damit praktisch einer flächigen Bearbeitung der Stadt als Rasterkartierung entspricht
(s. Abb. 1, S. 2). Nur neun randliche Raster mit nur geringem Flächenanteil an Hamburg, sowie das
Quadrat, in dem die Hafencity liegt, konnten nicht befangen werden.
Insgesamt liegen durch die Lebendfallenfänge aus 206 der 239 Rasterquadrate Nachweise von
Kleinsäugetieren aus der hier erarbeiteten Studie vor. Das sind 86,2 % der Raster der Fläche von
Hamburg. In nur 7 Fangstrecken fingen sich keine Kleinsäugetiere, in 16 Fangreihen über die Grenze
zweier Rasterquadrate konnten nur in einem der beiden Raster Kleinsäugetiere gefangen werden. In
einigen dieser Raster gelangen in ergänzenden Fangreihen dennoch Kleinsäugerfänge.
Die Fangmöglichkeiten profitierten insgesamt deutlich von der weiten Verbreitung von nicht urbanen
Strukturen. So konnten von den 158 Fangreihen mit Lebendfallen 79 % in nicht urbanen Strukturen
gestellt werden (s. Begriffe ab. S. 6). In rein urbanen Strukturen wurden 10 % der Fangreihen
ergänzt. Sowohl urbane als auch nicht urbane Strukturen betrafen 11 % der Fangreihen. Neben der
Vervollständigung der Fänge für das gesamte Stadtgebiet ging es dabei v.a. um Hinweise von im
urbanen Bereich vorkommenden Kleinsäugetierarten.
Zum Nachweis von Schermäusen wurden gezielt Schlagfallen eingesetzt, in denen sich jedoch keine
Schermäuse fingen.
Insgesamt gelangen in den Lebendfallen (ohne die 79 wiedergefangenen Tiere) Fänge von 1853
Kleinsäugetieren. Für die häufigen Arten in den Fallen (Gelbhalsmäuse 1132 Tiere und Rötelmäuse
395 Tiere) ergeben sich damit Aussagen zu einer weiten Verbreitung in Hamburg. Bereits für die
nächst selteneren Arten Waldmaus (126 Tiere) und Brandmaus (86 Tiere) sind die Verbreitungsbilder
jedoch nicht mehr geschlossen.
Alle anderen der insgesamt 12 über die Fallen nachgewiesenen Arten fingen sich nur in Einzeltieren
von 9 bis zu 19 Tieren.
Um die Nachweiswahrscheinlichkeiten, insbesondere für weitere und die selten in den Fallen
gefangenen Arten zu erhöhen, wurden weitere Nachweismethoden ergänzt (s.u.).
Trotz des hohen personellen Aufwandes für den Nachweis von 12 Arten in Hamburg aus den
Lebendfängen haben diese wesentliche Vorteile gegenüber reinen Gewöll-Kartierungen oder
Sammlungen von Totfunden und sonstigen Hinweisen. Dazu zählen:
*
die Möglichkeiten der Erfassung von Körpermaßen und -massen, zur Reproduktion und v.a.
zur Populationsstruktur.
*
Man ist bei der flächigen Bearbeitung nicht auf Gewöll- und Zufallsfunde angewiesen. Trotz
intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, für Hamburg von weiteren Aufsammlungsorten Gewölle
zu bekommen (G. SCHÄFERS, pers. Mitt.).
*
Außerdem haben die Strukturanalysen gezeigt, dass die Lebensraumnutzung der Tiere der
verschiedenen Arten nach den Fangergebnissen in Hamburg zum Teil deutlich von Literaturangaben
für Hamburg und Umgebung abweicht (vgl. z.B. DEMBINSKI et al. 2002, BORKENHAGEN 2014). Das wird
z.B. bei der Waldmaus, Brandmaus, Erdmaus, Feldmaus oder Hausspitzmaus deutlich (vgl. Artkapitel
im Anhang II).
78
Die Fänge in Lebendfallen innerhalb dieser Studie ermöglichen jedoch keine hinreichenden Aussagen
zur Populationsgröße, da mit einmaligen Fängen in Fangreihen keine Aussagen zur Dichte von Arten in
der Fläche erzielt werden können. Dazu sind Fänge in Fangflächen notwendig, die jedoch in einem so
dicht besiedelten Gebiet wie Hamburg nur ausnahmsweise zu realisieren sind. Es ist im Nachgang der
Fänge viel eher erstaunlich, dass trotz des hohen menschlichen Nutzungsdruckes innerhalb des
gesamten Stadtgebietes Strukturen gefunden werden konnten, die regelmäßige Kleinsäugerfänge mit
Fangreihen in fast allen 2-km-Rastern erlaubten, ohne dass es zu häufigeren Fallenverlusten kam.
Es ergeben sich aus Fangreihen jedoch „relative Fangdichten“ im Vergleich der Fangserien
untereinander. Es können Aussagen abgeleitet werden sowohl zur relativen Dichte der einzelnen
gefangenen Arten als auch der Fangdichten im Vergleich der Fangstrecken. Dabei ergibt sich die beste
Vergleichbarkeit aus
a)
Fangserien in der gleichen Fangstrecke zu unterschiedlichen Zeitpunkten und/oder
b)
Fangserien möglichst in einem eng begrenztren Zeitraum in unterschiedlichen Fangstrecken.
Das war bei der Planung der Studie bekannt, mit den gegebenen Mitteln jedoch nicht anders zu
realisieren.
Im Fall von zeitlich versetzten Fangserien auf der gleichen Fangstrecke können Aussagen erwartet
werden
zu
relativen
Populationsschwankungen,
z.B.
zwischen
den
Jahreszeiten
oder
den
Untersuchungsjahren. Zur Minimierung der Zufallseffekte von über- oder unterdurchschnittlichen
Fangerfolgen einzelner Fangstrecken sollten dazu die Ergebnisse mehrerer Fangstrecken einfließen.
Dazu wurde außerdem versucht, in unterschiedlichen Teilen der Stadt in verschiedenen Jahreszeiten
und Jahren zu fangen, um die natürlichen Unterschiede der Mäusedichten im gesamten Stadtgebiet
auszugleichen.
Dabei
wurden
einerseits
Bearbeitungslücken
geschlossen
und
andererseits
Wiederholungsfänge in bereits befangenen Rastern und Strukturen einbezogen.
Erst in Kombination mit Fangergebnissen aus mehreren Fangstrecken in eng begrenzten Zeiträumen
ergeben sich dann Hinweise auf unterschiedliche Kleinsäugerdichten bzw. auf Unterschiede in
Populationsdichten einzelner Arten und/oder unterschiedliche Artenzusammensetzungen zwischen den
Fangstrecken. Beide Herangehensweisen wurden praktiziert und ausgewertet.
MEINIG (1998) geht davon aus, dass zumindest in isolierten Habitatinseln in Städten für den Nachweis
aller vorhandenen Arten mitunter Erhebungen in mehreren Jahren erforderlich sind. Das wurde in
Hamburg dadurch versucht auszugleichen, dass über das gesamte Stadtgebiet gefangen wurde, sich
also in der größeren bearbeiteten Fläche die Arten nachweisen lassen sollten (s.u.), und dass
ergänzende Nachweismethoden angewandt wurden.
Entsprechend hat die vorliegende Studie gezeigt, dass die Lebendfänge erst in ihrer Gesamtheit über
alle vier Jahreszeiten und die Bearbeitungsjahre von Mai 2011 bis Januar 2014 das Spektrum der
12 durch
die
Fänge
nachgewiesenen
Kleinsäugetiere
erbringen.
Zusätzlich
wurden
die
Wasserspitzmaus, Zwergspitzmaus, Hausmaus sowie Feldspitzmaus nur über die Gewöllanalysen
nachgewiesen und die Haselmaus aktuell über Nestfunde bzw. Niströhren (HAAK 2012). Von der
Schermaus gelang nur eine Sichtbeobachtung und ein Totfund sowie ein einziger Nachweis über die
Gewöllanalysen. Ob damit das gesamte Artenspekturm der Kleinsäugetiere in Hamburg bekannt ist,
kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.
79
Damit wird noch einmal unterstrichen, dass sowohl unterschiedliche Methoden ergänzend eingesetzt
werden müssen als auch längere Bearbeitungszeiträume notwendig sind, um das Artenspektrum in
einer größeren Bearbeitungsfläche zu erfassen.
Das schließt ein, dass derzeit nicht alle Arten in jedem ihrer Vorkommen bekannt sein können. Mehr
war jedoch mit den gegebenen Mitteln nicht zu erreichen.
4.4.1 Methodische Variationen und sonstige Einflüsse auf die Fänge
Ursprünglich war für die Studie geplant, in den DGK5-Rasterquadraten in Hamburg je Raster einmal
mit durchschnittlich 30 Lebendfallen/Fangreihe Kleinsäugetiere zu fangen. Die Fangergebnisse der
ersten Fänge im Frühjahr 2011 haben jedoch gezeigt, dass eine bestimmte Mindestanzahl von Fallen
(auch in Rastern mit nur geringem Flächenanteil) in HH eingehalten werden sollte. Das gilt auch bei
ergänzenden bzw. wiederholten Fängen in schon befangenen Rastern.
Auf Grund der überwiegend gefangenen Gelbhals- und Rötelmäuse in der überwiegenden Anzahl von
Fangreihen einerseits und der nur gelegentlich nachgewiesenen Spitzmäuse seit dem Jahre 2011
andererseits wurde versucht, die Nachweiswahrscheinlichkeit für andere vorkommende Arten zu
erhöhen.
Deshalb wurde die Fangmethode den Gegebenheiten der Großstadt Hamburg angepasst und es
wurden weitere Köder und Fallentypen getestet. Es galt außerdem zu prüfen, ob eine Wiederholung
der Fänge in der räumlich gleichen Fangreihe und/oder eine Erweiterung der Fänge auf eine
zusätzliche Struktur innerhalb des schon befangenen Rasters weitere Nachweise erbringen.
4.4.1.1 Verlegung der Fangreihen und Erhöhung der Fallenzahl
Es erfolgte eine Erhöhung der Fallenzahl von durchschnittlich 30 auf 40 Fallen/Fangreihe bei
gleichzeitiger Verlegung der Reihen über die Grenzen zweier DGK5-Rasterquadrate, soweit das
Gelände dies zuließ. Vorrang hatte auch hierbei der Nachweis möglichst vieler Arten durch die Fänge.
Die Vorteile der Fänge in Fangreihen über die Grenze zweier Rasterquadrate sind:
a)
die
flächige
Bearbeitungsmöglichkeit
für
das
gesamte
Stadtgebiet
von
Hamburg
als
Rasterkartierung und
b) die Erhöhung der Zahl der Fallen in einem Großteil der Fangreihen von ursprünglich 30 auf 40.
Damit erhöht sich die Fangwahrscheinlichkeit in jeder Fangreihe auch für die selteneren Arten.
Ungeachtet dessen kann in Anpassung an vorhandene Strukturen eine Abweichung von dem
geplanten Modus von 2 Fallen alle 10 m in insgesamt 20 Fallenpaaren je Fangreihe notwendig sein.
Durch die Berechnung der Fangdichten je 100 Fallennächte sind dennoch Vergleiche der Ergebnisse
möglich.
Der Nachteil der rasterübergreifenden Fänge ist, dass dadurch nur jeweils ein Lebensraum in
2 Rastern befangen wurde. Allerdings wurde auch die Anzahl der Fangreihen gegenüber den
geplanten 100 auf 158 erhöht.
4.4.1.2 Erhöhung
der
Fangwahrscheinlichkeit
durch
ergänzende
Fallentypen
und
Ködervariationen
Neben der Erhöhung der Fallenanzahl je Reihe wurde innerhalb der Fangreihen versucht, die
Wahrscheinlichkeit von Hinweisen auf die bisher selten nachgewiesenen Arten zu erhöhen. Dies
erfolgte jeweils in einzelnen Versuchen auf verschiedenen Wegen:
80
a)
Die gleichen Fangstrecken wurden wiederholt befangen.
b)
Es wurden im gleichen Raster ein bis mehrere ergänzende Fangstrecken befangen.
c)
Es wurden in benachbarten Rastern, jedoch im gleichen Lebensraumkomplex mehrere
Fangstrecken befangen.
d)
Die Anzahl der Fallennächte wurde von 2 auf 3 erhöht.
e)
Die Anzahl der Fallen je Fangstrecke wurde erhöht.
f)
Die Lebendfallen wurden um Schlagfallen für Schermäuse sowie um Fangeimer für
Spitzmäuse ergänzt.
g)
Es wurden neben der regulären Fangreihe besondere Strukturen mit weiteren Lebendfallen
h)
Es wurden verschiedene Köder getestet.
bestückt.
Zu a) und b)
In verschiedenen Bereichen von Hamburg wurden in insgesamt 29 Rastern jeweils zwei bis vier
Fangversuche unternommen. In 23 Rastern davon konnten dadurch je eine bis drei weitere Arten für
dieses Rasterquadrat nachgewiesen werden.
Beispiele.:
*
Im Juli 2011 wurde in der Fangstrecke O 00 nur eine Gelbhalsmaus gefangen. Im Oktober
2013 wurde in der gleichen Hecke nochmals gefangen und es wurden 5 Gelbhalsmäuse und
2 Rötelmäuse gefangen.
*
Im Mai 2011 wurden in der Fangstrecke S 16-1 nur Gelbhalsmäuse gefangen und in Reihe
S 16-2 parallel dazu nur Rötelmäuse. Im August 2011 wurde die Fangstrecke S 16-1 wiederholt und
die Fallenzahl von 20 auf 30 erhöht (S 16-3). Jetzt wurden neben Gelbhalsmäusen Brandmäuse und
eine Rötelmaus gefangen.
Zu c)
Es wurden in verschiedenen Teilen der Stadt in Lebensraumkomplexen jeweils 2 bis mehrere
Fangreihen befangen, mit unterschiedlichem Erfolg:
Beispiele:
*
P 00_P01 zu O 01_P 01; Duvenstedter Brook: Die zusätzlichen Fänge erbrachten eine
Ergänzung um 2 Arten.
*
B 07_B 08 zu C 07_C 08, Klövensteen, Rissen: Ergänzung um 1 Art;
*
Ohlsdorfer Friedhof in 4 Rastern: K 06 bis L 07: Nur die Fänge insgesamt erbrachten 3 Arten,
die einzelnen Fangreihen nur 0-2;
*
G 05_G 06 und G 06 im Vergleich zu H 05_H 06, Schnelsen: In H 05_H 06 wurde nur die
Gelbhalsmaus nachgewiesen, in G 05_G 06 und G 06 in rund 500 m Abstand dazu am Rande des
gleichen Offenland-Komplexes zusammen 5 Arten.
*
G 14_G 15 zu H 14; Moorburg: Ergänzung um 2 Arten
*
O 17_O 18 zu O 18_P 18 Marschenbahndamm: Zu Gelbhals und Rötelmaus wurde die
Brandmaus ergänzt. In einer weiteren Fangreihe (M 16_N 16) kam noch das Mauswiesel hinzu.
*
K 15_L 15 zu L 15_L 16 entlang des Elbedeiches wurde in L 15_L 16 nur die Gelbhalsmaus
nachgewiesen, in K 15_L 15 keine Maus gefangen.
Zu d)
81
In einzelnen Fangreihen wurden nach Ablauf der vorgesehenen 2 Fangnächte die Fallen für eine
weitere Nacht fängisch stehen gelassen. Dabei ergaben sich in der Regel keine neuen Artnachweise.
Beispiel:
Die Fänge auf dem Ohlsdorfer Friedhof erbrachten insgesamt nur wenige Arten mit wenigen Tieren,
auch nach der Verlängerung um eine Fangnacht.
Zu e)
Nach den ersten Fängen im Frühjahr 2011 wurde die Fallenzahl in aller Regel von 30 auf 40 Fallen je
Fangreihe mit jew. 2 Fangnächten erhöht, soweit die Geländestrukturen dies zuließen. Dies hat in
zahlreichen Fangreihen die Anzahl der Fänge und der nachgewiesenen Arten erhöht. Es erfolgte dazu
keine detaillierte Auswertung.
Zu f)
Im vorliegenden Projekt wurden neben den Lebendfallen auch Schlagfallen zum Nachweis von
Schermäusen verwendet, wenn das Gelände dies zuließ. Dazu wurden wenn möglich entlang von
Gewässerufern in unmittelbarer Nähe zu den Reihen der Lebendfallen Schlagfallen eingesetzt. Dies
war jedoch insgesamt schwieriger als gedacht, denn nur ein Teil der Fangserien lag in der Nähe von
Gewässern. Die wesentliche Einschränkung des Einsatzes von Schlagfallen ergab sich jedoch aus dem
hohen Nutzungsgrad der meisten Grünflächen durch Besucher und Erholungssuchende mit regelmäßig
einer großen Anzahl von Hunden. So konnten in insgesamt nur 25 Fangstrecken Schlagfallen
eingesetzt werden, in denen sich jedoch keine einzige Schermaus fing. Deshalb wurde ab September
2013 auf Grund der begrenzten Kapazität auf die Schlagfallen verzichtet.
Seit dem Beginn der Mäusefänge wurden nur gelegentlich Spitzmäuse in den Lebendfallen
nachgewiesen. Befragte Bürger sprachen jedoch immer wieder in verschiedenen Stadtteilen von
„schwarzen Spitzmäusen“ im Umfeld ihrer Häuser auf ihren Grundstücken.
Deshalb wurde in einzelnen Fällen versucht, auf den Grundstücken Spitzmäuse zu fangen, wenn die
Bürger dies wünschten – ohne Erfolg. Es wurden außerdem eine Reihe von Fangserien von
Lebendfallen durch Fangeimer ergänzt, wie sie beim Fang von Laufkäfern eingesetzt werden.
Es wurden dazu, wenn das Gelände und das Nutzungsmuster der Landschaft durch Menschen dies
zuließ, je ein Fangeimer am Anfang und am Ende einer Lebendfallenreihe ebenerdig eingegraben und
mit einem gut 4 cm hochgesetzten Deckel gegen Regenwasser geschützt. Dabei sammelten sich im
Sommer regelmäßig eine große Anzahl von Nacktschnecken in den Eimern, die innerhalb von 1-2
Tagen die Köder mehr oder weniger regelmäßig verzehrten. Es wurde jedoch keine einzige Spitzmaus
und auch kein anderes Säugetier in den Eimern nachgewiesen, weshalb ab Ende September 2013
auch auf den Einsatz der Eimer verzichtet wurde.
Zu g)
Neben dem Einsatz von Schlagfallen und Fangeimern wurden in Einzelfällen zusätzliche Lebendfallen
neben den regulären Fangreihen eingesetzt, was in mehreren Fällen die Artenzahl und den Fangerfolg
erhöht haben.
Beispiele:
*
In der Feldflur des Bio-Hofes in Q 18 wurden nicht regulär 30, sondern 40 Fallen eingesetzt,
und insgesamt bei nur 12 Fängen 4 Arten nachgewiesen.
*
In Reihe D 12_E 12 in einer Apfelplantage, Finkenwerder Westerdeich, war vom Eigentümer
von „großen Wühlmäusen“ berichtet worden, weshalb gezielt Schlagfallen, Fangeimer und zusätzliche
82
Lebendfallen eingesetzt wurden. Es konnte eine Reihe von Rötelmäusen in den Lebendfallen gefangen
werden.
*
Auf dem Ohlsdorfer Friedhof erbrachten nur die 360 Fallennächte zusammen (gegenüber 160
regulär) die 19 Fänge mit Nachweisen von zusammen 3 Arten.
Zu h)
Die Fangeimer wurden neben den in den Lebendfallen üblichen Ködern versuchsweise mit
verschiedenen animalischen Ködern bestückt:
Es wurden Putenfleisch, Hühnchenfleisch, Rinder- bzw. Schweineleber, geräucherter Speck sowie Brut
von Bienen (die Brut von Drohnen, die den Bienenvölkern zur Verringerung der Anzahl der VorroaMilben entnommen worden war) getestet – alle ohne Erfolg.
4.4.1.3 Fallenverluste und sonstige Einflüsse auf die Fänge
In Anbetracht der insgesamt und flächendeckend sehr hohen menschlichen Nutzungsdichte der Stadt
selbst sowie aller ihrer Frei- und Grünflächen waren die Verluste von Fallen bzw. die Behinderungen
der Fänge durch Diebstahl, Vandalismus, wohlgemeinten Tierschutz o.ä. Gründe vergleichsweise
gering. Es gab gelegentlich den Diebstahl einzelner Fallen – insgesamt geschätzt 20. In einer
Fangreihe (P 08_P 09, Aumühler Weg) wurden 12 Fallen systematisch gesucht und die Fallen wurden
im Gelände herumgeworfen. Davon konnten 2 sowie einige der Klappen nicht wiedergefunden
werden.
In der Nacht zum 26.09.2013 wurden durch einen Starkregenguss mehrere Fallen am Ufer der Berner
Au (N 07) weggespült, die nicht wiedergefunden werden konnten.
In einzelnen Fällen wurden durch Ufermahd o.ä. Maßnahmen auch Fallen beeinträchtigt (Abb. 54, 55,
Anhang III, S. 19). Wenn möglich wurde versucht, durch Absprachen mit den Flächennutzern solche
Verluste zu vermeiden.
Ab dem Herbst 2012 vermehrten sich die Fälle, wo bei der morgendlichen Fallenkontrolle einzelne bis
mehrere Fallen einer Fangreihe im Gelände herumgeschleudert waren (s. Kap. 4.1.8, S. 71; Abb. 47,
Anhang III, S. 14).
Nach Verlusten von Fallen nach der ersten Fangnacht wurden i.d.R. die verlorenen Fallen für die
zweite Fangnacht ersetzt.
4.4.2 Erhebung sonstiger Säugetiernachweise
4.4.2.1 Fangmöglichkeiten in speziellen Strukturen
Trotz mehrmaliger Absprache mit den Besitzern/Betreibern mehrerer Reitställe konnte in keinem Fall
eine Möglichkeit gefunden werden, Mäuse in den Ställen oder Scheunen zu fangen – was mit dem Ziel
von Nachweisen der Hausmaus und ggf. Hausratte wünschenswert war. So konnte nur in
Ausnahmefällen
in
Gebäuden
gefangen
werden
(ehemaliges
Shell-Labor,
heute
Dogville-
Festivalgelände sowie Carport und Geräteschuppen eines Hausgartens).
Auch die gezielte Suche nach Hausmäusen in U-Bahn-Tunneln bzw. –Bahnhöfen erbrachte bei
Ansitzen auf allen U-Bahnhöfen der Linie U 2 von Berliner Tor bis Hagenbecks Tierpark Bahnhöfen
keinen Erfolg, so dass innerhalb dieser Studie keine Nachweise der rein urbanen Hausmaus gelangen
bis auf die beiden einzigen Gewöllfunde (s.u.).
83
Es ist für einen Bearbeiter, der in der Region häuslich verankert und damit sozial eingebunden ist,
natürlich leichter, die Fangerlaubnis für diverse Gebäude zu bekommen. Im Sinne eines Auftrages wie
für das vorliegende Gutachten war in der gegebenen Zeit nicht mehr zu leisten.
4.4.2.2 Gewöllanalysen
Bei Nachweisen aus Gewöllen besteht die Möglichkeit des Verschleppens von Beutetieren auch über
größere Entfernungen und u.U. eine zeitliche Unsicherheit in der Zuordnung des Fanges durch die
Beutegreifer (s.u.). Dem tragen verschiedene Atlas-Projekte Rechnung, indem die Nachweise aus
Gewöllen in den Karten hervorgehoben werden (z.B. BORKENHAGEN 2011 für SH oder HAUER et al. 2009
für Sachsen). Ein eindrucksvolles Beispiel von Verschleppungen solcher Nachweise sind die Reste von
Feldmäusen auf Helgoland aus Gewöllen der Waldohreule (HARTWIG & VAUK 1969, zit. in BORKENHAGEN
2011). Die Insel liegt in nächster Entfernung von rund 43 km von Wangerooge in der Nordsee und die
Feldmaus kommt dort sicher nicht vor. Die Tatsache, dass andere Arten nicht auf diese Weise auf
Helgoland oder weit außerhalb der bekannten Verbreitungsgebiete gefunden wurden (z.B. Brandmaus
in Schleswig-Holstein) spricht eher für nur seltene Verschleppungen über so weite Strecken.
Gewöllanalysen sind daher insgesamt v.a. aussagekräftig, wenn aus größeren zusammenhängenden
Gebieten Gewölle von mehreren gut verteilten Ruheplätzen oder von Brutplätzen von Eulen
ausgewertet werden können, die zusammen ein Verbreitungsbild ergeben. Bei nur vereinzelten
Gewöllaufsammlungen an nur wenigen, isolierten Plätzen verlieren solche Säugernachweise an
Sicherheit bezüglich der lokalen Vorkommen.
Aus Hamburg liegen insgesamt jedoch trotz zahlreicher Versuche, Gewölle von bekannten Schlaf- und
Brutplätzen zu erhalten (SCHÄFERS, pers. Mitt.), nur von wenigen Sammelorten Gewöllaufsammlungen
(von Schleiereulen, s.u.) seit dem Jahr 2000 vor. Dies ist insgesamt zu wenig für eine
flächendeckende Darstellung oder für Abschätzungen von Trends der Verbreitung und/oder
Populationsdichten, die eine wesentliche Datenbasis für die Verbreitungserhebungen 1985 und 2002
in Hamburg bildeten (GILLANDT et al. 1985, DEMBINSKI et al. 2002) und für die Roten Listen darstellen.
Lediglich in den Vier- und Marschlanden konnten von insgesamt 10 Stellen Gewölle aus einem
größeren zusammenhängenden Landschaftsausschnitt ausgewertet werden. Darüber hinaus liegen nur
Gewölle von einzelnen Fundorten nach dem 1.1.2000 vor, z.B. vom Ohlsdorfer Friedhof und dem
Stadtpark, die zudem meistens bereits (weit) vor dem Jahr 2000 gesammelt wurden.
Auf Grund der geringen Artenzahl von auswertbaren Resten in Gewöllen von Taggreifvögeln und
Waldohreulen wurde versucht, in der verfügbaren Zeit v.a. die Hinweise aus den vorhandenen
Schleiereulengewöllen auszuwerten, die insgesamt Hinweise zu 13 Arten in Hamburg, im Durchschnitt
knapp 7 Artnachweise/Aufsammlung erbrachten. Dem gegenüber waren aus den bearbeiteten
Waldohreulengewöllen nur insgesamt 5 Arten für Hamburg auswertbar (Mittelwert 1,7) und davon nur
an 2 Stellen Nachweise der Feldmaus, die sehr regelmäßig von den Waldohreulen erbeutet wird. Die
4 restlichen Arten betreffen die auch sonst regelmäßig nachgewiesenen Rötel-, Gelbhals- und
Waldmäuse sowie die allgemein verbreiteten Wanderratten.
Aus den wenigen Gewöllfunden aus Hamburg sind v.a. die Nachweise der Arten interessant, über die
sonst keinerlei oder nur sehr wenige Hinweise zusammengestellt werden konnten, wie z.B. der erste
und einzige Nachweis der Feldspitzmausmaus für Hamburg etwa seit dem Jahr 1900 (DEMBINSKI et al.
2002) aus einem Gewölle vom Kirchwerder Elbdeich. Allerdings ist dies kein sicherer Nachweis der Art
84
für Hamburg, da die Entfernung vom Fundort des Gewölles bis zum niedersächsischen Elbeufer nur
rund 670 m Luftlinie beträgt.
Spannender sind die einzigen beiden Nachweise (!) der Hausmaus aus dieser Studie vom Kirchwerder
Hausdeich, der immerhin rund 4,3 km vom niedersächsischen Elbeufer entfernt liegt, sowie aus
Wohldorf-Ohlstedt (STÖDTER & NAGEL 2006).
Noch wichtiger sind jedoch die je 9 Nachweisorte von Wald- und Zwergspitzmäusen sowie die
ebenfalls einzigen 6 Nachweisorte von Wasserspitzmäusen aus den Gewöllen in den Vier- und
Marschlanden und dem Duvenstedter Brook, weil diese die angenommene allgemeine Verbreitung der
vergangenen Jahre (GILLANDT et al. 1985, DEMBINSKI et al. 2002) wenigstens ansatzweise für die Vierund Marschlande bestätigen. Für weitergehende Aussagen für Hamburg liegen keine Informationen
vor. Das Gleiche gilt für die 12 Nachweisorte der Erdmaus aus Gewöllen aus den Vier- und
Marschlanden – die ersten für diesen Landschaftsraum, wo die Art über die Fänge nicht nachgewiesen
werden konnte – sowie für die 15 Nachweisorte der Feldmaus, die ebenfalls in Hamburg nur sehr
selten gefangen werden konnte.
Bei der
sinnvollen
und
notwendigen Einbeziehung
von
Gewöllen
in
ein Monitoring von
Kleinsäugetieren sollten an den einbezogenen Sammelplätzen einmal alle Gewölle und Reste beräumt
werden, um dann bei den regelmäßigen Sammlungen die Fänge der Kleinsäuger zeitlich zuordnen zu
können.
4.4.2.3 Ergänzende Nachweise zu den Lebendfängen
Neben den Lebendfallen wurden in einer Reihe von Fangreihen Schlagfallen zum Nachweis von
Schermäusen eingesetzt (s. Kap. 3.2.3, S. 27), es fingen sich jedoch nur einzelne Wanderratten.
Außerdem wurden im Zuge der Arbeiten zu den Lebendfängen sowie bei der Suche nach geeigneten
Fangstrukturen alle Hinweise auf Säugetiere notiert. Dabei ergaben sich z.T. wichtige Ergänzungen,
wie am Beispiel der Suche nach Haselmausnestern im Wald nördlich der Rothenhauschaussee deutlich
wird:
In dem Wald wurde in den regulären Fängen mit Lebendfallen im Mai 2011 keine einzige Maus
gefangen (S 15-2), in der zweiten Fangreihe im Mai 2012 jedoch Gelbhals-, Wald- und Rötelmäuse
(R 14_R 15). Darüber hinaus wurden bei der Nestersuche sowohl Zwergmaus- als auch
Haselmausnester gefunden und zwei Brandmäuse in der Vegetation beobachtet (der einzige
Brandmausnachweis im Januar). Damit gelangen in diesem Waldstück ebenso viele Artnachweise über
Nester und Beobachtungen wie mit den gezielten Fängen.
Noch ausgeprägter war die Situation am alten Bahndamm Billwerder (N 13_N 14):
Über die Lebendfänge gelangen Nachweise von Rötel- und Gelbhalsmäusen. Durch Totfunde wurden
Nachweise von Waldspitzmaus und Hausspitzmaus (der erste Nachweis in Hamburg seit etwa 1900)
ergänzt. Außerdem gelangen HAAK & EHLERS (s. HAAK 2012) über Nesttubes und Nestersuchen
Nachweise von Zwerg- und Haselmäusen. Damit erbrachten die ergänzenden Nachweise hier 4 Arten
gegenüber 2 durch die Lebendfänge.
Diese Tendenz unterstützt die Notwendigkeit langer Untersuchungszeiträume und/oder ergänzender
Methoden sowie großflächiger Erhebungen, um in der Summe der Methoden über die Zeit und die
Fläche einen guten Eindruck vom Vorkommen der vorhandenen Arten zu bekommen, wie es auch
MEINIG (1998) deutlich zeigen konnte.
85
4.4.3 Schlussfolgerungen aus den angewandten Methoden
Insgesamt kann damit gesagt werden, dass die Fangreihen mit Lebendfallen in der verwendeten Form
als Holzkastenfallen in abgedeckten Klarsichthüllen als Feuchtigkeits- und Temperaturschutz mit den
verwendeten Ködern Sonnenblumenkernbrot, Nussschokolade, Rosinen und Walnüssen erfolgreich
waren für alle Apodemus-Arten sowie regelmäßig für Rötelmäuse. Andere Arten fingen sich nur
gelegentlich, darunter 9 mal Mauswiesel, verschiedene Wanderratten (Jungtiere), Erdmäuse und
Feldmäuse sowie Waldspitzmäuse und Hausspitzmäuse in Einzelfällen. Für die Hausspitzmaus blieben
dies neben einem Totfund die ersten und einzigen Nachweise in Hamburg.
Die Verlängerung der Fangreihen von 30 auf 40 Fallen und die Verlegung über die Grenzen von je
2 Rasterquadraten haben dazu geführt, dass nahezu alle Rasterquadrate der Stadt Hamburg mit
insgesamt sehr gutem Fangerfolg bearbeitet werden konnten.
Alle Versuche, durch ergänzende Fallen in Form von Fangeimern bzw. Schlagfallen und/oder
Ködervarianten regelmäßiger Spitzmäuse, Feldmäuse, Erdmäuse und/oder Schermäuse nachzuweisen,
führten nicht zum Erfolg. Es wurden in der Vegetationsperiode nur zahllose (Nackt-)Schnecken in die
Fangeimer bzw. Lebendfallen gelockt (s. Abb. 48, Anhang III, S. 15).
Die Versuche wurden daher Ende September 2013 aus Kapazitätsgründen eingestellt.
Im Ergebnis der Fänge, Ergänzungs- und Wiederfänge in den gleichen Rastern mit zeitlichem Abstand
sowie ergänzend dazu weiteren Methoden für Nachweise von Kleinsäugetieren muss festgestellt
werden, dass in einer Reihe von Rastern mit ergänzenden Nachweisen das Artenspektrum wesentlich
durch diese Nachweise außer den Lebendfängen bestimmt wurde. Eine Option der Verbesserung der
Fang-Methode ist also, zukünftig auf der Grundlage dieser Arbeit sich auf weniger Rasterquadrate zu
beschränken, diese aber doppelt bzw. häufiger zu befangen. Dabei können die Fänge in den selben
Fangstrukturen als Wiederholungsfänge oder in anderen Strukturen innerhalb der selben Raster als
Ergänzungsfänge angelegt sein.
Wichtig ist außerdem, weitere Nachweise aus Totfunden, Sichtbeobachtungen, Nestersuchen und
Gewöllanalysen einzubeziehen.
86
4.5
Habitatverbund und Lebensraumgrößen in Hamburg
In städtischen Lebensräumen sind die Vorkommen verschiedener Arten in besonderer Weise sowohl
von Flächen abhängig, die als (Teil-)Lebensraum für ausreichend große Individuengruppen in Frage
kommen, als auch von deren Erreichbarkeit. Dabei wächst die Bedeutung der Größe, Kontinuität und
Ausstattung der Restlebensräume in dem Maße ihrer Isolation und umgekehrt mit sinkender
Lebensraumgröße und –ausstattung wächst die Bedeutung von deren Erreichbarkeit.
Die Lebendfänge von Kleinsäugern in Hamburg haben gezeigt, dass zumindest die häufigen und
mobilen Arten im gesamten Stadtgebiet vorkommen können. Andererseits ist das gefangene
Artenspektrum im gesamten urbanen Raum eingeschränkt und es konnten verschiedene Arten nur
lokal nachgewiesen werden, wenn auch in der Summe der urbanen Fangserien nicht weniger Arten als
in vergleichbarer Anzahl von Fangstrecken in nicht urbaner Umgebung vorkommen. Dabei profitieren
die
Kleinsäugetiervorkommen
sowohl
von
der
großen
ökologischen
Potenz
der
meisten
Kleinsäugerarten als auch vom Vorhandensein zahlreicher Grünflächen und der allgemeinen Dynamik
in Hamburg.
4.5.1 Dynamik der Stadt Hamburg und von deren Lebensräumen
Aus Hamburg liegen eigene Erfahrungen zur Stadtentwicklung und deren Dynamik seit dem ersten
Besuch der Stadt im März 1990 vor, die im Folgenden aus der ganz persönlichen Sicht kurz umrissen
werden. Dabei geht es um die Besonderheiten von Hamburg als Millionenstadt mit dem größten
deutschen Seehafen. Einbezogen werden auch nachvollziehbare Angaben aus der Literatur,
Ausstellungen sowie Kartenangaben usw. gegenüber dem Augenschein der heutigen Situation vor Ort.
Es sind damit keinerlei Wertungen verbunden.
Hinweise auf Gefährdungen und für notwendige Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen sind jeweils für
einzelne Arten und ggf. lokale Vorkommen (z.B. für die Haselmaus) in den Artkapiteln angeführt bzw.
im Kapitel zu Monitoring und Schutzmaßnahmen (Kap. 5.3, S. 108) zusammengefasst.
4.5.1.1 Stadttypische Dynamik und Spezifika Hamburgs
Ein grundlegendes Merkmal von Städten ist deren Dynamik. Die Entwicklungsgeschichte von Hamburg
ist dabei nach den großen Kriegszerstörungen nur noch eingeschränkt ablesbar. Hinweise aus der
veränderten Lebens- und Arbeitsweise der letzten rund 150 Jahre werden in Hamburg jedoch zuweilen
noch in sehr anschaulicher Weise nachvollziehbar, etwa am Beispiel noch vorhandener Windmühlen,
wie der Bergedorfer Mühle (Abb. 56, Anhang III, S. 20) oder der Kirchwerder Mühle, Kirchwerder
Mühlendamm bzw. der wenigen verbliebenen historischen Bauernhöfe, wie z.B. Hof Eggers in der
Ohe. Möglicherweise hängt der Nachweis des Wolfes in Hamburg im Jahre 2013 genau damit
zusammen.
Viel der historisch gewachsenen Stadt ist jedoch durch die Bombenangriffe 1943 bis 1945
verlorengegangen. Seit dem hat die Stadt eine große Entwicklung durchlaufen.
Derzeit ist in Hamburg der jährliche Neubau von rund 6.000 Wohnungen notwendig (Ch. MICHALCZYK,
BSU pers. Mitt.). Das heißt, dass in jeweils 5 Jahren eine neue Stadt mit 30.000 Wohnungen innerhalb
der Stadt entsteht. Da neben dem Wohnungsbau auch Gewerbe, Industrie und v.a. der Hafen große
Flächenansprüche haben, bedeutet dies einen hohen Druck auf alle Freiflächen für eine Umnutzung
und Überbauung.
87
Die besondere Situation dabei ist, dass sich Hamburg als Stadtstaat innerhalb der Bundesrepublik
nicht flächenmäßig ausdehnen kann, sondern die Entwicklung innerhalb der bestehenden Grenzen
realisieren muss.
Das führt dazu, dass in einigen Bereichen die Karten sowie entsprechend die Biotopkartierungen nach
10 Jahren u.U. so überholt sind, dass die im Gelände vorhandenen Strukturen kaum auf den Karten
nachvollzogen werden können.
Hinzu kommt der allgemeine gesellschaftliche Umbruch in der Veränderung der Erwerbsstruktur von
Industriearbeitsplätzen hin zu Transportdienstleistungen inkl. der zugehörigen Logistikzentren sowie
Büro- und Verwaltungseinrichtungen (s.l.) in neu errichteten Bürozentren.
Diese Veränderungen betreffen alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und die meisten
Landschaften der Stadt.
4.5.1.1.1
Verkehr und begleitende Grünstreifen
Der Warentransport von/zum Hafen bedingt eine sehr hohe Dichte von Verkehrswegen in Hamburg
und im Umfeld. Entlang von Verkehrsadern, insbesondere Eisenbahn- und Autobahntrassen bestehen
auch in Hamburg über weite Strecken unterschiedlich breite Streifen von Verkehrsbegleitgrün, die als
Lebensraum vieler Arten in Frage kommen können. Diese Grünstreifen wirken jedoch auch als
ökologische Fallen (s. Kap. 4.5.2.3, S. 99), wenn sie die alleinigen Vegetationselemente der
Landschaft bleiben und/oder, wenn sie unzureichend gestaltet sind bzw. in üblicher Form mehrfach im
Jahr und v.a. im Winter gemäht bzw. geschreddert werden. Außerdem sind sie in unvorhersehbarer
Weise von drastischen Eingriffen betroffen. Während der Projektlaufzeit wurden z.B. entlang der A 1
und der A 25 die Schallschutzwände weiter ausgebaut bzw. verlängert. Dazu wurde über weite
Bereiche die Vegetation auf den Böschungen mehr oder weniger vollständig entfernt, woraus
anzunehmen ist, dass die dort lebenden Kleinsäugervorkommen in diesen Bereichen (nahezu)
ausgelöscht wurden. Da zumindest für die Spitz- und Wühlmäuse anzunehmen ist, dass die Tiere
dieser Arten die mehrere Meter hohen Schallschutzwände nicht überwinden können (s. Abb. 57,
Anhang III, S. 21), ist eine mögliche Leit- und Verbundfunktion des Autobahnbegleitgrüns
straßenseitig der Schallschutzwände damit praktisch erloschen. Ob eine Verbundfunktion außerhalb
der Schallschutzwände wieder erreicht werden kann, hängt im Wesentlichen von der unmittelbar
angrenzenden Nutzungsstruktur sowie dem Vorkommen von Kleinsäugerarten im Umfeld ab. Streng
genommen sind damit die Errichtungen von Schallschutzwänden Eingriffe in den Naturhaushalt, die
ausgeglichen werden müssten.
Unabhängig davon wird naturgemäß der durch das starke Verkehrsaufkommen an sich stark
beeinträchtigte Verbund quer zur Verkehrstrasse durch Schallschutzwände für zahlreiche Arten
unmöglich gemacht. Das kann im Sinne der ökologischen Fallen von Straßen auch Vorteile haben (s.
Kap. 4.5.2.3, S. 99). Es ist jedoch prinzipiell notwendig, mit jeder baulichen Verhinderung des
Habitatverbundes auch eine Verbindung zu schaffen – etwa durch Kleintiertunnel oder Grünbrücken
(s. MAQ 2008).
Alle diese Aspekte betreffen jedoch jede Industriestadt und manche sicher noch ausgeprägter als
Hamburg.
4.5.1.1.2
Hafenentwicklung
Der Hamburger Hafen ist sehr eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Die notwendigen
Anpassungen an die international üblichen Schiffsgrößen, Container-Umschlagzeiten, den Zu- und
Weitertransport der Waren auf Bahn und Straße sowie auf der Elbe usw. bedingen eine sehr große
Dynamik (Abb. 59, Anhang III, S. 22). Mit den nachgeordneten Einrichtungen (Zoll, Verkehr,
88
Fremdenverkehr und v.a. Güterumschlag, Lagerung, und Verteilung über andere Verkehrswege sowie
der weiterverarbeitenden Industrie – z.B. Ölhafen und Raffinerie: Hamburger Stahlwerke; Hamburger
Aluminium-Werk usw.) prägt der Hafen im weitesten Sinne die Gestaltung großer Bereiche entlang der
Elbe, der Autobahnen und Bahntrassen in der Stadt und in deren Umfeld.
Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die jüngere Entwicklung der Hafencity von einem traditionellen
Hafenviertel zu einer fast reinen Büro- und Wohn- und Kultursiedlung (Abb. 60, Anhang III, S. 22).
Damit einher ging beispielsweise der Rückgang der Hausratten- und Hausmausvorkommen
(G. SCHÄFERS, pers. Mitt.).
Sehr eindrucksvoll zeigt das Beispiel der Geschichte des Dorfes Altenwerder den Flächenbedarf des
Hafens. Fast die gesamte Dorffläche von rund 128 ha wurde dem Hafen- und Verkehrswegeausbau
zur Verfügung gestellt (Abb. 61, Anhang III, S. 23). Weitere 919 ha sind dafür in der Stadtplanung
vorgesehen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg).
Zur Aufrechterhaltung der für die Schifffahrt notwendigen Wassertiefen ist die Entnahme von
Bodensediment im Hafenbereich eine fortwährende Aufgabe. Dieses Sediment wird auf Spülflächen
abgelagert, die neben dem Hafen selbst ganze Landschaften verändern. Die Dimensionen dieses
großflächigen Landschaftswandels durch Spülflächen ist sehr eindrucksvoll nachvollziehbar von
Billwerder über Moorfleet bis Georgswerder sowie v.a. von Neuland, Gut Moor über Moorburg,
Altenwerder bis nach Finkenwerder. Grob geschätzt dürften davon in dem beschriebenen Streifen
rund 40 km2 Fläche betroffen sein. Das sind rund 5,3 % der Fläche Hamburgs.
Hinzu kommen notwendige Lagerflächen für Schüttgüter (z.B. Kohle, Erze, Bruchsteine zur
Befestigung der Elbeufer usw.), Deichbaumaterialien und deren Entnahmeflächen sowie der ständig
notwendige Umbau von Verkehrsflächen.
Andererseits bedeutet der Umbau des Hafens, dass zahlreiche Industrie-, Lager- und Gewerbeflächen
und –gebäude sowie Bahngleise nicht mehr (in der traditionellen Wiese) benötigt werden, und, wenn
sich keine Nach-/Umnutzungen ergeben, abgerissen werden. Daraus ergeben sich im Umfeld des
Hafens immer wieder Industriebrachen, die mitunter jahrelang als dynamischer Lebensraum verfügbar
sind, jedoch auch jederzeit von Investitionen – also Überbauungen - betroffen sein können (S.
Abb. 37, Anhang III, S. 9).
4.5.1.1.3
Landwirtschaft, Gartenbau und Gartennutzung in der Millionenstadt
Der traditionelle Obst- und Gemüseanbau in den Vier- und Marschlanden sowie der Süderelbmarsch
hat seit den 1950er Jahren ebenfalls mehrere grundlegende Veränderungen durchlaufen. Die rasante
Entwicklung des Gemüse- und Schnittblumenanbaus unter Glas wurde durch die preiswerte Energie
bis Ende der 1970er Jahre stark vorangetrieben. Seit der ersten drastischen Preissteigerung von Erdöl
und –gas haben die klimatisch begünstigten Gartenbaubetreibe in den Niederlanden mit noch
intensiverer Produktion deutliche Wettbewerbsvorteile, so dass es zu ersten Umwandlungen von
Betrieben in Hamburg kommen musste (Angaben mehrerer Betroffener in den Vier- und Marschlanden
sowie in den Obstbaugebieten Francop und Neuenfelde).
Inzwischen ist ein weiterer wichtiger Umbruch durch die demographische Entwicklung und die (damit
einhergehende?) Veränderung der Wirtschaftsweise im Gange. Für viele bestehende Gartenbau- und
Landwirtschaftsbetriebe findet sich kein geeigneter Nachfolger (aus der Familientradition), so dass
entweder Nachbarbetriebe die Flächen mit übernehmen und/oder auch immer wieder einzelne Hufen
brach fallen. Andererseits werden entlang der Straßen und Deiche in den Vier- und Marschlanden wie
der Süderelbmarsch in die traditionellen Freiflächen zwischen den Höfen zahlreiche Eigenheime
89
gebaut, die neben einem Wandel der Nutzungs- und Siedlungsstruktur v.a. auch eine Änderung des
Habitat- und Biotopverbundes für zahlreiche Arten bewirken, indem aus Einzelhausbebauungen mit
begleitenden Obst- und Gemüsegärten geschlossene Siedlungsgürtel mit versiegelten Zufahrten
werden.
Die Umwandlung der Landwirtschaft vom Anbau von Lebensmitteln zum Anbau von annuellen
Energieträgern (v.a. Mais für Biogasanlagen) ist dabei z.B. in Mecklenburg-Vorpommern im
Wesentlichen abgeschlossen (LÜDERS, pers. Mitt.), die Produktion Energieholz oder z.B. -schilf könnte
dagegen noch Zuwachs verzeichnen.
Damit sind die größten Kulturlandschaften in Hamburg (s. PROTT 2012) als die größten
zusammenhängenden Flächen der artenreichen Säugetiervorkommen, die Vier- und Marschlande bis
zum Autobahndreieck Hamburg Südost (s. Kap. 4.1.2, S. 49, Abb. 20, S. 52), sowie die
Süderelbmarsch von grundlegenden Strukturveränderungen seit etwa 1990 und für die nächsten ca.
10 Jahre betroffen.
Andererseits hat der demographische Wandel auch Auswirkungen auf die Klein- und Hausgärten, denn
zahlreiche Bewohner der seit den 1960er Jahren erbauten Eigenheime und der traditionellen
Kleingärten und –anlagen sind heute körperlich nicht mehr in der Lage, ihre Gärten wie bisher zu
bewirtschaften. Dieser Prozess wird sich in den kommenden Jahren verstärken. Damit wächst
wiederum der Druck auf eine Umnutzung von Landwirtschafts- und Kleingartenanlagen zu Wohn-,
Verwaltungs-, Industrie- und Gewerbekomplexen usw..
4.5.1.1.4
Naturschutzflächen
Die beschriebenen Flächenveränderungen für Siedlung, Gewerbe und Verkehr machen auch vor
Naturschutzgebieten nicht halt, wie das Beispiel der Flugzeugwerft am Mühlenberger Loch zeigt. Dort
wurden rund 150 ha aufgeschüttet und in Industrieflächen umgewandelt und die dazu vorgesehenen
Ersatzmaßnahmen im NSG Borghorster Elblandschaft betreffen noch einmal gut 80 ha grundlegender
Veränderungen in einem Naturschutzgebiet.
Andererseits sind die bestehenden Bemühungen um den Schutz von Flächen und den Ausgleich von
Eingriffen anzuerkennen, wie z.B. für die Sonderfonds-Flächen (vgl. PROTT 2012).
Auch die Ausweisung und Gestaltung von Park- und Grünanlagen in der Stadt sind deutlich
nachvollziehbar (z.B. Lise-Meitner-Park, Groß Flottbek; Sport- und Erholungsflächen Flotowstraße,
Barmbek-Süd; Park im Bereich Essener Bogen, Langenhorn usw.). Diese Parkanlagen werden je nach
Anbindung an bestehende Vorkommen durch unterschiedlich viele Säugetierarten besiedelt. Dieser
Prozess kann bei einzelnen Arten relativ schnell gehen (Bsp. Maulwurf im Essener Bogen), aber
mitunter auch mehrere Jahre benötigen (MEINIG 1998).
Es ist jedoch absehbar, dass die Veränderungen der Landnutzung durch den derzeitigen
gesamtgesellschaftlichen Strukturwandel (in Hamburg) durch die erfolgenden Schutzmaßnahmen nicht
ausgeglichen werden können. Dabei sind für Hamburg spezifische Aspekte, die v.a. mit dem Hafen
(s.l.) zusammenhängen, noch nicht berücksichtigt.
4.5.1.2 Einflüsse verschiedener Nutzungsformen und -Änderungen
4.5.1.2.1
Dynamische Lebensräume und Kleinsäugervorkommen
Wie die Auswertung der Lebendfänge von Kleinsäugern nach den Boden- und Nutzungstypen gezeigt
hat (Kap. 4.1.4, S. 56 sowie Tab. 9, Anhang III, S. 34), werden durch eine Reihe von Arten
dynamische Lebensräume bevorzugt, zumindest jedoch nicht gemieden. Dies betrifft sowohl die
Bodentypen (Bodenschüttungen, Auenbereiche außendeichs und Marschen binnendeichs) als auch die
90
Vegetations- und Nutzungstypen. Hier bestanden bei den meisten der gefangenen Arten die größten
Präferenzen für Offenland (Landwirtschaftsflächen s.l.), Obstanbauflächen, aufgelassene Gärten (z.T.
mit Übergang zum Pionierwald) sowie Brachen und Weichholzauen, während die eher langlebigen
Flächen, also Wälder (s.str.), Bruchwald, Parks und Friedhöfe bei den meisten Arten die größten
Meidungen zeigten bzw. die Arten dort überhaupt nicht gefangen werden konnten.
Das klassische Beispiel für eine Kleinsäugetierart dynamischer Lebensräume ist die Feldmaus. Nach
dem flächigen Lebensraumverlust mit jeder Ernte und dem folgenden Bodenumbruch (oft mit
Gülleeintrag) kann sie selbst große Feldflächen in einer Vegetationsperiode wieder erschließen und auf
(winter-)annuellen Kulturen in mehrjährigen Abständen Massenvermehrungen durchlaufen. Die
Möglichkeit
respektive
Gefahr
dazu erhöht
sich
mit
dem
Vorhandensein von geeigneten
Rückzugsräumen nach der Ernte sowie auf mehrjährigen Kulturen (z.B. Luzerne, Klee, Dauergrünland
und damit auf Deichen).
Aber selbst die Haselmaus ist einerseits streng an Gehölze gebunden, nutzt bei den Gehölzen jedoch
andererseits v.a. Früchte und Nüsse tragende Sträucher und Bäume, die v.a. am Waldrand und an
Waldbinnensäumen fruchten bzw. auf Waldlichtungen aufwachsen – also in den dynamischsten
Bereichen von „Wäldern“. In Konsequenz daraus lebt sie auch in gut strukturierten Hecken, Knicks
und Reddern.
Unter den in Hamburg gefangenen und sonst nachgewiesenen Kleinsäugerarten kommen reine
„Waldarten“ (s.str.) nicht vor.
Es war jedoch auffällig, dass einzelne Arten Flächen anthropogenen Ursprungs bzw. mit
(un-)regelmäßigen Eingriffen bevorzugen oder darauf beschränkt waren. Dazu zählt als erstes die
Hausspitzmaus, deren Nachweise alle von Schüttungen und/oder Brachen bzw. (aufgelassenen)
Gärten, -rändern stammen. Daneben wurden Waldmäuse, Erdmäuse, Waldspitzmäuse, Zwergmäuse
und Mauswiesel überwiegend auf ruderalen Säumen (s.l.) gefangen.
Beim Biber besteht die Besonderheit darin, dass die Lebensäußerungen der Tiere selbst
(Gehölzfällungen und Dammbauten) wesentlicher Bestandteil der Dynamik ihrer Lebensräume sind.
Das heißt andererseits, dass die Dynamik notwendiger Bestandteil der Lebensräume der meisten
dieser Arten ist, was sich sehr eindrucksvoll zeigt am Ausbleiben von Fängen der dynamischen Arten
in Wald-Parks (z.B. Wandsbeker Gehölze, Marienthal), Friedhöfen und den klassischen Parks.
Insgesamt bilden also Flächen mit kleinräumigem Wechsel von offenen Strukturen und Gehölzen unter
Auflassung der Nutzung vor mehreren Jahren zusammen mit Grünland, Landwirtschaftsflächen,
Gärten, Freizeitanlagen usw. gute Lebensräume für Kleinsäuger wie für viele andere Arten.
Die Möglichkeiten als Lebensraum für die meisten Arten von Kleinsäugetieren enden jedoch bei der
Umwandlung von dynamischen, wenn auch anthropogen bedingten Strukturen in unmittelbare urbane
Nutzungen in Form von dichter Wohnbebauung, Gewerbe-, Handels-, Logistik- oder Industrie- und
Hafenflächen. Sowohl die Stetigkeit der gefangenen Arten als auch deren Fangdichten und lokale
Artenzahlen nahmen im urbanen Bereich deutlich ab.
Derzeit befinden wir uns in einem Prozess der Umstrukturierung der Landnutzung, der durch einen
Generationenwechsel bei Landwirten, Gärtnern und Klein- und Hausgartennutzern sowie auch einen
Umgestaltungsprozess in Industrie und Handel bedingt ist. Aus diesem Generationenprozess heraus
ergeben sich in Hamburg derzeit in sonst für Städte ungewöhnlicher weise an zahlreichen Stellen
aufgelassene
Flächen,
die
zusammen
mit
den
Kultur-
und
Naturschutzflächen
die
Lebensraumstrukturen für zahlreiche Kleinsäugerarten bilden können.
91
Dies wird bestätigt durch die hohen Artenzahlen und Fangdichten in den großen nicht urbanen
Landschaftsräumen, die im Verbund stehen mit solchen im Umland von Hamburg in SchleswigHolstein und ansatzweise Niedersachsen (hier ist die Datenlage im Umfeld von Hamburg nicht so gut).
In einem Stadtstaat wie Hamburg ist jedoch der Druck auf alle Flächen sehr groß (s.o.), so dass die
Möglichkeit einer Überbauung für viele Flächen jederzeit in Betracht gezogen werden muss.
Dennoch haben die „traditionellen“ Landnutzungen in Form von „gängiger landwirtschaftlicher Praxis“,
aber auch Obst-, Gemüsebau usw. Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften.
4.5.1.2.2
Landnutzungsformen und typische Gefährdungen von Kleinsäugern
In zahlreichen der Hamburger Obstanbaubetriebe werden konventionell nicht nur die Obstgehölze
selbst bzw. das Obst von der Blüte bis nach der Ernte mehrfach chemisch behandelt, um Insektenund Pilzbefall vorzubeugen. Es werden auch die Bodenstreifen entlang der Obstgehölze (und darüber
hinaus) regelmäßig mit Herbiziden behandelt (Abb. 62, Anhang III, S. 23). Außerdem werden laut
Auskunft eines Obstbauern zweimal jährlich Rodentizide in den Boden innerhalb der Obstplantagen
eingebracht, weshalb dieser befragte Obstbauer mein Anliegen mit dem Fang von Kleinsäugern in
seinen Flächen als nicht sinnvoll einschätzte. Daraufhin wurde der Gehölzstreifen zwischen der
Obstplantage und der Straße (hier auf dem Niencoper Deich verlaufend) mit 20 Fallen für zwei Nächte
befangen – mit unerwartetem Erfolg: es wurden in 2 Nächten 9 Kleinsäuger in 4 Arten gefangen
(=22,5 Fänge/100 FN). Es besteht also von den nicht bewirtschafteten Restflächen – und seien sie
auch nur relativ schmal und linear - ein großes Wiederbesiedlungspotential der bewirtschafteten
(Obst-)Anbauflächen. Diese Restflächen haben damit eine sehr hohe Bedeutung als Refugien für
zahlreiche Arten, nicht nur von Kleinsäugetieren.
Die Variabilität der Fangerfolge in den einzelnen Fangreihen zeigte sich jedoch auch in Obst- und
Gemüseanbauflächen.
In den letzten ca. 30 Jahren haben sich auch in der Hamburger Waldwirtschaft deutliche Änderungen
im Waldbau ergeben. Für die Kleinsäuger wichtig dabei ist die Aufgabe der Bewirtschaftung mit
größeren Kahlschlägen, die in den Folgejahren regelmäßig Waldverjüngungsstadien hervorbrachten,
die zahlreiche Arten als Lebensraum brauchen, darunter u.a. Zwergmäuse, Erdmäuse, Rötelmäuse
und Haselmäuse, darüber hinaus aber auch zahlreiche Arten anderer Taxa (Heidelerche, Ziegenmelker
u.v.a.m.).
In den Wäldern Hamburgs war das gefangene Artenspektrum an Kleinsäugern mit 7-8 Arten geringer
als in verschiedenen anderen Nutzungstypen. Die Waldgebiete spielen in Hamburg jedoch insgesamt
eine untergeordnete Rolle im Flächenanteil der Stadt. Möglich zur Verbesserung der Situation sind in
jedem Fall eine Verbesserung der Waldränder und Waldbinnensäume einschließlich der Waldwege
durch die Bildung gehölzartenreicher und lichter Säume.
Für die Kleinsäugetiere wie für viele andere Arten sind die seit ca. 20 Jahren erfolgten Änderungen der
„gängigen landwirtschaftlichen Praxis“ deutlich einschneidender. Als Beispiel sei hier das Schreddern
bzw. Schlegeln der Hecken und Waldränder sowohl im Hochsommer (s. Kap. 5.3.2.2, S. 110; Abb. 6365, Anhang III, S. 24f), wenn Haselmäuse in den Freinestern die Tage verbringen, als auch im Winter
mit der Gefährdung der winterschlafenden Haselmäuse angeführt.
Dies spiegelt sich in den Fangergebnissen der vorliegenden Studie wider. Insbesondere die Seltenheit
von Allerweltsarten wie Feldmaus, Erdmaus und Schermaus in den Fängen und der Schermaus in den
Gewöllen ist dabei bemerkenswert (s. Kap. 5.3.2.1, S. 110).
92
MEINIG et al. (2009) warnen sogar vor einem drastischen Rückgang der Feldmäuse in Folge der
veränderten Anbauformen und diskutieren die Möglichkeit, dass die Feldmaus in Zukunft in eine der
Gefährdungskategorien der Roten Liste aufgenommen werden könnte.
Neben den umgepflügten Feldrändern verschwinden jedoch auch die Säume an den Straßenrändern
zunehmend. Gerade im Winterhalbjahr werden inzwischen praktisch alle Straßensäume gemäht,
gemulcht, die Sträucher und Bäume gefällt oder zumindest drastisch zurückgeschnitten usw. Trotz der
Risiken von Straßen als ökologische Fallen (s. Kap. 4.5.2.3, S. 99) sind sie wegen der fehlenden
Alternativen Rückzugsräume z.B. für Feld-, Erd- und Zwergmäuse.
Über die Lebensraumfunktion haben Hecken, Knicks und Redder und Straßensäume noch eine
wichtige Verbundfunktion für zahlreiche Arten über die Kleinsäuger hinaus.
4.5.2 Habitatverbund
Für eine Einschätzung des Gefährdungsgrades von Populationen einzelner (Kleinsäuger-)Arten
innerhalb von Hamburg werden neben Informationen zum Vorkommen und zur Populationsgröße auch
Hinweise zur Lebensraumgröße und zu Möglichkeiten des Austausches mit benachbarten Populationen
benötigt. Daher lag bei der Auswahl der Fallenstandorte ein besonderes Augenmerk auf möglichen
Verbindungen zum Umland von Hamburg, nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Von den rund
88 randlichen Rasterquadraten mit (z.T. nur geringem) Flächenanteil am Stadtgebiet von Hamburg
wurde darum der größte Teil befangen (rund 92 %).
Untersuchungen,
die
die
Möglichkeiten
eines
Habitatverbundes
für
Individuen
einzelner
Kleinsäugeiterarten klären können, waren jedoch nicht Gegenstand der vorliegenden Studie. Wenn
demnach im Folgenden Beobachtungen beschrieben werden zum Vorkommen oder Fehlen von Arten
im Zusammenhang mit angenommenen Verbindungen von deren (Teil-)Lebensräumen, sind damit
noch keine kausalen Zusammenhänge nachgewiesen. Dazu müssten gezielte Studien mit individuell
markierten Tieren und/oder genetische Untersuchungen erfolgen.
Es können deshalb hier nur Fallbeispiele angeführt werden, die die Möglichkeit eines Habitatverbundes
eröffnen oder unterbinden können. Teilweise bestehen dafür Nachweise von Arten aus Fängen oder
aus zufälligen Belegen bzw. gezielten Nachsuchen.
Es kann weder ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben noch der konkrete Nachweis einer
(unterbrochenen) Verbindung erbracht werden.
4.5.2.1 Verbund und Isolierung durch lineare anthropogene Strukturen
Alle in Hamburg in den Lebendfallen nachgewiesenen Kleinsäugerarten können mindestens
zweispurige Straßen mit mittlerer Verkehrsdichte in ausgeprägtem Tagesrhythmus (also verringerter
Anzahl Kraftfahrzeuge in der Nacht) überqueren – ggf. mit Ausnahme der Zwergmaus. Diese
Annahme beruht auf eigenen Beobachtungen von Straßen überquerenden Gelbhals-, Waldmäusen,
Wanderratten, Rötel-; Feld- und/oder Erdmäusen sowie Waldspitzmäusen, Weißzahnspitzmäusen und
Mauswieseln. Außerdem sind zahlreiche Verkehrsinseln zwischen je 2 Spuren häufig durch Kleinsäuger
– selbst Maulwürfe - besiedelt. Haselmäuse benötigen einen Kronenschluss der straßenbegleitenden
Bäume. Andererseits haben Haselmäuse in Schleswig-Holstein mindestens 35 m breite Straßenflächen
überwunden, um Verkehrsinseln zwischen der B 206 und der A 21 zu besiedeln (SCHULZ & EHLERS in
BORKENHAGEN 2011).
93
Der Verkehr auf Straßen bis zu einer bestimmten Breite und Verkehrsdichte ist demnach zwar in vielen
Fällen Ursache zahlreicher Verluste, jedoch keine ausreichende Isolationsursache für Kleinsäugetiere.
Dabei spielen immer auch das Vorhandenensein von (Teil-)Lebensräumen und deren räumliche
Entfernung eine Rolle.
Neben dem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang von (Teil-)Lebensräumen können +/- lineare
Strukturen zwischen solchen vermitteln oder im genau gegenteiligen Effekt quer dazu können z.B.
Verkehrstrassen ein Wechseln/Wandern von Arten verhindern. Für die Verbundfunktion entlang
linearer Strukturen kommen je nach den Ansprüchen der einzelnen Arten z.B. Böschungen von
Verkehrstrassen mit Verkehrsbegleitgrün (als Gehölzstreifen und/oder krautige Vegetation, oft mit
parallelen Gräben) oder Gewässerufer bzw. deren Deiche in Frage. Dazu sind einzelne Fallbeispiele im
Gelände näher betrachtet bzw. an Hand der Fangergebnisse und Karten ausgewertet worden:
* Verbund entlang der A 7 von Schnelsen Richtung Elbe:
Betrachtet
man
die
gefangenen
Artenzahlen
und
Individuenzahlen,
so
ergeben
sich
Verbundmöglichkeiten vom Umland Hamburgs z.B. entlang der A 7 von Norden bis zur Fangreihe
G 05_G 06/G 06 in Schnelsen. Hier wurden im die Autobahn begleitenden Gehölzstreifen und der
angrenzenden Freifläche 3 Arten (25/100 FN) nachgewiesen, ergänzt durch 2 weitere Arten in einer
zusätzlichen Fangreihe in einem Garten in rund 150 m Entfernung (Reihe G 06). Allerdings hatte dies
keinen Einfluss auf die Fangergebnisse in der Fläche, denn die über das selbe Feld und die
Randhecken verbundene, zeitgleich befangene Reihe H 05_H 06 in rund 500 m Abstand erbrachte nur
Nachweise einer Art, der Gelbhalsmaus, in nur 8,5 Fängen/100 FN.
Es gibt außerdem keinen Hinweis darauf, dass sich die Verbundmöglichkeit entlang der A 7 weiter
Richtung Stadtzentrum bemerkbar macht, denn in den südlich angrenzenden Rastern fingen sich nur
die allgemein verbreiteten 3 Arten in geringer Dichte. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die in rund
8,5 km Entfernung von der Fangreihe G 05_G 06 entlang der A 7 gefangenen Erdmäuse in F 09_F 10
über das Autobahnbegleitgrün eingewandert sind, da von Norden her keine Nachweise der Art mit
räumlichem Bezug vorliegen. Die nächsten Nachweise der Erdmaus liegen am Flughafen Fühlsbüttel in
ca. 9 km Entfernung.
* Verbund entlang der A 25 von Osten bis zum Autobahndreieck (AD) Hamburg Südost Moorfleet
Entlang der A 25 von der Stadtgrenze bis zum AD HH Südost wurden 4 Fangreihen placiert. Diese
erbrachten entlang der Autobahn nur Fänge von 0 bis 3 Arten, am Autobahndreieck im urbanen
Umfeld jedoch 4. Die Autobahn A 25 ist an einzelnen Abschnitten durch Schallschutzwände eingefasst
bzw. wurden diese innerhalb der Projektlaufzeit erweitert. Die dazu nötigen Bauarbeiten bilden einen
Eingriff in die vorhandenen Kleinsäugerbestände im Verkehrsbegleitgrün, die offensichtlich nicht in
kurzer Zeit durch Zuwanderungen entlang der Autobahn innerhalb des Streifens von Begleitgrün
wieder ausgeglichen werden können, wie die nur 6 Fänge und nur von Gelbhalsmäusen mit 15/100 FN
an der vor Jahren mit verschiedenen Gehölzen bepflanzten Böschung in O 15_P 15 zeigen. Auch an
den aktuell während der Fänge errichteten Schutzwänden in der Reihe Q 14_Q 15 fingen sich nur je
eine Gelbhals- und Feldmaus mit 2,5/100 FN.
Dem stehen jedoch die Fänge auf dem Stadtrand (S 15-1) von 3 Arten mit 15 Tieren /100 FN sowie
v.a. die 4 Arten mit 22,5/100 FN in Reihe L 13_M 13 (im März 2013!) gegenüber, also am Eingang der
A 25 in die Stadt und an deren Ende.
* Zerschneidungswirkung quer zu den Autobahnen
Durch häufigeres Befahren der A 25 ergab sich eine Reihe von Totfunden von z.B. Igeln, Feldhasen,
Wanderratten, Steinmardern und Marderhunden auf der A 25 und ein Jäger in den Vier- und
94
Marschlanden berichtete, dass es hier keine Wildschweine gibt, weil diese die A 25 nicht queren
könnten. Diese Barrierewirkung wird wahrscheinlich für weitere Arten durch die zunehmende
Verbauung mit Schallschutzwänden zusätzlich verstärkt. Dies betrifft neben den Huftieren v.a.
mittelgroße Arten (Dachs, Marderhund, Fuchs, Iltis usw.) aber insbesondere auch Kleinsäugetiere wie
die Spitzmäuse und die Wühlmäuse. Zur Wirkung einseitiger Zäunungen entlang von Verkehrstrassen
als ökologische Fallen s. EBERSBACH & HAUER (1998).
Der Ausbau der Schallschutzeinrichtungen erfolgte während der Projektlaufzeit außerdem an weiteren
Autobahnabschnitten, v.a. der A 1 (s. Kap. 4.5.1.1, S. 87).
Andererseits gelang am 17.1.2014 in Allermöhe ein Nachweis eines Fischotters, der entweder mit der
Bille den urbanen Bereich von Bergedorf oder von Süden kommend die A 25 passiert haben muss.
* Verbund entlang der Bahntrasse bzw. A 255 zwischen AK Hamburg Süd Veddel und Billhorner
Brückenstraße
Entlang des nur etwa 2,6 km langen Abschnittes der A 255 wurden 4 Nachweise von Wildkaninchen
geführt, wobei nur 3 mögliche Verbindungsstrukturen zwischen diesen ersichtlich sind: Die A 255, die
westlich dazu verlaufende Bahnlinie sowie die Gewässer der Elbe inkl. Hafen-Nebengewässer. Die
festgestellten Vorkommen fanden sich am Ende der Billhorner Brückenstraße auf einer Verkehrsinsel
zwischen Amsinckstraße und Heidekampsweg; im relativ offenen, ca. 14,5 ha großen Entenwerder
Elbpark sowie beidseitig des Müggenburger Zollhafens an/auf den Flächen des Kleingartenvereins 111.
Um über die Brücken neben der Autobahn oder Bahnlinie zwischen den Lebensrauminseln zu
wechseln müssten die Tiere neben den Fahrbahnen/Gleisen die vegetationslosen Elbebrücken passiert
haben – oder sie müssten geschwommen sein, wobei mindestens beidseitig des Müggenburger
Zollhafens senkrechte Spundwände einen Ausstieg unmöglich erscheinen lassen.
Es dürfen demnach in der Diskussion um Verbundmöglichkeiten auch für Kleinsäugetiere die rein
anthropogenen Strukturen wie vegetationslose Brücken auch bei sehr hoher Verkehrsdichte nicht
außer Acht gelassen werden, wenn solche auch sicher für häufigere Wechsel bzw. Wanderungen v.a.
für größere Arten etwa ab Wanderratten in Frage kommen.
* Verbund entlang der Bahnlinie von Reinbeck Richtung Hauptbahnhof - Spezialfall Haselmaus
Die Bahnlinie/S-Bahnstrecke von Reinbeck in Richtung Hauptbahnhof Hamburg wurde daraufhin
geprüft, ob sie als Verbundlinie für die Haselmausvorkommen am alten Bahndamm Billwerder in Frage
kommt. Dazu wurde der gesamte alte Bahndamm westlich des S-Bahnhofes Allermöhe bis zum
Huckepackbahnhof HH-Billwerder begutachtet und in Richtung Osten wurden an mehreren
Kontrollabschnitten die Durchgängigkeit für Kleinsäugerarten, insbesondere für die Haselmaus geprüft
(Abb. 66, Anhang III, S. 26):
Die über Nesttubes und Freinester durch HAAK (2012) sowie EHLERS & HAAK (pers. Mitt. 2012)
nachgewiesenen Haselmausvorkommen am alten Bahndamm Billwerder liegen beidseitig des Mittleren
Landweges, der den Bahndamm in Nordost-Südwest-Richtung schneidet. Als potentiellen flächigen
Lebensraum dieses Haselmaus-Vorkommens müssen wir den gehölzbestandenen nordwestlichen Teil
zwischen Spülfläche Feldhofe und Huckepack-Bahnhof betrachten (Abb. 67, Anhang III, S. 26), auch
wenn hier Nachweise bisher fehlen. Dennoch war für die Einschätzung der Gefährdung dieses
Vorkommens die Verbundmöglichkeit zu den nächsten Vorkommen in Schleswig-Holstein wichtig,
zumal dieses Haselmausvorkommen am Bahndamm Billwerder das am weitesten von der Hamburger
Stadtgrenze entfernte ist (s. HAAK 2012).
Nach der Kontrolle des größten Teils der Bahnstrecke und des alten Bahndammes kann kein
abschließendes Urteil gefällt werden. Ein regelmäßiger Austausch auf diesem Wege erscheint für die
streng an Gehölze gebundene Haselmaus jedoch äußerst unwahrscheinlich, da nach eigenen
95
Erfahrungen in Nordwest-Mecklenburg bereits wenige Meter gehölzfreie Feldfläche eine Barriere
darstellen können. Andererseits sind in Schleswig-Holstein Grüninseln an Autobahnen bzw.
Bundesstraßen (Bsp. A 21-B 206) besiedelt (SCHULZ & EHLERS zit. in BORKENHAGEN 2011). Entlang der
betrachteten Strecke der Bahnlinie müssten durch Haselmäuse jedoch über Brücken eine Reihe von
Straßen und Gewässern gequert werden und i.d.R. haben die Brücken keine Grünstreifen oder
Gehölzanbindung (Abb. 68, Anhang III, S. 27). Außerdem sind die Bahnhöfe Allermöhe, Nettelnburg
und v.a. Bergedorf und Bergedorf-Billebad rein anthropogene Strukturen. Vom Bahnhof Bergedorf bis
zur Bille-Brücke führt die Bahnlinie außerdem unmittelbar durch bebautes Gelände. Von dort an
Richtung Stadtgrenze wäre mit etwas Phantasie ein Verbund über die Böschung mit Gehölzen und
Brombeeren denkbar.
Für mobilere Arten wie etwa die Gelbhals- oder Waldmaus gilt das hier Gesagte nicht unbedingt.
Tieren dieser Arten ist durchaus zuzutrauen, dass sie die jeweiligen Brückengeländer oder Ränder der
Gleisbette zum Überqueren der Brücken nutzen können. Für die Haselmaus müssten die
Brückengeländer mit rankenden Arten wie Clematis, Lonicera oder Hopfen oder auch Brombeeren
begrünt werden.
4.5.2.2 Gewässer und Ufer als (ursprünglich) natürliche lineare Strukturen
4.5.2.2.1
Die Elbe und ihre Ufer
Die größten Verbundadern durch die Stadt Hamburg bildet die Elbe. Entlang des Flusses und seiner
Ufer könnten alle Säugetierarten unterschiedlich weit bis in das Stadtzentrum vordringen oder dieses
durchqueren. Inwieweit der Tideneinfluss, die (un-)regelmäßigen Überschwemmungen und v.a. der
Hafen dabei eine Rolle spielen, sollte durch gezielte Fänge entlang der Elbe außen- und binnendeichs
exemplarisch getestet werden (Abb. 69-71, Anhang III, S. 28f).
Deshalb wurden an 8 Stellen außendeichs im Auenbereich bzw. am Deichfuß bis zur halben Deichhöhe
Fangreihen placiert und zusätzlich im erweiterten Hafen (inkl. Entenwerder Elbpark) weitere 4 Reihen
befangen.
Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich:
Zum einen liegen 4 von 8 Fangorten von Zwergmäusen in Hamburg im Tidenbereich der Elbe oder in
unmittelbarer Deichnähe, davon ein Fang am Blumensand-Hafen auf Blocksteinschüttung. Eine
Mitarbeiterin von K & S berichtete außerdem von einer Mauswiesel-Beobachtung in diesem Abschnitt.
Prinzipiell können damit Kleinsäugetierarten auch industrielle Strukturen passieren, um bis in den
inneren Hafenbereich zu gelangen und dort außendeichs zu leben.
Andererseits entgehen die Fangdichten und gefangenen Artenzahlen nicht dem allgemeinen Trend der
geringeren Artenzahlen und Fangdichten im Zentrum gegenüber erhöhten Zahlen an der Peripherie
der Stadt. Auch die allgemein festgestellte sehr hohe Variabilität der Fänge spiegelt sich hier wider.
So wechseln sich Fangreihen mit geringer Artenzahl aber hoher Fangdichte (2 Arten zu 53,3
Tieren/100 FN, T 17) mit erfolglosen Fangversuchen (K 11_K 12; K 15_L 15; R 18) und Rastern mit
4 Arten in 2 Fangreihen mit 26 und 27 Tieren/100 FN (O 19_P 19; P 19_Q 19-2 sowie B 11_C 11) ab.
Insgesamt wurden in den 12 Fangreihen in Elbnähe 8 Arten gefangen, was im Vergleich zum
Binnenland artenreich ist (vgl. Kap. 4.1.4, S. 56). Es können demnach unabhängig vom Tideneinfluss
und den Überschwemmungen im Vergleich zum sonstigen Stadtgebiet insgesamt relativ viele Arten
von Kleinsäugetieren außendeichs vorkommen, wenn auch in einzelnen Fangreihen nur 0-2 Arten
vertreten waren. Kenzeichnend für alle Fangreihen war das Vorhandensein vertikaler Strukturen (v.a.
Gehölze und Schilf bzw. Hochstauden, aber auch Deiche, Spundwände oder sonstige technische
Strukturen), die bei Hochwasser (vorübergehend) Aufenthaltsmöglichkeiten für Kleinsäugetiere bieten
können.
96
Außerdem konnten Biber zumindest in einzelnen Tieren die Stadt passieren und sich zwischenzeitlich
an der Alten Süderelbe ansiedeln (LANDWEHR & JAHN 2011) sowie unterhalb der Stadt an Nebenflüssen
der Elbe bereits kurz nach dem Jahr 2000 erste Ansiedlungen begründen (BORKENHAGEN 2011).
Innerhalb dieser Studie wurde an mehreren Uferbereichen der Elbe nach Hinweisen auf beide Arten
gesucht, um die prinzipielle Durchgängigkeit für wildlebende Arten zu belegen. Es gelangen jedoch
keine Nachweise unterhalb des Hafens in Hamburg. Inwiefern hierbei sowohl die auch nächtlichen
Arbeiten im Hafen mit z.T. flächiger Beleuchtung als auch der hohe Nutzungsgrad der frei
zugänglichen Elbeufer als Erholungsflächen eine Rolle spielen, lässt sich nicht sagen (s. Abb. 5, S. 19).
Neben der Elbe selbst ist der Verbund von/zu den Nebenflüssen und vom Umland über die kleinen
Flüsse in Richtung Zentrum für die flächige Erschließung der Stadt Hamburg durch Kleinsäuger (sowie
Biber und Fischotter) bedeutsam – nicht zuletzt durch die große Zahl der vorhandenen Gewässer.
Ob dies wünschenswert ist, müssen spezifische Planungen ergeben. Es besteht jedenfalls in einer
Millionenstadt wie Hamburg die Gefahr, dass die Besiedlung der Nebenflüsse und sonstigen Gewässer
in der Fläche von Hamburg zur ökologischen Falle für Arten wie den Biber wird (s. Kap. 4.5.2.3,
S. 99).
4.5.2.2.2
Alster und Nebengewässer
Insgesamt ist das gesamte Alstertal oberhalb der Außenalster durch einen Wechsel von Altwassern mit
Bruchwald gegenüber Parkflächen mit einem ausgedehnten Wegenetz und entsprechend hohem
Druck zur Erholungsnutzung gekennzeichnet, bzw. es reichen parkartig gestaltete Privatgrundstücke
bis an das Gewässer. Entlang der uferparallelen Wege werden täglich zahllose Hunde ausgeführt.
Gemäß den allgemein zunehmenden Artenzahlen und Dichten von der Innenstadt zum Randbereich
von Hamburg sollten jedoch die Kleinsäuger die Alster und ihre Nebengewässer abwärts wandern
können, was bis zur Außenalster mit einigen Einschränkungen an Schleusen/Wehren sowie Brücken
möglich erscheint.
Die ermittelte Ausstattung mit Kleinsäugerarten ist jedoch auch im Oberlauf nicht reichhaltig:
Entlang der Alster wurden im Flusstal bzw. am Alsterhang 2 Fangreihen placiert, in denen nur eine
Gelbhalsmaus bzw. eine Gelbhalsmaus und ein Mauswiesel gefangen wurden (Fangreihen M 03 und
L 05). An den unmittelbaren Nebengewässern der Alster wurden 8 weitere Fangreihen gestellt, in
denen insgesamt nur 4 Arten nachgewiesen werden konnten, wovon Gelbhals-, Waldmaus und
Wanderratte bis in den Bereich der Außenalster vorkommen, die Rötelmaus im Alsterbereich nur bis
zur Mellingbek, Poppenbüttel.
4.5.2.2.3
Wandse und Nebengewässer
Die Wandse entspringt bei Siek östlich von Hamburg und durchfließt das grenzübergreifende NSG
Höltigbaum bzw. Stellmoorer Tunneltal Richtung Rahlstedt. Die erste Fangreihe O 07_P 07 liegt am
Rande der Wandseniederung am Südrand des NSG Stellmoorer Tunneltal und brachte 3 Arten mit
40 Tieren/100 FN. Zusätzlich wurden hier Zwergmäuse über Nestfunde sowie Wildkaninchen und
Feldhasen als Sichtbeobachtung festgestellt (Abb. 72, Anhang III, S. 29).
Eine 2. Fangreihe lag unmittelbar am Wandseufer unterhalb der Kirche Alt Rahlstedt (N 08_O 08).
Hier werden die Ufer der Wandse von Wiesen, Bruchwald und Hausgärten gebildet, wo nur noch
Gelbhals- und Rötelmäuse in 11,25 Tieren/100 FN gefangen werden konnten.
Unterhalb des Mühlenteiches Friedrichsberg wird die Wandse in der Karte erst als Eilbek bezeichnet,
um im unteren Abschnitt mit den Namen Eilbek-Kanal und Mündungsbek-Kanal als rein urbanes
97
Gewässer in die Außenalster geführt zu werden. Hier ergibt sich der Verbund zum Alstersystem und
der dritten Fangreihe (J 10_K 10), die bei den Alster-Nebengewässern bereits ausgewertet wurde und
in der 3 Arten mit 17,5/100 FN gefangen wurden. Als Nebengewässer der Wandse wurden die Ufer
der Beker Au (N 07) befangen mit Gelbhalsmaus und Wanderratte mit 20/100 FN.
Damit ermöglicht die Wandse in ihrem Verlauf einen relativ guten Verbund vom Umland von Hamburg
bis in die Stadtmitte – was sich jedoch auch hier nicht in den nachgewiesenen Arten niederschlägt.
4.5.2.2.4
Bille und Nebengewässer
Die Bille fließt von Osten her von Reinbek kommend nach Hamburg. Unter der Eisenbahnbrücke auf
der Stadtgrenze am Möörkenweg gelang im Januar 2012 ein Nachweis des Fischotters. Ab der Alten
Holstenstraße in Bergedorf durchfließt sie das erste Mal rein anthropogene Strukturen mit
abschnittsweise kanalisierten Ufern und mind. einem Stau. Spätestens von hier an ist ihr Verlauf auch
stark überformt. Ab Bergedorfer Straße wird sie als Schleusengraben in der Karte geführt, von dem
unterhalb Bergedorf die viel kleinere „Kampbille“ über ein Pumpwerk (?) abzweigt, die im weiteren
Verlauf
parallel
zum
Billwerder
Billdeich
wieder
als
Bille
bezeichnet
wird,
während
der
Schleusengraben in die Dove Elbe geleitet wird. Diese untere Bille wird dann an der
Glockenhausbrücke unter der A 1 hindurchgeführt, um dann in Billbrook im erweiterten Hafen in
mehrere Arme und Kanäle aufgesplittet zu werden. Am Brandshofer Deich wird sie über eine Schleuse
in den Oberhafen geleitet, wo sie sich verliert. Der Bereich der Kreuzung mit der A 1 und die Schleuse
dürften schwer- bis unpassierbare Hindernisse im Habitatverbund darstellen (s. Abb. 73-75, Anhang
III, S. 30f).
Obwohl entlang der Bille keine Kleinsäuger gefangen und nur kurze Abschnitte auf der Suche nach
Bisambauen und Biberschnitten begangen wurden, erscheint die anthropogene Beeinflussung des
Gewässers hier beispielhaft für diverse Gewässer im Stadtbereich. Eine Ausbreitungs-Funktion für
kleine Säugetiere kann hier maximal abschnittsweise angenommen werden durch die Verbindung
einzelner Uferabschnitte mit (möglichen) Vorkommen von Säugetieren. Ein zusammenhängender
Verbund vom Umland bis in das Zentrum von Hamburg bzw. bis zur Elbe ist mehr als fraglich – mit
Ausnahme vielleicht der Wanderratte.
4.5.2.2.5
Sonstige Elbe-Altarme, Kanäle oder Vorfluter
Außer den bereits beschriebenen wurde im Umfeld weiterer Gewässer in Hamburg versucht,
Fangreihen zu placieren, weil die Ufer einerseits Lebensraum- und andererseits Verbundfunktion
haben können.
*
Das Umfeld der Alten Süderelbe mit ausgeprägter Weichholzaue wurde mit 3 Fangreihen
befangen. Sie erbrachten insgesamt jedoch nur Gelbhals- und Rötelmäuse in sehr hoher Dichte sowie
angrenzend im NSG Westerweiden die Waldmaus.
*
Im Alten Land wurden außerdem an 3 weiteren Gewässern Fangreihen gestellt mit zusammen
Nachweisen von 5 Arten.
* Nördlich der Elbe wurden zu den bereits beschriebenen nur wenige weitere Ufer (größerer)
Fließgewässer befangen, die keine neuen Arten erbrachten.
*
In den Vier- und Marschlanden wurden insgesamt 10 Fangreihen entlang von linearen
Gewässerstrukturen gestellt (Dove (1) und Gose Elbe (4) sowie weitere Gewässer, v.a. größere
Vorfluter). Insgesamt erbrachten diese neben den Elbeufern mit Nachweisen von 8 Arten die größte
Vielfalt an Kleinsäugetieren entlang von linearen Strukturen.
98
4.5.2.2.6
Schlussfolgerungen für den Habitatverbund
Zusammenfassend können damit durch die in dieser Studie verwendeten Methoden im Bezug auf den
Habitatverbund nur für der Elbe Hinweise ermittelt werden, dass von der Peripherie entlang eines
Gewässers eine erhöhte Artenzahl ins Stadtinnere nachweisbar ist. Entlang von kleineren Gewässern
oder Verkehrstrassen gibt es keine Hinweise auf einen funktionierenden Habitatverbund für
Kleinsäugetiere ins Stadtinnere. Es konnte weder in Bezug auf die erhöhten Individuendichten am
Stadtrand noch auf die höheren Artenzahlen entlang der verbindenden Achsen ein Effekt ins
Stadtinnere festgestellt werden. Das schließt nicht aus, dass Individuen der wenigen im Zentrum
vorkommenden Arten die beschriebenen Wege nutzen können bzw. dieser Verbund über den
sukzessiven Austausch von Individuen funktioniert.
4.5.2.3 Ökologische Fallen für Arten wie Biber bzw. Kleinsäuger
Neben der Elbe selbst ist sowohl der Verbund von/zu den Nebenflüssen durch Hamburg als auch vom
Umland über die kleinen Flüsse in Richtung des Zentrums von Hamburg für die flächige Erschließung
der Stadt durch Biber sowie verschiedene Kleinsäugerarten bedeutsam – nicht zuletzt durch die große
Zahl der vorhandenen Gewässer. Es ist fest damit zu rechnen, dass der Prozess der beginnenden
Besiedlung der Gewässer Hamburgs durch Biber sich fortsetzen wird.
Es besteht dabei in einer Millionenstadt wie Hamburg auf jeden Fall die Gefahr, dass die Besiedlung
der Nebenflüsse und sonstigen Gewässer in der Fläche von Hamburg zur ökologischen Falle für den
Biber, wird (EBERSBACH & HAUER 1998).
Die besondere Gefährdung resultiert aus dem sehr hohen Verkehrsaufkommen auf praktisch jeder
Straße des sehr dichten Verkehrswegenetzes und den zahllosen Gewässer-Straßen-Kreuzungen bzw.
der engen Verflechtung von Verkehrswegen und Gewässern in Hamburg. Dem gegenüber ist der
(ungestörte) Lebensraum in der Stadt für den Biber relativ begrenzt.
Das bedeutet, dass bei einer Besiedlung mit regelmäßigen Verkehrsopfern von Tieren zu rechnen ist,
die zahlenmäßig mindestens für die erste Besiedlungsphase den Zuwachs aus der Reproduktion in
Hamburg selbst (deutlich) zu übersteigen droht. Damit wären die Bestände jedoch für lange
Zeiträume auf stetige Zuwanderung aus dem Umland angewiesen.
Aus Populationssicht entsteht dabei eine ökologische Falle dann, wenn der Gefährdungsbereich
gegenüber dem weniger gefährdeten Umland eine große Attraktivität besitzt, es also ständig zum
Zuzug aus der Umgebung kommt, und damit die Bestände im größeren Umfeld geschwächt werden.
Wie groß dieser Effekt im Einzelnen in Hamburg für Biber ist, kann so nicht gesagt werden. Die Art soll
hier v.a. als anschauliches Beispiel dienen für ökologische Fallen. Dies geht über den Biber hinaus und
betrifft auch andere (Kleinsäuger-)Arten, dann u.a. im Zusammenhang mit weiteren Strukturen, wie
z.B. Verkehrsbegleitgrün als Lebensraum bei gleichzeitig stetig hohen Verlusten auf den Straßen.
In diesem Sinne können die vielerorts errichteten Schallschutzwände im Sinne des Artenschutzes auch
Vorteile haben: Tiere zahlreicher Arten können diese nicht überklettern und so nicht auf die Straßen
gelangen. Das kann eine deutliche Verminderung der Verkehrsopfer bewirken - und damit eine
Verhinderung von ökologischen Fallen. Einseitige Zäunungen von Verkehrstrassen müssen dabei
jedoch strikt vermieden werden, damit die einmal erfolgreich überquerten Straßen nicht beim
Rückweg doch zur tödlichen Falle werden. Wenn nur einseitig von Verkehrstrassen Schallschutzwände
vorgesehen sind, müssen demnach auf der jeweils anderen Seite Zäune o.ä. Einrichtungen ein
Überqueren der Trasse wirksam verhindern. Außerdem muss ein Einwandern in die entstehenden
99
„Verkehrskorridore“ durch Säugetiere von deren Enden her ausgeschlossen werden (EBERSBACH &
HAUER 1998).
Wie im Kap. 4.5.1.1.1 (S. 88) erläutert, ist es jedoch prinzipiell notwendig, mit jeder baulichen
Verhinderung des Habitatverbundes auch eine geeignete Verbindung zu schaffen – etwa durch
Kleintiertunnel oder Grünbrücken (s. MAQ 2008).
4.5.2.4 Unmittelbarer Verbund zur umliegenden, nicht urbanen Landschaft
Hamburg ist als Stadt eingebunden in die Metropolregion (s. Kap. 2.1, S. 17). Das heißt, dass auch im
Umfeld von Hamburg zahlreiche Siedlungen bestehen, die eine sehr hohe Verkehrsdichte in der Stadt
und im gesamten Umfeld bedingen, und ein sehr hoher Nutzungsdruck auf jede Form von Freiflächen
besteht (s. Kap. 4.5.1.1, S. 87). Während im Osten, Süden und Südwesten von Hamburg nach
Schleswig-Holstein bzw. Niedersachsen durchgehende Siedlungsgürtel mit unverbauter Landschaft
wechseln liegen im Nordwesten und v.a. im Westen zu Tangstedt, Norderstedt bis Schenefeld Waldenau sowie Wedel und Buxtehude größere geschlossene Siedlungsgürtel parallel zur Grenze von
Hamburg.
In den nicht urban geprägten Randbereichen von Hamburg im Anschluss an ebenfalls nicht urbane
Flächen der Umgebung kann ein ständiger Austausch von Individuen angenommen werden.
Die Auswertung der Lebendfänge zeigte eine deutliche Zunahme der Artenzahlen sowie der
Fangdichten vom Stadtzentrum hin zur Peripherie (s. Abb. 18, 19, S. 51). Genau 50 % der 54 Raster
mit drei oder vier gefangenen Arten lagen an der Grenze von Hamburg zum Umland und nur vier der
15 Raster mit 4 gefangenen Arten lagen weiter als 2 km von der Stadtgrenze. Insgesamt elf der
15 Rasterquadrate (73 %) mit den höchsten Fangdichten von über 50 Tieren/100 FN sind ebenfalls
Randquadrate, die alle entlang der südwestlichen, südlichen und östlichen Stadtgrenze verteilt sind
und mit wenigen Ausnahmen einen unmittelbaren Anschluss zum nicht bebauten Umland von
Hamburg haben (s.u.).
Auffällig ist, dass die hohen Fangdichten und Artenzahlen stets im Offenland bzw. in Wald-OffenlandKomplexen liegen und in den reinen Waldbereichen im Süden von Hamburg (Neugrabener Heide,
Haake und Heimfelder Holz) sowie im Westen von Hamburg (Sandbargsmoor und Klövensteen) nur
jeweils 1 bis 2 (ein Raster mit 3) Arten gefangen wurden und die Fangdichten hier meist unter 25
Tieren/100 FN lagen.
Die Ausnahmen zum offenen Verbund zur nicht urbanen Umgebung Hamburgs betreffen die
Fangreihen:
* N 10_O 10 Öjendorf, wo nördlich und östlich die Autobahnen A 1 und A 24 mit dem Kreuz Hamburg
Ost den Austausch behindern könnte. Andererseits zeigen die Haselmausvorkommen z.B. im Dreieck
der A 21 und der B 206 in Schleswig-Holstein, dass auch die streng gehölzgebundene Haselmaus
breite Straßen mehrfach überwinden kann (s. dazu SCHULZ & EHLERS, zit. in BORKENHAGEN 2011, S.
110);
* J 17_K 17 Seevedeich Gutmoor, wo östlich die A 1 den Austausch Richtung Osten behindern könnte.
Es besteht jedoch ein möglicher Verbund mit nur einer Querung einer für Hamburg durchschnittlich
viel befahrenen, zweispurigen Straße zur zeitgleich befangenen Strecke J 16_K 16 (~1,8 km
Entfernung). Diese liegt in der gleichen Landschaft mit Wiesen und Brachen in den südöstlichen
Marschen von Hamburg. Während in der Fangreihe J 17_K 17 in nur einer Nacht 21 Tiere aus drei
Arten mit 52,5 Tieren/100 FN nachgewiesen wurden, fingen sich in der Reihe J 16_K 16 nur 2 Tiere, je
eine Rötel- und Gelbhalsmaus (2,5/100 FN).
100
* Entlang der Elbe von der Aufspaltung in Süder- und Norderelbe stromauf bis zum NSG Borghorst
(Fangstrecken K 15_L 15 bis T 17) zieht sich beidseitig der Elbe unmittelbar auf dem Deich ein fast
durchgehender Siedlungsgürtel von zumeist Einzelhäusern mit Hausgärten, der neben der Elbe selbst
und den parallel verlaufenden Elbuferstraßen beidseitig den Austausch von Kleinsäugern mit dem
Hinterland in Niedersachsen zumindest lokal behindern könnte. Dennoch liegen drei randliche
Rasterquadrate mit Fangdichten über 50 Tieren/100 FN in genau diesem Streifen und es wurden
entlang der Elbe im nicht urbanen Umfeld 6 Arten gefangen (s.o.).
101
4.5.2.5 Artenzahlen am Rand zu bzw. von Schleswig-Holstein und Niedersachsen
Es soll hier versucht werden, die Säugetiernachweise an Hand der Daten aus BORKENHAGEN (2011) für
das Umland von Hamburg in Schleswig-Holstein in einen Zusammenhang mit den Vorkommen in
Hamburg zu stellen. Dazu werden nur die Arten betrachtet, die innerhalb der vorliegenden Studie in
Hamburg über die Kleinsäugerfänge und Totfunde nachgewiesen wurden. Für Schleswig-Holstein
werden nur die Nachweise nach 1990 gewertet, für Hamburg nur die der vorliegenden Studie, also
von 2011 bis 2014.
In Schleswig Holstein als Flächenland wurden die Säugetiernachweise auf der Basis der TK25Quadranten mit Kantenlängen der topographischen Karten von etwa 11 km als Rasterkartierung
erfasst (BORKENHAGEN 2011). Die daraus entstehenden Verbreitungsbilder der TK25-Q von gut 5 km
Kantenlänge sind entsprechend grobmaßstäblicher als das Hamburger DGK5-Raster mit 2 km. Über
die größere Landesfläche Schleswig-Holsteins lässt sich damit das Verbreitungsbild der Arten
ausreichend genau darstellen, für die viel kleinere Stadtfläche von Hamburg ist diese Einteilung jedoch
zu grob.
Legt man dieses TK25-Quadranten-Raster auch auf die Karte von Hamburg, ergeben sich nur 14 TK25
bzw. 38 Quadranten für Hamburg gegenüber den 239 DGK5-Rastern mit 2 km Kantenlänge als Basis
für die Lebendfänge der vorliegenden Studie. Für die Auswertung des Habitatverbundes zum Umland
wurde die Einteilung in TK25-Q hier dennoch versucht. Die TK25-Grenzen sind dazu an Hand der
Karten und DGK5-Rasterung nur grob übernommen worden. Es können sich also im Einzelfall leichte
Verschiebungen zu den Originalkarten in BROKENHAGEN (2011) ergeben. Zum Ausgleich des
Unterschiedes in den Artenzahlen wegen der viel kleineren 2 km-Raster in Hamburg wurden nur für
diese Gegenüberstellung zum Umland auch für Hamburg jeweils die KT25-Quadranten betrachtet und
die darin nachgewiesenen Arten zusammengefasst.
Im nördlichen Umfeld von Hamburg sind nach BORKENHAGEN (2011) in den 3 TK25-Quadranten im
Umfeld des NSG Duvenstedter Brook 8 bis 9 Arten nachgewiesen, im Umfeld des NSG Höltigbaum
sowie nordwestlich des Sachsenwaldes um Witzhave 11 Arten sowie nördlich von Geesthacht 10 Arten
(s. Abb. 78, S. 103). In Hamburg wurden in vergleichbarer Flächengröße maximal 9 Arten in nur
2 TK25-Quadranten nachgewiesen:
* Im Umfeld des NSG Boberger Niederung, alter Bahndamm Billwerder bis Dreieck Moorfleet sowie
* im südlichsten TK25-Quadranten Kirchwerder-Neuengamme bis zur Elbe.
Diese werden verbunden durch den einzigen Quadranten in Hamburg mit 8 Arten um Curslack.
Damit ergibt sich für Hamburg und das Umfeld ein breiter Streifen mit jeweils 7-10 Arten von den
Vier- und Marschlanden bis zum Sachsenwald im Südosten von Hamburg und dann am östlichen Rand
von Hamburg mit 7 bis 11 Arten über das NSG Höltigbaum bis zum NSG Duvenstedter Brook im
Norden.
Der gesamte zentrale Teil Hamburgs, der südliche und westliche Teil einschließlich der Umgebung fällt
dagegen in der Artenzahl deutlich ab. Es verbleibt lediglich ein Streifen mit jeweils 7 nachgewiesenen
Arten in Hamburg um den Friedhof Ohlsdorf Richtung Westen bis einschließlich Fuhlsbüttel, Schnelsen
und den Niendorfer Forst.
102
Abb. 78: Vergleich der nachgewiesenen Artenzahlen in Hamburg aus vorliegender Studie und im
angrenzenden Schleswig-Holstein nach 1990 (Raster in Anlehnung an die TK25-Quadranten;
Daten für SH nach BORKENHAGEN 2011).
In der Tab. 14, S. 104 sind die durchschnittlichen Artenzahlen für die verschiedenen Regionen in und
um Hamburg zusammengestellt. Insgesamt ist die durchschnittliche nachgewiesene Artenzahl der hier
betrachteten Arten in Hamburg mit 4,59 etwas größer als im Umfeld in Schleswig-Holstein mit
4,31 Arten/TK25-Q, wobei diese höhere durchschnittliche Artenzahl für Hamburg aus dem Westteil
gegenüber dem westlichen Umfeld beruht. Auch in Süd-Hamburg und selbst im Zentrum der Stadt
fingen sich im Mittel mehr Arten (4,55 und 5,14) als im Durchschnitt des Umlandes. Im gesamten
Norden und Osten sind die Artenzahlen dagegen in Schleswig-Holstein größer (s.o.).
Auffällig ist außerdem, dass (möglicherweise abhängig von der Bearbeitungsintensität?) in SchleswigHolstein im Randbereich zu Hamburg die Artenzahlen gering sind, wenn die urbanen Räume beider
Länder ineinander übergehen. Dies betrifft:
*
den gesamten West- und Nordwestteil Hamburgs von der Elbe/Wedel bis Hummelsbüttel-
Glashütte, die Waldgebiete Sandbargsmoor und Klövensteen zeigen keine erhöhten Artenzahlen;
*
den Osten im Bereich Bergedorf - Reinbek mit einer nur schmalen nicht urbanen Zone sowie
*
auffällig den Bereich Volksdorf - Ahrensburg trotz des gut 1,5 k breiten durchgehenden
Grünstreifens zwischen den Siedlungen.
Dies hat in Hamburg seine Entsprechung. Auch hier sind die Artenzahlen mit 1-4 Arten/TK25-Q
geringer:
*
im westlichen und nordwestlichen Randbereich von der Elbe bis nördlich Norderstedt (s.o.);
*
im Randbereich Volksdorf nach Ahrensburg (s.o.);
*
im Bereich Bergedorf – Reinbek (s.o.);
*
sowie erstaunlicherweise im Großraum des NSG Höltigbaum, wo in Schleswig-Holstein ein
TK25-Q mit 11 nachgewiesenen Arten angrenzt. Hier war jedoch die Fangdichte in Hamburg sehr
hoch.
103
Die Tendenz der geringeren Artenzahlen am Rande bei durchgehenden Siedlungsbereichen über die
Landesgrenze setzt sich außerdem fort im Süden Hamburgs in den Bereichen:
*
Fischbek – Neu Wulmstorf trotz beidseitig breiter durchgehender Grüngürtel sowie
*
Langenbek und Sinstorf zu Fleestedt bzw. Beckedorf und Tötensen.
Allerdings lagen hier in den randlichen Rastern von Hamburg nur jeweils 1-2 Fangreihen und im
gesamten Bereich südlich der Elbe waren die durchschnittlichen Artenzahlen mit 4,14/TK25-Q geringer
als im Gesamtdurchschnitt in Hamburg.
Tab. 14: Durchschnittliche
Artenzahlen
je
TK
25-Quadrant
in
Hamburg
(an
Hand
von
Kleinsäugerfängen, Totfunden und Nestsuchen) und im benachbarten Schleswig-Holstein
(nach Daten aus BORKENHAGEN 2011)
S-H
durchschnittl. HH
durchschnittl.
Anzahl MTB-Q Artenzahl
Anzahl MTB-Q Artenzahl
Westen
8
1,13
6
4,33
Norden
6
5,83
8
3,88
Osten
12
5,67
5
5,40
Süden
11
4,55
Zentrum
7
5,14
Ges
26
4,31
37
4,59
4.5.3 Lebensraumgrößen von Kleinsäuger-Gemeinschaften
Aus der Auswertung der Artenzahlen in Hamburg und angrenzenden Bereichen zu/von SchleswigHolstein und Niedersachsen ergibt sich deutlich, dass in größeren zusammenhängenden, vielfältig
strukturierten, nicht urbanen Lebensräumen die Artenzahlen und teilweise die Individuendichten höher
sind als in den mehr innerstädtischen Fangflächen. Damit scheint die Lebensraumgröße auf der
Landschaftsebene der entscheidende Faktor für die Artenvielfalt zu sein neben dem flächigen Verbund
über nicht urbane Bereiche. Anthropogen genutzte Teil-Flächen von hoher Dynamik stehen dem nicht
entgegen, wenn im Umfeld große unverbaute Flächen liegen.
Dies schließt ein, dass für die vorhandenen bzw. möglichen eher linearen Habitat-Verbundadern eine
besondere Verantwortung besteht.
Wie oben ausgeführt sinken allgemein die Fangzahlen und Artenzahlen vom Rand Hamburgs zum
Stadtzentrum mit der Größe der verfügbaren, nicht urbanen und nicht vollständig umbauten
Lebensräume.
An den Beispielen Ohlsdorfer Friedhof und Wandsbeker Gehölze konnte gezeigt werden (s. Kap.
4.1.4.3, S. 61), dass rund 390 ha mit artenreicher Vegetation plus angrenzenden Parks und
Kleingärten, aber im vollständig umbauten Umfeld im Ohlsdorfer Friedhof bzw. seit gut 140 Jahren
bestehenden, jedoch umbauten Waldgebieten von zusammen rund 25 ha der Wandsbeker Gehölze
inmitten von Einzelhausbebauung mit Hausgärten nicht ausreichen für dauerhaft bestehende
artenreiche
Kleinsäugergemeinschaften.
Das
schließt
ein,
dass
die
niedrigen
Arten-
und
Individuenzahlen der Fänge in diesen Flächen nur zeitlich begrenzt sein können und über Gewölle ggf.
weitere Arten nachzuweisen sind. In beiden Strukturen wurde jedoch im Herbst, also in der Jahreszeit
mit den allgemein höchsten Artenzahlen und Individuendichten der Kleinsäugerarten im Jahresverlauf
und damit höchsten Fangwahrscheinlichkeit gefangen.
104
Alle Raster mit vier über die Lebendfänge nachgewiesenen Arten liegen in deutlich größeren
landwirtschaftlich und/oder garten- und obstbaulich und/oder waldbaulich genutzten Flächen und
haben Anschluss an solche Nutzungen in der Umgebung von Hamburg.
Eine Ausnahme bilden die arten- und individuenreichen Fangstecken innerhalb der Vier- und
Marschlande bzw. am Übergang zu gewerblich genutzten Flächen (um Raster L 13_M 13). Hier ist
offenbar die Landschaft als traditionelle Kulturlandschaft mit allen genannten Nutzungstypen und einer
großen Zahl aus der Nutzung genommener Flächen sowie auch dynamischen anthropogenen
Strukturen ausreichend groß für die größten in Hamburg gefundenen Arten- und Individuendichten in
einem zusammenhängenden Landschaftsraum. In den Vier- und Marschlanden fingen sich insgesamt
11 der 12 über die Kleinsäugerfänge nachgewiesenen Arten, nur die Erdmaus fehlte (die allerdings
über Gewölle nachgewiesen wurde). Außerdem wurde die Haselmaus nachgewiesen.
Es fingen sich auf diesen knapp 20,1 % der Fläche Hamburgs 32,1 % der gefangenen KleinsäugerIndividuen, was rein rechnerisch einer „Präferenz“ über alle Arten von Ei = 0,25 entspricht und die
allgemeine Lebensraumqualität der Landschaft als Ganzes zeigt. Der Landschaftsausschnitt der Vierund Marschlande ist außerdem der größte verfügbare Kulturlandschaftsraum in Hamburg (PROTT 2012)
mit Anschluss an angrenzende unverbaute Flächen in Schleswig-Holstein bzw. die südlich der Elbe
liegenden niedersächsischen Elbmarschen.
Ebenfalls deutlich höhere Artenzahlen wurden im Verbund zu den großen unverbauten Flächen im
Umland von Hamburg gefangen im Südwesten (Cranz, Neuenfelde und Francop) sowie im Osten bis
Norden mit ebenfalls hohen Artenzahlen in der Kulturlandschaft in Schleswig-Holstein.
Diese Aussagen gelten nur für die Artengemeinschaften als Ganzes. Die Ansprüche einzelner Arten
sind damit nicht näher beschrieben.
105
5
Kleinsäugetiere in Hamburg – Vorkommen, Fehlen, Schutz und
Gefährdungen
5.1
Vergleich der vorkommenden Arten in Hamburg und Umgebung
Insgesamt wurden in Hamburg gemäß Auftrag 22 Säugetierarten (s. Artkap., Anhang II) bearbeitet,
Zum Siebenschläfer gelangen keine aktuellen Nachweise.
Zu Igel und Eichhörnchen liegen vom Hamburger Tierschutzverein Daten vor (G. SCHÄFERS, pers.
Mitt.), die eine flächendeckende Aussage erlauben. Der Bisam ist in den Vier- und Marschlanden und
der Süderelbemarsch flächendeckend (G. SCHÄFERS nach Auskunft der Wasserwirtschaftsämter,
Befragung von Bisamjägern) und vereinzelt in den anderen Bereichen in ihm zusagenden Gewässern
verbreitet. Für den Maulwurf wurde eine Stichprobenerhebung in den Grünländereien von G. SCHÄFERS
(pers. Mitt.) durchgeführt. Zusammen mit den eigenen Beobachtungen kann für die Art von einer
flächendeckenden Verbreitung ausgegangen werden (s. Artkapitel im Anhang II).
Im Vergleich der in Hamburg nachgewiesenen Artenzahlen zur Umgebung von Hamburg innerhalb der
Flächenländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist die nachgewiesene Artenzahl wider Erwarten
nicht geringer.
In Niedersachsen wurde die letzte Erhebung zu Vorkommen und Gefährdung von Säugetieren im
Rahmen der Erarbeitung der Roten Liste bereits 1990 abgeschlossen. Hier kamen im größeren Umfeld
von Hamburg aus den gleichen Artengruppen etwa 23 Arten vor (HECKENROTH et al. 1993).
In Schleswig-Holstein stellte BORKENHAGEN 2011 bzw. 2014 Nachweise zu 23 Arten der gleichen
Artengruppen zusammen, außerdem Nachweise von Wildkaninchen, Fischotter und Mauswiesel.
Die Gegenüberstellung der lokal nachgewiesenen Artenzahlen im Randbereich von Hamburg und im
an Hamburg angrenzenden Schleswig-Holstein erfolgt in Kap. 4.5.2.5, S. 102.
Danach sind östlich und nördlich von Hamburg im Umland deutlich mehr Arten nachgewiesen als im
angrenzenden Hamburg, im Westen jedoch in Hamburg mehr, allerdings auf niedrigem Niveau (s.
Tab. 14, S. 104). Außerdem sind die Artenzahlen regelmäßig niedriger in Bereichen, die einen
durchgehenden urbanen Siedlungs- und/oder Gewerbegürtel von Hamburg ins Umland haben.
5.2 Möglichkeiten
der
Bestimmung
Rückgangsursachen von Kleinsäugerarten
von
Seltenheit
und
Einige Arten sind in Hamburg trotz großflächiger Fangversuche und sonstiger Datenerfassung nur
vereinzelt nachgewiesen worden, so dass deren allgemeine Seltenheit anzunehmen ist. Dazu zählen
andernorts weit verbreitete Arten wie die Waldspitzmaus. Die Zwergspitzmaus löst auf Grund ihrer
geringen Körpermasse den Fangmechanismus normaler Lebendfallen i.d.R. nicht aus. Sie ist demnach
mit den flächigen Lebendfängen nicht zu bearbeiten und nur über die nur wenigen aus Hamburg zur
Verfügung stehenden Gewölle nachgewiesen worden. Die Zwergmaus wurde ebenfalls auf Grund ihrer
geringen Masse und ihrer hauptsächlichen Fortbewegung als Halmkletterer in hoher Vegetation nur
ausnahmsweise in Fallen gefangen, konnte jedoch an Hand ihrer Freinester und gelegentlich in
Gewöllen gefunden werden.
Die regelmäßigeren Vorkommen dieser in Hamburg selten nachgewiesenen Arten sowie der Hausmaus
im angrenzenden Schleswig-Holstein und Niedersachsen können zum Einen darauf beruhen, dass in
Schleswig-Holstein in der Fläche Gewöllmaterial gesammelt und ausgewertet werden konnte, was für
106
Hamburg nicht möglich war. Zum anderen könnte das daran liegen, dass die größeren nicht urbanen
Lebensräume in den Flächenländern ein allgemeines Vorkommen solcher Arten ermöglicht, in der
Großstadt Hamburg jedoch nicht (mehr).
Es ist methodisch im Allgemeinen leichter, die Ausbreitung einer Art zu belegen als deren Rückgang
oder Fehlen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich ein „Rückgang“ auf zwei Ebenen ereignen kann:
als Verringerung der Populationsdichte innerhalb der bestehenden Verbreitungsgebiete und/oder als
Verkleinerung – u.U. mit Verinselung – des Vorkommensgebietes. Dabei sind auch „natürliche“, z.T.
sehr ausgeprägte Populationsschwankungen zu berücksichtigen, wie sie für jährliche Schwankungen
der Populationsdichten zahlreicher Kleinsäugerarten allgemein bekannt sind (z.B. bei den Wühlmäusen
sowie Gelbhals- und Waldmaus, s. Kap. 4.1.3, S. 53). Diese sind nicht mit einem Rückgang der Art
gleichzusetzen.
Daneben
gibt
es
besonders
am
Arealrand
von
Arten
natürliche
Verschiebungen
der
Vorkommensgebiete, die sich sowohl über große Flächen, als auch sehr schnell vollziehen können.
Dabei können unter Umständen relativ lange sehr kleine Vorkommensinseln bestehen bleiben. Das
markanteste Beispiel dafür in Norddeutschland ist die Birkenmaus in Schleswig-Holstein (s.
BORKENHAGEN 2011). Aber auch Brandmaus oder Haselmaus (Artkap., Anhang II) bilden solche
Verschiebungen und Vorkommensinseln am Arealrand (z.B. die Haselmausvorkommen auf Rügen).
Gründe dafür sind meistens nicht nachvollziehbar. Hierbei geben die heute als unsicher betrachteten
Nachweise von Feldspitzmaus und Hausspitzmaus aus Hamburg aus der Zeit um 1900 eine zeitliche
Größenordnung vor, wie lange sich Arten vom Arealrand zurückziehen können, um dann aktuell in
Schleswig-Holstein wie Hamburg wieder nachgewiesen zu werden (vgl. BORKENHAGEN 2011, DEMBINSKI
et al. 2002).
Außerdem bedeutet bei verschiedenen Arten das Ausbleiben von Nachweisen noch nicht, dass die Art
nicht in einem Gebiet vorkommt. Beispiel dafür sind die Brandmaus in Hamburg ohne Nachweise
zwischen Oktober 2011 und Juli 2012 sowie Oktober 2012 und Januar 2014 oder das methodisch
bedingte Fehlen von Zwergspitzmausnachweisen in den Lebendfallen.
Noch schwieriger ist es jedoch im Allgemeinen, die Gründe für festgestellte Bestandes- und/oder
Verbreitungsveränderungen zu benennen. Tatsächliche kausale Zusammenhänge zwischen einzelnen
Faktoren einer sich verändernden Umwelt und der Veränderung des Vorkommens einzelner Arten
lassen sich nicht oft eindeutig zuordnen. Eine Möglichkeit wäre die unmittelbare Überbauung von
Flächen, etwa am Beispiel Altenwerder. Aber welche der hier bearbeiteten Säugetierarten sind
tatsächlich dadurch in Altenwerder verschwunden?
Es ist demnach oft schwierig, überhaupt den Rückgang von Arten (zeitnah) zu erkennen und dafür
Ursachen zu benennen, insbesondere im Nachhinein. Entsprechend ist es genauso schwierig,
Möglichkeiten zu finden, dem entgegenzuwirken.
Dennoch gibt es verschiedene Beispiele, wo durch die enge Bindung einer Art an bestimmte
Strukturen die Möglichkeit besteht, konkrete Schutzbemühungen und Maßnahmen zu deren
Realisierung zu formulieren. Das gilt unter den Kleinsäugern v.a. für die Haselmaus und die
Zwergmaus (s.u.).
Zum möglichen Einfluss der Wanderratten s. Kap. 5.3.2.4, S. 113.
Bei verschiedenen Autoren werden unter anderem Klimaveränderungen für das Verschwinden auch
von Kleinsäugetierarten diskutiert (s. u.a. ANDERßON 1993, DEMBINSKI et al. 2002). Da jedoch alle in
107
Hamburg vorkommenden Kleinsäugetierarten eine relativ große ökologische Amplitude im Beug auf
die klimatischen Umweltfaktoren haben, ist es wahrscheinlich, dass die Klimaveränderung nicht der
alleinige Faktor sein kann. Solange die Arten in Europa große Verbreitungsgebiete haben, die meistens
wenigstens von Südskandinavien bis ins Mittelmeergebiet und von West- bis mindestens Osteuropa
reichen, sind alle klimatischen Unterschiede innerhalb des Areals und selbst innerhalb der
Verbreitungsgebiete in Deutschland deutlich größer, als die Verschiebungen in Hamburg durch den
Klimawandel, zumal die Stadtlage die klimatischen Einflüsse gegenüber dem Umland deutlich puffert.
Eine Ausnahme davon könn(t)en verstärkt auftretende Witterungsextreme sein, wie z.B. gehäufte
extrem kalte und/oder lange Winter oder dem gegenüber zu warme und feuchte Winter für
Winterschläfer wie Igel, Siebenschläfer oder Haselmaus. Aber auch hier gilt natürlich das für die
ökologische Potenz der Art in deren gesamtem Areal Gesagte (s.o.). Alle Bestandeseinbrüche auf
Grund eines z.B. sehr langen, kalten Winters in Hamburg sind für die Art im natürlichen
Schwankungsbereich, solange in Teilgebieten des Gesamtareals solche Witterungsverhältnisse
regelmäßig vorkommen und die Arten insgesamt dauerhaft damit leben.
Es müssen demnach andere Faktoren dazu führen, dass einzelne Arten – zeitweilig? – verschinden
oder aber auch zunehmen.
Ein wesentlicher Faktor dabei sind die natürlicherweise großen Schwankungen der Bestandesdichten
und Vorkommensgebiete von Arten an deren Arealrand. Davon betroffen sind im Hamburger Raum
unter den Kleinsäugetieren v.a. fünf Arten:
*
die ostmitteleuropäische bis ostasiatische Brandmaus (BORKENHAGEN 2011);
*
die v.a. mittel-, süd- und osteuropäische Haselmaus (JUŠKAITIS & BÜCHNER 2010) sowie
die in jüngster Zeit sich (wieder?!) ausbreitenden Spitzmausarten:
*
Hauspitzmaus,
*
Feldspitzmaus,
*
Gartenspitzmaus (BORKENHAGEN 2011). Bezeichnenderweise gehören alle drei Arten zur
Gattung Crocidura, wogegen die Sorex-Arten Wald- und Zwergspitzmaus und auch die ebenfalls
rotzähnige Wasserspitzmaus als offensichtlich robuster sind in ihrer Verbreitung.
5.3
Monitoring, Schutzmaßnahmen, Schutzgebiete
5.3.1 Vorschläge für ein mögliches Monitoring von Kleinsäugern in Hamburg
Im Ergebnis der Lebendfänge sowie ergänzend dazu weiteren Methoden für Nachweise von
Kleinsäugetieren
wird
festgestellt,
dass
alle
Methoden
zusammen
das
Artenspektrum
der
Kleinsäugetiere gut widerspiegeln können. Eine Option der Verbesserung der Fang-Methode für ein
Monitoring der Populationsdichten und der Artnachweise ist also, weniger Rasterquadrate zu
befangen, diese aber häufiger in zeitlichen oder räumlichen Ergänzungen.
Wichtig ist außerdem, alle weiteren Nachweise (aus Totfunden, Sichtbeobachtungen, Nestersuchen
und Gewöllanalysen usw.) einzubeziehen (s.u.).
Da dies für die gesamte Fläche von Hamburg wahrscheinlich nicht durchzuhalten ist, wird
vorgeschlagen, auf explizit benannten Monitoring-Flächen (s.u.) mehrere Nachweismethoden in
möglichst kurzen Zeitabständen, also jährlich oder höchstens alle 2 Jahre zu praktizieren.
Für die größeren räumlichen Veränderungen der Artenzusammensetzungen sollten etwa alle 5 Jahre
jeweils ein Drittel der Rasterquadrate der Stadt (jeweils möglichst gleichmäßig verteilt) einmal mit
108
40 Fallen über die Grenze von 2 Rasterquadraten nach dem hier praktizierten Muster befangen
werden.
Damit wären jeweils innerhalb von 15 Jahren alle Rasterquadrate der Stadt zu befangen sowie ein
intensives Monitoring in Auswahlflächen zur Bestimmung der Bestandestrends gegeben. Eine neue
Darstellung der Verbreitung der einzelnen Arten basiert dann alle 15 Jahre immer wieder auf den
Daten aus diesem Zeitraum.
Ergänzend sollten kontinuierlich alle Eulen-Gewölle gesammelt werden, die erhältlich sind. Wenn dies
als regelmäßige Aufsammlung von den gleichen Standorten – z.B. einmal jährlich – erfolgt, können
über die Veränderungen der Beutezusammensetzung auch Veränderungen der Kleinsäugerdichten als
relative Veränderungen entlang der Zeitachse aufgezeigt werden. Es ergeben sich aus den
Gewöllanalysen jedoch nur im größeren räumlichen Zusammenhang Verbreitungsbilder der
vorkommenden Kleinsäugetiere, wie am Beispiel der Vier- und Marschlande gezeigt werden konnte.
Die Einzelaufsammlungen im Stadtpark oder Ohlsdorfer Friedhof erbrachten zwar die sehr wichtigen,
einzigen Nachweisen der Feldmaus im größeren Umfeld (jedoch vor dem 1.1.2000). Es ist aus den
Gewöllen jedoch nicht zu bestimmen, wo diese Feldmäuse erbeutet wurden, wie groß die Vorkommen
sein können usw. Für eine gute zeitliche Zuordnung der Fänge von Kleinsäugetieren durch die Eulen
sollten für ein Monitoring an den einbezogenen Sammelplätzen einmal alle Gewölle und Reste beräumt
werden, um dann bei möglichst jährlichen Sammlungen die Fänge der Kleinsäuger zeitlich zuordnen
zu können.
Zu den Vorschlägen für die Monitoring-Flächen s. Kap. 5.3.3, S. 114.
Im Sinne der Nutzung von Synergie-Effekten bei der Erfassung von Daten zu verschiedenen
Artengruppen wird vorgeschlagen, bei jeder Erteilung von Fanggenehmigungen für verschiedene
Artengruppen (z.B. Carabiden mit Bodenfallen usw.) die Daten zu Beifängen anderer Artengruppen
melden zu lassen. Die Hinweise können einer zentralen Sammelstelle zugeleitet werden, etwa im
Sinne des niedersächsischen Arterfassungsprogrammes (POTT-DÖRFER, NLWKN, pers. Mitt.), da nicht
anzunehmen ist, dass spezielle Artengruppen von jedem Bearbeiter abgedeckt werden können.
Denkbar ist auch, die Daten der nebenbei gefangenen Arten direkt in das Artkataster einzuspeisen.
Da verschiedene Kleinsäugerarten (v.a. die Wühlmäuse) dazu tendieren, in 3-4 jährigen Abständen
Massenvermehrungen mit anschließendem Zusammenbruch der Populationen auf sehr niedrige
Dichten zu durchlaufen, müssten die Untersuchungsmoden dem Rechnung tragen, um nicht
(wiederholt) in die gleiche Populationsphase zu fangen. Das wäre bei ständig hohen wie ständig
niedrigen nachgewiesenen Dichten kontraproduktiv.
Außerdem
sollte
als
Bearbeitungszeitraum
der
Herbst
gewählt
werden,
weil
dann
die
Populationsdichten im Jahresverlauf und damit die zu erzielenden Fangdichten am höchsten sind und
z.B. die Brandmaus nur im Sommer und Herbst in den Fallen auftauchte. Das gefangene
Artenspektrum war von den herbstlich hohen Populationsdichten nicht betroffen.
Gut für ein Monitoring eignen sich Flächen, in denen durch die Fänge viele Arten nachgewiesen
wurden, und darunter geschützte – speziell die Haselmaus – und seltene Arten für Hamburg, wie die
Weißzahnspitzmäuse (Haus- und Feldspitzmaus).
Wünschenswert
wären
außerdem
Monitoringflächen
in
den
unterschiedlichen
Formen
der
Kulturlandschaft, also z.B. der Nutzungstypen lt. Kap. 4.1.4, S. 56. Dabei sind nach Möglichkeit
Transekte vom Stadtrand zur Innenstadt mit mehreren Fangreihen zu planen.
109
Am alten Bahndamm Billwerder sollten die Kleinsäugetiere in das Monitoring der Reptilien und der
Haselmaus mit einbezogen werden (vgl. auch HAAK 2012). Das gilt v.a. auch für die Zwergmaus,
Hausspitzmaus und Waldspitzmaus. Gerade die Kombination der vielen hier vorkommenden Arten mit
dem Management der Fläche für den Artenschutz sollte Aussagen zum Einfluss derartiger Maßnahmen
auf die Arten und Gemeinschaften erlauben – und entsprechend notwendige Anpassungen der
Maßnahmen.
Dabei ist zu klären, inwieweit der westliche Teil, also die (Pionier-)Waldfläche zwischen Spülfläche
Feldhofe und Huckepackbahnhof das eigentliche Lebensraum-Refugium der Haselmaus und anderer
Arten bildet, und damit in das Monitoring, die Maßnahmen und v.a. den Schutz mit einzubeziehen ist.
5.3.2 Spezielle Schutzmaßnahmen und zu schützende Arten
5.3.2.1 Die herausragende Rolle der Feld- und Erdmäuse
Die Feld- und Erdmäuse sind die Hauptnahrungsquelle für die meisten Raubsäugetiere, Greifvögel und
Eulenarten sowie ergänzende Nahrungsquelle für Arten wie Störche, Graureiher usw. und haben damit
eine außerordentliche Bedeutung in den Biocoenosen. Ein dauerhafter Rückgang dieser Arten würde
einen sehr hohen Räuberdruck auf alle anderen möglichen Beutetiere auslösen, darunter zahlreiche
geschützte Arten (ANGELSTAM et al. zit. in KORPIMÄKI et al. 1990), auch über die Kleinsäuger hinaus
(Kleinvögel, Niederwild – Hasen, Fasane, Rebhühner -, Wachtelkönig; Amphibien und Reptilien usw.).
Wie die Analysen der Gewöllaufsammlungen aus Hamburg gezeigt haben, übernehmen nicht die sonst
häufigen Gelbhalsmäuse die Hauptnahrung der Eulen bei seltenem Auftreten von Erd- und
Feldmäusen, sondern die beiden häufigen Spitzmausarten Wald- und Zwergspitzmaus treten in den
Anzahlen/Anteilen der gefangenen Beutetiere an die Stelle der Wühlmäuse. Selbst die allgemein in
den Lebendfängen zweithäufigste Rötelmaus übernimmt nur ausnahmsweise den Hauptanteil der
Beutetiere der Eulen (s. Kap. 4.2, S. 72).
Natürliche, weit verbreitete Vorkommen und Populationsdichten der Feld- und Erdmaus sind damit
eine Artenschutz-Basis für alle anderen (potentiellen) Nahrungstiere von Beutegreifern aller Taxa –
und natürlich für die Beutegreifer.
5.3.2.2 Weißzahnspitzmäuse, Haselmaus, Brandmaus und Zwergmaus in Hamburg
Für Hasel- und Brandmaus hat Hamburg wegen der im Stadtgebiet verlaufenden Arealgrenzen eine
gewisse Verantwortung. Trotz gezielter Schutzbemühungen kann es in unregelmäßigen Abständen
und für unbestimmte Zeitabschnitte zum Rückzug dieser Arten aus der Stadt und darüber hinaus
kommen, ohne dass dafür Gründe benannt werden können. Aufgabe bleibt dann, den Arten eine
Rückkehr zu ermöglichen, wenn sie sich natürlich wieder ausbreiten. Es besteht also eine
Notwendigkeit, die Lebensraumstrukturen zu erhalten, auch wenn einige Jahre keine Nachwiese der
Arten gelingen sollten.
Es können jedoch auch verinselte, unter Umständen recht kleine Bestände über unbestimmte Zeit
bestehen bleiben, wie es sich bei den derzeit in Hamburg bekannten Haselmausvorkommen
abzeichnet. An den kleinen Restpopulationen setzt die Selektion in besonderer Weise an. Sie haben
also im Artbildungsprozess eine hohe Bedeutung und erfordern ein besonderes Augenmerk und ggf.
spezielle Schutzmaßnahmen. Es wird deshalb ein gezieltes Monitoring der Haselmausvorkommen und
Brandmausvorkommen in Hamburg in den bestehenden Vorkommensgebieten und in sonstigen
110
geeigneten Lebensraumstrukturen vorgeschlagen. Das Zeitregime ist gesondert abzustimmen mit den
Notwendigkeiten des Monitoring auch anderer Arten, ggf. anderer Artengruppen.
Die Zwergmaus hat wie die Haselmaus spezielle und relativ klar bestimmbare Lebensraumansprüche
und ist, ebenso wie die Haselmaus, an Hand der Freinester bzw. in Haselmaus-Kästen (JUŠKAITIS &
BÜCHNER 2010) leicht nachzuweisen. Eine weitergehende Kartierung, ein Monitoring wie auch ggf.
gezielte
Schutzmaßnahmen
sind
hier
relativ
leicht
zu
bestimmen.
Derzeit
konnten
aus
Kapazitätsgründen noch nicht alle relevanten Lebensraumstrukturen kontrolliert werden.
Denkbar wäre z.B., einen Teil der derzeit bekannten Zwergmausvorkommen in unterschiedlichen
Bereichen Hamburgs in verschiedenen Strukturen (Wiesen und Blocksteinschüttungen außendeichs;
Röhrichtbestände,
Wiesen-,
Feldränder,
aufgelassene
Pionierflächen
und
Waldlichtungen
binnendeichs) in ein Monitoring einzubinden und dabei wenn möglich Synergie-Effekte mit dem
notwendigen Monitoring anderer Arten zu nutzen. Hierbei bietet sich v.a. die Haselmaus an, zumal in
allen Haselmausvorkommen in Hamburg auch die Zwergmaus nachgewiesen wurde (außer im NSG
Borghorst, was an der Intensität der Suche liegen könnte).
5.3.2.2.1
Monitoring und Schutz der Haselmaus in Hamburg
Die Haselmausvorkommen in Hamburg müssen im Zuge der FFH-Berichtspflichten als Totalzensus
untersucht werden (MICHALCZYK, pers. Mitt.). Da jedoch sowohl die Populationsdichten jährlich stark
schwanken können als auch die Neigung zur Anlage von Freinestern bzw. Nutzung von Nistkästen,
sind nur mit einem kürzeren Untersuchungsabstand als die Datenerhebungen zum Zustand der
Lebensräume Aussagen zur Populationsentwicklung zu ermitteln. Diese sind letztlich jedoch
Bestandteil der Meldung als FFH-Art.
Es
erscheint
praktikabel,
dabei
Synergie-Effekte
zu
nutzen,
indem
zeitgleich
in
den
Vorkommensgebieten der Haselmaus in Hamburg auch Monitoring-Untersuchungen zu anderen
(Kleinsäugetier-)Arten durchgeführt werden.
Damit sind durch die bekannten Vorkommensgebiete der Haselmaus 5 der Monitoring-Flächen für
Kleinsäugetiere in Hamburg benannt (s.u.).
Lebensräume in Hamburg
Die Haselmaus ist als Art in ihrem gesamten Areal essentiell an Gehölze gebunden (JUŠKAITIS &
BÜCHNER 2010). Selbst kurze gehölz- und vegetationsfreie Bereiche von weniger als 10 m können
Ausbreitungsbarrieren bilden, wenn es auch Fallbeispiele dafür gibt, dass während der Dismigration
gehölzfreie Feldflächen bis zu 500 m überbrückt worden sind. Scheinbar tun dies die residenten Tiere
jedoch nicht bzw. nur äußerst ungern (s. Zusammenfassungen bei JUŠKAITIS & BÜCHNER 2010).
Die Vegetations- und insbesondere Gehölzstrukturen der in Hamburg bekannten HaselmausLebensräume sind in EBERSBACH (2012) beschrieben. Aus diesen gefundenen Strukturen ergeben sich
zwangsläufig die größten Gefahren für die Haselmausvorkommen in der Stadt:
Gefährdung in Hamburg
Die saumbewohnenden Arten, also Zwergmaus, Hausspitzmaus und v.a. die Haselmaus, sind durch
das allgemein übliche Schreddern bzw. Schlegeln von Hecken und Säumen akut gefährdet. Die
Haselmaus ist dabei sowohl im Winterschlaf in den Bodennestern als auch im Sommer bei Nutzung
der Freinester betroffen. Die Zwergmäuse als nicht winterschlafende Tiere haben zumindest die
Chance, bei Annäherung der bearbeitenden Maschinen die Freinester zu verlassen. Das schafft die
111
Haselmaus auch in der Vegetationsperiode nur bedingt, da die Tiere am Tage, v.a. bei kühler
Witterung, in einen Torpor verfallen, aus dem sie nicht innerhalb weniger Augenblicke aufwachen und
fliehen können (s. Abb. 63-65, Anhang III, S. 24f).
Zum Einfluss solcher Saumbearbeitungen auf die Hausspitzmaus oder Feldspitzmaus ist in Hamburg
nichts bekannt.
Die Gesamt-Situation der Gefährdung in den Haselmaus-Vorkommen in Hamburg ist damit folgende:
Im Umfeld des Haselmausnachweises südlich der Stapelfelder Straße erfolgen regelmäßig Arbeiten
an den Hecken und winterliche Bearbeitungen der Böden bis an Fuß der Hecken, was zur ernsten
Bedrohung für die Haselmaus in diesem Bereich führen kann (s.o.). Es ist zur Abschätzung der
Gefährdung des gesamten Vorkommens dringend zu klären, wie weit verbreitet und wie zahlreich die
Art im Umfeld vorkommt.
Auch am alten Bahndamm Billwerder besteht eine Bedrohung durch Schreddern der Brombeeren
und Gehölze, was im Zuge von Schutzmaßnahmen z.B. für die Zauneidechse in regelmäßigen
Abständen auch in der Vegetationsperiode erfolgt (Abb. 63, Anhang III, S. 24). Es ist dabei nach
Wegen zu suchen, wie dies ohne Risiken für möglichst viele der zu schützenden Arten durchgeführt
kann (vgl. HAAK 2012).
Gerade am alten Bahndamm Billwerder ist jedoch das Lebensraumpotential und die eventuellen
Vorkommen in der eher als „Buschland“ zu charakterisierenden Gehölzfläche westlich des alten
Bahndammes Billwerder zu klären. Deren Status ist derzeit nicht gesichert, die Gefährdung besteht
darin, dass der nördliche Bahnhof als Logistik-Element im Hinterland des Hafens ausgedehnt wird
und/oder die Spülfläche Feldhofe für Ablagerungen von Sediment aus der Elbe noch Norden erweitert
und/oder die Gewerbefläche an der A 1 und A 25 in bisher „ungenutzte“ Bereiche vergrößert werden.
Die Nachweise im NSG Höltigbaum, im Wald nördlich Rothenhauschaussee und am NSG
Borghorst liegen in/an flächigen Waldstrukturen. Jedoch auch auf der Lichtung mit den
Haselmausnachweisen an der Rothenhauschaussee wird die Vegetation regelmäßig mit Motorsensen
zurückgesetzt.
Der Bereich im Umfeld der Sichtbeobachtung in der Grenzhecke zu Schleswig-Holstein im NSG
Borghorst erscheint insgesamt am wenigsten geeignet für dauerhafte Ansiedlung von Haselmäusen.
Hier besteht eine mögliche Bedrohung durch winterliche Hochwasser im gehölzartenreicheren Teil der
fossilen Aue im NSG Borghorst, der trockenere nördliche Teil des NSG mit Anschluss an SchleswigHolstein ist dagegen als Lebensraum der Haselmaus wegen der armen Kiefernbestände mit nur
vereinzelt Brombeeren und Faulbaum viel weniger geeignet (Abb. 76, 77, Anhang III, S. 32). Ob die
parallel vorkommenden Wildkaninchen die Winterschlafnester der Haselmaus beeinträchtigen können,
ist nicht bekannt.
Damit sind mindestens 4 von nur 5 bekannten Vorkommen der Art in Hamburg von (potentiellen)
Gefährdungen für die Haselmaus betroffen. Da die Hamburger Vorkommen sich nur auf diese wenigen
Hinweise und auf kleine, untereinander nicht vernetzte Lebensräume beschränken, muss die Art in
Hamburg als vom Aussterben bedroht eingestuft werden.
Weitergehende Schutzmaßnahmen sind nach Klärung des Status´ der Art in allen bekannten
Vorkommensgebieten gesondert abzustimmen. Dafür reichen die Informationen bislang nicht aus.
Wichtig ist dabei, die Erfahrungen mit dem Management der Vegetation am alten Bahndamm
Billwerder mit einfließen zu lassen, aus dem sich Maßnahmen-Möglichkeiten oder Schutzmaßnahmen
für die anderen Vorkommensgebiete ableiten lassen.
112
5.3.2.2.2
Weißzahnspitzmäuse in Hamburg
Im Zuge der Arbeiten zu vorliegendem Gutachten gelangen erstmals seit rund 115 Jahren Nachweise
einer Feldspitzmaus und von insgesamt 14 Hausspitzmäusen in Hamburg. Auf Grund der geringen
Entfernung des Gewöllfundortes mit dem Feldspitzmausschädel zum niedersächsischen Elbeufer von
nur rund 650 m ist ein Vorkommen der Art in Hamburg noch nicht gesichert.
Die Hausspitzmaus-Nachweise betreffen insgesamt 3 Fangorte und einen Totfund aus 2 Jahren, womit
die Art sicher in Hamburg vorkommt und reproduziert. Es liegen darüber hinaus jedoch praktisch noch
keine Informationen vor.
Das nächste Ziel müsste damit sein, die tatsächlichen Vorkommen in Hamburg weiter zu belegen.
Damit müssten Angaben zur Lebensraumnutzung der Arten in Hamburg erzielt, und darauf aufbauend
ein Schutzkonzept erarbeitet werden.
Da beide Arten sich aktuell auch in Schleswig-Holstein ausbreiten, sind methodische und inhaltliche
Abstimmungen notwendig und sollten das Monitoring und die Schutzbemühungen der Haselmaus und
Brandmaus einschließen.
5.3.2.3 Monitoring und Gefährdungsanalyse für Biber in Hamburg
Auf Grund des Schutzstatus´ des Bibers als FFH-Art und besonders geschützte Art ergeben sich bei
einer Besiedlung Hamburgs eine Reihe von naturschutzpolitischen Verpflichtungen.
Um dem gerecht zu werden, wird empfohlen, baldmöglichst eine Konflikt- und Gefährdungsanalyse für
das gesamte Stadtgebiet nach dem Muster in Mecklenburg-Vorpommern einschließlich der Erarbeitung
von Vorschlägen zur Gefährdungs- und Konfliktminimierung zu initiieren.
Das Zweite ist die praktische Umsetzung der Maßgaben bei allen Bauvorhaben von Straßen-GewässerKreuzungen. Ein Instrument der Planung ist mit der MAQ (2008) verfügbar, bedarf jedoch der
erfahrenen Anpassung an die jeweilige Gewässer-Verkehrswege-Situation vor Ort.
Das Dritte ist die Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Prävention vor Konflikten mit dem Biber, die auf
die Interessengruppen bezogen werden müsste, wie z.B.:
*
Gemüse- und Obstanbau,
*
Kleingärtner, Hausgärten, Parkanlagen;
*
Verkehrswege und Verkehrssicherungspflicht;
*
Deichsicherheit;
*
sonstige Interessengruppen.
Das Vierte ist daraus resultierend eine Strategie der Stadt, wie mit Konflikten durch Biber, aber auch
Fischotter, umgegangen werden soll, wer zuständig ist für die Verkehrssicherungspflicht – auch auf
den Gewässern, wer die Kontrollen durchführt, wer die daraus resultierenden Kosten trägt, usw.
5.3.2.4 Möglicher Einfluss und Bekämpfung der Wanderratten
Für andere Kleinsäugerarten könnte ein bisher kaum beachteter Faktor für deren (lokale und/oder
temporäre) Rückgänge, speziell im urbanen Raum, mit verantwortlich sein: die unregelmäßige
Zunahme der Populationsdichten der Wanderraten im menschlichen Siedlungsraum. Wander- wie
Hausratten
sind
hervorragende
Mäusefänger
und
in
hohen
Dichten
könnten
sie
lokale
Restpopulationen von Kleinsäugerarten (s.str.) durchaus stark einschränken und ggf. zu deren
Auslöschen beitragen. In relativ isolierten Habitatinseln im Stadtbereich kann es dann u.U. nur sehr
verzögert oder gar nicht zur Wiederbesiedlung kommen (MEINIG 1998). Dabei ist der mittelbare
Einfluss der zur Rattenbekämpfung eingesetzten Köderboxen, die natürlich auch von den kleineren
113
Mäusearten erreicht werden können, mit zu berücksichtigen – einschließlich der Möglichkeit, dass ggf.
Mäuse einschließlich Spitzmäusen an den verendeten Nager-Kadavern fressen könnten -. Belege dafür
sind naturgemäß nur sehr schwer zu erbringen.
In Konsequenz daraus sollten die bestehenden Praktiken der Rattenbekämpfung in Hamburg auf die
Notwendigkeiten des Schutzes anderer Kleinsäugerarten geprüft werden. Bei der praktizierten lokalen
Bekämpfung nach Anforderung über das Amt für Hygiene bzw. private Schädlingsbekämpfungsfirmen
besteht
aus
den
nicht
bekämpften
Bereichen
der
Stadt
immer
ein
sofortiges
Wiederbesiedlungspotential für die gerade bekämpften Flächen. Daraus resultiert eine ständige
Ausbringung von Ködern mehr oder weniger im gesamten Stadtgebiet, die dann u.U. Tiere anderer
Arten mit belastet.
Denkbar ist z.B., Köderapplikationen zu testen, die zwar von Ratten, nicht jedoch von Mäusen erreicht
werden können.
5.3.3 Vorschläge für Monitoringflächen und Schutzgebiete
Die nachfolgende Liste mit Vorschlägen für mögliche Monitoringflächen ergibt sich aus den
Ergebnissen der gesamten Studie. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und muss
selbstredend mit anderen Interessen, z.B. der Notwendigkeit der Bearbeitung anderer Artengruppen
abgestimmt werden, was nicht Inhalt der vorliegenden Studie war.
Die Vorschläge sind daher ohne Wertung alphabetisch aufgelistet.
Alle benannten Vorschläge für Monitoringflächen haben ihre spezifischen Begründungen und kommen
daher auch als Bereiche für den Kleinsäugetierschutz in Frage. Welchen Status dabei (über ggf.
bestehende hinaus) die einzelnen Flächen haben können, ist v.a. eine politische Entscheidung, die
Abwägungen sowohl mit den Schutzbemühungen für andere Artengruppen als auch mit anderen
Interessengruppen benötigt, da der Schutz von Natur in einem Ballungsraum wie Hamburg immer nur
durch die Menschen erfolgen kann.
Es folgt hier keine detaillierte Beschreibung und Begründung der einzelnen Flächen, diese ergeben
sich aus den Erläuterungen im gesamten Gutachten, basierend auf den Ergebnissen der aktuellen
Erhebungen. Als einziges Beispiel sei hier der alte Bahndamm Billwerder benannt, der auf Grund der
vorhandenen
vielfältigen
Artenausstattung
und
der
bestehenden
Schutz-
und
Managementmaßnahmen als Ganzes (einschließlich der westlichen Waldfläche) sicher eine der
herausragenden Flächen für den Schutz auch von Kleinsäugetieren in Hamburg ist.
114
Tab. 15:
Vorschläge für Gebiete/Bereiche, die als Monitoring- und Schutzgebiete geeignet sind.
Gebiete
Anzahl Fangreihen
mehrere
Entlang des Alsterverlaufes
Obstplantagen in Cranz,
2
Neuenfelde, Francop
1
Alte Süderelbe
Alter Bahndamm Billwerder
in Abstimmung
inkl. westlicher Waldfläche
NSG Borghorst
in Abstimmung
Entlang
der
Curslacker
2
Brunnenreihen
2 bis 3
NSG Duvenstedter Brook
~5
Elbauen außendeichs
1
Friedhof Finkenriek
Gelände Hof Eggers in der
1
Ohe
NSG
Höltigbaum
&
2 bis 3
Stellmoorer Tunneltal
Waldgebiet Klövensteen und
angrenzende Wiesen
2
2
Marschenbahndamm
Autobahndreieck Moorfleet
1
Neugrabener Heide, südliche
Forsten
2 bis 3
2 bis 3
Ohlsdorfer Friedhof
Schwerpunkt
Habitatverbund
Rückzugsraum vieler Arten,
Wiederbesiedlung
Weichholzaue binnendeichs
Haselmaus, Artenvielfalt
Haselmaus
Artenvielfalt, Kulturlandschaft, Marschen
Bruch, Niedermoor, NSG
Habitatverbund, Artenvielfalt
Elbinsel, Friedhof
Artenvielfalt, Bio-Hof, Marschen, Gewölle
Haselmaus, Artenvielfalt, NSG
Brandmaus 1984,1996; Habitatverbund
Habitatverbund, Marschen
urban, dynamisch, Artenvielfalt
große Lebensräume, Habitatverbund
innerstädtische Grünfläche
Park mit Habitatverbund, Artenvielfalt,
Haselmaus?
2
Park Öjendorf
Wald auf Geestkante nördlich
1
Haselmaus, Brandmaus, Habitatverbund
Rothenhauschaussee
Haselmausvorkommen
südlich Stapelfelder Straße
nach Vorprüfung Haselmaus, Habitatverbund
Vier- und Marschlande;
Brachen im Bereich von
Gewöllfunden
Wandsbeker Gehölze
entlang der Wandseufer
Wilhelmsburg, Haulander
Weg
2 bis 3
2
2
1
aufgelassene Nutzungen, Artenvielfalt
alte innerstädtische Grünfläche
Habitatverbund
Aufgelassene Gärten, Pionierwald
115
6
Zur Roten Liste der Säugetiere Hamburgs aus Sicht der
Kleinsäugetiere
Bemühungen in Hamburg wie in allen anderen Bundesländern um den Schutz der Umwelt sowie von
Arten und Lebensräumen sind wichtig und richtig. Darüber besteht ein gesamtgesellschaftlicher
Konsenz. Zu den besonders schutzbedürftigen Arten gehören auch eine Reihe von Säugetierarten,
darunter auch Kleinsäugetiere.
Ein Instrument zur Einschätzung der Gefährdung einerseits und zur Notwendigkeit und Dringlichkeit
von Maßnahmen für den Schutz dieser Arten, Artengemeinschaften und/oder Lebensräume bzw. zur
Abwendung von Eingriffen andererseits sind dabei die Roten Listen. Diese werden für die
verschiedenen Artengruppen von den Bundesländern sowie auf Bundesebene innerhalb von deren
Möglichkeiten erarbeitet. Um aktuelle Erkenntnisse sich verändernder Umwelt und in Folge dessen der
Gefährdungen von Arten und Lebensräumen berücksichtigen zu können, werden die Roten Listen in
(un-)regelmäßigen Abständen notwendigerweise aktualisiert. Diesem Ziel dient die vorliegende Studie.
Auch für die hier bearbeiteten Kleinsäugetier-Arten erfolgt die Einstufung in die aktuell bearbeitete
Rote Liste der Säugetiere Hamburgs den BfN Vorgaben nach LUDWIG et al. (2009a bzw. b). Die
Einschätzung der historischen Entwicklung und aktuellen Situation entsprechend des jeweiligen
Informationstandes erfolgt in den Artkapiteln im Anhang II.
Das Konzept der Roten Liste (der Säugetiere) ist jedoch für Hamburg deutlich eingeschränkt durch die
sehr kleine Fläche der Stadt als Bundesland. Es gibt auf Grund der geringen geographischen
Ausdehnung Hamburgs hier keine Säugetierart, deren Bestandesgröße und Verbreitung allein in
Hamburg entscheidend ist für den Fortbestand der Art als Ganzes oder selbst des Fortbestandes
regionaler Populationen, sondern nur lokaler Populationen bzw. Bestände. Selbst bei Arten wie
Brandmaus und Haselmaus, die in Hamburg wahrscheinlich wirklich vom Aussterben bedroht oder
stark gefährdet sind, und die im Raum Hamburg ihre Arealgrenze haben, besteht dennoch allein in
Hamburg für die Arten keine überregionale Bedeutung für die Arten-Vorkommen, auch nicht in Nordbzw. Nordwestdeutschland. Die Einstufung der einzelnen Arten in die Kategorien muss sich also neben
den formalen Kriterien nach LUDWIG et al. (2009) auch an der Einschätzung der Situation in den
angrenzenden Ländern orientieren.
Da für Niedersachsen die letzte Rote Liste aus dem Jahr 1993 mit Datenstand 1991 vorliegt, also vor
der Überarbeitung der Einstufungsmodi lt. BfN, gilt dies speziell für die Rote Liste Schleswig-Holstein
(BORKENHAGEN 2014). Es bleibt zu wünschen, dass für die neue Rote Liste für Niedersachsen dieser
Gedanke der Gesamtbetrachtung für eine konstruktive Zusammenarbeit aufgegriffen werden kann.
Der prinzipiellen Notwendigkeit dazu wurde bereits in der Roten Liste 1993 Rechnung getragen durch
die gemeinsame Bearbeitung mit Bremen.
Ein anderer Aspekt der Roten Listen wie anderer „Umweltstandards“ (s.l.) und Standards allgemein
soll hierbei ausdrücklich hervorgehoben werden: Wir müssen vermeiden, durch von Institutionen
festgelegte Normen unsere Verantwortung für unser Tun und Handeln als Individuum zu negieren:
Festgelegte Normen im Sinne von BURCKHARDT, formuliert in „Saubere Lösungen – schmutzige Umwelt“
(1980) haben einen entscheidenden Nachteil: “... die Produzenten lassen sich das Maß des erlaubten
Schmutzes nicht zweimal sagen: So weit dürfen sie gehen. Weniger Verschmutzung als zulässig wäre
116
ja unökonomisch. Mehr Verschmutzung als zulässig ist auch zugelassen; es handelt sich dann eben
um einen Zwischenfall, einen Defekt. ... Das Maximum ist auch das Minimum, und die Standards
sorgen dafür, dass es niemals besser wird als der Standard.“ (zit. in BURCKHARDT 1995, S. 40).
Oder „Überlebensfähig sind wir nur, wenn der Vorteil des Einen zugleich der Vorteil des Anderen ist.“
H.-P. DÜRR, Vortrag in Güstrow, 16.05.2008
117
7
Quellen
ANDÉRA, M. & HORÁCEK, J. (1982): Poznáváme Naše Savce.- Mlada Fronta, Praha.
ANDERßON, O. (1993): Die Erfassung der Mäuse und ihre Bekämpfung im ökologischen Obstbau.Studie im Auftrag der Umweltbehörde Hamburg, Amt f. ökol. Forst- und Landwirtschaft: 58 S.
ANGERMANN, R. (1995): Säugetiere.- In: STRESEMANN, E. (Begr.); HANNAMANN, H.-J.; KLAUSNITZER, B.;
SENGLAUB, K. (Hrsg.): Exkursionsfauna von Deutschland. Bd. 3 Wirbeltiere.- G. Fischer Verl.
Jena, Stuttgart, 12. Aufl.
BORGGRÄFE, K. (2014): Biotopentwicklung. Das Alsterprojekt schreitet voran.- Otterpost 03/2014: 1415.
BORKENHAGEN, P. (2011): Die Säugetiere Schleswig-Holsteins.- Husum Druck- & Verlagsges, Husum:
664.
BORKENHAGEN, P. (2014): Die Säugetiere Schleswig-Holsteins. Rote Liste. Ministerium für
Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein
(MELUR; Hrsg.).- Schriftenreihe LLUR SH Natur RL 25, 4. Fassung, Dez. 2014: 121.
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121
Anhang
Anhang I
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
122
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis neu 28.04.2015
Abb.-Nr.
Abb. 1:
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
2:
3:
4:
5:
6:
7:
Abb. 8:
Abb. 9:
Abb. 10:
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
11:
12:
13:
14:
15:
16:
17:
Abb. 18:
Abb. 19:
Abb. 20:
Abb. 21:
Abb. 22:
Abb. 23:
Abb. 24:
Abb. 25:
Abb. 26:
Abb. 27:
Abb. 28:
Abb. 29:
Abb. 30:
Abb. 31:
Abb. 32:
Seite
Räumliche Verteilung der Fangstrecken und Fänge von Kleinsäugetieren mit Lebendfallen in Hamburg
von 5/2011 bis 1/2014. Die Benennung der Fangstrecken erfolgt nach der Lage in den befangenen
Rastern (z.B. A 08_A 09 oder M 15_N 15).
2
Einige der Nachweismethoden von Säugetieren in Hamburg für das vorliegende Gutachten.
2
Lage des Bundeslandes Hamburg im Nordwesten Deutschlands, aus www.hamburg.de.
17
Die Gliederung der Stadt Hamburg in sieben Stadtbezirke, aus www.hamburg.de.
18
Der Hafen prägt praktisch alle Bereiche der Stadt Hamburg (Övelgönne).
19
Karte der Elbe mit Inseln im Raum „Hamborch“ um das Jahr 1200.
20
Karte der Elbe mit Inseln im Raum „Hamburg“ um das Jahr 1600. Sehr deutlich sichtbar sind die
Eindeichungen der Siedlungen Finkenwärder, Haarburger Neue Land, Reitbrook, Neue Gamme usw.
Beide Bilder aus der Ausstellung in der Kirche Altenwerder im Juli 2013, ohne Quelle.
20
Prägung der Wege-, Siedlungs- und Nutzungsstruktur in den Marschen durch Deiche am Beispiel Dove
Elbe Neuengamme, hier in deutlich mehr als 10 km Entfernung von der Elbe (entlang der Gewässer;
Ausschnitt DGK5, © Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, Hamburg).
21
Verteilung größerer nicht urbaner Bereiche im Stadtgebiet von Hamburg an
Hand der Biotopkartierung.
24
Form und Größe der eingesetzten Lebendfallen aus OSB-Platten und Einsatz der Fallen in
Klarsichthüllen zum Schutz vor Feuchtigkeit. Form und Größe der eingesetzten Lebendfallen aus OSBPlatten und Einsatz der Fallen in Klarsichthüllen zum Schutz vor Feuchtigkeit. Der Standort der
Fallenpaare und der Fallen orientiert sich an den natürlichen Gegebenheiten vor Ort.
28
Handling eines sexuell aktiven, adulten Brandmaus-Männchens.
Vermessung einer toten Waldspitzmaus.
In einer Lebendfalle gefangenes Mauswiesel mit nur einem Auge.
Deutlich vergrößerte Hoden bei einem adulten Waldmaus-Männchen.
Laktierendes Gelbhalsmaus- Weibchen.
Dynamik einer „Grünfläche“ in der Hafencity, Raster J 11, 10.11.2013
Sehr gut geeignete Fangstruktur im ländlichen Raum der Millionenstadt - parallel der A 7
in Schnelsen vom Wald über die Brache in die Feldfläche bei der Eiche (G 05_G 06).
Durch die Lebendfänge ermittelte Artenzahlen je Raster in Hamburg von Mai 2011
bis Januar 2014.
Fangdichten der in Lebendfallen gefangenen Kleinsäugetiere je Raster in Hamburg.
Sehr heterogen geprägter Flächenkomplex mit hoher Artenzahl und lokal hoher
Individuendichte zwischen Vier- und Marschlanden, Stadtbereich und Hafen.
Allgemeine Verbreitung der Rötelmaus in nicht urbanen Biotopkomplexen und weitgehendes Fehlen der Art im Zentrum und im Hafen von Hamburg seit dem Jahr 2000.
Fangdichten der monatlich gefangenen Kleinsäugetiere/100 Fallennächte (FN) in
Hamburg von Mai 2011 bis Januar 2014 als Summen aller gefangenen Arten.
Durch Kleinsäugerfänge monatlich nachgewiesene Artenzahlen in Hamburg von
Mai 2011 bis Januar 2014 sowie Artenzahlen/Jahr und Gesamtartenzahl kumulativ.
Beispiel für eine urbane Fangreihe (J 06_J 07) zwischen Weg beim Jäger und
Flughafengelände Fuhlsbüttel.
Beispiel für eine teilweise urbane Fangreihe (M 11) zwischen Bahngleisen und
Wanderweg, Rote Brücke – Niederschleems.
Beispiel für eine Fangreihe in nicht urbanen Strukturen im NSG Boberger
Niederung nahe Moosberg (O 13_P 13).
Alter Bahndamm Billwerder als Beispiel für trocken-sandige Böden und Schüttungen
(Fangreihe N 13_N 14).
NSG Zollenspieker als Beispiel für Elbeauen mit Tideneinfluss (O 19_P 19).
Zahllose Gräben ermöglichen die landwirtschaftliche und gartenbauliche Nutzung der
Marschen, NSG Kirchwerder Wiesen (O 17_O 18).
Feucht- und Nasswiesen neben Bruchwald auf Niedermoorflächen im NSG
Duvenstedter Brook, Moordamm (O 02_P 02).
Blocksteinschüttung mit Tideneinfluss im inneren Hafenbereich als Lebensraum
von Zwergmaus und Mauswiesel (H 13).
Länderübergreifendes Beweidungsprojekt Höltigbaum als Beispiel für NSG
35
35
35
35
35
48
50
51
51
52
52
55
55
III-2
III-3
III-3
III-4
III-4
III-5
III-5
III-6
123
Abb. 33:
Abb. 34:
Abb. 35:
Abb. 36:
Abb. 37:
Abb. 38:
Abb. 39:
Abb. 40:
Abb. 41:
Abb. 42:
Abb. 43:
Abb. 44:
Abb. 45:
Abb. 46:
Abb. 47:
Abb. 48:
Abb. 49:
Abb. 50:
Abb. 51:
Abb. 52:
Abb. 53:
Abb. 54:
Abb. 55:
Abb. 56:
Abb. 57:
Abb. 58:
Abb. 59:
Abb. 60:
Abb. 61:
Abb. 62:
Abb. 63:
Abb. 64:
Abb. 65:
Abb. 66:
Abb. 67:
(Fangreihe O 07_P 07).
III-6
Durch die hohe Dynamik der Stadt und den Generationenwechsel sind vielerorts aufgelassene
Strukturen verfügbar, hier ehemalige Gärten am Haulander Weg, Wilhelmsburg (I 14).
III-7
Die typische Nutzungsform des Alten Landes sind Obstplantagen; Finkenwerder
Westerdeich (D 12_E 12).
III-8
Für eine Wiederbesiedlung von Feldern nach der Ernte durch Feldmäuse bedarf es
Rückzugsflächen, die nicht umgebrochen werden; Wohldorf-Ohlstedt (N 01-2).
III-8
Flächen mit Wechsel von Wald und Offenland sind auch Schwerpunkte der Erholungsnutzung in Hamburg; Feld-Wald am Högenredder, Hummelsbüttel (K 04_K 05).
III-9
(Gewerbe-)Brachen sind von hoher Dynamik gekennzeichnet und
bedingen eigene Lebensgemeinschaften, Billbrook, Rote Brücke (M 12).
III-9
Artenreiche Lebensgemeinschaften auf Flächen mit traditioneller Bewirtschaftung,
Blühstreifen und Säumen, Hof Eggers in der Ohe (Q 18).
III-10
Alle drei Fangreihen mit Hausspitzmäusen in Hamburg lagen (auch) an Gärten,
Kleingartenanlage 101 in Finkenwerder, Neßkatenweg (D 11_E 12).
III-10
In Folge der zahlreichen Gewässer sind auch Bruchwälder in Hamburg verbreitet;
Bruchwald nördlich Ernst-August-Kanal, Georgswerder (J 12_J 13).
III-11
Größere Wälder finden sich v.a. am Stadtrand im Westen, Norden und Süden
Hamburgs und im Umfeld; Klövensteen, Rissen (C 07_C 08).
III-11
Ausgeprägte Weichholzaue an der Alten Süderelbe, Finkenwerder (E 12_F 12).
III-12
Die reinen Waldparks im innerstädtischen Bereich sind durch umgebende Bebauung
und Verkehr isoliert; Wandsbeker Gehölz, Marienthal, Jüthornstraße (M 09_M 10).
III-12
Verkehrsbegleitende Gehölz- und Grünstreifen sind mögliche Ausbreitungsstrukturen
für zahlreiche Arten; Lurup, Friedrichshulder Weg Höhe ICE-Werft (F 07_F 08).
III-13
Friedhöfe bilden als dauerhafte Grüninseln innerstädtische Rückzugsräume für
viele Arten; Friedhof Holstenkamp, Bahrenfeld (Fangreihe G 09_G 10).
III-13
Parks bieten artenreiche, vielfältige Vegetationsstrukturen in enger räumlicher
Verzahnung; Othmarschen, Jenischpark (E 10_E 11).
III- 14
Im Gelände herumgeworfene Fallen unbekannter Ursache.
III-14
Zum Teil war der Fangerfolg mit mehr als 10 Nacktschnecken in einer Lebendfalle
und Klarsichthülle deutlich größer als der an Kleinsäugern(Fangreihe D12_E12).
III-15
Haselmausnest mit unzerfaserten Grashalmen und häufig mit Blättern– hier aus
der Schaalseeregien, Nordwest-Mecklenburg.
III-16
Zwergmausnester sind in die Halme eingewebt und haben zerfaserte Grashalme,
besonders gern im Innern.
III-16
Nicht gewerteter Bibernachweis am Tatenberger Deich.
III-17
Fangreihe im Keller des ehemaligen Shell-Labors, Wilhelmsburg, Alte Schleuse
(Fangreihe I 13-3).
III-17
Der Fallenstandort für die Nacht war unter der Badewanne; Altona-Altstadt,
Walter-Möller-Park, Schomburgstraße (Fangreihe H 10_H 11).
III-18
Durch Ufermahd während der Fänge waren z.T. Fallen betroffen, hier an der
Brunnenreihe Curslack (Fangreihe S 16-1).
III-19
Die Fallenverluste durch Ufermahd und andere Ursachen beschränkten sich auf
insgesamt nur rund 20 Fallen während der gesamten Studie.
III-19
Bergedorfer Mühle als Zeitzeuge historischer Wirtschaftsformen.
III-20
Entfernung der Vegetation zum Bau von Schallschutzwänden, hier an der
A 1 Höhe Öjendorf, Oststeinbeker Weg.
III-21
Neu errichtete Schallschutzwand an der A 25, Bergedorf, mit angrenzendem
unbefestigten Weg und Kleingärten (Q 14_Q 15).
III-21
Der Hamburger Hafen ist auf Grund der notwendigen Anpassung an
Containertransport, Umschlagszeiten usw. durch eine hohe Dynamik geprägt.
III-22
Speicherstadt und Hafencity unterliegen einer Wandlung zum modernen
Büro-, Wohn- und Kulturviertel.
III-22
Wandel des alten Siedlungsbereiches Altenwerder zu Hafen- und Verkehrsflächen
im Zuge der Hafenerweiterung (Quelle: https://earth.google.de).
III-23
Behandlung mit Totalherbiziden über die eigentlichen Obstanbauflächen hinaus, Neuenfelde. III-23
Schreddern von Brombeeraufwuchs inkl. Nesttube auf dem alten Bahndamm
Billwerder (N 13_N 14).
III-24
Geschlegelte Hecke mit Haselmausvorkommen an einer Feldfläche südlich
der Stapelfelder Straße (P 08).
III-24
Durch das Schlegeln sind auch Neststrukturen unmittelbar betroffen (P 08)
III-25
Mehrfache Unterbrechungen des Gehölzsaumes können den Verbund am Bahndamm
für Haselmäuse behindern (N 13).
III-26
Der Gehölzbestand zwischen Spülfläche Feldhofe, A 1 und Huckepackbahnhof
ist der flächige Rückzugsraum für die Haselmäuse am Bahndamm Billwerder.
III-26
124
Abb. 68:
Abb. 69:
Abb. 70:
Abb. 71:
Abb. 72:
Abb. 73:
Abb. 74:
Abb. 75:
Abb. 76:
Abb. 77:
Abb. 78:
Zwischen der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein und dem alten Bahndamm Billwerder
sind entlang der Bahntrasse Reinbek-HH Hauptbahnhof mehrere vegetationsfreie
Brücken zu überwinden.
: Fangreihe in der Weichholzaue außendeichs im Tideneinflussbereich der Elbe,
NSG Zollenspieker (P 19_Q 19).
Der Hamburger Hafen mit Tide und Schiffsverkehr fungiert als Verbundader in/durch
die Stadt.
Schiffsverkehr und Uferverbau behindern den Habitatverbund entlang der Elbe.
Fangreihe an bzw. im Redder am NSG Stellmoorer Tunneltal (O 07_P 07).
Bille im Bereich Rote Brücke, Billbrook (M 12). Abschnittsweise hat die Bille Lebensraum- und
Verbundfunktion, diese sind jedoch im Verlauf des Gewässers mehrfach unterbrochen.
III-27
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III-28
III-29
III-29
III-30
Allermöher Bahnfleet, ein Nebengewässer der Bille, ist Verbundader und Lebensraum
auf der lokalen Ebene.
Im Siedlungsbereich Bergedorf ist die Bille z.T. vollständig überformt und damit für
viele Arten weder Lebensraum noch Verbundachse.
Winterliche Staunässe durch Elbehochwasser an der Hecke mit der HaselmausBeobachtung aus dem Jahr 2008 im NSG Borghorster Elblandschaften.
Trockener Kiefernwald mit wenig Brombeere, Traubenkirsche und Faulbaum löst die
fossile Aue im NSG Borghorster Elblandschaften ab.
Vergleich der nachgewiesenen Artenzahlen in Hamburg aus vorliegender Studie und
im angrenzenden Schleswig-Holstein nach 1990.
III-30
III-31
III-32
III-32
103
125
Tabellenverzeichnis
Tab.-Nr.
Tab. 1:
Tab. 2:
Tab. 3:
Tab. 4:
Tab. 5:
Tab. 6:
Tab. 7:
Tab. 8:
Tab. 9
Tab. 10:
Tab. 11:
Tab. 12:
Tab. 13:
Tab. 14
Tab. 15:
Seite
Liste der im vorliegenden Gutachten bearbeiteten Säugetierarten laut Auftrag durch die
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg, Amt f. Natur- & Ressourcenschutz.
16
Anzahl, Flächengrößen und Anteile der bebauten, urbanen und nicht urbanen Flächen
Hamburgs als Flächensummen aus dem Biotopkataster der Abt. Naturschutz der BSU
23
Summen der Rasterquadrate á 2 km in Hamburg mit und ohne Kleinsäugerfänge von
Mai 2011 bis Januar 2014
45
In den Lebendfallen von Mai 2011 bis Januar 2014 in Hamburg gefangene
Kleinsäugetiere der einzelnen Arten und Geschlechter (ohne Wiederfänge)
46
Anzahl der Fangreihen und Rasterquadrate mit Nachweisen der gefangenen Arten
sowie Anteile der Fangreihen in urbanen und teilweise urbanen Strukturen
47
Monatliche und jährliche Fallenzahlen, Fallennächte, Anzahl gefangener Tiere,
Artenzahlen und Fangdichten (als Fänge/100 FN) der Lebendfänge in Hamburg
von Mai 2011 bis Jan 2014
53
Fangerfolg in urbanen, teilweise urbanen und nicht urbanen Fangreihen als Anzahlen und
Anteile der Fangreihen mit Fangdichten unter bzw. über dem jew. Jahresdurchschnitt
57
Nachgewiesene Artenzahlen in den Fangreihen in urbanen, teilweise urbanen und
nicht urbanen Strukturen
57
Anzahlen und Anteile der Lebendfänge der einzelnen Arten und resultierende Präferenzen
(als Ivlev´s Electivity Index) für die befangenen Boden- und Nutzungsstrukturen
Anh. III, S. 34
Verteilungen der Fänge von Kleinsäugetieren in Hamburg von Mai 2011 bis
Jan 2014 nach Arten, Geschlecht und Altersklassen
Anh. III, S. 35
Altersbezogene Anteile der reproduzierenden/nicht reproduzierenden Tiere aus den Lebendfängen nach Arten und Geschlecht über den gesamten Untersuchungszeitraum
Anh. III, S. 36
Anteile der gefangenen Tiere der häufigeren Arten beider Geschlechter, die Anzeichen
einer Teilnahme an der Reproduktion aufwiesen (Männchen mit vergrößerten Hoden;
trächtige oder laktierende Weibchen)
70
Artnachweise von Kleinsäugern aus den Gewöllaufsammlungen für Hamburg seit
1.1.2000 sowie zum Vergleich von älteren Gewöllen aus Hamburg und Aufsammlungsorten außerhalb der Stadt
Anh. III, S. 37
Durchschnittliche Artenzahlen je TK 25-Quadrant in Hamburg (an Hand von
Kleinsäugerfängen, Totfunden und Nestsuchen) und im benachbarten Schleswig-Holstein
(nach Daten aus BORKENHAGEN 2011)
104
Vorschläge für Gebiete/Bereiche, die als Monitoring- und Schutzgebiete geeignet sind.
115
126
Anhang II,
Band 2
Kommentierte Artenliste als Zuarbeit zum Atlas der Säugetiere Hamburgs
Anhang III,
Band 3
Abbildungen und Tabellen zum Gutachten
127
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