Psychiatrische Herausforderungen in der

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Zentrum für
Palliativmedizin
Psychiatrische Herausforderungen
in der hospizlichen Begleitung
<20.06.2015> | 25 Jahre Haus Maria Frieden | Dr. Klaus Maria Perrar
Um wen geht es?
Um Menschen,
die im Rahmen ihrer unheilbaren körperlichen (Tumor-)
Erkrankung hospizliche / palliative Begleitung benötigen und
unter psychischen Symptomen leiden.
die zusätzlich zu ihrer schwerwiegenden psychischen
Erkrankung im Rahmen einer unheilbaren körperlichen
(Tumor-) Erkrankung hospizliche / palliative Begleitung
benötigen.
(die an einer unheilbaren, schwerwiegenden psychischen
Erkrankung leiden.)
Um was geht es heute?
Um Situationen, Symptome und Krankheitsbilder wie
das Delir oder der akute Verwirrtheitszustand
die Depression als differenzialdiagnostische Herausforderung
die Demenzen
und noch einzelne Besonderheiten mehr…
Delir
Prävalenz der Delirs bei Karzinompatienten
• Prävalenzen schwanken zwischen 13% und 42% bei
Aufnahme und
• zwischen 26%-62% im Verlauf des stationären Aufenthaltes
• bei Patienten mit Krebserkrankung im Endstadium erreichen
sie 59% bis 88%.
• Bei 88% der Tumorpatienten lag eine delirante Symptomatik
wenigstens 6 Stunden vor dem Tod vor.
(Breitbart, Alici 2008; Hosie et al. 2012; Lawlor et al. 2000)
Delir, klinische Charakteristika (ICD 10)
• Bewusstseinsstörung
• Globale Kognitionsstörung
• Psychomotorische Störung
• Gestörter Schlaf-Wachrhythmus
• Affektive Störung
• Entwicklung über Stunden bis Tage
Differentialdiagnose Delir
• Demenz
• Depression
• Organisches Wahnsystem
• Schizophrener Residualzustand
• Status epileptikus non-konvulsivus
• Organische Halluzinose
Delir, klinische Charakteristika (ICD 10)
• Bewusstseinsstörung
• Globale Kognitionsstörung
• Psychomotorische Störung
• Gestörter Schlaf-Wachrhythmus
• Affektive Störung
• Entwicklung über Stunden bis Tage
Motorische Subtypen des Delirs
• Subtypen:
| Hyperaktives Delir
| Hypoaktives Delir
| Mischform mit hyper- und hypoaktiven Phasen
• Häufigster Subtypus in der Palliativmedizin: hypoaktives Delir
(bei 68 – 86% der Patienten)
(Hosie et al. 2012; Robinson et al. 2011; Yang et al. 2009)
Der hyopaktive Typus
• wird häufig übersehen oder mit einer depressiven
Symptomatik verwechselt.
• besitzt eine insgesamt ungünstigere Prognose.
• tritt häufig gemischt mit hyperaktiven Phasen auf.
(Samuels, Evers 2002)
Ursachen und Risikofaktoren des Delirs
• Metabolische Störung (Elektrolytstörung, Nieren-, Leberstoffwechselstörung, Hypo/Hyperglykämie, Dehydratation ...)
• Medikamente und deren Entzug
• Infektionen (Lunge, Harnweg, ZNS, Sepsis)
• Effekt des Tumors/einer Metastase
• therapiebedingte Nebenwirkung (Chemotherapie, Bestrahlung)
Ursachen und Risikofaktoren des Delirs
• nicht beherrschbare Symptome (Schmerz, Dyspnoe, Obstipation)
• (Todes-)Ängste
• terminal (Organversagen, ZNS-Ausweitung der Grunderkrankung)
• psychiatrische Vorerkrankung (z.B. Demenz)
• Immobilität
• Alter >70 Jahre
Prävention und Prophylaxe
• Schulungen des Personals zur Früherkennung
• Keine Empfehlungen möglich zu pharmakologischer Prophylaxe:
| Cholinesterasehemmer: keine Evidenz
| Niedrigdosiertes Haloperidol: keine Verringerung der Inzidenz
| Olanzapin: geringere Inzidenz, jedoch schwerer Verlauf
| Risperidon: unpräzise Aussagen zu den Effekten
(Breitbart, Alici 2012)
Behandlung des Delirs
• Ursachenbehebung falls möglich
• Verdächtige Medikamente absetzen
• Gegebenfalls: Opioidrotation
• Nicht zu früh mit medikamentöser Behandlung beginnen
• Kontinuierliche Reevaluation
• Erklärung der Situation an Patient, Angehörige, Team
Nicht pharmakologische Aspekte
• Angemessene Beleuchtung der Umgebung
│ Uhren und Kalender im Sichtfeld
│ Nutzen von Seh- und Hörhilfen
│ Reduktion von Lärm
• Vermeidung von körpernahen, freiheitsbeschränkenden Maßnahmen
• Förderung der Mobilität
• Kontinuität in der pflegerischen Betreuung
• Anwesenheit von Angehörigen
• Adäquate Flüssigkeitszufuhr
• Behandlung einer Obstipation
(Harris 2007)
Medikamentöse Behandlung des Delirs (Perrar et al. 2012)
Depression
Prävalenz der Depression
• Deutschland, Normalbevölkerung:
Ein-Monats-Prävalenz bis 10%; Lebenszeitprävalenz 20%
(sehr hohe Nichtbehandlungsquote bis 60%)
• Onkologische Palliativpatienten:
ca. jeder 4. Patient, oftmals nicht erkannt und nicht behandelt
• Neurologische Erkrankungen:
z.B. Multiple Sklerose, Schlaganfall, neurodegenerative
Erkrankungen wie M. Parkinson, ALS, Demenz bis 30%
• Internistische Erkrankungen:
z.B. Diabetes mellitus, kardiale Erkrankungen, LeberDarmerkrankungen, COPD bis 40%
Erschwerter diagnostischer Zugang
• Betroffene berichten nur unzureichend
(depressive Antriebshemmung)
• Untersucher oft unerfahren in Hinblick auf depressive Symptome
(cave: Gegenübertragung / Abwehr)
• Untersucher fokussieren sich auf körperliche bzw. pflegerische
Symptome / Erfordernisse
• Depressive Symptomatik oft nur unscharf oder erst im Verlauf
von anderen Phänomenen / Syndromen abzugrenzen
(wie Trauer, Fatigue, Demoralisation, Anpassungsstörungen,
Dysthymie)
Diagnostik
8.1.
EK
Konsensbasierte Empfehlung
Bei Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung soll
bei Vorliegen einer depressiven Symptomatik überprüft
werden, ob diese Symptomatik einer Anpassungsstörung,
einer Dysthymie, einer depressiver Episode, einer organisch
depressiven Störung oder einer Trauerreaktion zuzuordnen
ist.
Diagnostik
8.2.
Evidenzbasierte Empfehlung
A
Bei Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung soll
das Vorliegen einer Depression aktiv und regelmäßig
geprüft werden.
Diagnostik
8.4
Evidenzbasierte Empfehlung
0
Zur Erkennung einer Depression bei Patienten mit einer
nicht heilbaren Krebserkrankung kann das 2-FragenScreening eingesetzt werden:
1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig
niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und
Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?
Checkliste für die Diagnose
einer depressiven Erkrankung (AkdÄ 2007; ICD 10)
A Hauptsymptome:
1 Depressive Stimmung
2 Interesse/Freudlosigkeit
3 Antriebsstörung/Energieverlust/Müdigkeit
B Zusatzsymptome:
1 Verlust von Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen/übertriebene
Schuldgefühle
2 Todes-/Suizidgedanken
3 Denk-/Konzentrationsstörungen/Entscheidungsunfähigkeit
4 Psychomotorische Unruhe oder Gehemmtsein
5 Schlafstörungen
6 Appetit-/Gewichtsverlust
Mindestens 2 Hauptsymptome und mindestens 2 Zusatzsymptome,
dann behandlungsbedürftige depressive Episode
0-4 keine,
5-9 leichte,
10-14 mittlere,
15-19 mittel-schwere,
20-27 schwere Depression
Liegt eine Depression vor?
Differenzialdiagnostische Erwägungen:
•
•
•
•
•
•
•
Trauer
Fatigue
Demoralisation
Delir (hyopaktiv)
Demenz
Morbus Parkinson
…
Erschwerter therapeutischer Zugang
• Behandlungsirrtum 1:
Die depressive Symptomatik wird als „angemessene
Reaktion“ auf die Erkrankung angesehen.
• Behandlungsirrtum 2:
Ein Antidepressivum sollte möglichst rasch gegeben werden.
• Behandlungsirrtum 3:
Eine palliative Empathie und psychologische Begleitung sind
völlig ausreichend .
Therapie
8.11.
Konsensbasierte Empfehlung
EK
Antidepressiva sollten nicht generell zur Erstbehandlung
bei leichten depressiven Episoden eingesetzt werden,
sondern allenfalls unter besonders kritischer Abwägung des
Nutzen-Risiko-Verhältnisses.
Therapie
8.12.
Konsensbasierte Empfehlung
EK
Zur Behandlung akuter leichter- bis mittelschwerer
depressiver Episoden soll eine Psychotherapie angeboten
werden.
Therapie
8.13.
Konsensbasierte Empfehlung
EK
Zur Behandlung einer akuten mittelgradigen depressiven
Episode soll Patienten eine medikamentöse Therapie mit
einem Antidepressivum angeboten werden.
Therapie
8.14.
Konsensbasierte Empfehlung
EK
Bei akuten schweren depressiven Episoden soll eine
Kombinationsbehandlung mit medikamentöser Therapie
und Psychotherapie angeboten werden.
Therapie
8.20.
Evidenzbasiertes Statement
In der medikamentösen Behandlung von Patienten mit einer
nicht heilbaren Krebserkrankung und einer Depression gibt
es keine eindeutige Überlegenheit eines einzelnen
Antidepressivums gegenüber anderen.
Therapie
8.21.
Konsensbasierte Empfehlung
EK
Die Auswahl der Substanz soll sich an folgenden Kriterien
orientieren:
· Verträglichkeit und Nebenwirkungsprofil
· Handhabbarkeit
· Erfahrungen des verordnenden Arztes
· Ansprechen
auf vorherige Behandlungen,
der Überdosierungssicherheit und
den Patientenpräferenzen
Mirtazapin
Möglichkeit der Behandlung von mehreren Begleitsymptomen
-antidepressiv (15-45mg)
-schlafanstoßend (7,5-15mg)
-anxiolytisch
-appetitstimulierend, ggf. Gewichtszunahme
-antiemetisch, juckreizlindernd
-verhältnismäßig schnelle Eindosierung und schnelle Wirkung
-einmalige Gabe abends
-auch sublingual erhältlich
Therapie
8.24.
B
Psychostimulantien
Bei Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung
und einer Depression sollten Psychostimulantien zur
Therapie der Depression nicht eingesetzt werden.
Hinzuziehen weiterer Experten?
8.10.
Konsensbasierte Empfehlung
EK
Ein psychiatrischer / psychotherapeutischer Experte soll in
folgenden Fällen hinzugezogen werden:
· bei Unsicherheit in der Diagnose sowie in der
Behandlungsplanung der Depression
· bei einer komplexen psychiatrischen Vorgeschichte bzw.
Symptomatik
· bei einer schweren depressiven Symptomatik mit
psychotischen Symptomen oder depressivem Stupor
· bei akuter Suizidalität
· bei Fremdgefährdung
· bei Nichtansprechen auf die antidepressive Therapie
Demenz
Demenz –
eine palliativ-hospizliche Erkrankung?
Die Demenz ist
zu über 90% nicht heilbar,
meist progredient
und eine
Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung,
für die das Hauptziel der Begleitung zunehmend in der
Verbesserung und im Erhalt der Lebensqualität liegt.
Die Welt wird anders
 Menschen mit Demenz sind oft in ihrer Demenz
zufriedener und glücklicher als vor Beginn der
Demenz.
 Das Wissen/Bewusstsein um die eigene Endlichkeit
geht verloren.
 Anosognosie: Der Erkrankte verliert das Wissen um
sein Kranksein.
 Veränderung von Fremd- und Selbstwahrnehmung:
Menschen mit Demenz halten sich für jung, attraktiv,
vital und gesund.
Demenz - eine palliativmedizinische
Erkrankung?
• Die altersspezifische Sterberate ist bei
Demenzkranken weltweit um das 2,77 fache erhöht.
Beispiel: Nigeria: 2,83; Brasilien: 5,18.
(WHO 2012)
• Großbritannien: 30% der Todesfälle bei über
65jährigen Komorbidität Demenz
(Brayne et al. 2006)
• Australien: 50% der Frauen und 40% der Männer bei
Todesfällen über 85 Jahre Komorbidität Demenz
(Zilkens et al. 2009)
Dt. Ärzteblatt 2013 (12)
*,†Die Angaben zu einem Demenz- und vier Nicht-Demenzpatienten
wurden aufgrund von fehlenden Werten in dieser Abbildung nicht berücksichtigt
‡p < 0,001 für Pearson’s Chi²-Test
Symptome am Lebensende
– Symptome
| Komplexe, ansteigende Symptomlast und häufig klinische
Komplikationen vergleichbar mit denen von onkologischen Patienten
| Häufige Symptome:
z.B. McCarthy et al. (1997); Chen et al. (2006); Mitchell et al. (2009); Vandervoort et al.
(2013); Escobar et al. (2013); Koppitz et al. (2014);
| Schmerz, Atemnot, Pneumonie, Druckgeschwüre, Inkontinenz,
Fieberepisoden, Ernährungsprobleme, Schluckbeschwerden,
Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, Angstzustände, Agitation
| Positive Effekte palliativer / hospizlicher Versorgung durch
medikamentöse Behandlung der Symptome Kiely et al. (2010);
Häufigkeit der Essstörungen
Mitchell et al., 2009; NEJM
Überlebenswahrscheinlichkeit und Demenz
Mitchell et al., 2009; NEJM
Einteilung der Verhaltensstörungen bei Demenz
(aus Wallesch & Förstl (2012), Demenzen, S. 303, Quelle: Cummings et al., 1996, Ballard et al., 2009)
Art der
Verhaltensstörung
Symptome
Häufigkeit
Produktive
Verhaltensstörungen
- Aggressivität
- Misstrauen
- Unruhe
- Schlaf-Wach-Rhytmusstörungen
- Wahn
- Halluzinationen
- Angst
- Depressivität
- sozialer Rückzug
- Apathie
- Appetitverlust
50 %
Reaktive
Verhaltensstörungen
90%
Demenz und Ernährung
– Ernährung
| Nutzen von Magensonden bei Ernährungsproblemen nicht erwiesen
z.B. Ahronheim et al. (2001); Mitchell et al.(2003); Sampson et al. (2009);
Teno et al. (2009); Lopez et al. (2010)
| kein Einfluss auf die Überlebensrate
| Einsatz erfolgt unterschiedlich stark ausgeprägt, abhängig von
verschiedenen Einflussfaktoren
(z.B. Organisationskultur, Länder und regionale Unterschiede)
| Alternativen zur Sondenernährung
z.B. Hanson et al. (2001); Garrow et al. (2007)
| Anreichen der Nahrung (hand-feeding)
| hochkalorische Nahrung
Vor einer PEG-Anlage gibt es viel zu tun!
Demenz und Schmerz
– Schmerz
| eines der häufigsten Symptome
| Schmerzerkennung und Behandlung erfolgt oftmals nur unzureichend
z.B. Shega et al. (2004/2006); Black et al. (2006); Achtenberg et al. (2013);
Zwakhalen et al. (2014)
| Faktoren für eine verbesserte Schmerzbehandlung Broson et al. (2014)
| Wissen über Patient
| Assessment-Instrumente
| Erfahrung
| Teamarbeit
| Zusammenhang zwischen Schmerz und herausforderndem Verhalten
(Schmerz-Assessment) Husebo et al. (2013); Pieper et al. (2013)
Items zur Schmerzerkennung
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Grimmassen
• Muskeltonus
Spezifische verbale
• Rückzug bei Berührung
Schmerzäußerung
• Veränderte Beweglichkeit
Unspezifische, verbale
• Reiben von Körperstelle
Perserveration
• Appetitlosigkeit
(Wiederholung von Worten,
Sätzen)
• Atemveränderung
Stöhnen/Jammern
• Einschlaf-; Durchschlafstörung
Schreien/Weinen
• Erhöhtes Schlafbedürfnis
Körperliche Unruhe
• Biographie/Aussagen der Familie
Agitation
Verwirrtheit
• Individuelle Verhaltensänderungen
Abweisendes Verhalten herausforderndes Verhalten
-Aggressivität, Unruhe, Erregung
Ängstlichkeit
-„Nahrungsverweigerung“, Apathie
Rückzugtendenzen
-Störungen des Schlaf-Wachrhythmus
(Kovach et al. 2000)
-Wahn-/Halluzinationen
BESD © =Beurteilung von Schmerzen bei Demenz, (Basler et al. 2007)
0
Atmung
(unabhängig von
Lautäußerung)
Negative
Lautäußerung
Gesichtsausdruck
Körpersprache
Trost
1
2
normal
gelegentlich
angestrengt atmen
kurze Phasen von
Hyperventilation
lautstark angestrengt
atmen,
lange Phasen von
Hyperventilation
Cheyne-Stoke Atmung
keine
gelegentlich stöhnen
oder ächzen
sich leise negativ oder
missbilligend äußern
wiederholt beunruhigt
rufen,
laut stöhnen oder ächzen,
weinen
lächelnd
nichts sagend
traurig
ängstlich
sorgenvoller Blick
grimassieren
entspannt
angespannt
nervös hin und her
gehen
nesteln
starr
geballte Fäuste,
angezogene Knie,
sich entziehen oder
wegstoßen
schlagen
trösten nicht
notwendig
ablenken oder
beruhigen durch
Stimme oder
Berührung möglich
trösten, ablenken,
beruhigen nicht möglich
Score
TOTAL
http://www.dgss.org/die-gesellschaft/arbeitskreise/schmerzund-alter/downloads/
Wie kann die hospizliche Begleitung von einer
Psychiaterin oder einem Psychiater profitieren?
Psychiatrie in der hospizlichen Begleitung
• Entwicklung von Verständnis für psychisches Anderssein
• Fundierte psychopathologische Befundung
• Differenzialdiagnostische Abgrenzung und Therapie
unterschiedlicher Syndrome/ Erkrankungen
•
•
•
•
Delir
Depression
„Unruhe“
Herausfordernde Verhaltensweisen bei Demenz
• Psychopharmakologische Behandlung
Psychiatrie in der hospizlichen Begleitung
• Vermittlung von Wissen um psychodynamische
Zusammenhänge
• Vermittlung von Kompetenzen in nicht-medikamentösen
Therapien
• Vermittlung von Wissen über Persönlichkeitsstörungen /
Abhängigkeitserkrankungen / schizophrenen Psychosen
• Unterstützung bei der Prävention von Burnout
Diagnostische Kriterien des Delirs nach ICD 10
Differentialdiagnose Delir I
Delir
Demenz
Depression
Bewusstsein
getrübt/reduziert
klar, erst in weit fortgeschrittenen
Stadien reduziert
klar
Kognitive
Funktionen
veränderte Wahrnehmung, Wahn und
(optische) Halluzinationen;
Orientierung und Gedächtnis gestört;
zerfahrenes und verlangsamtes
Denken; Auffassung deutlich reduziert;
Verlust des Urteilsvermögens
selten Wahrnehmungsstörung
(Wahn, Halluzinationen);
Orientierung und Gedächtnis
gestört; Auffassung reduziert;
zunehmender Verlust von
Urteilsvermögen und Merkfähigkeit
sekundäre Wahnbildung;
verlangsamtes und haftendes
Denken; Merkfähigkeit nicht
gestört, vielleicht verlangsamt;
uneingeschränktes
Urteilsvermögen, meist
negative Sicht
Psychomotorik
Wechsel von Agitiertheit und Apathie,
anfänglich erhöht, später reduziert
meist unverändert, später
gesteigert/verringert
meistens gehemmt, manchmal
gesteigert
Schlaf-WachRhythmus
gestört
zerklüftete Schlafarchitektur
subjektiv schlechter Schlaf
Affekt
Grundstimmung: ängstlich
schwankend
ängstliche und depressive
Stimmung möglich
Grundstimmung:
herabgestimmt (negativ)
Entwicklung
subakuter Beginn (Stunden bis Tage),
meist nächtliche Symptome;
fluktuierender Verlauf mit klaren
Intervallen tagsüber, nächtliche
Verschlechterungen
schleichender Beginn meist nach
60. Lebensjahr; relativ
gleichbleibend über Tagesverlauf
Entwicklung über Tage bis
Wochen
Differentialdiagnose Delir II
Delir
Organisches Wahnsystem
Schizophrener
Residualzustand
Bewusstsein
getrübt/reduziert
klar
klar
Kognitive
Funktionen
veränderte Wahrnehmung, Wahn und
(optische) Halluzinationen;
Orientierung und Gedächtnis gestört;
zerfahrenes und verlangsamtes
Denken; Auffassung deutlich reduziert;
Verlust des Urteilsvermögens
immer Wahn, häufig
Halluzinationen; Gedächtnis und
Orientierung unverändert
häufig Wahn und (akustische)
Halluzinationen; Gedächtnis
und Orientierung unverändert;
Auffassung meist reduziert
Psychomotorik
Wechsel von Agitiertheit und Apathie
unverändert
verlangsamt (mit Stereotypien)
Schlaf-WachRhythmus
gestört
unverändert
unverändert
Affekt
Grundstimmung: ängstlich
schwankend
häufig Angst
verflacht
Entwicklung
subakuter Beginn (Stunden bis Tage),
meist nächtliche Symptome;
fluktuierender Verlauf mit klaren
Intervallen tagsüber, nächtliche
Verschlechterungen
meist allmählicher Beginn
allmählicher Beginn (meist vor
40. Lebensjahr)
Differentialdiagnose Delir III
Delir
Epilepischer Anfall
(nonkonvulsiv)
Halluzinose
Bewusstsein
getrübt/reduziert
getrübt/reduziert
klar
Kognitive
Funktionen
veränderte Wahrnehmung, Wahn und
(optische) Halluzinationen;
Orientierung und Gedächtnis gestört;
zerfahrenes und verlangsamtes
Denken; Auffassung deutlich reduziert;
Verlust des Urteilsvermögens
Halluzinationen und Wahn können
auftreten; Orientierung und
Gedächtnis gestört; zerfahrenes
und verlangsamtes Denken;
Auffassung deutlich reduziert;
Verlust des Urteilsvermögens
immer Halluzinationen, selten
Wahn; Orientierung und
Gedächtnis unverändert;
unveränderte Auffassung
Psychomotorik
Wechsel von Agitiertheit und Apathie,
anfänglich erhöht, später reduziert;
unruhig, unspezifische
Bewegungen
unverändert
Schlaf-WachRhythmus
gestört
unspezifisch
unverändert
Affekt
Grundstimmung: ängstlich
schwankend
irritiert, ängstlich
häufig Angst, selten
Depression
Entwicklung
subakuter Beginn (Stunden bis Tage),
meist nächtliche Symptome;
fluktuierender Verlauf mit klaren
Intervallen tagsüber, nächtliche
Verschlechterungen
plötzlich (in Sekunden möglich)
meist allmählicher Beginn
Anpassungsstörung
Zentrum
(F 43.2)
für Dysthymie
Palliativmedizin(F 34.1)
Depressive Episode bzw.
Depression
(F 32; F 33)
Organische
depressive Störung
(F 06.3)
Schwere des
Depressiven
Zustandes
Leicht
Leicht
Leicht, mittelgradig, schwer
uneinheitlich
Art und Inhalt
der Symptome
Depressive
Verstimmung,
die Kriterien für eine
depressive leichte
oder mittelgradige
Episode werden nie
oder nur sehr selten
erfüllt
Depressive
Verstimmung,
die Kriterien für
eine depressive
leichte oder
Mittelgradige
Episode werdennie
oder nur sehr
selten erfüllt
Depressive Stimmung,
Interessensverlust, Freudlosigkeit,
Minderung des Antriebes, erhöhte
Ermüdbarkeit, psychomotorische
Hemmung/Unruhe, verminderte
Konzentration, vermindertes
Selbstwertgefühl, Schuldgefühle,
Suizidgedanken oder -handlungen,
Schlafstörungen,
verminderter Appetit
Depressive
Verstimmung
Tagesschwankungen möglich,
jedoch wenig Änderung der
gedrückten Stimmung von Tag zu
Tag
Psychotische
Symptome
Seite 62
Nein
<20.06.2015> | Dr. Klaus Maria Perrar
Nein
Möglich, dann schwere Episode
Im Rahmen der
Komorbidität mit
einer organisch
wahnhaften Störung
möglich
Zentrum für Dysthymie
Anpassungsstörun
g
(F 34.1)
Palliativmedizin
(F 43.2)
Depressive Episode bzw.
Depression
(F 32; F 33)
Organische
depressive
Störung
(F 06.3)
Bezug zu
kritischem
Lebensereigni
s
Obligat,
Beginn innerhalb
von 1 Monat nach
kritischem
Lebensereignis oder
schwerer
körperlicher
Erkrankung
Möglich
Möglich
Nein
Organische
Verursachung
Nein,
kann aber als
Reaktion auf eine
schwere körperliche
Erkrankung
auftreten
Nein
Nein,
kann aber als Reaktion auf eine
schwere körperliche Erkrankung
auftreten
Obligat
Dauer der
Symptomatik
Kurze Reaktion:
nicht länger als 4
Wochen
Langdauernder
jahrelanger
Verlauf
(mindestens 2
Jahre),
oft lebenslang
Mindestdauer: etwa 2 Wochen
anhaltend, wenn ungewöhnlich
schwere Symptomatik dann
auch kürzer, häufig
rezidivierend mit Episoden von
3 bis 12 Monaten (im Mittel 6
Monate)
Unbestimmt,
Auftreten muss
einer
zerebralen oder
anderen
körperlichen
Störung folgen;
Verschwinden
der depressiven
Symptomatik
nach Behebung
der Ursache
Längere Reaktion:
Nicht länger als 2
Jahre
Seite 63
<20.06.2015> | Dr. Klaus Maria Perrar
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