Inhaltsverzeichnis - TiHo Bibliothek elib

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Aus dem Tierärztlichen Institut
der Universität Göttingen
und
aus der Abteilung Tiermedizin und Primatenhaltung
des Deutschen Primatenzentrums Göttingen
Zum Vorkommen von Helicobacter spp. bei
Hauskatzen
INAUGURAL-DISSERTATION
zur Erlangung des Grades eines
DOCTOR MEDICINAE VETERINARIAE
durch die Tierärztliche Hochschule Hannover
vorgelegt von
Uta Brandenburg
aus Oldenburg
Hannover 2000
Wissenschaftliche Betreuung: Univ.-Prof. Dr. E. Scupin
Apl.-Prof. Dr. F.-J. Kaup
1. Gutachter: Apl.-Prof. Dr. F.-J. Kaup
2. Gutachter: Prof. Dr. S. Wagner
Tag der mündlichen Prüfung: 28.11.2000
Meiner Mutter
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Glossar
1
Einleitung
11
2
Literaturübersicht
13
2.1
2.2
2.2.1
2.2.2
2.2.3
Geschichtlicher Überblick und Taxonomie
Eigenschaften verschiedener Helicobacter-Arten
Morphologie, kulturelle und biochemische Eigenschaften von H. pylori
Eigenschaften von H. felis und H. heilmannii
Virulenzfaktoren und Pathogenese der H. pylori Infektion
beim Menschen
2.2.3.1 Zellschädigungen durch H. pylori
2.2.4
H. heilmannii-Gastritis beim Menschen
2.3
Gastritisklassifikation und Graduierung
2.4
Helicobacter-Spezies bei verschiedenen Tierarten
2.5
Epidemiologie
2.6
Diagnostik einer Helicobacter-Infektion beim Tier
2.7
Therapiemöglichkeiten
2.8
Tiermodelle für die H. pylori- Infektion
19
22
25
25
26
30
32
34
35
3
Eigene Untersuchungen
37
3.1
3.1.1
3.1.2
3.1.3
Material und Methode
Untersuchungsmaterial
Bakteriologisch-kulturelle Untersuchung auf H. pylori
Molekularbiologische Untersuchung auf H. pylori, H. felis
und H. heilmannii
Isolierung genomischer DNA aus Gewebeproben
Polymerase-Kettenreaktion (PCR)
Agarosegelelektrophorese
Hochauflösende Gelelektrophorese zum Nachweis von H. pylori
Histologische Untersuchungen
Anfertigung von Gewebeschnitten für die Histologie und Immunhistologie
Immunhistologische Reaktionen
37
37
41
3.1.3.1
3.1.3.2
3.1.3.3
3.1.3.4
3.1.4
3.1.4.1
3.1.4.2
13
16
16
18
42
42
43
44
45
48
48
49
3.1.4.3 Auswertung und Dokumentation der durchgeführten
histologischen Reaktionen
3.1.5
Transmissionselektronenmikroskopische Untersuchung
51
52
4
Ergebnisse
54
4.1
4.2
4.3
4.3.1
54
54
55
4.4
4.4.1
4.4.2
4.5
Auswertung des Vorberichtes und der pathologischen Untersuchung
Bakteriologisch-kulturelle Untersuchung auf H. pylori
Molekularbiologische Untersuchungen
PCR und Agarosegelelektrophorese zum Nachweis der DNA von
H. pylori, H. felis und H. heilmannii
PCR und Polyacrylamidgelelektrophorese zum Nachweis von
H. pylori
Histologische Ergebnisse
Pathohistologische Diagnosen
Immunhistologische Reaktionen
Transmissionselektronenmikroskopische Untersuchungen
57
57
57
58
60
5
Diskussion
66
5.1
5.2
5.2.1
5.2.2
5.2.3
5.3
5.4
Probenmaterial
Methodik
Mikrobiologisch-kultureller Nachweis
Molekularbiologische Untersuchung
Histologische und ultrastrukturelle Untersuchung
Ergebnisse
Therapie
66
67
68
68
70
72
75
6
Zusammenfassung
76
7
Summary
78
8
Literaturverzeichnis
80
4.3.2
55
9
Anhang
9.1
9.2
9.3
9.4
9.5
9.6
Nährböden
Testreagenzien
Gram-Färbung der Objektträger (BÖCK, 1989)
Enzyme, Nukleinsäuren und Nukleotide
Protokolle für die Histologie und Elektronenmikroskopie
Lösungen für die Immunhistochemie (IHC)
98
98
99
100
101
101
105
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
APS
Aqua dest.
bp
brit. Kurzh.
BSA
cagA
DAB
DNA
EDTA
EKH
ELISA
f.
FIP
FIV
FLUTD
ggr.
GHLO
H.
h.
H.-E.
hgr.
H. heilm.
IFN γ
IgG
IHC
Il 1
J.
Kb
KBE
mgr.
min.
ml
mm
Mon.
Nr.
mM
µm
ng
p.
PBS
PCR
pmol
PPI
rRNA
Abbildung
Ammoniumperoxodisulfat
destilliertes Wasser
Basenpaar
Britisch Kurzhaar
Bovines Serumalbumin
cytotoxin associated gene A (cagA-Gen)
Diaminobenzidin-tetrahydrochlorid
Desoxyribonucleic acid (Desoxyribonukleinsäure)
Ethylendiamintetraessigsäure
Europäisch Kurzhaar
Enzyme linked immunosorbent-assay
felis
Feline infektiöse Peritonitis
Felines Immunschwächevirus
Feline lower urinary tract disease
geringgradig
gastric Helicobacter-like organisms
Helicobacter
heilmannii
Hämalaun-Eosin
hochgradig
Helicobacter heilmannii
Interferon γ
Immunglobulin G
Immunhistochemie
Interleukin 1
Jahre
Kilobasen
Koloniebildende Einheiten
mittelgradig
Minuten
Milliliter
Millimeter
Monate
Nummer
millimolar
Mikrometer
Nanogramm
pylori
Phosphate buffered saline
Polymerase Kettenreaktion (PCR)
Pikomol
Protonenpumpeninhibitor
ribosomale Ribonukleinsäure
SABC
SDS
sek.
sp.
SPF
spp.
Tab.
TBE
TE
TEM
TNF α
Todesurs.
Tris
vacA
Vergr.
Wo.
WS
Streptavidin-Biotin-Peroxidase-Komplex
Sodium dodecyl sulfate (Natriumdodecylsulfat)
Sekunden
species (Singular)
Spezifisch pathogen frei
species (Plural)
Tabelle
Tris-Borat-EDTA-Puffer
Tris-EDTA-Puffer
Transmissionselektronenmikroskopie
Tumornekrosefaktor α
Todesursache
Tris-(hydroxymethyl)-aminomethan
vacuolating cytotoxin gene A (vacA-Gen)
Vergrößerung
Wochen
Wirbelsäule
Glossar
Das Prinzip der Polymerase Kettenreaktion (PCR) basiert auf der Denaturierung eines
doppelsträngigen DNA-Abschnittes (templates), an welches sich am 5´- und 3´-Ende des zu
amplifizierenden Bereiches spezifische Oligonukleotide (Primer) anlagern (annealing). Diese
Primer werden von einer Polymerase in Anwesenheit freier Desoxynukleosid-Triphosphate
(dNTP`s) verlängert (elongiert). Die DNA-Polymerase elongiert den entstehenden DNADoppelstrang solange, bis sie von der DNA abfällt oder die Reaktion unterbrochen wird. Die
neu entstandenen Doppelstränge werden durch Erhitzen erneut in Einzelstränge zerlegt, die
wiederum als Matritzen für die Synthese neuer Doppelstränge dient. Bei der ständigen
Wiederholung der Reaktionsfolge aus Denaturierung, Annealing und Polymerasereaktion
kommt es zu einer exponentiellen Vermehrungsrate der DNA (Amplifikation).
Bei der Gelelektrophorese wird das unterschiedliche Wanderungsverhalten geladener
Moleküle im elektrischen Feld zu deren Trennung ausgenutzt. Es werden i. d. R. Gele aus
Agarose oder Polyacrylamid eingesetzt. Nukleinsäuren sind aufgrund ihres PhosphatRückgrats bei allen pH-Werten negativ geladen. So wandern sie immer zur Anode, und zwar
je größer sie sind, um so langsamer. Bei der 1 Kb-Leiter handelt es sich um einen Marker, der
parallel zu den Proben in die Geltaschen einpipettiert wird, um dann nach Abschluß der
Elektrophorese die Basenpaarlänge der amplifizierten und markierten DNA-Abschnitte
aufzuzeigen. Das Dimidiumbromid gehört zu den sequenzunspezifisch DNA-bindenden
Substanzen, das zwischen den einzelnen Basenpaare eines doppelsträngigen DNA-Moleküls
interkalieren kann. Nukleinsäuren können auf diese Weise angefärbt und die DNA so in
einem Gel sichtbar gemacht werden. Nach Bestrahlung des Gels mit UV-Licht fluoresziert die
DNA rot-orangefarbig.
Die Silberfärbung, die im Anschluß an die Polyacrylamidgelelektrophorese durchgeführt
wird, ist eine hochempfindliche Färbetechnik für die Anfärbung von Nukleinsäuren. Für
Nukleinsäuren
ist
der
Nachweis
bis
zu
5-fach
empfindlicher
als
mit
der
Dimidiumbromidfärbung, die bei der herkömmlichen Agarosegelelektrophorese durchgeführt
wird.
Einleitung
1
11
Einleitung
Bakterien wurden im Magen von Menschen und Tieren schon Ende des 19. Jahrhunderts
entdeckt. BIZZOZERO (1893) und SALOMON (1896) beobachteten das erste Mal spiralig
geformte Bakterien im Magen von Tieren. Unklar blieb zunächst, ob die Bakterien als
natürlicher Bewohner des Magens einzuordnen seien, oder ob es sich um einen
pathologischen Befund handelte. Erst MARSHALL u. WARREN (1984) brachten die bis
dahin kaum beachteten Stäbchenbakterien mit den gleichzeitig gefundenen entzündlichen
Veränderungen der Magenschleimhaut in Verbindung und züchteten die Keime auch
erstmalig an.
Heute ist bekannt, daß der Magen, entgegen der früher vorherrschenden Lehrmeinung, eine
Besiedlung mit Bakterien sei aufgrund des sauren Milieus nicht möglich, durch Bakterien der
Gattung Helicobacter besiedelt werden kann. Damit wurde das Dogma umgestoßen, daß die
Gastritis nur ein histologischer Befund sei, der durch lebenslange Belastung der Schleimhaut
zustande käme und somit schicksalhaft und nicht zu beeinflussen sei (MUELLER, 1992).
Helicobacterartige Bakterien, insbesondere Helicobacter pylori (H. pylori), sind beim
Menschen die Hauptursache für chronische Gastritiden (Typ B Gastritis), Ulzera in Magen
und Duodenum, B-Zell-Lymphomen und Adenokarzinomen des Magens (STOLTE, 1994;
PARSONNET et al., 1991; NOMURA et al., 1991). Weltweit sind ca. 1 Milliarde Menschen
mit dem Keim infiziert (MAI, 1988).
Keimquellen und Infektionswege sind weitgehend unbekannt. Einerseits wird der Mensch als
Erregerreservoir in den Vordergrund gestellt, andererseits existieren Berichte über
Schlachthofarbeiter und Tierärzte, die einen deutlich höheren Antikörperspiegel gegen
H. pylori hatten als Angestellte in der Verwaltung (VAIRA et al., 1988a). So wurden
inzwischen im Rahmen der Untersuchungen an Tieren bis jetzt über 60 verschiedene
Helicobacter spp., u. a. aus dem Magen von Frettchen, Hunden, Katzen, Affen, Hühnern und
Mäusen isoliert (EATON et al., 1992; BRONSDON u. SCHOENKNECHT, 1988; CURRY
et al., 1989; BURNENS et al., 1994; LEE et al., 1990; OTTO et al., 1994; HERMANNS
et al., 1995; FOX et al., 1991a). Eine natürliche Infektion mit H. pylori konnte allerdings bis
Einleitung
12
jetzt nur bei Untersuchungen an Katzen und Affen nachgewiesen werden (HANDT et al.,
1994; CURRY et al., 1989). Interessant an den Untersuchungen am Tier ist dabei auch der
Aspekt, welche Helicobacter-Arten bei den einzelnen Tierarten vorherrschen, und ob, wie
beim
Menschen,
ein
Zusammenhang
zwischen
Infektionsgrad
und
Magenschleimhautveränderungen besteht.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Katzen aus dem Klientel verschiedener
Tierarztpraxen in Göttingen Träger von H. pylori sind, welche anderen Helicobacter-Arten
bei ihnen nachweisbar sind und welche Veränderungen die Bakterien an der
Magenschleimhaut der infizierten Katzen verursachen. Folgende Methoden zum Nachweis
verschiedener Helicobacter-Arten und Entzündungsreaktionen wurden gewählt:
1. Mikrobiologisch: Anzüchtung auf Spezialnährboden zum Nachweis von H. pylori
2. Molekularbiologisch: Nachweis der DNA von H. pylori, H. felis und H. heilmannii
3. Histologisch: Nachweis von Entzündungsreaktionen und von Helicobacter spp. mit Hilfe
von Immunreaktionen
4. Transmissionselektronenmikroskopisch: Darstellung der Ultrastruktur der beteiligten
Helicobacter spp.
Neben dem Vorkommen der verschiedenen Helicobacter spp. bei Katzen im Göttinger Raum
sollen die Untersuchungen insbesondere einen Beitrag zum diskutierten Zoonosepotential,
insbesondere von H. pylori, leisten.
Literaturübersicht
2
Literaturübersicht
2.1
Geschichtlicher Überblick und Taxonomie
13
Die Präsenz spiralförmiger, 3-8 µm langer, gramnegativer Bakterien in der Magenmukosa
von Hunden und Katzen ist schon Ende des 19. Jahrhundert beschrieben worden
(BIZZOZERO, 1893; SALOMON, 1896). Auch im Magen des Menschen wurden schon 1874
Bakterien entdeckt (BÖTTCHER, 1874, zitiert bei BLASER, 1987). Trotzdem dauerte es ca.
100 Jahre, um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der bakteriellen Besiedlung des
Magens und einer Erkrankung herzustellen. KRIENITZ (1906) entdeckte Spirochäten bei
Patienten mit Magenkarzinom. LUGER und NEUBERGER (1921) fanden Bakterien nur im
Magen bei Patienten mit Magenkarzinom, bei gesunden Patienten und Patienten mit
Magenulkus konnten keine Spirochäten gefunden werden. LUGER und NEUBERGER
schlossen daraus, daß sich durch den Eiweißzerfall beim Karzinom das Magenmilieu so zu
Gunsten der Bakterien, die für Saprophyten gehalten wurden, veränderte, daß sie sich stark
vermehren konnten. Bei der ersten systematischen Untersuchung an Autopsiemägen des
Menschen wurden bei 43 % der Patienten Spirochäten in den Magendrüsen nachgewiesen,
diese konnten jedoch nicht angezüchtet werden (DOENGES, 1939). Es konnte dabei nicht
geklärt werden, ob es sich um Saprophyten oder um eine postmortale Besiedlung handelte.
FREEDBERG und BARRON (1940) verwarfen die These, daß es sich bei den Spirochäten
um natürliche Bewohner des Magens handelte, denn sie fanden Bakterien häufiger in Mägen
bei Patienten mit Ulkus, als bei Patienten ohne Erkrankung, allerdings sprachen sie ihnen
trotzdem jegliche Pathogenität ab. Auch das Enzym Urease wurde im Magenschleim von
Tieren und dem Menschen schon früh entdeckt, ein Zusammenhang zu den Bakterien wurde
nicht hergestellt (LUCK u. SETH, 1924). PALMER (1954) überprüfte bei 1000 Patienten, die
sowohl an Erkrankungen im oberen Gastroduodenalbereich, als auch unter völlig anderen
Beschwerden litten, die Aussagen von DOENGES und FREEDBERG. Bei beiden
Patientengruppen konnte er keine Spirochäten finden, weshalb er die Besiedlung für eine
postmortale Kontamination aus der Mundhöhle hielt. DELLUVA et al. (1968) untersuchten
bakterienfreie Tierfeten bei denen sie keine Urease feststellen konnten und so bewiesen, daß
Literaturübersicht
14
Urease nicht bei der physiologischen Mukusproduktion entstanden sein konnte, sondern, daß
es sich um ein Produkt des bakteriellen Stoffwechsels handelte.
MARSHALL u. WARREN (1984) konnten im Rahmen einer Studie die Bakterien erstmalig
isolieren und anzüchten, da im Labor versehentlich Platten im Brutschrank vergessen worden
waren und so 5, statt der üblichen 2 Tage bebrütet wurden. Durch einen Selbstversuch wurde
die Infektiosität bewiesen: MARSHALL trank, nach vorheriger Alkalisierung des
Magensaftes,
109
KBE
der
Bakterien
und
entwickelte
nach
10
Tagen
eine
Magenschleimhautentzündung. Eine Reisolierung der Keime aus einer Magenbiopsie war
möglich (MARSHALL et al., 1985).
So wurde erstmalig ca. 100 Jahre nach der Erstbeschreibung der Bakterien im Magenschleim
der Beweis für eine bakterielle Ursache der Magenerkrankungen erbracht.
Nachdem der Keim 1984 aufgrund seines Guanin-plus-Cytosin-Gehaltes (G+C), seiner
kulturellen und phänotypischen Ähnlichkeit und seiner Lokalisation im Wirt die Bezeichnung
Campylobacter pyloridis (MARSHALL et al., 1984) erhalten hatte, wurde er 1987 in die
grammatikalisch korrekte Form Campylobacter pylori umbenannt (MARSHALL u.
GOODWIN, 1987). Aufgrund der von der Campylobacter spp. abweichenden Ultrastruktur,
zellulären Fettsäuren, Menaquinone und der Antibiotikaresistenzen, wurde eine neue
Zugehörigkeit gesucht (WULFFEN, 1988; ROMANIUK et al., 1987; GOODWIN et al.,
1985). Eine große Ähnlichkeit besteht zu Wollinella succinogenes, allerdings ergaben auch
hier Untersuchungen große Unterschiede in der Morphologie, Wachstumscharakteristika,
Enzymausstattung und Ultrastruktur, so daß die neue Gattung Helicobacter geschaffen
(GOODWIN et al., 1989) wurde.
Inzwischen wurden über 60 verschiedene Helicobacter-Arten, die teilweise saprophytisch
leben, z.T. aber auch Gastritiden auslösen können, bei verschiedenen Tierarten nachgewiesen
(BRONSDON u. SCHOENKNECHT, 1988; FOX et al., 1991a; FOX et al., 1991b). Bei der
Katze wurden bis heute hauptsächlich H. felis und H. heilmannii (früher auch
Gastrospirillium hominis) isoliert, aber auch H. pylori wurde schon nachgewiesen (HANDT
et al., 1994; HANDT et al., 1995).
Literaturübersicht
15
Taxonomische Einordnung:
Reich:
Procaryotae
Klasse:
Schizomycetes
Stamm:
Gracilicutes
Ordnung: Pseudomonadales
Familie:
Spirillaceae
Gattung:
Helicobacter
Tab. 1: Lokalisationen und Wirte verschiedener Helicobacter-Arten
Arten
Wirt
Lokalisation
H. pylori
Mensch, Makaken, Katze
Magen
H. mustelae
Frettchen, Nerz
Magen
H. acinonyx
Leopard
Magen
H. heilmannii
Hund, Katze, Mensch, Primaten
Magen
H. felis
Katze, Hund
Magen
H. canis
Hund, Mensch
Darm, Leber (Hund)
H. fenelliae
Mensch
Darm
H. muridarum
Maus, Ratte
Darm, Magen (Maus)
H. pametensis
Vogel, Schwein
Darm
H. bizzozeroni
Hund, Mensch
Magen
H. pullorum
Huhn, Mensch
Darm, Leber (Huhn)
H. cinaedi
Mensch, Hamster
Darm
H. hepaticus
Maus
Darm, Leber
H. rappini
Schaf, Hund, Mensch, Maus
Darm, Leber (Schaf), Magen
H. bilis
Maus, Hund
Darm, Leber, Magen (Hund)
Anhand von molekulargenetischen Untersuchungen wurden bis heute weitere 55
Helicobacter-Arten identifiziert.
Literaturübersicht
2.2
Eigenschaften verschiedener Helicobacter-Arten
2.2.1
Morphologie, kulturelle und biochemische Eigenschaften von H. pylori
16
Es handelt sich um gramnnegative, ureasepositive, bewegliche und gebogene oder
spiralförmige Bakterien. H. pylori hat bei einer Länge von etwa 2,5-5 µm einen Durchmesser
von etwa 0,5 µm, kann 3-6 Windungen aufweisen und ist unipolar begeißelt. Es besitzt 4-6
bescheidete
Geißeln
mit
terminalen
Verdickungen
(MEGRAUD
et
al.,
1985;
WARRELMANN u. HAHN, 1987; RÜHL u. MORGENROTH, 1988; GOODWIN et al.,
1989; ROHWEDDER, 1989; VANDAMME et al., 1991).
H. pylori wächst in einer CO2-angereicherten, bzw. mikroaeroben Atmosphäre, aus 5 % O2,
10 % CO2 und 85 % N2, nicht jedoch unter aeroben oder anaeroben Bedingungen. Die
optimale Wachstumstemperatur beträgt 37° C, schwaches Wachstum zeigt sich auch noch bei
42° C, bei 25° C findet kein Wachstum mehr statt (WARRELMANN u. HAHN, 1987;
GOODWIN
et
al.,
1989).
Kolonien
werden
auf
Brain-Heart-Infusion-Blut-Agar,
Schokoladenagar, Müller-Hinton-Agar, Wilken-Chalgren-Agar oder Columbia-Agar mit
Zusatz von 7-10 % Frischblut ausgebildet (MORGAN et al., 1987; GOODWIN et al., 1985;
MEGRAUD et al., 1985; KASPER u. DICKGIESSER, 1986; BUCK u. SMITH, 1987;
WARRELMANN u. HAHN, 1987; GOODWIN et al., 1989).
Bei der Erstanzucht aus Magenbiopsien können bis zum Auftreten sichtbarer Kolonien bis zu
5 Tage vergehen, bei der Subkultur wachsen Kolonien nach 2-3 Tagen. Die Kolonien haben
einen Durchmesser von 1-2 mm, sind glatt begrenzt, konvex, durchscheinend und nicht
pigmentiert. Auf bluthaltigen Nährböden zeigen sie eine feine, unvollständige Hämolyse
(GOODWIN et al., 1985; MARSHALL et al., 1985; MEGRAUD et al., 1985; KASPER u.
DICKGIESSER, 1986; BUCK u. SMITH, 1987; WARRELMANN u. HAHN, 1987;
LEHNHARDT, 1988). Zur Unterdrückung unerwünschter Begleitflora kann dem Nährboden
ein antibiotikahaltiges Supplement nach "Skirrow" oder "Dent" (Fa. Unipath) zugesetzt
werden. Alle bisher untersuchten H. pylori–Stämme sind resistent gegenüber Vancomycin,
Literaturübersicht
17
Polymyxin, Cefsulodin und Amphotericin B (LENHARDT, 1988; McNULTY u. DENT,
1988).
Unter dem morphologischen Polymorphismus, bzw. Dimorphismus versteht man kokkoide
Rundformen, in die sich H. pylori bei ungünstigen Nährstoff- und Wachstumsbedingungen,
unter Einfluß antibakterieller Substanzen und bei Alterungsvorgängen verwandelt
(MEGRAUD et al., 1985; MAI u. OPFERKUCH, 1988; BÖRSCH u. LABENZ, 1989;
VANDAMME et al., 1991; BODE u. MAUCH, 1992; NILIUS et al., 1993). Ob es sich
hierbei um eine degenerierte Form oder, wahrscheinlicher um eine Art Überlebensform
(Persisterform) handelt, ist noch nicht geklärt. Eine Anzüchtung dieser Rundformen in einer
Kultur gelang CELLINI et al. (1994). Er infizierte Mäuse mit isolierten H. pylori-Stämmen
von Patienten mit Duodenalulzera, nachdem er die Keime 20 Tage bebrütet hatte, um Keime
mit kokkoiden Formen zu bekommen. Nach 2 Wochen konnten überlebensfähige H. pyloriKolonien nachgewiesen werden, es entwickelte sich eine milde Gastritis und im Serum der
Mäuse konnten IgG Antikörper gegen H. pylori nachgewiesen werden. Somit kommt diesen
Rundformen eine erhebliche epidemiologische Bedeutung zu.
Zum Schutz gegen Abtötungsmechanismen der Phagozyten produziert H. pylori die Enzyme
Katalase, Superoxid-Dismutase, Oxidase und alkalische Phosphatase (WARRELMANN u.
HAHN, 1987). Im Unterschied zu den Campylobacter sp. zeigen Helicobacter sp. eine
ausgeprägte Ureaseaktivität, durch die Harnstoff zu Ammoniak und Kohlendioxid
hydrolysiert wird, die diagnostisch als Indiz für die Anwesenheit des Keimes herangezogen
werden kann (MEGRAUD et al., 1985; HAZELL et al., 1987; WARRELMANN u. HAHN,
1987; McNULTY et al., 1989). Proteasen werden gebildet, die es dem Keim ermöglichen den
Magenschleim besser zu durchdringen, um dann an der Magenschleimhaut zu haften
(RAUWS et al., 1988). H. pylori kann Hippurat nicht hydrolysieren, Nitrat nicht reduzieren,
Glukose und andere Zucker werden nicht fermentiert, Disulfidproduktion im 3-Zucker-EisenAgar erfolgt ebensowenig wie eine Indolreaktion (RAUWS et al., 1987; WARRELMANN u.
HAHN, 1987).
Literaturübersicht
2.2.2
18
Eigenschaften von H. felis und H. heilmannii
H. felis und H. heilmannii wurden aus dem Magen von Hund und Katze, H. heilmannii auch
beim Menschen nachgewiesen (STOLTE et al., 1994; OTTO et al., 1994; HERMANNS
et al., 1995; FOX u. LEE, 1997). Beide Bakterienarten sind etwa 5,0-12,0 µm lang und
0,4 µm breit, mit 4-6 engen schraubenförmigen Windungen, unipolar 10-17 gebündelten
Geißeln und periplasmatischen Fasern, die allein,
paarweise oder auch dreifach dem
Zellkörper anliegen (LEE et al., 1988; PASTER et al., 1991; SIMPSON et al., 2000).
Lichtmikroskopisch lassen sich H. heilmannii und H. felis nicht unterscheiden (LECOINDRE
et al., 1997; SIMPSON et al., 2000). Elektronenmikroskopisch sind die unterschiedlichen
Fasern auf dem Kamm (H. felis), bzw. im Tal der Windungen (H. heilmannii) zu erkennen
(NEIGER u. SIMPSON, 2000).
H. felis, aus der Magenschleimhaut isoliert, bevorzugt bei 37° C erst eine anaerobe
Atmosphäre, wächst dann in der Subkultur besser mikroaerob (LEE et al., 1988).
Makroskopisch lassen sich die Kulturen nicht auf dem Nährboden erkennen, die einzige
Möglichkeit ein Wachstum festzustellen ist, die verdächtigen Bereiche der Nährböden auf
einen Objektträger aufzutragen und dann unter dem Phasenkontrastmikroskop zu betrachten
(LEE et al., 1988).
Eine Anzüchtung gelingt auf Brain-Heart-Infusion-Agar, supplementiert mit 5 % sterilem
fetalem Kälberserum und einer Antibiotikakombination, bestehend aus Vancomycin,
Polymyxin, Trimethoprim und Amphotericin B (PASTER et al., 1991). Biochemisch reagiert
H. felis mit wenigen Ausnahmen, wie H. pylori. Allerdings besteht die Möglichkeit der
Nitratreduktion, eine Resistenz gegenüber Nalidixinsäure und eine Empfindlichkeit
gegenüber Cephalothin (PASTER et al., 1991). Biochemisch gemeinsam sind H. felis,
H. heilmannii und H. pylori in der positiven Urease-, Katalase und Oxidasereaktion,
Unterscheidungsmöglichkeiten bestehen in der Koloniemorphologie, in der Nitratreaktion, der
Resistenzlage und der Ultrastruktur (Tab. 2) (LEE et al., 1988; PASTER et al., 1991;
ANDERSEN et al., 1999; NEIGER u. SIMPSON, 2000). Laut ANDERSEN, der als erster
und bis jetzt einziger H. heilmannii auf Nährböden angezüchtet hat, zeigt H. heilmannii
Literaturübersicht
19
ähnliches Wachstum auf H. pylori-Selektivnährböden, wie H. pylori (ANDERSEN et al.,
1999).
Tab. 2: Eigenschaften von H. pylori, H. heilmannii und H. felis
H. pylori
H. heilmannii
H. felis
Urease
+
+
+
Katalase
+
+
+
Oxidase
+
+
+
Nitratreduktion
-
+
+
Ultrastruktur
Wirt
spiralförmig
eng
eng
gewunden
schraubenförmig
schraubenförmig
gewunden
gewunden
Mensch
Katze
Katze
Affe
Hund
Hund
Katze
nonhumane Primaten
Maus (exp)
Hund (exp)
Mensch
Ratte (exp)
Maus (exp)
Resistenz zu
Nalidixinsäure ( 30 µg)
+
+
+
Cepalothin (30 µg)
-
-
-
exp: experimentell infiziert
2.2.3
Virulenzfaktoren und Pathogenese der H. pylori Infektion beim Menschen
Inzwischen gilt als gesichert, daß H. pylori der Erreger der chronischen Typ-B-Gastritis ist,
daß die Infektion mit dem Keim eine entscheidende Rolle in der Pathogenese der
gastroduodenalen Ulkuskrankheit spielt, und daß sie durch die Unterhaltung einer
chronischen Entzündung, mit Freisetzung von Toxinen und Radikalen, ein Kofaktor bei der
Literaturübersicht
20
Entstehung von Malignomen des Magens (gastrisches Adenokarzinom und primäres
Magenlymphom) ist (PARSONNET et al., 1991; NOMURA et al., 1991).
Etwa 80-85 % aller Gastritiden werden mit einer Infektion durch H. pylori in Verbindung
gebracht, dabei siedelt der Keim nicht nur in den Magenkrypten und an der
Magenschleimhautoberfläche (MARSHALL, 1986) der Pylorus- und Antrum-Region, in der
die Entzündung stärker ausgeprägt ist, sondern im gesamten Magen. Die Dichte der
Besiedlung mit dem Keim bestimmt den Grad (Dichte der Infiltration der Schleimhaut mit
Lymphozyten und Plasmazellen) und die Aktivität (Dichte der Infiltration mit neutrophilen
Granulozyten) der Gastritis. In der Fundus- und Korpusregion herrscht eine höhere Aktivität
als in den anderen Bereichen vor (STOLTE, 1992), trotzdem entstehen Ulzera bevorzugt in
der Antrum-Region, wahrscheinlich, weil das produzierte Ammoniak im Fundus- und
Korpusbereich durch die salzsäureproduzierenden Zellen neutralisiert wird und nicht, wie im
Antrum, die entzündliche Reaktion durch die Zytotoxine verstärkt wird (STOLTE, 1992).
Entscheidend für den Krankheitsverlauf nach der Infektion sind die Virulenzfaktoren des
Erregers, die genetischen Voraussetzungen und das Alter des Infizierten sowie
Umweltfaktoren
(AXON, 1999).
Der pathogene Effekt von
H. pylori
an der
Magenschleimhaut entsteht durch eine Reihe von Virulenzfaktoren und der reaktiven
entzündlichen Antwort der besiedelten Schleimhaut. Außerhalb des Magens (z. B. im
Duodenum) wird dieser Pathomechanismus nur dort wirksam, wo aufgrund einer gastralen
Metaplasie, die nach einer erhöhten Magensäureproduktion zustande kommt, die Bedingung
für eine Besiedlung geschaffen wurde (MALFERTHEINER u. NILIUS, 1994a).
Verschiedene H. pylori-Isolate produzieren unterschiedliche Mengen an zytotoxischer
Substanz (LEUNK et al., 1988). Zytotoxinproduzierende Stämme wurden häufiger von
Patienten mit einem peptischen Ulkus, als bei Patienten, die lediglich an einer chronischen
Gastritis leiden, isoliert (FIGURA et al., 1989).
Zytotoxine: Es besteht eine beachtliche genetische Variabilität zwischen verschiedenen
H. pylori- Stämmen. Einige sind mehr mit schweren Entzündungreaktionen vergesellschaftet
als andere. Diese Stämme werden ebenso mit einer größeren Wahrscheinlichkeit an der
Literaturübersicht
21
Entwicklung von Magenulzera, doudenaler Metaplasie und Magenkrebs in Verbindung
gebracht. Zu der sogenannten „Pathogenitätsinsel“, einem Segment der DNA, gehören die
cagA- und vacA-Gene, die mit der Sekretion von Proteinen, die die Vakuolisierung der Zellen
verursachen, in Verbindung gebracht werden. Mit einem Bluttest können die Infizierten, die
Träger dieser virulenten Stämme sind, identifiziert werden. Bis jetzt wird noch kontrovers
diskutiert, ob auch die klinisch unauffälligen Patienten, oder nur die, die mit den virulenten
Stämmen infiziert sind, behandelt werden sollten (KONTUREK et al., 1999; SPECHLER
et al., 2000; AXON, 1999).
Urease: Ein charakteristisches phänotypisches Merkmal aller H. pylori-Stämme ist die
Produktion großer Mengen Urease, durch die der in der Lamina propria des Magens gebildete
Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid gespalten werden kann, so daß die Magensäure in
der unmittelbaren Umgebung des Bakteriums neutralisiert wird. So wird eine schützende
Schicht aufgebaut, die dem Keim hilft zu überleben, bis er die schützende Mukusschicht mit
dem weniger sauren pH-Wert erreicht hat (SUERBAUM, 1994; RAUWS et al., 1988;
NEWELL, 1990).
Beweglichkeit: Aufgrund seiner spiralförmigen Gestalt und den unipolar 3-7 bescheideten
Geißeln ist es H. pylori möglich, das saure Milieu schnell zu verlassen und sogar die
hochvisköse Schleimschicht des Magens zu durchdringen (NEWELL, 1990; EATON et al.,
1992).
Adhärenz: Eine wichtige Gruppe von bakteriellen Molekülen, die für die Adhärenz von
H. pylori an den Schleim und an die Epithelzellen von Bedeutung sind, stellen z. B. das
fibrilläre Hämagglutinin, das an Erythrozytenmembranen und Schleimbestandteile bindet
(ROBINSON et al., 1990), und Heparan-Sulfat-spezifische Adhäsine (ASCENSIO et al.,
1993) dar.
Proteasen: Umstritten ist, ob die von H. pylori gebildeten Proteasen (SLOMIANY et al.,
1987) durch ihre mukolytische Aktivität ein leichtere Beweglichkeit im Schleim erlauben
(MALFERTHEINER u. BODE, 1988).
Literaturübersicht
22
Proteasen, Phosphatasen und Phospholipasen bauen den Schleim und die hydrophobe
Phospholipidschicht, die sich dem Keim als letzte Barriere vor den Epithelzellen der
Magenmukosa entgegenstellt, ab (SIDEBOTHAM et al., 1991; RAEDSCH, 1991), so daß
eine direkte Adhärenz an die Magenepithelzellen ermöglicht wird.
2.2.3.1 Zellschädigungen durch H. pylori
Ist der Kontakt zur Zelloberfläche erst einmal hergestellt, findet H. pylori nicht nur optimale
Wachstumsbedingungen, sondern entfaltet auch seine gewebsschädigende Wirkung
(Abb. 1). Für die Zellschädigung werden spezifische Zytotoxine, verschiedene Enzyme
(Urease,
Phospholipasen,
Phosphatasen),
sowie
die
entzündliche
Reaktion
selbst
verantwortlich gemacht (MALFERTHEINER u. NILIUS, 1994a). Nach Kontakt zu den
kurzen Mikrovilli des Epithels wird die Annäherung erleichtert und ein enger
Membrankontakt hergestellt (MALFERTHEINER u. BODE, 1988). Zusätzlich haftet
H. pylori an den junktionalen Komplexen (tight junctions) und spaltet diese, so daß der Keim
dann in die interzellulären Spalten eindringen kann und das Eindringen entzündlich
irritierender Substanzen in das epitheliale Stroma begünstigt wird. Die Mikrovilli gehen
vollständig zugrunde und die Epithelzellen unterliegen dem Zelltod (SCHAEFER, 1988).
Das durch die Urease gebildete Ammoniak besitzt zusätzlich eine zytopathogene Wirkung
(FIGURA et al., 1989; LEUNK et al., 1988; XU et al., 1990) und beeinflußt so außerdem die
Permeabilität der Mukosa. Durch den Anstieg der Ammoniakkonzentration wird der
pH-Gradient des Mukus zerstört und die Wasserstoffionen, die in den Belegzellen produziert
werden, können die Schleimhaut in Richtung Magenlumen nicht passieren, sie diffundieren
wieder zurück und führen zu einer Hypochlorhydrie. Dieser Umstand begünstigt die
Ulkusentwicklung (HAZELL u. LEE, 1986).
Entzündung und immunologische Reaktionen: Die Infektion mit H. pylori führt zu einer
geringgradig bis schweren chronisch-aktiven Gastritis (Typ B), die sich durch eine starke
Infiltration der Lamina propria durch Plasmazellen, T-Lymphozyten und je nach
Aktivitätsgrad, Monozyten, bzw. Granulozyten auszeichnet (STOLTE, 1994). Trotz der
ausgeprägten Antikörperbildung, die lokal und systemisch angeregt wird, kann H. pylori in
Literaturübersicht
23
der Magenschleimhaut nicht beseitigt werden, es entsteht keine Immunität. Die Folge ist eine
chronische Erkrankung. Die chronische Infektion wird durch immunologische Mechanismen
unterhalten, die zwar nicht in der Lage sind den Keim zu vernichten, aber die Infektion unter
Kontrolle halten. Der invasive Einstrom und die Aktivierung von polymorphkernigen
Leukozyten, durch Freisetzung von TNF-α, Il-1 oder IFN-γ, bewirkt ebenfalls keine
Elimination, sondern hat durch die Freisetzung von Sauerstoffradikalen und einer Reihe von
aggressiven Enzymen (z. B. Elastase, Lysozym) einen zusätzlich schädigenden Einfluß auf
die Mukosa (ERNST et al., 1997; MALFERTHEINER u. NILIUS, 1994a; SCHAEFER,
1988; BODE et al., 1988).
Aufgrund der besonderen Virulenzeigenschaften sowie der begrenzten Effizienz der
Immunantwort kann sich der Träger ohne spezifische Therapie nicht von der Infektion
befreien. Bei einer chronischen Infektion kommt es zu einer Veränderung der
Gastrin-, Somatostatin- und Salzsäuresekretion. Der Ausbreitungsmodus der H. pyloriInfektion entscheidet, ob es zu einer Hyperchlorhydrie oder zu einer verminderten
Säuresekretion kommt. Bei der antrumbetonten Infektion wird durch Stimulation der
Gastrinsekretion eher eine Hypersekretion ausgelöst, bei einer Infektion, die auf weite Teile
der Korpusschleimhaut übergreift, führt eine Hemmung der Belegzellproduktion zu einer
Achlorhydrie (NEIGER u. SIMPSON, 2000; MALFERTHEINER u. NILIUS, 1994a).
Literaturübersicht
24
Helicobacter-Spezies
direkt schädigende Wirkung
indirekt schädigende Wirkung
Enzyme
Immunreaktion mit Lymphozyten
Zytotoxine
neutrophilen Granulozyten
Adhärenz
Plasmazellen
Beweglichkeit
Granulozyten
Mediatoren
TNF-α
Epithelzellschädigung
Il-1
Hypergastrinämie
IFN-γ
Hyperchlorhydrie
Typ B Gastritis
Magenulkus
Magenlymphom
Magenkarzinom
Abb. 1: Pathogenitätsmechanismen einer Helicobacter-Infektion
Literaturübersicht
2.2.4
25
H. heilmannii-Gastritis beim Menschen
Inzwischen wird eine weitere Helicobacter-Art für Gastritiden beim Menschen verantwortlich
gemacht. H. heilmannii (früher Gastrospirillium hominis) sitzt fast ausschließlich innerhalb
der Grübchen herdförmig im Antrum, im Gegensatz zu H. pylori, der die Oberfläche der
Magenschleimhaut diffus gleichmäßig besiedelt. Zahlreiche Keime wurden auch intrazellulär
in den Belegzellen beobachtet (FOX u. LEE, 1997). Die durch H. heilmannii ausgelöste
Gastritis ist im Vergleich zur H. pylori-Gastritis geringgradiger und sehr viel weniger aktiv.
Das Oberflächenepithel wird nicht beeinflußt, so daß die Schleimproduktion nicht
beeinträchtigt wird. Eine Übertragung durch Haustiere ist in diesem Fall sehr wahrscheinlich
(STOLTE et al., 1994). Eine Doppelinfektion der beiden Keime wurde nur selten gesehen, so
daß von einer Verdrängung von H. pylori durch H. heilmannii ausgegangen werden kann und
somit evtl. ein Schutz vor einer Infektion mit H. pylori besteht (STOLTE, 1994).
2.3
Gastritisklassifikation und Graduierung
Nach der Wiederentdeckung des H. pylori und der Erkenntnis, daß dieser Keim die
Hauptursache der B-Gastritis ist, wurde erstmalig eine ätiopathogenetische Klassifikation der
Gastritiden möglich, nachdem bis zu diesem Zeitpunkt weltweit unterschiedliche
Gastritiseinteilungen existierten. Es erfolgte eine Einteilung in drei Hauptgruppen (WYATT
u. DIXON, 1988; HEILMANN u. STOLTE, 1990):
A-Gastritis = Autoimmungastritis
B-Gastritis = Bakteriell-infektiöse Gastritis
C-Gastritis = Chemisch induzierte Gastritis
Sonstige Sonderformen der Gastritis
Literaturübersicht
26
Dieser Vorschlag führte zum „Sydney-System“, in dem die verschiedenen Gastritiden nach
endoskopischen und histologischen Kriterien beurteilt werden.
Die histologische Klassifikation setzt sich aus einer Kombination aus Ätiologie, Topographie
und Morphologie der Gastritis zusammen:
1. chronische Entzündung: Dichte der Infiltration der Tunica propria der Magenschleimhaut
mit Lymphozyten und Plasmazellen
2. Aktivität der Entzündung: Dichte der Infiltration der Magenschleimhaut mit neutrophilen
Granulozyten
3.
Atrophie des Drüsenkörpers
4.
intestinale Metaplasie
5.
Dichte der H. pylori- Besiedlung
Für diese Parameter wurde die Vierer-Graduierung: normal, geringgradig, mittelgradig und
hochgradig vorgeschlagen (STOLTE, 1994).
2.4
Helicobacter-Spezies bei verschiedenen Tierarten
Nach der Entdeckung von H. pylori beim Menschen 1983, wurden in den folgenden Jahren
bis heute 70 verschiedene Helicobacter-Spezies aus verschiedenen Lokalisationen bei
Säugetieren und Vögeln isoliert (Tab. 1). Sie sind unter bestimmten Bedingungen für eine
lokale entzündliche Reaktion der Magenschleimhaut und möglicherweise für die Persistenz
dieser Entzündung verantwortlich (FOX u. LEE, 1997; LECOINDRE et al., 1997).
H. pylori wurde bei Pavianen (CURRY et al., 1989), Rhesusaffen (BRONSDON u.
SCHOENKNECHT, 1988; NEWELL et al., 1988) und bei Laborkatzen (HANDT et al., 1994;
HANDT et al., 1995) isoliert. Die Bakterien sind hauptsächlich im oberflächlichen Schleim
und im Lumen der Magendrüsen, selten in den säuresezernierenden Zellen (CHEN et al.,
1986) zu finden. Bei Laborkatzen war die Anwesenheit einer großen Anzahl von H. pylori,
Literaturübersicht
27
die nicht mit der Invasion in die Zelle, oder einer Degeneration der Epithelzellen einherging
(HANDT et al., 1995), mit einer lymphofollikulären Gastritis assoziiert. Diese Gastritis wurde
charakterisiert durch Lymphozytenaggregate und eine diffuse Entzündung, hauptsächlich
verursacht durch Lymphozyten, Plasmazellen, wenige neutrophile und eosinophile
Granulozyten (HANDT et al., 1994) in der tiefen Mukosa und der Lamina propria. Die
Entzündung war hauptsächlich auf das Antrum beschränkt, wo auch die meisten Bakterien
gefunden wurden. Diese Katzen wiesen ansonsten keine anderen Helicobacter-Spezies auf.
Eine Ulkusentwicklung konnte nicht nachgewiesen werden (ESTEVES et al., 2000). Bei
H. pylori infizierten Katzen wurden die Bakterien mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion
(PCR) bei 50 % der Tiere im Speichel, bei 91 % im Magensekret, bei 42 % im Zahnstein und
bei 80 % der Katzen im Kot nachgewiesen. Dies läßt den Verdacht aufkommen, daß
Heimtiere als Reservoir für die Übertragung auf den Menschen in Frage kommen (FOX et al.,
1996a).
H. heilmannii und H. felis (zusammengefaßt als GHLO = gastric Helicobacter-likeorganisms) werden zu 60-97 % in Mägen von Hunden und Katzen nachgewiesen (NORRIS
et al., 1999; HERMANNS et al., 1995; OTTO et al., 1994; HAPPONEN et al., 1996). Die
Infektion wird mit Magenläsionen bei Laborhunden in Verbindung gebracht, dabei wurde
beobachtet, daß eine geringgradige Besiedlung unschädlich, eine große Anzahl von Keimen
jedoch, wie man sie in der Kardia und am Übergang vom Fundus zum Pylorus gesehen hat,
eine lymphoretikuläre Hyperplasie und frühzeitige Alterung der Belegzellen auslösen kann
(HENRY et al., 1987). OTTO et al. (1994) und HENRY et al. (1987) fanden GHLO in den
Belegzellen mit und ohne Veränderung der Zytostruktur. Weder eine massive Besiedlung des
Drüsenlumens, noch eine intrazelluläre Besiedlung mit H. heilmannii führte, im Gegensatz zu
H. felis, zu einem schweren Epithelschaden (LECOINDRE et al., 1997).
Die Bakterien wurden im Schleim der Magengrübchen, in den Belegzellen und im
Drüsenlumen (HERMANNS et al., 1995) nachgewiesen. OTTO et al. (1994) wiesen eine
erhöhte Anzahl von Lymphfollikeln bei Katzen mit hochgradigem Befall von GHLO nach,
dabei waren etwa 75 % der untersuchten Katzen GHLO positiv. FEINSTEIN und OLSSEN
(1992) konnten bei neun Perserkatzen, die an einer schweren Gastroenterocolitis erkrankt
waren, GHLO nachweisen und brachten sie mit histologischen Veränderungen und klinischen
Literaturübersicht
28
Symptomen in Zusammenhang. In einer anderen Studie (EATON et al., 1996) wurden
Laborhunde und in privaten Haushalten gehaltene Hunde untersucht. 100 % der Labor- und
67 % der privat gehaltenen Hunde wiesen GHLO auf. Bis auf einen zeigten alle Hunde eine
gering- bis mittelgradige Gastritis. Die Anwesenheit der GHLO war oft kombiniert mit einer
Reduktion von Schleim des Oberflächenepithels, einigen intraepithelialen Lymphozyten und
einigen
degenerierten
Drüsen.
Nur
die
Belegzellen
wurden
angegriffen.
Fokale
Akkumulationen von Lymphozyten und Lymphfollikeln waren ebenso nachweisbar, wobei
der Grad der Kolonisation mit GHLO und die Anzahl der Lymphfollikel bei Katzen
korrelierte, während bei Hunden eher kein Zusammenhang zu bestehen schien. Bei
hochgradiger Infektion mit GHLO wurden eher bei Katzen als bei Hunden Degenerationen
der
Drüsenkörper
beobachtet
(HERMANNS
et
al.,
1995).
Früher
wurden
Lymphozytenaggregate als Normalbefund in der Magenschleimhaut angesehen, heutzutage
muß man allerdings davon ausgehen, daß es sich um Zeichen einer lokalen Immunreaktion
auf die bakterielle Infektion handelt (LEE et al., 1988). Klinische Symptome, Erbrechen und
Durchfall als Zeichen der Infektion bei Haustieren können, müssen aber nicht vorhanden sein
(HERMANNS et al., 1995).
Da sowohl H. heilmannii, als auch H. felis in einem geringen Prozentsatz beim Menschen als
Gastritiserreger nachgewiesen wurden und bis heute keine natürliche Quelle als Reservoir für
diese Bakterien gefunden wurde, muß auch in diesem Fall von einem Zoonoserisiko
ausgegangen werden (FOX u. LEE, 1997), zumal LAVELLE et al. (1994) nach einer
elektronenmikroskopischen Untersuchung von einem Fall berichten, bei dem sowohl bei
einem Laborassistenten mit Gastritissymptomatik, als auch bei Katzen, mit denen er arbeitete,
GHLO der gleichen Morphologie gefunden wurden. Auch DIETERICH et al. (1998)
untersuchten das Urease-B-Gen der H. heilmannii-Stämme, die sie bei einem Katzenbesitzer
mit Gastritissymptomen und seinen zwei Katzen nachgewiesen hatten und bewiesen, daß die
Stämme in über 97 % ihrer Nukleotidsequenz übereinstimmten. H. felis bewirkt bei infizierten
Mäusen eine Gastritis und einen Anstieg der Serumantikörper (LEE et al., 1990; FOX et al.,
1993).
Nur bei mit H. mustelae infizierten Frettchen wurden sowohl Gastritis, Magenulzera, als auch
spezifische IgG-Antikörper gegen den Keim diagnostiziert (FOX et al., 1991a; FOX
Literaturübersicht
29
et al., 1988). Das Bakterium zeigt eine Affinität zum Magenepithel und -schleim und wurde,
im Gegensatz zu H. pylori, auch intrazellulär beobachtet (FOX et al., 1989; O`ROURKE
et al., 1992).
H. acinonyx wurde bei in Gefangenschaft gehaltenen Raubkatzen mit Gastritissymptomatik
im Magenschleim nachgewiesen (EATON et al., 1993a; EATON et al., 1993b). H. fennelliae
und H. cinaedi werden mit Proktitis und Kolitis in immunsupprimierten Personen in
Verbindung gebracht (FENNELL et al., 1984). H. cinaedi wurden aus dem Kot von Hunden,
Katzen und Hamstern, allerdings ohne klinische Symptome oder Läsionen (GEBHART et al.,
1989; KIEHLBAUCH et al., 1995), H. fennelliae aus dem Kot von Hunden und Makaken
isoliert (KIEHLBAUCH et al., 1995).
H. hepaticus und H. bilis fanden sich ebenso in der Leber von an Hepatitis erkrankten
Mäusen, wie im Darm von Mäusen mit inflammatory bowel disease und klinisch
unauffälligen Mäusen (FOX et al., 1994; FOX et al., 1995b). H. canis zeigt ebenso, wie
H. pullorum, H. bilis und H. hepaticus eine Resistenz gegen Gallensäure, was ihm eine
Besiedlung der Leber ermöglicht (FOX et al., 1994; FOX et al., 1995b; STANLEY et al.,
1993; STANLEY et al., 1994; FOX u. LEE, 1997). FOX et al. berichten von einem Hund mit
aktiver multifokaler Hepatitis, der mit H. canis infiziert war (FOX et al., 1996b).
H. rappini (Flexispira rappini) wurde aus dem Darm eines infizierten Menschen und eines
symptomlosen Hundes im selben Haushalt isoliert, ebenso konnte der Keim bei Mäusen
nachgewiesen werden (SCHAUER et al., 1993; ROMERO et al., 1988). H. bizzozeronii
wurde ebenfalls im Magen von Hunden nachgewiesen (HÄNNINEN et al., 1996).
H. muridarum kolonisiert ebenso den hinteren Intestinaltrakt von Ratten und Mäusen und
kann unter bestimmten Umständen eine Gastritis induzieren (LEE et al., 1992b; QUEIROZ
et al., 1992).
H. pametensis wurde bei Vögeln und Schweinen isoliert (DEWHIRST et al., 1994), eine
Erkrankung bei Vögeln oder Menschen wurde in diesem Zusammenhang nicht nachgewiesen.
H. pullorum wurde aus dem Blinddarm von symptomlosen Hühnern, aus dem Darm und der
Literaturübersicht
30
Leber von an Hepatitis erkrankten Hühnern und aus dem Stuhl von Menschen mit
Gastroenteritis isoliert (STANLEY et al., 1994; BURNENS et al., 1994).
2.5
Epidemiologie
Weltweit handelt es sich bei der Infektion mit Helicobacter sp. um die häufigste
Infektionskrankheit überhaupt. In Ländern der westlichen Welt nimmt die Durchseuchung mit
dem Lebensalter zu (LABENZ u. BÖRSCH, 1994). Die Infektion mit H. pylori wird in den
allermeisten Fällen in der frühen Kindheit erworben und persistiert dann bei Nichtbehandlung
ein Leben lang (STONE, 1999; ROWLAND, 2000). Das Infektionsrisiko des Menschen
durch H. pylori steht in umgekehrtem Verhältnis zur sozialen Stellung innerhalb der
Gesellschaft und den damit verbundenen Lebensumständen (KLEIN et al., 1991). In den
Industrieländern sind ungefähr 10 bis 50 % der Kinder infiziert, wobei auch hier sozial
ärmerere Schichten eine erhöhte Infektionsrate zeigen (ROWLAND, 2000). In den
Entwicklungsländern sind Kinder unter 10 Jahren bis zu 80 % infiziert.
Quellen und Wege der Infektion sind bis heute ungeklärt und bleiben weiterhin Ziel
verschiedener Untersuchungen. H. pylori wurde in Trinkwasser mittels PCR nachgewiesen
(SCHAUER et al., 1995). Infektionen durch kontaminiertes Wasser wurden auch schon durch
KLEIN et al. (1991) vermutet, da sich bei Untersuchungen in Peru herausstellte, daß Kinder
mit gemeinschaftlicher Wasserversorgung außerhalb des Hauses wesentlich häufiger mit
H. pylori infiziert waren, als eine vergleichbare Gruppe, die eine interne Wasserversorgung
zur Verfügung hatte. WESTBLOM et al. (1993) wiesen mit Hilfe der PCR H. pylori in
fäkalienverunreinigtem Wasser nach.
Iatrogen bedingte
Infektionen wurden
ebenfalls beschrieben.
Bei endoskopischen
Untersuchungen blieben Bakterien an den Endoskopen haften und wurden bei der
nachfolgenden Untersuchung an den nächsten Patienten übertragen (LANGENBERG et al.,
1990). Gasteroenterologen selbst hatten durch vermehrten Kontakt mit Magensaft häufiger
Antikörper gegen H. pylori als andere Mediziner (MITCHELL et al., 1989).
Literaturübersicht
31
Helicobacter-Spezies wurden zwar bisher bei verschiedenen Säugetieren isoliert, doch scheint
der Hauptbesiedlungsort für H. pylori die Magenschleimhaut des Menschen zu sein. Somit
spielt der Mensch als Erregerreservoir für die Übertragung auch eine entscheidende Rolle.
Eltern von Kindern, die mit Helicobacter-Spezies infiziert waren, wiesen deutlich höhere
Antikörperspiegel auf, als Eltern von nicht infizierten (DRUMM et al., 1990).
Fäkal-orale Infektion: BERKOWICS u. LEE (1987) fanden bei geistig behinderten
Menschen, die als gefährdet für Schmierinfektionen gelten, einen wesentlich höheren
Serumantikörperspiegel, als in einer Gruppe gleichaltriger gesunder Personen. THOMAS
et al. (1992) untersuchten 23 zufällig ausgesuchte Kinder in Gambia und konnten aus
9 Stuhlproben H. pylori isolieren und anzüchten. Übertragungen durch einen Vektor werden
ebenfalls für möglich erachtet. GRÜBEL et al. (1997) konnten H. pylori bei Fliegen sowohl
von der Oberfläche des Körpers, als auch aus dem Darmtrakt nachweisen.
Oral-orale Infektion: Sowohl im Speichel, als auch im Zahnstein von mit H. pylori
infizierten Patienten, die an Verdauungsstörungen litten, konnte H. pylori nachgewiesen
werden (FERGUSON et al., 1993; DESAI et al., 1991).
Gastrisch-orale Infektion: Es wurde beobachtet, daß in Gruppen von Mäusen und Ratten, im
Gegensatz zu Gruppen mit Hunden, in denen sowohl mit Helicobacter sp. infizierte, als auch
nicht infizierte Tiere gehalten wurden, Helicobacter sp. nur bei den Hunden auf die nicht
infizierten Tiere übertragen wurde (LEE et al., 1991). Dies wurde darauf zurückgeführt, daß
Ratten und Mäuse, im Gegensatz zu Hunden nicht erbrechen und sich so trotz des engen
Kontaktes zueinander, nicht infizieren konnten. Ebenso konnten Mäuse mit Magenschleim
infizierter Katzen, aber nicht mit deren Kot infiziert werden.
Trotz intensiver Forschung in über 10 Jahren, herrscht weiterhin Unklarheit, ob Tiere als
Reservoir für Helicobacter sp. als Infektionserreger für den Menschen in Frage kommen
können. Zahlreiche Helicobacter-Arten wurden inzwischen bei verschiedenen Tierarten
nachgewiesen (Tab. 1) und stellen somit ein Infektionsrisiko dar, zumal inzwischen auch
Infektionen beim Menschen nicht nur mit H. pylori, sondern auch mit verschiedenen anderen
Literaturübersicht
32
Helicobacter-Arten nachgewiesen wurden (LAVELLE et al., 1994; BURNENS et al., 1994;
FENNELL et al., 1984; FOX et al., 1995b; ROMERO et al., 1988).
Einige Studien beschreiben bei Berufsgruppen mit vermehrtem Kontakt zu Tieren, z. B.
Schlachtern oder auch Schäfern, erhöhte Serumantikörper gegen H. pylori (DORE et al.,
1999b; VAIRA et al., 1989). Die Isolation von H. pylori bei Laborkatzen (HANDT et al.,
1994) warf die Frage auf, ob Katzen nicht auch als ein Hauptüberträger für die Infektion in
Frage kommen, zumal bei vielen Katzenbesitzern ein enger Kontakt zu den Tieren besteht
und H. pylori bei Katzen in Speichel, Zahnstein, Magensaft und Kot nachgewiesen werden
konnte (FOX et al., 1996a). Bei einer Umfrage an 2 Gruppen von Gastritis-Patienten und
einem Vergleich der Gruppe der H. heilmannii-infizierten mit der Gruppe der H. pyloriinfizierten, stellte sich heraus, daß der Kontakt zu Hunden, Katzen, Schweinen oder Schafen
ein eindeutiges Risiko für die Infektion mit H. heilmannii darstellt (MEINING et al., 1998;
STOLTE et al., 1994). H. pylori wurde ebenfalls in Schafmilch nachgewiesen (DORE et al.,
1999a).
2.6
Diagnostik einer Helicobacter-Infektion beim Tier
Sowohl beim Menschen als auch beim Tier können nach Entnahme einer Biopsie, invasive
(Urease-Schnelltest, Elektronenmikroskopie, Kultur, PCR, Histopathologie, Immunhistologie,
Abklatschzytologie) und nicht-invasive (Serologie, Harnstoff-Atemtest und HarnstoffBluttest) Methoden durchgeführt werden.
Urease-Schnell-Test: Aufgrund der starken Ureaseproduktion, die alle gastrischen
Helicobacter sp. aufweisen, kommt es bei diesem Test, bei dem eine Gewebebiopsie in einer
Harnstoff-Nährlösung inkubiert wird, sehr rasch zu einem Farbumschlag von gelb nach rot.
Der Zusatz eines pH-Indikators bewirkt den Farbumschlag bei Anstieg des pH-Wertes, der
durch die Spaltung von Harnstoff in Ammoniak bewirkt wird (OWEN et al., 1985; NEIGER,
1998b).
Literaturübersicht
33
Histopathologie: Verschiedene Färbemethoden, wie z. B. die Warthin-Starry Silber, Giemsa
oder Toluidinblau ermöglichen das Erkennen von spirillenförmigen Bakterien in
Biopsieproben, dabei sollten mehrere Proben entnommen werden, da die Verteilung der
Bakterien in der Magenschleimhaut unregelmäßig ist (GEYER et al., 1993; HERMANNS,
et al., 1995).
Immunhistologie: Mit Hilfe von Antikörpern werden bakterielle Antigene im histologischen
Präparat nachgewiesen, dabei nutzen immunenzymatische Färbemethoden eine EnzymSubstratreaktion, um farblose Chromogene in ein gefärbtes Endprodukt umzuwandeln und
somit Antigene sichtbar werden zu lassen. Bei der Immunperoxidasemethode wird ein mit
dem Enzym Meerrettich-Peroxidase markierter Antikörper verwendet, um das Antigen zu
identifizieren. Durch Zugabe eines H2O2-haltigen Substrates und eines Chromogens wird die
immunologische Bindung lichtmikroskopisch sichtbar (BOENISCH, 1989).
Abklatschzytologie: Mit einer Bürste wird ein Abstrich der Magenschleimhaut
vorgenommen und nach Gram oder Diff-Quick gefärbt (NEIGER, 1998b). Eine Beurteilung
des Entzündungsgrades kann leider nicht stattfinden.
Bakterielle Kultur: Magenbiopsien werden auf Selektivnährböden verbracht, ausgestrichen
und unter mikroaeroben Bedingungen bei 37° C bis zu 7 Tagen inokuliert. Alle
Helicobacter sp. sind in vitro schwierig anzuzüchten (NEIGER, 1998b).
Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Bestimmte Abschnitte der Desoxyribonukleinsäure
(DNS) (meistens das Ureasegen oder das 16S rRNA-Gen) verschiedener Helicobacter sp.,
isoliert aus biopsierten Gewebestücken oder Magensaft, können mit Hilfe der PCR vermehrt
werden (HO et al., 1991), und ermöglichen so die Bestimmung einzelner Helicobacter-Arten
auch bei geringem Befall. Allerdings ergeben auch abgestorbene Keime ein positives Resultat
(NEIGER, 1998b).
13
C-Harnstoff Atem- und Bluttest: In der Humanmedizin schon lange etabliert, wurde
dieser Test jetzt auch für Hund und Katze evaluiert. Markierter Harnstoff (z. B. 13C) wird oral
eingegeben und von der bakteriellen Urease zu Ammoniak und H13CO‾3 hydrolysiert.
Literaturübersicht
Letzteres wird zu
13
Das Verhältnis von
34
CO2 umgewandelt und kann in der Ausatmungsluft aufgefangen werden.
12
CO2 zu
13
CO2 kann mittels Massenspektrographie gemessen werden.
Einzelne Helicobacter sp. können dabei nicht unterschieden werden, allerdings kann der Test
verwendet werden, um einen Therapieerfolg festzustellen (CORNETTA et al., 1998;
NEIGER, 1998a). Beim
13
oraler Einnahme kann
13
C-Serumtest werden ebenfalls stabile Isotope verwendet. Nach
C-markierter Harnstoff zur
13
C-Serum-Bicarbonat-Bestimmung
genutzt werden (MOULTON-BARRETT et al., 1993).
Serologie: Beim Menschen werden spezifische Antikörper, die gegen H. pylori gebildet
werden, zur Bestimmung der Prävalenz und zur Identifikation von Risikofaktoren durch einen
Enzyme-linked immunosorbent assay (ELISA) genutzt (NEIGER, 1998b). Auch Tiere bilden
sowohl bei natürlicher, als auch experimenteller Infektion Antikörper gegen Helicobacter sp.
(LEE et al., 1992a; FOX et al., 1995b; FOX et al., 1996b), die mit den Antigenepitopen
reagieren. Allerdings weisen Studien darauf hin, daß es aufgrund von Kreuzreaktionen nicht
möglich ist, mit Hilfe des Tests zwischen den verschiedenen Helicobacter-Arten zu
unterscheiden (SEIDEL u. BAUER, 1999).
2.7
Therapiemöglichkeiten
Das National Institute of Health hat für die Behandlung von Menschen festlegt, daß nur
Patienten mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, die außerdem mit H. pylori infiziert
sind, mit antibakteriell wirksamen Medikamenten behandelt werden sollten. Da die
vollständige Eradikation von H. pylori beim Menschen u. U. schwierig sein kann, wurden
über Jahre verschiedene Therapiekombinationen erforscht. Dabei wurde kein Medikament
gefunden, das eine ausreichende Wirkung hätte erzielen können.
So wurde eine Kombinationstherapie entwickelt, die aus einer antisekretorisch wirkenden
Substanz (z. B. ein Histamin-H2-Antagonist oder ein Protonen-Pumpen-Inhibitor) und einem
oder mehreren Antibiotika besteht. Die Wismuth-Triple-Therapie, über Jahre als „GoldStandard“ gepriesen, zeigte nicht immer die erhofften Wirkungen und war mit unerwünschten
Nebenwirkungen behaftet. Die Dual-Therapie, die einen Protonenpumpeninhibitor (PPI) und
Literaturübersicht
35
ein Antibiotikum aufweist, erzielte unsichere Resultate und Eradikationsraten von weniger als
60 %. Heutzutage wird bei Mensch und Tier ein PPI mit zwei Antibiotika kombiniert, wie
z. B. Metronidazol, Clarithromycin und Amoxycillin. Diese Therapie zeigt eine
Eradikationsrate bis zu 100 % (BAZZOLI, 1999).
Ob eine antimikrobielle Therapie bei Helicobacter-infizierten Haustieren mit Gastritis
durchgeführt werden soll, ist zur Zeit noch unklar, da Helicobacter sp. im Magen von Hunden
und Katzen zwar sehr häufig vorkommen, über deren Pathogenität aber noch Unklarheit
herrscht (SIMPSON u. BURROWS, 1997; BAZZOLI, 1999).
2.8
Tiermodelle für die H. pylori-Infektion
Um die pathogenen Wechselwirkungen zwischen Wirt und Agens bei Magenerkrankungen
besser zu verstehen, wurden verschiedene Tiermodelle mit verschiedenen Spezies, wie z. B.
gnotobiotisch aufgewachsenen Ferkeln, keimfrei gehaltenen Hunden, Ratten, Gerbils und
Mäusen beschrieben (HONDA et al., 1998; KRAKOWKA et al., 1987; RADIN et al., 1990;
FOX u. LEE, 1997). Die Gastritis, die von H. pylori in den meisten dieser Modelle induziert
wurde, zeigte sehr häufig eine lymphozytäre Entzündung, wie sie auch bei Kindern, aber nicht
bei Erwachsenen, bei denen sich häufig nach langer Krankheitsgeschichte eine chronisch
aktive Gastritis mit Invasion von neutrophilen Granulozyten entwickelt, beobachtet wurde
(LEE, 1998).
Der mongolische Gerbil stellt ein vielsagendes Modell für eine experimentelle Infektion mit
H. pylori dar. Nach einer Infektion mit H. pylori wird bei Gerbils eine polymorphkernige
Gastritis induziert, die sich zu einem gastrischen Ulkus, mit präneoplastischen Läsionen und
u. U. Magenadenokarzinom entwickeln kann (HONDA et al., 1998).
Das H. pylori Maus-Modell, wurde sowohl für Vaccine-, als auch für Pathogenesestudien
genutzt (LEE et al., 1997). Für die Erforschung der verschiedenen Mechanismen, die für die
Literaturübersicht
36
Entwicklung von Magenerkrankungen in Frage kommen und für mögliche Formen neuer
Therapieansätze konnten diese Tiermodelle erfolgreich eingesetzt werden.
Letztendlich sind die Wechselwirkungen zwischen Wirtsimmunität, Virulenzfaktoren und die
daraus resultierende Krankheitsentstehung schwierig einzuschätzen, da keines der Modelle
eine Erkrankung bei Tieren nach natürlicher Infektion darstellt (ESTEVES et al., 2000).
Eine natürliche Infektion wurde bis jetzt nur bei domestizierten Katzen und Makaken
festgestellt (DUBOIS, 1998). Bei einer Studie über die Auswirkungen einer H. pyloriInfektion bei Katzen, die über einen längeren Zeitraum andauerte, wurde festgestellt, daß die
Verteilung der Läsionen bei Mensch und Katzen sehr ähnlich sind, mit schwerwiegenderen
Veränderungen im Magenantrum und leichteren in Kardia und Korpus (FOX et al., 1995a;
ESTEVES et al., 2000).
Bei Mensch und Katze war auffällig, daß trotz der Ähnlichkeiten beim Grad der Kolonisation
von H. pylori in verschiedenen Bereichen des Magens, die Intensität der Entzündung im
Antrum wesentlich stärker war als in anderen Bereichen. Unterschiede zeigten sich im
Bereich der Kardia, wo beim Menschen der Entzündungsgrad dem des Antrums ähnelte,
während sich bei der Katze, wie auch bei Kindern, die Läsionen im Antrum wesentlich
schwerwiegender als in der Kardia darstellten. Bei der Katze stellt man vornehmlich eine
mononukleäre Einwanderung ohne Ulkusbildung fest, bei Erwachsenen beobachtet man eher
eine neutrophile Reaktion mit Beteiligung von Lymphozyten. Auch bei Katzen konnte, wie
beim Menschen bei chronischer Infektion, eine deutliche Mukusatrophie und eine Dysplasie
des Antrums nachgewiesen werden. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zum Menschen stellen diese
Befunde, kombiniert mit Zellproliferation und Apoptosis in Bereichen mit schwerer
chronischer Gastritis bei länger infizierten Katzen, ein passendes Modell für die Entwicklung
von Magenkrebs dar (ESTEVES et al., 2000).
Eigene Untersuchungen
3
Eigene Untersuchungen
3.1
Material und Methode
3.1.1
Untersuchungsmaterial
37
In der Zeit von Januar 1998 bis Juni 1999 kamen 100 (Tab. 3) frisch verstorbene und
euthanasierte Katzen zur Untersuchung, die von verschiedenen Tierärzten aus dem Raum
Göttingen zur Verfügung gestellt wurden. Die Katzen wurden höchstens 4 Stunden nach
Eintritt des Todes seziert, dabei wurde der Magen entnommen und unter sterilen Bedingungen
aus 3 verschiedenen Lokalisationen (1, 2 und 3, Abb. 2) Magenschleimhautproben von
durchschnittlich 0,3-0,5 mm² gewonnen.
Abb. 2: Darstellung des eröffneten Magens mit Biopsieentnahmestellen (nach LEE et al., 1992a)
Eigene Untersuchungen
38
Für die molekularbiologische Untersuchung wurden die Proben vorübergehend bei –80 °C in
Eppendorftubes gelagert. In 2,5%igem Glutaraldehyd und 4%igem Formaldehyd (s. Anhang)
wurden die Proben für die elektronenmikroskopische und histologische Untersuchung fixiert
und bei 4 °C aufbewahrt.
Tab. 3: Rasse, Alter, Geschlecht, Todesursache und Erkrankung der biopsierten Katzen
Nr.
Rasse
Alter
Geschlecht Todesurs.
Erkrankung
1
EKH
7 J.
männl.
Euthanasie
Lebertumor
2
EKH
5 J.
männl.
Euthanasie
Inappetenz, Kachexie
3
EKH
9 Mon.
weibl.
Euthanasie
Nierenversagen
4
Brit. Kurzh.
3 J.
weibl.
Euthanasie
FIP
5
EKH
5 J.
weibl.
Euthanasie
Nierenversagen
6
EKH
6 Mon.
weibl.
Euthanasie
FIP, FIV
7
EKH
12 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
8
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Unfall, WS-Fraktur
9
EKH
8 Woch.
weibl.
Unfall
Leberblutung
10
EKH
1 J.
männl.
Euthanasie
Lebertumor
11
Perser
adult
männl.
Euthanasie
Leber-, Gekrösetumor
12
EKH
> 10 J.
weibl.
Euthanasie
Kiefersperre
13
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Leukose
14
EKH
13 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
15
EKH
15 J.
männl.
Euthanasie
chron. Durchfall
16
EKH
6 Mon.
weibl.
Unfall
Blutungen
17
EKH
>10 J.
weibl.
Euthanasie
Ascites, Leberdegeneration
18
EKH
> 10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
19
EKH
> 10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
20
EKH
> 10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
21
EKH
> 10 J.
männl.
Euthanasie
FIP
22
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Mammatumor
23
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Darmtumor
24
EKH
adult
weibl.
Unfall
Blutungen, Fraktur
25
EKH
> 10 J.
männl.
Euthanasie
FIP
26
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Blutungen
27
EKH
adult
weibl.
Unfall
Blutungen
28
EKH
9 Mon.
männl.
Euthanasie
FIP
29
Perser
adult
weibl.
Euthanasie
FIP
30
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Anorexie,
Leberdegeneration
Eigene Untersuchungen
31
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Ballengeschwüre
32
EKH
> 10 J.
männl.
Euthanasie
Lungentumor
33
EKH
> 10 J.
weibl.
Euthanasie
offene Fraktur
34
EKH
adult
männl.
Euthanasie
WS-Fraktur
35
EKH
adult
männl.
Kardiomyo-
Kardiomyopathie,
pathie
Lungenödem
36
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Hautveränderungen
37
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
38
EKH
adult
weibl.
Pleuralerguß
Pleuralerguß
39
EKH
14 J.
männl.
Schock
FIP
40
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Leberentzündung
41
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Aggression
42
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
LeberLungenveränderungen
43
Perser
adult
weibl.
Euthanasie
multiple Tumoren
44
EKH
>10 J.
weibl.
Euthanasie
Leber-, Nierenversagen
45
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
46
EKH
adult
weibl.
Schock
Kippfenstersyndrom
47
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Pankreasinsuffizienz
48
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Mammatumor mit
Metastasen
49
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Kardiomyopathie
50
EKH
23 J.
weibl.
Euthanasie
Pleural-, Abdominalerguß
51
EKH
>10 J.
weibl.
Euthanasie
Mammatumor
52
EKH
adult
weibl.
Unfall
Schädelbruch
53
EKH
10 Wo
weibl.
Septikämie
Abszeß, Septikämie
54
EKH
adult
männl.
Euthanasie
FLUTD
55
EKH
>10 J.
weibl.
Euthanasie
Leberdegeneration
56
EKH
>10 J.
männl.
Schock
FIP
57
EKH
4 J.
weibl.
Euthanasie
Epilepsie
58
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
59
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Unfall, Nierenquetschung
60
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
61
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Mammatumor mit
Metastasen
62
EKH
adult
männl.
Euthanasie
FIV
63
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Lymphosarkom
64
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Nierenversagen
65
EKH
adult
männl.
Euthanasie
FIV
66
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Harnröhrenobstruktion
39
Eigene Untersuchungen
67
EKH
1,5 J.
männl.
Herzversagen
in Narkose verstorben
68
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Septikämie
69
EKH
>10 J.
weibl.
Euthanasie
Nierenversagen, Tumor
70
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Nierenversagen
71
EKH
adult
männl.
Euthanasie
FIP
72
EKH
adult
männl.
Euthanasie
FIP
73
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Unfall
74
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Unfall
75
EKH
>10 J.
männl.
Nierenversagen
Tumor, Nierenversagen
76
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
FIP
77
Perser
>10 J.
männl.
Euthanasie
Lebertumor,
Nierenversagen
78
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Epilepsie
79
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
ZNS-Störung
80
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Tetanus
81
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Leukose
82
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
FIP
83
EKH
5 J.
weibl.
Schock
Schock
84
EKH
adult
weibl.
Erguß
Pleural-, Pericarderguß
85
Perser
adult
weibl.
Euthanasie
Nierenversagen
86
EKH
adult
weibl.
Unfall
multiple Frakturen
87
Siam
8 J.
männl.
Euthanasie
Chylothorax
88
EKH
6 Wo.
männl.
Euthanasie
Mißbildung
89
EKH
6 Wo.
weibl.
Euthanasie
ZNS-Störung
90
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Räude
91
EKH
adult
männl.
Euthanasie
Chronische Rhinitis
92
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Leberdegeneration
93
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
Nierenversagen
94
EKH
7 Wo.
männl.
Euthanasie
Rhinitis, Parasitose
95
Maine Coon
15 J.
weibl.
Euthanasie
Leberdegeneration
96
EKH
>10 J.
männl.
Euthanasie
Lungentumor
97
EKH
>10 J.
weibl.
Euthanasie
Leberdegeneration,
Nierenversagen
98
EKH
adult
männl.
Euthanasie
FIP
99
EKH
adult
weibl.
Euthanasie
FIV
100
EKH
>10 J.
männl.
Unfall
Blutungen
40
Eigene Untersuchungen
3.1.2
41
Bakteriologisch-kulturelle Untersuchung auf H. pylori
Für die kulturell-bakteriologische Untersuchung wurde die Schleimhautoberfläche der Proben
mit einem sterilen Skalpell in etwa 0,05-0,1 mm großen Abständen in alle Richtungen
eingeschnitten. Dann wurde die neu geschaffene Oberfläche auf H. pylori-Selektivnährböden
nach WARRELMANN und HAHN (1987) (Fa. Oxoid, Wesel) aufgetragen und
Verdünnungsausstriche angeschlossen. Diese Platten wurden für 5-7 Tage bei 37° C in
Anaerobiertöpfen (Fa. Oxoid, Wesel) bei einer mikroaeroben Atmosphäre, die durch Zugabe
von entsprechenden Begasungsbeuteln (Campygen Beutel, Fa. Oxoid, Wesel) erzeugt wurde,
bebrütet (Brutschrank Fa. Ehret, Emmendingen). Bei der Auswertung wurden H. pylori
verdächtige Kolonien mikroskopisch und biochemisch untersucht. Nativpräparate der
Bakterien wurden mit Hilfe eines Phasenkontrastmikroskopes bei 1000-facher Vergrößerung
auf Beweglichkeit und Erscheinungsform überprüft. Für in der Gramfärbung als negativ
beurteilte, bewegliche und gebogene, spiralige oder gewundene Stäbchen erfolgte eine
weiterführende biochemische Differenzierung.
Die Ureasereaktion von H. pylori galt als positiv, wenn das suspendierte Koloniematerial in
einem Reagenzröhrchen mit 1 ml Urease-Reagenz (Fa. Oxoid, Wesel) innerhalb von
60 Minuten zu einem Farbumschlag von gelb nach violett führte (CHRISTENSEN, 1946;
MASLEN, 1952; OWEN et al., 1985).
Die Katalasereaktion von H. pylori wurde als positiv bewertet, wenn das eingeriebene
Koloniematerial in 3%iger Wasserstoffperoxidlösung (Oxysept 1, Fa. Pharm-Allergan,
Ettlingen) innerhalb von wenigen Sekunden Bläschen bildete.
Zur Beurteilung der Oxidasereaktivität wurde Oxidasereagenz (Fa. Merck, Darmstadt) auf ein
mit der Bakterienkolonie verriebenes Filterpapier getropft. Bei einer Verfärbung nach
dunkelblau-violett innerhalb von 10 Sekunden galt die Reaktion als positiv.
Auf die kulturelle Anzüchtung von H. felis und H. heilmannii wurde verzichtet, da eine
Anzüchtung aus Gewebe nicht immer möglich ist und die Kultivierung aufgrund der
Empfindlichkeit der Keime als sehr schwierig gilt (HANDT et al., 1994).
Eigene Untersuchungen
3.1.3
42
Molekularbiologische Untersuchung auf H. pylori, H. felis und H. heilmannii
Um die molekularbiologischen Untersuchungen durchführen zu können, wurde zunächst die
gesamte genomische DNA aus den Magenschleimhautproben isoliert und gereinigt.
Anschließend wurde eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durchgeführt, um darin
enthaltene Helicobacter-DNA nachzuweisen. Dabei wurde ein jeweils für H. pylori,
H.
heilmannii
und
H.
felis
spezifisches
DNA-Fragment
amplifiziert.
Nach
gelelektrophoretischer Auftrennung des Reaktionsgemisches ist das amplifizierte, spezifische
Fragment als Bande zu erkennen.
Außerdem wurde zum
Nachweises
eine
Nachweis von H. pylori
Polyacrylamidgelelektrophorese
aufgrund der höheren Spezifität des
mit
anschließender
Silberfärbung
durchgeführt. Bei jeder Reaktion wurden Positiv- und Negativkontrollen mitgeführt.
3.1.3.1 Isolierung genomischer DNA aus Gewebeproben
Die Isolierung und Reinigung der Magenschleimhautproben erfolgte mit dem DNeasy™
Tissue Kit (Fa. Qiagen, Hilden). Durch dieses Verfahren kann in einem Schritt das
Schleimhautgewebe gelöst, die DNA isoliert und von Verunreinigungen befreit werden. Die
Proben werden dabei lysiert und dann in einen Filter mit Membran überführt, an den die DNA
bindet, die restlichen Schritte werden an einem Filter durchgeführt, in dem die Puffer filtriert
und dann jeweils mit dem Auffanggefäß verworfen werden.
Die in Eppendorfreaktionsgefäßen eingefrorenen Magenschleimhautproben wurden angetaut,
mit 180 µl ATL-Puffer und 20 µl Proteinase K versetzt und dann über Nacht im Wasserbad
(Fa. Köttermann, Schütt, Göttingen) bei 55° C inkubiert, um das Gewebe zu lösen. Nach der
Inkubationszeit wurden dem Gemisch 200 µl AL-Puffer und 210 µl Äthanol zugesetzt, das
Ganze wurde kurz geschüttelt und dann zentrifugiert. Die Lösung wurde in eine spezielle
Filtersäule mit Auffanggefäß umgefüllt und dann bei 600 Umdrehungen 2 min. zentrifugiert.
Der flüssigkeitsgefüllte Auffangbehälter wurde verworfen (DNA befindet sich im Filter) und
durch einen neuen ersetzt. Es folgten zwei weitere Zugaben von Puffer (AW-Puffer 1 und 2)
mit jeweiliger Zentrifugation und Verwerfen der Auffangbehälter und ein Durchgang ohne
Eigene Untersuchungen
43
Zugabe von Reagenzien, um die restliche Flüssigkeit aus dem Filter zu entfernen. Zuletzt
wurden 100 µl auf 65° C erhitzter AE-Puffer zugegeben und noch einmal 2 min. bei
600 Umdrehungen zentrifugiert, nachdem der Filter mit der DNA auf ebenfalls erhitzte
Eppendorfgefäße gesetzt wurde. Durch den letzten Vorgang wird die DNA aus dem Filter
herausgelöst und gelangt in das Eppendorfgefäß.
3.1.3.2 Polymerase-Kettenreaktion (PCR)
Um Amplifikationen unerwünschter DNA-Abschnitte zu vermeiden, wurden sehr spezifische
Primerpaare ausgesucht (Tab. 4), diese sollten möglichst nur an die entsprechende
Bakterienart binden, am 5´ Ende mit Guanin/Cytosinbasen beginnen und insgesamt kein zu
großes Molekulargewicht aufweisen. Diese Anforderungen erfüllten die Primerpaare für
H. heilmannii von NEIGER et al. (1998), für H. pylori und H. felis wurden geeignete
Primerpaare (Fa. MWG Biotech, Ebersberg) mit dem Computerprogramm primer v 1.0
ermittelt (Richard Resnick, Ashland, MA, 1996).
Tab. 4: Urease B Basensequenz der verwendeten Primerpaare
Spezies
Sequenz
H. heilmannii
F, 5`-CTA GCC AAA CAA CGC AAA G-3`
Amplifikatlänge (bp)
580
R, 5`-CTT TTT TGG TGA TGT TGC G-3`
H. pylori
F, 5`-GCG AGA CGT GGT AAA AAG AC-3´
1024
R, 5`-CTG TAG GGA TTT GTT GGG G-3`
H. felis
F, 5`-CCC TCA GCC CGT CTA TTA C-3`
R, 5`-CAA CGC GGT ATA AAA CAC G-3`
416
Eigene Untersuchungen
44
Ein Standardansatz enthielt in 160 µl Gesamtvolumen je 1000 pmol Primer (100 pmol/µl),
10 µl Puffer (s. Anhang) und 130 µl Aqua ad injectabulum. 32 µl dieser Lösung wurden zu
einem PCR-Bead gegeben (s. Anhang) und 8 µl von dieser Lösung mit 5 µl der gereinigten
DNA-Lösung vermischt. 2 Tropfen Öl überschichteten das Ganze. Im Thermocycler (Omnie
Gene, Fa. Hybaid Limited, Großbritannien) erfolgte die Amplifikation (Tab. 5):
Tab. 5: Temperaturen und Zyklenanzahl für die Amplifikation
H. heilmannii
H. felis
H. pylori
94° C 3 min
95° C 10 min
95° C 10 min
57° C 2 min
D
72° C 3 min
94° C 30 sek
95° C 30 sek
95° C 30 sek
57° C 30 sek
31 Zyklen 55° C 30 sek
72° C 1 min
72° C 30 sek
72° C 30 sek
72° C 5 min
72° C 10 min
72° C 10 min
40 Zyklen
60° C 30 sek
D
40 Zyklen
A
P
D: Denaturierung A: Annealing P: Polymerisation
3.1.3.3 Agarosegelelektrophorese
Es wurden 2%ige Agarosegele zur gelelektrophoretischen Auftrennung verwendet. 1 g GibcoAgarose
(Fa.
Gibco
BRL
Life
technologies,
Schottland)
wurden
mit
49
ml
0,5 x TBE-Laufpuffer vermischt und unter Aufkochen gelöst. Nach Abkühlen auf 50-60° C
wurden 5 µl einer Dimidiumbromid-Lösung (12 mg/ml) (Fa. Merck, Darmstadt) darunter
gemischt. Diese Lösung wurde daraufhin in eine entsprechende Gelform gegossen, mit einem
passenden Kamm zur Entstehung der gewünschten Taschen versehen und eine halbe Stunde
bei Zimmertemperatur stehen gelassen. Nach Erstarren des Geles wurde der Kamm entfernt
und das Gel in einer Elektrophoresekammer (Fa. MWG Biotech, Ebersberg) mit 0,5 x TBEPuffer bedeckt. Jeweils 20 µl der DNA-Lösung wurden mit dem Auftragpuffer Orange-G
Eigene Untersuchungen
45
versetzt und in die Vertiefung des Gels gegeben. Als Längenmarker eignete sich eine 1KbLeiter (1 Kb DNA ladder, 1000 µg, Fa.Gibco, BRL). Bei einer Spannung von 120 Volt
(Power Supply für Elektrophorese EPS 3500, Fa. Pharmacia Biotech, Freiburg) und 30 min.
Dauer erfolgte die Elektrophorese.
Nach gelelektrophoretischer Auftrennung des Reaktionsgemisches konnte das gewünschte
DNA-Fragment mit Hilfe des fluoreszierenden, in die DNA eingelagerten Dimidiumbromids
bei 312 nm oder 366 nm auf einem UV-Transilluminator (Fa. Bachofer Laboratoriumsgeräte,
Reutlingen) als Bande sichtbar gemacht werden. Zur Dokumentation wurden die Gele mit
einer CCD-Kamera (Fa. Stratagene, Heidelberg) aufgenommen und die Bilder über einen
Videoprinter ausgedruckt.
0,5 TBE-Laufpuffer:
6,05 g Tris
2,57 g
Borsäure
0,186 g
EDTA
ad 1000 ml H2O bidest
Orange G Laufpuffer:
0,5 % Orange G (Fa. Sigma, USA)
15,0 %
Ficoll 400 (Fa. Merck, Darmstadt)
84,5 % H2O
3.1.3.4 Hochauflösende Gelelektrophorese zum Nachweis von H. pylori
Um die negativen Ergebnisse des H. pylori-Durchgangs zu bestätigen, wurde zusätzlich zu
den
herkömmlichen
Agarosegelen
noch
stichprobenartig
für
40
Proben
eine
Polyacrylamidgelelektrophorese mit anschließender Silberfärbung, die bis zu 5-fach
empfindlicher als die Dimidiumbromidfärbung reagiert, durchgeführt. Dabei wurde der
gleiche Versuchsansatz für die PCR gewählt.
Eigene Untersuchungen
46
Zwei Glasscheiben (41x33 und 39x33 cm) wurden sorgfältig gereinigt, getrocknet und, durch
zwei 0,4 mm dicke Spacer getrennt, aufeinandergelegt. Ein Klebeband dichtete die beiden
Glasplatten am Ende ab. Die Gellösung wurde zwischen die beiden Platten gegossen und ein
Sägezahn-Kamm dazwischen geschoben. Nach zwei Stunden war das Gel auspolymerisiert.
5 µl der Proben wurden nach der PCR mit 5 µl Stop Solutio und 5 µl SDS EDTA versehen,
für 10 min. auf 95° C erhitzt, auf Eis gestellt und dann in die vorgefertigten Taschen des Gels
gegossen, nachdem der Kamm entfernt und das Gel mit den Glasscheiben in der
entsprechenden Elektrophoresekammer justiert worden war.
Nach Auffüllung der Kammer mit 1 x TBE-Laufpuffer und Anschluß an die Elektroden
erfolgte die Elektrophorese bei 120 Volt. Nach 4,5 Stunden wurde der Vorgang mindestens
eine halbe Stunde in 7%igem Eisessig gestoppt. Es folgte 3maliges Waschen in Wasser, ein
30minütiges Bad in einer Silbernitrat/Formaldehydlösung, 1maliges Waschen in Wasser und
dann Gelentwicklung auf Eis. Bei Erscheinen der Banden erfolgte wieder ein Stop mit
7%igem Eisessig. Das Gel konnte dann, in Alkohollösung fixiert und in Folie eingelegt,
archiviert werden.
Gellösung:
APS 10%:
SDS-EDTA :
TBE 10x
625 µl
H2O
3,5
ml
Acrylamidlösung
2,1
ml
Tetramethylethylenediamine
8,3
µl
APS 10%
31,5 µl
Ammoniumperoxodisulfat
0,5 g
Aqua dest
5,0
ml
SDS 20%
5,0
µl
EDTA 0,2 M, pH 8,0
5,0
µl
Aqua dest.
945 µl
Eigene Untersuchungen
Stop Solutio:
Bromphenol Blue
10
EDTA 0,2 M, pH 8,0
250 µl
Formamid
5,0
Silbernitrat/Formaldehydlösung:
47
µg
ml
200 ml Silbernitratlösung
400 µl 37% Formaldehydlösung
Gelentwicklung:
200 ml Natriumcarbonat
400 µl 37% Formaldehyd
31,2µl Moderatorlösung
Moderatorlösung:
10 mg Natriumthiosulfat
ad 1,0 ml H2O
Bei jeder PCR wurden, soweit möglich, zusätzlich zu den Proben Positiv- und
Negativkontrollen mitgeführt. Für H. pylori wurde als Kontrollstamm und Positivkontrolle
ein vom staatlichen Medizinaluntersuchungsamt Göttingen zur Verfügung gestellter Stamm
verwendet, der aus einem Magenbioptat eines Menschen isoliert worden war. Nach
Anzüchtung wurden die Bakterienkolonien, ebenso wie die von H. felis, jeweils mit
physiologischer Kochsalzlösung von den Agarplatten abgeschwemmt und dann mit dem
Gewebekit (Fa. Qiagen, Hilden) (s. 3.1.3.1) gereinigt und isoliert. Für H. felis wurden
freundlicherweise von Frau Dr. Seidel vom Lehrstuhl für Tierhygiene, Technische Universität
München, Spezialagarplatten mit angezüchteten Kolonien, die originär von Adrian Lee und
Jani O`Rourke stammen, zur Verfügung gestellt.
Da H. heilmannii bis jetzt erst einmal (ANDERSEN et al., 1999) auf Nährböden angezüchtet
wurde, existierte auch keine genomische DNA, die für Positivkontrollen hätte eingesetzt
werden können. Deshalb wurden verdächtige Signale, die nach der Untersuchung von
Probenmaterial entstanden waren, sequenziert, d. h., die gefundene DNA-Sequenz wurde mit
der Sequenz der H. heilmannii-DNA verglichen. Dafür wurden die Banden des Gels bei
Eigene Untersuchungen
48
580 bp unter UV-Licht sichtbar gemacht und mit einem Skalpell herausgeschnitten. Mit
einem spezifischen Gelkit (Qiaex, Fa. Qiagen, Hilden) wurde die DNA dann aus dem Gel
isoliert und gereinigt.
Qiaex:
1. herausgestanztes Gelstück mit dreifacher Volumeneinheit QX 1 und 10 µl QX 2
mischen, 10 min. bei 50° C inkubieren und gelegentlich schütteln
2. 30 sec. zentrifugieren, Überstand abgießen
3. mit 500 µl QX 1 mischen, schütteln, 2-3 min. bei 50° C inkubieren
4. zentrifugieren, Überstand abgießen
5. mit 500 µl PE 1 mischen, schütteln,
6. zentrifugieren, Überstand abgießen
7. Schritt 5. und 6. wiederholen
8. 10 min. trocknen
9. 20 µl TE zugeben
10. 5 min. bei 50° C inkubieren
11. zentrifugieren
TE:
10 mM Tris-HCl (pH 7,5)
1,0 mM EDTA
(pH 8,0)
Im Überstand befindet sich die DNA. Ebenso wurden für die positiven Befunde von H. pylori
und H. felis zur Kontrolle Sequenzierungen durchgeführt.
3.1.4
Histologische Untersuchungen
3.1.4.1 Anfertigung von Gewebeschnitten für die Histologie und Immunhistologie
Für die morphologische Untersuchung wurden die Gewebeproben sofort nach Zuschnitt bis
zur Präparation in 4%iger gepufferter Formaldehydlösung (s. Anhang) fixiert. Vor der
Eigene Untersuchungen
49
Einbettung wurde das Gewebe makroskopisch beurteilt und geeignet zugeschnitten. Die
Entwässerung und Einbettung der Präparate in Paraplast erfolgte mit Hilfe eines
Gewebeeinbettungsautomaten (Hypercenter XP, Fa. Shandon, Frankfurt). Dabei erfolgte
zunächst eine ca. zweistündige Wässerung der Proben mit entmineralisiertem Wasser bei
Raumtemperatur. Danach wurden die Proben jeweils eine Stunde zunächst bei aufsteigenden
Äthanolkonzentrationen (50%ig, 70%ig, 80%ig, 96%ig, 96%ig) und anschließend zweimal in
Isopropanol bei 36° C entwässert. Als Zwischenmedium zur Paraplasteinbettung diente
Chloroform, in dem die Proben zweimal für je eine Stunde bei Zimmertemperatur unter
Vakuum lagen, bevor das Material zweimal für je zwei Stunden bei 60° C im Vakuum in
Paraplast überführt wurde. Die Schnittherstellung erfolgte mit einem Schlittenmikrotom
(Schlittenmikrotom HM 400R, Fa. Microm, Walldorf, FRG). Dabei wurden die ca. 4 µm
dicken Paraplastschnitte in einem 42° C warmen Wasserbad gestreckt und auf Objektträger
aufgezogen. Die Präparate zur lichtmikroskopischen Beurteilung wurden mit Hämalaun-Eosin
(s. Anhang) in einem Färbeautomaten (Varistain, Fa. Shandon, Frankfurt, FRG) gefärbt.
Unmittelbar nach der Herstellung wurden alle Paraplastschnitte über Nacht bei 37° C in
einem Wärmeschrank getrocknet.
3.1.4.2 Immunhistologische Reaktionen
Zur Darstellung des eingesetzten Antikörpers wurde die Streptavidin-Biotin-KomplexMethode (SABC) angewendet. Um unspezifische Bindungen zwischen Sekundärantikörper
und Gewebeantigenen zu unterdrücken, erfolgte zunächst eine Inkubation der Gewebeproben
mit Normalserum derjenigen Spezies, von der der Sekundärantikörper stammt. Hierzu wurde
das Normalserum unmittelbar vor Gebrauch im Verhältnis 1:5 mit phosphatgepufferter
Kochsalzlösung
(PBS)
unter
Zusatz
von
bovinem
Serumalbumin
verdünnt.
Als
Primärantikörper wurde ein Antikörper gegen H. pylori (NCL-H-Pylori, Fa. Novocastra) in
einer Verdünnung von 1:250 verwendet, der sowohl mit H. pylori wie auch mit H. felis und
H. heilmannii reagiert. Der Nachweis antigener Strukturen erfolgte mit Hilfe des zweistufigen
Detektionssystems
StreptAB-Komplex/HRP-Duett-Kit
Diagnostika, Hamburg).
(Kat.-Nr.
K
492,
Fa.
Dako
Eigene Untersuchungen
50
Als Sekundärantikörper enthält dieser Kit einen biotinylierten Ziegenantikörper, der sowohl
mit Maus- wie auch mit Kaninchenimmunglobulinen reagiert. Nach Inkubation mit diesem
Sekundärantikörper wird anschließend biotinylierte Meerrettichperoxidase und Streptavidin
hinzugefügt, die beide frisch nach Anweisung des Herstellers angesetzt wurden. Als
Chromogen dient Diaminobenzidin (DAB), das eine braune Farbreaktion hervorruft.
Bei der immunhistochemischen Reaktion wurden Kontrollschnitte mitgeführt, mit denen das
Auftreten unspezifischer Bindungen ausgeschlossen werden kann. Zur Herstellung der
Negativkontrollen wurde anstelle das Primärantikörpers PBS verwendet, um unspezifische
Bindungen des Sekundärantikörpers auszuschließen. Als Positivkontrolle für den Nachweis
des Helicobacter-Antigens wurden Magenschnitte von nachweislich Helicobacter-positiven
Tieren mitgeführt.
Die Durchführung der Streptavidin-Biotin-Komplex-Methode erfolgte nach folgendem
Muster:
1.
Aufziehen der Gewebeschnitte auf beschichtete Adhäsionsobjekträger.
2.
Entparaffinieren der Schnitte für je 10 min. in Xylol-1 und Xylol-2.
3.
Rehydrieren für je 4 min. in absteigender Alkoholreihe bis in Aqua dest.
4.
Inkubation für 5 min. in Citratpuffer-Gebrauchslösung (s. Anhang); 250 ml weiterer
Citratpuffer werden in der Mikrowelle zum Kochen gebracht. Schnitte darin 2 x 5 min.
kochen; nach den ersten 5 min. wird der Flüssigkeitsverlust mit heißem Citratpuffer
ersetzt. Abkühlen der Schnitte in Citratpuffer bei Raumtemperatur für ca. 20 min.
5.
Inaktivierung der endogenen Peroxidase mit 1,5%iger Wasserstoffperoxidlösung
(190 ml Aqua bidest. + 10 ml H2O2); Inkubation der Schnitte bei Raumtemperatur für 30
min.
6.
2x Spülen der Schnitte in TRIS-Puffer + 2 % Milchpulver; Schnitte vorsichtig trocken
tupfen und mit PAP-Pen umranden.
7.
Inkubation der Schnitte in der feuchten Kammer bei Raumtempartur mit 1:5 durch PBS
verdünntem Ziegenserum für 20 min.
8.
Normalserum
dekantieren
und
Auftragen
des
Primärantikörpers
in
Gebrauchsverdünnung; Inkubation der Schnitte über Nacht in der feuchten Kammer.
der
Eigene Untersuchungen
9.
51
Spülen der Schnitte 2 x 5 min. in TRIS-Puffer + 2 % Milchpulver.
10. Auftragen des biotinylierten Sekundärantikörpers in der Gebrauchsverdünnung; Schnitte
für 20 min. in der feuchten Kammer inkubieren.
11. Spülen der Schnitte 2 x 5 min. in TRIS-Puffer + 2 % Milchpulver.
12. Auftragen des StreptAB-Komplexes in der Gebrauchsverdünnung; Schnitte für 20 min.
in der feuchten Kammer inkubieren.
13. Spülen der Schnitte 2 x 5 min. in TRIS-Puffer.
14. Schnitte in DAB-Gebrauchslösung für 7 min. inkubieren.
15. Spülen der Schnitte 2 x 5 min. in TRIS-Puffer.
16. Spülen der Schnitte 2 x 5 min. in Leitungswasser.
17. Gegenfärben der Schnitte in frisch filtriertem Hämalaun für 1 min.; 30 sek. spülen in
Aqua dest.
18. Bläuen der Schnitte 10 min. unter fließendem Leitungswasser.
19. Dehydrieren der Schnitte für je 4 min. in aufsteigender Alkoholreihe; abschließend je
5 min. in Xylol-1 und Xylol-2.
20. Eindecken der Schnitte mit Eukitt.
3.1.4.3 Auswertung und Dokumentation der durchgeführten histologischen Reaktionen
Die Auswertung der immunhistochemischen und pathohistologischen Färbungen erfolgte
lichtmikroskopisch unter einem Standard-Biokular-Lichtmikroskop "Axioskop" (Fa. Carl
Zeiss, Oberkochen). Für die pathohistologische Untersuchung wurden für die drei
Magenabschnitte
(Kardia,
Korpus/Fundus,
Antrum/Pylorus)
vier
Entzündungsgrade eingeteilt:
0: keine vermehrten Entzündungszellansammlungen
I: schwache, diffuse Infiltration von Entzündungszellen
II: vermehrte Ansammlung von Entzündungszellen, z. T. Follikelanbildung
III: hochgradige Ansammlung von Entzündungszellen, Lymphfollikel
unterschiedliche
Eigene Untersuchungen
52
Für die immunhistologischen Diagnosen wurde zunächst in der Übersichtsvergrößerung die
Anzahl der positiven Reaktionen der einzelnen Antikörper ausgewertet. Sie wurden wie folgt
semiquantitativ ausgewertet:
0: kein Nachweis von Bakterien
1: geringgradiger Nachweis von Bakterien
2: mittelgradiger Nachweis von Bakterien
3: hochgradiger Nachweis von Bakterien
Zusätzlich wurde die Verteilung der Bakterien im Magenschleim, den Magengrübchen und
-drüsen beurteilt.
3.1.5
Transmissionselektronenmikroskopische Untersuchung
In der elektronenmikroskopischen Untersuchung wurde die Ultrastruktur der Bakterien
genauer untersucht. Dafür wurden die Gewebeproben in 2,5%igem, phosphatgepuffertem
Glutaraldehyd fixiert und bei 4° C aufbewahrt. Die Einbettung in einem EPON-Gemisch nach
LUFT (1961, siehe Anhang) erfolgte im Lynx Einbettautomaten (Fa. Leica, Bensheim) nach
folgendem Protokoll:
1. Spülen in 0,1 M Phosphatpuffer (pH 7,6) über 1 Stunde (2x Pufferwechsel) bei 4° C.
2. Nachfixieren in 1%igem Osmiumtetroxid in 0,1 M Phosphatpuffer (pH 7,6) für 2 Stunden
bei 4° C.
3. Dehydrieren in einer aufsteigenden Äthanolreihe (5 Stufen, je Stufe 30 min.), Isopropanol
(30 min.).
4. Propylenoxid als Intermedium 2 x 30 min. bei 4° C.
5. Infiltration mit Propylenoxid-Epon 2:1 für 2 Stunden bei 10° C.
6. Infiltration mit Propylenoxid-Epon 1:1 für 2 Stunden bei 10° C.
7. Infiltration mit Propylenoxid-Epon 1:2 für 4 Stunden bei 10° C.
8. Infiltration mit reinem Epon für 4 Stunden bei 20° C.
9. Infiltration mit reinem Epon für 24 Stunden mit 2x Wechsel des Epons bei 20° C.
10. Infiltration in reinem Epon für 4 bis 6 Stunden.
Eigene Untersuchungen
53
Die Proben wurden in Flacheinbettungsformen aus Silikongummi derartig eingebettet, daß
beim Anschnitt der Epon-Blöckchen der Schleimhautquerschnitt getroffen wird. Dazu mußte
das Biopsiematerial unter Zuhilfenahme einer Stereolupe (Fa. Leica, Bensheim) mit der
Schleimhautoberfläche nach oben weisend ausgerichtet und so in den Flacheinbettungsformen
positioniert werden. Es schloß sich eine 24-stündige Polymerisation des Epoxidharzes im
Wärmeschrank bei 60° C an.
Die auspolymerisierten Epon-Blöckchen wurden zunächst mit einer Fräse (Reichert Ultratrim,
Fa. Leica, Bensheim) auf Biopsiegröße zugetrimmt. Von diesen Blöcken wurden am
Ultramikrotom (Reichert Ultracute, Fa. Leica, Bensheim) unter Verwendung von
Glasmessern 0,5 µm dicke Semidünnschnitte angefertigt. Die dazu benötigten Glasmesser
wurden mit Hilfe eines "Knifemakers" (Reichert Knifemaker, Fa. Leica, Bensheim)
hergestellt. Anschließend wurden die Semidünnschnitte auf einer Wärmebank nach
RICHARDSON et al. (1960, siehe Anhang) gefärbt, mit Eukitt eingedeckt und sowohl
lichtmikroskopisch beurteilt als auch zur Vororientierung für das Anfertigen von
Ultradünnschnitten genutzt. Nach Auswertung und Anfertigung einer Skizze der Lokalisation,
die anschließend im Transmissionelektronenmikroskop genauer beurteilt werden sollte,
schloß sich eine weitere Zutrimmung der Blöcke per Hand an. Am oben genannten
Ultramikrotom wurden unter Verwendung eines Diamantmessers (Fa. Diatome, Bienne,
Schweiz) von den zugetrimmten Blöcken 50-80 nm dicke Ultradünnschnitte geschnitten, die
auf Kupferobjektträgernetze bzw. Lochblenden (single slot 1 x 2, Fa. Science Services,
Seelze) aufgefangen wurden und anschließend per Hand mit Uranylacetat und Bleicitrat
kontrastiert wurden.
Die
transmissionselektronenmikroskopische
Auswertung
erfolgte
am
ZEISS-
Elektronenmikroskop (EM 10 C, Fa. Zeiss, Oberkochen) bei einer Grundvergrößerung von
2.500 bis 20.000-fach und 60 kV. Zur Fotodokumentation wurde Planfilmmaterial 6,5 x 9 cm
(Fa. Agfa, Leverkusen) verwendet.
Ergebnisse
54
4
Ergebnisse
4.1
Auswertung des Vorberichtes und der pathologischen Untersuchung
Es wurden von jeweils 100 Katzen (Tab. 3, Kap. 3.1.1) aus drei verschiedenen Regionen
(Kardia, Fundus/Korpus und Antrum/Pylorus) Magenschleimhautproben gewonnen und für
die mikrobiologische, molekulargenetische und histologische Untersuchung vorbereitet.
54 der untersuchten Katzen waren männlichen, 46 weiblichen Geschlechtes. Das Alter
variierte zwischen 6 Wochen und 23 Jahren, häufig konnte das genaue Alter nicht festgestellt
werden. Meistens handelte es sich um Europäische Kurzhaarkatzen, selten um Rassekatzen,
wie z. B. Perser oder Maine Coon. Bis auf eine (U.-Nr. 15, chronischer Durchfall), wies keine
der Katzen vorberichtlich Magen-Darm-Probleme auf.
Bei allen 100 sezierten Katzen stellte sich die Magenschleimhaut makroskopisch im Rahmen
der Sektion als unverändert heraus. Die meisten Katzen wurden aufgrund chronischer,
infauster Erkrankungen, z. T. nach langer Vorbehandlung, euthanasiert. Nur wenige Katzen
waren spontan verstorben oder aufgrund einer perakuten Krankheit euthanasiert worden.
Häufigste Diagnose waren Tumoren mit 14 %, Nierenversagen mit 19 % und unheilbare
Infektionskrankheiten, wie z. B. FIV (Feline Immunschwächevirus), FIP (Feline infektiöse
Peritonitis) und Leukose zu 19 %.
4.2
Bakteriologisch-kulturelle Untersuchung auf H. pylori
Von allen 100 Katzen wurde jeweils eine Schleimhautprobe aus den drei verschiedenen
Magenregionen auf Helicobacter-Selektivnährböden bis zu 7 Tagen bebrütet und dann
untersucht. Verdächtige Kolonien wurden nach GRAM gefärbt, nativ betrachtet und auf
Oxidase-,
Katalase-
und
Ureasereaktion
getestet.
Schleimhautproben wurde H. pylori nachgewiesen.
In
keiner
der
untersuchten
Ergebnisse
55
4.3
Molekularbiologische Untersuchungen
4.3.1
PCR und Agarosegelelektrophorese zum Nachweis der DNA von H. pylori,
H. felis und H. heilmannii
Die 300 tiefgefrorenen Schleimhautproben wurden für die PCR vorbereitet, die DNA
amplifiziert und dann durch die Agarosegelelektrophorese (Abb. 3) sichtbar gemacht. Es
wurden Primer für das Urease B Gen von H. heilmannii, H. pylori und H. felis ausgesucht.
H. pylori konnte bei keiner Katze in Kardia, Fundus/Korpus oder Pylorus/Antrum
nachgewiesen werden. H. felis ließ sich aus der Kardia in 9 % der Fälle, aus Fundus/Korpus
zu 12 % und aus Pylorus/Antrum zu 11 % nachweisen. Insgesamt waren 20 % der Katzen mit
H. felis infiziert. 84 % der Katzen erwiesen sich als mit H. heilmannii infiziert, dabei wurde
H. heilmannii in der Kardia zu 51 %, in Fundus/Korpus zu 63 % und im
Pylorus/Antrumbereich in 58 % der Fälle nachgewiesen (Tab. 6). In den meisten Fällen
handelte es sich um Doppelinfektionen, nur eine Katze wies nur eine Infektion mit H. felis auf
und erwies sich als H. heilmannii negativ.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10 11 12 13 14 15
Abb. 3: PCR-Amplifikate nach gelelektrophoretischer Auftrennung
Spur 1 u. 15: 1000 bp-Marker, Spur 2-5: H. heilmannii-DNA, Spur 7-10: H. felis-DNA,
Spur 13: H. pylori-DNA, Spur 2-5, 7-9 u. 12 Magenbiopsiematerial,
10 u. 13 Positivkontrollen, 6, 11 u. 14 Negativkontrollen
Ergebnisse
Tab. 6 : Nachweis von H. felis und H. heilm.-DNA mit Hilfe der PCR
Nr.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
H. felis
K
K
K
K
K
-
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
-
H. heilm.
P
P
P
P
P
P
-
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
-
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
-
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
-
Nr.
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
H. felis
K
K
K
K
-
F
F
-
H. heilm.
P
P
P
P
P
-
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
K
-
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
F
-
K: Kardia, F: Fundus/Korpus, P: Pylorus/Antrum positiv, -: kein Nachweis von Helicobacter-DNA
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
P
56
Ergebnisse
4.3.2
57
PCR und Polyacrylamidgelelektropohorese zum Nachweis von H. pylori
Um die negativen Ergebnisse für H. pylori zu bestätigen, wurde im Anschluß an die
Agarosegelelektrophorese zusätzlich noch eine empfindlichere Methode durchgeführt, in dem
stichprobenartig
mit
40
Proben
für
den
Nachweis
von
H.
pylori
eine
Polyacrylamidgelelektrophorese mit anschließender Silberfärbung durchgeführt wurde. Diese
Methode ist bis zu 5-fach so empfindlich, wie die Färbung mit Dimidiumbromid nach der
Agargelelektrophorese.
Auch
mit
dieser
Methode
wurde
in
keinem
Magenschleimhautabschnitt DNA von H. pylori nachgewiesen.
4.4
Histologische Ergebnisse
4.4.1
Pathohistologische Diagnosen
Das Auftreten von Alterationen in Kardia, Korpus/Fundus und Pylorus/Antrum wurde bei den
100 Tieren über histologische Untersuchungen an H.-E. gefärbten Schnitten festgestellt
(Abb. 5b). Histologische Reaktionen variierten von unveränderten Schleimhautbefunden bis
zu verschiedenen Graden einer Gastritis. Es wurde der Grad der Gastritis anhand der
Infiltration
der Tunica mucosa mit Lymphozyten, Plasmazellen, Makrophagen und
neutrophilen Granulozyten beurteilt, wobei die letztgenannten als Anzeichen von aktiven
Vorgängen gewertet wurden. Um die unterschiedlichen Entzündungsgrade festzuhalten,
wurde folgende Einteilung gewählt:
0:
o.b.B.
I:
schwache, diffuse Infiltration von Entzündungszellen in der Lamina propria
II: vermehrte Ansammlung von Entzündungszellen, die sich z. T. zu Follikeln
zusammenfinden, in der Lamina propria
III: hochgradige Ansammlung von Entzündungszellen, Bildung von Lymphfollikeln, sowohl
in der Lamina propria, als auch in der Submukosa.
Ergebnisse
58
28 Katzen zeigten in keinem Magenabschnitt eine Gastritis, bei 40 Katzen war in einem oder
mehreren Magenabschnitten eine mittelgradige bis hochgradige Entzündung nachweisbar,
wobei eine hochgradige Signifikanz zwischen dem Grad der Entzündung mehrerer
Schleimhautabschnitte bestand (P < 0,024). 32 Katzen zeigten eine geringgradige
Entzündung. Eine Katze (Probe 24, Fundus) wies einen geringgradigen Befall mit
neutrophilen Granulozyten auf. Bei 37 der untersuchten Katzen kam es zur Ausbildung von
Lymphfollikeln (Abb. 5a) in einem oder mehreren Schleimhautabschnitten.
4.4.2
Immunhistologische Reaktionen
Der Nachweis oder die Abwesenheit von Bakterien wurde mit Hilfe von markierten
Antikörpern, die spezifisch mit Helicobacter-Spezies reagieren, festgestellt. Helicobacter sp.
wurden gefunden im Magenschleim (Abb. 4a), in den Magengrübchen, in den Magendrüsen
(Abb. 4b), und sowohl im Kardia-, Fundus/Korpus-, als auch im Pylorus/Antrumbereich und
variierten in der Dichte von nicht nachweisbar (-) bis zu hochgradigem (3) Befall in
Magenschleim und Magendrüsen. Eine Katze wurde als infiziert angesehen, wenn eines der
Testergebnisse positiv war.
18 % der Katzen erwiesen sich als negativ, 82 % wiesen entweder H. felis oder H. heilmannii
zumindest im Kardia, Fundus/Korpus- oder Antrum/Pylorusbereich oder in mehreren
Abschnitten auf (Tab. 7). Nur längliche, gewundene Bakterien, die morphologisch für H. felis
oder H. heilmannii sprechen, wurden entdeckt, kurze Stäbchen, wie etwa bei H. pylori,
wurden nicht nachgewiesen. Die meisten Bakterien wurden in der Fundusregion gefunden
(77
von
100
Katzen),
wobei
eine
Signifikanz
in
der
Besiedlung
mehrerer
Magenschleimhautabschnitte bestand (P < 0,01). So wurde bei Katzen mit Befall der Pylorusoder/und Fundusschleimhaut oft auch ein Befall in der Kardiaschleimhaut festgestellt.
Ergebnisse
59
Tab. 7: Immunhistologischer Nachweis von H. felis und H. heilm. und korrespondierende Entzündung
Nr.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
H.f./H.h.
K
F
P
1
1
3
1
1
1
1
1
3
1
1
1
1
3
3
1
1
1
1
1
1
2
1
2
1
1
2
2
2
1
1
2
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
3
3
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
1
2
2
2
1
2
1
1
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
1
1
1
3
3
1
1
1
1
3
3
1
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
2
2
1
1
2
2
2
1
2
2
3
2
1
1
Gastritisgrad
K
F
P
l
lll
ll
l
lll
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l
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0
0
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0
l
l
l
0
l
lll
l
lll
Nr.
H.f./H.h.
K
F
P
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2
1
2
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
2
1
2
1
1
1
1
1
1
1
1
2
2
1
2
2
3
1
1
1
2
1
1
2
2
1
3
1
2
2
2
1
1
Gastritisgrad
K
F
P
0
l
0
0
0
0
0
0
0
0
l
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
l
0
0
l
0
l
0
0
l
0
l
0
0
0
0
0
l
0
ll
l
0
0
ll
0
l
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
l
0
0
0
0
0
0
0
0
l
l
0
0
l
0
0
0
l
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
l
0
0
0
0
l
l
0
l
ll
ll
0
ll
0
0
0
0
0
0
ll
l
0
0
l
0
0
0
0
l
l
0
l
0
ll
0
ll
l
0
0
0
l
ll
0
0
0
l
0
0
0
l
l
0
l
l
ll
K: Kardia F: Fundus/Korpus P: Pylorus/Antrum, 0: keine Entzündungsanzeichen, I-III: ggr-hgr.e Gastritis
-: kein Nachweis, 1-3: ggr.-hgr.er Nachweis von H. felis und H. heilmannii
Ergebnisse
60
Es wurde die Dichte der Besiedlung der Schleimhaut mit H. felis und H. heilmannii beurteilt.
Die Auswertung zeigte, daß für die drei Magenregionen kein Zusammenhang zwischen der
Dichte der Besiedlung mit Helicobacter sp. und dem Grad und der Aktivität der Gastritis
bestand. 8 Katzen, bei denen keine Helicobacter sp. isoliert wurden, wiesen trotzdem eine
gering- bis hochgradige Gastritis auf. Dagegen wurden z. T. bei Katzen, bei denen gering- bis
hochgradig Bakterien nachgewiesen wurden, keine Gastritissymptome beobachtet (Tab. 8).
Bei hochgradigem Befall mit GHLO wurden zudem häufig dilatierte Drüsenkörper
beobachtet.
Tab. 8: Vorkommen von Entzündungserscheinungen bei nicht Helicobacter-infizierten und
Helicobacter-infizierten Katzen
nicht infizierte Tiere (n =18)
Entzündungsgrad
K
F
P
K
F
P
0
16
15
10
49
54
29
I
2
2
6
18
23
23
1
1
10
4
23
1
5
1
7
II
III
K: Kardia, F: Fundus/Korpus, P: Pylorus/Antrum
4.5
infizierte Tiere (n = 82)
0: o.b.B., I: geringgradig, II: mittelgradig, III: hochgradig
Transmissionselektronenmikroskopische Untersuchungen
Ausgewählte Proben, bei denen bei der molekulargenetischen Untersuchung H. felis und
H. heilmannii nachgewiesen worden waren, wurden transmissionselektronenmikroskopisch
untersucht. Dabei wurden etwa 0,5 bis 0,6 µm breite und 4 bis 10 µm lange Bakterien mit bis
zu 7 spiraligen, korkenzieherartigen Windungen beobachtet (Abb. 6). Unipolar konnten 10 bis
17 Geißeln, die zu Flagellenbüscheln zusammengelagert waren (Abb. 7), beobachtet werden.
Diese wurden als H. heilmannii angesprochen, wobei bei H. felis zusätzlich periplasmatische
Ergebnisse
61
Fasern auf dem Kamm der Bakterienmembran beobachtet werden konnten. Die Bakterien, die
z. T. in großer Anzahl in den Bakterienlumina beobachtet werden konnten, zeigten keinen
Kontakt zum Epithel oder Alterationen an Epithelstrukturen. Intrazellulär wurden bei den
untersuchten Proben keine Bakterien beobachtet.
Ergebnisse
Abb. 4: Immunhistologische Reaktionen
a) Darstellung spiralig gewundener Bakterien im oberflächlichen Schleim, Pylorus, Tier-Nr. 74,
Paraplastschnitt, IHC, 40x Obj.
b) und in den Drüsenlumina, Kardia, Tier-Nr. 36, Paraplastschnitt, IHC, 40x Obj.
62
Ergebnisse
Abb. 5: H.-E. Färbung
a): Lymphfollikelbildung (↑), Pylorus/Antrum, Tier-Nr. 48, Paraplastschnitt, H.-E., 10x Obj. und
b): hochgradige diffuse Infiltration mit Entzündungszellen in der Lamina propria der Mukosa,
Kardia, Tier-Nr. 39, Paraplastschnitt, H.-E., 20x Obj.
63
Ergebnisse
64
Abb. 6: Elektronenmikroskopische Darstellung der spiralig gewundenen Bakterien innerhalb der
Magendrüsen. Die Abbildung zeigt, daß die mehrfach gewundenen Bakterien im Bereich des
Drüsenlumens liegen und keinen Kontakt zu den Belegzellen zeigen. Fundus/Korpus; Tier-Nr. 14,
Vergr. 12.000x .
Ergebnisse
65
Abb. 7: Elektronenmikroskopische Darstellung eines Bakteriums mit einem Geißelbüschel an einem
Pol (↑). Fundus/Korpus, Tier-Nr. 14, Vergr. 30.000x.
Diskussion
5
66
Diskussion
Es gilt als gesichert, daß verschiedene Helicobacter-Arten, vor allem H. pylori, beim
Menschen unterschiedliche Erkrankungen, wie u. a. Magenulzera, Magenadenokarzinome
und Enteritiden auslösen können (STOLTE, 1994; PARSONNET et al., 1991; NOMURA
et al., 1991). Im Gegensatz dazu ist die Beziehung zwischen einer Infektion mit
Helicobacter-Spezies und einer Erkrankung bei Haustieren noch ungeklärt (NEIGER, 1998a).
Trotz zahlreicher Untersuchungen bleiben weiterhin Fragen zur Epidemiologie offen. Bis
heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, inwieweit Haustiere für eine Übertragung der
Keime auf den Menschen in Frage kommen. Infektionsversuche an verschiedenen
Säugetieren (HONDA et al., 1998; FOX u. LEE, 1997; LEE et al., 1997) trugen eher zum
Verständnis der Pathogenese, als zur Klärung der Epidemiologie bei. Allerdings weisen
einige Studien auf einen Zusammenhang zwischen Tierkontakt und Erkrankung beim
Menschen hin (FOX u. LEE 1997; LAVELLE et al., 1994; DIETERICH et al., 1998). Eine
der wenigen Tierarten, bei der eine natürliche Infektion mit H. pylori festgestellt wurde, war
die Katze (HANDT et al., 1994). Ziel der Arbeit war es, mit Hilfe verschiedener
Nachweisverfahren einen Beitrag zum Vorkommen des Keimes durch Untersuchungen an
Katzen zu leisten und die Bedeutung für das Entstehen morphologisch faßbarer
Magenveränderungen für ein Patientenkollektiv im Raum Göttingen darzustellen.
5.1
Probenmaterial
Für die Untersuchung wurden Magenbiopsien von zufällig ausgewählten männlichen und
weiblichen Katzen verschiedenen Alters aus dem Raum Göttingen ausgewählt. Anamnestisch
waren dabei unterschiedliche Erkrankungen, bzw. Todesursachen festzustellen. Nur bei einer
der untersuchten Katzen war vorberichtlich ein Magen-Darmproblem in Form von
chronischem Durchfall beobachtet worden.
Diskussion
5.2
67
Methodik
Die histologische Untersuchung, PCR und die mikrobiologische Untersuchung wurden in
dieser Arbeit als Nachweismethoden angewendet, da sie als die sichersten Methoden für den
Nachweis von Helicobacter spp. gelten, wobei die PCR als der spezifischste und sensitivste
Nachweis anzusehen ist (FABRE et al., 1994; SIMPSON et al., 1999). Trotzdem besteht
immer die Möglichkeit, daß Biopsieproben, die in der histologischen Untersuchung positive
Ergebnisse aufweisen, in der PCR negativ sind und umgekehrt. Dafür verantwortlich ist die
ungleichmäßige Verteilung von Helicobacter spp. im Magen, so daß u. U. Biopsien an Stellen
entnommen werden, die keine Keime aufweisen. Außerdem kann eine Probe jeweils nur
einmal für eine Untersuchungsmethode verwendet werden, so daß immer unterschiedliche
Bioptate untersucht werden. Um hier verläßliche Resultate zu erzielen, sollten jeweils
mehrere Proben entnommen und u. U. mehrere Verfahren zur Anwendung kommen.
Auf den in der Humanmedizin häufig eingesetzten Screening-Test (HUT®-Test, Fa. Astra,
Wedel) wurde verzichtet. Bei diesem Test werden endoskopisch gewonnene Biopsieproben in
ein mit Harnstoff versetztes gelartiges Nährmedium gegeben. Bei Anwesenheit bestimmter
Helicobacter-Arten, wie z. B. H. pylori, wird durch die Bildung von Ammoniak der pH-Wert
erhöht und dies mit Hilfe eines Indikators angezeigt. Da allerdings auch andere Keime Urease
bilden, wie z. B. Proteus sp., Klebsiella sp., Lacto- und Actinobacillus sp., besteht die Gefahr
falsch positiver Ergebnisse. VAIRA et al. (1988b) weisen darauf hin, daß positive Ergebnisse
dieses Tests bereits nach einer Stunde nicht ausschließlich auf H. pylori hinweisen. Eine
genauere Differenzierung verschiedener Helicobacter-Arten ist nicht möglich, und so war die
Anwendung dieses Tests bei der gestellten Fragestellung nicht sinnvoll. Dieser Test bringt
von allen vorgestellten Methoden die schnellsten Testergebnisse, ist aber auch wesentlich
unspezifischer als die angewendeten Methoden.
Der
13
C Atem- und Bluttest konnte nicht durchgeführt werden, da nur verstorbene Tiere für
die Untersuchung zur Verfügung standen. Vorteile dieser Methode sind die Nichtinvasivität
und die einfache Durchführung ohne Narkose. Der Nachweis von Helicobacter-Antikörpern
Diskussion
68
erschien wegen der bestehenden Kreuzreaktivität der einzelnen Helicobacter-Arten
untereinander und der hohen Befallsrate mit Helicobacter-Spezies als nicht sinnvoll.
5.2.1
Mikrobiologisch-kultureller Nachweis
Da nur wenige Keime in einer Biopsie ausreichen, um bei optimalen Kulturbedingungen ein
positives Ergebnis zu bewirken, gilt die kulturelle Isolierung und Anzüchtung von H. pylori
als Goldstandard (MALFERTHEINER u. NILIUS, 1994b). Dabei muß allerdings entweder
ein optimales Transportmedium zur Verfügung stehen, oder die Proben müssen sofort auf
Selektivnährböden aufgetragen und entsprechend inkubiert werden. Da die benötigten Mittel
zur Verfügung standen, wurde die kulturelle Anzüchtung als eine Methode zum Nachweis
von H. pylori ausgewählt. Nachteilig erweist sich weiterhin die langandauernde
Inkubationszeit und die, trotz des Gebrauchs von Selektivnährböden, Gefahr der
Überwucherung durch Kontaminanten. H. felis ist nur sehr schwer kulturell anzuzüchten und
zu isolieren, da andere Begasungsverhältnisse und Nährböden als bei H. pylori benötigt
werden und der Keim makroskopisch auf dem Nährboden nicht zu erkennen ist, so daß auf
eine Anzüchtung verzichtet wurde. H. heilmannii galt bis zum Untersuchungsbeginn als nicht
anzüchtbar und wurde bis heute erst einmal angezüchtet, so daß auch in diesem Fall auf eine
mikrobiologisch-kulturelle Untersuchung verzichtet wurde. Die kulturelle Untersuchung stellt
deshalb die am wenigsten praktikable und sichere Methode der drei angewendeten
Nachweismethoden dar.
5.2.2
Molekularbiologische Untersuchung
Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion ist es möglich kleinste Mengen auch bereits
abgestorbener, d. h. der mikrobiologisch–kulturellen Untersuchung nicht mehr zugänglichen,
Mikroorganismen nachzuweisen. Diese Art der Untersuchung ist die spezifischste der im
Moment zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden und ermöglicht bei der Auswahl
selektiver Primer auch ohne Kreuzreaktionen die eindeutige Abgrenzung verschiedener
Helicobacter-Arten voneinander. Allerdings müssen die Biopsieproben nach der Entnahme
Diskussion
69
schnell eingefroren werden, um Verwesungsvorgänge zu verhindern und die Proben in diesem
Zustand in ein entsprechend spezialisiertes Labor verschickt werden. Zusätzlich muß vor der
eigentlichen Reaktion eine aufwendige Reinigung der DNA stattfinden und eine
Kontamination des Arbeitsplatzes vermieden werden, um falsch positive Testergebnisse zu
vermeiden.
Nach IBELGAUFTS (1993) werden für eine sichtbare Bande in einem Agarosegel, in dem
die Nukleinsäuren mit Dimidiumbromid angefärbt worden sind, bis zu 5 ng Nukleinsäure
benötigt. Mit Hilfe dieser Angabe kann berechnet werden, wieviele Kopien genomischer
DNA der nachzuweisenden Bakterien im originären Untersuchungsmaterial mindestens
vorhanden sein müssen, um nach Amplifikation der spezifischen DNA-Erregersequenz die
Mindestmasse für ein Signal im Agarosegel zu erreichen (Tab. 9).
Amplifikatlänge x Molekülmasse/Basenpaar x Vermehrungsrate/Zyklus Zykluszahl
Avogadro-Zahl
Tab. 9: Amplifikatlängen der isolierten Helicobacter-DNA und eingesetzte Zyklenzahlen
Helicobacter sp.
Amplifikatlänge (bp)
Zyklenzahl
H. pylori
1024
40
H. felis
416
40
H. heilmannii
580
31
Entscheidend für die Berechnung ist die Vermehrungsrate pro Zyklus. Theoretisch liegt pro
Zyklus eine Verdoppelung vor. Praktisch wird aber von einer Vermehrungsrate von 1,8 bis zu
1,6 ausgegangen. Hieraus läßt sich die benötigte Mindestanzahl an Kopien für einen
Nachweis genomischer DNA der Helicobacter spp. im Ausgangsmaterial ermitteln. Zu
beachten ist weiterhin, daß Verunreinigungen den Ablauf der PCR durch Hemmung der TaqDNA-Polymerase behindern können, so daß eine gründliche Reinigung der Amplifikation
vorangehen sollte. Ebenso kann eine große Menge von DNA im Ausgangsmaterial, wie z. B.
Diskussion
70
Wirts-DNA aus der Magenschleimhaut, die Amplifikation verhindern und falsch negative
Ergebnisse verursachen. Mit Hilfe eines Spektrophotometers kann die optische Dichte, also
die durch eine Lösung absorbierte Lichtmenge, die die Ausgangskonzentration der
Nukleinsäure angibt, gemessen werden (IBELGAUFTS, 1993).
Um auch eine einzelne Bakterienzelle im Ausgangsmaterial mit Hilfe der PCR nachweisen zu
können, wurden die Zyklenzahlen für H. felis und H. pylori entsprechend angepaßt. Da die
Reaktion für H. heilmannii mit der hohen Zyklenzahl keine verwertbaren Ergebnisse ergab,
und bei zu hohen Zyklenzahlen mit der Entstehung von unspezifischen Banden im Agarosegel
zu rechnen ist, wurden für H. heilmannii Primer, Zyklenanzahl und -temperatur nach
NEIGER et al. (1998) gewählt, dabei wird bei einer Zyklenzahl von 31 bei 100
Mikroorganismen in der untersuchten Magenschleimhautprobe eine Bande sichtbar. Da bei
Infektionen mit H. heilmannii häufig sehr viele Bakterien nachzuweisen sind, ist der
Nachweis im Agarosegel auch bei geringerer Zyklenanzahl möglich.
Die Primer für H. pylori und H. felis wurden mit dem Computerprogramm primer v 1.0 selbst
zusammengestellt. Um zu gewährleisten, daß spezifisch nur die jeweilig gesuchte
Helicobacter-Art, und nicht zusätzlich auch noch Kontaminanten, als positiv eingestuft
wurden, wurden Primer ausgewählt, die nur mit der gesuchten Helicobacter-Art und nicht mit
anderen Helicobacter spp., verschiedenen anderen Bakterienarten, Katzen- oder auch
menschlicher DNA reagieren. Außerdem wurde mit der Polyacrylamidgelelektrophorese und
der Silberfärbung, deren Nachweis bis zu 5fach empfindlicher als die Anfärbung mit
Dimidiumbromid ist (IBELGAUFTS, 1993), ein weiteres Verfahren für H. pylori
stichprobenartig angewendet, um die Ergebnisse der Gelelektrophorese zu bestätigen.
5.2.3
Histologische und ultrastrukturelle Untersuchung
Die Helicobacter-Antigene wurden indirekt in einem Drei-Schritt-Verfahren mit der
Streptavidin-Biotin-Peroxidase-Komplex-Methode (SABC-Methode) nachgewiesen. Die
immunhistologischen
Reaktionen
wurden
semiquantitativ
beurteilt.
In
der
Übersichtsvergrößerung wurden Lokalisation und Menge der Bakterien abgeschätzt. Mit Hilfe
Diskussion
71
dieser Methode ist zwar eine Unterscheidung zwischen morphologisch sehr unterschiedlichen
Helicobacter-Arten möglich, eine genauere Zuordnung, ob es sich um H. felis oder
H. heilmannii handelt, ist nicht möglich, u. U. können unspezifische Hintergrundreaktionen
die Auswertung erschweren. Mit Hilfe der H.-E. Färbung kann zusätzlich zum Nachweis
einer Helicobacter-Infektion auch eine Beurteilung der Magenschleimhaut vorgenommen
werden, so daß die Art und Ausprägung einer Gastritis gleich mit beurteilt werden kann. Die
histologische Untersuchung ist nach der PCR der sicherste Nachweis einer HelicobacterInfektion. Es handelt sich dabei um eine Methode, die anwenderfreundlich und kostengünstig
ist. Nach Entnahme der Bioptate können diese einfach in Formaldehyd fixiert und in
entsprechenden Probengefäßen, die in jeder Praxis vorhanden sind, verschickt werden.
Die transmissionselektronenmikroskopische Untersuchung ermöglicht eine Diagnose von
pathologischen Veränderungen in der Zellstruktur und die Unterscheidung verschiedener
Helicobacter-Arten, wie z. B. H. felis und H. heilmannii, da Feinstrukturen, wie z. B.
periplasmatische Fasern auf der Bakterienmembran, erkannt werden können. Da dieses
Verfahren sehr aufwendig und teuer ist, und auch nur kleine Ausschnitte der
Magenschleimhaut
beurteilt
werden
können,
wurden
stichprobenartig
Magenschleimhautproben von Biopsien verwendet, die sich vorher schon bei der PCR als
positiv herausgestellt hatten. Dieses Verfahren eignet sich somit nicht für den Einsatz in der
Routinediagnostik.
Für die Diagnostik eines Helicobacter-Befalls eignen sich aufgrund der hohen Spezifität und
Sensitivität am besten die PCR und die histologische Untersuchung, allerdings muß die
Probenverarbeitung sorgfältig durchgeführt werden und Speziallabore entsprechende
Verfahren, die im Moment noch nicht zur Routine gehören, anbieten. Eine Alternative dazu
stellt der nicht-invasive Harnstoff-Atemtest dar, der auch gleichzeitig zur Kontrolle der
Eradikation eingesetzt werden kann und für die Routinediagnostik im Rahmen einer
Gastroskopie der invasive Urease-Schnelltest. Bei der histologischen Untersuchung besteht
zusätzlich zum quantitativen Nachweis der Bakterien die Möglichkeit, Ausmaß und
Lokalisation einer Infektion und den Entzündungsgrad zu beurteilen. Die serologische
Untersuchung und die bakterielle Kultur kommen aufgrund der aufgeführten Probleme für die
Routinediagnostik nicht in Frage.
Diskussion
5.3
72
Ergebnisse
In dieser Studie erwiesen sich alle 100 Katzen, mit Hilfe der angewendeten diagnostischen
Methoden, als nicht mit H. pylori infiziert. Nach den bisher erfolgten Studien kann
ausgeschlossen werden, daß H. pylori von Katzen auf den Menschen übertragen werden,
allerdings können das Tier oder tierische Produkte sicherlich nicht generell als
Infektionsquelle für verschiedene Helicobacter-Arten außer Acht gelassen werden.
HANDT et al. (1994) wiesen zwar bei 22 Versuchstierkatzen H. pylori mit Hilfe
mikrobiologischer, histologischer und molekularbiologischer Methoden nach, so daß Katzen
als mögliches Reservoir von H. pylori angesehen wurden und eine zoonotische Übertragung
in Betracht gezogen wurde (HANDT et al., 1994). Auch zeigten Studien, daß Landarbeiter,
bei denen H. pylori nachgewiesen worden war, signifikant mehr Kontakt zu Katzen, als zu
anderen Tieren hatten (THOMAS et al., 1995). Aber andererseits zeigen Studien, die
H. pylori-Antikörper bei Katzenhaltern untersuchten, kein erhöhtes Risiko im Vergleich zur
Kontrollpopulation (ANSORG et al., 1995) auf. EL-ZAATARI et al. (1997), OTTO et al.
(1994), PAPASOULIOTIS et al. (1997) und LEE et al. (1988) konnten mit Hilfe
verschiedener diagnostischer Methoden H. pylori bei Katzen mit gastroduodenalen
Symptomen, spezifisch-pathogen-freien (SPF) und zufällig ausgesuchten Katzen ebenfalls
nicht nachweisen. So ist davon auszugehen, daß es sich bei dem Nachweis von H. pylori bei
Katzen eher um eine Anthropozoonose handelt (NEIGER, 1998b).
H. heilmannii wurde in dieser Studie mit Hilfe der PCR in 84 % der Fälle, H. felis zu 20 %
nachgewiesen. Nur eine Katze wies eine Infektion mit H. felis ohne Beteiligung von
H. heilmannii auf. Bei der Katze sind häufiger als beim Menschen, bei dem
Doppelinfektionen aufgrund des angenommenen Verdrängungseffektes (STOLTE, 1994)
nicht vorkommen, Mischinfektionen verschiedener Helicobacter-Arten nachzuweisen. Da die
Bakterien z. T. in sehr unterschiedlichen Verteilungen in der Magenschleimhaut angesiedelt
sind, unterscheiden sich die Ergebnisse der PCR und der immunhistologischen Untersuchung.
In der Literatur variieren die Prozentzahlen bei verschiedenen Studien. Diese fassen allerdings
beide Helicobacter-Arten aufgrund der histologischen Ähnlichkeit unter dem Sammelbegriff
Diskussion
73
GHLO (gastric Helicobacter-like organisms) zusammen, so daß bei klinisch gesunden Katzen
zwischen 41 und 100 % und bei Katzen mit gastroduodenaler Symptomatik zwischen 57 und
76 % (OTTO et al., 1994; GEYER et al., 1993; HERMANNS et al., 1995; HAPPONEN et al.,
1996) GHLO nachgewiesen wurden. Zum Teil untersuchten diese Autoren mehrere
Lokalisationsstellen des Sektionsmaterials, so daß die Wahrscheinlichkeit für ein positives
Ergebnis erhöht wurde. Bei der vorliegenden Untersuchung wurden mit Hilfe der
immunhistologischen Untersuchung GHLO bei 82 % der untersuchten Katzen nachgewiesen.
Die Transmissionselektronenmikroskopie ermöglicht die Untersuchung an Ultrastrukturen,
die lichtmikroskopisch nicht zugänglich sind. Im Gegensatz zu LECOINDRE et al. (1997),
die v. a. durch H. felis bedingten Zelluntergang der Epithelien und auch intrazellulär
Bakterien beobachten konnten, wurden bei dieser Untersuchung nur Keime im Bereich der
Magengrübchen und -drüsen ohne Kontakt zum Epithel beobachtet, allerdings war die Anzahl
der untersuchten Proben zu gering, um eine statistische Aussage zu treffen.
Bei der vorliegenden Untersuchung wurden nur Tiere aus Privathaushaltungen untersucht, so
daß somit u. U. eine geringere Infektionsrate besteht. Auch bei Katzen, die erst wenige
Wochen alt waren, konnten bereits Helicobacter-Spezies nachgewiesen werden. Die höchste
Befallsrate
wurde
im
Fundus/Korpusbereich
nachgewiesen,
dicht
gefolgt
vom
Pylorus/Antrumbereich. Die Kardia war geringgradig weniger besiedelt. Insgesamt sind
allerdings
keine
signifikanten
Unterschiede
in
der
Besiedlung
der
einzelnen
Schleimhautabschnitte zu verzeichnen. Die Besiedlungsdichte der Magenschleimhaut mit
Helicobacter-Spezies ist sehr unterschiedlich, in einigen Fällen sind nur einzelne Bakterien in
einem Magengrübchen oder in einem Magenschlauch zu finden, in anderen Fällen sind
hochgradige Ansammlungen von Bakterien sowohl in den Grübchen, als auch in den
Drüsenlumina zu beobachten.
Untersuchungen an natürlich mit GHLO infizierten Katzen berichten zwar über
histopathologische Veränderungen der Magenschleimhaut (HENRY et al., 1987; GEYER
et al., 1993; OTTO et al., 1994; HAPPONEN et al., 1996). Aber da in der Veterinärpathologie
keine einheitlichen Kriterien für die Beschreibung histologischer Veränderungen benutzt
werden, ist ein Vergleich verschiedener Studien schwierig. Außerdem ist zu berücksichtigen,
Diskussion
74
daß es sich sehr häufig um eine beschränkte Anzahl diagnostischer Tests handelt (OTTO
et al., 1994; GEYER et al., 1993; HAPPONEN et al., 1996). So ist es schwierig einen
Vergleich der Befallsraten bei infizierten und nicht infizierten Tieren zu treffen (NEIGER,
1998a), zumal die Prävalenz bis zu 100 % betragen kann, und so keine geeignete
Kontrollgruppe gebildet werden kann.
Ein häufig wiederkehrender Befund bei der pathohistologischen Untersuchung war die
Infiltration
der
Magenschleimhaut
mit
überwiegend
lymphoplasmazellulären
Entzündungszellen, die sich in vielen Fällen zu Lymphfollikeln zusammengelagert hatten. Die
deutsche Gesellschaft für Pathologie hat 1989 festgelegt, daß die Magenschleimhaut nur als
normal klassifiziert werden darf, wenn keine Entzündungszellen in der Lamina propria
vorhanden sind.
Das Erscheinen einzelner Lymphozyten ist bereits als geringgradige Gastritis einzuordnen. In
der Einteilung des Sydney Systems allerdings wird das Erscheinen einer geringen Anzahl von
Entzündungszellen als physiologisch angesehen. Beim Menschen werden Lymphfollikel nur
im Zusammenhang mit einer Helicobacter-Infektion gesehen, bei Katzen werden
Lymphfollikel auch bei nicht infizierten Katzen gesehen. OTTO et al. (1994) allerdings
schätzen diese Bereiche als Areale vermehrter Antwort gegen das Helicobacter-Antigen ein.
Die pathohistologischen Befunde stimmen mit denen in der Literatur erwähnten weitgehend
überein (LEE et al., 1988; HERMANNS et al., 1995). Zwar wird bei Katzen mit einer
Helicobacter-Infektion meist eine gering- bis mittelgradige lymphoplasmazelluläre Gastritis
beschrieben, trotzdem kann, wie auch in dieser Studie, eine Korrelation zwischen
spirillenförmigen Bakterien im Magen und histopathologischen Veränderungen kaum
festgestellt werden (FEINSTEIN und OLSSSEN, 1992). Nur HERMANNS et al. (1995)
konnten eine Korrelation zwischen bakterieller Besiedlung und Anzahl der Lymphfollikel
feststellen.
Katzen kommen als Überträger von H. pylori nicht in Frage. Obwohl HANDT
et al. (1994) H. pylori bei Laborkatzen nachweisen konnten, wurde auch in dieser Studie an
100 Katzen aus Privathaushalten mit unterschiedlicher Krankheitssymptomatik (allerdings
Diskussion
75
ohne Magen- oder Darmerkrankungen) und verschiedenen Nachweismethoden H. pylori nicht
nachgewiesen. Infektionen mit GHLO sind auch bei klinisch gesunden Katzen sehr häufig zu
isolieren, sie werden häufig von einer Entzündungsreaktion begleitet. Es kann sich dabei also
entweder um ein kommensales oder symbiotisches Verhältnis (durch kompetitive
Verdrängung anderer wesentlich pathogenerer Bakterien, wie es ja auch bei der Verdrängung
von H. pylori durch H. heilmannii festzustellen ist) handeln. Für H. heilmannii jedoch läßt
sich ein Infektionsrisiko aufgrund der hohen Prävalenz, des intensiven Kontaktes der Besitzer
zu ihren Katzen und der nachgewiesenen Pathogenität des Keimes beim Menschen nicht von
der Hand weisen.
5.4
Therapie
Bei Patienten mit peptischem Ulkus und H. pylori-Infektion wird eine Eradikationstherapie
empfohlen. Ob eine antimikrobielle Therapie bei Helicobacter-positiven Haustieren
durchgeführt werden sollte, ist bis heute unklar, da eine Pathogenität bis heute nicht bewiesen
werden konnte. Auch in dieser Studie wurde zwar eine hohe Prävalenz der Keime
nachgewiesen, eine Magenerkrankung war aber bei keiner der untersuchten Katzen
anamnestisch oder makroskopisch nachweisbar. Bis jetzt existieren nur wenige Studien über
die Behandlung bei Hunden und Katzen mit anschließender Eradikationskontrolle
(CORNETTA et al., 1998). Bei diesen Studien waren sowohl Katzen als auch Hunde nach
erfolgreicher Therapie nach 28 bzw. 42 Tagen wieder Helicobacter-positiv (CORNETTA
et al., 1998; NEIGER, 1998b). Unklar ist, ob eine Reinfektion oder eine unvollständige
Eradikation der Keime durch resistente Keime oder ungenügende Therapiedauer, die Ursache
hierfür darstellen. Weitere Studien zu dieser Problematik sollten sich in der Zukunft
anschließen. Auf jeden Fall sollte nach Durchführung einer antimikrobiellen Therapie der
Eradikationserfolg kontrolliert werden.
Zusammenfassung
6
76
Zusammenfassung
H. pylori, aber auch verschiedene andere Helicobacter-Arten, werden seit den 90iger Jahren
des 20. Jahrhunderts für verschiedene Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes verantwortlich
gemacht, vor allem für die Typ B Gastritis des Menschen. Dabei sind bis heute, trotz
zahlreicher Nachforschungen, Erregerquellen und Übertragungswege weitgehend unbekannt.
Die häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen werden beim Menschen beobachtet,
aber auch beim Tier weisen zahlreiche Studien auf einen Zusammenhang zwischen Infektion
mit den Bakterien und klinischen Symptomen hin. Helicobacter-Spezies sind im Tierreich
sehr weit verbreitet, häufig ohne Erkrankungen hervorzurufen. Ziel dieser Arbeit war es, zu
untersuchen, welche Helicobacter-Arten bei der Katze vorherrschen, welche Veränderungen
sie hervorrufen, und ob sie für eine Infektion auf den Menschen in Frage kommen. 100 frisch
verstorbene und euthanasierte Katzen aus Privathaushalten im Bereich Göttingen wurden
untersucht. Als Methoden kamen mikro- und molekularbiologische Nachweistechniken,
sowie histologische, immunhistologische und ultrastrukturelle Verfahren zur Anwendung.
Folgende Ergebnisse wurden ermittelt:
Im Rahmen der mikrobiologischen Untersuchung, die als Goldstandard gilt, wurden keine
H. pylori nachgewiesen.
Die molekulargenetische Untersuchung erbrachte mit der höchsten Spezifität und Sensitivität
einen Befall der meisten untersuchten Katzen sowohl mit H. heilmannii als auch mit H. felis.
Nur eine Katze wies eine einfache Infektion mit H. felis auf. In 84 % der Fälle wurde
H. heilmannii und bei 20 % der Katzen H. felis nachgewiesen. H. pylori wurde auch mit Hilfe
der hochauflösenden Polyacrylamidgelelektrophorese und anschließender Silberfärbung bei
keiner Katze nachgewiesen.
Die
immunhistologische
Untersuchung,
die
im
Gegensatz
zur
mikrobiologischen
Untersuchung auch eine hohe Nachweissicherheit aufweist, konnte gastric Helicobacter-like
organisms (GHLO) in 82 % der Fälle nachweisen, dabei wurden die Bakterien im
Magenschleim, in den Magengrübchen und in den Magendrüsen in unterschiedlicher
Zusammenfassung
77
Intensität in allen drei untersuchten Magenlokalisationen beobachtet. H. pylori konnte nicht
nachgewiesen werden.
Mit Hilfe der H.-E. Färbung wurden parallel zum Nachweis der Befallsintensität, die in der
immunhistologischen
Untersuchung
festgestellt
wurde,
Veränderungen
der
Magenschleimhaut diagnostiziert. Dabei wurden bei den meisten Katzen chronische
Entzündungsreaktionen in Form von lymphoplasmazellulärer Infiltration festgestellt. Die
Entzündungen waren graduell unterschiedlich in Kardia, Fundus/Korpus und Pylorus/Antrum
verteilt, wobei keine Lokalisation bevorzugt wurde. Teilweise ließen sich auch negative
Bereiche feststellen, obwohl andere Bereiche mehr oder weniger stark entzündlich verändert
waren.
8
Tiere
zeigten
Entzündungssymptome,
ohne
daß
Helicobacter-Spezies
immunhistologisch nachgewiesen wurden, bei 16 Tieren wurden Helicobacter-Spezies ohne
assoziierte Entzündungserscheinungen beobachtet.
Die stichprobenartig durchgeführte transmissionselektronenmikroskopische Untersuchung
erlaubt die Diagnostik der Feinstrukturen der Bakterien, wobei H. heilmannii und H. felis
durch 10-15 Geißeln charakterisiert sind und H. felis zusätzlich Fasern auf dem Kamm der
äußeren Membran aufweisen.
Zusammenfassend kann nach Auswertung der Ergebnisse gesagt werden, daß Katzen sehr
häufig mit GHLO, häufiger mit H. heilmannii als mit H. felis, infiziert sind und die meisten
Katzen Entzündungsreaktionen in der Magenschleimhaut aufweisen, die keine Korrelation zur
Befallsdichte mit den GHLO haben. H. pylori wurde in keinem Fall nachgewiesen, so daß
Katzen wahrscheinlich nicht als Überträger der Keime auf den Menschen in Frage kommen,
eine Infektion des Menschen mit H. heilmannii kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Unter gewissen Umständen können Helicobacter-Spezies auch beim Tier klinische
Symptome hervorrufen, normalerweise verläuft die Infektion aber symptomlos.
Summary
78
Uta Brandenburg
Occurence of Helicobacter spp. in pet cats
7
Summary
H. pylori as well as various other Helicobacter spp. have, since the 1990s, been thought to be
responsible for causing various illnesses of the stomach and intestinal tract, particularly type
B gastritis in humans. To date, however, the sources of causative agents and the means of
transmission remain generally unknown, despite of extensive research. The most common and
most serious illnesses have been observed in humans; similarly, extensive studies in animals
indicate a relationship between infection by the bacterium and clinical symptoms.
Helicobacter spp. are very common amongst animals, often without manifesting in any
illness. The objective of this study was to establish which Helicobacter spp. are prevalent in
cats, which changes are elicited by the bacteria and whether these bacteria can cause
infections in humans. 100 cats from private households having undergone euthanasia or
recently deceased, were examined. All those cats included in the study were from the
Göttingen area. Methods used were microbiological and molecularbiological diagnostic
techniques as well as histological, immunohistological and ultra-structural procedures. The
following results were achieved:
Within the spheres of microbiological examinations which serve as the Gold Standard, no
H. pylori were discovered.
The molecular genetic examinations revealed, to the highest degree of specificity and
sensitivity, the contraction of H. heilmannii in 84 % of the research cats. H. felis was
detected in 20 % of the cases; in only one cat a simple H. felis infection was observed, and
the others were infected by both H. heilmannii and H. felis. Even with the aid of highly
soluble polyacrylamide gelelectrophoreses and followed by silver staining, H. pylori could
not be detected in any of the cats.
Summary
79
The immunohistological examination which, contrary to the microbiological examination,
also indicates a high certainty of proof, showed gastric Helicobacter-like organisms (GHLO)
in 82 % of the cases. During said examination, the bacteria in the mucosal surface, the gastric
pits and the gastric glands were observed, with varying degrees of intensity in all 3 specified
areas of the stomach. H. pylori was not detected.
Using H.-E. staining, changes in the gastric mucosa were diagnosed, in parallel to the
detection of the intensity of the bacterial presence as discovered through the
immunohistological examination. During this examination chronic reactions to infection in
the form of lymphoplasmacellular infiltration were found in most of the cats. The infections
varied gradually through the cardia, fundus/corpus and pylorus/antrum, with no particular
prevalence of bacteria in any of the areas. Occasionally some areas were negative for the
presence of bacteria, although other areas showed varying degrees of changes due to
infection. In eight of the animals symptoms of infection were evident without Helicobacterspecies having been discovered through the immunohistological testing. In 16 of the animals
Helicobacter-species without any associated signs of infection were observed.
A transmission electron microscopic examination, which allows for the diagnosis of the
ultrastructure of the bacteria, was conducted on a sample group. This examination revealed
H. heilmannii and H. felis to be characterised by ten to fifteen flagellae and in addition
H. felis was shown to exhibit periplasmatic fibrils distributed along the surface.
To summarise, after evaluation of the results, it can be concluded that cats infected by GHLO,
are more often infected by H. heilmannii than H. felis. Most cats exhibited reactions to
infections of the gastric mucosa which show no correlation to the extent of intensity of the
GHLO. H. pylori was not detected in any of the cases, meaning that cats are probably not
carriers of these germs to humans; an infection in humans by H. heilmannii can, however, not
be ruled out. Under certain circumstances, Helicobacter-species may also elicit clinical
symptoms in animals but normally the infection exhibits no symptoms.
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Anhang
9
Anhang
9.1
Nährboden
98
H. pylori-Selektivnährboden (Fa. Oxoid, Wesel)
(antibiotikahaltiger Columbia-Agar-Nährboden nach WARRELMANN u. HAHN (1987) zur
Kultivierung und Isolierung von H. pylori aus Untersuchungsmaterial)
Zusammensetzung der Columbia-Agar-Basis (g/l):
Spezialpepton
23,0
Stärke
1,0
Natriumchlorid
5,0
Agar-agar
pH
10,0
7,1-7,5
Zusammensetzung des H. pylori-Selektiv-Supplementes (Fa. Oxoid,Wesel)
Je Röhrchen nach DENT u. McNULTY (1988):
Vancomycin
5,0 mg
Trimethoprim
2,5 mg
Cefsulodin
2,5 mg
Amphotericin B
2,5 mg
In 500 ml Aqua dest. werden 19,5 g Columbia-Agar-Basis und 2 g Agar-agar suspendiert und
bis zum vollständigen Lösen unter Rühren erhitzt, dann bei 121° C autoklaviert und auf 50° C
abgekühlt. 2 ml Aqua dest. werden aseptisch zu einem Röhrchen Helicobacter-SelektivSupplement gegeben, vollständig gelöst und zu 500 ml abgekühltem Columbia-Agar-Basis
hinzugefügt. Abschließend werden noch 35 ml Vollblut zugefügt.
Anhang
9.2
99
Testreagenzien
Ureasereagenz ( Fa. Oxoid,Wesel)
Zusammensetzung der Harnstoff-Pepton-Lösung-Basis (g/l):
Pepton
1,0
Glucose
1,0
Dinatriumhydrogenphosphat
1,2
Kaliumdihydrogenphosphat
0,8
Natriumchlorid
5,0
Phenolrot
pH
0,004
6,6-7,0
In 95 ml Aqua dest. werden 0,9 g Harnstoff-Pepton-Lösung-Basis gelöst, bei 115° C
20 Minuten autoklaviert und dann auf 50° C abgekühlt. Danach werden aseptisch 5 ml sterile,
40%ige Harnstoff-Lösung zugegeben und gut gemischt. Je 100 ml der Lösung werden in
sterilen Verschlußgläsern im Kühlschrank gelagert. Vor der Verwendung werden jeweils 2 ml
in sterile Reagenzgläser gegeben und auf Zimmertemperatur (20° C) erwärmt.
Oxidasereagenz (Fa. Merck, Darmstadt)
N,N,N`,N`-Tetramethyl-1,4-phenyldiammoniumdichlorid 0,1 g
Aqua dest.
9,9 ml
16%ige Glyzerinmilch
Um den H. pylori-Stamm bei –20° C oder –80° C einzufrieren, wurden 16 ml steriles
Glycerin mit 84 ml ultrahocherhitzter Milch, mit einem Fettgehalt von 0,3 %, vermischt.
Anhang
9.3
GRAM-Färbung der Objektträger (Böck, 1989)
1.
Objektträger für 1 min. mit GRAMS Kristallviolettlösung bedecken
2.
Überschuß abkippen
3.
Objektträger für 1 min. mit Lugolscher Lösung bedecken
4.
Überschuß abkippen
5.
kurz mit 96%igem Alkohol entfärben
6.
mit Wasser abspülen
7.
Objektträger für 1 bis 2 min. mit Fuchsinlösung bedecken
8.
mit Wasser abspülen
9.
trocknen lassen
Gebrauchslösungen für die GRAM-Färbung
Lugolsche Lösung:
Kaliumjodid p.a.
Iod, doppelt sublimiert
Aqua dest.
14 g
7g
2100 ml
Fuchsin-Lösung:
Ziehl-Neelsen Karbolfuchsinlösung
Aqua dest.
10 ml
ad 100 ml
100
Anhang
9.4
Enzyme, Nukleinsäuren und Nukleotide
Puffer für PCR-Ansatz
KCl
3,728 g
MgCl2
0,305 g
TrisHCl
1,211 g
Gelatine
0,010 g
Aqua dest. ad
10 ml
PCR-Beads (Fa. Amersham Pharmacia Biotech):
1 Bead gelöst in 32 µl Standardlösung beinhaltet:
Taq-Polymerase
1,5 units
Tris-HCl (pH 9,0 bei Raumtemperatur)
10 mM
KCl
50 mM
MgCl2
1,5 mM
dNTP`s ( dATP, dCTP, dGTP, dTTP)
200 µM
Stabilisatoren
9.5
Protokolle für die Histologie und Elektronenmikroskopie
4%ige neutral gepufferte Formaldehydlösung nach Lillie (Böck, 1989):
mind. 37%ige Formalinlösung
100 ml
Aqua dest.
400 ml
Lösung A Phosphatpuffer (s. u.)
100 ml
Lösung B Phosphatpuffer (s. u.)
400 ml
101
Anhang
2,5%ige gepufferte Glutaraldehydlösung
25%ige Glutaraldehydlösung
100 ml
Aqua bidest.
400 ml
Lösung A Phosphatpuffer (s.u.)
100 ml
Lösung B Phosphatpuffer (s.u.)
400 ml
Phosphatpuffer:
Stammlösung A (0,2 M)
Na-dihydrogenphosphat-Monohydrat
Aqua bidest.
27,6 g
ad 1000 ml
Stammlösung B (0,2 M)
di-Na-hydrogenphosphat-Dihydrat
Aqua bidest.
35,6 g
ad 1000 ml
Gebrauchslösung (0,1 M; pH 7,4-7,6)
Stammlösung A
10 ml
Stammlösung B
40 ml
Aqua bidest.
50 ml
Nachfixierung der Biopsien für die TEM mit 2%iger Osmiumsäure
Osmiumsäure
Aqua bidest.
1g
ad 50 ml
Osmiumsäure vor Gebrauch mit 0,2 M Phosphatpuffer im Verhältnis 1:1 mischen.
Die Fixierzeit beträgt 2 Stunden.
102
Anhang
Eponmischung nach Luft (1961):
Mischung A
Glycidether 100 (Fa. Serva, Heidelberg, FRG)
DDSA (Fa. Serva, Heidelberg)
62 g
100 g
auf einem Magnetrührer ca. 1 Stunde rühren
Mischung B
Glycidether 100 (Fa. Serva, Heidelberg)
MNA (Fa. Serva, Heidelberg)
100 g
89g
auf einem Magnetrührer ca. 1 Stunde rühren
Gebrauchslösung EPON
Mischung A und B im Verhältnis 1 : 1
30 min lang auf einem Magnetrührer rühren
Beschleuniger DMP (2,4,6-Tris(dimethylaminomethyl)phenol) (Fa. Serva, Heidelberg)
zugeben, so daß 1,8 % in der Endlösung erreicht werden; 1 Stunde lang rühren
Kontrastierung der Ultradünnschnitte
Wässrige Uranylacetat-Kontrastierung
Uranylacetat
Aqua bidest.
5g
ad 100 ml
Lichtgeschützt aufbewahren und vor Gebrauch zentrifugieren
Kontrastierungsdauer: 20 min.
Bleikontrastierung nach REYNOLDS (1963)
Bleinitrat
1,33 g
Natriumcitrat
1,67 g
Aqua bidest.
30 ml
stark schütteln bis nach 30 min. Bleinitrat zu Bleicitrat umgewandelt ist
Na OH, 1 N
8 ml
Aqua bidest.
ad 50 ml
Kontrastierungsdauer: 7 min.
103
Anhang
Färbung nach RICHARDSON et al. (1960):
Stammlösung A
1 g Azur II für die Mikroskopie (Fa. Merck, Darmstadt) in
100 ml Aqua dest. lösen
Stammlösung B
1 g Di-Natriumtetraborat p. a. (Fa. Merck, Darmstadt) in
100 ml Aqua dest. lösen und darin 1 g Methylenblau für die Mikroskopie (Fa. Merck,
Darmstadt) auflösen
Gebrauchslösung
Lösung A und B im Verhältnis 1 : 1 mischen und Schnitte 1 min. damit färben
Hämalaun & Eosin-Färbung der Paraffinschnitte (Böck, 1989)
1. 3 x in Xylol für 5, 2 und 2 min. entparaffinieren
2. absteigende Alkoholreihe (96 %, 96 %, 80 %, 70 %, 50 %) für je 1 min.
3. Aqua dest. für 1 min.
4. Hämalaun nach Mayer für 1 min.
5. fließendes Leitungswasser für 1 min.
6. 0,5%iges Eosin für 1 min.
7. Aqua dest. für 1 min.
8. aufsteigende Alkoholreihe:
50%iger Alkohol für 45 sek.
70%iger Alkohol für 45 sek.
80%iger Alkohol für 1 min.
96%iger Alkohol für 1 min.
96%iger Alkohol für 1 min.
9. 2 x in Xylol für je 2 min. und Schnitte mit Eukitt eindecken
104
Anhang
9.6
Lösungen für die Immunhistochemie (ICH)
PBS-Puffer mit 0,5 % BSA (Verdünnungspuffer für die IHC):
Gebrauchslösung (0,1 M PBS; 0,5 % BSA; pH 7,4-7,6)
Aqua bidest.
50 ml
NaCl p.a.
0,9 g
Lösung A (Phosphat-Puffer s. Kap. 9.5)
10 ml
Lösung B (Phosphat-Puffer s. Kap. 9.5)
40 ml
BSA (Fa. Serva, Heidelberg)
0,5 g
Tris-Puffer (Spülpuffer für die IHC)
Stammlösung (0,5 M; pH 7,6)
Aqua bidest.
Tris-(hydroxymethyl)-aminomethan
500 ml
60,57 g
mit 1 N HCl (ca. 376 ml) auf pH 7,6 einstellen
Aqua bidest.
ad 1000 ml
bei 4 °C aufbewahren
Gebrauchslösung (0,05 M; pH 7,6)
Tris-Stammlösung
100 ml
NaCl
7,65 g
Aqua bidest.
ad 1000 ml
gut auf einem Magnetrührer lösen
Gebrauchslösung mit 2 % Milchpulver (gegen unspez. Hintergrund)
Tris-Stammlösung
100 ml
NaCl
7,65 g
Milchpulver
Aqua bidest.
20 g
ad 1000 ml
105
Anhang
106
DAB (Chromogen für die enzymatische Farbreaktion)
DAB (FA. Fluka, Seelze)
100 mg
Tris-Puffer-Gebrauchslösung
200 ml
unter Lichtausschluß lösen, anschließend zweimal filtrieren
Stock Solution Aliquots
DAB
Tris-Puffer-Gebrauchslösung
100 mg
10 ml
bei -25 °C einfrieren, vor Gebrauch auftauen, nach Zugabe von 190 ml TRIS-PufferGebrauchslösung zweimal filtrieren.
Citratpuffer (für die Mikrowellenbehandlung)
Stammlösung A (0,1 M Zitronensäure)
Zitronensäure
Aqua bidest.
21,01 g
ad 1000 ml
Stammlösung B (0,1 M Natriumcitrat)
Natriumcitrat
Aqua bidest.
29,41 g
ad 1000 ml
beide Stammlöungen bei 4 °C lagern
Gebrauchslösung (10 mM; pH 6)
Stammlöung A
9 ml
Stammlösung B
41 ml
Aqua bidest.
450 ml
TBE-Puffer
Tris-Puffer-Gebrauchslösung
Borsäure
EDTA
auf einen pH von 7,5 einstellen und autoklavieren.
162 g
27,5 g
9,3 g
Danksagung
Bedanken möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. E. Scupin für die Überlassung des Themas, bei
Herrn Prof. Dr. B. Brenig für die wissenschaftliche Betreuung und fachliche Anleitung, sowie
für die kritische Durchsicht des Manuskriptes.
Herrn Prof. Dr. Kaup möchte ich für die bereitwillige Übernahme meiner Arbeit und die
kritische Korrektur meines Manuskriptes danken.
Mein besonderer Dank gilt Dr. Gero Fabig, der mir jederzeit sowohl bei fachlichen Fragen,
besonders zum mikrobiologischen und molekularbiologischen Teil, bei der Korrektur der
Arbeit, als auch bei Problemlösungen motivierend zur Seite gestanden hat.
Ganz herzlich möchte ich mich auch bei Dr. Ina Pfeiffer bedanken, für die wissenschaftliche
Betreuung und die fachliche Anleitung des molekularbiologischen Teils der Arbeit.
Bedanken möchte ich mich bei Dr. K. Mätz-Rensing für die wissenschaftliche Betreuung und
die fachliche Anleitung zur Auswertung der histologischen und transmissionselektronenmikroskopischen Untersuchungen.
Der Kleintierklinik des Tierärztlichen Institutes, der Kleintierpraxis Dr. Wystub und
Dr. Monika Ziegler danke ich für die Bereitstellung des Probenmaterials.
Brigitte und Ingo Epler-Brandenburg danke ich für die spontane Hilfe bei der Übersetzung.
Mein ganz besonderer Dank gilt Olaf Hummel, der mir jederzeit bei allen
computertechnischen Fragen und Problemen zur Seite gestanden hat und mich auch ansonsten
immer seelisch und moralisch unterstützt hat.
Frau K. Kaiser-Jarry und Frau E. Niksch möchte ich für die Anfertigung der histologischen
Schnitte und der Bearbeitung der Proben für die Elektronenmikroskopie und Frau Dr. K.
Seidel vom Lehrstuhl für Tierhygiene, Universität München, für die Bereitstellung der
H. felis-Stämme danken.
Mein besonderer Dank gilt ebenso den Mitarbeitern des Tierärztlichen Institutes, die immer
für eine freundliche Arbeitsatmosphäre sorgten, insbesondere auch Frau Steffi Koch für die
Bereitstellung der Selektivnährböden und Frau Ilsemarie Grotian, die mir bei der Laborarbeit
immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat.
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