Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau Wintersemester 2010/2011 Studiengang Erziehung und Bildung (B.A.) Thomas Fuhr, Lucy Urich, Maruschka Jehle Hausarbeit zum Arbeitsfeld : Kinder‐ und Jugendpsychiatrie Haus Vogt Vorgelegt am 25.02.2011 Vorgelegt von: Christiane Bofinger / 1425243 Hanna Fischer / 1422728 Louisa Gegner/ 1423651 Janika Litterst / 1422708 Janet Ulbrich /1423436 Stefanie Wimmer / 1422985 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung………………………………………………………………………………………………………….………2 2. Geschichte der Kinder und Jugendpsychiatrie……………….………………………………………………3 2.1 Geschichte des Hauses Vogt……………………………………………………………………………….4 3. Struktur der Klinik „Haus Vogt“…………………………………………………………………………………5 4. Die Hausordnung der Klinik………………………………………………………………..…………………….9 5. Finanzielle Situation………………..……………………………….…………………………………………….12 6. Krankheitsbilder/ Psychische Störungen……………………………………………………………..….12 6.1 Angsstörung……………..………………………………………………………………………………………14 6.2 Sozialstörungen………………………….…………………………………………………………………….15 6.3 Essstörungen……………………………………………………………………………………………………16 6.3.1 Magersucht oder Anorexia nervosa…………………………….……………….17 6.3.2 Ess‐Brech‐Sucht oder Bulimie……………………………………………………...17 6.3.3 Binge‐Eating‐Störung…………………………………………………….……….…...18 6.4 Fallbeispiel………………………………………………………………………………………………….…...18 7. Interview mit „Herr M.“…………………………………………………………………………………….…..20 8. Patienten Bewertungen……………..………………………………………………………………….….…..22 9. Fazit………………………………………..……………………………………………………………….………….…23 10. Quellen…………………………………………………………………………………………………….…..…….….24 11. Anhang…………………………………………….……………………………………………………..……………..25 11.1 Interviewleitfaden…………………………………………………………………………………………..25 11.2 Interview…………………………………..…………………………………………………………………...27 11.3 Szenenplanung für den Film………………………….………………………………………………..34 11.4 Erklärung…………………….………………………………………………………………………………....37 11.5 Film……………………………………………………………………………………………………….………..39 1 1. Einleitung Im Rahmen unseres Arbeitsfelder‐ und Recht Seminars hatten wir die Aufgabe, in Gruppen über eine Institution zu recherchieren und sie anschließend auf der Institutionenbörse vorzustellen. Wir ließen uns von dem Arbeitsfeldermarkt inspirieren, der uns viele interessante Einblicke in verschiedenste Arbeitsfelder bot. Besonders gefiel uns der Stand der Kinder‐ und Jugendpsychiatrischen Klinik Haus Vogt. Dort stellte eine Studentin der PH, die dort gerade ihr Praktikumssemester absolviert, die Klinik vor. Dies war sehr beeindruckend und interessant, da sie auf alle Fragen ehrlich antwortete. Besonders anschaulich wurde es als sie uns einen Schuhkarton zeigte, der als „Notfallkarton“ für einen Jugendlichen dient. Er war gefüllt mit Dingen die dem Jugendlichen wichtig waren und ihn davon abhielten, sich selbst zu verletzen. Die Arbeit, die die Pädagogen dort leisten und die Klinik an sich hatte uns sehr beeindruckt, weshalb wir uns entschlossen haben, diese Institution vorzustellen. Nach der Kontaktaufnahme mit der Klinik statteten wir ihr ein Besuch ab. Wir wurden sehr freundlich von einem Pädagogen begrüßt, der uns eine Stunde lang alle Fragen beantwortete. Da wir dies leider nicht aufzeichnen konnten, wurde es von vier Personen aus der Gruppe mitgeschrieben. Anschließend wurde uns die Klinik gezeigt, wobei wir auch in die privaten Zimmer der Patienten schauen durften und auch viele Jugendlichen sahen. Nach einer Führung durch die Schule, Werk‐ und Freizeiträume und der Sporthalle, verabschiedeten wir uns. Da wir außerdem die Aufgabe hatten etwas Kreatives vorzuweisen, beschlossen wir in den nächsten Tagen diese Führung nachzustellen und sie in unserer Präsentation zu zeigen. Der Film der dadurch entstand, befindet sich im Anhang. Diese Hausarbeit ist folgender Maßen gegliedert. Zuerst wird die allgemeine Geschichte der Kinder‐ und Jugendpsychiatrie kurz aufgezeigt. Darauf folgt die Geschichte des Hauses Vogt. Die allgemeine Struktur und der Aufbau, wird im nächsten Teil beschrieben. Auf die Hausordnung und die finanzielle Situation wird danach eingegangen. Weiterhin werden verschiedene Krankheitsbilder erläutert, die man bei Patienten des Hauses Vogt finden kann. Anschaulich wird dies durch ein Fallbeispiel, welches als nächstens dargestellt wird. Im nächsten Abschnitt steht die Zusammenfassung des Interviews, und nachdem auf einige Patienten Bewertungen eingegangen wird, kommt zum Abschluss unser Fazit. 2 2. Die Geschichte der Kinder‐ und Jugendpsychiatrie Die Geschichte der Kinder‐ und Jugendpsychiatrie ist durch die Disziplinen Pädagogik, Heilpädagogik und Philosophie geprägt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Einrichtungen für sinnesbehinderte, schwachsinnige oder verwahrloste Kinder von Pädagogen und Theologen geleitet weil die Auffassung herrschte, das Geisteskranke von Philosophen behandelt werden müssen. Erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts waren zunehmend Ärzte verantwortlich. Die Krankheitsbilder wurden drei Konzepten zu geordnet. Es gab die Idiotie (aus der heutigen Sicht die psychischen und somatischen Beeinträchtigungen), den Veitstanz (dazu gehörte auch die Epilepsie und die kindlichen Hysterien) und unspezifische Ermüdungs‐ und Schwächeerscheinungen. Erst durch Pädagogen wie Pestalozzi oder Fröbel, wurde die Betrachtungsweiße der seelischen Störungen multidimensional betrachtet. Zum einen erkannte Pestalozzi die Bedeutung des Milieus für die kindliche Entwicklung, zum anderen entwickelte Fröbel einen gestaffelten Spiel‐, Lern‐ und Ausbildungsplan. Allerdings blieben die Kinderabteilungen der Nervenkliniken immer noch in der Hand von Heilpädagogen und waren nicht unter ärztlicher Leitung. Die Kinder‐ und Jugendpsychiatrie als Wissenschaft entwickelte sich später aus der Erwachsenenpsychiatrie und ‐Neurologie und der Kinderheilkunde. Als Meilenstein gilt das 1887 erschienene Lehrbuch Psychische Störungen im Kindesalter von dem Freiburger Psychiater Paul Emminghaus. Der Begriff „Kinderpsychiatrie“ selbst, wurde erstmals 1899 von dem Franzosen N. Manheimer gebraucht. Die erste Kinderpsychiatrische Klinik in Deutschland wurde von dem Frankfurter Psychiater Heinrich Hoffmann 1864 im Rahmen einer Kinderabteilung an der Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische gegründet. Sein 1845 erschienenes Buch der Struwwelpeter, in dem er einige kinderpsychiatrische Störungen beschreibt, wurde als „Lehrbuch der besonderen Art“ sehr populär. Ab der Jahrhundertwende wurde das Fachgebiet zunehmend selbstständiger und das Fachwissen war in zahlreichen Lehrbüchern nach zu lesen. (vgl. Ulrich, 2000, S. 12‐13) In der Zeit des Nationalsozialismus kam es allerdings es zu einem erschreckenden Rückschritt in der Kinder‐ und Jugendpsychiatrie. Der „Euthanasie“ fielen um die 5000 kranken oder behinderten Kinder zum Opfer. (vgl. Engbarth, 2003, S.293) In dieser Zeit wurde auch die „Kinderpsychiatrische Arbeitsgemeinschaft“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie 3 gegründet, die sich jedoch erst 1950 als „Deutsche Gesellschaft für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie“ etablierte. Der Facharzt für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie wurde 1969 eingeführt (vgl. Ulrich, 2000, S. 12‐14) Heut zu Tage beschäftigt sich die Kinder‐ und Jugendpsychiatrie in sehr vielen Fällen mit fehlentwickelten Kindern, die somit nicht seelisch krank sind und deren Störungen somit keinen Krankheitswert haben. Sie sind allerdings aus den verschiedensten Gründen daran gescheitert sich in das soziale Leben zu integrieren. Sei es aus alltäglichen Anforderungen, oder aus besonderen Zumutungen. Somit hat die Arbeit von Sozialpädagogen und Betreuern eine hohe Bedeutung, da bei diesen Kindern und Jugendlichen der pädagogische Aufgabenbereich größer ist als der Ärztliche. Der Aufenthalt in einer Klinik muss eine biographische Change für die Kinder und Jugendlichen sein. Sie sollen Werte lernen und Fürsorge und Schutz erfahren, sich jedoch auch in verschiedenen Feldern erproben und eine Fehlertoleranz entwickeln. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und sich auf das Leben außerhalb der Klinik vorzubereiten. Eine Abgrenzung zu Jugendhilfe Einrichtungen wird hiermit immer schwieriger, der Unterschied besteht allerdings in der ärztlichen Leitung der Kinder‐und Jugendpsychiatrie (vgl. Engbarth, 2003, S.249‐251) 2.1 Geschichte Haus Vogt Die Klinik Haus Vogt wurde 1975 von dem Kinder‐ und Jugendpsychiater Dr. S. Drömann gegründet. Sie gilt als Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik für Kinder und Jugendliche. Benannt wurde sie nach den Hirnforschern Oskar und Cécile Vogt. Ihr Träger ist die 1971 von Robert Bosch und Dr. Eva Madelung gegründeten Stiftung für Bildung und Behindertenförderung (SBB). Durch ihre Kinder‐ und jugendpsychiatrischen und psychotherapeutischen Regelversorgung nimmt sie eine Zwischenposition zwischen Kinder‐ und jugendpsychiatrischer Akutversorgung und Rehabilitation ein. Außerdem orientiert sie die Behandlung inhaltlich an die Leitlinien der oben genannten Deutschen Gesellschaft für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. 1 1 http://www.klinik‐haus‐vogt.de/ 4 3. Struktur der Klinik „Haus Vogt“ Die Klinik „Haus Vogt“ ist ein Fachkrankenhaus für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Erkrankungen und befindet sich im „Umbruch“, das heißt, sie wird mehr zur Klinik, was früher nicht der Fall war. Die Klinik besteht seit 1975 und das Klinikhaus gehört der Heidehofstiftung. Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren werden stationär behandelt. Die Behandlungszeit beträgt nur acht bis zehn Wochen, auf Grund der Finanzlage und der Krankenkassenreform. Da dies eine relativ kurze Zeit ist, werden sie danach stationär oder ambulant weitervermittelt. Früher betrug die Behandlungszeit mindestens ein Jahr, wobei damals die Klinik mehr eine Jugendhilfeeinrichtung war. Es gibt insgesamt 44 Behandlungsplätze, die sich auf vier verschiedene Stationsgruppen aufteilen. Das Angebot der Klinik ergänzt die Behandlungsmöglichkeiten von Kinder‐ und jugendpsychiatrischen Abteilungen und Kliniken in Baden‐Württemberg, da es eine mittel‐ bis längerfristige stationäre Behandlung der Kinder und Jugendlichen ermöglicht. Die Klinik verfolgt ein integratives Behandlungskonzept, welches fundierte und analytische Psychotherapie, jugendpsychiatrische Behandlung einschließlich Psychopharmakotherapie nach Indikationsstellung, Ergo‐ und Mototherapie, gruppentherapeutische Verfahren im Rahmen eines therapeutisch‐ pädagogischen Stationskonzeptes, sowie systemisches Arbeiten mit Familien umfasst. Da es keine Krankenschwestern und Pfleger gibt, sondern nur Pädagogen, was einen Unterschied zu anderen Einrichtungen ausmacht, ist die Klinik ein „Mischgebiet“ mit einem Team bestehend aus einem Chefarzt, zwei Oberärzten, zwei Pädagogischen Leiterinnen, sowie sieben Pädagogen pro Station, sieben Therapeuten, zwei Bewegungstherapeuten und zwei Ergotherapeuten. Daneben gibt es noch Lehrer, die in der schuleigenen Schule unterrichten. Die Kinder und Jugendlichen gehen während ihrer stationären Behandlung in die private Krankenhausschule, die staatlich anerkannt ist. Dort wird in kleinen Klassen der Lernstoff von Haupt‐, Real‐ und Gymnasialschulen unterrichtet. Die Lehrer der Krankenhausschule erhalten in den meisten Fällen einen Lehrstoffplan der Schule, an denen die Kinder und Jugendlichen üblicherweise unterrichtet werden. Es ist sogar möglich in der Krankenhausschule den Haupt‐ 5 oder Realschulabschluss zu absolvieren. In Ausnahmefällen dürfen die Kinder und Jugendlichen auch die öffentliche Schule in Titisee‐Neustadt besuchen. Doch der Schulbesuch im Allgemeinen wird von den Patienten oft verweigert. Bei einigen Krankheitsbildern ist eine stationäre, psychotherapeutisch‐psychiatrische Behandlung sofort indiziert. Es kann aber auch sein, dass im Verlauf einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung festgestellt wird, dass diese nicht ausreicht und dann eine stationäre, psychotherapeutisch‐psychiatrische Behandlung empfohlen wird. Um eine stationäre Behandlung beginnen zu können, ist neben der Zustellung der vorliegenden Voruntersuchungsbefunde durch Facharztpraxen oder Klinikabteilungen ein Vorstellungsgespräch mit den Eltern und dem Patient notwendig. Die Aufnahme geschieht nur, wenn eine Klinikeinweisung durch den behandelnden Facharzt oder den Hausarzt vorliegt. Die Kosten für die individuell notwendige Behandlungsdauer werden von Pflicht‐, Ersatz‐ und Privatkassen übernommen. Die Eltern müssen nur einen Teil der Kosten übernehmen und zwar 145€ im Monat für Materialien. Kinder und Jugendliche mit Hinweisen auf Suchtgefährdung oder Verwahrlosung werden im Klinik Haus Vogt nicht aufgenommen. Um eine möglichst erfolgreiche Behandlung zu bieten findet zuerst eine umfassende Diagnosestellung statt. Dabei werden die Symptomatik und die bisherige Lebenssituation erhoben und die familiäre, soziale und vor allem die persönliche Situation berücksichtigt. Danach wird ein individueller Therapieplan zusammengestellt und die Behandlungsformen festgelegt. Das „psychotherapeutische Angebot ist stark auf die Ressourcen und Kompetenzen der Jugendlichen und ihrer Familien ausgerichtet, um allgemeine Entwicklungsfortschritte zu fördern“ 2 . Es werden unter anderem kognitive Verhaltenstherapie, systematische Familientherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie angeboten, welche alle drei anerkannte und bewährte Psychotherapieverfahren sind. Die Kinder und Jugendlichen erhalten größtenteils zwei bis dreimal pro Woche Einzeltherapien. Außerdem gibt es noch „Reflexionsgespräche mit dem Behandlungsteam, Familiengespräche, sowie 2 http://www.klinik‐haus‐vogt.de/de/behandlung 6 verschiedene gruppentherapeutische Angebote (z. B. Stationsgruppengespräche, soziales Kompetenztraining, Training zur Verbesserung der Gefühls‐ und Spannungsregulation)“ 3 . Da die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Situation der Kinder und Jugendlichen und ihren Familien berücksichtigt werden, können unter anderem folgende Ziele der Psychotherapie genannt werden. Der Erwerb von Verständnis für die Zusammenhänge der Erkrankung mit lebensgeschichtlichen und sozialen Bedingungen und Linderung der vorhandenen Symptome sowie die Bearbeitung belastender familiärer und sozialer Beziehungsmuster. Daneben werden individuelle Bewältigungsstrategien in Bezug auf Krisensituationen erarbeitet und die Stärkung des Selbstwertgefühls gefördert. Außerdem steht die Förderung der Identitäts‐ und Autonomieentwicklung im Fokus der Therapie. Auch die Unterstützung von Selbstachtsamkeit und Förderung eines gesunden und selbstverantwortlichen Lebensstils bietet die Therapie sowie die Verbesserung der sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Es wird auch eine nachstationäre Perspektive erarbeite, wie zum Beispiel die Einleitung ambulanter Hilfemaßnahmen, schulische und berufliche Reintegration und gegebenenfalls die Einbeziehung von Jugendhilfe Die Klinik hat vier Stationsgruppen, die heterogen in Geschlecht, Alter und Krankheitsbild zusammengesetzt sind. Die Kinder und Jugendliche wohnen jeweils bis zu elft in einer Stationsgruppe. Eine „Gruppen‐Wohnung“ besteht aus einem gemeinsamen Essensraum mit Fernsehecke, Küche, Bad und den Zimmern für die Kinder und Jugendlichen. Es gibt hauptsächlich Doppelzimmer, aber auch wenige Einzelzimmer stehen zur Verfügung. Ein Pädagoge ist jeweils Mentor für zwei Jugendliche. Mittagessen gibt es im jeweiligen Gruppenraum, wobei der betreuende Pädagoge mit den Kindern und Jugendlichen zusammen isst. Die Kinder und Jugendlichen haben in ihren Gruppen kleinere Aufgaben, wie Küchendienst und putzen, aber es gibt auch eine Putzfrau, die die Gemeinschaftsräume sauber macht. Das Konzept der pädagogischen Betreuung dient dem Erreichen der individuellen therapeutischen Ziele. Es beruht auf Akzeptanz, Achtung und Wertschätzung des jugendlichen Patienten und seiner familiären und sozialen Umgebung. Einen positiven Behandlungsverlauf 3 vgl. http://www.klinik‐haus‐vogt.de/de/behandlung 7 der Kinder und Jugendlichen wird mit Kreativität, individuellen Lösungsansätzen und Erfahrung der Pädagogen ermöglicht. Auch die Planung einer tragfähigen Zukunft in Zusammenarbeit mit den Pädagogen und Therapeuten gehört zu dem pädagogischen Konzept. Die eigene Behandlungsmotivation der Kinder und Jugendlichen und die Akzeptanz und Einhaltung der Hausregeln sind zwingend für den offenen Behandlungsrahmen der Klinik. Wenn die Patienten Unterstützung brauchen stehen auf jeder Station sieben Pädagogen zur Verfügung, die im Schichtdienst Tag und Nacht den Kinder und Jugendlichen zur Seite stehen. Der Frühdienst beginnt um 7:45 Uhr und arbeitet bis 12:00 Uhr. Um 11:00 Uhr beginnt dann der Zwischendienst und dieser endet um 19:00 Uhr. Der Spätdienst arbeitet von 13:45 Uhr bis 21:45 Uhr. Die Nachtwache ist dann ab 21:00 Uhr im Haus. Das sind zwei Pädagogen, die dann jeweils zwei Stationsgruppen betreuen. In der Nacht gibt es einen Bereitschaftsarzt, der aber nicht im Haus ist. Die Ärzte haben in der Regel um 17:00 Uhr Feierabend. Deswegen übernehmen die betreuenden Pädagogen neben den pädagogischen Aufgaben auch pflegerische. Dazu müssen sie mindestens sechs Fortbildungen im Jahr zu medizinischen und anderen Themen besuchen. Um einen groben Überblick über die Aufgaben der pädagogischen Mitarbeiter zu geben, werde ich im Folgenden einige aufzählen. Das sind zum Beispiel die „begleitende Unterstützung während der Behandlungszeit, Einzel‐ und Gruppengespräche, individuelle Unterstützung bei der Tagesstrukturierung, Krisenintervention in Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten und Familiengespräche“ 4 . Die Pädagogen arbeiten mit dem Bezugspädagogensystem (Mentorensystem), um eine bessere Vertrauensbeziehung zu den Kindern und Jugendlichen aufbauen zu können. Dazu gibt es einmal im Monat eine Bilanzsitzung mit einem Jugendlichen allein und ein Mentoren Familiengespräch, zu dem die Familie einmal im Monat kommt. Besuch darf jederzeit kommen, muss aber vorher abgesprochen werden. Zudem dürfen oder vielmehr sollen die Patienten am Wochenende zurück in ihre Familien, was nicht immer einfach umzusetzen ist. Doch die Pädagogen achten darauf, dass die Patienten zumindest jedes zweite Wochenende zuhause verbringen. Den Kindern und Jugendlichen wird unter anderem auch der Umgang mit Geld oder ihrer Alltags‐ 4 http://www.klinik‐haus‐vogt.de/de/betreuung 8 und Freizeitgestaltung beigebracht. Die pädagogischen Mitarbeiter bieten auch Freizeit‐ und erlebnispädagogische Angebote. Auch das große Gelände der Klinik bietet den Kindern und Jugendlichen viele verschiedene Möglichkeiten ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Die Patienten können sich musikalisch, kreativ oder sportlerisch betätigen. Es gibt einen Musikraum mit Schlagzeug, Gitarre und Keyboard, in dem die Jugendlichen allein oder wenn es die Umstände erlauben auch zu mehreren (höchstens vier) Musik machen können. Die Jugendlichen nutzen dies auch oft, um kleine Konzerte einzustudieren, die sie dann in der Klinik veranstalten. Daneben gibt es eine Werkstatt, in der die Kinder und Jugendlichen sehr vielfältig arbeiten können. Dort können sie zeichnen, basteln, töpfern, nähen und mit Holz arbeiten, aber auch nur reden und Tee trinken. Die Werkstatt dient als gemütlicher Rückzugsort, an dem aber immer ein Pädagoge anwesend ist, der Hilfestellungen geben kann oder auch nur zuhört. Das große Gelände der Klinik umfasst einen Fußballplatz und einen Volleyballplatz. Außerdem gibt es die Bewegungshalle, um sich sportlerisch zu betätigen. Au dem weitläufigen Gelände steht auch ein alter Bauwagen, in dem einmal im Monat ein „Leseabend“ veranstaltet wird. Da die Klinik einen offenen Behandlungsrahmen bietet, dürfen die Kinder und Jugendlichen nach Abmeldung bei ihrem Betreuer auch allein Spaziergänge durch die Schwarzwaldlandschaft machen. Im Winter werden auch gemeinsame Skiausflüge zum nahegelegenen Feldberg angeboten. Die Kinder und Jugendlichen dürfen neben diesem vielfältigen Freizeitangebot auch dreimal in der Woche in die Stadt, wenn sie sich vorher bei dem betreuenden Pädagogen abgemeldet haben. Für diese und andere Ausflüge erhalten die Kinder und Jugendlichen jede Woche Taschengeld, falls ihr Zimmer ordentlich ist. 4. Die Hausordnung der Klinik „Grundlage für das Verhalten in unserer Klinik ist die Achtung des Anderen und eine gegenseitige Rücksichtnahme“ Die Jugendlichen haben sich in der Klinik an Regeln zu halten die in einer Hausordnung festgehalten sind. 9 1. Zimmer und Mobiliar Den Jugendlichen ist es erlaubt, kleinere Gegenstände oder Poster mitzubringen. Die Zimmer müssen immer so ordentlich gehalten werden, dass es dem Reinigungspersonal möglich ist diese sauber zu machen. Da das Mobiliar und die Wände der Klinik gehören, dürfen diese nicht beschmutzt werden, sollte das doch der Fall sein, muss den Schaden der Erziehungsberechtigte bezahlen. 2. Besuche Im Rahmen der Familiengespräche lässt sich eine gemeinsame Zeit mit der Familie verabreden, Therapien, Schule oder andere Pflichttermine haben aber Vorrang. 3. Musik/Multimediageräte/Handys Kleine Musikanlagen dürfen mitgebracht werden, Laptop oder Notebook ist verboten. Die Musik darf nur in Zimmerlautstärke gehört werden und ggf. dürfen die Mitarbeiter Einsicht in die mitgebrachten Dateien nehmen. 4. Telefonieren Es gibt eine Telefonzelle und Telefonzeiten in denen die Jugendlichen Telefonieren dürfen. Handys sind zu den Telefonzeiten ebenfalls erlaubt, doch außerhalb der Telefonzeiten werden sie im Pädagogenzimmer verwahrt. 5. Fernsehen/Videos/DVDs Das schauen von Videos und DVDs ist zu bestimmten Zeiten erlaubt, aber nur Filme mit FSK bis zu 12 Jahren. 6. Fahrräder und Skateboards Fahrräder dürfen mitgebracht werden, Skateboards dürfen nur im Skaterpark benutzt werden. 7. Rasiergeräte und Kosmetika 10 Rasierklingen und Glätteeisen dürfen nicht mitgebracht werden. 8. Gefährliche Gegenstände Auf Grund des Brandschutzes ist das Mitbringen von Feuerzeugen und Streichhölzern nicht erlaubt. Ebenfalls der Besitz von gefährlichen Gegenständen oder Waffen. Im Verdachtsfall kann es zu unangekündigten Durchsuchungen kommen. 9. Drogen/Alkohol/Medikamente Der Besitz und Konsum von Alkohol, Drogen und nicht verschriebenen Medikamenten ist während der gesamten Behandlung strengstens verboten. Auch hier kann es zu unangekündigten Kontrollen kommen. 10. Rauchen Im Haus und auf dem Gelände ist Rauchverbot. 11. Stationsgruppenregeln Gruppenzeiten: Wenn man seine Stationsgruppe verlässt, muss man sich persönlich abmelden und wieder zurückmelden, bei einem Pädagogen. Unter der Woche, an Schultagen ist vor 12 Uhr kein Besuch auf anderen Stationsgruppen möglich. An den Wochenenden und in den Ferien, ist es ab 10 Uhr morgens möglich. Die Möglichkeit in die Stadt zu gehen besteht täglich zu bestimmten Zeiten, der Richtwert liegt bei 3x2 Stunden pro Woche. Die Abmeldung bei einem Pädagogen ist aber notwendig. Es gibt eine Mittagszeit in der jeder in seinem Zimmer bleibt, in der Zeit ist auch kein Besuch auf einer anderen Stationsgruppe erlaubt. In der Zeit werden Hausaufgaben erledigt. Abends sind die Jugendlichen ab 21.15 Uhr auf ihren Zimmern. Die Mahlzeiten sind verbindliche Termine an die sich jeder halten muss. 12. Paarbeziehungen/Sexuelle Kontakte Paarbeziehungen und sexuelle Kontakte sind während der Behandlung in der Klinik nicht gestattet 11 13. Selbstschädigendes Verhalten und Suizidgedanken „Selbstschädigendes Verhalten bedarf der ärztlichen Versorgung. Fortgesetztes selbstschädigendes Verhalten kann zur Verlegung oder Entlassung führen. Gespräche über Suizidgedanken gehören in die Psychotherapie und sind zwischen den Jugendlichen nicht erlaubt.“ 14. Brandschutz/Verhalten bei einem Brand Es gelten strenge Brandvorschriften. Das anzünden von Kerzen usw. ist verboten. 5. Finanzielle Situation Träger der Klinik ist die Heidehofstiftung GmbH in Stuttgart. Die Kosten für den Klinikaufenthalt werden von der zuständigen Krankenkasse übernommen. Für die Aufnahme ist eine Klinikeinweisung des Hausarztes oder Psychotherapeuten notwendig. Monatlichen fallen aber für die Eltern Kosten in Höhe von 145 € an für z.B. Freizeitgestaltung, Taschengeld Wäschegeld und anderes. 5 6. Krankheitsbilder/ Psychische Störungen Nach Untersuchungen des Max Planck Instituts für Psychiatrie leiden etwa ein Drittel der Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens an einer ernstzunehmenden psychischen Störung. Viele dieser Menschen sind sich jedoch gar nicht bewusst, dass sie selbst an einer psychischen Störung leiden oder sie haben Angst davor, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Unwissen darüber, was eine psychische Störung überhaupt ist, veranlasst viele Menschen dazu, ihre Krankheit vor anderen verstecken zu wollen. Dabei ist vielen oftmals nicht klar, dass sich eine psychische Erkrankung nicht sehr viel von einer körperlichen unterscheidet und grundsätzlich auch behandelbar ist. Laut Angabe der vorliegenden Quelle könnte etwa 80 % der 5 http://www.klinik‐haus‐vogt.de/ 12 Betroffenen geholfen werden, jedoch nehmen nur 20 % professionelle Hilfe in Anspruch. Etwa 2,5 Millionen Kinder leiden an einer psychischen Störung, davon wird etwa 40 % nicht professionell geholfen. Weitere Schätzungen zeigen, dass etwa 25 % Prozent aller Personen, die sich auf Grund einer scheinbar körperlichen Erkrankung in ärztliche Fürsorge begeben, in Wirklichkeit an einer psychischen Störung leiden. Eine psychische Störung liegt vor, wenn der Mensch nicht mehr in der Lage ist, sich den alltäglichen Anforderungen und Aufgaben des Lebens, ob zu Hause oder bei der Arbeit, anzupassen. Nahm man vor einiger Zeit noch an, dass das Gehirn und die Psyche zwei völlig voneinander unabhängige Bereiche des menschlichen Körpers sind, zeigen neuere Erkenntnisse der Molekularbiologie und Neurowissenschaft, dass eine ,,Trennung von Gehirn und Psyche willkürlich“ (Barnow/Freyberger/Wolfgang/Linden,2003,S.31) ist. Symptome einer psychischen Erkrankung beeinflussen vier unterschiedliche Bereiche des menschlichen Lebens. Der erste Bereich ist die Art und Weise, wie Menschen ihre Gefühle erleben und äußern, der zweite wie sie denken, urteilen und lernen. Drittens wird auch das Verhalten des Menschen beeinflusst, und der vierte und letzte Bereich, in dem sich psychische Probleme äußern können, ist das körperlich Empfinden und Erleben des betroffenen Menschen. Die Krankheitsbilder einer psychischen Störung setzen sich aus unterschiedlichen Symptomkomplexen, die gemeinsam auftreten, zusammen. Eine genaue Beschreibung psychischer Störungen findet sich nach internationaler Klassifikation der Weltgesundheitsbehörde (WHO) oder nach dem US‐ amerikanischen Diagnosesystem DSM wieder. (vgl. Sheeely/Cournos, aus: Handbuch psychische Störungen , 1998, S. 7‐13) (vgl. Birke, aus: Von Angst bis Zwang ,2003, S. 31) In der Klinik Haus Vogt werden folgende psychische Krankheiten behandelt: Verhaltens‐ und emotionale Störungen, Angststörungen (Schulphobie), Zwangsstörungen, Psychosomatische Erkrankungen, Essstörungen (Magersucht und Bulimie), Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, Reifungskrisen, Borderline‐ Störungen und Endogene Psychosen. 3 Im Folgenden werden nun drei der am häufigsten in der Klinik Haus Vogt behandelten 3 http://www.klinik‐haus‐vogt.de/ 13 psychischen Krankheiten vorgestellt. Nach Aussage eines Diplom – Sozialarbeiters der Klinik leiden die meisten ihrer KlientInnen an Angststörungen, Sozialstörungen und Essstörungen. 6.1 Angsstörung Jeder Mensch wurde in seinem Leben schon einmal mit dem Thema Angst konfrontiert, manche haben panische Angst vor einer bestimmten Situation, andere dagegen eher vor einer klitzekleinen Spinne oder Schlange, wieder andere haben Angst vor einer Person oder einem unheimlichen Ort. Vor etwas Angst zu haben ist in unserer Gesellschaft normal, jedoch kann sich eine solche Furcht vor etwas auch zu einer Angststörung entwickeln, die zu einer der häufigsten psychischen Störungen zählt. Es gibt zwei Arten von Angstempfinden, das reale und das nicht reale, welches sich eher in der Phantasiewelt bzw. dem Innenleben des Betroffenen abspielt. Die ,,nicht reale“ Angst ist die häufigere Ursache, weshalb sich Menschen auf Grund ihrer psychischen Störung in Behandlung begeben, die reale Angst ist eher weniger Auslöser für eine solche Störung. Eine Angststörung oder auch Angstneurose entwickelt sich ,,aus einer bedrohlichen Vorstellung heraus oder ohne erkennbaren Grund“ (Flöttmann, 1993, S.20) und kann sich sogar zur richtigen Todesangst entwickeln. Man differenziert zudem auch noch zwischen Angstneurose und Phobie, wobei letzteres die Angst vor einem ganz bestimmten Gegenstand, einer Person oder einem Tier bezeichnet. Eine häufige Phobie bei Jugendlichen ist die sogenannte Schulphobie, die Kinder werden immer ängstlicher im Bezug auf die Schule und entwickelt Taktiken, nicht mehr in die Schule gehen zu müssen. Angststörungen können sich ganz bewusst im Menschen abspielen, jedoch kann man auch unbewusst an einer Angststörung leiden und diese versuchen zu unterdrücken, was sich jedoch dann in körperlichen Beschwerden äußern kann. Das Alter, in der eine Angststörung auftreten kann, liegt zwischen 14 und 50 Jahren. Eine Angststörung beeinflusst verschiedene Bereiche des Menschen, sie hat Einfluss auf den Verstand, den Körper und das Verhalten des Menschen. Durch die Angst wird die Verstandesfunktion derart beeinflusst, dass das menschliche Gehirn nicht mehr in der Lage ist, logisch und realistisch zu denken, der Mensch ist in seiner Wahrnehmung eingeschränkt. Die Angst kann u.U. auch eine Veränderung der Körperfunktion bewirken und dadurch die verschiedensten Symptome hervorrufen. 14 Schlafstörungen, Reizbarkeit, Müdigkeit, Beklemmung, Furcht bis hin zu Schweißausbrüchen, Ohnmacht, Zittern, Muskelverspannungen oder sogar Herzschmerzen und Magenbeschwerden sind nur wenige von vielen weiteren Symptomen, die eine Angststörung hervorrufen kann. In besonders starken Zuständen der Angst haben manche Betroffenen sogar das Gefühl, einen Herzinfarkt zu erleiden. Des Weiteren hat eine psychische Angststörung auch Auswirkung auf das Verhalten der jeweiligen Person. Hierbei unterscheidet man nochmals drei Verhaltensweisen: Zum ersten den ,,Angriff“, wenn die Person versucht die Angst zu überspielen und sich dadurch besonders mutig zu verhalten versucht. Die meisten Menschen reagieren jedoch mit ,,Flucht“, versuchen also die Situation, die die Angst hervorruft, zu vermeiden. Als letztes differenziert man bei dem Verhalten eines Betroffenen noch die ,,Bindung“, das heißt die Person sucht Zuflucht an einem Sicherung Ort oder bei einer bestimmten Person. Die Ursache für eine krankhafte Angststörung entsteht oftmals schon in der Kindheit und wird während oder durch die Folgen einer Trennungssituation ausgelöst, beispielsweise durch den Tod eines nahestehenden Menschen, einen Umzug oder aber durch andere wichtige Ereignisse wie eine größere Reise, einer Schwangerschaft oder etwas anderem, sehr prägnantem im Leben. Neben der schon erwähnten Schulphobie gehören zu den Angststörungen unter anderem generalisierten Angststörungen, das Panik‐Syndrom, die Agoraphobie, die Sozialphobie, weitere spezifischen Phobien, die Zwangsstörungen und die posttraumatischen Belastungsreaktion bzw. ‐störungen. (vgl. Flöttmann, 1993, S.15‐33) ( Jacobi/Schneider/Barnow, 2003, S. 115‐120) 6.2 Sozialstörung Eine weitere psychische Erkrankung, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen auftritt, ist die Störung des Sozialverhaltens oder auch Sozialstörung genannt. Viele Eltern haben mit ihren Kindern, vor allem in der Pubertät, große Schwierigkeiten und Streit, leidet das Kind jedoch an einer Störung des Sozialverhaltens, sind die Probleme weitaus gravierender und schwerwiegender. Eine Sozialstörung äußert sich meist in Form von Streitigkeiten und Aggressivität gegenüber Gleichaltrigen und Autoritäten, Stehlen, Lügen, Vandalismus, Tyrannisieren und Quälen anderer Menschen oder auch Tieren. Weitere Symptome sind beispielsweise, dass diese Kinder oder Jugendliche Probleme haben, ihre Emotionen richtig 15 auszudrücken, sie haben wenig Freunde und schwänzen oft die Schule. Eine Sozialstörung tritt häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf und kann bereits im Kindesalter, etwa mit 4 Jahren, durch übersteigerte Wut und Aggressivität des Kindes sichtbar werden. Eine Sozialstörung äußert sich je nach Entwicklungsstufe anders, so zeigen 8‐Jährige, die an einer solchen psychischen Störung leiden, eher die Symptomatik Lügen, Stehlen, Zerstören von Dingen anderer und das Schulschwänzen, wohingegen im vorpubertären Alter die Erkrankung durch den Missbrauch von Alkohol und Drogen oder das Experimentieren mit Sex ein Zeichen für eine solche Störung darstellt. Die Symptomatik kann sich entweder nur innerhalb der Familie abspielen, oder sich auch auf das gesellschaftliche Leben, wie beispielsweise die Schule, der betroffenen Person übertragen. Ursachen einer solchen Erkrankung können verschiedensten Ursprung haben. Häufig sind die betroffenen Kinder schlecht in der Schule, leiden an einer geistigen Behinderung oder Lernschwäche, oftmals ist aber auch das soziale Umfeld des Kindes an einer Sozialstörung beteiligt. Durch Vernachlässigung der Kinder seitens der Eltern oder kriminelles oder antisoziales Verhalten der Eltern ist es möglich, dass die Kinder dadurch beeinflusst werden. Eine fehlende soziale Bindung zu einer Bezugsperson kann ebenfalls Auslöser einer psychischen Störung sein. 6 7 (vgl. Klein, 1998, S.279f) 6.3 Essstörung Unter Essstörung lassen sich drei verschiedene Krankheitsbilder fassen: Magersucht (Anorexie), Ess‐Brech‐Sucht (Bullemie) und Binge‐Eating‐Störung (meist mit Übergewicht verbundene psychogene Essstörung). Die Anorexie oder auch Anorexia nervosa ist die am längsten bekannte Essstörung und heißt Appetitlosigkeit. Darauf folgt die Bullemie, die Übersetzung davon ist Stierhunger. Binge‐Eating ist die am wenigsten erforschte, sie bedeutet so viel wie etwas in sich hineinschütten. Alle drei Formen der Essstörung haben gemeinsam, dass das lebensnotwendige Essen ein psychosomatisches Problem mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geworden ist. (vgl. BZgA, 2000, S.10) 6 vgl. http://www.ergo‐langgoens.de/ergotherapie_kind/sozial.html 7 vgl. AWMF online 16 6.3.1 Magersucht oder Anorexia nervosa Magersüchtige Fallen auf, dadurch das sie sehr dünn sind, sie haben keinen Kontakt mehr zu ihrem Körper, der Kopf kontrolliert und steuert alles. Es wird ein Gewichtsverlust herbei geführt durch streng kontrolliert und wenige Nahrungsaufnahme mit wenig Kalorien und sehr viel Sport .Die Betroffenen haben keine Krankheitseinsicht, leiden unter ständiger Angst vor Gewichtszunahme, denken sie wären „fett“ und die Gedanken kreisen die ganze Zeit um Nahrung und dir Figur. Durch Magersucht können die Betroffenen Selbsthass, Geiz, depressive Verstimmungen und Perfektionismus entwickeln. Reaktionen des Körpers können Müdigkeit, Frieren oder Verstopfung sein. (vgl. BZgA, 2000, S.16‐17) 6.3.2 Ess‐Brech‐Sucht oder Bulimie Nach außen hin sind die von Bulimie Betroffenen eher unauffällig sie essen in der Öffentlichkeit normal und sind auch nicht überdimensional dünn. Bulimie ist eine heimliche Krankheit, die Betroffenen ekeln sich vor sich selbst, alles was sie zu sich nehmen muss so schnell wie möglich den Körper wieder verlassen (Erbrechen oder Abführmittel). Mindestens 2 Mal in der Woche haben die Betroffenen Essattacken, es wird in Massen gegessen, am besten kalorienreiches Essen. Sie haben während der Attacken meist keine Kontrolle über ihr Essverhalten. Die Betroffenen beschäftigen sich die ganze Zeit mit ihrer Figur und ihrem Gewicht, sie haben ständig Angst davor, dass sie zu dick werden. Menschen mit Bulimie hatten oft davor schon einmal Magersucht oder neigen dazu während der Bulimie wieder magersüchtig zu werden, Ess‐Brech‐Sucht und Magersucht haben fließende Grenzen. (vgl. BZgA, 2000, S.18‐19) 6.3.3 Binge‐Eating‐Störung Betroffene der Binge‐Eating‐Störung sind meist übergewichtig. Sie leiden an immer wiederkommenden Essanfällen, im Gegensatz zur Bulimie erbrechen die Betroffenen von Binge‐Eating danach nicht. Die Patienten haben keine Kontrolle über ihr Essverhalten und 17 nehmen meist sehr kalorienreiches Essen zu sich. Sie essen oft über Stunden hinweg und können danach gar nicht mehr sagen, wann die eine Essattacke vorbei war und die nächste begann. Die Betroffenen leiden nach den Attacken unter Schuldgefühlen, Depressionen, und Selbstvorwürfen. Reaktionen des Körpers können Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkleiden sein. (vgl. Tuschen‐Caffier, 2005, S.15) 6.4 Fallbeispiel Das nun kommende Beispiel beruht auf einen spezifischen Fall aus dem Familienkreis welches sich auf die Situation eines „Haus Vogt“ Patienten übertragen lässt. Der Name wurde geändert. Clara 16‐ Borderline Clara ist ein ganz normales Mädchen, das im Kindesalter sowohl mit Puppen, als auch mit ihren Freundinnen spielte. Sie wächst mit ihren zwei Geschwistern in einem behüteten Elternhaus auf dem Land auf. In der Schule war sie eine der Besten und in ihrer Freizeit spielte sie Klarinette und ging Reiten. Ihr Leben verlief anfangs wie im Bilderbuch. Sie erreichte eigentlich immer, was sie sich vornahm und stand mitten im Leben. Sie plante schon mit 10, als sie aufs Gymnasium kam, einmal zu studieren und mit ihrem Traummann ein Haus zu bauen. Ihre Eltern waren sehr stolz auf sie und erwarteten auch zunehmend gute Noten. Als sie eines Tages, im Alter von 13 Jahren, ihre Englisch‐ Arbeit zurückbekam, verstand sie die Welt nicht mehr. Englisch war ihr Lieblingsfach und sie hatte nie Probleme damit. Doch jetzt hatte sie eine 4 zurückbekommen. Als sie zuhause war, zog sie sich in ihr Zimmer zurück. Verschwieg ihren Eltern die Niederlage, da sie sich schämte. Für sie brach ein Stück ihrer kleinen, heilen Welt zusammen. In ihr staute sich eine Wut auf, die sie so noch nie spürte. Verärgert über sich selbst und doch fassungslos griff sie zu einer Nagelfeile, die sie auf ihrem Schreibtisch liegen sah. Aus lauter Frust kratze sie sich am Arm entlang. Ihr standen die Tränen in den Augen und mit der Zeit spürte sie eine Befriedigung. Je fester sie sich weh tat umso mehr vergaß sie ihre Note. In ihrer weiteren Gymnasialzeit kam es nun öfters vor, dass sie nicht mehr die Klassenbeste war und anstatt ihrer 18 gewohnten Einsen auch mal eine Zwei oder Drei bekam. Die Nagelfeile tauschte sie nach einiger Zeit gegen eine Rasierklinge und je öfter sie sich schnitt, desto häufiger kam sie in ihre eigene Welt, in der sie keine Niederlagen erlebte. Dieser Rauschzustand ließ ihren Alltag vergessen. Ihre Eltern wunderten sich ab und zu, warum sie sich immer mehr zurückzog, begründeten dies dann aber mit der Pubertät. Auch Clara lernte, ihren Eltern was vor zu spielen, mit langen Pullovern verbarg sie ihre Schnittwunden. Sie isolierte sich zunehmend, ging kaum noch zu Freunden und auch ihre Hobbies wurden ihr immer weniger wichtig. Dies ging einige Zeit Tag für Tag weiter, bis ihre Mutter eines Tages, für Clara unerwartet, ins Bad kam und sah, wie ihre Tochter da stand und die Rasierklinge an ihrem Unterarm ansetzte. Schockiert und völlig fassungslos standen beide da. Von da an waren sich Claras Eltern im Klaren, dass ihre Tochter Hilfe benötigt. Weil sie zu der Zeit kaum an Clara herankamen, da sie kaum über ihre Situation sprechen wollte, holten sich ihre Eltern Rat bei einem Therapeuten. Auch Clara sprach einige Male mit ihm. Es fiel ihr leichter, als mit ihren Eltern über ihren Frust in der Schule und der Angst nicht gut genug zu sein, zu reden. Nach einiger Zeit schlug der Therapeut der Familie das Haus Vogt vor. Anfangs lehnte Clara ab, in eine Klinik zu gehen, doch ihr wurde ausführlich erklärt, dass sie sich das Haus Vogt nicht wie ein Krankenhaus vorstellen muss, sondern es dort sehr viele Beschäftigungsmöglichkeiten gibt, die mit Spaß verbunden sind. Außerdem könnte sie auch dort zur Schule gehen und hätte so Abstand von ihrem bisherigen „Chaos‐ Schulalltag“. Sie willigte nach einiger Zeit und vielen Gesprächen ein. Ihr Therapeut, der schon vor einiger Zeit sich um einen Platz im Haus Vogt kümmerte, schrieb ihr eine Überweisung. Vier Monate sollte Clara nun in der Klinik leben. Sie kam, wie es dort üblich ist, in ein Zimmer, in dem schon ein anderes Mädchen wohnte. Anfangs fühlte sie sich sehr unwohl und verstand nicht, weshalb sie hier sein sollte, doch nach einiger Zeit fiel der Druck, den sie die ganzen vergangenen Monate immer wieder aufstaute, ab. Da sie nur zwei bis drei Stunden am Tag in die Schule ging und durch die wesentlich kleineren Klassen, als in der Schule gut mitkam, verspürte sie immer weniger das Verlangen, sich zu verletzen. Die Therapien fand sie eher langweilig, doch die anderen Jugendlichen waren nett und sie war abgelenkt. An den Wochenenden fuhr sie meistens nach Hause. Doch da kamen viel 19 häufiger wieder diese Versagensängste. Sie wollte immer, dass ihre Eltern stolz auf sie sind und zu Hause kamen dann wieder ihre schlechten Noten hoch und sie fühlte sich unwohl. Das Schneiden wurde zwar weniger, aber hörte noch nicht auf. Sie bekam im Haus Vogt Unterstützung und trotzdem war es wichtig, dass sie regelmäßig nach Hause fuhr, um sich wieder auf das Leben daheim einstellen zu können. Da das Haus Vogt eine offene Klinik ist, verspüren viele Jugendliche nicht den Zwang, behandelt werden zu müssen, sie leben dort ein relativ normales Leben und werden unterstützt. Mit Sicherheit hat diese Form der Unterstützung auch bei Clara dazu beigetragen, ihren Alltag zu Hause besser zu meistern und den zuvor vorhandenen Druck schrittweise zu verringern. Auch nach ihrer Zeit im Haus Vogt spricht sie regelmäßig mit einem Therapeuten, um längerfristig von ihren Selbstverletzungen loszukommen. 7. Interview mit „Herr M.“ Vorab sei gesagt, dass der Name des Diplom‐Sozialarbeiters geändert wurde und die Zitate im Interview‐Protokoll wieder zu finden sind. Als uns Herr M. mitteilte, dass wir weder Film‐ noch Tonaufnahmen machen dürfen, waren wir etwas verunsichert, ob wir durch das Interview viele Informationen erhalten werden. Doch als uns Herr M. begrüßte und uns in einen extra vorbereiteten Raum führte, in dem Kaffee und sonstige Getränke bereit standen, legte sich die Nervosität. Herr M. berichtete ausführlich und scheinbar gerne über seine Erfahrungen und die Klinik. Die Informationen zur Klinik im allgemeinen wurden bereits in den voran gegangenen Teilen verwendet, weshalb hier nur auf die persönlichen Erfahrungen und den Tages‐ bzw. Wochenablauf des Sozialarbeiters und Gruppenleiter eingegangen wird. Auf die Frage nach seinem Berufsweg erzählte uns Herr M., dass er gelernter Diplom‐ Sozialarbeiter sei, er arbeitete zwei bis drei Jahre als Sozialarbeiter bei der Caritas. Dort hatte er mit jungen erwachsenen Aussiedlern zu tun, er half ihnen sich wieder zu integrieren, 20 unteranderem durch Sprachschulen. Die Arbeit im Klinik Haus Vogt sei ganz anders, sagt Herr M., dort arbeitet er nun seit zwölf Jahren als „Pädagoge im Alltagsbereich“. Außerdem ist er seit einem Jahr Stationsleiter und leitet eine der 4 Gruppen. Er ist also nicht nur an der Arbeit mit den Jugendlichen beteiligt, sondern auch in der Organisation tätig, was seiner Meinung nach eine „gute Mischung“ ist. Herr M. arbeitet also nicht „full‐time mit den Jugendlichen“, wobei er auch berichtet, dass er sehr gerne mit Jugendlichen arbeitet. Ihm gefällt, dass diese Arbeit weit über seinen Ausbildungsberuf hinausgeht und er mit verschiedenen Berufsgruppen zusammen arbeitet (Therapeuten, Ärzte, Lehrer, Pädagogen usw.). Weiter erzählt er, dass in der Klinik ein sehr gutes Arbeitsklima herrsche und es kaum eine Hierarchie gäbe. Die Kommunikation findet auf gleicher Ebene statt und es herrscht ein positives Miteinander in der Klinik. Schwer traf ihn, vor allem aufgrund des eigentlich guten Arbeitsklimas, ein Betrug des ehemaligen Geschäftsführers, was er aber nicht näher erläutern wollte. Herr M. berichtet, dass es am Anfang sehr schwierig sei, sich von der Arbeit abzugrenzen und zu verstehen, „dass man nicht jeden retten und jedem helfen kann“. Mit der Zeit werde es besser, sagt Herr M., er habe gelernt sich von der Arbeit abzugrenzen und wenn er die Klinik verlässt, denkt er nicht mehr so sehr an die Jugendlichen. Routine und seine Familie helfen ihm dabei. Wichtig für das Berufsfeld sind also Mittel zur Abgrenzung sowie eine „positive Einstellung zu anderen Menschen“. Voraussetzung ist ein sozialpädagogisches Studium. Der Tag von Herr M. beginnt mit dem Frühstück, gemeinsam mit den Jugendlichen seiner Gruppe, danach wird mit jedem Einzelnen der individuelle Tagesplan durchgesprochen und besprochen „was sonst noch so ansteht“. Während die Jugendlichen zwei bis drei Stunden in der Schule sind, hat Herr M. Besprechungen mit dem Ober‐ und Chefarzt. Außer mittwochs, stehen jeden Vormittag noch Visiten und einmal pro Woche eine Einzelvisite an. Außerdem hat Herr M. am Vormittag Konferenzen und Treffen, man spreche über Vorfälle, den Behandlungsverlauf der Jugendlichen und ähnliches, erklärt Herr M.. Mittwochs finden stattdessen regelmäßige medizinische und therapeutische Fortbildungen statt, jeder Pädagoge muss pro Jahr an mindestens sechs dieser Fortbildungen teilnehmen. Außerdem sind mittwochs einmal pro Monat Stationsleitersitzungen und „Besprechungen von internen Dingen“. Herr M. erzählt, dass sich die Jugendlichen oft darüber beschweren, da die Pädagogen deshalb 21 mittwochs kaum Zeit haben. Nach dem gemeinsamen Mittagessen haben die Jugendlichen eine Stunde Mittagsruhepause. Es herrsche üblicherweise immer Trubel in der Klinik und man habe wenig Zeit für sich allein, weshalb die Ruhepause sehr gut sei für die Jugendlichen, erklärt Herr M.. Er erzählt aber auch, dass manchen Jugendlichen die Ruhepause sehr schwer falle, weshalb auch in dieser Zeit immer Pädagogen präsent seien. Nachmittags gibt es Gruppenmeetings, bei denen zum Beispiel der strukturelle Ablauf in der Gruppe geplant wird, sowie Dienste (Bspw. Küchendienst) vergeben werden. Aber auch Ausflüge und Aktionen werden von den Jugendlichen selbst geplant und vorbereitet. Diese finden jeden Dienstag statt (z.B. schwimmen gehen, klettern, gemeinsam kochen, Essen gehen usw.). In der Regel müssen alle Jugendlichen mitmachen, man möchte, dass „die Jugendlichen ihren Horizont erweitern“. Ausnahmen gibt es, wenn man aufgrund von bestimmten Krankheiten nicht an den Aktionen teilnehmen kann. Donnerstags findet eine Gruppentherapie statt. Herr M. erklärt, dass er als Pädagoge zwar dabei sei, die Therapie jedoch von einem Therapeuten aus einer anderen Gruppe moderiert werde, welcher sonst nichts mit der Gruppe zu tun habe. Es geht darum die Gruppendynamik zu fördern und sich gegenseitig Feedback zu geben, als Therapiemethode nennt Herr M. den „heißen Stuhl“. Um 21:45 Uhr ist die Spätschicht vorbei und um 21:00 kommen für die vier Gruppen zwei Pädagogen, welche tagsüber nie da sind, sogenannte „Nachtwächter“. Am Wochenende sind in der Klinik wenige Jugendliche, da sie übers Wochenende nach Hause fahren sollen. Jugendliche die von weiter weg kommen, sollen mindestens jedes zweite Wochenende nach Hause fahren, wobei Herr M. auch Jugendliche erwähnt, „bei denen es Sinn macht, dass sie in der Klinik bleiben“. Ansonsten verlassen die Jugendlichen die Klinik am Samstagmorgen und sollen am Sonntag bis spätestens zwanzig Uhr wieder eintreffen. Man will, dass die Jugendlichen so auch während der Therapie den Kontakt zum gewohnten Umfeld halten. Wobei Herr M. uns erzählte, dass knapp 50% später nicht mehr zurück in die Familie gehen. 22 8. Patienten Bewertungen Bevor wir selbst Stellung zu der Einrichtung nehmen, wollen wir hier ein Paar Meinungen von ehemaligen Patienten aufführen. Diese wurden auf freiwilliger Basis bei der Internetseite Klinkbewertungen.de abgegeben. Ihre Namen wurden anonymisiert aber es wurde angegeben wann und für wie lange sie sich im Haus Vogt befanden. Allgemein scheint die Rückmeldung eher positiv gewesen zu sein. Es wurden die guten Therapie‐Angebote gelobt und die kompetenten Ärzte. Allerdings scheint das Haus Vogt so beliebt zu sein weil es eben kein Krankenhaus in den Sinne ist. Den Patienten wird viel Freiheit gelassen und es kümmert sich dort ein Team aus Pädagogen um sie, nicht primär ein Ärzteteam. Die Pädagogen wurden auch als sehr lieb, nett und kompetent bewertet. Als am hilfreichsten wurden allerdings oft die Mitpatienten genannt. Es war wichtig für sie zusehen, dass es auch andere Menschen mit denselben Problemen gibt. Diese mussten sie nicht verstecken und sie wurden auch von niemand „schräg angeschaut“ und wurden verstanden. Fast in allen Bewertungen wurde einheitlich „Michas Werkstatt“ gelobt. Zum einen, die Werkstatt an sich mit seinen vielen kreativen Angeboten, zum anderen die „gute Seele“ Micha, der immer ein offenes Ohr hatte und Ratschläge nicht auf Psychologoscher Art gab. Als negativ wurde genannt dass die Therapie nur drei Mal in der Woche stattfindet, einige Jugendliche hätten sich das öfters gewünscht um schnellere Fortschritte machen zu können. Es wurde auch genannt das es jemanden eher wie eine Jugendherberge vorkam, nicht wie eine Psychiatrie. Außerdem sei es zu wenig streng da auch Alkohol und Zigaretten dort konsumiert wurden. Wobei ein anderer Patient schreibt dass es ihn genervt hat, dort nicht rauchen zu können. Die frühen Schlafenszeiten wurden außerdem bemängelt und das „langweilige Gelände“. Selten wurden auch die Pädagogen als desinteressiert und inkompetent bewertet. Beim Lesen der Bewertungen scheint es allerdings einen eher positiven Eindruck gemacht zu haben und es kommen auch Statements wie „Die schönste Zeit meines Lebens“ oder „Ich bereue es nicht dieses Weg gegangen zu sein! Und ich vermisse diese Zeit. Weil sie einfach so schön war“ 8 vor. 8 http://www.klinikbewertungen.de/klinik‐forum/erfahrung‐mit‐klinik‐haus‐vogt‐titisee‐neustadt 23 9. Fazit Soweit wir es beurteilen können, ist die Kinder‐ und Jugendpsychiatrie eine förderliche Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit einer psychischen Störung. Bei unserem ganztägigen Besuch fiel uns vor allem die große Vielzahl an Freizeitangeboten auf. Für jeden war etwas geboten. Vom Musikraum über die Werkstatt, zum Lesebauwagen bis hin zum Billardraum. Wir hatten den Eindruck, dass der Jugendliche als Person im Mittelpunkt stand und nicht seine Krankheit. Allgemein fielen uns die positive Atmosphäre und der freundliche Umgang miteinander auf. Pädagogen und Jugendlichen unterhielten sich auf einer entspannten und vertrauten Basis. Mithilfe der Wochenpläne der Jugendlichen konnten wir sehen, dass die Tage zwar gut durchstrukturiert waren, sie jedoch noch genügend Freiraum für individuelle Aktivitäten boten. Trotz gewisser Verpflichtungen wird großen Wert darauf gelegt, dass die Jugendlichen eigenständig handeln. Sie sind für ihre Taten selbst verantwortlich, werden aber in jeder Hinsicht unterstützt. Uns imponierte es, dass sie zu einem positiven Krankheitsverlauf selbst etwas dazu beitragen mussten und nicht nur von Therapeut zu Therapeut weiter gereicht werden. Dazu gehört auch die freiwillige Entscheidung das Haus Vogt zu besuchen. Der hohe Anteil an Pädagogen ließ das Haus Vogt nicht wie eine typische Klinik wirken, was uns ebenso wie die Patienten ansprach. Die Pädagogen und auch die Schule, an der die Jugendlichen unter anderem ihren Abschluss machen konnten, bereiteten die Jugendlichen auf ihren weiteren Weg nach dem Klinikaufenthalt vor. Dies empfanden wir als eine wichtige Vorgehensweiße, damit ihnen später eine gewisse Struktur im Alltag beibehalten bleibt. Als eher problematisch sahen wir zum einen den relativ kurzen Aufenthalt an, da wir uns fragen, ob man in solch kurzer Zeit große Fortschritte machen kann. Zum anderen wäre es bei einigen Patienten aufgrund der eingeschränkten Zeit sicherlich von Vorteil, die Therapiestundenanzahl zu erhöhen. Zusammenfassend können wir allerdings sagen, dass die Kinder‐und Jugendpsychiatrie Haus Vogt für Jugendliche mit bestimmten Krankheitsbildern eine geeignete Einrichtung ist. Aufgrund ihres offenen Charakters und der freiwilligen Basis ist sie jedoch nicht für alle Jugendlichen mit Psychischen Störungen die richtige Lösung. 24 10. Quellen: Barnow, S./Freyberger, H.J./Fischer, W./Linden, M (Hg.) (2003) Von Angst bis Zwang. Ein ABC der psychischen Störungen: Formen, Ursachen und Behandlung. Bern: Verlag Hans Huber Engbart, Anette (2003) Die Geschichte der Kinder‐ und Jugendpsychiatrie und ihre Bedeutung für die heutige Praxis, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main Flöttmann, H.B. (1993) Angst. Ursprung und Überwindung. 3., erw. und überarb. Auflage. Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer GmbH Kass, F.I./Oldham, J.M./Pardes, H. (Hg.)/Morris, L.B. (Redaktion): (1998) Handbuch psychische Störungen. Eine Einführung. 2. Auflage. Weinheim: Psychologie Verlags Union Knölker, Ulrich (2000) Kinder‐ und Jugendpsychiatrie und –Psychotherapie systematisch, UNI‐ MED Verlag AG. Bremen Tuschen‐Caffier, Brunna; Pook, Martin;Hilbert, Anja (2005) Diagnostik von Essstörungen und Adipositas, Göttingen BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung): Essstörungen, Köln 2000 http://www.ergo‐langgoens.de/ergotherapie_kind/sozial.html, Zugriff am 31.12.2010 um 13:47 Uhr AWMF online. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie und – Psychotherapie. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028020_S1_Stoerungen_des_Sozialverhaltens__ F91__F92__11‐2006_11‐2011.pdf, Zugriff am 31.12.2010 um 13:54 Uhr http://www.klinikbewertungen.de/klinik‐forum/erfahrung‐mit‐klinik‐haus‐vogt‐titisee‐neustadt Zugriff am 12.02.2011 Uhr http://www.klinik‐haus‐vogt.de/ Zugriff am 15.01.2011 25 11. Anhang 1. Interviewleitfaden: 1.Fragen zur Person: • Welchen Berufsweg haben Sie bisher beschritten? • Wie lange arbeiten Sie schon im Haus Vogt? • Wie sieht Ihr Tätigkeitsbereich aus? Beschreiben Sie uns einen typischen Tagesablauf. • Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf? / Welche Schwierigkeiten treten auf? • Wie gehen Sie mit den (schwierigen) Erfahrungen um / wie verarbeiten Sie erlebtes? • Haben Sie im Laufe Ihrer Arbeitszeit im Haus Vogt eine positiv‐ oder negativ‐ prägende Erfahrung gemacht? 2. Zur Klinik: • Würden Sie uns 2 Fallbeispiele nennen, bei denen erstens der Patient mit positivem Behandlungsverlauf und zweitens mit negativem Behandlungsverlauf entlassen wurde? o Wie war die Reaktion der Klinikangestellten im zweiten Fall? • Auf dem Flyer des Klinik Haus Vogt sind die Indikationen für eine Aufnahme in der Klinik beschrieben. Welche Krankheitsbilder treten am häufigsten auf? • Wie hoch ist die Bereitschaft/ Motivation der Patienten an Angeboten und Therapien der Klinik teilzunehmen? • Wie sieht ein typischer Tagesablauf eines Patienten (ein Beispiel) aus? 3. Statistik: • Wie viel Prozent der Patienten verlassen die Klinik „geheilt“? Wie hoch ist die Abbrecherquote und kommen manche erneut? • Haben Sie nach dem Klinikaufenthalt noch Kontakt zu den Patienten? • Welche persönlichen Kompetenzen muss man mitbringen, um im hier zu arbeiten? • Was ist Ihnen wichtig, was Sie uns über die Klinik sagen können bzw. möchten? • Gibt es Material zum Rechtlichen und Finanziellen? 26 2. Interview‐Protokoll Zur Person: Berufsweg: ‐ ‐ ‐ ‐ ‐ Diplom‐Sozialarbeiter Seit 12 Jahren nun im Klinik Haus Vogt, davor: Sozialarbeiter bei Caritas, arbeitete dort 2‐3 Jahre ¾ Arbeit mit jungen Erwachsenen Aussiedlern; Hilfe, sie wieder zu integrieren, Sprachschule, Arbeit in Klinik ganz anders, hier arbeitet er als Pädagoge im Alltagsbereich Seit diesem Jahr hat er die Leitung einer der Gruppen Î Tätigkeitsbereich: Pädagoge im Alltagsbereich und Stationsleiter Æ Organisation & Arbeit mit Jugendlichen (=gute Mischung) Pädagogische Arbeit: ‐ ‐ ‐ ‐ ‐ ‐ am Anfang ist es schwierig sich abzugrenzen und Arbeit als Arbeit zu sehen Æ Familie und Routine helfen mit der Zeit lernt man jedoch, sich abzugrenzen; man muss an sich arbeiten und verstehen, dass man nicht jeden retten und nicht jedem helfen kann er geht raus und denkt auch schon nicht mehr so sehr an die Jugendlichen, „raus=weg“ man bekommt Routine was gefällt ihm an seinem Beruf? ‐ ‐ ‐ ‐ Arbeit mit versch. Berufsgruppen Arbeit geht weit über seinen Ausbildungsberuf arbeitet gern mit Jugendlichen Æ gute Mischung aus Arbeit mit Jugendlichen & Stationsleiter, Æarbeitet nicht Full‐time nur mit Jugendlichen ‐> Organisation ‐ gutes Arbeitsklima ‐ positives Miteinander in der Klinik ‐ alle stehen auf gleicher Stufe = Kommunikation auf gleicher Ebene (wesentlich für gute Arbeit) – kaum Hierarchie Negative Erfahrung ‐ Betrug der Finanzen durch ehemaligen Geschäftsführer Kompetenzen: ‐ ‐ positive Einstellung zu anderen Menschen ist wichtig, Abgrenzung, Mittel zur Abgrenzung wichtig (ein Kollege macht z.B. Sport) 27 ‐ ‐ ‐ ‐ ‐ sozialpädagogisches Studium Zur Klinik: ‐ Klinik ist um Umbruch Æ wird mehr zur ,,Klinik, war früher nicht so ‐ Klinik ist ,,Mischgebiet“: Æ es gibt keine Krankenschwestern; Pfleger, sondern nur Pädagogen (Unterschied zu anderen Einrichtungen) 1 Oberarzt (=Therapeut) für jeden Station ‐ früher war es anders: Jugendliche blieben mind. 1 Jahr hier (damals war es mehr eine Jugendhilfe Einrichtung), es gab noch mehr miteinander Æ heute auf Grund der Finanzlage und der Krankenkassenreform nicht mehr so ‐ Behandlung nur 8‐10 Wochen, es gibt AusnahmenÆ finanzielles Æ da 3 Monate sehr kurz sind, werden sie danach stationär, ambulant weitervermittelt ‐ Es gibt 4 pädagogische Gruppen, (auf jeder Station 6 hauptamtliche Pädagogen/innen,) ‐ Æ1 Oberarzt pro Station / Gruppe 1 Pädagoge ist Mentor für 2 Jugendliche, Æ Bezugspädagoge ‐ Gruppen sind gemischt Æ 11 Jugendliche pro Gruppe ‐ im Alter von 13‐18 Jahre Æ es gibt 4 päd. Gruppen Æ insgesamt 44 Plätze Æ verschiedene Krankheitsbilder in einer Gruppe Æ in Gruppe kann es zu Reibungen untereinander kommen, diese sind aber auch förderlich für die Gruppe, ‐> deshalb gibt es keine Gruppenwechsel Æ es ist schwierig seine Position in der Gruppe zu finden, da es ca. alle 14 Tage Wechsel gibt, durch Aufnahme/Entlassung gibt Æ andere Gruppendynamik „Gruppen‐Wohnung“ besteht aus: gemeinsamer Essensraum mit Fernsehecke, Küche, Esszimmer, Zimmer (Doppel & 3 Einzelzimmer(in jedem Zimmer gibt es eine Grundausstattung)), Bad es gibt auch Tischkicker, Billard, Fußballplatz, Volleyballfeld Æ großes Gelände außerdem gibt es noch eine Musikzimmer, eine Werkstatt, einen „Lese‐Bauwagen“, eine Bibliothek, die Schule, einen Sportraum (Motopädin arbeitet dort; man macht Entspannungsübungen, Walking, versucht durch Bewegung Sachen zu verarbeiten), Es gibt keine geschlossene Abteilung ‐> bei akuten Fällen, werden die Jugendlichen nach Freiburg verlegt(Viele bräuchten geschlossene RäumeÆBehandlung wird teilweise nur abgeschlossen wenn etwas akut ist) Î Abbrecher‐Quote: ca. 20% sagen die Klinik ist nicht der richtige Ort für sie (80% ziehen die Behandlung durch) Offene Klinik auf freiwilliger Basis Æ Es herrscht eine gewisse Teilnahmepflicht an Programmen ‐ Es gibt einen Küchendienst, im Zimmer putzt regelmäßig eine Putzfrau – für die Ordnung im Zimmer sind die Jugendlichen selbstverantwortlich ‐ Schule wird häufig verweigert 28 ‐ die meisten sind jedoch motiviert ihre Punkte anzugehen, und Pflichten zu erfüllen Æ wenn es überhaupt nicht klappt, müssen sie die Klinik verlassen ‐> das ist auch eine finanzielle Sache ‐ Jugendliche erhalten Taschengeld ‐ 3 x die Woche dürfen die Jugendliche (auch alleine) in die Stadt (jeweils 2 Stunden) Æ 1mal pro Monat gibt es eine Bilanzsitzung mit einem Jugendlichen allein ‐ Pädagogen werden nicht immer gemocht, sie bekommen oft das ab, was sonst die Familie abbekommt ‐ Besuch darf jederzeit kommen, muss aber vorher abgesprochen werden ‐ Familie kommt sowieso 1x pro Monat zur Besprechung – Mentoren Familiengespräch ‐ Eltern bezahlen 145 Euro im Monat für Materialen ‐ Klinikhaus gehört der Heidehofstiftung Schichtdienst Frühdienst 7:45 – 12:00 Zwischendienst 11:00 – 19:00 Spätdienst 13:45 ‐ 21:45 Nachtwache ab 21 Uhr, die auch Pädagogen sind und jeweils 2 Stationen betreuen, 1 Bereitschaftsarzt – nicht im Haus Æ Ärzte haben in der Regel ab 17:00 Feierabend häufigste Krankheitsbilder: Æ Angstpatienten, Essstörungen, Magersucht, Bulimie, Borderline Syndrom ‐ Sozialstörung, sozial auffällige Kinder: Impulskontrolle schwierig, verbale & körperliche Übergriffe, sind nicht mehr in Schule tragbar, ‐> jedoch keine wirkliche psych. Krankheit, ‐> oft wird hier auch das Jugendamt eingeschalten & es wird geplant, ob Jugendliche in betreute Einrichtung kommen oder ob es Familienhilfe gibt usw. ‐ Psychose (später med. Reha)Æ eher seltener Herkunft der Patienten: ‐ ‐ die meisten kommen aus Baden‐Württemberg, einige aus Hessen, gab jedoch auch schon welche aus z.B.‐ Hamburg, für die ist es jedoch schwierig am Wochenende heimzukommen Gruppen werden nicht speziell nach Krankheitsbildern zusammengestellt Kontakt nach Entlassung ‐ alle 2 Jahre ist Ehemaligen Treffen Æ Stabilisation und Perspektiven geben Æ es kommen viele dorthin, bei denen Behandlung positiv verlaufen ist Ædiejenigen, bei denen es negativ verlaufen ist, kommen eher nicht Æprivat hat man kein Kontakt mehr mit Ehemaligen 29 Æ oft weiß man nicht, wie es ausgegangen ist – man bekommt nur Informationen, wenn sich die Jugendlichen melden Æ man kann jedoch nicht sagen ob Behandlung positiv oder negativ verlief Schule (auch ,,Schule für Kranke“ genannt) hat nicht soviel mit Klinik selbst zu tun Æ Jugendliche haben die Pflicht in die Schule zu gehen Æ viele Jugendliche die daheim nicht mehr in Schule gegangen sind, haben hier Chance dazu Æ für die Schule ist das Oberschulamt zuständig, Finanziert nur bestimmte Stundenanzahl Æ bemüht alle Fächer zu unterrichten Æ Haupt‐ und Realschulabschluss ist möglich Æ kleine Klassen, individuelle Arbeit mit jedem ist möglich Æes gibt auch Noten Alltag: Morgens: Æ gemeinsames Frühstück, Tagesablauf wird mit jedem Einzelnen durchgegangen und es wird besprochen, was sonst noch ansteht Æ Jugendliche haben dann Schule (weniger Unterricht wie in der Regelschule, nur 2‐3‐ Stunden täglich) Æ in der Zeit, Besprechung mit Oberarzt, Chefarzt Vormittag: Æ Besprechung mit Oberarzt, Chefarzt Æ Visite, jeden Tag außer Mittwoch, jedoch nicht wie im Krankenhaus Æ Konferenz und Treffen, findet ohne Jugendliche statt, man spricht über Vorfälle, Behandlung Æ 1mal pro Woche EinzelvisiteÆ Chefarzt, Oberarzt, 3Therapeuten, Schule, Päd. Leitung, 2 Ergotherapeuten Mittags: Æ Mittagessen, dann Mittagsruhepause der Jugendlichen (1Stunde) Æ vielen fällt Ruhepause schwer, anderen leichter Æ ist jedoch gut, da normalerweise immer Trubel in Klinik herrscht und man deswegen wenig allein ist, deswegen ist Pause gut Æ Pädagogen sind in dieser Zeit auch präsent 30 Nachmittags: Æ z.B. Gruppenmeeting (1 Stunde): Besprechen von Ausflügen, Wochenendplanung, Dienste vergeben (Küchendienst), Planung des strukturellen Ablaufs in Gruppe Nachts: Æ ab 21 Uhr gibt es ,,Nachtwächter“: sind Pädagogen die tagsüber nie da sind Æ nachts gibt es keinen Arzt, ein Arzt hat jedoch Bereitschaft und kann gerufen werden Æ bei z.B. Selbstverletzung wäre auch Helios Klinik in der Nähe Æ ärztliche Grundversorgung machen auch Pädagogen (wenn man jedoch kein Blut sehen kann sollte man nicht hier arbeiten) Æ man muss als Pädagoge einschätzen können, ob man selbst verarzten kann oder nicht (gibt auch Fortbildungen für Grundversorgung, die man machen muss) Dienstags: Æimmer Aktionstag( Ausflüge wie gemeinsam einkaufen und kochen, DVD schauen, Bewegen, Snowboarden, Klettern, Schwimmbad, Museum Æ Jugendliche sollen Horizont erweitern Æ Jugendliche bestimmen Aktionstag Æ es müssen i.d.R. alle mit, außer jemand kann auf Grund von bestimmter Krankheit nicht an Aktion teilnehmen Mittwochs: Æ regelmäßige Fortbildungen (med. Therapie.) für intern, man muss pro Jahr an mind. 6 Stück teilnehmen Æ 1x pro Monat gibt es eine Sitzung Æ Stationsleitersitzung, Besprechung von internen Dingen ( Jugendliche beschweren sich deshalb, weil Pädagogen Mittwochs nicht viel Zeit haben) Æ Supervision oder Team (vormittags) Donnerstags: Æ Gruppentherapie (Therapeut aus anderer Gruppe, der sonst nichts mit dieser Gruppe u tun hat, ist hierbei der Moderator) Æ Förderung der Gruppendynamik, gegenseitiges Feedback geben Æ Heißer Stuhl (jeder muss darauf) Æ Pädagoge auch dabei Wochenende: Æ Jugendliche gehen heim, mindestens 14‐tägig ‐> MUSS 31 Æ Samstagmorgen heim, Sonntag müssen sie bis 20 Uhr wieder da sein Æ Bei Patienten die von weiter herkommen ist das schwierig ‐> mind. 14tägig Æ Kontakt mit Familie, Umfeld, gewohnte Umgebung Æ gibt jedoch auch Patienten, bei denen es Sinn macht, dass sie in der Klinik bleiben Æ knapp 50% gehen später nicht mehr in Familie (v. Diagnose abhängig) 3. Szenenplanung für den Film - 1 Diplom‐Sozialpädagoge - 1 „Kameramann“ = Student - 1 Therapeut - Rest = Patienten Beginn: ‐ Aufblenden ‐ Bild von der Klinik, „Aufspann“ mit Eckdaten o seit 1975 als Fachklinik für Psychotherapie und Psychosomatik der stationären Behandlung o Träger der Klinik ist die Heidehofstiftung GmbH in Stuttgart o offene Klinik auf freiwilliger Basis ‐ Bild: „Diplom‐Sozialarbeiter“ + „Gruppenleiter“ ‐ Schwarzblende Szene 1: (unten an der Treppe) Æ Aufblenden ‐ Begrüßung ‐ Infos – 44 Jugendliche, 4 Gruppen, Jugendliche im Alter von 13‐18 Jahre,... ‐ Päd.: „wir gehen jetzt hoch zu Gruppe 2, dort wohnen momentan 10 Jugendliche“ ‐ oben in der Wohnung (im Flur): Päd. zeigt die Zimmer, erklärt, dass man in eins mal reinschauen kann... 32 überblenden ins Zimmer Szene 2 – im Zimmer der Jugendlichen: (Zimmer Janet) ‐ Zimmer ist etwas unordentlich ‐ 2 Jugendliche sind im Zimmer (Carolina und Tatjana) ‐ Päd. stellt die 2 vor, fragt, ob sie etwas über sich erzählen wollen ‐ Carolina: „ich bin seit fünf Wochen hier und bleibe noch ungefähr 1 ½ Monate“ ‐ Päd. erklärt, dass es normal ist, dass die Jugendlichen ca. 2‐3Monate hier sind ‐ Päd. zu Tatjana: „hast du nicht jetzt dann Schule?“ ‐ Tatjana: „ja, ich geh ja schon“ ‐ Päd. zu Student: „Tatjana macht gerade ihren Realschulabschluss“ ‐ Tatjana (im hinausgehen): „Gott sei Dank sind es nur 3 Stunden am Tag“ ‐ Student fragt nach, wieso es nur 3 Stunden am Tag sind ‐ Päd. verweist auf den Tagesplan und erklärt, dass der Schwerpunkt auf der Therapie liegt ( gleichzeitig Plan filmen) Æ Wochenplan erstellen ‐ Päd. zu Carolina (im hinaus Gehen): „ihr solltet euer Zimmer aufräumen, sonst gibt es diese Woche kein Taschengeld“ ‐ Carolina: „na und, ich war diese Woche schon in der Stadt, kann mir eh nichts mehr kaufen“ ‐ Student fragt nach, wie das mit dem Taschengeld und der Stadt ist ‐ Päd. erklärt, dass die Jugendlichen einmal in der Woche Taschengeld bekommen und ca. 2 Stunden alleine in die Stadt dürfen ‐ Päd. und Student gehen hinaus.... überblenden in den Flur Szene 3: (im Flur) ‐ Student fragt nach den häufigsten Krankheitsbilder ‐ Päd. zählt sie auf (Sozialstörungen, Angststörungen und Essstörungen) 33 ‐ Päd. erklärt, was sie nun machen – sie gehen in den Aufenthaltsraum, dort findet die Gruppenbesprechung statt, bei der der Aktionstag geplant wird ‐ Päd. und Student treten ein.... überblenden in die Küche Szene 4 – Gruppenbesprechung: (Küche) ‐ „Rest“ sitzt am Tisch ‐ diskutiert über mögliche Ausflüge/Aktionen ‐ Päd. und Student kommen hinzu ‐ Student hält sich zurück ‐ Päd. setzt sich zu den Jugendlichen – fragt nach, wie weit sie gekommen sind, was zur Auswahl steht usw. ‐ Diskussion.... – deutlich machen, dass es auch Schwierigkeiten in der Gruppe gibt ‐ Einigung auf eine Aktion – deutlich machen, dass alle mitmachen sollen ‐ Päd. verweist auf den Putzplan: „Katrin, bist du nicht heute mit Küche putzen dran, schau mal auf den Plan“ ‐ Päd. erklärt dem Student, wie es beim Putzen abläuft (Putzplan filmen) Æ Putz‐ und Spülplan erstellen ‐ Päd. fragt den Student, ob er die Werkstatt sehen möchte... Schwarzblenden Szene 5: (draußen) Æ neu aufblenden ‐ Päd. und Student laufen „zur Werkstatt“, kommen am Bauwagen vorbei ‐ Päd. erzählt über den „Lese‐Bauwagen“, dass dort 1mal im Monat Lesestunden sind, dass sie bereits ein Preis damit gewonnen haben ‐ sie laufen weiter – kommen an der „Turnhalle“ (Außenwand) vorbei – Pädagoge erzählt über die Turnhalle (Æ einblenden des Originalbildes der Turnhalle – mit Schwenk) 34 ‐ sie laufen weiter in die Werkstatt schwarzblenden Szene 6 – Werkstatt: (Küche) Æ neu aufblenden ‐ 2 Jugendliche unterhalten sich, ‐ Päd. erklärt kurz, dass sie nun in der Werkstatt sind und was man hier so machen kann (Æ einblenden des Tischkickers – direkt überblenden auf die 2 Jugendlichen) ‐ sie reden über ihr Wochenende ‐ Æ deutlich machen, dass man über s Wochenende heimgeht ‐ Æ wenn man zu weit weg wohnt nur 14tägig ‐ Päd. erinnert daran, dass gleich die Gruppentherapie beginnt... schwarzblenden Szene 7 – Gruppentherapie: (Flur +Zimmer Verina): Æ neu aufblenden ‐ Päd. und Student vor der Tür ‐ Päd. erklärt wo sie nun hingehen, dass, die Gruppentherapie von einem Therapeut aus einer anderen Gruppe moderiert wird und dass die Therapiemethode „heißer Stuhl“ genannt wird ‐ Sie treten ein ‐ Jugendliche und Therapeut sitzen auf dem Boden – ein leerer Stuhl steht im Raum ‐ Pädagoge setzt sich an Rand Æ deutlich machen, dass er sich hier zurück hält ‐ Therapeut fragt nach, wer bereit wäre auf den „heißen Stuhl“ zu sitzen ‐ niemand reagiert Æ deutlich machen, dass dies den Jugendliche nicht so angenehm ist ‐ Therapeut fragt erneut ... ‐ schließlich meldet sich jemand („Sarah“) ‐ Therapeut erklärt, dass man „Sarah“ nun Feedback geben kann ‐ Jugendlich beginnen – während dem Reden langsam abblenden – deutlich machen, dass die Therapie eigentlich noch weiter geht... 35 Szene 8 – Verabschiedung: (unten an der Treppe) Æ neu aufblenden ‐ Päd. kommt die Treppe herunter, sagt, dass seine Schicht nun zu Ende ist ‐ Student fragt nach, wie viele Schichten es denn gäbe ‐ Päd.: „es gibt die Frühschicht, die Zwischenschicht und die Spätschicht“ ‐ Student: „und wie ist es in der Nacht?“ ‐ Päd.: „in der Nacht sind zwei Pädagogen im Haus, die tagsüber nie da sind“ ‐ Student: „und was ist mit Ärzten?“ ‐ Päd.: „es gibt einen Bereitschaftsarzt, der aber nicht im Haus ist. Die Pädagogen haben aber regelmäßig medizinische und therapeutische Fortbildungen und können im Notfall auch helfen“ ‐ Student fragt noch nach einem typischen Wochenplan ‐ Pädagoge zeigt seinen Plan und erklärt ihn (Wochenplan filmen („einfrieren“)) Æ Wochenplan erstellen ‐ Student bedankt sich für die Führung und fragt noch nach, wie es mit dem Praktikum ist ‐ Päd. sagt, dass sie gerne und oft Praktikanten nehmen und man sich einfach bewerben soll ‐ Verabschiedung Æ Abblenden Æ neu aufblenden: Originalbilder mit „Bildunterschrift“ Æ Abblenden – Abspann mit Namen. 36