Kinderstube der Meeresschildkröten

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Reise
Südindien
Kinderstube der
Meeresschildkröten
F
ahl leuchtet die Mondsichel. Blätter von Kokospalmen rascheln im Wind.
Wellen rollen an den breiten
Strand, der sich allerdings an
einer Stelle bewegt: Ruckartig
wachsen kleine Erhebungen.
Für Sekunden öffnen sich
Spalten und Trichter. Rieselnde Sandkörner verschließen
sie wieder. „Jetzt schlüpfen
die Turtle-Babys, die kleinen
Meeresschildkröten“, sagt Tharani Selvam. Der Biologe führt
Gäste abends zu den Gelegen
am Strand von Covelong
Beach. Das Fischerdorf liegt
an der Koromandelküste, etwa
eine Stunde Autofahrt südlich
von Chennai, dem früheren
Madras.
Gäste aus Sri Lanka
„Meeresschildkröten schwimmen von Sri Lanka hierher“,
berichtet Tharani Selvam. „Sie
graben 20 Zentimeter tiefe
Löcher in den Sand und legen
bis zu 120 Eier hinein. Nach 45
bis 50 Tagen im heißen Sand
schlüpfen die Schildkrötenbabys.“ Doch häufig komme es
nicht dazu, weil Fischer die Eier ausgraben und verspeisen.
„Deshalb bewachen wir die 45
A 2210
Nester an unserem Strand und
bringen die kleinen Schildkröten, sobald sie geschlüpft sind,
ins Meer“, sagt Sarabjeet Sing,
General Manager des Strandhotels Fisherman’s Cove in
Covelong Beach. Seinen Gästen bietet er ein unvergessliches Naturerlebnis – die erste
Stunde im Leben einer Meeresschildkröte.
„Huch, die fühlt sich ja
weich an“, ruft Anja aus Hamburg. Die Urlauberin hält ein
Turtle-Baby in ihrer Hand,
setzt es behutsam in einen
Pappkarton. Auch weitere
Gäste helfen Tharani Selvam,
die gerade geschlüpften Schildkröten aufzusammeln. Anschließend tragen sie die Kleinen gemeinsam über den Sand
und setzen sie in den Wellen
aus – gefräßige Strandkrabben
und Krähen haben davon
ebenso wenig bemerkt wie die
Hotelgäste an der Gartenbar.
Im Strandhotel Fisherman’s
Cove gibt es 88 Gästezimmer,
davon 50 im weißen Hauptgebäude und 38 in Cottages.
Die Häuschen mit Terrassen
stehen unter Palmen und Casuarina-Nadelbäumen auf dem
Gelände eines einstigen holländischen Forts. Einige Cotta-
Die Tempel in Mahabalipuram, 60 Kilometer
südlich von Chennai (Madras) gelegen, wurden vor
1 400 Jahren aus Granithügeln herausgemeißelt.
ges bieten sogar vom Bett aus
spektakuläre Aussichten auf
den Golf von Bengalen. Rote
Ziegelwege führen durch die
weitläufige Gartenanlage, in
deren Mitte ein blauer Frischwasserpool leuchtet. Zwei klimatisierte Restaurants, Konferenzräume sowie ein Businessund ein Ayurveda-Massagecenter sind bereits vorhanden.
Südindischer Alltag
Hupend rollt das Taxi vom Hotelgelände, auf einer schmalen
Landstraße geht es in den südindischen Alltag. Reisfelder zu
beiden Seiten, Männer in
Wickelröcken stehen vor einem Kiosk, am Flussufer waschen Frauen Hemden und
Hosen. Nach etwa zehn Minuten erreichen wir das Museumsdorf Dakshina Chitra.
Die restaurierten Häuser
stammen aus ganz Südindien,
sind mindestens 100 Jahre alt
und wurden vor dem Abriss
gerettet. Besonders interessant ist das Seidenweberhaus:
Neben dem hölzernen Webstuhl hängen 50 rot-gelbe Saris. Nur ein Tempel fehlt noch
im Dorf. Dabei finden sich die
Vorbilder für viele indische
Tempel in Mahabalipuram,
rund 30 Kilometer südlich des
Museumsdorfs. Aus Granithügeln ließen Könige dort vor
1 400 Jahren Reliefs und Tem-
Foto: Joachim Barmwoldt
V A R I A
pel herausmeißeln. Mahabalipuram ist noch immer
ein Bildhauerzentrum. Kunsthandwerker, darunter auch
Kinder, fertigen in kleinen
Werkstätten Skulpturen für
Tempel und Vorgärten in der
Umgebung von Chennai.
Briten gründeten Chennai
im Jahr 1632 als Hafen für
den Gewürzexport. Baumwolle, Blumen und Produkte
der florierenden indischen
Computerindustrie sind seitdem hinzugekommen. Bedeutung haben auch die
Kunstschulen und die Filmindustrie von Chennai erlangt.
In den Studios werden vor allem Liebesdramen mit viel
Musik gedreht. Kostproben
davon lassen sich abends im
indischen Fernsehen bewunJoachim Barmwoldt
dern.
Reise-Tipps: Direktflug mit
Lufthansa; Touristen-Visa:
50 Euro, erhältlich bei der
Botschaft Indiens, Tiergartenstraße 17, 10785 Berlin.
Malariaprophylaxe und
Impfungen gegen Hepatitis A und B werden empfohlen.
Auskunft:
Indisches
Fremdenverkehrsamt, Baseler Straße 46, 60329
Frankfurt/Main, Telefon:
0 69/2 42 94 90.
Deutsches Ärzteblatt½ Jg. 99½ Heft 33½ 16. August 2002
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