Thema: Israel Fach: Geschichte-Geograph Verfasser: Martin

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Thema: Israel
2000
Fach: Geschichte-Geograph
Verfasser: Martin Bohatschek, 8c Februar/März
Israel
Israel, Republik im Nahen Osten, an der Südostküste des
Mittelmeeres, wurde im Jahr 1948 gegründet. Israel grenzt
im Norden an den Libanon, im Nordosten an Syrien, im
Osten an Jordanien und im Südwesten an Ägypten. Der
südwestlichste Teil des Landes erstreckt sich bis zum Golf
von Akaba, einem Arm des Roten Meeres. Die Fläche des
Landes beträgt 21946 Quadratkilometer. Dazu zählt auch
Ostjerusalem, das von Israel im Sechstagekrieg von 1967
besetzt und kurze Zeit später annektiert wurde. Die meisten
Länder erkennen die Annexion jedoch nicht an. Israel
eroberte während dieses Krieges auch andere Gebiete,
darunter den Gazastreifen, die West Bank und die
Golanhöhen im Südwesten Syriens. Seit 1994 stehen der
Gazastreifen und Jericho in der West Bank unter
palästinensischer Selbstverwaltung. Diese Entwicklung
erfolgte nach einem historischen Friedensvertrag zwischen
Israel und der Palästinensischen Befreiungsbewegung
(PLO) im September 1993. Die Hauptstadt ist Jerusalem.
Land
Das Land erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung etwa
420 Kilometer, in Ost-West-Richtung zwischen 16 und
115 Kilometer. Israel lässt sich in fünf topographische
Gebiete einteilen: das Hochland von Galiläa, die Ebene von
Esdraelon (auch Ebene von Jezreel genannt), die
Hügelketten von Judäa und Samaria, die Küstenebenen und
die Wüste Negev.
Physische Geographie
Das Hochland von Galiläa dominiert den nördlichen Teil
Israels und erstreckt sich über 40 Kilometer von einer
schmalen Küstenebene bis zum See von Tiberias (auch See
Genezareth). Der höchste Punkt Israels, der Berg Meron
(1 208 Meter) liegt in diesem Gebiet. Im Süden des
Hochlands von Galiläa befindet sich die Ebene von
Esdraelon. Sie verläuft in der Gegend von Haifa an der
Mittelmeerküste bis zum Fluss Jordan. Das frühere MalariaSumpfgebiet wurde trockengelegt. Es ist heute dicht
besiedelt und eine landwirtschaftlich produktive Region.
Über etwa 195 Kilometer entlang dem Mittelmeer
erstrecken sich die Küstenebenen mit einer Breite von
einem bis maximal 32 Kilometern. Sie bestehen aus der
Ebene von Zevulun, die sich nördlich von Haifa entlang der
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Bucht von Haifa ausdehnt, der Ebene von Sharon zwischen
Haifa und Tel Aviv-Jaffa und der Ebene von Judäa,
zwischen Tel Aviv-Jaffa und der Stadt Gaza. In den
Küstenebenen liegen die größten Städte Israels, die
Industrie- und Handelszentren. Die Hügelkette von Judäa
und die nördlich davon gelegenen Hügel von Samaria
bilden eine Barriere vom Norden zum Süden, die durch
ganz Israel reicht.
Die Wüste Negev im Süden erstreckt sich vom Golf von
Akaba bis zum Südende des Toten Meeres und bis
Beerscheba.
Die Böden von Israel sind im Allgemeinen wenig
ertragreich, aber entlang der Küstengebiete gibt es reiche
Schwemmböden. Das trockengelegte Sumpfland in der
Ebene von Esdraelon ist ebenfalls sehr fruchtbar.
Flüsse und Seen
Der längste Fluss Israels ist der Jordan. Er entspringt am
Berg Hermon an der libanesisch-syrischen Grenze, fließt
durch den See von Tiberias, der 209 Meter unter dem
Meeresspiegel liegt, und mündet in das Tote Meer
(395 Meter unter dem Meeresspiegel), dem tiefsten Punkt
des Landes.
Die Küstenlinie ist kaum gegliedert. Der einzige natürliche
Hafen am Mittelmeer ist die Bucht von Haifa. Ein neuer
Hafen wurde bei Ashod im Süden gebaut.
Die Wasserversorgung in Israel ist stark reglementiert. Die
Nutzung und Zuteilung der Wasservorkommen liegt in der
Verantwortung der Mekorot, der staatlichen
Wasserversorgungsbehörde. Hierzu gehört die Erhaltung
von Flutwasser, die Reinigung von Abwässern, die
Aufbewahrung und Verwendung natürlicher
Süßwasservorkommen und die Entsalzung von Brack- und
Meerwasser. Die Wasserversorgung erfolgt über Kanäle
und Rohrleitungen. Wasser aus dem See von Tiberias wird
bis in die Wüste Negev transportiert.
Klima
Das Klima ist subtropisch. Die Niederschläge beschränken
sich auf die Wintermonate. Im Januar liegen die
Durchschnittstemperaturen bei 9 °C in Jerusalem und bei
14 °C in Tel Aviv-Jaffa. Im Juli betragen die
Durchschnittstemperaturen 23 °C in Jerusalem und 27 °C in
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Tel Aviv-Jaffa. Die durchschnittliche jährliche
Niederschlagsmenge ist gering. Sie liegt in Galiläa bei
1 015 Millimetern, in Tel Aviv-Jaffa bei 541 Millimetern
und im Süden bei Elat bei 25 Millimetern.
Flora und Fauna
Die Flora des Landes wird geprägt durch die klimatischen
und topographischen Bedingungen von drei Gebieten: die
Mittelmeerküste, die asiatische Steppe und die
Wüstenregion auf der Arabischen Halbinsel. In Israel gibt
es etwa 2 500 Pflanzenarten, von denen die meisten zu
Gattungen gehören, die lange Dürrezeiten überstehen
können. Zu den wichtigsten Anbauprodukten zählen
Zitrusfrüchte, Bananen, Baumwolle, Tabak, Trauben,
Datteln, Feigen, Oliven, Pflaumen und Mandeln. Die
Anzahl der Zwergeichen und anderer Laubbäume ist in den
letzten Jahren gestiegen. Über 200 Millionen Bäume sind
seit 1948 gepflanzt worden, heute nehmen die
aufgeforsteten Gebiete etwa sechs Prozent der Landesfläche
ein.
Bevölkerung
Die Bevölkerung lebt überwiegend in Städten. Etwa
83 Prozent sind jüdischer Abstammung, und die kulturelle
und ethnische Vielfalt ist groß. Mehr als die Hälfte der
Bevölkerung sind in Israel geboren (sie werden Sabras
genannt), aber ihre Vorfahren stammen aus mehr als 100
verschiedenen Ländern und sprechen über 85 verschiedene
Sprachen oder Dialekte. Zu den wichtigsten Gruppen
gehören die Aschkenasim, deren Vorfahren im Mittelalter in
den europäischen Ländern lebten, die Sephardim, deren
Vorfahren einst auf der Iberischen Halbinsel lebten und
andere Völker, die von Nordafrika und dem Mittleren Osten
nach Israel kamen. Etwa 17 Prozent der israelischen
Bevölkerung sind Araber.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 5,4 Millionen. Die
Bevölkerungsdichte liegt bei 242 Einwohnern pro
Quadratkilometer. Die Muslime haben unter der
nichtjüdischen Bevölkerung den größten Anteil; andere
Minderheiten sind Christen und Drusen. Das Land ist
überwiegend urban geprägt; 92 Prozent der Bevölkerung
leben in Gemeinden mit mehr als 2 000 Einwohnern.
Wichtige Städte
Die Hauptstadt ist Jerusalem (567 000 Einwohner
einschließlich der Altstadt). Weitere wichtige Städte sind
das Industriezentrum Tel Aviv-Jaffa (357 000), Haifa
(246 000), Holon (163 000) und Ramat Gan (123 000).
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Sprache
Die Amtssprachen sind Hebräisch und Arabisch. Das
Hebräische ist am weitesten verbreitet, aber in den Schulen
wird auch Arabisch gesprochen. Viele sprechen zudem
Englisch, Jiddisch, Russisch oder eine andere europäische
Sprache.
Religion
Die Angelegenheiten der drei wichtigsten Religionen im
Land, Judentum, Islam und Christentum, werden von einem
Ministerium für religiöse Angelegenheiten und jeweils
zugehörigen Räten in den verschiedenen Religionen
koordiniert. Die jüdischen Feiertage und der Sabbath sind
im ganzen Land gesetzlich vorgeschrieben. Etwa 82 Prozent
der israelischen Araber sind Muslime, die übrigen sind
Christen.
Verwaltung und Politik
Israel ist eine parlamentarische Republik. Es gibt keine
schriftliche Verfassung, doch es gibt Gesetze, die künftig
Bestandteil einer Verfassung werden sollen.
Exekutive
Staatsoberhaupt ist der Präsident. Er wird vom Parlament
für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Der Präsident
hat überwiegend repräsentative Funktion. Die eigentliche
exekutive Gewalt liegt in den Händen des Kabinetts, das aus
25 Ministern besteht und vom Ministerpräsidenten
angeführt wird. Das Kabinett bleibt so lange im Amt, wie es
das Vertrauen des Parlaments besitzt. Seit 1996 wird der
Ministerpräsident direkt vom Volk gewählt.
Legislative
Die Legislative liegt beim israelischen Parlament, der
Knesset, bestehend aus einer Abgeordnetenkammer mit
120 Mitgliedern, die für vier Jahre nach einem
Verhältniswahlsystem gewählt werden. Alle Bürger über
18 Jahre sind wahlberechtigt.
Judikative
In Israel koexistieren eine staatliche und eine religiöse
Gerichtsbarkeit. Die zivile Gerichtsbarkeit besteht aus
einem obersten Gerichtshof, dem obersten
Verwaltungsgericht und höchsten Appellationsgerichtshof
des Landes. Des Weiteren gibt es Distriktgerichte, die die
meisten Fälle verhandeln. Die religiöse Gerichtsbarkeit ist
zuständig für Hochzeiten, Scheidungen,
Unterhaltszahlungen und Testamente.
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Kommunalverwaltung
Israel ist in sechs Verwaltungsbezirke gegliedert:
Zentraldistrikt (Ramla), Haifa, Jerusalem, Norddistrikt
(Nazareth), Süddistrikt (Beerscheba) und Tel Aviv. Jedem
Distrikt wird ein Polizeipräsident vom Innenministerium
zugewiesen. In der Praxis zeigt sich der Einfluss der
Zentralregierung in allen Landesteilen unmittelbar. Die
Lokalregierungen werden von Bürgermeistern oder
Gemeinderäten gebildet.
Politik
Zwei große politische Strömungen dominieren die
Parteienlandschaft zu Beginn der neunziger Jahre. Dazu
gehört der Likudblock, eine konservative Partei, die im Jahr
1973 durch die Fusion verschiedener Gruppierungen
entstand, darunter die Gahal und die freie Zentrumspartei.
Die zweite große Richtung wird von der israelischen
Arbeiterpartei gebildet, einem 1968 entstandenen
sozialdemokratischen Bündnis. Die drittgrößte Partei in der
Knesset ist die Meretz, eine Koalition linker Gruppen.
Schas, eine Partei der orthodoxen sephardischen Juden, ist
derzeit die größte religiöse Gruppe mit der größten
Vertretung in der Knesset. Zu den weiteren im
Parlamentvertretenen Parteien gehören die Nationalreligiöse
Partei (NRP), die für die strikte Einhaltung der jüdischen
Religion und Tradition eintritt, die Agudat Israel, eine
Partei orthodoxer Juden und etwa zwei Dutzend andere
Gruppierungen, die von der extremen Rechten bis zur
extremen Linken reichen.
Verteidigung
Anfang der neunziger Jahre unterhielt Israel eine
Wehrpflichtarmee mit einer Stärke von 176 000 Mann und
eine Reservistenarmee mit 430 000 Soldaten. In die Armee
können sowohl Männer als auch Frauen über 18 Jahren
eintreten. Die Männer absolvieren einen dreijährigen
Militärdienst, die Frauen einen zweijährigen. Die
Reservepflicht für Männer gilt bis zum Alter von 55 Jahren
und beträgt im Durchschnitt pro Jahr ein oder zwei Monate.
Die meisten arabischen Bürger sind von der Wehrpflicht
befreit, ebenso Angehörige bestimmter religiöser
Gruppierungen. Der Luftwaffe gehören 32 000, der Marine
10 000 Soldaten an.
Wirtschaft
In den siebziger und achtziger Jahren geriet die israelische
Wirtschaft durch eine hohe Inflationsrate und durch das
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Außenhandelsdefizit stark unter Druck. Die Ausgaben für
das Militär und für die große Anzahl von Immigranten
waren beträchtlich. Der Lebensstandard in Israel ist relativ
hoch. Die Handelsbilanz ist negativ.
Landwirtschaft
Der Erfolg der israelischen Landwirtschaft war nur durch
großes Vertrauen in die wissenschaftliche Forschung und in
den Fortschritt der Technologie möglich, insbesondere bei
der Landgewinnung und den Bewässerungsprogrammen.
Die israelischen Dörfer auf dem Land lassen sich in drei
Typen einteilen: Die Kollektive (Kibbuzim), in welchen sich
die Bewohner Arbeit und Gewinne teilen, die Kooperativen
(Moschavim), bei denen einzelne Farmen getrennt
produzieren, das Produkt aber gemeinsam vermarktet wird,
und die kleinen Bauernhöfe (Moschava), auf denen wie in
einem Privatunternehmen gewirtschaftet wird. Die ersten
beiden Siedlungstypen wurden auf jenen Ländereien
errichtet, die im Besitz der verschiedenen
Kolonisierungsorganisationen waren, vor allem in Händen
des Jüdischen Nationalfonds. Das Land wurde an die
Siedler verpachtet.
Bergbau
Zu den wichtigsten Bodenschätzen zählen große
Vorkommen an Pottasche (Kaliumkarbonat), Bromin,
Magnesium und anderen Mineralien, die sich aus den
Salzlagern im Toten Meer extrahieren lassen. In der Wüste
Negev gibt es Vorkommen an Kupfer, Eisenerz, Phosphat,
Mangan, Feldspat und Gips. Große Marmor- und
Granitsteinbrüche sorgen für Nachschub in der
Bauwirtschaft. Nur ein Prozent des Bedarfs an Erdöl kann
durch landeseigene Förderung gedeckt werden.
Industrie
Die Fabriken sind überwiegend in Haifa und Tel Aviv-Jaffa
konzentriert, obwohl ein wichtiger Industriekomplex um
den neuen Hafen von Ashod entsteht. Zu den wichtigsten
industriellen Produkten zählen Nahrungsmittel, Getränke,
Tabak, chemische Produkte, Erdöl, Kohleprodukte,
Metallwaren, Textilien und Kleidung, Präzisionsinstrumente
und elektronische Ausrüstungen. Wein und Olivenöl werden
ebenfalls im Land hergestellt. Die Diamanten verarbeitende
Industrie blüht.
Währung und Bankwesen
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Die Banken spielen in Israel eine wichtige Rolle. Die
Notenbank des Landes ist die Bank von Israel. Die
Währungseinheit ist der Schekel (= 100 Agorot).
Außenhandel
Pro Jahr gibt Israel mehr für Importe aus, als es durch
Exporte einnimmt; die Handelsbilanz ist negativ. Die
wichtigsten Importgüter sind Rohdiamanten, militärische
Ausrüstung, Rohöl und Erdölprodukte, Maschinen und
Maschinenteile, chemische Produkte, Eisen und Stahl,
Transportausrüstungen und Nahrungsmittel. Zu den
wesentlichen Exportartikeln gehören geschliffene
Diamanten, chemische Produkte, Zitrusfrüchte, Textilien,
Maschinen und Maschinenteile. Die bedeutendsten
Handelspartner sind die USA, die Länder der Europäischen
Union, Japan, Kanada, die Schweiz und Hongkong. Devisen
kommen vor allem durch Touristen in das Land, aber auch
durch jüdische Stiftungen in den USA. Ende der achtziger
Jahre bezog Israel den größten Anteil amerikanischer
Auslandshilfe in Höhe von jährlich drei Milliarden USDollar.
Verkehrswesen
Haifa und der künstliche Hafen bei Ashdod sind die
wichtigsten israelischen Häfen. Der dritte größere Hafen ist
Elat am Golf von Akaba. Die Eisenbahn ist staatlich. Die
Hauptstrecken des Landes umfassen eine Länge von
530 Kilometern. Das Straßennetz ist circa 13 351 Kilometer
lang. Der größte Teil des Personen- und Güterverkehrs wird
über die Straße abgewickelt. Neben der staatlichen
Fluggesellschaft El Al wird Israel von verschiedenen
internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Der
nationale Flugverkehr wird durch die Fluggesellschaft Arkia
abgedeckt. Der internationale Flugverkehr wird über den
Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv-Jaffa abgewickelt.
Geschichte
Obwohl der Staat Israel am 14. Mai 1948 seine
Unabhängigkeit erklärte, beginnt die Geschichte dieses
Staates bereits mit der zionistischen Bewegung, die von
Theodor Herzl in Basel (Schweiz) 1897 ins Leben gerufen
wurde. Viele zeitgenössische politische Institutionen und
Parteien haben ihre Wurzeln in der zionistischen
Bewegung. Deren erklärtes Ziel war die Errichtung eines
jüdischen Staates in Palästina. Für nähere Informationen zur
zionistischen Bewegung siehe Zionismus.
Die Periode vor der Unabhängigkeit
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Anfang des 20. Jahrhunderts war der Anteil der jüdischen
Bevölkerung in Palästina gering. Der größte Teil der
Bevölkerung Palästinas bestand aus Arabisch sprechenden
Muslimen und Christen. Die Unterstützung der
zionistischen Bewegung kam überwiegend von Juden in
Europa und Nordamerika.
Nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) erhielt die zionistische
Bewegung Unterstützung durch Großbritannien. Die
britische Regierung erließ 1917 die Balfour-Deklaration.
Der britische Außenminister Arthur J. Balfour schrieb an
einen britischen zionistischen Führer: “Die Regierung
Seiner Majestät begrüßt die Errichtung eines Staates für das
jüdische Volk in Palästina und wird ihr Möglichstes zur
Unterstützung dieses Projekts tun. Bei der Erreichung
dieses Zieles sollen die zivilen und religiösen Rechte der
bereits in Palästina lebenden, nichtjüdischen Gemeinden
nicht beeinträchtigt werden und auch die Rechte und der
politische Status der Juden in anderen Ländern soll durch
die Staatsgründung nicht betroffen sein.“
Palästina unter dem britischen Mandat
Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Bedingungen aus der
Balfour-Erklärung in das Mandat für Palästina
aufgenommen, das vom Völkerbund 1922 gebilligt wurde.
Großbritannien erhielt das Mandat für Palästina und
versprach Beistand für das jüdische Volk bei der
“Neuerrichtung ihrer Heimat in diesem Land“.
Die Errichtung von Siedlungen, landwirtschaftlichen und
industriellen Unternehmen wurden zur Zeit des britischen
Mandats, das bis 1948 dauerte, kontinuierlich
vorangetrieben. Die jüdische Gemeinschaft wuchs in dieser
Periode um das Zehnfache, insbesondere in den dreißiger
Jahren, als eine große Zahl von Juden aus Europa vor der
Verfolgung durch die deutschen Nationalsozialisten floh.
Tel Aviv wurde zur größten jüdischen Stadt im Land,
Dutzende andere Städte und Dörfer wurden gegründet, und
Hunderte jüdischer Kollektive (Kibbuzim) und
Kooperativen entstanden.
Viele politische Parteien, die in Osteuropa als Teil der
zionistischen Bewegung gegründet worden waren,
entwickelten unter dem Mandat Zentren in Palästina. Dazu
gehörten Arbeiterparteien, orthodox-religiöse und
nationalistische Gruppierungen, deren Anführer aus Europa
emigriert waren. Nach 1948 übernahmen diese politischen
Führer Regierungsverantwortung im neuen jüdischen Staat.
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Die jüdische Gemeinschaft (Jischuw) dehnte ihre
demokratischen, repräsentativen Institutionen nach dem
1. Weltkrieg weiter aus. Zu diesen Institutionen gehörte eine
Abgeordnetenversammlung mit einem Nationalrat, der die
Tagesgeschäfte in Fragen der Erziehung, Gesundheit,
Soziales und anderer Belange führte. Das religiöse Leben
der Juden wurde von einem Rabbinerrat überwacht, der für
Hochzeiten, Scheidungen und andere familiäre
Angelegenheiten zuständig war. Die Zionistische
Weltorganisation und die Jüdische Palästinagesellschaft
unterstützten die Jischuw durch ausländische Fonds und
durch die Suche nach Unterstützung von westlichen
Regierungen.
Arabische und jüdische Revolten
Die britischen Behörden unter dem Hochkommissar für
Palästina, der von der Regierung in London bestellt wurde,
waren für die Verteidigung und Sicherheit des Landes, für
die Einwanderung, die Post, den Transport und die
Hafeneinrichtungen zuständig. Sie bildeten die höchste
Autorität und waren letztendlich für die Regierung des
Landes verantwortlich.
Die Briten versuchten, eine heikle Balance zwischen den
Interessen und Forderungen der Juden und denen der
ansässigen palästinensischen Bevölkerung zu halten. Als die
jüdische Immigration in Palästina zunahm und sich die
jüdischen Siedlungen ausbreiteten, nahm die arabische
Opposition gegen die britische Herrschaft und den
Zionismus zu. Während der Mandatszeit kam es zu
Aufständen, die in den Jahren 1936 bis 1939 in einer
allgemeinen arabischen Revolte gipfelten. Der Aufstand
wurde schließlich während des 2. Weltkrieges von den
britischen Truppen niedergeschlagen.
Während des 2. Weltkrieges wurden etwa sechs Millionen
Juden von den deutschen Nationalsozialisten ermordet. Als
die zionistischen Führer das Ausmaß der Verfolgung und
der Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten
realisierten, wurde ihre Forderung nach Selbstbestimmung
immer größer, ebenso ihre Bemühungen, die Einwanderung
nach Palästina zu erleichtern und das Land zu besiedeln.
Die Jischuw in Palästina begab sich in Opposition zu den
britischen Mandatsbehörden und versuchte, illegale
Einwanderungen der Flüchtlinge aus Europa zu
unterstützen. Gegen Ende des Krieges befanden sich große
Teile der jüdischen Gemeinschaft im Konflikt mit
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Großbritannien, da die Mandatsmacht versuchte, die
Einwanderung zu beschränken.
Die Unabhängigkeit
1947 entschloss sich Großbritannien, nach Ablauf der Frist
das Mandat nicht zu verlängern und Palästina zu verlassen.
Die Vereinten Nationen wurden um Hilfe gerufen. Als
Antwort darauf hielt die UNO 1947 ihre erste
Sondersitzung ab und billigte am 29. November 1947 einen
Plan, der die Teilung Palästinas in einen jüdischen und
einen arabischen Staat vorsah. Jerusalem sollte zur
internationalen Zone unter UN-Verwaltung werden. Der
jüdische und arabische Staat sollte durch eine
Wirtschaftsunion verbunden sein. Der Teilungsplan wurde
angenommen und von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion unterstützt. Die Briten enthielten sich der
Stimme.
In Palästina protestierten die Araber heftig gegen die
Teilung und griffen jüdische Siedlungen an. Es brach ein
Bürgerkrieg aus. Die Briten weigerten sich zu intervenieren,
denn sie wollten das Land noch vor dem 1. August 1948
verlassen, dem Datum für den Beginn der Teilung und das
Ende des Mandats. Als deutlich wurde, dass die Briten das
Land bis zum 15. Mai verlassen würden, beschlossen die
Führer der Jischuw, den terminlichen Aspekt des
Teilungsplanes zu ignorieren und den jüdischen Staat sofort
zu gründen. Am 14. Mai verkündete der Provisorische
Staatsrat, ehemals Nationalrat, der “das jüdische Volk in
Palästina und die Zionistische Weltbewegung
repräsentiere“, die “Errichtung des jüdischen Staates in
Palästina mit dem Namen Medinat Israel (Staat Israel). Der
Staat solle allen Juden aus anderen Ländern der Welt offen
stehen.“
Am 15. Mai verbanden sich die Armeen Ägyptens,
Transjordaniens (heute Jordanien), Syriens, des Libanon
und des Irak mit den palästinensischen und anderen
arabischen Untergrundkämpfern, die seit November 1947
gegen die Juden kämpften. Der Bürgerkrieg wurde zu einem
internationalen Konflikt; der 1. Arabisch-Israelische Krieg
brach aus (von den Israelis Unabhängigkeitskrieg genannt).
Die Araber konnten die Errichtung des jüdischen Staates
nicht verhindern; der Krieg wurde durch vier von der UNO
vereinbarte Waffenstillstandserklärungen zwischen Israel
und Ägypten, dem Libanon, Jordanien und Syrien beendet.
Die in den Erklärungen festgelegten Grenzen blieben bis
zum Sechstagekrieg 1967 bestehen.
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Die ersten Jahre des jüdischen Staates
Der Anteil der arabischen Bevölkerung im neuen Staat
Israel verringerte sich durch den Krieg von 1948 drastisch.
Die Waffenstillstandserklärungen dehnten das Territorium
unter israelischer Kontrolle über die von der UNO
festgelegten Teilungsgrenzen von 15 500 Quadratkilometer
auf beinahe 20 700 Quadratkilometer aus. Der schmale
Gazastreifen an der ägyptisch-israelischen Grenze blieb
unter ägyptischer Besatzung, und die West Bank wurde von
Jordanien annektiert. Von den mehr als 800 000 Arabern,
die vor 1948 in israelisch besetzten Gebieten lebten, blieben
nur 170 000 im Land. Die anderen flohen in die
umliegenden arabischen Länder.
Der Provisorische Staatsrat Israels organisierte die ersten
Wahlen für die Knesset (Parlament) im Jahr 1949. Chaim
Weizmann, der prominenteste zionistische Führer aus der
Vorkriegszeit, wurde zum ersten Präsidenten des Landes
gewählt.
Ministerpräsident Ben Gurion
Der erste Premierminister des Landes, David Ben Gurion,
Führer der Mapai (größte Arbeiterpartei), hatte die Jischuw
während der letzten Mandatstage geführt und bestimmte die
israelische Geschichte während des ersten Jahrzehnts. Die
nationale Sicherheit stand im Vordergrund seiner Politik,
und er baute eine moderne Armee auf. Sowohl Männer als
auch Frauen sollten Militärdienst leisten, und die Armee
wurde zum Zentrum für die Erziehung der vielen tausend
neuen Einwanderer zur hebräischen Kultur. Private
Militärkräfte, die von verschiedenen politischen
Bewegungen ausgerüstet worden waren, wurden durch Ben
Gurion in die israelische Armee integriert.
Einwanderung
Unmittelbar nach der Erlangung der Unabhängigkeit öffnete
Israel seine Grenzen für die jüdischen Einwanderer aus aller
Welt. Bis 1952 hatte sich die Bevölkerung verdoppelt.
Viele Immigranten waren Überlebende der
Konzentrationslager, die während der Herrschaft der
Nationalsozialisten errichtet worden waren. Während der
fünfziger Jahre kamen immer mehr Juden aus den
muslimischen Ländern des Mittleren Ostens und
Nordafrikas nach Israel. Innerhalb von drei Jahrzehnten
verfünffachte sich die israelische Bevölkerung, wobei zwei
Drittel dieser Zunahme auf jüdische Einwanderung
zurückgeht.
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Da viele Einwanderer ohne Ausbildung oder Arbeitsplatz
nach Israel kamen, musste das Land neben der drückenden
Last der Verteidigungsausgaben auch auf industriellem und
landwirtschaftlichem Gebiet rasch weiter entwickelt
werden. Das Land stand ernsten wirtschaftlichen Problemen
gegenüber. Rezession und Währungsverfall stürzten die
Wirtschaft Anfang der fünfziger Jahre in eine Krise. Die
US-Regierung bot weit reichende Wirtschaftshilfe an, und
Ben Gurion verhandelte mit der Bundesrepublik
Deutschland über Reparations- und
Entschädigungszahlungen.
Suez-Krise und Sinai-Feldzug
Die Versuche, die israelisch-arabischen
Waffenstillstandsvereinbarungen in Friedensverträge
umzuwandeln, schlugen fehl. Die Araber bestanden darauf,
dass die Flüchtlinge das Recht auf Rückkehr in ihre Heimat
hatten, dass Jerusalem unter internationale Aufsicht gestellt
werde und Israel verschiedene territoriale Zugeständnisse
machen solle, ehe Friedensverhandlungen denkbar seien. In
Israel befürchtete man, dass diese Forderungen die
Sicherheit des Landes gefährden würden, und man wies sie
deshalb zurück. Aktionen arabischer Guerillaverbände
wurden von Israel mit Vergeltungsschlägen beantwortet.
Ägypten verweigerte israelischen Schiffen die Durchfahrt
durch den Suezkanal und blockierte die Straße von Tiran
(Israels Zugang zum Roten Meer). Dies wurde als
Kriegshandlung interpretiert. Die Zwischenfälle an der
ägyptischen Grenze häuften sich, der Konflikt eskalierte,
und im Oktober 1956 brach der 2. Arabisch-Israelische
Krieg aus.
Großbritannien und Frankreich schlossen sich den
Kriegshandlungen gegen Ägypten an, denn auch sie lagen
mit dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abd el-Nasser in
Konflikt, weil dieser den Suezkanal verstaatlicht hatte.
Nasser hatte den Kanal übernommen, nachdem
Großbritannien und Frankreich Angebote zur Finanzierung
des Baues des Assuan-Hochdamms zurückgezogen hatten.
Israel errang einen schnellen Sieg und eroberte den
Gazastreifen und die Halbinsel Sinai in nur wenigen Tagen.
Als die israelische Armee die Ufer des Suezkanals erreicht
hatte, begannen die Briten und Franzosen mit ihren
Angriffen. Die Kämpfe wurden nach ein paar Tagen durch
UN-Truppen beendet, die ausgesandt worden waren, um die
Kampfhandlungen am Suezkanal zu überwachen. Bei einer
der wenigen Gelegenheiten einer amerikanischen und
sowjetischen Zusammenarbeit wurde eine UN-Resolution
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erarbeitet, die die drei Invasionsnationen dazu aufforderte,
Ägypten und den Gazastreifen zu verlassen. Nach dem
Truppenrückzug aus Ägypten weigerte sich Israel jedoch
bis 1957, den Gazastreifen wieder freizugeben. Die
Vereinigten Staaten versprachen, bei der Lösung des
Konflikts zu helfen und für die Öffnung der Straße von
Tiran zu sorgen.
Die letzten Jahre von Ben Gurions Regierungszeit
Israel modernisierte weiterhin seine Armee und legte großes
Gewicht auf eine schlagkräftige Luftwaffe, die mit den
neuesten französischen Kampfflugzeugen ausgestattet
wurde. Die wirtschaftliche Situation verbesserte sich, und
aufgrund eines neuen staatlichen Wasserverteilungssystems
konnte nun auch der Süden des Landes besiedelt werden.
Obwohl die Einwanderungswelle ihren Höhepunkt bereits
in den ersten vier Jahren überschritten hatte, wuchs die
Bevölkerung in den sechziger Jahren nach wie vor an; vor
allem aus Marokko kamen viele Einwanderer. Eines der
größten Probleme des Landes stellte die wirtschaftliche und
soziale Integration der Neuankömmlinge aus den
islamischen Ländern dar. Das soziale und ökonomische
Gefälle zwischen ihnen und den ersten Siedlern aus Europa
blieb eines der größten Probleme des Landes.
Die großen politischen Bewegungen wurden in dieser
Periode durch Parteiensplitterung und -neubildungen
aufgelöst. Ben Gurion trat 1963 zurück; sein Nachfolger
war Levi Eschkol. 1965 verließ der ehemalige
Ministerpräsident die Mapai-Partei und beteiligte sich an
der Gründung einer oppositionellen Gruppe namens Rafi.
Im selben Jahr vereinigte sich die Mapai mit anderen
Arbeiterparteien und bildete die Arbeiterpartei, die bis 1977
an der Regierung war. Die beiden größten
Oppositionsparteien, die Liberalen und die Herut verbanden
sich ebenfalls 1965 zum Gahal-Block, der von Menachem
Begin angeführt wurde.
Der Sechstagekrieg und seine Folgen
Nach dem 2. Arabisch-Israelischen Krieg wuchsen die
Autonomiebestrebungen der Palästinenser. Die Bildung
eines vereinigten arabischen Oberbefehls über die Truppen
an den Grenzen, die Schließung der Straße von Tiran durch
Ägypten und das Drängen Nassers auf Abzug der UNTruppen aus Ägypten 1967 führten dazu, dass Israel am
5. Juni Ägypten, Jordanien und Syrien gleichzeitig angriff.
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Der Krieg endete nach sechs Tagen mit einem
entscheidenden Sieg für Israel. Die israelische Luftwaffe
versetzte den Gegnern einen vernichtenden Schlag.
Israel eroberte im Sechstagekrieg von Ägypten den
Gazastreifen und die Halbinsel Sinai, von Jordanien
Ostjerusalem und die West Bank und von Syrien die
Golanhöhen. Die israelisch besetzten Gebiete aus dem
Krieg von 1967 hatten die vierfache Größe des Landes
innerhalb der Grenzen von 1949. In den besetzten Gebieten
lebten etwa 1,5 Millionen Araber.
Besetzte Gebiete und arabischer Widerstand
Die besetzten Gebiete wurden zu einem zentralen
politischen Thema in Israel nach 1967. Die Rechte und die
Führer der orthodoxen religiösen Parteien im Land
widersetzten sich einem Rückzug von der West Bank und
aus dem Gazastreifen. In der Arbeiterpartei waren die
Ansichten geteilt, einige sprachen sich für die Annexion der
Gebiete aus, andere forderten den Rückzug, und wieder
andere wollten nur jene Gebiete besetzt halten, die für die
israelische Sicherheit von Bedeutung waren. Die Mehrheit
der israelischen Bevölkerung unterstützte jedoch die
Annexion Ostjerusalems und sprach sich für eine
Vereinigung mit den jüdischen Stadtvierteln aus. Die von
der Arbeiterpartei angeführte Regierung vereinigte beide
Teile der Stadt einige Tage nach dem Krieg von 1967
formell. Im Jahr 1980 verabschiedete die Knesset ein
Gesetz, das Jerusalem für alle Zeiten “zur ganzen und
vereinigten“ Hauptstadt Israels erklärte.
Auf den Krieg von 1967 folgten Aufstände der
Palästinenser. Verschiedene Guerillaorganisationen
innerhalb der Palästinensischen Befreiungsbewegung (PLO)
führten Terroranschläge in israelischen Schulen, an
Marktplätzen, Bushaltestellen und Flughäfen aus. Ziel
dieser Anschläge war die Befreiung Palästinas. Die
Terroranschläge gegen Israel im In- und Ausland hatten
zwar zunächst eine breite Solidarisierung der Öffentlichkeit
gegen eine Anerkennung und Verhandlungen mit der PLO
zur Folge, aber die Gruppe konnte mit den Jahren
internationale Unterstützung gewinnen, einschließlich der
Anerkennung durch die Vereinten Nationen als einzige
legitime Vertretung palästinensischer Interessen. Bei den
Olympischen Sommerspielen 1972 in München ermordeten
palästinensische Terroristen elf israelische Sportler.
Der Jom-Kippur-Krieg und seine Folgen
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1973 verband sich Ägypten mit Syrien in einem Krieg
gegen Israel mit dem Ziel, die 1967 verlorenen Gebiete
wieder zu erlangen. Die beiden arabischen Staaten griffen
Israel am 6. Oktober (am jüdischen Feiertag Jom Kippur)
an. Die israelischen Streitkräfte konnten die Angreifer nach
dreiwöchigen Kämpfen abwehren, mussten aber große
Verluste hinnehmen. Die arabischen Staaten wurden durch
ihren Verbündeten UdSSR unterstützt, viele arabische und
asiatische Staaten erklärten sich mit den Arabern
solidarisch. Die reichen Ölstaaten Saudi-Arabien und
Kuwait finanzierten die arabische Armee und ermöglichten
Ägypten und Syrien damit den Erwerb der neuesten
sowjetischen Waffen. Die Öl produzierenden Länder
stellten ihre Erdölexporte in die Vereinigten Staaten und
nach Westeuropa ein, da diese Israel unterstützten.
Israel stand nun unbeschränkten arabischen Ressourcen
gegenüber und musste schwere finanzielle Einbußen
hinnehmen. Lediglich massive wirtschaftliche und
militärische Hilfe aus den USA konnte das Gleichgewicht in
der Region noch halten, aber auch die amerikanische
Unterstützung konnte eine Wirtschaftskrise nicht aufhalten.
In der Bemühung, eine Friedensvereinbarung zu erreichen,
entsandte US-Präsident Richard M. Nixon seinen
Außenminister Henry Kissinger mit dem Auftrag, zwischen
Israel, Ägypten und Syrien zu vermitteln. Ergebnis der
Verhandlungen war, dass sich die israelischen Truppen
1974 vom Suezkanal bis zu den Sinaipässen und von den
Gebieten östlich der Golanhöhen zurückzogen.
Der Jom-Kippur-Krieg hatte große Unruhen im Land zur
Folge und auch eine wachsende Kritik an der Regierung.
Allgemeine Unzufriedenheit führte zum Rücktritt von
Ministerpräsidentin Golda Meir und ihrem Kabinett im Jahr
1974. Meir (sie war Eschkol 1969 im Amt nachgefolgt)
wurde von Itzhak Rabin abgelöst.
Rabin konnte die Inflation und die Verschlechterung der
wirtschaftlichen Lage nicht aufhalten. Bei den Wahlen von
1977 verlor die Arbeiterpartei die Mehrheit in der Knesset,
und Menachem Begin wurde neuer Ministerpräsident. Er
war der Vorsitzende des rechten Likud-Blockes, der 1973
gebildet worden war, und dessen Mitglieder territoriale
Konzessionen ablehnten.
Die Regierung Begin
Begins konservatives, unternehmerfreundliches
Wirtschaftsprogramm konnte die Inflation und weitere
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wirtschaftliche Einbußen, die durch die immensen
Verteidigungsausgaben entstanden waren, nicht stoppen.
Begin gelang es jedoch als erstem israelischen Staatschef, in
Friedensverhandlungen mit den anderen arabischen Staaten
einzutreten. Diese waren auf eine überraschende Initiative
des ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat zustande
gekommen, der im November 1977 nach Jerusalem gereist
war, wo er vor der Knesset sprach und Begin zu
Friedensgesprächen aufforderte. Nach den Verhandlungen
in Camp David (Maryland), die auf Vermittlung von USPräsident Jimmy Carter zustande gekommen waren, konnte
der ägyptisch-israelische Friedensvertrag am 26. März 1979
in Washington D.C. unterzeichnet werden. Trotz des
Friedensprozesses blieben viele Probleme zwischen den
beiden Ländern ungelöst, einschließlich der Frage der
arabischen Autonomie in den besetzten Gebieten der West
Bank und im Gazastreifen.
Israel in den achtziger Jahren
Der Likud-Block mit Begin an der Spitze gewann die
Wahlen im Juni 1981 nur knapp. Kurz zuvor hatte Israel
Bomber geschickt, um Nuklearanlagen in der Nähe von
Bagdad (Irak) zu zerstören. Israel behauptete, der Irak
produziere nukleare Waffen zum Angriff gegen Israel. Auch
die Annexion der Golan-Höhen im darauf folgenden
Dezember strapazierte die Beziehungen Israels zu
verbündeten Nationen. Trotz dieser Entwicklungen und der
Komplikationen, die durch die Ermordung Anwar as-Sadats
im Oktober 1981 entstanden waren, zogen sich die Israelis
schließlich planmäßig im April 1982 aus dem Sinai zurück.
Zwei Monate später begann Israel eine Invasion im Libanon
mit dem Ziel, die Präsenz der PLO dort zu beenden. Bis
Mitte August, nach intensiven Gefechten in und um Beirut,
stimmte die PLO einem Rückzug ihrer Guerillatruppen aus
der Stadt zu. Die israelischen Truppen blieben jedoch im
Südlibanon, und die Kosten des Krieges und der
anschließenden Besetzung beeinträchtigten erneut die
israelische Wirtschaft.
Im August 1983 trat Begin als Ministerpräsident und
Anführer des Likud-Blockes zurück. Sein Nachfolger in
beiden Ämtern war der bisherige Außenminister Yitzhak
Shamir. Bei den Wahlen im Juli 1984 erreichte die
Arbeiterpartei 44 Sitze und der Likud-Block 41 Sitze in der
120 Mitglieder umfassenden Knesset. Da keine der großen
Parteien allein regierungsfähig war, bildeten die
Arbeiterpartei und der Likud-Block eine Koalition. Shimon
Peres, der Führer der Arbeiterpartei, wurde
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Ministerpräsident, bis ihm im Oktober 1986 Shamir im Amt
nachfolgte.
Palästinensische Aufstände
1987 begann die so genannte Intifada, der gewalttätige
Aufstand der Palästinenser gegen die israelische
Besatzungsmacht. Es kam zu Streiks, Demonstrationen und
Straßenschlachten zwischen Zivilisten und der israelischen
Polizei. Die harte Reaktion der israelischen Regierung hatte
Kritik von den Vereinigten Staaten und der UNO zur Folge.
Die Koalition zwischen Likud und Arbeitspartei brach im
März 1989 auseinander. Shamir leitete das Notkabinett bis
zum Juni 1990, als es zu einer neuen Regierungsbildung
kam. 1989 und 1990 wanderten 200 000 sowjetische Juden
in Israel ein, wodurch die Wirtschaft des Landes weiter
belastet wurde. Während des 2. Golfkrieges, in dem sich die
Palästinenser offen auf die Seite des Irak stellten, schlugen
mehrere Raketen auf israelischem Gebiet ein. Dabei wurden
in Tel Aviv 200 Menschen verletzt und über 900 Häuser
zerstört. Im Gegensatz zu seiner bisherigen Politik
verzichtete Israel in diesem Fall auf Gegenschläge, da die
USA Raketenabwehrsysteme nach Israel schickte, um die
Angriffe abzuwehren.
Der Friedensprozess
Die ersten umfassenden Friedensgespräche zwischen Israel
und der palästinensischen Delegation sowie den
benachbarten arabischen Staaten fanden im Oktober 1991
statt. Nachdem der Likud-Block die Parlamentswahlen im
Juni 1992 verloren hatte, bildete Itzhak Rabin, der
Vorsitzende der Arbeitspartei, eine neue Regierung.
Die Ereignisse im Nahen Osten nahmen 1993 eine
überraschende Wendung. Nach Geheimverhandlungen
flogen Ministerpräsident Rabin und PLO-Chef Jasir Arafat
nach Washington D.C. und stimmten der Unterzeichnung
eines historischen Friedensabkommens zu. Israel akzeptierte
darin die palästinensische Selbstverwaltung zunächst im
Gazastreifen und in der Stadt Jericho auf der West Bank
und später in anderen Gebieten der West Bank, die nicht
von Juden besiedelt sind. Im Mai 1994 zog Israel seine
Truppen aus Jericho und den Städten und Flüchtlingslagern
im Gazastreifen zurück und stellte die Gebiete unter
palästinensische Kontrolle. Im Juli 1994 unterzeichneten
Premierminister Rabin und König Hussein von Jordanien
eine Friedensvereinbarung, mit der die seit 46 Jahren
bestehenden Spannungen zwischen beiden Nationen gelöst
wurden. Die Vereinbarung wurde im Weißen Haus in
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Anwesenheit von US-Präsident Bill Clinton unterzeichnet
und bildete die Grundlage zu einem umfassenden
Friedensvertrag. Der Friedensprozess wird sowohl von
palästinensischen als auch von rechtsgerichteten
israelischen Gegnern der Friedenspolitik torpediert. Am
4. November 1995 wurde Ministerpräsident Rabin in Tel
Aviv bei einer Friedensdemonstration von einem
fanatischen israelischen Gegner der Aussöhnungspolitik
erschossen. Außenminister Shimon Peres übernahm
daraufhin kommissarisch die Amtsgeschäfte Rabins. Der
Führer des konservativen Likudblocks, Benjamin
Netanjahu, wurde nach den Wahlen 1996 neuer
Premierminister. Der Wahlsieger Netanjahu erklärte nach
seiner Wahl, dass er den Friedensprozess fortsetzen und alle
internationalen Verträge einhalten werde.
Entgegen seinen Ankündigungen praktizierte Netanjahu
einen harten Kurs gegenüber den Palästinensern: Im August
1996 hob er den Baustopp für jüdische Siedlungen in
Palästinensergebieten auf. Der zugesagte Abzug der
israelischen Armee aus Hebron wurde immer wieder
hinausgezögert. Erst 1997 zog sich die israelische Armee
aus dem größten Teil Hebrons zurück. Zuvor hatte das
israelische Parlament das zwischen Ministerpräsident
Benjamin Netanjahu und Palästinenserchef Jasir Arafat
getroffene Hebron-Abkommen mit einer deutlichen
Mehrheit gebilligt. In diesem Abkommen verzichtete Israel
erstmals auf seinen Anspruch auf ein zum Heiligen Land
gerechnetes Gebiet.
Der Abzug verlief weitgehend störungsfrei; das Gebäude,
das zuvor die israelische Militärverwaltung beheimatet
hatte, wurde der palästinensischen Polizei übergeben. In
dem “H 2“ genannten jüdischen Teil Hebrons bleiben
jedoch 2 000 israelische Soldaten stationiert. Sie sollen in
gemeinsamen Patrouillen mit palästinensischen Polizisten
die Sicherheit der etwa 400 jüdischen Siedler garantieren.
Doch die unter Shimon Peres weitergeführte Politik der
Annäherung wurde von seinem Nachfolger nicht fortgesetzt.
Immer wieder flammten Proteste von Palästinensern gegen
die Siedlungspolitik Netanjahus auf. Unter Netanjahu kam
es zu keinen Fortschritten im Friedensprozess. Er wurde
1999 durch Barak als Ministerpräsident abgelöst. Barak
versprach seinen Wählern, das er sich für einen schnellen
Frieden mit Syrien einsetzen wird. Doch Syrien beharrt
darauf, dass es nur dann Frieden gibt, wenn Israel die
Golanhöhen räumt.
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Verfasser: Martin Bohatschek, 8c Februar/März
+: Sowohl als Geografie- als auch als Geschichtereferat zu
verwenden. Genau ausgearbeitet und sehr viele Aspekte
umfassend.
-: Kein Literaturverzeichnis.
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